Hey Leute, vielen Dank, dass ihr wieder eingeschaltet habt bei Schöner Glauben. Wir möchten progressive Stimmen zusammenführen, einander empowern und uns für mehr Solidarität einsetzen. Glaube in Schön also. Wenn du mehr wissen oder uns unterstützen willst, findest du alle Infos auf www.schönerglauben.jetzt. Hätte ich meine Kinderbibel wirklich gemocht, hätte ich, glaube ich, Diddelaufkleber reingeklebt und nicht so seltsame, die ich in der Sonntagsschule bekommen habe. Ich bin Marie, du hörst Schöner Glauben, eine neue Folge Feminismus und Glaube Und ich werfe heute einen intersektional-feministischen Blick auf Kinderbibeln. Ich habe gerade schon gesagt, die Beziehung von mir zu meiner Kinderbibel war, glaube ich, nicht die beste. Ich muss das kurz erklären. Ich bin landeskirchlich geprägt oder aufgewachsen und deswegen auch in die Sonntagsschule gegangen. Und in der Sonntagsschule durften wir uns, wenn wir Geburtstag hatten oder so, Aufkleber oder irgendwelche anderen kleinen Sachen aussuchen aus so einer Krabbelkiste. Und diese Aufkleber, da sieht man einen Regenbogen. Ich sehe die hier gerade auf der ersten Seite meiner Kinderbibel. Und unter diesem Regenbogen stehen zwei Kinder, die zeigen so einen Daumen hoch. Dann ist da noch so ein weißes Kreuz vorne, rechts vor dem Regenbogen. Und über dem Regenbogen steht genauso geschwungen Sonntagsschule. Und ich weiß noch, wie seltsam ich diese Aufkleber fand. Aber im Kindergarten-Grundschulalter, wann man halt so zur Sonntagsschule geht, in den Kindergottesdienst, da war mir schon klar, okay, der einzige Ort, wo ich diese Aufkleber überhaupt hinkleben kann, ist wohl meine Kinderbibel. Und so sind die da drin gelandet. Ich glaube, alles andere wäre mir schon fast zu schade gewesen, um sie mit diesen Aufklebern zu kleben. Ja, aber meine Diddellaufkleber haben es halt auch nicht auf die Kinderbibel geschafft. Ich habe die Meine allererste Kinderbibel oder meine allererste Bibel, die Kinderbibel aus dem Herder Verlag. Das ist ein richtiger Klopper und ich muss sagen, die Bilder sind zwar relativ fröhlich, aber irgendwie mochte ich die Kinderbibel, die meine Schwester besessen hat, noch viel mehr. Leider habe ich die jetzt hier gerade nicht vor mir liegen, sonst hätten wir die mal vergleichen können. Aber es gibt auch so ganz viel, worüber wir sprechen können, wenn es ums Thema Kinderbibeln geht. Ich weiß nicht, wie das bei euch ist. Bei mir fängt auf jeden Fall so langsam die Phase an, dass es immer mehr Kinder in meinem Umfeld gibt, die so langsam in das Alter kommen, wo Kinderbibeln auch irgendwie relevant werden. Deshalb habe ich mich angefangen mit dem Thema zu beschäftigen, welche von den vielen Kinderbibeln soll ich denn verschenken. Ich habe mal geschaut in diversen christlichen Online-Shops für Bücher. Es gibt eine unglaubliche Auswahl. Und das kommt gar nicht von ungefähr. Wir starten vielleicht einfach mal mit einem kurzen historischen Überblick über die Geschichte der Kinderbibel. Wusste ich vorher auch nicht, dass es da so viel zu recherchieren gibt. Wer gerade vielleicht auf der Suche nach dem Thema für eine Bachelor-Master-Arbeit oder für ein Staatsexamen ist, guckt euch mal Kinderbibeln an. Vielleicht auch unter feministischer oder intersektionaler Perspektive. Das wäre sicher sehr spannend. Hier in dem Podcast bekommt ihr vielleicht schon erste Anhaltspunkte. Oder ihr hört die Folge, weil ihr gerade selber auf der Suche nach einer Kinderbibel für eure eigenen Kinder oder Kinder im Umfeld seid. Dann spitzt auf jeden Fall mal die Ohren. Am Ende kommen wir auch noch zu Kriterien, wenn ihr gerade dabei seid, eine Kinderbibel zu shoppen. Aber kommen wir zur Geschichte der Kinderbibel. Ich war ganz erstaunt, als ich gelesen habe, dass es 1000 deutschsprachige Kinderbibeln gibt, die seit dem, Achtung, 16. Jahrhundert publiziert werden. Und wie könnte es anders sein? Die erste Kinderbibel sozusagen, damals hieß es noch nicht so, stammt von Martin Luther. Damals hieß es Passional. Und es hat Martin Luther 1529 rausgegeben. Und zwar war das eine Übersetzung von ausgewählten Bibelausschnitten für Kinder, ganz gezielt. Und damals tatsächlich auch schon ergänzt durch Bilder. Auf Bilder in Kinderbibeln können wir später noch mal genauer zu sprechen. Bis aber dann der Begriff Kinderbibel sich durchgesetzt hat, dauerte es noch so ein bisschen. Den Begriff Kinderbibel gab es zum ersten Mal bei Johannes Matthäus, das war ein Pfarrer aus Rochlitz, im Jahr 1562. Da kam der Begriff der Kinderbibel zum ersten Mal auf. Naja, und seitdem war es wohl ein Erfolg, wenn wir uns die tausend deutschsprachigen Kinderbibeln, die es eben seit dem 16. Jahrhundert gibt, so anschauen. Kinderbibeln haben den Zweck, religiös zu bilden. Allerdings hatte in der Reformationszeit der Katechismus diese Funktion hauptsächlich inne. Dass es so richtig, richtig losging mit den Kinderbibeln und man die so als religiöses Bildungsmedium genutzt hat, das kam erst mit der Aufklärung. Aber gut, so ein kurzer geschichtlicher Überblick hilft vielleicht alles andere einzuordnen. Auch spannend ist, natürlich sind das alles Männer, die die ersten Kinderbibeln oder das Passional oder religiöse Bildungsmedien geprägt haben. Das behalten wir vielleicht schon mal im Hinterkopf. Warum brauchen wir überhaupt Kinderbibeln? Lasst uns mal über die Funktionen und über die Theologie, die da eigentlich hinter steckt, reden. Zum einen haben wir ja diese berühmte Bibelstelle Matthäus 19, Vers 14. Aber Jesus sprach, lasset die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen, denn solchen gehört das Himmelreich. Ich glaube, mit diesem einen Bibelferst, haben wir den Fokus auch auf die Verkündigung für Kinder und auch auf die religiöse Bildung für Kinder und auch den Zugang zum Heil für Kinder in unserer christlichen Tradition doch sehr gut und zentral begründet. Wenn wir uns jetzt dann anschauen, wie Kinderbibeln das genau umsetzen oder was Kinderbibeln sonst auch noch wollen, dann sind da eigentlich fünf