Hallo alle zusammen, mein Name ist Jason und ihr seid natürlich bei Schöner Glauben. Heute eine ganz besondere Folge für mich. Julia Enzing ist da und wir sprechen über ihr Buch Prozesstheologie, eine Einführung. Wer diesen Podcast irgendwann mal gehört hat, weiß, wie sehr ich begeistert bin von der Prozesstheologie. Deswegen großartig, dass du da bist. Hallo Julia, grüß dich. Hallo Jason, vielen Dank für die Einladung. Das ist wirklich so ein Kreis, wie soll ich sagen, der sich geschlossen hat. Das muss ich mal kurz erklären. Du bist Theologin, mittlerweile auch Professorin, wenn ich das richtig im Kopf habe, in Leipzig. Nein. Ich war seit 2019 Professorin in Dresden bis 2024 und seit 2024 bin ich jetzt in Bochum. Okay, sorry, dann habe ich es falsch abgespeichert gehabt. Du hast eine Zeit lang auch dieses Wort zum Sonntag, glaube ich, gemacht. Genau. Da auf jeden Fall. Und dann hast du aber über Charles Harzhorn promoviert und hast da, wie ich finde, eine sehr umfangreiche, eigentlich ist das die umfangreiche Einführung in die Prozesstheologie gewesen, finde ich. Also ich habe den Eindruck, jedenfalls danach habe ich es wirklich gut verstanden. Und sonst, genau, gibt es noch Dinge, die du ergänzen wolltest zu dir, damit die Leute... Nee, nee, genau. Also ich bin Professorin für Fundamentaltheologie. Das ist ein Fach von vielen Fächern in der katholischen Theologie hier an der Woh-Universität in Bochum. Und wie gesagt, war vorher lange an der TU in Dresden. Und die Prozesstheologie ist, ja, 2009 bis 2012 habe ich zu dem Thema promoviert und seitdem lässt sie mich nicht mehr los, begleitet mich mal mehr, mal weniger intensiv, aber ist mir ein Herzensanliegen. Und diese Einführung, die ich jetzt geschrieben habe, du hast ja schon gesagt, so eine Promotionsschrift, die liest man nicht mal ebenso, wenn man sich über irgendwas informieren möchte. Das ist kompliziert und dick und hat zig Fußnoten. Und da es im deutschsprachigen Gebiet außer deinem hervorragenden Buch gar nicht so viel gibt, dein Gott kann auch nicht alles, deine Monografie und, habe ich jetzt einfach die Gunsterstunde nochmal genutzt und hatte auch zahlreiche Anfragen, ob ich nicht mal so ein Einführungswerk schreiben könnte, was ein bisschen zugänglicher ist und schneller zu lesen ist und sich auch für ein breites Publikum eignet und dann habe ich mich da reingesetzt, ja. Ich glaube, das liefert es definitiv. Also es ist eine Einführung, die auch nicht so wahnsinnig dick ist. Das ist ja manchmal auch nicht. Das sind 150 Seiten so roundabout. Das hilft ja auch schon mal. Und ein Stück weit auch nochmal aus einer katholischen Perspektive. Dann hast du an der einen oder anderen Stelle auch nochmal einen Hinweis. Also in der katholischen Theologie, dann gibt es die und die Diskussion, die da aufploppen. Genau, also das finde ich hat gefehlt auf jeden Fall. Und jetzt ist es da. Wunderbar, ich freue mich sehr. Wir sprechen heute ein bisschen drüber. Du fängst im Vorbord so ein bisschen damit an, auch zu erklären, was dein eigener Zugang zur Prozesstheologie war. Magst du es da mal ein bisschen mit reinnehmen, wie du damit in Berührung gekommen bist? Ja, genau. Da sind eigentlich so zwei Wege. Zum einen der persönliche Glaube. Also ich bin nicht religiös sozialisiert in meinem Leben worden, lange Zeit. Und habe dann recht spät eigentlich erst gedacht, ich muss diesem emotionalen Überzeugung, dass ich gläubig bin und dass ich Christin bin. Hatte ich Nachholbedarf, was das Rationale angeht. Also ich habe auch keinen glorreichen Religionsunterricht gehabt und habe mich dann so sehr auf die Spurensuche übergegeben, habe Theologie studiert. Und die Frage der Vereinbarkeit von Glauben und Vernunft war für mich eines der spannendsten Felder am Nassen, ein Theologiestudium. Weil ich denke, dass wir eben als ganzheitliche Wesen denken und fühlen und, in einem Sozialgefühl geleben und nur wenn alles zusammenpasst, haben wir möglicherweise eine tragfähige Basis, um uns auch durch schwere Zeiten zu tragen. Ja, die Lebenswirklichkeit zu begegnen, aber sie vielleicht auch, sobald wir es auch können, als Menschen zu durchdringen. Und dann bin ich auf die Prozesstheologie gestoßen oder gestoßen worden, eigentlich durch meinen Doktorvater, der sagte, das könnte auch interessant sein. Und habe dann die Prozesstheologie als eine Deutung von Welt erlebt oder als einen theologischen Ansatz, als eine Schule, die keinesfalls alle Fragen löst, die ich im Kopf habe. Also auch da gibt es Lücken und Leerstellen. Das macht eine gute Theologie, finde ich, auch aus. Also es kann nie darum gehen, die Gottesfrage zu lösen, denn es geht darum, sie wachzuhalten. Also wenn es das gelingt, dass wir die Frage nach Gott wachhalten, haben wir eigentlich alles getan, was wir tun können, finde ich. Und dieser Suche, diesem Gott auf der Spur zu bleiben, diese Suche weiter zu verfolgen. Und rein intellektuell und in meinem. Gesamtbegreifen von meiner eigenen Biografie, von der Art und Weise, wie ich Welt wahrnehme, habe ich eben die Prozesstheologie als jenen Ansatz erlebt, der mich am meisten zufriedengestellt hat bisher. Aber auch in ihrer Offenheit, auch in ihrer Vorläufigkeit, auch in ihrer demütigen Haltung zu sagen, wir wissen es auch nicht, aber wir versuchen die bestmöglichen Argumente zu finden und nach diesen zu suchen. Und da habe ich mich wiedergefunden. Und ein zweiter Aspekt ist, dass ich im Zuge meiner Dissertation oder Doktorarbeit einen Forschungsaufenthalt am Center for Process Studies in Claremont, Kalifornien, da war er damals noch, hatte und da, hautnah mit den PionierInnen oder der zweiten Generation der PionierInnen der Prozessphilosophie John Cobb und etc. In Kontakt kam. Und ich habe diese Menschen als unglaublich vereindruckt erlebt. Also bis heute empfinde ich das so, dass... Die ProzesstheologInnen jetzt im akademischen Bereich, das ist eben mein Arbeitsumfeld, dem ich begegne, sind intellektuell redlich, sind Personen, die, nicht meinen, andere mit ihrer Sicht überrollen zu müssen, die sehr, konstruktiv vorgehen