Hallo und herzlich willkommen bei Schöner Glauben. Ich bin Charlotte und neben mir sitzen Per und Sonja. Heute in einer neuen Rubrik und zwar Brot und Rosen. Bei Brot und Rosen gibt es quasi Schöner Glauben mit Klassenperspektive. Wir wollen gleich erzählen, was es in dieser Rubrik zum Thema Klasse alles zu hören gibt und was genau wir damit meinen. Und uns auch etwas Zeit nehmen, um uns als Hosts einmal etwas vorzustellen in einer kleinen Folge vorab. Bevor wir dazu kommen, will ich aber noch einmal schnell die Werbetrommel rühren. Und zwar passt es thematisch ganz gut, dass es einen Lesekreis gibt zum Buch Theologie im Kapitale 10 von Jörg Rieger. Jörg habt ihr in einer der letzten Folgen schon kennenlernen dürfen. Moritz hat ihn interviewt. Und wenn ihr daran teilnehmen wollt, dann ladet euch am besten die Schöner-Glauben-App runter. Da gibt es ohnehin ganz spannende Informationen, Austausch zu Folgen und Termine oder auch eben lokale Vernetzungen. Und ein Termin, der jetzt in nächster Zeit auch ansteht, am 5.9. Ist ein Open Air in Heilbronn mit dem Titel Songs of Hope and Beauty, wo ich gehört habe, dass man eventuell einen Kaffee vom Barista-Pastor ergaunern könnte. Jetzt aber erstmal zu uns. Und zwar sind wir hier digital zusammengeschaltet aus Hannover, Hamburg und Leipzig. Sonja, Peer und ich. Sonja kennt ihr vielleicht schon aus der Juli-Folge Queere Theologie und Kapitalismuskritik oder auch von dem Insta-Auftritt Herz-Kopf-Hand-Theologie. Peer ist eine bekannte Stimme im Podcast, ein bekanntes Gesicht auf Instagram. Und mich kennt ihr eventuell aus der Folge mit Sonja oder aus der März-Folge Klassismus-Klasse-Klassenkampf oder auch von dem Instagram-Händel Herzkopf-Handt-Theologie. Ihr seht, da gibt es schon eine Verbindung. Aber jetzt wollen wir uns erst einmal noch genauer selbst vorstellen und ich würde einmal gerne an euch beide übergeben. Sonja, vielleicht magst du übernehmen. Wer bist du? Ja, erstmal hallo in die Runde. Schön, dass wir hier zusammensitzen für die erste kleine Minifolge. Hallo. Hallo. Ja, wer bin ich? Ich fange mal, genau, also ich promoviere gerade an der Universität Hildesheim und ich bin, gestartet in meiner Promotion quasi mit queeren Theologien, erstmal noch ein bisschen allgemein mit einem großen Interesse an Christologie. Und mittlerweile bin ich ein bisschen umgeschwungen und habe das zugespitzt und schreibe jetzt meine Doktorarbeit zu Sexualität und Herrschaftskritik bei Marcella Altersreed. Marcella Altersreed ist eine der prägenden, rierenmaterialistischen Befreiungstheologinnen. und mit der befasse ich mich gerade ganz viel. Das umgibt mich. Ich bin auch ordinierte Fahrperson ins Ehrenamt und arbeite als solche bei der queersensiblen Seelsorge mit. Vielleicht das als kleiner Aufschlag, wir können ja dann noch in die Tiefe gehen. Per, magst du weitermachen? Was umgibt dich so den lieben langen Tag? Ja, vielen Dank, gerne. Ich studiere im Moment evangelische Theologie an der Uni in Hamburg und ich will ins Pfarramt irgendwann mal damit. Ich habe vorher, also das ist vielleicht immer, manche Leute wundern sich immer, hat Peer jetzt irgendwie seit 15 Jahren da studiert. Nein, ich habe erst mit 29 dieses tolle Studium angefangen und vorher habe ich, elf Jahre gearbeitet im Versicherungsbereich. Manchmal fühlt sich das für mich so an, als