Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Ein ungemütlicher Wind fegt vom Atlantik durch die Gassen des Frachthafens in Walvis Bay. Die Wellen tosen gegen die Hafenmauer. Der feuchtkalte Nebel, der vom Meer herüberzieht, scheint durch alle Kleidungsschichten zu kriechen. Etwas schwach kämpft sich die Sonne durch die Nebelschwaden, als der neue Tag gerade anbricht. Noch ist es ruhig auf dem Gelände. In wenigen Stunden schon wird hier ein reges Treiben herrschen. Dann wuseln Arbeiter in neonfarbenen Warnwesten zwischen Gabelstaplern und Containern herum, die von hier aus in die ganze Welt verschickt werden. Die einzige Bewegung so früh am Morgen geht von einem Trupp Polizisten aus, die sich langsam einem Container nähern. Es ist ein typischer Überseekontainer mit großen schwarzen Buchstaben an der Seite. Die Türen sind mit einem massiven Beutzensiegel verschlossen. Vier Buchstaben und sieben Zahlen an der Containerwand geben Aufschluss darüber, wohin der Container verschifft werden soll. Sein Zielort lautet Deutschland. Die Polizisten versammeln sich an der Vorderseite des Containers. Schweres Atmen ist zu hören. Jetzt im Juni ist Winter in Namibia. Trotz der recht kühlen 12 Grad schwitzen die Beamten aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit in ihren dicken Uniform. Einer der Polizisten spricht etwas in ein Funkgerät. Das Knacken zerschneidet die Stille um sie herum. Ein Mann am anderen Ende scheint Anweisungen zu geben. Es sind aber nur Wortfetzen zu verstehen. Sie sollen vorsichtig sein. Es sei wirklich, wirklich wichtig, dass Sie hier Beweise finden. Die Zeit laufe Ihnen davon. Mit einem Beutzenschneider bricht einer der Polizisten die sogenannte Plombe auf. Mit einem kurzen, lauten, metallischen Plopp fällt das Siegel ab und die schwere Tür schwingt leicht quietschend auf. Ein Schwall abgestandener Luft schlägt dem Polizisten entgegen. Im Dunklen des Containers können Sie erstmal nur die schemenhaften Umrisse von Möbelstücken erkennen. Ein Schrank, ein Tisch und mehrere Stühle. Außerdem viele Kartons. Es scheint, als wäre ein ganzer Hausstand hier eingelagert worden. Aus einem Umzugskarton ganz in der Nähe des Eingangs ragt ein Pulloverärmel hervor. Offenbar ist das Kleidungsstück noch hastig in die Kiste gestopft worden. Der Stoff ist bereits abgewetzt, so als habe der Besitzer ihn oft bei der Haus- oder Gartenarbeit getragen. Vorsichtig zieht ein Beamter den Pullover heraus. Das Kleidungsstück ist noch feucht. Es scheint, als wäre es erst vor kurzem gewaschen worden und konnte in der feuchten Luft des Atlantiks nicht mehr richtig trocknen. Der Beamte mustert den Pullover und hält ihn nach draußen ins Licht. Auf den Ärmeln und der Vorderseite erkennt er noch schemenhaft zahlreiche, leicht verblasste Flecken. Im Licht der aufgehenden Sonne schimmern sie leicht rosa. Das Auswaschen des Blutes ist offenbar nicht vollständig gelungen. Der Beamte atmet tief durch. Es scheint, als hätte er gerade ein wichtiges Beweisstück gefunden. Was die Polizisten an diesem Morgen noch nicht ahnen können, dieser Fund ist nur der erste Schritt auf dem Weg zu einer weitaus größeren und grausamen Wahrheit. Sie stehen erst am Anfang von etwas, das schon bald ganz Namibia erschüttern wird. Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit Anne Luckmann und mit Patrick Strohwusch. Hallo, wie schön, dass ihr uns heute wieder zuhört. Für den Fall, um den es heute gehen wird, springen wir zurück ins Jahr 1998. Werbung Ende In Deutschland geht damals gerade eine Ära zu Ende. Bundeskanzler Helmut Kohl übergibt nach 16 Jahren sein Amt an Gerhard Schröder. Im September 1998 wird ein Unternehmen gegründet, das heute nicht mehr wegzudenken ist. Google. Damals noch eine Suchmaschine unter vielen. In den USA muss Präsident Bill Clinton derweil Rede und Antwort stehen, was seine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky angeht. Im Kino dominiert immer noch der Kassenschlager Titanic aus dem Vorjahr, der bei der Oscar-Verleihung elf Trophäen abräumt. Filme wie Armageddon und Deep Impact bringen die Weltuntergangsstimmung zur Jahrtausendwende auf die Leinwand. Neben Ohrwürmern wie My Heart Will Go On von Celine Dion oder Männer sind Schweine von den Ärzten prägt auch die Technokultur das Jahr 1998. Die Love Parade verzeichnet mit rund 1,1 Millionen Feiernden in Berlin ein Rekord. Popstars wie Britney Spears prägen den Trend zu bauchfreien Tops und Spaghetti-Trägern. Kombiniert wird der Look mit Buffalo und anderen Plateauschuhen sowie lässigen Baggy-Pants. Die tiefsitzenden Hosen setzen dabei das sogenannte Arschgeweih gekonnt in Szene. Denn auch der Siegeszug des Tribal-Tattoos am unteren Rücken beginnt in diesem Jahr. Tamagotchis erobern als erste virtuelle Haustiere weltweit die Kinderzimmer. Sie wollen gefüttert, gepflegt und bloß nicht vergessen werden. Gleichzeitig entsteht eine neue Art der Geselligkeit. Man trifft sich vermehrt in Internetcafés zum Chatten, während unter Teenagern Lahnpartys angesagt sind. Dabei schleppt man seinen eigenen Rechner inklusive Röhrenmonitor zu seinen Freunden und zockt dann die ganze Nacht dort durch. Auf der Südhalbkugel dominieren 1998 dagegen ganz andere Themen. Westlich an der unteren Spitze des afrikanischen Kontinents liegt Namibia. Das Land grenzt an Südafrika, Botswana, Angola, Sambia und Zimbabwe. Erst seit acht Jahren ist Namibia von Südafrika unabhängig. Vorher heißt es Südwestafrika und steht unter südafrikanischer Verwaltung. Davor, von 1884 bis zum Ersten Weltkrieg 1915, ist Namibia eine deutsche Kolonie. In der jungen Demokratie sind die Erinnerungen an die südafrikanische Apartheid-Herrschaft und den jahrzehntelangen Unabhängigkeitskampf noch sehr lebendig. Apartheid war ein staatlich verordnetes System der Rassentrennung, das Menschen allein nach ihrer Hautfarbe beurteilt. Wer nicht als weiß gilt, hat gewissermaßen keine Rechte und wird im Alltag systematisch diskriminiert. Getrennt wohnen, getrennt leben, getrennt lieben, alles per Gesetz geregelt. Nach diesen dunklen Zeiten prägen 1998 Stolz und eine kollektive Aufbruchsstimmung das Lebensgefühl in Namibia. Viele Menschen glauben an eine bessere Zukunft, auch wenn das Land noch von sozialer Ungleichheit und Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen geprägt ist. Anders als in den ländlichen Gegenden läuft das Leben in den größeren Städten bereits weitaus moderner ab. So wie in Swakopmund. Der beschauliche Küstenort liegt direkt am Atlantik, im Westen Namibias. Hinter ihm türmen sich die ältesten Dünen der Welt, die Wüste Namib. Wer durch den Ort schlendert, der fühlt sich nach Deutschland zurückversetzt. Man erblickt spitze Giebel und weiße Fassaden mit roten Dächern. Kirchtürme, die nicht unbedingt afrikanisch aussehen. Und das ist kein Zufall. Denn Swakopmund wurde Ende des 19. Jahrhunderts von deutschen Kolonialisten gegründet. Hier haben sie unter anderem auch einen Hafen gebaut. Und so wurde die Stadt schon bald zum zentralen Tor der Kolonie. Für Waren, aber auch für deutsche Auswanderer, die hier ein neues Leben beginnen wollten. Hinter der beschaulichen Fassade verbirgt sich jedoch eine düstere Vergangenheit. Swakopmund war der Schauplatz eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte, dem Völkermord an den Herero und Nama. Rund 100.000 Menschen starben damals in Namibia. 