und die eben die Vielfalt auch des Lebens und der Wirklichkeit versuchen, in einen theologischen Ansatz zu integrieren und nicht exklusiv zu denken, sondern inklusiv zu denken. Und naja, alles, was wir intellektuell annehmen können, hängt eigentlich davon ab, wer es uns wie vermittelt und wem wir begegnen, der so oder so überzeugend und authentisch lebt. Und da habe ich eben die Erfahrung gemacht, dass ich da ganz besondere Menschen kennengelernt habe, die mir sehr früh auf Augenhöhe begegnet sind. Und das hängt jetzt sicherlich nicht nur damit zusammen, dass sie Prozesstheologinnen sind. Das wäre ja naiv. Aber ich habe sie auf jeden Fall als sehr zugänglich und diskussionsbereit und auf dem besten Argument offen erlebt. Und das hat mich beeindruckt. Und zwar ist für mich auch bis heute ein Vorbild und beeindruckt mich. Und da möchte man gerne dazugehören. Also ich dachte, da möchte ich gerne dazugehören zu dieser kurzen Menschen. Das fühle ich sehr. Ich habe Tom Ord in Deutschland auch kennengelernt. Er ist ein super Typ. Tom Ort, Kerstin Keller sind alles sehr charismatisch, aber eben auf eine wirklich intellektuell redliche, vertretbare Art, die die mitnimmt, die begeistert und überzeugt, ohne zu bevormunden. Ja, Tom Ort hat ja eine Zeit lang auch diese digitalen Konferenzen gemacht. Da haben wir auch einmal zusammen, da hast du, glaube ich, sogar mal ein Buch, gesprochen. Ja, das war toll. Da waren die ja auch alle. Ort-Line, ne? Wie sind die, oder? Ja, genau. Ich hoffe, der macht das noch weiter. Ich habe das jetzt gar nicht mehr so verfolgt, aber ich bin, ja, auch einfach bei Tom Ord, vielleicht da nochmal ein Satz zu diesen Zugängen nicht, was du sagst. Er hat jetzt ja das letzte große Buchprojekt, was er gemacht hat, im Grunde so eine Art, ich glaube, an die 100 Leute oder so zusammengetrommelt, die dann seinen eigenen Ansatz diskutiert haben. Wo ich denke, wer macht sowas? Also zu sagen, super. Also er hat immer total geschrieben Und dann haben andere die Möglichkeit gehabt, zurückzufragen. Also ist es wirklich im Dialog entstanden oder im Polylog entstanden in dieses Buch? Nicht in der Auffassung, ich weiß etwas und ich teile euch das mit, sondern ihr dürft mitreden und mitbestimmen. Genau, ja. Und unglaublich kreativ empfinde ich das auch. Also diese Form des Theologie-Treibens hat eben kein Korsett, in dem sie denken, keinen festen Rahmen, wo nur das und das gedacht werden darf und, was nicht ist, das kann dann auch nicht sein, sondern Kessling Keller sicherlich, aber auch Tom Orts sind auch mit einer gewissen Poesie und Kreativität auch innerhalb des theologischen Denkens unterwegs und sagen, gut, vielleicht für eine neue Wirklichkeit oder für eine sich verändernde Wirklichkeit, an der Wirklichkeit im Werden, im Prozess, brauchen wir auch manchmal neue Worte, neue Begriffe, neue Narrative, neue Geschichten, die uns begeistern und uns damit ja auch, also Morde schaffen auch Wirklichkeit und das ist, da habe ich ganz großen, also eine Hochachtung davor, denn Wortneuschöpfung, da muss man erstmal auf die Idee kommen, also das Wort Armipotenz von Tom Ort ist ein grandioser Begriff. Ich weiß gar nicht, ob er von ihm ist, aber ich glaube, er ist von ihm. Ich glaube, Armipotenz ist von ihm. Und ich glaube, dass so dieser ästhetische Anspruch, also zum Beispiel bei Katharine Keller ja total hoch ist, also eine schöne Sprache. Ich liebe ja ihr Buch, was auch auf Deutsch erschienen ist, dieses Über das Geheimnis. Also das ist schon wirklich großes Kino, muss man so sagen. Jetzt mal für diejenigen, die Prozesstheologie noch nicht so kennen, wie würdest du es erklären? Also Prozestheologie ist eine theologische Denkschule, würde ich erstmal sagen, die sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den USA entwickelt hat. Die Protagonisten waren zunächst der schon erwähnte Charles Hartson, der in 1897 bis 2000 gelebt hat. Man wird alt als Prozestheologe. Und Alfred North Whitehead, der ist sicherlich der Bekanntere, ein Philosoph und Mathematiker. Die beiden sind sich auch begegnet, also kannten sich, waren später dann auch Kollegen eine Zeit lang und haben ihre Art des theologischen Denkens auf, sehr unterschiedlich differenziert entwickelt. Whitehead ist der Philosoph, der sehr präzise in auch analytischen Kategorien, aber auch ontologischen Kategorien. Das metaphysische Fundament der Prozessphilosophie erarbeitet hat. Und Charles Hartson ist eben derjenige, der es auf die Gottesfrage und den Gottesbegriff angewandelt hat. So, und was heißt Prozesstheologie? Also da steckt der Name Prozess drin. Manchmal nennt man sie auch relationale Theologien oder sie gehören unter den Oberbegriff relationale Theologien, würde ich sagen, gehört die Prozesstheologie. Dahinter verbirgt sich die Vorstellung, dass, Dieser Gott, diese göttliche Wirklichkeit, kein unbewegter Beweger ist, kein unveränderbares, ja, entweder Wesen oder Transzendenz, das riecht sich jetzt nicht aus, aber egal ob man einen personalen Gottesbegriff hat oder nicht, auf jeden Fall nicht unveränderbar ist für alle Zeit, gleich, wenn uns mehr oder weniger berührt, sondern die Vorstellung, dass das, was Gott ausmacht, eine Veränderbarkeit ist, eine Flexibilität. Wenn man noch einen Schritt zurückgeht, ist es so, dass Tals Hatzner gerade sehr beeinflusst war von soziologischen Theorien und Erkenntnissen, die in den 60er, 70er, 80er Jahren in den USA, durch empirische Studien nachgewiesen wurden, die zu dem Ergebnis kamen, dass diejenigen Systeme, also sowohl vom kleinsten System, einer Paarbeziehung bis zu großen Staaten. Die stabilsten sind, die die flexibelsten sind. Also flexible Systeme sind die, die stabil sind, die Systeme, die am besten auf die Bedürfnisse der sie konstituierenden Individuen eingehen, also eingehen können. Wie gesagt, ob das jetzt ein kleines System ist oder ein sehr großes System, hält Herausforderungen am besten stand. Je starrer, je rigider, desto schneller bricht ein solches System in der Regel zusammen. Und dann, so ein kreativer Kopfbieter, Charles Hatham, hat