Ja, hallo zusammen. Mein Name ist Jason und ihr seid bei Schöner Glauben. Und ich freue mich, heute mit Hanna sprechen zu können. Grüß dich, Hanna. Hi, schön, wieder hier zu sein. Ich freue mich auch. Ja, Schöner Glauben, wir als Community möchten ja progressive Stimmen zusammenführen, uns gegenseitig empowern und uns für Solidarität in der Welt ansetzen. Das muss man am Anfang immer sagen, das ist wichtig, damit ihr wisst, womit ihr es hier zu tun habt. Und in dem Zusammenhang sage ich am Anfang auch direkt nochmal sowas bezogen auf die Community. Wir haben nämlich eine App und das bewähren wir hier auch immer tatsächlich vor allen Dingen im Podcast, noch gar nicht so sehr auf Social Media. Und der Hintergrund ist der, dass wir gerne mit euch ins Gespräch kommen wollen und hoffen, dass daraus ganz spannende Sachen entstehen können. Genau, deswegen die Schöner Glauben App findet ihr in allen möglichen Appstores, könnt ihr runterladen so sieht es aus, ich vermute dass mittlerweile deutlich über 200, 300 Leute sind, die da drin sind, aber ich habe jetzt gar nicht mehr geguckt aber von daher ich, glaube gute Leute kann man gerne machen und wenn einem die Produkte von Meta nicht gefallen und man den Eindruck hat, die Kommentarspalten die sind kein guter Ort. Vielleicht ist dann diese App was anderes. Bevor wir hier einsteigen, wir müssen auch noch kurz über Termine sprechen. Und zwar das Festival Songs of Hope and Beauty in irgendeiner Stadt. Ich habe vergessen, wo. Ich weiß es leider auch nicht. Heilbronn kann das sein? Irgendwie sowas findet man auf unserer Insta-Page. Ist am 5.9. Das ist so eine methodistische Veranstaltung. Jonas ist da und wirkt, glaube ich, wirklich gut. Irgendwie von einer Gemeindegründung, die in einem Garten startet. Finde ich sehr sympathisch. Kann man machen. Da wird es auf jeden Fall auch einen Live-Podcast geben von Schöner Glauben. Also gerne da hinkommen. Und ich hörte, dass Mo auf jeden Fall auch da sein wird mit seinem Bus. Also der hat ja so einen Kaffeebus. Und er gibt einen Kaffee aus, habe ich gehört, die den Code SchönerGlauben benutzen. War das bei der Veranstaltung? Ich glaube, das müsste diese Veranstaltung sein. Also probiert es mal aus, kommt mal hin. Und vielleicht wird das wirklich wie so eine versehentlich auf öffentlich gestellte Facebook-Veranstaltung. Auf einmal kommen tausend Leute und er muss wirklich tief in die Tasche greifen. Das hätte auf jeden Fall Unterhaltungswert. Das ist sehr gut. Am 16. bis zum 18.10. findet in Marburg dann noch die Inspiration statt. Da wird zwar kein Live-Talk von uns gehen, aber wir werden da sein mit einigen aus dem Team. Ich glaube, es kommen sogar einige, so vier, fünf Leute. Und dann wird es ein Bier mit schöner Glauben geben. Ich glaube, das ist ja eine sehr, sehr feine Veranstaltung. Ich war selber bei den letzten Mal nicht da, aber alles, was ich gesehen habe, dachte ich, ja, muss man machen. Ja, gerade sieht es so aus, als wäre ich auch dabei. allerdings mit einem Stand von Midi tatsächlich. Midi, ja. Genau. Ich habe ja gesagt, auf Stand habe ich echt keinen Nerv. Ja, habe ich gehört. Da dachte ich mir so, ja, vielleicht sollte ich mir das auch noch mal überlegen. Es ist auch noch nicht so ganz fix, aber auf jeden Fall habe ich vor, da zu sein. Sehr gut. So, ich glaube, das sind so die wichtigsten Sachen. Und ich glaube, ich habe keinen Termin mehr vergessen. Sehr gut, dann können wir da einen Haken drunter machen. Schön. Hanna, du bist neu im Team. Das ist richtig. Das ist großartig. Ich glaube, dass ganz viele von den Leuten, die jetzt dazukommen, nochmal eine völlig andere Perspektive mit reinbringen. Eine Perspektive, die du mit reinbringst, ist ja, dass du mit einem Israeli verheiratet bist und deswegen sehr viel Einblicke oder eben auch Erfahrungen hast mit dem, was es heißt, als Israeli zum Beispiel in Deutschland zu leben. Ja, das ist richtig. Ich hatte schon vor meinem Mann starke Verbindungen nach Israel, aber jetzt komme ich aus der Nummer nicht mehr raus. Wir haben mal überlegt, wir könnten diesen Talk jetzt mal als New Normal machen und ich dachte, wir steigen mal direkt knallhart ein. 7. Oktober, in der Zeit war ja sowieso, dass viele gesagt haben, das ist jetzt so ein neues Normal, Zeitenwende hat man dauernd gesagt. Aber ich habe schon rausgehört, das ist für euch tatsächlich auch ein Thema gewesen. Da hat sich vieles verändert. Ja, würde ich schon sagen. Also ich bin relativ kurz davor Mutter geworden, im Februar 23. Und dann kam halt im Oktober der 7. Oktober. Und rückblickend habe ich schon den Eindruck, dass ich, also auch im Hinblick auf unsere Tochter zum Beispiel, manche Entscheidungen anders getroffen hätte. Also sie trägt zum Beispiel den Nachnamen von meinem Mann und nicht meinen Nachnamen. Ich habe seinen Nachnamen nicht angenommen und jetzt hat sie halt einen israelischen Nachnamen. Und nachdem jetzt irgendwie seit dem 7. Oktober alles so, ja, sich so massiv verändert hat und einfach auch der Antisemitismus so extrem, durch die Decke gegangen ist sozusagen, ist das beispielsweise eine Sache, die ich im Nachhinein, Bisschen bereue, könnte man sagen, dass wir uns da für diesen Namen entschieden haben. Aber das ist nur das Erste, was mir einfällt, weil ich da oft drüber nachdenke. Abgesehen davon, ich habe einfach den Eindruck, die Kreise sind irgendwie wesentlich kleiner geworden. im Sinne von. Also das Thema ist einfach irgendwie so, relativ kurz nach dem 7. Oktober also einerseits war halt der 7. Oktober und das hat uns irgendwie als Familie natürlich betroffen gemacht mein Mann hat ein Familienmitglied verloren am 7. Oktober aber auch unabhängig davon, das war einfach eine riesige traumatische Erfahrung, für die ganze israelische Gesellschaft, für die Familie von meinem Mann natürlich auch. Und gleichzeitig ist eben in Deutschland dann irgendwie schnell natürlich auch durch den Krieg, der dann danach eben ganz schnell folgte, ja, einfach so dieses ganze Antisemitismus-Thema so, ja, irgendwie, wie