Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Es ist ein heißer, sonniger Septembermorgen auf den Marshall-Inseln. Einem der wohl abgelegensten Flecken der Welt. Die Inseln liegen mitten im Pazifischen Ozean. Auf einer Landkarte sind sie gerade noch so als kleine Punkte erkennbar. Recht mittig zwischen Hawaii und den Philippinen. Ein Forschungsteam befindet sich an diesem Septembertag gerade auf dem Weg zu den Marshall-Inseln, genauer gesagt zu dem äußeren Teil, der unbewohnbar ist. Die Forschenden sind im Auftrag der Regierung unterwegs. Sie sollen herausfinden, wo es Sinn ergeben könnte, ein neues Meeresschutzgebiet zu errichten. Und so halten sie nach brütenden Seevögeln und grünen Meeresschildkröten Ausschau, während sie ihr Boot durch das Labyrinth aus Sandstreifen und Korallenriffen steuern. Ein Leben ist auf diesem abgelegenen Teil der Inseln kaum möglich. Hier gibt es kein Süßwasser, kaum Nahrung und eine Landschaft, die von Trockenheit geprägt ist. Doch es ist kein Tier, das die Aufmerksamkeit der Forschenden an diesem Tag weckt. Zwischen Sand und Gestrüpp entdecken sie etwas ganz anderes. Das Wrack eines Bootes. Doch das ist noch nicht alles. Denn keine hundert Meter davon entfernt ragt ein provisorisches Kreuz aus Treibholz aus dem Sand. Die aufgeschichteten Korallen und Steine daneben lassen keinen Zweifel daran, was sich hier befindet. Ein Grab. Ein Grab, aus dem ein menschlicher Unterkieferknochen herausragt. Doch wie kommt ein Grab auf diese abgelegene Insel, zu der sich nur höchst selten mal eine menschliche Seele verirrt? Schwarze Akte Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit wie immer doch Patrick Strohbusch. Und mit wie immer Anne Lückmann. Hello! Und wir reisen heute zurück ins Jahr 1979. Zeitlich befinden wir uns damit etwa zehn Jahre, bevor das Forschungsteam sich auf die Meeresexpedition begibt. Werbung. Werbung Ende. Es ist ein Jahr, in dem viel los ist in der Welt. Während im Iran die Islamische Revolution ihr Ende findet und die Erste Republik Iran ausgerufen wird, wird Margaret Thatcher als erste Frau in der Geschichte Großbritanniens Premierministerin. Doch nicht nur auf internationaler politischer Ebene ändert sich einiges in diesem Jahr, sondern auch in der Popkultur. In der Bundesrepublik verabschiedet sich die Jugend von einem Jahrzehnt voller Schlaghosen, großer bunter Muster und Kunststoffmöbeln. Dafür gibt es neue Trends, Röhrenjeans und schwarze Lederjacken. Die werden zunehmend beliebter und der Minimalismus erhält langsam Einzug ins Wohnzimmer. Aber alles schön langsam und zu seiner Zeit, denn ganz ohne schillernde Farben und Disco-Glamour kann so ein buntes Jahrzehnt natürlich nicht einfach so zu Ende gehen. Monty Pythons Life of Brian kommt 1979 ins Kino und sorgt damit in großen Teilen der Gesellschaft für Kontroversen. ACDC veröffentlicht Highway to Hell und schafft mit dem Album den großen internationalen Durchbruch. Und Michael Ende bringt die unendliche Geschichte heraus. 1979 ist also ein Jahr, das die Film-, Musik- und Literaturwelt noch bis heute prägt. Technisch gesehen ist der Alltag der meisten Menschen Ende der 70er Jahre noch analog. Wer es sich leisten kann, hat allerdings schon einen Computer zu Hause. Schön mit Röhrenbildschirm. Im Sommer 1979 wird in Japan der erste Walkman auf den Markt gebracht. Die Welt vernetzt sich zunehmend. Das ist auch auf Hawaii spürbar, wo die Geschehnisse, von denen wir euch heute erzählen wollen, ihren Anfang nehmen. Das Honolulu Magazin schreibt in einem Artikel, dass die Zeit Ende der 70er sich so anfühlt, als würde die Welt nach Hawaii kommen und Hawaii sich in die Welt hinausstrahlen. 1979 verschreibt Hawaii bereits Besucherzahlen in Millionenhöhe. Doch während die Tourismusbranche zu einem zunehmend wichtigen wirtschaftlichen Motor wird, kämpfen hinter den Kulissen des Urlaubsparadieses viele Menschen mit Armut und Arbeitslosigkeit. Hawaii ist der 50. Bundesstaat der USA und liegt südwestlich des Festlandes, über 3600 Kilometer entfernt. Mehr als 130 Inseln und Atolle gehören dazu, die meisten davon sind jedoch nicht bewohnt. Ein Atoll könnt ihr euch übrigens vorstellen wie einen Ring aus Sand und Felsen, der mitten im Meer liegt, oder anders gesagt, wie ein Kreis aus kleineren Inseln, die eine große, ruhige Lagune in der Mitte umringen. Als eine der wohl bekanntesten und beliebtesten Insel Hawaïs gilt Maui. Mit ihren weißen Sandstränden, dichten Regenwäldern und rauen Vulkanlandschaften. Auch so einige kleine gemütliche Städtchen gibt es hier. Und eine Panoramastraße, die zu den schönsten der Welt zählt. The Road to Hana. Und Hana ist auch der Ort, auf den wir uns jetzt fokussieren wollen. Das Städtchen liegt ganz im Osten der Insel Maui, direkt an der Küste. Um die tausend Menschen leben hier, man kennt sich also. Und man hilft sich aus, wo man kann. Wobei die Arbeit an besonders schönen Tagen auch mal liegen gelassen werden darf. In dieser Folge wird es um fünf Freunde gehen, die an einem wunderschönen sonnigen Tag im Februar 1979 beschließen, mit dem Boot zum Fischen rauszufahren. Eigentlich hatten sie sich vorgenommen, an diesem Tag weiter an einem Haus zu bauen. Doch der 11. Februar 1979 ist der erste Tag nach einer langen Regenphase, an dem der Himmel mal wieder so richtig schön klar ist. Die Sonne strahlt und der Ozean liegt wunderbar ruhig vor ihnen. Die Wasseroberfläche ist so glatt, dass kaum ein Kräuseln zu sehen ist. Ein Anblick, den niemand der fünf widerstehen kann. