Triggerwarnung. In dieser Folge besprechen wir sexuellen Missbrauch, Vergewaltigung, Suizid und geistlichen Missbrauch. Wenn du mit diesen Themen nicht zurechtkommst, dann hör dir diese Folge besser nicht an oder nicht alleine. Hey Leute, vielen Dank, dass ihr wieder eingeschaltet habt bei Schöner Glauben. Wir möchten progressive Stimmen zusammenführen, einander empowern und uns für mehr Solidarität einsetzen. Glaube in Schöner. also. Wenn du mehr wissen oder uns unterstützen willst, findest du alle Infos auf. Hallo und herzlich willkommen bei Schöner Glauben. Wahrscheinlich kennt ihr meine Stimme noch nicht ganz so gut. Ich war erst einmal mit Jason zu hören, als wir aus Konstanz live aufgezeichnet haben. Und jetzt ist meine Stimme auch noch so ein bisschen von meiner ersten Kita-Erkältung beeinträchtigt. Aber es ist trotzdem schön, dass ihr zuhört. und ich habe ein wichtiges Thema mitgebracht mit einer wichtigen Person. Wir machen hier ja schöner Glauben und das machen wir, glaube ich, aus guten Gründen, weil Glaube nicht immer nur schöne Gestalten annimmt beziehungsweise auch Unschönes im Leben passiert und mit Glauben in Verbindung gebracht wird. Das wohl abschreckendste Beispiel, was gerade medial gezeigt wird, sind die Kinder aus Korntal und ich freue mich, dass die Regisseurin Julia Charakter heute im Gespräch mit mir ist. Hallo Julia. Hi, ich freue mich auch hier zu sein. Ja, ich habe es jetzt schon direkt gesagt, worüber wir reden. Ich habe den Film letztes Wochenende geschaut. Wir dachten, wir nehmen direkt sonntags auf. Ich habe dann Samstagabend mir nichts vorgenommen, einfach den Film angemacht. Ich wusste natürlich schon ganz grob, worum es geht. Blood Left Thunder kannte ich auch schon vorher von Social Media und von seinem Einsatz bei der EKD. Aber mich hat es dann doch nochmal umgehauen. Also ich war richtig beklemmt, bedrückt, ohnmächtig und fassungslos. Das würde ich so als erste Reaktion beschreiben. War das das, was ihr auslösen wolltet mit dem Film? Ja, in gewisser Weise schon und auch nicht, weil ich glaube, in den letzten Jahren gab es ganz viele Fälle, also wir haben ja ganz lange produziert, vier bis fünf Jahre waren wir in der Produktionszeit, auch natürlich über Corona hinweg und als wir angefangen haben, den Film zu machen, gab es natürlich schon erste Skandale so im katholischen Umfeld. Darum ging es auch in meinem ersten Film zum Thema Unbarmherzig. Das war ein Kurzfilm und aus dem hat sich dann die Kinder aus Korntal ergeben. Aber in diesen vier Jahren sind ja so viele Dinge passiert und natürlich, wenn die in den Medial irgendwie eine Meldung kommt oder die Tagesschau kurz was dazu sagt, dann ist das natürlich nur eine kurze Meldung oder ein kurzer Bericht. Aber natürlich in das Thema einzutauchen, hat uns natürlich als Filmemacher genauso ohnmächtig und wütend und auch fassungslos fühlen lassen wie du natürlich beim Schauen auch warst. Nichtsdestotrotz haben wir immer versucht, natürlich nicht zu sehr ins Detail zu geben, sodass halt auch Betroffene nicht traumatisiert werden, wenn sie den Film gucken, weil es wahrscheinlich schon hart genug ist, natürlich sich nochmal einen ähnlichen Fall wie deren eigenen anzuschauen. Ja, das wollte ich eigentlich viel später ansprechen, aber jetzt lieferst du die Vorlage schon. Die andere oder die große Doku, die gerade medial besprochen wird, ist die von Haftbefehl, Babbo. Ich habe es noch nicht gesehen. Ja genau, aber dann kann ich sagen, ich habe beide gesehen und bei Haftbefehl werden diese schlimmen Szenen, also da geht es auch um Suizid und so weiter, die werden nachgestellt gezeigt und das war dann doch was, was ihr ja ein bisschen anders gelöst habt, wo vieles einfach erzählt wird oder teilweise durch so Strichzeichnungen ein bisschen angedeutet wird. Aber ich fand das fast noch wirkmächtiger dadurch, dass es so gedeckt erzählt wird eigentlich. Und dramaturgisch habt ihr ja am Anfang so ein bisschen Andeutung und dann bauscht sich das weiter auf und dann irgendwann knallt so die erste konkrete Vergewaltigungsgeschichte rein und die zieht einem dann schon ein bisschen den Boden weg. Also ich kann, glaube ich, gut nachvollziehen, wie ihr das so dann aufgebaut habt in der Montage. Ja, wir waren natürlich auch, wir haben natürlich die Infos auch ungekürzt und unzensiert von den Betroffenen bekommen und haben uns aber im Schnitt immer wieder dazu entschieden, ja, nicht zu explizit zu werden. Das hatte viele Gründe, aber wir haben insgesamt entschieden, von jedem Gewerk, sei es jetzt Kameraton, Musik, auch ich als Regie, alle haben sich eigentlich zurückgenommen, weil das Ziel war es, sozusagen den Betroffenen diesen Raum zu geben, diese Geschichten zu erzählen und das war total wichtig. Und einerseits sozusagen dann nicht mit anderen, wie zum Beispiel Re-Enactment, das kam für mich halt einfach nicht in Frage, weil ich sowieso aus dem Fiction-Bereich als Drehbuchautorin komme und denke mir, manchmal ist das Dokumentarische so viel krasser, dass wenn man weiß, es ist wahr gewesen ist, dass eigentlich so, das ist keine Ahnung, das ist ein gutes Beispiel jetzt aus dem Storytelling, wenn du in einem Horrorfilm das Monster zeigst, dann ist es sofort irgendwie nicht so groß, als wenn es immer nur sozusagen da ist, präsent, und du weißt nicht, wo es ist. Das ist jetzt nur ein Beispiel. Aber in Bezug auf Missbrauch war es uns von Anfang an eigentlich klar, dass wir das nicht irgendwie zeichnen, nachzeigen oder halt ganz explizit zeigen wollen. Das war von vornherein fest eigentlich, muss ich sagen. Ja, okay, dann zoomen wir mal nochmal ein bisschen raus, bevor wir dann wieder reingehen in den Film. Detlef Zander ist, glaube ich, 2013 oder 2014 an die Öffentlichkeit gegangen mit seinen Erfahrungen, die er im Kontext von Kinderheimen bei der Brüdergemeinde Korntal gemacht hat. Da ist er aufgewachsen. Wie bist du zu dem Stoff gekommen? Ja, ich habe ja schon mal angedeutet, ich habe im Studium schon mal einen Kurzfilm gemacht. Damals war es noch ein katholisches Kinderheim aus Bochum und wir sind mit dem Kurzfilm ganz gut irgendwie durch Festivals getourt und waren sogar in Cannes eingeladen damit. Das war auf jeden Fall ein großer Erfolg, aber egal wo wir waren, wir wurden immer angesprochen und es wurde gesagt, ja, das ist hier auch passiert. Und egal, ob es Berlin, Hamburg oder sonst noch irgendwie eine Provinz war, immer wieder kamen Leute und haben von ähnlichen Dingen berichtet, im Rahmen der Kinderheime, aber auch insgesamt sozusagen zum Themenkomplex Missbrauch. Und dann haben wir irgendwann mal... Jahre nachdem der Film ausgewertet war, entschieden, dass wir, wir wurden auch explizit gebeten in den Publikumsgesprächen, warum das sozusagen nicht in einer längeren Form aufgearbeitet wird, sondern nur als Kurzfilm und sind dem eigentlich eher gefolgt, den Impuls, daraus einen langen Film zu machen. Und das ist natürlich auch nicht einfach, Menschen zu finden, die über diese heftigen Erfahrungen auch sprechen wollen. Also bin ich über das UBSKM und Matthias Katsch gegangen und habe einfach eine E-Mail aufgesetzt, dass wir daran interessiert sind, einen langen Film zu diesem Themenkomplex zu machen. Also wirklich dann auch dieses Kinderheim und Missbrauch zu beleuchten und habe dann auch diesen Kurzfilm dabei gelegt, weil natürlich viele Betroffene, so