wäre das jemand ganz anderes gewesen, dessen Erinnerungen ich irgendwie so übernommen habe, weil irgendwie ich mit diesem Job, der mich gar nicht mehr so viel mehr verbindet irgendwie. Aber ich habe da wertvolle Erfahrungen gemacht, die ja irgendwie auch zu mir heute dazugehören. Soviel erstmal, vielleicht erzähl ich gleich nochmal ein bisschen mehr. Charlotte. So einen kleinen Umweg in die Theologie verbindet uns alle, Charlotte, oder? Ja, genau. Ich habe auch vor dem Theologiestudium erstmal Medientechnik studiert. Ja, genau, jetzt bin ich auch genau wie Sonja an meiner Doktorarbeit. Also mein Studium ist schon ein paar Jährchen her und genau, ich bin aber dann nicht ins Fahramt gegangen wie Sonja, sondern erst mal an der Uni geblieben und jetzt schreibe ich meine Doktorarbeit zum Thema Klasse, weswegen ich auch mit hier bin. Und durch ein Stipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung arbeite ich deswegen hauptsächlich zu Hause oder in der Bibliothek. Ja, und man findet mich in Leipzig. Wollt ihr auch noch so zu eurem kirchlichen oder religiösen Background was sagen, dann würde ich damit einfach gleich starten. Wir haben alle sehr unterschiedliche Backgrounds, deswegen finde ich es schon mega spannend bei uns. Und wir kennen uns auch noch nicht wahnsinnig gut, deswegen seid ihr jetzt quasi live dabei, wie wir uns auch gegenseitig kennenlernen und auch über die nächsten Folgen noch besser kennenlernen werden. Ich bin Pfarrkind, also ich bin im Pfarrhaus groß geworden. Meine Mutter ist Pastorin und habe deswegen jetzt nicht intuitiv Lust gehabt, Theologie zu studieren, aus einem Abgrenzungsbedürfnis heraus. Und dennoch war mir das natürlich ein vertrauter Beruf. Und ich wusste sozusagen, es ist einfach ein Beruf, den man auch einfach erlernen kann und der sehr vielseitig ist. Insofern ist es nicht ganz unabhängig davon und über Umwege bin ich dann doch ins Theologiestudium gegangen, weil ich eigentlich Lust auf so ein Studium Generale hatte und am Ende kam dann doch das Theologiestudium dem am nächsten. Und da hat mich schnell so die systematische Theologie gecatcht und bin da auch dran geblieben und deswegen schreibe ich da jetzt auch noch meine, Doktorarbeit in der Ethik und genau, ich bin evangelische Theologin, lutherisch geprägt. Ja, so viel vielleicht erst mal dazu. Ich bin in einer evangelikal-freikirchlichen Familie groß geworden. Eigentlich war meine ganze Familie so, irgendwie freikirchlich. Und zwar war das so ein bisschen eine spannende Geschichte. Ich versuche es kurz zu machen. Diese Freikirche, in der wir waren, das war eine Abspaltung von der damals, glaube ich, noch nordelbischen Landeskirche in Hamburg. Also da gab es so eine charismatische Pfingstentwicklung in einer von diesen großen Gemeinden in Hamburg und, das lief ein paar Jahre, war auch sehr erfolgreich, als es noch innerhalb der Kirche war und dann haben die irgendwann gesagt, wir gehen raus und das war dann irgendwie so eine ganz spannende Mischung aus irgendwie reformiert mit lutherischen Elementen und irgendwie dieses Pfingstcharismatische, hat sich aber im Laufe der Jahre glaube ich immer eher in diese reformierte und Pfingstcharismatische Richtung entwickelt, diese lutherische Prägung ist irgendwie ein bisschen verloren gegangen Da war ich sozusagen 15 Jahre. Hab da, würde ich