gesagt, wenn das so ist und wenn Gott das stabilste Wesen ist, dann folgt daraus, lasst uns das mal durchdenken, dass Gott das flexibelste Wesen ist. Dass Gott dasjenige ist, derjenige ist, diejenige ist, die am flexibelsten auf die Bedürfnisse, auf die Aktionen, Interaktionen aller Menschen. Von allem, was ist, aller Entitäten, also allen Seinsweisen, allem, was ist, nicht nur uns Menschen, sondern auch allem, was sonst noch lebt, eingehen kann. Und Wirklichkeit wird eben gestaltet durch diesen Prozess, der Relationalität, der Beziehung, der Verbundenheit zwischen Gott und den Einzelwesen und der Interaktion zwischen ihnen. Und die Prozesstheologie versucht, in einem stringenten Gedankenzusammenhang danach zu erklären, danach zu fragen und zu erläutern, was das für jeweilige Verständnisse von Gott bedeutet. Was bedeutet das für die Vorstellung der göttlichen Allmacht, des göttlichen Wissens? Was bedeutet das für die Art und Weise, wie Gott in der Welt wirkt? Was bedeutet das für das Verhältnis von Gott und Welt? Wenn wir wirklich davon ausgehen, und das müssen wir, auch wenn wir das biblische Zeugnis ernst nehmen, streng genommen tun, dass Gott ein wandelbarer Gott ist. Dass Gott ein Gott ist, den es reut, der die Meinung ändert, in Verhandlung tritt mit den Propheten, mit dem Volk, mit den Geschöpfen und eben kein, Despot oder wie auch immer ein starrer, ein weltabgewandter Gott, der die Dinge festlegt, und sich dann sich selbst überlässt oder sagt, ich bin nicht erreichbar, mich berührt das alles nicht. Und das macht die Prozesstheologie aus, also einen wandelbaren, einen prozessfähigen Gott zu denken, der mit uns in einem Prozess ist, also der mit uns eine gemeinsame Geschichte hat und haben wird. Mhm. Dich hat ja irgendetwas angesprochen, hast du gesagt, bei der Prozesstheologie. Was würdest du da sagen, was waren so die Stärken der Prozesstheologie, was hat dich da abgeholt? Ich habe die Vorstellung, dass Gott ein Beziehungswesen ist. Dass die Exodus 3,14 die Frage, was soll ich den Israeliten sagen, wer du bist? Und Gott sagt, ich bin der oder die, die da ist. Dieses Dasein als die einzige Selbstdefinition, Selbstbeschreibung dieses Gottes. Ein Gott, der da ist, der nicht weggeht, sondern bei mir ist, in Beziehung ist. Und das empfinde ich auch als größte Herausforderung. Also es ist keine Herausforderung, Macht auszuüben oder über andere zu herrschen, andere kalt zu stellen, sondern wie gestalten wir eigentlich Beziehungen? Wie schaffen wir es, liebevolle, gerechte, friedvolle Beziehungen zu gestalten? Und wenn es etwas Göttliches gibt, und davon bin ich überzeugt, dann ist die größte Stärke und das, was eigentlich das Göttliche ist, dass es. Jemanden gibt, der das in Gänze und Vollkommenheit kann. Und das hat mich angesprochen. Und da steckt natürlich auch die Machtkritik, die die Prozesstheologie an ihr eigenes Gottesbild richtet und die ich auch absolut teile. Also die Vorstand, dass Macht eben nicht das ist, was unsere Wirklichkeit zu einer christlichen und liebevollen Wirklichkeit hinführt, sondern Liebe. Das ist das, was Tom Orte ja auch als Armipotenz, also die Kraft der Liebe, die Macht der Liebe und nicht als Omnipotenz, als Macht alles zu können beschrieben hat. Das überzeugt mich zutiefst. Das ist die größte Herausforderung auch, die Liebesmacht und keine Allmacht auszuüben. Da dauer ich am meisten meine Grenzenstoße auch als Mensch. Ja. Ich würde gleich zu der Einmacht nochmal da auch was hinterher schieben. Ich komme jetzt gerade aus einer Woche, ich war jetzt in Österreich, in Wien und durfte da in St. Pölten Grüße gehen raus. Da konnte ich eine Fortbildung zum Thema Prozesstheologie leiten. Und ich persönlich habe jetzt nicht so wahnsinnig viele Anschluss- oder so Erfahrungen. Also Katholizismus war noch nie so mein Ding. da habe ich einfach wenig mit zu tun gehabt. Und lerne aber in den letzten Jahren immer mehr dazu kennen. Aber ich finde es deswegen auch mal spannend, wenn es hier jetzt Menschen gibt, die eher aus dem Katholizismus zuhören. Ob du da mal ein paar Sachen zu sagen kannst, inwiefern die Prozesstheologie da anschlussfähig ist oder wie du das erlebst. Ja, also im Katholizismus ist sicherlich die Bewegung und die Bekanntheit, dass der Prozesstheologie später eingetreten ist als in der protestantischen Theologie. In der protestantischen Theologie, gab es über Menschen wie Jürgen Molkmann oder so schon früh. Jürgen Molkmann hätte sich jetzt nicht als Prozesstheologie bezeichnet, aber er war zum Beispiel mit Kerstin Keller enggefreundet und da gab es schon viele Kontakte und auch eine Bekanntheit irgendwo daraus, die auf jeden Fall die Prozesstheologie gut kannten und schon in den, deutschen Kreisen auch gelehrt haben, diskutiert haben. Und im Kandizismus war man längere Zeit sehr reserviert eigentlich bis vor, ich würde sagen, erst in den letzten 10, 15 Jahren gibt es hier auch ein stärkeres Interesse. Und das liegt vermutlich an zwei Herausforderungen. Zum einen daran, dass die scholastische Tradition des Katholizismus sich ja sehr auf Thomas von Aquin stützt. Thomas von Aquin, der im 13. Jahrhundert, also ein mittelalterlicher Theologe, ein Scholastiker, lebte. Und dann einmal Dominikaner. Und er hat eben in einem seiner sogenannten Gottesbeweise Gott als den unbewegten Beweger. Den unbewegten Beweger, da braucht man nicht inklusiv zu sprechen, definiert und hat gesagt, Gott ist das Wesen, das alles anstößt, alles in Bewegung setzt, ohne selbst in irgendeiner Weise davon bewegt zu sein. Also ein unbewegter Beweger und das ist das, was Gott ausmacht. Unbewegt zu sein, aber auf alles Einfluss haben zu können, aber selbst, es gibt kein Feedback. Also komplett im positiven Sinne ständig, aber auch nicht berührbar zu sein. Und da Thomas von Aquin so eine wichtige Rolle für die katholische Theologie und für das Selbstverständnis der katholischen Theologie spielt, tat man sich sehr schwer mit dem Gegenargument der sogenannten neoklassischen Theologie. Also die Prozesstheologie bezeichnet sich als neoklassisch, da steckt