gesagt, durch die Decke gegangen, dass das einfach irgendwie so. Plötzlich überall war gefühlt und das macht einfach irgendwie schon was mit dem Gefühl, ich habe auch den Eindruck, in Berlin ist es irgendwie besonders extrem, dass dieses Thema einfach sehr omnipräsent ist, vielleicht auch besonders da, wo wir leben. Und ja, das wirkt sich irgendwie schon sehr so aufs Grundgefühl aus, irgendwie, wie bewegt man sich hier, wie sehr ist man irgendwie erwünscht sozusagen, wo spricht man noch Hebräisch auf der Straße, wo nicht, solche Dinge. Ja. Also, weißt du, also ich kann mich tatsächlich nicht mehr genau an den 7. Oktober erinnern. Ich kann mich nur gut an den 8. erinnern. Ich glaube, dass ich das am 7. Oktober noch gar nicht so wahnsinnig mitgeschnitten habe. Ich weiß, dass es die Tage danach direkt Demos gegeben hat. Weißt du noch, also wie war das bei euch? Wie schnell habt ihr das mitbekommen? Also ich kann mich erinnern, dass ich Nachrichten dazu zugeschickt bekommen habe, so nach dem Motto, wow, was ist denn hier los und so. Also von einer israelischen Freundin und habe aber auch nicht verstanden, was das jetzt für ein Ausmaß ist oder dass das irgendwie jetzt so ein großes Ding ist. Das habe ich in dem Moment auch nicht begriffen. Und ich glaube, das hat auch eine Weile gedauert, bis das irgendwie angekommen ist. Aber ich hatte so den Eindruck, es gab kurz danach ja schon auch so eine ganz kurze, also zumindest in gewissen Kreisen irgendwie kurze Zeit von. Solidarität, würde ich sagen, die irgendwie auch so in den sozialen Medien und so sichtbar war mit Israel und mit den Opfern des 7. Oktober. und es dann eben relativ schnell ungeschwungen, ja, auch aus nicht ganz unnachvollziehbaren Gründen, weil Israel halt einfach super schnell reagiert hat in einem Ausmaß, was ich leider, ehrlich gesagt, irgendwie auch ein bisschen befürchtet hatte, aber natürlich trotzdem unerträglich fand und immer noch finde. Ja, genau, also ich kann auch nicht mehr so genau sagen, aber ich glaube, es hat auch ein paar Tage gedauert, bis ich irgendwie begriffen habe, dass das jetzt irgendwie so ein prägendes Ereignis war, was jetzt irgendwie die letzten, fast drei Jahre schon irgendwie sehr geprägt hat. Ist diese Thematik jetzt so Antisemitismus und sowas, ist das für dich etwas, du hast schon beschrieben, das ist eine Sache, die sehr, so ins Privatleben reingeht, die euch als Familie direkt betrifft. Ich frage mich, ist es für dich auch so eine Sache, was weiß ich, liest du Bücher dazu oder, also wie informierst du dich über diese ganze Sache oder ist es vielleicht auch so, dass man sagt, ich habe da privat schon so mit zu tun, ich brauche da jetzt nicht noch irgendwie so den intellektuellen Überbau und die volle Dröhnung mit Nachrichten und so. Also, ich habe natürlich auch schon irgendwie wissenschaftliche Abhandlungen dazu gelesen, aber es ist jetzt nicht so, als wäre ich in dem Thema irgendwie auf einem wissenschaftlichen Level so wahnsinnig tief da drin. Nee, es ist eher so eine emotionale Geschichte. Es ist ja auch nicht so, als würde ich das jetzt oder mein Mann oder unser Kind den ganzen Tag irgendwie aktiv erleben. Meine Tochter ist drei Jahre alt, die hat ja gar keine Vorstellung, also die weiß ja überhaupt nicht, was abgeht sozusagen. Und auch mein Mann, das ist jetzt nicht so, als hätte der den ganzen Tag den Eindruck, dass er davon, ja, um die Präsenz sozusagen bedroht ist. Aber ich habe schon auch den Eindruck, dass es eben auch einen Unterschied macht, ob man schon irgendwie 40 Jahre alt ist und hier seine Freundeskreise hat und seine Bubble und weiß, wo man sich aufhält und irgendwie natürlich auch entsprechend sich mit Menschen umgibt, mit denen man halt gut befreundet ist. Und die einem nur Gutes wollen sozusagen. Während meine Tochter jetzt natürlich auch irgendwie noch davor steht, dass sie in drei Jahren in die Schule kommt und dann umgeben ist von Menschen, die wir uns jetzt irgendwie nicht aussuchen können sozusagen und wo man noch nicht weiß, in was für Kreise, taucht man da so ein und was macht man so für Erfahrungen. Und eben, was ich vorhin gesagt habe mit dem Nachnamen. Das führt ja auch irgendwie schon so ein bisschen dazu, Also das ist jedenfalls meine Befürchtung sozusagen, dass man halt viel häufiger damit konfrontiert wird, dass man gefragt wird. Das ist ja aber kein deutscher Nachname. Woher kommt denn deine Familie oder so? Wenn sie jetzt meinen Namen hätte, dann würde man jetzt von außen ja vielleicht auch erst mal gar nicht auf die Idee kommen, dass es da irgendwie diesen Hintergrund gibt sozusagen. Genau, und ich habe einfach schon so ein bisschen Sorge, was das halt bedeutet, womit sie sich dann so konfrontieren muss, wofür sie quasi nichts kann. Weil ich glaube schon, dass es sehr viel Antipathie bei vielen Menschen auslösen wird, wenn man sagt, mein Papa kommt aus Israel und. Ich habe dann immer irgendwie so den Impuls, immer gleich sozusagen zu erklären. Aber so nach dem Motto, die Tatsache, dass mein Mann aus Israel kommt, heißt überhaupt nicht, dass wir jetzt irgendwie auch nur im Ansatz die Dinge, die da politisch passieren, irgendwie unterstützen oder gut finden oder sonst irgendwas. Aber ja, das erfordert halt viel Platz für Erklärung und Gespräch und das ist vielleicht dann auch nicht immer so da und ja, das macht mir schon Angst. Ja, vor allem bei Kindern wird das ja eine Sache sein, das wird ja Jahre dauern, bis sowas irgendwie auch verbalisiert werden kann oder diese Zusammenhänge überhaupt, verständlich werden können. Ja, absolut. Aber ich gehe ehrlich gesagt trotzdem davon aus, dass es im Grunde auch schon in der Grundschule passieren kann, dass man mit dem Thema konfrontiert werden könnte. Also, weil das natürlich auch in vielen Familien in Berlin auch, ja, zum Teil auch aus persönlicher Betroffenheit ja einfach auch schon eine große Rolle spielt, gerade bei Familien, die vielleicht Angehörige haben, auch in Gaza, im Libanon, in Palästina, ja, so. Ja, das