So, dann, hallo zusammen und hallo Jasmin, ich freue mich, dass du da bist. Ja, Jason, voll schön, dass ich da sein darf. Voll gut. Bevor es mit dir gleich weitergeht, habe ich zwei Ansagen, die muss ich kurz raushauen. Einmal am, so, ich glaube, es ist der 26.11., ja, der 26.11., da gibt es einen Workshop-Tag, der nennt sich, der hat einen geilen Titel, Gefährliche Nachfolge. Da geht es um InfluencerInnen, die möglicherweise auch im rechten Spektrum angesiedelt sind und Radikalisierung und so weiter. Ausgerichtet von der Bildungsstiftung Anne Frank und der Evangelischen Akademie in Frankfurt. Ich werde auch dabei sein. Fundi Watch wird da sein. Da lerne ich die auch mal kennen. Sehr gut. Coole Sache. Zweite Sache. Im Januar, am 16., 17., 18. Januar. Das ist so das erste Wochenende, wo es eigentlich wieder richtig losgeht aus meiner Sicht. Da gibt es in der Akademie am Biggesee, das ist in Attendorn, so eine Stunde von Köln oder so, gibt es auch eine sehr feine Konferenz. Das ist nämlich die Unruhige Hoffnung Konferenz. Da gibt es Infos unter unruhigehoffnung.de. Und das ist eine Podcast-Konferenz. Da kommen Karte und Gebiet, Stachel und Herz, Holy Club, Schöner Glauben und Judy Bailey ist da, ein paar andere auch noch. Fuck Purity. Also wirklich eine sehr, sehr coole Mischung, coole Leute. Freue ich mich sehr drauf. Und genau, da kann man sich anmelden. Im Moment sind, glaube ich, die Tickets noch nicht online. Das kommt aber in den nächsten Tagen. Man kann sich aber schon mal für so ein Newsletter anmelden. Genau, www.unruhigehoffnung.de Gibt's auch bei Instagram, bei mir zumindest nach Krache, um sich da mal schlauer zu machen. Genau. Sehr cool. So, jetzt aber genug der Ansagen. Jasmin, ich freue mich, dass du da bist. Sehr cool. Hello, hello. Für diejenigen, die dich nicht kennen, du bist Spoken-Word-Künstlerin. Du gibst Workshops. Ich habe gesehen, das sind Workshops, die was mit Kreativität, mit Schreiben und so weiter zu tun haben. Und ich habe gestern auch noch gesehen, du machst auch einen Workshop, der Richtung Umbrüche im Glauben oder sowas geht. Habe ich das richtig gesehen? Ja, genau. Also genau, ja, ich gebe Workshops, die mit allen möglichen Themen zu tun haben und in denen es halt darum geht, kreatives Schreiben so als Methode zu nutzen, um sich vielleicht selbst zu reflektieren. Und ich habe im Rahmen meiner Masterarbeit auch ein Format entwickelt, das quasi über acht Monate geht und wo es dann darum geht, sich mal seinen Glauben anzuschauen. Also das heißt Glaube im Umbau. Und es richtet sich eigentlich vor allem an Menschen, die mal irgendwie Teil von evangelikalen Freikirchen waren oder gar nicht unbedingt Freikirchen, sondern einfach evangelikalen Bewegungen und da vielleicht rausgegangen sind oder sich gerade so in diesem Prozess befinden. Und weil ich das kenne und das damals bei mir als sehr einsam empfunden habe, fand ich den Gedanken cool, irgendwie ein Angebot zu schaffen, dass Leute, denen es ähnlich geht, die so als Reisegruppe sozusagen zusammenbringt und dann kann man sich schreibend mit so verschiedenen Themen auseinandersetzen, die so mit dem Prozess zu tun haben. Genau. Und muss man an irgendeinem Ort sein oder gibt es das auch online? Ich mache das nur online. Genau. Das hört sich für Menschen, die Podcasts hören, ganz gut an. Es könnte sein, ja. Ja, genau. Sorry, ich habe dich unterbrochen. Was war das? Einmal im Monat trifft man sich? Genau, wir treffen uns einfach einmal im Monat auf Zoom und dann gibt es immer quasi für jeden Monat gibt es ein Thema und dann bekommen die Schreibimpulse von mir zugeschickt. Und die besprechen wir dann oder teilen die Texte, die entstanden sind. Und genau, so entsteht dann die Gemeinschaft. Das ist eine mega schöne Idee. Ja, macht auch voll Spaß und es ist auch irgendwie voll die Ehre, das begleiten zu dürfen, finde ich. Wir werden heute darüber reden, dass du auch Autorin bist. Dein Buch Kontur ist gerade rausgekommen. Bevor wir da aber stärker einsteigen, würde ich nochmal gerne dieses ganze Spoken Word Gedöns, dass da ein bisschen was zu sagen. Also der Hintergrund ist der, ich hätte es mir gerne mal angeguckt. Jetzt ist es so, dass es da vor zwei Jahren auf dem Freakstock die Gelegenheit dazu gegeben hätte. Ich muss die Story kurz erzählen, weil es hat so eine kleine Zeltstadt im Grunde gegeben mit ein paar Leuten. Sandra Bilz war dabei und so und Katharina und ich und so. Verschiedene Leute. Und wir haben da recht am Rand des Festivalgeländes gecampt, direkt bei den Flugzeugen und quasi auch direkt bei den Duschen. Also alle möglichen Leute mussten da ja im Grunde her. Und deswegen sind ja alle möglichen spannenden Leute auch gestrandet und haben dann gesagt, ja komm, auf ein Bier setze ich mich und zack, drei Stunden später saßen die immer noch. Du warst eine davon und dann habe ich mitbekommen, dass du Jasmin bist, aber erst als du gegangen bist, habe ich verstanden, dass du Jasmin Brückner bist. Ah, okay, ja, gut. Das sagte mir dann nämlich schon was. Genau, du hattest dann da auch ein, wie soll ich sagen, so eine Performance im Grunde und die sollte, glaube ich, sprünglich mal roundabout um zwölf Uhr stattfinden. Und dann habe ich mir gesagt, okay, das schaffe ich noch. So lange halte ich durch. Aber dann ist es, glaube ich, irgendwann halb zwei geworden und das war bei mir, deswegen, ich habe am übernächsten Tag oder so habe ich die Fotos gesehen und dachte, boah, es muss unfassbar gut gewesen sein. Aber so, lange Rede, kurzer Sinn. Was hast du da gemacht oder was machst du für Zeug? Also ich glaube, man muss ein bisschen unterscheiden, was ich normalerweise mache und was ich da gemacht habe. Was ich da gemacht habe, war mit Tabitha, Tabitha Hanan zusammen. Die auch Spoken Word-Künstlerin ist. Wir haben irgendwann mal festgestellt, dass es doch geil wäre, so Spoken Word noch mit so performativen Elementen zu kombinieren. Genau, und haben uns da so ein Gesamtprogramm ausgedacht, was so eine halbe Stunde geht. Und Teil der Performance ist, dass wir ganz viel mit Farbe machen und einem sehr großen Farbeimer. Und ich glaube, das ist, was man an diesem Abend dann auch gesehen hat, weil wir sehr voll geschmiert dann da rumgelaufen sind. Genau, normalerweise beschmiere ich mich aber nicht so viel mit Farbe, sondern stehe viel auf allen möglichen Bühnen. Also ich habe damals, 2017 eher mit so Poetry Slam angefangen. Das, was da quasi auf der Bühne passiert, das ja ausbocken wird. Und Poetry Slam ist ja eher der Name für das Format, in dem dann quasi diese Texte bewertet werden und so ein Wettbewerb stattfindet. Und inzwischen bin ich aber auch viel in Formaten, die gar nichts eben mit Slam oder Wettbewerb zu tun haben, weil ich das eigentlich auch oft ein bisschen schöner finde. Und das sind alle möglichen Formate da, wo Menschen halt sagen, das wäre doch cool, wenn du da jetzt auf der Bühne stehen würdest und einen Text mitbringen würdest. Das sind manchmal Konferenzen, manchmal irgendwelche Podiumsdiskussionen, manchmal auch wirklich Spoken Word Veranstaltungen, die so heißen. Genau, ja, das mache ich normalerweise und trage dann Texte vor, die ich geschrieben habe. Ich glaube, dieses Poetry Slam war ja eine Zeit lang ein Hype. Also das war zumindest in meiner Wahrnehmung, da gab es ganz viel auf YouTube und dann gab es irgendwie Nightwash und so ein Kram. Also so ein bisschen so dieses, dass du auf der einen Seite so eine Comedy-Szene hast und das hat sich so ein bisschen überschnitten mit Spoken Word. Wie erlebst du das? Ist das immer noch so ein Ding? Entwickelt sich das in eine andere Richtung? Also ich glaube auf jeden Fall, so die Hochphase von Poetry Slam ist vorbei. Ich glaube, das merkt man daran. Es gab mal eine Zeit, da gab es wirklich in jeder noch so kleinen Pupsstadt irgendwie einen Poetry Slam. Und das ist, glaube ich, vor Corona schon so ein bisschen runtergegangen. Und mit Corona hat sich das noch krasser verändert. Also es gibt es immer noch total viel auch in Deutschland. Es haben vielleicht nicht mehr so viele auf dem Schirm. Es hat trotzdem gefühlt, fast jede Stadt irgendwann mal irgendwie so ein Slam-Format. Aber genau, das ist, also gibt es sehr viel weniger und es hat sich auch gerade in Deutschland krass so ausprofessionalisiert. Also ich glaube, wenn man jetzt so neu einsteigt, ist es gar nicht so leicht, überall so reinzukommen. Es gibt halt inzwischen, gibt es so Formate, die speziell für NewcomerInnen sind und andere Formate, da kommst du nur rein, wenn du eingeladen wirst. Das ist nicht so einfach und genau dann gibt es eben noch diese ganze Entwicklung mit Comedy-Innen. Dass es früher, glaube ich, noch ein bisschen mehr zusammen war und inzwischen aber mehr Menschen vielleicht auch eher in so Comedy-Formate gehen und dann sagen, ja, Slam, das ist jetzt gar nicht so interessant für