Hey Leute, vielen Dank, dass ihr wieder eingeschaltet habt bei Schöner Glauben. Wir möchten progressive Stimmen zusammenführen, einander empowern und uns für mehr Solidarität einsetzen. Glaube in Schön also. Wenn du mehr wissen oder uns unterstützen willst, findest du alle Infos auf www.schönerglauben.jetzt. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Schöner Glauben. Ich bin Marie und heute im Interview mit Daniela, Daniela Marlin-Jakobi, um genau zu sein. Wir beide waren jetzt mehr oder weniger vorgestern schon zusammen oder gestern kann man eigentlich sagen. Zwar nicht wirklich in einem und demselben Raum, aber zusammen im Fernsehen, im Arte-Journal und haben uns zweieinhalb Minuten Beitrag geteilt. Heute wollen wir das Ganze nochmal ein bisschen nachbesprechen. Vieles, was wir aufgezeichnet haben mit dem tollen Team von Arte, nochmal ein bisschen vertiefen und euch auch einen Einblick hinter die Kulissen geben. Von daher, Daniela, schön, dass du da bist. Vielleicht möchtest du kurz selbst ein paar Worte zu dir sagen. Ja, hallo Marie. Danke, dass ich da sein darf und dass wir über unsere zweieinhalb Minuten Beitrag reden. Genau. Für die, die mich nicht kennen, ich bin Daniela Marlene Jacobi, wie schon gesagt. Und ich bin vor allem vielleicht ein Name für die Leute, die aus Freikirchen raus sind. Ich kläre darüber, nehme ich ganz, ganz viel auf über Freikirchen, über toxische Strukturen und Lehren in Freikirchen, über christlichen Fundamentalismus und Extremismus, mittlerweile ja oft auch Nationalismus, muss man leider sagen. Genau, das sind so die Themen, denen ich mich so verschrieben habe, worüber ich hauptsächlich spreche. Feminismus spreche ich auch viel, aber auch hin und wieder meinen persönlichen Glauben, wobei ich da mittlerweile ein bisschen vorsichtiger bin, weil die Menschen im Internet, ja... Sind nicht immer so nett. Ja, das glaube ich. Obwohl man jetzt noch sagen kann, wir haben noch gar keinen Shitstorm abbekommen für unseren TV-Beitrag. Zumindest habe ich bisher noch nichts gesehen. Ich habe immer mal wieder jetzt nach dem Tag oder an dem Tag, nachdem das gesendet wurde, Instagram ja, aktualisiert und geschaut bei den üblichen Verdächtigen, ob unser Beitrag schon besprochen wurde. Aber ich habe nichts gesehen. Wie war es? Vielleicht haben wir das gehört. Nee, ich habe auch gar nichts mitbekommen und auch in meinen Nachrichten und Kommentaren hat sich da gar nichts wieder gespiegelt. Nur Positives, Leute, die es geguckt haben und es gut fanden. Meine Familie hat auch ganz begeistert mitgeguckt. Und ja, vielleicht ging der Kelch in uns vorüber, weil gewisse Menschen auch einfach gerade im Ausland sind, wer weiß. Ja, das stimmt. Das könnte von Vorteil sein. Obwohl ich auch sagen muss, dass ich den Beitrag... Auf eine Art und Weise ziemlich gut geschnitten oder zusammengestellt fand, weil die wichtigen Punkte klar wurden, ohne aber gezielt AkteurInnen persönlich anzugreifen. So könnte man das vielleicht ganz gut sagen. Ja, aber wie kam es denn überhaupt dazu? Oder sorry, ich habe dich unterbrochen. Wolltest du noch was sagen? Ich wollte noch kurz sagen, also ich würde auch generell sagen, dass ich zumindest bei den Beiträgen, die ich mitbekommen habe. Auch nie persönlich angegriffen wurde, Leute. Also es wurde schon auch immer inhaltlich kritisiert, nicht die Person angegriffen. Also da wurde gute journalistische Arbeit geleistet, auch wenn das natürlich von Rechten und Funnies immer dargestellt wird, wie Propagandamedien und alles Dreck und Schund und so. Aber die argumentieren schon inhaltlich und nicht mit persönlichen Angriffen. Das wollte ich kurz noch erwähnen. Ja, das stimmt. Das habe ich missverständlich ausgedrückt. Voll gut, dass du das noch gesagt hast. Nee, ich meinte jetzt eher, dass es weniger persönlich um einzelne CreatorInnen ging, dort eben stark porträtiert werden. Natürlich journalistisch korrekt, aber es ging ja auch mehr um deine Doktorarbeit und um deine Aufklärungsarbeit auf Instagram. Ja, erzähl doch mal, wie ist Arte überhaupt auf dich aufmerksam geworden? Wie bist du überhaupt im Arte-Journal gelandet? Bei mir ist vor, ich glaube, zwei Wochen oder so eine E-Mail ins Postfach geflattert von der Leonie Wedekind. Und die wurde auch im Beitrag erwähnt. Die hat den Beitrag quasi erstellt. Die war Head of dieses Beitrags. Und sie hat mich auch persönlich interviewt und wahrscheinlich dann dich auch selber an dem Tag, genau. Also Marie sitzt mir im Video gegenüber und nickt. Für die, die ja nur den Ton hören. Genau, und sie hatte mir dann eine E-Mail geschrieben, dass sie online auf mich aufmerksam geworden ist und ob ich da Interesse dran hätte und so. Und dann ging... Hin und wieder die Mail hin und her. Ich bin nicht so super schnell im Antworten. Ich hänge da immer übel hinterher. Ich habe da immer so Struggles mit Nachrichten beantworten. Und dann hat sie irgendwann geschrieben, oh, Arte hat jetzt gesagt, die wollen am 12. schon senden. Und das hatte sie mir am Donnerstag oder Freitag geschrieben. Und am Montag, für den Montag hat sie dann angefragt, hey, hast du Montag Zeit oder Dienstag, weil wir wollen Mittwoch senden. Und ich denke mir, okay, das ist ein knappes Timing, aber zufälligweise habe ich Zeit. Er war dann ein bisschen gehetzt am Montag, weil ich vormittags noch einen Termin hatte, der recht lang ging und ich dann gehetzt bin nach Hause und direkt los. Aber hat dann alles funktioniert und genau so ist das dann bei mir entstanden. Also ja, dann irgendwie sehr kurzfristig und auf einmal, krass, jetzt bin ich in Arte. Diese Erfahrung und dieses Gefühl, das können wir auf jeden Fall teilen. Bei mir war es ganz ähnlich. Und zwar bin ich in dem Arte-Journal gelandet oder wurde angefragt, weil eine großartige Professorin ihre Bühne mit mir geteilt hat. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Ja, eigentlich wurde Professor Dr. Sabrina Müller angefragt. Sie ist Professorin in Bonn an der Uni und forscht eben auch zu, naja, ich sag mal, digitaler Religion, also den ChristfluencerInnen und ZinfluencerInnen, die uns so auf Instagram, TikTok und Co. begegnen. Genau, und sie hat aber die Anfrage an mich weitergeleitet, beziehungsweise mich dem Arte-Journal empfohlen. Das finde ich sehr, sehr großartig und großzügig. Nochmal vielen Dank an der Stelle, Sabrina, falls du zuhörst. Genau, und dann kam auch bei mir am Donnerstag Nachmittag eine E-Mail rein. Und ja, ich habe dann erst am Freitag diese E-Mail erst gesehen. Und dann direkt für Nachmittag ist noch ein Telefonat ausgemacht mit Leonie Wedekind und... Musste dann über das Wochenende einen Raum organisieren, weil ich ja in Dresden arbeite, aber meinen Hauptwohnsitz im Siegerland habe. Und eben in dieser Woche, wo der Dreh stattfinden sollte, gar nicht in Dresden war. Das heißt, ich musste hier einen Raum organisieren, weil ich auch nicht unbedingt hier in meiner Wohnung fürs Arte-Journal aufgenommen werden wollte. Genau, das habe ich dann über das Wochenende getan. Glücklicherweise über Connections, die ich zur Uni Siegen habe, wofür ich auch sehr, sehr dankbar bin. Und ja, dann haben wir am Montag gedreht. Also erst war das Team aus Siegburg-Bonn bei mir in Siegen und nachmittags noch bei dir. Ich glaube, die hatten auch einen anstrengenden Tag oder ein spannendes Wochenende. Sie sagten, naja, so sind Nachrichten halt. Also es scheint, glaube ich, nicht nur uns so zu gehen. in solche Beiträge werden eher kurz zusammengestellt, aber dadurch nicht weniger gut recherchiert. Voll. Oder wie war dein Eindruck? Also ich fand es auch, also die Fragen, die sie mir gestellt hat, also mir wurden, ich habe jetzt nicht gezählt, aber bestimmt 10, 15 Fragen gestellt. Und die waren auch so treffend und auch so, also sie hat sich mit meinem Content befasst und passende Fragen gestellt. Das hat man voll gemerkt. Und die haben es natürlich nicht alle in die zweieinhalb Minuten reingeschafft, logischerweise, aber fand ich richtig gut. Ja, doch, das muss ich auch sagen. Also sie hat tatsächlich auch in schöner Glauben-Folgen reingehört. Er hat sie mir mitgeteilt und hat auch versucht so zu berücksichtigen, was wir schon mal kritisiert haben, dass wenn über Christen in den sozialen Medien gesprochen wird, oft alle über einen Kamm geschoren werden. Also dann eben alle als fundamentalistische Christ-FluencerInnen dargestellt werden, obwohl es ja auch genug andere progressive ChristInnen in den sozialen Medien gibt. Und ja, sie sagt auch, das sei ihr wichtig, dass das rüberkommt. In so einem kurzen Beitrag ist natürlich immer die Frage, was man mit reinnehmen kann. Aber ich finde, es hat vor allen Dingen auch in deinem Porträt schon Anklang gefunden. Das fand ich total gut, dass sie dich da so als total wichtiges Gegengewicht mit aufgenommen hat. Ich habe mich auf jeden Fall auch sehr wohl gefühlt, auch im Interview. Das Team war auch super nett. Ich habe draußen gedreht mit dem Team und es war ein bisschen kalt. Also wir haben schon danach uns gut aufwärmen können müssen im Auto. Und genau, das war richtig cool, richtig angenehm und man hat einfach auch gemerkt, so die weiß nicht, ich finde immer, ich habe bislang noch nie eine schlechte Erfahrung gemacht mit solchen öffentlich-rechtlichen Filmteams, die sind, immer in der Thematik drin irgendwie sehr respektvoll, sehr auch bedacht, und so, also ja, immer positive Erfahrungen gemacht. Na gut, ja, für mich war es jetzt das erste Mal, aber ich würde es auf jeden Fall nochmal machen. Und ich war auch total begeistert. Man hat auch gemerkt, die machen jetzt nicht einfach nur irgendwie ihren Job, sondern gerade der Kameramann hatte einen total wachen Blick für Details. Also wir waren da in Räumlichkeiten der Uni Siegen aus der Kunst, aus dem Kunstbereich. Und es gab einfach eine total coole Kulisse. Das seht ihr im Beitrag auch. Im Hintergrund steht so ein Regal. Und was hat er da nicht alles umsortiert? Irgendwie noch so eine kleine Lampe, die auch nicht so seinem künstlerischen, kreativen Blick entsprechen. Es gab auch zwei Sessel im Hintergrund und das eine Kissen, das wurde bei jeder Szene, bei jeder Aufnahme neu zurechtgerückt, damit das auch wirklich da richtig sitzt. Und ja, diese Details hat für mich irgendwie gezeigt, wie durchdacht das insgesamt ist und ja, wie gut wir da auch aufgehoben sind. Ja, voll. Da merkt man, das sind Leute vom Fach, die können das, was sie machen. Also natürlich, aber finde ich dann auch immer super spannend, die Leute in ihrem Element zu beobachten, wie die rangehen, was sie alles sehen, was meinem Blick entgeht. Ja, das stimmt. Ja, das fand ich auch total gut. Und so süß, meine Mama war tatsächlich mit dabei. Ich weiß nicht, ob du dir moralische Unterstützung mitgenommen hast, aber bei mir war es auch einfach aus dem praktischen Grund, dass sie eben zur Uni Siegen gehört und mir da die Räume auch zur Verfügung stellen konnte. Und sie hat das zum ersten Mal irgendwie erlebt, ja, ja, diesen ganzen Trubel, den es schon mal um mich gibt sozusagen, sonst halte ich ja eher Vorträge oder, ne, hier im Podcast bin ich, aber das, ja, findet ja auch nicht so vor ihren Augen statt. Ja. Auch ein ganz süßes Erlebnis. Sie ist dann auch immer rumgelaufen und hat ganz viele Videos und Fotos hinter den Kulissen gemacht sozusagen. Cool. Da konnte ich die auch direkt auf Instagram danach posten. Genau, habt ihr vielleicht gesehen. Ja, das war schon insgesamt eine sehr schöne und besondere Erfahrung. Ja, auch das glaube ich voll schön. Ja, aber ich konnte niemanden mitnehmen, also meine Katzen natürlich nicht. Und Thomas musste arbeiten. Deswegen, ja, aber voll schön, dass deine Mama mit war. Meine Mama begleitet mich jetzt im November nochmal zu einem Termin, also so einen Vor-Ort-Termin. Das ist für mich auch irgendwie nochmal was ganz anderes, als jetzt so mit einem professionellen Team und