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Nur, dass das zu diesem Zeitpunkt noch niemand weiß. Die fünf Männer sind alle mit dem Element Wasser vertraut. Sie können schwimmen, surfen und tauchen. Zusammen verfügen sie über sehr viel Erfahrung auf See und es ist nicht das erste Mal, dass sie raus aufs Meer zum Fischen fahren. Ralph ist einer der fünf Männer. Er verdient sogar seinen Lebensunterhalt mit dem Fischfang, auch wenn das Fischen hier nicht immer leicht ist. Der pazifische Ozean spielt nach seinen eigenen Regeln und der 27-Jährige weiß, dass man gut auf dessen Laun achten muss, wenn man in das unendliche Blau hinausfährt. Tatsächlich gibt es in Hana keinen kommerziellen Fischereibetrieb, da die Strömungen des Meeres dafür als zu gefährlich gelten. Viele Menschen, so wie Ralph, fischen daher privat und verkaufen den Fang, den sie nicht selbst zum Essen brauchen, und zwar im General Store der Insel. Hier kann man alles erwerben, was man zum Leben auf Hawaii braucht. Der Store ist mehr als nur ein einfacher Laden. Er ist auch ein Treffpunkt, eine zentrale Anlaufstelle, an der man immer mal jemanden trifft, den man kennt. Tatsächlich ist der General Store sogar im Wikipedia-Eintrag über Hana erwähnt. Es gibt auch ein Lied über Hana, in dem das Store vorkommt. Anscheinend ist er sogar so etwas wie eine kulturelle Institution in dem Küstenstädtchen. Ralph leiht sich an diesem sonnigen Tag das Boot von seinem Zwillingsbruder, der selbst nicht mit rausfahren will. Das Boot trägt den Namen Sarah Joe, benannt nach ihrer Mutter Sarah und ihrem Vater Joe. Es handelt sich um ein gut 5 Meter langes Motorboot, das noch recht neu ist, gerade mal ein oder zwei Jahre alt. Von außen ist es weiß und von innen hellblau angestrichen. Im General Store decken sich die fünf Freunde mit Bier, Limonade und neuen Zündkerzen für die Motoren ein. Sie besorgen auch noch etwas Eis, um die Fische darin zu kühlen. Und sie hoffen auf einen ganz großen Fang. Die Wetterbedingungen sind nämlich optimal und in diesem Teil des Pazifischen Ozeans gibt es ein paar richtig große Fische. Im Idealfall könnte der Fang also gutes Geld einbringen. Mit den fünf Männern und der Kühlbox ist das Boot allerdings ganz schön voll. Eigentlich etwas zu voll. Viel Platz zum Bewegen ist da nicht mehr. Wir haben euch in den Shownotes ein Foto des Bootes verlinkt, auch von der Crew. Auf dem Bild seht ihr, dass hinten ein paar Männer auf zwei Bänken sitzen. Die Seitenränder des Bootes sind so niedrig, dass sie gerade mal bis zu ihren Hüften reichen. Wirklich sicher sind die fünf im Boot also nur, wenn das Meer schön ruhig bleibt. Bei starkem Wellengang hätten sie kaum Möglichkeiten, sich festzuhalten. Es ist also definitiv kein Boot für längere Hochseefahrten. Neben Ralph befindet sich auch der 27-jährige Scott mit an Bord. Scott ist ein ehemaliger Highschool-Footballstar und Musiker. Er hat ein Talent dafür, mit Holz zu arbeiten. Scott ist in Kalifornien aufgewachsen. Lange hat er davon geträumt, auszuwandern. Diesen Traum hat er sich dann schließlich auf Hawaii erfüllt, nachdem er sich von seiner Ehefrau getrennt hat. Er hat sein altes Leben in Kalifornien zurückgelassen, mitsamt seiner kleinen Tochter, die er nur sehr selten besucht. Dann wäre da noch Benjamin. Er ist 38 Jahre alt und damit der älteste der Truppe. Benjamin hat eine Frau und fünf Kinder, die zwischen sechs und 16 Jahre alt sind. Über ihn ist leider nicht so viel bekannt wie über Scott. Ähnlich sieht es auch bei den anderen Männern aus. Peter, der vierte im Bunde, ist 31 Jahre alt und der einzige offiziell lizenzierte Klempner an Hannah. Wann immer irgendwas repariert werden muss, ist er natürlich sehr gefragt. Der jüngste an Bord ist der 26-jährige Patrick. Sein Geld verdient er, wie Scott auch, als Zimmermann. Patrick ist ein absoluter Lebe- und Genussmensch. Er ist auf Partys selten, ohne einen Joint anzutreffen. Er liebt es, zu networken und sich mit anderen Menschen auszutauschen. Seine Lebensphilosophie passt perfekt in den hawaiianischen Zeitgeist. Dinge geschehen dann, wenn die Zeit dafür reif ist. Und wenn das Wetter schön ist, ist das Wetter schön. Und das muss genossen werden. Besonders nach einer so langen Regenphase, die übrigens typisch für den hawaiianischen Winter ist. Und so stechen die fünf Freunde an diesem Februartag 1979 mit der Sarah Jo in See. Es ist gegen 10 Uhr morgens, als die Männer rauf aufs Meer fahren. Zum Fischen ist es eigentlich schon recht spät. Die besten Chancen auf einen dicken Fang hat man eher früh morgens, weil viele Fischarten in der Dämmerung auf Nahrungssuche sind. Doch die fünf wollen es trotzdem versuchen. Es weht kaum ein Wind. Das Meer erinnert an einen See. So glatt und ruhig liegt die Wasseroberfläche da. Es herrscht beste Stimmung bei den fünf Freunden. Doch gegen Mittag, etwa zwei Stunden nach dem Auslaufen, beginnt sich am Horizont etwas zusammenzubrauen. Keiner der