Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Die Sonne steht hoch am Himmel Australiens. Es ist Sonntag, der 21. Februar 2021. Ein herrlicher Sommertag an der South Coast von New South Wales. Der Bonder Beach liegt in seiner vollen Pracht da. Türkisblaues Meer, ein weißer, weiter Sandstrand, prächtige massive Felsen, die den Strand einzurahmen scheinen. Hier und da ist der Ruf eines Vogels zu hören, begleitet vom stetigen, ruhigen Rauschen der Brandung. Eine paradiesische Idylle, deren Zauber Urlauber aus der ganzen Welt anlockt. Hinter dem schmalen Küstenstreifen beginnt der Bonda National Park mit wunderschönen Seen, Wäldern, abgelegenen Buchten und Langwegen, die sich an der rauen Küste entlang schlängeln. Es ist ein Ort, an den Menschen kommen, um zu campen. zu wandern und für eine Weile weit weg vom Trubel des Alltags zu sein. Doch die Ruhe trügt, zumindest an diesem sonnigen Tag im Februar 2021. Denn Wind zieht auf, gegen Mittag fegen spülbare Böen über die Küste. Es ist, als würden sie das Meer aufwecken, das bis dahin noch zu schlummern schien. Welle um Welle rauscht an den Strand. Das Meer spült ein Land, was an seinen Tiefen verborgen lag. Einige Strandbesucher schlendern an diesem Sonntagmittag gerade den Bonder Beach entlang, als sie an der Uferlinie etwas entdecken. Auf dem nassen Sand, dort in der Brandung, liegt ein Schuh. Ein Laufschuh, wie sich herausstellt, als die Gruppe ihn näher betrachtet. Doch das ist noch nicht alles. In dem Schuh steckt noch etwas drin, und zwar die Überreste eines menschlichen Fußes. Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der schwarzen Akte mit Anne Luckmann und mit Patrick Strohbusch. Hallo, schön, dass ihr uns heute hier wieder zuhört. Und bevor wir an der Stelle weitermachen, an der der menschliche Fuß am Strand gefunden wird, nehmen wir euch erstmal mit in den November 2020, also ungefähr drei Monate zuvor. Werbung. Werbung Ende. 2020 ist bestimmt vielen von euch noch gut in Erinnerung, weil in diesem Jahr einfach so viel in der Welt passiert ist. Der Austritt Großbritanniens aus der EU, die Black Lives Matter Bewegung in den USA, verheerende Buschbrände in Australien, bei denen laut Schätzungen das WWF ca. 3 Milliarden Tiere getötet und vertrieben werden. Und das sind nur einige der Bilder, die sich 2020 ins Gedächtnis gebrannt haben. Was wohl auch noch niemand vergessen hat, ist die Corona-Pandemie. Ende September 2020 sind weltweit bereits über eine Million Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Der Alltag mit Masken ist für viele längst Normalität geworden. Australien reagiert auf die Pandemie mit strengen Auflagen und Reisebeschränkungen. Ausländer dürfen nur noch in Ausnahmefällen einreisen. Und auch Australier dürfen das Land grundsätzlich nur mit einer Ausnahmegenehmigung verlassen. Der November 2020 startet in Australien aber mit positiven Nachrichten. Erstmals seit fast fünf Monaten werden landesweit keine lokal erworbenen Neuinfektionen registriert. Die Menschen feiern das in Restaurants und am Strand. Bis das Land alle wesentlichen Corona-Beschränkungen aufheben kann, wird es aber noch viele Monate dauern. Der Fall, von dem wir euch heute erzählen möchten, führt uns in den australischen Bundesstaat New South Wales. Genauer gesagt nach Sydney, also ganz in den Osten Australiens. Ganz konkret schauen wir auf einen Vorort von Sydney namens Dover Heights, der direkt am Tasmanischen Meer liegt. Der Vorort gilt als eine der wohlhabendsten Gegenden des ganzen Landes. Wunderschöne Steilklippen, der Blick auf das offene Meer, daneben luxuriöse Villen und penibel gepflegte Gärten. Von vielen Grundstücken aus kann man sogar bis zum Hafen von Sydney und zur berühmten Harbour Bridge schauen. Viele wohlhabende Menschen lassen es sich hier in Dover Heights gut gehen. Ein ehemaliger Premierminister Australiens soll sogar hier leben. Und auch Melissa, um die es heute geht. Melissa ist 49 Jahre alt und eine erfolgreiche Finanzberaterin. Sie hat braunes, schulterlanges Haar, ein ovales Gesicht und tritt immer schick gekleidet und geschminkt auf. Sie hat alles, was sie sich jemals erträumt hat. Finanzielle Unabhängigkeit, ein Leben im Luxus, einen tollen Ehemann und einen Sohn, den sie über alles liebt. Geldsorgen waren nie wirklich ein Thema in ihrem Leben. Sie stammt aus einer Familie, der es finanziell schon immer gut ging. Aufgewachsen ist Melissa in den 70er Jahren mit einem älteren Bruder in einem liebevollen Umfeld, in dem man sich gegenseitig unterstützt und vertraut. Schon in ihrer Zeit auf der Highschool gilt sie als sehr ehrgeizig. Sie ist laut ihren Freundinnen immer gut organisiert und hat nach Aussage ihrer Mutter schon früh den Dreh raus, wie sie ihr Geld sparen kann, damit es sich vermehrt. Nach der Schule besucht Melissa das St. Patrick's Business College in Sydney. Anschließend arbeitet sie als Sekretärin bei der National Roads and Motorists Association, kurz NRMA. Die NRMA ist Australiens größte Mitgliederorganisation, die ihren über 2,4 Millionen Mitgliedern rund um die Uhr Pannenhilfe, Mobilitätsdienste und Reiseangebote bietet und sich für Verkehrssicherheit einsetzt. Also vergleichbar mit dem ADAC hier in Deutschland. Das ist deshalb so interessant für diesen Fall, weil sie dort erste Einblicke in den Aktienhandel gewinnt. Es ist sozusagen der metaphorische Samen, aus dem später ihr Business als Finanzberaterin wachsen wird. Melissa folgt ihrer Leidenschaft und arbeitet sich immer tiefer in das Finanzthema ein. Sie ergattert dann in den späten 90er Jahren einen Job als Finanzplanerin bei Wise Financial Services, einer Finanzberatung, und steigt dort sogar zur Partnerin auf. 1999 heiratet sie ihren ersten Ehemann und bekommt mit ihm einen Sohn. Nach der Geburt ihres Sohnes arbeitet sie in Teilzeit als Managementberaterin und Börsenmaklerin. Zwölf Jahre nach der Heirat, im Jahr 2011, zieht die Familie von Australien nach Großbritannien. Aber leider zerbricht die Ehe ein Jahr später. Melissa kehrt mit ihrem Sohn allein nach Sydney zurück. Sie erhebt später Missbrauchsvorwürfe gegen ihren Ex-Mann, deren Wahrheit aufgrund mangelnder Beweise aber in Frage stehen. In dem Scheidungs- und Umzugschaos beginnt Melissa eine Beziehung mit ihrem Friseur und Gelegenheits-DJ Anthony, den sie schon seit vielen Jahren kennt. Seit sie schwanger war, um genau zu sein. Während die Beziehung mit Ehemann Nummer 1 immer schwieriger wurde, ist zwischen Melissa und Anthony eine immer engere Verbindung entstanden. 