Trigger-Warnung. In dieser Folge sprechen wir über das Buch Alle Farben Grau von Martin Schäuble. Das Buch thematisiert unter anderem Depression, Suizidgedanken, Gewalt und Tod. Wenn dich diese Inhalte belasten könnten, höre die Folge bitte nur, wenn du dich dazu in der Lage fühlst oder gemeinsam mit einer unterstützenden Person. Falls du selbst betroffen bist oder Hilfe brauchst, findest du während dieser Folge Hinweise auf Hilfsangebote und Anlaufstellen.
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Bis zum nächsten Mal. Und damit hallo und herzlich willkommen zu unserem Podcast beim Bücheralarm. Ich bin Antoni. Und ich bin Sagda. Und heute lernt ihr mit uns Paul kennen. Wir sind zwei zehntel Klassen aus dem Warenburg-Gymnasium. Und gemeinsam machen wir den Podcast für euch. Alle Farben Grau ist ein emotionales Buch, das auf einer wahren Begebenheit beruht. Und wir wollen dir die Geschichte von Paul näher bringen. Besonders spannend ist, dass wir den Autor kennenlernen durften. Deswegen lohnt es sich sehr, dran zu bleiben. Wir wünschen dir viel Spaß beim Zuhören. Wir sind Sophie und Modana und wir stellen das Buch vor. Also ich habe das hier gerade mal in der Hand und ich würde es ganz kurz beschreiben. Also es ist ein graues Cover mit blauer Schrift und es hat hier so Stufen. Und ganz unten kann man auch noch sehen, dass da ein junger Mann abgebildet ist. Kannst du uns erklären, was es damit auf sich hat? Ja, wahrscheinlich ist es Paul, der Hauptcharakter. Und das Buch erzählt ja die Geschichte von Paul, der sich 2020 das Leben genommen hat und für eine Woche gesucht wurde. Im Buch leidet Paul unter Depressionen und dem Asperger-Syndrom, wodurch er sich in seinem Umfeld nicht mehr so wohlfühlt und sich dann schließlich das Leben nimmt. Wird das auch genauer beschrieben?
Tatsächlich gibt es eine schwarze Seite und dadurch wird die Freiheit gelassen oder die Privatsphäre und es wird auch verhindert, dass sich Leute, die das gleiche Problem haben wie Paul, irgendwelche Inspirationen finden können. Neben Paul gibt es auch noch andere Charaktere, wie beispielsweise Alina. Die ist auch 15 Jahre alt und sie hat schon zweimal Suizid versucht und deswegen wird sie dann in die Psychiatrie eingewiesen und dort hat sie auch Paul kennengelernt. Ja, stimmt. Also es gibt Alina, aber natürlich auch andere Personen, wie zum Beispiel Noah, der japanische Lehrer oder auch natürlich seine Familie. Was ich ziemlich interessant finde, ist, dass das Buch so aktuell ist, was es leichter für uns Jugendliche macht, so ein akutes Thema gut nachvollziehen zu können und uns das näher an uns ranzubringen, weil das Buch ist tatsächlich 2023 vom Fischer-Sauerländer-Verlag rausgebracht worden. Ja, total. Also die Aktualität ist voll cool und ich finde es auch beeindruckend, wie Martin Schäuble so eine authentische Atmosphäre schafft und dadurch dominiert ja nicht nur die Trauer. Ja, ich finde auch, total. Und deswegen ist es halt von großer Bedeutung, dass wir uns jetzt in diesem Podcast mit diesem Buch beschäftigen und auch mit dieser Thematik. Problematik.
Paul wurde ja spät mit dem Asperger-Syndrom diagnostiziert und deswegen erzählen wir euch jetzt etwas darüber. Das Asperger-Syndrom ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung und eine Form von Autismus. Dabei hat man oft soziale Schwierigkeiten, zum Beispiel zu kommunizieren oder generell bei sozialen Interaktionen Signale zu erkennen. Viele mit dem Asperger-Syndrom interessieren sich total intensiv und sind sehr hochintelligent dabei. Wie bei Paul zum Beispiel war es Japan und er hat auch sehr schnell Japanisch gelernt. Also bei dem Syndrom ist es sehr wichtig, dass man es früh diagnostiziert, sodass Unterstützung durch Fachkräfte möglich ist. Das wäre auch bei Paul sehr wichtig gewesen. Dann hätte er sich vielleicht nicht so in die Sache hineingesteigert und es wäre nicht so grau geworden, wie es wurde.
