Man hört momentan so viel von Flucht, in den Medien, zu Hause oder von Freunden. In unserem Kopf ist ein großes Durcheinander, wenn wir an Flucht denken.
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Wir sind die Bücherevents AG der Wöhler Schule in Frankfurt am Main. Wir sind Maya, Sophie, Hamza, Christian, Lilly, Muna, Mira, Friederike, Sohaib, Gabriel und Johanna. Wir sind in der Schulbücherei der Wöhler Schule. Heute stellen wir euch das Buch im Land der weißen Schokolade vor von Martin Dulesch. Das Buch erschien 2023 im Magellan Verlag und wir empfehlen es ab elf Jahren. Auf dem Cover sieht man eine große weiße Schokolade und ein rotes Auto. In der Mitte steht der Titel vom Buch und der Name des Autors. Die weiße Schokolade und das rote Auto beschreiben das Buch und spielen eine wichtige Rolle im Buch. Für was steht die weiße Schokolade eigentlich? Hunger! Da machst du dir die Sache, aber viel zu leicht. Für Martin steht die weiße Schokolade für Freiheit, Luxus und Deutschland. Ohne Martin geht es hier nochmal. Aber kommt die weiße Schokolade eigentlich aus der Schweiz? Ja, aber Martin träumt immer bei der weißen Schokolade von Deutschland. Immer wenn ich das Buch sehe, kriege ich Hunger auf weiße Schokolade.
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Wenn ihr wissen wollt, worum es in dem Buch geht, dann hört jetzt gut zu. Martin lebt wie jeder andere Junge in der Tschechisch-Slowakei, damals im Kommunismus. Allerdings trennt ihn eine Sache von den normalen Kindern, seine Eltern. Diese hörten nämlich jeden Abend heimlich das freie Radio mit dem Ziel, irgendwann zu fliehen. Dieses Ziel wird immer fester und sie wollen es verwirklichen. Währenddessen muss Martin den Pionieren beitreten und dort verliebt er sich in seine junge Leiterin Ivanka. Er tut alles, um ihr zu gefallen. Damit belügt er irgendwann alle um sich herum, aber vor allem belügt er sich selber. Irgendwann ist es soweit und sie verabschieden sich mit den Worten, dass sie jetzt für drei Wochen nach Jugoslawien in den Urlaub fahren. Die Fahrt nach Ungarn verlief eigentlich gut, bis ihr Motor überhitzt. Martins Vater geht in die Stadt, um Wasser zu holen. Und er und seine Mutter sind für einen ganzen Tag alleine. Endlich angekommen, bekommt die Familie ein Visum für Österreich. An der österreichischen Grenze holt ein Schleuser sie ab und möchte sie über die Grenze bringen. Doch als Martin von der Toilette wiederkommt, sieht er, wie seine Eltern von der Polizei weggefahren werden. Erstmal fährt er zu den Freunden seines Vaters. Doch wie soll es jetzt weitergehen?
Der Roman hat uns sehr beschäftigt und uns schwirren viele Fragen dazu im Kopf herum. Zum Glück dürfen wir Herrn Dulesch interviewen und ihm alle unsere Fragen stellen. Und nun unser Interview für euch.
Hallo, wir sind die Bücherwärme zur Gilderwöhler Schule. Wir danken Ihnen, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Hier kommen erstmal die ersten Fragen. Warum haben Sie genau dieses Buch mit dieser Geschichte geschrieben? Weil es meine persönliche Geschichte ist und ich die einfach loswerden wollte. Also ich habe mal angefangen mit Kurzgeschichten, mit einzelnen Episoden aus meinem Leben, die ich so erlebt hatte. Und dann hatte ich irgendwann mal die Idee, daraus einen Roman zu machen. Gibt es viele Ähnlichkeiten zwischen Ihren Fluchterfahrungen und Martins? Ja, sehr viele. Es ist nicht hundertprozentig alles so wie in einem Roman, aber sehr viel ist es sehr ähnlich. Welche Stellen waren für Sie schwierig zu schreiben? Ich glaube, die Stellen mit meinen Eltern, die so Probleme hatten am Anfang in Deutschland und so. Ist ja auch nicht alles im Roman geblieben, aber das waren so die schwierigsten Sachen, weil es total schwierig ist, über echte Personen zu schreiben, weil meine Eltern lesen das ja dann.
Und deswegen will man sie nicht verletzen oder beleidigen und gleichzeitig will man ja auch nicht was erfinden. Wie lange hat es gedauert, das Buch zu schreiben? Super lang, weil ich nicht die ganze Zeit nur an einem Buch gearbeitet habe. Ich bin ja Drehbuchautor hauptsächlich, also ich schreibe Drehbücher, Für Fernsehen und Kino und so. Und ich habe nicht so viel Zeit für so einen Roman. Und deswegen hat das tatsächlich 19 Jahre gedauert.