90 Jahre später lockt die deutscheste Stadt Namibias immer noch viele Auswanderer aus Deutschland an, die hier Hotels, Restaurants und Cafés betreiben. Denn Swakopmund gilt mit seinen rund 20.000 Einwohnern als sauber, ruhig und vor allem sicher. Wir befinden uns zeitlich betrachtet gerade Anfang Juni 1998. Auf der Südhalbkugel beginnt gerade der Winter. Die Tage werden kürzer, die Abende kühler. Vom Atlantik zieht regelmäßig ein feuchter Wind durch die Straßen Swakopmunds. Hier am Meer hat es tagsüber noch angenehme 22 Grad. Nachts kühlt es aber extrem ab. Temperaturen um die 5 Grad und tiefer sind durchaus möglich. Zu dieser Zeit geschieht in der afrikanischen Vorzeigestadt ein Verbrechen, das die Leute bis heute beschäftigt und ein jahrzehntelanges juristisches Nachspiel haben wird. In Swakopmund tragen viele Straßen noch einen deutschen Namen. Vor allem in älteren Stadtvierteln wie dem wohlhabenden Kramersdorf. Hier in der Brückenstraße leben 1998 Thomas und Monika. Die beiden Deutschen sind fünf Jahre zuvor, im Jahr 1993, nach Namibia ausgewandert. Thomas ist gelernter Tischler, hat in Deutschland aber zuletzt als Koch gearbeitet. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Monika will er sich eine neue Existenz in dem afrikanischen Land aufbauen. Idealerweise wieder in der Gastronomie. Thomas arbeitet zunächst in einem Restaurant in der Gegend. 1994 heiraten die beiden. Noch im selben Jahr kommt ihre Tochter Jacqueline auf die Welt. Rund zwei Jahre später komplettiert Sohn Marcel die Familie. Vater Thomas ist 32 Jahre alt. Auf Fotos wirkt er leicht jungenhaft mit einem verschmitzten Blick. Er hat kurze braune Haare, eine etwas breitere Nase und ein leicht rundliches Gesicht. Bekannte beschreiben ihn als freundlich und umgänglich. Er ist oft gemeinsam mit seiner Frau und seinen Kindern bei Veranstaltungen in Swakopmund zu sehen. Eine Nachbarin erinnert sich an den fürsorglichen Vater, der immer eines seiner Kinder auf dem Arm hat. Seine Frau Monika ist zwei Jahre jünger, 30 Jahre alt und hat schulterlange blonde Haare mit einem Pony. Monika ist Hausfrau und kümmert sich um die beiden Kinder. In ihrem Umfeld gilt sie als warmherzig, freundlich und eine engagierte Mutter. Sie hat sich mittlerweile gut in Namibia eingelebt und pflegt ein reges Sozialleben. Nach außen hin wirkt alles so, als wären sie eine heile Familie. Doch hinter den Wänden des schönen Einfamilienhauses in der Brückenstraße 87 ist die Realität eine ganz andere. Thomas gelingt es nicht so richtig, in Swarkop und Fuß zu fassen. Immer wieder wechselt er den Job und muss sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten. Er findet einfach keine dauerhafte Anstellung. Sein Traum von einem glücklichen Leben in der Wahlheimat Namibia bröckelt nach den fünf Jahren, die sie hier nun schon leben. Das wirkt sich auch auf die Ehe von Thomas und Monika aus. Die Stimmung im Haus der Familie ist zunehmend angespannt. Immer wieder gibt es Streit. Auch die finanziellen Sorgen führen zu heftigen Diskussionen. Monika wirft ihrem Ehemann vor, die Familie nicht ernähren zu können. Gegenüber ihren Kindern versuchen sie, die heile Welt noch aufrecht zu erhalten, wie sich ihre Tochter Jacqueline später in einem Interview erinnern wird. Doch zu diesem Zeitpunkt schlafen die beiden Eltern bereits in getrennten Zimmern. Im Frühjahr 1998 erreicht die Familie dann der nächste Schock. Thomas bekommt eine Nachricht, die die Familie gerade alles andere als gebrauchen kann. Denn die namibischen Behörden werden sein Aufenthalts- und Arbeitsvisum nicht verlängern. Das bedeutet, dass Thomas Namibia verlassen muss. Doch anstatt sich um ein klärendes Gespräch zu bemühen oder seine Chancen auszuloten, trifft der 32-Jährige eine Entscheidung. Er bestellt einen Überseekontainer und beginnt, den gesamten Hausstand zu verpacken. Für ihn steht fest, dass die Familie zurück nach Deutschland geht. Doch das sieht Monika ganz anders. Sie weigert sich. Sie will Swakopmund nicht verlassen, sondern mit den Kindern in Namibia bleiben. Sie möchte sich hier eine Zukunft aufbauen. Wie die vielen Streitigkeiten und die getrennten Schlafzimmer schon vermuten lassen, ist es mit der Liebe zwischen den beiden zu dieser Zeit bereits vorbei. Monika macht Thomas klar, dass wenn er das Land verlässt, er alleine gehen muss. Wie oft die beiden diese Diskussion geführt haben, darüber ist leider nichts bekannt. Nur wenige Wochen, nachdem Thomas erfahren hat, dass er Namibia verlassen muss, macht sich eine Frau namens Petra auf den Weg zum Haus der Familie. Petra ist eine gute Freundin von Monika. Es ist frühe Abend an diesem Mittwoch, dem 3. Juni 1998. Ein kalter Wind fegt durch die Straßen von Zwarkopmund. Nachdem die Sonne untergegangen ist, hat es sich schnell auf 12 Grad abgekühlt. Petra zieht ihre Jacke leicht fröstelnd um sich, als sie die Brückenstraße entlang läuft. Sie klingelt an der Tür des Einfamilienhauses mit der Nummer 87. Es dauert etwas, bis sie schwere Schritte hinter der Tür hört. Thomas öffnet und lugt durch den Spalt. Er mustert Petra skeptisch. Petra fragt ihn, ob sie mit Monika sprechen könnte. Sie hat Monika schon den ganzen Tag über nicht gesehen, was eher ungewöhnlich ist. Denn die beiden sehen sich fast täglich in der Nachbarschaft. Thomas schweigt kurz. Dann berichtet er mit ruhiger Stimme, dass es mal wieder einen Streit gegeben habe. Daraufhin sei Monika nach Kapstadt, also nach Südafrika, abgehauen. Sie habe zugegeben, eine Affäre zu haben und wolle dort ein neues Leben beginnen. Noch während Thomas spricht, steigt in Petra ein beklemmendes Gefühl auf. Sie ist sich sicher, dass an seiner Geschichte etwas ganz und gar nicht stimmt. Sie kennt doch ihre Freundin Monika. Die fürsorgliche Mutter würde ihre zwei kleinen Kinder niemals einfach so zurücklassen und ohne ein Wort des Abschieds verschwinden. Immerhin liegt Kapstadt nicht gerade um die Ecke, sondern gute 1800 Kilometer von Swakopmund entfernt. Und wieso hätte ihr Monika nicht von einer neuen Geheimliebe erzählt? Schließlich ist es ja kein Geheimnis, dass Thomas und Monika schon länger nicht mehr