Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Eigentlich ist die Gegend rund um die Stadt Beaufort in South Carolina kein Ort, der auf den ersten Blick gefährlich wirkt. Der Beaufort River ist hier Teil einer großen Wasserlandschaft aus Flüssen, die ins Meer münden. Auf einer Landkarte sieht man, wie sich die vielen kleinen Wasserwege durch flaches Küstenland schlängeln. Wenn man dort auf einem Boot langfährt, dann sieht man überall Holzstege, Bootsanleger, niedrige Bäume und schlammige Ufer. Doch in einer dunklen Nacht im Februar 2019 ist von dieser Landschaft kaum etwas zu erkennen. Es ist kurz nach 2 Uhr morgens. Ein kleines Motorboot schießt über das dunkle Wasser und durch graue Wolken aus Nebel. Es ist nur knapp 5 Meter lang. Ein offenes Fischerboot mit einer Steuerkonsole in der Mitte. Vorne sitzen Morgan und Miley. Am Steuer steht Paul und klammert seine Hände ans Steuerrad. Neben ihm sein Kumpel Connor. Hinter ihnen kauert noch ein Pärchen. Anthony hält seine Freundin Mallory im Arm. Die sechs sind mittlerweile ganz schön durchgefroren und längst nicht mehr in der guten Stimmung, mit der dieser Abend einmal angefangen hat. Der Fahrtwind schlägt ihnen ins Gesicht. Und jedes Mal, wenn das Boot über eine kleine Welle springt, spritzt kaltes Wasser hoch. Es ist wirklich stockdunkel, denn das Boot hat keine Lichter. Paul schaut deswegen immer wieder auf das GPS. Connor versucht zwischendurch mit einer Taschenlampe vor das Boot zu leuchten, aber der Lichtkegel streift nur dunkles Wasser und dichten Nebel. Das Boot fliegt schon fast übers Wasser und ist teilweise viel zu schnell. Denn Paul am Steuer ist total betrunken. Mal macht das Boot eine scharfe Kurve, dann rast es weiter geradeaus. Danach im Zickzack. Dann macht Paul langsamer und gibt plötzlich doch wieder Gas. Connor steht neben ihm und linst immer wieder auf das Steuer. Er kann den Alkohol in Pauls Atem riechen, besonders dann, wenn der seine Freunde anbrüllt. Denn auf dem Boot ist die Stimmung wirklich total im Keller. Alle schreien sich an. Die anderen brüllen Paul an, dass Connor fahren soll. Aber Pauls Griff ums Steuer bleibt fest. Er funkelt die anderen an, dass es sein verdammtes Boot sei. Vor allem Pauls Freundin Morgen rutscht vorne auf ihrem Platz zunehmend nervöser hin und her. Sie hat Angst und Tränen laufen ihr übers Gesicht, als Paul auch sie anschreit. Er macht ihr Vorwürfe, dass sie ihn nicht vor den anderen verteidigt. Kurz darauf eskaliert die Situation komplett. Plötzlich lässt Paul das Steuer einfach los, holt aus und schlägt seine Freundin. Geistesgegenwärtig reagiert Connor, greift ins Steuer und stabilisiert so das Boot. Ein paar Sekunden lang ist es mucksmäuschensstill. bevor an Deck wieder Chaos ausbricht. Paul tritt zurück zu Connor und entreißt ihm das Steuer wieder. Dann gibt er Vollgas. Das Boot wird immer schneller. Der Bug hebt sich aus dem Wasser. Mit fast 50 Kilometern pro Stunde rasen sie über den Fluss. Viel zu schnell für ein kleines, offenes Boot. Noch dazu mitten in der Nacht, ohne Lichter und bei dichtem Nebel. Und dann sieht Miley die Brücke. Sie taucht ganz plötzlich wie aus dem Nichts vor ihnen auf. Dunkle Fehler aus Holz ragen aus dem Wasser, dahinter schwere Pfeiler aus Beton. Das Boot rast direkt darauf zu. Jemand schreit und Sekunden später kracht das Boot gegen die Brücke. Der Knall ist ohrenbetäubend. Das Boot rammt die Holzfehler, schlägt gegen einen Betonpfeiler und wird ruckartig herumgerissen. Der Aufprall ist so heftig, dass einige über die Reling ins Wasser geschleudert werden. Das Boot bleibt schließlich am Stein am Ufer liegen. Morgan sitzt noch vorne an der Bootswand und schreit vor Schmerzen. Connor, der eben noch neben dem Steuer stand, liegt hinter ihr. Daneben hockt Miley. Hektisch wandert ihr Blick über das Ufer. Wo sind die anderen? Dann sieht sie zwei Gestalten. Es sind Anthony und Paul, die sich mühsam aus dem Wasser kämpfen. Miley sieht Morgan, Connor, Paul und Anthony. Aber eine Person sieht sie nicht. Eine Person fehlt. Mallory ist verschwunden. Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte, wie immer mit Anne Luckmann und mit Patrick Strohwurz. Hallo! Und für unseren heutigen Fall sind wir im Süden der USA, im Bundesstaat South Carolina. Dort gibt es ein flaches Küstengebiet namens Low Country. Die Gegend rund um die Stadt Beaufort kann man sich wie aus der Serie Outer Banks vorstellen. Überall sieht man Wasser, kleine Boote liegen an Stegen, hinter schicken Häusern und am Strand werden Partys gefeiert. Viele Familien leben schon seit Generationen in dieser Gegend. Während im Februar 2019 alle in Deutschland in Winterjacken durch graue Straßen schlurfen, fühlt es sich in South Carolina tagsüber fast schon nach Frühling an. Gerade an Wochenenden trifft man sich oft draußen, zum Beispiel zu Oyster Roasts, ein gemeinsames Barbecue mit Austern über dem Feuer. Das ist an der Südküste der USA Tradition. Dazu gibt's Bier und Musik. Damals hören die Leute zum Beispiel Sunflower von Post Malone oder das neue Album Thank You Next von Ariana Grande. Fotos und Videos von Partys landen damals natürlich direkt bei Instagram und Snapchat. Auch auf den Accounts der sechs Freunde. Von Mallory, Morgan, Miley, Paul, Connor und Anthony. Die sechs sind am Abend des 23. Februar 2019 zum Austern-Grillen bei Freunden eingeladen. Ein Abend, der ganz normal anfängt und dann in einer Katastrophe endet. Beginnen wir mit Mallory. Sie ist 19 Jahre alt und kommt aus Hampton County, einer Gegend in Low Country, in der viele Leute dieselben Schulen besuchen und man sich auf Parkplätzen und bei Football-Spielen immer wieder über den Weg läuft. Man kennt sich also. Mallory hat ihren Abschluss an der Wade-Hampton-Highschool gemacht, spielt als Kind Softball und träumt eine Zeit lang davon, Tierärztin zu werden. Nach der Highschool arbeitet sie mit ihren beiden besten Freundinnen Miley und Morgan in einer Boutique. Miley kennt Mallory schon seit der Vorschule. Morgan kommt erst später dazu. Ab da sind die drei ein Trio. Mallory, Miley und Morgan. Sie alle haben lange blonde Haare und sind normschöne junge Frauen, die neben der Arbeit auch gerne mal zusammen feiern gehen. Oft auch zusammen mit ihren Partnern Connor und Anthony. Diese beiden sind Cousins und schon lange beste Freunde. Miley ist mit Connor zusammen. Er ist 19 Jahre alt und ein eher dünner, großgewachsener Typ mit dunkelblonden Haaren. Anthony ist der feste Freund von Mallory. Die beiden waren schon lange eng befreundet, bevor sie Gefühle füreinander entwickelt haben. An Silvester 2018 werden sie schließlich ein Paar. Die dritte Freundin, Morgan, ist damals mit Paul zusammen. Sie kennt ihn aus der Highschool. Seitdem sind die beiden in einer Art On-Off-Beziehung. Ihr könnt euch Fotos der sechs über einen Link in den Shownotes anschauen. Wir haben also drei Pärchen. Miley und Connor, Anthony und Mallory, sowie Morgan und Paul. Paul, der Steuermann aus dem Intro, ist ebenfalls 19 Jahre alt. Er kommt aus einer Familie, die jeder in Hampton County kennt. Seit Generationen schon haben sie eine große Anwaltskanzlei. Pauls Vater arbeitet dort und auch schon sein Großvater und Urgroßvater waren früher Staatsanwälte. Fast ein Jahrhundert lang sind die Männer aus Pauls Familie die, die in dieser Gegend vor Gericht die Macht haben. In Hampton und Umgebung hat Pauls Nachname Murdoch deswegen auch Gewicht. Das wird später noch wichtig. Pauls Familie ist in der Gegend wirklich omnipräsent. Sie haben nicht nur ein Haus, sondern gleich mehrere. Da gibt es das Haus am Fluss, ein