mich, weil da sehe ich jetzt vielleicht nicht so die krassen Erfolgschancen und bei Comedy, das funktioniert gerade ganz gut. Deswegen würde ich sagen, Comedy ist gerade eher so, also diese ganzen Formate, die es da gibt, sind gerade ein bisschen mehr Fame als der Slam an sich. Ja, ich habe ja den Eindruck, eigentlich ist das ja was völlig anderes, oder? Also wenn du daran arbeitest, dass Pointen sitzen, das ist eigentlich was anderes, als wenn du einen poetischen Text. Dann konzipierst. Also ich habe zumindest den Eindruck, dass das auch so ein bisschen weiß ich nicht, dass da die Sportarten vermischt werden. Und das eigentlich in den Poetry nicht so gut tut. Ja, also auf jeden Fall. Also ich glaube, an sich bietet Poetry Slam ja schon den Raum dafür, dass das geht. Also weil es ja an sich da keine Regel gibt, wie ein Text zu sein hat. Und ich glaube, das, was mal cool an diesem Format war, war auch gerade, also ohne dass ich dabei gewesen wäre, ich kenne nur die Erzählungen, aber es kam ja so in den 90ern, dass du da auch lange wirklich Leute hattest, die so richtige Weirdos waren und die so ganz experimentelle Texte gemacht haben und so. Das gibt es ja nicht so sehr, aber eigentlich gibt es Format, das ist total her, dass du da auch Comedy machen kannst. Andersrum geht es natürlich nicht so, wenn du mit deiner Lyrik irgendwie zur Comedy gehen willst, dann hast du jetzt nicht so die Chance. Genau, ja, und inzwischen habe ich eher das Gefühl, es hat sich so ein bisschen, auseinandergelebt, irgendwie. Also keine Ahnung, ob das gut ist oder nicht, dadurch, dass ich irgendwie nicht so eine Comedy-Maus bin, mich das nicht so krass tangiert. Ja, verstehe ich. Ich überlege gerade, ich hatte auch auf jeden Fall ein Lieblingsweirdo beim Poetry Slam. Aber ich weiß den Namen nicht mehr. Da gab es wirklich sehr, sehr abgefahrene Typen. Ja, das stimmt. Du hast auf jeden Fall, hast du noch jetzt. Ein Buch geschrieben, wo viele, ich vermute, das sind auch Texte, die du sonst auf einer Bühne vortragen würdest oder zumindest haben sie das Zeug dazu. Kann man so sagen, oder? Ja, also einige davon, manche sind auch, glaube ich, schon eher so geschriebene Sachen oder besser zum Lesen als zum Performen. Aber genau die meisten davon sind tatsächlich Texte, die einfach in den letzten Jahren entstanden sind und die ich schon immer mal auch auf Bühnen mache und dann so gemerkt habe, ich glaube, bei so den ersten Texten, die ich geschrieben habe, irgendwann kommt auch die Zeit, wo man so merkt, ja, okay, jetzt mache ich andere Sachen und so geil finde ich das vielleicht nicht mehr. Aber irgendwann haben sich auch die eingeschlichen, wo ich merke, ach krass, selbst heute mit ein paar Jahren Abstand finde ich die eigentlich immer noch ganz gut so, oder? Mach die ganz gerne. Und aus der Mischung ist eigentlich genau, aus Kontur entstanden. Also, dass ich irgendwie einfach gedacht habe, ich würde voll gerne Texte, die ich mag, mal gesammelt haben und, Es ist auch gar nicht so selten, dass eben nach Auftritten irgendwie Leute kommen und fragen, kann ich den Text nochmal haben und ich verschicke meine Texte eigentlich nicht. Und dann ist das irgendwie immer auch ein bisschen doof. Und deswegen habe ich irgendwann entschieden, das wäre, glaube ich, jetzt ein guter Zeitpunkt, das einfach mal gesammelt rauszugeben. Und dann hat man was, was man Leuten irgendwie anbieten kann, was ganz cool ist. Und es war auch für mich cool, weil sie es auch ein bisschen angefühlt hat wie, okay, jetzt kann ich auch mal kurz anhalten und das Feiern, was eigentlich so in den letzten Jahren entstanden ist, war eigentlich, wenn ich zurückgucke, ist es total crazy, dass das einfach mal so ein weirdes, kleines Hobby neben meinem Studium war. Und jetzt ist es einfach mein Beruf geworden und das hätte ich nie, nie, niemals gedacht und es war auch nie mein Ziel eigentlich ganz ursprünglich und das ist schon irgendwie, krass, so diesen Weg jetzt auch zu sehen und ich bin sonst nicht sehr gut darin, irgendwie mich zu feiern oder zu denken, ja geil, voll der Erfolg und das war jetzt irgendwie auch ein Weg, wo ich so gemerkt habe, ich kann irgendwie da das auch nochmal wertschätzen und irgendwie auch nochmal gut auf das zurückgucken, was einfach entstanden ist und ja, ich mich da auch entwickelt habe. Wunderschön, großartig. Ihr habt mir halt gedacht, als ich das so gelesen habe. Mein erster Gedanke war, es gibt ein paar Texte, die würde ich unfassbar gerne auch im Schulunterricht nutzen und werde das, denke ich, demnächst auch mal machen. Und mein zweiter Gedanke war, dass eigentlich Schule. Also, wie soll ich sagen, es scheint mir ja so zu sein, dass es da eine Institution gibt, die mit aller Macht versucht, dass so etwas wie du am Ende nicht dabei rauskommt. Ja, stimmt. Also ganz ehrlich, wo ich denke, ähm, Das sind ja geile Texte, die machen Spaß zu lesen. Und das alles, was man da irgendwo so in Schule aber mit Gedichten zu tun, das ist so meilenweit weg davon. Das ist einfach eine andere Welt. Meine Frage ist, was hat geholfen, um den Schulunterricht auszublenden? Oder vielleicht die bessere Frage ist, wie bist du eigentlich dazu gekommen, dass du solche Texte schreibst? Ja, das ist voll witzig, dass du das mit der Schule sagst, weil bei mir war es tatsächlich so, ich habe früher richtig gerne gelesen und ich habe auch früher schon so geschrieben, wenn ich jetzt zurückgucke, habe ich auch so Tagebucheinträge oder so kleine Gedichte auch aus der Grundschule, die ich einfach cool fand. Und ich weiß, dass ich eigentlich Deutschunterricht lange Zeit total toll fand und dann ging so dieses ganze Interpretieren und sowas los, und ich habe nie gute Noten da gekommen, also ich habe so Durchschnittsnoten bekommen, ich war jetzt auch nicht ultra schlecht, aber ich weiß, dass mich das immer krass frustriert hat, weil ich das Gefühl hatte, ich gebe alles und es reicht aber nicht und das hat mich so frustriert, dass ich wirklich nicht mehr viel gelesen in meiner Teenager-Zeit, ich hatte auch keinen Bock mehr irgendwas mit Texten zu machen, weil ich halt echt immer so dachte, wofür eigentlich so, ich kann es ja offensichtlich nicht. Und dass ich dann selber damit angefangen habe, also es ist, glaube ich, zum einen passiert, dass ich für mich irgendwann einfach viel so ein bisschen Tagebuch-mäßig, Notizen-mäßig irgendwie Sachen aufgeschrieben habe und durch meinen Bruder irgendwann das Format Poetry Slam kennengelernt habe. Wir haben dann immer so YouTube-Videos zusammen geguckt und fanden das irgendwie cool. Und als ich dann für mein Studium nach Ludwigsburg gezogen bin, gab es da halt auch Events, weil da, wo ich herkomme, im Erzgebirge, war das halt einfach nicht so das Ding. Und dann bin ich mit Freundinnen da immer hingegangen und fand es mega geil. Da einfach im Publikum zu sitzen und zu merken, krass, man kann mit Sprache so viel machen und das ist so, so geil. Das hat mich schon sehr doll fasziniert. Und dann hatte ich einfach sehr viele kreative Freundinnen gesehen. Unter anderem auch Nana Möhre, die du ja auch kennst, wir haben zusammen studiert. Witzig. Ach, wie witzig. Ja, und sie zum Beispiel hat dann parallel mit einer Kommilitonin so eine kleine Band gegründet. Irgendwie dachte ich dann so, ach, wenn die so kreative Sachen machen können, kann ich das ja auch einfach ausprobieren. Weil ich so dachte, naja, aus den Notizen, die ich schreibe, man kann die schon zusammenpuzzeln zu einem Text auch. Und das habe ich dann irgendwann einfach gemacht. Und dann hat es nochmal eine Weile gedauert und ein Schlüsselerlebnis, dass ich mich bei einem Slam angemeldet habe, weil ich war nämlich auch wieder im Publikum bei einem Slam und dann ist jemand ausgefallen und dann wurde gefragt, ja, er möchte denn jemand spontan? Und dann hat sich so ein Typ sofort wirklich übelst souverän gemeldet und war so, ja, ich auf jeden Fall, ich habe noch was dabei. Und voll den geilen Text geschrieben und alle dachten so, wow, okay, der muss wirklich gut sein. Und dann hat er sich da auf die Bühne gestellt, so in vollster Überzeugung und hat wirklich so einen Text rausgehauen, den ich so schlecht fand. Und ich fand das so krass, dass er einfach so überzeugt von sich war. Und es war so ein Haus-Maus-Reimtext und ganz viel Liebeskummer über seine Freundin. Man darf da ja auch einen Text drüber schreiben und so. Aber ich fand den einfach so vom Konstrukt her echt nicht gut und dachte so, krass, der hat sich jetzt so überzeugt gemeldet und ich traue mich die ganze Zeit nicht. So, was, was? Und genau, danach habe ich mich das erste Mal bei einem Slam angemeldet, bin tausend Tode gestorben, habe es ganz doll bereut. Und habe dann aber irgendwie trotzdem gewonnen, was für den Moment damals total gut war, weil es irgendwie so das Gefühl gegeben hat von, okay, ist nicht ganz so scheiße. Und