Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. In dieser Juninacht im Jahr 1959 wartet am Heidelberger Hauptbahnhof ein Sonderzug. Es ist der D969, der aus Hamburg in Richtung Süden losgefahren ist und nun bis an die italienische Riviera weiterfährt. Dort, wo Anfang Juni schon der Sommer auf die Reisenden wartet. So auch auf Dagmar. Die 21-Jährige ist mit zwei Freundinnen auf dem Weg in den Urlaub. In ein paar Stunden würden sie in Basel sein. Von dort geht es weiter nach Italien. Doch als die drei jungen Frauen einsteigen und ihre Plätze suchen, da stimmt etwas nicht. Ihre Reservierungen sind falsch gebucht. Dagmas Freundinnen sitzen zwar im selben Wagen, aber ihr eigener Platz liegt in einem anderen Abteil. Ziemlich enttäuscht nimmt Dagmar dort Platz. Ihr ist nicht wohl bei dem Gedanken, die Nacht allein in einem anderen Abteil zu verbringen. Sie fragt daher einen Zugbegleiter, ob sie nicht Plätze tauschen kann. Aber der Zug ist ein Urlaubs-Sonderzug. Das bedeutet, dass unterwegs wahrscheinlich noch mehr Reisende einsteigen werden. Damit gerade nachts, wenn alle schlafen, kein Chaos entsteht, lehnt der Zugbegleiter ihren Wunsch ab. Also trennen sich die drei Freundinnen für diese eine Nacht. Dann setzt sich der Zug wieder in Bewegung. Die Bahnsteiglampen von Heidelberg ziehen an den Fenstern vorbei, während der Zug die letzten Häuser der Stadt passiert und sich auf den Weg an die italienische Küste macht, noch etwa 700 Kilometer entfernt. In den schmalen Gängen und Abteilen wird es allmählich ruhig. Türen werden zugeschoben und Vorhänge zugezogen. Nur das gleichmäßige Rattern der Räder ist zu hören. Auch Dagmar hat es sich gemütlich gemacht. Der Reiseleiter sieht sie auf seiner Runde durch die Abteile. Die junge Frau liegt auf den Polstern und schläft. Der Reiseleiter betritt das Abteil, löscht das Licht und zieht die Tür leise wieder hinter sich zu. Der Zug passiert irgendwann Karlsruhe, dann Freiburg. Die meisten Fahrgäste schlafen jetzt. Auch Dagmas Freundinnen sind in ihrem Abteil eingeschlafen. Gegen zwei Uhr wird Dagmar wach, die Blase drückt. Sie öffnet ihre Abteiltür und läuft durch den schmalen Gang in Richtung Toilette. Den Mann, der ihr folgt, sieht sie nicht. Während Dagmar hinter der Toilettentür verschwindet, bleibt der Mann im Gang zurück. Er wartet. Dann greift er zur Glühbirne der Ganglampe, dreht sie und löscht damit das Licht. Im Dunkeln sucht er sich seinen Weg zur Außentür des Waggons. Er greift zum Türöffner, drückt und zieht. Sofort dringt das Rattern der Räder von draußen ungebremst in den Zug. Metall schlägt auf Metall. Der Fahrtwind weht durch die offene Tür. Draußen fliegen dunkle Umrisse von Böschungen und einzelne Lichter in der Ferne vorbei. Der Zug rast mit ungefähr 100 Stundenkilometern durch die Nacht. Kurz darauf geht ein Ruck durch den gesamten Zug. Räder quietschen auf den Schienen, Koffer rutschen von Ablagen herunter und Reisende schrecken aus dem Schlaf hoch. Jemand hat die Notbremse gezogen. Auch Dagmas Freundinnen wachen davon auf. Alle sind noch verschlafen und verwirrt. Der Zug steht eine Weile in der Dunkelheit, doch nach kurzer Zeit setzt er sich wieder in Bewegung. Am nächsten Morgen hat der Zug die Schweiz erreicht. In den Gängen herrscht wieder Betrieb. Reisende packen ihre Sachen zusammen und unterhalten sich über den bevorstehenden Urlaub. Nur im Abteil, in dem Dagmar geschlafen hat, herrscht keine Urlaubseuphorie. Das Abteil ist leer. Die 21-Jährige ist mitten in der Nacht spurlos aus einem fahrenden Zug verschwunden. Und sie ist nicht die einzige Person, die nicht mehr an Bord ist. Auch der fremde Mann, der sie beobachtet hat, ist fort. Und damit ganz herzlich willkommen, liebe Aktis, wenn ihr diese denn sein wollt, zu einer neuen Folge der schwarzen Akte mit Patrick Strohwusch. Und mit Anne Lückmann. Hello! Und vielleicht erinnert ihr euch, dass wir kürzlich mal eine kleine Umfrage gemacht haben auf Instagram, in der wir gefragt haben, wie wir uns und euch und die Community und die schwarze Akte-Zuhörer-Shop, wie wir euch denn nennen können. Und ganz, ganz, ganz viele haben vorgeschlagen und eigentlich liegt es ja auch auf der Hand, euch Aktis zu nennen. Also wenn ihr Bock habt, euch als schwarze Akte-Community jetzt auch als ein Akti zu verstehen, dann würden wir uns darüber doch sehr freuen. Und bevor es jetzt hier gleich mit dem Fall losgeht, habe ich noch eine ganz kleine Ankündigung. Und zwar wisst ihr ja vielleicht, dass ich schon ein paar Staffeln vom Tier-True-Crime-Podcast Wild Crimes machen durfte. Und da gibt es jetzt ab heute eine neue Staffel, nämlich Wild Crimes – Die Wahrheit über unser Charlie. Vielleicht sagt euch das noch was. Das war mal eine TV-Serie über einen Schimpansen, der in einer Tierarztfamilie gelebt hat, in T-Shirt und Hose und der ganz viel Quatsch gemacht hat. Wie so ein süßes Familienmitglied. Und wir haben uns im Podcast gefragt, was es aber bedeutet, so ein Wildtier so krass zu vermenschlichen, wie das in der Serie passiert ist. Und vor allem auch, was ist denn mit Charlie nach den Dreharbeiten passiert? Falls ihr Bock auf True Crime aus der Tierwelt habt, dann gibt es ab heute eine neue Staffel Wild Crimes in ARD Sounds oder jede Woche eine neue Folge auf den euch bekannten Streaming-Plattformen. Und wenn ihr Lust habt, dann erzähle ich zu dieser neuen Staffel nachher noch ein bisschen mehr in der Personalakte. Und damit würde ich sagen, gehen wir zurück zu unserem heutigen Fall, zurück in den Zug. Es ist das Jahr 1959, als sich Dagmas Freundinnen auf die Suche nach ihr machen. Die Bundesrepublik ist gerade einmal zehn Jahre alt. Der Krieg ist zwar noch nicht lange vorbei, aber die Menschen sind schon mittendrin im Wirtschaftswunder. Auf sogenannten Nierentischen stehen im Wohnzimmer Radios, aus denen Musik von Katharina Valente, Freddy Quinn und Peter Kraus kommt. Das sind übrigens so asymmetrisch geformte Tische mit meist drei Tischbeinen. Männer tragen schmale Anzüge und Hüte, Frauen weite Röcke und Petticoats. Immer mehr Menschen können sich ein Auto oder auch mal eine Urlaubsreise leisten. Besonders Italien ist damals wie heute beliebt. Züge bringen Reisende innerhalb einer Nacht dorthin. Gleichzeitig sitzen Beamte noch am Telefon, arbeiten mit Fernschreiben und Papierakten. Als Dagmas Freundinnen sie als vermisst melden, befindet sich der Sonderzug D969 schon im schweizerischen Bellinzona, kurz vor Italien. Die Nachricht wird direkt nach Deutschland weitergegeben und Polizisten suchen zwischen