Männer hat vor dem Losfahren den Wetterbericht gecheckt, was bei vielen Hobbyfischern, die nur ein paar Stunden rausfahren wollen, üblich ist. Statt nachzuschauen, was der Wetterdienst meldet, wird einfach ein Blick in den Himmel geworfen. Doch der zeigt nicht immer alles an, was so auf dem offenen Meer passiert. Hätten die fünf die Wetterberichte geprüft, wären sie auf ein großes Tiefdruckgebiet aufmerksam geworden, das sich Hawaii vollkommen unbemerkt nähert. Wenn überhaupt, dann hätte man das außergewöhnlich ruhige Meer als Anzeichen sehen können, dass da etwas nicht stimmt. Ein Sturm, wie ihn die Menschen hier lange nicht mehr gesehen haben, steuert unaufhaltsam auf die Insel zu. Die Crew der Sarah Jo wird von dem Unwetter auf offener See total überrascht, aber sie sind bereits zu weit draußen, um schnell genug zurück in den Hafen zu kommen. Die Männer müssen es mit einer unglaublichen Angst zu tun bekommen, als sie realisieren, dass sie dem Unwetter auf der Sarah Joe vollkommen ausgeliefert sind. Es gibt wohl nur wenige Schiffe, die so einem Sturm hätten standhalten können. Und wir reden hier über riesige, gut ausgestattete Schiffe. Nicht über ein kleines 5-Meter-Boot wie die Sarah Joe, das mehr an ein Kanu als an ein Schiff erinnert. Die Sarah Joe ist nicht das einzige Boot, das sich an diesem Tag draußen auf dem Meer befindet. Ein paar andere Hobbyfischer und Bootsfahrer haben mehr Glück und schaffen es noch rechtzeitig zurück in den Hafen. Ihre Boote sind aber auch deutlich größer als die Sarah Joe. Und dann erreicht der Sturm die Insel. Mit einer solchen Kraft, dass nicht einmal erfahrene Seefahrer dieser Naturgewalt hätten standhalten können. In Berichten ist von orkanartigen Winden und Sintflutartigen Regenfällen die Rede. Von Wellen, die bis zu zwölf Meter hoch sind, also etwa so hoch wie ein vierstöckiges Wohnhaus. Ein großer Teil von Hana wird überschwemmt. Zahlreiche Häuser und Geschäfte werden beschädigt oder ganz zerstört. Während das Unwetter um sie herum wütet, bangen die Familien und Freunde von Ralph, Scott, Benjamin, Peter und Patrick um ihre Liebsten. Sie alle wissen, dass die Sarah Joe nicht zu den Booten gehört, die zurück in den Hafen gekehrt sind. Doch niemand will die Hoffnung auf ein Wunder aufgeben. Viele versammeln sich trotz des heftigen Regens am Hafen und schauen hinaus auf das stürmische Wasser. Sie wollen wissen, ob sich am Horizont nicht doch noch ein Schatten materialisiert, der die Sarah Joe sein könnte. Doch durch den Sprühnebel auf dem Meer kann man kaum ein paar Meter weit sehen. Stunde um Stunde vergeht, aber die Männer kehren nicht zurück. Um 17 Uhr, ca. 7 Stunden nach ihrem Auslaufen, wird die Sarah Jo schließlich als vermisst gemeldet. Die Polizei und der Küstenschutz der USA werden informiert. Die Küstenwache schickt einen Hubschrauber und ein Flugzeug in das Unwetter. Aber die Sicht ist zu schlecht, um wirklich etwas auf dem Meer erkennen zu können. Und dann wäre da noch ein anderes Problem. Die Sarah Jo ist ja nur von außen weiß, aber von innen hellblau. Blau, eine Farbe, die aus der Luft ziemlich schwer vom Blau des Ozeans zu unterscheiden ist. Während aus der Luft nach dem Boot gesucht wird, bleiben die Familien und Freunde der Fünf nicht untätig. Sie starten eine Suchaktion entlang der Küste. Vielleicht, so der Gedanke, wurde das Boot ja irgendwo hier angespült. Da die Sicht jedoch so schlecht ist, kann die Suche erst so richtig losgehen, als der Sturm am nächsten Tag endlich abklingt. Doch so lange wollen einige nicht warten. Eine Gruppe Männer fährt noch in derselben Nacht mit größeren Booten raus, um nach den Vermissten zu suchen. Es ist eine waghalsige Suchaktion. Die Wellen sind noch immer so hoch, dass auch die größeren Boote teilweise senkrecht im Wasser stehen. Die Dunkelheit macht es zusätzlich zu dem Regen nicht gerade leicht, etwas zu sehen. Und nicht nur das. Dieser Teil des Pazifischen Ozeans gehört schon bei gutem Wetter zu den gefährlichsten und unruhigsten Gewässern Hawaii's. Wir sprechen vom Ellen-Nohihaha-Kanal, ein Kanal, der zwischen Maui, also dem Teil von Hawaii, auf dem Hana liegt, und der großen Hauptinsel liegt. Der Kanal verläuft direkt entlang des Mauna Loa, einem der größten aktiven Vulkane der Welt. Über 4000 Meter ragt dieser Vulkan über dem Meeresspiegel. Gemessen von seiner Basis am Meeresboden ist er jedoch höher als der Mount Everest. Insgesamt über 9000 Meter hoch. Das Wasser hier ist tausende Meter tief und es gibt starke Oberflächenströmungen, denen viele noch so starke Bootsmotoren nicht standhalten können. Nicht mal einen Monat bevor die Sarah Joe im Februar 1979 verschwindet, ist in dem Kanal ein großes Forschungsschiff gesunken mit zwei Menschen an Bord. Es ist genau die Richtung, in die die fünf Vermissten gefahren sind, weil sie sich hier den besten Fang erhofft haben. Der Suchtrupp schafft es wieder zurück in den Hafen, allerdings ohne auch nur eine Spur der Sarah Jo oder den fünf Freunden entdeckt zu haben. Alle Hoffnungen liegen auf dem nächsten Tag, als das Unwetter endlich abgeklungen ist und die Küstenwache eine große Suchmission auf dem Wasser einleitet. Doch der Ozean gibt seine Geheimnisse nicht so leicht preis. Jeden