Hallo und herzlich willkommen zum Bücheralarm-Podcast vom Projektunterricht Klasse 6 am Gymnasium Gernsheim. Ich bin Milo und heute nehmen wir euch mit ins Jugendbuch, genauer gesagt in den Roman Bunte Fische überall von Katrin Schrocke. Wir besprechen, was dieses Buch so besonders macht, welche Themen es behandelt und warum es sich lohnt, darüber zu reden. Also, Kopfhörer auf, gemütlich machen, los geht's! Zunächst einmal, worum geht es in dem Buch? Kurz zusammengefasst, die 13-jährige Barney lebt bei zwei Vätern, Papa und Dad, und freut sich eigentlich auf ihren Geburtstag und ein Eif. Stattdessen bekommt sie ein langweiliges Notizbuch. Das nutzt sie dann als Tagebuch und schreibt darin über ihr chaotisches Leben. Die Klasse macht ein Projekt mit Plastikpuppen, um zu frühes Schwangerwerden zu vermeiden. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler in Zweierteams eine lebensechte Babypuppe betreuen. Rund um die Uhr. Barney landet mit ihrem Schwarm sehr geltend im Team und plötzlich läuft alles anders als erwartet. Kommen wir zu den Hauptfiguren und der Familie rund um Barney. Musik.

Hallo, ich bin Mara und stelle euch heute Barney vor. Barney ist 13 Jahre alt, sehr lustig, aber manchmal auch nachdenklich. Ihre beste Freundin ist Finja und Barney ist verliebt in Sergej. Sie wächst bei zwei Vätern auf und geht damit aber ganz offen um. Hallo, ich bin Fabian und ich stelle euch heute Dad vor. Dad ist der nicht leibliche Vater von Barney und er liebt deutsche Sprichwörter. Er ist nicht so streng wie Papa, dafür hat er aber seine Tochter einmal bei Galeria Kaufhof vergessen. Er hält nichts von einem Süßigkeitenverbot. Deshalb darf Barney Süßigkeiten essen, wenn Papa nicht da ist.

Hallo, ich bin Sahil und stelle euch heute Papa vor. Papa ist der leibliche Vater von Barney. Er ist recht streng und gegen elektronische Geräte und Süßigkeiten. Hallo, ich bin Milo und erzähle euch etwas über Sergej. Sergej ist sehr sportlich und skatet gerne auf seinem Skateboard. Er mag auch Videospiele. Barney und Sergej betreuen zusammen eine Puppe namens Herbie. Hallo, ich bin Mia und ich erzähle euch heute, wer Finja ist. Finja ist die beste Freundin von Barney. Sie spielt Fußball und ist sehr oft beim Training. Finja und Barney wollten das Babyprojekt eigentlich zusammen machen, aber da Barney in Seltschall verknallt ist, macht sie es mit ihm. Finja ist daher sauer. Finja ist ein bisschen in Barneys Dad verliebt. Hallo, ich bin Labika und stelle euch Martina vor. Martina ist die leibliche Mutter von Barney. Sie lebt um die Ecke in einer Wohnung. Sie ist wie eine gute Freundin für Barney. Sie hat einen Hund und reist viel. Hallo, ich bin Lilly und stelle euch heute Frau Zelensky vor. Frau Zelensky ist Banis Lehrerin und betreut das Schulprojekt Babybedenkzeit. Sie will den Jugendlichen Verantwortung beibringen, trifft aber manchmal nicht ganz den richtigen Ton.

Jetzt wollen wir tiefer schauen, welche Themen der Jugendroman aufwirft und warum das gerade für Jugendliche spannend ist. Hi Sahil! Hi Benedikt! Wie hat dir eigentlich dieses neue Buch, dieses bunte Fische, überall gefallen? Ich fand das Buch ziemlich spannend, weil es mal etwas anderes war.

Regenbogen-Familie, darüber hatte ich mich noch vor wenig gewusst. Barney geht total locker und offen mit ihren zwei Vätern um. Das gefällt mir. Man erhält auf jeden Fall Einblicke in andere Lebenssituationen. Das gefällt mir. Das Buch zeigt, dass Familie viele Formen hat und dass Akzeptanz wichtig ist. Benedikt, wie findest du es, dass Barney bei zwei Vätern aufwächst? Klar, anfangs denkt man, da fehlt doch was. Aber schnell merkt man, dass es eigentlich genauso wie in anderen Familien zugeht. Ich finde es gemein, dass Sergej Barnis lebensweise kritisiert. Da beide Väter kümmern sich rührend um Barni, da gibt es gar nichts daran auszusetzen. Sahil, was war dein Lieblingscharakter? Barni ist natürlich sehr sympathisch, aber ich fand, der Dad war mein Lieblingscharakter, weil ich finde ihn sehr locker und lustig. Das Schulprojekt mit der Babypuppe bringt Barney und Sägel dazu, Rollen auszuprobieren. Elternrolle, Pflege, Verantwortung. Benedikt, wie findest du das, wenn das Babyprojekt auch an deiner Schule durchgeführt werden würde? Bestimmt spannend, aber man würde schnell merken, dass wir noch nicht bereit für schreiende Säuglinge sind.