sagen, Gutes erlebt und auch viel Schwieriges. Dass ich überhaupt nicht sagen kann, da waren auch ein paar Sachen gut. Das war ein langer Prozess. Also ich hab da auch lange gebraucht, mich davon wieder abzunabeln, das aufzuarbeiten. Dann war ich 15 Jahre Baptist. Also als ich mit 15 sozusagen ist diese Gemeinde da gecrashed. Meine ganze Familie ist zu den Baptisten gegangen und ich auch. Da habe ich auch gute Erfahrungen gemacht, auch einige Sachen, die mich strukturell und theologisch irgendwie, wo ich viele Fragen hatte, die ich irgendwie nicht so gut beantworten konnte. Und jetzt bin ich in der Nordkirche, also jetzt bin ich irgendwie im Luthertum, ja weiß ich nicht, angekommen, aber weiß ich nicht, weil ich ist ja irgendwie immer auf der Reise. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, in der Nordkirche zumindest fühle ich mich wohl, weil da kann man auch alles Mögliche sein. Es gibt ja sogar eine unierte Tradition in der Nordkirche in Pommern. Also von daher, das ist ein bunter Haufen, wo man irgendwie so ein bisschen das machen kann, was man gerne möchte, habe ich zumindest den Eindruck. Und deswegen bin ich gerne da im Moment. Ja, spannend. Ich glaube, ich mache dann quasi so die dritte Perspektive. Wir kommen wirklich aus sehr unterschiedlichen Ecken. Also ich habe überlegt, es ist nicht so, also ich komme aus einer Familie, wo Religion keine große Rolle gespielt hat. Also nicht religiös passt auch nicht hundertprozentig. Ich glaube, es ist mehr so ein Religionsfern oder so ein kulturelles religiöses. Also in der Tradition meiner Großeltern und Eltern hat man noch getauft und hat die Kinder noch zur Konfirmation geschickt, weil es irgendwie dazugehörte. Und das ist aber eine Bindekraft, die spätestens in der Generation von mir und also sozusagen in meinem Alter sind in der Familie verloren gegangen. Also. Religionsferner Haushalt, würde ich sagen. Und auch mehr so aus einer traditionellen ArbeiterInnenfamilie. Also väterlicherseits stark im Handwerk und mütterlicherseits so im Büro- und Verwaltungstätigkeiten. Und da spielte das Religiöse eher so eine nachgestellte Rolle. Deswegen bin ich tatsächlich auch nach dem Abi erstmal zum Studium nach Göttingen gegangen, zum Medizinstudium. Also die Bewerbung des Medizines ist ja noch zentral organisiert, hat mich, hat sozusagen die Stadt für mich ausgesucht und in Göttingen, bin ich durch Zufall im Theologischen Stift gelandet. Die hatten immer so eine Handvoll Nicht-TheologInnen-Plätze. Und da bin ich das erste Mal so richtig in Kontakt mit gelebten Glauben und Theologie als Studium gekommen. Und es hat ein paar Semester gebraucht, aber es hat mich dann so gepackt und fasziniert, dass ich kurz vorm Physikum quasi die Kurve genommen habe und nochmal umgesattelt bin von Medizin auf Theologie. Und das wäre für mich nach dem Abitur nicht denkbar gewesen. Also in keiner Welt so. Deswegen ein bisschen religiös und Theologin über Umwege. Ist spannend, weil bei mir ist es genau umgekehrt. Ich komme aus einer selbstverständlichen religiösen Umgebung und lebe heute überhaupt nicht mehr unter religiösen Menschen. Also ich habe neulich zufällig mal eine andere Kita-Mutter kennengelernt und die war religiös und ich habe mich super gewundert. Also es war so, huch. Wo kommt das denn jetzt auf einmal her? Also weil es in meiner