Music.

Hallo zusammen und willkommen zurück hier beim Götterkomplex. Ja, meine Lieben, es herbstelt immer noch, es ist kalt, wir haben einen Tee vor uns oder auch wahlweise ein anderes Kaltgetränk. Herzlich willkommen auch ihr da draußen an den Hörgeräten. Ich sag mal, Rallye die zweite, würde ich sagen, aber natürlich nicht alleine. Ich begrüße wieder einmal hier im Büßergewand vor mir kniend den Bettlermönch Ortimus Prämus. Und er bettelt heute um Tee. Ich wünsche euch allen einen angenehmen Gottesdienst. Und der strahlende Heilige von der Kanzel predigt, predigende Niklas. Hallöchen. Hi. Predigen? Nee, dann steigen wir zu viele aus.

Hallo da draußen. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Ja, ich habe es ja angedeutet, ihr habt den Götterkomplex eingeschaltet. Es heißt wieder einmal Konzeptfolge. Wir sind immer noch in unserem Themenkomplex Religion. Wir haben letztes Mal so einen Einstieg gemacht. Wir haben letztes Mal darüber gesprochen, wie Religionen entstehen. Kleiner Funfact am Rande. Das hätte eigentlich der zweite Teil dieser Konzeptfolge sein sollen. Nun ist einfach der erste Teil wieder der zweite Teil. Und damit die Verwirrung komplett ist, fangen wir jetzt einfach an. Aber ich muss sagen, es fügt sich ganz wunderbar ein. Wir haben nämlich darüber gesprochen, wie Religionen entstehen können, wie Religionen auch eventuell in der Science-Fiction einsetzbar sind. Aber um jetzt mal zum Kern dessen zu kommen, was ist denn überhaupt Religion, Religiosität?

Ja, was ist auch vielleicht der Unterschied zu Spiritualität? All das werden wir versuchen, heute mal zu beantworten.

Und ich habe hier ein kleines Zitat vorbereitet. Ich weiß nicht, ob das eventuell ein gutes Entree ist, das wird Niklas entscheiden müssen, der jetzt ganz spontan darauf reagieren muss. Also Niklas, schneide ich an. Okay. Das Zitat ist von Werner Heisenberg im Übrigen. Der sagt, der erste Schluck aus dem Glas der Wissenschaft macht sie zu einem Atheisten. Aber Gott wartet auf sie am Boden des Glases.

Wow. Ei, ei, ei, ei, Heisenberg, also. Ei, ei, ei, ei. Ja, Jeisenberg, meine Güte. Schlauer Typ, auch einer, der über seine Disziplin hinaus auch gerne über die Welt nachgedacht hat. Und das scheint vielen Wissenschaftlern ja auch irgendwie so zu gehen, die Rückführung, sich selbst dann immer noch an Grenzen zu kommen und zu sagen, hier könnte Glaube beginnen oder er ist immer noch da. Also ich fände es schön, wenn wir das ganze Thema Rallye, Mal ein bisschen anders aufziehen, als ich stelle mich jetzt hier hin, wie Philipp das gerade erzählte, ich stehe nicht auf der Kanzel und predige jetzt hier was. Das war bewusst provokant, Niklas. Oh Gott, oh Gott. Ich glaube, der ist noch richtig angefasst jetzt. Huch.

Hast du gut gemacht. Ich glaube, dass wenn man sich über das Thema Religion und Philosophie im Allgemeinen unterhalten möchte, passiert das immer noch am besten im Dialog und im Gespräch. Denn es ist ja heutzutage in der Empfindung doch etwas Höchstpersönliches geworden, auch wenn es institutionell immer noch in der Welt zu verorten ist, in Form von Kirchen. Aber dennoch hat man ja, wenn man mit den Menschen spricht, doch irgendwie das Gefühl, es ist etwas, das vornehmlich einem selbst gehört, einen selbst rührt und auch das eigene Herz eher bewegt. Man merkt, wenn man nach Glaube fragt und auch irgendwie nach Tradition in Bezug auf den Glauben fragt, dann triggert das ja schon gewaltig. Das haben wir ja schon bei der letzten Folge, die wir veröffentlicht haben, gemerkt. Da hatten wir ja schon ein, zwei durchaus sehr kritische, wenn nicht sogar beleidigende Kommentare bezüglich Glauben bei uns. Also auf Feedback unserer Folge.

Das zeigt einfach, wie du schon sagst, das illustriert nochmal, wie sehr dieses Thema tatsächlich einfach polarisiert. Es hatte keine Stunde gedauert. Eine Stunde nach der Veröffentlichung hatten wir sofort einen entsprechenden Kommentar nach dem Motto, das brauche ich kein Schwein, das ist nur was für Idioten. Das ist es eben und da möchte ich tatsächlich an der Stelle im Namen des Götterkomplexes auch nochmal ein Statement zu abgeben. Es ist für uns klar, dass wir mit dem Thema Religion mit Sicherheit da auch mal einen Nerv treffen bei dem einen oder anderen. Wir akzeptieren auch jede Meinung dazu, solange sie ...

Halbwegs differenziert auftritt und wenn sie denn irgendwie persönlich beziehungsweise emotional gestimmt ist, das auch kenntlich gemacht wird. Was wir nicht dulden, sind Beleidigungen. Und das ist etwas, das wir in unserer Community bisher auch noch nie erlebt haben, das muss man auch mal ganz klar sagen und auch nicht in Zukunft akzeptieren werden. Umso klarer ist uns, dass das Thema Religion heißes Eisen ist, aber für mich ist da in diesem Kontext natürlich interessanter, mal mit euch darüber zu reden, Was ist Religion eigentlich?

Wichtig für mich war jetzt mal zu hören, wie eure Erfahrung mit dem Thema Religion so gewesen ist bisher und wie ihr damit umgeht. Aus einem ganz einfachen Grund, denn Religion findet bei uns in der westlichen Welt auch immer noch in Form einer Erziehung statt. Und auch in Form von Riten und Rituale mitunter, die wir gar nicht mehr verorten mit einem eigentlichen Glauben. Das heißt, wir haben mal ganz unabhängig davon, ob das jetzt gut oder schlecht ist, das will ich gar nicht bewerten, sondern wir haben ja anscheinend verschiedene verstehende Punkte, mit denen man sich beschäftigen müsste, wenn man sich mit dem Thema Religion beschäftigt.