weiteres am Strand und sogar ein Jagdanwesen, das zweimal so groß ist wie das Central Park in New York City. Auf dem Gelände gibt es sogar eine kleine Flugzeuglandebahn. Dort treffen sich die sechs Freunde oft. Das riesige Anwesen ist quasi wie ein XXL-Spielplatz für junge Erwachsene. So beschreibt es zumindest Anthony in einer Doku. Anthony ist 20 Jahre alt. Ein großer, muskulöser Typ mit dunklen Haaren. Er und Paul kennen sich auch schon, seit sie klein sind. Wenn sie sich treffen, dann gehen sie oft zusammen jagen und fischen. Zum Beispiel auf dem Jagdanwesen von Pauls Familie. Dort gibt es nicht nur Zwinger für Jagdhunde, sondern auch Dutzende Waffen. Anthony beschreibt Paul als einen sehr lustigen Typen. Jemand, der sich sehr um seine Freundin morgen kümmert, die von Pauls Familie sogar zu Basketballspielen oder Urlauben mitgenommen wird. Aber es gibt noch eine andere Seite von Paul. Nämlich, wenn Alkohol im Spiel ist. Denn wenn Paul trinkt, verändert er sich. Seine Freunde beschreiben es so. Wenn Paul betrunken ist, dann wird er jemand anderes. Sie geben dieser Seite von Paul sogar einen Namen, Timmy, und Timmy verdreht zum Beispiel seine Hände ganz komisch. Sein Blick wird dann starr, konzentriert und schaut direkt durch einen hindurch. Aber nicht nur das, Pauls alter Ego Timmy wird laut, beleidigend und unberechenbar. Das Thema Alkohol scheint in Pauls Umfeld aber fast schon normal zu sein. Seine Freundin Morgan erinnert sich an Familienpartys, bei denen es immer Drinks gibt. Auch wenn sich die Freunde zum Feiern treffen, stehen immer Bier und Schnaps auf dem Tisch. In Pauls Snapchat-Videos sieht man das klischeehafte Bild aus Hollywood-Filmen. Alkohol aus dem Trichter trinken Besonders seine Freundin Morgan leidet unter Pauls Trinkverhalten. Die beiden haben deswegen oft Streit und trennen sich immer mal wieder. Paul entschuldigt sich dann am Ende und sie kommen wieder zusammen. Laut Morgan ist Paul ihr gegenüber sogar gewalttätig. Das habt ihr ja zu Beginn unserer Folge schon gehört. Im Februar 2019 ist die Beziehung der beiden ein einziges Hin und Her. Auch als die sechs Freunde am Samstag, dem 23. Februar 2019, planen, zum Austern-Grillen bei Freunden vorbeizuschauen. Paul will unbedingt mit dem Boot hinfahren, obwohl der Weg dadurch deutlich länger wird. Er hat nämlich keine Lust auf Polizeikontrollen auf der Straße. Deswegen trifft sich die Gruppe abends am Flusshaus von Pauls Großvater und lässt das Boot zu Wasser. Vor der Abfahrt hat Paul noch Alkohol besorgt. An der Kasse zeigt er dafür im Laden den Ausweis seines drei Jahre älteren Bruders. Beide haben rote Haare und sehen sich zumindest auf den ersten Blick recht ähnlich, auch wenn Paul erst 19 ist und etwas kleiner als sein Bruder. Paul kauft für etwa 50 Dollar Alkohol. Die ersten Biere werden geöffnet und dann geht die Fahrt los. Paul und Connor kennen den Weg. Sie sind oft auf den Flüssen unterwegs. Nach einer etwa einstündigen Fahrt kommt die Gruppe gegen 20 Uhr in Beaufort an. Am Dock stehen schon Leute, essen Austern, trinken und unterhalten sich. Paul und die anderen gesellen sich zu ihnen und holen sich immer wieder Getränke aus dem Boot. Besonders Paul trinkt an diesem Abend viel. Andere Leute auf der Party bieten den sechs Freunden spätabends eine Mitfahrgelegenheit zurück nach Hause an. Gerade weil der Weg über Wasser ziemlich kalt ist und vor allem ja auch länger dauert. Aber Paul will das Boot nicht zurücklassen und besteht darauf, zu fahren. Gegen Mitternacht macht sich die Gruppe also auf den Heimweg. Eigentlich könnten sie jetzt direkt zurück zum Flusshaus fahren. Aber Paul und Connor wollen ungefähr auf halbem Wege noch einen Zwischenstopp einlegen, um nämlich an einer Bar am Fluss noch ein paar Kurze zu trinken. Die anderen haben darauf gar keine Lust und wollen lieber direkt nach Hause. Aber Paul setzt sich durch. Er will unbedingt noch kurz in diese Bar und steuert das Boot auf den Anleger zu. Kurz vor 1 Uhr in der Nacht kommen sie dort an. Paul und Connor gehen rein und trinken Shots. Mallory und Anthony spazieren währenddessen draußen am Fluss entlang. Es gibt Aufnahmen einer Überwachungskamera, auf denen die beiden nebeneinander herschlendern. Sie sind ja erst seit wenigen Wochen, erst seit Silvester zusammen. Das Pärchen ist frisch verliebt. Miley und Morgan, die Freundinnen von Connor und Paul, bleiben am Dock zurück und reden darüber, wie sehr ihre Jungs sie gerade nerven. Die Jungs bleiben nicht lange in der Bar und kommen nach ein paar Drinks wieder raus. Paul schwankt bereits stark. Auf den Überwachungsvideos kann man sehen, wie er von einem Fuß auf den anderen tritt. Er ist total betrunken und wirft beim Rausgehen aus der Bar noch einen Stuhl um. Seine Freunde merken sofort, dass Paul wieder zu seinem alter Ego Timmy geworden ist. Jetzt wollen sie erst recht nicht mehr, dass er noch das Boot fährt. Jemand schlägt also vor, ein Uber zu rufen. Oder Connor könnte fahren, denn der wirkt auf die anderen zumindest deutlich fahrtüchtiger als Paul. Aber Paul lehnt alle Vorschläge ab. Er macht deutlich, dass es sein Boot sei, dass er den Fluss kenne und niemand anderes dürfe ans Steuer. Die anderen fügen sich also. Es ist mittlerweile 1.17 Uhr, als sie ablegen und hinaus in die Dunkelheit fahren. Was dann passiert, wisst ihr schon aus dem Intro dieser Folge. Der betrunkene Paul steht am Steuer. Es gibt einen Streit und der eskaliert, woraufhin Paul Gas gibt und auf die Brücke zurast. Was dann folgt, ist wirklich dramatisch. Anthony, Mallory und Paul werden bei dem Aufprall ins Wasser geschleudert. Morgens Hand wird zwischen dem Boot und der Brücke eingeklemmt. Connor knallt gegen das Boot und bricht sich den Kiefer. Überall ist Blut. Die Freunde schaffen es zum Ufer, aber dort wird ihnen plötzlich klar, dass Mallory fehlt. Sie ist nirgendwo zu sehen. Ihr Freund Anthony springt sofort wieder ins Wasser. Die anderen rufen laut nach Mallory, während Anthony untertaucht und zwischen den Pfeilern nach seiner Freundin sucht, obwohl die Strömung sehr stark und gefährlich ist. Er tut alles, was er kann, aber er kann Mallory einfach nicht finden. Die anderen suchen am Ufer währenddessen nach einem Handy, das noch funktioniert. Es dauert einige Zeit, weil alles nass geworden ist. Aber Connor schafft es schließlich, um 2.26 Uhr den Notruf zu wählen. Während er erklärt, wo sie sind, hört man im Hintergrund Schreie und Rufe nach Mallory. Dann geht das Handy plötzlich aus, aber die Leitstelle schickt sofort Einsatzkräfte zur Brücke. Als die Polizei und Rettungskräfte wenig später dort eintreffen, muss der Anblick sehr erschütternd sein. Das Boot auf den Stein, die verletzten Jugendlichen und ein verzweifelter Anthony. Die Ersthelfer kümmern sich sofort um die Verletzten Morgan und Connor. Aber auch Anthony hat sich verletzt. Seine Schulter scheint ausgekugelt zu sein. Und trotzdem weigert er sich, in den Krankenwagen zu steigen, denn er will nicht gehen, bevor er Mallory gefunden hat. Auch Paul will nicht im Krankenwagen versorgt werden, aber aus einem anderen Grund. Er will zuerst seinen Großvater anrufen. Auf Bildern von Bodycams der Polizei sieht und hört man, wie Anthony völlig außer sich ist. Er brüllt Paul an, warum der so grinsen würde. Anthony ist total verzweifelt, weil seine Freundin verschwunden ist. Mallorys Eltern erfahren erst anderthalb Stunden später, was passiert ist. Gegen vier Uhr morgens klingelt bei ihnen das Telefon. Mallorys Vater berichtet in der Netflix-Doku Skandal in den Südstaaten mit bebenden Schultern von diesem Moment. Er kann seine