2013 heiraten die beiden. Das ist dasselbe Jahr, in dem auch Melissa Scheidung vom ersten Ehemann vollzogen wird. Melissa und Anthony sind glücklich. Für ihn ist Melissa die Liebe seines Lebens, wie er später selbst sagen wird. Es scheint, als habe das Schicksal sie zusammengeführt, als sie sich gegenseitig am meisten gebraucht haben. Im selben Jahr, in dem Melissa sich scheiden lässt und neu heiratet, wagt sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Sie ist zu diesem Zeitpunkt gerade Anfang 40. Sie gründet ihr eigenes Beratungsunternehmen namens Melewa Property Limited. Sie bietet Privatpersonen an, sie bei den Themen Altersvorsorge und Vermögen zu unterstützen und letzteres gewinnbringend anzulegen. Beruflich und familiär sortiert sich also vieles in diesem Jahr neu. Anthony übernimmt ab sofort eine Art Vaterrolle für Melissas Sohn, der zu dem Zeitpunkt etwa 14 Jahre alt ist. Angehörige und Freunde beschreiben die Ehe und das Familienleben als liebevoll und stabil. Wobei auch ganz klar ist, wer in der Ehe das Sagen hat, nämlich Melissa. Sie ist es, die mit ihrem Business das meiste Geld reinbringt und die Luxusvilla in Dover Heights kauft, in der die Familie wohnt. 2020, nach knapp sieben Jahren Selbstständigkeit, hat sie bereits mehr als 60 Kunden, die Melissa ihr Vermögen anvertrauen. Sie gilt als erstklassige Finanzberaterin. Sogar im Independent Financial Advertiser wurde schon ein Porträt von ihr abgedruckt, mit ihren goldenen Regeln für die Anlageberatung. Man kann also sagen, es läuft bei Melissa. Sie fährt Mercedes und Audi, kleidet sich in Dior, Chanel und anderen namhaften Luxusmarken und genießt ihren Wohlstand als erfolgreiche Geschäftsfrau in vollen Zügen. Die Schmuckstücke und Luxusgüter, die sie bei sich zu Hause hat, die sind ungefähr so viel wert, wie ein durchschnittlicher australischer Vollzeitbeschäftiger zu der Zeit in 10 Jahren brutto verdienen würde. Ihr offensichtlicher Wohlstand hat aber noch einen netten Nebeneffekt. Er unterstreicht Melissas Erfolg als Finanzberaterin. Alles scheint perfekt. Bis ausgerechnet ein Freitag, der 13., alles verändert. Es ist der 13. November 2020. Gegen 11.45 Uhr klingelt bei der Polizei das Telefon. Ein Mann ruft an und meldet seine Frau als vermisst. Das ist Anthony. Er habe sie seit fast anderthalb Tagen nicht mehr gesehen. Und das ist sehr ungewöhnlich. Dover Heights gilt als sehr sichere Gegend. Leute verschwinden hier nicht so einfach. Beamte fahren also zur Villa der beiden und sprechen mit dem besorgten Anthony. Der erzählt, dass er mit Melissa zuletzt am Mittwochabend gesprochen habe. Heute ist schon Freitag. Sie seien ganz normal ins Bett gegangen. Doch als Anthony dann am nächsten Morgen gegen 6 Uhr aufgewacht ist, sei Melissa fortgewiesen. Ihr 14-jähriger Sohn habe ihm gesagt, dass Melissa vermutlich joggen gegangen sei. Allerdings hat der Sohn seine Mutter an jenem Morgen selbst nicht gesehen, sondern nur ihre Geräusche in der Küche und an der Haustür gehört. Das Problem ist nur, Melissa ist nie von dieser vermeintlichen Joggingrunde zurückgekehrt. Und was auch noch seltsam ist, sie hat nichts mitgenommen, als sie am Donnerstagmorgen das Haus verlassen hat. Kein Geld, kein Schlüssel und auch ihr Handy nicht, das sie sonst immer überall dabei hat. Anthony findet das im Kleiderschrank. Anthony erzählt, dass er den ganzen Donnerstag nach Melissa gesucht habe, sie jedoch nicht finden konnte. Schließlich habe er es nicht mehr ausgehalten und am Freitag, kurz vor Mittag, dann die Polizei gerufen. Mehr als einen ganzen Tag und eine ganze Nacht nach ihrem Verschwinden. Das bedeutet, als die Polizei erfährt, dass Melissa vermisst wird, da ist sie schon knapp 30 Stunden verschwunden. Die Beamten machen sich also an diesem Freitag, den 13., nachmittags sofort auf die Suche nach ihr. Sie schauen überall nach der verschwundenen Millionärin. Mit Antonys Zustimmung durchsuchen sie auch die Villa, nach Hinweisen auf ein mögliches Verbrechen und sprechen sogar mit der Schule von Melissas Sohn, ob dort irgendwas aufgefallen sei. Die Polizei fragt bei Hotels, in Krankenhäusern und an Flughäfen nach, ob Melissa dort aufgetaucht ist. Aber sie ist auf keinem einzigen Überwachungsvideo zu sehen. Was auch immer passiert ist, die Polizei stuft den Vermisstenfall als hohes Risiko ein. Sieben Tage lang dauert diese erste Suche nach Melissa. Freunde und Familie unterstützen, wo sie können. Alle machen sich große Sorgen. Melissa ist in Doverhates gut vernetzt. Sie wird von den Menschen in ihrem Umfeld geschätzt und gemocht. Dementsprechend geht das Verschwinden der Millionärin auch nicht an den Medien vorbei. Die Presse berichtet darüber und die Öffentlichkeit hofft, dass Melissa bald wieder nach Hause kommt. Nach sieben Tagen hält die Polizei eine Pressekonferenz ab. Sie informiert die Menschen in Dover Heights, dass bisher noch keine Spur von Melissa gefunden werden konnte. Und das, obwohl man sogar auch aus der Luft und aus dem Wasser nach ihr gesucht hat. Auch Anthony tritt vor die Kameras. Er bittet die Öffentlichkeit weiterhin um Unterstützung. Als man ihn fragt, ob er auch noch ein paar Worte an Melissa selbst richten möchte, die vielleicht ja von irgendwo zuschauen könnte, sagt er so etwas wie Es ist alles geregelt. Du steckst nicht in Schwierigkeiten. Komm nach Hause. Dieser Satz lässt die Leute aufhorchen. Warum sollte Melissa in Schwierigkeiten stecken? Es dauert auch gar nicht lange, bis dieses Warum ans Licht kommt. Es wird nämlich klar, dass nicht alles in Melissas Leben so gelaufen ist, wie es den Anschein hatte. Sie steckt in einer äußerst schwierigen Lage. Also, ihr erinnert euch vielleicht. Am Donnerstagmorgen, am 12. November, ist sie verschwunden. Aber der Tag davor, der Mittwoch, war kein ganz normaler Tag für Melissa. Denn an diesem Tag, am 11. November, gab es bei ihr zu Hause eine Razzia. Und zwar nicht wegen Drogen, sondern wegen des Verdachts auf Finanzbetrug. Die australische Finanzaufsicht hat nämlich herausgefunden, dass Melissa ihre Kunden um Beiträge in Millionenhöhe betrogen hat. Das kommt unerwartet, aber eins nach dem anderen. Am 11. November steht um kurz nach 6 Uhr morgens die Bundespolizei vor ihrer Tür, gemeinsam mit der Australian Securities and Investments Commission, der australischen Finanzaufsicht. Sie haben einen Durchsuchungsbefehl dabei und überraschen damit eine völlig überrumpelte Melissa. Die Beamten sichern elektronische Geräte, Dokumente und zahlreiche Luxusgegenstände. Melissa besitzt ja unglaublich viel teuren Schmuck, den die Beamten nun beschlagnahmen. Eine Kette kostet zwischen 80.000 und 100.000 australischen Dollar, also so um die 50.000 bis 60.000 Euro. Die Razzia dauert den ganzen Tag lang. Anthony und auch Melissas Sohn haben keine Ahnung, was eigentlich los ist. Sie ahnen nichts von Melissas betrügerischen Geschäften. Und sie können zuerst auch gar nicht glauben, dass die Behörden schon länger gegen sie ermitteln, wegen Betrugs in mehrfacher Millionhöhe. Die Melissa, die sie kennen, hat nie etwas falsch gemacht. Dabei hat die charmante, liebenswürdige Frau sie alle die ganze Zeit getäuscht. Springen wir dafür mal ein paar Monate zurück. Mitte 2020 geht bei der Finanzaufsicht eine Beschwerde ein. Eingereicht von einer Finanzberaterin namens Jennifer. Jennifer meldet, dass Melissas Unternehmen ohne gültige Lizenz praktiziere. Finanzdienstleistungsgeschäfte ohne eine entsprechende Genehmigung durchzuführen, ist in