Funktionen, ja, vordergründig. Kinderbibeln wollen natürlich als erstes Kinder zum Glauben hinführen. Als zweites wollen Kinderbibeln auch sprachlich und kulturell bilden. Ich weiß nicht mehr genau, wo ich es gehört habe, müsste ich jetzt auch nochmal genau recherchieren, Aber die Bibel wurde und wird vielleicht auch immer noch häufig als ein Buch zum Lernen der Sprache benutzt. Genau, also die Bibel hat durchaus auch einen Bildungszweck, wo man jetzt nochmal einhaken könnte oder das ein bisschen abgrenzen muss. Das lässt sich oder wird ja gerade auch immer mal wieder von rechts instrumentalisiert, dass wir als eine Kultur, als die deutsche christlich geprägte Kultur oder das christliche Abendland irgendwie eine besonders intelligente Gruppe von Menschen wären. Finde ich ein bisschen schwierig. Dennoch ist die Bibel natürlich sprachlich und kulturell bildend und auch sozialisierend. Als dritte Funktion können wir dann auch noch das Nachdenken über Theologisches und auch über Ethisches nennen. Denn dazu regt die Bibel auf jeden Fall an. Vielleicht auch immer abhängig davon, wie denn so der Schreibstil ist und wie der Leser oder die Leserin die Kinder in der Kinderbibel angesprochen werden. Das hängt so ein bisschen davon ab. Man könnte es, oder ich sehe es hier und da kritisch, wenn durch die Ansprache oder durch die Wortwahl des Autors oder der Autorin, der die Kinderbibel verfasst und zusammengestellt hat, schon so ein bisschen deutlich wird, dass wir Menschen eher schlecht sind oder grundsätzlich böse in unserer Natur. Ich finde, das hat in Kinderbibeln eher nichts zu suchen. Aber es kommen ja auch ganz viele andere ethische Fragen auf. Zum Beispiel, wie gehe ich mit meinen Nächsten um? Und dann die großen theologischen Fragen. Ja, manche Kinderbibeln enthalten auch Texte über die Offenbarung, aber nicht alle. Und dann die vierte Funktion von Kinderbibeln ist eben die Vorbereitung auf das Lesen einer Vollbibel, also in der Luther-Übersetzung oder Hoffnung für alle oder irgendwelche anderen Übersetzungen. Die werden hier in der Wissenschaft als Vollbibel bezeichnet. Vielen Dank. Und da habe ich mich so ein bisschen gefragt, wie da der Übergang genau gelingen kann. Denn vielleicht ging es euch ähnlich. Bei mir war es auf jeden Fall so, dass ich, wenn ich die Geschichten aus der Kinderbibel gelesen habe oder gehört habe oder eben in der Sonntagsschule viel über biblische Geschichten erfahren habe, dass ich die nicht so richtig in eine ordentliche Reihenfolge bringen konnte. Beziehungsweise mir fiel es sehr schwer, die in Beziehung zueinander zu setzen. Das ist natürlich entwicklungspsychologisch total normal in diesem Alter. Funktioniert das Gehirn von Kindern nicht so, dass man jetzt die Bibel in die Reihenfolge bringen kann, wie Delkanon das vorgibt oder eben auch chronologisch oder nach Entstehungszeitpunkt. Da gibt es verschiedene Sortierungen in Kinderbibeln tatsächlich. Aber für mich war es ein totales Aha-Erlebnis sozusagen, Als ich dann später irgendwann im Teenie-Alter gecheckt habe, ach krass, diese ganzen Geschichten, die ich in der Kinderbibel gelesen habe, in der Sonntagsschule gehört habe, die stehen ja so oder so ähnlich, auch in der Bibel, mit der ich mich jetzt auseinandersetze. Aber voll viele Informationen, die ich jetzt über die Bibel habe und die mir helfen, diese Geschichten zu verstehen, die hatte ich früher nicht. Und dann kam ich mir so ein bisschen, ich will nicht sagen verarscht vor, aber naja, es gibt halt diesen Bruch sozusagen. Irgendwann kann man die Bibel besser im Kontext verstehen und das sozusagen ist das große Ziel. Da hilft es natürlich, wenn man schon mal ein paar Inhalte aus dem Lesen der Kinderbibel kennt. Also das Vorbereiten auf das Lesen einer Vollbibel ist die vierte Funktion von Kinderbibeln. Und dann haben wir noch eine fünfte. Und da frage ich mich tatsächlich, auf wie viele Kinder das tatsächlich zutrifft. Aber in der Forschung, in der Bibeldidaktik und in der Religionspädagogik wird die fünfte Funktion von Kinderbibeln als Unterhaltung bezeichnet. Und also man geht davon aus, dass Kinder, die ein gefülltes Bücherregal haben, sich da durchaus auch mal die Kinderbibel rausnehmen und sie lesen wie jedes andere Buch auch. Ich muss für mich sagen, das habe ich glaube ich nicht gemacht. Also bei mir brauchte es glaube ich immer die Aufforderung, komm, wir lesen doch nochmal zusammen in der Kinderbibel. Spannend fand ich auch, jetzt muss ich nochmal ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern hier. Ich habe mich eben, bevor ich angefangen habe, die Folge aufzunehmen oder sogar schon vorzubereiten, mit meinem Mann unterhalten. Mein Mann ist in der Baptistengemeinde groß geworden, in einem frommen Elternhaus. Und ja, in einem Elternhaus, wo das Gemeindeleben immer eine große Rolle gespielt hat und auch heute noch spielt. Ich habe ihn gefragt, was ist denn eigentlich, welche Kinderbibel hast du denn gelesen und was sind deine Erinnerungen an deine Kinderbibel? Und er schaute mich nur so an und sagte, ich hatte gar keine. Was mich dann doch sehr überrascht hat, wo doch die Bibel und das Glaubensleben so eine wichtige Rolle in seiner Familie gespielt hat, war eigentlich die einzige Möglichkeit, sich den biblischen Texten zu nähern über die Gemeinde und die verschiedenen Gruppen da. Und das fand ich spannend und ich muss sagen, ich sehe es vielleicht auch ein bisschen kritisch, Weil dadurch natürlich eine eigene Auseinandersetzung mit den biblischen Texten erst sehr spät dann möglich war, nämlich im BU und mit der Bibel, die man da zum Abschluss bekommen hat vom biblischen Unterricht. So eine Art Konfirmation, je nachdem aus welcher Frömmigkeitstradition man kommt, gibt es da ja Unterschiede. Aber kommen wir zurück zum Unterhalten. Also mein Mann wurde in seiner Kindheit definitiv nicht von einer Kinderbibel unterhalten, weil er keine hatte. Ich aber auch nicht wirklich, weil ich es einfach nicht so unterhaltsam fand. Ich muss sagen, oder habe ich ja eben schon gesagt, meine