ergibt Sinn. Aber du hast gerade gesagt, dass das jetzt nicht so eine omnipräsente Bedrohung ist. Ich habe aber auch rausgehört, solange wie man jetzt weiß, wo man sich aufhält und dass man im Grunde so ein Stück weit auch unsichtbar bleibt. Das ist die Voraussetzung wahrscheinlich, oder? Wie ist das? Ja, das hat wahrscheinlich auch ein bisschen was mit dem eigenen, Sicherheitsempfinden zu tun. Ich habe manchmal den Eindruck, ich bin da vorsichtiger als mein Mann. Wenn ich jetzt in Neukölln unterwegs bin und das Gefühl habe, da sind viele arabisch sprechende Menschen, die vielleicht auch eher verstehen, dass das Hebräisch ist, wenn man sich auf Hebräisch unterhält. Also weil ich habe in Israel studiert, ich spreche auch Hebräisch und wir reden auch miteinander Hebräisch. Dann bin ich immer eher so vorsichtig und switche immer auf Deutsch um und habe dann irgendwie Angst, dass wir da irgendwie angegangen werden oder so, was uns jetzt allerdings auch noch nie passiert ist. Und mein Mann ist da immer so ein bisschen widerständig, aber der sagt halt, nee, ich will mir jetzt hier von niemandem verbieten lassen, welche Sprache ich jetzt gerade spreche sozusagen und hat da auch weniger Sorge sozusagen. Also ich glaube, ich bin da auch einfach ein bisschen ängstlicher und zurückhaltender. Was würdest du sagen, was hat sich deiner Wahrnehmung nach dem 7. Oktober dann verändert? Also, zum einen hat sich schon irgendwie verändert, dass ich das Gefühl habe, dass ich so in der allgemeinen, also ich meine mir schon klar, dass die Linke auch sehr gespalten ist und es da unterschiedliche Strömungen gibt, aber irgendwie in so einer gemeinen Linken, irgendwie ein bisschen so in Deutschland ein politisches Zuhause irgendwie, ein Stück weit verloren habe, weil ich irgendwie, schon den Eindruck habe, dass so. Israelisches Leid und Trauma und so tendenziell irgendwie relativ bald nicht mehr so ernst genommen wurde oder ausgeblendet wurde oder irgendwie kleingeredet wird. Und gleichzeitig muss ich aber auch sagen, ich habe einen eigenen Widerstand, wenn ich das jetzt so sage, weil ich gleichzeitig eigentlich mich viel mehr damit befasse, sozusagen im Alltäglichen, wie furchtbar ich diesen Krieg finde und wie furchtbar ich die politischen Entscheidungen und die Entwicklungen in Israel finde. Und ja, wie viel Angst es auch einfach macht, zu sehen, wie von Demokratie da wirklich nicht mehr so wahnsinnig viel übrig ist. Und ja, auch das verändert irgendwie viel. Ich glaube, es ist auch für meinen Mann irgendwie wahnsinnig schwierig zu sehen, dass auch andere Teile seiner Familie einfach stark darüber nachdenken, auszuwandern, weil sie irgendwie die politische Situation nicht mehr aushalten. Und obwohl er selbst jetzt schon seit 20 Jahren in Deutschland ist. Ist er immer noch wahnsinnig verbunden, liest eigentlich den ganzen Tag viel, mehr israelische Medien als deutsche Medien. Er fühlt sich dem immer noch sehr nah und ist wahnsinnig verzweifelt über das, was da passiert. Und ja, von daher gibt es irgendwie so diese zwei Seiten. Einerseits gibt es dieses Antisemitismus Thema, was mir wirklich Sorge macht und gleichzeitig gibt es aber auch das Thema so wohin mit der eigenen Verzweiflung und Wut und so weiter Ohnmacht über diesen, Krieg. Ja, ich würde mittlerweile tatsächlich auch selbst schon, was Gaza angeht, das Wort Genozid verwenden ähm, Und ja, gleichzeitig ist da eben immer diese Spannung sozusagen, gehe ich jetzt hier auf die pro-palästinensischen Demonstrationen, wo ich dann eben doch auch selber wieder so ein gewisses Unmutgefühl zum Teil habe, weil ich irgendwie nicht weiß, bin ich hier jetzt als, ich sag mal, deutsch-israelische Familie irgendwie willkommen. Und gleichzeitig will ich aber auch irgendwie mich nicht so ohnmächtig fühlen und irgendwie zum Ausdruck bringen, ich ertrage das nicht, was dort passiert und ich will dagegen stehen und mein Mann will auch dagegen stehen und ja, unsere Lösung sozusagen war dann, dass wir tendenziell eher, auf Demos von so israelischen Friedensaktivisten gegangen sind, weil wir irgendwie das Gefühl hatten, da Also, da ist irgendwie, da haben wir so eine gewisse Sicherheit oder irgendwie ein Gefühl von, da ist halt ein Bewusstsein für beide Seiten, sage ich jetzt mal. Ja, ohne in Frage stellen zu wollen, dass es da natürlich ein sehr großes Ungleichgewicht gibt, was diese beiden Seiten angeht. Keine Ahnung, ob das deine Frage beantwortet, aber das ist das, was mir als erstes in den Sinn kommt. Also ich finde das sehr spannend, weil das scheint ja auch so eine krasse Gleichzeitigkeit zu sein. Auf der einen Seite trauert man um eigene Familienangehörige, dann merkt man, so ein Stück Heimat bricht vielleicht weg, weil da auf einmal eine Demokratie zerbröselt. Und das sind ja viele Dinge, die dann gleichzeitig passieren. Absolut, ja. Und wie ist das, also du hattest vorhin auch davon gesprochen, dass es dann in Deutschland diesen Umschwung gab, diese Solidarität mit den Opfern des 7. Oktobers, das ist zum Beispiel nicht mehr so Thema. Ich frage mich halt auch wie kann man damit sinnvoll umgehen, ich erlebe das vielleicht noch kurz was ich damit meine ich erlebe halt, dass es in ganz vielen politischen Äußerungen und in Social Media und so weiter, da wird man so ein Stück weit dazu gedrängt dass man sich auf eine Seite schlägt. Aber das Leid von Menschen, die jetzt nicht im eigenen Camp sind, entweder ignoriert, totschweigt oder sogar irgendwie wegerklären muss. Mhm. Wie lebt ihr das? Ja, das nehme ich absolut auch so wahr. Also es gab auch eine relativ lange Zeit, wo ich mich aus den sozialen Medien, verabschiedet habe, irgendwie so für anderthalb Jahre, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, ich ertrage das nicht mehr. Diese ganzen Halbwahrheiten, Kacheln, die da so kursieren oder halt eben immer diese krasse Lagerbildung. Also ich meine, wie gesagt, natürlich gibt es ein krasses Machtgefälle. Das ist ja keine Frage, also aus meiner Sicht. Aber es ist ja kein