war das beim Kurzfilm auch, wissen natürlich nicht so genau, wie wird das eigentlich aussehen oder wie wird das gemacht werden. Sind die Leute auch sensibel, können die mit dem Thema auch gut umgehen? Und ich glaube, dass dieser Kurzfilm uns auch so ein bisschen die Tür aufgemacht hat, weil sie dann schon mal gesehen haben, ah, die haben schon mal zu dem Thema was gemacht und dann haben sich einige Leute bei mir gemeldet, mit denen ich so Vorgespräche geführt habe und Detlef Zander war einer von diesen möglichen Protagonisten und das war eigentlich zufällig kurz vor der 200-Jahr-Feier in Korntal und er meinte, jetzt haben wir jetzt dreimal telefoniert, ganz lange, bestimmt zwei Stunden, wollt ihr nicht einfach mal runterkommen nach Korntal und dann guckt ihr es euch auch einfach an, wie ich sozusagen auch von der Gemeinde behandelt werde, Weil wenn er da über den Marktplatz läuft, er meint, da kommt er immer nicht drum herum, dass irgendjemand ihn dann blöd von der Seite anspricht. Nicht immer positiv, manchmal positiv, aber auf jeden Fall fanden wir das eine gute Idee und so fing dieser Recherchedreh auch an. Und das ist tatsächlich sogar das Recherchematerial im Film, das ist das Fest, was da auch sozusagen mit dem Gottesdienst auf dem Marktplatz. Und so fing es eigentlich an, das war 2019. Ja, das ist ja dann auch so dargestellt. Detlef Zander mit ein bisschen Abstand schaut da drauf und alle singen, lobe den Herrn meine Seele. Und da crashen die Welten irgendwie ineinander. Und es wird nicht so richtig unter einen Hut gebracht. Auch wenn der Pfarrer dann natürlich in seiner Ansprache versucht, da irgendwie was zu machen. Über den können wir später auch noch reden. Ja, der Zander hat wirklich an diesem Wochenende, hat er wirklich gekämpft, dass er da überhaupt präsent sein darf, muss man sagen. Also er hat keine Einladung bekommen und hat sich da so ein bisschen selbst eingeladen zu diesem Fest und wir sind halt mitgekommen. Und ich glaube, den Tag vorher, bevor wir da waren, hat er sogar Herr Oetken angeschrieben und ist mit ihm dann sozusagen aufgelaufen bei der Eröffnungsfeier, weil das Thema Missbrauch sollte halt so eher am Rande. Und deswegen fand ich auch diese Ansage so bezeichnend, weil dann gesagt wird, ja, ja, wir beschäftigen uns mit dem Thema, wenn sie Interesse daran haben. Wir sind irgendwie von halb vier bis fünf in irgendeinem Holzhaus, wo keiner weiß, wo das ist irgendwie, das nicht auf dem Marktplatz ist, obwohl ja so viele Räumlichkeiten da sehr zentral sind, haben die das irgendwo hin verlagert, vor allem ins Kinderheim verlagert, wo ja viele Betroffene gar nicht reingehen können. Das ist ja auch etwas, das fanden wir auch nicht so Betroffenen sensibel, deswegen ist ja auch diese Ansprache dann auch im Film gelandet. Ja, kann ich gut nachvollziehen, die Entscheidung. Wie war dann so die Resonanz der Betroffenen? Also im Film wird gezeigt, dass über 140 Betroffene sich mittlerweile gemeldet haben. Wie hoch war die Quote derer, die gesagt haben, sie wollen bei dem Film auch mitmachen? Wir haben es eigentlich organisch gestaltet. Also in erster Linie wollen die meisten Betroffenen bei sowas nicht mitmachen. Und wir haben auch wirklich darauf geachtet, dass wir Betroffene haben, die schon oft darüber gesprochen haben, das heißt, wo eine Traumatisierung nicht so wahrscheinlich ist, weil das war uns auch sehr wichtig, wenn wir mit den Betroffenen sprechen. Das ist ein sehr harte Thema, in die wir da reingehen und wir haben auch psychologische Betreuung beispielsweise angeboten, aber die meisten von ihnen waren halt tatsächlich auch versorgt und hatten eigene Traumatherapeuten oder Verhaltenstherapeuten, mit denen sie regelmäßig arbeiten. Und das hat sich dann daraus ergeben, dass wir geguckt haben, A, wer hat Lust mitzumachen, das ist ja auch etwas, was ein langer Zeitraum ist und nicht jeder hat Lust, dass man immer wieder mal ein, zwei Tage sich freinimmt und dann auch über diese Dinge spricht oder irgendwas macht. Eine Betroffene, ich will jetzt nicht den Namen nennen, hat ja gesagt, als wir so den letzten Drehtag hatten und sie irgendwie so halb im Urlaub war, meinte, nehmt das mir nicht übel, ich mag euch sehr, Aber ich bin jetzt auch froh, dass es vorbei ist. Das ist halt auch ein Prozess. Und wie gesagt, wir haben ja auch nicht erwartet, dass wir dann jahrelang die in ihrem Leben begleiten. Das hat sich dann daraus ergeben, ja, auch so aus verschiedenen Kriterien, da wären bestimmt auch noch andere Leute reingekommen, aber wir hatten das Gefühl, sechs ist eine gute Zahl, einer mehr oder weniger wäre noch gegangen, aber es war uns auf jeden Fall wichtig, auch zum Beispiel ähnliche Geschichten zu nehmen, was man ja im Film immer vermeidet eigentlich, Aber weil natürlich am Anfang sehr oft über Einzelfälle gesprochen wurde, war es uns wichtig, mit dem Film auch so eine Richtigstellung zu machen von den Betroffenen, die ja auch ganz, ganz ähnliche Erfahrungen dort in den Heimen gemacht haben. Ja, also dadurch entwickelt man natürlich nochmal eine andere Wucht und auch, die waren ja jetzt auch nicht alle gleich alt, von daher dürften die ja auch in unterschiedlichen Zeiträumen dort gewesen sein und waren ja auch in unterschiedlichen Gruppen, wobei die Rotkehlchengruppe da jetzt am explizitesten vorkam. Ja, die war sehr prominent. Ja, ja, absolut. Ich habe auch tatsächlich, als der Film fertig war in der Auswertung, noch andere Rotkirchenkinder, in Anführungsstrichen Kinder, jetzt schon natürlich Erwachsene oder Seniorinnen kennengelernt und auch verschiedenen Jahrgängen. Und die haben dann vieles davon bestätigt, auch diese jetzt beispielsweise, als die Gruppenleitung ganz neu war. Also da fing das schon an, also die haben dann schon auch ähnliche Erfahrungen gemacht wie Herr Zander oder auch die eine anonyme Protagonistin, die ja auch im Film vorkommt. Ja. Es sind ja jetzt nicht nur Betroffene, die im Film vorkommen, sondern ihr habt auch einmal den Pfarrer und Leiter der Brüdergemeinde, zumindest bis vor drei Jahren war er, glaube ich, noch der Leiter und ein Ehepaar aus der Brüdergemeinde. Und ein ehemaliges Mitglied der Gemeinde. Genau, und noch ein Bürger der Stadt Korntal sozusagen. Der war auch mal Gemeindeglied. Wie seid ihr da rangegangen? Also wahrscheinlich musstet ihr ja offiziell bei der Brüdergemeinde anklopfen und sagen, hey, wir machen da was. Genau. Schätzt mal, die waren nicht begeistert. Wie lief das dann? Also die waren, also das war ja nicht das erste Mal, dass überhaupt filmisch oder journalistisch was über das Thema Korntal gemacht worden ist. Das heißt, es gibt ja auch Pressefreiheit. Freiheit, das heißt, auf dem Fest konnten wir auch, hätten ohne Unterschrift und ohne Drehgenehmigung, glaube ich, oder wir hatten, glaube ich, was Schriftliches. Also, das war dann auch journalistisch sozusagen im grünen Bereich, aber als wir gesagt haben, dass wir natürlich einen längeren Film machen haben, die sich auch angeboten, ein Interview zu machen, also die Vertreter sozusagen. Damals, es gibt ja so ein geistiges Oberhaupt und halt, ne? Den weltlichen Leitner. Genau, den weltlichen Vorsteher, so wird das genannt. Und tatsächlich war es uns auch wichtig, die beiden, die im Film sind, auch noch zu kriegen, bevor sie fertig sind mit ihrem Amt, weil das waren ja auch die