Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Im April 2010 bekommt Kathy etwas, das ihr ganzes Leben verändern wird. Sie bekommt einen Brief. Ihre gemütliche Küche im US-amerikanischen Massachusetts ist eigentlich kein Ort, an dem sie mit einer Katastrophe rechnet. Kathy ist Anfang 50 und lebt schon lange hier, weit weg von Virginia, New Orleans, und dem Mädchen, das sie dort einmal gewesen ist. Sie hat sich mittlerweile ein anderes Leben aufgebaut. Ein Leben mit einem Job, einem liebenden Ehemann und Routine. Ein ganz normales Leben. Bis zu diesem Brief. Er steckt in keinem besonders auffälligen Umschlag und sieht von außen nicht danach aus, als würde er gleich Kathys Schicksal besiegeln. Es ist einfach nur gewöhnliche Post. Aber für einen Moment muss sich Kathys Welt angefühlt haben, als würde sie komplett stillstehen. Denn auf dem Absender steht die Adresse einer Sozialbehörde, die mit Adoption zu tun hat. Und es gibt einen Grund, warum so ein Brief sie nach all den Jahren erreichen könnte. Alexis. So hatte Kathy ihr Baby genannt, bevor sie es zur Adoption freigegeben hat. Benannt nach der Schauspielerin Alexis Smith. Ein schöner Name, der nach jemandem klingt, der es einmal gut haben soll. Besser jedenfalls, als Kathy es selbst hatte. Mehr als 30 Jahre lang weiß Kathy nicht, was aus ihrer Tochter geworden ist. Sie stellt sich vor, dass Alexis vielleicht an einem Haus mit Garten aufgewachsen ist. Mit Eltern, die morgens Pancakes machen und abends gefragt haben, wie es in der Schule war. Vielleicht ist aus ihr eine genauso taffe junge Frau geworden, wie Kathy es selbst ist. Eine junge Erwachsene, die sich jetzt entscheidet, ihre leibliche Mutter zu suchen. Daran denkt Kathy, als sie besagten Brief im April 2010 öffnet. Doch schon nach den ersten Zeilen verändert sich alles. In dem Schreiben steht nichts von einem Kontakt zu Alexis. Es geht um ihr spurloses Verschwinden. Ein Sozialarbeiter schreibt, dass Kathys Tochter schon seit über 20 Jahren vermisst wird. Sie ist 1989 aus dem Haus ihrer Adoptiveltern verschwunden, mit gerade mal 14 Jahren. Die Polizei geht jetzt aber einer neuen Spur nach. Denn neben einem Maisfeld wurde eine tote Frau gefunden. Und jetzt braucht man Kathys DNA, um zu prüfen, ob diese Tote ihre Tochter sein könnte. Kathy liest den Brief wieder und wieder, aber mehr steht da nicht. Keine Namen der Adoptiveltern oder die genaue Stadt, in der es passiert ist. Keine Erklärung, wie ein Kind verschwinden kann und die leibliche Mutter 21 Jahre lang nichts davon erfährt. Nur diese wenigen Informationen, die so schwer wiegen wie Steine. Kathy gibt also die DNA-Probe ab. Aber einfach still abwarten kann sie nicht. Nicht nach diesem Brief. Nicht nach 21 verlorenen Jahren. Also setzt sich Kathy an den Computer. Sie hat nur diesen Brief, der ihr ganzes Leben verändert hat. Und eine Frage. Was ist mit Alexis passiert? Schwarze Akte Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit Anne Luckmann und mit Patrick Strohbosch. Hallo! Um zu verstehen, warum dieser Brief Kathy so aus der Bahn wirft, müssen wir zurück in die USA der frühen 70er Jahre. Das ist eine Zeit ohne Internet. Mit Telefon, die an der Wand hängen und Telefonzellen, in denen man erst Kleingeld aus der Hosentasche kramen muss. Werbung, Werbung Ende Im Radio laufen Songs von Carole King, Elton John und den Rolling Stones. Die Leute auf der Straße sind in Schlaghosen mit langen Haaren und bunten Ketten unterwegs. In den Städten protestieren damals Tausende gegen den Vietnamkrieg, während in Familien trotzdem oft noch klare konservative Regeln gelten. Der Vater verdient das Geld, die Mutter hält den Haushalt zusammen und die Kinder sitzen mit geradem Rücken am Abendbrottisch. Gerade für junge Mädchen ist diese Welt oft beengt und eingeschränkt. Über vieles wird einfach nicht gesprochen. Zum Beispiel über das, was hinter geschlossenen Türen passiert. Wer Probleme macht, gilt schnell selbst als Problem. Das wird in unserem Fall noch wichtig. Und wenn ein Kind aus einer Familie verschwindet, dann gibt es keine Suchposts auf Social Media oder riesige Datenbanken. In genau dieser Zeit wächst Kathy in Virginia auf. Kathy stammt aus einer Familie, in der sehr viel los ist. Sie hat noch fünf weitere Geschwister und ihre Mutter wechselnde Partner. Kathys Stiefvater ist beim Militär, bei der Navy und deswegen oft für längere Zeit nicht zu Hause. Der Armeedienst bedeutet auch, dass die Familie immer wieder umziehen muss. Bevor Kathy in die siebte Klasse kommt, ist sie schon siebenmal umgezogen. Für Kathy heißt das, sich immer wieder auf neue Schulen und neue Kinder einzustellen, die sie nicht kennen. Kaum ist Kathy irgendwo angekommen, zieht die Familie auch schon wieder weiter. Gleichzeitig ist ihre Mutter mit den sechs Kindern oft überfordert. Zu Hause erlebt Kathy laut einem Sternartikel Gewalt. Und niemand fängt sie wirklich auf oder schaut mal genauer hin, wenn etwas nicht stimmt. Und es stimmt schon sehr früh vieles nicht. Im Sternartikel steht, dass Kathy mit zehn Jahren von einem Bekannten der Familie missbraucht wird. Mit zwölf wird sie vergewaltigt. Und in Kathys Umfeld wird darüber nicht so gesprochen, wie man das hoffentlich heute tun würde. In vielen Familien der 70er Jahre bleiben solche Geschehnisse eher hinter verschlossenen Türen. Hinter denen will Kathy aber nicht bleiben. 1972 ist sie 14 Jahre alt und hält es zu Hause einfach nicht mehr aus. Sie geht einfach, ohne gepackten Koffer oder Geld. Sie trammt erst in Richtung Tennessee und landet schließlich an einer Busstation in Memphis, fast 1500 Kilometer von zu Hause entfernt. Eine Entfernung so weit, dass man locker von Hamburg bis nach Rom fahren könnte. In Memphis trifft sie einen Reisenden, der ihr von New Orleans und Mardi Gras erzählt, der berühmte Karneval in der Stadt mit Straßenfesten, Paraden und Partys. Von einer Stadt, in der alles bunter und schöner sein muss, als das Leben, aus dem Kathy gerade erst geflohen ist. Deshalb fährt sie direkt dorthin. In der Stadt gibt es damals viele junge Leute und Ausreißer, die auf der Straße leben. Man teilt Schlafplätze, Essen und Kontakte. So lernt Kathy einen jungen Mann namens Randy kennen. Randy ist 19 und kommt aus Los Angeles. Auch er ist abgehauen und nach New Orleans getrampt. Die beiden verbringen sehr viel Zeit miteinander, ziehen zusammen durch die Stadt und gehen auf Partys. Kathy ist damals also 14 und Randy 5 Jahre älter. Heute würde man bei dem Altersunterschied und Kathys Situation bestimmt sofort hellhörig werden. Aber damals war es anders. Nur wenige Monate später, im Dezember 1972, reisen Kathy und Randy nach South Carolina. Nur aus einem Grund. Denn dort können Minderjährige mit Zustimmung der Eltern heiraten. Beide bekommen diese Zustimmung. In den Quellen heißt es, dass