Tag wird das Suchgebiet weiter abgesteckt und die Flotte aus Schiffen, Booten und Flugzeugen wird immer größer. Wer kann, beteiligt sich an der Suche. Doch wie soll man in den unendlichen Weiten des Meeres ein kleines blau-weißes Boot entdecken? Und so vergeht ein Tag nach dem anderen und die Hoffnung sinkt, die fünf Männer jemals wiederzufinden. Es will niemand so richtig aussprechen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass alle fünf tot sind, ist leider ziemlich hoch. Wirklich wissen kann man es allerdings erst, wenn man auch ihre Leichen gefunden hat. Fünf Tage lang durchkämmen die Einsatzkräfte ein Gebiet von rund 180.000 Quadratmetern. Das ist so groß wie ungefähr die Hälfte von Deutschland. Sie finden aber leider nicht eine Spur der Vermissten. Und dabei haben sie wirklich alles versucht. Sie haben sogar Brieftauben eingesetzt, die speziell darauf trainiert sind, auf dem Meer gestrandete Menschen zu finden. Tauben sind extrem gut darin, Farben zu erkennen. Viel besser als wir Menschen. Also hat man diesen drei speziellen Brieftauben beigebracht, nach den Signalfarben Leucht-Orange und Rot-Ausschau zu halten, also den Farben von Rettungswesten und Rettungsringen. Doch auch das hat nicht geholfen. Der Hubschrauber, der die Tauben transportiert hat, musste notlanden und dabei sind alle drei Tauben verloren gegangen. Die Suche nach der Sarah Jo ist eine der größten Suchaktionen der hawaiianischen Geschichte. Doch als nach fünf Tagen immer noch keine Fortschritte verzeichnet werden können, stellt die Küstenwache die Suche ein. Zur großen Missbilligung der Angehörigen natürlich. Doch Resignation ist für die Menschen auf Hawaii keine Option. Wenn die Behörden nicht länger mitmachen, dann organisieren sie sich eben selbst. Familie, Freunde, Bekannte, sie mobilisieren alle Kräfte. In den nächsten Wochen vergeht kein Tag, an dem nicht nach den fünf Vermissten gesucht wird. Die Suche läuft tagsüber. Am Abend kommen die Trupps wieder am Hafen zusammen, um sich auszutauschen. Jeder trägt seinen Teil dazu bei, sei es mit dem Boot rauszufahren, die Küstenlinien mit dem Auto zu durchkämmen oder Abendessen für die ganze Mannschaft zu kochen. Die Gemeinschaft von Hana hält zusammen. Auch eine Spendenaktion wird ins Leben gerufen, bei der mehr als 50.000 Dollar gesammelt werden. Das Geld wird dafür genutzt, um noch mehr Boote und Flugzeuge anzuheuern, die bei der Suche unterstützen sollen. Die Trupps durchkämmen auch die abgelegensten Teile Hawais, in der Hoffnung, dass es der Besatzung gelungen sein könnte, dort an Land zu gehen. Doch auch die Menschen, die nicht so schnell aufgeben, sind irgendwann erschöpft. Erschöpft und demotiviert, weil alle Anstrengungen zu nichts führen. Auch nach mehreren Wochen wird nicht eine Spur der Sarah Jo oder der fünf Männer gefunden. Es ist, als hätte der Pazifische Ozean sie einfach verschluckt. Schließlich wird auch die private Suche eingestellt und langsam, ganz langsam, kehrt der Alltag in Hannah zurück. Doch nichts ist so, wie es früher einmal war. Ralph, Scott, Benjamin, Peter und Patrick haben ein großes Loch im Leben der Menschen hinterlassen. Und dann, neuneinhalb Jahre später, geschieht das Undenkbare. Am 9. September 1988 entdeckt ein Forschungsteam das Wrack der Sarah Joe auf einer Insel des Taongi-Atolls. Die Forschenden befinden sich eigentlich gerade auf einer Wildtier-Expedition im westlichen Pazifik. Auf den unbewohnten Inseln hier halten sie Ausschau nach grünen Meeresschildkröten und brütenden Seevögeln, um ein potenzielles Meeresschutzgebiet abzustecken. Davon haben wir euch ja schon erzählt. Das Taungi-Atoll gehört zu den Marshall-Inseln, die um die 3000 Kilometer südwestlich von Hawaii liegen. Mit einem gut ausgestatteten Segelboot bräuchte man für die Strecke etwas mehr als zwei Wochen, je nach Wetterlager. Das Atoll liegt sehr weit im Norden und gilt als die wohl trockenste Gegend der ganzen Inseln. Es besteht größtenteils nur aus schmalen, trockenen Landstreifen, die kaum über den Meeresspiegel hinausragen. Auf einigen dieser Sandstreifen wachsen ein paar karge Sträucher, aber das war's dann auch schon. Es gibt keine Pflanzen, die für Menschen essbar sind, keine Kokosnusspalmen und kein Süßwasser. Und das Atoll befindet sich mehr als 300 Kilometer vom nächstgelegenen bewohnten Land entfernt. Also es ist definitiv kein Ort, an dem man mal ebenso vorbeikommt. Und auch kein tropisches Inselparadies, auf dem es sich gut leben lässt, wie man sich das schnell mal vorstellt. Und ausgerechnet auf diesem kleinen Sandstreifeninsel, mitten im unendlichen Blau des Pazifischen Ozeans, entdeckt das Forschungsteam nun die verschwundene Sarah Jo. An dem Boot ist noch der Anfang der Nummer zu erkennen, unter der es in Hawaii vor über zehn Jahren registriert worden ist. Tatsächlich ist das nicht der einzige Zufall, der hier mit rein spielt. Ein Mann aus dem Forschungsteam, der Biologe John, der war vor all den Jahren bei der großen Suchaktion nach der Sarah Jo und den fünf Männern dabei. Er hat das Boot sofort erkannt. Allerdings hätte er niemals damit gerechnet, es jemals wiederzufinden. Und schon gar nicht hier, an diesem unwahrscheinlichsten aller Orte. Allerdings