das Wort klassisch drin, um deutlich zu machen, wir brennen hier nicht alles nieder, wir kappen nicht jeden Draht und machen einfach was ganz Neues, weil wir uns das gerade mal ausgedacht haben, sondern wir kennen die Klassiker. Also wir haben sie studiert, wir kennen die Klassiker und wir modifizieren sie, wir entwickeln den theologischen Gedanken weiter, was eigentlich die Aufgabe von jedem Theologen und jeder Theologin ist, weiter zu denken, weiter zu gehen, Dinge weiter zu entwickeln. Dafür sind wir da und deshalb auch neoklassisch. Aber sie haben sich ein bisschen an der Vorstellung eines unbewegten Bewegers abgearbeitet, zugunsten des, wie Whitehead ja sagte, oder wie Harzong sagte, most and best moved mover. Also Gott ist nicht der unbewegte Beweger, sondern der am meisten und am besten bewegte Beweger oder bewegendes. Das heißt, nichts bewegt so viel wie das göttliche Wesen und nichts wird auch von so vielem bewegt wie das göttliche Wesen. Und das ist zunächst einmal eine gegenläufige Annahme, Oder man kann einfach sagen, eine Annahme, die einen Grundgedanken, nämlich jenen der Vorkommenheit und Stabilität Gottes, differenziert hat in die Vorstellung, ja, was ist unbewegt? Unbewegt würde die Prozessphilosophie sagen, es gibt auch unbewegt, es gibt auch vollkommene Eigenschaften Gottes. Das ist die Vorstellung, dass Gott ein treues Wesen, gerecht ist, dass Gott die Liebe ist. Das ist alles unveränderbar. Aber was bedeutet das für unser konkretes Leben? Also wenn das Abstrakte konkret wird, dann geschieht diese Interaktion und das muss veränderbar sein, weil wir ja auch responsiv sind. Also wir reagieren ja darauf und Gott muss davon berührt werden. Sonst wären alle biblischen Geschichten, jedes Gebet, jedes Hadern mit den Propheten, die Inkarnation Gottes, die Menschwerdung, das wirklich auch haptische Berühren von anderen. Das hat absurdum geführt, wenn wir davon ausgehen, dass das mit Gott gar nichts macht, dass Gott das gar nicht braucht, will oder sonst etwas. Aber erstmal ist ein sehr starker katholischer Grundgedanke kritisiert, herausgefordert und das verunsichert und der will schon verunsichert werden. Und die zweite Annahme ist jene der Frage der Schöpfung, also nach, und natürlich die Allmacht, also die Allmacht und auch die Schöpfung aus dem Nichts sind Teil des Glaubensbekenntnisses, der katholischen Grundüberzeugung, Allmacht im klassischen Sinne verstanden. Auch hier gibt es ja ein modifiziertes Verständnis in der Prozesstheologie, aber auch die Aussage, dass Gott aus dem Nichts alles geschaffen hat und auch hier hat die Prozesstheologie eben eine. Ja, differenziertere, biblischeres Schöpfungsverständnis. Nämlich einer, dass sie sagt, das Nichts, das haben wir, dafür haben wir keine biblischen Quellen. Am Anfang war nicht nichts, am Anfang war Toh Wabu und Gottes Geist schwebte über den Wassern. Also es gab Chaos, es gab eine Urflut, irgendein Gewaber, würde Catherine Keller sagen, ein Schleim war da. Und aber nicht nichts und das hat Gott gestaltet und ins Sosan, in die Ordnung gerufen oder gelockt. Das heißt, sie sprechen dann von einer Schöpfung aus der Tiefe und nicht aus dem Nichts. Und diese Vorstellung ist ebenso im Katholizismus, im aktuellen oder traditionellen nicht abgebildet, weshalb man sich schwer tut. Und es ist ja immer einfacher zu sagen, das passt dann nicht, als zu sagen, wir gehen da mal rein und denken uns mal die Kopf verheißen und diskutieren mal, was jetzt das stichhaltige Argument ist, vielleicht auch mit dem Ergebnis, dass es Argumente gibt, die für die eine und für die andere Annahme sprechen, aber beides ein Weg sein kann. Okay, dann lass uns doch mal in die Eimachtsfrage reingehen. Was würdest du sagen, warum ist dieses Konzept Eimacht aus prozesstheologischer Sicht problematisch? Also wenn man unter Allmacht versteht, und wenn wir jetzt eine Umfrage machen würden, würden wahrscheinlich die meisten auch auf dieses Verständnis kommen, dass Allmacht bedeutet, dass Gott die Möglichkeit hat. Zu jeder Zeit alles hervorzurufen, was nicht widersprüchlich ist. Also auch Gott kann keinen eckigen Kreis schaffen oder keinen schwarzen Schimmel oder sonst irgendwas. Also alles, was nicht widersprüchlich ist, aber hat theoretisch ein göttliches Wesen die Möglichkeit, zu jeder Zeit, alles aus eigener Kraft einseitig herbeizuführen, was logisch nicht widersprüchlich ist. Wenn man das als Allmacht versteht, hat das Folgewirkungen. Ich sage gleich etwas zum prozesstheologischen Verständnis, das hat auch Folgewirkungen. Aber die Prozesstheologie sagt, dass sie neben dem platonischen Gedanken ernst. Plasen hat schon gesagt, ens est dynamis, also zu sein, heißt eigene Macht zu haben. Wir sind geschaffen als Wesen und wir sind da, und so erleben wir uns ja auch, dass alles, was ist, irgendeine Form von Macht hat. Strebevermögen, Energie, selbst das kleinste Elektron am Möbel, alles hat irgendwie eine Form von Energie zumindest. Je komplexer das Wesen, desto umfangreicher die Macht und auch desto größer der Radius. Also wir sind sicherlich die bisher bekanntesten, komplexesten Wesen und wir haben mehr Macht als ein Eichhörnchen oder ein Rauhardack. Glaube ich, die Leute ja auch machen. Also alles, was ist, hat irgendeinen Einfluss, hat irgendeine Form von Energie, ob willentlich hervorgebracht oder nicht. Und. Die Prozess-Theologie versteht Gott ja als Creator, also als Power-Kosmische Macht und alle anderen sind die Co-Creators, also die Local Powers, alle anderen Mächte. Und Allmacht in dem vorhin skizzierten Sinne würde jetzt bedeuten, dass Gott alle anderen Mächte, die existieren, ausschaltet, also kalt stellt. Und diese Vorstellung entspricht. Nicht der Wirklichkeit, wie wir sie wahrnehmen. Und das ist tatsächlich kein banales Kriterium, denn wenn man die Sinnhaftigkeit eines Argumentes ergreift, braucht man eine Vereinbarkeit, eine Kompatibilität mit der Realität. Also mein Gottesgedanke, meine Art und Weise, Gott zu denken, muss dem Stand halten, wenn ich Tagesthemen gucke oder wenn ich aufs Fenster gucke oder wenn