Kathys Mutter mehr oder weniger froh zu sein scheint, dass sie jetzt nicht mehr offiziell für ihre Tochter verantwortlich ist. Die tritt jetzt mit Randy vor den Altar. Kathy ist also mit 14 schon verheiratet. Sie ist eigentlich noch ein Kind, aber jetzt offiziell eine Ehefrau. Und nicht einmal ein Jahr später ist sie schwanger. Am 23. Juni 1974 bringt Kathy ihre Tochter zur Welt. Da ist sie 16 Jahre alt. Sie nennt das Baby Alexis und kümmert sich aufopferungsvoll um ihre kleine Tochter. Sie arbeitet, versorgt ihr Kind und versucht irgendwie über die Runden zu kommen. Randy scheint diese Verantwortung nicht so ernst zu nehmen. Er interessiert sich eher für Partys. Als Alexis ungefähr fünf Monate alt ist, kommt Kathy eines Tages von der Arbeit nach Hause und erwischt Randy mit einer anderen Frau auf der Couch. Die kleine Alexis ist da gerade im Nebenzimmer, ganz allein, ohne Windel und weint. Das ist für Kathy der Punkt, an dem sie ihre Sachen zusammenpackt und geht. Sie schnappt sich die kleine Alexis und fährt zurück nach Virginia, zurück zu ihrer eigenen Mutter. Wahrscheinlich, weil sie mit 16 und einem kleinen Baby nicht viele andere Möglichkeiten hat. Aber zu Hause erwartet sie keine freudestrahlende Mutter, die sich über die Rückkehr ihrer Tochter und Enkelin freut. Ihre Mutter erwartet von Kathy, dass sie sich jetzt auch um die jüngeren Geschwister kümmert. Kathy und Alexis kommen also in ein chaotisches Haus zurück, in dem es bereits viele Probleme gibt. Und die kleine Alexis ist dort schon bald ein weiteres Problem. Ihre Mutter macht Kathy immer wieder klar, dass Kathy als Mutter überfordert sei. Und die zweifelt schon genug. Kathy will ihre Tochter behalten, aber bekommt zu Hause kaum Unterstützung. In der Netflix-Doku Into the Fire beteuert Kathy, dass sie ihr Baby nie weggeben wollte. Aber ihre Mutter redet immer wieder auf sie ein. Sie sagt Kathy, dass sie das nicht schaffen könne und Alexis woanders bessere Chancen hätte. Dass eine Adoption das Beste für das Kind wäre. Und irgendwann glaubt Kathy das, weil ihr immer wieder eingeredet wird, dass sie ihrer Tochter ein besseres Leben ermöglichen kann, wenn sie sie weg gibt. Kathys Mutter kümmert sich schließlich um die Adoptionsformalitäten. Kathy wird gesagt, dass die mittlerweile neun Monate alte Alexis über katholische Stellen in eine gute Familie kommen wird. Es ist eine geschlossene Adoption. Das heißt, Kathy erfährt nicht, wo Alexis lebt und wer ihre Tochter aufzieht. Nach der Adoption hält es Kathy auch nicht mehr lange zu Hause aus und zieht wieder aus. Sie besucht anschließend eine Schule und wird Krankenschwester. Dann lernt sie ihren späteren Mann Eddie kennen und zieht zu ihm nach Massachusetts. Die beiden heiraten, aber Kathy wird nicht nochmal ein Kind bekommen. Jahrelang weiß sie nicht, wie und wo Alexis aufwächst. Aber sie stellt es sich vor. Kathy hofft, dass Alexis in einer guten Familie untergebracht ist. Das Magazin People schreibt über ihre Fantasie, in der Alexis das beste Leben überhaupt hat. Aber dann, mehr als 30 Jahre später, kommt im April 2010 dieser Brief, von dem wir ja schon im Intro erzählt haben. Kathy erfährt nicht, wie gehofft, dass ihre mittlerweile erwachsene Tochter sie sucht. Sie erfährt, dass Alexis seit 1989 vermisst wird. Seit mehr als 20 Jahren. Wir fassen nochmal kurz den Brief zusammen. Es geht in dem Schreiben vor allem darum, dass die Polizei Kathys DNA braucht. Denn es gibt eine tote, unbekannte Frau. Und man möchte prüfen, ob es sich dabei um Kathys Tochter handeln könnte. Kathy gibt dann ja die DNA-Probe ab und macht sich selbst auf die Suche. Sie hat das Geburtsdatum ihrer Tochter und weiß, dass Alexis im Jahr 1989 verschwunden ist. Sie weiß, dass sie damals 14 Jahre alt war. Also sucht sie nach vermissten Mädchen, durchforstet Datenbanken und Polizeiseiten. Und irgendwann findet sie einen Eintrag über ein Mädchen aus Michigan. Dort gibt es ein Foto von einem Teenager-Mädchen mit grünen Augen, dunklem Haar und einem leicht schiefen Lächeln. Das Geburtsdatum passt und auch alle anderen Daten stimmen mit Alexis überein. Der Name auf der Seite lautet aber nicht Alexis. Das verschwundene Mädchen heißt Andrea. Sie lebt aber nicht in Virginia und auch nicht in der Nähe von Kathy. Alexis bzw. Andrea wächst in Michigan auf, über 1000 Kilometer weit weg. In der Vermisstenmeldung steht, dass das Mädchen ausgerissen ist. Genauso wie Kathy selbst im Alter von 14. Das ist jedenfalls die Version, die 1989 bei der Polizei landet. Aber je mehr Kathy bei der Suche über ihre Tochter erfährt, desto mehr stellt sich eine andere Frage. Ist Andrea wirklich weggelaufen? Wir nennen sie ab jetzt auch weiter Andrea, weil das der Name ist, unter dem sie in Michigan aufwächst. Für Kathy bleibt sie natürlich Alexis. Andrea wächst nicht irgendwo in einem anonymen Kinderheim auf, sondern bei Brenda und Dennis. Ein Ehepaar, das schon länger versucht, eine eigene Familie zu gründen. Brenda und Dennis kennen sich schon seit der Highschool. Dennis, der auch Danny genannt wird, war damals Brandas erster richtiger Freund. Nach dem Abschluss geht er zur Navy. 1971 heiraten die beiden und leben erst eine Zeit lang in San Diego, weil Dennis dort stationiert ist. Danach ziehen sie nach Norfolk in Virginia. Und die beiden wünschen sich Kinder. Aber Brenda wird leider einfach nicht schwanger. Also entscheiden sich die beiden für eine Adoption. Das dauert allerdings mehrere Jahre. Aber schließlich gibt es 1975 dann ein kleines Mädchen, das ungefähr zehn Monate alt ist. Die kleine Alexis. In ihrer neuen Familie bekommt das Kind ja einen neuen Namen, Andrea. Für ihre leibliche Mutter Kathy klingt das Jahrzehnte später wahrscheinlich wie das Leben für ihre Tochter, das man ihr damals versprochen hat. Bei einem Ehepaar, das lange und sehnsüchtigst auf ein Kind gewartet hat und sich gut kümmert. Brenda und Dennis ziehen mit der kleinen Andrea nach Michigan, genauer gesagt nach Hamilton, eine kleine Gemeinde in der Nähe von Holland. Holland selbst hat ungefähr 30.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Hamilton ist nochmal deutlich kleiner. Es ist eine ruhige Kleinstadt mit einer Tankstelle, einer Schule, einem Lebensmittelladen, aber dafür gleich mehreren Kirchen. Brenda und Dennis gehen auch jeden Sonntag mit Andrea in die Kirche. Beide unterrichten sogar in der Sonntagsschule. Nach außen hin sind sie also eine ganz normale christliche Familie. Das ist die Welt, in der Andrea aufwächst. Sie ist gern unter Leuten. Das erzählen ihre Freundinnen später Journalisten. Andrea ist extrovertiert, lustig und jemand, der gern lacht, tanzt und versucht, andere glücklich zu machen. Sie hört gerne Musik, zum Beispiel von Cyndi Lauper und Madonna. Und sie ist eine großartige große Schwester. Denn ganz überraschend wird Brenda doch noch schwanger. 