Also älter als ihr seid. Also ich habe angefangen, wie gesagt, mit diesen Kurzgeschichten. Und dann habe ich das, irgendwann mal hatte ich dann 160 Seiten oder so mit Kurzgeschichten. Und dann habe ich das ein paar Jahre liegen lassen. Und dann habe ich es nochmal überarbeitet und dann hat mir eine befreundete Agentin, die Literaturagentin, gesagt, Kurzgeschichten ist schwer zu verkaufen, aber du kannst doch einen Roman draus machen. Und es hat dann zwei, drei Jahre gedauert und dann habe ich es wieder ein paar Jahre liegen lassen und so ging dann die Zeit vorbei. Falls noch Fragen, warum Sie das Buch Nulland der weißen Schokolade genannt haben? Also der Titel stammt vom Verlag. Der Verlag hat sich den Titel ausgedacht. Ich finde den schön. Der heißt ganz einfach so, weil es in der Czechoslovakie, wo ich aufgewachsen bin, in der Kleinstadt bei uns nie weiße Schokolade gab.
Und mein Papa hat einmal weiße Schokolade mitgebracht. Und die fand ich so unfassbar toll. Und wollte nur noch weiße Schokolade. Und die gab es aber nicht. Und in Deutschland, wo wir dann hingegangen sind, gab es. Das war das Land der weißen Schokolade und deswegen kam der Verlag darauf, das als Titel zu nehmen. War es nicht sehr schwer, das war ja auch irgendwie ein Trauma, war es nicht sehr schwer, es auch in einem Buch zu verfassen und dann kommen ja alle Emotionen wieder hoch und so? Ich weiß nicht, schwer fand ich es nicht, ich fand es interessant. Also zuerst habe ich, wie gesagt, das aufgeschrieben und es war wie so ein therapeutischer Prozess. Also wie man, ich weiß nicht, ob ihr es schon mal von Psychotherapie gehört habt.
Also es gibt ja Ärzte oder Therapeuten, die sind für den Verstand, also für die Psyche zuständig und wenn es einem nicht gut geht, kann man mit denen reden und eine Therapie machen. Und das Aufschreiben war so eine Form von Therapie. Also ich konnte die Sachen aufschreiben und mir fiel immer mehr und mehr ein. Je mehr ich aufgeschrieben habe, desto mehr fiel mir ein, desto mehr Erinnerungen kamen zurück und so. Und auch das Aufschreiben konnte ich die Sachen irgendwie verarbeiten tatsächlich. Ich habe noch eine Frage und zwar, gab es diese Liebesgeschichte mit den Mädchen, gab es die wirklich oder haben sie sich die ausgedacht? Die gab es so halb. Ich hatte das Mädchen Gabs wirklich und ich habe die Episoden, die in der Tschechoslowakei spielen, zum Beispiel diese Pioniereinheit und wie wir da an dem Denkmal stehen und diese Annäherung mit ihr, das habe ich alles erlebt. Also das ist alles wirklich so passiert. Aber ich habe zum Beispiel sie nicht eingerufen. Also ich habe darüber nachgedacht, das zu tun, aber ich habe es nicht gemacht. Und das ist eben der kleine Unterschied zur Realität, dass es im Buch halt stattfindet als Rahmenhandlung. Wir haben keine Fragen mehr. Keine weiteren Fragen.
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Martins Fluchtgeschichte und seine Liebesgeschichte mit Ivanka sind so spannend. Deswegen haben wir euch dazu drei Textstellen ausgesucht. Er erfahrt selbst, was Ivanka für ein Mädchen ist, wie Martins Annäherung klappt und wie es Martin auf seiner Flucht ergeht. Um halb sechs wohnt Ivankas Vater in seinem liefigen Skoda in Richtung Prag. Dieser schlecht rasierte Mann, der wahrscheinlich erst vor wenigen Minuten sein sozialistisches Plan soll erfüllt hatte und deshalb ganz außer Atem war, redete mit seiner Tochter wie mit einer jüngeren Parteigenossin. Hast du dein Tuch ordentlich gewunden? Ja, Vater. Wie viel Kilo Altpapier habt ihr letzte Woche gesammelt? Acht Kilogramm, Vater. Sie nannte ihn immer ganz förmlich Vater. Nur? Ja, Vater. Dann seid ihr unter dem Soll. Ja, Vater. Und Altmitteil? Da sind wir im Soll, Vater. Fünf Kilo. Bis zu diesem Augenblick hatte ich gedacht, dass der ganze Kommunismus eine Erfindung der 18 Uhr Nachrichten war, bei der nicht wirklich jemand mitmachte. Doch nun sah ich den lebenden Beweis. Der real existierende Sozialismus war eine gottverdammte Tatsache. Ich wollte Ivanka erlösen, aber sie wirkte so angespannt, dass ich es nicht warte zu sprechen. Und du, Genosse?