Tränen nicht zurückhalten. Sie fahren sofort zu dieser Brücke. Dort weigert sich Anthony noch immer ins Krankenhaus zu fahren. Gegen halb sechs in der Früh treffen Taucher ein, aber die Strömung ist noch zu stark. Und für ein Helikopter ist es noch zu neblig. Die Rettungskräfte suchen aber trotzdem weiter am Fluss nach Mallory. Während die Suchmaßnahmen laufen, sind Miley, Morgan, Connor und Paul mittlerweile auf dem Weg ins Krankenhaus. Paul muss von mehreren Leuten in einen Krankenwagen gezwungen werden. Als er dort endlich ein Telefon in die Hand bekommt, da ruft er seinen Großvater an. Und mit das Erste, was er sagt, ist Folgendes. Er berichtet, Connor sei am Steuer gewesen. Connor, der mit ihm im Krankenwagen ist, der glaubt, sich wohl verhört zu haben. Denn es sieht so aus, als würde Paul versuchen, Connor die Schuld für den Unfall in die Schuhe zu schieben. Im Krankenhaus wird es noch schlimmer. Denn da tauchen Pauls Vater und Großvater auf. Während die Jugendlichen von den Ärzten versorgt werden, laufen die zwei durchs Krankenhaus und befragen die Freunde. Pauls Vater befiehlt Connor, den Mund zu halten. Er werde sich um alles kümmern. Davon berichtet Connor später selbst in Dokus über den Fall. Man merkt, dass er Angst hat. Nicht nur wegen des Unfalls, sondern weil er weiß, wie einflussreich Pauls Familie in der Gegend ist. Um zu verstehen, wie einflussreich sie sind, geben wir euch ein Beispiel von vor zwei Jahren. Und zwar von Weihnachten 2017. Pauls Freundin Morgan erzählt die Geschichte nämlich in der Netflix-Doku. Morgan und Paul sind damals mit dem Auto auf dem Rückweg von einer Weihnachtsfeier. Morgan sitzt am Steuer, weil Paul getrunken hat. Dann besteht er aber aus heiterem Himmel darauf, selbst zu fahren. Die beiden streiten sich, aber Paul bekommt schließlich seinen Willen. Sie tauschen also die Plätze. Und dann passiert, was passieren muss. Er verliert die Kontrolle über den Wagen und landet im Graben. Zum Glück sind beide nicht ernsthaft verletzt. Morgan will den Notruf wählen, aber Paul schlägt ihr das Handy aus der Hand und wählt stattdessen die Nummer seines Großvaters. Danach verständigt er seinen Vater. Seine Familie kommt sofort zur Unfallstelle. Morgen erinnert sich, dass Pauls Großvater und seine Eltern nicht mal nach ihnen sehen, sondern einfach direkt zum Auto gehen. Sie machen den Kofferraum auf, um Waffen und leere Bierdosen wegzuräumen. Dass die Familie ein Jagdanwesen hat, wisst ihr ja schon. Paul hat damals einfach Gewehre im Kofferraum, die direkt verschwinden müssen, falls die Polizei auftaucht. Und das ist der Moment, an den Morgan sich später besonders erinnert. Die Familie fragt nicht, ob es ihnen gut geht oder ob sie verletzt sind, sondern ob sie den Notruf gewählt haben. Denn wenn die 911 angerufen wird, dann kommen Polizei und Rettungskräfte. Dann gibt es Berichte und Fragen. Aber so wird alles, was für Paul zum Problem werden könnte, einfach direkt aus dem Weg geschafft. Und Paul? Der bekommt keine spürbaren Konsequenzen für seine Aktion. Für seine Freundin morgen bleibt von dieser Nacht vor allem Folgendes hängen. Wenn Paul in Schwierigkeiten steckt, ruft er zuerst seinen Großvater an. Dann kommt die Familie herbeigeeilt und kümmert sich. Exakt das passiert auch im Februar 2019 nach dem Bootsunfall im Krankenhaus. Eine Krankenschwester berichtet später, es habe so auf sie gewirkt, als würden Pauls Großvater und Vater versuchen, etwas zu orchestrieren. Während draußen in der Dunkelheit Einsatzkräfte weiter im Wasser nach Mallory suchen, beginnt im Krankenhaus also der Streit darüber, wer das Boot tatsächlich gefahren hat. War es Paul oder war es Connor? Für die Jugendlichen auf dem Boot ist die Antwort klar. Aber jetzt im Krankenhaus wiederholt Paul gegenüber seiner Familie erneut, dass Connor gefahren sei. Und Connor kann sich kaum wehren. Er liegt verletzt im Krankenhausbett. Sein Gesicht ist geschwollen, der Kiefer gebrochen und er kann kaum sprechen. Aber nicht nur Connor wird von Pauls Familie bedrängt. Auch Connors Eltern bekommen in der Nacht einen Anruf. Nicht nur von der Polizei, sondern auch von Pauls Vater, Richard Alexander. Er wird von allen aber nur Alec genannt. Er ist Anfang 50, groß, breit gebaut, mit rotem Haar und rundem Gesicht. Er ist überzeugt, dass Connor am Steuer des Bootes war. Er sagt seiner Familie, dass sie sich keine Sorgen machen sollen. Alec werde auf Connor aufpassen. Und dann gibt es noch eine Szene, über die die Journalistin Valerie Bauerlein später in ihrem Buch The Devil at His Elbow schreibt. Miley's Mutter steht vor der Krankenhaustür ihrer Tochter, als Pauls Großvater an ihr vorbeiläuft. Sie hält ihn auf und fragt ihn, ob es Neuigkeiten gäbe, ob man Mallory schon gefunden hat. Pauls Großvater fragt zurück, von wem sie denn spreche. Miley's Mutter macht große Augen. Na Mallory, das Mädchen, das verschwunden ist. Der Großvater antwortet nur, dass er ziemlich sicher sei, dass sie alle wüssten, wie das ausgehen werde. Miley's Mutter kann kaum glauben, was sie da hört. Mallory wird zu diesem Zeitpunkt noch immer vermisst. Und Pauls Großvater redet so, als wäre die Hoffnung längst aufgegeben. Als hätte er das einfach abgehakt. Dabei wird pausenlos nach Mallory gesucht. In den Nachrichten laufen schon die ersten Eilmeldungen. Man sieht in den Berichten, wie Boote übers Wasser fahren, Taucher unterwegs sind und Hubschrauber über dem Fluss kreisen. Die Suche dauert nicht nur ein paar Stunden, sie dauert Tage. Freunde und auch Fremde teilen auf Social Media Suchaufrufe. Der Hashtag FindMel verbreitet sich auf Twitter. Überall hoffen und beten Menschen, dass Mallory gefunden wird. Aber gleichzeitig verbreitet sich eine zweite Geschichte, die über den Fahrer des Bootes. In den Nachrichten heißt es, einer von zwei jungen Männern soll gefahren sein, Connor oder Paul. Und dann wird es richtig seltsam, denn es gibt eine Art geheimes Treffen zwischen Connors und Pauls Vater. In einer Doku beschreibt Connors Vater diese Begegnung auf einem Parkplatz. Pauls Vater Alec zieht sein Handy aus der Tasche, schaltet es aus und wirft es in seinen Truck. Er sagt, er werde das Gespräch nicht aufnehmen. Eine seltsame Situation. Das findet nicht nur Connors Vater. Der ist überzeugt, dass Alec sicherstellen will, dass niemand darüber redet, was in dieser Nacht wirklich passiert ist. Wie sehr das Connor alles mitnimmt, zeigt sich in einer Frage an seinen Vater. Connor hat irgendwann so eine Angst, dass er seinen Vater fragt, ob Pauls Familie versuchen wird, ihn umzubringen. Das klingt natürlich sehr extrem, aber man muss sich klar machen, wie sich diese Tage für Connor anfühlen. Mallory ist noch immer verschwunden und Paul hat am Telefon gesagt, Connor sei am Steuer des Bootes gewesen. Dazu kommt, dass Pauls Vater ja Anwalt ist und sein Großvater jahrzehntelang eine der mächtigsten Figuren im Justizsystem war. Wie weit der Einfluss dieser Familie reicht, zeigt sich auch bei der Suche nach Mallory. Ihre Eltern dürfen zum Beispiel nicht an die Unfallstelle heran. Laut Mallorys Mutter werden sie von der Polizei aufgehalten. Aber Pauls Familie sei dort gewesen. Alexs Bruder hilft sogar, das Boot aus dem Wasser zu holen. Und das ist ungewöhnlich, denn offiziell ist das ja ein Beweisstück. Das zeigt, wie gut Pauls Familie mit der Polizei vernetzt ist. Acht Tage nach dem Bootsunfall wird Mallory endlich gefunden. Zwei Freiwillige entdecken ihren Körper mehrere Kilometer flussabwärts. Die Strömung hat sie so weit von der Brücke weggetragen. Damit ist klar, Mallory hat den Bootsunfall leider