Fußballspiel. Also ich meine, es geht ja nicht darum, gewinnen jetzt die oder gewinnen die, sondern es sind alles Menschen und es gibt irgendwie, also auch in Israel eine unglaubliche Dehumanisierung, von PalästinenserInnen, was unerträglich ist. Also israelische Kommentarspalten sind auch unerträglich zu lesen. Und gleichzeitig gibt es aber ja auf jeden Fall auch Menschen, die eben. Jüdisches slash jüdisch-israelisches Leid dann eben einfach negieren oder ausblenden oder wie auch immer. Und wenn einen das dann irgendwie im weitesten Sinne persönlich betrifft, dann finde ich irgendwie so diese Diskurse wirklich schwer zu ertragen. Auch von Menschen, wo ich so denke, ja, ich weiß auch nicht, ob man jetzt irgendwie auf Social Media zu jedem politischen Thema immer eine Meinung haben muss, wenn man irgendwie gar nicht so tief drinsteckt oder so, weil so diese Verstärkung von dieser Lagerbildung hilft halt auch niemandem vor Ort. Also ja, mein Ansatz ist irgendwie so zu sagen, es ist halt eine krasse Minderheit, in Israel, die irgendwie wirklich daran interessiert ist, irgendwie jüdische und palästinensische Stimmen zusammenzubringen, Also eben in politischer Arbeit, wo Menschen einfach miteinander arbeiten. Aber ich glaube, dass das die Stimmen sind, die man laut machen muss. Das wäre tatsächlich meine nächste Frage gewesen, was du glaubst. Was sind so Stimmen, die es jetzt stärker braucht? Und danach vielleicht auch, wo merkst du, das sind Stimmen, die würdest du scharf zurückweisen wollen? Ja, also es gibt ja eben, wie gesagt, es sind leider viel zu wenige, aber es gibt dieses Movement, Standing Together. Die eben. Jüdische Israelis, palästinensische also PalästinenserInnen mit israelischen Parts oder eben auch PalästinenserInnen, die in der Westbank oder in Gaza leben, zusammenbringen, die gemeinsam auf die Straße gehen, die sich für eine andere, Zukunft einsetzen, die immer wieder betonen, es bringt nichts irgendwie noch eine militärische, Aktion nach der nächsten zu machen, sondern es muss jetzt eben irgendwie andere Wege geben. Aber diese Stimme ist wirklich extrem marginal und auch in den USA oder in Europa präsenter als in Israel. Also in Israel sind das halt wirklich im Mainstream gelten, die eben als Volksverräter, muss man schon so sagen, leider. Aber trotzdem, also in meiner Wahrnehmung sind es nichtsdestotrotz eben die Stimmen, die es braucht und die lauter gemacht werden müssen Und die haben jetzt auch eine Partei gegründet, Makom Leculano, also ein Platz für uns alle. Mal schauen. Also gerade sagen wohl die Umfragen, dass sie unter Umständen ein, Mandat bekommen könnten. Aber die haben auch gerade erst angefangen und ja, wir fliegen hoffentlich zu den Wahlen dann nach Israel, damit man mal wählen gehen kann. Weil es auch aus politischer Faktor. Strategie sozusagen, Israelis im Ausland nicht möglich ist, von hier aus zu wählen, sondern man muss vor Ort kommen. Das ist anders als jetzt zum Beispiel bei der Türkei, wo man auch aus Deutschland wählen kann, weil dort man weiß, dass Menschen, die Deutsch-Türken halt häufig eher, zum Beispiel Erdogan unterstützen, während aber in Israel, man weiß, Menschen, die in anderen Ländern leben, also Israelis, wählen eher liberaler, eher linker und tatsächlich gibt es jetzt anscheinend sogar versuche, die Einreisemöglichkeiten einzuschränken, sodass möglichst wenig Israelis aus dem Ausland nach Israel kommen können zur Wahl. Deswegen sind wir gerade so ein bisschen, daran zu versuchen, so schnell es geht ein Ticket zu bekommen, damit wir da irgendwie reinkommen. Ja. Vielleicht bevor wir gleich noch auf die kritischen Aspekte kommen. Ich meine, die ganze Sache ist ja dann weitergegangen. Also nicht nur der Krieg gegen Gaza, sondern dann hat es ja auch noch Libanon und vor allen Dingen auch dem Iran weitere Kriege gegeben. Wie war das für euch, was also ich meine, das sind ja auch alles Dinge, die sehr ambivalent sind auf eine Weise wenn man auf der einen Seite sagt, ja, die Bedrohung durch den Iran ist ja auch nicht von der Hand zu weisen, also jetzt mal abgesehen davon, dass die sagen, die haben jetzt vielleicht bald Atomwaffen, was Netanjahu ja seit den 90ern eigentlich Aber, durch die Proxys zum Beispiel unterstützt der Iran seit langem Terrorismus gegen Israel. Wie war das für euch? Wie habt ihr das wahrgenommen? Also, ich kann jetzt vor allen Dingen für mich sprechen. Für mich war es deswegen gerade im Libanon auch oder ist es immer noch krass, weil ich. Von 2016 bis 2017 auch zwei Semester in Beirut Theologie studiert habe und auch bis vor kurzem eigentlich noch Arabischunterricht hatte, immer mit einer libanesischen Lehrerin, aus Beirut, aus Dachye. Also Dache ist, ja, so Hisbollah Hochburg sozusagen und wurde halt in dem Krieg extrem krass bombardiert und hatte halt jede Woche immer diesen Arabischunterricht. Und dann fing halt der Krieg an und meine Lehrerin musste halt von da fliehen, weil klar war, dass das irgendwie eine Gegend ist, die eben aufgrund der Hisbollah-Präsenz wahrscheinlich stark bombardiert wird. Und ja, ihr Haus wurde halt komplett bombardiert und ist nicht mehr da. Und es war halt irgendwie relativ crazy, weil ich halt, als ich auch im Libanon studiert habe, immer so ein bisschen undercover mäßig sozusagen war, weil klar war, ich kann jetzt nicht einfach den Leuten da also so offen erzählen. Ich habe in Israel studiert und ich habe irgendwie da so Beziehungen hin, sondern musste mich da immer sehr, also einfach aus Sicherheitsgründen sozusagen sehr zurückhalten. Und das heißt, meine Lehrerin wusste das halt auch einfach nicht. Und ja, das war irgendwie eine ziemlich krasse Diskrepanz, dann diese Sachen so zu hören und gleichzeitig zu wissen, was meine eigene Familienrealität ist sozusagen. und genau ähm, Tatsächlich weiß ich nicht genau, wie es ihr jetzt gerade geht, weil ich jetzt schon länger den Unterricht nicht mehr mache. Aber als ich sie das letzte Mal gefragt habe, hat sie gesagt, sie ist sicher, aber sie ist immer noch im