befinden sich am Wrack keine Hinweise darauf, was mit der Crew der Sarah Jo geschehen sein könnte. Also machen sich die Forschenden daran, die nähere Umgebung zu erkunden. Wer weiß, ob mit der Sarah Jo noch ein anderer Hinweis angespült wurde. Und tatsächlich entdecken John und sein Team, etwa 90 Meter vom Boot entfernt, ein Grab mit einem provisorischen Kreuz aus Treibholz. Daneben befinden sich aufgeschichtete Steine und Korallen. Und damit schließt sich auch wieder der Kreis zum Intro dieser Folge. Aus dieser provisorischen Grabstätte ragt der Knochen eines menschlichen Unterkiefers hervor. Es ist noch gut zu erkennen, dass dieser Mensch Füllung in den Zehen hatte. Vielleicht ist der Mensch, der hier bestattet wurde, einer der vermissten Männer der Sarah Jo. Das Forschungsteam untersucht das Grab vorsichtig weiter. Es entdeckt ein Stapel quadratischer, teilweise verbrannter Papierblätter, die lose übereinander liegen. Von der Größe her erinnert er an einen kleinen Blog mit Post-its. Auf dem Papier steht aber nichts geschrieben oder gedruckt. Zwischen den Blättern befindet sich etwas, das wie Aluminiumfolie aussieht. Sehr seltsam, finden John und die anderen. Werbung Ende Obwohl Neugierde sie antreibt, beschließen sie aus Respekt vor dem Toten nicht weiterzugraben. Sie informieren die Küstenwache der USA, die später weitere Knochen im Grab sicherstellt und alle im Labor untersuchen lässt. Anhand von Zahnunterlagen und anderen medizinischen Aufzeichnungen kann das Labor eindeutig bestätigen, dass es sich bei dem Toten um Scott handelt, den kalifornischen Auswanderer, der immer von einem Leben im Paradies geträumt hat. Die große Frage ist jetzt allerdings, wie ist er auf die Insel gekommen, die um die 3000 Kilometer von Hawaii entfernt liegt? Wer hat ihn dort begraben? Auch der Rest der Insel wird von der Küstenwache akribisch abgesucht. Doch neben Scots Leiche findet man keine weiteren menschlichen Überreste. Scots Familie hat damit zumindest eine Antwort auf ihre vielen Fragen. Sie wissen nun sicher, dass Gott tot ist und können ihn begraben und sich verabschieden. So traurig das auch ist, aber die stille, kräftezehrende Hoffnung wandelt sich nun in die Erkenntnis, die verarbeitet werden kann. Obwohl Scott so gerne auf Hawaii gelebt hat, beerdigt ihn seine Familie in Los Angeles. Die Angehörigen der anderen Männer müssen weiter Ungewissheit aushalten. Sie wissen noch immer nicht wirklich, was mit ihren Liebsten geschehen ist. Doch die Entdeckung von Scots Leichnam hat ihnen wieder neue Hoffnung gegeben. Sie beauftragen daher gemeinsam einen Privatdetektiv, der mehrere Monate lang versucht herauszufinden, was mit den übrigen vermissten Männern geschehen sein könnte. Auch der Detektiv sucht noch einmal alles ab und schickt sogar Taucher auf den Grund der Lagune, um dort nach Hinweisen zu suchen. Tatsächlich findet ein Taucher dort den Außenbootmotor der Sarah Joe, eingeklemmt in einem Korallenriff. Es wirkt, als hätte der Ozean mit seiner unendlichen Kraft das Boot in seine Einzelteile zerlegt. Es ist möglich, dass einzelne Teile hier angespült wurden. Doch wie wahrscheinlich ist das? Es gibt nur eine schmale Öffnung, durch die das Boot in die Lagune des Taongi-Atolls gelangen kann. Wie groß muss der Zufall sein, dass das Meer das Boot ausgerechnet durch diesen schmalen Zugang spült? Oder hat vielleicht doch jemand die Sarah Joe hier zu der Insel gelenkt? Und damit sind wir schon mittendrin in dem Rätsel, das sich nun offenbart. Wie kann ein kleines Boot wie die Sarah Joe einen der schwersten dokumentierten Stürme auf Hawaii überstehen und schließlich auf einer Insel tausende Kilometer entfernt wieder auftauchen? Laut Schätzungen von Menschen, die sich mit Meeresströmungen auskennen, könnte es um die drei Monate gedauert haben, in denen das Boot von Hawaii zu den Marshall-Inseln gedriftet ist. Allerdings hat es 1985, also ungefähr sechs Jahre nach dem Verschwinden der fünf Freunde und etwa drei Jahre, bevor das Wrack der Sarah Joe entdeckt wurde, schon einmal eine Forschungsmission auf den Marshall-Inseln gegeben. Und da ist weder das Boot noch das Grab aufgefallen. Das bedeutet, dass die Sarah Joe erst frühestens sechs Jahre nach ihrem Ablegen auf dem Taongi-Atoll angespült worden sein kann. Doch wo war das Boot in diesen sechs Jahren? Ist es möglich, dass es die ganze Zeit auf offene Meer herumgetrieben ist? Und wenn ja, hat sich Scott dann die ganzen sechs Jahre lang auf dem herumtreibenden Boot befunden? Es ist unmöglich, dass er diese Zeit überlebt haben kann. Die Männer hatten ja kaum Proviant bei ihrer Bootstour dabei, nur etwas Bier und Limo und Eis für die Fische. Das Meerwasser ist salzig, das hätte Scott nicht trinken können. Wenn wir also davon ausgehen, dass er in dem Boot verdurstet ist, wie kann es sein, dass seine Leiche trotz hoher Wellen nicht aus dem Boot gefallen ist? Oder besteht doch irgendeine Möglichkeit, dass Gottes Leben zur Insel geschafft hat? Nur um dann zu erkennen, dass menschliches Leben hier nicht möglich ist. Wir spinnen den Gedanken noch ein bisschen weiter. Wenn er also auf der Insel gestorben ist, wer hat ihn dann aber begraben? Das hätte er ja nicht selbst machen können. Das Grab