Insgesamt ist Bunte Fische überall ein spannendes Roman, der einem eine neue Perspektive zeigt. Er ist für alle zu empfehlen, die sich ohne Vorurteile ein eigenes Bild machen.

Vielen Dank für das gute Gespräch. Jetzt hören wir einmal, was die Autorin Katrin Schrocke zu ihrem Jugendroman Bunte Fische überall zu sagen hat. Hallo liebe Frau Schrocke und herzlich willkommen zu unserem Interview. Wir sind Delia und Adna und haben ein paar Fragen für Sie vorbereitet. Also ich würde mal anfangen. Und zwar, wie kamen Sie zum Schreiben und was war oder ist Ihre Inspiration? Ich habe schon in eurem Alter den Wunsch gehabt, später mal Schriftstellerin zu werden, einfach weil ich Geschichten so gemocht habe, nicht nur jetzt in Büchern, sondern auch Filme oder Theaterstücke. Ich bin also ganz, ganz oft ins Kino gegangen. Ich habe alle Bücher der Schulbücherei durchgelesen und dachte mir immer, das muss ein Traumberuf sein, wenn man davon lebt, dass man sich Geschichten ausdenken kann. Genau, das war so der Anfang, dass es geklappt hat, ist eigentlich ein großes Wunder, weil sehr, sehr viele Menschen Schriftsteller, Schriftstellerinnen werden wollen. Wenn man mit Leuten im Verlag spricht, dann erzählen die einem das nur eines von 100 eingeschickten Manuskripten, so nennt man eben ein unfertiges Buch, das dann vielleicht veröffentlicht wird, aber nur einer von 100 Texten wird überhaupt veröffentlicht. Also es ist ein bisschen auch wie so ein Glücksspiel und ich hatte eben das Glück, dass ich das irgendwann geschafft habe, dass ich in diese Branche reingerutscht bin. Den Wunsch hatte ich aber tatsächlich eigentlich schon immer. Und meine Inspiration ziehe ich immer aus echten Begegnungen in meinem Alltag, in meinem Leben.

Meist ist es eben so, dass ich eine Person treffe, die irgendein ganz anderes Leben führt als ich, irgendein ganz anderes Schicksal hat. Als Beispiel nenne ich eine gehörlose junge Frau, die ich mal kennengelernt habe und die bei mir dann ganz viele Fragezeichen geweckt hat. Eben zum Beispiel, ja, wie sind deren Eltern auch gehörlos? Wie sieht deren Schulalltag aus? Wie verständigt die sich? Was für Probleme hat die? Was würde jetzt passieren, wenn die sich zum Beispiel für einen hörenden Jungen interessieren würde? Würde die dann da ganz easy Kontakt aufnehmen können? Genau, und aus diesen Gedanken und aus diesen Fragen, die ich mir als Privatperson stelle, die ich mir persönlich stelle, kann dann eben eine Geschichte entstehen. Und in dem Fall war das mein Buch Freak City. Das es eben seit sehr, sehr vielen Jahren gibt, das auch verfilmt worden ist und das eben den Alltag und die Schwierigkeiten, aber eben auch die tollen Aspekte eines Lebens einer gehörlosen jungen Frau schildert.

Die zweite Frage ist, wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch über das Thema Regenbogenfamilie zu schreiben? Die Idee hatte ich schon vor sehr vielen Jahren, ganz konkret im Jahr 2014.