Australien eine Straftat. Jennifer ist die Gründerin der Bloom Advisory Group und kennt Melissa noch aus den Zeiten, als sie bei der Finanzberatung Wise Financial Services gearbeitet hat. Die Finanzberatung, bei der Melissa später auch zur Partnerin aufgestiegen ist. Das Problem ist nun, Melissa hat für ihr eigenes Unternehmen keine eigene Lizenz, sondern nutzt einfach die der Bloom Advisory Group, also die von Jennifers Unternehmen. Es ist schon das zweite Mal, dass Jennifer dieses Vergehen meldet. Doch nun wird die Finanzaufsicht auch tatsächlich mal aktiv. Im September 2020 beginnt die formelle Untersuchung gegen Melissa. Die Behörden sprechen unter anderem mit einigen Leuten, die ihr Geld über sie angelegt haben. Und mit jedem Gespräch, das sie führen, mit jedem Dokument, das sie einsehen, wird immer klarer, dass Melissa ein riesiges Betrugsnetzwerk aufgebaut hat. Mit dem Ziel, sich persönlich an den Anlagen ihrer Kundschaft zu bereichern. Nach außen hin hat sie so getan, als biete sie Finanzberatung für Privatpersonen an. Vor allem hat sie ihr Angebot an Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld gerichtet, an Freunde, Verwandte und Menschen, die ihre Familie seit Jahrzehnten kennen. Sie alle haben Melissa vertraut. Und die nutzt dieses Vertrauen gnadenlos aus. Ihre Masche ist folgende. Sie verspricht jedem Investor, ein Konto bei Comsec oder einem anderen Finanzanbieter zu eröffnen, um darüber das Geld anzulegen. Comsec ist eine Plattform für Aktienhandel. In Wahrheit hat Melissa aber nie solche Konten auf Comsec eröffnet, sondern sich einen großen Teil des Geldes selbst eingesteckt. Damit das nicht auffliegt, verschickt sie regelmäßig professionell wirkende, gefälschte Comsec-Auszüge und Portfoliobewertungen an ihre Kunden. Weitere formale Unterlagen und durchgeführte Prüfungen verstärken bei denen dann den Eindruck, alles verlaufe ordnungsgemäß. Das Ding ist, wir sprechen hier nicht über steinreiche Investoren, die ein bisschen mit ihrem Geld pokern wollen. Wir sprechen über Menschen, die Melissa teilweise ihre gesamte Altersvorsorge anvertraut haben. Die ihr Summen gegeben haben, die sie zum Teil ein Leben lang angespart haben, um sich damit dann den Ruhestand zu finanzieren. Melissa hat eine Reihe von Konten, auf denen sie die gesamten Gelder verwaltet. Sie nimmt nicht alles für sich. Das wäre zu auffällig. Hin und wieder zahlt sie Anlegern auch Geld aus. Dazu verwendet sie einfach einen Teil der neuen Einzahlungen. Der übrige Teil finanziert ihren dekadenten Lebensstil. Immobilien, Kleidung, Schmuck, Kunst und Reisen. All das kann die Finanzaufsicht gut nachverfolgen. Auf den echten Kontoauszügen sieht man, wohin das Geld geflossen ist. Es sind kleine Details, die Melissas Betrug beweisen. Die Kontonummer von echten Comsec-Konten sind immer siebenstellig. Die vermeintlichen Konten von Melissas Kunden haben aber nur sechs Ziffern. Nach außen hin hat Melissa den Schein der kompetenten Finanzberaterin perfektioniert. Sie ist selbstbewusst, intelligent, organisiert und den Menschen persönlich zugewandt. Ihr sichtbarer Wohlstand verstärkt nur diesen Eindruck, dass sie sehr kompetent ist und genau weiß, was sie tut. Ihr Geschäft wächst vor allem über persönliche Beziehungen. Melissa wird gern in ihrem Freundeskreis und in der Familie weiterempfohlen. Und wer würde schon ahnen, dass die gute Freundin, die man seit Jahrzehnten kennt, einen um seine gesamte Altersvorsorge bringen würde. Oder gar die eigene Schwester. Denn Melissa verwaltet auch das Geld ihrer engsten Familie. Von ihren Eltern und ihrem großen Bruder. Auch an ihren Ersparnissen bereichert sie sich persönlich. Wie ein Gericht später feststellen wird, hat sie bei ihren Anlegern insgesamt Schäden in Höhe von ca. 23,5 Millionen australischen Dollar verursacht. Das sind umgerechnet ca. 14,5 Millionen Euro. In einer ZDF-Dokumentation über den Fall erzählt eine alte Kindheitsfreundin von Melissa ihre Geschichte. Diese Freundin heißt Kate und sie kennt Melissa schon seit vielen Jahren. Sie waren gegenseitig zu Gast auf ihren Hochzeiten, haben sich nach der Geburt ihrer Kinder besucht und auch sonst alle wichtigen Ereignisse im Leben geteilt. Wie gute Freundinnen das eben so machen. Kate hat Melissa komplett vertraut, einfach weil Melissa schon so viele Jahre eine enge Freundin ist. Kate ist eine alleinerziehende Mutter. Zumindest war sie es zu dem Zeitpunkt, an dem sie Melissa ihre Ersparnisse anvertraut hat. Kate kannte sich nicht wirklich gut aus mit Finanzen und war dankbar, dass Melissa sich um das Geld kümmert. Kate hat als Krankenschwester gearbeitet und war immer sehr sparsam. Ihr Wunsch war, ihr Geld so anzulegen, dass sie später ihren Kindern dabei helfen kann, ein eigenes Haus zu kaufen. Melissa hat von Anfang an alle Einlagen ihrer langjährigen Freundin gestohlen, und hatte, so sagt es zumindest Kate, nie die Absicht, ihr das Geld wiederzugeben. Und es kommt noch dicker. Denn Kate hat Melissa auch in ihrer Familie empfohlen und mehrere Menschen aus Kates Familie haben tatsächlich deshalb Geld über Melissa angelegt. Insgesamt hat Kate laut eigener Aussage durch Melissa eine halbe Million Dollar verloren. Den Schmerz, den sie deshalb heute noch empfindet, kann sie gar nicht in Worte fassen. Der Schaden, den Melissa angerichtet hat, ist nicht nur finanzieller Natur. Solche Geschichten wie die von Kate gibt es viele in Melissas Umfeld. Es sind Menschen, die sie teilweise seit ihrer Kindheit kennt. Menschen, die ihr alles anvertraut haben, was sie besitzen. BBC News berichtet sogar über eine Anlegerin, deren Familie durch Melissa Geld verliert, das über drei Generationen angespart wurde. Auch Melissas Ehemann Anthony hat einen großen Teil seines Geldes auf ihren Konten liegen. Dass diese Konten im Zuge der Ermittlungen eingefroren werden, trifft ihn persönlich besonders hart. Sein Einkommen als Friseur reicht, um über die Runden zu kommen, aber die monatlichen Kosten, die der Lifestyle von Melissa verursacht, sind enorm. Und er muss ja nun plötzlich allein für Melissas Sohn sorgen, weil sie spurlos verschwunden ist. Und deshalb tut er, was er tun muss, um den Schock und den Schmerz irgendwie ertragen zu können. Er verdrängt die Realität und behauptet stur, er könne das alles nicht glauben. Er hat sogar einige Auftritte im Fernsehen, bei denen er behauptet, Melissa sei gar keine Diebin und es handle sich alles um ein großes Missverständnis. Seine Leugnung der Realität ist für alle, die wegen Melissa viel Geld verloren haben, ziemlich schwer auszuhalten. Zumindest, was ihn betrifft, fühlen sich viele nicht in ihrem Schmerz und ihrem Verlust gesehen. Aber auch Anthony hat ja etwas verloren, was nicht mit Geld bezahlbar ist, nämlich die Ehefrau, die er gekannt hat. Und auch das Bild, das Melissas Sohn von seiner Mutter hatte, hat sich für immer geändert. Je genauer die Finanzaufsicht sich mit dem Fall befasst, desto deutlicher wird, dass Melissas perfekte Fassade schon früher