Heidelberg und Basel nach der jungen Frau. Sie gehen hunderte Kilometer Gleise ab. Doch erst vier Tage später wird eine Leiche gefunden. Neben den Bahngleisen, südlich von Freiburg. Es handelt sich um Dagmar. Ihr Körper liegt unterhalb des Bahndamms, in der Nähe eines Feldweges. Als die Polizei sie dort findet, bekommt auch die Notbremsung aus jener Nacht eine völlig neue Bedeutung. Damit ist klar, Dagmar ist nicht heimlich ausgestiegen. Sie hat auch nicht den Zug an einem anderen Bahnhof verpasst, weil sie dort kurz ausgestiegen ist oder so. Sie hat den Sonderzug während der Fahrt verlassen, und das nicht freiwillig. Den Ermittlern fallen nämlich sofort Dagmas Verletzungen auf. Einige passen zwar zu einem Sturz aus einem fahrenden Zug, aber sie entdecken noch eine Stichverletzung wie von einem Messer. Laut Gerichtsmedizin ist diese Verletzung auch die Todesursache. Das bedeutet, dass Dagmar den Sturz aus dem ungefähr 100 kmh schnellen Zug sogar noch überlebt hat, bevor sie getötet wurde. Bei der Untersuchung finden die Rechtsmediziner außerdem Hinweise darauf, dass die junge Frau sexuell missbraucht wurde. Spätestens damit ist klar, jemand hat Dagmar aus dem Zug gestoßen, ist zu ihr zurückgekehrt und hat sie am Bahndamm getötet und sich dann an ihr vergangen. Aus all den Spuren ergibt sich nach und nach ein möglicher Ablauf. Nachdem Dagmar aus dem Zug gestoßen wird, bleibt sie schwer verletzt an der Strecke zurück. Der Täter zieht die Notbremse, doch der Zug fährt noch ungefähr zwei Kilometer weiter, bevor er zum Stehen kommt. Dann steigt der Mann aus und läuft in der Dunkelheit an den Gleisen zurück. Er findet Dagmar dort liegen, tötet sie mit einem Messer und zieht ihren Körper vom Bahndamm in Richtung des Feldweges. Währenddessen wissen die Menschen im Zug nicht, weshalb der so plötzlich angehalten wird. Zwei Zeugen berichten der Polizei, dass sie während des Hals eine Gestalt gesehen haben, die aus einem der Wagen geklettert sein soll. In dem Moment schien das für sie aber nicht besonders wichtig zu sein. Niemand weiß zu dem Zeitpunkt, dass Dagmar nicht mehr an Bord ist. Erst nach dem Fund der Leiche passen die Beobachtung und die Notbremsung zusammen. Die Polizei muss jetzt herausfinden, wer in dieser Nacht noch im Zug war und vielleicht noch etwas gesehen hat. Vielleicht erinnert sich ja sogar jemand an einen Fahrgast, der sich auffällig verhalten hat. Doch die Suche nach Zeugen gestaltet sich als kompliziert. Viele Reisende sind inzwischen an der italienischen Riviera angekommen und haben sich auf verschiedene Urlaubsorte entlang der Küste verteilt. Die Polizei muss herausfinden, wer überhaupt in welchem Wagen saß und wo diese Menschen jetzt zu erreichen sind. Teilweise müssen die deutschen Ermittler jetzt eben bis nach Italien fahren, um Fahrgäste zu befragen. Viele dieser Fahrten bringen sie allerdings nicht weiter. Die meisten haben in der besagten Nacht einfach geschlafen. Einige erinnern sich an den plötzlichen Ruck und das Kreischen der Bremsen, aber niemand hat etwas von einem Angriff auf Dagmar mitbekommen. Mehr erfahren die Ermittler zum Glück von den Mitarbeitenden des Zuges. Aus ihren Aussagen ergibt sich, dass ein Mann in Dagmas Nähe ohne Reservierung saß. Er wollte allein in einem leeren Abteil bleiben. Verdächtig ist das zunächst natürlich nicht, aber ein Mitarbeiter erinnert sich an die Stimme des Mannes. Sie klang gedämpft, fast so, als würde er beim Sprechen den Mund nicht richtig öffnen. Viel mehr lässt sich über ihn aber leider nicht herausfinden. Es gibt keinen Namen und keine bekannte Adresse. Niemand weiß, welche Fahrkarte er hatte, wo er eingestiegen ist oder welches Reiseziel er angegeben hatte. Die Ermittler brauchen nun etwas, das den Unbekannten eindeutig mit Dagmar oder ihrem Abteil verbindet. Vielleicht hat der Täter Fingerabdrücke hinterlassen. Oder es gibt Blutrückstände, Fasern oder andere Spuren im Gang, an der Außentür oder auf einem der Polster. Mithilfe des Bundeskriminalamts wird der betreffende Wagen deshalb nach Freiburg gebracht. Doch bis die Ermittler ihn untersuchen können, vergehen mehrere Tage. Der Wagen war in der Zwischenzeit weiter im Einsatz und wurde deshalb natürlich auch geputzt. Sollte der Täter überhaupt Spuren hinterlassen haben, dann sind diese längst verschwunden. Damit bleiben der Polizei nur die Aussagen der Reisenden und des Zugpersonals. Und ausgerechnet die geraten unter Verdacht. Besonders der Zugbegleiter wird mehrmals verhört. Er war derjenige, der Dagmar nicht erlaubt hatte, bei ihren Freundinnen zu sitzen. Zeitweise behandeln ihn die Ermittler sogar als potenziellen Täter. Der Mann muss immer wieder erklären, was er in der Nacht gemacht hat, wann er Dagmar gesehen hat und wo er war, als die Notbremse gezogen wurde. Erst nach langen Vernehmungen kann ihn die Polizei als Tatverdächtigen ausschließen. Und trotzdem fühlt er sich irgendwie schuldig. Darüber spricht der Zugbegleiter in einer ARD-Dokumentation namens Die großen Kriminalfälle. Er berichtet dort, dass er sich zwar mit seinem Verstand erklären kann, weshalb er damals so gehandelt hat, denn er hat nun mal seine Arbeit gemacht und sich an die Reservierung gehalten. Und trotzdem denkt er immer wieder darüber nach, was passiert wäre, wenn er Dagmar zu ihren Freundinnen gelassen hätte. Er glaubt, dass er es mit einer Erlaubnis hätte verhindern können. Vielleicht hätte der Täter trotzdem eine andere Gelegenheit gefunden. Vielleicht wäre Dagmar später mal allein durch den Zug gelaufen. Doch das schlechte Gewissen lässt sich damit nicht beruhigen. Auch der Reiseleiter kommt von dieser Nacht nicht mehr los. Er fragt sich immer wieder, weshalb er Dagmar nicht geweckt hat, sondern stattdessen noch das Licht in ihrem Abteil ausgemacht hat. Dabei gab es in diesem Moment eigentlich keinen Grund dafür. Er wollte sie wahrscheinlich einfach in Ruhe schlafen lassen. Nichts hat darauf hingedeutet, dass die Frau in Gefahr war. Trotzdem verfolgen ihn die Erinnerungen an den Zug und an die junge Frau so sehr, dass er seine Arbeit schließlich aufgibt. Bei der Suche nach dem Täter helfen die Erinnerungen der Mitarbeitenden leider nicht weiter. Während die Ermittler noch durch Italien reisen und versuchen, die letzten Fahrgäste zu befragen, sucht der Täter schon nach seinem nächsten Opfer. Und Dagmar war nicht die erste Frau, die er getötet hat. Ende Februar 1959, gut drei Monate vor dem Mord im Zug, wird rund 125 Kilometer nördlich eine weitere Frau getötet. Sie heißt Hilde und ist 49 