Also was Paul hätte helfen können, wäre soziale Fähigkeiten zu verbessern. In dem Sinne, dass man damit dann seinen Alltag erleichtert, seine Stärken fördert, wie man auch dann im Alltag mit Herausforderungen umzugehen hat und Sonstiges bewältigen kann. So ein Fachbegriff, der heißt Masking und wie der es eigentlich schon selbst sagt, ist quasi, dass die Betroffenen eine Maske tragen und das war auch bei Paul der Fall, weil er hat oft probiert, seine Symptome zu verbergen und man kann sich das sehr gut vorstellen, also ich persönlich, weil ich stelle mir das extrem anstrengend und erschöpfend vor und das ist auch genau der Grund, warum das dann zu Depressionen führt. Und sogar Hälfte der Betroffenen, die von Asperger-Syndrom betroffen sind, leiden unter Angststörungen und das führt natürlich dann auch zu Depressionen. Und über Depressionen erzählen euch jetzt Noemi und Noemi.
Wir haben für euch recherchiert und Depressionen sind eine psychische Störung, die unter anderem durch gedrückte Stimmung, Interessensverlust, Freudlosigkeit, fehlendem Willensantrieb und Hoffnungslosigkeit gekennzeichnet ist. Und jetzt die Frage, kennt man so eine Situation? Hast du es zum Beispiel schon mal erlebt? Also eher nur bei so Trauerverlusten oder wenn ich ganz, ganz dolle Hunger habe. Also dann führe ich dann schon so, ja okay, es geht mir gerade nicht gut. Aber meistens hilft dann auch reden einfach mit Freunden oder Familie oder auch einfach abschalten und einfach nur Musik hören und einfach ein bisschen Distanz von seinen Gefühlen und dann in so eine Traumwelt vielleicht auch mal zu gelangen. Ja, also es ist auf jeden Fall sehr gut, dass du nicht in so einer Situation bist, wo du wirklich denkst, es ist hoffnungslos und dass du es auch schaffst, aus solchen traurigen Phasen wieder rauszukommen. Solche Symptome gibt es ja auch, also die Hauptsymptome sind, also dass man eine gedrückte und depressive Stimmung hat und dass man Interessen und Freudlosigkeit hat und das auf lange Zeit. Das ist bei dir zum Glück nicht so. Und deswegen hier noch drei Tipps von uns. Also erstmal geht raus, geht euch bewegen, macht einen Sport mit Freunden oder schreibt auch ein Tagebuch, also kreative Aktivitäten. Vielleicht hilft euch auch Malen oder Musik hören einfach nur. Und auch ein ganz großer Ratschlag ist, haltet euch von sozialen Medien fern, also im Sinne von macht was anderes als nur auf dem Handy rumhängen und sucht euch Freunde und macht was in der realen Welt, anstatt euch in der virtuellen Welt zu verlieren.
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Nun lesen wir euch noch eine Stelle aus dem Roman vor. Dieser Abschnitt spielt bereits in der Akutstation und zeigt Pauls ständigen Kampf gegen seine innere Stimme.
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Wenn sie hier auf Station was sagen, meinen sie nie irgendwas, sondern haben eine ziemlich klare Vorstellung davon, was wir brauchen und wie viel Milligramm davon. Natürlich kann uns keiner in der Klapse zu unserem Pillenglück zwingen. Doch außer mir sind sowieso alle gern dabei. Ich lehne Antidepressiva ab, auch wenn meine Eltern und die Pharmabranche froh wären, ich würde mir ab und zu eine Ladung geben. Edgar kommt mit einem Glas Wasser und einer noch in der Alupackung eingeschlossenen Pille. Medikamente sehen wir auf Station nie in 20er-Packungen, sondern immer nur einzeln. Denn sicher ist sicher, bei uns Psychos weiß man nie. Edgar drückt Cutter eine Pille in die Hand und wartet, bis sie auch wirklich runtergeschluckt ist. Er hatte mit Justins Kotzerei und Cutters Anfall genug zu tun und will keine Zwischenfälle mehr.