das Bett miteinander teilen. Petra und Monika kennen sich außerdem doch gut. Sie sind Freundinnen, treffen sich regelmäßig und haben Vertrauen zueinander. Wenn so etwas Entscheidendes in Monikas Leben passiert wäre, hätte sie Petra davon erzählt, oder? Da ist sich die 55-Jährige ganz sicher. An der Tür abgewiesen und in Gedanken versunken, läuft Petra nach Hause, ohne zu ahnen, welches Grauen sich hinter der Tür des Hauses verbirgt. Petra ist übrigens nicht die Einzige, der Thomas diese Geschichte erzählt. Noch am selben Tag spricht er auch mit Nachbarinnen und Bekannten. Überall erzählt er das Gleiche. Monika sei nach einem Streit weggelaufen. Sie sei nach Kapstadt gefahren, zu einem anderen Mann. Auch seinen zwei und vier Jahre alten Kindern erzählt er, dass ihre Mutter ganz plötzlich verreist sei. Währenddessen bereitet Thomas seine Rückkehr nach Deutschland unbeirrt weiter vor. Er belädt den Überseekontainer, der im Garten steht, mit Möbeln und persönlichen Sachen der Familie. Sein Plan steht fest. Er will mit den beiden Kindern zurück nach Deutschland. Der Flug geht schon am Samstagmorgen von der 360 Kilometer entfernten namibischen Hauptstadt Windhoek aus. Das ist schon in drei Tagen. Nach ihrem Gespräch mit Thomas an der Haustür lässt Petra das seltsame Gefühl einfach nicht los, dass Monika irgendwas Schreckliches zugestoßen sein muss. Anders kann sie sich das nicht erklären. Sie glaubt nicht daran, dass ihre Freundin Hals über Kopf nach Südafrika abgehauen ist, ohne ihr irgendwas davon zu sagen. Am nächsten Morgen, Donnerstag, dem 4. Juni, beschließt Petra daher, zur Polizei zu gehen. Nicht um wilde Theorien zu verbreiten, sondern weil sie ihre Freundin kennt. Und sie ist sich sicher, dass sich Monika, wenn sie abgehauen wäre, doch längst bei ihr gemeldet hätte. Petra geht also zur Polizei in Swakopmund und sie bleibt hartnäckig, bis ihr jemand zuhört. Eine namibische Zeitung berichtet, sie hätte angeblich zwei Tage lang sowohl die Polizei als auch die deutsche Botschaft gedrängt, Maßnahmen zu ergreifen. Die namibische Polizei nimmt die Hinweise von Petra Ernst und bildet eine Sonderkommission. Einer der bekanntesten Ermittler des Landes wird auf das Verschwinden von Monika angesetzt. Ein Mann namens Nelius. Und sein Ruf eilt ihm voraus. Es genügt alleine die Warnung, Nelius ist an deinem Fall dran, um flüchtige Straftäterinnen und Straftäter in die entlegensten Winkel Namibias zu treiben, um einer Festnahme zu entgehen. Doch Nelius und sein Team stecken in einer Zwickmühle. Denn bereits in zwei Tagen wird Thomas das Land verlassen. Und damit wird der Einzige, der weiß, wo Monika sein könnte, schon bald nicht mehr erreichbar sein. Denn was die Polizei stutzig macht, ist die Tatsache, dass der Frachtcontainer nach Monikas Verschwinden fertig gepackt und nach Walvis Bay zur Verschiffung gebracht wird. Wieso haut eine Mutter spurlos ab, während der Rest der Familie kurz vor der geplanten Ausreise nach Deutschland steht? Das passt nicht zu dem Bild von Monika, das Petra der Polizei geschildert hat. Nelius ist klar, dass er die Abreise unbedingt hinauszögern muss, bis sie herausfinden, was mit Monika passiert ist. Zunächst überwachen sie Thomas verdeckt. Und Nelius wird dabei schnell klar, dass der deutsche Koch weg will. Und zwar schnell weg. Doch erst einmal kommen Nelius und sein Team nicht weiter. Bis ihnen der Zufall zu Hilfe kommt. Denn die Polizei bekommt einen Tipp. Es heißt, dass sich in dem Container, den Thomas beladen hat, möglicherweise noch lebende Schildkröten befinden könnten. Diese seien zuvor im Haus der Familie gesehen worden. Dieser Anfangsverdacht reicht für eine Durchsuchung des Containers aus. Anders als bei einer Hausdurchsuchung braucht es für die Kontrolle von Exportfracht am Hafen keinen richterlichen Durchsuchungsbeschluss. Denn Container, die für den internationalen Versand bestimmt sind, unterliegen ohnehin routinemäßigen Zollkontrollen. Zollbehörden dürfen ohne besonderen Anlass stichprobenartig öffnen und kontrollieren. Das ist auch hier in Deutschland so. Thomas' Container steht mittlerweile im Hafen in Walrus Bay, bereit zur Verschiffung. Die sogenannte Walfischbucht liegt nur 30 Minuten mit dem Auto von Swakopmund entfernt. Nilius informiert die Polizei vor Ort. Endlich haben sie einen Vorwand, der es ihnen erlaubt, sich den Container mal näher anzuschauen. Denn nach dem namibischen Recht sind Wildtiere, die außer Landes gebracht werden sollen, meldepflichtig. Lebende, geschützte Tiere in einem Container zu haben, und das ohne Ausfuhrgenehmigung, ist illegal. und somit eine Straftat. Als die Beamten vor Ort den Container öffnen, finden sie auch tatsächlich zehn lebende Schildkröten. Aber sie finden nicht nur die. Im Container befinden sich außerdem noch nicht genehmigte Zebra und Springbockhäute. Damit hat die Polizei einen Grund, Thomas endlich festzunehmen. Eine noch gründlichere Untersuchung des Containers fördert später außerdem noch heute von Löwen, Leoparden und Schlangen zutage. Dazu kommen Straußeneier, verschiedene Hornarten und eine Menge Halbedelsteine. Nelius erklärt gegenüber der Presse, dass ein Teil der gefundenen Gegenstände nicht auf der erteilten Ausfuhrgenehmigung aufgeführt sind. Damit ist die gesamte Genehmigung ungültig. Und da der unerlaubte Besitz von Wildprodukten in Namibia strafbar ist, liefert das der Polizei einen formellen Haftgrund für Thomas' Festnahme. So haben sie erstmal Zeit gewonnen, da Thomas das Land nicht verlassen kann. Zumindest fürs Erste. Drei Tage nach Monikas Verschwinden, am Freitag, dem 5. Juni, wird Thomas verhaftet. Über den Ort und Zeitpunkt der Verhaftung sind sich die Quellen nicht ganz einig. Die einen schreiben, er sei gegen Mittag vor der deutschen Botschaft in der namibischen Hauptstadt Windhoek verhaftet worden. Andere sagen, er sei gerade mit seinen beiden Kindern auf dem Weg zum Hosea-Kotaku-Flughafen in Windhoek gewesen. Das entspricht auch der späteren Schilderung von Tochter Jacqueline. In einem Interview erzählt sie, die Familie habe zuvor ihren Patenonkel in Windhoek besucht. Die Koffer für die Rückreise nach Deutschland seien bereits gepackt gewesen. Plötzlich seien zahlreiche Polizisten aufgetaucht und hätten ihren Vater mitgenommen. Die Kinder hätten zurückbleiben müssen. Es sei das letzte Mal gewesen, dass sie ihren Vater gesehen habe. Nun hat Nelius zwar einen Verdächtigen festgenommen, aber noch keine Beweise, geschweige denn eine Leiche. Die Ermittelnden haben den starken Verdacht, dass Thomas weiß, was mit Monika passiert ist. Er ist der Ehemann und damit oft einer der Ersten, der verdächtigt wird. Aber das allein reicht natürlich nicht aus. Wenn sie nichts weiter finden, nichts Belastbares gegen ihn, dann