Damals habe ich in Berlin gelebt. Ich hatte viel Kontakt mit Regenbogenfamilien und habe gemerkt, dass man dort sehr offen mit diesem Thema umgeht. Also ganz anders als zum Beispiel in Bayern, wo ich aufgewachsen bin, was sehr katholisch geprägt ist und wo man eine sehr konkrete Vorstellung von Familie hat, und zwar Vater, Mutter und Kind oder Kindern. Und in Berlin habe ich das eben ganz anders erlebt. Und in der Zeit aber ist politisch etwas passiert, was mich sehr, sehr verärgert hat. Und zwar hat man in Baden-Württemberg damals entschieden, den Lehrplan zu verändern. Die Lehrkräfte, die Pädagogen haben damals entschieden, dass man mit der Zeit gehen muss und mit jungen Menschen eben zum Beispiel auch darüber reden sollte, dass es alternative Familienmodelle gibt. Dass es so etwas wie Regenbogenfamilien gibt, dass es Menschen gibt, die schwul oder lesbisch sind. Das war bis dato einfach, wurde das in der Schule überhaupt nicht thematisiert. Und ich fand das eigentlich eine ziemlich tolle Entwicklung, weil ich eine Schulzeit erlebt habe, in der ganz viele Themen tabuisiert wurden, obwohl sie natürlich existiert haben. Und ich fand das schon als Jugendliche immer total toll. Irritierend, dass man über so vieles nicht gesprochen hat, was aber ja Bestandteil des Lebens ist.

Und mich hat es total gefreut, dass dieser Schulplan angepasst werden sollte. Und dann ist aber passiert, dass besorgte Eltern, besorgte Erwachsene auf die Straße gegangen sind und gegen diesen veränderten Lehrplan protestiert haben. Die haben gesagt, wir wollen nicht, dass mit unseren Kindern über solche Themen gesprochen wird. wir finden das alles abnormal und krank und unsere Kinder sollen nicht beeinflusst werden und sollen davon ferngehalten werden. Und das war ein richtig großer Protest, der auch erfolgreich war damals. Und zeitgleich ist in vielen Ländern so eine Entwicklung festgestellt worden, dass Autoren und Autorinnen auch aus Büchern zu diesen Themen nicht mehr vorlesen durften, dass diese Bücher auch verboten wurden. Und das war damals vor allem Russland.

Da wurde es eben Erwachsenen, ein paar Gesetze verboten, mit Jugendlichen über diese Themen zu sprechen, darüber zu diskutieren. Und mich hat das damals so geärgert als Autorin, dass ich mir dachte, okay, wir Schriftsteller, Schriftstellerinnen, die wir Jugendbücher schreiben, wir haben die Möglichkeit, diese Themen dann eben über einen Umweg an die Schulen zu bringen. Meine Bücher werden zum Glück an vielen Schulen als Klassenlektüre gelesen.

Wenn verboten ist, dass das im Lehrplan steht, wenn verboten ist, dass irgendwie diese Bücher in der Bibliothek ausgestellt werden, ja, dann schreibe ich halt ein Jugendbuch in der Hoffnung, dass es vielleicht in einer Schulklasse gelesen wird. Und das ist dann auch passiert, nicht mit dem damaligen Buch, das ist richtig geflockt damals, das war einfach zu früh, es war die falsche Zeit, aber in den Folgejahren ist das Thema immer brisanter geworden. Ihr wisst vielleicht, dass es inzwischen auch in den USA so ist, dass Bücher zu diesen Themen wie eben LGBTQ oder Regenbogenfamilien oder Rassismus tatsächlich an vielen, vielen Schulen verboten sind, auch nicht in der Schulbibliothek verliehen werden dürfen. Das heißt, es ist ein politisch sehr brisantes Thema, obwohl es ein ganz harmloses Buch ist. Aber es ist eben vor drei Jahren nochmal oder zwei Jahren neu aufgelegt worden unter einem neuen Titel. Damals hatte es einen anderen Titel und jetzt hat es sich ganz stark durchgesetzt als Schullektüre. Es wird an vielen Schulen im deutschsprachigen Raum gelesen und auch diskutiert. Und das ist für mich großartig, einfach weil ich finde, man kann ganz unterschiedlicher Meinung sein, aber man muss einfach eine Basis haben, auf der man zumindest darüber diskutieren und reden und Meinungen austauschen darf.

Wir haben ja das Glück, das Buch gelegen zu haben. Spielt das Thema Regenbogenfamilie in Ihrem Alltag eine große Rolle? Insofern, als ich Freunde und Freundinnen habe, die in Regenbogenfamilien leben, die Regenbogenfamilien haben, insofern spielt das eine Rolle. Ich selber habe keine Kinder.