nur die und ich weiß nicht, wer der da sonst noch dabei ist und mir vielleicht nicht wohlgesonnen oder so. Deswegen bin ich ganz froh, dass in zwei Wochen dann auch Premiere ist. Ja, und meine Mama mich auch zu einem Termin begleitet. Das finde ich auch irgendwie richtig schön irgendwie, weiß nicht, so aus der Perspektive. Die Eltern werden ja auch älter und leben das Leben ja auch zum ersten Mal. Und sowas mitzuerleben ist ja auch voll interessant für die, sowas mal hinter die Kulissen zu sehen und so. Das glaube ich auch. Es hat uns aber auch ein bisschen auf Trab gehalten, so das ganze Wochenende. Irgendwie konnte ich gar nicht so richtig abschalten. Ich war in Gedanken immer bei diesem Dreh. Zum einen, was sage ich und zum anderen, was ziehe ich an? Ich weiß nicht, das ist irgendwie auch so eine Frage. Dann habe ich mich aber trotzdem immer noch ärgert über mich, weil ich so gedacht habe, wäre ich jetzt ein Kerl, ich glaube, ich würde mir gar nicht so viele Gedanken machen. Aber als Frau dann auf diese Art und Weise und auch mit einem kritischen Thema sichtbar zu sein, da war es mir schon wichtig, dass irgendwie ich mich in dem, was ich anhabe, wohlfühle oder dass das vielleicht auch nicht unbedingt kritisiert werden kann. Ich habe mich dann doch gegen das engere Oberteil entschieden und für ein weiteres, um irgendwelchen sexistischen Angriffen da vorzubeugen. Aber wie blöd eigentlich? Ich weiß nicht, wie ging es dir da? Mir geht es jedes Mal so, ich mache jedes Mal vor Dingen, die irgendwo länger online sind, mache ich schon auch immer einen Aufwand, weil ich weiß, Und das ist ja auch belegt durch Pretty Privilege, durch andere Sachen. Du darfst als Frau nicht zu schön sein, aber auch nicht zu unschön, um ernst genommen zu werden. Also ich habe dann vorher auch mir voll Mühe gemacht, habe dann extra nochmal die Haare gewaschen und mich geschminkt nochmal ein bisschen aufwendiger mit Eyeliner und so. Und ich weiß nicht, welche Frauen den Struggle teilen. Ich hasse Eyeliner, es ist so eine Hasslupe. Und sowas, damit man auch in der Kamera das dann besser sieht und Rouge und so, weil von der Kleidung her konnte ich jetzt nicht so viel rausholen an dem Tag, es war so kalt, ich hatte sogar meinen Wintermantel an und so einen richtig dicken Schal und so. Aber zumindest Make-up-Muster sitzen, weil ich wusste, sonst wird es irgendwie beurteilt und gerade so diese kritischen christlichen Stimmen werden dann sagen, ja, man sieht voll, dass sie gottlos ist, sie hat gar kein Strahlen, hätte sie Jesus, würde sie mehr, keine Ahnung, glauben und ich denke mir, wenn sie das glaubt. Ja, und genau solche Kommentare werden halt kommen, weil ganz viele leider fundamentalistische ChristInnen ja ihre eigene Frauenfeindlichkeit gar nicht aufgearbeitet haben. Ja, verstehe ich. Ja, doch kann ich sehr gut nachvollziehen. Und nachher war ich aber trotzdem unzufrieden damit, also wie ich da aussehe. Aber ich glaube, es gibt ja auch so einen Effekt, dass man sich, wenn man sich selber im Spiegel anschaut, sich anders wahrnimmt als die Menschen, die direkt vor einem stehen. Deswegen findet man sich auf Fotos ja auch immer irgendwie nicht ganz so schön oder fremd auf jeden Fall. Naja, es ist auch eine ganz spannende Erfahrung, sich selbst im Fernsehen zu sehen. Ich war super aufgeregt, als ich das dann gestern geguckt habe. Und ich war mir vorher gar nicht sicher, ob ich es mir überhaupt anschauen möchte und dann habe ich aber gedacht, doch komm, musst du eigentlich. Es ist ja vielleicht was Einmaliges, wer weiß. Und dann war ich aber so aufgeregt und habe gefühlt gar nichts mitbekommen von dem Beitrag und er war ja auch so schnell wieder vor mir. Hast du eine Webparty gemacht? Wie hast du es angeschaut? Ich habe natürlich Thomas direkt ab 19 Uhr spätestens rumgenervt. Das muss alles funktionieren. Wir müssen gucken, dass wir darauf zugreifen können und alles ausgecheckt, dass das dann alles läuft. Dann haben wir noch ein paar Minuten Doku von, keine Ahnung, ich weiß nicht, was wir da geguckt haben, auf Arte geguckt. Und dann ging der Beitrag los und das große Warten. Ja, wann komme ich? Wann komme ich? Wann komme ich? Und dann kamen irgendwann die Rechtsextremisten in Polen, ich dachte mir geht in die richtige Richtung und dann kamen wir. Ja, ist schon immer wieder eine krasse Erfahrung. Ja, das glaube ich. Aber für dich ja jetzt auch gar nicht die erste. Du warst ja schon ein paar Mal im Fernsehen. Ja, ja. Und da kommen noch ein paar Sachen. Also ich habe in den letzten Monaten so viel gefilmt und filmen dürfen. Also ich bin super dankbar, weil ich bin ja ausgestiegen aus einer Not heraus aus meiner Freikirche und ich rede darüber auch aus einer Not heraus, die ich leider immer noch sehe. Es ist nicht besser geworden. Im Gegenteil würde ich sagen, eher noch schlimmer. Und dass aber gerade das jetzt so ein sensibles Thema ist in Deutschland und Medien wirklich auch darauf aufmerksam bleibt und die Gesellschaft auch irgendwie merkt, okay, wir haben auch so ein Problem damit hierzulande, nicht nur die USA so über ein Teilchen weg, wir haben es hier vor Ort, das ist so ein Segen und ich denke mir die ganze Zeit irgendwie so ein, vielleicht doch ein göttlicher Twist, I don't know, Also ich will es nicht erhöhen und mir selber irgendwas einreden oder so, aber irgendwie hat das für mich schon so einen kleinen Esther-Moment zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, mit der richtigen Arbeit. Und deswegen, also ich fühle mich gerade einfach sehr, sehr richtig an dem Platz, an dem ich gerade bin und das fühlt sich sehr, sehr gut an, gebraucht zu werden. Ja, wie schön. Ja, richtig gut. Du hast ja auch einen schwierigen Weg schon hinter dir. Dann kann ich mir vorstellen, dass es sich jetzt umso besser anfühlt, dass du da ernst genommen wirst und das nicht nur von irgendwie Personen privat in deinem Umfeld, sondern auch von den Medien, die das ganze