Hey Leute, vielen Dank, dass ihr wieder eingeschaltet habt bei Schöner Glauben. Wir möchten progressive Stimmen zusammenführen, einander empowern und uns für mehr Solidarität einsetzen. Glaube in Schön also. Wenn du mehr wissen oder uns unterstützen willst, findest du alle Infos auf www.schönerglauben.jetzt, Hallo zusammen, herzlich willkommen bei Schöner Glauben. Mein Name ist Jason und heute mache ich eine Solo-Folge. Und bevor ich da jetzt loslege mit dem, was ich euch mitgebracht habe, ein paar Ansagen. Und zwar wird der Herbst dieses Jahr recht triebsam oder umtriebig, wie sagt man? Umtriebig ist wahrscheinlich das Richtige. Und zwar jetzt am Wochenende geht es schon los mit einer ersten Live-Veranstaltung. Da gibt es am 6. und 7. September das RevLab Festival in Zürich. Und Schöner Glauben ist mit dabei. Und zwar werden die Sarah und ich da einen Live-Talk halten. Wir haben den inhaltlich schon so vorgedacht. Und ich sage nicht zu viel, es wird ziemlich auf die Fresse. Es gibt ordentlich Tiefgang und vielleicht auch ein bisschen Kontroverse, je nachdem. Dann gibt es am Sonntag außerdem noch einen Workshop. Wir werden da zum Thema, wie macht man eigentlich einen Podcast, einen Workshop geben. Das Schöne ist, dass beim RefLab Festival die meisten Veranstaltungen, so wie ich das sehe, einzeln gebucht werden müssen und dann ist halt, wer ein Ticket hat, kommt rein. Bei uns wird es so sein, dass das kostenlose Veranstaltungen sind. Also sprich, solange wie Sitzplätze da sind, dann kommt gerne rum und seid dabei. Ich glaube, dass das Festival wirklich sehr schön wird. Ich habe mal das Line-Up gesehen und habe natürlich mit den Veranstaltenden, vor allen Dingen mit Evelyn Baumberger, schon ein bisschen gesprochen. Wahnsinn, was die da reißen. Ich glaube, ich habe noch nie an einem so gut durchdachten und guten, geplanten Festival teilgenommen. Also das hat wirklich schon so Kirchentagsformat, finde ich. Also ich finde, es ist wirklich sehr, sehr cool vorbereitet. Das wird richtig gut. Dann 1. und 2.11. Bin ich in Konstanz. Da ist noch nicht ganz klar, ob noch jemand aus dem Team da zustoßen wird, aber der Termin steht. Und Ben Barkic und die White Church haben eingeladen. Und ich glaube, das wird auch nochmal so ein kleines, progressives Klassentreffen in der Gegend da unten. Weitere Infos werden da noch folgen. Aber da können wir schon mal die Augen offen halten. Dann nochmal zwei Wochen später, am 14. bis 16. Bin ich in Keltern. Das ist in der Nähe von Karlsruhe. Da gibt es ein paar Leute, die den Podcast hören und die Lust haben, was zusammen zu machen. Auch da wird es demnächst noch mehr Infos geben. Wird, denke ich, auch eine sehr schöne Veranstaltung. Ja, dann haben wir das erst mal. Und jetzt, ich würde gerne mit euch über progressiv Glauben sprechen und komme ein bisschen daher, dass ich mir in letzter Zeit so ein paar wirklich grundlegende Gedanken nochmal gemacht habe. Und eine Feststellung, die ich gemacht habe, ist, dass ich merke, dass ich vielfach mit bestimmten Glaubensformen immer noch fremde. Okay, so jetzt ist es natürlich so, man kennt das ganze Thema Dekonstruktion, das ist es aber tatsächlich nicht, weil ich glaube schon, dass ich sagen würde, dass ich natürlich immer nochmal dazulerne und so, aber ich erlebe jetzt nicht so eine tiefgreifende, da bricht was weg oder da verändert sich was oder muss sich neu anpassen oder meine Beziehungsgefüge verändern sich oder sowas. Das ist gerade alles gar nicht so das Thema, was sonst ja bei Dekonstruktion eher so das Thema ist. Für mich ist es mehr so, dass ich merke, dass die christliche Religion und ihre Ausdrucksformen häufig für mich da auch noch keine Nische haben. Und das ist so ein bisschen so, da habe ich drüber nachgedacht und ja, da soll es heute so ein bisschen drum gehen. Für mich ist das so eine Art Zwischenbilanz und da möchte ich euch so ein bisschen mit reinnehmen, was sind so die Dinge, die für mich, was Glauben angeht, da wichtig sind, was ich für mich neu entdeckt habe Und dann aber vielleicht auch deutlich machen, warum es mir schwerfällt in vielen Kontexten. Und ich habe lange nachgedacht tatsächlich, ob ich sowas überhaupt mache, weil manchmal ich so den Eindruck habe, dass wenn man über Glauben spricht, dann sollte man vielleicht nicht so den Leuten direkt unter die Nase binden, wie progressiv oder so man wirklich ist. Ich weiß nicht, ob ihr dieses Gefühl kennt, aber mich beschleicht das häufig und das kommt sicherlich so ein bisschen daher noch aus so einer... Vielleicht eher evangelikal geprägten Zeit bei mir, wo das tatsächlich auch so war. Also ich habe mal bei einem evangelikalen Arbeitgeber gearbeitet und habe da auch als Teil des Arbeitsvertrages zum Beispiel diese Erklärung der Evangelischen Allianz unterschrieben. Und dann macht es einfach auch Sinn, dass man dann guckt, also was man glaubt, ist ja die eine Sache, aber wie man es dann öffentlich auch zum Besten gibt, das ist dann so eine andere Sache. Und diese Diskrepanz, die hat sich so ein bisschen bei mir eingeschlichen und es ist sicherlich nicht so, dass ich heute dann noch in Kontexten bin, wo das ein Thema ist, aber ich habe dann so in der Vorbereitung nochmal gedacht, ey meine Güte, das ist mein Podcast, ich