ist Thomas früher oder später weg. Weit entfernt zurück in Deutschland. Nelius und sein Team konzentrieren sich auf Thomas' Vernehmung. Noch haben sie nichts Konkretes in der Hand, um ihn mit dem Verschwinden von Monika in Verbindung zu bringen. Ein Tag nach der Verhaftung klingelt um kurz nach 9 Uhr plötzlich Nelius' Handy. Als er den Anruf annimmt, hört er erst einmal nur schluchzen. Eine zitternde Stimme stammelt etwas in den Hörer. Erst jetzt erkennt er, wer da am anderen Ende der Leitung ist. Petra, Monikas Freundin. Immer wieder muss sie ihre Erzählung unterbrechen. Petra erklärt Nelius, sie sei zusammen mit ihrem Freund nochmal in Monikas und Thomas' Haus zurückgegangen, um nach möglichen weiteren Hinweisen auf Monikas Verbleib zu suchen. Im Dachgeschoss hätten sie dann eine furchtbare Entdeckung gemacht. Während sie spricht, wird Nelius immer blasser im Gesicht. Das, was Petra ihm da gerade berichtet, lässt dem Polizisten den kalten Schweiß den Rücken hinunterrinnen. So etwas hat selbst der erfahrene Ermittler noch nie zuvor gehört. Gemeinsam mit seinen Kollegen fährt Nelius zum Haus in der Brückenstraße. Petra und ihr Freund warten bereits davor. Sie weist ihm und seinem Team den Weg. Als Nelius die Treppen nach oben steigt, knarzen die Stufen unter seinen Füßen. Ein seltsames Gefühl befällt ihn. Er ist sich unsicher, ob er das, wovon Petra ihm am Telefon berichtet hat, wirklich mit eigenen Augen sehen will. Petra öffnet die Dachbodenluke und weist Nelius mit zitternden Fingern nach oben. Nelius erklimmt die Treppe. Über ihm befindet sich ein Hohlraum unter dem Dach. Dunkelbraune Latten durchziehen wie eine Art Gerüst den nüchternen Raum. Die Wände sind aus grauem Ziegelstein gemauert und nicht verputzt. Die Luft ist etwas muffig, was wahrscheinlich an der Wärme unter dem Dach liegt. Direkt unter dem Gebälk, in einer Ecke, erspäht Nelius eine rote Plastikwanne. Eine Wanne, wie man sie früher für die Wäsche benutzt. Zögerlich nähert er sich ihr. Er streckt die Hände aus und zieht sie zu sich heran. Dem Ermittler reicht nur ein Blick, um festzustellen, was er da sieht. Rippen, ein Hüftknochen. Mittendrin etwas, das aussieht wie ein Schädel. Es scheint sich um menschliche Knochen zu handeln. An der Oberfläche sehen sie teilweise schwarz verkohlt aus. Könnte es sich hierbei um die Überreste von Monika handeln? Nelius ist sich jetzt sicher, das hier ist ein Tatort. Er ruft daher die Spurensicherung dazu. Während die Forensiker anschließend die Knochen genauer unter die Lupe nehmen, durchsuchen die Ermittler das gesamte Haus. In der Küche entdecken sie auf dem Boden einen großen Kochtopf. Im Inneren hat sich der Edelstahl verfärbt. Wie ein Ölfilm schimmert die Oberfläche in schmutzigen Blau-, Gold- und Regenbogentönen. Das ist die sogenannte Anlassfarbe. Farbe. Metall, das unter extremer, anhaltender Hitzeeinwirkung buchstäblich seine Struktur verändert hat. Routinemäßig durchsucht Nelius auch den Müll. Der steht verteilt in mehreren Müllsäcken und kleineren Haufen auf dem Hof. In einem Haufen entdecken die Ermittler ein Slip und ein zerrissenes Pyjama-Oberteil. Gehört das Monika? Auf der Suche nach weiteren Spuren nimmt sich Nelius die Müllsäcke vor. Einen nach dem anderen. Der Ermittler kämpft sich durch Lebensmittelreste, Joghurtbecher und Eierschalen. Plötzlich spürt er etwas Scharfes. Erschrocken zieht er seine Hand zurück. Er kann keine Verletzung erkennen. Vorsichtig steckt er seine Hand erneut in den Sack und tastet nach dem Schafen etwas. Behutsam zieht er es heraus. Es handelt sich um das Metallsägeblatt einer kleinen Handsäge. Es ist gebrochen. Nelius erkennt daran Reste von Blut. In ihm keimt damit ein Grauen voller Verdacht auf. Denn eine Sache hat den leitenden Ermittler schon zuvor stutzig gemacht. Das Haus der Familie ist nämlich picobello sauber. Fast schon chemisch sauber. So als hätte hier jemand mehr als gründlich geputzt. Es stellt sich die Frage, ob Thomas möglicherweise versucht hat, irgendwelche Spuren zu verwischen. Noch immer können die Ermittler keinen Hinweis darauf finden, was genau mit Monika passiert sein könnte. Die Knochen, die sie auf dem Dachboden gefunden haben, werden zu dieser Zeit noch forensisch untersucht. In einer Dokumentation eines namibischen Fernsehsenders erinnert sich Nelius, dass dieser Fall wohl der damals landesweit erste ist, bei dem sie bei der Tatortuntersuchung Luminol einsetzen. Luminol ist eine chemische Substanz, die mit Eisen im Blut reagiert und dabei bläulich leuchtet. Damit lassen sich auch schon geringste Mengen von Blut nachweisen. Und tatsächlich eröffnet sich Nelius und seinem Team nun ein komplett anderes Bild. Ein grauenhaftes Bild. Das Luminol zeigt, was sich scheinbar wirklich im Haus der Familie abgespielt haben muss. Aufnahmen des Tatorts zeigen die Badewanne im Hauptbadezimmer des Hauses. Die eigentlich weiße Wanne leuchtet nun tiefblau. Die umliegenden grauen Wände ebenfalls. Auch die Fugen zwischen den Bodenfliesen sind mit Blut durchtränkt. In der Dusche zeigt sich nach dem Einsatz des Luminols ein blutiger Handabdruck neben der Duscharmatur. Sechs blutige Abdrücke eines nackten menschlichen Fußes führen vom Badezimmer zum Hauptschlafzimmer. Größe 44 bis 45. Hier schlafen zur Zeit von Monikas Verschwinden Thomas und der zweijährige Sohn Marcel. Der Teppich im Flur scheint ebenfalls frisch gewaschen zu sein. Er ist noch leicht feucht. Auch ihn besprühen die Forensiker mit Luminol. Es sieht ganz danach aus, als wäre auf dem Teppich eine blutgetränkte Lösung aufgetragen worden. Das könnte beispielsweise Wasser vermischt mit Blut gewesen sein. Auch ein Schrank im Flur ist voller Blut. Thomas und Monika haben ja schon lange vor ihrem Verschwinden in getrennten Schlafzimmern geschlafen, wie ihr bereits wisst. In Monikas Schlafzimmer offenbart das Luminol-Blutspritzer an den Wänden. Weitere Blutspuren ziehen sich über den Boden bis hin zum angrenzenden Wohnzimmer. In Helios Kopf setzen sich die Puzzlestücke langsam Stück für Stück zusammen. Gemeinsam mit den Forensikern untersucht er auch die Küche des Hauses mithilfe von Luminol. Und auch hier finden sich zahlreiche Blutspuren an Töpfen, Messern, einem Pfannenwender aus Holz, an zwei Schlagstöcken und einer Art Fleischerhammer. Ein großköpfiger Hammer, der um die 2,5 Kilogramm wiegt. Am Ende ist für Nelius ziemlich klar, was mit Monika passiert sein muss. Thomas muss seine Frau am 2. Juni im eigenen Haus angegriffen haben. Es gibt keine Hinweise, die auf einen Kampf hindeuten. Die Polizei geht davon aus, dass Monika im Schlaf überrascht wurde. Thomas muss mit einem stumpfen, harten Gegenstand mindestens zweimal auf sie eingeschlagen haben. Darauf deuten die Brüche an dem zertrümmerten