Das heißt, zum einen habe ich wohl irgendwie sowas wie eine Institution, also sowas wie eine Institutionalisierung einer Religion. Also man hat eine Kirche, ein Gebäude, man hat Priester, man hat eine Lehre, die drum gebaut ist und Bücher. Und dann hat man den Glauben an sich, der ja auch eine Tradition erlebt hat, der aber im Menschen verortet ist. Und die Frage ist ja, was ist denn dieser Glaube eigentlich? Und auch ganz interessant, wenn man mal so in die Religionspädagogik schaut, wann fängt denn zum Beispiel, und jetzt gehe ich mal zurück auf das Zitat von Philipp am Anfang von Heisenberg, wann ersetzt denn das Wissen um Wissenschaftlichkeit ein Stück weit auch das Weltbild, der durch den Glauben in kindlichen Jahren entstanden ist?

Und da mal den Ball wieder zurück zu euch, gab es da mal irgendwie so einen Punkt, wo ihr gestruggelt habt, wo ihr gemerkt habt, also irgendwie ist das, was mir so erzählt wurde, irgendwie nicht mehr eins mit dem, was ich jetzt erfahren habe und irgendwie komme ich damit nicht so ganz klar, dass Teile, Aspekte des Glaubens, den ich vorher hatte, funktioniert hier nicht mehr? Ja, also natürlich mit Sicherheit als Kind hat man viele Dinge angenommen, wie jetzt auch Osterhasen, Weihnachtsmann und sonst irgendwas, dann wird man vor den Kopf gestoßen, heißt das, den gibt es so nicht.

Da kann ich dir gar nicht mehr genau sagen, wie jetzt sozusagen da, ob ich das... Groß hinterfragt habe. Aber es gibt sicherlich, hat es bei uns den Prozess gegeben, wo wir uns Gedanken darüber gemacht haben, wie kann man Gott erklären oder Göttlichkeit erklären. Und das war aber eben auch in diesen Auseinandersetzungen bei Firmenfahrten, wo es dann hieß, naja, wie stellt ihr euch das vor? Natürlich war der Konsens jetzt nicht, dass das irgendwie ein menschliches Wesen ist, der jetzt irgendwie auf jeden Einzelnen wacht, sondern wir haben quasi uns selber versucht, um das vielleicht auf so einen Punkt zu bringen, uns das ohne jetzt wissenschaftlich irgendwie irgendwas nachzuschauen, es waren auch noch andere Zeiten, sondern wir haben einfach wild diskutiert und haben aber versucht, vielleicht ist das eine Sache, Gott ein bisschen zu verwissenschaftlichen oder physikalisch zu erklären, ohne dabei jetzt einen Nenner zu haben. Aber das war auch fein. Also jeder ist dann aus dieser Diskussion rausgegangen und hat gesagt, naja, so könnte ich es mir auch irgendwie vorstellen. Aber ich habe nie, um diese Frage vielleicht auch nochmal dahin zu lenken, nie das Problem damit gehabt, dass es eine Wissenschaft gibt, die Dinge erklärt und dass es etwas womöglich Göttliches gibt. Denn ich bin immer davon überzeugt, dass es sehr, sehr viele Dinge gibt, die wir nicht wissen.

Nehmen wir mal als Beispiel einen Urknall und sagen, okay, das ist eine Theorie, es gibt diesen Urknall, wir wissen aber nicht, warum gibt es den eigentlich oder was war vor dem Urknall. Auch das kann man theoretisch überlegen, was war da vielleicht, aber die Antwort haben wir nicht. Und deswegen bleibt für mich vieles, ich habe Spaß an dem Gedanken zu sagen, solange du mir nicht beweisen kannst, dass es das nicht gibt, gibt es für mich erstmal den Ansatz, dass es das geben kann. In welcher Form auch immer. Das sei jedem selbst überlassen. Das ist schon wieder eine ausführliche Antwort. So eine Frage kann ich nicht einfach mal eben so... Das war so und dann habe ich so über Gott nachgedacht oder nicht mehr. Auf jeden Fall, wie gesagt, also Wissenschaft ist für mich, ich habe auch ein Studium, also ich bin da auch nicht naiv und denke, die Wissenschaft lügt, ich bin da nur spirituell, sondern für mich geht beides Hand in Hand. Also ich glaube, die Frage, wann ich zum ersten Mal wahrgenommen habe, dass ich da irgendwie einen Dissens habe im Sinne von Gottesbild und der Wissenschaftlichkeit oder der Real World, wie man so sagt, ist eigentlich fast schon, glaube ich, eine Frage, hier Niklas, du wirst stolz auf mich sein, dass ich das Wort noch kenne, eine Frage der Theodizee.

Nein, also eine Frage nach dem Grund des Leidens. Das ist, glaube ich, das, was ich als Kind nicht verstanden habe. Also ich habe immer gehört und gelehrt bekommen, dass es der liebe Gott ist, der ist allmächtig und ist halt einfach nur total gütig. Das habe ich immer gespeichert und das wurde mir eingeimpft. Und dann kam halt die Konfrontation im Familienkreis mit einer, also für mich als Kind, erste wirklich ernsthafte Krankheit. Und damit einhergehend auch der Tod eines Großvaters. Und das habe ich als Kind einfach, glaube ich, nicht übereinbekommen.

Das war so mein erster Bruch letztlich. Und dann halt weitergehend eben in der weiterführenden Schule, dass man eben dann einfach stärker in die Wissenschaftlichkeit irgendwie eingedrungen ist. Aber trotzdem blieb für mich immer, es blieb kein Widerspruch, dass es die Wissenschaftlichkeit und irgendwie ein Glaube gibt. Also ich hatte damals für mich irgendwie das sortiert und erklärt mit einem Bild, wenn man sich vorstellt, wenn man den Kern des Wissens sich vorstellt und dann von dort einen Strahl nach rechts zeichnet. Also das Wissen praktisch erweitert sich immer, das Wissen der Menschheit. Dann ist für mich, wenn du am Ende dieses Strahls einfach einen Cut setzt und alles, was rechts hinter der Markierung ist, ist halt Gott und alles, was links ist, ist unser Wissen und du kannst dieses Wissen unendlich weiter nach rechts schieben, und das menschliche Wissen wird immer größer, immer größer, immer größer, aber es bleibt ein Kern, den wir nicht erfassen können, was dann in meiner Logik damals irgendwas Übernatürliches war oder Gott, Religion, wie auch immer. Okay, das heißt, du hast zwar eine Konfrontation mit den Dogmen, die du letztendlich mitbekommen hast, erfahren, die kollidierte mit deiner Welt und deinem Verständnis von Gut und Böse und daraufhin kam es dann auch zu einer inneren, Religionskritik und Auseinandersetzung mit ab wann beginnt ein Glaube?