1987 kommt die kleine Vanessa auf die Welt. Andrea ist da ungefähr 13 Jahre alt und sie ist total vernaht an ihre kleine Schwester. Sie wird fast so etwas wie ein drittes Elternteil. Sie wechselt Windeln und passt auf ihre kleine Schwester auf. Sie hat sogar ein Foto der kleinen Vanessa in ihrer Schulmappe dabei. Trotzdem gibt es im Haus der vierköpfigen Familie immer mehr Streit. Laut ihrem Vater Dennis kippt bei Andrea mit 12 oder 13 Jahren eine Art Schalter um. Sie würde die Eltern belügen, stehlen, sogar Drogen nehmen und immer mal wieder von zu Hause ausreißen. Brenda und Dennis schicken Andrea sogar zur Therapie. Dennis bezeichnet Andrea als schwieriges Mädchen. Und dann, am Samstag, dem 11. März 1989, verschwindet die 14-jährige Andrea plötzlich spurlos. Es ist ein ganz normaler Tag, als Dennis von der Arbeit in einem Sägewerk nach Hause kommt. Ihm fällt sofort auf, dass die Haustür nicht abgeschlossen ist. Das ist merkwürdig. Er tritt ein und ruft nach Andrea, aber niemand antwortet. Er geht also die Treppe ins obere Stockwerk hinauf, wo sich die Schlafzimmer befinden. Und da sieht er es. Die Tür zum Elternschlafzimmer ist aufgebrochen. Im Haus fehlen eine kleine Reisetasche und Geld, das Dennis in seiner Kommode versteckt hatte. Mindestens 100 US-Dollar. Später ist von 150 die Rede. Auch Kleingeld aus dem Sparschwein des Babys und Andreas lilafarbene Jacke sind weg. Für Dennis sieht die Sache angeblich klar aus. Andrea sei abgehauen. Daraufhin ruft er die Polizei. Als die Beamten eintreffen, macht Dennis folgende Aussage. Seine Tochter sei eine schwierige Teenagerin und adaptiert. Deswegen habe es zuletzt auch immer wieder Streitigkeiten gegeben. Und Andrea sei schon einmal weggelaufen. Diese Aussage ist wichtig, denn damit wird ihr Verschwinden von Anfang an nicht wie eine Entführung oder ein Verbrechen behandelt. Die Polizei gibt den Fall ans Jugendamt weiter. Andrea gilt offiziell als Ausreißerin. Und sogar als mutmaßliche Diebin. Wegen des angeblich gestohlenen Geldes gibt es nämlich einen Haftbefehl gegen sie. Für ihre leibliche Mutter Kathy, die erst 21 Jahre später davon erfährt, muss das schwer auszuhalten sein. Denn sie kennt dieses Wort. Ausreißerin. Sie war ja selbst eine. In Michigan scheint die Version von Andreas Verschwinden für viele halbwegs plausibel zu sein. Vielleicht hat es Andrea einfach nicht mehr zu Hause ausgehalten. Vielleicht ist sie auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter oder mit einem älteren Jungen durchgebrannt. Vielleicht hat sie ein neues Leben angefangen. Solche Gerüchte verbreiten sich in einer Kleinstadt schnell. Auch wenn alle denken, dass Andrea freiwillig abgehauen ist, wird in den ersten Tagen natürlich trotzdem nach ihr gesucht. Dennis fährt mit seiner Frau nachts durch die Gegend. Brenda meldet sich immer wieder bei der Polizei, gibt Hinweise weiter und berichtet von angeblichen Sichtungen. Ende März 1989, ein paar Wochen nach Andreas' Verschwinden, soll sie in einem Kiosk oder Supermarkt in der Nähe gesehen worden sein. Zwei Monate darauf mit einer Gruppe junger Männer. Im Oktober habe sie in einer Schlange eines Kaufhauses gestanden. Die Polizei geht all diesen Hinweisen nach, kann Andrea aber nicht finden. Und wenn man genauer hinschaut, ist eine Sache besonders merkwürdig. Andrea hat ihre kleine Schwester Vanessa ja so sehr geliebt. Andreas Freundinnen zweifeln deshalb, dass sie das Geschwisterchen einfach so zurückgelassen hätte. Aber in den Ermittlungen der Polizei passiert lange nicht viel. Die Spur wird langsam kalt und Andrea bleibt verschwunden. Anfang der 90er sieht die Suche nach vermissten Kindern auch ganz anders aus als heute. Fotos werden auf Flyer gedruckt, manchmal auf Milchkartons oder auf Pizzakartons. Andreas' Foto landet sogar in einem Musikvideo. 1993 veröffentlicht die Band Soul Asylum das Video zu Runaway Train. Darin werden Fotos und Namen vermisster Kinder aus den USA gezeigt. Das Video wird ein riesiger Erfolg. Und in der Version, die in Michigan läuft, ist auch Andreas' Bild zu sehen. Und auch wenn Millionen Menschen das Video sehen, meldet sich niemand mit dem entscheidenden Hinweis. Andreas' Adoptivmutter Brenda sucht nach ihren Spätschichten weiter nach ihr. Aber Dennis bittet sie irgendwann, damit aufzuhören. Schließlich sei zu Hause noch ein Baby. Und dann vergehen 20 Jahre. Für Kathy ist Andrea in all diesen Jahren noch immer Alexis. Ein Kind, von dem sie glaubt, es lebe irgendwo ein gutes Leben. Wo und wie ihre leibliche Tochter aufgewachsen ist, findet sie erst durch Recherchen im Internet heraus. Sie gründet dafür 2010 die Facebook-Seite Find Andrea. Aber sie hört nicht nur die offizielle Version, dass Andrea eine Ausreißerin ist. Es gibt auch andere Geschichten. Von Andreas Freundinnen, Klassenkameraden aus der Schule und Verwandten der Familie. Und in diesen Geschichten ist Andrea nicht einfach nur eine rebellische Teenagerin, die eines Tages abhaut. In diesen Geschichten scheint Andrea ein Mädchen zu sein, das Angst vor ihrem Zuhause hat. Einmal soll Andrea mit Blut am Handgelenk in den Bus gestiegen sein. Einige Kinder vermuten damals einen Suizidversuch. Andere glauben, Andreas Eltern haben sie ausgesperrt und sie habe sich beim Versuch, ins Haus zu kommen, verletzt. Es gibt aber noch andere schlimme Gerüchte, nämlich dass Brenda und Dennis Andrea schlecht behandelt haben sollen. Aber Ende der 80er Jahre wird so etwas in einer kleinen Gemeinde oft nicht weiterverfolgt. Was hinter geschlossenen Türen passiert, geht ja wie gesagt nur die Familie etwas an. Und während Kathy versucht, diese Gerüchte und Geschichten zu sortieren, ist noch jemand mit Andreas Fall beschäftigt. Ein Mann aus Kalifornien namens Carl. Carl ist kein Polizist, sondern arbeitet schon lange als Buchhalter. Bis er 2009 im Alter von 46 Jahren Vollzeitpfleger seiner Mutter wird. Durch die Pflege seiner Mutter verbringt er viel Zeit zu Hause am Computer. Karl interessiert sich besonders für Kriminal- und Vermisstenfälle. Dabei stößt er auf Websleuths, ein Internetforum, in dem sich Hobbyermittler über Court Cases austauschen. Menschen vergleichen dort unter anderem Vermisstenmeldungen, alte Zeitungsartikel, Polizeiinformationen und Daten zu Toten, die niemand identifizieren kann. Karl durchsucht auch so eine große amerikanische Datenbank für vermisste Personen und unbekannte Tote. Als Buchhalter sind Zahlen und Daten natürlich genau sein Ding. Er erstellt also eine Liste. Er vergleicht Alter, Größe, Haarfarbe, Augenfarbe, Fundort und Daten von unbekannten Toten. Dabei fällt ihm auf, dass viele so dargestellt werden, dass Angehörige sie kaum wiedererkennen können. Es gibt Post-Mortem-Fotos, manchmal nur Skizzen oder einfache Beschreibungen. Karl zeichnet gerne Porträts und irgendwann installiert er eine Bildbearbeitungssoftware und beginnt, Gesichtsrekonstruktionen zu erstellen. Er versucht, den Toten wieder ein Gesicht zu geben. Karl schickt seine Zeichnungen anschließend an die Datenbanken und postet sie bei WebSleuths. Irgendwann arbeitet er sogar mit echten Ermittlern zusammen. Einige Cold Cases kommen ebenfalls durch seine Arbeit voran. Und dann stößt Karl auf eine unbekannte Tote aus Wisconsin. 