Schädel hin. Was danach geschieht, ist wirklich schwer in Worte zu fassen und nichts für schwache Nerven. Überspringt deswegen jetzt ungefähr 30 Sekunden, falls ihr keine expliziten Beschreibungen hören möchtet. Der gelernte Koch hat den Körper seiner Frau vermutlich danach im Badezimmer zerteilt. Wie sich später herausstellt, hat er die Weichteile und die inneren Organe ins Meer geworfen. Anschließend hat er die einzelnen Teile in einem großen Topf in der Küche gekocht, bis sich die restlichen Gewebereste von den Knochen gelöst haben. Die übrig gebliebenen Knochen hat Thomas im Backofen gebacken, um sie zu trocknen. Das ist nicht gerade das Verhalten eines Mannes, der die Kontrolle verloren hat, sondern das genaue Gegenteil. Es scheint kein Mord aus einem Affekt heraus gewesen zu sein, sondern eine womöglich gut geplante Tat. Thomas ist ja gelernter Koch. Er weiß, wie er einen Körper zerlegen muss und wie er ihn haltbar macht, um den Leichengeruch zu verhindern. Das, was er tut, ist stundenlange Arbeit, kein hektisches Spurenverwischen. Nicht nur die Ermittler fragen sich, wie kaltblütig man sein muss, um den Körper der eigenen Ehefrau so zu zerstückeln. Vor allem, wenn die eigenen Kinder im Haus sind. Denn die Ermittler gehen davon aus, dass Jacqueline und Marcel zum Tatzeitpunkt auch zu Hause waren. Ob und was sie mitbekommen haben, darüber gibt es allerdings keine Aussagen. Und noch ein weiteres Detail könnte für eine geplante Tat sprechen. Das erwähnt eine deutsche Online-Zeitung, die die Tochter Jacqueline 24 Jahre nach der Tat interviewt. Angeblich kauft Thomas' Mutter 1998 drei Flugtickets von Namibia nach Deutschland. Das ist das Jahr, in dem Thomas wieder zurück nach Deutschland wollte. Sie bucht Rückflüge für ihren Sohn und die beiden Enkelkinder. Für Monika ist kein Ticket vorgesehen. Werbung. Werbung Ende. Zum Zeitpunkt der Hausdurchsuchung sitzt Thomas bereits in Haft, weil ihm der illegale Handel mit Wildtierprodukten vorgeworfen wird. Ihr erinnert euch, da wurde ja eine ganze Menge in seinem Container gefunden. Am 8. Juni 1998, sechs Tage nach Monikas angeblichen Verschwinden, erscheint Thomas vor Gericht. Er wird nun auch des Mordes angeklagt, denn die Knochen, die auf dem Dachboden des Hauses der Familie gefunden wurden, können eindeutig Monika zugeordnet werden. Die 30-jährige Mutter ist also nicht mit einem neuen Liebhaber abgehauen, sondern wurde ermordet. Der Fall schlägt große Wellen im sonst so beschaulichen Swakopmund. Das Einsetzen ist groß. Die Zeitung The Namibian, eine der wichtigsten Medien des Landes, prägt in diesen Tagen einen Begriff, der hängen bleibt. Der Swakopmund-Butcher, der Fleischer von Swakopmund. Eine sprachliche Anspielung darauf, was der Koch mit dem Leichnam seiner Frau gemacht hat. Der Begriff ist hart, aber er bringt den öffentlichen Schock auf den Punkt. Zwei Wochen nach Thomas' Festnahme, am 19. Juni 1998, findet ein Protestmarsch in Swakopmund Richtung Amtsgericht statt. Hier ist für heute sein zweiter Gerichtstermin angesetzt. Hunderte von Frauen haben sich an diesem Freitag von der Arbeit und den Hausarbeiten freigenommen. Sie wollen ein Zeichen setzen und die Aufmerksamkeit der gesamten namibischen Nation auf die anhaltende Gewalt gegen Frauen lenken. Denn der Fall trifft einen Nerv. Namibia steckt 1998 mitten in einer Debatte über den unzureichenden rechtlichen Schutz von Frauen vor häuslicher und sexualisierter Gewalt. Polizeidaten zeigen, dass fast ein Viertel aller registrierten Gewaltverbrechen sich im häuslichen Umfeld ereignet. In 86% der Fälle sind die Opfer Frauen. Die schwarz gekleideten Frauen tragen flackernde, weiße Kerzen. Sie singen, während sie laufen, uralte afrikanische Hymnen. Schnell werden es immer mehr. Zu Beginn sind es noch 300 Teilnehmerinnen. Nach einer halben Stunde hat sich die Zahl schon verdoppelt. Als der Zug am Amtsgericht ankommt, wo Thomas gleich wegen des Mordes an Monika vor Gericht erscheinen soll, haben sich bereits 800 Menschen versammelt. Der Verkehr ist mittlerweile zum Erliegen gekommen. Die Straßen von Swakopmund sind von Schaulustigen und Unterstützenden gesäumt. Viele von ihnen haben sich zu diesem Anlass ebenfalls schwarz gekleidet. Weiße und Schwarze marschieren hier Seite an Seite. Es ist ein starkes Zeichen der Solidarität für ein Land, das vor kurzem noch unter der Apartheid gelitten hat. Den Abschluss des Zuges bildet Monikas beste Freundin Petra. Mit langsamem Schritt folgt sie den Frauen Richtung Gericht. Dabei kämpft sie immer wieder mit den Tränen. Ihrer Hartnäckigkeit ist es überhaupt erst zu verdanken, dass Thomas nun hier und heute vor dem Gericht stehen wird. Petra überkommt eine Gänsehaut angesichts des starken Mitgefühls und der Unterstützung der vielen Frauen um sie herum. Sie äußert sich zudem in einem Zeitungsinterview und sagt, sich gegenseitig zu helfen ist das Beste, was wir tun können. Auf Transparenten sind die Forderungen der Frauen zu lesen. Zum Beispiel, keine Kaution, er soll im Gefängnis leiden, schützt die Unschuldigen. Oder, etwas präziser auf Monika bezogen, ein Topf ist zum Kochen da, nicht für Menschen. Während die Demonstrantinnen eine Schweigeminute für Monika im benachbarten Amphitheater einlegen, erscheint parallel Thomas im Gerichtssaal. Er trägt denselben schwarzen Trainingsanzug wie bei seinem ersten Gerichtstermin vor zwei Wochen. Sein Haar ist deutlich kürzer geschnitten und sein Bart gestutzt. Er wirkt ruhig und blickt geradeaus. Fast schon ein bisschen feierlich. Der kleine Gerichtssaal in Swakopmund ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Amtsrichter erscheint im Saal und verließ die Anklage. Neben den Hauptanklagepunkten Mord, Störung der Totenruhe und versuchte Vereitelung oder Behinderung der Rechtspflege ist Thomas noch in sechs weiteren Punkten angeklagt. Diese beziehen sich auf seinen mutmaßlichen Versuch, geschützte Wildprodukte ohne die erforderliche Genehmigung sowie Mineralien im Wert von rund 337.000 namibischen Dollar auszuführen. Das sind damals umgerechnet um die 54.000 Euro. Ein Dolmetscher übersetzt die Anschuldigung von Englisch auf Deutsch. Als er fertig ist, hebt Thomas kurz den Blick. Mit klarer Stimme erklärt er dem Amtsrichter, er bekenne sich des Mordes an Monika für nicht schuldig. Daraufhin ist im vollen Gerichtssaal ein erstauntes Aufkeuchen zu hören. Die Abgebrühtheit von Thomas entsetzt alle Anwesenden. Einige schreien auf, andere rufen wüste Beschimpfungen, während Thomas durch die Hintertür des Gerichtssaal hinausgeführt und zurück auf die Polizeiwache gebracht wird. Thomas bleibt bis zu seinem Verfahren in Untersuchungshaft und kommt nicht auf Kaution frei. Am 24. November 1999 beginnt der Mordprozess gegen Thomas vor