historischen Leute, die sozusagen, wir haben die auf... Die Aufdeckung dessen reagiert oder wie sind sie vorgegangen, weil der eine hat sich sozusagen um die Gemeinde gekümmert, wie geht es der Gemeinde damit und der andere war sozusagen zuständig für die Betroffenen und da sind natürlich viele Sachen passiert, auch viele Anläufe eine Aufarbeitung zu machen und mit viel, viel, viel, sage ich mal, Einsatz von den Betroffenen eigentlich, die das oftmals angestoßen haben, weil am Anfang ja auch hieß, naja, es sind ja nur wenige oder Einzelfälle oder wie auch immer. Und als da immer mehr Leute kamen, dann ging es nicht anders als sozusagen... Da auch in eine Aufarbeitung beziehungsweise Aufklärung zu gehen. Und bei den Korntaler Bürgern, das war ja gar nicht so leicht. Also Korntal ist ja auch sehr, sehr klein, die Stadt. Das heißt, wenn man mit einer Kamera rumläuft, wird man auch, wenn man dreht, auch öfter mal angesprochen irgendwie, was machen sie, drehen sie einen Film über die Brüdergemeinde. Also die Leute können das relativ schnell einordnen, weil wir gesagt, wir nicht die Ersten dort vor Ort waren. Aber die Bereitschaft doch, sich vor die Kamera zu setzen, das ist nicht selbstverständlich. Wir haben hinter der Kamera natürlich mit vielen Leuten gesprochen. Aber letztlich habe ich das Ehepaar Schweizer gefunden, weil sie einen Leserbrief veröffentlicht haben zu dem Thema, der auch im Film vorgelesen wird. Und dann habe ich anhand von dem Namen einfach im Telefonbuch geguckt, wer war das dann? Weil ich wusste, da besteht ja schon eine Bereitschaft über das Thema zu sprechen, öffentlich und die Meinung kundzutun. Und dann habe ich einfach da angerufen und die waren eigentlich sehr freundlich und offen und haben uns eingeladen, mit denen kurz zu sprechen eigentlich. Es gab natürlich auch Gemeindemitglieder, die sehr, sehr gegen die Betroffenen waren. Die wollten nicht vor die Kamera treten. Und in Bezug auf Andreas, das fanden wir nochmal interessant, weil er so einen Blick hatte als ehemaliges Gemeindemitglied auf eine Art und Weise, der sich ja auch entschieden hat, dann nicht mehr Teil der Gemeinde zu sein, weil er auch den Umgang mit den Betroffenen nicht in Ordnung fand in vielerlei Hinsicht. Und dann auch spirituell oder halt auch eben vom Glauben her dann einen anderen Weg gegangen ist und aus der Gemeinde ausgetreten ist. Ja, also ich höre schon, dass das jetzt irgendwie eine ganz gute Kooperation war, aber ich fand es inhaltlich schon super schwierig, was die Personen teilweise da vertreten haben. Also ich meine, als da zum ersten Mal der Pfarrer Hägele eingeblendet wird, da dauert es, glaube ich, keine 30 Sekunden, bis er sagt, dass Vergebung möglich ist. Ja, das Ding, ja. Also das würde ich jetzt tatsächlich gerne von der Regisseurin wissen, ob das so geschnitten wurde, damit das so wirkt oder ob das tatsächlich so ein bisschen die Reaktion ist, weil, also man kennt es ja von anderen Schuldprozessen jetzt, zum Beispiel die ganze Erinnerungskultur in Deutschland oder sowas, die lebt davon, dass man sagt, oh ja, jetzt gibt es wieder jüdisches Leben und Versöhnung ist möglich. Da erzählen praktisch die Überlebenden und die die Geschichte erzählen dürfen und die... Bauen sich dann eine Brücke zu einer versöhnten Zukunft, obwohl die andere Seite gar keine Möglichkeit hat, das irgendwie anzuerkennen oder mitzuerzählen. Und das frage ich mich so bei dieser Person. Also ich muss sagen tatsächlich, es ist nicht nur Fahre Hegele. Wir haben immer wieder diese Rhetorik beobachtet, wo sozusagen die ersten Sätze, und das hat sich im Interview einfach bestätigt, wo es eigentlich erst mal eine politisch korrekte Antwort kam, die sagt, es tut mir leid, das Leid der Betroffenen, hat mich selbst so berührt und ich fühle mit und dass so ein Unrecht ihn eingetan hat. Aber an irgendeiner Stelle kam so ein Aber irgendwie mit rein. Und dann hat sich sozusagen die Gesamtaussage eigentlich darauf fokussiert, aber man muss es ja differenziert sehen oder aber wir müssen das und das machen. Aber man muss ja auch die Perspektive der Gemeinde sehen. Und ich habe dann auch natürlich im Interview nachgefragt, beispielsweise über diesen Eintäter Munz, weil, also ich habe dann gefragt, im Interview ähm. Wie ist das denn, wenn ein Gemeindemitglied, was viel Geld sozusagen gespendet hat, plötzlich sich als Täter erweist und dann sagt er natürlich, ja, das muss man dann alles in Frage stellen und wir müssen es als System in Frage stellen. Und als ich dann ganz konkret auf diesen Menschen hingedeutet habe, wo ich ja genau weiß, dass da eine Büste von ihm im Gemeindesaal steht, weil dieser Gemeindesaal durch sein Geld finanziert ist, dann wurde gesagt, ja, das muss man differenziert betrachten und der steht zwar im Aufklärungsbericht als Täter, aber nicht als Haupttäter. Also da war diese Dynamik. Wir hatten natürlich mit Herrn Hägele auch ein Vorgespräch. Von daher konnte ich auf diese einzelnen Themenkomplexe auch eingehen. Und ich habe natürlich jedes Mal, wenn ich natürlich, sage ich mal, theologische Fragen gestellt hatte, ist er natürlich aufgeblüht als Pfarrer natürlich, muss man dazu sagen. Das war so, da ist ja ein Fisch im Wasser und natürlich predigt er jeden Sonntag und dann ist er natürlich auf das Theologische. Das war für ihn natürlich auch so, sage ich mal, eine Gewohnheit, die er ja oft hat, wahrscheinlich sonntags oder auch so in seiner Rolle als Pfarrer. Und ich kann dir jetzt nicht sagen, aber es muss im ersten Drittel des Interviews sein, das mit der Vergebung. Wir konnten natürlich nicht die drei Stunden Interview oder zwei Stunden Interview nehmen, aber wir haben erst mal angefangen insgesamt. Wie ist es dazu gekommen hier und da und sind dann irgendwie über verschiedene Themenkomplexe dahin gegangen bis hin zu dem allerletzten O-Ton, der wirklich fast der letzte O-Ton im Interview war. Also es hat sich dann auch gesteigert tatsächlich im Interview. Aber da wir dieses Vorgespräch mit ihm geführt haben, haben wir tatsächlich... Die meisten Fragen ja schon im Vorfeld irgendwie mit ihm abgeklopft, sage ich jetzt einfach mal. Und das war nochmal ohne Kamera sogar, würde ich sagen, manchmal, ja, noch ein bisschen krasser manchmal sogar, muss ich sagen, im Vorgespräch, ja. Ja, gut, also dass eine Kamera und ein Mikrofon das Setting verändert. Das macht natürlich auch was, ja, ja, klar, verständlich, ja. Ja. Und wie war das mit der Familie Schweizer? Bei denen hatte ich so den Eindruck, also da war so der Grundduktus war ja so, ja, es reicht jetzt mal so langsam. Wir haben das Thema jetzt wahrscheinlich seit zehn Jahren irgendwie. Ja, das ist aber auch tatsächlich, das ist auch das, was uns immer die Betroffenen gespiegelt haben. Ja, die wollen das schnell über die Bühne bringen. Ja, ist das hier passiert? Lass uns jetzt das abhaken und weitergehen, so nach vorne schauen. Und das ist so ein typischer Floskel, die sie oft gehört haben. Und sie haben mir ja nochmal gespiegelt, ganz krass, weil sie ja auch sehr feindlich von den einigen Gemeindemitgliedern irgendwie angesprochen wurden und auf dem Fest sogar, auf dem wir waren, eine gesagt hat, ihr lügt doch, ihr wollt nur Geld und all diese Dinge haben wir nicht im Film, aber die schwingen halt auch mit. Und immer wenn die Betroffenen uns das erzählt haben, haben wir schon