Umwelt gerade, überhaupt gar nicht so der selbstverständliche Kontext ist und ich eigentlich gerade gewohnt bin, mich religionsfernen Menschen zu bewegen. Und wiederum andersrum bist du jetzt im Pfarrkontext zu Hause und wohnst im Pfarrhaus. Ich wollte gerade sagen, wir haben immer geswitcht. Also meine Frau ist Pastorin, dadurch wohnen wir jetzt auf dem Dorf in Niedersachsen in einem Pfarrhaus. Ja, das Pfarrhaus kann man sich auch. Und ich will überhaupt nicht ins Pfarrhaus ziehen. Nicht? Nee. Aber du willst Pastor werden? Ich will Pastor werden, aber nicht ins Pfarrhaus ziehen. Also falls jetzt irgendwie eine Gemeinde Kirchenrat zuhört und denkt, Mensch, Pär wäre ein toller Pfarrer, grundsätzlich gerne, aber ich gehe nicht ins Pfarrhaus. Ja gut, wieder unsere unterschiedlichen Kontexte. Man kann sich jetzt schon vielleicht fragen, wie haben wir eigentlich zusammengefunden und was bringt uns überhaupt thematisch hier zusammen? Genau. Also, Pea, magst du übernehmen? Ja, gerne. Wir haben uns ja, also ich fange nochmal anders an. Ich saß irgendwann, ich glaube, das war, als wir an meinem Katholikentag waren, da saß ich irgendwie so mit Jason zusammen im Zug. Jason ist ja der Gründer dieses ganzen Projekts, schöner Glauben. Und dann habe ich irgendwie gesagt, du hast ja irgendwie so dein Thema mit der Prozesstheologie und so. Und da machst du dann ja immer was. Und wenn die Leute so überlegen, Jason, was macht der eigentlich? Dann wissen die immer sofort Prozesstheologie. Ich hätte irgendwie auch gerne so ein Thema, aber ich weiß irgendwie nicht so richtig was. Ich mache ja immer mal so hier und da und so. und dann meinte er so, ja, mach doch irgendwie Klassenkampf oder so, und dann habe ich so gesagt, ja, das ist eigentlich cool, das ist ja auch irgendwie bei Schöner Glauben noch nicht so richtig doll vertreten, also es gibt jetzt noch nicht so richtig ein Projekt, was sich nur damit beschäftigt, und ja, vielleicht mache ich das mal und da kurz vorher warst du, Charlotte, bei Moritz da in dieser Folge und hast über Klassismus und Klasse gesprochen, und da weiß ich noch, dass ich das gehört habe und ich dachte so, ja, die ganze Zeit so, yes, yes, yes, was du gesagt hast, war ich immer so richtig so, voll gut und so. Und dann habe ich irgendwie so gesagt, ja, ich glaube, ich frage Charlotte mal, ob die da vielleicht auch Bock drauf hat. So, und dann war er so, ja, klar, mach, das ist voll die geile Idee und so. Und dann habe ich, glaube ich, über Moritz den Kontakt zu dir hergestellt und dann haben wir uns mal verabredet zu einem Zoom, glaube ich. Und dann hast du mir noch relativ schnell gesagt, ja, wir haben ja eigentlich Sonja und ich wollte sowieso sowas machen und so. Und dann habe ich dich quasi so ein bisschen reingeschnackt, dass ihr das Ganze mit mir macht und bei schöner Glauben. Also ja. Ich habe euch quasi, also nicht abgeworben, aber ich habe euch eingeladen, das mit uns zu machen. Ja, und deswegen sind wir hier. Und ich glaube, das ist auch eine gute Idee. Genau, Sonja und ich sind an dem Thema auch schon etwas dran, haben da schon Workshops zugegeben, Vorträge gehalten und sind so ein bisschen in der Erwachsenenbildung. Und jetzt neuerdings auch auf Instagram mit Herz-Kopf-Hand-Theologie, wo wir das auch versuchen ein bisschen zu vermitteln. Und mit auch unter anderem