Thema in der Öffentlichkeit dann eben groß machen. Ja, das ist, glaube ich, nochmal eine ganz wichtige Bestätigung und ja auch eine super wichtige Arbeit, die du da immer wieder leistest. Ja Und ich finde, Marion, ich habe im Vorfeld ein bisschen auch schon natürlich drüber gesprochen. Ich finde, da passt auch gerade gedanklich ein bisschen die Frage rein, die du eben gestellt hattest. Magst du die nochmal wiederholen? Meinst du, wie man das Ganze biblisch legitimieren kann? Genau. Ja, es gab so einige Fragen, die wir im Vorfeld gestellt bekommen haben von der Reporterin, um uns so ein bisschen auf die Interviews vorzubereiten. Unsere Antworten oder die Fragen, davon haben es nicht so viele tatsächlich in den zweieinhalbminütigen Beitrag geschafft. Aber eine wollte ich unbedingt besprechen, weil die mich in der Vorbereitung und jetzt auch in den letzten Tagen total fasziniert hat. Und Daniela war eben auch schon Feuer und Flamme, als ich davon berichtet habe. Und zwar war das insgesamt von zehn Fragen, glaube ich, die zweite, die mir gestellt wurde, die ja dann danach gefragt hat, Wie sind diese Rollenbilder oder insgesamt dieses Weltbild, was da vertreten wird von ChristfruenserInnen, wie kann man das eigentlich biblisch legitimieren? Und aus dieser Frage habe ich so ein bisschen zum einen eine Distanz rausgehört, aber zum anderen auch eine sehr wohlwollende Einstellung dem Christentum gegenüber. So nach dem Motto, wie kann man überhaupt darauf kommen, solche Unrechtigkeiten aus der Bibel herauszulesen, wie sie da von ChristfruenserInnen verbreitet werden. Und ich finde diese Frage so spannend und war da so Feuer und Flamme für. Weil ich finde, das zieht auch ganz arg auf dieses Selbst-versus-Fremdbild von ChristluencerInnen ab, weil sie selber sehen sich ja in der Wahrheit, im Recht, in der einzig wahren Glaubensform und alles, was irgendwie nicht dem entspricht, das ist einfach nicht richtig gläubig und so. Weil sie halt denken, sie haben die biblische Legitimation auf ihrer Seite des Glaubens. Und da merke ich gerade in meiner Gotteserfahrung derzeit, ganz persönlich, nur für mich, ich erfahre Gott gerade auf meiner Seite und in meiner Art und Weise, wie ich das Christinnentum lebe, wie ich mein Glauben lebe, in Nächstenliebe, alle Menschen in mein Leben zu inkludieren, egal ob sie queer sind oder schwarz sind oder was auch immer. Was von die ChristInnen leider ganz oft eben ausgeschlossen wird oder schlecht behandelt wird. Und sehe da auch bei mir die biblische Legitimation irgendwie auf meiner Seite, auch wenn für mich die Bibel jetzt natürlich nicht mehr dieselbe Wichtigkeit hat persönlich. Mir wäre es jetzt nicht so wichtig, dass die Bibel mich legitimiert, aber gerade den Leuten, denen es wichtig ist, finde ich, fehlt doch eigentlich diese Legitimation, so ungerecht zu diesen Menschen zu sein. Und ich denke, wir wollen doch ein Zeugnis sein für die Menschen. Das heißt doch mal, hey, wir wollen ein Licht für die Welt sein. Aber wenn die Welt findet, ihr handelt nicht christlich, dann macht ihr doch irgendwas falsch, Leute, oder? Das ist ein Gedanke, der mich die ganze Zeit so beschäftigt. Ihr macht doch irgendwas falsch, wenn die Leute euch schon fragen, hey, wie könnt ihr das denn überhaupt christlich, biblisch legitimieren, was ihr tut? Und dann denke ich mir, also ich bin, glaube ich, für die Leute, die nicht gläubig sind, ein größeres Licht als ihr. Aha, ja. Das ist total interessant. Ich muss auch immer mal wieder daran denken, an den Früchten werdet ihr sie erkennen. Das ist eine Bibelstelle, die habe ich vor allen Dingen in den Freikirchen, die ich besucht habe, gehört. Und ich denke mir, die guten Früchte der Freikirchen, die bleiben da, weil sie sich wohlfühlen, weil sie kein Problem damit haben, sich den Normen dort anzupassen, weil es vollkommen in Ordnung ist in deren Weltbild sozusagen, dass queere Menschen eben ausgeschlossen werden oder Frauen sich Männern unterordnen sollen. Aber die schlechten Früchte, also alle Menschen, die dort diskriminiert und ausgeschlossen werden, die werden gar nicht mehr wahrgenommen, weil sie ja ausgeschlossen wurden. Also was für ein Zirkelschluss auch diese Art von Legitimation an sich ist oder ein Selbstüben. Würdest du das auch so sehen? Ja, also ich generell, wenn ich das heutzutage mit Distanz betrachten kann, also ich habe das ja selber mal so geglaubt. Ich war über zehn Jahre lang in der fundamentalistischen Freikirche, habe das selber auch so behauptet und wirklich stand da voll dahinter. Und jetzt heute mit dieser Distanz, denke ich, da waren so viele Widersprüche drin, so viele Zirkelschlüsse, so viele krude und hanebüchene Ausfolgerungen. Also weil das und das gegeben ist, muss das und das auch der Fall sein. Also das habe ich ganz, ganz oft gemacht. Ist mir dann erst im Nachhinein aufgefallen, das steht doch gar nicht in der Bibel. Warum interpretiere ich das und das noch da rein, obwohl das da gar nicht steht? Aber man nimmt ja die Bibel in Anführungszeichen wörtlich und irgendwie ist diese Interpretation in dem Wörtlichen mit gemeint. und so on. Und auch so ganz viel, ja einfach Diskrepanzen, kognitive Dissonanz, das ist ganz viel Thema eigentlich, aber man lernt halt, das einfach wegzudrücken, weil was nicht sein darf, das kann eben nicht sein. Und wie du gerade schon angesprochen hast, es ist so in sich geschlossen auf das System. Das ist immer so gefährlich. Ich scherze da immer so ein bisschen drüber, dass ich beschäftige mich ja in meiner Forschung auch viel mit deren Beiträgen und ich laufe hier und da schon mal Gefahr, das selbst zu glauben. Das ist so der Scherz. Aber es ist natürlich eine traurige Wahrheit, die dahinter steckt, weil die Argumentationen eben in sich sehr geschlossen sind und so ein Weltbild sehr konsistent erschaffen wird. Und dann kann man auch glauben, dass es auf jeden Fall christlich ist, dass Frauen schlechter behandelt werden