kann dir sagen, was ich will. Aber trotzdem, dieses Gefühl auf eine Weise ist immer noch da. Ist halt so, wie es ist. Aber da komme ich so ein bisschen her und da möchte ich jetzt nochmal auch vielleicht einfach für mich selber reflektieren, wo stehe ich eigentlich gerade? Was ist so die Zwischenbilanz meines Weges? Diese Fremdheitsgefühle nochmal so ein bisschen einsortieren und dann vielleicht gibt es auch ein paar Perspektiven. Und ich sage direkt dazu, es wird demnächst ja die Aufnahme geben vom Live-Podcast in Zürich. Da werden Sarah und ich auf jeden Fall über ein paar Dinge reden, die das, was ich heute sage, eigentlich auch weiterdenken. Nochmal anders, aber es wird so ein bisschen so eine, ja, man könnte vielleicht Zusammenhänge herstellen. Okay, für mich das Erste. Ich habe mich gefragt, wie ich da anfangen kann. Und es macht für mich Sinn zu sagen, das Erste ist eigentlich die Frage, wie sich Glaube für mich herleitet. Also was ist mein Weg zum Glauben? Und das hat sich tatsächlich sehr stark geändert. Früher waren meine Zugänge sehr stark apologetisch. Also Apologetik bedeutet ja Verteidigung des Glaubens. Und das hat damals bedeutet, ich habe Bücher gelesen von Menschen, die mir Argumente präsentiert haben, Um zu sagen, das was in der Bibel steht ist wahr, ist eine überlegene Wahrheit gegenüber allen anderen Wahrheitsansprüchen, sowas wie Wissenschaft oder die eigene Erfahrung oder das was andere Menschen so von sich geben, Philosophie und so weiter. Aber Apologetik möchte dann sagen, wir können logisch herleiten, wir können beweisen sogar, dass das, was in der Bibel steht und der Gott der Bibel, dass das rational wahr ist. Und das ist schon wirklich ewig lange her, aber trotzdem ist es so, dass überall merke ich immer mal wieder, dass so eine Grundstruktur eigentlich auch in eher liberalen Kreisen eine Rolle spielt. Also wenn ich durch TikTok swipe, dann sehe ich manchmal irgendwelche extrem progressiven, meist amerikanischen Pfarrer, die dann mit Regenbogenschal dann irgendwelche Videos machen, wo sie dann erzählen. Also bis zum Jahr 1946, keine Ahnung, ob es das Jahr war, stand das Wort Homosexualität nicht in der Bibel. Und das stimmt, aber ich merke, dass ich so ein Befremdlichkeitsgefühl habe. Und das ist weniger in der Sache an sich. Also das mag ja schon stimmen, dass es dann irgendwelche Menschen gegeben hat, die Bibeln übersetzt haben und damals dann gesagt haben, es wäre vielleicht nicht schlecht, wenn wir jetzt nicht mehr, keine Ahnung, Knabenschänder sagen, sondern jetzt sagen wir Homosexuelle, weil das mehr in unser Weltbild passt, kann alles sein. Für mich ist aber mehr der Punkt, der sich daran anschließt, nämlich, dass man sagt. Ja und seht ihr, die Bibel kann doch wahr sein und mit unserem Weltbild zusammenhängen und so haben wir doch wieder eine Glaubensgrundlage, auf die wir verweisen können. Und damit ist man eigentlich wieder in so einer apologetischen Struktur, wo man am Ende seinen Glauben auf die Bibel gründen will und nach Beweisen sucht, dass das auch so stimmt. So, in dem Fall ist es halt ein bisschen herausfordernder, weil ja auch die gängigen Interpretationen in weiten Teilen des Christentums halt davon reden, dass... Ja, Homosexualität, Queersein, Vogue und das alles, das ist ja alles, wird ja alles ganz, ganz kritisch gesehen. Aber die Grundstruktur, das ist das, was mich eigentlich noch mehr beunruhigt. Und ich merke, dass sich von dieser Grundstruktur zu lösen, für meinen Glauben sehr, sehr essentiell ist es total wichtig. So, was bedeutet das? Ich habe also nicht mehr diese apologetische Grundstruktur. Ich versuche nicht mehr zu gucken, dass das, was ich glaube, möglichst das ist, was in der Bibel steht. Ich versuche auch nicht mehr zu gucken, dass ich sozusagen die beste, die richtigste Bibelinterpretation habe, um meinen Glauben zu begründen und dann vielleicht auch noch anderen Wahrheitsansprüchen überlegen zu sein. Diese Grundstruktur, die lasse ich wirklich hinter mir und ich bin stattdessen einer anderen Grundstruktur auf der Suche oder bin da unterwegs. Und das ist nämlich die Frage, welche Funktion hat Glaube? Das ist eine Frage, die ich sonst eher aus der Religionswissenschaft oder Philosophie kenne. Und ich habe das vor einiger Zeit mal auf Social Media gesagt und da hat tatsächlich eine Person geschrieben, hey, was soll denn das heißen, Funktion von Glaube. Und ich habe tatsächlich nicht geantwortet, hatte einfach gerade nicht die Gelegenheit und dann ist es irgendwie untergegangen. Deswegen jetzt einmal kurz meine Erklärung. Was meine ich damit? Funktion von Glaube. Auch da beobachte ich wieder. Ich gucke, was Menschen so machen, wenn sie glauben, was sie erzählen, was sie wichtig finden, wenn es um Glauben geht und so weiter. Und ich habe den Eindruck, dass wenn man es runterbricht, wenn man es auf die Grundessenz runterbricht, dann scheint es mir so zu sein, dass diese Menschen glauben, weil dieser Glaube ihnen eine gewisse Entlastung verspricht. Ein Beispiel könnte sein, wenn Menschen mit der Klimakrise konfrontiert sind und merken, das kann hier wirklich schwierig werden, dann können sie nicht mehr. Ist eine Funktion von Religion dann zu sagen, ja, aber wir glauben an einen allmächtigen