leichte Risse bekommen hat. Die konnte ihr Konstrukt aus Lügen jedoch nicht zum Einsturz bringen. Zum Beispiel gab es da so eine Situation bei Wise, dem Finanzberatungsunternehmen, von dem wir jetzt schon ein paar Mal gesprochen haben. Melissa hat dort Ende der 90er Jahre bis ungefähr 2004, 2005 erst als Büromanagerin, dann als Finanzberaterin gearbeitet und galt als eine der aufstrebenden Stars im Unternehmen. Angeblich soll sie maßgeblich am Erfolg von Wise beteiligt gewesen sein. Zumindest wenn man glaubt, was die Presse zu der Zeit über sie schreibt. In Wahrheit aber hat sich Melissa schon während ihrer Zeit bei Wise persönlich an den Geschäften des Unternehmens bereichert. Oder, um es anders zu sagen, sie hat Geld gestohlen, unter anderem, indem sie sich Provisionen ausgezahlt hat, die nie vertraglich vereinbart gewesen waren. Das ist dann irgendwann aufgefallen und man hat sich geeinigt, dass Melissa von sich aus kündigt, friedlich geht und dafür keine strafrechtlichen Schritte eingeleitet werden. Hätte Wise mit offenen Karten gespielt, hätte es möglicherweise schon viel früher die Runde gemacht, dass man Melissa in Sachen Finanzen lieber nicht trauen sollte. Und das ist noch nicht alles. Um noch einmal das Bild der Fassade herauszuholen, die Melissa aufgebaut hat, diese Fassade hat noch weitere metaphorische Risse. Denn auf ihrem Lebenslauf behauptet sie, akademische Abschlüsse zu haben, die sie aber nie gemacht hat. Zum Beispiel ein Master in Finanzen an der University of Technology in Sydney. Die Universität hat jedoch gar keine Unterlagen, die einen entsprechenden Abschluss bestätigen würden. All das fliegt nun auf und führt zu einer formellen Untersuchung durch die australische Finanzaufsicht. Beweise für ihren großen Betrug gibt es genug. Die Aufsicht prüft mehrere mögliche Gesetzesverstöße von ihr und ihrem Unternehmen. Gleichzeitig beginnt vor dem Federal Court ein zivilrechtliches Verfahren. Am Dienstag, den 10. November 2020, einen Tag vor der Razzia, erlässt der Federal Court vorläufige Anordnungen gegen Melissa und ihr Unternehmen. Unter anderem wird ihr verboten, Australien zu verlassen und der Zugang zu ihrem Vermögen wird gesperrt. Melissa besitzt ein australisches und ein internationales Aktiendepot im Wert von über 2 Millionen Dollar. Die Konten werden eingefroren, um sie daran zu hindern, Geld ins Ausland zu überweisen. Ihr gesamtes Vermögen wird auf ungefähr 15 Millionen australische Dollar geschätzt. Am darauffolgenden Tag, am Mittwoch, wird dann tagsüber die Villa durchsucht. Und am Abend, kurz vor dem ins Bett gehen, nimmt Melissa Kontakt zu einer Anwaltskanzlei auf. Sie vereinbart einen Termin für den folgenden Morgen und leistet online auch eine Anzahlung. Gewisse Zahlungen und Ausgaben wie Rechts- und Lebenshaltungskosten sind vom Einfrieren ihres Vermögens ausgenommen. Am nächsten Tag, Donnerstagmorgen, verschwindet Melissa. Und am Freitagmittag meldet Anthony sie dann ja als vermisst. Kurz nachdem Melissa eigentlich einen Termin vor dem Federal Court gehabt hätte, zu dem sie aber nicht erschienen ist. Und damit wären wir wieder an unserem Ausgangspunkt. Melissa ist verschwunden und niemand weiß, wo sie ist oder was mit ihr passiert ist. Allerdings hat sich jetzt etwas ganz Wesentliches in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit geändert. Die Suche nach einem potenziellen Opfer wird nun auch zur Suche nach einer Täterin. Denn man fragt sich nun nicht mehr nur, was mit Melissa passiert sein könnte. Die Möglichkeit, dass sie aus freien Stücken verschwunden ist, scheint nun plausibler denn je. Zu wissen, dass ein zivilrechtliches Verfahren gegen sie läuft, macht es noch einmal dringlicher, die Vermisste zu finden. Und sei es nur, um sie zur Rechenschaft zu ziehen. Doch was, wenn ihr wirklich etwas Schlimmes zugestoßen ist? Die Polizei durchkämmt sämtliche Flughäfen und Jachthäfen in der Nähe. Sie schauen auch, ob Melissa möglicherweise irgendwo in den sozialen Medien auftaucht. Vielleicht sogar nur rein zufällig. Im Hintergrund auf einem Foto zum Beispiel. Die Polizei bittet jeden in Dover Heights und Umgebung, der eine Dashcam oder eine Überwachungskamera am Haus besitzt, sich zu melden und das Videomaterial den Ermittlungen zur Verfügung zu stellen. Die Suche wird dadurch erschwert, dass die privaten Überwachungskameras das Wohngebiet nicht lückenlos abdecken und einige Aufnahmen bereits überschrieben sind, bevor die Polizei sie sichern kann. Auch Melissas eigenes Kamerasystem liefert keine Antwort. Es zeichnet seit dem Vorabend nämlich keine Bilder mehr auf. Dass sie das Haus am Donnerstagmorgen zum Joggen verlassen hat, beruht nur auf den Aussagen von Anthony und ihrem Sohn. Es gibt keine Kameraaufnahmen, die das belegen. 19 Tage nach Melissas Verschwinden untersucht die Polizei die Villa und ihre beiden Autos mittels forensischer Methoden. Unter anderem mit Infrarot- und Ultraviolettlicht. Doch auch hier finden sie keine Hinweise, die das Verschwinden der Millionärin erklären könnten. Was an dieser Stelle ganz wichtig ist und das Verhalten der Polizeiflechten wenig besser erklären kann, wir sprechen hier nicht von Mordermittlungen. Deshalb rückt auch nicht direkt ein komplettes Team der Spurensicherung an. Man weiß ja lange gar nicht, um was für einen Fall es sich hier handelt. Ist Melissa abgehauen, um sich nicht den rechtlichen Konsequenzen ihres Millionenbetrugs stellen zu müssen? Hat vielleicht ein wütender Anleger mit ihr abgerechnet? Oder hat sie sich vielleicht sogar das Leben genommen, weil sie keinen anderen Ausweg gesehen hat? Die Polizei befasst sich zunächst mit der Arbeitshypothese, dass man es mit einem Suizid zu tun hat. Es gibt keine Spuren, die das Gegenteil beweisen würden. Allerdings fehlt auch jeder Hinweis darauf, dass Melissa tot sein könnte. Zudem dauert es auch, das ganze Überwachungsmaterial zu sichten, das die Polizei von den Menschen in Dover Heights zur Verfügung gestellt bekommen hat. Diese Arbeit dauert mehrere Monate. Nur um dann festzustellen, dass Melissa tatsächlich nicht auf einer einzigen Überwachungskamera zu sehen ist. Wie kann ein Mensch so vollständig vom Erdboden verschluckt werden? Es vergehen Wochen, dann Monate und Melissa bleibt verschwunden. Bis am 21. Februar 2021, also knapp drei Monate später, an der South Coast von New South Wales ein Schuh gefunden wird, mit den Überresten eines menschlichen Fußes darin. Der Bonder Beach liegt etwa 450 Kilometer von Sydney entfernt. Mit dem Auto braucht man knapp sechs Stunden, einmal die Küste entlang. In einigen Quellen heißt es, der Schuh sei von einer Gruppe Müllsammler gefunden worden. Andere Quellen sprechen von Campern. Letztendlich spielt es aber keine Rolle. Die Menschen, die den Schuh finden, wollen anonym bleiben. Sie alarmieren die Polizei, die um kurz nach 13 Uhr am Strand eintrifft. Und ihr ahnt es vielleicht schon. Fuß und Schuh gehören Melissa. Man vergleicht die DNA des Fußes mit einer Speichelprobe von ihrer