Land. Und sie hatte zwischendurch dann überlegt, auszuwandern nach Ägypten. Genau. Ja, von daher sozusagen wegen diesem persönlichen Bezug hat mich vor allen Dingen die Situation im Libanon sehr einfach berührt oder beschäftigt, weil es natürlich irgendwie nochmal was anderes ist, wenn man da auch Kontakte vor Ort hat und irgendwie dort auch mal eine Weile gelebt hat. Und im Iran, ja, also ich hatte den Eindruck, dass diese Auseinandersetzung mit Iran schon auch für die Familie von meinem Mann und auch generell für Israelis schon sehr heftig, waren, weil es einfach unglaublich viele Raketenangriffe gab und die einfach sehr, sehr viel Zeit in Bunkern verbracht haben. Und auch das ist natürlich keine Realität, die man sich wünscht. Also, ja. Was würdest du sagen, ich meine, du hast gesagt, du ziehst dich manchmal ein bisschen aus Social Media zurück, aber, das Metagift sitzt einfach in uns allen. Ja, ich bin rückfällig geworden. Ich merke jetzt bei mir selber, ich habe offenerweise eine große Zurückhaltung. Also wir haben auch bei schöner Glauben, wir haben glaube ich eine Podcast-Folge dazu gemacht. Wir haben sehr wenig gemacht und das aus unterschiedlichen Gründen. Ein Grund ist aber, dass ich denke, dass... Ich merke, es ist eine große Herausforderung, sich zu dem Thema zu äußern in einer Art und Weise, die irgendwie angemessen ist. Ja, voll. Also da merke ich bei mir eine Großbranche, ich möchte da sehr vorsichtig sein. Bei mir im Arbeitskontext ist es so, dass ich tatsächlich mehr auch Menschen, wahrnehme, die keinen israelischen Bezug haben. Also. Auch einige, die da um drei Ecken Verwandtschaft haben. Aber das, was ich vor allen Dingen habe, sind viele SchülerInnen, die muslimischen Hintergrund haben. Und für die ist, glaube ich, seit dem 7. Oktober so ein Stück weit anders geworden. Jetzt lernt man die deutsche Gesellschaft und den deutschen Staat auf einmal als sehr repressiv kennen. Wenn du jetzt was Falsches sagst oder so, dann hast du recht, recht schnell, auf Demonstrationen gibt es Probleme, pädagogisch werden auf einmal viele Dinge gemacht. Da habe ich verschiedene Situationen gehabt. Und jetzt kommt bei mir halt noch dazu, mein Job ist es ja, Menschen in die Mündigkeit zu führen. Das heißt, ich muss im Zweifel auch solche Inhalte rüberbringen. Ich habe aber gemerkt, in der Schule ist das nochmal eine andere Sache als auf Social Media, weil die Rolle einfach völlig anders ist. Lange Rede, kurzer Sinn. Ich frage mich, wie kommt man dahin, gute Positionen zu entwickeln und eben auch eine angemessene Art und Weise darüber zu reden oder vielleicht auch nicht darüber zu reden? Was sind da deine Gedanken? Ja. Ja, also ich glaube, dass es wahnsinnig wichtig ist, dass man darüber redet, auch im Schulkontext, weil das irgendwie einfach nochmal ein anderer Raum ist, in dem nochmal ein anderer Austausch stattfinden kann, als vielleicht in der eigenen, Familie oder im eigenen sonstigen Umfeld. Aber ich verstehe auch, also das ist jedenfalls mein Eindruck, dass es ja sehr viele Lehrkräfte gibt die von dem Thema auch, zu einem gewissen Grad überfordert sind, weil es einfach irgendwie so ein Riesenthema ist und man gar nicht weiß, wo man anfangen soll und wie man sich am besten ausdrückt und so und ehrlich gesagt, ich glaube zum gewissen Grad würde es mir auch so gehen, aber ich weiß nicht, ob du dieses Projekt von den Trialogen kennst, von Shai Hoffmann Teil Hoffmann sagt mir, ich habe den Podcast von ihm eine ganze Zeit gehört. Genau, der hat ja so einen Podcast über Palästina und Israel sprechen und geht eben auch nicht nur alleine, sondern eben, also mittlerweile gibt es da ja so viele. Teile des Teams, MentorInnen sozusagen, die im Rahmen der Trialoge an Schulen gehen. Und soweit ich das verstanden habe, also ich habe das jetzt nie selbst erlebt, aber geht es ganz viel darum, auch erst mal, Und über Emotionen zu sprechen, dass da überhaupt erstmal ein Raum dafür gegeben wird. So wie fühlt ihr euch mit der Lage? Was macht es mit euch, ohne das irgendwie erstmal zu werten und auch, jetzt nicht irgendwie sich tot zu argumentieren, der hat Recht oder der hat Recht, sondern erstmal irgendwie überhaupt Platz zu machen für die eigenen Gefühle, die da irgendwie aufkommen. Und ich glaube, also natürlich gibt es auch noch andere Ebenen und die sind auch wichtig, aber irgendwie, ich glaube, gerade bei Jugendlichen, bei so einem emotionalisierenden Thema, was auch in den sozialen Medien einfach so krass omnipräsent ist und eben, wenn man sich dann auch noch entweder durch die Religionszugehörigkeit oder vielleicht sogar, durch Wurzeln irgendwie in einem der betroffenen Länder da eben betroffen fühlt, dann finde ich es wahnsinnig wichtig, dass da Raum für entsteht. Aber ich verstehe auch, dass das sehr explosiv sein kann und sehr, sehr herausfordernd. Ich erinnere mich an eine Situation. Da kamen an einem Tag Schüler, Schülerinnen waren das, die kamen auf mich zu und haben mir so TikToks gezeigt. Und das war, ich vermute, dass das noch 23 gewesen sein muss, ich bin mir nicht sicher. Aber da hat es eine Situation gegeben, wo die IDF den Tempelberg gestürmt hat und da eine Moschee geräumt hat. Und das waren halt ziemlich krasse Bilder. Und die haben das natürlich direkt gelesen, das ist ein Angriff auf meinen Glauben. Ich gehe auch in die Moschee und da sind Leute, die respektieren das nicht. Die waren sehr aufgebracht. So die Hintergrundgeschichte war, aber dass tatsächlich über die Klagemauer dann irgendwelche Steine auf betende Orthodoxe oder sonst wie Juden geschmissen worden sind. Und da war halt dann auch das Problem, die. Also irgendwelche Achtklässler waren oder so, die haben eben keine Vorstellung davon, wo ist die Klagemauer, was ist die Klagemauer, wie ist das da aufgeteilt, Sondern haben wir uns dann tatsächlich dann im Unterricht erstmal angeguckt, wie sieht denn das da aus, von wo sind da Sachen runtergeschmissen worden. Und dann merkt man also, ich habe da ja keine Meinung in dem Sinn dann von mir