Kinderbibel ist echt ein dickes Buch gewesen und fiel damit auch schon total auf. Und dann muss ich dazu sagen, das, was da in der Kinderbibel erzählt wurde, entsprach halt auch nicht so wirklich meinem Geschmack. Ich habe lieber Pferdebücher gelesen und jetzt weniger irgendwie Daniel in der Löwengrube oder David gegen Goliath. Hier klingt schon was an, wo wir später noch drauf zu sprechen kommen. Was auf jeden Fall auch schon durchkommt, ist, wie unterschiedlich Kinderbibeln theologisch ihre Schwerpunkte setzen. Denn die Texte werden ja erstmal ausgewählt aus einer Vollbibel. Wir können ja nicht eine wahnsinnig dicke Kinderbibel mit allen Texten aus der Vollbibel drucken. Das wäre, glaube ich, eine große Überforderung. Das heißt, es braucht eine Auswahl an Texten. Und die können dann natürlich auch auf ganz unterschiedliche Art und Weise angeordnet werden. Habe ich eben schon gesagt, so wie sie im Kanon in der Bibel tatsächlich vorkommen, wie sie entstanden sind, so könnte man sie chronologisch ordnen. Man kann sie aber auch thematisch ordnen, zum Beispiel alle Texte, die irgendwie sich mit dem Thema Familie beschäftigen oder damit, wie gehe ich mit meinem Nächsten um oder mit Wundern und so weiter und so fort. Also da gibt es große Unterschiede. Und dann variiert auch immer die Erzählperspektive und damit auch so ein bisschen. Ja, wie Gott dargestellt wird. Wir kennen das sonst aus Deutschunterricht oder wenn wir gerne Romane lesen, dann gibt es ja verschiedene Erzählperspektiven. Es gibt einen allwissenden Erzähler, es gibt einen Ich-Erzähler und so weiter und so fort. Und dann ist es total spannend, einmal zu schauen, welche Erzählform oder Erzählperspektive taucht denn eigentlich in Kinderbibel XY auf? Wird da vom Autor oder von der Autorin so formuliert und geschrieben, als wüsste der Autor die Autorin, was Gott möchte oder intendiert hat mit bestimmten Dingen, die in der Kinderbibel berichtet sind? Oder bleibt es auch immer noch so ein bisschen im Verborgenen. Bleibt es bei einer gewissen Transzendenz und damit ja auch bei dem Verhältnis, was wir Menschen zu Gott haben, denn in Gänze oder bis ins letzte Detail können wir Gott nicht fassen. Manche Kinderbibeln vermitteln das aber tatsächlich dadurch, wie eben die Erzählperspektive dann gesetzt wird. Und dann ist ja immer noch die Frage, wie kindgemäß erzähle ich die Geschichten oder wie textgemäß erzähle ich die Geschichten? Also bleibe ich sehr nah an dem, was in der Vollbibel steht oder setze ich das nochmal in einen anderen Zusammenhang und erzähle das eher in Paraphrasen? Also ich mache eine Nacherzählung, die sich an meine kleinen LeserInnen richtet. Das sind alles Fragen, die sich die Menschen, die die Kinderbibeln erstellen, stellen müssen. Das ist auch das Besondere an Kinderbibeln, denn wenn wir jetzt sie vergleichen mit unserer Lutherbibel oder der Hoffnung für alle. Dann ist eine Kinderbibel nicht nur eine Bibel, sondern Bibel und Bibelauslegung zugleich. Ich habe ja ein Zitat mitgebracht von Fricke aus dem Jahr 2022. Sie verkörpern das Biblische und haben Anteil an der Wertschätzung der Heiligen Schrift. Sie sind Auslegungen, insofern sie als Aktualisierungen der Vollbibel das lebendige Gespräch mit der Überlieferung dokumentieren. Ein kompliziertes Zitat. Es geht aber darum, dass ja eigentlich die Annahme grundlegend ist, dass wenn wir jetzt den Kindern die Lutherbibel vorsetzen würden, ihnen ja noch einiges an Wissen fehlt, um sie zu verstehen. Das heißt, wir als erfahrene BibelleserInnen oder eben auch als AutorInnen, HerausgeberInnen von Kinderbibeln, treffen schon eine Auswahl und bringen das Ganze in einen Kontext, den Kinder ansprechend finden und auch verstehen können. Wir aktualisieren die Vollbibel sozusagen. Und da sind wir eigentlich auch schon beim nächsten Punkt. Ich weiß nicht, ob ihr es wusstet, mir war das vorher gar nicht so bewusst. Kinderbibel an sich könnte man ja schon als ein Genre bezeichnen, aber es gibt noch Subgenres. Ich dachte, Kinderbibel ist gleich Kinderbibel, aber weit gefehlt. Es gibt ganze neun Arten von Kinderbibeln, die in der Forschung unterschieden werden. Es gibt biblische Bilderbücher. War mir auch neu, ich habe mich dann mal umgesehen und tatsächlich in einer christlichen Bücherstube ein Kinderbuch gefunden für Babys, was man an den Kinderwagen oder an den Maxi-Cosi oder so so dranklippen kann, was vielleicht, keine Ahnung, sieben Seiten hat oder so. Und was einfach ein Bilderbuch ist, das aber auf biblischen Geschichten basiert. Das wäre das erste Subgenre. Das zweite sind Erzählbibeln mit paraphrasiertem Text und wenig Deutung. Ich würde sagen, das ist so die gängigste Form oder die typische Art der Kinderbibeln. Also eine Nacherzählung, wie ich eben schon gesagt habe, wo man dann aber trotzdem versucht, wenig eigene Deutung mit reinzubringen. Obwohl, die kommt natürlich immer auf eine Art und Weise rein. Dann gibt es Lern- und Kommentarbibeln für Kinder. Da habe ich gedacht, krass, das sind so ein bisschen die Kinderbibeln für Streber oder so. Da habe ich jetzt tatsächlich kein Beispiel zu gefunden. Aber vielleicht ab einem Grundschulalter oder so wäre das eine Möglichkeit für Menschen, die da sehr interessiert sind oder ein bisschen tiefer graben möchten. Als viertes sind zu nennen die Erzählbibeln mit bestimmtem theologischen Fokus. So, das finde ich spannend. Ich habe so ein bisschen im Hinterkopf die ganzen Kinderbücher, die Liebe zur Bibel gerade veröffentlicht, eins nach dem anderen in einer Rekordgeschwindigkeit, muss man ja sagen, und habe mich gefragt, ob die vielleicht auch in diese Kategorie passen würden. Denken wir an Jesus und Gender. Ich könnte mir aber vorstellen, dass sie auch in eine andere Kategorie ganz gut reinpassen würden, nämlich Bible Fiction. Obwohl Bible Fiction in dem Sinne nochmal ein bisschen was anderes meint. Ich glaube, das sind ganze Romane, die ausgehend oder auf der Basis oder inspiriert von biblischen Gestalten geschrieben werden. Also man folgt einfach mal