war von oben mit Stein bedeckt und der Unterkieferknochen hat so aus dem Grab herausgeragt, als hätte ihn jemand absichtlich dorthin gesteckt. War Scott also vielleicht gar nicht allein auf der Insel? War einer seine Freunde bei ihm? Oder ein Fremder? Ist Scott vielleicht gar nicht eines natürlichen Todes gestorben? Und was ist mit den anderen der Crew geschehen, die nie gefunden wurden? Ihr merkt schon, es stellen sich in diesem Fall so unglaublich viele Fragen. Und wir wollen jetzt mal versuchen, ein paar davon zu beantworten. Und damit kommen wir zu den Theorien, die sich rund um die Sarah Jo und das Schicksal der fünf Männer ranken und die wir jetzt einmal auseinanderdröseln wollen. Die erste und wohl populärste Theorie liefert eine an sich logische Erklärung dafür, wer Scott begraben haben könnte und warum. Denn in den Gewässern rund um die Marshall-Inseln sollen sich immer mal wieder illegale Fischer aus China herumtreiben. Die hoffen, dort ohne Genehmigung einen großen Fang machen zu können. Es ist schon möglich, dass sie Scotts Leiche gefunden und bestattet haben könnten, ohne es jemandem zu melden. Denn sie hätten ja gar nicht dort sein dürfen. Scotts Unterkiefer haben sie demnach vielleicht sogar absichtlich so ins Grab gesteckt, damit man ihn leicht finden und den Toten daran identifizieren kann. Was ja letztendlich auch genauso der Fall gewesen ist. Es ist eher unwahrscheinlich, dass sowohl Scott als auch das Boot durch die enge Passage ins Atoll gespült worden sind. Der Zufall wäre einfach zu groß. Die Passage zwischen den Sandstreifen hindurch in die Lagune ist ja so schmal, dass viele überzeugt sind, dass das Boot dorthin bewusst gelenkt oder gezogen worden sein muss. Es könnte also sein, dass Scott sich irgendwie an der Sarah Jo festgebunden hat. Er musste demnach zusehen, wie seine Freunde im Sturm einer nach dem anderen über Bord gehen und hat das Einzige getan, was ihn noch retten konnte, seinen Körper an das Boot zu fixieren. Doch ohne Süßwasser und Nahrung muss er in den darauffolgenden Tagen verdurstet sein. Möglich, dass die chinesischen Fischer die Sarah Jo entdeckt haben, wie sie auf dem offenen Meer getrieben ist, und zwar mit Scotts Leiche an sie gebunden. Sechs lange Jahre. Sie könnten sie in die Lagune gezogen und Scotts Leiche dort begraben haben. Das Boot könnten sie an Land gezogen und dort liegen gelassen haben. Doch lässt sich damit auch erklären, dass der Außenmotor in einem Korallenriff der Lagune gefunden wurde? Tatsächlich schon, denn vielleicht wurde das Atoll bei einem weiteren heftigen Sturm überspült und der Motor ist vom Boot abgefallen. Er ist leichter als das Boot. Nicht unwahrscheinlich also, dass er von den Wassermassen weggetragen wurde und das Boot selbst nicht. Wenn es wirklich der Wahrheit entspricht, dass Gott so lange Zeit auf dem Meer getrieben ist, dann ist von seiner Leiche nicht viel übrig geblieben. Dann haben die Fischer vermutlich nicht viel mehr als sein Skelett gefunden. Und dann wäre da ja noch das Detail mit den Papieren. Es ist gut möglich, dass es sich dabei um sogenanntes Joss-Papier handelt, das auch als Geistergeld bekannt ist. Dieses Geistergeld ist fester Bestandteil vieler Bestattungszeremonien im asiatischen Raum. Dabei wird das Papier verbrannt, um den verstorbenen symbolischen Wohlstand mit ins Jenseits zu geben. Dabei muss es nicht immer Papier in Form von Geld sein. Auch andere Gegenstände aus Pappmaché werden verbrannt. Je nachdem, womit die Angehörigen ihre Liebsten im Jenseits versorgen wollen. Es gibt Papiermodelle von Kleidung, Häusern, Autos oder anderen Besitztümern. Je nach Tradition handelt es sich um Gold- oder silberfarbenes Papier, das symbolisch für Geld oder Gold steht. So lässt sich wohl die Aluminiumfolie erklären, die sich zwischen dem Papierstapel in Scotts Grab befunden hat. Und es erklärt auch, warum das Papier an den Rändern verbrannt war. Gut möglich, dass die chinesischen Fischer das Papier angezündet haben, um Scott ein gutes Leben im Jenseits zu ermöglichen. Vielleicht war das Papier aber schon so nass vom Salzwasser, dass es gar nicht mehr richtig gebrannt hat. Es gibt aber auch eine andere Erklärung für den Papierstapel. Einer weiteren Theorie zufolge soll der Stapel an die frühe Form einer Batterie erinnern, der sogenannten Voltaschen-Säule, die 1799 entwickelt wurde. Eine solche Batterie besteht aus abwechselnden Schichten unterschiedlicher Metalle, beispielsweise Kupfer und Zink, die durch Papierlagen voneinander getrennt sind. Das Papier wird dabei mit Salzwasser oder einer schwachen Säure gedrängt. Wenn es genug dieser Schichten gibt, kann die Vorrichtung eine Art elektrischen Schlag erzeugen, was sehr nützlich sein kann, um zum Beispiel eine Lampe zu betreiben oder ein Funkgerät mit Strom zu versorgen. Doch da der Stapel in Scotts Grab gerade mal so groß wie ein Post-it-Block und nur wenige Zentimeter dick ist, ist es fraglich, ob dieses Provisorium wirklich hätte Energie liefern können. Es kann aber auch sein, dass der Papierstapel weder zu einem Bestattungsritual gehört, noch eine selbstgebaute Batterie darstellen soll. Es gibt eine Theorie, die besagt, dass der Papierstapel auch eine Art Signalbuch hätte