nicht überlebt. Sie ist tot. Bei der Autopsie kommt heraus, dass sie beim Unfall aus dem Boot geschleudert, mit dem Kopf aufgeschlagen und schließlich ertrunken ist. Bei ihrer Beerdigung stehen so viele Menschen an, dass die Schlange bis um den Parkplatz herum reicht. Für Mallorys Familie ist damit aber noch lange nichts abgeschlossen. Jetzt hat die Familie nur noch eine Frage. Was ist wirklich passiert? Und wer sorgt dafür, dass die Wahrheit ans Licht kommt? Die Familie nimmt sich daher einen Anwalt, um genau das herauszufinden. Ein Biomechaniker untersucht anhand der Verletzungen der Freunde die Position der Jugendlichen im Boot, um zu beweisen, wer wo gewesen ist. Mallory und Anthony waren ganz hinten, Morgan und Miley vorne. Connor wurde in Richtung Mittelkonsole des Bootes geschleudert. Es gibt dort gebrochene Halterungen und Schäden am Boot, die zu seinen Verletzungen passen. Für den Anwalt und Mallorys Familie ist das der Beweis, dass Connor nicht der Fahrer war. Und es gibt noch einen Alkoholtest aus dem Krankenhaus. Demnach hatte Paul in jener Nacht einen Blutalkoholwert von mindestens 2,4 Promille. Also eine sehr schwere Alkoholvergiftung. Während der Anwalt aktiv wird, tauchen weitere Fragen auf. Warum wurde Paul in der Nacht des Unfalls nicht sofort gründlich befragt? Denn es gibt keine protokollierte Aussage von ihm. Im Buch der Journalistin Valerie Bauerleins wird beschrieben, dass auch DNA-Proben, die auf dem Boot entnommen wurden, verschwunden sind. Fotos von der Spurensicherung fehlen. Und auch das erste Interview mit Anthony, in dem er gesagt hat, dass Paul gefahren sei, kann niemand mehr finden. Ausgerechnet in einem Fall, in dem schon von Anfang an der Eindruck entsteht, dass Pauls Familie irgendwie Einfluss auf alles nimmt, fehlen plötzlich Dinge. Dinge, die helfen könnten, die Nacht genau zu rekonstruieren. Der Anwalt von Mallorys Familie brecht deswegen eine Zivilklage gegen Paul und seine Familie ein. Auch die Staatsanwaltschaft erhebt drei Monate nach dem Unfall Anklage gegen Paul, im April 2019. Aber Paul wird nicht direkt verhaftet. Er wird nicht in Handschellen abgeführt und es gibt auch kein Bild von ihm in orangefarbener Gefängniskleidung. Mallorys Eltern und viele andere kritisieren, dass das nach einer Sonderbehandlung aussehen würde. Für Connor ist das aber ein Moment der Erleichterung, weil endlich Pauls Name auf den offiziellen Papieren steht. Trotzdem fragt er sich, ob jemand mit dem Namen von Pauls Familie am Ende tatsächlich angeklagt und verurteilt wird. Er hat seit dem Unfall übrigens keinen Kontakt mehr zu Paul. Auch Pauls damalige Freundin Morgan bricht den Kontakt ab. Paul versucht noch, sie zu erreichen. Aber für sie wirke das nur, als wolle er die Situation noch irgendwie manipulieren. Morgan will das alles nicht mehr. Also trennt sie sich von ihm. Auch Anthony sieht Paul nach dem Unfall nicht wieder. Und bis es zu einem Verfahren gegen Paul kommt, vergeht Zeit. Eine Menge Zeit. Nach außen wirkt das irgendwann fast so, als würde Pauls Leben einfach normal weitergehen. Er wartet auf seinen Prozess, sitzt aber nicht im Gefängnis, sondern ist gegen Kaution frei. Er taucht in Snapchat-Stories anderer Leute auf, wieder mit Alkohol. Für morgen ist das alles kaum auszuhalten. Anthony glaubt, Paul habe Angst gehabt. Es sei ihm nicht gut gegangen und er habe nicht einfach so weitergemacht wie vorher. Während der Strafprozess gegen Paul nur langsam vorankommt, arbeitet der Anwalt von Mallorys Eltern an der Zivilklage. Für ihn geht es nicht nur um die Frage, ob Paul gefahren ist. Es geht auch darum, wer an diesem Abend die Verantwortung getragen hat. Das Boot gehört Pauls Vater Alec. Der Alkohol wurde mit dem Ausweis von Pauls Bruder gekauft. So eine Klage kann für Pauls Vater Alec teuer werden. Sehr teuer. Doch Alec behauptet, er habe nicht genug Geld. Er sei pleite. Für eine Familie mit einem Anwesen doppelt so groß wie der Central Park eine merkwürdige Aussage. Auch der Anwalt glaubt ihm nicht. Er kennt Alec und seine Kanzlei und kann ungefähr einschätzen, wie viel Pauls Vater über die Jahre verdient haben müsste. Und für ihn passt diese angebliche Geldnot nicht zusammen. Also fordert der Anwalt Unterlagen an. Steuererklärungen, Bankkonten, Rentenkonten, Kontonummern. Alles, was zeigt, wie viel Geld Alec wirklich hat. Damit geht es nicht mehr nur um die Nacht auf dem Boot. Denn wenn Alec seine Finanzen offenlegen muss, könnten auch Dinge rauskommen, die mit Mallorys Tod auf den ersten Blick gar nichts zu tun haben. Eine offizielle Anhörung dazu soll im Juni 2021 stattfinden. Mehr als zwei Jahre nach dem Bootsunfall. Aber drei Tage vor dem Termin gibt es einen Anruf in der Notrufzentrale, der alles verändert. Am Telefon ist Pauls Vater Alec. Seine Stimme zittert und bricht beim Sprechen. Er presst hervor, dass er seine Frau Maggie und seinen Sohn Paul tot aufgefunden habe. Paul, der das Boot in der Unfallnacht gefahren haben soll, ist jetzt tot. Von dem Jagdanwesen der Familie wisst ihr ja schon. Dieses riesige Grundstück hat sogar einen eigenen Namen. Moselle. Es liegt abgelegen bei Eilenden, ungefähr eine Autostunde von der Stelle des Bootsunfalls entfernt. Moselle ist kein normales Wohnhaus mit Garten und Einfahrt. Dort gibt es Wälder, Felder, Wege, Nebengebäude, Hundezwinger und unzählige Fahrzeuge. Vom Haupthaus fährt man noch ein Stück bis zu den Hundezwingern. Nachts ist es dort in der ländlichen Gegend dunkel und sehr still. Wir haben euch Fotos des Anwesens in den Shownotes verlinkt, wenn ihr euch das mal genauer anschauen wollt. Paul lebt nach dem Bootsunfall genau dort, bei seinen Eltern. Später arbeitet er zeitweise in der Firma seines Onkels. Pauls Mutter Maggie kennen wir bisher noch gar nicht. Sie ist 52 Jahre alt, blond und wirkt auf Fotos so, als gehöre sie ganz selbstverständlich in eine Welt mit Strandhaus, großem Anwesen und Familienfesten. Sie und Alex sind schon lange verheiratet und kennen sich noch von der Uni. Vieles in ihrem Alltag dreht sich um die Familie, um Häuser und um das Leben zwischen Moselle und ihrem Strandhaus. Im Strandhaus verbringt sie viel Zeit mit Vorbereitung auf den 4. Juli, der Feier zum Unabhängigkeitstag, kommt an jenem Juni-Tag aber zurück nach Moselle. Und genau dort wählt Alec den Notruf, der am 7. Juni 2021 kurz nach 22 Uhr eingeht. Alecs Stimme ist hoch, ziemlich hektisch und ganz außer Atem. Er berichtet, dass seine Frau und sein Sohn erschossen worden seien. Sie würden sich nicht mehr bewegen und im Hintergrund der Aufnahme kann man Hundebellen hören. Wenige Minuten später rasen Polizeiautos durch die Dunkelheit nach Moselle. Als die ersten Beamten dort eintreffen, sehen sie als erstes die Hundezwinger. Und zwei Tatorte, die nur wenige Meter voneinander entfernt liegen. Der mittlerweile 22 Jahre alte Paul liegt bei den Zwingern in der Tür zum Futterraum. Er wurde mit einer Schrotflinte erschossen. Seine Mutter Maggie liegt genau zwölf Schritte entfernt. Auf sie wurde mehrfach mit einem Gewehr geschossen. Den Ermittlern fällt sofort auf, dass zwei verschiedene Waffen benutzt wurden. Alec erzählt den Beamten, dass er mit Paul tagsüber noch auf dem Anwesen von Moselle unterwegs war. auf einem Feld und beim Schießtraining. Dann hätten sie als Familie gemeinsam zu Abend gegessen. Maggie und Paul seien anschließend zum Hundezwinger gegangen. Alex selbst sei erst auf dem Sofa eingeschlafen, habe danach aber noch bei seiner Mutter vorbeigeschaut. Sie ist an Demenz erkrankt. Auch sein Vater, also Pauls Großvater, ist mittlerweile schwer krank und liegt