Noah oder Jonah oder Maria oder Abigail oder wem auch immer. Das gibt es auf jeden Fall auch. Und dann gibt es noch die Erzählbibeln mit fiktionaler Rahmenhandlung, wo dann vielleicht, ich weiß nicht, zwei Kinder ein altes verstaubtes Buch finden. Es gibt ja noch so eine Vorgeschichte und erst dann taucht man in die biblischen Erzählungen ein. Das stelle ich mir ehrlich gesagt ganz schön vor und ganz spannend zum Lesen. Da wäre, glaube ich, die Funktion des Unterhaltens auch nochmal ein bisschen mehr gegeben. Aber ja, Bible Fiction wäre vielleicht auch ganz spannend, je nachdem. Und dann als siebte Art der Kinderbibeln sind die Comic Bibeln zu nennen. Auf die bin ich tatsächlich auch erst in meinem Studium gestoßen. Es gibt Jesus als Manga oder habe ich jetzt letztens noch gesehen, David und Goliath als so Comic-Hefte. Ich glaube, das wird immer mehr und auch in verschiedenen Stilen sozusagen. Also ja, im Stil von Asterix und Obelix bis hin zu Manga ist da mittlerweile, glaube ich, alles dabei. Das wird tatsächlich im Religionsunterricht ganz gerne benutzt, wenn es darum geht, verschiedene Schwierigkeitsgrade sozusagen anzubieten. Also wenn man eben differenzieren muss. Man könnte den biblischen Text, den man im Reli-Unterricht behandeln will, in seiner Textform reingeben, aus der Guten Nachricht Bibel oder irgendeine andere Übersetzung, die sehr kommunikativ ist. Und dann nochmal für Menschen, die sich mit dem Lesen schwer tun, als Unterstützung, ja die gleiche, Szene aus einer Comic-Bibel. Und dann gibt es natürlich auch noch ganz andere Möglichkeiten, erstmal nur den Comic reinzugeben in die Lerngruppe und vorher den Text aus den Sprechblasen zu löschen oder das so zu kopieren, dass der eben überdeckt ist oder irgendwie mit digitalen Methoden geht das ja auch ganz gut. Und dann sollen die SchülerInnen oder die Kinder oder die Teens oder die Jugendlichen diese Sprechblasen ausfüllen. Also super kreativ wäre ich jetzt an der Schule Religionslehrerin. Ich glaube, ich würde damit immer mal wieder arbeiten. In allen möglichen Altersstufen kommt das, glaube ich, ganz gut an. Hey Leute, eine kurze Unterbrechung in eigener Sache. Uns ist wichtig, dass alle unsere Inhalte frei zugänglich sind. Und dafür brauchen wir euch. Ab einem Euro könnt ihr uns dabei helfen, regelmäßig Folgen zu veröffentlichen. Mehr Infos dazu findet ihr in den Shownotes und unter www.schönerglauben.jetzt. Vielen Dank für euren Support und jetzt weiterhin viel Spaß mit der Folge. So und dann kommen wir jetzt zu einem spannenden Punkt. Da habe ich hier ein Beispiel vor mir liegen. Ich kann ja erstmal sagen, was das für ein Beispiel ist. Vielleicht kennt es jemand von euch. Und zwar, Words for Girls, das komplette Neue Testament, steht oben auf dem Cover. Aber es ist wie so ein Magazin aufgemacht. Wir haben die Übersetzung der Hoffnung für alle hier. Und auf dem Cover zu sehen sind irgendwie drei, ja, jugendliche Mädchen, ganz im Stil der frühen 2000er. Also ich fand es total cringe, als ich dieses Ding zu meiner Konfirmation bekommen habe. Aber ich glaube, heute wäre das gar nicht mal so seltsam vom Design. Vieles kommt ja wieder zurück. Ich lese mal vor, was noch auf dem Cover steht, das ja wie so eine Zeitschrift aufgemacht ist. Und zwar 150 vertrauliche Fragen und Antworten. Da lese ich euch gleich mal was von vor. Passt auf. Das nächste ist konsequenter Glaube. Wie du auslebst, was du glaubst. Noch eine Überschrift. Schönheitstipps, die du noch nie gehört hast. Da habe ich auch ein paar für euch rausgesucht. Als nächstes gehst du mit einem gläubigen Jungen aus und andere Fragen. Und zuletzt, bist du eine gute Freundin und noch mehr Persönlichkeitstests? Ja, das wäre dann wohl, was man unter der achten Art von Bibeln versteht, nämlich Auswahlbibeln für Jugendliche. Wo man sich dann tatsächlich den Text einer Vollbibel nimmt, also bei mir jetzt hier die Übersetzung Hoffnung für alle, Die aber in so einen Kontext stellt, beziehungsweise durch das Layout so aufbereitet und bestimmte Texte eben auswählt, hier das Neue Testament, dass das für Jugendliche nochmal ansprechender ist. Und dann gibt es noch die jugendnahen Vollbibeln als neunte Kategorie. Ich hatte euch aber jetzt ein paar Einblicke versprochen in meine Words for Girls Auswahlbibel. Ich finde das ja eigentlich eine gute Idee, weil das so ein bisschen die Hemmung oder die Hürde besser gesagt nimmt, in so eine Bibel mal reinzublättern, weil Bibel ist ja vom Format ganz anders als irgendwie ein Roman. Schon in den ganzen Aufmachungen. Das Papier ist auch viel dünner, man muss immer aufpassen. Ich habe im Rallye-Unterricht mal eine Seite zerrissen, da habe ich richtig Ärger bekommen von meiner Rallye-Lehrerin. Und wenn man das so als Magazin aufmacht, vielleicht blättern da die Jugendlichen eher mal rein. Ich habe hier mal so ein paar von diesen vertraulichen Fragen jetzt rausgesucht. Da steht zum Beispiel interessanterweise auf der Seite, wo Matthäus Kapitel 13 auch abgedruckt ist. Also sowas wie die Gleichnisse vom Senfkorn und vom Sauerteig oder das Gleichnis vom Unkraut im Weizen. Also so Reichgottes-Gleichnisse. Da wird unter anderem die Frage auch besprochen am Rand. Ich bin mit einem Jungen zusammen, der kein Christ ist. Muss ich mir Vorwürfe machen? Naja, es gibt da auch eine Antwort. Ich lese sie mal kurz vor. Eine Beziehung zu einem Nichtchristen kann problematisch sein. Wenn dein Freund sich nicht um Gott schert, seid ihr in einem zentralen Punkt nicht einig. Dann kann auch die größte Liebe scheitern. Möglicherweise musst du dich zwischen Gott und dem Jungen entscheiden. Puh, also ich habe gedacht, so die ersten paar Sätze, ja, das stimmt schon, man ist sich in einem wichtigen Punkt nicht einig und es kann eine Beziehung belasten, aber soweit in Ordnung und ja, auch nachvollziehbar. Der letzte Satz, der klingt dann doch schon wieder nach sehr prominenten Stimmen aus dem evangelikalen Influencing. Möglicherweise musst du dich zwischen Gott und dem Jungen entscheiden. Wir haben