Das muss ich auch sagen. Jetzt nochmal in dem Gespräch, weil diese Frage war ja, wo hat Wissenschaft Göttlichkeit vielleicht so ein bisschen abgelöst? Es ist schon so, dass auch in meinem Kopf ich nicht mehr an so eine, an so einen personifizierten Gott in diesem Sinne glaube, sondern sagt, naja, die Tradition und das, was in der Gesellschaft an Gutes dadurch entsteht, damit kann ich mich immer noch gut identifizieren, aber auch nicht eben jetzt klassisch an den gütigen Gott, der da irgendwie rumwuselt. Denn dafür muss ich dann auch sagen, gibt es zu viele Dinge, die auch jetzt nicht unbedingt wissenschaftlich erklärbar sind, so wie Philipp das gesagt hat. Es gibt, was weiß ich, man kann mir ganz viel Physikalisches erklären, dies, das, jenes. Dann denke ich mir auch, ja gut, da gibt es aber immer noch hunderttausend Sachen, die sind nicht erklärbar. Aber es gibt halt so banale Dinge, die Menschen gemacht sind, wie Kriege oder sonst irgendwas.

Oder Krankheiten und so etwas. Und da kann man mir natürlich nicht mit einem gütigen Gott um die Ecke kommen. Aber ich glaube, das ist auch, je tiefer man da eindringt, auch gar nicht so gemeint worden. Sondern es ist das, was einem die Großeltern erzählen oder sowas. Ganz genau, das ist nämlich tradiertes Wissen. Das ist etwas anderes als das, womit sich dann letztendlich Religionswissenschaften oder die Theologie auch auseinandersetzen. Ja, auch das ist ein Thema, woran sich viele stroßen. Es gibt tatsächlich die Möglichkeit, diese Fächer auch zu studieren und zu lernen.

Wobei die Religionswissenschaft sich schon eher damit auseinandersetzt, wie entstehen Religionen eigentlich, was ist eine Religion eigentlich, was zeichnet sie aus. Und die Theologie sich dann mit der Religion an sich beschäftigt und auch Fragen stellt, wie verortet denn diese Religion beispielsweise das Thema Jenseits oder aber... Die Sinnsuche, die stattfinden kann, das Thema Erfüllung bzw. Der Dialog zwischen Mensch und Gott usw. Das gibt es in ganz vielen verschiedenen Religionen. Und dadurch, dass viele Religionen auf der Welt so viele Dinge miteinander gemeinsam haben, kann man ja erstmal darauf schließen, dass es ein menschengemachtes Gehirnkonstrukt in irgendeiner Form ist. Religion und Entwicklung von Religion, das haben wir in der letzten Folge ja gelernt, haben natürlich auch sehr stark mit der Entwicklung der menschlichen Zivilisation zu tun. Auch die Art und Weise, wie beispielsweise die Natur in Bezug auf den Menschen wahrgenommen wird, hat auch schon religiöse Züge angenommen. Denn wenn man sich jetzt mal Religionsdefinitionen anschaut.

Dann haben alle Religionen von ihrer Bedeutung her eins gemeinsam. Das habe ich mir mal aufgeschrieben, weil ich diese Möglichkeit der Beschreibung ganz nett fand. Religion wird als der Glaube an eine allmächtige, übernatürliche Macht beschrieben, die für Menschen oft nur durch Offenbarung wahrnehmbar ist. Diese Macht wird häufig als Gott bezeichnet und ist nicht messbar. Und das bringt die Sache letztendlich auf den Punkt. Der Mensch hat über ganz viele Generationen, nochmal Rückbezug auf die letzte Folge, in der Natur mehr vermutet, als eigentlich da war und diese Göttlichkeit hat im Zusammenspiel von Natur und Mensch stattgefunden. Und daraus sind dann irgendwann andere Religionsformen entstanden, die diesen Dialog zwischen dem, was wir dahinter vermuten und uns selbst aufgegriffen haben. Bis das Beispiel, wenn man jetzt den christlichen Glauben nimmt oder auch den judaistischen Glauben, der Bund zwischen Gott und Mensch. Da gibt es ja auch so mehrere Phasen, die jetzt alle aufzuzählen, würde jetzt hier, weiß Gott, den Rahmen sprengen.

Darum geht es letztendlich. Also halten wir mal fest, der Mensch macht sich Gedanken darüber, was ist vor der Geburt und nach dem Tod und warum bin ich eigentlich hier. Und aufgrund dieser wirklich eminenten Fragestellung für unser Sein, die wir ja nicht loswerden aus unserem Kopf, entstehen Konstrukte, die dann zu Traditionen werden, die dann wieder Einfluss nehmen auf die Kultur. Und das ist anscheinend, wenn wir uns die Menschheitsgeschichte anschauen, etwas so Wichtiges und so Natürliches, dass jetzt auch mal in Bezug auf den Götterkomplex ich vermuten würde, dass wir ohne Religion im Götterkomplex auch gar nicht auskämen. Denn so wie sich das für mich darstellt, ist Religion etwas zutiefst Menschliches. Und ist da. Gerade wenn man sich mal anschaut, was so einer Religion zugrunde liegt. Dogma, habt ihr schon mal gehört, was das ist, ne? Ja, also erklär mal genau. Also klar, man benutzt das einfach mal so in seiner Alltagssprache, aber so richtig eine Definition hätte ich auch nicht, Dogma. Also ein Dogma ist ein feststehender, meistens so unverendlicher Glaubenssatz oder so eine Lehrmeinung, die in religiösen, aber auch in philosophischen und politischen Systemen als unumstößliche Wahrheit gilt. Und wenn sich das jetzt abgelesen anhört, das war es auch.