dann ist das irgendwie so ein bisschen losgerollt. Genau. Und hat sich dann immer weiterentwickelt. Dein Buch heißt Kontur. Und was hat es mit dem Titel auf sich? Schreiben war für mich in erster Linie ganz viel so eine Auseinandersetzung mit Themen, die mich bewegen, so in meinem Leben. Und ganz oft, wenn ich das Gefühl hatte, boah, ich muss jetzt hier irgendein Thema durchkauen, dann habe ich erst mal für mich geschrieben, um das zu sortieren. Und deswegen war irgendwie das schnell so, dass viele Texte von mir irgendwie auch eine biografische Komponente drin haben, auch wenn das gar nicht immer so eins zu eins ich bin, aber natürlich sind da Gedanken von mir drin, die ich mir irgendwie mache, so über das Leben und die Welt. Und genau, und da haben sich einfach einige Texte angesammelt in den letzten Jahren, wo ich so gemerkt habe, ja, das sind für mich irgendwie so Themen aus meinem Leben, das zwar noch nicht sehr alt ist mit 30 Jahren Und in nochmal 30 Jahren sieht es wahrscheinlich auch anders aus. Aber irgendwie fand ich dann so eine Kontur so ein schönes Bild, weil für mich ist das irgendwie so ein Umriss von etwas. Und genau, ich glaube, das hängt auch damit zusammen, dass ich eben genau dieses Jahr 30 geworden bin und das für mich voll das große Ding war. Und ich habe das voll abgekultet, mich total darüber gefreut und hatte voll das Bedürfnis, nochmal so zu gucken, okay, was ist bisher passiert in meinem Leben und was will ich noch und wo will ich noch hin? Und irgendwie fand ich dann so die Frage von, was ist eigentlich die Kontur von meinem Leben bisher? Total schön. Daraus ist der Titel entstanden, genau. Den Geburtstag, den hast du, glaube ich, auch im letzten oder vorletzten Kapitel oder so, hast du den auch nochmal aufgegriffen. Das fand ich auch witzig. Ja, genau. Kommt dann fort, genau. Ja. Ihr habt mich gefragt, magst du uns mal einen Text vorlesen? Ja, gerne. Das ist natürlich gleich die Frage, wie steil wir da hier rein starten wollen. Ich würde sagen, direkt zack, zerab. Ja, ich mache erst mal den hier, weil der ist einer so der früheren oder genau, ja, ach ja, ich sage einfach danach was dazu. Der heißt Umzug. Du bist umgezogen. Irgendwohin, ich weiß nicht genau, da war nur ich, der Rucksack, mein Klopfen und Warten und ich war lang nicht mehr hier im alten Haus, mit deinem Namen an der Tür und du machst nicht auf. Du bist umgezogen. Vielleicht raus aus der Stadt und rauf aufs Land oder irgendwo anders hin, weiß nicht genau, ob das jetzt gut oder schlecht sein soll. Früher warst du immer hier. Zwischen Liedern und Gebeten. Zwischen Tanzen und Betreten, Schweigen beim Beten und Amen sagen und Hände heben. Und ich habe immer auch ein bisschen Angst gehabt vor dir, weil da so viel Schwarz war auf dem Weiß in mir. Du bist umgezogen. Am Gartentor nur das Schild zu verkaufen und irgendwie bin ich enttäuscht. Da waren viele Kisten, die ich dir gern vorbeigebracht hätte. Irgendwie WG wäre cool gewesen, zumindest teilweise. Ich habe zu viele Sachen gekauft, ohne an Umzüge zu denken oder Renovierungsarbeiten oder Abschiede. Also trage ich meinen Scheiß noch bis zur Schwelle. Ich renne zum Haus und nehme den Stein, ich fließe zu verbrennen, ich schmeiße die Fensterscheibe ein, ich kippe, was ich habe, vor die Tür und in den Garten, ich rieche Benzin, ich zünde an, ich starre wütend in die Flammen, ich lasse es brennen und geschehen. Mosches Gebälk fällt fast von selbst, was bleiben wird, sind nur Gedanken an die Reste einer Welt. Wenn ich das Haus wegdenke, kann ich den Himmel sehen. Und irgendwie macht mir das Hoffnung, dass es woanders noch was anderes gibt, hast du mal versprochen. Hinter mir brennen letzte Reste. Was bleibt, ist die Flucht nach vorn. Und aus den Büschen ruft es leise, dass Gott jetzt in der Wildnis wohnt. Wow, großartiger Text. Ja, und direkt sehr steil eingestiegen, auf jeden Fall, definitiv. Ja, bei mir gehen ganz viele Schubladen auf, weil ich glaube, dass eigentlich dieser Text gut so zwei große Themenbereiche aus dem Buch zusammenbringt. Für mich ist es einmal eben dieser Glaubensumzug und dann aber auch ein Stück weit Heimat. Wo wohnt man eigentlich und wie fühlt man sich da? Ich finde, das ist auch ein großes Thema in dem Buch. Ja, das stimmt. Schon, oder? Ja, das kommt ja auch drin vor. Also ich glaube, ich habe mit der Heimatbrille gar nicht so doll auf den Text geschaut und trotzdem hat das natürlich damit zu tun. Aber tatsächlich habe ich den nach einem Gottesdienst geschrieben. Ich war im Gottesdienst immer richtig wütend danach. Genau, und dann war so, das muss irgendwo hin und dann muss das halt ganz oft aufs Papier. Und genau, ich glaube, für mich war das halt schon so, also genau wie man unschwer hört, habe ich irgendwie auch so eine Glaubensdekonstruktion und sowas. Und dann irgendwie die Frage, was glaubt man dann und wie geht es weiter und sowas hinter mir. Und in der Zeit habe ich eigentlich tatsächlich erst so richtig angefangen zu schreiben, weil ich das Gefühl hatte, ja, ich weiß jetzt auch nicht, mit wem ich da jetzt drüber reden soll und irgendwie, wo müssen die Gedanken hin? Und dann packe ich das halt irgendwie aufs Papier. Und ich glaube, deswegen gibt es auch so ein paar Texte, die dem hier vielleicht auch ähnlich sind vom Thema her, die es eben in das Buch geschafft haben, weil ich das Gefühl habe, das ist so doll mit dieser ganzen Glaubensreise verbunden in meinem Leben. Auch das Schreiben, genau, dass es da einfach irgendwie mit rein musste. Weißt du noch, was das war, was dich wütend gemacht hat? Es waren verschiedene Aspekte. Ich glaube, das eine war, dass ich vorher lang nicht mehr so Clancy-Lobpreis-Musik gehört habe. Und die Lieder, die gespielt wurden, ganz sehr so ein Menschen- und Gottesbild transportiert haben, was ich einfach nicht mehr glauben möchte. Also ich finde so dieses Bild von, ich als Mensch bin so der letzte Dreck und wenn du, Gott, mich dann nicht irgendwie rausziehst aus dem ganzen Mist, dann bin ich einfach elend und nichts und so. Und ich denke einfach inzwischen, es gibt bestimmt Menschen, die müssen das auch mal hören oder so oder... Für sich annehmen, aber ich kenne ganz viele Menschen, die eigentlich eher ein sehr schlechtes Selbstwertgefühl haben und eher ein geringes Bild von sich und die jetzt irgendwie nicht noch zum zehntausendsten Mal hören müssen, hey, du bist wirklich unwürdig und du bist wirklich nichts. Und ich glaube auch nicht, dass Gott auf Menschen so guckt. Und das hat mich wütend gemacht. Und dann war das irgendwie noch so zum Thema Frauen, Frau sein und so. Und es ging einfach super viel um Mutter werden und Kinder bekommen. Und ich glaube, dann hat mich auch einfach wütend gemacht, dass das wirklich so das einzige Bild ist oder die einzige Idee von wie ein Leben als Frau aussehen kann, die da irgendwie so mitgegeben wurde. Dass ich auch dachte, nee, das ist jetzt nicht euer Ernst. Genau. Und das hat mich wütend gemacht. Und was hast du dann abgefackelt? Don't for all gar nichts, weil ich lieb bin. Und das war auch, muss man fairerweise sagen, nicht meine Gemeinde oder so. Ich war dort genau für einen Workshop und aus ganz anderen Gründen. Ich habe das voll für mich gebraucht. Also ich weiß auch gar nicht, ob das Sinn gemacht hätte, irgendwen zu gehen. Aber ich glaube, für mich war das hinterher nochmal so ein, ich glaube, ich kann nicht mehr in so Settings gehen, weil die mich wirklich nur wütend machen und mir eigentlich gar nicht so gut tun. Ich einfach inzwischen mich woanders hin bewegt habe, so mit meinem Glauben und was anderes brauche. Ich glaube, dass es ja ein weit verbreitetes Ding ist, dass Menschen, die eine gewisse. Ja, Dekonstruktionserfahrung gemacht haben, dass da unfassbar viel Wut drin ist. Ich mag ja an dem Text sehr, dass er das auch zulässt und das vielleicht auch mal in einer Art und Weise steigert, wo man sagt, okay, krass, das hätte ich mich vielleicht nicht getraut, das so auch mal überhaupt zuzulassen zu sagen, ich fackel da jetzt irgendwas ab, das reicht. Weil oft ich den Eindruck habe, dass da schon auch, wo auch immer her so eine Erwartungshaltung ist, man muss es auch irgendwo ein bisschen gesittet angehen lassen und darf da jetzt auch nicht zu ausfällig werden. Wie erlebst du das? Total witzig, dass du das sagst, weil genau mit meiner Workshop-Gruppe von dem Glauben im Umbau haben wir diese Woche ganz viel über Wut gesprochen. Und genau das war so das Thema, dass ganz oft erwartet wird, dass Wut, wenn sie denn stattfindet, sehr kontrolliert stattfindet. Oder auch gesagt wird, wenn Jesus wütend war und die Tische da im Tempel umgehauen hat, Dann hat er sich aber vorher irgendwie, gibt es anscheinend diese Theorie, keine Ahnung, nach irgendeiner Rute gebastelt. Und dass er sich die Zeit dazu genommen hat, das wohl zu tun, um dann die Leute zu