im Krankenhaus. Nach dem Besuch bei seiner Mutter sei er zurück nach Moselle gefahren und habe dort Maggie und Paul gefunden. Auf Bodycam-Aufnahmen der Polizisten kann man sehen, wie Elik den Beamten eine mögliche Erklärung für die Morde gibt, nämlich den Bootsunfall. Er offenbart den Ermittlern, dass Paul seitdem Drohungen bekommen habe. Es könnte also jemand aus Rache geschossen haben, weil Mallory vor mittlerweile zwei Jahren gestorben ist. Mallorys damaliger Freund Anthony wird später von der Polizei auf der Arbeit befragt. Die Beamten wollen wissen, wo er am Abend war, als Paul und seine Mutter erschossen wurden. Auch bei Mallorys und Connors Familie melden sich die Ermittler. Pauls Ex-Freundin Morgan wird ebenfalls kontaktiert. Sie soll DNA und Fingerabdrücke abgeben. Für die Freunde muss das unbegreiflich sein. Mallory ist tot und jetzt wurden auch noch Paul und seine Mutter ermordet. Sie alle können allerdings schnell als Verdächtige ausgeschlossen werden. Alec und sein überlebender Sohn setzen kurze Zeit später eine Belohnung aus. 100.000 Dollar für Hinweise auf den oder die Täter. Aber trotz dieser Belohnung gibt es in den ersten Wochen kaum konkrete Informationen. Auch die Ermittler geben nicht viel an die Presse raus. Es gibt keine klare Beschreibung eines Verdächtigen, kein Auto, nach dem gefahndet wird, und auch keine Warnung vor einer Person, die bewaffnet unterwegs sein könnte. In Henton, Beaufort und den kleinen Orten dazwischen ist Pauls Familie natürlich Thema Nummer eins. Werbung. Werbung Ende. Alle reden über den Bootsunfall, über Gerüchte und andere Todesfälle, die mit der Familie zusammenhängen könnten. Immer wieder tauchen Geschichten auf. Über eine Haushälterin, die nach einem Sturz im Haus der Familie stirbt. Und über einen jungen Mann, der nachts tot auf einer Straße nahe des Anwesens gefunden wird. Denn im Umkreis der Familie scheint es erstaunlich viele Todesfälle zu geben. Einer dieser Todesfälle betrifft Gloria. Gloria hat mehr als 20 Jahre für Pauls Familie gearbeitet. Sie ist die Haushälterin, kümmert sich aber nicht nur um das Haus, sondern ist vor allem für Paul mehr als nur eine Angestellte. Sie zieht Paul praktisch groß, bis zu ihrem tragischen Tod. 2018, ein Jahr vor dem Bootsunfall, stürzt Gloria auf der Treppe des Jagdanwesens in Moselle. Sie landet auf dem Boden, fängt am Kopf an zu bluten und wird ins Krankenhaus gebracht. Dort liegt sie noch einige Zeit im Koma, bis sie ihren Verletzungen erliegt. Damals heißt es, Gloria sei über die Hunde der Familie gestolpert und deswegen die Treppe hinuntergefallen. Aber nach den Morden an Maggie und Paul klingt diese Geschichte für manche Leute plötzlich irgendwie unglaubwürdig. Gerüchte besagen, dass Maggie sie umgebracht haben könnte. Andere glauben, dass es Paul war. Sein Freund Anthony glaubt nicht, dass Paul Gloria je etwas angetan hätte. Pauls damalige Freundin Morgan erinnert sich allerdings, dass in dieser Zeit noch etwas anderes im Haus los war. Haushälterin Gloria habe einmal Tabletten gefunden, die unter dem Bett versteckt waren. Morgan spekuliert, dass Gloria vielleicht zu viel gewusst habe, dass Drogen eine Rolle gespielt haben könnten. Das sind aber alles nur Spekulationen. Und dennoch, Glorias Geschichte ist nicht die einzige, die jetzt wieder aufploppt. Ein paar Jahre zuvor, 2015, wird Steven tot auf einer Landstraße gefunden. Er ist gerade mal 19 Jahre alt geworden. Sein Auto stand allerdings mehrere Kilometer von ihm entfernt, am Straßenrand. Am frühen Morgen ruft ein Autofahrer den Notruf, weil Steven mitten auf der Straße liegt. Zuerst geht man von einem Unfall aus. Vielleicht wurde Steven von einem Auto erfasst. Aber schon damals gibt es Fragen. Warum liegt er mitten auf der Straße? Warum wirken seine Schuhe und seine Kleidung nicht so, wie man es bei einem Autounfall erwarten würde? Nichts ist zerrissen. Warum hat er trotzdem schwere Kopfverletzungen, obwohl sein eigenes Auto ganz woanders steht? Der Fall kann nie richtig aufgeklärt werden. Und in Hampton County kursieren Gerüchte. Immer wieder fällt der Name von Pauls Familie. Vor allem der Name seines älteren Bruders. Er heißt genau wie sein Vater. Richard Alexander wird aber Buster genannt. Buster ist drei Jahre älter als sein Bruder Paul. Es gibt Geschichten darüber, dass Stephen und Buster sich gekannt haben sollen. Später gibt es sogar Behauptungen über eine mögliche heimliche Beziehung. Bewiesen ist aber nichts davon. Es gibt keine Anklage gegen Buster und keine offiziellen Beweise, dass er oder die Familie etwas mit Stevens Tod zu tun haben. Morgan ist zu dieser Zeit schon mit Paul zusammen. Sie bekommt damals eine seltsame Nachricht auf Facebook. Ein Mädchen schreibt ihr, dass Paul oder sein Bruder Buster etwas mit Stevens Tod zu tun haben könnten. Morgan spricht die Familie darauf an. Maggie, ihr Mann Alec und die Brüder Buster und Paul können darüber aber nur lachen. Aus der Familie fällt sogar noch eine homophobe Beleidigung mit der Frage, warum sie ihn überhaupt umbringen sollten. Rückblickend findet Morgan, dass das schon das erste Warnsignal gewesen sei. Nach den Morden an Maggie und Paul wird auch Stevens Fall wieder für die Polizei interessant. Die Ermittler öffnen die Akte nochmal, weil im Zusammenhang mit den Morden neue Informationen aufgetaucht seien. Welche das genau sind, das verraten sie allerdings nicht. Aber was dann passiert, ist noch krasser als jedes Gerücht in Hampton County. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur um mysteriöse Todesfälle. Es geht um verschwundene Millionen, um eine Kanzlei, die ihren eigenen Anwalt rauswirft, um einen angeblichen Mordanschlag, der sich erst wie ein Attentat anhört, dann wie ein geplanter Suizid und am Ende noch viel merkwürdiger wird. An diesem Punkt müssen wir kurz sortieren, wie viele Fäden inzwischen bei Alec zusammenlaufen. Mallory ist tot, nachdem Paul betrunken ein Boot gegen eine Brücke gefahren haben soll. Paul wird angeklagt, aber es gibt noch keinen Prozess. Mallorys Familie klagt gleichzeitig Pauls Familie in einem Zivilprozess an. Und der Anwalt will wissen, wie viel Geld Alec wirklich hat. Denn der sagt ja, er sei pleite. Dann werden Paul und seine Mutter Maggie erschossen. Und jetzt führt uns die nächste Spur direkt in Aleks Kanzlei. Denn im Sommer 2021, ungefähr zum Zeitpunkt der Morde an Paul und Maggie, fällt hier etwas auf. Und zwar ein Scheck. Eigentlich soll dieses Geld an die Kanzlei überwiesen werden. Stattdessen sieht es so aus, als sei das Geld bei Alek gelandet. Es geht um 792.000 Dollar. Und dann wird aus diesem einen Scheck plötzlich ein viel größeres Problem. Denn es scheint, als wäre über Jahre hinweg Geld nicht dort angekommen, wo es hätte ankommen sollen. Mandanten sollen nach Gerichtsurteilen teilweise zu wenig oder gar kein Geld bekommen haben. Und Summen sollen über Konten geschoben worden sein. Zum Beispiel im Fall Gloria, der Haushälterin, die auf Moselle stürzt und stirbt. Bei den Ermittlungen kommt heraus, dass Alic nach Glorias Tod auf ihre Söhne zugeht und ihnen sagt, dass sie ihn verklagen sollen. Seine Versicherung würde dann zahlen und er könne ihnen so finanziell helfen. Und tatsächlich gibt es später einen Vergleich mit der Versicherung über 4,3 Millionen Dollar. Aber Glorias Söhne haben das Geld nie gesehen. Nicht einen Dollar. Sie wissen lange nicht einmal, dass es in dem Fall einen Vergleich gegeben hat. Das ist einfach Wahnsinn. Gloria arbeitet mehr als 20 Jahre für diese Familie. Sie kümmert sich um das Haus, um Paul und um den Alltag auf Moselle. Dann