gedacht, das wäre gut, natürlich noch diese andere Seite mit im Film zu haben, aber wir wussten natürlich nicht, du kannst ja auch damit nicht rechnen, dokumentarisch gesehen, will jemand das vor der Kamera sagen oder nicht. Und da ich ja, wie gesagt, diesen Leserbrief gelesen habe und das war eigentlich eins zu eins das, was er dann auch vor der Kamera gesagt hat. Und das ist auch ein gewisser Kanon. Ich würde sagen, die Gemeindemitglieder, das kann man nicht generalisieren. Es gibt die jüngeren Mitglieder und da waren auch welche, die jetzt Teenager sind oder so, die beim Filmscreening auf mich zugekommen sind und gesagt haben, ich finde auch den Umgang nicht gut. Und da war auch eine, die ist mein Jahrgang, die hat mir bei Facebook geschrieben und meinte, ich bin in der Gemeinde und jedes Mal, wenn ich das, wir müssen nach vorne schauen, wenn ich diese Floskel höre, dann stellen sich bei mir die Fußnägel, rollen sich bei mir die Fußnägel ein, ich kann das nicht mehr hören, ich finde den Umgang nicht okay. Also ich glaube, es gibt so zwei, wie sage ich mal, einen progressiven Teil der Gemeinde, der meint, wir müssen das ganz und voll angucken, während sozusagen diese alten, ich sage mal jetzt auch historischen Gemeindemitglieder, die noch auch die Täter kannten, die können das und wollen das auch einfach nicht annehmen, dass diese Leute, die sie kannten, auch Täter waren. Es ist für sie nicht möglich, weil es zu schmerzhaft ist oder weil es einfach ihre Strategie ist. Zu sagen, ja okay, vielleicht war das so, aber lass uns jetzt nicht darüber reden oder so, weil das haben wir ja immer so gemacht oder ich weiß nicht, keine Ahnung. Deswegen wollten wir auch diese zwei Möglichkeiten mit der Sache umzugehen. Einmal ist es der Andreas, der eigentlich sehr mitfühlend mit den Betroffenen und mit dem, was denen passiert ist, über sie spricht und dann auch sozusagen die Hardliner. Ich würde sogar nicht sagen, dass die Schweizers die Hardliner sind. Da haben wir noch mit ganz anderen Leuten gesprochen, aber es gibt doch einen Kanon in der Gemeinde, der nach wie vor sagt, ich bin mir nicht sicher, ob das passiert ist. Ich weiß es nicht. Ich kann das nicht immer noch nicht glauben oder ich weiß es nicht. Kann ich nicht einschätzen, kann ich nicht beurteilen, die sich raushalten, aber in erster Linie das Thema abhaken wollen. Und man kann, wenn man das als Zuschauer guckt, kann man das irgendwie nicht glauben. Man muss aber dazu sagen, dass die ja auch schon älter sind und einfach auch nicht, glaube ich. Ja, das ist ja eher ihre Heimat, auch ihrer Ort, in den sie aufgewachsen sind. Diese Gemeinde bedeutet ihnen total viel, die identifizieren sich damit. Und dann ist es unheimlich schwer, wenn man sich mit etwas identifiziert, Und da eine Außensicht zu bekommen, sich da auch da rauszunehmen und diese, die kannten ja auch zum Beispiel die Leute, die die Dinge getan haben und für die waren das nette Kindergärtnerinnen oder Gruppenleiterinnen, mit denen sie irgendwie auch schöne Erinnerungen verbinden. Und da ist so eine kognitive Dissonanz vielleicht auch eine Unfähigkeit zu sehen, dass die eine andere Seite vielleicht gehabt haben, die sehr dunkel und sehr unchristlich ist, kann ich jetzt mal einfach so mal in den Raum stellen. Mhm. Also im Film endet das Ganze ja an dieser Gedenkfeier oder das ist so mehr oder weniger das Ende. Da wird ein Monument entfüllt und dann gibt es noch dieses Statement. Du bist vermutlich in Kontakt mit den Betroffenen, auch mit denen, die zu sehen sind und die noch leben. Wie würdest du sagen, sind die da rausgegangen? Also wenn man jetzt den Film noch zehn Minuten weiterlaufen lassen würde und über diese letzte Veranstaltung reden würde, wie kam das an? Weil ich fand das auch irgendwie skurril, wie die da alle zusammenstanden und dann da quasi Hand in Hand durch die Gegend gelaufen sind. Ja, es war auch, also es war tatsächlich der letzte Drehtag, muss ich sagen. Wir haben vielleicht noch ein Interview als Feedback zu dem Drehtag gemacht oder zwei, aber eigentlich war das doch der eigentliche, sozusagen mehr oder weniger wirklich fast der letzte Dreh. Und es war so, dass diese Stählen, das waren drei Stählen, in jedes Heim sollte diese Stähle gestellt werden, dass da auch eine ganz lange Vorplanung war, wie dieser Tag ablaufen soll und die Betroffenen wurden da auch übergangen, zum Beispiel wie diese Stählen aussehen. Also es wurde zum Beispiel von der Brüdergemeinde festgemacht, das soll dann Glaube, Liebe, Hoffnung haben, das Wort. Ja, sie hätten lieber eine Künstlerin gehabt, die selber Betroffene ist, die selber halt frei ein Kunstwerk, drei Stählen entwickelt hätte. Und sie hat nach Vorschläge geliefert. Die haben sich aber für einen Künstler entschieden, der ähnliche Erfahrungen in der Odenwaldschule hatte. Und damit waren sie halt, viele Betroffene waren damit nicht einverstanden und auch natürlich über die Vorgaben nicht. Also im Vorfeld gab es da viel, sage ich mal, Diskussion. Und auch, das haben mir die Betroffenen gespiegelt, sie hätten sich gewünscht, dass mehr wirklich Gemeindemitglieder da zu diesem Gespräch kommen. Es waren welche da, die auch die Betroffenen angesprochen haben und haben sich auch im Namen der Gemeinde entschuldigt. Tatsächlich im Nachhinein habe ich das erfahren und das fanden sie auch berührend, aber es waren wirklich nur vereinzelt. Es waren wenige da, auch weil, glaube ich, es eine Parallelveranstaltung gab. Sowas wie eine Frauenfreizeit in den Schwarzwald oder so. Also dass man das dann auch so platziert hat, dass das irgendwie nicht möglich war, einen großen Teil der Gemeinde da auch mitleiden zu lassen. Aber wir, die auch mit dort waren, haben uns auch entschieden, das als Endpunkt zu setzen, weil dieses Lied ja, die so viele Emotionen auch rausgeholt hat. Also ich glaube, wir haben auch hinter der Kamera, wir haben alle geweint. Es haben ganz viele Leute in dem Augenblick durch das Lied eigentlich erst diese ganzen Gefühle zugelassen, die mit dem Thema einhergehen, weil es wirklich wie der Nagel auf den Kopf trifft. Deswegen sind wir auch sehr dankbar, dass Bettina Wegner uns eigentlich, weil Musikrechte sind ja so teuer, sie hat uns das förmlich geschenkt für den Film. Ja, also es war wirklich nicht teuer. Und da sind wir nach wie vor sehr dankbar, dass wir es benutzen können, weil es war wirklich so ein Knackpunkt bei der Veranstaltung, wo auch sowas erlaubt war. Und das war natürlich auch initiiert von den Betroffenen, dieses Lied zu spielen. Und das hat dann auch viel... Viel bewirkt, fand ich, weil es wird viel geredet, aber das war ein Moment, wo man auch fühlen durfte oder der Raum da war, auch diesen Schmerz irgendwo zuzulassen und das habe ich und die Betroffenen, glaube ich, auch als wertvoll empfunden, dass es diese Möglichkeit dann auch gab, aber auch mit dem Marsch. Da sind dann natürlich auch nur die mitgegangen, die dann sozusagen Betroffene sind oder Teil der, aber viele, also ich habe es mir anders vorgestellt. Aus filmischer Sicht hätte ich gerne eine Drohne benutzt, weil da ein riesen Menschentraube ist, die zum Gemeindeseil geht bei diesem Speigemarsch, aber es war weniger als erwartet tatsächlich. Aber vielleicht stellt man sich das auch immer besser vor, als es dann in Realität auch ist, ne? Ja, das fand ich als Zuschauer auch krass, weil