Gott, der es für uns am Ende reißen wird. Wir können um Schutz beten, dieser Gott wird uns bewahren und selbst wenn es hart auf hart kommt, wenn wir sterben sollten, wir werden auferstehen, wir haben ewiges Leben und das entlastet eigentlich von dem Gedanken der Vergänglichkeit. So, und dass Religion diese Funktion hat, das habe ich mir nicht ausgedacht, sondern das ist tatsächlich in der Religionswissenschaft und in der Philosophie ein recht alter Hut. Wahrscheinlich kann man sagen, einer der prominentesten VertreterInnen dieser Idee ist der Sigi Freud, der damals tatsächlich gesagt hat, dass Religion entlastet vor dem Gedanken der Vergänglichkeit. Und mein Befremdlichkeitsgefühl ist, dass ich denke, ja, das ist doch eigentlich eine Art, ja, die ich für mich nicht mehr redlich finde, das kann ich so nicht mehr vertreten. Ja, sicherlich spielt da auch nochmal diese Idee von der Projektionshypothese rein, Das ist dann ja der andere Siki, der Sigmund Freud, der, Quatsch, der Ludwig, der Feuerstein, der es gesagt hat. So, der Feuerstein, der war der mit der Projektionshypothese. Also der sagt ja im Grunde, wir Menschen haben ein Bewusstsein und das sagt uns, dass wir in einer gefährlichen Welt leben, wir können sterben, wir sind vergänglich. Und dann stellt man sich halt etwas vor, was unvergänglich ist. Wir können die Erfahrung machen, dass wir schwach sind, dass es Ohnmacht gibt. Also stellen wir uns ein Wesen vor, was unvergänglich ist. Allmächtig ist, was übermäßig ist. Wir merken, dass wir Menschen fehlbar sind, dass wir Schwächen haben, dass wir schuldig werden, dann stellen wir uns ein Wesen vor, was unendlich gut ist und so weiter. Also diese Projektionshypothese, wo wir als Menschen Defizite haben. Da projizieren wir in den Himmel sozusagen ein Überwesen und das ist die Idee der Projektion. Und ich merke, dass das für mich eine Bewältigungsstrategie ist, um mit dem Leben fertig zu werden, die für mich nicht funktioniert. Das kommt einmal daher, dass ich mich viel mit Prozesstheologie auseinandergesetzt und da wird diese Idee des Allmächtigen Gottes tatsächlich sehr stark infrage gestellt. Ich habe da ein Buch zugeschrieben, Gott kann auch nicht alles. Das ist für mich tatsächlich eine sehr, sehr wichtige Idee. Und dieses Überwesen, dieses Superwesen eines allmächtigen Gottes, das als, wenn man es auf die Funktion von Glauben hin befragt, ist das halt eine Bewältigungsstrategie. Und für mich ist das eine Sache, da funktioniert es für mich nicht mehr, auch weil ich diese Art von Bewältigung gar nicht mehr möchte. Ich merke, dass das mit so verschiedenen Dingen einhergeht. Man kauft sich da Dinge ein, die ich schwierig finde. Da kann ich vielleicht auch nochmal kurz erklären. Ich habe jetzt auf dem Kirchentag da mit Ira Schneider, Grüße gehen raus, die hat mir da nochmal einen sehr spannenden Punkt genannt und zwar, der Punkt ist der, wenn wir Menschen mit bestimmten Emotionen oder mit bestimmten Situationen konfrontiert werden, die schwierig sind, die krisenhaft sind, dann löst das in uns gewisse Gefühle aus. Und das ist auch gut so und es ist auch gut, diese Gefühle zu fühlen und auf eine Weise zu verarbeiten. Und das, was schwierig ist, ist, wenn diese Gefühle, Gefühle aber ersetzt werden, sie nannte das, das ist eine Affektsubstitution, das ist wohl der Fachbegriff, also wenn Gefühle ersetzt werden, also zum Beispiel Angst oder Trauer, wenn die ersetzt werden durch ein eher positives Gefühl. Und ich glaube, das genau kann passieren, wenn Glaube diese Entlastungsfunktion übernehmen soll. Ja, dann erlebe ich vielleicht nicht diese Angst vor der Klimakrise, sondern lass mich da beruhigen und bekomme ein anderes Gefühl, wenn ich vielleicht denke, ja Gott hat schon einen Plan, Gott schon hat alles in seiner Hand, das wird schon irgendwie. Und so möchte ich eigentlich nicht leben. Ich möchte die Dinge, wie sie sind, schon so wahrnehmen und das auch fühlen, was ist. Ein weiterer Grund, ich glaube, dass diese Idee, dass Religion entlastet, auch eine bessere Erklärung ist, warum wir so viele Religionen haben. Also die Geschichte könnte man ungefähr so erzählen. Zellen. Irgendwann im Laufe der Evolutionsgeschichte hat sich einer unserer Vorfahren oder eine so weit entwickelt, dass sie diesen Frontallappen, den Neokortex ausgebildet haben. Das bedeutet, da ist jetzt im Gehirn die Fähigkeit entstanden, dass man, Dinge antizipieren kann, die kommen würden. Also sprich, der Mensch kann sich dann seiner selbst bewusst sein und wird dann auch mit dem Bewusstsein konfrontiert, mit diesem schockierenden Bewusstsein, dass man sterben wird. Und dann hat sich eben die Idee entwickelt, so wie das dann der Freud oder Freund der der Höfe, der Feuerbach oder Freud oder wie sie alle heißen, wie die sich das gedacht haben, Projektionshypothese oder eben Religion als Entlastung. Das ist dann entstanden, dass Menschen also angefangen haben, Religion zu entwickeln, weil es ihnen geholfen hat, mit diesem Schock des Todesbewusstseins umzugehen. Ich weiß, in der Religionswissenschaft werden heute auch andere Theorien dargestellt, aber dafür haben wir ja Leute im Team, die das auch studiert haben, die können das dann mal machen. Grüße gehen raus. Also von daher, für mich diese