Diese Definition bringt das eigentlich recht gut auf den Punkt. Man sagt, das ist jetzt so und von diesem Punkt gehen wir aus. Wir kennen auch ein anderes Wort für Dogma, das ein bisschen wissenschaftlicher konnotiert ist, nämlich das Axiom. Ist nicht komplett gleich, aber ähnlich von der Begrifflichkeit. Was bedeutet das? wir haben Dogmen, die sind typisch für Religionen, die setzen gewisse Dinge einfach voraus und von diesen Grundvoraussetzungen, ich nenne sie mal Inseln, fangen wir an zu denken. Und diese Dogmen, die können auch dafür sorgen, dass Systeme entstehen, dass Menschen handeln, dass vielleicht auch Gesetze erlassen werden. Beispielsweise ist der Glaubenssatz, dass etwas gut ist oder böse ist, auch ein Dogma. Menschenrechte, Bestes Beispiel. Menschenrechte ist ein hohes Gut, dass wir alle, nicht alle, aber viele auch in unserer Wertegemeinschaft recht hoch halten, hoffe ich zumindest. Mir persönlich geht es so. Absolut, ja. Auch beim Thema Menschenrechte handelt es sich aber um ein philosophisches Dogma.

Also genau, du trennst das jetzt gerade auch so ein bisschen von, also klar, es gibt ein religioses Dogma wie das und das ist Sünde, das und das ist Segen zum Beispiel. Und das ist aber ein, also die Würde des Menschen ist unantastbar, ist genau so ein gesellschaftliches Dogma, beziehungsweise halt ja auch ein juristisches Dogma, eine unumstößliche Gegebenheit erstmal. Wenn wir jetzt zu religiösen Dogmen oder Lehrmeinungen einmal dahergehen, dann wäre zum Beispiel ein typisches religiöses Dogma die Allmacht Gottes.

Dass man davon ausgeht, dass das göttliche Wesen allmächtig ist. Ja, ja, ja, ja, jetzt wird ja ein Schuh draus. Also die Allmacht Gottes, die muss nicht theoretisch oder wissenschaftlich belegbar sein, sondern sie wird einfach angenommen, hingenommen und auch, also das musst du schlucken.

Und es wird auch geschluckt und das wird nicht kritisch hinterfällt. Weil das ist ja der wesentliche Unterschied zur Wissenschaft. Das muss man ja auch ganz klar sagen. Also die Wissenschaft kann zwar sagen, wir haben hier eine allgemein anerkannte Theorie, das ist der Urknall im Moment, aber die Wissenschaft versucht, das Ding auch kritisch zu hinterfragen oder zu beweisen, zu belegen. Oder zu falsifizieren. Genau, zu falsifizieren. Ich habe ja auch gesagt, natürlich, wir sind hier drei letzten Endes auch Leute mit einem akademischen Hintergrund. Und deswegen ist das ja genau der spannende Unterschied, dass man sagt, eine Theorie wird zwar aufgestellt, sie wird aber in der Wissenschaft, und das ist von der Wissenschaft gewünscht, kritisch hinterfragt, falsifiziert, geprüft und gegebenenfalls verändert. Und das ist ja für mich jetzt der Unterschied zu dem religiösen Dogma. Da sagt man, nee, Gott ist halt allmächtig, als ein banales Beispiel. Und Dogmen entwickeln sich auch. Also auch Dogmen werden kritisch hinterfragt. Und wenn man sich jetzt zum Beispiel, ich nehme das Christentum wieder als Beispiel, was Christentum anschaut, dann fragt man sich ja doch, wenn diese Dogmen doch so unumstößlich, unveränderlich doch da stehen sollten, warum zur Hölle beschäftigen wir uns eigentlich philosophisch mit Fragen wie, wo komme ich her, wo gehe ich hin.

Was ist der Sinn des Lebens, wenn das doch letztendlich dogmatisch innerhalb dieser Religion schon längst beantwortet ist. Aber verändert das die Gesellschaft? Also wer rüttelt denn an den Dogmen? Bei der Wissenschaft ist es ein Prozess von, ich überprüfe das über Studien, ich mache Experimente und irgendwas. Du hast jetzt gesagt, so ein religiöses Dogma kann aufgelöst werden oder kann verändert werden, kann anders interpretiert werden.

Ich weiß nicht, ob du darauf hinaus hast, aber es ist halt super spannend. Wie passiert das denn bei einer Religion? Jetzt aktuell, ich kann jetzt auch wirklich nur von der Theologie ausgehen, die ich kennengelernt habe. Es gibt seit der Existenz des Christentums immer wieder eine Beschäftigung mit den Quellen, die letztendlich unseren Glauben begründen. Also das Christentum ist eine Buchreligion. Ich will das gar nicht so weit ausholen, weil das wird ja echt den Rahmen sprengen. Aber gehen wir mal von folgender Sache aus. Ja. Wir haben Texte, die uns etwas mitteilen und diese Auslegung dieser Texte und was sie für den Menschen bedeuten, sind mal auch festgezurrt worden in irgendeiner Form. Die Auslegungen können aber auch auf den Menschen und die Situation jetzt getätigt werden. Das nennt man Sitz im Leben. In der Exegese macht man das so, also in der Textauslegung.

Und wenn ich mir jetzt anschaue, wie zum Beispiel auch im Mittelalter, im Frühmittelalter, aber auch später versucht worden ist, Gottesbeweise herzustellen, kratzt man sich auch so ein bisschen am Kopf, weil das Hand in Hand geht mit der Entwicklung der Philosophie.

Und das heißt, man hat sich auch außerhalb der Religion immer wieder Gedanken über diese Systeme Religion und Glaube und Gott gemacht. Und dadurch haben sich dann aber auch Dogmen verändert. Aber weil die Gesellschaft das gefordert hat und die Kirche keine Antwort gefunden hat? Nee, nicht zwingend. Die Kirche, das ist ja die Institution, die letztendlich darüber steht, die hat natürlich so etwas oder beansprucht so etwas wie eine Deutungshoheit. Genau, das hätte ich jetzt in mir auch gesagt. Über diese Texte. Aber man kann ja auch nicht verhindern, dass Laien bzw. Andere Philosophen sich auch mit diesem Thema auseinandersetzen. Nietzsche, bestes Beispiel. Aber trotzdem, Dogmen, und jetzt lass uns mal bitte zurück auf den Kern kommen. Dogmen sind nicht zwingend unumstößlich, sie sind auch immer Teil und unterliegen einem Prozess, aber Dogmen haben einen ganz krassen Sinn in dieser Systematik und bei Menschen, weil Dogmen retten Glaubenssätze, aber auch philosophische Sicherheiten durch Zeiten hindurch. Das heißt, ein Dogma besteht mitunter auch über Jahrhunderte und sorgt dafür, dass gewisse Einstellungen zum Miteinander zwischen uns und der Natur beispielsweise, zu uns und Gott oder was auch immer, oder Götter. Es gibt ja auch politistische Systeme, also viel Gott-Systeme, dass das erhalten bleibt. Und dafür sind Dogmen letztendlich sehr sinnvoll. Jetzt gehen wir mal weiter in der ganzen Geschichte, weil wir können sonst eine ganze Folge nur über Dogmen aufnehmen.