ich kannte das Lied vorher nicht und dann kommt es ja am Anfang vom Film und da hatte ich noch keinen Bezug, aber ich fand es schon so, also ich wusste ja, worum es geht im Film und fand es da schon schaurig. Und dann zum Schluss hat es mich aber auch nochmal geholt, weil dann war das natürlich gefüllt mit den ganzen Geschichten, mit dem Leben, mit den Abgründen, die da einfach gezeigt wurden. Und dann dieses Lied nochmal zu hören, das war schon auch für mich emotional und kann gut nachvollziehen, dass das dann live auch gewirkt hat. Ja, für uns alle, das war so ein kathartischer Moment irgendwie in dem Saal, sodass ich wusste, das kann nur das Ende sein, weil das ist das, was es die ganze Zeit vielleicht auch gebraucht hätte, weil die Brüdergemeinde hat natürlich eine Aufarbeitung gemacht, aber es gab nie diese Begegnung zwischen Gemeinde und Betroffenen, so eine öffentliche Veranstaltung, das war bis dato die erste und auch so die letzte. Die haben sich ja immer gewünscht, dass sie ihre Geschichten mal vor der Gemeinde irgendwie kundtun können. Dann können die selber gucken, ob sie es glauben oder nicht. Aber diesen Raum gab es bis dato auch nicht, auch wenn nicht so viele gekommen sind, wie sie sich gewünscht hätten. Aber nichtsdestotrotz gab es eine Begegnung und einen Raum irgendwie über das Thema zu sprechen in der Stadthalle. Also ich habe schon diese Veranstaltung, ja, aus einem gewissen Höhepunkt sozusagen diese Aufarbeitungsgeschichte erlebt, ne. Zumindest ein vorläufiger Höhepunkt, hoffe ich mal, weil abgeschlossen kann es ja nie sein. Ja, tatsächlich. Das ist auch die große Kritik der Betroffenen, die große Sorge auch immer in diesem Prozess gewesen. Ich glaube, einige haben zugesagt zu unseren Filmen auch natürlich, weil das schon so ein bisschen dabei war, abzuebben, wo man auch medial nicht mehr viel davon gehört hat. Und das war auch irgendwie so, okay, der Aufarbeitungsbericht ist veröffentlicht, okay, jetzt haben wir jetzt die Stehlen und sie haben immer gesagt, so eine Aufarbeitung hört halt niemals auf. Aber es ist leider durch den Wechsel in der Brüdergemeinde schon ziemlich zurückgegangen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich glaube, Herr Andersen hat sich noch sehr eingesetzt, da immer wieder irgendwie Veranstaltungen zu machen oder Begegnungen zu machen und mit den Betroffenen ins Gespräch zu gehen, vor allem zum Schluss. Aber das ist in letzter Zeit, es gibt halt interne Treffen, aber so eine Veranstaltung wie da vor, was war das, vor vier Jahren, glaube ich. Drei Jahren, die gab es seitdem auch nicht mehr in dem Format oder in einem ähnlichen Format. Es gab nochmal sowas vergleichbar ähnliches in Wilhelmsdorf, das kommt in unserem Film ein bisschen kurz, weil es gibt ja noch einen kleinen Ort am Bodensee, wo sozusagen ja auch, das ist auch Brüdergemeinde und da ist auch ein Kinderheim und da hatten sie auch die Stähle wohl eingeweiht, aber da waren wir zum Beispiel auch gar nicht mehr eingeladen oder das war dann viel kleiner gehalten als im Korntal. Ihr habt dann den Film ja, als er fertig war und dann fertig produziert war, veröffentlicht. War so eine Kinoveröffentlichung. Genau, wir waren erst auf dem Festival auf dem Doc Leipzig, das war 23 und 24 war die Kinoauswertung. Und dann auf dem Kirchentag wurde es auch gezeigt jetzt in diesem Jahr, oder? Genau, dieses Jahr, Anfang Mai, ja. Und jetzt natürlich ZDF-Mediathek und am Montag auch im linearen Fernsehen. Wie würdest du sagen, ist die mediale Wirksamkeit des Films, wenn du diese unterschiedlichen Veröffentlichungen vergleichst? Also wahrscheinlich ist ja jetzt nochmal eine breitere Öffentlichkeit durch ZDF-Programm und heute jetzt FAZ-Titelseite und so, habe ich gesehen. Genau, also es war, glaube ich, gestern oder vorgestern, aber ja, durch die Fernsehveröffentlichung und Quilt, jetzt aktuell, mein Post war natürlich über von Leuten, die mich anschreiben, die mit dem Thema zu tun haben, aber auch immer wieder, und das war bei allen Screenings so, egal ob wir Doc Leipzig oder Kinostadt hatten, ich habe immer wieder sehr viele Betroffene angeschrieben, die ich nicht kannte, die auch in Quantal waren oder im Flattichhaus oder auch aus anderen Einrichtungen. Also es ist eigentlich jedes Mal so. Und wenn, nur heute hat mich zum Beispiel jemand angeschrieben, der war im Flattichhaus, aber lebt jetzt, ich glaube in Offloh und wollte dann auch gerne den Film sehen, weil das ZDF da natürlich irgendwie eine Sperre drin hat und so. Also es gibt immer wieder auch, das ist immer wieder die Erfahrung, nicht nur halt medial, dass es da eine Aufmerksamkeit gibt, sondern auch eine Reihe von Betroffenen sich dann auch meldet. Und auch manchmal einige Leute, die da auch als Gruppenleiterin gearbeitet haben. Also auch manchmal auch gibt es einen Pingpong zwischen mir und denen sozusagen, die sagen, das war ja nicht alles schlecht dort. Ich habe trotzdem meinen Job gut gemacht. Und das sage ich und betone ich ja immer wieder, dass der Film das ja auch an keiner Stelle sagt, dass alle Gruppenleiterin ähnliche Mechanismen oder ähnliche Dinge gemacht haben. Ich finde, man muss es vergleichen. Mit einer Klasse. Ich bin zum Beispiel total gerne zur Schule gegangen. Meine beste Freundin, die neben mir saß, die der Mathelehrer auf dem Kieker hatte, würde sagen, das war die schlimmste Zeit ihres Lebens. Und gerade wenn sowas wie Missbrauch passiert oder sexualisierte Gewalt, das passiert ja nicht im Wissen aller. Das passiert ja sozusagen hinter verschlossener Tür. Das heißt, die, die diese Erfahrung gemacht haben, jemand, der in der gleichen Gruppe war. Hat das wahrscheinlich nicht mitbekommen. Und deswegen finde ich das immer total erstaunlich, dass dann auch von der anderen Seite kommt, wie das kann nicht sein, ich habe das nicht gesehen oder ich habe das nicht erlebt oder ich kannte die Gruppenleiterin, die war ja sehr nett. Also das kann dann nicht sein, dass sie sowas gemacht hat. Aber dann sage ich, naja, sie waren ja nicht in der Gruppe, sie waren ja kein Kind, sie hatten ja keine Macht-Unmacht-Gefälle, sie waren ja auf Augenhöhe, sie waren ja auch eine Gruppenleiterin, also können sie ja nicht wissen, wie sie dann mit den Kindern umgegangen ist. Das ist immer sehr interessant eigentlich bei jeder, sage ich mal, Auswertungsrunde, welche Leute sich dann bei mir melden. Ja und wir machen uns natürlich immer Bilder von Menschen und wenn ich einen bestimmten Eindruck habe, eine bestimmte Beziehung zu jemandem und dann höre ich was, was ich mir so gar nicht vorstellen kann, ist wahrscheinlich die erste Intuition, ah nee, stimmt nicht, weil ich bin ja der Maßstab für meine eigene Wahrheit. Ich glaube auch wirklich, das ist das Problem mit dieser mega krassen Identifizierung. Wenn man sich mit der Gemeinde identifiziert, wenn man sich mit der Kirche so zu Hause fühlt, dann sieht man diesen blinden Fleck nicht und weil man will ihn vielleicht nicht sehen, weil man ist Teil dieser Gruppe und irgendwo habe ich das Gefühl. Ja, es ist auch eine Ohnmacht da, weil man sich vielleicht auf eine Art und Weise auch verantwortlich fühlt plötzlich, aber man hat dann nicht zu Genüge hingeschaut. Oder es gab ja auch die eine Lehrerin, die sich im Nachhinein gemeldet hat, wo der Detlef Zander aus dem Unterricht rausgeholt worden ist und sie meinte, ich