Zahnbürste und zur Sicherheit auch mit Mundschleimhautproben ihrer Eltern. Das Ergebnis lässt keinen Zweifel zu. Die Polizei gibt die Identifizierung am 26. Februar 2021 bekannt. Fünf Tage nach dem Fund und ca. drei Monate nach Melissas Verschwinden. Es handelt sich um ihren rechten Fuß. Der ist stark verwest, Teile der Knochen sind abgetragen und gebrochen. Er muss eine ganze Zeit lang im Wasser gewesen sein. Die Ursache der Frakturen kann nicht genau bestimmt werden. Der Zustand des Fußes und die Tatsache, dass der Rest von Melissa fehlt, der erschwert es, eine mögliche Todesursache zu rekonstruieren. Tatsächlich kann die medizinische Untersuchung nicht einmal zu 100% sicher feststellen, stellen, ob Melissa überhaupt tot ist. Man weiß de facto nur, dass sie einen Fuß verloren hat. Rein theoretisch könnte sie auch ohne ihren Fuß leben. Und damit kommen wir zu den Theorien. Jeder in Dover Heights hat so seine These, wie Melissas Verschwinden zu erklären sein könnte. Gerade nach dem Fund des Fußes kann die Öffentlichkeit scheinbar kaum genug von dem Thema bekommen. Die Leute tauschen sich in den sozialen Medien intensiv zu dem Thema aus. Es gibt Facebook-Gruppen wie Melissa and the Missing Millions. Der Fall bekommt auch schnell einen eigenen Hashtag. Insgesamt gibt es drei mögliche Szenarien, was geschehen sein könnte. Flucht, Mord oder Suizid. Gehen wir alle drei Theorien einmal durch. Viele Leute glauben, dass Melissa geflohen ist, um der Strafverfolgung zu entgehen. Wie hätte sie auch jemals ihren Freunden und ihrer Familie wieder in die Augen schauen können? Dass ihr Betrug aufgeflogen ist, bedeutet für sie ja nicht nur, dass sie das Geld verliert, das sie gestohlen hat, sondern auch, dass ihr gesamtes soziales Netzwerk wegbricht. Wenn man annimmt, dass ihr der Diebstahl von den Menschen nicht so schnell verziehen wird, die ihr nahestehen. Melissa gilt als sehr organisiert und effizient. Es würde zu ihr passen, dass sie für den Fall der Fälle einen Fluchtplan hatte. Vor allem, da das Kamerasystem ihrer Villa seit dem Abend vor ihrem Verschwinden keine Aufnahmen mehr gemacht hat. Doch das ist eine falsche Schlussfolgerung. Melissa hat das Kamerasystem nicht selbst abgeschaltet. Es wurde von der Polizei im Zuge der Razzia mitgenommen. Viele Leute glauben, dass Anthony ihr bei der Flucht geholfen haben könnte. Sie nennen ihn Melissas Toyboy und Melissa soll die Sugar Mama sein. Tatsächlich verhält sich Anthony auch nicht gerade unverdächtig. Er ist so überfordert, dass er der Polizei gegenüber unter anderem unterschiedliche Angaben dazu macht, wann er Melissa zuletzt gesehen hat. Die Polizei hat Anthony aber nie wirklich als Verdächtigen behandelt. Eine spätere Untersuchung durch eine Coronerin wird das bestätigen. Also durch eine Art Untersuchungsrichter für ungeklärte oder ungewöhnliche Todesfälle. Darauf kommen wir aber gleich noch zu sprechen. Was wir sagen wollen, Anthony ist unschuldig. Zumindest bis das Gegenteil bewiesen ist. Es gibt keine Indizien, die darauf hindeuten, dass er Melissa bei einer möglichen Flucht geholfen haben könnte. Wenn man den Gedanken weiterverfolgt, dass Melissa geflohen sein könnte, dann würde es naheliegen, dass sie sich ihren Fuß selbst amputiert hat, um ihren Tod vorzutäuschen. Oder ihn sich hat amputieren lassen. Das beurteilen viele Fachleute allerdings als sehr unwahrscheinlich. Ein Überleben nach einer Selbstamputation wäre nur bei kontrollierter Blutung, ausbleibender Infektion und anschließender Versorgung denkbar. Das wäre also schwer zu bewerkstelligen gewesen, ohne dabei aufzufallen. Man muss auch bedenken, dass eine Flucht aus Australien nicht ganz so einfach ist. Melissa kann ja nicht einfach wegschwimmen. Und was die Ausreise per Schiff oder Flugzeug betrifft, da gibt es 2020 ja super strenge Auflagen. Einmal natürlich die Auflagen gegen Melissa persönlich, aber auch die allgemeinen. Das Ganze passiert ja mitten in der Corona-Pandemie. Und das wird genauestens überprüft, wer aus dem Land raus will und warum. Natürlich kann man jetzt sagen, dass die Corona-Pandemie es auch ein Stück weit leichter gemacht haben könnte für sie, sich unter einer Maske zu verstecken. Als sie allerdings verschwindet, besteht in Sydney keine allgemeine Maskenpflicht. Es gilt die Empfehlung, anderthalb Meter Abstand zu halten und dort eine Maske aufzusetzen, wo das nicht möglich ist. Also besonders in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Geschäften. Viele Menschen sind aber ohne Maske unterwegs. Es kann natürlich sein, dass Melissa zunächst fliehen wollte, sie auf der Flucht dann aber zu Tode gekommen ist, womit wir bei der zweiten Theorie wären, Mord. Was gegen eine Flucht und für die Vermutung spricht, dass sie tot ist, ist die Tatsache, dass sie nach ihrem Verschwinden keinen Kontakt zu ihrem Sohn aufgenommen hat. Wäre sie wirklich ins Exil gegangen und würde es ihr gut gehen, dann wäre es schon wahrscheinlich, dass sie ihrem Sohn und vielleicht auch ihrem Ehemann ein Zeichen gibt, dass sie lebt. Sie muss ja ahnen, welchen Torturen sie die beiden aussetzt. Es gibt allerdings keine Beweise für eine solche Kontaktaufnahme. Vielleicht wollte sie also gar nicht fliehen, sondern war bereit, sich der Strafverfolgung zu stellen. Dafür spricht, dass sie am Abend vor ihrem Verschwinden noch einen Termin mit einer Anwaltskanzlei gemacht hat und sogar eine Anzahlung dafür geleistet hat. Hätte sie von vornherein geplant zu fliehen, dann hätte sie sich diesen Termin ja sparen können. Oder aber sie hat ihn bewusst vereinbart, um nur den Anschein zu erwecken, vor Gericht erscheinen zu wollen. Es gibt aber auf jeden Fall genug Menschen, die ein Motiv hätten, Melissa Gewalt antun zu wollen. All die Menschen, die sie um ihr Geld gebracht hat zum Beispiel. Allerdings hat diese Theorie einen Haken. Als Melissa am 12. November 2020 verschwindet, wissen die Anleger noch gar nichts von dem Betrug. Das ist ja erst in den Wochen danach rausgekommen. Fakt ist, es gibt keinen Beweis für eine Gewalttat. Die Beteiligung einer anderen Person an Melissas Verschwinden lässt sich nicht ausschließen, aber auf Mord gibt es keinen Hinweis. Bleibt die dritte Theorie. Suizid. Gut möglich, dass der Druck für Melissa zu viel war und sie sich deshalb das Leben genommen hat. Dadurch, dass ihr Betrug aufgeflogen ist, hat sie alles verloren. Dass Melissa Suizid begangen haben könnte, ist übrigens auch die Vermutung der Behörden. Sie gehen davon aus, dass sie eventuell in Dover Heights von einer Klippe gesprungen und dann im Meer ertrunken sein könnte. Aber auch diese Theorie wirft wieder Fragen auf. Angefangen mit der Tatsache, dass Melissa laut den Aussagen einer Kindheitsfreundin Höhenangst hat. Hätte sie dann wirklich diesen Weg gewählt, um sich das Leben zu nehmen? Vor allem, da man ja nicht einmal sicher davon ausgehen kann, dass man wirklich stirbt, wenn man von der Klippe springt. Es hängt ja ganz damit zusammen, wie man im Wasser aufkommt. Und