hier so einen sehr normativen Anspruch in dieser Bibel. Also es geht schon darum, eben auch ja nicht nur Fragen, die sich jugendliche LeserInnen oder LeserInnen in dem Fall stellen, zu beantworten, sondern die auch auf eine bestimmte christliche Tradition zurückzuführen oder eben in einer bestimmten christlichen Tradition zu beantworten. Ich lese mal noch eine Frage vor, die steht direkt darunter. In meinen Wachträumen spielen oft Jungs eine Rolle. Keine schlüpfrigen Sachen, nur der Wunsch, dass bestimmte Dinge passieren. Ist Fantasien schlimm? So, die Antwort, die jetzt hier gegeben wird, wie gesagt, immer noch im Kontext von der Jesu Rede vom Reich Gottes in Matthäus 13. Keine Ahnung, wie sie das hier im Layout so sortiert haben. Jedenfalls wird diese Frage nach den Wachträumen wie folgt beantwortet. Fantasie an sich ist in Ordnung. Kritisch wird es, wenn du mit Gedanken an sündiges Verhalten spielst. Fantasieren über eine Sünde ist genauso schlimm wie die konkrete Handlung. Zweifelhafte Gedanken solltest du also abblocken. Auch eine Versuchung ist für sich genommen noch keine Sünde. Erst wenn du ihr nachgibst und sei es auch nur in deiner Fantasie, wird sie zur Sünde. So, um da normativ nochmal einen draufzusetzen. Ja, und die Schönheitstipps habe ich euch auch noch versprochen. Ich lasse die Fragen soweit jetzt erstmal so stehen. Mich persönlich haben diese Frage-Antwort-Dinger eher verunruhigt und mich zu noch mehr Fragen gebracht, als dass sie mir irgendwelche Antworten gegeben hätten in dem Alter, wo ich das Ganze gelesen habe und noch viel verdutzter zurückgelassen haben mich die Schönheitstipps. Hier ist einer, immer noch Matthäus 13, Schönheitstipps. Lass dich umarmen von Gott. Wenn du dich mit Stretching-Übungen entspannst, stell dir dabei vor, dass Gott dich umgibt. Mach dir klar, Gott interessiert sich für dein Herz mehr als für deine äußere Erscheinung. Tja, also gewisse Fantasien wurden eine Seite vorher noch verboten, aber andere sind hier beim Sport wohl erlaubt. Es gibt aber auch noch einen anderen Schönheitstipp. Dafür muss ich nochmal ein paar Seiten blättern hier. Zwischendurch stehen hier übrigens auch immer so Fakten wie, für 38% der Jugendlichen in Deutschland ist der Glaube an Gott wichtig. Das ist interessant. Was ich aber sehr, sehr gut finde, es gibt immer solche Themenkästen. Hier ist jetzt gerade einer Thema sexuelle Gewalt. Da wird dann drüber aufgeklärt, wie man sich da Hilfe suchen kann. Das ist eigentlich ganz gut. Jetzt habe ich hier noch einen Schönheitstipp gefunden. Zeit mit Gott. Nutze die Zeit, die du für Körperpflege und Styling brauchst, um ein Gespräch mit Gott zu führen. Danke ihm dafür, wie er dich gemacht hat. Schon bald wird dir das Gespräch mit Gott so selbstverständlich sein, wie das Hantieren mit Gesichtswassernagelfeile, Zahnbürste und Mascara. Da wir uns ja hier auch mit einer intersektional-feministischen Perspektive Kinder- und Jugendbibeln zuwenden wollen, Sind wir, glaube ich, hier jetzt genau an der richtigen Stelle gelangt, angelangt, um das mal zu tun. Diese Jugendbibel für Teenie-Mädels geht wohl sehr stark davon aus, dass Mädchen vor allen Dingen viel Zeit mit dem Styling verbringen, wenn nicht sogar verschwenden. Ich finde, das schwingt hier so ein bisschen mit Mädchen verbringen keine Zeit mit Gott, sondern hantieren mit Gesichtswasser, Nagelfeile, Zahnbürste und Mascara. Könnten die aber doch dabei eigentlich was viel Sinnvolleres tun. Spannend. Also ich meine, zum einen wird da ja ein sehr stereotypes Bild von Mädchen sein, Frau sein geprägt und das dann auch noch irgendwie, ich weiß nicht, wie soll man denn sagen, spirituell aufgeladen, finde ich schwierig. Insgesamt, Finde ich, geht es hier alles sehr in eine Richtung, so sehr stereotypisch, womit man glaubt, dass sich Teenie-Mädels beschäftigen. Aber das Ganze wird dann auf so einer seltsamen, unauthentischen Ebene vermittelt, das eigentlich, glaube ich, am Ziel vorbei oder darüber hinaus schießt und eben ein Frauenbild prägt, mit dem ich mich irgendwie gar nicht identifizieren konnte. Das weiß ich auf jeden Fall noch, als ich die geschenkt bekommen habe und das hier gelesen habe. Ja, fand ich sehr seltsam. Oh, ich sehe hier gerade noch eine Frage. Ist es falsch, wenn ich mit einem gefütterten BH für etwas mehr Eindruck sorge? Ja, das sind Fragen, die durchaus mal irgendwie aufkommen im Teenie-Alter. Ich finde aber, es ist doch viel wichtiger darüber zu sprechen, wie wenig gleichberechtigt Frauen und Männer immer noch sind oder mit welchen Stereotypen und Vorurteilen Teenie, Mädchen, Jugendliche immer noch aufwachsen. Und anstatt diese Vorurteile irgendwie zu brechen oder irgendwie auch zu sagen, mit Galater 3, Vers 28 gesprochen, ja, da ist weder Mann noch Frau, wird es hier eigentlich eher verstärkt. Hier ist jetzt gerade noch ein Persönlichkeitstest. Bist du eine gute Tochter? Ich habe das Gefühl, Frauen und Mädchen werden ja hauptsächlich so über die Beziehungen, die sie zu anderen Menschen haben, definiert. Ich kletter hier einfach sehr willkürlich durch und komme irgendwie immer wieder zu dem Punkt zurück. Das ist doch ein sehr stereotypes Bild vom Frausein vermittelt. Naja, ich lege sie mal wieder zur Seite. Wir widmen uns dann vielleicht dem nächsten Punkt hier in meiner Gliederung, behalten aber diese intersektionale Perspektive bei. Denn es gibt Kriterien für Kinderbibeln und Jugendbibeln. Tatsächlich haben sich schon einige ReligionspädagogInnen mit der Frage beschäftigt, was macht denn eine gute Kinderbibel aus? Welche Kinderbibel ist denn empfehlenswert? Da gibt es einige Übersichten und ich habe mal eine Zusammenfassung sozusagen rausgesucht aus dem wissenschaftlich-religionspädagogischen Lexikon, dem Virelex, sehr zu empfehlen. Auch das VBilex. Schaut da einfach mal rein, wenn ihr Fragen habt, bibelwissenschaftliche Art oder religionspädagogische Art. Naja, zurück zu diesen Übersichten und diesen Kriterien für empfehlenswerte Kinderbibeln. Die gehen vor allen Dingen danach, wie