Entlastungsfunktion, das möchte ich so nicht mehr. Ich suche also, wenn es um Religion geht, nach einer anderen Funktion. Ich brauche ein anderes Warum. Warum ich überhaupt glauben möchte. Und für mich hat das stärker etwas mit meiner Suche nach Inspiration, nach Sinn zu tun. Also, dass die Dinge, die ich tue, dass die für mich Sinn ergeben, dass ich Selbstwirksamkeit erleben kann und dass ich mein eigenes Leben übereinander kriegen kann mit positiven Werten, die mir wichtig sind. Also, für mich ist es weniger eine Entlastung, sondern für mich ist es ein Tool für Inspirationen. Für Sinnhaftigkeit. Es heißt, es ist ja auch nicht so, dass für andere Glaubende diese Sinndimension keine Rolle spielt. Das würde ich nicht sagen. Ich bin ja jetzt stärker von mir ausgegangen, dass ich gesagt habe, für mich war es früher auch eher eine Entlastungsfunktion. So bin ich drangegangen, so habe ich es kennengelernt. Sondern heute ergibt das für mich weniger Sinn. Also Glaube eher mit einer anderen Funktion. Und grundsätzlich ist das aber auch die Brille, mit der ich erstmal auf Glaube gucke. Also die Frage nicht, ob das, was ich glaube, mit der Bibel vereinbar ist, sondern die Frage, welche Funktion hat das also? Das ist für mich eine neue Frage, neuer Zugang, eine neue Herleitung des Glaubens. Nächster Punkt. Was sind dann Dinge, die mir wichtig geworden sind, die für meinen Glauben dann so eine Grundstruktur gegeben haben? Und da bin ich unter anderem bei Paul Ricoeur, auch bei anderen Leuten wie Tillich und anderen bin ich auf die Idee gekommen, dass man Religion als Sprache verstehen kann. Und das würde ich für mich so in Worte fassen. Ich bin ja offenbar mit einer Sprache aufgewachsen. Ich habe Deutsch als Muttersprache. Allerdings habe ich im Laufe meines Lebens auch andere Sprachen kennengelernt. Ich habe Englisch gelernt, Französisch, von dem so gut wie nichts mehr übrig ist. Aber vielleicht kann man das auch ein bisschen breiter sehen. Ich habe bestimmte Fachsprachen gelernt, beispielsweise im Germanistikstudium, im Theologiestudium, im Geschichtsstudium. Das sind alles verschiedene Fachsprachen gewesen. Oder vielleicht kann man sogar noch weitergehen und kann sagen, bestimmte Kultursprachen, bestimmte kulturelle Zugänge zur Wirklichkeit, die mir helfen, einerseits mich selbst auszudrücken, aber auch mich zu orientieren in der Welt und eben auch die Welt um mich herum zu deuten. Also wenn ich Schmerzen habe und zum Arzt gehe, dann gibt es eine gewisse Sprache, die da Sinn ergibt. Das ist eine medizinische Sprache, die ich natürlich nicht perfekt beherrsche, aber irgendwo, das ist eine Ebene, auf der man da reden kann. Und so würde ich sagen, auch Religion ist für mich eine Sprache. Eine Sprache, die mir hilft, mich zu orientieren, die Welt zu deuten und auch mich auszudrücken. Und ich habe das bei Menschen kennengelernt, die mehr als eine Muttersprache haben. Die haben manchmal... Diese Idee oder diese Gewohnheit, dass sie bestimmte Dinge in der einen Sprache besser ausdrücken können als in der anderen. Und ich glaube, das ist etwas auch, was ich sehr gut nachvollziehen kann, weil Religion, der christliche Glaube ist für mich eine Sprache geworden, in der ich Dinge manchmal besser ausdrücken kann, als mir das in anderen Sprachen möglich ist. Und das sind für mich vor allen Dingen Dinge, wenn es um Werte geht, wenn es um Fragen von Gerechtigkeit, von wie gestalten wir eigentlich unser Zusammenleben. Ich merke immer wieder, dass wenn es um Dinge geht wie soziale Gerechtigkeit zum Beispiel. Dann kommen mir keine Texte aus irgendwelchen Parteiprogrammen oder was irgendwelche Freiheitskämpfer oder wichtige Sozialdemokraten gesagt haben oder sowas. Das ist für mich alles weit weg, aber was bei mir kommt, sind Geschichten, die ich aus der Bibel kenne und die für mich das ausdrücken, was andere vielleicht mit einer politischen Sprache eher ausdrücken können. Das ist aber für mich sehr nah und das ist für mich auch sehr bedeutsam, sehr wichtig, sodass ich auch sagen würde, wenn man mich jetzt zwingen würde und sagen würde, diese Sprache darfst du nie wieder sprechen, dann würde ich sagen, da geht ein Teil von mir flöten und das möchte ich nicht. Ich möchte, dass diese Sprache mir weiter erhalten bleibt, weil die mir sehr viel gibt. Also Religion als Sprache. Jetzt ist es ja so, dass Religion als Sprache, Religion arbeitet häufig mit Symbolen und Metaphern. Und bei Paul Ricoeur war dann der Move, zu sagen, ein Symbol, das weist ja auf etwas hin, auf einen ursprünglichen Impuls. Und es ist halt wichtig, dass man versucht, diesen ursprünglichen Impuls wieder auszugraben und dahin zurückzukommen. Und deswegen komme ich jetzt zum nächsten Punkt, nämlich die Frage Gott als Ereignis. Das ist nämlich für mich der springende Punkt. Was meinen wir denn eigentlich, wenn wir von Gott reden? Das ist ja mit die wesentliche Idee in Religion. Und auch wenn viele von diesen biblischen Geschichten durchaus einen sozialen Wert haben. Würde ich sagen, das an sich trifft noch nicht den Kern von Religion. Also das wäre ein bisschen wenig. Ja, ich meine, im Kindergarten wird häufig dieses Anspiel gespielt beim Herzigen Samariter. Ist ja keine biblische Geschichte, aber es ist etwas, was, glaube