Sowieso muss er erst einmal in Ruhe alles notieren für die Übergabe an die Frühschicht, damit die wissen, was sie mit uns verpasst haben. Kata drückt sich ein Kühlpack auf die Stirn. Alina schaut zu mir und sie sagt etwas ziemlich laut. So viel versteht fest. Doch bei mir kommt trotzdem nichts an. Das mit Justin war mir schon zu viel und das mit Kata ist mir jetzt sogar viel zu viel. Die Stimme meldet sich und die Stimme übertönt Alina, wie sie jeden übertönt, wenn es mir so richtig mies geht. Das hat in Japan angefangen. Zumindest war die Stimme da zum ersten Mal so laut, dass sie so richtig genervt hat. Die Stimme ist kein Geräusch oder so, aber trotzdem total intensiv. Sie ist ein Gedanke, der so heftig im Kopf steckt, dass er alles verdrängt, ohne ein Laut von sich zu geben. Und jetzt sagt diese Stimme, du kommst hier nicht mehr raus. Du stirbst in der Klapse. Ja, in dieser Klapse, weil du ein Psycho bist. Du hast es schwarz auf weiß bekommen. Deine Diagnose ist fatal. Der Betreuer steht auf einmal vor mir und schaut mich ziemlich besorgt an, was schon etwas zu bedeuten hat, da Edgar mit uns ja einiges gewöhnt ist und heute schon ein paar Sachen erleben musste. Klar? Was, frage ich, ob bei dir alles klar ist. Geht's dir gut? Das interessiert ihn nicht wirklich. Er fragt, weil er es muss. Das ist dein Job und du bist für ihn wertlos, so wie für alle anderen auch. Paul? Ja, gut, mir geht's gut. Ich muss schlafen.
Du wirst nicht schlafen, keine Sekunde. Es stinkt nach geschmolzenem Plastik und Justins Kotze. Du wirst nie wieder schlafen. Der Betreuer ist weg und ich wische mir den Schweiß von der Stirn. Jeder Mensch hat so eine Stimme, sagte mir Herr Doktor hier auf Station am ersten Tag, als ich ihm von der Stimme erzählte. So nehmen wir unsere Gedanken wahr. Bei manchen ist die Stimme ganz leise oder liebevoll und bei anderen sehr laut und rotzfrech. Ich habe eher die zweite Variante erwischt. Mich schreit sie an. Aber nicht immer, oder? Wenn es mir schlecht geht, also quasi immer. Meine Antworten sind 50 Wörter pro Satz kürzer als sonst, also geht es mir nicht gut. Das weiß Herr Doktor inzwischen. Wenn Paul referiert, geht es ihm gut. Wenn er reduziert, geht es ihm nicht gut. Dir geht es wirklich immer schlecht? Fühlt sich das so an für dich? Quasi immer, habe ich gesagt. Verstehe. Aber Paul, deswegen bist du hier. Und wenn du lernst, mit deinen schlechten Momenten besser umzugehen, wird die Stimme leiser. Das wollen wir hier gemeinsam mit dir schaffen.
Interessant. Ich dachte, ich bin hier, damit die schlechten Momente weggehen. Stattdessen soll ich mich an sie gewöhnen. Das ist eine Akutstation, nicht Hogwarts. Wir können nicht zaubern. Wir können dich nur auf das vorbereiten, was draußen auf dich wartet. Aber dort bist du nicht allein. Du hast eine tolle Familie und du hast eine gute Therapeutin. Alina hält inzwischen das Kühlpack von Kata. Der ist offenbar fast der Arm abgefallen. Und sie nickt ihr dankbar zu. Zwei wahre Freunde. Und du? Du hast keine Freunde, du hast keine Zukunft, du bist unheilbar. Sei ruhig, denke ich, so intensiv ich kann. Du kennst deine Diagnose. Lass mich in Ruhe. Du bist schwach.