ich über den Hauptbahnhof gehe oder wenn ich mit einem Physiker mich unterhalte oder mit einer Biologin. Ich kann keine Parallelwirklichkeit eröffnen mit meinem Gottesgedanken, der keinerlei Anschluss hat an andere Realitätskonzepte. Denn die Frage ist, also wir leben ja nur in einer Realität. Und die Vorstellung, dass Gottes Allmacht einen jene ist, die alle anderen Mächte, ausschalten könnte, die entspricht eben nicht unserem Wahrnehmen von Wirklichkeit. Denn Wirklichkeit ist immer das Ergebnis eines Zusammenspiels von vielen Kräften. Jeder Biologophysiker sagt mir, bei solchen Sätzen immer, da hättest du nicht Prozesstheologin für werden müssen, um das zu erkennen. Das wissen wir schon lange, dass Wirklichkeit immer ein Ergebnis eines Zusammenspiels von vielen Einzelmächten ist. Und so denkt Prozesstheologie eben auch, das Gestalten von Welt, dass nämlich alles, was ist, das Ergebnis ist von einer Vielzahl von Mächten, die zusammenwirkt und natürlich auch von der Cosmic Power, der göttliche Macht, die die größte Macht ist. Und warum ist sie die größte Macht? Weil die göttliche Macht ist nicht allmächtig, ist aber unüberbietbar von den Einzelmächten. Und Gottes Machtausübung ist auch insofern die mächtigste, da Gott auf alle Wesen die göttliche Macht ausübt. Das können wir ja nicht. Wir können unser Umfeld beeinflussen. Ich kann vielleicht meine WG mit Bewohnern beeinflussen. Ich kann meine alles, was ich mich zusammen bin, beeinflussen. Die Person, die neben mir in der Straßenbahn sitzt. Aber ich kann eben nicht, wie Gott, zu jeder Zeit auf alle einwirken. Und das kann nur das göttliche Wesen, weshalb die göttliche Macht immer die größtmögliche Macht ist und dabei dennoch nicht allmächtig ist. Es ist aber wichtig, dass sie trotzdem die größtmögliche Macht ist, denn ganz häufig... Man forscht halt zu dem Schluss, wenn Gott nicht allmächtig ist, dann ist Gott ohnmächtig. Und dann ist es auch nicht mehr Gott. Dann ist es nicht mehr mein Gott, es ist überhaupt nicht mehr der christliche Gott, weil wie wer Mensch wird und die Geschichte begleitet und uns, aus den Todesmächten befreit, das kann ja nicht mehr mein Gott, wenn dieser Gott so ein ohnmächtiger Gott ist, der sich einfach nur so schwach ist, also ein schwacher Gott. Und es gibt eben viel zwischen Allmacht und Ohnmacht in diesem polaren Denken, Denn dieser prozesstheologisch gedachte Gott ist nicht ohnmächtig. Der ist mächtiger als alles andere, das es gibt, ohne allmächtig zu sein, weil eben unsere eigene Macht radikal ernst genommen wird. Und auch die Möglichkeit, dass wir eben diese Macht nicht nur nutzen, um mit Gott zu kooperieren, sondern auch zu konkurrieren. Ich kann mich auch wehren gegen das Göttliche einwirken. Und ja, die Folgen, die Folgen vielleicht noch ganz kurz, als wenn ich jetzt im klassischen Sinne Allmacht verstehe, als Gottes Möglichkeit zu jeder Zeit alles zu tun, was widerspruchsfrei möglich ist, dann schließt sich automatisch die Frage an, warum tut Gott es da nicht? Also warum? Die sogenannte TDC-Frage, wenn Gott doch alles kann, nach welchen Kriterien, bitte schön, greift Gott dann ein? Also wie schlimm muss es noch werden, wie schlimm muss es noch werden, dass Gott eingreift? Wir wissen ja gar nicht ganz konkret, Wir können ja nie von einem Ergebnis, weil es eben vielfältig hervorgerufen ist, auf einen göttlichen Willen schließen. Aber dass solche Genozide, Massenvergewaltigung, Krieg unter dem nicht der göttliche Wille sind, das ist ja jedem, also da wird ja niemand widersprechen. Das heißt, auf die Frage, warum greift Gott nicht ein, einseitig? Warum hat Gott nicht das und das verhindert, das und das Unglück verhindert? Würde man bei einem konservativen Allmachtsbegriff unterschiedlich beantworten? Entweder man sagt, Gott hat sich selbst dazu entschieden, die Freiheit des Menschen höher zu werten, als Gottes Möglichkeit einzugreifen. Kann man jetzt auch sagen, okay, nach welchen Kriterien war mit meiner Freiheit wichtiger als das Leben von vielen anderen? Oder man sagt, wir werden es eines Tages herausfinden, dass die klassische Antwort ist, es ist eben ein Mysterium. Und so dieses Bild von einem Teppich und wir sehen nur die Rückseite von dem Teppich, wo alles durcheinander geht, wir verstehen es einfach nicht, aber eines Tages wird Gott den Teppich umdrehen und wir sehen ein wunderschönes. Wir sehen, welches wunderschöne Bild diese Fäden ergeben und wofür es gut war. Diese Antwort gibt es in der Prozesstheologie, ist es nun mal so, dass sich die Frage, warum Gott nicht eingreift, einseitig schnell beantworten lässt, weil Gott nicht einseitig eingreifen kann. Und zwar nicht, weil Gott nicht einseitig eingreifen wollen würde, sondern weil Gott es nicht kann. Weil Gott Liebe ist und Liebe etwas beidseitig ist und immer voraussetzt, dass es ein Gegenüber gibt, das auch eine eigene Handlungsmöglichkeit hat. Und diese Antwort, dass Gott eben nicht einseitig alle anderen Mächte ausschalten kann, um einzugreifen, ist für manche eine Katastrophe. Also die sehen, ihr christliches Gottesbild dadurch gefährdet. Weil sie einen schwachen Gott sehen, die Hoffnung, dass es doch so etwas gibt, wie in meinem Leben zumindest, vielleicht ein einseitiges Eingreifen eines Tages oder eine Auflösung der Frage. Und für andere ist es eine frohe Botschaft, weil sie sagen, so verstehe ich die Wirklichkeit. Und die Vorstellung, dass in meinem Unheil Gott nicht eingreift, weil Gott sich entscheidet, dass das jetzt nicht dran ist, obwohl Gott es könnte, sondern Gott, löst das unheilig auf, weil Gott es auch nicht kann, aber möchte und ist in diesem Unheil bei mir, also ein, Dasein, eine Liebeskraft, nämlich im Unheil bei mir sein, ist für andere wiederum der Stärke von Gott. Also der Beziehungsgott, von dem man sagt, das Dasein, das Aushalten von Unheil, und dabei ein stetes Eingreifen zum Guten, aber eben nicht ein einseitiges Eingreifen, ist eine heilvolle Botschaft vielleicht. In der Prozesstheologie gibt es diese Diskussion, ob man dem Begriff Allmacht beibehalten soll oder sagen soll, nee, Den