ich, so für diese Idee von christlichen Werten in Deutschland sehr, sehr wichtig ist. Das ist eine Geschichte, die anschlussfähig ist für Menschen von ganz unterschiedlichen Herkünften. Und das ist, glaube ich, eine sehr, sehr wirkmächtige Geschichte, die gut ist. Aber ich würde sagen, im christlichen Glauben müsste es darüber hinausgehen, über so eine moralische Ebene. Weil Religion am Ende, ich meine, man kann auch wieder fragen, welchen Religionsbegriff hat man da, Aber am Ende finde ich, dass Religionsbegriffe schon Sinn ergeben, die so einen gewissen transzendenten Bezug haben, also die von Gott reden. Und ohne Gott macht das Ganze eigentlich wenig Sinn, auch wenn man der Religion eine andere Funktion beimisst als zum Beispiel eine Entlastungsfunktion. Hey Leute, eine kurze Unterbrechung in eigener Sache. Uns ist wichtig, dass alle unsere Inhalte frei zugänglich sind. Und dafür brauchen wir euch. Ab einem Euro könnt ihr uns dabei helfen, regelmäßig Folgen zu veröffentlichen. Mehr Infos dazu findet ihr in den Shownotes und unter www.schönerglauben.jetzt. Vielen Dank für euren Support und jetzt weiterhin viel Spaß mit der Folge. Da ist für mich John Caputo tatsächlich ein Bezugspunkt, ein Denker, ein Philosoph, ein Katholik, der mir da sehr weitergeholfen hat. Und ich verweise mal auf die This Is Folge im Schöner Glauben Podcast über John Caputo und müsste ein bisschen runterscrollen, aber ich glaube, es ist eine der für mich besten Folgen aus den ganzen Jahren, die ich hier Podcast mache. So, aber kurz, was ist die Idee? John Caputo hat auch nochmal einen sehr eigenen Blick auf Gott und zwar spricht er von Gott als Event, also als Ereignis. Und sein Zugang, seine Herleitung ist die, dass er sich fragt, what goes on in the name of God? Also die Frage, was passiert eigentlich in der Welt und was wird dann in der Welt Gott genannt? Was benennen Menschen eigentlich als Gott? Das finde ich ist eine sehr, sehr spannende Frage, mit der ich auch durch die Gegend gehe und Menschen beobachte, die gläubig sind, christliche Events, wir angucke und so weiter und merke, dass das wieder gut mit Paul Ricoeur zusammenpasst. Also Religion ist wirklich häufig einfach eine Sprache, mit dem etwas ausgedrückt wird, was Menschen wichtig ist. Ja, wenn gesagt wird, da ist jemand krank, wir beten jetzt für diese Person. Ja, dann ist das etwas, da wird etwas verarbeitet, was Menschen wichtig ist. Das fassen sie dann in Worte. Oder wenn Menschen sagen, ja Gott sei Dank, dann sind ja Dinge, wo man dankbar ist, wo man sagt, oh das ist jetzt gut gelaufen und dann klebt man am Ende den Gottsticker drauf, sagt Gott sei Dank, Gott steckte dahinter oder Gott steckte da drin. Das ist für mich schon, das ergibt Sinn, das so zu machen, so eine Herangehensweise zu wählen. Und John Caputo sagt jetzt, Gott ist also ein Event, Gott ereignet sich, Gott passiert. Wenn man also guckt, was sagen Menschen denn eigentlich, was Gott ist, dann hat man da vielleicht so einen ersten Zugang. Und für John Caputo ist aber dieses Event, das Ereignis Gott, das ist also nicht beliebig, sondern es sind nicht alle Momente, es sind ganz bestimmte Momente. Jetzt geht es vielleicht ein bisschen ins Detail. Er nennt das Spuktheologie. Spuken also von Geistern. Also wenn man sich anguckt, was machen Geister so in der Literatur, dann ist klar, Geister erschrecken Menschen. Und erschrecken bedeutet, man wird aufgerüttelt. Das ist also ein Moment, ein Ereignis, was Menschen sehr tief betrifft und ins tiefste Innere vordringt und dann Menschen betroffen macht. Und Caputo sagt jetzt, wenn das passiert, also wenn Menschen so ein Ereignis haben, etwas, was sie aufschreckt und wenn dann Dinge passieren, wenn dann positive Dinge entstehen, dann nennt er das diese Spuktheologie, dann ist das ein Gottereignis. Ich spreche dann immer von Gott-Momenten. Und ich glaube, dass das sicherlich so sein kann, dass das Momente sein können, die so einen Störcharakter haben, also wo Menschen aus einem Trott rausgerufen werden, wo Menschen aus Situationen, die vielleicht ausweglos sind, wenn da eine neue Perspektive entsteht und so weiter. Diese eingefahrene Lebenspfade, wenn da nochmal eine Veränderung kommt hin zu mehr Schönheit, zu mehr Intensität, mehr Fühlen, mehr Komplexität, mehr Freiheit und so weiter, dann ergibt das für mich auch Sinn dann zu sagen, da kann man den Gottsticker drauf packen, das ist ein Gottmoment. Und so für Caputo ist Gott dann aber keine Entität, kein Wesen in dem Sinn, sondern Gott ist erstmal ein Ereignis, was eben durch einen Ruf, der uns angeht, einen Anspruch, der mich ruft, das ist das, was erstmal passiert im Namen Gottes sozusagen. an. John Caputo geht jetzt dahin und sagt, wir müssen uns hüten davor, diesen Ruf, Diesen Ruf muss man einfach wahrnehmen und dann darauf reagieren, aber was man nicht machen sollte, ist, sich die Frage zu stellen, also wer ruft denn da? Don Caputo lässt das nämlich ganz bewusst offen und sagt, das ist ein Fehler, wenn man jetzt hingehen würde und sagen würde, also das, was da ruft, das ist eigentlich nur Psychologie, unser Über-Ich. Oder das ist einfach nur Gesellschaft, das sind kulturelle Diskurse oder das sind historische Phänomene oder das ist Biologie, das sind Hormone