Jahre alt. Über Hildes Leben ist in den Berichten von damals leider nur wenig zu finden. Wir wissen aber, dass sie an diesem Abend nach der Arbeit noch im Supermarkt war und mit einer Einkaufstasche unterwegs nach Hause ist. Es ist ein nebliger und diesiger Abend am Stadtrand von Karlsruhe. Dort begegnet sie einem jungen Mann und bemerkt nicht, dass er sie verfolgt. Plötzlich packt er sie von hinten und stürzt sich mit ihr eine Böschung hinunter. Dort missbraucht er sie und schneidet ihr die Kehle durch. Zwischen all der Gewalt gibt es ein kleines Detail, das besonders weird ist. Nachdem der Täter Hilde getötet hat, greift er zu einer Dose Kondensmilch aus ihrer Einkaufstasche und trinkt sie. Danach lässt er Hilde einfach zurück und verschwindet. Die Polizei betrachtet ihren Tod erstmal als ein einzelnes Verbrechen. Die Ermittler suchen in Karlsruhe nach jemandem, der Hilde gekannt, sie an diesem Abend gesehen oder etwas Verdächtiges beobachtet hat. Eine hilfreiche Spur zum Täter finden sie allerdings nicht. Und dann wird nur knapp vier Wochen später die nächste Frau getötet. Der Tatort liegt diesmal in Hornberg, einer Kleinstadt im Schwarzwald. Bis zu der Stelle bei Freiburg, an der wiederum gut zwei Monate später Dagmar gefunden wird, sind es von Hornberg nur knapp 50 Kilometer Luftlinie. Die junge Frau heißt Karin. Sie ist 18 Jahre alt und arbeitet als Friseurin. Es ist kurz vor Ostern und im Friseursalon gibt es viel zu tun, weshalb Karin länger arbeitet als sonst. Erst nach 21 Uhr verlässt sie den Laden. Draußen ist es schon dunkel, es nieselt. Ungefähr 100 Meter vom Friseursalon entfernt nähert sich ihr jemand von hinten und schlägt ihr mit einem großen Stein gegen den Kopf. Karin verliert daraufhin das Bewusstsein. Anschließend missbraucht der Täter sie und tritt ihr offenbar so lange auf den Hals, bis sie stirbt. Als Karin an diesem Abend nicht nach Hause kommt, beginnen ihre Eltern noch in derselben Nacht nach ihr zu suchen. Sie gehen die Wege ab, die ihre Tochter normalerweise nimmt, können sie aber nicht finden. Erst am nächsten Morgen erfahren ihre Eltern, dass sie ermordet wurde. Eine Freundin erzählt von der Suche später in einer Doku vom SWR. Für die Menschen in Hornberg wird Karins Tod zu einem Ereignis, das sich tief in die Erinnerung der Stadt einprägt. Auf ihrer Beerdigung kommen sehr viele Menschen zusammen. Es sind sogar Leute dabei, die Karin nicht gekannt haben, die aber so ihre Anteilnahme zum Ausdruck bringen wollen. Laut Zeugen ist es die größte Beerdigung, die es in Hornberg bis dahin gegeben hat. Die Menschen haben auch Angst. Der Täter hat eine junge Frau mitten in ihrer kleinen Stadt angegriffen, auf einem Weg, den sie nach der Arbeit vermutlich schon oft gegangen ist. Niemand weiß, wer er ist oder ob er sich noch in der Nähe befindet. Was damals niemand weiß, der Täter ist oft in Hornberg unterwegs. Der Mann arbeitet dort nämlich zeitweise in einem Hotel und spielt sogar vor der Stadthalle mit Kindern Fußball. Unter ihnen ist auch ein zehn Jahre alter Junge, der später Innenminister von Baden-Württemberg wird, Thomas Schäuble. Der erinnert sich später sogar an den Mann, mit dem er als Kind Fußball gespielt hat. Und nicht nur das, der Mann soll nach dem Mord an Karin sogar zu ihren trauernden Eltern gegangen sein. Dort soll er mit ihnen über den unbekannten Mörder ihrer Tochter gesprochen und gesagt haben, dass man einem solchen Menschen den Hals abschneiden müsse. Aber niemand ahnt etwas und der Mann weiß genau, dass ihn niemand verdächtigt. Die Polizei hat auch noch keine Ahnung, dass Karins Tod mit dem Mord an Hilde zusammenhängt. Die beiden Frauen sind unterschiedlich alt. Hilde ist 49, Karin erst 18. Sie leben in verschiedenen Städten, die rund 100 Kilometer auseinanderliegen, und werden auf unterschiedliche Weise getötet. Auf den ersten Blick gibt es nichts, das die beiden Fälle miteinander verbindet. Dazu kommt, dass die Polizeiarbeit 1959 ganz anders funktioniert als heute. Es gibt keine gemeinsame digitale Datenbank. Berichte, Personenbeschreibung und Tatortfotos liegen auf Papier bei der jeweils zuständigen Dienststelle. Damit zwei Fälle miteinander verglichen werden können, muss erstmal jemand auf die Idee kommen, dass sie überhaupt zusammengehören könnten. In der Doku »Die großen Kriminalfälle« beschreibt ein ehemaliger Polizeibeamter, mit welchen Mitteln die Polizisten damals gearbeitet haben. Es gibt in seinem Bereich zum Beispiel nur einen Funkstreifenwagen. Die meisten Polizisten fahren mit Motorrädern, Mopeds oder Fahrrädern durch die Gegend. Unterwegs haben sie keinen Funk. Wenn sie Informationen weitergeben wollen, dann brauchen sie ein Telefon. Als Dagmar knapp zehn Wochen nach Karin aus dem fahrenden Zug gestoßen wird, entsteht deshalb eine dritte Akte. In allen drei Fällen sucht jeweils eine andere Dienststelle nach einem Mann, der eine Frau sexuell missbraucht und getötet hat. Trotzdem bringt die Polizei die Fälle nicht miteinander in Verbindung. Und während jede Dienststelle einzeln nach einem Täter sucht, beginnt der Mann weitere Verbrechen. Alle Tatorte liegen in derselben Region im Südwesten Deutschlands. Hornberg liegt ungefähr in der Mitte. Sieht man einen Kreis um die Stadt von rund 90 Kilometern liegen darin all die Städte, die wir gleich nennen. Auch die Abstände zwischen den Taten werden immer kürzer. Zwei Tage vor dem Mord an Dagmar an den Gleisen wird in Singen eine 18-jährige Frau in ihrem Schlafzimmer angegriffen. Ein Mann ist nachts durch ein offenes Fenster eingestiegen. Doch die junge Frau kann sich befreien und um Hilfe rufen. Der Täter flieht, bevor jemand ihn festhalten kann. Doch auch dieser Fall wird weder mit Hilde noch mit Karin oder später mit Dagmar in Verbindung gebracht. Nach Dagmas Tod werden in den darauffolgenden Tagen weitere Frauen in der Gegend, also in Süddeutschland, angegriffen. Am 2. Juni 1959 wird eine 25-jährige Kellnerin in der Nähe des Bahnhofs Triberg überfallen. Jemand schlägt sie mit einem eisenbeschlagenen Stück Holz nieder und klaut ihre Handtasche. Vier Tage später fährt ein Mann in Karlsruhe mit dem Fahrrad an zwei Frauen vorbei und sticht ihn mit einem Messer in den Rücken. Beide werden schwer verletzt, überleben aber. Der Angreifer kann auf dem Fahrrad entkommen. In der Nacht zum 8. Juni 1959 steigt ein Mann wieder durch ein offenes Fenster in ein Haus. Dieses Mal in das Zimmer eines 15-jährigen Mädchens. Der Angriff ist besonders brutal. Der Mann sticht dem Mädchen mehrmals in den Hals. Erst