verjagen, ist so das Zeichen dafür von, der war nicht einfach nur cholerisch und blind wütend, sondern es war ganz fokussiert und geplant. Und ich glaube, dass es echt eine Gefahr ist, also so auch gar nicht nur mit Wut, sondern generell mit Gefühlen umzugehen, die immer so wegzudeckeln. Und natürlich muss man sich gerade auch bei Wut vielleicht fragen, okay, wie schaut man das, gerade auch wenn man vielleicht dazu neigt, cholerisch zu sein oder so, dass man Menschen damit nicht irgendwie dauernd verletzt, weil das auch irgendwie blöd ist. Und gleichzeitig gibt es einfach Dinge, da hat die Wut so eine krass berechtigte Funktion, dass sie da ist, weil Wut ja auch einfach ganz viel zu tun hat mit Grenzensätzen und Abgrenzung und einfach zu sagen, hier muss ich jetzt was schützen, weil das ist nicht okay, was hier passiert. Und die Erfahrung machen ja auch viele Menschen, die genau ihren Glauben verändern und merken eigentlich, dass da vorher in dem, was sie gelernt haben, ganz viel halt nicht in Ordnung war oder eigentlich Grenzen überschritten hat und ihnen aber abtrainiert wurde, die halt wahrzunehmen. Ja. Für mich sind da zwei Sachen, die ich gelernt habe. Das eine ist dieses, wenn du Emotionen pegelst oder runterdrehst, dann pegelst du immer alles. Also du kannst es nicht differenzieren. Und das andere ist, wenn du Wut zulässt, dann gibt es auch eine gewisse Energie, die du brauchst, um bestimmte Veränderungen, die anstehen, überhaupt angehen zu können. Das sind zwei Sachen, die mir wichtig sind. Was würdest du sagen, was ist dir bei Wut wichtig? Ja, ich habe gerade noch so gedacht, es gibt ja Menschen, bei denen kommen so Traurigkeit und Wut ganz oft zusammen, wie so ein Geschwisterpaar. Und manchmal verdeckt das eine die andere. Also manchmal haben Menschen Traurigkeit an einer Stelle, wo eigentlich Wut sein sollte. Und eben Wut, wie du sagst auch, hat ja eigentlich in einem Idealfall mega die transformative Kraft. Und Traurigkeit nicht. Traurigkeit ist eher so nach innen gerichtet. Und ich glaube auch, dass Wut im Idealfall eigentlich sehr transformativ ist und eigentlich was Gutes will. Ich zitiere da gerne Gofi. Gofi Müller, der hat ja auch einen Text über die Wut. Und da sagt er, Wut ist eine Beschützerin. Und das finde ich ein total schönes Bild eigentlich, dass Wut nicht eine Feindin ist und eigentlich erstmal nichts Böses will, sondern eigentlich eine total gute Intention hat und zwar Schutz. Und das finde ich irgendwie wichtig, weil ich finde, Wut hat ein schlechtes Image und das sehr, sehr, sehr zu Unrecht. Sehr schönes Bild. Sehr cool. Ich mag mal noch auf diesen zweiten Aspekt eingehen, dieses, wo du herkommst. Magst du mal ein bisschen erzählen, gerne, wie du das magst, ob das jetzt mehr verortet ist? Ich glaube, du hast mal bei Hossertalk ein bisschen in einer Folge erzählt, da ging es, glaube ich, mehr so das Erzgebirge und was man da politisch mit verbindet. Also wenn du magst, kannst du aber auch gerne auf den Glaubensbereich gehen oder vielleicht vermischt sich das auch. Magst du das da mal ein bisschen mit reinnehmen? Ja, gerne. Genau, ich drösel das erstmal auseinander, aber es kommt dann auch wieder zusammen. Genau, geografisch komme ich aus dem Erzgebirge, aus Sachsen. Und das hat mich lange überhaupt nicht beschäftigt. Im Gegenteil, ich fand es total geil, von da zu kommen. Ich habe Judo als Leistungssport gemacht und war so im sächsischen Landeskader und weiß, dass immer, wenn wir wohin gefahren sind, ich das total geil fand, so aus Sachsen zu kommen. Und dann, als ich für mein Studium nach Ludwigsburg, bei Stuttgart gezogen bin, schon Leute angefangen haben zu sagen, ah, du gehst in den Westen, okay. Und ich das auch selber so gesagt habe, weil das irgendwie klar war, irgendwie im Kopf, da gibt es dann so eine Mauer, die ja eigentlich nicht mehr da ist, aber man überschreitet die, indem man dann da hinzieht. Und dort habe ich ganz doll gemerkt, dass ich Ostdeutsch bin, was vorher null Thema für mich war. Das war einfach mein Normal und ich dachte irgendwie, es geht halt allen so. Und ich habe auch gemerkt, dass Sachsen halt gar nicht immer so den guten Ruf hat. Und habe auch selber erst mal, glaube ich, voll den Abstand gebraucht, weil in meiner Jugend, würde ich auch sagen, war ich gar nicht so doll politisch unterwegs. Und habe dann mich eher dort so ein bisschen politisiert, weil ich mich einfach, also ich habe soziale Arbeit studiert und dann muss man sich einfach auch viel mit politischen Themen auseinandersetzen. Und genau, habe dann, glaube ich, schon so ein bisschen gemerkt, oh krass, irgendwie hatte ich da so eine andere Wahrnehmung und genau, habe dann ganz viel erst mal auch so ein bisschen innere Distanz gebraucht und geografisch hatte ich die ja dann irgendwie auch, das war ganz gut. dann... Genau, und habe mich erst so die letzten Jahre dem wieder angenähert oder auch so gemerkt, naja, es gibt jetzt eigentlich ganz viele verschiedene Perspektiven auf den Osten oder auch auf das Erzgebirge im Speziellen. Und vieles davon ist halt ein so ein Mosaik in so einem ganz großen Ding irgendwie. und genau. Also ich habe so gemerkt, so dieses, okay, der Osten ist irgendwie nur schwierig und so stimmt halt auch einfach nicht und das wird dem auch gar nicht gerecht und ich glaube, das ist auch, warum ich damals in diese Hossa-Talk-Folge gegangen bin, weil ich irgendwie auch trotzdem merke. Wenn dann irgendwer kommt, der sagt, ja, naja, Ostdeutschland, das sind halt die Nazis oder so oder manchmal auch so ein bisschen, als wären Leute da so ein bisschen dümmlicher oder so, dann merke ich, ey, da werde ich so wütend, da kommt wieder die Wut und will irgendwie brüllen, ey, fahrt da erstmal hin und guckt euch das an und guckt auch bitte, was da für coole Leute ab Staat sind, die er mitverurteilt, wenn er diese Dinge sagt. Und man macht es sich ja auch ein bisschen leicht, finde ich, ganz viele Probleme auf den Osten auszulagern, die aber Gesamtdeutschland eigentlich betreffen. Also gerade wenn wir auch über das Thema Rechtsextremismus sprechen, dann glaube ich, ist es ein sehr, sehr großer Fehler zu sagen, naja, ist halt der Osten, betrifft uns nicht, weil dem nicht so ist. Das ist so das eine, geografische und das Glaubensmäßige ist eigentlich ganz spannend. Das Erzgebirge ist eigentlich ja eine sehr christliche Region. Also wir haben sehr viele Freikirchen, auch viele Landeskirchen, wobei ich fast sagen würde, dass sich der freikirchliche Einfluss größer anfühlt. Und ich bin aber gar nicht so doll aufgewachsen. Also ich bin auf dem Papier evangelisch, weil meine Eltern zu DDR-Zeiten so ein bisschen protestmäßig in die Kirche eingetreten sind, aber selber gar nicht irgendwie großgläubig sind. Und deswegen bin ich eigentlich auch gar nicht so doll aufgewachsen und fand auch Kirche jetzt nicht so den Brüller. Auch da irgendwie, ich habe ja Konfirmation gemacht und dachte irgendwie so, nee, das catcht mir alles irgendwie gar nicht. Und ich hatte immer das Gefühl, der einzige Unterschied zwischen Menschen, die da hingehen sonntags und mir ist halt, dass die da sonntags hingehen. Aber sonst habe ich da wenig Unterschiede gesehen. Ich habe aber einen großen Bruder, der ist bei Jesus House, weiß nicht, ob dir das noch was sagt, das ist so ein missionarisches Format in den 2000ern gewesen. Der ist da zum Glauben gekommen und wir waren immer sehr eng und der hat mir das irgendwann erzählt, dass es ihm jetzt voll viel bedeutet und das fand ich schon sehr spannend, weil ich weiß, dass ich mir trotzdem auch immer irgendwie gewünscht habe, dass es Gott gibt und es aber nicht so richtig glauben konnte. Und der ist dann irgendwann nach Berlin gezogen, mein Bruder. Und ich habe ihn dann irgendwann mit meinen Eltern mal besucht. Und er hat uns in die Gemeinde mitgenommen, um halt zu zeigen, wo er da jetzt ist. Und das war für mich ultra geil. Das war halt eine sehr genau charismatische, evangelikale Gemeinde. Und für meine Eltern war es, glaube ich, richtig schlimm, weil die so dachten, oh Gott, unser Sohn, der ist voll der Sekte gelandet. Und für mich war es richtig geil, weil ich dachte, ah, das sind Menschen, die Glauben ernst nehmen. Damit kann ich irgendwie arbeiten. Ich fand es extrem faszinierend und habe mich dadurch irgendwie mehr damit beschäftigt oder bin auch in diesem, das war so ein deutschlandweites Gemeindenetzwerk auch, bin dann mehr zur Veranstaltung, die auch bei mir in der Nähe waren. Hatte dann quasi mit 16 da auf einem Festival bei denen eine Bekehrungserfahrung. Und genau, seitdem war ich dann quasi in diesem Kontext am Start. Aber das heißt auch, ich bin eben nicht so aufgewachsen, was ich jetzt zum Rückblick, glaube ich, ganz gut finde. Damals fand ich es natürlich doof und hätte mir gewünscht, dass das irgendwie alles anders gelaufen wäre. Heute denke