habe schon so ein blödes Bauchgefühl gehabt, weil er ist immer wiedergekommen und war total apathisch. Also sie hat sich schon Gedanken darüber gemacht, aber sie hat nichts getan. Und das ist genau die Schuld, die, glaube ich, einige mit sich tragen und sich nicht eingestehen wollen, dass sie doch hätten was sagen müssen oder sie hätten reagieren müssen, weil es gab auch Praktikantinnen und andere irgendwie Zivildienstleistende, die ja auch versucht haben, was zu machen, aber sie sind da auch auf taube Ohren gestoßen. Ja. Und jetzt mit dieser breiten Öffentlichkeit, wie geht es weiter? Ja, ich hoffe natürlich, dass so viele Menschen wie möglich den Film jetzt sehen, auch im Fernsehen, weil natürlich Kino war auch keine schlechte Auswertung. Wir waren ja auch in sehr vielen Orten, auch in Tübingen unter anderem. Also gerade in Baden-Württemberg lief der Film ziemlich gut und sehr lange, also lange als geplant sogar. und wir wurden dann auch immer noch vereinzelt zu verschiedenen Veranstaltungen eingeladen und in Filmen zu zeigen. Natürlich, wenn eine Fernsehausstrahlung passiert, dann gibt es nicht diese Barriere von ich muss eine Kinokarte kaufen und irgendwo hinfahren. Das heißt, ich kann wie du jetzt Samstagabend mir den Film einfach in der Mediathek angucken. Wir hoffen natürlich so viele, dass so viele wie möglich diesen Film schauen und einfach ein Bewusstsein über dieses Thema entsteht, weil ich glaube, der Film hat definitiv auch viel dazu beigetragen, dass in der EKD auch nochmal überdacht wird, wie wird das eigentlich gemacht mit den Entschädigungszahlungen, wie gehen wir eigentlich mit Betroffenen um, wie sind die Wege, wenn sie das melden wollen, also dass auch strukturell sich eigentlich gerade viel verändert und wenn ich mich nicht irre, dann ab dem 01.01.2026 auch nochmal wirklich angehoben wird, was die Zahlung anbetrifft und jedem dann auch einfach mehr Geld zusteht, weil ich glaube, was uns auch total fassungslos und ohnmächtig gemacht hat, ist, dass einige Leute 1.000 Euro nur bekommen haben oder 5.000. Ich meine, ich musste mir letztens einen neuen Gebrauchtwagen holen. Man kriegt ja nichts mehr unter 10.000, wenn es noch halbwegs fahrbar sein soll. Also sind 5.000 für eine komplett ruinierte, traumatisierte Kindheit, ob jetzt sexualisierte Gewalt stattgefunden hat oder nicht. Missbrauch definitiv jeglicher Art. Körperliche Gewalt, ich würde sagen auch spiritueller Missbrauch. All die Dinge, die da stattgefunden haben, die prägen ja einen Menschen, einen Betroffenen ein Leben lang. Und viele von den Betroffenen sagen auch beispielsweise... Ich werde nie in ein Heim gehen können, weil ich einfach die Kontrolle nicht noch einmal verlieren will, weil sie waren ja komplett fremdbestimmt dort. Und ich glaube, das hat viele so traumatisiert. Und da wäre natürlich auch eine Entschädigungszahlung, glaube ich, angebracht. Vor allem, weil sie halt auch in Würde dann altern könnten. Weil dann könnten sie sich eine private Pflege oder sowas holen oder was auch immer sie dann mit dem Geld gerne tun möchten. Also das ist etwas, wo wir nicht gedacht hätten, dass das doch auch was anstößt. Da sind wir natürlich super happy, wenn dieser Prozess weiter voranschreitet, dass einfach auch die Rechte der Betroffenen soweit gestärkt werden, dass man denen auch auf Augenhöhe begegnet und wirklich zuhört, was sie eigentlich haben wollen. Ja, das mit den Heimplätzen oder mit der logischerweise Aversion, nochmal in irgendein Heim zu gehen, das hatte ich vorher gar nicht so gedacht. Aber du machst natürlich, also wenn du Menschen, wenn du Kinder so brichst, machst du ja bestimmte Lebenswege einfach unmöglich. Also das ist ja kein denkbares Szenario, da nochmal hinzugehen, nochmal reinzugehen, nochmal in so ein Setting. Absolut. Und ich glaube, es ist auch noch eine Blackbox, was ihr Verhalten insgesamt anbetrifft. Einige Betroffene können zum Beispiel, als wir die Kinoauswertung gemacht haben, die können nicht mal irgendwo in der Mitte des Kinos sitzen. Die müssen immer am Rand sitzen, weil sie immer diesen Fluchtreflex haben. Die wollen nicht irgendwie eingesperrt werden. Sie wollen irgendwie nicht, also die haben ganz eigene Arten durch ihre Kindheit entwickelt. Und da muss man auch sensibel, Betroffenen sensibel mit umgehen und einfach auch in den Treffen, die sie auch haben, da auch achtsam sein irgendwie und dass man irgendwie... Nichts Falsches sagt oder auch, ja klar, also es war auf jeden Fall, diese Aufarbeitungszeit war für viele auch nicht schön oder retraumatisierend. Das bringt es mit sich, aber auch jegliche Art von, die Brüdergemeinde entscheidet über etwas, obwohl sie eigentlich mitentscheiden möchten. Da gibt es wieder dieses Ungleichgewicht, das triggert diese Macht-Ohnmacht-Erfahrung, die sie als Kind gemacht haben. Deswegen gehen manche Betroffene nicht zu diesem Treffen hin und andere gehen auf die Barrikaden, weil es sie natürlich wütend macht. Und ich glaube, es gibt auch die Berechtigung, dass die natürlich diese Emotionen auch haben. Also das kann man nicht abwerten oder irgendwie verurteilen. Nee, auf jeden Fall. Und deshalb, also ich glaube, alle, die in irgendwelchen Institutionen kirchlicher Art oder auch weltlicher Art drin sind, haben die Aufgabe, sich solchen Themen zu stellen und sich zu solidarisieren und zu schauen, dass da Gerechtigkeit hergestellt wird, so weit es geht. Also ich kann es nicht ungeschehen machen, aber ich brauche nicht irgendwie gleich im dritten Satz mit Vergebung kommen und dann denken, ich zahle da 10.000 Euro oder wie viel auch immer und dann ist es erledigt, weil für Betroffene ist es niemals erledigt. Ja, ganz genau und man muss dann auch aufpassen, das ist auch, was Herr Zander immer sagt, man ist ja auch in dieser Churchy-Blase, wo sich alle mögen und drücken und man tendiert ganz schnell irgendwie zu theologisch, das irgendwie nochmal aufzuarbeiten, aber bei vielen Betroffenen muss man auch achtsam sein, die haben mit Gott nicht mehr viel zu tun, Die wurden zwar im Rahmen der evangelischen Kirche oder ihren Jugendeinrichtungen diese Erfahrung gemacht und das hat auch ihren Glauben irgendwo geschädigt. Das heißt, in dem Augenblick, wo das theologisch irgendwie aufgegriffen wird. Da macht auch was dicht bei vielen. Also da muss man auch gucken, welche Sprache wähle ich, dass ich dann halt irgendwie auf Augenhöhe bin und dass ich das nicht in so Watte packe durch meine üblichen, sage ich jetzt mal, Sonntagsreden oder wie auch immer. Weil Vergebung ist ja in sich nichts Verkehrtes, aber das müssen die Betroffenen halt selber entscheiden. Das kann keiner denen sozusagen vorwerfen und ich weiß aus Gesprächen natürlich mit den Betroffenen, dass auch die Korntaler sagen, zum Beispiel Herr Zander hört immer wieder, ja vergebt doch endlich dieser Gruppenleiterin. Ja, das muss er aber selber wissen und muss sich das von niemandem sagen lassen, wen er vergibt und wen er halt sozusagen zum Geburtstag gratuliert oder nicht. Das ist die Entscheidung von den jeweils Einzelnen, was dieses Thema anbetrifft. Ja, und du kannst nicht als Institution irgendwas kaputt machen und dann den Anspruch haben, dass es wieder vergeben wird. Ja, das ist deren Entscheidung. Das ist der freie Wille jedes Einzelnen, wie er damit umgeht. Und viele Betroffene wollen auch einfach mit der