als ihr Vater ins Zimmer kommt, lässt der Angreifer von ihr ab und flieht. Das Mädchen aber überlebt. Und die Polizei hat dieses Mal auch endlich eine Spur des Täters. Einen Schuhabdruck. Am Tag darauf, am 9. Juni, wird die 16-jährige Rita zum nächsten Opfer. Die Tat geschieht bei Oethekheim, einer kleinen Gemeinde in der Nähe von Rastatt. Über Rita selbst und darüber, weshalb sie an diesem Tag dort unterwegs ist, berichten die Quellen leider nicht. Der Täter vergewaltigt und erwürgt die Jugendliche. Anschließend bringt er ihren Körper in ein Waldstück und lässt sie dort zurück. Erst am folgenden Tag wird Rita gefunden. Fassen wir kurz zusammen. Seit Ende Februar 1959 sind neun Frauen und Mädchen angegriffen worden. Vier von ihnen, Hilde, Karin, Dagmar und Rita, wurden getötet. Einige der Überlebenden haben den Täter gesehen. Die junge Frau aus Singen kann der Polizei sogar eine Beschreibung geben, aber trotzdem ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, ob hinter all diesen Verbrechen tatsächlich derselbe Täter steckt. Denn die Art der Angriffe unterscheidet sich stark voneinander. Einige Frauen werden mit einem Messer verletzt, eine andere mit einem schweren Gegenstand niedergeschlagen. Rita wird erwürgt. Mal bricht der Täter nachts in ein Haus ein, mal greift er Frauen mitten am Tag an. In einem Fall ist er zu Fuß unterwegs, in einem anderen auf einem Fahrrad. Es gibt keinen festen Tatort und keine Tatwaffe, die alle Fälle direkt miteinander verbindet. Also im Grunde kein Wunder, dass es den Beamten schwer fällt, all diese Angriffe miteinander in Verbindung zu bringen. Und trotzdem entsteht bei der Polizei langsam der Verdacht, dass zumindest einige der Verbrechen auf denselben Täter zurückgehen könnten. Auch in der Öffentlichkeit bekommen die Taten viel Aufmerksamkeit. Große Tageszeitungen und die Boulevardpresse berichten ausführlich darüber. Viele Frauen fragen sich, ob sie noch allein zur Arbeit gehen können oder nach Einbruch der Dunkelheit besser zu Hause bleiben sollten. Eine der Frauen, die einen seiner Angriffe überlebt, ist Hildegard. Sie ist gerade auf dem Weg zur Arbeit und läuft dafür durch ein Waldstück, als sie einen Mann hinter sich bemerkt. Er scheint sie zu verfolgen. Hildegard versucht schneller zu gehen. Sie will bis zur nächsten Kurve laufen und hofft, dass der Mann sie dann aus den Augen verliert. Doch plötzlich spürt sie zwei harte Schläge auf ihrem Kopf. Als sie mit den Händen nach der Verletzung tastet, spürt sie Blut an ihren Fingern. Sie schreit laut um Hilfe und überlebt den Angriff. Aber der Angreifer hinterlässt Spuren, nicht nur mit Narben am Kopf. Noch Jahre später erschrickt Hildegard vor ihrem eigenen Schatten, weil sie glaubt, hinter ihr stehe wieder der Mann. Bis dahin gibt es kaum Spuren, die zu dem Unbekannten führen könnten. Und vielleicht wäre das auch so geblieben. Doch dann spielt ein kleiner Zufall den Ermittlern in die Karten. Am 10. Juni, am Tag nach dem Mord an der 16-jährigen Rita, wird in Baden-Baden in ein Waffengeschäft eingebrochen. Gestohlen werden unter anderem ein Kleinkalibergewehr und eine Pistole. Acht Tage später taucht genau diese Pistole am Bahnhof Karlsruhe-Durlach auf. Ein Mann bedroht damit einen Mitarbeiter am Schalter, raubt 540 D-Mark und flieht. Die Polizei kann am Tatort einen Schuhabdruck sichern und erzielt damit einen Treffer. Der Abdruck passt zu der Spur aus dem Zimmer des 15-jährigen Mädchens. Ihr erinnert euch vielleicht, das Mädchen hat überlebt, als ihr Vater zur Hilfe kam. Auch dort wurde ein Schuhabdruck sichergestellt. Die Pistole und der Schuhabdruck führen die Ermittler zu dem Einbruch in das Waffengeschäft in Baden-Baden. Zum ersten Mal gibt es damit konkrete Hinweise darauf, dass mehrere Verbrechen zusammengehören. Der Mann aus dem Schlafzimmer könnte auch in das Waffengeschäft eingebrochen und für den Überfall am Bahnhof verantwortlich sein. Die Fahndung wird zunehmend größer, auch weil die Polizei jetzt weiß, dass der Mann bewaffnet ist. Und dann kommt es zu besagtem Zufall. Noch am Tag des Überfalls, am 18. Juni, betritt ein junger Mann ein Geschäft in Hornberg. Hornberg ist die Stadt, in der Karin, die 18 Jahre alte Friseurin, ermordet wurde. Der junge Mann betritt ein Schneidergeschäft. Er will einen neuen Anzug abholen, den er einige Zeit zuvor unter seinem Namen bestellt hat. Seine abgetragenen Sachen lässt er im Geschäft zurück, zusammen mit einer ungewöhnlich schweren Tasche. In einigen Quellen heißt es, dass der Mann die Tasche dort vergisst. Ein Versehen? Ein Zufall? Oder vielleicht doch geplant? Jedenfalls schaut die Frau des Schneiders in die Tasche, weil ihr das alles merkwürdig vorkommt. Und sie macht eine grausame Entdeckung. Darin befindet sich eine abgesägte Schusswaffe. Der nächste Zufall, der hier rein spielt, direkt gegenüber vom Schneidergeschäft, auf der anderen Straßenseite, befindet sich die Polizeiwache. Die Frau des Schneiders bringt die Tasche zu den Beamten rüber. Und der Schneider kann ihn sogar noch den Namen des Mannes nennen. Es ist ein gewisser Heinrich. Für die Ermittler ist klar, diese Waffe wurde in Baden-Baden gestohlen. Also muss das der Mann sein, der den Bahnhof überfallen und das Mädchen in ihrem Zimmer angegriffen hat. Am Tag, nach seinem Besuch in der Schneiderei, wird der Mann in der Stadt erkannt. Als ein Polizist ihn festnehmen will, läuft der aber plötzlich davon. Der Beamte lässt sein Fahrrad fallen und rennt hinterher. Mehrere junge Männer in der Nähe bekommen die Verfolgungsjagd mit, holen den Mann ein, halten ihn fest und übergeben ihn der Polizei. Der Mann ist erst 21 Jahre alt. Für die Ermittler ist er erstmal nur der Verdächtige in drei Verbrechen. Dass er auch etwas mit den Morden an Hilde, Karin, Dagmar und Rita zu tun haben könnte, weiß in diesem Moment noch niemand. Heinrich stammt aus einem Dorf in der Nähe von Rostock. Er ist groß und schlank. Heinrich kann sich gut ausdrücken, tritt höflich auf und wirkt eher ruhig als bedrohlich. Eine frühere Kollegin meint sogar, dass sie damals ohne Bedenken nachts mit ihm nach Hause gegangen wäre. Oberflächlich betrachtet passt nicht zu dem Bild, das sich die Menschen vom gesuchten Frauenmörder gemacht haben. Als die Beamten hinter die Fassade schauen, stoßen sie allerdings auf eine lange kriminelle Vorgeschichte. Denn Heinrich ist der Polizei schon als Jugendlicher begegnet. Und das nicht nur einmal. Werbung. Es gibt Berichte über ihn in der DDR, in West-Berlin, der Schweiz und eine Akte aus