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Hallo, ich bin Elin. Ich heiße Rosa. Und ich bin Tita. Und wir befinden uns heute mit Martin Schäuble, dem Autor von Alle Farben Grau. Hallo Herr Schäuble. Hallo zusammen. Stellen Sie sich bitte einmal kurz vor. Also Martin Schäuble, wurde ja schon gesagt, das ist einer meiner Autorennamen. Ich heiße auch noch Robert M. Sonntag. Das heißt, unter den zwei Namen schreibe ich seit über 20 Jahren Romane, aber auch Sachbücher. Sehr gut. Also wir reden heute über das Buch Alle Farben Grau und das behandelt ja ein sehr schweres Thema. Sie können gerne mal kurz zusammenfassen, worum es geht. Alle Farben Grau handelt von einem Jungen, Paul heißt er im Buch, der sich das Leben nehmen möchte und im Laufe des Buches auch nimmt. Das Buch handelt von psychischen Erkrankungen und es ist eine wahre Geschichte, die dahinter steht. Pauls wahre Geschichte, die mich dazu bewegt hat, den Roman zu schreiben. Und wie kamen Sie auf dieses Thema? Das Thema kam auf mich zu, da die Eltern von Paul ein Buch gesucht haben zum Thema. Die wollten, nachdem ihr Sohn sich das Leben genommen hat, jemanden finden, Autorin, Autor, die sich dem Thema Depression, Suizid annehmen. Ihr Gefühl war, es gibt sehr wenig, vor allem für junge Leserinnen und Leser dazu und so lernten wir uns kennen. Aber die Familie wollte nicht, dass es ein Buch über den eigenen Sohn wird. Das heißt, das stand gar nicht zur Debatte.
Erst im persönlichen Treffen, miteinander, im Gespräch, habe ich gemerkt, dass ich das Beste fände, wenn es eine wahre Geschichte ist. Die wahre Geschichte ihres Sohnes als Roman, also mit einer Fiktionalisierung und konnte die Eltern auch davon überzeugen, dass es ganz gut so ist, wenn wir das so handhaben. Das heißt, es ist kein Sachbuch geworden, auch kein Roman zu irgendeinem Jungen, sondern es ist ein Roman, der die Geschichte ihres Sohnes möglichst nah an der Wahrheit erzählt. Und wie hat sie als Autor diese Geschichte geprägt? Es ist auf jeden Fall eine Geschichte, die sehr nah ist, die sehr tief geht. Ich habe selbst drei Jungs, drei Söhne und wenn man selbst Kinder hat, dann sieht man natürlich auch Geschichten, in denen Kinder vorkommen, Jugendliche vorkommen, ganz anders. Das nimmt einen anders mit.
Ich glaube, ich habe sehr viel gelernt beim Schreiben und vor allem bei der Recherche, weil ich mich so wie noch nie in meinem Leben mit dem Thema psychische Gesundheit auseinandersetzen musste und durfte. Ich denke, da bin ich jetzt nicht zum Experten geworden, Aber zu jemandem, der genauer hinschaut, wenn es jemandem nicht gut geht. Also als Sie dieses Buch geschrieben hatten, was war die Zielgruppe? Die Zielgruppe waren junge Menschen, aber auch Erwachsene, aber auch Lehrerinnen, Lehrer. Eigentlich alle, die mit jungen Menschen zu tun haben oder selbst mal jung waren und etwas besser verstehen wollen. Ich glaube, mein großes Ziel, das ist das Ziel auch der Eltern von Paul, wie er im Buch heißt. Das Ziel ist es, über psychische Erkrankungen aufzuklären und uns allen ein Stück weit zu helfen, wie wir damit umgehen. Also wie erkennen wir etwas, wie erkennen wir, wenn es jemandem nicht gut geht und ganz wichtig, was können wir tun, damit es diesen Menschen besser geht. Wo findet man Hilfe, wie sollten wir uns verhalten, damit wirklich so etwas wie Paul widerfahren ist, nicht auch anderen Menschen widerfährt. Kannten Sie Paul persönlich oder haben Sie erst im Nachhinein von ihm erfahren? Ich habe Paul nie persönlich kennengelernt, wobei, wenn ich ehrlich bin, fühlt es sich für mich doch schon so an, als hätte ich ihn mal kennengelernt durch die Recherche. Da kam ich ihm sehr nah. Das heißt, ich habe Paul ja nur nach seinem Tod über die Eltern, über ganz viele hinterbliebene Freundinnen, Freunde, Lehrerinnen, Lehrer kennenlernen dürfen. Nie direkt, nie persönlich. Aber es gibt Kapitel im Buch, das schreibe ich aus Pauls Perspektive.
Das heißt, da musste ich selbst in ihn hineinschlüpfen, versuchen so zu denken, zu reden, zu sprechen wie er. Das waren sicherlich die Kapitel, die am schwersten waren oder die wirklich herausfordernd waren auch für mich.