oder schlechter gestellt werden als Männer, indem sie zum Beispiel ganz viel unbezahlte Arbeit machen müssen und dass das Gottes Wille sei. Mhm. Nee, würde ich sagen, ist aus meiner theologischen Perspektive nicht mit der Bibel zu legitimieren. Gleichzeitig, und das ist sozusagen meine Antwort auf die Frage, wie kann man das denn überhaupt christlich legitimieren, rufen wir uns auf die Bibel. Und die Bibel ist ein Text mit einer Geschichte, naja, voller Höhen und Tiefen, würde ich sagen. Ebenso wie auch die Ausleger in Höhen und Tiefen dann eben mitgebracht haben. Denn, ich gucke jetzt hier auch nochmal so in meine Notizen. Wenn wir uns die Bibel anschauen, dann ist sie in einem patriarchalen Kontext entstanden, über Hunderte, über Tausende von Jahren und vor allen Dingen von Männern. Also natürlich entdeckt die feministische Theologie auch Spuren mittlerweile oder immer mehr auch Hinweise darauf, dass Frauen an den Texten mitgewirkt haben. Aber es bleibt dabei, es ist in einem patriarchalen Kontext entstanden, von Männern wurden diese Erzählungen und Gesetze, Gleichnisse und so weiter entwickelt, tradiert, erst mündlich, dann schriftlich, wenn wir uns im Alten Testament bewegen, neu zusammengestellt, überarbeitet und nachher als Kanon festgesetzt. Da es damals so wenig wie heute Frauenquoten gab und vor allem noch weniger als heute, müssen wir davon ausgehen, dass da eben Frauen nicht dran beteiligt waren. Und somit hat die Bibel über Jahrhunderte, über Jahrtausende Männer privilegiert. Und somit ist es gar nicht so überraschend mit der Bibel und dem Christentum, was eigentlich für Nächstenliebe, Solidarität und Gleichwertigkeit steht, auch genutzt werden kann, andere Menschen zu unterdrücken. Und da ist jetzt Feminismus bzw. Antifeminismus ja gar nicht unbedingt das einzige Beispiel. Die Bibel wurde schon ja häufig als Machtinstrument missbraucht, um Kriege zu rechtfertigen, Kolonialismus zu rechtfertigen und ja, auch Antifeminismus. Und das finde ich manchmal ganz schwer auszuhalten. Also ich lese die Bibel, aber gleichzeitig bin ich mir auch bewusst, wozu diese Texte, die ich da lese, schon alles benutzt wurden. Ja. Und dann kommt halt wieder dieses, mir fehlt gerade das richtige Wort dafür, aber das Problem mit der Interpretation einfach ins Spiel. Wenn die Leute nämlich einfach die Bibel für ihre Agenda interpretieren, aber das als eine wörtliche, neutrale Interpretation darstellen, aber dabei ihre eigene Prägung mit hineininterpretieren und es halt nach ihrem Gutdünken auslegen. Und sich vielleicht auch ganz oft sind sich Leute dessen wahrscheinlich nicht bewusst, viele sind darin ja auch aufgewachsen und haben nie was anderes kennengelernt und haben auch vor allem kein Theologiestudium jetzt so von der Uni, wo sie es richtig gelernt haben, mit den Bibeltexten richtig umzugehen. Weil das habe ich auch nicht gewusst. Ich bin da reingerutscht und mir wurde immer gesagt, das ist der einzige Weg, wie wir damit umgehen mit diesen biblischen Texten. Und dann dachte ich mir, ja gut, das klingt logisch, geschlossenes System, machen wir so. Und ich habe es durch meinen heutigen Mann dann gelernt, wie ich mit den Bibeltexten umgehen kann. Und zwar historisch kritisch auch das zu lesen, im Kontext zu betrachten und nicht alles für bare Münze zu nehmen, was damals dort passiert ist, weil das waren andere Zeiten. Es waren auch ganz viele ungerechte Systeme, was du ja auch schon ausgeführt hast. Patriarchat kommt ganz arg durch. Und trotzdem wird die andere Interpretation als die wahre Bibelinterpretation dargestellt. Ja, es darf den Unconscious Bias drauf an. Also, dass wir einfach unbewusst unsere Voreinstellungen oder Vorannahmen auf die biblischen Texte oder auf die Auslegung davon auch projizieren. Also, dass wir einfach aus unserem heutigen Kontext diese Bibeltexte auslegen. Und ich finde das so krass, wenn wir, habe ich jetzt gerade gesagt, die Bibel würde wörtlich ausgelegt und eben dann als Legitimation benutzt, so wie es halt viele fundamentalistische Christinnen und auch die Christ-FluencerInnen machen. Dann benutzen wir quasi ich will nicht sagen, ja doch, dann benutzen wir das Argument so Gottes auf unserer Seite oder wir haben quasi die Wahrheit Gottes um das andere an Kontext auszublenden es ist doch eigentlich zumindest in meiner Wahrnehmung echt traurig diesen ganzen historischen Kontext und auch die Gewordenheit die Heiligen Schrift und die Prägung und den Segen und das Leid der damit in die Welt gekommen ist oder das damit in die Welt gekommen ist, dann auch auszublenden dadurch. Nur weil ich sage, das ist wörtlich von Gott so eingegeben, das radiert ja eigentlich alle aus, die irgendwie die Bibel ausgelegt haben. Auf diejenigen, die meinen eigenen Bias geprägt haben. Irgendwie ein weiter Bogen, den ich hier geschlagen habe. Ich hoffe, es ist nachzuvollziehen. Ja, voll. Zumindest für mich. Ich hoffe auch für die HörerInnen. Und dann ist vielleicht auch noch Selektivität ein Stichwort. Welche Bibelstellen werden denn als wörtlich angesehen? Das sind ja dann, wenn wir uns jetzt im Kontext von Christ-FrancerInnen bewegen, vor allen Dingen Bibelstellen, die man benutzen kann, um Homosexualität als Sünde abzuwerten oder insgesamt jegliche sexuellen Handlungen außerhalb von heteronormativen Beziehungen eben als nicht gottgefällig. Darzustellen oder eine insgesamt Heteronormativität zu prägen. Diese Selektivität, das ist auf jeden Fall auch was, was ich versucht habe, stark zu machen in dem Interview, was vielleicht aber nicht in die zweieinhalb Minuten reingeschafft hat. Ich habe jetzt in den letzten Wochen auch immer mal wieder auf Social Media, ich bin mir gerade nicht sicher, ob du es auch aufgegriffen hast, gesehen, so nach dem Motto, die Argumentation, ja früher wurde ja auch Sklavenhandel oder Sklaverei mit der Bibel, legitimiert oder auch, dass man seine Kinder schlägt. Aber heute sind wir uns ja alle einig, dass