1999 wurde dort am Rand eines Maisfeldes eine Frau gefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie wahrscheinlich woanders gestorben ist und dort abgelegt wurde. Aber niemand weiß, wer sie ist. Die Details aus der Obduktion sind nur schwer zu ertragen. Die Frau wurde über lange Zeit schwer misshandelt. Es gibt alte Knochenbrüche, Verletzungen, Hinweise auf sexuelle Gewalt und ein sogenanntes Blumenkohlohr. Ein deformiertes Ohr, wie man es zum Beispiel von wiederholten Schlägen bekommt. Die Tote ist ungefähr zwischen 18 und 30 Jahre alt, hat haselnussbraune Augen, kurzes, rötlich-braunes Haar, ist etwa 1,72 groß und wiegt ungefähr 55 Kilogramm. Karl liest alles, was er über diese unbekannte Frau finden kann und vergleicht die Daten mit seiner Liste an vermissten Fällen. Einer der Namen, auf die er stößt, ist Andrea. Auf den ersten Blick passt einiges zusammen. Andrea ist 1989 verschwunden. 1999 wäre sie etwa 25 Jahre alt gewesen, also im Alter der unbekannten Toten. Andrea kommt aus Michigan. Die Tote wird in Wisconsin gefunden, direkt auf der anderen Seite des Lake Michigan. Mit dem Auto ist das zwar mehrere Stunden entfernt, aber nicht völlig abwegig. Carl schaut sich Andreas Foto genauer an, markiert Ähnlichkeiten, vergleicht Gesichtszüge und erstellt auch eine Zeichnung davon, wie Andrea als Erwachsene ausgesehen haben könnte. Dieses Bild könnt ihr euch über den Link in den Shownotes anschauen. Carl gibt seine Zeichnung und den Hinweis auf Andrea an die Polizei weiter. Um herauszufinden, ob die unbekannte Tote wirklich Andrea ist, brauchen die Ermittler eine DNA zum Abgleich. Und genau da kommt Kathy überhaupt erst ins Spiel. Die Ermittler finden sie über die Adoptionsstelle. Das ist ja der Brief, den sie im April 2010 bekommt. So lernen sie schließlich auch Kathy und Hobby-Ermittler Carl kennen. Denn Carl durchsucht das Internet und stößt dabei auf eine Seite, die Kathy für ihre Suche nach Andrea erstellt hat. Aus den ersten Nachrichten werden lange Telefonate. Kathy und Carl sprechen über Andrea, über den Fall und über die unbekannte Tote aus Wisconsin. Währenddessen warten sie immer noch auf das DNA-Ergebnis. Aber sowas kann Jahre dauern. Falls Andrea die unbekannte Tote aus dem Maisfeld ist, dann wäre sie nicht 1989 gestorben, als sie verschwunden ist, sondern erst zehn Jahre später. Dann hätte sie vielleicht tatsächlich eine Zeit lang irgendwo gelebt. 2013 kommt dann endlich das Ergebnis aus dem Labor. Unglaubliche drei lange Jahre, nachdem Kathy die Probe abgegeben hat. Aber die DNA stimmt nicht überein. Die unbekannte Tote aus dem Maisfeld in Wisconsin ist nicht Andrea. Für Kathy ist das erstmal eine Erleichterung. Allerdings ist es auch keine so richtig gute Nachricht, denn Kathy weiß dadurch immer noch nicht, wo Andrea ist. Später bekommt die unbekannte Frau aus Wisconsin auch ihren Namen zurück. Sie heißt Peggy. Peggy war eine junge Frau aus Illinois, die nach dem Tod ihrer Mutter praktisch alleine war. Sie griet an eine Frau namens Linda. Peggy hat in Lindas Haushalt gearbeitet und wurde dort schwer misshandelt. Erst viele Jahre später wird Peggy identifiziert und Linda wird schließlich wegen Mordes verurteilt. Aber für Kathy und Andrea bedeutet diese Identifizierung vor allem eins. Es sind zwei verschiedene Fälle. Die Frage, was am 11. März 1989 im Haus von Andreas Adoptivfamilie passiert ist, ist immer noch offen. Aber Kathy lernt über die Facebook-Seite immer mehr Menschen kennen und bekommt schließlich einen Hinweis von einem pensionierten Ermittler, der Andreas Fall bereits kennt. Ob er aktiv daran mitgearbeitet hat oder einfach nur interessehalber darüber informiert ist, ist leider nicht bekannt. Er sagt Kathy jedenfalls, dass im Fall von Anfang an nicht richtig ermittelt wurde. Und er sagt Kathy noch etwas anderes. Wenn sie wirklich wissen will, was mit Andrea passiert ist, sollte sie sich eine Person genauer ansehen. Und zwar Andreas Adoptivvater Dennis. Kathy kann natürlich nicht einfach nach Michigan fahren und irgendeine Familie beschuldigen. Aber sie sammelt weiter gezielt Informationen über Dennis, vor allem über Facebook. Da chattet sie mit einer Verwandten von Andrea, namens Sue. Sues Ehemann ist der Cousin von Brenda, Andrias Adoptivmutter. Und Sue erzählt Kathy, dass Andrea in der Familie oft runtergemacht worden sei. Sie erinnert sich auch an den Tag, an dem Andrea verschwunden ist. Brenda ruft sie nämlich damals an und erzählt ihr, dass Andrea weggelaufen sei. Aber nach Sues Erinnerung berichtet Brenda dann nicht direkt von gestohlenem Geld oder davon, dass Andrea eine Tasche gepackt hätte. Im Gegenteil. Sue erinnert sich, dass Brenda gesagt haben soll, Andrea habe nichts mitgenommen. Keine Tasche, kein Make-up, kein Geld. Nichts. Das klingt für Sue doch mehr als merkwürdig. Sue findet auch Dennis' Verhalten auffällig. Im Gespräch mit Netflix meint sie, dass sie mit Brenda nicht richtig darüber sprechen konnte, weil Dennis sonst ausgerastet wäre. Sogar Sue ruft die Polizei an, weil sie denkt, Dennis könnte etwas mit Andreas' Verschwinden zu tun haben. Aber auch daraus entsteht damals keine große neue Ermittlung. Und Sue ist nicht die Einzige, die Kathy solche Dinge über Dennis erzählt. Kathy trifft auch Andreas' Freundinnen aus der Schulzeit. Eine dieser Freundinnen schildert ein Abendessen bei der Adoptivfamilie. Die Erwachsenen, Brenda und Dennis, essen Hamburger. Andrea und ihre Freundin bekommen nur ein Rest des Sandwich. Als Andrea ihrer Freundin zuflüstert, dass sie nichts anderes essen darf, soll Dennis rübergekommen sein und sie geschlagen haben. So fest, dass Andrea fast vom Stuhl fällt. Brenda sitzt daneben und füttert einfach weiter seelenruhig das Baby. Das ist natürlich heftig, weil es zeigt, wie sich dieses Zuhause für Andrea angefühlt haben muss. Da sitzt eine Teenagerin am Tisch, daneben die Freundin, und alle sehen, was passiert. Aber niemand greift ein. Eine andere Freundin erinnert sich an einen Abend, an dem sie Andrea nach Hause begleitet. Andrea bittet ihre Freundin, nicht mit reinzukommen. Kurz darauf hört die Freundin Schreie. Sie sagt, sie habe gesehen, wie Andrea weglaufen wollte, aber Dennis habe sie am Fuß festgehalten. Später meint Andrea nur, sie sei verprügelt worden, weil sie zu spät nach Hause gekommen sei. Aber die Freundin glaubt ihr nicht. Also nicht, dass Andrea