Und war es schwer, sich in ihn hineinzuversetzen? Ja, das war es. Es ging nur, weil so viele Menschen mir über ihn sprachen. Also beste Freundin, bester Freund, Lehrerin, Lehrer, Eltern. Je mehr er mir gesagt wurde, desto näher kam er mir auch. Desto mehr habe ich in seine Welt eintauchen können. Aber ganz klar, das Buch ist ein Roman, also eine fiktionalisierte Geschichte. Es ist nicht der Paul, es ist immer ein Buch-Paul, der da entstanden ist und um den es auch geht. Sie haben ja eine sehr intensive Recherche geführt, also Sie haben mit der Familie von Paul geredet, Sie haben Kliniken besucht und welche Gefühle hatten Sie während der Zeit und hat Sie irgendetwas besonders geprägt? In der Recherche selbst zwei Dinge. Zum einen muss ich natürlich als Journalist eine Distanz wahren können. Das heißt, ich habe oft sehr schwere Themen, über die ich schreibe. Das hier war bestimmt eines der schwersten. Und das geht nur, wenn man es schafft, Abstand zu wahren. Wenn man also quasi Beruf und Privatleben trennt. Das heißt, ich hatte nach der Recherche immer mal Zeit für mich genommen. Ich hatte auch einen Psychologen, der mir selbst geholfen hat, durch die Zeit gut zu kommen. Den habe ich immer, der mir in Ausnahmesituationen auch beiseite steht, wenn ich merke, oh, da brauche ich mal eine Beratung oder da muss ich mal wissen, ob es sich so, wie es sich anfühlt, gut ist oder nicht ist.
Genauso aber ein Privatleben zu haben, eigene Kinder zu haben, eine eigene Welt zu haben, in der man neben dem Beruf auch wirklich lebt und gerne lebt. Sie haben ja auch viel mit den Eltern von Paul gesprochen und wie haben die Eltern Paul-Suizid verarbeitet?
Ja, müsste man die Familie fragen. Es wird sie ein ganzes Leben lang beschäftigen. Aber sie haben etwas wirklich sehr Mutiges, etwas Großes getan. Etwas, das nicht jeder kann. Und zwar haben sie eine Stiftung gegründet, Tomoni. Und diese Stiftung sorgt dafür, dass Tausende, Zehntausende Menschen über psychische Gesundheit aufgeklärt werden. Also Mental Health. Damit es einem gut geht, ist es wichtig zu erkennen, auch was die Anzeichen sind für eine psychische Erkrankung. Wichtig ist, wie spricht man darüber, wie achtet man auf sich und auch auf andere auch. Wo findet man Hilfe? Da ist diese Stiftung sehr, sehr, sehr engagiert. Und das finde ich wirklich ein vorbildlicher Umgang damit. In Ihrem Buch taucht auch eine schwarze Seite auf. Und können Sie die Bedeutung von dieser schwarzen Seite erläutern?
Ja, das ist eine schwarze Doppelseite. ich glaube so im letzten Drittel des Buches und das ist genau die Stelle, bei der Paul sich gerade verabschiedet hat von seinen Eltern und seinen Geschwistern und was keiner weiß, er wird sich dann in den folgenden Stunden das Leben nehmen. Als Leserin Leser denkt man erstmal, dass er bei jemandem übernachten möchte. Wir denken das, was die Eltern und die Geschwister auch denken. Es ist ein fröhlicher Abschied, der aber dann sehr, sehr tragisch endet. Und ich wollte auf keinen Fall die Suizidmethode benennen, also wie er sich das Leben genommen hat und habe daher mich für diese zwei schwarzen Seiten entschieden. Wobei ich sogar glaube, das war eine Idee meiner Lektorin bei den Fischer Verlagen, die sagte, das wäre eine Möglichkeit. Also es ist gemeinsam entstanden, die Idee. Ich finde das gut, man darf diese Methode eben nicht benennen, das ist ganz wichtig. Da gibt es so einige paar Dinge, die man beachten muss, wenn man Bücher schreibt über Suizid.