gegeben, sondern ich habe einfach Dinge erklärt. Das hat sehr, sehr viel bewirkt, sehr viel relativiert auf eine Weise. Und deswegen, ich würde dir absolut zustimmen, dass man muss darüber reden. Ich glaube, dass man schon informieren muss. Gleichzeitig merke ich aber auch. Jetzt mehr im Social-Media-Bereich, also zwei Sachen fallen mir ein. Das eine ist, so als Geschichtslehrer, diese Überforderung, von der du gesprochen hast, absolut. Weil es ist weder Teil des Studiums noch Teil des Curriculums. Es gibt keine jüdische Geschichte oder sowas im deutschen Curriculum. Ich war in Berlin, ich war in Nordrhein-Westfalen und ich war in Hessen. Da ist es überall nicht drin. Das ist, glaube ich, ein großes Problem, weil dieser Geschichtsunterricht einfach nicht geplant ist und erdacht ist für eine multikulturelle Gesellschaft. Das ist wirklich ein Problem. Und die andere Sache ist, dass ich denke, Geschichte ist jetzt ja auch nicht neutral. Also ob ich jetzt ein Buch von Ilian Pappe oder so lese oder irgendwie aus der, Columbia University Ecke, wo es stark so postkolonial gedacht wird, da kommst du in ganz andere Gefilde, als wenn du dir Infos holst bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Klar. Wie gehst du damit um? Mit den verschiedenen. Informationen, die es dazu gibt, meinst du? Ja, genau. Und dann eben auch diese unterschiedlichen... Das wird ja sehr, sehr hochgekocht dann. Du hast jetzt gerade zum Beispiel auch gesagt, du würdest das Völkermod nennen. Also wenn du das online sagst, dann bekommst du auf der einen Seite Zuspruch und auf der anderen Seite bist du der tiefste Antisemit. Ja, die Erfahrung habe ich auch neulich bei dir in der Kommentarspalte gemacht. Ja, ich meine, das ist auch ehrlich gesagt kein Begriff, mit dem ich jetzt so, inflationär herumspaziere. Und ich weiß auch gar nicht, ob es jetzt meine Aufgabe ist, das mit einem Begriff zu versehen. Vielleicht, was weiß ich, vielleicht kann das auch irgendein Gericht entscheiden oder so. Bei mir ist es so, seitdem eben auch die israelische Menschenrechtsorganisation Bezellem das als Genozid bezeichnet, auf deren Arbeit ich einfach viel, also die ich sehr schätze, so bin ich da weniger zurückhaltend. Ich weiß aber auch um die Sensibilität von diesem Begriff und dass der Begriff auch schon direkt zu Beginn des Krieges von vielen verwendet wurde, wo ich ihn zum Beispiel noch nicht verwendet hätte, weil das in dem Ausmaß vielleicht noch nicht absehbar war. Ich weiß auch, dass der Begriff auch schon in früheren Auseinandersetzungen verwendet wurde, als vielleicht auch in einem gewissen Maße dämonisierend verwendet wurde, weil, Und deswegen manche sagen, naja, Genozid wird Israel immer wieder vorgeworfen, sozusagen egal, ob es da eine Grundlage gibt oder nicht oder wie auch immer. Also am Ende des Tages mache ich das nicht so sehr an diesem Begriff fest. Ich kann nur sagen, für mich ist es einfach, ja, ob es jetzt ein Genozid ist oder nicht. Ich weiß, es ist unerträglich, was da passiert. Und ich weiß auch, dass es eben auch auf der israelischen Seite unglaubliches. Leid gibt, was sich auch nicht sozusagen negieren lässt dadurch, was auf der anderen Seite passiert. Und trotzdem ist da eben dieses krasse Machtgefälle und ja, ich bin ja der deutsche Part sozusagen, aber trotzdem, wir sind jetzt halt eine Familie und da habe ich schon das Gefühl, dass ich mich da auch irgendwie zu positionieren will. Ja, weil ich mir schon auch manchmal die Frage stelle, so, keine Ahnung, was ist, wenn meine Tochter irgendwie in zehn Jahren sich mal mit der Geschichte auseinandersetzt und sich fragt, so, was ist da eigentlich passiert und was habt ihr da so gemacht und irgendwie nicht, dass ich das Gefühl hätte, ich hätte da jetzt so wahnsinnig viel, Einfluss drauf, ne, also ich meine, ich fühle mich in erster Linie auch einfach sehr oft sehr ohnmächtig, aber ich glaube schon, dass es auch wichtig ist, zu benennen, dass da unglaubliches Unrecht passiert, so. Wo merkst du, dass du kein gutes Gefühl hast oder auch sagst, hier da gibt es von mir aus in der linken Bubble oder in der Pali-Bubble oder wo auch immer, da gibt es Tendenzen, da müsste man die rote Linie ziehen oder wie auch immer. Ich weiß nicht, wie du damit umgehst, aber wie siehst du das? Ja, also da fallen mir auf jeden Fall direkt zwei Situationen ein. Eine davon war, dass ich bei so einer Veranstaltung war, von so einer Initiative, die nennen sich Israelis for Peace, die eben in Berlin auch immer wieder Demonstrationen machen und so. Und wirklich so am linkesten Rand von, was man so links sein kann, sozusagen irgendwie in der israelischen, also auf dem israelischen Spektrum sozusagen sehr, sehr links verortet. Und die haben in Neukölln so eine Veranstaltung gemacht. Ich weiß gar nicht mehr so ganz genau, was das Thema war, aber irgendwie haben die halt so verschiedene Vorträge gehalten über die Entwicklung, wie die Rechte immer mehr Einfluss in Israel bekommen hat. Das hat, glaube ich, so ein bisschen so ein historischer Abriss, irgendwie sowas in die Richtung. Und das war in so einem Veranstaltungshaus, wo sich so wirklich die hippe, pro-palästinensische Berliner Community trifft, sage ich mal. Das wusste ich davor aber nicht, dass das so ein Hotspot ist. Also sehr viel Wassermelonen in allen möglichen Formen waren da so anwesend. Und ich fand diese Vorträge interessant. Sehr gut und die haben sich auch sehr klar, also es war noch zu einem Zeitpunkt, wo die auch noch nicht selbst von einem Genozid gesprochen haben. Ich weiß gar nicht mehr genau, wann es war, aber es ist auf jeden Fall eher am Anfang des Krieges gewesen, aber sich trotzdem sehr, sehr klar irgendwie gegen diese politischen, also gegen die Regierung ausgesprochen haben und so weiter. Und die wurden von diesem Publikum extrem angegangen. Anscheinend gab es auch im Vorfeld schon total den Shitstorm, dass die überhaupt eingeladen wurden, weil eben diese Community da den Eindruck hatte, die sind keine echten Allies, die sind