Wir müssen uns mal schauen, wie Religionen letztendlich funktionieren im Sinne von, womit beschäftigen die sich eigentlich? So die drei Grundthemen habe ich vorhin schon genannt. Vor der Geburt, nach dem Tod, während des Lebens. Was ist der Sinn? Und diese Ansichten oder diese Fragestellungen, die Religionen aufwerfen, die sind entweder altruistisch oder egoistisch. So, jetzt habe ich wieder zwei Begriffe reingeschmissen. Egoistisch bedeutet der Blick nach innen. Wie verorte ich mich in dem System Welt, Umwelt, Mitmenschen, Sozialgefüge, was ist letztendlich der Sinn für mich? Und altruistisch bedeutet so etwas wie selbstloses Handeln oder auch Denken zum Wohle anderer. Ohne einen persönlichen Vorteil davon zu haben. Und diese Gesamtheit beanspruchen auch heutzutage die klassischen Buchreligionen, also der Islam, das Judentum, das Christentum zum Beispiel. Aber die haben noch eine ganz andere Deutungshoheit, die sie auf sich vereinen. Jetzt haben wir wieder gelernt, Religion beansprucht anscheinend Deutungshoheiten, so nennt man das. Also die sagen, wenn hier einer drüber philosophiert, dann wir. Und das ist zum Beispiel die große Frage nach der Entstehung des Ichs, des Seins, früher auch gerne beschrieben als die Entstehung der Welt.

Das ist ja etwas, worüber die meisten Religionskritiker auch in allererster Linie sofort stolpern, auch wie Kinder, nämlich bei der Schöpfungsgeschichte. Dass es sich dabei um eine tradierte Geschichte handelt, die dann ihren Platz in der Religion gefunden hat und nicht unbedingt beschreiben möchte, wie die Distanzierung vom Mensch zu Gott stattgefunden hat. Oder gehen wir vorher noch in die Schöpfungsgeschichte, wie die Welt entstanden ist, sondern dass es letztendlich eine philosophische Fragestellung heutzutage ist, aus denen Menschen immer noch ganz viel ziehen können.

Daran zu glauben heißt heutzutage, und das ist halt der Umsprung dieses Bildes, dieses Dogmas, die Betrachtung, welche Bedeutung hat denn das letztendlich für mich und mein Sein? Und dass es wieder so ein ganz wichtiger Punkt der Religion ausmacht, Religion verändert sich. Du meinst... Also für meinen Kopf, also früher hat man es vielleicht wortwörtlich interpretiert und hat das dann einfach so genommen und mittlerweile schaut man eher, ja, liest das, was da steht, als eine Metapher. Was sagt uns der Text über das Menschsein oder das Gottsein oder verstehe ich das richtig? Ja, ganz genau. Und vor allen Dingen auch immer die Rückfrage, gerade wenn man Religionswissenschaften studiert oder da drin zu Hause ist, was sagt mir der Text über den Verfasser, was sagt mir der Text über die Zeit damals, über die Glaubensgrundsätze der Menschen von dort und auch das zeigt wieder, Glaube verändert sich, aber er ist immer da. Wir haben in der letzten Folge schon darüber gesprochen, dass Glaube in eine Kultur hineinwirken kann und selbst wenn ich nicht mal an diese Religion glaube, manche Dogmen bzw. Manche Handlungen und Riten, die daraus entstanden sind, immer noch, selbst nach Jahrhunderten, da sind. Und wir eigentlich gar nicht beschreiben können, warum. Aber wir machen es trotzdem, weil Religion ja auch einen Zweck erfüllt, nämlich in irgendeiner Form einen Weg für eine Gruppe auch klar zu ziehen. Um zu sagen, es gibt hier auch Regeln, wie man miteinander umgeht. Bestes Beispiel die zehn Gebote. Das heißt, Religion hat auch einen anderen Nutzen, als der mir zu erklären, warum ich hier bin.

Er hatte auch einen ganz praktischen Nutzen. Und den gibt es mitunter heute noch in der Welt. Gar keine Frage.

Deswegen müssen wir uns auch mal ganz dringend jetzt mal anschauen, was denn eigentlich der Unterschied ist zwischen Religion und Spiritualität. Oder Spiritualität. Ich glaube, dass das ganz gerne mal durcheinander geschmissen wird. Denn Spiritualität ist ja heute ein ganz großes Thema. Für mich ist es echt fast schon synonym, ehrlicherweise. Das zeigt davon, dass ich keine Ahnung vom Thema habe, offensichtlich. Aber Spiritualität und ja, stimmt schon, sind zwei Worte, die irgendwie auch getrennt sind, aber irgendwie ist das synonym für mich. Also du hast in Religion oder in einem religiösen Leben, auch ich führe ein religiöses Leben, heißt nicht, dass ich im Kloster lebe, aber auch ich habe eine Handlung, einen Ritus, den ich regelmäßig mache, dazu gehört zum Beispiel das Beten, gut, das betrifft jetzt mich, aber das ist auch eine Form von Spiritualität, die man in dieser Religion findet. Und Spiritualität ist ein individuelles Format. Es bezieht sich auf das persönliche Streben nach Sinn, nach innerer Erfüllung, nach Verbindung zu etwas Größerem. Also das, was ich vorhin als Transzendenz beschrieben habe, das ist Spiritualität. Kann auch kreative Ausdrucksformen haben. Die können auch wieder in der Natur stattfinden. Auch da gibt es ja gerade eine krasse Bewegung in diese Richtung.

Im Übrigen kleiner Funfact etwas sehr sehr deutsches, die Romantik, habt ihr bestimmt schon mal von gehört, hat tatsächlich einen ganz engen Bezug wiedergefunden zur Natur, und das ist etwas was ich persönlich immer hart gefeiert habe denn das Göttliche, so sagt man ist in der Natur gefangen und der Mensch kann durch seine Kunst das Göttliche zum Klingen bringen finde ich persönlich sehr schön dieses Bild aber das ist zum Beispiel, eine Epoche gewesen in der deutschen Geschichte, in der Literatur vor allen Dingen, die nochmal ganz anders versucht hat, nämlich mit einem Naturbegriff sich Gott wieder zu nähern. Auch hier merkt man, alte Formen, neue Formen vermischen sich mitunter auch mal wieder und sorgen dafür, dass Menschen sich in ihrer Spiritualität, ja letztendlich erfüllen können, wenn sie es denn möchten. Und Religion im Gegensatz ist eine Struktur. Das ist institutionell. Das sind Glaubenssysteme, das sind moralische Vorschriften, das sind Praktiken, das sind Glaubensgemeinschaften.