Begriff braucht man nicht mehr. Wo bist du da? Benutzt du den Begriff noch oder sagst du, lieber wie bei Tom Ort, dann sagen Armeepotenz? Gibt es da auch noch andere Formulierungen? Hans Hans hat ja immer von der modifizierten Allmacht gesprochen. Ein anderes Allmachtsverständnis. Im Sinne von Gott hat schon alle Macht. Aber nur alle Macht, die man haben kann, wenn man die Einzelmächte der anderen auch ernst nimmt. In der Liturgie höre ich häufiger in allem mächtig. statt allmächtig. Das finde ich sehr schön, weil es eine gewisse Handlungskompetenz ausdrückt. Dieser Gott ist in allem mächtig, aber die Form der Macht und die Form der Ausübung, steht eben unter dem Vorbehalt einer Liebesbeziehung. Das gefällt mir am besten. Ich glaube, ich persönlich spreche nicht von Allmacht. Ich muss mal überlegen, aber ich spreche nicht von einem mächtigen Gott, spreche ich aber schon. Ja. Das gefällt mir gut, muss ich sagen. Ich glaube, es ist ja immer so eine Herausforderung, wenn man jetzt so ganz neue Begriffe reinbringt. Ich habe mal gelesen, auch irgendwie Alltreue oder sowas ist dann, oder die allmächtige Kraft der Liebe oder sowas. Ich glaube, das setzt sich am Ende nicht durch. Aber so Formulierungen, das könnte ich mir schon vorstellen, dass das auch in der Liturgie gerade, da ist es ja besonders wichtig. Wenn du ein Buch schreibst, kannst du ja immer noch erklären, was meine ich darunter. Aber genau, man kann eben auch gerade im Gottesdienst nicht immer noch eine Fußsohle dran machen und sagen, ich verstehe unter Allmacht. Und gleichzeitig würde man sagen, unsere Sprache prägt eben auch Wirklichkeit. Also wenn ich ja hunderte lange vom Allmächtigen Gott, vom Richter, vom König, vom Herrscher über alles Mögliche rede, dann brauche ich mich nicht zu wundern, dass der Rest sich als klein unbedeutend und wirksam vorkommt. Oder halt auch die Frage stellt, wenn du so Allmächtig und Herrscher über alles bist, wo bist du dann? Was ist das für ein Gott, der in meinem Leid oder im Leid in meinem Umfeld nicht da ist? Warum nicht? Ich finde, die Spur könnte man gut aufgreifen. Und zwar Liturgie, das was prägt, da gibt es ja auch ein Konzept von der Prozesstheologie, nämlich das Lotten. Und ich habe tatsächlich noch nicht so wahnsinnig viel in der Prozesstheologie gefunden, was man mit dem Locken eigentlich so meint. Also ich weiß nicht, ob du da mehr. Ich habe das tatsächlich vor ein paar Wochen nochmal gemacht und bin eigentlich so ziemlich alle Bücher, die ich dazu habe, durchgegangen. Und ich habe den Eindruck, klar, man sagt dann, das ist die Überzeugungskraft, aber darüber hinaus, da dachte ich, frage ich dich mal, wie verstehst du das? Was ist dieses göttliche Locken? Und tatsächlich ist das gar nicht so einfach. Ich glaube, wir haben auch das Wort Locken bei uns nicht so. Aber im Prinzip steigt dahinter die Frage, also nach der Methode, nach dem Modus der göttlichen Machtausübung. Also wenn wir jetzt sagen, Gott ist mächtig, okay, vielleicht nicht allmächtig, aber modifiziert mächtig. Wie wirkt Gott dann? Die Frage können wir uns ja auch fragen. Auch beim klassischen Einmachsverständnis stellt sich ja die Frage, wie wirkt Gott in meinem Leben? Und die Prozess-Zyologie denkt ja, Gott und Welt in permanenter Interaktion stehend. Also alles, was ich tue, wirkt auf Gott und alles, was Gott tut, wirkt auf mich. Und jetzt fragen, es ist, glaube ich, einfach eine Frage, wie haben wir uns dieses göttliche Wirken in unserem Leben vorzustellen? Und da gibt es eben im Englischen das Wort Persuasion. Das ist ja eher so Überzeugungskraft, so ein rationaler Begriff. Oder Lure. Kerten spricht von Lure. Und Lure hat etwas fast Erwurschtes, also eine ganz starke Anziehungskraft, der wir eigentlich nicht widerstehen können. Also eigentlich ist es eine ganz starke, ganzheitliche Anziehungskraft, die uns zum Guten locken möchte, herauslocken möchte, vielleicht auch aus unserer Komfortzone locken möchte. Und es ist aber gleichzeitig ein Angebot. Es ist ein Angebot, das wir gemacht bekommen. Du hast, glaube ich, dieses tolle Bild mit dem Gott klopft an in deinem Buch, oder? Und aufmachen müssen wir. Also es ist immer ein weitseitiges Geschehen. Wir können die Tür auch zulassen. Wir können uns auch entscheiden, weil wir eben mit eigener Macht und Freiheit ausgestattet sind, auf das göttliche Locken nicht einzugehen. Und das göttliche Locken gefällt mir als Begriff aber eigentlich auch zunehmend besser, obwohl ich vor vielen Jahren gar nicht mehr mit anfangen konnte und das rechte ich mir zum Lure-Rutschen-Locken-Gedanken irgendwie. Aber die Frage, was eigentlich Gebet sein kann. Also ich finde, Gebet, das ist ja etwas, was uns als Christinnen alle vereint. Die Vorstellung, ich trete damit... Ja, in einen Dialog mit Gott. Das setzt erst mal voraus, dass Gott dialogfähig ist. Also wenn ich wirklich überzeugt bin, dass Gott weltabgewandt ist und sich eigentlich gar nicht interessiert und uns unserem Sein überlässt und uns halt irgendwann halt rettet oder auch nicht, dann brauche ich auch nicht beten. Dann kann ich es auch einfach lassen. Wenn ich aber sage, Lobpreis, Klage, Bitten ist ein Eintreten in einen göttlichen Dialog, das muss ich nicht machen. Gott ist auch so da. Also eine Studente hat mir mal gesagt, naja, wenn ich meine Freundin nicht anrufe, gibt sie trotzdem noch. Aber Kontakt pflege ich halt, indem ich mit ihr in einen Dialog trete. Das muss ich auch pflegen, das muss ich mich auch einüben und das kommunizieren. Und dann kann Gebet eine Form sein, eine Haltung zu entwickeln, mich zu konzentrieren auf das göttliche Locken. Weil wir sind ja permanent, müssen wir, das lockt ja alles. Es sind ja tausend Verlockungen den ganzen Tag. Hören wir tausend, mach dies zu das, hier ist das Gute, hier ist das Gute, hier ist das Gute, mach das, mach das, mach das, das musst du machen, um ein guter Mensch zu sein, das und da gefällst du mir und werde der Rolle gerecht. Und uns von diesen ganzen Verlockungen zu konzentrieren, also frei zu machen und zu fragen, okay, was ist das