stirbt sie nach einem Sturz auf dem Anwesen. Alec stellt sich als der Mann dar, der ihrer Familie helfen will. Und am Ende fließen Millionen in seine eigene Tasche. Das ist wirklich unglaublich. Im September 2021, knapp drei Monate nach dem Tod von Paul und Maggie, muss Alec die Kanzlei verlassen. Kurz darauf erfährt auch die Öffentlichkeit, dass Alec Gelder veruntreut haben soll. Und das muss man für Hampton County und die Gegend kurz einordnen. Ein Mann aus der Familie, die dort jahrzehntelang für Rechtseinfluss und Justiz steht, soll seine eigene Kanzlei bestohlen haben. Die Familie, die immer alles geregelt bekommt, hat jetzt plötzlich selbst ein Problem, das sich nicht mehr einfach wegtelefonieren lässt. Und dann, nur einen Tag später, wird es wirklich komplett absurd. Es ist der 4. September 2021, der Samstag am Labor Day-Wochenende. Alec ist gerade auf einer Landstraße in Hampton County unterwegs, als von dort plötzlich ein Notruf eingeht. Alecs gehetzte Stimme ist zu hören. Er habe einen platten Reifen gehabt. Dann offenbart er, dass ein Mann angehalten und auf ihn geschossen habe. Alec blutet am Kopf und wird mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht. In den ersten Meldungen klingt das wie der nächste Angriff auf die Familie. Erst Maggie und Paul, jetzt Alec. Für einen Moment wirkt es fast so, als würde wirklich jemand diese Familie jagen. Aber diese Version hält nur ein paar Tage. Dann fällt diese Theorie komplett auseinander. Denn die Polizei kann den Mann auf der Straße ausfindig machen. Es ist kein Fremder. Es ist Curtis Edward, auch Eddie genannt. Ein entfernter Cousin von Alec. Die beiden haben kurz zuvor miteinander telefoniert. So kommt die Polizei auf Eddie. Der Typ ist jemand, der für Alec arbeitet und Besorgungen erledigt hat, zum Beispiel Schecks eingelöst hat. Und jetzt kommt die nächste groteske Wendung. Alec gibt zu, dass der Schuss auf ihn nicht einfach ein Angriff war. Seine Anwälte geben ein Statement ab, dass Alec Eddie gebeten habe, ihn zu erschießen. Alec habe sterben wollen, aber so, dass es wie ein Mord aussieht. Denn dann könnte sein Sohn Buster Geld aus einer Lebensversicherung bekommen. Das klingt völlig verrückt. Aber selbst diese Erklärung scheint eine Lüge zu sein. Denn diese Lebensversicherung gibt es laut der Journalistin Valerie Bauerlein gar nicht. Und Eddie erzählt der Polizei eine komplett andere Story. Laut Eddie hat Alec ihn angerufen und um ein Treffen gebeten. Am Treffpunkt soll Alec mit einer Waffe herumgefuchtelt haben. Eddie beteuert, er habe versucht, Alec die Waffe wegzunehmen. Dabei habe sich ein Schuss gelöst. Eddie meint ganz trocken in einem Interview, dass wenn er wirklich auf Alec geschossen hätte, dann wäre der jetzt tot. Bei der Polizei wird aber noch eine dritte Möglichkeit diskutiert. Die Ermittler fragen sich, ob Alec vielleicht nicht sich selbst töten wollte, sondern Eddie. Also ob er Eddie auf diese einsame Straße gelockt haben könnte, um ihn dann als Täter oder Verdächtigin für die Morde an Maggie und Paul dastehen zu lassen. Bewiesen ist das natürlich nicht, aber allein, dass diese Möglichkeit überhaupt im Raum steht, zeigt, wie verworren und kompliziert dieser Fall inzwischen ist. Ein angeblicher Mordanschlag, der dann ein geplanter Suizid sein soll, der vielleicht aber etwas ganz anderes war. Und das ist immer noch nicht vorbei. Denn mit dem Statement von Alec zum Eddie-Vorfall wird direkt noch etwas anderes öffentlich. Alecs jahrelange Tablettensucht. Seine Anwälte sagen, er habe ein schweres Opioid-Problem. Es geht um Schmerzmittel, um Oxycodon, um eine jahrelange Abhängigkeit. Alec geht nach dem Vorfall mit Eddie erstmal in eine Entzugsklinik. Für die Öffentlichkeit klingt das wie eine völlig neue Information. Aber für einige Menschen, die nah an der Familie waren, ist es das nicht. Pauls Ex-Freundin Morgan erzählt, dass Alecs Tabletten-Sucht im Haus der Familie kein Geheimnis gewesen sei. Paul hat sogar versucht, Druck zu machen, damit sein Vater Alec einen Entzug macht. Und die Haushälterin Gloria findet ja laut Morgan einmal Tabletten in Alecs Schlafzimmer. Sie sollen unter dem Bett versteckt gewesen sein. Gloria zeigt sie damals aber nicht Alex, Frau Maggie. Sie hat offenbar Angst, dass Maggie denken könnte, sie habe im Haus herumgeschnüffelt. Stattdessen zeigt Gloria die Tabletten Paul. Und Paul ruft wieder mal seinen Großvater an. Das passt zu dem Muster, das wir schon kennen. Wenn in dieser Familie etwas passiert, dann wird innerhalb der Familie telefoniert. Für morgen bekommt Glorias Tod dadurch später noch einmal eine andere Bedeutung. Jetzt ist plötzlich alles anders. Alec, der erfolgreiche Anwalt aus einer mächtigen Familie, ist nicht nur der trauernde Ehemann und Vater, er ist auch ein Mann mit einer schweren Abhängigkeit. Er erklärt damit auch teilweise die Gelddiebstähle in der Kanzlei. Aber je mehr Zahlen auftauchen, desto weniger reicht diese Erklärung. Denn hier geht es nicht um ein paar tausend Dollar. Es geht um Millionen. Das kann ja nicht alles für Tabletten draufgegangen sein. Und da stellt sich eine neue Frage. Wo ist dieses ganze Geld geblieben? Während das alles auffliegt, sind die Morde an Maggie und Paul noch immer ungeklärt. Und die Erklärung, dass es sich um Rache wegen des Boots und Fights handelt, führt nirgendwo hin. Allerdings rückt Alec selbst immer mehr in den Fokus der Polizei. Nicht nur, weil sein finanzielles Leben zusammenbricht, sondern weil er sich nach außen immer mehr in Geschichten verstrickt, die einfach nicht stimmen. Auch in der Mordnacht von Maggie und Paul. Alec sagt ja von Anfang an, dass er bei seiner Mutter war. Die kann das aber nicht bestätigen, weil sie zu dem Zeitpunkt geschlafen hat. Aber ihre Pflegerin ist im Haus und bestätigt, dass Alec da war. Aber nur ganz kurz. Nach ihrer Erinnerung um die 15 bis 20 Minuten. Und das ist wichtig, weil dieser Besuch dadurch nicht mehr wie ein richtiges Alibi wirkt. Es ist eher ein kurzer Zwischenstopp. Er war dort, ja, aber nicht so lange, dass damit automatisch klar wäre, dass er zur Tatzeit nicht in Moselle sein kann. Noch merkwürdiger wird es, als die Pflegerin von einem Gespräch mit Alec berichtet. Alec habe sie beschwört zu sagen, dass er in der Mordnacht 30 bis 40 Minuten bei seiner Mutter war, also deutlich länger. Damit stellt sich die Frage, ob er ein Alibi erschaffen wollte. Und dann gibt es noch ein Detail, das den Ermittlern auffällt. Alec hat sich ja an jenem Abend umgezogen. Auf Aufnahmen vom frühen Abend, als Paul und Alec auf Moselle unterwegs waren, trägt er ein hellblaues Hemd und eine lange beigefarbene Hose. Das Video könnt ihr euch auch mal anschauen, haben wir euch in den Shownotes verlinkt. Als Alec den Notruf wählt und die Polizei in Moselle eintrifft, trägt er ein weißes T-Shirt und Shorts. Das ist auf den Bodycam-Aufnahmen zu sehen. Als die Ermittler Alec danach fragen, kann er sich angeblich nicht genau erinnern, wann er sich umgezogen hat. Und genau da entsteht der Verdacht. Einfach, weil immer mehr Dinge nicht zusammenpassen. Im Juli 2022 kommt es schließlich zu einer Anklage. Ein Jahr nach den Morden an Paul und Maggie wird Alec wegen Mordes angeklagt. Für die Staatsanwaltschaft und die Öffentlichkeit ist die Sache kein automatisch klarer Fall. Natürlich ist inzwischen viel über Alec bekannt. Er hat gelogen, offenbar Gelder gestohlen und eine Tablettensucht. Aber das beweist noch nicht, dass er seine Frau und seinen eigenen Sohn ermordet hat. Warum sollte er? Also, es gibt keine Tatwaffen, keine Überwachungskamera, die den Mord