Hamburg. Jede davon enthält Warnzeichen. Das Problem ist nur, keine Behörde kennt sie alle. Heinrich wurde am 6. Juli 1937 geboren. Schon seine Kindheit ist von Gewalt geprägt. Sein Vater soll gegenüber der Familie gewalttätig gewesen sein. In den 40er Jahren wird Heinrichs Vater eingezogen und an die Front im Zweiten Weltkrieg geschickt. Er kommt aber nicht wieder nach Hause zurück. Die Mutter bleibt mit Heinrich und seiner kleinen Schwester zurück. Die ist zwei Jahre jünger als er. 1949 verlässt die Mutter die Familie aus dem Nichts und zieht in die Schweiz. Heinrich ist damals zwölf Jahre alt, seine jüngere Schwester zehn. In der ARD-Doku erinnert sich seine Schwester daran, dass ihr damals niemand richtig erklärt hat, was genau passiert ist. Es heißt nur, die Mutter gehe kurz fort und komme gleich wieder. Aber sie kommt nicht zurück. Die Schwester wird in ein Kinderheim gebracht. Heinrich muss zu den Großeltern nach Malchien in Mecklenburg. Für die Schwester ist das der Moment, der die Familie komplett verändert hat. Sie sagt, ihre Mutter sei der einzige Mensch, den sie in ihrem Leben wirklich gehasst habe. Gleichzeitig macht Heinrichs Schwester aber deutlich, dass ihr Bruder selbst für das verantwortlich bleibt, was er später anderen antut. Sie kann seine Taten nicht entschuldigen. Für sie war er aber trotzdem einmal der große Bruder, der sie beschützt hat. Heinrich wächst bei seinen Großeltern in ärmlichen Verhältnissen auf. Er bleibt in der Schule zweimal sitzen, hat kaum enge Freunde und verbringt viel Zeit allein. Schon damals fällt er durch sein Verhalten auf. Laut einer Nachbarin soll er sich einmal als Kind hinter einem Baum versteckt und auf zwei kleinere Kinder gewartet haben. Als sie an ihm vorbeigehen, folgt er ihnen und greift sie von hinten an. Der Psychiater Wolfgang Berner hält Heinrich für einen sogenannten Early Starter. Der Begriff wird für Menschen verwendet, bei denen aggressives und antisoziales Verhalten schon früh anfängt und sich dann über die Jahre fortsetzt. Solche frühen Auffälligkeiten gelten auch heute als ein Risikofaktor. Sie bedeuten aber nicht, dass ein Kind zwangsläufig zum Gewalttäter wird. Bei Heinrich zeigt sich aber im Rückblick, dass die Gewalt nicht aus seinem Leben verschwindet, sondern immer stärker wird. Das bedeutet, dass die ersten Warnzeichen schon lange vor den Verbrechen 1959 vorhanden sind. Eines der Mädchen, die Heinrich als Jugendlicher angreift, heißt Mariana. Er begegnet ihr an einem abgelegenen Weg und bittet ihr an, sie zu begleiten. Mariana lehnt ab und sagt, ihre Mutter komme gleich. Doch Heinrich lässt sie nicht gehen. Laut Mariana wirft Heinrich sie in einen Graben und legt ihr ein Taschentuch über das Gesicht, damit sie ihn nicht sehen kann. Dann dreht er sie um und drückt ihr Gesicht in einen Maulwurfshügel. Mariana kann den Kopf gerade weit genug zur Seite drehen, um weiterzuatmen. Sie bewegt sich aber nicht mehr. Offenbar glaubt Heinrich, sie sei bewusstlos und lässt von ihr ab. Heinrich ist damals ungefähr 14 Jahre alt. Heinrich wird für diesen Angriff nicht bestraft. Erst als er später wieder zwei Mädchen auflauert, wird die Polizei auf ihn aufmerksam. Eines der Mädchen soll sein Fahrrad festhalten, während er das andere in ein Gebüsch lockt. Diesmal wird er erwischt. Doch Heinrich wartet nicht ab, was passiert. Er haut ab und schlägt sich im Mai 1953 im Alter von 15 Jahren aus der DDR bis nach Westberlin durch. Nach einigen Tagen greift ihn die Polizei dort auf. Der Jugendliche wirkt verwahrlost. Die Beamten fragen, weshalb er geflohen ist und Heinrich schreibt es selbst auf. Er habe die DDR verlassen, weil er sich an einem ungefähr 10-jährigen Mädchen vergangen habe. Unter dieser Erklärung setzt er seinen Namen. Diese Erklärung gibt es in den Berliner Akten. Spätestens jetzt ist sein Verhalten also nicht mehr nur ein Gerücht aus einem Dorf, sondern dokumentiert. Eine Polizeidienststelle in West-Berlin hat ein schriftliches und unterschriebenes Eingeständnis. Trotzdem wird der Übergriff nur als eine Art harmlose Pubertätserscheinung betrachtet. So heißt es zumindest in einer Doku. Eine genauere Untersuchung gibt es nicht. Stattdessen schicken die Beamten Heinrich zu seiner Mutter. Die lebt inzwischen in Zürich in der Schweiz. Sie verfasst einen Brief an die Polizei in West-Berlin und schreibt darin, dass sie Heinrich bei sich aufnimmt. Zitat, es sei nun wie es sei. Ich bin und bleibe die Mutter und verstoße ihn nicht. Auch Heinrichs Schwester lebt nach drei Jahren im Kinderheim mittlerweile wieder bei ihr. Heinrich darf also nach Zürich reisen. Doch schon wenige Wochen später greift er auf einer Kirmes in Schaffhausen wieder ein Mädchen an. Dieses Mal wird er verurteilt und für 40 Tage inhaftiert. Danach muss er die Schweiz verlassen und darf zehn Jahre lang nicht zurückkehren. In der Schweiz ist Heinrich damit offiziell als Sexualstraftäter bekannt. In Deutschland erfährt davon aber offenbar niemand. Heinrich reist einfach wieder ein und dann innerhalb Deutschlands immer weiter. Er hält sich nie lange an einem Ort auf, findet Gelegenheitsarbeiten und verschwindet kurz darauf wieder. Die Polizei ermittelt, dass er in diesen Jahren noch weitere Frauen und Mädchen angreift. Doch auch diese Taten werden erst nach seiner Verhaftung mit ihm verbunden. 1957, im Alter von ungefähr 20 Jahren, lebt er in Hamburg. Dort überfällt er mehrere Frauen und entblößt sich vor Kindern. Festgenommen wird er am Ende aber wegen eines Einbruchs in einen Kiosk. Heinrich wollte Briefmarken stehlen. Dafür bekommt er sechs Monate in einem Jugendgefängnis. In seiner Hamburger Akte wird er schlicht als Dieb bezeichnet. Von den angegriffenen Frauen steht dort aber nichts. Und genau das ist das Problem. In Westberlin weiß man nur von seinem eigenen schriftlichen Eingeständnis, dem Angriff auf die zehn Jahre alte Mariana. In der Schweiz wurde er verurteilt, aber diese Information wird nicht nach Deutschland weitergegeben. In Hamburg kennt man ihn nur als Einbrecher. Und in Baden-Württemberg suchte die Polizei damals erstmal nach einem bewaffneten Räuber. Jede Behörde kennt nur einen Teil seiner Geschichte. Als Heinrich im Sommer 1959 in Hornberg festgenommen wird, sind die Warnzeichen also längst da. Sie liegen nur in verschiedenen Akten, in verschiedenen Städten und in verschiedenen Ländern. Aber jetzt sitzt er wieder auf einer Polizeiwache und dieses Mal erkennt eine Frau sein Gesicht. Diese Frau hat selbst einen sexuellen Angriff überlebt. Als ihr bei der