man hat ja nur ihren Fuß gefunden. Wo ist der Rest ihres Körpers? Es gibt eine Theorie, dass Melissa von einem Hai gefressen worden sein könnte, der ihren Schuh samt Fuß anschließend wieder ausgespuckt hat. Für diese Theorie gibt es, ihr ahnt es, aber leider auch keinen Beweis. Eine Rechtsmedizinerin, die auf Wasserforensik spezialisiert ist, die sagt in einer ZDF-Doku, dass ein Haiangriff zwar theoretisch möglich wäre, aber die Wahrscheinlichkeit nicht sehr hoch sei. Um etwas Klarheit zu gewinnen, analysiert die Polizei die Strömungen des Wassers an den Klippen von Dover Heights, bis hinunter zu dem Strand, wo der Schuh gefunden wurde. Also um die 450 Kilometer weit. Ein Objekt, das in Doverhals ins Wasser fällt, kann in gut drei Monaten durchaus 400 Kilometer weit treiben. Aber war der Schuh wirklich so lange im Wasser? Diese Frage ist berechtigt, wenn man den Zustand des Schuhs genauer betrachtet. Denn daran befinden sich einige Seepocken. Seepocken sind kleine Krebstiere, die sich dauerhaft an festen Oberflächen im Meer festsetzen, etwa an Felsen, Schiffsrümpfen, Treibgut oder Muscheln. Sie bilden harte, kalkartige Gehäuse und ernähren sich, indem sie winzige Nahrungsteilchen aus dem Wasser filtern. Die Wasserforensikerin untersucht diese Seepocken nun und stellt fest, dass da etwas nicht passt. Die gefundenen Seepocken sind ungefähr 40 bis 53 Stunden alt. Weil sich die Larven erst nach der Bildung eines Biofilms anheften können, folgert die Forensikerin, dass der Schuh erst drei bis sieben Tage vor dem Fund an oder in der Nähe der Meeresoberfläche gelangt sein muss. Das bedeutet, entweder er hat sich zuvor gar nicht im Wasser befunden oder er hat tiefer gelegen, war vielleicht in etwas eingeschlossen oder ist durch ein Tier bewegt worden. Letztendlich kann auch die Expertin für Wasserforensik nicht genau feststellen, wie lange der Schuh im Wasser war. Und ob das bedeutet, dass Melissa ins Meer gesprungen ist oder nicht. Und ob sie dort zu Tode gekommen ist oder nicht. Ein Suizid ist jedenfalls weder unmöglich noch unwahrscheinlich. Der Druck, dem Melissa ausgesetzt war, war riesig. Ihr Image war ihr immer sehr wichtig, schon im jungen Alter. Und jetzt ist die Fassade, die sie sich so sorgsam aufgebaut hat, weggebrochen. Eine klinische Psychologin beschreibt das in der ZDF-Doku so, dass sich in Bezug auf das emotionale Selbst so eine Bloßstellung anfühlen könne wie Sterben. Und wenn der Druck groß genug sei, dann würde sich auch eine Mutter umbringen. Suizid ist also plausibel, aber ein Beweis, dass Melissa wirklich von einer Klippe gesprungen ist, gibt es nicht. Polizei und Psychologen gehen davon aus, dass sie sich das Leben genommen hat. Was letztendlich genau geschehen ist, können sie nicht herausfinden. Neben Flucht, Suizid und der Beteiligung einer anderen Person bleibt natürlich auch ein Unfall denkbar. Alles ist möglich. Doch damit ist der Fall noch nicht zu Ende erzählt, denn nun beschäftigt sich der Coroner's Court of New South Wales mit Melissas Verschwinden und ihrem Tod. Er soll klären, was sich anhand der vorhandenen Spuren überhaupt noch feststellen lässt. Ein Coroner ist in Australien, wie vorhin schon kurz erwähnt, eine Art Untersuchungsrichter für ungeklärte oder ungewöhnliche Todesfälle. Das ist nicht dasselbe wie ein Rechtsmediziner. Rechtsmediziner und Medizinerinnen untersuchen den Körper und die medizinischen Spuren. Der Corona trägt dagegen alle Ergebnisse zusammen, hört Zeugen und Sachverständige an und trifft anschließend die offiziellen Feststellungen. Nicht jeder ungeklärte Todesfall führt automatisch zu einer öffentlichen Anhörung, einem sogenannten Coronial Inquest. Häufig reichen dem Corona die Ermittlungsakten aus. Eine solche Anhörung findet vor allem dann statt, wenn wichtige Fragen offen bleiben, sich Aussagen widersprechen oder auch das Vorgehen der Behörden genauer untersucht werden muss, wie im Fall Melissa. Ein Inquest ist allerdings kein Strafprozess. Der Coroner kann niemanden verurteilen und auch nicht entscheiden, ob jemand strafrechtlich oder zivilrechtlich verantwortlich ist. Ergibt sich während der Untersuchung ein konkreter Straftatverdacht, kann er die Informationen aber an die zuständigen Behörden weitergeben. Außerdem kann der Coroner Empfehlung aussprechen, zum Beispiel dazu, wie Polizei, Krankenhäuser oder andere Behörden künftig vorgehen sollten. Es geht also nicht nur darum, einen einzelnen Todesfall so weit wie möglich aufzuklären. Die Untersuchung soll auch dabei helfen, ähnliche Fehler und Todesfälle in Zukunft zu verhindern. Und die australische Öffentlichkeit interessiert es nun natürlich auch brennend, ob das Gericht herausfinden kann, was wirklich mit Melissa passiert ist. Die öffentliche Beweisaufnahme verteilt sich auf 13 Verhandlungstage zwischen September 2022 und Februar 2023, also fast zwei Jahre nach Melissas Verschwinden. Dabei geht es unter anderem um Antonys widersprüchliche Aussagen, die Arbeit der Polizei, das Vorgehen bei der Hausdurchsuchung und die Frage, welche Todesumstände sich überhaupt noch feststellen lassen. Alles wird noch einmal Stück für Stück durchgegangen. Wir haben es ja gerade schon kurz angesprochen. Anthony wurde nie wirklich von der Polizei verdächtigt. Doch die Öffentlichkeit ist überzeugt, dass er mehr wisse, als er zugibt. Weil einfach so viel nicht zusammenpasst. Zum Beispiel die Tatsache, dass er Melissas Verschwinden erst 30 Stunden später der Polizei gemeldet hat. Es wirkt, als habe er ihr Zeit zur Flucht verschaffen wollen, um das Land zu verlassen. Doch wie sich nun herausstellt, erklärt Anthony, er hatte geglaubt, man müsse mindestens 24 Stunden warten, bevor man eine erwachsene Person als vermisst melden kann. Deshalb habe er laut seiner Aussage auch erst einmal auf eigene Faust nach ihr gesucht und dann am Tag darauf, als sie nicht zu dem Termin vor Gericht erschienen ist, die Polizei informiert. Anthony hat auch gesagt, seine Frau sei joggen gegangen. Ihr Sohn hat das ja ebenfalls vermutet, obwohl weder er noch Anthony Melissa an dem Morgen gesehen haben. Darüber hinaus hat er behauptet, Melissa würde morgens regelmäßig joggen gehen. Dabei zeigen die Aufnahmen der Überwachungskamera, dass das in den letzten vier Wochen nicht einmal der Fall war. Alles sei ganz normal gewesen, als er das letzte Mal mit ihr gesprochen habe, so Anthony. Aber man weiß ja jetzt, dass es an dem Tag eine Razzia bei ihnen zu Hause gab. Der Tag war also alles andere als normal für die ganze Familie. Da werden er und Melissa ja wohl kaum belanglosen Smalltalk am Abend gehalten haben. Auch wird ihm immer wieder vorgehalten, viel zu ruhig vor der Kamera zu wirken. Ein Vorwurf, den sich wohl viele Menschen anhören müssen, die direkt oder indirekt Opfer von Straftaten werden. Nur, weil er nicht weint oder große andere Gefühle zeigt, macht ihn das ja noch nicht zu Melissas Fluchtkomplizen. Anthony muss in der Zeit nach ihrem Verschwinden ziemlich viele öffentliche Spekulationen