Was würden Sie tun gegen Diskriminierung in der Schule und hatten Sie sowas schon mal? Ich selber habe als Schülerin nie Ausgrenzung oder Diskriminierung erlebt, aber ich weiß, dass es ein Riesenthema ist und dass wahnsinnig viele junge Menschen gemobbt werden aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ich finde, das ist eines der wichtigsten Themen, über die man sprechen muss an Schule, aber ich habe überhaupt keine Ahnung, wie man das angehen kann. Also ich leiste meinen Beitrag, indem ich einfach immer in meinen Büchern über Außenseiter, Außenseiterinnen schreibe. In all meinen Büchern geht es um Ausgrenzung und ich hoffe halt, dass ich dann durch die Lesungen, durch die anschließenden Gespräche mit den Jugendlichen für diese Themen sensibilisieren kann. Vielleicht auch diejenigen Unterstützer, die von Mobbing-Ausgrenzung betroffen sind. Aber tatsächlich reicht es natürlich nicht. Das Thema muss ganz dringend innerhalb der Klassen auch besprochen werden. Muss es Workshops geben. Aber mir fehlt da tatsächlich auch jegliche Idee, wie man dieses Riesenthema bewerkstelligen kann. Aus dem Buch Bunte Fische überall fanden Sie da Dad oder Papa Kuh?

Ich fand natürlich Dad cooler, aber ich denke, das geht den meisten Leser und Leserinnen auch so. Der ist halt derjenige, der irgendwie viel durchgehen lässt, der sehr engen Draht zu Bani hat und Papa ist halt der ewig Besorgte, der ein bisschen strenger ist. Aber im Grunde sind ja beide sehr nett.

In dem Buch ging es auch um das Babyprojekt. Hätten Sie das damals gerne selbst in der Schule gehabt oder hatten Sie sowas schon mal? Nein, zu meiner Schulzeit gab es das nicht. Ich erzähle den Jugendlichen bei den Lesungen immer, dass es eben nicht erfunden ist, dieses Babyprojekt, sondern das ist tatsächlich ein Angebot von Jugendämtern. Das machen die mit siebten Klassen. Also was ganz schön früh und jung ist, aber so ist es ja auch in meiner Geschichte. Die sind 13, glaube ich, als sie dieses Projekt machen. Ich glaube, ich hätte das ziemlich spannend und witzig gefunden als Jugendliche. Ich wäre da sehr offen gewesen, das zu machen. Allerdings bin ich aufgewachsen mit sehr vielen, umgeben von ganz vielen kleinen Kindern und ich weiß genau, wie anstrengend das ist. Also ich hätte niemals so ein Projekt gebraucht, um zu begreifen, wie super anstrengend es ist, ein Kind aufzuziehen. Bisschen abgesehen von dem Thema, was war denn Ihr Lieblingsfach in der Schule? Mein Lieblingsfach in der Schule war, glaube ich, Geschichte, mochte ich ganz gern. Deutsch so halb, kam darauf an, was man eben gemacht hat. Kunst mochte ich, ja.

Genau, das waren, glaube ich, meine Lieblingsfächer. Barney hat ja Fischer. Haben Sie selbst auch Haustiere? Nein, ich habe keine Haustiere. Ich bin beruflich sehr, sehr, sehr viel unterwegs, was man bei einer Autorin erstmal gar nicht erwarten würde. Man stellt sich vor, die sitzt die meiste Zeit am Schreibtisch oder in irgendeinem Café und denkt sich Geschichten aus. Tatsächlich leben wir Autoren, Autorinnen aber von den Lesungen. Das heißt, wir sind einen Großteil des Jahres unterwegs, treten an Schulen auf, in Buchhandlungen, in Bibliotheken und das ist bei mir auch der Fall. Das heißt, ich bin ganz, ganz selten nur zu Hause. Das heißt, ich hätte gar nicht die Möglichkeit, mich groß um ein Haustier zu kümmern. Was ist Ihr Lieblingsbuch, also einmal von sich und dann generell?

Meine Bücher mag ich eigentlich alle ganz gern, behandeln fast alle oder eigentlich alle sehr wichtige Themen, finde ich. Mein mutigstes Buch ist wahrscheinlich Weiße Tränen, weil es ein sehr politisches Thema behandelt. Es geht um Alltagsrassismus an Schulen, auch von Lehrkräften gegenüber Schülern und Schülerinnen, auch Rassismus unter Schülern und Schülerinnen. Und das ist ein super komplexes Thema, weil es Verletzungen auf beiden Seiten gibt und es ist ein super kontroverses Thema, worüber man sehr stark streiten kann und dass ich das trotzdem dieses heiße Eisen angefasst habe, darauf bin ich sehr stolz, aber es ist tatsächlich auch das Buch, das am meisten polarisiert und wozu ich auch immer mal wieder Hassnachrichten, Hassmails bekomme, vor allem von Erwachsenen.