Polizei ein Foto von Heinrich gezeigt wird, erkennt sie ihn sofort als ihren Angreifer wieder. Damit steht zum ersten Mal der Verdacht im Raum, dass der bewaffnete Räuber aus Hornberg noch für ganz andere Verbrechen verantwortlich sein könnte. Die Ermittler konfrontieren Heinrich mit ihrer Aussage, doch der streitet erstmal alles ab. Auch während der Vernehmung wirkt er nicht besonders nervös oder aggressiv, sondern fast schon höflich. Als die Polizei Blutspuren an seiner Kleidung findet, wollen sie das Blut und die Haare von seinem Sacko mit den Spuren aus ungeklärten Fällen vergleichen. Und plötzlich beginnt Heinrich zu reden. Zuerst gesteht er einzelne Überfälle und Sexualverbrechen, dann kommen aber immer mehr und mehr Taten dazu. Der junge Mann berichtet von Orten, an denen die Polizei bis dahin vergeblich nach einem Täter gesucht hat. Er beschreibt Wege, Gebäude und Stellen, an denen Frauen angegriffen oder gefunden wurden. Teilweise zeichnet er den Beamten sogar ganz detaillierte Skizzen der Tatorte. Er kann sich überraschend genau an Verbrechen erinnern, die schon Jahre zurückliegen. Seit Heinrich 1953 aus der Schweiz ausgewiesen wurde, hat er keinen festen Alltag und nur selten einen Ort, an dem er lange bleibt. An einem Tag ist er in Karlsruhe, kurz darauf im Schwarzwald oder am Bodensee. Aber erst im Jahr seiner Festnahme, 1959, scheint sich sein Leben immer stärker um seine Gewaltfantasien zu drehen. Er kauft sich pornografische Hefte und geht fast täglich ins Kino. Einer dieser Kinobesuche bekommt in seinem Geständnis noch eine besondere Bedeutung. Heinrich erzählt den Ermittlern, dass er Ende Februar 1959 den Film »Die zehn Gebote« gesehen habe. Darin wird die biblische Geschichte von Moses erzählt. In einer Szene tanzen leicht bekleidete Frauen um das goldene Kalb. Heinrich behauptet später, in diesem Moment zu der Überzeugung gekommen zu sein, dass Frauen die Ursache allen übelt seien und bestraft werden müssten. Laut Psychiater Wolfgang Berner hat sich Heinrich offenbar mit Moses identifiziert. Also mit einem Mann, der sich Prüfungen stellen und eine Aufgabe erfüllen muss. Ob der Kinobesuch Heinrichs Gedanken in diesem Moment tatsächlich verändert oder ob er damit versucht, seiner Gewalt eine Erklärung zu geben, das weiß niemand so genau. Der Film kann allerdings nicht der Anfang seines gewalttätigen Verhaltens sein. Zu diesem Zeitpunkt hat er ja längst mehrere Mädchen und Frauen angegriffen. Aber er eskaliert die Gewalt, denn nach dem Kinobesuch begeht er seinen ersten Mord. Den Mord an Hilde, die Frau mit der Einkaufstasche. Heinrich gesteht auch die Morde an der Friseurin Karin in Hornberg. Von Dagmar im Sonderzug und von der 16-jährigen Rita bei Oetikheim, die in einem Wald gefunden wird. Auch die vielen Angriffe, die bisher nicht eindeutig miteinander verbunden werden konnten, bekommen nun einen gemeinsamen Verdächtigen. Heinrich spricht über Frauen, die er auf Straßen verfolgt hat, über Einbrüche in Schlafzimmer und Überfälle an Bahnhöfen. Insgesamt gesteht er 65 Straftaten, darunter vier Morde, mehrere Mordversuche, zahlreiche versuchte und vollendete Vergewaltigungen, Raubüberfälle, Einbrüche und Diebstähle. Für die Beamten muss das Ausmaß kaum zu begreifen sein. Selbst für einen erfahrenen Polizisten, der damals ermittelt hat, liegen die Taten in einer Kategorie, die für ihn kaum vorstellbar gewesen ist. Und während Heinrich ein Verbrechen nach dem anderen gesteht, soll er am Ende zu den Beamten Folgendes gesagt haben. Vor ihnen sitzt kein Mensch, sondern der Teufel. Fast täglich gelangen solche neuen Einzelheiten an die Öffentlichkeit. Zeitungen berichten über die Geständnisse und immer mehr Angriffe auf Frauen. Menschen, die Heinrich als Kollegen, Nachbarn oder Fußballspieler kannten, die erfahren nun, was er getan hat, während er mitten unter ihnen gelebt hat. Auch seine Schwester erfährt davon. Der große Bruder, den sie als Kind einmal als ihren Beschützer erlebt hat, ist für den Tod mehrerer Frauen verantwortlich. Sie kann es nicht verstehen. Wie sehr sie damit ringt, wird in der Doku die großen Kriminalfälle deutlich. Sie könne sich nicht für ihn entschuldigen, sagt sie im Jahr 2010, als die Doku ausgestrahlt wird. Sie leide darunter, dass ihr Bruder so vielen Menschen etwas angetan hat. Hätte sie es früher gewusst, wisse sie nicht, was sie getan hätte. Heinrich ist bei seinem Geständnis erst 21 Jahre alt. Nur wenige Wochen später wird er 22. Als mehr als ein Jahr nach seiner Festnahme der Prozess beginnt, ist er 23 Jahre alt. Im Oktober 1960 wird vor dem Landgericht Freiburg gegen Heinrich verhandelt. Nach außen hin zeigt er während der Verhandlung kaum eine Reaktion. Fast drei Wochen lang spricht das Gericht über seine Taten. Darüber, ob er sie begangen hat, gibt es zu diesem Zeitpunkt kaum noch Zweifel. Eine der wichtigsten Fragen ist, ob er für seine Taten vollständig verantwortlich ist. Psychiatrische Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass Heinrich schuldfähig ist. Seine schwierige Kindheit, die frühen Auffälligkeiten und seine Vorstellungen über Frauen ändern daran nichts. Heinrich wusste, was er tat, und er wusste, dass es verboten war. Das Gericht verurteilt ihn wegen vier Morden, zwölf Mordversuchen und zahlreicher weiterer Verbrechen. Er erhält sechsmal lebenslang und zusätzlich zeitliche Strafen von insgesamt 140 Jahren Zuchthaus. Außerdem verliert er seine bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. Nach dem damaligen Recht bedeutet das zum Beispiel, dass er nicht mehr wählen darf. Es ist das bis dahin strengste Urteil in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Oberstaatsanwalt macht das nochmal deutlich, indem er sagt, dass sich hinter Heinrich nun neun Türen schließen würden, durch die er nie wieder herauskommen solle. Heinrich kommt in die Justizvollzugsanstalt Bruchsal in Baden-Württemberg. Das Gefängnis gilt als besonders sicher. Schon während der Untersuchungshaft gelten für ihn strenge Regeln. Zum Beispiel sehen Beamte mehrmals pro Stunde nach ihm. Die Vorsicht hat auch einen Grund. Heinrich gilt als einer der gefährlichsten Gefangenen der Bundesrepublik. Auch im Alltag der Menschen ist sein Name noch in den Köpfen. Selbst Jahre nach den Taten sollen Eltern in der Region ihren Kindern gesagt haben, wenn du nicht für Einbruch der Dunkelheit zurück bist, holt dich der Heinrich. Aus dem realen Täter wird damit eine Schreckfigur. Wenn Besucher ins Gefängnis kommen, fragen sie den Direktor zuerst, ob Heinrich noch