dem Profil Queerer Theologie. Das könnt ihr quasi in der Folge, wo wir zusammen mit Moritz gesprochen haben, auch nochmal nachhören. Aber genau, man kann gar nicht genug Podcasts mit Klassenperspektive in der Theologie oder in der religiösen Öffentlichkeit haben. Ich kenne auch noch keinen. Deswegen bin ich sehr froh, dass wir dieses Projekt hier starten. Das ist die höchste Eisenbahn. Ja, und um den, vielleicht um den Kreis einmal rund zu machen, wir beide kennen uns jetzt einfach schon länger. Wir haben zusammen Examen gemacht, Charlotte, und sind von da an quasi weiter Weggefährtin geblieben und haben dann jeweils den Themen, die uns umgeben haben, sind wir immer im Gespräch geblieben. Also dein Promotionsprojekt zur Klasse Mainz zur Queeren Theologie und wir haben da eigentlich herausgefunden, welche Brücken sich da ganz organisch schlagen. Und mit Herz-Kopf-Hand-Theologie haben wir gedacht, machen wir mal das, was wir untereinander immer in Austausch machen, auch mal für andere zugänglich. Ja, und so sitzen wir jetzt alle hier. Ja, und jetzt sind wir hier und machen Brot und Rosen. Was hat es mit Brot und Rosen eigentlich auf sich? Den Titel habe ich eingebracht, aber ich bin jetzt mal so fies und frage, warum habt ihr da zugestimmt? Was bedeutet Brot und Rosen für euch? Was verbinden wir damit? Ja, genau. Es ist schon mal vorweggenommen, es ist ein bekannterer Slogan. Ich habe mir das jetzt nicht ausgedacht, sondern der Slogan hat eine dicke Geschichte. Genau, aber wie ist euch der bekannt? Also mir ist der Slogan das erste Mal begegnet tatsächlich auf dem Kirchentag im feministischen Zentrum als Lied, das wir zusammen gesungen haben. Und seitdem verbinde ich tatsächlich damit, also dass damit so zwei Dinge gemeint sind, das Brot, was für so das Materielle, die Grundversorgung steht und die Rosen aber auch das, was wir immer sagen, wenn wir sagen, her mit dem schönen Leben. Also das Leben ist mehr als Grundversorgung, sondern hat auch noch Zeit für die schönen Dinge, die Muße. Genau, und das verbinde ich mit Brot und Rosen. Wie ist das bei euch? Passt ja gut zu schöner Glauben, das mit dem schönen Leben. Und Perl? Genau. Ja, ich fand immer, also ich gibt ja den Weltfrauentag und da fand ich das immer irgendwie ein bisschen schwierig. Oder ich habe mich immer gefragt, warum eigentlich diese Rosen immer für die Frauen und so weiter. Ich dachte irgendwie immer so, zementiert man nicht damit wieder so Klischees oder sowas. Und dann habe ich das irgendwann, glaube ich, nicht mal getraut zu sagen in so einem Kontext. Und dann wurde mir gesagt, naja, aber es gibt da doch so eine Legende von der Elisabeth, das ist tatsächlich so eine christliche Heilige, Elisabeth von Thüringen im 13. Jahrhundert gelebt. Und da gibt es das Rosenwunder, die Elisabeth von Thüringen, die war nämlich sehr bewegt davon, dass es in ihrer Umgebung also viele arme und kranke Menschen gab und die hat sich um die sehr stark gekümmert. Und in der Legende wollte ihr Mann das nicht, also der Fürst, mit dem sie fahre, der fand das nicht so gut, dass sie das immer gemacht hat, weil sie ist dann auch immer in die Abendviertel gegangen und hat denen geholfen und so weiter und eines Tages ist das eben wieder passiert, sie ist sozusagen, wollte in das Abendviertel gehen und dann hat ihr Mann sie quasi erwischt, hat