dem High Court in Windhoek. Der Gerichtspräsident heißt Pio und führt den Vorsitz. Unter den neuen Anklagepunkten sind einige der grausamsten Vorwürfe, die in der jüngeren Geschichte vor einem namibischen Gericht gegen eine Person erhoben werden. Am zweiten Prozestag erläutert der Direktor des National Forensic Science Institute im Zeugenstand die forensische Beweislager. Die gefundenen Spuren am Hause der Familie umfassen das Blut überall, der Zustand des gereinigten Teppichs, das gefundene Metallsägeblatt aus dem Müll. Und er berichtet über den Pullover, den die Polizei im Container in Walrus Bay entdeckt, wie ihr euch vielleicht noch aus dem Intro erinnert. Während des ganzen Prozesses schweigt Thomas. Und er zeigt auch keinerlei Reue. Auf die Frage einer namibischen Zeitung hin, warum er nicht zu seiner Verteidigung gesagt hat, antwortet er, ob er denn den Zeugen hätte sagen sollen, dass sie lügen. Das Ganze wäre ohnehin nur ein Theaterstück gewesen, so Thomas. Auch wenn die Ermittler die eigentliche Tatwaffe nicht zu 100% identifizieren können, ist die Beweislast gegen Thomas erdrückend. Aufgrund seines geplanten Umzugs nach Deutschland hat er alle Werkzeuge verkauft. Die Polizei ermittelt zwar die Käufer und holt alles wieder zurück, kann aber keine belastbaren Spuren mehr daran finden. Das Gericht geht von einem Hammer aus, mit dem Thomas seine Frau zu Tode geprügelt haben soll. Am 2. Dezember, nach nur acht Tagen, wird Thomas schuldig gesprochen. Drei Wochen später verkündet der Gerichtspräsident das Strafmaß. Das Obergericht in Windhug ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Menschen stecken ihre Köpfe zusammen und tuscheln. Die Spannung, mit der das Urteil erwartet wird, ist greifbar. Als der Gerichtspräsident den Saal betritt, wird es ganz still. Alle sehen ihn gespannt an. Der Gerichtspräsident blickt Thomas an und leitet die Verkündung des Strafmaßes mit folgenden Worten ein. Die Bosheit ihrer Tat ist so erschütternd, dass ich gezwungen bin, mein richterliches Ermessen zugunsten des Antrags der Staatsanwaltschaft auszuüben. Sie auf Lebenszeit aus der Gesellschaft zu entfernen, denn lebenslange Haft ist unter den Umständen ihres Falls die einzig angemessene Strafe. Thomas zeigt äußerlich keine Regung, als er zu lebenslanger Haft verurteilt wird. Was zu diesem Zeitpunkt in Namibia tatsächlich formal Haft bis zum Lebensende bedeutet. Der Gerichtspräsident verbindet sein Urteil mit einer Empfehlung. Thomas solle nämlich niemals freigelassen werden. Eine vorzeitige Freilassung solle nur unter außergewöhnlichen Umständen in Betracht gezogen werden. Und eine Mindestverbüßungszeit von 15 Jahren müsse in jedem Fall eingehalten werden. Das Gericht geht davon aus, dass Thomas seine Frau Monika ermordet hat, weil er nicht bekommen hat, was er wollte. Thomas habe Angst gehabt, seine Frau würde die beiden Kinder nicht allein mit ihm nach Deutschland gehen lassen, obwohl er Namibia ja verlassen muss. Wie der Ermittler Nelius später in einer Doku erzählt, hat die Polizei auch niemals Beweise für eine mögliche Affäre Monikas mit einem anderen Mann gefunden. Ein Affektmord aus Eifersucht komme deswegen nicht in Frage. In seinen abschließenden Worten erwähnt der Gerichtspräsident, Zitat, Ihre bekundete Liebe zu ihren Kindern führte dazu, dass sie sie für den Rest ihres Lebens der Liebe und Zuneigung ihrer Mutter beraubten. Ich kann mich nur fragen, wie sie ihnen als Erwachsenen erklären wollen, was sie ihrer Mutter angetan haben. Damit könnte der Fall hier zu Ende sein. Aber leider ist das Gegenteil der Fall. Tatsächlich beginnt erst jetzt der Teil, der diesen Mord zu einem Präzedenzfall in der namibischen Justiz macht. Dafür müssen wir einen kurzen Blick auf die Geschichte des Strafvollzugsgesetzes in Namibia werfen. Zu der Zeit der Tat, also 1998, gilt in Namibia ein altes Strafvollzugsgesetz aus dem Jahr 1959. Laut diesem Gesetz können verurteilte Straftäter mit lebenslanger Haft schon nach zehn Jahren eine mögliche Bewährung prüfen lassen und haben damit die Chance auf eine vorzeitige Entlassung. Am 15. August 1999, vier Monate vor Thomas' Verurteilung, tritt ein neues Gesetz in Kraft. Darin ist allerdings keine Bewährungsregelung festgehalten. Eine Gesetzeslücke, wie sie später herausstellt. Erst 13 Jahre später, im Jahr 2012, schließt der Correctional Service Act diese Lücke. Das Gesetz tritt dann wiederum erst zwei Jahre später, also 2014, in Kraft. Laut diesem müssen lebenslang Verurteilte nun mindestens 25 Jahre absitzen, bevor für sie eine Haftentlassung in Frage kommt. Ende November 2013, nach knapp 14 Jahren in Haft, reicht Thomas beim Obergericht in Windhug ein Eilantrag auf Entlassung auf Bewährung ein. Es ist der Beginn eines juristischen Marathons, der durch alle Instanzen der namibischen Justiz führt. Die eidesstattliche Erklärung, die er darin abgibt, erteilt dem Fall plötzlich eine neue Dimension. Bisher hat Thomas immer wieder seine Unschuld beteuert. Jahrelang. Doch jetzt kommt das Unglaubliche. In dem Schreiben gibt er zum ersten Mal zu, den Mord an Monika tatsächlich begangen zu haben. Darin steht, Zitat, Es war schlicht eine Schwäche des Augenblicks, die mich dazu brachte, eines der grauenhaftesten Verbrechen zu begehen, das diese Nation je gesehen hat. Und dafür werde ich für immer in der Schuld stehen und Reue empfinden. Noch unglaublicher ist, dass das Geständnis 15 Jahre nach dem Mord an Monika in den Medien nicht einmal mehr groß kommentiert wird. Es scheint, als hätte sowieso niemand an die Unschuld von Thomas geglaubt und es scheint auch niemanden zu überraschen, dass Thomas tatsächlich der Täter ist. Der mittlerweile 46-jährige Thomas behauptet, er sei nun ein hingebungsvoller Christ geworden. Er sei bereit, ein produktives Mitglied der Gesellschaft zu werden und Verantwortung für seine Taten zu übernehmen. Thomas wittert hier seine Chance. In seinen Augen hat zur Tatzeit das alte Gesetz aus den 50er Jahren gegolten. Das wäre für ihn milder und er könnte bereits jetzt die Chance auf eine frühzeitige Entlassung bekommen. Doch der namibische Staat entscheidet sich im Dezember 2013 dagegen und lehnt ab. Das neue Gesetz gilt für alle, die eine lebenslange Haftstrafe verbüßen. Auch für die, die vor 2012 verurteilt wurden. Drei Monate später, im März 2014, reicht Thomas gemeinsam mit 25 anderen Häftlingen, die mit ihm im Gefängnis in Windhoek sitzen, eine Klage beim Obergericht ein. Sie fordern, zu prüfen, ob das neue Gesetz wirklich rückwirkend für alle gelten kann. Der Fall landet schließlich beim Supreme Court. Das höchste Gericht des Landes beschäftigt sich nun mit ihrer Forderung und beantwortet die Frage im August 2016 mit Ja. Das heißt für Thomas, dass er mindestens 25 Jahre seiner Strafe absitzen muss. Vor 2024 kommt eine Entlassung für ihn also nicht in Frage. 