göttliche Locken von all dem Locken? Was lockt mich noch und was lockt mich eigentlich wirklich zum Guten, zu mir selbst? Und was sind nur die Verlockungen? Ich will gar nicht sein, dass ich das weiß oder dass man sich dann hinsetzt und nach zehn Minuten weiß, aha, dann sieht es das göttliche Locken. Aber ich glaube, wir haben alle, also ich würde schon sagen, viele haben vermutlich ein Gespür, was damit gemeint ist. Wenn ich mich, wenn ich wirklich frage, was ist, Was wäre jetzt das, was mich zu mir bringt, was mich zu Gott bringt, was ein Beitrag zur Gerechtigkeit und Frieden ist und was mache ich aus anderen Motiven heraus? Und mich dann einzulassen auf das göttliche Angebot oder vielleicht die Angebote, und dem Locken nachzugeben, der Überzeugungskraft nachzugeben, das wäre dann eine Kooperation mit dem göttlichen Schaffen. Ich würde mal noch eine Frage hinterher schieben. Ich habe vor einigen Wochen Nico Buschmann, Pfarrer aus Köln, da gehabt. Ich würde sagen, der ist sehr stark so in der Paul-Tillich-Fraktion unterwegs. So wie ich das verstanden habe, ist da Gott reduziert auf so eine Art inneres Gefühl. Das kannst du auch, wenn du betest, fühlen und wahrnehmen. Aber es scheint mir so, dass das kein wirksamer Gott ist. Also dieser Gott macht außerhalb von diesem Gefühl, dieses Gefühl kann natürlich auch wieder sehr wirksam sein. Ja, das ist unbenommen. Es kann dich motivieren, bestimmte Dinge zu tun und was weiß ich, kann dich in Aktivität versetzen. Das ja. Aber es klang für mich eben danach, dass es eigentlich ein sehr darüber hinaus nicht wirksamer Gott ist. Und für mich wäre jetzt die Frage, ob dieses Locken, ist dieses Locken auch einfach so ein Gefühl innerlich oder kann man das größer denken in der Prozesstheologie? Gibt es für dich Sinn, die Frage? Ja, total. Also ich frage mich dann, was mache ich eigentlich falsch bei meinem Beten, dass ich dieses Gefühl so oft nicht habe. Selbst wenn ich überzeugt bin, das bin ich, dass Gott mich locken, auch zum Guten führen möchte. So ein bisschen wie das Bild mit der Karotte oder dem Grasbüschel vor mir hergeht und sagt, komm, das ist jetzt, das führt dich eigentlich auf die Sachen weiden, aber alle sagen, mein Gras ist auch lecker und meine Karotte ist auch lecker und ich, wenn ich bete, habe ich dieses beschriebene Gefühl ganz selten und das kann, da wäre ja die Frage, was mag ich dann, wenn ich das eben nicht fühle, was machen all diejenigen, die es nicht fühlen, kann man das lernen, keine Ahnung. Ich würde sagen, in der Prozesstheologie ist das göttliche Wirken auf die Welt. Und dass Gott in dieser Welt und jedem von uns permanent ein Angebot zum Guten macht. Das kann ich nicht ausschalten. Das steht auch nicht in meiner Macht, sondern das göttliche Angebot wirkt auf alles die ganze Zeit. Manchmal habe ich dieses Bild von so einem totalen Globus, wo ständig alles hin und her geht. Und auf alle Einzelmächte eingewirkt wird mit dem göttlichen Ziel und der Langfristperspektive der Steigerung von Harmonie und von Liebe und von Mut in der Welt. Und ich würde sagen, Gott wirkt auf alle ständig, permanent, ununterbrochen, ohne Anfang, ohne Ende ein. Wir gehen darauf ein oder gehen darauf nicht ein, willentlich oder nicht willentlich, aber ich kann mich der göttlichen Einflussnahme nicht entziehen. Ich kann nicht darauf reagieren, die Macht habe ich, aber es ist nicht nur ein Gefühl in mir, sondern es ist ein Locken der Wirklichkeit, einer komplexen Wirklichkeit. Ja, das ergibt für mich viel Sinn. Ich glaube, dass in vielen Theologien, die halt nicht so stark relational denken, da ist dieses Locken dann sehr individuell, was es in der Prozesstheologie ja auch ist. Ja, es ist auch die Geschichte damit gemeint, es ist ein geschichtsmächtiger Gott. Ja, und ich glaube, man kommt ja auch sehr stark bei Whitehead zum Beispiel von der Weltbeobachtung. Also dass man sagt, es gibt irgendetwas, was lockt zu mehr Komplexität, zu mehr Harmonie und so weiter, Intensität. Das ergibt für mich Sinn. Ich würde gern, wenn das zeitlich noch hinhaut, ein weiteres Fass aufmachen. Und zwar, du hast ein, zumindest so ein Unterkapitel, hast du auch über politische Implikationen, glaube ich, heißt es sinngemäß. Und das finde ich sehr, sehr spannend. Ich schreibe tatsächlich gerade Buch Nummer zwei. Und es wird eine politische Theologie. Also ich habe herausgefunden, der John Cobb hatte ja auch eine politische Theologie geschrieben. Und ja, Catherine Keller auch. Da sind also sehr viele Ansätze, die viel auch mit der Klimathematik arbeiten und das weiterdenken. Und kann ich dir ja schon mal sagen, also mein Ansatz wird so ein bisschen sein, dass ich sage, eigentlich müsste man die Eschatologie, oder sag mal Eschatologie, ich weiß es immer nicht. Also ich glaube so diese... Aber ein bisschen alles. Muss ich bemerken. Ich glaube, dass man das so ein bisschen mehr ins Heute ziehen muss. Also was ich damit meine ist, für mich hat die politische Dimension der Prozesstheologie ganz viel damit zu tun, zu sagen, es gibt eine offene Zukunft und wenn das irgendwann mal zu irgendeiner Form von, Verwirklichung des Reiches Gottes kommen sollte, so wie das vielen klassischen Theologien ist, dann sage ich, ja, schön und gut, das ist vielleicht aber auch ganz, ganz weit weg. Aber der Aspekt von offener Zukunft hat, wenn man es näher ran holt, hat eigentlich viel, viel mehr zu sagen. Also wenn man das so formulieren will, oft wird ja gesagt, die Theologie redet über Zukunft im Sinne von, das ist das Ende der Welt. Und wenn man stärker so, ich glaube, Moldmann meint das ja auch, das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Dann, finde ich, wird es viel, viel spannender, weil dann kann man aus ganz vielen unterschiedlichen biblischen Texten, wo es immer auch darum geht, dass irgendeine Welt gerade mal zu Ende geht, da kann man dann viel rausholen. Naja, jetzt hat er lange geredet. Also für mich wäre die Frage so ein bisschen, was du für politische Implikationen siehst, wenn es um Prozesstheologie und Politik geht. Ich habe noch einen anderen