lügt, sondern sie glaube ihr den Grund nicht. Das klingt eher nach einer Erklärung, die Andrea benutzt, weil sie über das eigentliche Problem nicht sprechen kann. Und dann gibt es noch Jennifer. Jennifer ist ebenfalls eine alte Schulfreundin. Sie hat zusammen mit Andrea im Orchester gespielt. Andrea ist damals öfter bei Jennifer zu Besuch und vertraut sich ihrer Freundin an. Laut Jennifer erzählt Andrea, dass sie von ihrem Vater Dennis sexuell missbraucht werde. Am nächsten Tag gehen die Freundinnen zum Schuldirektor, um Hilfe zu holen. Eigentlich müsste das der Moment sein, in dem Erwachsene einschreiten. Aber das passiert nicht. Laut ihren Freundinnen werden Andreas Adoptiveltern in die Schule gerufen. Andrea soll im selben Raum mit ihnen darüber sprechen. Also mit den Menschen, vor denen sie offenbar solch eine große Angst hat. In dieser Situation sagt Andrea aber offenbar kein Wort mehr. Und das passiert nicht nur einmal. Andrea vertraut sich auch einer Mutter von Jungs an, mit denen sie befreundet ist. Die Frau rät ihr, mit dem Jugendpfarrer zu sprechen. Adoptivvater Dennis geht die Frau kurz darauf an, sie solle sich aus seinen Angelegenheiten raushalten. Und am Ende bleibt Andrea trotz allem in diesem Haus. Brenda und Dennis bestreiten all diese Vorwürfe später. Es gibt Aufzeichnungen von Polizeiverhören mit Brenda, in denen sie aussagt, sie habe Andrea das alles nicht geglaubt. Aus ihrer Sicht sei der Missbrauch eine Lüge. Laut Dennis hat Andrea solche Dinge nur gesagt, um ihren Willen zu bekommen. Je mehr Kathy über die Adoptivfamilie herausfindet, desto weniger glaubt sie an diese Ausreißer-Version aus der Vermissten-Meldung. Und sie ist nicht die einzige. Der Hobby-Detektiv Karl hilft ihr, alte Informationen von der Polizei zu bekommen. Sie beauftragen sogar einen Privatdetektiv. Der besorgt ihnen Einsicht in Andreas' Fallakte. Und darin findet sich ein entscheidender Hinweis. Schon ein paar Monate vor Andreas' Verschwinden hat die Polizei wegen Missbrauchsvorwürfen gegen die Adoptiveltern Brenda und Dennis ermittelt. Erhoben wurden diese Vorwürfe von Andrea selbst. In der Akte steht ganz unten, dass die Behörden die Anschuldigung aber als unhaltbar einstufen. Also, dass aus Sicht der Behörden nichts dran sei. Kathy und Carl wollen mehr über Dennis und seine Vergangenheit herausfinden. Vielleicht gibt es bei der Polizei ja auch eine Akte über ihn. Vielleicht sogar Vorstrafen oder alte Anzeigen. Und was Kathy da herausfindet, verändert den Fall komplett. Denn Dennis ist nicht nur der Adoptivvater eines verschwundenen Mädchens. Er ist ein Mann mit einer Vergangenheit, von der Kathy bis dahin keine Ahnung hatte. In den USA gibt es den Freedom of Information Act, also ein Gesetz, über das jeder Einsicht in bestimmte staatliche Dokumente beantragen kann. Je nach Bundesstaat und Behörde ist das kompliziert, dauert lange und kostet teilweise richtig viel Geld. Aber Kathy ist bereit, genau diesen Weg zu gehen. Und Dennis hat tatsächlich eine Polizeiakte, in der es einige Einträge gibt. Einer ist aus dem Mai 1980. Dennis ist damals Anfang 30 und Andrea ungefähr 5 oder 6 Jahre alt. Laut den Unterlagen ist eine 19-jährige Frau im Mai 1980 auf einem Fahrrad in der Nähe von Holland, Michigan unterwegs. Plötzlich hört sie das Aufheulen eines Motors hinter sich. Dann taucht ein Motorrad neben ihr auf. Der Fahrer drängt sie einfach von der Straße und befiehlt ihr, mit ihm in den Wald zu fahren. Weil die junge Frau wie angewurzelt stehen bleibt, zieht der Mann eine Waffe und feuert zweimal. Ein Schuss geht an ihr vorbei, der andere auf den Boden. Genau in diesem Moment nähert sich ein Auto. Der Motorradfahrer ist deswegen kurz abgelenkt. Die Frau nutzt diese wertvollen Sekunden, greift zu ihrem Fahrrad und rast so schnell sie kann davon. Etwas weiter entfernt kann sie dann ein anderes Auto anhalten und kommt sicher nach Hause, wo ihre Eltern die Polizei verständigen. Die junge Frau gibt den Ermittlern eine Beschreibung des Täters. Ein weißer Mann mit einer Brille, getönten Gläsern und mit einem blauen Helm. Noch am selben Tag nimmt die Polizei einen Verdächtigen fest. Und die junge Frau erkennt ihn sofort wieder. Es ist Dennis. Der bekennt sich schuldig und wird zu mindestens fünf Jahren Haft verurteilt. In den Gerichtsakten steht sogar, er könne wahrscheinlich eine Gefahr für Frauen darstellen, wenn er wieder freikommt. Während Andrea also klein ist, verschwindet ihr Adoptivvater für mehrere Jahre ins Gefängnis. Und seine Frau Brenda bleibt bei ihm. Sie lässt sich nicht scheiden, sondern hält zu Dennis. Sie soll Andrea sogar dazu gedrängt haben, Dennis im Gefängnis zu besuchen. Der wird 1986 entlassen, als Andrea ungefähr elf Jahre alt ist. Und das ist nicht der einzige Eintrag in Dennis' Akte. 1998, neun Jahre nach Andrias Verschwinden, geht im Zuhause eine Arbeitskollegin von Dennis plötzlich die Alarmanlage los. Die Frau ist zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause, aber ein Polizist sieht Dennis zur Hintertür rausrennen. Der behauptet, er wohne vorübergehend dort. Die Lüge fliegt ziemlich schnell auf und die Ermittler durchsuchen daraufhin sein Haus. Dort finden die Beamten auf dem Dachboden einen Seesack. Und darin finden sie Damenunterwäsche der Kollegin. Außerdem noch ein Gewehr, ein schwarzes Sweatshirt und eine Maske. Dennis bekennt sich des Einbruchs im Hause seiner Kollegin schuldig. Als Kathy all das liest, ist sie sich sicher, dass dieser Mann ihre Tochter getötet hat. Sie beschuldigt ihn auch ganz offen und sehr eindringlich auf Facebook. Und es gibt einen krassen Moment im Jahr 2013, also dem Jahr, in dem das DNA-Ergebnis kommt und Andrea schon seit 24 Jahren verschwunden ist. Kathy und Carl sind da gerade in Michigan, bei einer Konferenz, der Missing in Michigan. Dort treffen sich Angehörige von Vermissten bei Podiumsdiskussionen, Selbsthilfegruppen und Infoständen. Und in einem Stuhlkreis treffen sich ausgerechnet Kathy und Brenda persönlich. Auch Vanessa, Andreas kleine Schwester, ist da. Die ist zu diesem Zeitpunkt um die 25 Jahre alt. Brenda rechnet wohl damit, dass Kathy vor Ort ist und will offenbar ihre Sicht der Geschichte erzählen. Sie hat sogar ein Fotoalbum mitgebracht. In der Runde sagt Brenda, heute seien beide Mütter von Andrea hier. Kathy verliert daraufhin die Fassung. Sie ruft, Brenda solle allen die Wahrheit sagen und von ihrem Mann erzählen. Es wird laut. Brenda ist aufgebracht. Auch Vanessa reagiert wütend. Die Situation eskaliert. Carl versucht später in Ruhe mit Brenda zu sprechen. Laut Brenda hätten sie und Dennis nach Andreas Verschwinden eng mit der Polizei zusammengearbeitet. Sie ist nach wie vor fest davon überzeugt, dass Andrea weggelaufen ist. Als Kathy und Carl sie auf Dennis' Vorstrafen ansprechen, reagiert sie ruhig. Brenda