Ich war irritiert, meinte er mich. Du bist auch stolz, den gefallenen Helden die Ehre zu erweisen. Ich schaute Ivanka an. Sie sah mich an, als hätte sie Angst vor meiner Antwort. Natürlich! Schön, nickte er. Ivanka lächelte erleichtert.
Zunächst war es komisch, mitten im Raum herumzuhüpfen. Aber die anderen Mädchen und Radka lachten mit Zustimmung zu. Der Alkohol stieg mir durch die wilden Bewegungen und die wenige Luft im Keller zu Kopf und ich fühlte mich, als würde ich in der Musik von ABBA aufgehen. Radka und ich nahmen uns an den Händen und drehten uns wild. Es war ein herrlicher Rausch. Dann sah ich sie aus dem Augenwinkel. Ivanka. Sie stand in der Tür und beobachtete uns. Ich ließ Radka unwillkürlich los, tanzte jedoch weiter. Die Hoffnung war wieder da. Die Hoffnung, Ivanka hätte auch Gefühle für mich und würde jetzt mittanzen. Doch als ich wieder zur Tür schaute, war Ivanka weg. Das Lied war zu Ende und mir war so schwindlig, dass ich mich setzen musste. Die anderen lachten und tranken weiter, aber ich hatte genug. Ich suchte mit meinen Blicken nach Ivanka, als mir ein Gedanke durch meinen Körper schoss. War Ivanka sauer auf mich, weil ich so blöd war, ihre Signale nicht zu verstehen? Hatte sie die ganze Zeit auf meinen ersten Schritt gewartet? Ich wollte Ivanka nach. Da wurde die Tür aufgerissen und mir fast auf die Nase geknallt. Sie stand direkt vor mir. Ivanka war zurückgekommen und blickte mich streng und vorwurfsvoll an. Ich dachte, es lege daran, dass ich mit Radka anstatt mit ihr getanzt hatte. Die Zeit des Leidens ist vorbei, sagte ich. Das Bier machte mich mutig und ich küsste Ivanka auf den Mund. Ihr Mund fühlte sich hart und kalt an. Machte ich etwas falsch, ich schaute sie fragend an und sie verpasste mir eine schallende Ohrfeige.
Dabei warf sie mir ein Blick zu, als hätte ich die Butterbestände der Tschechoslowakei an den Feind verkauft.
Der Schleuser steht langsam und sehr bemüht, cool zu wirken, aus seinem Wagen aus. Er trägt Jeans und eine schwarze Sonnenbrille. Meine Mutter schaute ihn schockiert an. Der sieht aus wie ein schlechter Trickbetrüger. Dafür benimmt er sich aber wie ein Geheimagent aus dem Louis-D. Fulney-Film, versuchte es Papa mit einem Scherz. Meine Vorahnungen waren nicht ganz falsch gewesen. Was machen wir jetzt? Flüsterte Mama besorgt.
Willst du nach Hause fahren? fragte Papa scharf. Mamas Gesicht sagte ja, aber da begrüßte uns der Schleuser schon übertrieben herzlich, als wären wir seine verschollen geglaubte Familie. Huschka! rief der Schleuser mit lauter Stimme. Lukas, erwiderte Papa. Ich dachte darüber nach, dass unser Schleuser Birne hieß. Wie geht's euch? Gut, nickte Papa und beobachtete den Schleuser. Habt ihr die Raststätte gut gefunden? Fragte Birne und sprach übertrieben lässig weiter, ohne auf eine Antwort zu warten. Dabei legte er seinen Arm verschwörerisch um meinen Vater. Ich nehme Vera und den Kleid mit dem Pass meiner Frau mit über die Grenze und dann hole ich dich. Alles klar? Meine Eltern waren ihr Gesichtern nach zu urteilen nicht klar. Zudem Birne alles klar auf Deutsch gesagt hatte. Das ist kein Problem. Meine Kinder sind im Pass meiner Ehefrau eingetragen. Und die sieht Vera ja sehr ähnlich. Er zeigte uns selbstsichertes Passfoto seiner Frau, die mit viel Fantasie die Mutter meiner Mutter sein konnte. Wir schauten uns an, als würde Birne einen Witz machen. Aber Birne war es ernst. Kein Problem. Wir liefen zu seinem alten Ford Towns, meine Mutter mit zwei Koffern und ich mit meiner Jutetasche mit Spielzeug.