da ist. Ja, er ist noch da. Während sich die Bundesrepublik verändert, bleibt Heinrich hinter den Mauern. Als er festgenommen wird, ist Konrad Adenauer gerade Bundeskanzler und die Berliner Mauer noch nicht gebaut. In den folgenden Jahrzehnten kommen und gehen Regierungen. Deutschland ist geteilt und wird schließlich wieder vereinigt. Heinrichs Mutter stirbt 1981. Danach ist seine Schwester eine seiner letzten Verbindungen nach draußen. Er wirft ihr vor, ihn zu selten zu besuchen. Irgendwann hält sie das nicht mehr aus und schreibt ihm, dass nicht sie sein Leben zerstört habe. Er habe sein eigenes Leben und das viele andere Menschen kaputt gemacht. Dann bittet sie ihn, sie in Ruhe zu lassen. Nach ungefähr 34 Jahren Haft darf Heinrich das Gefängnis 1993 zum ersten Mal für einige Stunden verlassen. Der 56-Jährige wird dabei von mehreren Justizbeamten bewacht. Trotzdem sorgt schon dieser kurze Ausflug für Proteste. Viele Menschen fordern, dass ein Mann, der vier Frauen getötet und zahlreiche weitere angegriffen hat, nie wieder freikommen darf. Doch genau darüber wird diskutiert. darf die Schwere seiner Taten allein ausreichen, um Heinrich bis zu seinem Tod einzusperren? Oder darf er nur weiter festgehalten werden, wenn von ihm noch immer eine Gefahr ausgeht? Als Heinrich an Nierenkrebs erkrankt, beschäftigt sich 1995 sogar das Bundesverfassungsgericht mit seinem Fall. Die Richter stellen klar, dass auch ein Mensch mit lebenslanger Haftstrafe eine wirkliche Aussicht auf Freiheit behalten muss, was nicht bedeutet, dass er direkt freigelassen werden muss. Wird er auch nicht, denn Gutachter halten das Risiko weit dafür zu groß, dass er wieder eine Frau angreifen könnte. Vor einer Entlassung müsse er eine intensive Therapie machen, doch genau die hat er kaum bekommen. Die Zeitung Taz beschreibt später einen Teufelskreis. Ohne Therapie gibt es keine günstige Prognose. Ohne günstige Prognose bekommt der Täter aber auch keine ausreichende Therapie. Das Justizministerium macht dafür allerdings auch Heinrich selbst verantwortlich, Denn er habe alle angebotenen Behandlungen abgelehnt. Nach jahrelangen Gerichtsverfahren darf die Haft schließlich nicht mehr allein mit der Schwere seiner Schuld begründet werden. Weil Heinrich aber immer noch als gefährlich gilt, sitzt er weiterhin im Gefängnis. Der frühere Gefängnisdirektor kritisierte in der ARD-Doku, dass man Heinrich vor allem weggesperrt habe. Der Staat müsse die Bevölkerung schützen, aber er müsse auch versuchen, die Gefährlichkeit eines Gefangenen zu verringern. Sonst werde aus Strafe irgendwann Rache. Für die Frauen, die Heinrichs Angriffe überlebt haben, ist diese Diskussion bestimmt schwer zu ertragen. Sie wissen, wozu er fähig war. Viele leben jahrelang mit körperlichen und psychischen Folgen. Auf freien Fuß kommt Heinrich jedenfalls nicht mehr. Im Dezember 2008 stirbt er im Alter von 71 Jahren im Gefängniskrankenhaus. Er war mehr als 49 Jahre ununterbrochen in Haft. Bei seinem Tod ist er der am längsten inhaftierte Gefangene der Bundesrepublik. Die neun Tore, von denen der Oberstaatsanwalt damals im Prozess gesprochen hat, haben sich für ihn tatsächlich nie wieder geöffnet. Später ging es aber um die Frage, wie lange der Staat einen Menschen festhalten darf, dessen Schuldteil verbüßt ist, den Fachleute aber weiterhin für gefährlich halten. Einige Menschen forderten damals eine noch härtere Strafe, nämlich die Todesstrafe. Andere haben kritisiert, dass Heinrich jahrzehntelang eingesperrt wurde, ohne ernsthaft auf eine mögliche Entlassung vorbereitet zu werden. Die Haft endet erst mit Heinrichs Tod, aber die Geschichte seiner Verbrechen endet nicht. Hilde, Karin, Dagmar und Rita wurden getötet. Andere Frauen haben seine Angriffe überlebt und mussten danach mit den Folgen weiterleben. Gleichzeitig zeigt der Fall, wie viele Warnzeichen es schon Jahre vor den Morden gab. Ein schriftliches Eingeständnis in West-Berlin, eine Verurteilung in der Schweiz und weitere Akten in verschiedenen Städten Deutschlands. Doch keine Behörde kannte das ganze Bild. Diese Informationen lagen getrennt voneinander vor, bis es zu spät war. An dieser Stelle danke an Jonathan. Du hast uns nämlich von diesem Fall hier erzählt. Und Patrick, ich frage dich gleich ganz offen, was sind deine Gedanken hier zu diesem Fall? Ich habe gleich zwei Punkte, glaube ich, über die wir ein bisschen quatschen können. Weil, also besonders, was wir jetzt am Ende besprochen haben, finde ich irgendwie ganz lustig. Ich weiß nicht, es hört sich komisch an, in diesem Kontext dann immer so eine Wörter zu benutzen. Aber es gibt ja wirklich die eine Seite, die gesagt hat, er braucht die Todesstrafe nach dem, was er gemacht hat. Und die andere Seite, die sagen, nee, im Endeffekt, das hört sich ja an, als wollten die gleich, dass der freigelassen wird. Das sind ja wirklich zwei komplette Extreme. Und also aus meiner Sicht, ich glaube, da sind wir aber beide auf einer Linie, könnte ich mir vorstellen, es ist beides komplett Blödsinn. Weil es ist halt im True Crime, alles was wahre Verbrechen angeht, braucht es immer diesen Mittelweg und der ist natürlich schwer und das haben wir auch hier gehört, dass es halt diese Gutachter, diese Gutachterin braucht, die sich angucken. Will er überhaupt Therapien nutzen, will er sich überhaupt bessern und all das haben wir bei ihm überhaupt gar nicht gesehen. Deswegen aus meiner Sicht auf jeden Fall eine Haft bis ans Lebensende. Das ist ja auch was, was, glaube ich, sehr rechtlich ist. Hier vermischen sich jetzt Emotionen, sehr nüchterne rechtliche Betrachtungen. Nur weil man sagt, okay, der gehört bis ans Lebensende eingesperrt, heißt es ja nicht, dass man ihm keine Aussicht auf Freiheit bieten kann. Aber das hat er ja alles überhaupt gar nicht in Angriff genommen. Also er wollte sich ja auch überhaupt gar nicht ändern. Ich denke mal, da sind wir einer Meinung, oder? Ja, genau dieser Punkt mit, er will gar keine Therapie, er will gar keine Hilfe und keine Verbesserung seiner Person sozusagen. Der ist bei mir auch ganz groß aufgestoßen. Aber ich muss auch sagen, selbst wenn er eine Therapie gemacht hätte, der hat extrem vielen Frauen Leid angetan. Einige davon sogar ermordet und das Leben genommen, weißt du? Und manchmal werden einem die Wörter so ein bisschen umgedreht im Mund und deswegen müssen wir immer aufpassen, was wir wie sagen. Aber das sind ja auch hier unsere eigenen Gedanken und Meinungen, die jetzt gerade ganz frei rauskommen. Was ich sagen möchte ist, ja, einfach