Aspekt, auf den du mich gerade gebracht hast. Das muss ich jetzt zurückführen. Voll gern. Du sagtest ja, das mit dem angebrochenen Reich Gottes. Ich finde dieses Reich Gottes Bild, was für mich immer auch zusammenhängt mit der Bundestheologie. Also, dass Gott einen Bund mit uns geschlossen hat und wir eben dieses Reich Gottes gemeinsam gestalten. Das ist, als hätte Gott und ich Mensch werden müssen. Wenn wir dieses Reich Gottes nicht gemeinsam gestalten. Und jetzt hast du gerade gesagt, die Vorstellung, dass es zu einer Vollendung kommt. Und das ist eine Hoffnung in vielen Theologien. Das ist auch eine Hoffnung in der Prozesstheologie. Ich finde, eine Gefahr ist, dass man so tut, als ob es diese Hoffnung gar nicht mehr gibt, weil man nicht an einen klassisch allmächtigen Gott glaubt. Aber es ist in allen Theologien nur eine Hoffnung. Wir haben nie eine Garantie. Wir leben in dieser Hoffnung, dass es einst einen Wandel zum Besseren gibt, dass Welt transformiert wird zum Besseren. Und diese ganz starke Hoffnung, die lebe ich und die erlebe ich eben auch in der Prozesstheologie. Mit den politischen Implikationen meine ich, nun ja, ich denke, es gibt sowieso keine, oder es darf keine, also Theologie, wenn ich sie ernst nehmen möchte, ist immer politisch. Gott wurde Mensch und ist mit dieser Welt in die Interaktion getreten, um zu einer Veränderung zu führen. Kehrt um. Das ist die Botschaft. Kehrt um, macht etwas anders. Und es ging immer darum, die aktuellen Zustände zu verändern, weil sie Missstände waren. Also im nachparadiesischen Leben, in dem wir nun mal sind, ist die Ordnung so, dass wir uns anklagen, dass wir töten, dass wir uns für uns selbst schämen, dass wir aufgrund der anderen leben und und und und. Dass die Beziehung einfach gestört ist. Die Beziehung zwischen uns und unserer Mitwelt, zwischen den Geschlechtern, zwischen den Menschen, zwischen allem ist es, ein Disbalance, eine Störung und Und deshalb ist alles Interagieren Gottes, hin zum Reich Gottes. Ein Versuch an Unternehmen, ein Unterfangen an Investitionen von Energie, die aktuellen Zustände zu lebensfreundlicheren. Zu einer lebensfreundlichen Welt zu machen. Und das, was uns von einem gerechten Leben abhält. Das, was uns davon abhält, dass alle, die leben wollen, soweit es möglich ist, im gegebenen Rahmen leben können, möchte Gott transformieren. Und das ist per se ein politisches Anliegen. Zustände zu verändern zum Besseren ist ein politisches Anliegen. Und ich kann das auch machen, auch wenn ich nicht Christin bin. Ich kann als komplett säkularer Mensch einen ganz, ganz, ganz immens wichtigen Beitrag, einen riesengroßen Beitrag zu einer besseren Welt leisten. Wenn ich aber Christin bin, dann kann ich nicht sagen, mir ist es egal. Dann muss ich das. Also dann ist das quasi mir auf die Agenda geschrieben, wenn ich Zeugnis ablegen möchte. Und das ist mein Verständnis vom Christentum. Wir legen gemeinsam Zeugnis ab für einen Gott der Liebe. Dann habe ich einen Auftrag, das soweit es geht, in meinem Leben und in meinem Umfeld zu realisieren. Und damit verändere ich das Umfeld. Und da müssen wir, glaube ich, dieses Hin zum Leben, weg vom Tod. Das ist so ein bisschen, ja, also auch ein bisschen im übertragenen Sinne. Was hält uns eigentlich ab vom guten Leben? Was hält die anderen ab vom guten Leben? Was fesselt uns? Was engt uns ein? Was macht wenig lebendig? Im übertragenen Sinne ein bisschen die Worte verstehen. Also das könnte man jetzt noch ausweiten auf das Sakramentverständnis. Man könnte es auch, man könnte sich auch mal den Luxus oder das Risiko leisten, katholischerseits zu überlegen, was heißt es eigentlich, dass man verheiratet ist, bis dass der Tod entscheidet. Was ist eigentlich der Tod? Ist damit per se der biologische Tod gemeint? Was ist das Lebensvernichtende? Was ist der Tod? Also biblischerseits haben wir da so viele Anknüpfungspunkte, das Lebenskraftnehmende anders zu verstehen. Und so sehe ich auch die transformative Kraft tatsächlich eines solchen theologisch prozessfähigen Ansatzes. Und der ist per se politisch auch die Machtkritik, die mit der Prozess-Sylogie verbunden ist. Die mal die Rückfrage stellt, was heißt es eigentlich, allmächtig zu sein? Wie erleben wir eigentlich Macht? Können wir die irgendwie zusammenkriegen mit Liebe? Ja, in den seltensten Fällen. Was heißt Beziehung, was heißt Relationalität, was heißt Resonanz? Und deshalb ist diese gesamte Form des Gottdenkens in der Prozesstheologie, hat etwas Politisches. Ich habe ja auch ein Kapitel zur Berührung. Also auch das ist zutiefst politisch und auch ambivalent. Und auch die Frage der Eigenmacht der Geschöpfe. in vielen ökotheologischen Ansätzen, aus der früheren, also der 80er, 90er, Dorothee Sölle und so weiter, die sich jetzt sicherlich nicht als Prozesstheologin bezeichnet hätte, hat aber schon die Eigenmacht der Geschöpfe ganz ernst genommen. Und in ihrem Credo, ja, jeden Tag habe ich Angst, dass du umsonst gestorben bist. Jeden Tag habe ich Angst, dass du umsonst gestorben bist, weil wir nichts daraus gemacht haben, dass du uns erlöst hast. Das heißt, wir machen was daraus. Das ist nicht dieser Gott, der einmal stirbt und alles ist gut, sondern es liegt auch etwas in unserer Hand. Und wenn wir nicht mitarbeiten, dann hat das auch Konsequenzen, reale Konsequenzen. Deshalb sind wir mit eigener Macht ausgestattet. Das finde ich schon eine ganz starke politische Kraft, die dahinter steckt. Die kann auch überfordern, die kann herausfordern, und das soll sie auch, aber das ist ja auch die Aufgabe von Theologie. Es ist nicht immer bequem, aber hoffentlich anregend. Hoffentlich irritierend, hoffentlich kraftgebend, aber auch, also so erlebe ich es für mich. Ein schönes Schlusswort. Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast und danke dir auch, hier, ich halte es nochmal rein, das ist das Buch, Prozess Theologie, eine Einführung. Das lohnt sich auf jeden Fall. Großartig, vielen Dank. Danke, Jason. Ich bin immer wieder inspiriert, mit dir zu sprechen. Gleichfalls. Alles Gute. Ja, bis dahin.