habe nicht vergessen, was Dennis getan habe, aber sie habe ihm vergeben. Sie nehme ihr Ehegelübde sehr ernst. Als Kathy davon in der Netflix-Doku berichtet, sieht man, wie sprachlos und aufgebracht sie noch immer ist. Brenda und Kathy gehen an diesem Tag nicht versöhnt auseinander. Im Gegenteil. Der Streit wird zunehmend öffentlicher. Kathy postet weiterhin auf Facebook, ruft Brenda und Dennis zu Hause an, schreibt unzählige Briefe. Irgendwann kauft sie sogar eine riesige Werbetafel an der Straße der Adoptivfamilie und lässt Andreas Vermisstenanzeige da draufdrucken. Kathy ist überzeugt, dass Dennis Andrea getötet und auf dem Grundstück vergraben hat. Nach Andreas Verschwinden sind Brenda und Dennis umgezogen, in ein Haus in Hamilton, nicht weit von Holland entfernt. Dort fahren Kathy und Carl immer wieder gemeinsam hin. Sie lassen sogar eine Drohne über das Grundstück fliegen und machen Fotos. Hinter dem Haus entdeckt Kathy eine Fläche, die für sie auffällig aussieht, eine ovale, betonierte Stelle. Kathy ist sicher, dort könnte ihre Andrea liegen. Die Polizei kann aber natürlich nicht einfach einen Garten umgraben, nur weil Kathy diesen Verdacht hat. Auch wenn Dennis aus Sicht von Kathy, Carl und sogar den Ermittlern verdächtig ist. Aber es braucht mehr. Und Dennis streitet alles ab. Er will rechtliche Schritte gegen Kathy einleiten. Während Dennis immer stärker in den Fokus der Ermittlungen rückt, meldet sich über Kathys Facebook-Seite eine Frau, deren Geschichte den Fall noch einmal in eine andere Richtung lenkt. Sie heißt Metta. Sie sucht damals nach möglichen Verbindungen zu ihrem eigenen Fall und stößt auf Kathys Facebook-Seite Find Andrea. Denn Metta ist als Kind etwas passiert, das sie nie mehr losgelassen hat. Im September 1989, nur wenige Monate nach Andreas Verschwinden, ist Metta sechs Jahre alt. Sie ist in Holland zu Fuß unterwegs auf dem Weg zu einer Freundin, als plötzlich ein Mann in einem Pickup neben ihr anhält. Er lehnt sich zu ihr rüber und bietet ihr an, ihr Hundebabys zu zeigen. Kleine, süße Welpen. Ihre Mutter sei auch einverstanden. Noch bevor sie antworten kann, zieht der Mann Metta schlagartig in sein Auto. Er fährt mit ihr in eine abgelegene Gegend und zerrt das kleine Mädchen in ein Waldstück. Metta schreit, aber der Mann stopft ihr den Mund mit ihrem Pullover. Er entkleidet und fesselt sie. Doch dann bellt ein Hund ganz in der Nähe. Der Mann rennt daraufhin weg. Metta bleibt allein zurück und schafft es irgendwie bis zur nächsten Straße. Dort halten Menschen an und rufen die Polizei. Ein Phantomzeichner erstellt ein Bild des Täters und des Autos. Gesucht wird ein Mann mit einem roten Pick-up mit weißer Fahrerkabine. Aber niemand wird festgenommen. Der Fall bleibt ungelöst. Irgendwann verjährt er ganz. Aber nicht für Metta. Sie sucht nach ähnlichen Fällen in Michigan und stößt dabei eben auf Kathys Facebook-Seite. Dort sieht sie ein Foto von Dennis. Für Meta sieht der Mann auf dem Bild genauso aus wie der, der sie damals entführt hat. Und es gibt noch weitere Details, die sie nicht loslassen. Der Täter habe nach Farbe gerochen, so wie ein Mechaniker. Dennis arbeitete damals in einem handwerklichen Umfeld. Er soll auch einen roten Pick-up gehabt haben, der zu der Beschreibung passen könnte. Meta hört sich später auch Aufnahmen von Dennis' Stimme an. Sie ist sich sicher, dass es ihr damaliger Entführer ist. Kathy, Carl und Meta beginnen, sich regelmäßig auszutauschen. Zwischen Kathy und Meta entsteht daraus eine enge Verbindung. Beide sind überzeugt, dass Dennis ein Serientäter sein könnte. Auch die Ermittler der Polizei haben Dennis ja inzwischen im Blick. Aber es gibt keine Beweise. Bis zum Jahr 2019. 30 Jahre nach Andreas' Verschwinden und 9 Jahre, seitdem Kathy schon nach Antworten sucht. 2019 rückt vor Dennis' Haus plötzlich ein riesiges Polizeiaufgebot an. Er wird festgenommen. Aber es geht dabei nicht um Andrea. Es geht um einen Mord, der fast 40 Jahre zurückliegt. Und er führt zurück nach Virginia. Genau in die Gegend, aus der Kathy stammt. Das Opfer, um das es dabei geht, heißt Kathleen. Sie ist 1980, fast vier Jahrzehnte zuvor 25 Jahre alt. Sie ist gerade frisch verheiratet. Ihr Mann ist bei der Navy und damals gerade auf einem Einsatz im Indischen Ozean. Kathleen ist also allein in dem kleinen Haus in Norfolk, zusammen mit ihrem Kater. Sie segelt gern, ist eine unabhängige und kluge junge Frau, die davon träumt, irgendwann mal Schriftstellerin zu werden. Am Abend vor ihrem Tod ist gerade eine Freundin bei ihr. Die beiden trinken zusammen Wein, bis die Freundin gegen 21.30 Uhr nach Hause aufbricht. Als Kathleen am nächsten Tag nicht erreichbar ist, schaut ihre Freundin bei ihr vorbei. Dabei sieht sie direkt, dass die Haustür offen steht. Im Wohnzimmer stehen noch immer die Weingläser vom Vorabend. Dann findet die Freundin Kathleen im Schlafzimmer. Sie ist tot. Und die Details sind brutal. Das Schlafzimmer ist total verwüstet. Kathleen ist sexuell missbraucht und dann getötet worden. Die Polizei geht damals davon aus, dass ein Fremder ins Haus eingedrungen ist. Ein Einbrecher vielleicht. Jemand, der nicht mit ihr gerechnet hat. Oder sie gezielt ausgesucht hat. Es gibt allerdings kaum Spuren, auf die sich die Ermittler stützen könnten. Kathleen's Ehemann kann direkt ausgeschlossen werden, weil er ja auf einem Schiff im Indischen Ozean ist. Nachbarn und Männer aus ihrem Umfeld werden befragt, aber am Ende gibt es keine heiße Spur. Der Fall Kathleen wird zum Cold Case. Jahrzehntelang bekommt ihre Familie keine Antworten. Kathleen's Vater stirbt 2016, ohne zu wissen, was mit seiner Tochter passiert ist. Drei Jahre später, 2019, gibt es dann aber einen Durchbruch. Denn die DNA-Technik hat sich seit 1980 natürlich weiterentwickelt. Jetzt, 38 Jahre später, schauen sich Cold-Case-Ermittler den Fall Kathleen noch einmal an. Dabei stellt sich heraus, dass es noch eine gesicherte Spur vom Tatort gibt. DNA, die damals aufbewahrt wurde. Unter anderem von einer Bettdecke. Früher konnte man damit wenig anfangen. Aber inzwischen kann die Polizei DNA-Spuren auch mit großen Ahrenforschungsdatenbanken abgleichen. Sie findet dabei nicht unbedingt direkt den Täter, aber vielleicht Verwandte. Über diese Verbindungen können sich die Ermittler zu möglichen Verdächtigen vorarbeiten. Sie bekommen aus dem Labor am Ende eine Liste mit mehr als 30 Namen. Einer davon ist Dennis. Die Ermittler finden heraus, dass er 1980 tatsächlich in Virginia war, und zwar für ein zweiwöchiges Training bei der Navy. Genau in der Zeit, in der Kathleen ermordet wurde. Dann erfahren die Ermittler auch noch von seinen Vorstrafen. Von dem Angriff auf die 19-jährige Radfahrerin. Von dem Einbruch. Davon, dass seine Adoptivtochter Andrea seit 1989 verschwunden ist. Und dass es seit Jahren