Religionen bieten ja auch allgemeingültige Antworten, nicht nur Dogmen, sondern auch zur jeweiligen Zeit passende. Wenn du jetzt an die Predigten in der Kirche dingst, da versucht der Priester da vorne ja auch irgendwie, der liest dann eine Textstelle vor und dann versucht er irgendwie so einen Bezug zu heute zu kriegen. Das ist auch etwas, was Religion de facto ausmacht, nämlich der Aspekt nicht nur der allgemeingültigen Botschaft für viele, sondern Gemeinschaft. Das, was Orti vorhin nämlich auch sagte, was ist das, was für dich in deinem Leben noch wichtig ist an Religion, ist vor allen Dingen ein paar Riten, ein paar Gebräuche, die in eurer Familie auch Traditionen sind, die auch irgendwie sowas wie ein Kitt in dieser Familie sind, nicht komplett. Ich glaube, da gibt es noch ganz viele andere Sachen, die viel wichtiger sind für euch. Was sich auch sicherlich drastisch geändert hat. Da kann ich mir vorstellen, dass die meisten Leute jetzt nicht mehr so streng traditionsbewusst durch die Gegend gehen. Aber natürlich, unumstößlich, gibt es Dinge, die natürlich durch die Religion vorgegeben sind und eine Gemeinschaft bilden. Angenommen, man geht zu Weihnachten in die Christmette oder sowas. Ganz genau. Ganz genau. Und ich glaube, Religion und Glaube ist etwas, das man, glaube ich, keinem Menschen absprechen kann. Spiritualität ebenso wenig.

Aber trotzdem bietet das ja auch heute und wir haben es ja in den Kommentaren zur letzten Folge schon gesehen, Raum für Konflikte. Und diese Konflikte, die sind für unseren Götterkomplex schon recht wichtig, weil wenn wir über Religion sprechen und darüber reden, dass es Religion auch im Götterkomplexuniversum gibt, dann müssen wir auch mal gucken, wo sind denn da die Reibungspunkte?

Also Religionen bieten Weltanschauungen und Glaubenssätze. Aber klar ist natürlich, dass hinter diesem vermeintlichen Sinn, der dort transportiert wird, Dogmen stehen. Und Dogmen stehen manchmal sogar im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das haben wir vorhin schon gehabt. Genau, das hätte ich jetzt auch gesagt, das ist doch der klassische erste Widerspruch, der einem einfällt. Wie kannst du an so einen Quatsch glauben, wenn wir Wissenschaft haben oder wissenschaftlich das eben schon erklären können und damit führt sich doch ein Glaube ad absurdum. Und das finde ich auch eigentlich, das rahmt ja auch so ein bisschen, auch ehrlich gesagt, warum wir diese Folge überhaupt gemacht haben, weil wir immer über Science-Fiction gesprochen haben, viel wissenschaftlich da immer drangegangen sind und man dann auch denkt, wenn sich jetzt alles mehr in Richtung Wissenschaft noch mehr begründen lässt, umso weniger Platz ist für Glaube. Aber dem ist ja nicht so. Und Philipp hat das, finde ich, so schön beschrieben mit diesem, du hast quasi den Wissensbereich, der sich vielleicht über die Jahrhunderte immer mehr erklären lässt, aber es wird immer ein letzten Endes etwas geben, was nicht erklärbar ist. Und da gibt es ja auch immer noch genügend Sachen zu sagen, hey.

Da ist Platz für Göttlichkeit, die sich niemals erklären lässt. Und auf der anderen Seite das, was du ja auch so schön dargestellt hast, eben das kulturell Geformte, wo ich sage, da fühle ich mich drin wohl. Das ist etwas, also das hinterfrage ich vielleicht gar nicht, das möchte ich so weitergeben und gebe das weiter. Und man lebt eben in einer Religionsgemeinschaft, die sich mitunter natürlich verändern kann, aber die auch jahrhunderte Traditionen quasi einfach lebt und weiterlebt. Und nicht jedes Individuum auf einmal auf die Welt kommt und sagt, ich habe jetzt alles kritisch hinterfragt, ich gehe jetzt einen anderen Weg, sondern dass man sagt, nee, das habe ich angenommen und ich nehme das weiter an und gebe das weiter. Richtig. Und da sind wir ja schon bei Identität und Gemeinschaft. Also Religion kann auch eine starke Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe fördern, schafft auch sowas wie Identität. Religion ist identitätsstiftend. Eine religiöse Gruppe erkennt sich untereinander und in der Regel fühlen sich diese Menschengruppen miteinander auch einfach viel wohler. Dann sieht man ja auch, wie wichtig es für den Menschen zu sein scheint.

Ein Erklärungsbild für seine eigene Welt zu haben und wie schön ist das, das auch mit anderen Menschen zu teilen. Das kann aber auch zu Problemen führen. Das erleben wir ja auch in unserer heutigen Welt, wenn wir unterschiedliche Konstrukte haben, die, und jetzt kommen wir zum nächsten Punkt, moralisch und ethisch verschiedene Normen haben, die auf einmal aufeinanderprallen. Und dann funktioniert es nicht mehr. Apropos ethisch-moralisch. Religion ist einer der Hauptinterpretationsträger, wenn es darum geht, zu verorten, ob etwas gut oder schlecht ist. Was ist gut, was ist böse? Und, An dieser Stelle muss uns klar sein, wenn eine Sippe, eine menschliche Gemeinschaft, den Tod eines anderen Menschen als Notwendigkeit und positives Ereignis wahrnimmt in einem gewissen Kontext, wie es ja auch in der Kultur schon so gewesen ist, dann ist das ein Widerspruch zu anderen Gruppen, die das ablehnen. Ja, ja, da gibt es ja zig Beispiele, wo man sagt, hey, die Gesetzlage sagt, jetzt mal, also, was weiß ich.