und reißerische Schlagzeilen in den Medien aushalten. Was er sagt, mag teilweise zwar nicht zusammenpassen, aber er kann vor Gericht nun glaubhaft machen, dass er einfach komplett emotional überfordert und traumatisiert war. Die Coronerin hält Antonys Aussagen allerdings nicht für komplett zuverlässig. Und geht davon aus, dass er der Polizei wahrscheinlich Informationen vorenthalten hat. Seine Widersprüche beweisen aber nicht, dass er Melissa etwas angetan oder ihr bei einer Flucht geholfen hat. Damit kann zumindest der öffentliche Verdacht gegen Anthony etwas entschärft werden. Es ist ein langer Weg für ihn, sich einzugestehen, was Melissa den Menschen angetan hat, die ihr vertraut und die sie geliebt haben. Auch auf Raten seiner Anwältinnen schafft es Anthony am Ende aber doch, ihre Schuld öffentlich einzugestehen und den Schmerz der Anleger anzuerkennen. Er sagt in einem Fernsehinterview folgende Worte. Ich habe die Liebe meines Lebens verloren und ich habe nichts falsch gemacht. Ich weiß, dass sie Straftaten begangen hat, aber deswegen liebe ich sie nicht weniger, trotz allem. Auch der Coroner's Court kommt zu keinem eindeutigen Ergebnis. Das Ergebnis der Untersuchung ist, dass das Verschwinden von Melissa nicht aufgeklärt werden kann. Das Gericht bestätigt ihren Tod, kann aber keine Angaben zum Ort, Datum oder der Todesursache machen. Ohne neue Beweise bleiben die genauen Umstände ihres Todes vermutlich für immer ungeklärt. Melissas Vermögenswerte werden nach und nach verwertet. Ihre Häuser und Autos werden verkauft, Schmuck, Designerkleidung, Kunstwerke und andere Luxusgegenstände größtenteils versteigert. Mit den Erlösen soll den Geschädigten zumindest ein Teil ihres Geldes zurückgezahlt werden. Insgesamt schuldet Melissa den noch geschädigten Anlegern zu diesem Zeitpunkt etwa 23,5 Millionen australische Dollar. Die Anleger erhalten dank der Erlöse aus den Verkäufen knapp 40 Cent für jeden anerkannten Forderungsdollar zurück. Insgesamt sind das rund 9 Millionen Dollar. In anderen Worten, ein großer Teil der Menschen, die über Melissa ihr Geld angelegt haben, sehen mehr als die Hälfte ihrer Einlagen nie wieder. Strafrechtlich verurteilt wird Melissa letztendlich nicht, weil es durch ihr Verschwinden und ihren Tod nicht zu einem Strafprozess kommt. Melissas groß angelegter Betrug wird stattdessen in einem zivilrechtlichen Verfahren festgestellt. Doch der Schaden ist nicht nur finanzieller Natur. Was ebenfalls schmerzt, ist das Vertrauen, das Melissa so schwer missbraucht hat. Eine Familie ist zerbrochen, ein Ehemann hat seine Ehefrau und ein Sohn seine Mutter verloren. Und damit würde ich sagen, starten wir rein in die Diskussion. Ich finde, das ist ja nicht das Einzige, was zerbrochen ist. Das sind ja auch die ganzen Träume der Leute, die das Geld bei ihr angelegt haben, die zerbrochen sind. Also wir haben es ja vorhin gehört, eine langjährige Freundin, die für ihre Kinder ein Haus bauen wollte. All das ist ja am Ende deswegen auch irgendwie kaputt gegangen. Boah, das ist richtig scheiße. Also ich weiß nicht, wie das australische Rentensystem ist, aber die Leute haben sich ja was dabei gedacht. Ihre Altersvorsorge irgendwie anders zu regeln, ihr Geld anzulegen und ich meine, alle arbeiten hart für ihre Kohle und natürlich ist das unfassbar scheiße, Geld zu verlieren, aber dann noch durch eine, Freundin oder durch ein Familienmitglied, die das mit voller Absicht gemacht hat, das finde ich ist schon scheiße. Das ist schon echt richtig harter Tobak. Und auch für die Leute super hart, dass man Melissa damit ja gar nicht mehr konfrontieren kann und sie fragen kann, ey, was hast du dir dabei gedacht? Nicht, dass der Grund dafür das einfacher machen würde, aber ja, ich kann mir vorstellen, dass die Leute voll das Bedürfnis hatten, Melissa nochmal darauf anzusprechen. Und ja, dann nicht zu wissen, was mit ihr passiert ist, das ist schon, das muss hart sein. Ist ja wie so oft, wenn wir auch über Mord hier sprechen, dass die Angehörigen, dass es natürlich nicht das Opfer zurückbringt, aber du halt einfach Gewissheit hast. Und dass den Angehörigen dann halt auch irgendwo ausreicht, auch wenn halt die Person ihrer gerechten Strafe zugeführt wird. Und ich muss sagen, ich kann Anthony auch ein bisschen nachvollziehen. Ich meine, ich kann auch die Geschädigten verstehen, die sagen, ey, Anthony, der steckt doch unter einer Decke mit Melissa, was das angeht, aber dass er halt natürlich auch übertrieben krasse Schwierigkeiten hat, dann über die Runden zu kommen, dann auch der Sündenbock der Nation dadurch gefühlt wird, und natürlich dann überhaupt erstmal all das von sich wegschiebt und sagt, nee, sie trifft keine Schuld und so erstmal versucht, sein. Gedankenluftschloss dadurch aufzubauen. Nichtsdestotrotz finde ich es halt auch gut, dass er am Ende das natürlich dann doch eingesehen hat. Ja, ich verstehe ihn aber auch. Ich meine, seine Frau ist verschwunden. Keiner weiß, was mit ihr passiert ist. Und allein diesen Verlust oder diese Ungewissheit zu ertragen und damit umzugehen, das ist ja schon schlimm genug. Aber wenn dann noch rauskommt, ey, deine Frau hatte voll Dreck am Stecken, die hat hier super viele Leute beschissen und um ihr Geld gebracht, damit on top klarzukommen, Boah, das war sicherlich alles andere als easy. Hat jemand wirklich erwartet, dass er ab Sekunde 1 sagt, oh stimmt, sie ist eine schlechte Person. Also es ist seine Ehefrau. So natürlich hat er da erstmal andere Emotionen. Aber ja, wie du sagst, muss am Ende für ihn auch voll hart gewesen sein, zuzugeben, dass Melissa eben große Fehler gemacht hat. Ja und da sind wir vielleicht auch direkt schon bei den Theorien. Wir haben über ein paar schon gesprochen. Es kann am Ende des Tages wirklich alles sein. Das ist wieder so ein Fall, wo wirklich während wir darüber sprechen, ich mir denke, ich habe absolut keine Ahnung, was hier passiert sein könnte, weil, ne, also erst hört sich das auch sehr sinnvoll an, dass jemand der Anleger sich vielleicht an ihr vergriffen hat und. Sie ermordet hat, dann kommt aber halt auch wieder raus, okay, die wussten zu dem Zeitpunkt eigentlich gar nicht, dass es ein Schneeballsystem ist. Deswegen bin ich jetzt so für mich dazugekommen, ich gehe von einem Suizid aus, um ehrlich zu sein. Dass vielleicht auch sie rausgegangen ist, vielleicht ist sie wirklich joggen gegangen und hat sich dann dort draußen den Gedanken in den Kopf gesetzt, das reicht jetzt. Das ist psychologisch viel zu viel Druck, dass sie da halt ihre engsten Freunde, ihre Familienmitglieder alle betrogen hat und dass dann vielleicht ja wirklich noch dazu kam, dass sie. Von einem Tier angegriffen worden ist oder so und auch wenn sie, was wir gehört haben, eigentlich unwahrscheinlich von den Freunden eingeschätzt, sich von irgendeiner Klippe stürzen würde, aber dann halt irgendwie durch ein Tier da runtergestoßen wurde oder so. Also wir haben ja gehört, dass Melissa eine sehr... Kompetente, erfolgreiche, ambitionierte