oder was weiß ich. Und er sagt, lass das offen. Und ich bin da ähnlich postmodern unterwegs wie John Caputo. Ich finde es gut, wenn man sagt, man lässt Dinge offen, man gibt sich nicht hin in so einen Materialismus, der reduziert, also der das Leben reduziert auf, das ist nur Biologie oder das ist nur Geschichte oder das ist nur dies, sondern offen lässt. Da kann was Rätselhaftes, was Geheimnisvolles sein, wo ich nicht genau weiß, was ist das eigentlich? Ich weiß, es gibt diesen Ruf, aber wo der Ruf hinkommt, wer der Rufende ist, das lasse ich mal offen. Das finde ich ist ein schöner Move, den ich gut mitgehen kann und der für mich auch sehr gut verbindbar ist, also zu verbinden ist mit der Idee von Prozesstheologie. Da wird ja auch vom Ruf, vom Locken Gottes gesprochen. Das kann man sehr gut mit John Caputo verbinden. Kleinen weiteren Ansatz, den ich, ich weiß nicht, wo alles vorkommt, aber John Shelby Spong ist einer, der das auch formulierte und zwar dann zu sagen, Gott ist ein Verb. Finde ich, ist auch eine schöne Idee. Also Gott ist das, was wir am Ende tun. So auch das ist gut zu verbinden mit diesem Ereignisbegriff, mit Gott als Event. Wenn man Dinge tut, wenn man sich also auf das Rufen einlässt, wenn man liebt, wenn man sich entwickelt, wenn man tief fühlt und so weiter, dann ist das etwas, was diesen Gott-Moment-Charakter auch, wo man den Gott-Sticker sozusagen drauf kleben kann. Ein weiterer Punkt, das ist Paul Tillich. Paul Tillich hat ein Buch geschrieben, Der Mut zum Sein. Da gibt es bei Worthaus einen langen Vortrag. Für mich ist da einfach, wenn man es zusammenstampft, ist aber folgende Idee wichtig. Paul Tillich stellt sich die Frage und geht dem nach, warum gibt es überhaupt etwas und nicht nichts? Offensichtlich muss es etwas gegeben haben, was das Nichtsein überwunden hat und deswegen, das nennt er dann den Grund des Seins. Den Grund des Seins, etwas, was das Nichtsein überwunden hat. Und dann geht er eben auch wieder so einen psychologischen Weg, er fragt sich eben, welche Rolle spielt eigentlich das Nichtsein, also der Tod oder die Angst des Todes im Leben von Menschen. Und er sagt ja, das kann wirklich eine große Rolle spielen. Also diese Angst vor dem Tod, das kann Menschen schon sehr, sehr stark beeinflussen. Menschen tun unglaublich viele Dinge, um den Tod zu vermeiden. Und dann sagt er, wenn wir uns aber verbinden mit dem Grund des Seins, also mit dem, was das Nichtsein überwunden hat, dann kann das in uns den Mut zum Sein erzeugen. Also dann kann man all dem trotzen, was die Angst vor dem Tod mit uns Menschen machen kann. Das ist jetzt wirklich sehr, sehr verkürzt, glaube ich, dargelegt, was Paul Tillich in seinem Buch machen kann. Aber das Buch kann man wirklich mal lesen. Es ist ein sehr dünnes Buch und mir hat es sehr gut gefallen. Was mir gefällt an dieser Idee vom Grund des Seins, wenn ich Paul Tillich richtig verstehe, dann ist die Idee da, dass man Gott nicht da oben verortet, also als eine übernatürliche Instanz, als etwas, was auch wieder dieses Transzendente obendrüber, das auch so eine Hierarchie am Ende begründet. Der kleine Mensch und der große Gott und so weiter. Da gibt es viele theologische Implikationen, die ich schwierig finde. Aber das, was hier eigentlich ist, ist, Gott sucht man nicht da oben, sondern Gott sucht man tief in der Seele, auf dem Grund der eigenen Seele. Das Grund des Seins, da ist die Richtung, um mit Gott in Kontakt zu treten und Gott zu suchen. Das gefällt mir tatsächlich sehr gut, diese grundsätzliche Herangehensweise. So, also Gott als Ereignis, Gott als Verb, Gott als Grund des Seins, all das sind für mich Ideen, mit denen ich viel anfangen kann. Das, was das halt alles nicht ist, ist eben Jesus, my boyfriend. Also diese typische christliche Jesus-Frömmigkeit, da merke ich, da bin ich mehr und mehr raus. Das ist für mich sehr, sehr schwierig. Und wenn ich das beobachte, dann, ja, ich habe den Eindruck, da bin ich bei Michael Dowd, das ist ein anderer Theologe, Philosoph, der noch einen vierten Punkt dazulegt und zwar ist es der Punkt, dass Gott eine Personifikation sein kann. Also da, wo Menschen eine Du-Vorstellung von Gott, also Gott als Du ansprechen im Gebet, da sagt Michael Dowd, ist Gott eine Personifikation. Und auch das passt jetzt ja wieder wunderbar mit Paul Ricoeur, Sprache, Symbole und so weiter. Also sprich, religiöse Sprache verweist auf etwas und man muss das ausgraben, was das ist. So, aber wie funktionieren Personifikationen? Personifikationen können ja zum Beispiel sowas sein, dass man sagt Mutter Erde oder was weiß ich, wo nutzt man noch Personifikationen? Manchmal, da wird ein ganzes Volk auch personifiziert, zum Beispiel der deutsche Michel oder so. Solche Ideen gibt es. Und das kann was für sich haben, weil dann bestimmte Dinge, die eigentlich unpersönlich sind, so eine gewisse Emotionalität bekommen. Also wenn ich von Mutter Natur spreche, dann ist das vielleicht nochmal eine Möglichkeit, anders mit dem Thema Klimawandel und so weiter umzugehen und da nochmal eine andere Verantwortung der Umwelt gegenüber zu entwickeln. Also von daher, ich möchte nicht sagen, dass Personifikation etwas schlecht ist. Im Gegenteil, ich würde sagen, dass das eine gute Sache sein kann. Ich