theologisch brillant und ernsthaft so eine Kinderbibel ist, bewerten ihre Erzählkunst und auch die Illustrationen, die darin vorkommen. Regen die zum Staunen und zum Nachdenken an, sind sie besonders originell und werden deshalb als gut empfunden. Ich würde sagen, das sind jetzt erstmal sehr allgemeine Kriterien. Es gibt auch Kriterien sozusagen für problematische Kinderbibeln. Die machen das vielleicht nochmal ein bisschen deutlicher, genau über diese Negativfolie. Man muss natürlich sagen, keine Kinderbibel ist perfekt und alle Kinderbibeln haben ein bestimmtes didaktisches oder pädagogisches Ziel. Ja, ich glaube wirklich nicht, dass wir eine ohne Fehler finden werden. Aber wirklich problematisch, finde ich, und das sagt auch die Forschung, wäre zum Beispiel die Historisierung. Also wenn jetzt eine Kinderbibel den Eindruck vermitteln würde, das ist so in der Geschichte exakt so passiert. Und das ist es ja häufig nicht und das ist es auch nicht, was die Bibel möchte. Also Bibel ist kein, nicht nur, also manche Teile der hebräischen Bibel, ja. Die Bibel ist aber eigentlich kein Geschichtsbuch, sondern Bibel. Möchte ja viel, viel mehr ausdrücken, als historische Fakten zu vermitteln. Und deswegen sollte eine Kinderbibel das ja selber auch nicht machen. Dann als nächstes Kriterium der Fotorealismus. Das bezieht sich vielleicht eher so auf die Illustrationen. Also es darf als eine Erzählung erscheinen. Nicht nur durch die Art und Weise, wie der Text gestaltet wird, sondern eben auch, wie die Illustrationen gestaltet werden. Sehr, sehr wichtig, aber ich glaube häufig übersehen, wenn ich mir so meine hier vor mir liegende Kinderbibel anschaue und auch viele andere, die es auf dem Markt gibt, ist das Verhältnis, in das Altes und Neues Testament gesetzt werden. Als Negativkriterium oder als Kennzeichen einer problematischen Kinderbibel kann die Abwertung des Alten Testaments gesehen werden. Also wenn eine Kinderbibel so strukturiert ist, dass alle Texte, die aus dem Alten Testament ausgewählt wurden, heilsgeschichtlich schon auf Jesus gelesen oder gedeutet werden und dem Alten Testament und seinen Erzählungen gar kein Eigenwert zugestanden wird, Dann sind wir nämlich ganz, ganz schnell im Bereich des Anti-Judaismus. Und ja, den finden wir tatsächlich nicht nur in der Art und Weise, wie Altes und Neues Testament in Beziehung zueinander gesetzt werden, sondern auch innerhalb der Texte. Wenn zum Beispiel das Judentum als weniger wertvoll gegenüber dem Christentum angesehen wird, so nach dem Motto, ja, die haben das noch nicht so ganz verstanden, aber dann kam Jesus und mit dem wurde alles besser und dann kam das Christentum. Ich finde, eine Kinderbibel darf durchaus, sollte sogar auch deutlich machen, dass Jesus selber Jude war. Ich muss sagen, als ich diesen Fakt gelernt habe, irgendwann im Laufe meiner Schulzeit, würde ich sagen. Da war ich schon ganz schön geschockt, weil das war mir vorher gar nicht so bewusst, aber es wäre ja eigentlich logisch gewesen. Das kam aber bei der religiösen Bildung, die ich zuvor genossen habe, irgendwie nicht so vor. Und dann, wie ich eben schon angesprochen habe, wenn der Erzähler, die Erzählerin, die Erzählperspektive einer Kinderbibel allwissend ist und auch Dinge weiß über Gott, was Gott denkt zum Beispiel, die wir als Menschen ja gar nicht wissen können. Und dann zuletzt, das habe ich auch schon angesprochen, wenn Kinderbibeln zu stark moralisieren, also wenn es weniger darum geht, die Kinder anzuregen, in einen Dialog mit den biblischen Texten zu treten, sondern mehr darum zu erzählen, was denn falsch und was richtig ist, ohne da irgendwie auch eine Reflexionskompetenz oder eine Mündigkeit zu fördern. Ja, das sind so die Kriterien, die in der Forschung als positiv oder negativ rausgearbeitet wurden. Man muss doch trotzdem immer noch dazu sagen, dass ob eine Kinderbibel gut oder schlecht ist, auch immer ein bisschen mit ihrer Eignung für den jeweiligen Kontext, in dem ich sie einsetzen möchte, zusammenhängt. War das jetzt ein Satz? Ich glaube, ich habe vergessen, wie ich den angefangen habe. Naja, was ich sagen wollte, wenn wir eine Kinderbibel auswählen, dann müssen wir uns fragen, wer soll die denn lesen und wozu wird diese Kinderbibel gelesen? Möchte ich die meinem Patenkind schenken oder möchte ich die in einer Kinderstunde einsetzen, im Religionsunterricht? Und dann muss ich eben daraus sozusagen meine eigenen Kriterien für die Auswahl entwickeln und auch die theologische Ausrichtung der Kinderbibel entsprechend nochmal reflektieren. Ich habe so eine kleine Kritik an diesen Kriterien, die die Religionspädagogik da zusammengestellt hat. Ich finde, die sind sehr allgemein gehalten. Sie vergessen aber unsere intersektionale Perspektive, die wir heute auf Kinderbibeln einmal richten wollen. Ich habe das getan, inspiriert von der Alle-Kinder-Bibel, wo es mittlerweile den zweiten Band von gibt, den ich nur empfehlen kann, auf Grundlage der Kriterien, die ich hier gerade vorgestellt habe, aber auch aus persönlicher Überzeugung und aus den Gründen, die ich jetzt hier gleich noch mit euch besprechen möchte. Das ist übrigens unbezahlte Werbung, Werbung aus tiefstem Herzen sozusagen. Ich habe die auch schon häufiger verschenkt und finde die Texte selber als Erwachsene total berührend. Das muss man ja auch sagen. Kinderbibeln können ja auch für Erwachsene manchmal noch ganz neue und andere Perspektiven auf biblische Erzählungen aufwerfen. Also, wenn ihr mal was anderes machen wollt, im Gottesdienst oder so, bringt mal eine Kinderbibel mit. Schaut euch den Text da mal an. Ich finde es total toll, um mal eine neue Perspektive zu kriegen und auch die eigenen Vorannahmen zu hinterfragen. Naja, in Vorbereitung auf diese Folge habe ich mal durchgezählt. Meine Kinderbibel enthält 64 Geschichten, also die Kinderbibel, mit der ich groß geworden bin. und habe dann daneben die Alle-Kinder-Bibel 2 gelegt, über die ich mich als Kind wahnsinnig gefreut hätte. Die Alle-Kinder-Bibel hat insgesamt 35 Geschichten, zumindest der zweite Band. Und dann habe ich noch ein bisschen genauer hingeschaut und gezählt, wie ist denn das Geschlechterverhältnis, also die Repräsentation von den Geschlechtern in den verschiedenen Kinderbibeln. Natürlich, wenn wir uns anschauen, in der Vollbibel sind natürlich auch die Männer mehr im Fokus. Das liegt daran, dass vor allen Dingen Männer an der Entstehung der biblischen Texte und der Zusammenstellung der biblischen Texte, der Kanonisierung, der Überarbeitung und so weiter mitgewirkt haben. Aber es gibt Frauen in der Bibel, allerdings nicht so viele in meiner Kinderbibel. Von den 64 Geschichten gibt es 43, in denen laut dem Titel nur Männer vorkommen. 