Anschuldigungen gegen ihn gibt. Jetzt brauchen die Ermittler nur noch seine DNA. Und dabei spielt ausgerechnet Kathy indirekt eine Rolle. Denn Brenda und Dennis sind wegen Kathy beim Sheriff's Office in Michigan, weil sie sich über sie beschweren wollen. Über Kathys Facebook-Posts, die Anschuldigung und die Anrufe. Sie wollen Kathy anzeigen. Während dieses Besuchs bekommt Dennis etwas zu trinken, eine Wasserflasche oder einen Becher. Nachdem er geht, sichern die Ermittler seine DNA daran. Diese DNA wird mit der Spur aus dem Fall Kathleen verglichen. Und sie passt. Dennis wird daraufhin 2019 in Michigan festgenommen. Er ist damals 70 Jahre alt. In U-Haft gibt er sogar schließlich den Mord an Kathleen zu. Allerdings sagt er nicht, ich bin dort hingegangen, um eine Frau zu töten. Er sagt eher, ich war betrunken, ich wollte Geld und habe nicht mit Kathleen gerechnet. Ob das wirklich stimmt, ist leider unklar. Wenn Dennis Kathleen getötet hat, was ist dann mit Andrea passiert? Die Ermittler wissen, dass sie jetzt eine neue Chance haben, aber dafür müssen sie Dennis zum Reden bringen. Und genau das versuchen sie jetzt. Zunächst bleibt Dennis stur. In Aufnahmen aus der Haft sagt er, er könne nichts gestehen, was er nicht getan habe. Er habe Andrea nicht umgebracht. Er bleibt bei seiner Geschichte von 1989, dass Andrea ausgerissen ist. Auch seine Frau Brenda und Tochter Vanessa glauben ihm. Trotzdem durchsuchen Ermittler sein Grundstück. Sie haben ein Bodenradar dabei, lassen Leichenspürhunde laufen und graben an verschiedenen Stellen. Aber sie finden nichts. Und dann äußert Dennis plötzlich einen Wunsch. Er will seine Frau sehen. Die Ermittler lassen das Treffen zu, aber sie filmen alles mit. In der Netflix-Doku sind Teile dieses Gesprächs später zu sehen. Brenda sitzt Dennis gegenüber. Ein Ehepaar, das seit Jahrzehnten verheiratet ist. Brenda hat Dennis durch Gefängnis, Vorstrafen, Verdächtigung und Kathys öffentliche Vorwürfe hindurch immer verteidigt. Und jetzt sagt Dennis ihr etwas, das er jahrzehntelang für sich behalten hat. Er gesteht Brenda, dass Andrea tot ist. Er erzählt seiner Frau eine Version, in der Andreas Tod angeblich ein Unfall war. Laut Gerichtsunterlagen und Medienberichten soll Folgendes passiert sein. Dennis kommt damals, 1989, im Jahr des angeblichen Verschwindens, nach Hause. Das Baby Vanessa legt er aufs Sofa. Dann geht er nach oben, wo Andrea mit einer gepackten Tasche steht und gehen will. Sie streiten und dann schlägt Dennis zu. Andrea soll rückwärts die Treppe hinuntergefallen sein und sich dabei das Genick gebrochen haben. Unter Tränen gesteht Dennis Brandar, er habe Angst gehabt, sie und Vanessa zu verlieren. Er wäre ja direkt wieder ins Gefängnis gekommen, sagt er. Also ruft Dennis nicht um Hilfe, sondern meldet Andrea als vermisst. Und damit beginnt er, alles zu vertuschen. In seiner Version wickelt er Andreas Körper in eine Decke und versteckt sie zunächst in einer Scheune. Kurz darauf besorgt er ein Fass. Weil Andrea nicht hineinpasst, zerstückelt er ihren Körper. Dann steckt er die Überreste ins Fass. Die Ermittler sind sich sicher, dass Dennis nicht die ganze Wahrheit sagt. Auch Kathy glaubt nicht an einen Unfall. Und seine Geschichte bleibt auch nicht stabil. Mal sagt er, er habe das Fass zu den Mülltonnen der Nachbarn gestellt und es sei am nächsten Morgen weg gewesen. Dann gibt es Briefe und Telefonate aus der Haft, in denen er Brenda andere Versionen erzählt. Er spricht von Friedhöfen, von Orten, an denen er Andrea angeblich bestattet hat. Für die Ermittler wirkt es so, als wolle Dennis sie bewusst in die Irre führen. Deshalb versuchen sie, über Brenda an ihn heranzukommen. Sie und Tochter Vanessa sind das Einzige, was Dennis noch hat. Brenda telefoniert immer wieder mit Dennis im Gefängnis. All diese Gespräche werden mitgeschnitten. Die Ermittler bringen Brenda dazu, darauf zu bestehen, dass Dennis ihr sagt, wo Andrea ist. Damit sie sie begraben und mit allem abschließen kann. Die Polizei bietet Dennis sogar einen Deal an. Wenn er sagt, wo Andrea ist, dann darf er seine Haft in Michigan absitzen und nicht in Virginia, wo er sich für den Mord an Kathleen vor Gericht verantworten muss. So könnte seine Familie ihn weiterhin im Gefängnis besuchen. Brenda übt Druck auf Dennis aus. Und irgendwann sagt er es. Andrea liegt bei ihnen im Garten. Auf dem Grundstück, auf dem Brenda und Dennis jahrelang gelebt haben. Dennis erklärt, dass er das Fass mit Andrias Überresten mitgenommen habe, als die Familie in das Haus in Hamilton gezogen ist. Dort habe er es dann im Garten vergraben. Eine Betonfläche hinter dem Haus deckt die Stelle ab. Die Polizei rückt daraufhin mit schwerem Gerät an und fängt an zu graben. Noch am selben Tag finden sie menschliche Überreste. Und wieder soll Kathy eine DNA-Probe abgeben. Im März 2020, fast 31 Jahre nach Andrias Verschwinden, kommt das Ergebnis. Die Überreste gehören zu Andrea. Kathy hat ihre Tochter Alexis endlich gefunden. Und zwar genau an der Stelle, wo sie es vermutet hat. Unter dem Beton im Garten der Adoptivfamilie. Als Andreas Überreste gefunden werden, sagt Brenda den Ermittlern, dass er dieses Mal nicht gelogen hat. Für viele ist genau das schwer zu ertragen. Denn Brenda hat Dennis jahrzehntelang verteidigt. Sie hat Andrea damals nicht geglaubt, als sie von Missbrauch gesprochen hat. Sie blieb bei Dennis, nachdem er verurteilt wurde. Und selbst nach seinem Geständnis erzählt sie in Telefonaten, dass sie ihn trotz allem liebt. Für Kathy ist Brenda damit nicht einfach nur eine getäuschte Ehefrau. Sie findet, dass auch Brenda schuldig ist. Im Juni 2020 wird Dennis wegen des Mordes an Kathleen verurteilt. Er bekommt zweimal lebenslänglich plus 20 Jahre. Ein halbes Jahr später, im Februar 2021, gibt es dann eine erste Anhörung in Andreas Fall. Die Forensiker erklären, dass Andreas Überreste mittlerweile stark verwest sind und sich deshalb eine genaue Todesursache nicht mehr feststellen lässt. Aber die Umstände reichen aus, um ihren Tod als Tötungsdelikt einzuordnen. Dennis wird schließlich wegen Mord zweiten Grades an Andrea angeklagt und verurteilt. Das ist in Michigan nicht die höchste Mordstufe, aber es ist trotzdem Mord. Das Gericht geht also nicht von einem bloßen Unfall aus. Im Februar 2022 bekommt Dennis eine Haftstrafe von 35 bis 50 Jahren. Für Dennis macht das praktisch keinen großen Unterschied mehr. Für die Verurteilung im Fall Kathleen wird er ohnehin den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen. Aber für Kathy macht es einen riesigen Unterschied. Denn jetzt steht es nicht mehr nur auf ihrer Facebook-Seite, dass Dennis ihre Tochter getötet hat, es steht auch offiziell in den Gerichtsakten. Dennis sitzt auch heute noch im Gefängnis, und zwar in Virginia, nicht in Michigan, weil er für den Mord an