ich, ja, ist wahrscheinlich auch gut so. Und da war ich dann auch echt einige Jahre drin, so bis, weiß nicht, bis ich 23 war oder so. Also hat auf jeden Fall gereicht, um so ein paar Spuren zu hinterlassen oder vielleicht auch Dinge zu verschärfen, die ich vorher im Ansatz vielleicht auch schon geglaubt hatte oder die Teil von meinem Weltbild waren oder so. Also genau. Ja, und die beiden Erzgebirge und all das, das trifft natürlich auch immer mal aufeinander. Also es trifft auch auseinander, wenn ich jetzt irgendwie ins Erzgebirge fahre, weil ich da jetzt auch zum Beispiel seit letztem Jahr mit einem Freund Kulturprojekte mache für Jugendliche oder er auch ein Gottesdienstformat hat, wo du ja auch schon mal zu Gast war. Björn, we love you. Genau, und da merke ich das nochmal irgendwie krasser jetzt auch, wie sehr Menschen dort geprägt sind von so einem sehr evangelikalen Glauben und dass es wenig Möglichkeiten gibt für andere theologische Perspektiven. Ich hänge gerade noch daran, dass du gesagt hast, dass es eine Zeit lang für dich kein Thema war, dass du aus dem Osten kommst und dass das erst dann mit dem Kontakt mit Menschen irgendwo, was hast du gesagt, irgendwo bei Stuttgart, wo du studiert hast. Ludwigsburg, ja. Das finde ich spannend, weil ich glaube, ich würde auch von mir sagen, ich bin im tiefen Westen aufgewachsen, im Ruhrgebiet, also oder am Rand des Ruhrgebietes. Und es war also außer Herbert Grönemeyer, der das immer mal so gesagt hat, war das nie Thema, ja, das ist der Westen. Mhm. Also, und auch danach würde ich sagen, es ist erst Thema geworden, als in Medien dann häufig gesagt wird, ja, da ist der Osten und die wählen anders als wir im Westen. Und das ist doch irgendwo ein sehr, sehr seltsames Konstrukt. Kannst du da noch ein bisschen das ausführen? Wie blickst du da drauf? Also ich würde im Rückblick sagen, dass es eigentlich auch generell oft in unserer Sprache so ein bisschen so eine Abwertung dem Osten gegenüber gibt. So hat es für mich auch angefangen, dass Leute mich auf meinen Dialekt angesprochen haben, weil der sei ja voll witzig, weil ich sage ja nicht A, ich sage ja A oder so. Ich habe zu der Zeit, muss man sagen, schon auch noch mehr Dialekt gesprochen. Das gehört auch dazu, dass ich mir das voll, ich habe das so abtrainiert, weil ich so keinen Bock hatte, immer gefragt zu werden, du kommst aus Sachsen, oder? Und jetzt im Rückblick finde ich es voll schade, weil, also wenn ich zu Hause bin, rutsche ich da ein bisschen mehr wieder rein, aber passiert nicht mehr so viel und es ist also genau viel mehr Hochdeutsch irgendwie. Und ich finde, es fängt auf so einer sprachlichen Ebene an und dann habe ich einfach das Gefühl, es gibt so krass viel Stereotype, die, glaube ich, alle irgendwie noch aus dieser krassen DDR- oder auch Nachwendezeit kommen. Und das wiederum hat, glaube ich, ganz viel damit zu tun, wie politisch einfach mit dem Osten umgegangen wurde. Also eigentlich, natürlich war das eine Diktatur und natürlich war das System nicht geil und so. Ich glaube, das brauchen wir nicht diskutieren. Aber Menschen haben sich da trotzdem Dinge erarbeitet und... Und ich glaube, diese Erfahrung, dass halt nach einer Wende Betriebe geschlossen, verschachert werden und irgendwie einfach das Lebenswerk von Menschen kollektiv nicht anerkannt wird, das ist, glaube ich, so eine krass einschneidende Erfahrung für viele Menschen im Osten gewesen. Und für den Westen war es aber so, naja, wir messen das jetzt mit unserem Maßstab und nach unserem Maßstab ist das halt alles leider nicht so viel wert. Eure Abschlüsse übrigens auch nichts, könnt ihr entweder nochmal studieren oder ihr macht halt einfach irgendeinen anderen Job, müsst ihr mal gucken, was jetzt so passt. Und damit einfach auch einhergehend so eine Abwertung von ostdeutschen Leistungen. Und andersrum aber auch natürlich, dass so dieses Bild vom Wessi, der einfach ein richtiger Arsch ist, der kommt, um unsere Häuser, unsere Betriebe zu kaufen und sich einfach Scheiße zu benehmen, das ist genauso da und das ist auch heute noch krass da. Ich hatte in meiner alten Arbeitsstelle auch eine Kollegin zum Beispiel in der Halle gezogen ist, wo ich jetzt lebe, die gesagt hat, ich engagiere mich hier, ich habe hier Vereine gegründet, Ich habe super viel gemacht und trotzdem bin ich voll oft einfach der blöde Wessi, der hier irgendwie angekommen ist. Und das gibt es andersrum genauso auch noch, dass auch immer noch Westdeutsche einfach mit so, das sind halt die, die irgendwie den Ärger bringen, belegt sind und man will das nicht und davon grenzt man sich ab. Und ich glaube, das hat ganz viel mit Stereotypen zu tun. Und ich glaube, dadurch, dass Ostdeutschland da in einer Minderheit ist, trifft sie dann vielleicht auch ein bisschen mehr. Hast du dir ein positives Verhältnis zum Erzgebirge, zu Heimat? Das ist auch vielleicht ein Begriff, den manche kritisch sehen. Aber hast du das behalten können oder wie ist das für dich? Ich habe es mir, glaube ich, zurückerobert, würde ich sagen. Also wie gesagt, ich wollte auch eine Zeit lang dann gar nicht mehr so viel damit zu tun haben und fand es auch nicht so cool. und habe aber trotzdem irgendwie zu Ende meines Studiums gemerkt, ich will wieder in den Osten ziehen. Also das habe ich auch wirklich so gedacht. Ich finde, dass es einfach wirklich nochmal ganz andere Lebensrealitäten sind, mit denen man zu tun hat und andere Mentalitäten. Also ich meine, Ludwigsburg ist halt auch tiefstes Schwabenland, auch Stuttgart und so. Das fand ich einfach schon crazy, so zu sehen, wie Leute da leben. Das wäre undenkbar einfach in meiner Heimat. Oder wenn, dann betrifft es so ein paar Einzelpersonen, aber das Kollektiv never ever einfach. Und ich habe das aber total vermisst irgendwie und genau habe mich dann entschieden, dass ich nach Halle ziehen möchte, weil das nochmal irgendwie was Neues ist und genau auch ein bisschen Abstand zum Herzgebirge hat und gleichzeitig ist man aber auch in zwei Stunden da, das geht relativ schnell. Genau und das hat total geholfen, mir das irgendwie so zurückzuholen, auch also sowieso, es gibt so viele geile Städte im Osten und Leute haben das nicht auf dem Schirm, also davon mal abgesehen, guckt euch die mal alle an, so Schweridenhalle, Magdeburg, keine Ahnung Erfurt, es ist einfach geil eigentlich und, genau und ich glaube dadurch, dass ich mich dann wieder ein bisschen mehr damit beschäftigt habe, wo ich eigentlich herkomme da öfters hingefahren bin, da auch mit Leuten neu connectet habe oder auch Leute kennengelernt habe, die ich früher gar nicht so wahrgenommen haben, weil die, keine Ahnung, viel jünger waren als ich zum Beispiel. Das hat voll viel gemacht irgendwie und einfach auch noch mal jetzt mit einer politischeren Brille drauf zu blicken, als ich das getan habe, als ich halt noch dort gelebt habe, so. Ich glaube, das hat voll geholfen, mir das zurückzuholen. Und inzwischen merke ich eher so, ich feiere das voll. Ich kulte das Erzgebirge manchmal fast schon ein bisschen zu doll ab irgendwie. Aber ich finde es auch total schön, weil, ach, ich finde, das kann man auch einfach ein bisschen representen. Ich mache das ganz gerne. Also weil ich einfach glaube, da gibt es auch so viel Schönes und das finde ich geht manchmal unter in allen Nachrichten, die es irgendwie gibt, auch speziell über den Osten und da denke ich so, oh nee, ich habe da irgendwie keinen Bock noch mit in diese alles ist da scheiße und irgendwie nichts funktioniert und alles kaputt und so Kerbe mit reinzuhauen, weil ich glaube, es stimmt einfach nicht. Magst du zwei Sätze noch zu deinem politischen, ich mache nochmal eine kurze Kurve. Also für mich hat Glaube lange nichts mit Politik zu tun gehabt und das ist eigentlich durch Lothar König gekommen. Cool, ja. Und die junge Gemeinde Jena, die ich immer noch nicht besucht habe, aber auf dem letzten Kirchentag habe ich jemanden da kennengelernt, der da engagiert ist. und aus der Ferne fahre ich das sehr. Das ist für mich der Einstieg gewesen, um Glaube und ja auch meine politische Haltung zusammenzudenken. Ich habe den Eindruck von dem, was ich von dir immer so gehört habe, dass du das auch irgendwo auf eine sehr stimmige Art zusammenbringen kannst. Magst du da noch mal ein paar Takte zu sagen? Glaube und Politik. Ich glaube, für mich war da vor allem mein Studium ausschlaggebend, weil das mich einfach mit einer ganz anderen Lebenswirklichkeit konfrontiert hat. Tatsächlich war der Einstieg auch über eher so sexualethische Themen, also dass ich vorher sehr doll der Überzeugung war, dass es voll die Entscheidung ist, mit wem man zusammen ist oder mit wem man sich irgendwie verliebt oder so. Und dass ja deswegen queere Personen sich schon irgendwie versündigen und keine Ahnung. Und dann aber plötzlich mit Menschen konfrontiert zu sein. Also ich war in einer