das eben nicht mehr richtig ist. Egal, was in der Bibel dazu steht, sozusagen. Hast du es auch mitbekommen oder hast du dazu auch was? Ich glaube, das mit dem Sklavenbeispiel, das hatte ich in einem Video drin, in dieser ganzen Milane und Christian-Almer-Sud-Debatte. Darauf wurde ich nämlich auch angesprochen, auf Milane. Ich glaube, vielleicht war das auch so ein bisschen der Auslöser, dass sie sich im Arte-Journal nochmal damit beschäftigt haben. Die Frage war auch, wie kann es denn eigentlich sein, dass eine, die so erfolgreich ist, auch als Model oder auch außerhalb der christlichen Bubble eben. Wie kann es sein, dass ihr solche Aussagen durchgehen lassen werden, dass man ihr die durchgehen lässt? Was wäre da deine Antwort? Also meine Antwort, also es ist jetzt natürlich stark runtergebrochen und vereinfacht, aber an ganz vorderster Stelle würde ich Pretty Privilege sagen. Weil sie sieht einfach schön aus, sie sieht nett aus und dann hat sie auch noch eine enorme Reichweite. Das kommt zu diesem Pretty Privilege dazu. Und ich habe das Gefühl, auch wenn ChristInnen das nicht wollen, auch vor allem solche Fundi-ChristInnen, da gibt es eine Zweckklassengesellschaft. Es gibt die Promis und es gibt das Normalfolk. Mit Promis wird ganz oft anders umgegangen als mit dem Normalfolk. Da wird irgendwie ganz oft nochmal mehr ein Auge zugedrückt, also auch was das Thema Scheidung und Wiederheirat angeht. Also Doppelmoral. Ja, wie interessant. Du bezeichnest es als Doppelmoral. Sie würden es vielleicht als Berufung bezeichnen, habe ich manchmal das Gefühl. Da sind wir wieder bei der Frage der Legitimation. Aber ich bekomme auch immer mal wieder, wenn ich Vorträge halte oder eben jetzt auch hier von der Reporterin vom Arte-Journal die Frage gestellt, ist das nicht eigentlich widersprüchlich, was gerade christliche, fundamentalistische oder TikTok teilen? Sie sagen, Frauen sollen sich unterordnen, sie sind für ein traditionelles Familienbild, dass die Frau eben zu Hause bleibt, bei den Kindern sich um den Haushalt kümmert, nicht arbeiten geht und gleichzeitig hängt an ihrem Creator-Innen-Dasein Jan Tutze. Krasser wirtschaftlicher Erfolg auch dran. Du hast es gerade eben schon angesprochen, nicht nur Pretty Privileged, was vielleicht auch nochmal ein Widerspruch in sich wäre. Es sollen ja die Frauen sich dann doch auch eher zurückhalten, kleiden und so weiter. Das sind ja auch immer alles so Narrative, die man ja in diesen Kontexten dann hört. Meine Antwort bisher auf diese Fragen oder meinen Ansatz, da irgendwie Sinn zu konstruieren oder das versuchen nachzuvollziehen, ist wirklich, dass sie sagen, wir sind halt aus der Welt sozusagen. Wir sind diejenigen, die da eine Ausnahme machen dürfen, weil wir halt so begabt sind, dass wir die Massen erreichen können. Und dann wird der Wert, dass viele Menschen durch sie zum Glauben finden, wird dann höher gehängt als die Normen zu Scheidung und Wiederheirat oder zur tatsächlichen Unterordnung der Frau. Ja, sowas hatte ich im Hinterkopf, als ich meinte mit diesen Bromis. Also denen wird dann irgendwie mehr Wert beigemessen, weil sie irgendwie dem Reich Gottes ja mehr bringen, in Anführungszeichen. Die würden das wahrscheinlich nie so ausdrücken, aber im Prinzip ist es ja das. Aber seit wann haben wir angefangen, das zu quantifizieren? Also, dass wir in Massen missionieren müssen? Ich würde sagen, es geht doch um einzelne Herzen zu Jesus zu führen. Das ist eine sehr fromme Formulierung. Was ich so ein bisschen aus meiner Freikirchen-Vergangenheit mitgenommen habe, aber auch in meiner landeskirchlichen Prägung ging es doch immer um den einzelnen Menschen. Der ist uns wichtig. Vielleicht ist das weniger fromm formuliert und eher etwas, was wir uns einigen können. Was für Dinge lassen wir Menschen durchgehen, die vermeintlich die Millionen missionieren? Inwiefern das tatsächlich jetzt Missionserfolge sind oder vielleicht auch Menschen, die schon immer irgendwie zur christlichen Bubble gehört haben. Sei mal dahingestellt, das kann man ja schlecht überprüfen. Wann haben wir damit angefangen, Missionserfolge zu quantifizieren und dadurch Dinge zu legitimieren und durchgehen zu lassen, die eigentlich wenig mit dem Christentum zusammenzubringen sind? Ich würde mal, also ich habe nur eine Vermutung oder einen Gedanke, der mir jetzt im Kopf ist. Ich habe dazu noch nicht viel im Detail nachgedacht. Aber was mir halt gekommen ist, ist, das ist ja auch ein Ding in Missionsgesellschaften teilweise, gerade so diese eher charismatischeren und teilweise, was ich halt viel aus Amerika mitbekomme. Also vielleicht ist das so ein Ding, was aus dieser charismatischen amerikanischen Bewegung auch wieder hier rüber geschwappt ist. Ich sage immer ganz scherzhaft, alles Schlechte kommt aus den USA. Leider auch theologisch. Also das ist natürlich jetzt übertrieben. Gemeint bitte nicht persönlich nehmen. Aber es würde mich zumindest nicht wundern, wenn es tatsächlich so wäre, weil meine persönliche Erfahrung spiegelt das auf jeden Fall wieder. Ganz viel, was ich an Theologie mitbekommen habe, die mir geschadet hat, kommt aus irgendwelchen fundamentalistischen theologischen Büchern von US-amerikanischen TheologInnen. Also wäre jetzt so mein Guess, aber ich bin mir auch nicht sicher. Das ist eine spannende Frage. Ja, ich habe überlegt, vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass man die FollowerInnenzahlen so gut einschätzen kann, obwohl ich mir da auch manchmal denke, du weißt ja gar nicht, ob es Menschen sind, die jetzt wirklich den folgen, weil sie mit den Menschen übereinstimmen, mit den Meinungen, die da vertreten werden oder ob das eine Art von Voyeurismus ist, der da ausgelebt wird. Das ist ja auch ganz spannend, das einfach zu verfolgen, was die da so immer wieder ins Netz stellen. Ja, wobei ich das heutzutage aus meiner Perspektive, ich suche meinen Seelenfrieden auch auf Social Media. Ich folge eigentlich