Organisation per se als solches nicht zu tun haben. Das ist auch ihr gutes Recht. Ja, also von daher finde ich auch sehr stark eigentlich die Betroffenen, mit denen wir zusammen im Film gearbeitet haben, dass sie auch wirklich die Kraft haben und die Zeit sich immer wieder nehmen, auch wirklich in die Konfrontation oder in die Diskussion oder auch in ihre Forderung reinzugehen. Weil viele der Betroffenen sind auch resigniert und sagen, ich habe keine Kraft dazu und was auch ihr gutes Recht ist natürlich. Ja, und die eine Dame hat das ja auch erzählt, dass sie in diesen Gesprächsrunden mit der Brüdergemeinde immer wieder zu so Einzelterminen musste, da praktisch ihr ganzes Herz ausschütten, ihr Leid ausschütten musste und dann zack, Tür zu, Termin fertig und dann ist man wieder alleine mit seinem Freund. Ja, das Ding ist, das war ja sogar nochmal was Eigenes, weil das anhand von diesem Gespräch wurde ja festgemacht, was für eine Summe du bekommst, Entschädigungssumme und das ist ja super schwierig, wenn ich mir vorstelle, ich hätte was erlebt. Vergleichbares als Kind oder Jugendliche und dann komme ich irgendwo hin und es ist nicht mal eine Traumatherapeutin, sondern eine Richterin gewesen und ich muss ihr sozusagen jetzt davon erzählen, Ich weiß nicht, inwiefern ich fähig wäre, in die wirklich dunklen Ecken in diesem Stundengespräch, ein-Stunden- bis zwei-Stunden-Gespräch zu gehen, je nachdem, wie viel Zeit sie sich genommen hat. Und manchmal, also einige Betroffenen haben gesagt, ja Entschuldigung, der Zug kam zu spät und ich habe schon den nächsten Termin und die konnten noch nicht mal lange erzählen. Und das ist halt sehr schwierig anhand von solchen Gesprächen überhaupt dann. Ja überhaupt zu wissen, wie viel kann ich der Person als Entschädigungsgeld anbieten, da wird dann einfach entschieden. Und das ist natürlich überhaupt ganz schwer, da irgendwie eine Zahl zu finden, ehrlich gesagt. Also deswegen mit diesen Entschädigungsleistungen wäre es, glaube ich, gut, wenn einfach jeder, der davon betroffen ist, eine faire Summe kriegt und dann natürlich, je nachdem, was da noch passiert ist, da nochmal Zusatzleistungen gibt oder so. Aber da bin ich natürlich jetzt auch als Außenstehende nicht total drin, wie das jetzt eigentlich geplant ist, wie das gehandhabt haben wird. Also verändern muss es sich definitiv, weil es kann nicht sein, dass man irgendwie, ich weiß nicht wie viele Jahre, 18 Jahre in dem Heim war und dann letztendlich 5 oder irgendwie manchmal nur 1000 Euro kriegt. Das geht nicht, finde ich. Weil ich kann mir sehr gut vorstellen, dass viele von den Betroffenen sich auch nicht öffnen konnten so auf Knopfdruck in dieser kurzen Zeit, wo sie darüber berichten mussten. Ja, da bin ich mir auch sicher. Ja, also ich habe das Gefühl, wir könnten noch in alle möglichen Details reingehen. Das ist schon super spannend für mich, mal so eine Regisseurin vor mir sitzen zu haben. Und ich merke, du bist da noch voll drin in der Materie. Also ich würde auf jeden Fall eine Empfehlung aussprechen, sich diesen Film anzuschauen, an alle. Besonders, wenn ihr in irgendeiner Form in Kirche oder auch in Schulen oder in Einrichtungen seid, wo ihr mit Menschen zu tun habt, schaut euch das an und nehmt euch auch Zeit dafür. Also das geht nicht mal so eben nebenher mit Handy noch in der Hand oder so, sondern gebt euch das. Und ich glaube, das Wichtigste ist einfach zu wissen, dass das auch, auch wenn in Korntal sind es keine Einzelfälle, aber auch Korntal ist kein Einzelfall, sondern das gab es und gibt es überall. Das hat nicht zuletzt jetzt auch die Forumstudie letztes Jahr nochmal gezeigt, dass es weder ein katholisches Problem ist, noch ein evangelisches Problem, sondern einfach allgemein ein Problem von menschlichen Vergemeinschaftungen. Und, und das machen wir hier bei Schöner Glauben ja wahrscheinlich ein bisschen schwerpunktmäßiger, wenn diese Komponente spiritueller, geistlicher Missbrauch noch mit reinkommt, dann hat es nochmal potenziell andere Dimensionen, weil da einfach die komplette Weltsicht von Menschen dran hängt. Also wenn ich bestimmte Dinge dann noch mit Gott rechtfertige und mit großen Heilserzählungen in Verbindung bringe, dann hat es nochmal anderes Potenzial, als wenn irgendwas im Sportverein passiert. Und das müssen wir als Menschen im religiösen Raum bedenken, müssen da sensibel mit umgehen und die Systeme so aufbauen, dass sowas nicht passieren kann. Oder dass, wenn es passiert, dass es nicht 40, 50 Jahre dauert, bis dann mal einer die Kraft hat, laut zu werden und dann nach und nach so einen Aufarbeitungsprozess losgeht, der ja wirklich auch nicht optimal läuft. Ja, die eine Betroffene hat auch gesagt, dadurch, was sie erfahren hat in der Kindheit, hat sie immer noch so eine panische Angst vor diesem Gott. Das ist ja eine komplette Umdeutung wahrscheinlich dessen, was jetzt ihr sozusagen hier zur Sprache bringen wollt irgendwie. Das ist auch krass, wie lang das, das ist eine Konditionierung, die kriegt sie wahrscheinlich bis an ihr Lebensende nicht raus. Und ja, da muss man einfach auch wirklich sich einfach fragen, wie kann man das verhindern, dass da irgendwie solche Sätze dann letztendlich fallen. Ja, und also ich habe den Eindruck, die Schutzkonzepte ziehen da langsam nach. Ich kann das zumindest aus meiner Kirche, der evangelisch-methodistischen Kirche, sagen. Da wird gerade mit Hochdruck dann gearbeitet, das nochmal neu zu machen. Aber man muss auch sagen, das ist verdammt spät. Also es ist jetzt nicht so, dass wir da irgendwie Vorreitende sind oder so. Und das ist einfach tragisch für jedes einzelne Erlebnis, was da in irgendeiner. In irgendeiner Institution passiert ist. Und also mir bricht es das Herz. Und ich fasse es gar nicht, was da alles auch noch im Dunkeln liegt. Also selbst mit dem Film, wo ihr jetzt viel Licht da reinbringt, ihr werdet ja auch nur den Anfang beleuchten. Also da wird ja noch ganz viel passiert sein, Geschichten, die ihr jetzt auch noch nicht gehört habt. Ja klar, das ist nur die Spitze vom Eisberg, sage ich mal. Tatsächlich auch die Schutzkonzepte, das finde ich alles richtig, aber dann auch wirklich zu gucken, wenn es zu einem Fall kommt, im Jetzt, hier und Jetzt, unser Film ist ja auch historisch, ich habe keinen Film gemacht über die Jetztzeit, aber wer ist zum Beispiel der Ansprechpartner, wenn ein Kind beispielsweise in einer Jugendeinrichtung ähnliche Erfahrungen hat. Müsste es nicht jemand sein, der Ansprechpartner ist, dem sich das Kind mitteilt, der nicht Teil des Systems ist. Weil es gibt eine riesengroße Überwindung, beispielsweise wenn im Heim die Ansprechpartnerin die Heimleitung ist. Natürlich wird ein Kind nicht dahin gehen zu jemandem, der für sie erstmal eine Autoritätsperson ist, sondern wie kann man das überhaupt möglich machen, dass ein Kind überhaupt über seine Erfahrungen, über die Erfahrung von Missbrauch oder sexualisierter Gewalt überhaupt in einem sicheren Rahmen sprechen kann und sich auch vom Bahn mag. Also es ist dann auch immer total gut, die Schutzkonzepte zu haben, die sind richtig, aber wie sieht denn die Praxis aus, wenn es zu einem Fall gekommen ist, wie sind wir damit umgegangen, wie haben wir sozusagen auch die geschützt, die das mitbekommen haben und beispielsweise sozusagen sich gegen die Kollegen ausgesprochen haben, weil oftmals, In