dann gesagt, macht er deine Tasche auf, weil er wieder gedacht hat, da ist auch bestimmt Brot drin und oh Wunder, nein, Es waren kein Rot drin, sondern Rosen. Und so ist die Gute Elisabeth sozusagen davon gekommen. Und ihre verbotene Mehl-Tätigkeit ist nicht aufgeflogen. Und von daher finde ich das irgendwie, also das hat mich so ein bisschen damit versöhnt, würde ich sagen, weil das dann ja im Prinzip wie so eine Metapher ist. Also es ist irgendwie beides. Es kann sich auch verwandeln, da kann man ganz viel noch philosophisch drüber nachdenken, Aber das finde ich irgendwie eine schöne Geschichte dazu. Das ist auch, glaube ich, in Marburg. Ich habe in Marburg studiert und da gibt es die Elisabethkirche. Ich glaube, das bezieht sich auf diese... Also Landgräfin beziehungsweise ungarische Prinzessin war sie, glaube ich, auch. Aber genau, ich glaube, Brot und Rosen, dieser Slogan aus der ArbeiterInnenbewegung, der bezieht sich darauf auch ein bisschen zurück, aber schon mit einem kritischen Take, weil denen geht es nicht um Almosen oder um Wohlfahrt, sondern um eigene Organisierung und Kampf. Und da geht diese politische Forderung Brot für alle, aber auch Rosen zurück. Also bis 1910 habe ich es gefunden in einer Rede von der Arbeitsrechtlerin Helen Todd, wo es genau, wie du auch gesagt hast, Sonja, Überleben, quasi das pure existenzielle Überleben, Brot, aber eben auch noch das gute Leben, also über das Subsistenzminimum heraus als politische Forderung. Und hat auch diese historische Verbindung zu einem großen Streik, dem Textilstreik in Massachusetts 1912, der auch als Brot- und Rosenstreik in die Geschichte eingegangen ist. Also ein zwei Monate langer Streik von TextilarbeiterInnen. Und das ist für uns insofern auch nochmal spannend, weil der ist symbolträchtig, weil es besonders migrantische Arbeiterinnen und Frauen, also aus 40 Nationen und mehrheitlich oder, visuell präsent vor allem Frauen waren. Und dass ja eigentlich so die Teile der ArbeiterInnenklasse sind, die als nicht so gut organisierbar gelten und verwendet. Das ist natürlich Quatsch und da merkt man auch schon, da kommt dann schon unser Klassenverständnis durch, wo wir dann nochmal in die Tiefmüll gehen werden. Und eben auch die Annahme, dass die Arbeiterklasse nur weiß und männliches Industrieproletariat ist, wird da auch schon widerlegt. Deswegen ist dieser Brot-und-Rosen-Bezug schon auch irgendwie symbolträchtig. Und die Forderungen damals waren gegen Hungerlöhne, gegen lebensgefährliche Arbeitsbedingungen und gegen Kinderarbeit. Und ich habe da ein Zitat mitgebracht von einer, der dieser Brot-und-Rosen-Slogan zugeschrieben wird, von einer lesbischen Sozialistin und Gewerkschafterin, Rose Schneiderman. Und zwar sagt sie, was die Frau, die arbeitet will, ist das Recht zu leben, nicht nur zu existieren. Das Recht auf Leben, wie die reiche Frau das Recht auf Leben hat und die Sonne und die Musik und die Kunst. Ich persönlich, und das ist jetzt mein kleiner Hot Take, finde, wir haben die Forderung Brot und Rosen heute auch noch, aber die Betonung ist anders. Heute werden die Rosen überbetont und das Brot unterbetont. Und das ist was, weswegen ich den Slogan heute auch quasi nochmal andersrum betonen würde. Also, dass wir nicht nur über die politischen Ebenen, nicht nur über Rechte, nicht nur über Anerkennung, das