43 von 64. Könnt ihr euch jetzt selber ausrechnen, wie viel Prozent das sind. In vier Geschichten von diesen 64 tauchen Frauen und Männer auf. Ja, da habe ich mich gefreut, dass ich dann viel gefunden habe, in denen auch Frauen auftauchen. Habe mich dann gefragt, gibt es auch welche, in denen nur Frauen im Titel vorkommen? Ja, doch. Zwei. Das sind, Etwas mehr als drei Prozent. Und in dem Moment wurde mir dann auch klar, weshalb ich meine Kinderbibel nicht so spannend fand, weil ich keine Möglichkeiten hatte, mich da in den Geschichten wiederzufinden. Selbst wenn die Bilder ganz nett anzusehen waren, inhaltlich hatte das nichts mit mir zu tun. Das ist anders bei der Alle-Kinder-Bibel. Gott sei Dank, beziehungsweise den AutorInnen und dem ganzen Team dahinter sei Dank. Nur Männer kommen laut Titel in 19 von den 35 Geschichten vor und ich finde, ja, das ist ein relativ faires Verhältnis, denn wie gesagt, wir orientieren uns ja immer noch an der Vollbibel, wo Männer auch überrepräsentiert sind und Frauen unterrepräsentiert. Es gibt eine Geschichte, in der alle Kinderbibel 2, wo Frauen und Männer im Titel vorkommen und ganze sieben von 35 Geschichten, in denen nur Frauen im Titel vorkommen. Und das finde ich mal viel, viel sinnvoller, was die Repräsentation angeht. Denn Identifikation ist ein super wichtiger Faktor. Ich habe eine Studie rausgesucht von 2002, ja ich weiß, schon ein bisschen älter, von Hanisch und Buchner. Die haben sich Kinderbibeln und die Rezeption von Kinderbibeln angeschaut und haben dann herausgearbeitet, dass bei einem Drittel der Kinder die Lieblingsgeschichte, die Lieblingsbibelgeschichte durch die Identifikation mit einer Figur entsteht. Und ich finde, das ist schon eine beachtliche Zahl. Stellt aber dann auch die Frage, wie kann ich denn eine Lieblingsbibelgeschichte entwickeln, wenn ich mich mit den Figuren in meiner Kinderbibel nicht identifizieren kann? Und da ist Geschlecht ja einfach nur ein Faktor von vielen. Schauen wir einfach mal auf andere Möglichkeiten oder andere Aspekte, die in der Repräsentation eine Rolle spielen. Schauen wir ganz prominent auf die Bildgestaltung. Welche Hautfarbe haben die Figuren? Und in meiner Kinderbibel sahen die alle schon eher europäisch aus. Also ich würde sagen, die sind nicht Kreideplast, die Figuren, aber die sehen auch nicht so aus wie Menschen, die in den Regionen leben, in denen die biblischen Erzählungen nun mal stattfinden. Die Alle Kinder Bibel macht das ganz toll. Tatsächlich auch nicht unbedingt so historisch, wenn wir uns jetzt auf dem Cover umschauen, sehen wir nämlich alle möglichen Hautfarben und auch Körperformen. Aber es wird in den Texten und vor allen Dingen in der Illustration dann doch sehr, sehr deutlich bei den Geschichten, dass da keiner weiß war in den biblischen Erzählungen, weil es ja eben auch dem Kontext entspricht. Und es ist ja auch ein großes Ziel der Macher von der Alle-Kinder-Bibel, dass eben auch People of Color, Kinder of Color sozusagen sich da wiederfinden können in den Erzählungen. Denn so eine Kinderbibel entwickelt ja vor allen Dingen über so eine visuelle Ebene schon echt früh ein Bild davon, wer dazugehört und wer nicht. Es wird eine Norm gesetzt, wer Christin sein darf und wer eben irgendwie nicht dazugehört, vermeintlich. Und da müssen wir sagen, ist es ja eigentlich das genaue Gegenteil von dem, was in den meisten Kinderbibeln vermittelt wird. Als nächsten Punkt, was die Frage Repräsentation angeht, können wir, da habe ich schon Körperformen angesprochen, können wir aber auch nochmal auf Körper allgemein eingehen. Wie sieht es denn aus mit Menschen, die behindert sind? In meiner Kinderbibel gibt es die Geschichte von dem Gelähmten, für den das Dach abgedeckt wird, aber ansonsten sehen die alle ziemlich trainiert und normschön gesund aus. In der Alle Kinderbibel wird es da tatsächlich dann auch nochmal vielfältiger. Auch da wird eine viel breitere Zielgruppe angesprochen und es wird viel mehr Menschenmöglichkeit zur Identifikation geboten. Das finde ich richtig, richtig gut. Und zur Bildgestaltung in Kinderbibeln kann man natürlich insgesamt auch noch ein paar Kriterien nennen. Ich würde jetzt aber erstmal quasi voranstellen, dass die Bilder immer den Text schon auf eine Art und Weise interpretieren. Gerade wenn Kinder, die noch nicht so gut lesen können, mit Kinderbibeln in Kontakt kommen, die schauen auf die Bilder. Und da ist dann die Farbgestaltung auch was, was total wichtig ist. Da habe ich, ja, oder haben wir ein paar Zuschriften von euch bekommen. Ja, da schaue ich jetzt gerade mal rein. Finde das sehr, sehr spannend und teile ich auch so. Es gibt eine sehr berühmte Kinderbibel-Serie von Kees de Kort. Da hat jetzt jemand genau zu dem geschrieben, Ich habe mich furchtbar vor diesen Figuren mit den großen Augen gegruselt. Aber meine Mama fand und findet sie immer noch toll. Hab ihr gesagt, sie darf sie behalten. Ja, ich glaube, ich hätte auch noch eine abzugeben, wenn da Bedarf ist. Naja, ich fand sie auch super gruselig. Wenn ihr nicht wisst, worum es geht, dann googelt es am besten einfach mal. Ich finde es vom Stil echt schwierig zu beschreiben. Es ist auf jeden Fall sehr, sehr düster und ich habe mir die Bilder auch nicht gerne angeguckt. Jetzt hat noch jemand anderes geschrieben, ich weiß aber nicht in Bezug auf welche