Eines davon ist eben die Methode nicht benennen, einfach auch um nicht Nachahmerinnen oder Nachahmer anzuregen. Sie haben vorhin das Stichwort Anzeichen genannt. Bei Paul wurde ja seine Depression und sein Autismus sehr spät diagnostiziert. Glauben Sie, man hätte Paul noch retten können und wie? Ja, also ich behalte mich da zurück mit so Diagnosen oder Prognosen. Ich kann nur mal eines sagen, Menschen wie Paul, gibt es ja sehr viele und die leben im Schulalltag, in einer Klasse genauso wie im Kollegium der Lehrerinnen und Lehrer. Die leben genauso als Elternteil, als Großelternteil, als psychische Erkrankung gibt es überall in allen möglichen Formen von Essstörungen, über Depressionen wie bei Paul, über Suchtverhalten, Mediensucht zum Beispiel, Drogensucht. Das heißt, all das, bei den psychischen Erkrankungen gibt es Kennzeichen und ich glaube, wichtig ist es, dass wir uns alle mit denen beschäftigen, um zu verhindern, dass sowas wie bei Paul sich wiederholt, bei Menschen, bei denen man es vermeiden könnte. Deswegen ist auch die Stiftung so wichtig. Also genaue Kennzeichen kennenlernen, sich damit beschäftigen und dann den Mut haben, Menschen anzusprechen. Das ist etwas, was ich wirklich gelernt habe bei meinen Recherchen.
Schweigen ist der größte Fehler. Man kann nichts falsch machen, wenn man einen Menschen fragt, wie es ihm geht. Sie sind ja als Autor eine sehr interessante Person. Wir haben gehört, Sie haben zwei Pseudonyme. Einmal schreiben Sie auf Recherche basierten Romane und Bücher und einmal schreiben Sie eher Dystopien.
Man bemerkt also, Sie nutzen diesen Bezug zur Realität als bewusstes Mittel. Womit kann man Menschen mehr bewegen, in Ihrer Meinung? Tja, mehr bewegen, mehr für Themen begeistern oder einfach mehr zu Leserinnen und Lesern machen. Da glaube ich, ist der Roman ein großes Werkzeug zu oder eine große Möglichkeit, weil man es ja auch außerhalb der Schule ganz anders lesen kann. Sachbücher würde man, glaube ich, weniger als junge Leserinnen und junge Leser, aber auch als Erwachsene einfach so mal lesen wollen. Der Roman hilft uns ja auch, über Dinge zu sprechen, ohne sie direkt anzusprechen. Also es hilft uns ja auch, in Welten einzutauchen, die wir gar nicht davor kennenlernen könnten, Perspektiven einzunehmen, die uns fremd sind, das ist die große Chance. Aber allerdings, ich mache eine Ausnahme, bei meinem Sachbuchthema ist es ja dann der Ostkonflikt, also Israel, Palästina, wieso wird gekämpft, wieso wird da kein Frieden so leicht zu finden sein, da fand ich ein Romanschreiben unmöglich, weil ich als Nicht-Israeli, Nicht-Palästinenser da, glaube ich, keine Perspektive hätte, die glaubhaft vermittelt werden kann. Aber ich kann als Sachbuchautor Menschen auf beiden Seiten treffen, befragen und ihren Konflikt hier erklären.
Man bemerkt bei Ihren Büchern, dass Sie oft von sehr extremen Themen berichten oder Probleme behalten und Konflikte, die sehr gesellschaftlich sind. Sehen Sie da einen roten Faden? Bestimmt, aber nicht ein roter Faden, der irgendwie mal geplant war. Also ich hatte nicht in Schulzeiten mir überlegt, ich möchte dann den Hauskonflikt bearbeiten, ich möchte irgendwann über so schwere Themen wie jetzt Suizid oder in einem der letzten Bücher sexualisierte Gewalt nachdenken und sprechen. Es hat sich wirklich eines dem anderen gefügt. Also in einer Recherche ging es ja wie jetzt um Paul, um Depressionen. Dadurch war ich viel in Einrichtungen mit psychisch Kranken, war viel in Gesprächen mit Psychologinnen und Psychologen. Und so kam ich auf andere Themen, zum Beispiel sexualisierte Gewalt, was dann warum du schweigst ein Thema ist. Oder zum Thema Mediensucht, was jetzt beim Buch Heldentage ein großes Thema ist. Aber da gibt es keinen Masterplan. Es ist in der Recherche oft so, beim Schreiben, dass ich zu meinem nächsten Buch finde. Welche Rolle spielt Literatur in solchen gesellschaftlichen Konflikten Ihrer Meinung nach?