merke halt dann, wenn es wortwörtlich genommen wird, dann finde ich, ist das schwierig. Also wenn Jesus eine Personifikation ist, zum Beispiel im Gebet für diese Gottmomente, für das, was im Leben Überraschendes passiert, was mich aufrüttelt und in eine bessere Richtung gehen lässt, was mich ruft in eine bessere Zukunft und in ein besseres Sein, was mir Mut macht zum Sein und mich trotzen lässt dem, was in dieser Welt vielleicht an Bedrohlichem ist, dann sage ich, ist das eine gute Sache, kann man machen. Aber ich finde es halt schwierig, wenn man es sehr, sehr wortwörtlich nimmt. Wenn man also wirklich so eine Art unsichtbaren Freund hat, dann merke ich, das wird schwierig für mich. Und ich habe ein Fremdheitsgefühl immer da, wo Menschen genau das machen, also wo die das sehr, sehr wortwörtlich nehmen, da zuckt es in mir irgendwie ein bisschen zusammen. Das finde ich tatsächlich dann häufig sehr schwierig. So und dann, wenn das aber geklärt ist, also Religion spricht am Ende von Gott, da geht es um was Transzendentes und jetzt habe ich verschiedene Ideen vorgestellt, wie für mich liberal progressiver Glaube aussehen kann im Gottesverständnis, was das sein kann und so weiter. Dann ist es bei mir tatsächlich so noch, dass es so ein gewisses Feintuning gibt des Glaubens. Und das möchte ich am Ende auch noch euch mit reinnehmen und mitgeben zum drüber nachdenken. Und zwar ist für mich einmal ein Feintuning, dass ich weg will von magischem Denken und hin zu Selbstwirksamkeit. Also da, wo Gebet zum Beispiel oder vor allen Dingen Gebet genutzt wird, um diese Welt zu kontrollieren und die Geschicke irgendwie zu beeinflussen, sodass es irgendwie besser wird, merke ich, das funktioniert für mich nicht. Also von dem Gebet über den Parkplatz, über das Gebet, das am Ende der Gaza-Krieg aufhört oder was weiß ich. Das ist für mich eine Sache, die ich schwierig finde. In meinem Buch habe ich ein ganzes Kapitel dazu gemacht und die Alternative ist für mich immer noch einer, ich nenne das da angelehnt an verschiedene ProzesstheologInnen, ein konspiratives Bitten, also ein Gebet, das sich verschwört, verbündet mit bestimmten Kräften in der Welt, die etwas Positives bewirken. Also es ist kein passives, anstelle von einer anderen Handlung, dass man betet und dann muss man eben nichts tun sozusagen, sondern für mich ist Spiritualität etwas, was mich in die Selbstwirksamkeit bringt, was mich dazu bringt, anzupacken und in dieser Welt einen Unterschied zu machen. Und das hat natürlich auch so eine, ich würde mal sagen, so eine innerliche Dimension. Also für mich ist zum Beispiel sehr, sehr wichtig die Frage, wie kann man Dinge tun, wenn man nicht auch sowas wie Hoffnung hat. Also es hat schon eine spirituelle, eine geistliche Dimension, das würde ich schon sagen. Und auch da spielen innere Prozesse eine Rolle, die ich eher so in den Gebets, also die ich noch stärker mit Gebet oder sowas verknüpfen würde. Aber das ist für mich eben nicht mehr so eine Ersatzhandlung. Es ist für mich eher etwas, was einhergeht mit Handeln. Und es ist aber tatsächlich so, dass ich merke, Handeln ohne so eine geistliche Dimension funktioniert recht wenig. Am Wochenende werden wir zum Beispiel darüber reden, dass die Klimabewegung eigentlich in so einer depressiven Phase steckt, weil man da ganz viel gehandelt hat, aber eigentlich die Sinnperspektive verloren geht. Und also man braucht für ein selbstwirksames Handeln braucht man eben auch eine, Sinnkomponente, das muss Sinn ergeben, man muss eine Hoffnung damit verbinden und man muss das Innere mit dem Handeln in Übereinstimmung kriegen, und wie das funktioniert, das ist für mich dann die Frage, was Spiritualität angeht, also da kommt dann die Frage, wie kann sowas konkret werden haben wir gedacht, ich kann euch vielleicht mal eine Sache erzählen, wie das bei mir konkret wird. Bei mir wird das einerseits konkret natürlich im Austausch mit Gedanken, mit Ideen, also Bücher lesen zum Beispiel, ist für mich eine spirituelle Erfahrung, Podcasts hören, mich mit Ideen und mit anderen da sozusagen zu synchronisieren. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, aber auch, ich habe tatsächlich bestimmte Rituale. Für mich ist ein Ritual zum Beispiel Tagebuch. Und ich mache das nicht mehr so, dass ich Tagebuch schreibe. Manchmal schreibe ich auch, aber es ist häufiger so, dass ich mittlerweile Tagebuch male. Also ich habe ein Buch, das ist komplett mit weißen Seiten und ich male dann bestimmte Situationen, die gerade mein Inneres verdeutlichen. Und dann schreibe ich daneben einfach eine ganz kurze Überschrift, um das nochmal zuordnen zu können. Und das ist im Grunde meine spirituelle Übung geworden, die für mich sehr gut funktioniert. Dann ein anderer Punkt, was das Feintuning angeht, ist für mich tatsächlich die Story, also das Narrativ. In meinem Fall ist es ja tatsächlich der christliche Glaube. Und da ist die Frage, wie erzählt man eigentlich diese christliche Geschichte? Das ist sehr, sehr zentral, weil die christliche Geschichte häufig erzählt wird als eine persönliche Erlösungsgeschichte. Also Jesus ist gekommen, um mich persönlich von meiner Schuld zu befreien, damit ich am Ende im Himmel bei Gott sein kann. Und ich glaube schon, dass der