Kinderbibel, dass auch die Bilder da schrecklich hässlich gefunden wurden. Weit weg von meinem Leben seltsame Gesichter, würde ich jetzt auch mal auf Case the Court tippen. Jemand anderes schreibt aber positiv über Case the Court, dass Jesus da nicht als weiß abgebildet wurde. Ich habe jetzt tatsächlich gerade nicht mehr nachgeguckt. Ich glaubte mir jetzt aber einfach mal diesem Kommentar hier und schließe mich da mal an in dem Lob. Genau. Also Bilder machen da doch ganz, ganz viel. Dann gibt es noch eine Einsendung von einer englischen Kinderbibel, The Bible for Normal People. Ja, ich schaue mir das auf jeden Fall mal noch an. Vielleicht machen wir mal noch eine Extrafolge zu verschiedenen intersektionalen oder progressiven Kinderbibeln. Jetzt haben wir erstmal so die Basics geklärt, auch mit Blick auf die Uhr, die da oben abläuft. Ich hätte eher gedacht, das wird eine eher kurze Folge hier, aber es gab doch ganz schön viel zu erzählen. Wir waren aber noch nicht fertig mit der intersektionalen Perspektive. Eine Frage, die ich mir auch gestellt habe in Bezug auf Kinderbibeln ist, wie wird denn Gott dargestellt? Da sind wir nochmal beim Geschlechterverhältnis. Mein Gottesbild war bis zu meinem Studium eigentlich männlich. Also es stand für mich nie in Frage, dass Gott irgendwie männlich ist. Auch durch den Eindruck, den ich aus der Kinderbibel gewonnen habe. Aber es gäbe natürlich auch die Möglichkeit, Texte in der Kinderbibel aufzunehmen, die Gott als nicht nur männlich darstellt. Es gibt genug Texte, in denen sich Gott selber auch mit weiblichen Attributen oder Attributionen besser gesagt darstellt. Wie eine Mutter oder wie eine Gebärende. Sehr, sehr spannend. Und solche Geschichten könnte man vielleicht auch mit aufnehmen. Ja, und dann würde ich sagen, wird nochmal ganz, ganz deutlich in der Zusammenschau von diesen intersektionalen Aspekten, dass jede Kinderbibel, jede Jugendbibel nicht nur Bibel, sondern auch immer Auslegung ist. Und dann ist es natürlich umso wichtiger zu schauen, wie die Bibel ausgelegt wird und vor allen Dingen auch, wer die Bibel da auslegt. Das wird für mich auf jeden Fall so ein Kriterium sein, was ich irgendwie beachten möchte bei den Kinderbibeln, die ich so konsumiere und verschenke, weitergebe. Zu meinen eigenen Kriterien, die ich mir jetzt so im Laufe der Zeit, aber auch nochmal besonders in der Recherche für diese Folge entwickelt habe. Zählt zum einen die Ausgewogenheit bei der Darstellung, bei der Repräsentation von Geschlechtern. Das ist mir ganz besonders deutlich geworden. Ich glaube, ich habe meine Kinderbibel nicht gemocht, weil ich da als Mädchen mich überhaupt nicht wiederfinden konnte. Vielen Dank. Glaube ich, kann ich genau so sagen. Und dazu gehört dann für mich eben auch, wird Gott auch weiblich dargestellt. Ganz besonders wichtig ist mir mittlerweile auch, dass eben die Unterordnung vom Alten unter das Neue Testament nicht gemacht wird, aus heilsgeschichtlichen Gründen. Weil das einfach eine Verzerrung ist des Alten Testaments und ihm seinen eigenen Stellenwert abspricht. Die Alle-Kinder-Bibel spricht zum Beispiel da auch vom Ersten und vom Zweiten Testament. Das finde ich schon mal sehr, sehr gut, das so alleinsprachlich auch schon darzustellen. Dann ist mir wichtig, dass in den Abbildungen Vielfalt auch vorkommt, dass Menschen eben nicht als weiß dargestellt werden, weil sie es einfach nicht waren. Und wenn wir dann schon mal bei solchen Fakten sind. Würde ich sagen, Kinderbibel dürfen für mich auch nicht historisieren, weil in meiner eigenen Biografie und Glaubensreise war das schon irgendwie ein Aha-Erlebnis, habe ich ja eben schon erzählt, festzustellen, in welchem Zusammenhang die ganzen Geschichten, die ich da gelernt habe und vorher noch nicht in den Zusammenhang bringen konnte, eigentlich stehen. Und dass es da gar nicht um Geschichte im Sinne von History geht. Das war mir aber irgendwie lange Zeit nicht so wirklich klar. Ja, dann habe ich zum Abschluss noch zwei Fakten mitgebracht, die vielleicht auch ganz spannend sein können, um das Ganze nochmal etwas intersektionaler zu gestalten und vor allen Dingen interreligiöser. Es gibt nicht nur eine Kinderbibel oder tausend, über tausend Kinderbibeln, sondern es gibt mittlerweile auch ein Kinderkoran. Tatsächlich sogar zwei Stück. Ich schaue hier gerade nochmal genau. Es gibt einmal den Koran für Kinder und Erwachsene, der erschien 2008 und dann 2010, was der Koran uns sagt. Und so wie es einen Kinderkoran gibt, gibt es auch eine Kindertora. Die heißt, erzähl es deinen Kindern. Die ist aber tatsächlich schon mehr als 50 Jahre alt. Ich finde, das ist eigentlich ein ganz schöner Ausblick. Je nachdem, wenn man sich auch im Religionsunterricht mal damit beschäftigen möchte mit anderen Religionen oder vielleicht für sich selber nochmal einen einfachen Zugang zu Tora und Koran finden möchte, könnte man auch da mal reinschauen. Und da stelle ich mir auch Vergleiche, auch in intersektionaler Perspektive, sehr, sehr spannend vor. Ich hoffe, ihr konntet hier heute ein bisschen was lernen für eure nächste Kinderbibel-Shopping-Tour oder für euer Nachdenken über eure eigene Biografie und Glaubensreise oder alle möglichen anderen Bereiche, in denen Kinder- und Jugendbibeln so vorkommen können. Vielleicht benutzt ihr, wenn ihr pädagogisch, religionspädagogisch unterwegs seid, die jetzt auch mit ein bisschen mehr bedacht oder mit einer anderen Perspektive. Das würde mich auf jeden Fall sehr freuen. Und ja, wenn ihr mögt und noch Gedanken zu Kinder- und Jugendbibeln habt oder auch welche empfehlen möchtet, dann könnt ihr das ja gerne kommentieren unter dem Podcast hier oder auch auf Instagram. Ich wäre auf jeden Fall gespannt auf eure Empfehlungen. Vielleicht stellen wir immer noch ein Best-of zusammen oder so. Auf jeden Fall, die Auswahl mit den über 1000 im deutschsprachigen Raum ist groß genug. So, und damit würde ich sagen, war es das hier von dieser Folge. Ich freue mich, dass ihr zugehört habt. Bis zum nächsten Mal. Music.