aufzeichnet, kein Geständnis, keine Zeugen, die etwas gesehen haben. Und damit ist es ein Indizienprozess. Ein Prozess, in dem viele einzelne Teile zusammen ein Bild ergeben sollen. Aber jedes einzelne Teil kann die Verteidigung natürlich angreifen. Der Prozess beginnt am 25. Januar 2023 in Walterborough, South Carolina. Eine kleine Stadt, die plötzlich im Mittelpunkt der amerikanischen True-Crime-Welt steht. Vor dem Gericht stehen Reporter, Kamerateams und Schaulustige. Und auch der Gerichtssaal selbst erzählt etwas über die Macht dieser Familie. Denn dort hängt normalerweise ein Porträt von einem der Vorfahren, Aleks Urgroßvater. Für den Prozess wird dieses Bild aber abgehängt. An der Wand bleibt nur eine helle Stelle zurück. Ein Rechteck, wo das Porträt vorher hing. Alec sitzt also in einem Gerichtssaal, in dem der Schatten seiner eigenen Familie buchstäblich noch an der Wand zu sehen ist. Für die Staatsanwaltschaft ist klar, Alec hat Maggie und Paul getötet, weil um ihn herum alles zusammengebrochen ist. Der Staatsanwalt beschreibt es als eine Art aufziehenden Sturm. Die Finanzverbrechen drohen aufzufliegen. Die Zivilklage im Bootsunglück rückt näher. Seine Kanzlei stellt Fragen. Sein ganzes Leben, bestehend aus Lügen, wird instabil. Und laut dieser Theorie werden die Morde zu einem verzweifelten Versuch, Zeit zu gewinnen, Mitleid zu erzeugen und die Aufmerksamkeit vom Finanzskandal wegzulenken. Die Verteidigung hält dagegen. Das sei alles Theorie. Von dort heißt es, ja, Alec ist ein Lügner. Ja, er hat Geld gestohlen. Und ja, Alec hat schreckliche Dinge getan. Aber das heißt nicht, dass er seine Frau und seinen Sohn ermordet hat. Die wichtigsten Punkte für die Verteidigung sind die Tatwaffen. Es wurden ja zwei verschiedene Waffen benutzt, eine Schrotflinte für Paul und ein Gewehr für Maggie. Für die Verteidigung spricht das eher für zwei Täter. Wenn jemand Paul aus nächster Nähe mit einer Schrotflinte erschießt, dann müsste dieser Täter nach Meinung der Verteidigung voller Blut sein. Alex's Shirt ist aber weiß. Allerdings hat er sich ja auch umgezogen. Außerdem kritisiert die Verteidigung die Polizeiarbeit am Tatort. Zu viele Menschen seien dort gewesen und es sei nicht sauber gearbeitet worden. Aleks älterer Sohn Buster sagt ebenfalls aus. Er ist jetzt der einzige direkte Teil dieser Familie, der noch lebt. Und er hält im Prozess zu seinem Vater. Es gibt also durchaus Menschen, die glauben, dass Alec freigesprochen wird. Sogar O.J. Simpson kommentiert den Fall auf Social Media. Es würde ihn nicht wundern, wenn Alec den Prozess gewinnt. Aber dann kommt das Handy. Pauls Handy. Die Ermittler hatten sein Smartphone schon seit der Mordnacht in ihrer Obhut. Es liegt neben Paul, als er tot aufgefunden wird. Aber sie bekommen keinen Zugang, denn das Smartphone ist gesperrt und niemand kennt den Code. Das ist ein riesiges Problem, denn dieses Handy könnte zeigen, was Paul in seinen letzten Minuten gemacht hat. Es dauert Monate. Viele Experten versuchen, das Gerät zu knacken. Sogar der Secret Service wird irgendwann eingeschaltet. Und von dort kommt der Vorschlag, ihr werdet es jetzt wirklich nicht glauben, dass man es doch mal mit seinem Geburtstag versuchen soll. Die Beamten versuchen ihr Glück und es funktioniert tatsächlich. Auf dem Handy finden die Ermittler ein Video. Wir haben euch die komplette Aufnahme in den Shownotes verlinkt. Sie ist nur 50 Sekunden lang. Paul hat das Video am Abend seines Todes aufgenommen. Wie ihr schon wisst, hat er sich an jenem Abend um die Hunde gekümmert und um den Hund eines Freundes. Der ist bei den Swingern auf Moselle. Der Hund hat offenbar etwas am Schwanz und Paul will seinem Kumpel zeigen, wie es aussieht. Weil die Verbindung für FaceTime nicht gut genug ist, macht er ein Video, aber er kann es nicht mehr abschicken. Auf diesem Video sieht man einen Hund in seinem Zwinger. Das Tier bewegt sich und Paul versucht, seinen Schwanz zu filmen. Im Hintergrund bellen weitere Hunde. Und dann hört man Stimmen. Man hört Paul, man hört seine Mutter Maggie und man hört Alec. Er ist zwar nicht im Bild, aber seine Stimme ist ganz klar zu hören. Es geht um den Familienhund, der offenbar einen Vogel im Maul hat. Maggie sagt was, Paul korrigiert sie und Alec ruft nach dem Hund. Das Video wurde ungefähr um 20.44 Uhr aufgenommen. Und die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Maggie und Paul nur wenige Minuten später getötet wurden. Denn ab dann sind sie nicht mehr erreichbar. Das ist der Moment, der alles im Prozess verändert. Alec hat bis dahin ja immer behauptet, er sei in dieser entscheidenden Zeit gar nicht bei den Hundezwingern gewesen. Er habe nach dem Abendessen auf dem Sofa gelegen, sei dann zu seiner Mutter gefahren und habe Maggie und Paul erst gefunden, als er wieder zurückkam. Aber dieses Video zeigt, Alec war doch dort, kurz vor den Morden. Für die Staatsanwaltschaft ist das der Durchbruch. Alec entschließt sich, vor Gericht auszusagen. Er gibt zu, dass er gelogen hat. Er gibt zu, dass er bei den Hundezwingern war. Er gibt auch zu, dass das seine Stimme ist, die auf dem Video zu hören ist. Er habe die Ermittler angelogen, weil er wegen seiner Tablettensucht paranoid gewesen sei. Er habe Angst gehabt. Er habe nicht klar denken können. Und als er erst einmal gelogen habe, habe er weiter lügen müssen. Gleichzeitig gibt Alec im Zeugenstand auch andere Dinge zu. Dass er Mandanten bestohlen und Geld veruntreut hat. und dass diese Geschichte auf der Landstraße mit Eddie nicht so war, wie er zuerst erzählt hat. Nach sechs Wochen Prozess ziehen sich die Geschworenen zur Beratung zurück. Nach so langer Zeit erwarten viele eigentlich lange Diskussionen. Stunden, vielleicht Tage. Schließlich geht es um zwei Morde und eine sehr komplizierte Vorgeschichte. Aber die Jury braucht weniger als drei Stunden, bis sie schon zurückkommt. Die Gerichtssekretärin liest das Urteil vor. Schuldig. Alec wird zu zweimal lebenslänglich verurteilt. Viele Menschen wirken erleichtert, weil überhaupt jemand aus dieser Familie verurteilt wird. Für andere ist damit noch nicht alles abgeschlossen. Für Mallorys Familie zum Beispiel. Für sie kann es keinen Strafprozess mehr gegen Paul geben. Paul ist ja tot. Es bleibt der Zivilprozess und der endet später mit Vergleichen. Mallorys Familie bekommt eine Millionensumme von der Firma, die Paul vor der Bootsfahrt Alkohol verkauft hat. Und noch etwas Geld von Alex' Versicherung. Das kann natürlich kein Ersatz für Mallory sein, aber es ist zumindest ein Moment, in dem die Verantwortung anerkannt wird. Auch im Fall der toten Haushälterin Gloria gibt es ein Update. Ihre Söhne bekommen ihr erst Jahre nach ihrem Tod mit, dass sie eigentlich Millionen von der Versicherung hätten bekommen sollen. Nun bekommen Glorias Söhne über Vergleiche und Urteile Geld zurück. Und im Fall Steven, der tot auf der Landstraße gefunden wurde, wird immer noch ermittelt. Sein Tod gilt inzwischen als Tötungsdelikt, aber bis heute gibt es keine Anklage. Und gerade als es so wirkt, als könne man einen vorsichtigen Schlussstrich ziehen, dreht sich die Geschichte noch einmal um 180 Grad. Im Mittelpunkt steht nun eine Frau, die während des Prozesses jeden Tag im Gerichtssaal sitzt und am Ende sogar das Urteil laut vorliest, die Gerichtssekretärin. Sie heißt Becky und ist die sogenannte Clerk of the Court. Sie kümmert sich um die Abläufe, um die Jury, um Essen, Pausen und Rückzugsräume. Sie ist also sehr nah dran am Geschehen. Nach dem Schuldspruch schreibt Becky sogar ein Buch über den Prozess. Das erscheint nur wenige