eigentlich nur liberale Israelis, die aber trotzdem irgendwie den Anspruch haben, dass sie dort, also mein Eindruck war irgendwie, im Grunde war es schon zu viel, dass sie existieren sozusagen. Also es war wirklich extrem. Und ich hatte das Gefühl, die äußern sich so, also für mein Empfinden, solidarisch mit der palästinensischen Community und. Also mit dem Kurs sozusagen, dass ich irgendwie wirklich schwer nachvollziehen konnte, wo dieser ganze Hass und diese Wut herkam. Und die wurden da irgendwie regelrecht von der Bühne geboot sozusagen. Und da war irgendwie bei mir schon so der Eindruck, dass ich das Gefühl hatte, okay, also das ist irgendwie wild. Da ist für mich irgendwie schon eine Grenze erreicht, weil ich den Eindruck habe, also wenn ihr nicht mal akzeptieren könnt, dass sie halt existieren und schon auch sagen, naja, unsere Familien leben da, wir sind schon nach wie vor der Meinung, dass irgendwie es auch Israelis in dieser Region gibt und auch weiterhin geben soll, wenn das schon zu viel verlangt ist sozusagen. Dann weiß ich auch nicht so richtig, wie der Dialog stattfinden soll, ehrlich gesagt. Ja, Existenzrecht ist natürlich jetzt auch über die Initiative der hessischen Regierung ein Thema. Es soll jetzt verboten werden, das Existenzrecht Israels infrage zu stellen. Ja, das finde ich aber auch schwierig. Also das einfach irgendwie so staatlich als Grundvoraussetzung zu machen, was jetzt da deine persönliche Haltung zu ist. Also ich meine, natürlich wünsche ich mir irgendwie, dass Menschen checken, dass dieses Existenzrecht nicht verhandelbar ist, aber man das jetzt irgendwie wirklich so, ernsthaft irgendwie auf diesen Weg einfordern kann. Ich frage mich tatsächlich, was da im Endeffekt mit dazukommt. Wie wird das konkretisiert? Was ich gehört habe, ist ja, dass verschiedene Slogans dann ankassiert werden und kriminalisiert werden. So und da also ich habe direkt irgendwie am 10. Oktober oder so hat es in Frankfurt eine Demo gegeben, da gibt es einen Verein, so einen Pro-Palästina-Verein ich glaube die heißen sogar Pro-Palästina-EV oder so, und die werben eben sehr sehr klar mit Landkarte wo nur Palästina drauf ist, und haben da eine einschlägige Meinung, die wo ich sagen würde, das ist problematisch. Ich glaube, am Wochenende dürfen die auch wieder demonstrieren. Also auch das wird diskutiert. So, ähm, Ich habe damals dieses Beispiel direkt im Unterricht aufgegriffen und gesagt, das ist schwierig, das geht halt nicht, das ist eine Auslöschungsfantasie. Ich finde auch da wieder diese Gleichzeitigkeiten sind schwierig, weil je mehr ich über die Geschichte. Da kennenlerne, wie das damals in den 40ern gelaufen ist und so weiter, da finde ich, ich sag mal, die Darstellung von der Konrad-Adenauer-Stiftung, die bügeln da Dinge weg, wo man sagen würde, es ist eben nicht so, dass 750.000 Palästinenser da gesagt haben, wir fliehen vom Krieg und kommen nie wieder, so ungefähr. Da hat es eine sehr herausfordernde Geschichte gegeben. Ich finde, es ist ultra schwierig, da eine Klarheit reinzukriegen. Vielleicht ist es auch gar nicht gut, da eine Klarheit reinzukriegen, sondern man muss auch da sagen, es gibt einfach sehr, sehr viele Gleichzeitigkeiten, die man irgendwo auf greifen muss. Wie siehst du das? Voll. Ja, total. Also ich meine, das ist ja auch so ein klassisches, Argument sozusagen, oder was heißt Argument, aber einerseits gibt es die Nakba und die Vertreibung von PalästinenserInnen, gleichzeitig gab es auch um die 700.000 Juden, die eben aus den, arabischen Ländern eben nach Israel gekommen sind, auch nicht, weil die einfach alle nur Lust hatten, jetzt mal, da rüber zu ziehen, sondern da Da hat es auch Vertreibung gegeben, aber ich will es auch gar nicht jetzt, irgendwie gleichsetzen oder sagen, ja, aber da war ja auch und so, sondern es ist halt einfach, was das Historische angeht, total komplex. Und was ich schon auch schwierig finde, was zum Beispiel auch in dieser Veranstaltung, von der ich gerade gesprochen habe, so ein Thema war. Es gibt ja immer so diesen Take von, ja, das ist halt so ein Kolonialprojekt und... Ja, so. Und irgendwie, dass dann da überhaupt nicht, also kommt jetzt auch auf die Person drauf an, aber bei dieser Veranstaltung hat eine Person dann aus dem Publikum gesprochen, die da irgendwie, einfach gar nicht den Background sozusagen von Holocaust und warum sind auch Menschen irgendwie damals auch nach Palästina, also Palästina slash Israel halt geflohen sozusagen, schon vor, 1948, hat dann gar keine Rolle mehr gespielt. Dann denke ich mir auch, das ist auch irgendwie absurd, weil ich meine, es gibt ja schon auch einen Kontext von vielen, vielen Menschen, die nach Israel gekommen sind, weil sie einfach auch keinen anderen Ort mehr im Blick hatten, wo sie jetzt hingehen können, beziehungsweise das war einfach ihre Rettung, da hinzukommen sozusagen. Also die Großmutter zum Beispiel von meinem Mann ist halt Holocaust, also KZ-Überlebende so. Die ist halt als junge Frau dann ganz alleine ohne Familie irgendwie nach Israel gekommen. Die hat sich bestimmt nicht gedacht, ich mache da jetzt mal ein krasses Kolonialistenprojekt, sondern die braucht halt einfach einen Ort, an dem sie in Sicherheit leben kann. Und das hat sich ihr dann halt mit 15 oder so, war das dann halt ihr einziger Weg. Also so, das habe ich den Eindruck, wird zum Teil schon auch irgendwie krass ausgeblendet. Ob das jetzt, was auch wiederum nicht heißt, das rechtfertigt jetzt die Gewalt oder was auch immer, was damals da passiert ist. Aber trotzdem ist es ja ein Kontext, der wichtig ist. Ich glaube, dass es tatsächlich auch aus heutiger Sicht schwierig nachzuvollziehen ist. Damals hat es halt Kolonialismus gegeben und England war einfach eine Kolonialmacht, und gerade so aus deutscher Perspektive wird das ja, der komplette Kolonialismus sehr negativ konnotiert, zu Recht, wie ich sagen würde. Aber das ist ja damals nicht state of the art gewesen also das ist ja Stichwort Wettlauf um die Kolonien das ist ja eine