Geschäftsfrau war. Die hat voll die Karriere hingelegt. Und da spielt hier auch so eine gewisse Macht mit rein. Sie hatte die Macht über das Geld ihrer Freunde, ihrer Anleger und so weiter. Und ich kann mir vorstellen, dass genau das, was du auch gerade gesagt hast, dass sie nicht damit klargekommen wäre, jetzt denen allen wieder in die Augen zu blicken und mit ihrem Betrug aufzufliegen. Dass das für Menschen, die ihre Energie aus Macht ziehen, das unterstelle ich ihr jetzt einfach mal, dass das für die unerträglich wäre, dass das eben nicht genauso weitergeht. Ob das dann gleich in einem Suizid endet? Schwierig. Aber wenn ich mich jetzt hier festlegen müsste, dann würde ich auch sagen, dass sie sich selbst dazu entschieden hat, ihr Leben zu beenden, weil sie wahrscheinlich nicht damit klargekommen wäre mit den Konsequenzen und, ja, vielleicht ja auch mit einer Gefängnisstrafe, die ihr gedroht hätte. Und dann hätte sie ihren ganzen Luxus, ihr ganzes Leben verloren. Und was wäre dann noch übrig geblieben in ihrem Kosmos gedacht? Also ja, ich glaube auch, dass das an der Stelle hier die wahrscheinlichste Theorie ist. Ja, ich meine, guck mal, sie definiert sich ja wirklich ihr Leben lang schon darüber. Dann auf einmal von einem Tag auf den anderen bricht alles über dich hinein. Also, dass ich jetzt gerade gesagt habe, dass sie von einem Tier die Klippe runtergestoßen wurde, ist jetzt vielleicht ein bisschen zu sehr ins Detail gegangen. So wird es jetzt wahrscheinlich nicht gewesen sein aber ich könnte mir schon vorstellen, Sie hat keinen Abschiedsbrief geschrieben, das finde ich dann an der Stelle auch wieder komisch, um ehrlich zu sein, deswegen gehe ich von so einer Überschwungshandlung. Aus, dass sie halt wirklich joggen gehen wollte und dann dort halt sich gedacht hat, okay, ist jetzt wirklich alles zu viel, das halte ich nicht aus, den riesigen Druck, weil sie hat ja sogar auch Anthony beispielsweise ihren Ehemann betrogen, also wirklich jeden. Ja, jeden. Ach, ja. Das ist mal wieder so ein Fall, bei dem man in so sämtliche Richtungen denken kann, was die Theorien angeht. Und auch wenn wir beide jetzt glauben, dass wir es hier mit einem Suizid zu tun haben in diesem Fall, sind wir natürlich auch gespannt, was ihr glaubt. Also habt ihr noch mal ganz andere Theorien oder seht ihr mehr Argumente in einer anderen Theorie, die wir euch heute erzählt haben? Schreibt uns davon doch sehr gerne bei Spotify in den Kommentaren zum Beispiel, da kann man sich immer gut austauschen oder unter dem Instagram-Posting zur Folge. Da sind wir sehr gespannt, was ihr glaubt, was hier passiert ist mit Melissa. Genau, schreibt uns da gerne mal. Und damit würde ich sagen, machen wir einen kleinen organischen Übergang in die Personalakte. Ich habe ehrlich gesagt gar nichts zu erzählen zu dieser Woche, großartig. Aber was thematisch ganz gut dazu passt, ich bin früher auch mal fast in so eine Schiene geraten. In so eine Versicherungsberater-Schiene oder so, keine Ahnung. Und zwar bei zwei unterschiedlichen Firmen tatsächlich. Ich werde jetzt keine Namen hier nennen. Aber es hat, glaube ich, beides mit dem Fitnessstudio zu tun gehabt. Ich habe einen über das Fitnessstudio kennengelernt, der mich da dann reingezogen hat. Und da sollte ich auch damals dann erst mal bei Freunden und Familie anklopfen und die fragen, Sagen, jo, wollt ihr da euch vielleicht ein bisschen privat Vorsorge leisten? Die haben mir auch immer davon erzählt, wie viel Provisionen die bekommen, wie viel Geld die haben. Und das hat sich damals, ich war halt voll jung, also das war noch vor meinem Studium, würde ich sagen. Also ich war so 16 bis 18 so in dem Schnitt. Und da habe ich natürlich dann auch so gedacht, boah, so schnell, so einfach kann man Geld verdienen, aber das war mir nichts. Und das war richtig unangenehm, ich kann mich noch richtig daran erinnern, das war richtig unangenehm, weil die einen habe ich dann so geghostet, weil mir das so unangenehm gewesen ist, die zweiten waren wenigstens ein bisschen entspannter und die haben mich dann noch an dem Geburtstag von einem Familienmitglied, hat mich der Chef von denen angerufen und hat dann gesagt, hier, machst du jetzt mit oder machst du nicht mit? Das war so unglaublich unangenehm, wo ich dann auch gedacht habe, nie wieder will ich mit solchen Leuten was zu tun haben. Aber das hat mich da so ein bisschen daran erinnert, dass ich früher fast in so eine Schiene auch geraten wäre. Ja, ich meine, so privates Geld, Geld anlegen, der Umgang mit dem privaten Geld und so, das ist ja auch irgendwie voll das Vertrauensding. Also das gibt es dir ja nicht irgendwem in die Hände, so der ersten Person, die du irgendwie googeln kannst. Also das läuft bei mir im Privaten auch über eine Person, der ich vertraue, also die mir empfohlen wurde und dann gab es ein Kennenlernen und auch so Bauchgefühl spielt da, finde ich, eine Rolle und klar, auch dann kann man beschissen werden. Das gibt es ja alles, aber auch gerade bei mir war das wirklich so ein Vertrauensding und ja, das kann halt auch mal richtig in die Hose gehen. Und das ist dann natürlich richtig scheiße, wie hier in der Folge, in dem Fall. Achtet darauf, wem ihr euer privates Geld anvertraut und wenn ihr ein ganz komisches Gefühl habt oder auch nur das kleinste schlechte Bauchgefühl, dann ist das ein Zeichen. Dann macht es nicht, so wie Patrick das nicht gemacht hat. Genau, genau. Also das ist halt echt das Ding. Du brauchst da echt krasses Vertrauen, so wie bei dir. Oder im besten Fall, man setzt sich halt selbst damit auseinander. Ja, oder so. Und das ist, würde ich auch sagen, heutzutage auch ein bisschen simpler geworden, ein bisschen entspannter geworden, sich damit auseinanderzusetzen. Weil du hast ja über YouTube auch genügend Möglichkeiten, dich da reinzulesen und alles, dir Videos anzugucken. Aber ja, wie du schon gesagt hast... Man muss einfach Vertrauen in die Person haben. Ich werde jetzt auch keine Anlageberatung hier für euch alle machen. Kümmert euch am besten selbst darum. Und jetzt haben wir wirklich sehr viel über Geld gesprochen. Gibt es bei dir ansonsten noch was Schönes, so außerhalb von Geld? Also es gibt zwei Events, auf die ich mich freue, die jetzt bald anstehen. Und zwar spielt sich das auch im Thema Live-Tour ab, aber noch nicht unsere eigene. Die ist ja erst nächstes Jahr. Aber Patrick und ich gehen zur Live-Show von Ice in the Dark und von Wahre Verbrechen in Berlin. Da freuen wir uns schon super doll drauf auf den Fall, den Sarah und Laura und Alex dann eben auf der Bühne erzählen. Und ja, ist natürlich auch immer total schön, unsere Podcast-Kollegen zu sehen. Also das sind so zwei Events, auf die freue ich mich schon voll. Und damit würde ich sagen, schließen wir diese schwarze Akte für die Woche und freuen uns doch nur, wenn ihr auch nächsten Dienstag wieder auf Play drückt, wenn wir eine neue Folge, einen neuen Fall für euch haben. Also bis nächste Woche Dienstag.