nur Sachen, die ich sehen will, mir guttun oder so oder Mehrwert haben. Und ich denke mir, warum macht man das? Warum beobachtet man Sachen, die man Kacke findet oder Hatewatch? Warum macht man das? Ich verstehe es nicht, aber das ist ein anderes Thema. Nee, verstehe ich gut. Ich muss da auch immer mal wieder schauen, dass ich da rauskomme, wenn ich so einen ganzen Tag in meinen Forschungsdaten verbracht habe. Sich vor allen Dingen aus Postings von ChristfrancerInnen abneiden. Du hast jetzt schon die USA angesprochen. Da ging es in meinem Gespräch oder in meinem Interview auch so ein bisschen in die Richtung. Ich wurde gebeten, einen Vergleich anzustellen zwischen den USA und Deutschland. Ich muss sagen, das ist gar nicht mein Fachgebiet. Jetzt hätten wir Anna-Kira Hippert hier gebraucht. die hätte da sicher noch mal viel mehr, Shoutout an sie. Ja, genau. Große Vermissung hier. Aber ich glaube, da gibt es gerade promotionstechnisch wichtigere Dinge als diesen Podcast. Siehst du da Unterschiede zwischen den USA und Deutschland? Du hast es ja gerade schon mal so ein bisschen angedeutet. Also ich hatte es im ARTE-Beitrag auch, das wurde ja tatsächlich reingeschnitten. Warum ich meine Aufklärungsarbeit mache, war so die Rahmenfrage oder warum ich die noch weitermache, warum ich immer noch ermutigt bin, das zu machen. Und ich habe im Beitrag dann gesagt, weil ich tatsächlich noch Hoffnung habe, dass wir hierzulande die Kurve kriegen, weil es eben bei uns noch nicht der Fall ist, wie jetzt in den USA, dass bei uns die Evangelikalen und Fundis ganz oben in der Regierung mitmischen und mitregieren und so einen starken Einfluss haben, wie es in Amerika ja gerade der Fall ist. Also in den USA, da sehe ich tatsächlich eben auch den Unterschied. Also wir haben hier... Den stärker werdenden Einfluss, den Tief, also es war jetzt ja auch vor ein paar Wochen, da war diese eine Brediger aus Frankfurt auf einem Parteitag von der AfD oder sowas, ganz skurril und gruselig natürlich, aber die AfD ist ja a, Gott sei Dank noch keine Regierungspartei bei uns und b, in der Regierung sitzen zumindest jetzt keine von diesen lautstarken christlichen Fundi-Stimmen, die wir so kennen. Mein Worst-Case-Szenario wäre so ein bisschen, dass tatsächlich so Leute mit einem starken Einfluss wie der Ketzer und dann Alice Weidel dann irgendwann zusammenarbeiten und Alice Weidel halt in der Regierung und so und der Ketzer befördert das alles online. Also das ist so ein Worst-Case-Szenario, aber das haben wir ja zum Glück noch nicht und deswegen habe ich noch so ein bisschen Hoffnung, dass wir das hinkriegen und dass das nicht der Fall ist und das ist eben aktuell, finde ich, noch der Unterschied, den wir haben, Gott sei Dank. Ja, obwohl dann ja auch immer so ein bisschen die Frage ist, wie lange noch? Und auf der anderen Seite, was tragen genau solche Fernsehbeiträge auch dazu bei, dass die so gut gemacht werden? Das ist ja immer die große Frage, wie klären wir auf, ohne Werbung zu machen? Da haben wir jetzt intern bei Schönerglauben auch heute schon kurz zugeschrieben. Vielleicht machen wir da auch nochmal eine separate Folge zu, habe ich gedacht. Aber ja, dadurch, dass quasi viele Medien, viele unterschiedliche Formate im Fernsehen jetzt auch Christfrancer interviewt haben oder das immer wieder aufgreifen, viel direkter als es jetzt im Arte-Journal der Fall war, werden die ja auch auf eine Art Plattform gehoben oder als wichtig sozusagen markiert oder damit dann auch anerkannt. Und zahlenmäßig hält sich das ja alles noch im Rahmen. Also wenn wir jetzt diese 90.000 Follower ungefähr uns anschauen, die ja jetzt zum Beispiel Jasmin oder auch Jana haben, dann geht das noch. Ich meine, Ketzer der Neuzeit mit seinen YouTube-Follower macht mir da schon ein bisschen mehr Sorge, aber auch das, würde ich sagen, ist noch eher im Rahmen im Vergleich zu den USA, wo es ja doch nochmal zahlenmäßig ganz andere Ausmaße annimmt. Ja. Ich finde es deswegen sehr, sehr gut, dass sie dich interviewt haben und nicht tatsächlich die Protagonistin sozusagen, die christlich-fundamentalistischen und rechtspopulistischen AkteurInnen. Ja, und ich finde, also die Frage, die du gerade auch angeschnitten hast, ohne die jetzt tief ausführen zu wollen, ich finde das aber auch eine spannende Frage, wie lösen wir diese Dilemmasituation irgendwie darüber aufklären, ohne denen Werbung zu bringen. Das war zum Beispiel auch bei der ProSieben-Doku so ein Learning, was da ja auch rauskommt, hey, den nutzt das ja etwas, dass wir über sie reden und auch sie so irgendwie auf einen Podest heben. Weil sie haben dann das Narrativ auch irgendwie in ihrer Bubble wieder auf ihrer Seite, wir armen fundamentalistischen Christen, wir werden verfolgt und uns wird von Unrecht getan. Also sieht man ja auch aktuell sehr gut wieder in den Storys von Leo zur Bibel, wie sie dann sagt, oh, hier in den USA ist alles so toll, christliche Läden. Und ich denke dann schon, in Deutschland würden alle nach dem Verfassungsschutz schreien. Und ich denke mir, alter Schwede. Also was das für ein... Ach, also alles daran ist einfach falsch und krude, aber das hilft denen natürlich und gerade solche Berichte, wo dann deren Namen genannt wird, zahlt wieder auf dieses Narrativ ein und sie kriegen kostenlos Werbung, weil für die gibt es ja auch irgendwie keine negative Presse, weil negative Presse ist nur eine Bestätigung ihres Weltbildes und also ganz viel, was mir Sorgen macht und gleichzeitig irgendwie muss man zumindest über die Inhalte sprechen. Vielleicht kriegt man irgendwann es besser hin, dass man die Inhalte thematisiert und inhaltlich zerlegt, ohne Namen zu nennen, damit die nicht so eine Werbung kriegen. Aber ja, einfach eine schwierige Situation. Ja, denke ich auch auf jeden Fall. Ja, ich weiß nicht, wollen wir noch den Vergleich ziehen von der ProSieben-Doku zum Arte-Journal? Also ich meine, es ist natürlich eine ganz andere