dieser Aspekt, dass er nicht mal Hilfe in Anspruch nehmen wollte, zeigt ja auch irgendwie, dass er sich nicht bessern will. Und dann finde ich, und ich formuliere das jetzt mal so, dann hat er auch kein Recht auf Freiheit verdient, oder? Also wenn der so vielen Leuten so viel Leid angetan hat über einen längeren Zeitraum, dann hat er auch ganz genau gewusst, was er da gemacht hat. Auch ja schon in der Kindheit, in dem er die jungen Mädchen da belästigt hat. Also es zieht sich ja durch sein ganzes Leben. Und ja, deswegen, um es auf den Punkt zu bringen, sehe ich das genauso wie du. Das ist sogar genau der zweite Punkt, den ich noch ansprechen wollte, weil ich das so, so überraschend fand, dass als er den beiden Mädchen da aufgelauert hat, das einfach als, das war doch mit den beiden Mädchen, glaube ich. Dass es dann so als Pubertätsding irgendwie abgestempelt worden ist. Da war ich wirklich so, wie bitte? Wie könnt ihr sowas offensichtlich Grässliches einfach so einfach abtun? Krass, oder? Das ist ja nicht, er hat heimlich auf dem Schulhof geraucht. Naja, ist halt ein Pubertätsding. Der hat einfach ein Mädchen belästigt. So, hä? Also, sorry, aber wenn das ein Pubertätsding ist, dann denke ich mir so, was ist denn bei euch nicht richtig? Also, ihr merkt schon, es ist so ein bisschen dieser Mischmasch aus nüchterner Betrachtung auf diesen ganzen juristischen Teil, aber halt natürlich auch, und das ist ja auch ganz normal, sehr vielen Emotionen. Nichtsdestotrotz, also es würde uns sehr, sehr interessieren, was eure Gedanken dazu sind. Schreibt uns die gerne hier in die Folge oder halt auch auf Social Media. Damit würde ich sagen, machen wir einen kleinen Sprung in die Personalakte. Wie sieht es bei dir aus? Du wolltest am Anfang der Folge ja noch ein bisschen was erzählen zu den neuen Wild Crimes-Folgen, ne? Ja, für alle, die das jetzt auch brauchen, nach diesem Fall noch ein bisschen runterzukommen, Die sind herzlich eingeladen, uns jetzt noch in der Personalakte. Weiterhin ein paar Minuten zuzuhören. Und genau, wir bleiben ja eigentlich im Bereich True Crime, jetzt zumindest True Crime aus der Tierwelt. Und zwar durfte ich eine neue Staffel Wild Crimes aufnehmen. Eigentlich bin ich dafür ja immer in München, habe ich ja schon ein paar Mal erzählt. Aber dieses Mal haben wir die Aufnahmen oder ich meine Aufnahmen zumindest im ARD Hauptstadtstudio in Berlin gemacht. Das war super cool, da war ich vorher noch nie. Und ja, das war so ein bisschen jetzt aus organisatorischen Gründen, dass wir aus drei verschiedenen Städten zugeschaltet waren. Und das war an sich schon wieder eine coole neue Erfahrung, obwohl es halt schon die fünfte Staffel war, die wir zusammen gemacht haben. Und ich würde fast behaupten, das ist meine Lieblingsstaffel geworden. Einfach weil das Thema Unser Charlie, diese Vorabendserie, auch mal Teil meines Lebens war. Ich weiß nicht, Patrick, ob du die Serie kennst, ob dir das was sagt, aber ich persönlich habe das als Kind auch geschaut. Ich habe das nur am Rande mitbekommen, weil was ich früher geguckt habe, da lief sowas, glaube ich, gar nicht mehr, oder? Das lief ja alles im selben Zeitraum, würde ich mal sagen. Mit Flipper, mit Charlie, was es heutzutage zum Glück ja nicht mehr gibt, so diese Tierdarsteller, oder? Das habe ich ehrlich gesagt alles nicht mehr so mitbekommen. Bei mir waren es dann andere Serien, andere Kinderserien oder so. War das eigentlich eine reine Kinderserie? Nee, ne? Nee, ich würde eher sagen, es war so eine Familienserie. Aber stimmt, es gab eine Zeit mit extrem vielen Tierserien. Kommissarex mit dem Hund und so weiter. Und ja, aber weil mir das als Kind schon so ein präsentes Thema war, fand ich das so aus heutiger Perspektive aber auch total spannend, weil ich das als Kind mit ganz anderen Augen gesehen habe. Nämlich, ach, da ist so ein süßer Schimpanse in einer Menschenfamilie und der macht irgendwie Quatsch und es ist lustig und ach, wie schön, dass die mit einem Affen zusammen leben. Und jetzt als Erwachsene weiß ich natürlich und checke ja viel eher so, okay, das ist überhaupt nicht normal und das wäre auch gar kein Alltagsszenario, dass da so ein Wildtier in einer Familie lebt. Aber das, ja, weiß man als junges Kind ja natürlich nicht. Und ich mag es halt vor allem am Wild Crimes Podcast, dass der Blick hinter die Kulissen stattfindet und dass da Journalisten und Journalistinnen ganz lange recherchieren und an Orte fahren. In diesem Fall geht es in die USA und sich da eben ganz genau anguckt. So, hey, wie war das denn damals am Set? Was ist denn da eigentlich krasses passiert? Und was ist mit den ganzen Affen passiert, die für die Serie als Schauspieler genutzt wurden? Weil das sieht kein TV-Zuschauer, wie es für die weiterging und ja, wie deren Aufmerksamkeit. Leben teilweise auch zu Ende ging. Also ja, wer diese Serie kennt, wer die auch gern geschaut hat oder sich generell dafür interessiert, der sei herzlich eingeladen. Es gibt vier neue Folgen in ARD Sounds, alle ab heute oder jede Woche eine neue Folge auf Spotify, Amazon Music und Co., wo ihr so eure Podcasts hört. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr ein bisschen Liebe da lasst, weil vielleicht gibt es dann ja auch noch eine sechste Staffel, wer weiß. Ich werde es mir auf jeden Fall auch anhören, weil wie gesagt, ich habe es so am Rand früher ein bisschen mitbekommen und ich finde sowas auch immer sehr, sehr spannend. Ich meine, ich tue mich immer so ein bisschen schwer, den Leuten früher kann man vielleicht gar nicht mal so einen Vorwurf machen, die das halt sich angeguckt haben, weil sie einfach nicht wussten, wie du schon sagst, was passiert mit den Tieren nach der Show und es gab halt diese Awareness einfach nicht so. Man nutzt Tiere einfach nicht so als Darsteller. Es wird bestimmt schon genügend Leute damals gegeben haben, die das auch kritisiert haben, deswegen sage ich, bin ich sehr gespannt, was ihr da ausgebuddelt habt, aber, deswegen sage ich, heutzutage guckt man da natürlich nochmal bei vielen unterschiedlichen Themen nochmal mit ganz anderen Augen drauf und deswegen sage ich, freue ich mich da sehr, höre ich auch rein. Und damit würde ich sagen, schließen wir die schwarze Akte für diese Woche und ihr wisst es doch, wir hören uns kommende Woche Dienstag wieder überall, wo es Podcasts gibt. Wir sind eure Hosts, Anne Luppmann und Patrick Strobusch. Redaktion Johanna Müßiger und wir. Schnitt Anne Luckmann. Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.