völlig andere Haltung gewesen, die man damals gehabt hat und ich würde halt sagen, Und auch da ist es immer schwierig, aus heutiger Sicht ein moralisches Urteil über eine andere Zeit zu treffen. Also das ist nie so glatt, glaube ich. Das ist immer kompliziert. So und auch da ja, viele, viele Gleichzeitigkeiten, die ja, für mich von dem, was ich lese, was ich wahrnehme wird sehr, sehr schnell zu viel eingestampft und drüber gebügelt, ja, absolut und ich meine, man kann auch den also, zum einen weiß ich gar nicht sozusagen, jetzt ist halt die Lage, wie sie ist manchmal weiß ich auch gar nicht, wie also Also klar, es ist wichtig, sich mit dem historischen Kontext auseinanderzusetzen, aber manche, also mir scheint die Frage manchmal auch wichtiger, wie geht es jetzt weiter sozusagen, anstatt immer rumzudiskutieren, wer hat jetzt angefangen oder so, weil irgendwie jetzt sind halt die Umstände so, wie sie sind. Man kann sie auch nicht mehr rückgängig machen. Aber gleichzeitig finde ich dieses Kolonialding auch deswegen irgendwie. Schwierig zum Teil, weil natürlich gibt es auch einfach einen historischen Bezug. Es gibt die Sprache, wenn man sich Hebräisch und Arabisch anguckt, es gibt irgendwie also, jüdische Präsenz auf dem Land sozusagen, die auch schon lange vor 1948 da war und das irgendwie, manchmal habe ich dann bei diesem Diskurs so ein bisschen den Eindruck, das wird irgendwie alles so völlig ausgeblendet, also. Eben als wäre das jetzt immer noch so wie als wenn England da jetzt hinkommt oder so, aber das ist ja nicht das Gleiche, also würde ich sagen, weil dafür sind sich dann die beiden, also wie gesagt Allein schon, wenn ich mir die Sprache angucke, da gibt es so wahnsinnig viele Verbindungen, dass irgendwie klar ist, da gibt es schon irgendwie eine Nähe auch. Ich muss sagen, für mich, ich finde es ein absolutes Minenfeld, aber so meine vielleicht mal ungeschützte Idee, ich glaube, dass ein Problem da war, also das ist vielleicht etwas, wo ich in sechs Monaten sage, was habe ich da gesagt, aber meine Idee ist, glaube ich, so ein bisschen, die Kolonialmacht England hat damals das Sagen gehabt. Und die Menschen, die in der UNO das Sagen hatten, das waren auch Kolonialmächte. Und die waren eben gewohnt zu sagen, das läuft jetzt so. Und vielleicht wäre es in der Situation aber nötiger gewesen, dass man sowas wie den Wiener Kongress gehabt hätte, wo man mal ein, zwei Jahre eben keine Entscheidung trifft, sondern sich alle möglichen Leute da mal anhört, mal guckt. Wie können wir da eine gerechte Lösung finden. So ungefähr. Das scheint für mich damals nicht der Fall gewesen zu sein. Aber auch da bin ich vorsichtig. Ich finde es einen sehr nachvollziehbaren Ansatz zu sagen, wir müssen ja die Realitäten anerkennen. Ich finde es völlig sinnfrei zu sagen, Israel hat kein Existenzrecht, weil Israel existiert ja. Und dann, also was ist das für eine Diskussion? Am Ende geht es darum, mit den Realitäten umzugehen. Ja, absolut. Das leuchtet mir jedenfalls ein, ja. Boah, das sind sehr, sehr viele Fässer. Sorry, habe ich unterbrochen. Nee, hast du nicht. Es sind viele Fässer und viele Gleichzeitigkeiten. Ja. Vielleicht ein bisschen noch in die konstruktive Sicht nach vorne. Was glaubst du, was brauche es jetzt stärker? Also vielleicht auch konkret bezogen jetzt auf so einen deutschsprachigen Raum, was glaubst du, was ist da jetzt eine gute Art des Umgangs? Also es gibt ja irgendwie eine krasse Diskrepanz, ist mein Eindruck, zwischen sozusagen der Stimme des Volkes oder, keine Ahnung, der Gesellschaft. Da gibt es ja einen großen Unmut und große Kritik irgendwie an israelischer Politik und so weiter. Und gleichzeitig gibt es eben so diese staatlichen Entscheidungen und die staatliche Haltung. Und da gibt es ja natürlich auch immer wieder auch Kritik, aber gleichzeitig gibt es halt auch Waffenlieferungen, gleichzeitig gibt es auch krasse Repressionen oder gab es vor allen Dingen auch am Anfang, aber gibt es glaube ich auch immer noch bei pro-palästinensischen Demonstrationen. Und eben dieses Gefühl jetzt auch bei deinen SchülerInnen oder auch bei anderen Menschen von, wir dürfen jetzt hier irgendwie nichts sagen oder wie auch immer, das kommt ja nicht aus nichts. Also und irgendwie, ja, wenn ich mir was wünschen könnte, dann würde ich mir irgendwie wünschen, dass man einsieht, auch als deutsche Regierung oder irgendwie Staat sozusagen, dass... Dass es. Niemandem hilft, also in meiner Wahrnehmung, wenn man, als Staatsräson begreift, dass man einfach alles, was die gegenwärtige Regierung, tut und veranlasst, irgendwie supportet oder nicht so besonders krass reglementiert. Also das heißt reglementiert, aber irgendwie, klar, es gibt manchmal Kritik, aber es ist halt alles irgendwie zurückhaltend in meiner Wahrnehmung. Sondern dass man irgendwie sagt, wir stärken Stimmen, die ein Interesse an der Demokratie in Israel haben, die ein Interesse daran haben, dass es da Gleichberechtigung gibt. Es ist ein langer, harter, gerade leider auch nicht so richtig, sozusagen, also es ist kein Weg, den man irgendwie gerade sieht, aber umso wichtiger fände ich es eben auch von staatlicher Seite, ja, dass da andere Stimmen gestärkt werden und es irgendwie eine ehrliche Auseinandersetzung gibt, auch mit dem, was falsch läuft. Und das fehlt an vielen Stellen. Und irgendwie ist mein Gefühl eben, wie gesagt, ich glaube, das Beste, was man irgendwie tun kann, ist halt diese Stimmen, die miteinander zusammenarbeiten, wie eben bei Standing Together, die irgendwie lauter zu machen und zu sagen, es gibt Menschen, die sich eine andere Realität vorstellen können und die sind wichtig. Namm, Ich finde das ist ein sehr schönes Schlusswort. Gute Landung. Ich sage schon mal vielen Dank für deine Offenheit. Ich glaube, das ist ja auch ein echt herausforderndes Thema. Aber ich bin sehr froh, dass du da im Team bist und bin gespannt, was da noch so für Impulse kommen. Ja, danke dir. Das hat Spaß gemacht. Sehr gut. So, dann sage ich mal, bis dahin. Tschüss.