Größenordnung. Aber was jetzt so, ich sage mal, das Erlebnis hinter den Kulissen angeht, war es für mich doch ein deutlicher Unterschied. Ich wurde tatsächlich auch für die ProSieben-Doku interviewt, aber später dann nicht reingeschnitten. Aber ich habe schon bestimmt eine Stunde oder so mit Thilo Mischke damals telefoniert. Aber vielleicht erzählst du einfach mal kurz, kann man das vergleichen? Hat man da irgendwie einen Unterschied gemerkt? Du hast es jetzt gerade schon so ein bisschen aufgemacht. Die ProSieben-Doku hat den eher genutzt und jetzt hier war der Fokus doch ein bisschen anders. Ich glaube auch der Wissensstand, man merkt, dass wir jetzt einfach ein Jahr später sind und in dem einen Jahr ist sauviel passiert, also in den USA, aber auch hierzulande. Und man merkt, dass was in der Doku damals bei ProSieben noch so kritisch auf Amerika blickend gezeichnet wurde und nur so beobachtend geschildert wurde. Scheiße, das ist hochaktuell und das haben wir hier auch, dieses Problem. Und ich finde, der Arte-Beitrag spielt das sehr gut wider. Es wird nicht so als ein Problem, das wir kriegen könnten, behandelt, sondern hey, wir haben dieses Problem hier. Und das ist auch ein Problem, beziehungsweise es könnte zum noch größeren Problem werden. Und genau, ich finde, das habe ich persönlich, wenn ich so beides versuche zu vergleichen, das merkt man irgendwie. Ja. Ach, wie spannend. Ich hatte so ein bisschen das Gefühl, man merkt schon die Unterschiede auch zwischen öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Privatfernsehen so in der Produktion, wo jetzt irgendwie Themenschwerpunkte gesetzt wurden oder so ein bisschen auch, das heißt mein persönlicher Eindruck, hatte ich das Gefühl, dass es für ProSieben ein bisschen reißerischer sein darf als fürs Arte-Journal. Aber vielleicht hast du da andere Erfahrungen gemacht. Ich weiß es nicht so ganz. Ich finde es aber auch sehr wichtig, ja, da einfach selber nicht diese zu reißerischen oder auch zu schwarzmalerischen, schwarzmalenden, wie sagt man denn, Szenarien eben aufzubringen. Also Gefahren schon auch klar benennen, vor allen Dingen inhaltlich, wie du gesagt hast, aber gleichzeitig das nicht noch mehr zu befeuern, denn wir sprechen das sonst auch ins Dasein. Also ich habe mich sehr über den Arte-Beitrag gefreut, dass du da eben da bist, weil es ja eben zeigt, das ist nicht irgendwie die Endstation. Also wir ChristInnen müssen nicht zwangsläufig im Fundamentalismus enden sozusagen. Oder selbst wenn da schon sehr viele von überzeugt sind oder zumindest scheint es gerade so, gibt es trotzdem Wege daraus. Das war für mich irgendwie das einfach sehr Besondere an diesem Arte-Journal-Beitrag, wodurch er sich in meinen Augen von der sonstigen Berichterstattung, die wir im letzten Jahr gesehen haben, im TV abhebt. Hebt. Ich fand es auch tatsächlich im Interview eine richtig coole Situation, an die ich gerade denken muss, weil Leonie hatte mich dann auch gefragt, ähm. Weil ich bin aus meiner Freikirche ausgestiegen, weil ich geistlichen Missbrauch erlebt habe und das auch natürlich über Jahre hinweg durch die Lehre, die auch ganz oft einfach missbräuchlich war, aber auch durch einzelne Events eben in der Freikirche. Und nach all dem Erlebten hat sie dann auch gefragt, ja wie ist es denn eigentlich gekommen, dass ich jetzt heutzutage immer noch gläubig bin, weil das ist ja schon irgendwie, das sticht heraus. Es ist nicht selbstverständlich. Ganz viele sagen ja dem Glauben dann ab und bezeichnen sich auch gar nicht mehr irgendwie als christlich und sowas. Und ich mache das ja noch. Das ist ja meine Selbstbezeichnung. Da ist mir so auch wieder so ein Moment gekommen, also ich weiß nicht, vielleicht ist das tatsächlich, also ich kann es mir selber nicht erklären, warum ich heute noch glaube. Per hat das mal irgendwann mir gesagt, das ist mir auch im Kopf geblieben, der Glaube ist ein Geschenk. Und vielleicht ist das tatsächlich so ein bisschen meine göttliche, spirituelle Erfahrung mit Gott, dass ich heutzutage immer noch glaube und es nicht beim, okay, ich sag dem Glauben jetzt ab, stehen geblieben ist oder bei der Krise, die ich hatte, sondern ich glaube wieder, nur halt anders. Also irgendwie... Eine coole Gotteserfahrung, finde ich. So ein cooler, spiritueller, göttlicher Moment. Ja, auf jeden Fall. Ja, und damit prägen oder ändern wir eigentlich dieses Narrativ auch zum Positiven wieder, finde ich. Also, ja. Und vielleicht sind wir damit dann auch schon wieder bei der Frage, wie kann man sowas überhaupt christlich oder biblisch legitimieren? Wir sind der Meinung, gar nicht, oder? Ja. Ja, dann würde ich sagen, lassen wir das doch als Schlussworte gelten. Oder hast du noch was zu ergänzen? Also ich würde einfach nur sagen, schön, dich mit mir im Beitrag gehabt zu haben. Ich fand, du hast das sehr gut gemacht und ich habe mich darüber sehr gefreut, dass gerade wir beide da drin sind. Und ich hatte einen auch super witzigen Moment mit Thomas. Aber warte, die Marie, das war doch die, mit der du mal so einen Instagram-Live-Talk gemacht hast. Das fand ich richtig schön, dass Thomas das dann auch noch so wusste und einordnen konnte. Also ich weiß nicht, einfach so nochmal so einen positiven Moment so in der gemeinsamen Erfahrung fand ich einfach richtig schön. Ja, einfach ganz persönlich. Das stimmt, da kann ich mich nur anschließen. Und jetzt haben wir noch einen geschaffen mit dieser Podcast-Folge. Das stimmt. Ja, dann danke, dass du da warst und danke an euch fürs Zuhören. Ich hoffe, wir konnten euch spannende Einblicke hinter die Kulissen geben, wie so ein Beitrag entsteht. Zumindest aus unseren Perspektiven, die wir interviewt wurden. Und ja, ich hoffe, ihr konntet euch auch ganz viel Hoffnung mitnehmen von Daniela. Das mache ich auf jeden Fall heute Abend. Danke schön. Bis zum nächsten Mal. Tschüss. Dieser Podcast ist Teil des Ruach-Jetzt-Netzwerks. Die Musik stammt von Postlob.