Kathleen ja zuerst verurteilt wurde, und der war in Virginia. Für Kathy ist die Geschichte damit aber noch nicht komplett vorbei. Denn sie kämpft bis heute darum, dass ihre Tochter wieder den Namen bekommt, den sie ihr gegeben hat. Alexis. Sie möchte, dass die Adoption rückgängig gemacht werden soll. Und sie will Dennis' Nachnamen von der Geburtsurkunde ihrer Tochter entfernen lassen. Kathy kämpft auch um Andreas' Überreste. Brenda hat die sterblichen Überreste nämlich einäschern lassen und Kathy später die Hälfte gegeben. Für Kathy ist das aber unerträglich. Sie haben ihre Tochter schon einmal auseinandergerissen und jetzt passiert es wieder. Kathy will ihre Tochter ganz zurückhaben. Für sie geht es darum, dass Alexis am Ende nicht weiter zu der Familie gehört, die ihr nicht geholfen hat. Und genau das macht diesen Fall so furchtbar. Andrea hat ja versucht, Hilfe zu bekommen. Sie hat mit Freundinnen gesprochen und Erwachsenen von ihrer Angst erzählt. Und dann ist da ja noch ihre Adoptivmutter Brenda. Die hat ja immer zu Dennis gehalten. Und dann ist da Kathy. Sie sorgt dafür, dass ihre Tochter nicht länger als Ausreißerin in den Akten steht. Nach all den Jahren bekommt Alexis ihren Namen zurück, ihre Geschichte und eine Mutter, die nie aufgehört hat, nach ihr zu suchen. Erst einmal ein großes Dankeschön an dich, Friederike, denn du hast uns von diesem Fall erzählt und ihr alle, die zuhört, könnt das auch gerne weiterhin tun. Bei Instagram oder irgendwo in den Kommentaren, je nachdem, wo ihr die Folge hört, könnt ihr uns sehr gerne Fälle vorschlagen. Und dann, ja, lass uns über diesen Fall sprechen, bei dem ich selber erstmal ein bisschen meine, nicht nur Gedanken, sondern fast schon Emotionen sortieren muss. Deswegen, ja, Patrick, ich lass dir mal den Fortschritt. Was macht der Fall mit dir? Ich verstehe komplett, was du meinst, weil wir haben ultra oft Fälle, wo mega viel passiert und einem deswegen dann der Kopf raucht und hier bin ich komplett bei dir, auch diese emotionale Komponente mit Kathy, die da, die ganze Zeit hinterher ermittelt eigentlich und ich finde auch krass, wie viele Einzelschicksale da eigentlich so aufeinander getroffen sind. Also Metta, Karl, dann sowieso natürlich Kathy, was dann alles sich ineinander verwoben hat und zur Aufklärung dieses ganzen Falls ja auch beigetragen hat. Das fand ich auch sehr, sehr interessant, dieses Mal, um ehrlich zu sein. Und ich kann Kathys Emotionen auch ehrlich gesagt sehr gut verstehen, weil du bist halt die ganze Zeit auf der Suche nach deiner Tochter, denkst. Ihr geht es die ganze Zeit ultra gut, sie hat ein wunderschönes Leben, hast die ganze Zeit diese Erwartungshaltung und, bekommst dann halt raus, dass sie eigentlich schon seit über 20 Jahren potenziell tot ist vielleicht sogar, was das mit ihr machen muss. Also da fehlen mir immer noch die Worte, um ehrlich zu sein. Naja, vor allem sie wollte das Kind ja eigentlich gar nicht weggeben. Ich finde, das macht es auch nochmal so super traurig, dass sie im Grunde ja von ihrer eigenen Familie, von der Mutter so ein bisschen zur Adoption gedrängt wurde, weil sie selber eben noch so super jung war und dass sie sich deswegen dazu entschieden hat, ey, ich gebe mein neun Monate altes Baby weg. Weil es einfach ein besseres Leben haben soll, was es dann nicht hatte. Das ist einfach so, so, so furchtbar, dass die kleine Alexis einfach bei ihrer eigenen leiblichen Mutter ja ein viel besseres Leben gehabt hätte, obwohl die selber erst super jung und mittellos war. Das, finde ich, macht es halt nochmal ultra traurig. Und ich finde so, der nächste Schritt, die zweite Ebene ist, dass Andrea ja versucht hat, Hilfe zu kriegen und sich anderen anvertraut hat. Und dieser Schritt ist ja schon super schwierig für ein junges Mädchen, so von der Gewalt zu Hause zu berichten. Und dann glaubt ihr keiner. Also das macht mich richtig traurig und auch richtig wütend, weil sie es ja nicht nur bei einer Person probiert hat, sondern bei Freundinnen und bei mehreren Erwachsenen. Und keiner hat sie ernst genommen. Nicht mal die eigene Adoptivmutter. Die sich ja ein Kind gewünscht haben, weil es einfach nicht funktioniert hat. Und dann, ja, kümmerst du dich nicht um dein Kind? Also wie kann das sein? So, ich kenne mich mit dem Thema Adoption überhaupt gar nicht aus. So, das Einzige, was ich weiß, ist so ein bisschen, vielleicht auch klischeehaft, vielleicht auch nicht, I don't know, dass das halt super schwierig ist und dass das gar nicht so easy ist, dass man nicht sagt, hey, ich hätte gern ein Kind, hier ist das, Baby, so läuft das ja nicht, sondern dass man da schon auch hart durchleuchtet wird. Und das war ja sicherlich auch so in den USA. Und dass dieses Ehepaar trotzdem das Kind bekommen hat, das ist schon hart. Klar hat Dennis viele Dinge erst danach gemacht. Aber ich meine, wenn der Adoptivvater für ein paar Jahre in den Knast muss, kann man sich ja nochmal angucken, ob das Adoptivkind da auch wirklich in Sicherheit ist, oder? Also das ist einfach so, ja, unfassbar. Ja, das Bild hatte ich auch immer von Adoption. Also erstens, dass die Hürde halt ultrahoch ist und dann, dass danach eigentlich auch noch geprüft wird. Deswegen war ich mitten im Fall auch mega perplex. Dass das einfach nicht aufgefallen ist. Da kann man eigentlich jetzt abschließend nur Hut absagen vor Cathy, vor der leiblichen Mutter, dass sie irgendwie ja nie aufgegeben hat oder aufgehört hat, an ihre Tochter zu glauben, obwohl sie diesen Schritt der Adoption vollzogen hat und sich ja, bewusst dazu entschieden hat, das Kind abzugeben, dass sie trotzdem natürlich für immer daran gedacht hat und ja, dass sie irgendwann erfahren musste, dass ihre Tochter verschwunden ist und dann ja sogar getötet wurde. Das ist natürlich unvorstellbar. Aber ja, Hut ab, dass sie bis heute ja darum kämpft, dass bestimmte Dinge noch verändert werden, so wie der Name auf der Geburtsurkunde geändert wird. Das stelle ich mir alles andere als einfach vor. Definitiv. Und für euch ein kleiner Blick hinter die Kulissen. Wir nehmen gerade sehr weit im Voraus auf. Deswegen fühlt es sich ein bisschen komisch an, wenn wir jetzt sagen würden, was wir jetzt hier heute am 4. August machen, Obwohl wir es hier, gerade wo wir aufnehmen, selbst noch gar nicht genau wissen, würde ich sagen, überspringen wir dieses Mal die Personalakte. Ihr könnt natürlich sehr, sehr gern Instagram auschecken, wo wir sehr aktuell eigentlich immer auch in unserem Weekly Recap zeigen, was die Woche so passiert ist. Und damit würde ich sagen, schließen wir die Akte für diese Woche und wir freuen uns, wenn ihr kommende Woche wieder mit dabei seid. Wir sind eure Hosts Anne Luckmann und Patrick Strobusch. Johanna Müsiger und wir. Anne Luckmann. Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.