christliche Glaube in der Story, so wie ich sie gut finde, wie ich sie für mich stimmig finde, dass da auch Platz ist für eine persönliche Vergebung und so weiter. Also das kann auch eine sehr individuelle Komponente haben. Aber die Story an sich ist nicht darauf beschränkt, sondern für mich sind die Formen von Christentum spannend. Und da ist man dann bei Befreiungstheologie, da ist man bei einer Ökotheologie und für mich die Prozesstheologie, die fasst das sehr gut zusammen. Alles Narrative, die von einer Neuschöpfung erzählen. Also die sagen, Gott ist dabei, diese Welt wieder in Ordnung zu bringen und wir sind eingeladen mitzumachen, weil die Art und Weise, wie Gott diese Welt neu macht, ist Kooperation, ist dieses konspirative Zusammenarbeiten und dann entsteht was Neues. Das ist für mich ein sehr entscheidender Punkt. Und ja, das finde ich in der Bibel wieder. Da kann ich auf jeden Fall biblische Anknüpfungspunkte finden und meinen Glauben daraus speisen. Aber auch da merke ich, es wird häufig eben eine andere Story erzählt, die für mich aber auch dann schwierig wird. Und dann kommt es manchmal zu diesen Erfahrungen, wo ich weiß es nicht. Ich bin zum Beispiel, wenn die neue Harry Potter Serie auskommt, bin ich sehr skeptisch. Weil ich mich frage, ist das eigentlich dann noch die gleiche Erzählung, die gleiche Geschichte, die ich kenne? Aber manchmal ist es so bei eingefleischten Star Wars Fans, die dann bei einem neuen Kinofilm aus der Star Wars Saga dann sagen, ist das eigentlich noch dieses Story, die ich von früher kenne oder ist das irgendwie so fremd geworden? Ja und da gibt es Fremdheitsgefühle, aber ich glaube, dass es eine Möglichkeit gibt, die Christentumsgeschichte, die Jesusgeschichte so zu erzählen, dass sie für mehr Platz hat als für die eigene Rettung von der Sünde und vom Zorn Gottes und dann vor der Hölle, um in den Himmel zu kommen. Ich glaube, dass es breiter erzählt werden kann als das. Genau. So, dann, man könnte jetzt tatsächlich noch weiter reingehen und könnte nochmal verschiedene Knackpunkte aufzählen, wo es dann auch um Dogmen geht. Also, wenn man diese Geschichte sich jetzt genauer anguckt, was meint denn dann eigentlich die Kreuzigung, was kann dann die Auferstehung bedeuten und so weiter. Ja, da kann man dann nochmal stärker ins Detail gehen. Aber für jetzt würde ich erstmal sagen, ich glaube, es ist vielleicht rübergekommen oder zumindest hoffe ich das, dass also das Feintuning beinhaltet, man muss die Geschichte und damit natürlich auch die einzelnen Lehren, die eigenen Dogmen muss man entsprechend nochmal neu erzählen. Spannend finde ich dann die Frage, ob das überhaupt erlaubt ist. Also darf man das? Oder muss man den eigenen Glauben eigentlich anlehnen an so eine gefühlte Mehrheitsgesellschaft im Christentum, so einen christlichen Mainstream, der vielleicht sogar dann weltweit eher eine evangelikale Schattierung oder Einfärbung hat? Ja, die katholischen FreundInnen würden jetzt wahrscheinlich sagen, ja, die Katholiken sind wahrscheinlich eher die, die den Mainstream verkörpern. Ja, kann alles sein. Denn ich würde sagen, dass progressiver Glaube auch dahingehend eine Selbstbehauptung ist. Also zu sagen, wir können diese Geschichte neu erzählen, sodass sie stimmig ist für das, wie wir Glauben erleben. Und ich bin mir sicher, dass das nicht so unbedingt mehrheitsfähig ist. Das bin ich mir sehr bewusst. Also mir ist klar, dass Glaube in dieser progressiven, liberalen Version schon auch Nischendasein hat. Die andere Sache ist, ich glaube, dass es verschiedene Bewegungen ja im Christentum bereits gegeben hat, die ein Nischendasein hatten, die aber unheimlich relevant waren. Und ich würde weniger jetzt sagen, jetzt kommen die Progressiven und die machen jetzt das neue Ding, sondern für mich ist mehr zu sagen, ich möchte die positiven Geschichten, Erkenntnis, Rituale, Übungen und so weiter, die irgendwo in der Christentumsgeschichte schon mal erlebt, ausprobiert oder gedacht worden sind, die möchte ich finden und möchte die integrieren. Das ist sehr postmodern, aber das ist tatsächlich das, wo ich heute bin. Und was es aber schwer macht, ist ja tatsächlich so dieses Gefühl, dass man damit eigentlich gegen eine Form von Mainstream ist. Und das ist nichts, wo ich sage, da habe ich Bock drauf. Ich finde das eigentlich viel, viel entspannter, wenn man in so einer Art Mainstream ist, aber ich glaube, das ist einfach nicht mein Leben. Also politisch bin ich nicht im Mainstream Deutschlands unterwegs und glaubenstechnisch auch nicht. Was mein Lebensmodell angeht, glaube ich auch nicht. Und das ist dann so, aber vielleicht muss man das dann auch einfach umarmen. Und für mich ist Podcast ja ein tolles Medium, um da Menschen zu suchen und mit euch in Kontakt zu treten. Bei manchen geht das ja ähnlich und dann kann man gucken, ob man Banden bilden kann und nicht nur das Patriarchat meuchelt, sondern vielleicht auch an einer neuen Zukunft arbeitet. Und da kann eben Glaube, eine frische neue Art von Glauben, auch relevant sein. Okay, so Leute, das mal für heute. Ich hoffe, dass ich einige von euch am Wochenende in Zürich sehe und sagt dann mal bis dahin. Dieser Podcast ist Teil des Ruach-Jetzt-Netzwerks. Die Musik stammt von Postlob. Music.