anderen, ich habe jetzt natürlich auch viele Fälle durch den Film auch gehört, wird ja auch die Person, die sozusagen meldet, dass was nicht gut läuft, die wird dann oftmals zum Täter gemacht, obwohl sie eigentlich den Opfern helfen wollte. Und das ist immer wieder ein Mechanismus, der zu beobachten ist. Und das war ein Kornteil in manchen Geschichten so, dass der eine aus dem Jugendheim, der zum Beobachten, Leiter, Heimleiter gegangen ist, meinte ich, es stimmt was nicht. Irgendwas stimmt mit den Kindern nicht, denen wird nicht Gutes angetan, dass genau die Person dann gegangen worden ist. Und das ist auch wirklich eine Dynamik, die sich manchmal bis in die Jetztzeit durchzieht, weil ich habe tatsächlich mit einigen gesprochen, die auch versucht haben, Dinge zu melden und dann halt ihren Job verloren haben beispielsweise. Und das muss auch Teil des Schutzkonzeptes für die sein, die sozusagen in Anführungsstrichen Whistleblower sind und dann auch das System irgendwo in Frage stellen, weil meistens versucht sich ein System als solches auch als erstes zu schützen. Das ist die Erfahrung, die ich jetzt durch diesen filmischen Prozess jetzt leider auch gemacht habe oder irgendwie, da es auf jeden Fall kein Platz in dem Film war, wollte ich das jetzt einfach nochmal äußern an der Stelle. Nee, das kann ich gut hören. Also das nehme ich in allen Veränderungsprozessen in jeder Kirche überall wahr. Der Selbsterhaltungstrieb in Organisationen ist schon extrem hoch. Und mit solchen heiklen Themen, wo man ja sagen müsste, also wenn so ein strukturelles Problem auftritt, dann kann man nicht mehr weitermachen wie vorher. Also wenn das klar wird, dann musst du eigentlich radikal hinterfragen, wie arbeiten, wie leben wir hier zusammen und wie können wir das so gestalten, dass es für alle lebensfreundlich ist. Und wer das gefährdet, der kann eben nicht mitmachen. Ja, ja, das sehe ich genauso, aber es ist leichter zu sagen, als das wirklich umzusetzen. Das muss auch Teil des Konzeptes sein, so in dem Fall, weil ich tatsächlich jetzt schon auch von anderen Gemeinden gehört habe, die mich angesprochen haben, gesagt haben, ich habe das gemeldet, ich wollte, dass sich hier was verändert, ich habe was beobachtet und jetzt bin ich arbeitslos. Und das muss man dann auch wirklich auch im Hinterkopf behalten. Dass auch eine gewisse... Meistens die Täter haben eine gewisse, ja, die sind auch menschlich so, dass sie sehr eine Solidarität in der Gesamtgruppe haben, sodass man sich gar nicht vorstellen kann, dass so jemand überhaupt ein Täter sein kann. Also es gibt so zwei Gesichter von denen, die solche Dinge machen und die sind meistens sehr beliebt. Also man ist es jetzt nicht jemand, wo man denkt, oh Gott, der ist eh so ein Eigenbrötler, der irgendwie komisch war und ich hatte immer ein schlechtes Gefühl. Manchmal sind es auch Leute, die total charismatisch sind, die immer gut gelaunt sind, die mit jedem irgendwie zurechtkommen. Deswegen ist es gerade schwer, weil sie von der Gruppe, von der Gesamtgruppe, von ihrem Kollegen oder so sogar vielleicht in Schutz genommen werden, so wie das ein Kornteil ja auch war. Ich kann mir das nicht vorstellen. Das war ein so toller, charismatischer Mann, der auch noch sein Leben für die Kinder irgendwie geopfert hat und sogar seinen Urlaub für die, auf die verzichtet hat und so weiter und so fort. Aber sie können das dann nicht mehr zusammenbringen, weil sie eben Teil der Identifizierung sind mit dem System, dass da noch unter dem sozusagen der Fassade ein ganz anderer Mensch ist. Und das ist etwas, ja, das muss man im Hinterkopf behalten. Also es gibt nicht den Täter und der hat diese Struktur. Es kann, ja, keine Ahnung, auch jemand sein, der everybody's darling ist oder so und immer alles korrekt gemacht hat. Traurig, aber wahr, ja. Ja, also genau, einfach sich damit auseinanderzusetzen, dass man da einfach achtsamer ist und auch auf die Zeichen hört. Weil ich denke mir auch, als wir die historischen Aufnahmen, die auch im Film sind, sind ein paar historische Aufnahmen von den Kinderheimen, obwohl alles so festmäßig aufgeblasen worden ist, an den Gesichtern der Kinder, einiger Kinder konnte man sehen, da stimmt was nicht. Und ich denke, da achtsam zu sein und auch wirklich mal nachzufragen als Pädagoge oder als irgendwie Mensch, der mit jugendlichen Kindern zu tun hat, man kann schon sehen, wenn es einem nicht so gut geht oder irgendwas ist in der Familie oder sonst sowas und da auch nachzuforschen oder zu sagen, hey, wie geht es dir eigentlich oder was ist denn los oder so, das ist schon auch wichtig, sich da auch die Zeit zu nehmen. Nehmt euch die Zeit. Also nehmt euch die Zeit, diesen Film zu schauen und lasst euch davon bewegen. Ich glaube, das ist auf jeden Fall eine gute Sache. Gibt es noch was, Julia, was du den Zuhörenden jetzt mitgeben willst? Oder wie sieht es für dich jetzt aus? Eine Woche nach Fernseh-Release hast du noch weitere Events, Auftritte? Wie geht es weiter? Ich habe bei Detlef Zander gesehen, der geht heute nach Bielefeld. Hat da eine Veranstaltung? Ja, er zeigt auch immer wieder, das finde ich ganz gut, weil ich kann nicht alle Veranstaltungen wahrnehmen und er ist viel unterwegs, auch in Gemeinden und zeigt in Filmen und das finde ich auch wichtig, dass man auch in der Gemeinde über dieses Thema spricht. Ich kann sagen, weil auch viele gesagt haben, so ein schweres Thema und auf der Welt ist so viel Leid irgendwie. Ich weiß nicht, ob ich mir den angucken kann. Ich weiß nicht, wie es dir ging, aber es ist halt auch Teil unserer Gesellschaft. Das ist ein Thema, was in den letzten Jahren aufgekommen ist und wir haben uns sehr bemüht, es nicht zu explizit zu machen, auch wenn es natürlich das Thema an sich Missbrauch ist, aber ich glaube auch ich oder andere Leute, die zart beseitet sind, können den Film gucken mit aus einer Distanz und auch wirklich diese Würdigung den Menschen zu schenken, die ja auf sich die Kraft genommen haben, überhaupt darüber zu sprechen, weil die sagen, ganz am Anfang wird im Film gesagt. Betroffene haben eine Stimme, nur sie wird nicht gehört. Und das ist vielleicht mein letztes Wort. Jetzt nehmen sie sich die Zeit, um auch wirklich zuzuhören, weil die Betroffenen möchten das auch gerne teilen. Und das ist auch etwas, dass man zumindest den Film als eine Art Mahn mal betrachtet, weil diese Dinge haben leider nicht irgendwie 1980 aufgehört oder 2000er, sondern passieren gegebenenfalls auch heute noch. Und da auch einfach eine Sensibilität, was das Thema anbetrifft, zu entwickeln, welche verschiedenen Facetten das System Missbrauch mit sich auch wirklich mitbringt, da eine Bewusstheit auch reinzubringen. Das war schon von Anfang an unser Ziel, das deutlich zu machen. Dann wünsche ich dir und euch da weiterhin alles Gute und viel Erfolg damit. Und ich freue mich, dass wir zumindest einen kleinen Teil dazu beitragen können. Also vielleicht gibt es die eine oder andere Person, die jetzt den Podcast gehört hat und dann den Film einschaltet. Würde uns freuen. Und kommentiert da gerne oder schreibt uns, wenn dieses Thema ein bisschen was auslöst. Wir sind da auf jeden Fall offen und werden auch weiter dranbleiben. Danke dir auf jeden Fall fürs Gespräch. Ja, danke dir. Mach's gut. Dieser Podcast ist Teil des Ruach-Jetzt-Netzwerks. Die Musik stammt von Postloop.