sein können. Angenommen, man hat eine Art Buch aus Papier und dazwischen befinden sich Blätter aus Aluminiumfolie oder einem anderen spiegelnden silbernen Papier. Wenn man die Seiten im Sonnenschein schnell durchblättert, kann die Folie das Sonnenlicht reflektieren und Leuchtsignale erzeugen. So könnte eine Person, die auf dem Meer verloren ist, Schiffe oder Flugzeuge auf sich aufmerksam machen. Vielleicht war es aber auch nur ein Mittel, das jemand genutzt hat, um die Tage und Wochen auf dem Meer zu zählen. Wie auch immer man sich die Existenz dieses Papierstapels letztendlich erklären will, eine eindeutige, offizielle Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Ebenso wenig darauf, was mit den anderen vier Männern auf der Sarah Jo geschehen ist. Das Meer gibt seine Toten nur selten wieder frei. Die Geschichte der Sarah Jo ist und bleibt eines der wohl ungewöhnlichsten Rätsel Hawaii's. Es gibt viele Fragen, die bis heute nicht beantwortet werden können. Fünf Freunde, die losgezogen sind, um an einem sonnigen Tag zu fischen, haben ihr Leben in den Tiefen des Pazifischen Ozeans verloren. Nur die Sarah Jo ist zurück nach Hawaii gekehrt, zu dem Mann, der den Männern das Boot ursprünglich geliehen hatte, nämlich Ralfs Bruder. Es erinnert ihn daran, dass sein Zwillingsbruder und seine Freunde auf eine gewisse Weise immer noch da sind. In der Erinnerung und im Herzen aller Menschen, die dafür sorgen, dass sie nicht in Vergessenheit geraten. Und schon wie letztes Mal, bevor wir in die Diskussion einsteigen, erstmal vielen lieben Dank, Emil, du hast uns den Fall vorgeschlagen. Und wenn ihr uns noch Fälle vorschlagen wollt, schickt uns die gerne über Instagram, da heißen wir schwarze Akte, alles Kleine zusammengeschrieben. TikTok haben wir auch, YouTube könnt ihr schreiben, E-Mail war ja letzte Woche. Also wir haben ganz viele Möglichkeiten und ich würde sagen, damit steigen wir rein in die Diskussion. Es ist ja immer oft so, dass wenn es viele offene Theorien gibt, dann gibt es auch umso mehr zu diskutieren. Ich finde hier an der Stelle allerdings ist es so schwer, dass ich mich eher, für was entscheide, was mir selber so ein bisschen Ruhe gibt. Aber da sprechen wir bestimmt gleich drüber. Deswegen, was macht der Fall mit dir, Anne? Oh Gott, da bin ich gespannt, was dir Ruhe gibt. Also, erstmal glaube ich nicht, dass da einer von den fünf Freunden lange auf dem offenen Meer überlebt hat. Dafür war der Sturm ja einfach zu heftig und das Boot zu klein und sie hatten zu wenig Nahrung dabei. Es gibt ja so ein paar Ungereimtheiten jetzt hier in dieser Geschichte, in diesem Fall. Das erste ist diese schmale Meeresöffnung, wo es einen riesigen Zufall gebraucht hätte, dass das Boot genau da von alleine irgendwie durchkommt. Das heißt, auch ich glaube, dass das da schon eher durchgelenkt worden sein muss. Ist halt die Frage von wem. Sind es wirklich die chinesischen Fischer, die hier eine Rolle spielen? Da frage ich mich aber, und ich sage das jetzt mal so flapsig, warum sollten sie sich die Mühe machen, jemanden dort auf der Insel zu begraben? Weißt du, also wenn sie da noch Reste des Bootes mit einem Skelett dran gebunden, gefunden hätten, warum hätten sie sich die Mühe machen sollen? Das weiß ich nicht, ob das vielleicht was mit Respekt oder Anstand zu tun hat und sie es vielleicht deswegen gemacht haben. Aber da entsteht bei mir direkt das nächste Fragezeichen an, weißt du? Ja, ich kann auf jeden Fall verstehen, dass es so ein bisschen fragwürdig aussieht. Aber genau das ist auch was, ich vor allem meinte, dass ich mich genau für diese Theorie entscheide. Einerseits, weil es mir so ein bisschen Ruhe gibt. Andererseits, weil ich es auch eigentlich das einzig Logische finde, wie überhaupt das Boot da reingekommen ist. Und ich glaube sogar, dass es gar nicht so unwahrscheinlich ist, dass es ein chinesischer Fischer gewesen ist. Ich glaube, all die Menschen, die auf dem Meer arbeiten, auf dem Meer unterwegs sind, wissen, dass man im Endeffekt einfach dieser riesigen Naturgewalt ausgesetzt ist und dann genauso auch Mitleid haben, wenn sie sehen, dass jemand daran verstorben ist. Deswegen verstorben ist, vom Meer verschluckt worden ist und deswegen den Leuten eben auch so ein Begräbnis noch anbietet, egal wie das denn in der jeweiligen Kultur aussieht, aber deswegen habe ich vorhin auch gesagt, finde ich, diese Theorie gibt einem auch so ein bisschen Ruhe. Und wieder so ein bisschen was Menschliches zurück. In diesen Schicksalsschlag, dass dann am Ende eben halt doch die Person, die verstorben ist, gewürdigt wurde und nicht komplett verloren gegangen ist. Und wenn man das jetzt weiterspinnt, dann kann ich es auch verstehen, dass sie das nicht gemeldet haben. Erstmal wem denn überhaupt? Sie wussten ja gar nicht, wozu gehört der Überrest, den sie da gefunden haben. Und sie waren da ja illegal unterwegs. Also damit hätten sie sich ja selber irgendwie verraten. Also ja, dass das nicht gemeldet wurde, das verstehe ich dann auch schon. Ich glaube auf jeden Fall nicht, dass dieses Papier mit der Alufolie dazwischen, dass das eine Art Leuchtsignal sein sollte, weil dafür ist das einfach zu klein und da wäre das Signal viel zu schwach