evangelischen Hochschule, das muss man vielleicht auch noch sagen. Und da waren schon viele Leute, die auch in irgendeiner Form gläubig waren, aber halt so das komplette Spektrum einfach abgedeckt haben. Und ich habe gemerkt, da sind Menschen, die haben so krasse Lebensgeschichten. Wo sie mit ihrer Sexualität strugglen. Und die aber trotzdem von sich sagen, sie sind gläubig und ich habe einfach gemerkt in diesen Begegnungen, wer bin ich, denen das abzusprechen, ihren Glauben und das, was sie erlebt haben und das, was sie meinen, irgendwie von Gott gehört zu haben oder so. Und die dann einfach zu anderen Schlüssen kommen als ich. Und das hat voll viel mit mir gemacht und ich glaube, alles andere ist dann parallel so mitgezogen. Also ich glaube, soziale Arbeit hat halt auch ganz oft so die Sinne, wo es Ungerechtigkeit, Perspektive, Empowerment, wo, keine Ahnung, werden Menschen irgendwie ausgegrenzt und sollte das so sein? Und ich glaube, das hat das total geschärft und einfach dafür gesorgt, dass ich irgendwie dann woanders rausgekommen bin, als ich eingestiegen bin. Und ich glaube, für mich war auch so interreligiöse Dialog ein ganz großes Thema, weil ich in der Türkei einer islamischen Fakultät studiert habe, auch ein Semester, mich viel mit Islam beschäftigt habe und vorher war das halt auch voll das Feindbild und irgendwie böse und böse Geister und weiß ich nicht was. Und dann aber zu merken, krass, da sind Menschen, wenn die von ihren Gotteserfahrungen erzählen oder wie sich Beten für die anfühlt, dann sagen die halt dasselbe, was ich sage. Und wer bin ich dann zu sagen, ja nee, aber bei euch ist das falsch und bei mir ist es aber richtig, weil ich weiß das. Und ich glaube, Aber das waren einfach viele Sachen, wo ich so gemerkt habe, boah, ich muss demütiger werden und mich selber mal ein bisschen weniger überhöhen, was ich, glaube ich, gedanklich sehr viel getan habe vorher. Genau, ja, und ich glaube, das hat dann einfach diese ganzen politischen Sachen sehr nach sich gezogen. Voll schön, voll schön. Danke, dass du das so offen teilst. Hast du noch einen zweiten Text, den du vorlesen magst? Ja, gerne. Also wenn wir vielleicht eh schon bei dem Thema sind. Genau, es gibt so einen Text im Buch, wo ich wirklich lange überlegt habe, ob ich den jetzt mit reinnehme oder nicht, weil meistens ist es so, Bei Slams werden ja auch Texte bewertet und meistens ist mir das relativ egal, tatsächlich, wie Leute die jetzt finden, weil es ganz oft für mich so ist. Fühlt sich das für mich stimmig an? Ja, cool, dann mache ich den so. Bei dem ist es ein bisschen anders, weil ich merke, den habe ich zu einer Zeit geschrieben, wo der mir wirklich krass, krass nahe ging. Und gleichzeitig finde ich den so wichtig, vielleicht auch eben gerade im Hinblick auf, was ich gerade erzählt habe, so von wie ich irgendwie auf queere Menschen und so geschaut habe. Genau, deswegen teile ich jetzt einfach mal noch das andere Ufer. Ah, der ist toll. Ja, großartig. Danke. Es klingt von Weitem. Ein Rauschen ganz leicht. Wo in Ferne ein Meer gegen Landzungen peitscht, trägt der Wind ganz behutsam. Ein Seufzen über die Wellen. Dass denen, die es hören, von jenem Ufer erzählt, das Versteckte auf der Seite des Meeres verweilt, die kaum ein Mensch je betritt und kein Boot je erreicht. Die sich nur schemenhaft erahnen lässt, hört man genauer hin. Auf keiner Karte je verzeichnet ist, damit es unerreichbar wird, fragte wer nach ihm. Stattdessen auf der Seite hier am Strand nur ein braunes Holzschild mit übergroßer Aufschrift. Pass bloß auf, dass du beim Reingehen ja nicht zu weit rausschwimmst. Mein erster Kuss war schön. Er war schön, obwohl er ganz anders kam, als ich mir vorgestellt hatte. Und dabei weiß man ja, dass die Dinge immer anders kommen im Leben. Postboten kommen anders, als die nette DHL-Mail verspricht. Oder sie behaupten, sie wären gekommen und werfen einem dann nur einen Zettel in den Briefkasten, obwohl man den ganzen fucking Tag zu Hause auf den neuen Steamer gewartet hat und da war oder die Periode kommt dann, wenn man die Tamponbox gerade nicht dabei hat. Erste Küsse kommen jedenfalls selten, während man auf einer Bank sitzend in den Sonnenuntergang schaut oder in Sommernächten in den Sternenhimmel blickend meint, auf der Parallelachse von Stern X12 und Stern FY irgendein Scheißtier erkennen zu können. Meinen ersten Kuss habe ich mir sehr lange aufgespart. Ich habe ihn gut säuberlich behutsam in mit Goldschrift Schnörkeln verziertes Papier gewickelt und in eine Truhe gepackt. Ich habe ihn in die Ecke meines Zimmers gestellt und sorgsam darauf aufgepasst und dabei wartend aus dem Fenster geschaut. Andächtig und einzigartig, ehrfürchtig und heilig, mein Kuss lag stumm und griffbereit und kannte seine Zeit nicht. Aber irgendwann, das war mir klar, kommt dann dieser eine Tag, an dem zitternd aufgeregte Hände den Kuss holen würden als Geschenk, um ihn dann zu überreichen, an die eine Person, die wie ich dann bereit wäre, vielleicht ein nervöses Kichern, dann dieser eine Blick, dann hier, Kussübergabe und alles wäre perfekt. Ich wartete sehr lang auf meinen ersten Kuss und dann kam er. Unerwartet und ungeplant an einem Dezemberabend. Mein erster Kuss war schön. Ungefähr zehnmal schöner, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Er war aufregend und kribbelig und feucht, weil Küsse das eben sind. Intensiv und tief und eng. Fuck, ja. Mein erster Kuss war schön. Er war die Übelkeit und Freude, die sich mischen. Ein bisschen wie beim Achterbahnfahren. Er war das Emotionsfeuerwerk aus, oh mein Gott, was passiert hier gerade? Und ach du Scheiße, das passiert hier gerade. Er war das orange Licht an Sommerabenden, wenn die Sonne halb untergeht. Aber es ist schon 23 Uhr und der Tag gefühlt nie endet, nur eben als Gefühl. Mein erster Kuss war schön. Vielen Dank. Kennst du das? Wenn sich so Gedanken tief einschrauben in deinen Kopf, obwohl du es gar nicht willst? Wenn die so ganz langsam reinsickern und alles umkegeln in dir und du nichts dagegen machen kannst? Mein erster Kuss hat jede Leichtigkeit ganz schnell von sich geschoben und sich durch mein Gewebe gefräst, ist in den Magen gewandert und steckte dann fest, hat die Wände mit Blei und Beton zugeklebt, hat mich fast kotzen lassen und wog alle Schuld dieser Welt, denn mein Kuss schreit laut, man küsst keine Frau. Wenn man selbst eine Frau ist. Und kennst du das, wenn du plötzlich eine irrationale Angst davor entwickelst, in die Hölle zu kommen, obwohl du dir nicht mal sicher bist, wie sehr du vorher an das Konzept Hölle geglaubt hast? Nur an Gott eben, der war dir wichtig. Kennst du das? Wenn sie dir sagen, gib den Sünder, hast die Sünde. Sie sagen, solange du es nicht auslebst, wird es nicht schlimmer. Sie sagen, wir können gern für dich beten. Wir sind für dich da. Sie sagen, komm, mit der Zeit wächst darüber doch Gras. Sie sagen, Gott ist Liebe. Und meinen, für die meisten Menschen, nur jetzt halt nicht mehr für dich, wenn du so weitermachst. Und kennst du das? Wenn du das anfängst zu glauben, Gott hasst Frauen, die Frauen küssen. Kennst du das? Wenn du denkst, dass du eigentlich jetzt auch sterben könntest, weil ganz ehrlich, denkt man das Konstrukt mal konsequent zu Ende, steht da mal wieder nur was von Hölle und von Sünde. Und es stellt sich die Frage, inwiefern es lebenswert scheint, ein Leben zu leben, das auf ein leeres Ende hin zeigt. und draußen feiern sie Babyshower-Partys, Hochzeiten und Gender-Reveals und du weißt nie, würde dir irgendwer gratulieren, wüssten sie es. Den einen zu gottlos, den anderen zu christlich und eigentlich unweigerlich nur irgendwo dazwischen in Nischen, die gerade so für ein Überleben reichen. Zwischen denen sich gelegentlich Identitäten verkeilen, bei Zeiten recht einsam und meistens erschöpft, ist der Preis, den man zahlt, ziemlich hoch angesetzt, wenn man Welten verbinden, die unweigerlich meinen, auf den ersten Blick unverbindbar zu sein. Ich bin irgendwann gesprungen, bin in die Tiefen des Meeres getaucht, hab nach Inseln gesucht und die Strömung gefunden, die mich dorthin gespült hat, wo ich vorher nie war, am anderen Ufer, komme ich dann an. Müde und taumelnd rette ich mich an Land, ich wollte nie einfach weg. Ich wollte einfach nur nach Hause. Ich wäre gern geblieben, wo ich mal war, am Ufer mit dem leicht sanften Wellenrauschen, hätte ich mir jegliche Odyssee wirklich gerne erspart, doch das andere Ufer hat mich gerettet. Seit dem Tag, seitdem ich von ihm weiß, es hat mich in sanfte Hände gebettet, mich aufgenommen und neue Wege gezeigt, denn hier sind jene Gestrandete, die einst den Hafen verließen, für die es als ewig gebrannt magte, kein Zurück hier mehr gibt, denn Gottes Räume, die Enten spielt, wer die Regeln nicht mit. Und Gnadenkonstrukte, die recht begrenzt gnädig sind, hier sind jene, die sprangen und Gott