alles auch reden, aber eben auch über das, was überhaupt dazu führt, nämlich die materiellen Grundlagen. Und das ist mir wiederum unterbetont heute. Auch beim Feministischen Kampftag, den du ja schon genannt hast, Peer. Da gab es zumindest ja 2018 so diese Rückbewegung zu einem Streikbegriff. Also auch so einen historischen Bezug dazu. Und da wurde auch das Materielle betont. Aber trotzdem, finde ich, ist das was, wo man nicht genug den Finger drauflegen kann. Wo man jetzt auch mal ein bisschen nach dem Brot fragen kann. Und ich glaube, das ist was, was wir hier in der Rubrik auch machen werden. Das heißt, wir haben uns einen Slogan ausgesucht, wenn ich das mal zusammenfassen darf, der anknüpft quasi an die Geschichte der ArbeiterInnenbewegung, der einen Bezug zur feministischen Theologie hat und auch irgendwie noch eine, nette Erzählung aus der ChristInnentumsgeschichte. Von daher passt das doch super als eigene Rubrik von schöner Glauben. Ich habe mich gerade gefragt, was wäre so eine moderne Umsprechung von Brot und Rosen und habe gedacht, was würde man sagen in Zeiten von Spekulationen auf Wohnraum, wäre es vielleicht Wohnen und Chillen oder so, also die beiden TLC-Vensionen abzugreifen. Ja, nicht schlecht. Von und Leschlags, oder, wenn du was? Es gibt auch noch andere Streaming-Anbieter natürlich, aber, wollte ich jetzt keine Bärbogen machen für einen, aber weil das ja so mit Chill verbunden ist, deswegen. Ja, aber so etwas, was nicht in so eine Nutzlogik eingebunden ist. Also das schöne Leben hat ja auch was mit irgendwie Muße und Beziehung. Zeit für Beziehung. Beziehung, genau. Jenseits von Verwertungslogik. Genau. Ja, wir können da jetzt schon richtig tief einsteigen. Wir haben uns jetzt aber nur eine kleine Folgenzeit genommen, um unsere Rubrik zu benennen. Und wir gehen jetzt gerade direkt im Aufnehmen noch über in eine weitere Folge. Die hört ihr dann bei der nächsten Folgenveröffentlichung. Für uns ist es direkt der Anschluss. Und genau, dafür würde ich jetzt euch erstmal danken, dass ihr hier in der kleinen Folge Zeit genommen habt, um euch vorzustellen, um uns kennenzulernen und das werden wir in den nächsten Folgen, glaube ich, sehr vertiefen, weil worüber lernt man sich kennen? Über die Diskussionen, über die Inhalte und es gibt in dieser Rubrik viel zu hören. Wir werden darüber sprechen, was ist Klasse, was ist eigentlich Kapitalismus, wie ist der entstanden? Wir werden über aktuelle Fragen sprechen, was ist eigentlich ein materialistisches Verständnis oder eine Klassenperspektive auf Faschismus. Also es gibt, und wir schauen auch, und das ist fast, also gar nicht, das dürfen wir nicht vergessen, wir schauen auch in die Bibel und es gibt eigene Bibelfolgen, wo wir dann mal mit Klassenperspektive in die Bibel schauen. Und da gibt es spannende GästInnen, aber so viel verraten wir jetzt noch nicht. Da würde Tantisa auch gar nicht so lange warten müssen. Genau, also wenn ihr euch fragt, was hat das jetzt überhaupt, ist ja alles schön und gut im Hier und Jetzt, aber was hat das überhaupt mit der Bibel zu tun, was hat das überhaupt mit der Theologie zu tun? Darüber kommen wir immer mal wieder ins Gespräch, aber wir werden uns auch ganz umfassend dem Text, dem Bibeltext genieren. Da freue ich mich ganz besonders schon drauf. Gut, schön, dann bis gleich. Bis gleich.