2020, vier Jahre später, probiert es Thomas noch einmal. Der mittlerweile 54-Jährige beantragt die gesetzliche Mindesthaftzeit von 25 Jahren um ein Drittel zu verkürzen. Er argumentiert, er würde seine Haftstrafe nach dem alten Strafvollzugsgesetz von 1959 verbüßen. Sein Antrag wird zwei Jahre später aber abgelehnt. 2021 wendet sich seine Mutter Margret in einem handschriftlichen Brief an das Obergericht. Darin bittet die 86-Jährige um die Freilassung ihres Sohnes. Seine Kinder würden sich nach ihrem Vater sehen und hätten ihm seine Tat schon lange vergeben. Auch sein Sohn Marcel, der mittlerweile 25 Jahre alt ist, schließt sich dieser Forderung an und bittet in einem weiteren Brief um die Freilassung seines Vaters. Darin heißt es, wir haben ihm vergeben für das, was er getan hat, und wir bitten sie, dasselbe zu tun. Wir wollen einfach unseren Vater zurückbekommen. Marcel und Thomas seien beide gelernte Tischler und planen gemeinsam, ein Unternehmen zu gründen, sobald Thomas nach Deutschland zurückkehren kann. So bezeugen es auch Freunde von Thomas, die alle für seinen guten Charakter und seine Eignung für eine Entlassung bürgen. Insgesamt 13 Briefe soll das Gericht erhalten haben. Marcel hat seinen Vater 2018 einmal in Haft besucht. Thomas' Tochter Jacqueline sieht das jedoch ganz anders. In einem Interview bittet sie, ein Jahr später darum, ihren Vater auf keinen Fall aus der Haft zu entlassen. Er habe so etwas Grauenvollers getan. Dabei nennt Jacqueline ihren Vater während des gesamten Interviews nicht beim Namen. Für sie ist Thomas einfach nur er oder Marcels Vater. Mittlerweile hat Jacqueline selbst eine Tochter. Über ihren leiblichen Vater hat sie ihr nie etwas erzählt. Für das Mädchen sind Monikas Schwester und deren Ehemann die Großeltern. nicht Thomas. Thomas selbst gibt nicht auf. 2023 reicht er erneut eine Klage ein. Dieses Mal hat er sich eine neue Argumentation überlegt. Er werde als deutscher Staatsbürger diskriminiert. Wäre er Namibier, würde er nach den 25 Jahren Haft die Chance auf Resozialisation bekommen. Als Ausländer würde er aber nach Deutschland abgeschoben. Das sei eine Ungleichbehandlung, sagt er. Das Obergericht weist die Klage im April 2024 ab. Thomas geht daraufhin in Berufung und damit landet sein Fall bereits zum zweiten Mal vor dem höchsten Gericht des Landes. Am 31. März 2025 fällt die letzte Klappe in diesem Justizmarathon. Drei Richter weisen seine Berufung ab. Nebenbei stellen sie fest, dass Thomas im Dezember 2024 ohnehin 25 Jahre seiner Haftstrafe verbüßt hat und nun eine Bewährung nach den ganz normalen Regeln des geltenden Gesetzes prüfen lassen kann. Ob bereits eine Entscheidung gefallen ist, ob Thomas eine Bewährung bekommt und nach Deutschland abgeschoben wird, dazu gibt es leider keine gesicherten öffentlichen Quellen. Der Mord an Monika geht in die Geschichte von Namibia ein. Er gilt bis heute als einer der größten Kriminalfälle des Landes. In der deutschen und internationalen Presse bleibt der Mord an Monika trotz der grausamen Details eher eine Randnotiz. Thomas hat an diesem Tag im Juni 1998 nicht nur Monikas Leben ausgelöscht, sondern auch das seiner beiden Kinder für immer verändert. Nach seiner Verhaftung werden Jacqueline und Marcel in Begleitung einer Erzieherin zurück nach Frankfurt am Main gebracht. Nachdem es zunächst Streitigkeiten darüber gibt, wer das Sorgerecht bekommt, kommen die beiden zunächst in eine Pflegefamilie. Später ziehen sie zu Monikas Schwester und wachsen bei ihrer Tante und ihrem Onkel auf. Erst im Teenageralter erfahren sie, was wirklich mit ihrer Mutter passiert ist. Ihre Tante klärt sie über die genauen Todesumstände ihrer Mutter auf. Heute haben die beiden Geschwister den Kontakt untereinander abgebrochen. Die 32-jährige Jacqueline fühlt sich von ihrem 30-jährigen Bruder unter Druck gesetzt, weil sie eine Haftentlassung des Vaters ablehnt. Mehrfach schreibt Thomas seiner Tochter Briefe aus der Haft. Kein hat sie jemals beantwortet. In einem Interview sagt Jacqueline, seine Schuld sei noch lange nicht getilgt. Fast drei Jahrzehnte sind vergangen, seitdem Monika an diesem schicksalhaften Abend ermordet worden ist. Thomas' Angst, sie lasse die beiden Kinder nicht mit ihm zurück nach Deutschland, hat zu ihrem Tod geführt. Ein aufkommender Sorgerechtstreit, den man definitiv hätte anders lösen können. Oder, wie es der Gerichtspräsident Pio bei der Urteilsverkündung 1999 auf den Punkt bringt, er sagt, Dies war ein selbstsüchtiger und sinnloser Mord. Er war absolut unnötig. Es hätte andere mögliche zivilrechtliche Lösungen für die Sorgerechtsfrage der Kinder gegeben, als die extreme Handlung, zu der sie gegriffen haben. So, und bevor wir jetzt in die Diskussion einsteigen, erstmal vielen lieben Dank, Sabrina. Du hast uns den Fall per E-Mail vorgeschlagen, die lesen wir nämlich auch. Vielen, vielen lieben Dank an der Stelle. Und um in die Diskussion einzusteigen, würde ich einfach mal mit einem Zitat starten. Und das haben wir euch vorhin schon erzählt, nämlich, das ist der Moment gewesen, als Thomas sich geläutert gegeben hat, würde ich mal sagen, und gesagt hat, es war schlicht eine Schwäche des Augenblicks, die mich dazu brachte, eines der grauenhaftesten Verbrechen zu begehen, das diese Nation je gesehen hat, und dafür werde ich für immer in der Schuld stehen und Reue empfinden. Und ich finde, das ist so, so krass an den Haaren herbeigezogen. Es war schlicht eine Schwäche des Augenblicks. Schwäche des Augenblicks heißt für mich nicht, dass du, wenn deine Kinder zu Hause sind. Deine Ehefrau kochst, zerstückelst und dann später noch im Gerichtssaal sagst, dass du unschuldig seist und jede Möglichkeit des Gesetzes oder der Gesetzeslücken versuchst auszunutzen, um irgendwie wieder freizukommen. Nein, so ein Scheiß wirklich. Und vor allem, das hat er ja erst Jahre später gesagt. Das hat er ja nicht nach der Tat oder während des Prozesses, sondern wirklich erst so, so viel später zugegeben oder sich so geäußert. So ein Bullshit. Also wie kann man sowas auch noch sagen mit dem Wissen, dass das ja die eigenen Kinder auch hören, was man da von sich gibt. Diese Tat ist von vorne bis hinten einfach so brutal. Nicht umsonst haben wir ja gesagt, dass ihr ein bisschen vorspringen sollt, wenn ihr das im Detail nicht hören möchtet. Und wir haben auch überlegt, ob wir das so detailliert überhaupt wiedergeben sollen, weil manche Sachen muss man fast ein bisschen abschwächen, um sie hier erzählen zu können. Aber für den Fall war das eben wichtig, wichtig zu verstehen, was er Grausames im Detail gemacht hat. Deswegen haben wir es eben hier in der Folge erzählt. Aber