sei Dank überlebten. Um am Ende zu merken, es stimmt nicht, was man redet, über die Frage nach Gott und seinem Segen. Denn stell dir vor, Gott kann schwimmen. Und stell dir vor, Gott ist mit allen ans andere Ufer gereist. Nicht um sie irgendwo hin zurückzubringen, sondern um weit zu finden. Und der zu sein, der bleibt. Immer. Oh, wow. Vielen Dank. Gerne, gerne. Das ist immer so ein Mic Drop Text. Ja, das ist wirklich fun. Well. Well. Ach. Tja, Gott kann schwimmen. Ja, wissen viele nicht. Ja, tatsächlich. Ich fand den Twist, der hat mich tatsächlich sehr abgeholt, und war unerwartet, muss ich sagen. Also ich bin. Man hätte vielleicht so ein bisschen vom Titel her schon drauf kommen können, aber ich war trotzdem überrascht. Aber ich weiß nicht, ich denke mir, ich fühle es voll und bei mir stellt sich immer die Frage, wenn ich über dieses ganze Themenkonglomerat nachdenke, warum ist es so kompliziert? Also es könnte sehr, sehr einfach sein. So ist es, Warum müssen Menschen an ein anderes Ufer schwimmen und dann auch noch Gott hinterher? Ja, es ist halt total krass, finde ich, was Menschen einfach so, also sowieso schon auch außerhalb religiöse Kontexte ist es ja schon manchmal krass, was einem da so mitgegeben wird. Und ich finde aber, oder zumindest war es für mich so, dass Religion das nochmal krasser macht, weil es geht dann nicht nur so um einen Aspekt von deinem Leben, sondern es geht um das komplette Leben hier und übrigens auch noch um das komplette Leben danach. Und dann bist du halt in der Hölle. Pech. Und das finde ich, das ist so ein krasser Druck, der ja auch wirklich, also der bringt ja auch wirklich Menschen um. Und das finde ich so krass, dass es so wenige, weiß ich nicht, konservative oder evangelikale, ich will das gar nicht immer alles in einen Topf werfen, weil ich weiß, es gibt auch super differenzierte Menschen da. Es gibt ja auch noch die Fundamentalisten. Genau. Aber also ich finde wirklich, entweder lese ich da zu wenig, aber ich empfinde, da gibt es wenig Verständnis für aus diesem Lager oder wenig Perspektive für, das ist was passiert und das ist eine Realität und mit dem, was wir sagen und was wir predigen, fördern wir diese Realität. Und da können wir das noch so lieb meinen und ich glaube, ganz viele Menschen meinen das tatsächlich sehr, sehr nett, wenn sie sagen, hey, ich liebe den Sünder, aber ich hasse die Sünder. Also ich glaube, dass das ganz viele nicht aus einer Böswilligkeit sagen und trotzdem wird es einfach so auf der Realität nicht gerecht und gibt einem eigentlich mehr eine Last mit, als dass es irgendwas, also irgendwas hilft. Ich habe da in letzter Zeit schon noch ein bisschen was gelesen und aus meiner Sicht... Also ich habe sicherlich keinen wissenschaftlichen Überblick da jetzt oder sowas, aber es ist einfach jetzt so ein ganz persönliches Empfinden. Und ich habe den Eindruck, dass vor zehn Jahren, da hat es auf eine Weise so ein Gespräch darüber gegeben, das dann teilweise auch öffentlich war. Und da war man noch sehr bemüht, dass man deutlich machen wollte, wir glauben, was in der Bibel steht und sind daran gebunden. Michael Diener hat damals in so einem Zeitinterview gesagt, dass er sich an die Schrift gebunden fühlt. Und es wirkte immer so ein bisschen so, ja, wir wollen die Menschen wirklich lieben, aber die Bibel macht es echt schwer. Das war so ein bisschen so der Duktus. Und dann habe ich den Eindruck, dass das irgendwann gekippt ist. Und jetzt das letzte Buch, was ich da gelesen habe, was so ein bisschen aus der Bibel- und Bekenntnis-Ecke kommt, Und da wird dann eben gesagt, die Genderideologie, das ist Totalitarismus. Wo ich denke, okay, wow, wie sind wir eigentlich von... How did we get? Das ist krass. Also jetzt wird dann eben gesagt, ja, da stecken Dämonen hinter. Da gibt es Vorträge, die ein extrem weites Publikum erreichen. Alte Dämonen und heute im neuen Kleid und wo irgendwo dann auch klar ist, also wenn man glaubt, dass eigentlich hinter Transleuten oder so oder eben queeren Leuten, dass da eigentlich Dämonen stecken, dann ist auch nicht mehr mit, dann bist du eigentlich direkt in so einer Spiritual Warfare, dann bist du einfach, dann ist Kampf, dann geht's, dann kann man zwar noch sagen, unsere Waffen sind Gebet und so, aber eigentlich bist du im Kampfmodus. Und das ist irgendwie krass, also. Tja, heftig. Naja, und das ist ja auch eins der Themen, bei denen sich ja auch ganz viel so Fundamentalismus oder auch manchmal Evangelikalismus und so Rechtsextremismus gut überschneiden und gut zusammenfinden können. Das macht es halt, finde ich, auch nochmal krasser, weil ich das Gefühl habe, das ist einfach inzwischen für viele Menschen so ein großes Feindbild, so die LGBTQ-Agenda, wie auch immer die aussehen soll oder so. Also wo ich so denke, keine Ahnung, wie man irgendwie darauf kommt, ganz viel gesellschaftliche Probleme irgendwie darauf dann zu beziehen. Also weil das wird ja auch total viel gemacht irgendwie. Ganz oft, finde ich, ist ja der Tenor so unserer Gesellschaft und uns allen ging es besser, wenn das jetzt gerade nicht so ein Trend wäre. Und das ist, also genau, es ist ja auch ganz oft angeblich irgendwie ein Trend oder genau, oder vergeistlichen kann man es dann auch. Und ja, dann fällt irgendwie der Mensch ganz schnell hinten runter. Und das, finde ich, hat krasse Konsequenzen. Ja, das ist eine Sache, ich merke, da ist eine gewisse Schwere drin. Und auf meiner Seite zumindest auch ein echtes Unverständnis. Auch wo ich sagen würde, ich erkenne den Evangelikalismus irgendwo auf eine Weise nicht mehr wieder. Also so die Leute, die damals, als das für mich ein Thema war, das waren Leute, also in Deutschland wären es so Leute gewesen wie hier Michael Diener, der ja dann Jahre später auch nochmal eine Position geändert hat. In den USA wären es Leute gewesen wie, wie heißt der nochmal, der Baptistenpastor da. Ach Gott, mein Name. Bis zum nächsten Mal. Der sich so ganz viel mit so Ethik beschäftigt hat. Nee, der nicht, sondern der hat doch diese Predigt da immer gemacht. Diese eine Predigtsequenz über Tony Campolo. Tony Campolo. Diese Predigtsequenz da mit, an Friday gibt es so einen YouTube-Clip, der viral gegangen ist. Müsst ihr googeln. Also Tony Campolo Friday ist legendär. Ich würde sagen, das ist das, was am nächsten drankommt, Prediger und Poetry Slam. Ist egal. Aber der war jedenfalls einer, der super bekannter Baptistenprediger, auch sehr straight, evangelikal. Und da war eben die Sache, dass seine Frau, seine Frau war eben für eine offene, inklusive Position und er eben nicht. Und die sind dann eben immer auf die Bühnen gegangen und haben gesagt, hier liebe Leute, ihr als Christen, ihr zerfetzt euch. Ihr könnt in der Gemeinde da nicht mit zwei unterschiedlichen Positionen, wir sind verheiratet, wir kriegen es hin. Dann kriegt ihr das ja wohl als Gemeinde hin. Und das fand ich so gut. Also ich meine, irgendwann hat Peggy Campolo dann offensichtlich, wie soll ich sagen, die besseren Argumente gehabt. Irgendwann hat Toni Campolo dann auch ein Einsehen gehabt. Ja, aber in meinem Kopf habe ich den auch eher so progressiver abgespeichert. Oder der hat ja auch viel mit Shane Claiborne dann gemacht und der war ja auch so... So Leute alles, wo ich denke, ja krass, das kann doch so gehen. Warum muss man dann jetzt hingehen und sagen, ja, Totalitarismus, Heimatland, Heimatland. Es hätte so andere Optionen geben können, die glaubwürdig gewesen wären. Ich merke auch für mich immer, also ich finde eigentlich so dieses Dialogthema total wichtig und ich finde so dieses, hey, mit denen wollen wir jetzt gar nicht reden, weil das ist zu krass, finde ich manchmal ein bisschen schwierig, weil das zum Beispiel auch Thema Erzgebirge wieder, manchmal das Gefühl habe, das ist manchmal so ein Großstadtstatement zum Beispiel zu sagen, hey, mit einer AfD, mit denen reden wir nicht. Und ich denke mir, ja, wenn ich mit so der Attitude in meine Region komme, dann kann ich halt mit 50 Prozent der Leute nicht reden. Und trotzdem verändert sich bei denen halt nichts. Und deswegen finde ich das eigentlich voll wichtig und merke trotzdem, dass ich da ganz oft auch an meine Grenzen komme, weil sowas halt, finde ich, immer so lange nur funktioniert, wie beide Parteien, beide Seiten sich irgendwie einfach auf Augenhöhe behandeln können und irgendwie sagen können, hey, du hast die Haltung und ich kann die erstmal wertschätzen. und so stehen lassen. Und ich merke für mich auch immer, wenn ich mit Menschen spreche, die konservativer sind als ich oder die zum Beispiel irgendwie auch sagen, hey, Queerness und so finde ich irgendwie alles gar nicht so biblisch. Ich merke, der Struggle für mich ist manchmal gar nicht zu hören, dass das jemand nicht biblisch findet, sondern es ist voll oft die Art, wie das gesagt wird. Weil wenn die Person irgendwie trotzdem