Schwule Menschen dürfen heiraten. Einfach nur als Beispiel und die Kirche interpretiert es erstmal anders. Dann hast du ja auf jeden Fall Strömungen, die aufeinander klatschen und man sagt, okay, damit möchte ich mich nicht identifizieren. Und die Gesellschaft erlaubt es aber per Gesetz. Die Kirche würde es vielleicht nicht erlauben. Aus diesem Grund haben wir Menschen ja auch irgendwann Gesetze entkoppelt vom Glauben. Ja, was auch zwingend Sinn macht. Gut, in unserer Gesellschaft schon. Andere Gesellschaften, so, stopp, Orti, aber da bin ich genau an dem Punkt. Andere Gesellschaften nehmen das nicht so wahr. Ja, das ist ja mega spannend. Für die ist nämlich der Begriff Gut und der Begriff Böse anders konnotiert. Der ist anders aufgeladen. Und das meine ich mit moralischen, ethischen Normen. Die finden auch außerhalb von Religion statt, aber jetzt sind wir gerade beim Rally-Thema.

Das kann auf jeden Fall zu Konflikten führen. Wenn ich mir jetzt noch mal anschaue, was eine Religion zum Beispiel in Politik mit hineinspielt, dann haben wir, wir haben es gehört in der Geschichte von Theomere, auch wieder andere Reibungspunkte, die zu möglichen Konflikten führen können. Genauso wie Traditionen, die uralt sind, über die wir gerade schon gesprochen haben, die mitunter auch infrage gestellt werden können. Weil manche Menschen sagen, Alter, was feierst du denn da? Wieso betest du denn jetzt den Lehmvulkan an? Hier geht gerade die Welt unter, lass das mal sein. Oder Warhammer 40k. Nee, wir können doch nicht schießen, wir müssen erst die Granate segnen. Sonst geht das hier nicht. Springt sie halt nicht richtig. Ja, aber dann wird dein Außenstehender sagen, was macht ihr denn da für Käse? Wir gehen hier gleich kaputt. Aber der Techpriester sagt, nee, nee, nee, sonst gibt das hier noch ein größeres Problem, Probleme, die du nicht blicken kannst. Aber was natürlich dann noch das größte Problem bei Religionen ist, aber das hast du auch in vielen anderen auch spirituellen Systemen, aber auch in Systemen, die wissenschaftlich gelagert sind, Radikalisierung.

Und da geht es, das ist eher so ein menschliches Thema, denke ich, dass man versucht, sich auf Kosten eines anderen durchzusetzen. Das haben wir auch in der Folge gehört, was ist eigentlich Krieg? Also im Großen und Ganzen bleibt für mich eigentlich Folgendes hängen. Religionen sind zutiefst menschlich. Religionen sind vom Menschen nicht wegzudenken. Transzendenz ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Und ich glaube, dass Religion zwingend gedacht werden muss im Götterkomplexuniversum. Ich würde jetzt keine einzelne Universalreligion für uns in den Raum stellen, das nicht. Wir haben ja in der letzten Folge schon festgestellt, dass Religionen aus verschiedenen Situationen heraus unterschiedliche Eigenarten annehmen können, genau wie Rituale, egal wo sie herkommen. Ich glaube aber dennoch, dass wir Religion aus dem Götterkomplex nicht wegdenken sollen. Und ich habe da mal ein Fazit zusammengeschrieben, das ich gerne hier mal verlesen möchte, in den ganzen Gedankenkonstrukten, die ich mir niedergeschrieben habe. Ich lese es einfach mal vor. Ja, unbedingt.

Also, ich versuche hier klarzukriegen, dass Religion, Spiritualität und Religiosität unterschiedliche Dinge sind. Außerdem möchte ich eine Problemstellung für unseren Podcast klarziehen. Religion und Religionen im Allgemeinen, genauso wie spirituelle Ansätze und Weltanschauungsmodelle, sind immer im Kontext der jeweiligen Zeit der Zivilisation zu betrachten und zu bewerten. So werden all die Dinge, die wir heute als Gut und Böse betrachten, in der Zukunft vielleicht eine andere Bedeutung haben. Gut und Böse sind somit nicht Natur gegeben, sondern immer eine Auslegung des Menschen. Da Religion gerne die Deutungsrohrheit über solche Fragen beansprucht, kommt es also zu Konflikten, zwangsläufig. Und gehören deswegen für mich zwingend zum Götterkomplex. Ja. Absolut, ich kann da total mitgehen, tatsächlich. Ich finde es wahnsinnig...

Interessant, grundsätzlich dieses Denken, dieses spirituelle Denken, das religiöse Denken mit aufzunehmen. Ich halte es ähnlich wie du als zwingend, dass wir das tun müssen. Nicht umsonst gibt es ja eigentlich keine wirklich bekannte Science Fiction, die uns einfällt oder auf die wir gestoßen sind, die dieses Thema gar nicht beinhaltet. Also in irgendeiner Form, an irgendeinem Punkt, einer jeden Science Fiction, die ich zumindest kenne, kommt man, kommt irgendwo entweder eine Spiritualität, eine Religion oder irgendwas Göttliches oder irgendwas Übersinnliches, kommt auf jeden Fall irgendwie immer mit rein.

Und aufgrund des manigfaltigen Einsatzgebietes eben, also du kannst damit ja ganz toll auch Geschichten erzählen. Du kannst ja, wenn ich mir vorstelle, dass wir eine Reise von 800 Jahren mit der Eden 2, also mit einem Weltenschiff haben, einem Generationenschiff, das kommt irgendwann an, da kann man ja auch ganz wunderbar irgendwelche, Normen erzählen, irgendwelche Traditionen erzählen, in welches spirituellen Einstellungen erzählen, die sich aufgrund dieser Reise entwickelt haben und sich dann eben Bahn brechen in einer Zivilisation und darüber schon viel über diese Geschichte erzählen, wo du gerade meintest, Niklas, Gut und Böse ist immer eine Interpretation der aktuellen Gesellschaft, des Menschen eigentlich. Könnte ich mir zum Beispiel hervorragend vorstellen, dass so etwas wie der Freitod, also Selbstmord, als völlig legitimes Mittel gilt, wenn du ein Generationsschiff hast, was auf einmal ein Überbevölkerungsthema hätte, dass dann einfach Leute ganz klar sagen, Jutt, ich bin der Älteste, schieb mich durch die Luftschleuse.