Unser Auto würden wir zurücklassen, zusammen mit unserem Zelt und unserem tschechischen Leben. Es tat mir leid, der kleine rote Flitzer, der aussah wie ein Spielzeugauto. Nach einer kurzen Einführung in das Verhalten illegaler Flüchtlinge auf Deutsch-Tschechisch, verabschiedete sich Mama von meinem Vater. Ich sah die Angst in ihren Augen, aber sie machten beide weiter. Es hätte jemand die Entscheidung getroffen und sie müssten da jetzt durch. Ich hatte Angst, wie am Tag meines ersten Eishockey-Spiels. Ich muss pinkeln. Sprach meine Stimme. Die Erwachsenen schauten mich an, kurz aus dem Konzept. Was? fragte mein Vater, als hätte ich Französisch gesprochen.
Ich muss, sagte ich kleinlaut. Birne nickte cool und redete beruhigend auf meine Eltern ein. Kein Problem. Er klopfte lässig auf meine Schultern und sprach mit mir wie ein Trainer kurz vor einer wichtigen Einwechslung. Du weißt, wo die Toiletten sind. Ich nickte. Birne warte sich daraufhin meinen Eltern zu und redete in der Rolle des Trainers auf seine nächsten zwei Spieler an. Ich schaute meine Mutter freundlich an, während sie Bildungsausführungen zuhörte, wirkte sie wie eine aufgezogene Puppe, die nur noch das machte, was man ihr einprogrammiert hatte. Also lief ich ohne Begleitung zu den Toiletten. Jetzt war ich alleine im Porzellanpalast. Es war still, totenstill. Auf dem Boden lagen Papier an Tücher, als ob jemand die saubere Pracht mit Absicht beschmunzeln wollte. Ich stellte mich nervös ans Pissoir und pinkelte.
Dabei begann sich mein Kopf plötzlich zu drehen und mir wurde schwarz vor Augen. Ich sah Sternchen hin und her fliegen, nach meiner Stirn bildeten sich kalte Schweißtropfen und meine Knie wurden weich. Ich fiel zum Glück nicht ins Pessoa, machte meine Hose schnell zu und setzte mich an die Wand neben sie waschbecken. In meinen Ohren rauschte es wild. Das rhythmische Rauschen wurde immer lauter. Es machte mir Angst und ich hoffte, meine Mutter oder mein Vater würden kommen und mir helfen. Niemand kam. Also stand ich nach einer Weile zitternd auf und wusch mir mit kaltem Wasser das Gesicht. Das Rauschen verschwand langsam. Ich trocknete mein Gesicht mit den Papierhandtüchern ab und beilte mich rauszukommen. Aber draußen stoppte mein Körper, als wäre er gegen eine unsichtbare Wand gerannt. Meine Eltern wurden von zwei Polizisten befragt, die ihre Pässe in den Händen hielten. Birne war weg. Ich blieb im Schatten stehen und stand bewegungslos in Richtung meiner Eltern. Was sollte ich tun?
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Man hört momentan so viel von Flucht, in den Medien, zu Hause oder von Freunden. In unserem Kopf ist ein großes Durcheinander, wenn wir an Flucht denken. Uns fällt dazu ein, Gefahr, Zurücklassen, Ruhe, Sterben, Trauer, neue Schule, Freunde und Leben, Brennen, Angst, Freiheit und Geheimnis. An einem Roman hat uns gefallen, dass wir miterleben konnten, wie es Martin auf seiner Flucht ging.
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Wir fanden das Buch an sich sehr gut, da der Autor wichtige Themen anspricht, zum Beispiel Unterdrückung der Meinung und Martins Fluchterfahrungen. Besonders gut hat uns Radka gefallen, weil sie eine offene und ehrliche Art hat. Martin fand mit teils etwas langweilig, aber insgesamt eine nette Persönlichkeit. Ivanka fanden wir eine zwar sehr gut dargestellte, aber zu gezwungene und zu fleißige Person. Das merkt man bei der Textstelle, wo Ivanka und ihr Vater im Auto saßen und ihr Vater ihr ganz viele Fragen gestellt hat, was sie schon alles geschafft hat. Wir geben dem Buch fast alle Sterne, da uns nur wenige Stellen nicht gut gefallen haben. Wir würden euch sehr empfehlen, es in eurem nächsten Buchland zu kaufen. Danke fürs Zuhören und liebe Grüße. Die Bücher-Events AG der Wöhler Schule. Musik.
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