gewesen für so abgelegene Inseln. Wer hätte das denn sehen sollen? Also auch da kann ich mir vorstellen, dass das eher so eine Art Zeremonieritual war, die dann zum Beispiel die chinesischen Fischer noch da zelebriert haben, um dem Toten zu gedenken. Also ja, da glaube ich auch eher an eine Art Abschiedsritual, was da damit passiert ist. Und ich finde auch, da erkennt man an der Story mal wieder, was für ein falsches Bild, vielleicht auch nur ich, vielleicht fühlt ihr das da draußen, aber genauso, was für ein falsches Bild ich von Inseln habe. Also ich habe auch so die Idee gehabt, dass ich jetzt hier in diesem 60 Sekunden True Crime Format so eine Version mache, wie überlebt man auf einer Insel im, offenen Meer, aber gleichzeitig. Wenn die Insel dir wirklich gar nichts gibt, wie in diesem Fall, dann hast du ja nicht mal die Chance, da zu überleben, wenn es da keine Süßwasserquelle gibt, keine Kokosnüsse, kein gar nichts. Und ich habe immer so einen, natürlich habe ich immer so einen Castaway-Blick auf so eine Insel. Das ist immer sehr medial geprägt. Das merke ich immer wieder, auf wie viele Sachen ich so ein sehr, sehr durch Filme und Serien geprägtes Bild ich habe. Aber ja, selbst wenn er da vielleicht lebend angekommen wäre, hätte er, also hätte Scott das vielleicht auch gar nicht mal geschafft. Ja, und auch generell das Wetter auf so Inseln, wie schnell das umschlagen kann. Also, dass die fünf Freunde rausgefahren sind. Das Meer war spiegelglad, superschöner Tag. Und so ein paar Stunden später zieht so das größte Unwetter ever auf. Das finde ich an Inseln auch so faszinierend und auch ein bisschen beängstigend, wie schnell das Wetter dann einfach umschlagen kann. Und dass man es gar nicht so richtig vorhersehen oder planen kann. Das haben die fünf Freunde in dem Fall ja leider auch nicht vorher gecheckt. Das hat jetzt an sich natürlich gar nichts mit diesem True-Crime-Fall zu tun, aber ich war ja kürzlich auf Sizilien, auf einer Insel im Urlaub und da gab es auch den einen Abend die Situation, die in meiner Vorstellung ganz romantisch am Strand stattfinden sollte mit einem kleinen Getränk und Sonnenuntergang. Und der Strand war auch wirklich nicht weit weg von unserer Unterkunft, nur so ein paar Minuten. Und wir sind dann losgezogen, haben uns da an den Strand gesetzt und dann hat es auf einmal angefangen zu regnen. Genau in dem Moment, es war überhaupt nicht absehbar, der Himmel sah gar nicht danach aus. Und damit war der romantische Strandabend auch dahin. Aber ja, damit sind wir eigentlich schon direkt in der Personalakte hier mit der kleinen persönlichen Story. Deswegen Patrick, uns interessiert doch jetzt alle, was hast du heute für die Personalakte mitgebracht? Also für die Woche ist es so, entweder war ich gestern schon oder ich werde in ein paar Tagen endlich wieder beim Kickboxen sein. Ich war jetzt schon vor ein paar Wochen das erste Mal seit sehr langer Zeit wieder beim Kickboxen. Das habe ich früher, wo ich, also das ist auch schon so lange her. Habe ich Kickboxen sehr, sehr gern gemacht. Jetzt nicht kompetitiv oder so, das ist einfach eigentlich nur so ein Kurs in so einem Fitnessstudio, aber trotzdem, ich habe die Leute da sehr lieb gewonnen und fahre deswegen auch eher den längeren Weg dort wieder zurück in meine Heimatstadt, statt mir irgendwas in Berlin zu suchen. Und genau, entweder war ich da jetzt schon oder ich werde die nächsten Tage da hingehen. Ich freue mich auf jeden Fall sehr. Und ansonsten ist die Woche, glaube ich, relativ blank. Also ich habe nichts Großartiges geplant. Aber wie sieht es bei dir aus? Ganz witzig, in dem Moment, in dem du gerade vom Kickboxen erzählt hast, hat das Baby in meinem Bauch auch angefangen, mich zu boxen. Also ich spüre gerade relativ starke Tritte, als wenn das Kind dir gerade zugehört hätte. Für mich steht Ende der Woche die letzte Konzertreise an, von der ich ja vor einer Weile mal erzählt habe, dass da noch eine kommt. Und zwar geht es dieses Mal nach Spanien, nach Madrid. Ich war noch nie in Madrid und mein Freund und meine besten Freunde, die mitkommen auch nicht. Deswegen würden wir uns super doll freuen, wenn ihr vielleicht noch irgendwelche Tipps für uns habt. Wir sind da ein paar Tage. Irgendwelche Restaurantempfehlungen, etwas, was wir uns unbedingt anschauen sollen, schreibt uns das gerne, weil ein paar Tage habe ich noch Zeit, mir das anzugucken, bevor es losgeht. Und welchen Künstler wir uns da anschauen, das erzähle ich dann in der nächsten Folge. Und ich werde bei den Tipps für Madrid auch mitlesen, weil Madrid steht auch auf meiner Bucketliste noch. Was ich natürlich hoffe, was auf eurer Bucketliste noch steht, ist, dass übermorgen, wenn ihr den Podcast genau an dem Tag hört, wo er rauskommt, wieder Paranormal ist. Dieser Donnerstag, es ist der letzte Donnerstag des Monats, ihr kennt es doch. Da kommt wieder Paranormal, da freuen wir uns auch sehr drauf. Und damit würde ich sagen, schließen wir die Personalakte, die Diskussion und damit die ganze schwarze Akte für diese Woche. Wir sind eure Hosts Anne Luckmann und Patrick Strobusch. Redaktion Silber-Hanekamp und wir. Schnitt Anne Luckmann. Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.