Haben Sie weitere Buchtipps für uns? Genau, du hast noch gefragt, was so mein Lieblingsbuch ist. Ich bin ein absolut großer Fan von Kravik-Novels, also von Comic-Romanen. Da gibt es einfach ganz, ganz großartige, so ganz tollen Themen. Und ansonsten lese ich so querbeet alles Mögliche. Ich kann gar nicht sagen, dass ich da irgendwie einen bestimmten Lieblingsautor oder so habe. Also das waren unsere Fragen. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben und wir hoffen, dass Ihnen das Interview gefallen hat. Vielleicht sehen wir uns in Zukunft ja wieder. Vielen Dank für eure Fragen.

Zu guter Letzt wollen wir uns noch einen Blick in das Buch selbst verschaffen. Ich hörte eine Textstelle vor, wo Barney von ihrem super komischen Schulalltag erzählt. Heute in der Schule hatte Frau Selenski ein Baby dabei. Kein echtes, sondern eines aus Plastik. Was ist das? fragte Tore. Ein Baby? Sagte Frau Selenski. Ihr Baby? fragte Tore und die ganze Klasse lachte. Frau Selenski überhört das einfach. Ihr könnt euch doch hoffentlich noch an das Thema erinnern, das wir die letzten zwei Wochen im Biologieunterricht hatten.

Wir schwiegen. Wir konnten uns natürlich alle daran erinnern, aber wir wollten nicht. Es war schlimm genug, dass jeder von uns auf einmal primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale hatte. Seit neuestem gab es auch noch die passenden lateinischen Namen dazu. Unsere Schule beteiligt sich am Projekt Babybedenkzeit des Jugendamts. Hallo, ich bin Carina und ich lese euch jetzt eine Textstelle vor, wo sich Bani und Sergej im Rektorat treffen. Sergej und ich hockten nebeneinander im Rektorat. Rektor Emmerich war krank und Frau Selenski saß hinter dem wuchtigen Schreibtisch. Sie hatte uns nach der ersten Stunde her bestellt, um etwas Privates mit uns zu besprechen. Hatte mein Papa seine Androhung also doch wahrgemacht? Hatte er bei meiner Lehrerin angerufen, um sich zu beschweren? Mein Blick glitt über die vielen Ordner im Regal. Ich fühlte mich ehrlich unbehaglich. Frau Selenski öffnete eine Mappe. Es ist mir ein bisschen unangenehm, euch auf diese Sache anzusprechen, fing sie an. Aber ihr wisst ja, von mir kann man rein gar nichts verbergen. Und offenbar steht Redebedarf.

Redebedarf? Ich hatte bestenfalls Erholungsbedarf. Heute Nacht hatte ich mal wieder kaum geschlafen. Dieses Projekt ist für euch alle eine ungewohnte Situation, fuhr Frau Selenski fort. Ihr entdeckt ganz neue Seiten an euch. Seiten, die ihr vorher noch gar nicht kanntet und hin und wieder entstehen Gefühle, die euch überwältigen. Gefühle, für die ihr unter Umständen noch nicht reif genug seid. Immer wenn sie das Wort Gefühle sagt, wurde ihre Stimme eine Oktave tiefer und sie sah uns eindringlich an. Das ist alles gar nicht schön, sondern absolut normal und deshalb wollte ich mit euch beiden reden. Gibt es also irgendetwas, das ihr mir berichten wollt? Ich wurde rot. Sergei machte den Mund auf, aber ich war schneller. Oder es ist so, dass mein Papa...

Hallo, ich bin Labika. Heute hat sich Bani nach einem Streit wieder mit Sergej vertragen. Sergej und ich hatten den ganzen Nachmittag gemeinsam verbracht. Erst waren wir mit dem Boot über den See gefahren und hatten mit dem Paddel ein Liebespaar erschreckt. Dann hatten wir an einem Kiosk eine Cola getrunken und uns eine Familienportion Nachos geteilt. Zum Abschluss waren wir noch in Sergejs Zimmer verschwunden und hatten uns ziemlich lange geküsst. Leider war das Philipp gekommen. Worum ging es bei eurem Streit, Barney? Ich belegte den Pizzateig mit Tomaten und Pilzen. Ach, um dies und das, aber jetzt ist wieder alles in Ordnung. So, das war's. Ich hoffe, euch hat unser Bücher-Alarm-Podcast gefallen. Wir, die Projektgruppe Klasse 6 am Gymnasium Gernsheim, sagen Tschüss.