schafft, es anzuerkennen, dass ich zu anderen Schlüssen gekommen bin, merke ich so, boah, kann ich gut mit leben, kann ich gut mit umgehen, habe ich irgendwie den Frieden mit. Aber ich finde ganz oft, gibt es da ja irgendwie so eine Abwertung von, ja, ich weiß es halt und du weißt es halt nicht und deswegen, naja, wissen wir, wie das hier alles endet und genau das finde ich irgendwie schwierig dann. Deswegen finde ich es cool, die als Paar zu hören, weil so stelle ich mir das dann ungefähr vor, dass die es vielleicht so gemacht haben, keine Ahnung, aber müssen die ja irgendwie, dass sie sich zumindest auf Augenhöhe da irgendwie begegnet sind. Ja, absolut. Aber da würde ich gerne nochmal nachhangen. Vor ein paar Tagen habe ich eine Podcast-Folge rausgehauen und habe ein bisschen Prügel bekommen, weil ich mich dahingehend geäußert habe, dass ich gesagt habe, wenn es um eine öffentliche Diskussion geht, also meine Position wäre, ich kann auch mit jemandem reden, aber ich würde es halt nicht öffentlich machen. Weil ich sagen würde, wenn ich es öffentlich mache, wenn ich öffentlich in, meine Kritik damals war bei Hartel, wo ich sagen würde, der geht in eine Podcast-Situation, wenn ungeskriptet, wo ich sagen würde, das ist ein Ort, wo wirklich Neo-Nazi-Leute auftreten, wo Leute auftreten, die Verschwörungsideologien breittreten und so weiter. Und ich würde sagen, das würde ich nicht öffentlich machen, weil ich glaube, dass das... Schlecht oder schwierige Dynamiken mit sich zieht. Du machst die Tür auf, du lädst. Dann gibt es eben eine Zeitform auch. Würdest du da sagen, also wenn du jetzt sagst, das Beispiel Erzgebirge, ist dann dieses, also würdest du sagen, nee, man muss sich mit so Leuten auf eine Bühne setzen oder geht es dir mehr um 1 zu 1? Also fordere das mal gerne raus. Das fände ich spannend, was du denkst. Ich habe da jetzt auch nicht die Lösung. Ich kann nur sagen, wie ich das für mich handhaben würde. Bühne finde ich schwierig und ich habe tatsächlich auch schon mal Veranstaltungen abgelehnt, weil da Menschen gewesen wären, die ich in ihrer Haltung auch problematisch finde und wo ich irgendwie so gedacht habe, boah, ich will einfach nicht mit denen zusammen auf einer Bühne sitzen. So finde ich zu krass. Genau, und ich glaube aber gleichzeitig, dass das für mich auch ganz oft mit einem Sicherheitsgefühl zu tun hat, das ich haben muss irgendwie. Eins-zu-eins-Setting, also finde ich irgendwie auch gut. oder merke ich, kann ich auch gut mit Leuten reden und ich würde auch mitgehen zu sagen, ich würde schon erstmal versuchen, mit so vielen Menschen wie möglich zu reden, aber nicht öffentlich. So, weil ich auch finde, das öffentlich zu tun gibt einfach Menschen eine Plattform. Christina Brudereck finde ich da ganz cool. Die hat mal gesagt, jeder bei ihr einen Tee bekommt, aber nicht jeder ein Mikrofon. Und das finde ich irgendwie ein ganz schönes Bild, weil ich so denke, ja, das würde ich auch so machen. Und gleichzeitig kann ich nicht von mir behaupten, dass ich mit jedem reden kann. Genau, es gibt bestimmte, also ich merke, dass ich immer noch gerade auch eben durch dieses Queer-Thema oder so dass es manchmal so bestimmte Typen Mensch gibt, wenn die sehr souverän auftreten und sehr überzeugt von sich und dann irgendwie noch bestimmte Statements raushauen dass es so viel Flucht Puls und Unsicherheit in mir auslöst dass es schwer ist und auch wenn ich immer wieder versuche mich dem auszusetzen und gleichzeitig denke, das ist mega ungerecht, dass ich mich damit so voll viel auseinandersetzen muss und die können halt super entspannt in so ein Gespräch gehen und fühlen sich halt cool ähm, Genau, ich versuche mich irgendwie schon immer so dem trotzdem anzunähern, weil ich das eigentlich ein wichtiges Ideal finde, dass man das kann, mit so vielen Menschen wie möglich zu reden und gleichzeitig merke ich, ich scheitere auch regelmäßig daran und ich kann es nicht immer und würde es gerne können, weil ich glaube, dass trotzdem, wenn ich Gesellschaft gerade angucke, ich so diese Polarisierung einfach so, so krass finde und glaube, dass wir irgendwie da was dagegen tun müssen. Und was, wenn es nicht, also was ist es denn, wenn es nicht Gespräche sind so und Settings, in denen ich irgendwie auch trotzdem versuche, Menschen zuzuhören, die eine andere Meinung haben und ich finde nicht, dass es gleichzeitig bedeutet. Denen zuzustimmen oder irgendwie zu sagen, ja, hey, dein Rassismus, gar kein Problem, ich finde es ein großes Problem, aber das ist ja trotzdem auch ein Setting, in dem ich irgendwie dem auch was überhaupt erwidern kann, weil wie viel von diesen Gesprächen, die eigentlich dann keine mehr sind, finden im Internet statt, wo die einfach für niemanden in irgendeiner Form konstruktiv sind. Ich glaube, da habe ich lieber Settings im echten Leben. Und genau, würde sagen, eins zu eins würde ich machen. Nicht öffentlich würde ich auch machen, auf jeden Fall. Ja, ich würde mich da auch hinterfragen, weil im Moment fühlt sich das für mich auch nicht gut an. Wir haben das einmal gemacht als Podcast, haben Klaus Südo eingeladen. Das war in der Reihe über das Wahlkampfcafé. Und das Feedback ist so halb-halb gewesen. Wir haben danach aber auch nochmal eine Einordnungsfolge gemacht, wo wir dann gesagt haben, wir wollen das auf jeden Fall auch, wollen da keine Missverständnisse aufkommen lassen. So, und ich weiß es nicht. Also, vielleicht ist es auch eine bescheuerte Idee und man müsste eigentlich jetzt gerade viel mehr in digitalen Räumen das auch machen. Aber, Ich habe den Eindruck, also gerade auch, was ich in den letzten Tagen und Wochen nochmal an Analysen gehört habe, jetzt Thema Leipziger Mitstudie, wo gesagt wird, also das Problem, was wir eigentlich gerade haben, ist, dass gesellschaftlich Dinge sagbar werden. Und der Raum des Sagbaren, das ist eigentlich das Problem, was gerade auch der rechten Bewegung stärker auftritt. Vielleicht ist es dann aber auch blöd zu sagen, ja okay. Rückzug oder zu sagen, da hält man so eine digitale Brandmauer offen, ist vielleicht auch lächerlich. Ich weiß es nicht. Aber ich habe momentan, denke ich, eigentlich müsste es da Grenzen geben, wo man sagt, nee, das hat einfach im Diskurs keinen Platz. Sollte ich momentan die stimmigere Variante finden. Also für die andere sehe ich noch nicht so viele gute Argumente. Ja, das ist auf jeden Fall alles schon sehr verfahren und sehr tricky, finde ich. Und ich habe gerade auch so gedacht, ich finde, dass es manchmal auch tatsächlich so eine Frage der Persönlichkeit ist, weil ich finde, es gibt Menschen, die können das total gut und die schaffen es dann auch gut, so eine andere Person abzuholen oder eben schnell auch Kontra zu geben oder sowas. Und andere, die das halt nicht so können oder auch sich vielleicht nicht so wohl damit fühlen. Und deswegen manchmal denke ich auch so, ja, vielleicht muss ich jetzt auch gerade nicht diejenige sein, die das mit der Person hier irgendwie austüftelt und vielleicht hat die Person irgendwo in ihrem Umfeld wen anders auch. In anderen Momenten ist es vielleicht dann auch gerade gut. Dann ist es vielleicht ein Setting, wo ich vielleicht irgendwie eher eine neutrale Rolle habe, weil ich die Person gerade zum ersten Mal treffe, weil wir uns nach einem Auftritt unterhalten oder so. Gibt es auch manchmal. Und dann habe ich vielleicht auch nochmal eine andere Freiheit, Dinge zu sagen als ihr Umfeld oder so. Ja, ich finde, das hängt auch irgendwie von so ein paar verschiedenen Faktoren ab. Bist du mit dem Buch noch unterwegs? Ja, ich bin nicht, also zumindest gerade nicht geplant mit so Einzellesungen unterwegs. Das mache ich gar nicht so viel. Ich bin jetzt auf jeden Fall in den nächsten Wochen noch bei einigen Slams und Veranstaltungen. Und vor allem nächstes Jahr werde ich zusammen mit Elli, einer befreundeten Musikerin, unterwegs sein. Wir haben so ein bisschen so ein Programm zusammen entwickelt. Die war auch beim Freakstock. Das ist richtig gut. Ja, die ist richtig gut. Das ist eine gute. Genau, die war auch am Wochenende mit dem Erzgebirge. Das war schön. Wir haben ein Programm zusammen, das heißt Alle Farben und da teilen wir Texte und Lieder und genau, da sind wir nächstes Jahr ein bisschen unterwegs da kommt das Buch auf jeden Fall mit Wo findet man die Infos? Eigentlich am besten auf meiner Webseite unter jasminbrückner.de. Sehr gut werde ich verlinken. Sehr cool Jasmin, es war mein Fest, es hat sehr viel Spaß gemacht und ich bin sehr berührt von und beschwung wie sagt man? Beschwingt? Ja beschwingt von den Texten. Vielen Dank, dass du dieses Buch geschrieben hast, dass ich es lesen durfte und dass du uns damit reingenommen hast. Ja, voll schön, dass du mich eingeladen hast. Danke dir für den Raum hier. Schön. Dann sage ich mal an die Menschen da draußen, macht's gut und bis bald. Ciao, ciao.