sich dann hinzustellen und sowas von sich zu geben, das ist also, ich finde, das ist nochmal am Ende so das I-Tüpfelchen auf der Grausamkeit, die er da, ja. Durchgeführt hat. Ja, definitiv und es geht ja sogar noch weiter. Also nachdem er den Kindern die Mutter genommen hat, spaltet er die Kinder ja auch noch. Und ich meine, also Jacqueline ist ja noch immer verständlicherweise ihm sehr, sehr schlecht gegenüber eingestellt. Die beiden Kinder jeweils, Marcel und Jacqueline, haben den Kontakt untereinander sogar abgebrochen. Und ich könnte mir vorstellen, dass klar, als Kind blickst du hinauf auf die Eltern. Du willst oftmals einfach, sie sind irgendwie so dein Vorbild. Und da kann ich irgendwo verstehen, dass dann Marcel sagt, so nein, er ist nicht so schlimm. Ich habe ihn ganz anders kennengelernt. Aber aus meiner Sicht lässt er sich da halt einfach einlullen von seinem Vater und auch manipulieren einfach irgendwo. Und da tut es mir noch mehr leid einfach, dass nachdem er den beiden Kindern die Mutter genommen hat, er dann auch noch dafür gesorgt hat, aus meiner Sicht, dass da ein Keil zwischen den beiden Kindern getrieben worden ist. Ist schon krass, dass er seinen Vater verziehen hat, oder? Ja. Also ich kann mich gar nicht in deren Lage reinversetzen, wie sich das anfühlt. Ich weiß auch gar nicht, ob das daran liegt, dass die beiden so jung waren, dass sie es nicht richtig mitbekommen haben. Jacqueline ist ja ein bisschen älter, aber wenn sie, sage ich mal. 15, 16, also wenn sie volljährig, sage ich mal, wenn sie 18 gewesen wären, ob sie das dann halt ganz anders bewertet hätten, vielleicht auch noch auf lange Zeit so. Ja, das wird sicherlich eine Rolle gespielt haben, dass er gar nicht so viel mitbekommen hat, dass er viel zu jung dafür war. Das kann, glaube ich, in die eine Richtung dann führen oder wie bei ihm in die andere, dass er seinem Vater eher verzeihen konnte, aber das finde ich super, super krass mit dem Wissen. Ja, den Fakt, dass er ja einfach keine Mutter hat und ohne Mutter aufgewachsen ist, dass man trotzdem sagt, nein, ich verzeihe ihm, ich mache sogar ein eigenes Business mit meinem Vater oder habe das vor. Das finde ich, ja, finde ich richtig krass. Und ich finde es auch in diesem Fall hier, voll interessant, dass eigentlich ja ein kleines Detail dazu geführt hat, dass Thomas letztendlich nicht nach Deutschland abhauen konnte, nämlich diese Schildkröten. Die waren ja letztendlich der Grund, die lebenden Schildkröten im Container, dass die Polizei einen Grund hatte, ihn erst mal zurückzuhalten. Also hätte es die nicht gegeben, ist die Frage, wie schnell hätten sie irgendwie agieren können und etwas finden können. Oder wäre Thomas in der Zwischenzeit schon längst mit diesem Container und den Kindern nach Deutschland gefahren und dann wäre ja alles viel, viel schwieriger geworden. Also, dass dieses Detail mit diesen zehn Schildkröten eigentlich dafür verantwortlich war, dass man ihn verhaften konnte, Das ist doch auch irgendwie, ja, ein Riesenzufall hier in der Geschichte in diesem Fall. Ja, dass man ihn erstmal festhalten konnte und auch weiter untersuchen konnte, wo dann sich. Monikas Freundin Petra gedacht hat, ja gut, dann ermittle ich jetzt einfach mal auf eigene Faust, gib mit ihrem Freund oder Mann, was das war, einfach nochmal in das Haus von Thomas und Monika und guckt sich das alles an und gibt denen dann ja auch nochmal den entscheidenden Hinweis. Chapeau an die Freundin, dass sie so drangeblieben ist und auf ihr Bauchgefühl gehört hat, dass sie wusste, irgendwas stimmt hier nicht, meine Freundin hätte sich gemeldet und dass sie das ernst genommen hat, dieses Gefühl, was sie in sich hatte. Das finde ich sehr bewundernswert, weil du gehst ja nicht davon aus, dass deine Freundin vom Ehemann ermordet wurde. Das ist ja kein alltägliches Szenario, aber dass sie gesagt hat, nee, hier stimmt was nicht, ich gehe dem Ganzen jetzt auf den Grund, das finde ich wirklich richtig toll. Und was ich auch toll finde, und ihr wisst, bei der Personalakte machen wir immer einen harten Cut, weil das super schwierig ist, vom Fall und von unseren Gedanken da jetzt einen tollen Übergang zum Privaten zu finden. Deswegen, es ist der harte Cut mit der Personalakte. Was ich auch toll finde, ist, dass wir diese Woche alle mal wieder zusammenkommen und ein kleines schwarze Akte-Team-Treffen machen. Das wird richtig toll. Yes, alle heißt, nicht nur wir bei der Anne, sondern wirklich das ganze Team, die Redakteurinnen im Hintergrund, Produzenten. Ich freue mich schon sehr besonders, weil es ist ja nicht nur der allgemeine Austausch zum Podcast, sondern es geht für uns ja auch noch in einen Escape Room. Ja, wir lernen natürlich noch ein bisschen was voneinander, übereinander und haben da so einen Workshop geplant, nenne ich es jetzt mal. Austausch, Wissensaustausch. Und danach gehen wir in einen Escape Room und noch was Leckeres zusammen essen. Das wird ein richtig toller Tag. Da freue ich mich drauf und wir werden bestimmt auch die ein oder andere Impression auf Instagram teilen im Weekly Recap. Und Stichwort Recap, vielen, vielen Dank für eure ganzen Nachrichten und Likes und Herzchen zu meinem Schwangerschafts-Announcement. Ich habe das natürlich alles mit ganz viel Freude und ganz viel Emotion gelesen, dafür wollte ich mich einmal an der Stelle bedanken. Das war ja ganz süß. Da eure Nachrichten und Kommentare zu lesen. Also vielen Dank dafür. Und dann möchte ich jetzt hier zum Abschluss der Folge noch wissen, Patrick, was steht bei dir die Woche noch so an außer Teamtreffen? Hast du noch irgendwas Cooles geplant oder so? Also tatsächlich ist Teamtreffen mein Highlight die Woche. Ich werde einfach ganz normal... Sachen vorbereiten, erledigen für den Podcast, für die Streams. Ich habe jetzt noch so ein paar andere kleinere Projekte, von denen ich aber erstmal noch nicht so tief, glaube ich, was erzähle. Aber deswegen Teamtreffen ist mein Highlight. Das habe ich mir auch schon riesig fett in meinem Kalender reingeschrieben. Und du hast ja aber auch sonst noch was vor, ne? Ja, ich bin kurz vor unserem Teamtreffen nochmal beruflich in München für Podcastaufnahmen und gewiefte Zuhörer wissen, was das bedeutet, was ich da vielleicht wieder aufnehmen könnte. Da freue ich mich auch schon sehr drauf. Und ich würde sagen, dann bereiten wir uns jetzt mal auf unseren Team-Tag vor. Und dann freuen wir uns, wenn ihr nächste Woche Dienstag hier wieder am Start seid, wenn es eine neue Folge der Schwarzen Akte gibt. Wir sind eure Hosts Anne Lippmann und Patrick Strohbusch. Redaktion Stefanie Eisenlauer und wir Schnitt Anne Luckmann, Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios Besonderer Dank geht an Falco Schulte.