Also jetzt mal ganz gesprochen. Ja, aber du triffst den Nagel ja auf den Kopf. Also am Ende des Tages ist die Möglichkeit gegeben, hier tolle Geschichten zu schreiben. Man kann sich halt aussuchen, inwieweit religiöse Aspekte in eine Gesellschaft hineinragen und diese Geschichten dann auch wieder verändern. Total. Ich kann mich da auch nur anschließen. Ich finde es auch sehr, sehr gut, dass du jetzt erstmal postuliert hast, dass man jetzt keine Ursprungsreligion irgendwie zugrunde legt. Also es wird jetzt kein, zumindest jetzt von uns, nicht einen definierten Glaubensvorgang geben, sondern man kann damit spielen. Ich hatte auch schon direkt immer irgendwie im Kopf, dass es da auch irgendwie einen religiösen Kult gibt, um den einsamen Wanderer, der im Götterkomplex-Universum das Sonnensystem durcheinanderwirbelt und für ganz viele Katastrophen verantwortlich ist. Der wird ja schon Hades genannt. Und wenn dann irgendwie Leute sagen, ja, das ist Gottes Rache, Gottes Strafe für von mir aus den Kapitalismus oder was auch immer. Das Welten zerstören, da könnte man in diese Nova Cosmogenese auch gut reingehen, dass man sagt, hey, ihr habt das zu verantworten, ihr Großkonzerne oder ihr Leute, die ihr unsere Welt geschandelt habt. Jetzt kommt Gottes Strafe.

Und das finde ich, ist heute gut dargestellt worden, dass das ja nicht, das sind dann Dinge, die müssen nicht bewiesen werden, die werden dann hingenommen oder sie entstehen aus dem Menschsein heraus, aus einer Angst, aus einer, was weiß ich.

Aus einer Strömung, wo man sagt, wir glauben jetzt daran, jetzt kommt Gott und rächt sich und wir legen das so aus. Und viele folgen dem vielleicht und vielleicht gibt es dann auch Leute, die dieses Werk zu Ende bringen wollen. Das fände ich dann super spannend. Also diese Geschichten, weil jetzt wollte ich den Science-Wiction-Motor da nochmal, anspringen, dass man irgendwie sagt, hey, keine Ahnung, es überleben ja Leute natürlich logischerweise, sonst würden wir keine Geschichten mehr schreiben. Aber dass es dann ein Hades-Kult gibt, der sagt, wir bringen dieses Werk zu Ende und.

Ja, zigtausend Beispiele, Philipp hat es ja angesprochen, über die Reise von Generationenschiffen und wie sich Glaube da etablieren kann. Ich fand es super spannend, wir hatten mal diese Diskussion um KI und wenn KI quasi so weit gediehen ist, dass sie auch zum Beispiel Leben manipulieren kann oder dass der Mensch in der Lage ist, den Menschen nach seinen Vorstellungen komplett zu schaffen oder sich mit neuronalen Netzwerken verbindet und auf einmal sehr viel Wissen hat, quasi allmächtig wirken könnte. Dass sich vielleicht auch Menschen, das hatten wir ja auch in der letzten Folge, als Propheten oder gottähnliches Wesen darstellen.

Auch solche Sachen finde ich total spannend, über sowas nachzudenken.

Ist man Gott, wenn man auf einmal mit dem Internet verbunden ist und auf einmal übermenschliche Fähigkeiten hat? Darf man sich dann göttlich nennen? Oder welche menschlichen Strömungen folgen dem dann und sagen, wir sind Götter Und wir erlauben uns jetzt, den nächsten übermenschlichen Schritt zu gehen und wir manipulieren jetzt am Menschsein herum oder, oder, oder. Und welche Strömung sagt Stopp, das müssen wir hinterfragen. Das hattest du ja so schön dargestellt, dass man sagt, das muss sich vielleicht auch verändern und vielleicht wird da ganz viel Schindluder in unseren Geschichten getrieben mit Radikalisierung, was du auch angesprochen hast. Also vielen Dank dafür auch nochmal. Wir wissen, dass das halt auch, das hast du auch nochmal schön dargestellt.

Halt auch ein extrem sensibles Thema ist und ich glaube, das ist halt einfach auch nochmal wichtig zu haben, dass da eben seine Ansicht auch gegeben ist und gelassen ist und wir auf jeden Fall im Götterkomplexuniversum auf gar keinen Fall irgendwie ein Statement zu Religion abgeben wollen. Haben wir aber, glaube ich, auch in anderen Folgen schon gesagt, dass es nie darum gehen soll, ist Religion jetzt richtig oder falsch oder was ist gut und böse, sondern es ist eine Möglichkeit, über dieses Mittel Religion zu etablieren, im Götterkomplexuniversum Geschichten zu erzählen, die durchaus natürlich kritisch sein können, aber es ist jetzt von uns nie bewusst intendiert.

Da irgendwie eine Religionskritik oder sowas vorzunehmen. Also das sehe ich auch so wie du. Das ist ganz wichtig, dass wir einfach jetzt nochmal rahmen und sagen, wir beschäftigen uns hier gerade einfach nur damit, was zeichnet Religion letztendlich aus und gehört zum Menschen oder nicht? Die Antwort ist jetzt ja. die Frage ist halt einfach nur inwieweit.

Die Leute, die Bock haben zu partizipieren sich jetzt dieses Thema annehmen und dann weiter spinnen, wie gesagt eine Geschichte hat uns schon erreicht in diesem Kontext die sehr cool war, und ich hoffe auf wesentlich mehr Geschichten, die sich mit diesem Thema beschäftigen und dann vielleicht auch graue Zonen aufmachen oder helle Zonen, anstatt es einfach nur zu dunkel zu denken das fände ich auch mal interessant Ja, das ist ein schönes Schlusswort. Ja, total. Die Graustufen. Ja, liebe Mitgötter, liebe Hörerinnen und Hörer vor den Endgeräten da draußen, ich würde sagen, krümeln wir eine Hostie drüber, kippen wir ein bisschen Messwein nach, schließen wir diese wunderbare Religionsfolge ab. Es war eine mitunter wilde Diskussion. Das war aber auch wirklich sehr schön. Und vor allem, es tat uns auch mal, glaube ich, ganz gut, mal auch unterschiedliche Meinungen oder Ansichten zu diskutieren. So soll es sein. Und einigen können wir uns drauf, dass es Religion im Götterkomplex-Universum in jedem Fall gibt. Und eben gerne, Niklas, um dich dazu zitieren, die Grautöne. Und mit ganz herbstlich wunderbar goldenen Tönen sage ich mal Gute Nacht und Tschüss und Wünsche. Wie immer, oder bleibt nur noch das eine anzustimmen, mit heiligen Grüßen, ein gesegnetes.

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