Naja, also ich glaube, Literatur hilft uns wirklich, solche Dinge besser zu verstehen, weil es uns ermöglicht, in Perspektiven einzutauchen. Und weil es uns ermöglicht, auch mal aus anderen Sichtweisen etwas zu erleben, zu sehen, zu verstehen. Das ist, glaube ich, eine große Chance. Und Literatur gibt es ja für junge Leserinnen und Leser, für alte Leserinnen und Leser, Manches spricht auch beide an. Also es ist wie bei Filmen auch oder bei einem Podcast ja genauso. Man hört, sieht, liest und all das hilft mitzufühlen. Und dieses Mitfühlen ist, glaube ich, die größte Voraussetzung, auch dafür etwas zu verstehen. Die letzte Frage wäre, ob Sie den Zuhörern noch was auf den Weg geben wollen. Naja, erstens Bücher lesen. Ganz, ganz wichtig. Ich habe es leider viel zu spät erst so richtig begonnen. Das freiwillige Lesen habe ich als Schüler nicht wirklich geschafft. Da war es immer Pflichtlektüre. Aber ich rate wirklich, schaut euch an, was es alles gibt. Es gibt so tolle Sachen und traut euch ran. Viel lesen macht wirklich Spaß und bringt einem auch ganz neue Themen. Und das andere natürlich, passend zu alle Farben grau, achtet aufeinander. Schaut, wie es euch geht. Schaut, wie es anderen geht. Sprecht darüber mit Eltern oder auch über die Eltern mit anderen. Wenn ihr merkt, dass etwas nicht funktioniert, was euch belastet, lasst nichts an euch hängen, sondern lasst euch helfen. Vielen Dank für das Interview. Vielen Dank für eure Fragen. Alles Gute.
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Wie Martin Schäuble vorhin auch schon erzählt hat, haben die Eltern 2022 die Stiftung Tomoni gegründet. Der Name ist japanisch und bedeutet so viel wie zusammen. Die Stiftung spezialisiert sich auf die Früherkennung von Anzeichen psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Und der Ausgangspunkt dafür waren Gespräche mit Kindern und Jugendlichen über ihre Sorgen, Nöte und Hoffnungen. Und dabei kamen sie zur Erkenntnis, dass nicht nur die Betroffenen selbst behandelt werden müssen, sondern eben das gesamte Umfeld geschult werden muss. Das Programm besteht aus Online-Fortbildungen für Personen, die im Alltag viel mit jungen Menschen zu tun haben, also zum Beispiel Lehrer, Eltern oder Freunde.
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Falls du ähnliche Gedanken und oder Gefühle wie Paul in dem Buch hast oder du jemanden kennst, der mit dem Thema Suizid oder Depression zu kämpfen hat, hast du folgende Möglichkeiten, Hilfe zu finden. Nummer gegen KOMA 116 111 und 0800 1110 111 bzw. 0800 1110 222, die Telefonseelsorge Österreich mit 142 und die dargebotene Hand Schweiz mit 143. Alle Internetseiten und weitere Infos findet ihr in unserer Episodenbeschreibung. Und falls ihr Akuthilfe braucht, könnt ihr auch zur Polizei gehen. Niemand sollte mit diesen Gedanken allein gelassen werden.
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So, nun umblickt es mir, eine Endbewertung des Projekts und des Buches abzugeben. Aus meiner Sicht war das Buch sehr einfühlsam und hat vor allem tolle Perspektiven auf das Geschehen geboten, weshalb ich das Buch allgemein auf einer Skala von 1 bis 10 mit der Note 8,5 bewerten würde. Man versteht über das ganze Buch hinweg einen Menschen, der sich am Ende selbst das Leben nimmt. Allein diese Tatsache reicht schon, um dieses Buch zu einem ganz Besonderen zu machen. Weiterhin ist das Buch sehr emotional und ruft vor allem Emotionen wie Mitgefühl und Traurigkeit in einem Menschen hervor. Auch das Projekt allgemein in der Schule hat uns allen Spaß gemacht. Es war sehr schön, wie wir immer auf die Unterstützung des Teams zählen konnten. Es war sehr schön, wie wir immer auf die Unterstützung von Bücheralarm zählen konnten, während wir dieses emotionale Thema verarbeitet haben und einen Podcast daraus gemacht haben. Ich hoffe sehr, so etwas noch einmal in meinem Leben durchführen zu können. Wir bedanken uns fürs Zuhören und würden uns freuen, wenn ihr weiterhin diesen Podcast hört. Gebt dem Podcast gerne auch eine gute Bewertung und folgt uns an den sozialen Medien. Tschüss aus dem Wagenburg-Gymnasium.