Monate nach dem Urteil. Aber daraufhin melden sich Geschworene zu Wort. Sie werfen Becky vor, dass sie während des Prozesses Einfluss auf die Jury genommen habe. Sie habe den Geschworenen beispielsweise gesagt, dass sie Alec ganz genau beobachten sollen. Auf seine Körpersprache achten, auf seine Bewegung. Sie sollten sich von ihm nicht täuschen lassen und sich nicht von der Verteidigung verwirren lassen. Eine Geschworene sagt sogar, sie habe das so verstanden, als wolle Becky ihnen sagen, dass Alec schuldig ist. Am Tag, an dem die Jury in die Beratungen entlassen werden soll, wird eine Geschworene plötzlich ausgetauscht. In den Medien bekommt sie später den Spitznamen Egglady, weil sie beim Verlassen des Gerichts ihre Eier aus dem Juryraum mitnehmen will. Offiziell heißt es, die Geschworene habe außerhalb des Gerichts über den Fall gesprochen, was aber nicht erlaubt ist. Sie selbst bestreitet das. Und genau diese Geschworene gilt als eine Person, die eher Zweifel an Alex Schuld hatte. Die Verteidigung kämpft für eine neue Anhörung. Die Geschworenen und Becky werden jetzt befragt. Becky bestreitet, die Jury beeinflusst zu haben. Im Mai 2026, also erst kürzlich, entscheidet der Supreme Court von South Carolina, dass die Mordurteile gegen Alec aufgehoben werden müssen. Nicht, weil Alec unschuldig ist, sondern weil das Gericht sagt, dass der Prozess nicht fair war. Becky habe unzulässig auf die Jury eingewirkt. Das komplette Mordurteil fällt damit. Fest steht, dass Alec einen neuen Prozess bekommt. Für Becky ist das ein Desaster. Sie tritt später von ihrem Amt zurück. Gegen sie gibt es strafrechtliche Vorwürfe wegen Fehlverhaltens, Meineid und Behinderung der Justiz. Am Ende bekommt sie eine Bewährungsstrafe. Alec verklagt sie dann auch auf zivilem Wege. Er will Geld zurück, unter anderem für seine Verteidigungskosten aus dem ersten Prozess. Becky versucht, diese Klage abweisen zu lassen. Für Alec ist die aufgehobene Mordverurteilung der größte juristische Erfolg seit Jahren. Aber aus dem Gefängnis frei kommt er trotzdem nicht. Er sitzt weiterhin in Haft, weil er auch wegen seiner Finanzverbrechen verurteilt wurde. Diese Urteile bleiben nämlich bestehen. Für die Staatsanwaltschaft heißt das jetzt, dass sie die Mordfälle noch einmal vor eine neue Jury bringen muss. Und der zweite Prozess wird wahrscheinlich anders aussehen. Die Verteidigung will den Ort wechseln, weil fast jeder den Fall kennt. Sie hat außerdem angekündigt, unbekannte männliche DNA unter Maggies Fingernägel noch einmal testen zu lassen. Und sie will verhindern, dass die Finanzverbrechen wieder so ausführlich erzählt werden wie im ersten Prozess, weil dadurch ein schlechtes Bild von ihm entsteht, vor allem bei der Jury. Und damit ist dieser Fall hier juristisch wieder komplett offen. Der zweite Mordprozess soll im April 2027 beginnen. Zumindest ist das jetzt Anfang Juli 2026 der Stand. Ganz sicher ist es aber noch nicht. Der Termin könnte sich verschieben, wenn die zusätzlichen DNA-Tests mehr Zeit brauchen oder wenn vorher noch über den Gerichtsort und die Beweise gestritten wird. Also bevor wir in die Diskussion steigen, erstmal zwei Sachen. Erstens, Laura, du hast uns den Fall über E-Mail, gibt es auch noch, vorgeschlagen. Deswegen vielen, vielen Dank für diesen ultra, ultra krassen und komplexen Fallvorschlag. Und zweitens, könnt ihr schon mal in die Kommentare schreiben, egal wo, ob auf YouTube, auf Spotify oder anderswo. Was haltet ihr von so langen Fällen? Weil wir sind ja jetzt schon ultra lang und jetzt kommt ja noch ein bisschen Diskussion, Personalakte und alles. Der Fall, ich habe es ja gerade schon gesagt, ist so krass komplex und der hat tausende Wendungen. Wir müssen das, glaube ich, auch für uns jetzt erst mal sortieren. Also wie viel Dreck am Stecken kann eine Familie haben? Das ist so mein erster Gedanke. Eine Familie mit so viel Macht, die diese Macht ja auch ganz bewusst einsetzt. Und jeden in der Familie, der irgendwie mal Scheiße baut, da auch mit einem Anruf gefühlt wieder rausholen kann. Das finde ich an sich schon total absurd. Also dieser Einfluss der Familie. Aber alles, was da jetzt so drumherum passiert ist, das ist ja wirklich komplett absurd. Weißt du, so angefangen von diesem wirklich tragischen Bootsunfall. Wobei ja eine Person dafür auch wirklich verantwortlich war. Also wenn du betrunken schnell so ein Boot fährst, dass da was passiert, ist ja fast schon ein bisschen absehbar, muss man sagen. Aber dass dann Paul und seine Mutter auch noch erschossen werden und diese Geschichte mit diesem toten Eddie auf der Landstraße und der Haushälterin und, und, und. Und also die Liste ist ja super lang und jeder Fall, jede Geschichte an sich könnte ja eine eigene Folge sein, oder? Dass das aber hier alles zusammenkommt und alle roten Fäden bei dieser Familie landen, das ist schon ganz schön... Das ist schon viel. Definitiv. Deswegen würde ich sagen, lass uns nochmal ganz, ganz vorne anfangen. Nämlich da, wo wir die Folge heute auch angefangen haben, bei dieser Bootsfahrt. Was du ja auch gerade schon gesagt hast. Ich finde es so krass, dass die ganze Truppe, dass niemand gesagt hat, ich steige nicht auf dieses Boot. Ich nehme einen anderen Weg nach Hause. Und dass sie alle halt Paul auch wirklich, naja, nicht vertraut haben, aber dass Paul halt so eine Macht ausgeübt hat. So eine Dominanz, dass sie ihm alle gehorcht haben, dass er auch selber fährt, obwohl er stockbesoffen ist, also, das war eines der ersten Sachen, die ich einfach auch nicht verstanden habe, um ehrlich zu sein Ja, und dass Paul dann aber auch später behauptet, dass Conor am Steuer gewesen sei Ja. Der sich ja nicht mal wehren kann, weil sein Kiefer gebrochen ist und er nicht mal reden kann Ja, und halt weiß, ey meine Familie hat so einen Einfluss ich sag das jetzt einfach so, und nicht mal ja, Verantwortung übernimmt für seine Taten. Und das, finde ich, beschreibt diese Familie ja ganz gut, dass da keiner so richtig Verantwortung übernimmt, sondern da wird Opi angerufen und Opi regelt. Und wenn Opi im Krankenhaus ist, dann regelt Papa. Und der hat aber noch seine Tabletten-Sucht. Also das ist wirklich alles so absurd, was sich in dieser Familie zugetragen hat. Plus am Ende. Wird dieses Mordurteil auch noch aufgehoben. Das kannst du dir doch alles gar nicht ausdenken, oder? Ja, absolut. Ich muss aber auch zugeben, dass ich nicht erwartet hätte, dass dieser Fall sich so entwickelt. Ich wäre fast dieser Theorie auferlegen, dass Paul und Maggie von den ehemaligen Freunden erschossen worden sind, aus Rache, dass Paul ja offensichtlich für den Tod an Mallory einfach verantwortlich ist. Aber dass alles nochmal so einen riesigen Turn macht, das habe ich echt nicht kommen sehen. Könnt ihr auch gerne mal schreiben, ob ihr genauso überrascht gewesen seid von dem Fallen. Also Alec bestreitet ja, dass er seine Frau und seinen Sohn erschossen hat, aber so mit dem Hintergrund seiner Tablettensucht, seinem finanziellen Druck, finde ich das gar nicht so abwegig, dass er die beiden wirklich erschossen hat. Also das gab es ja in der Vergangenheit auch in anderen Fällen, dass jemand aus der Familie seine Familie erschossen hat, weil da so viele Probleme plötzlich auch zusammengekommen sind und die Person dann halt nicht wollte, dass so die restliche Familie das alles noch, mitbekommt und das dann ja auch zu spüren bekommt, die Konsequenzen. Deswegen finde ich das gar nicht so abwegig, dass er sie vielleicht doch erschossen hat. Und es spricht ja auch vieles dafür. Aber ja, so ganz rund ist die Sache nicht. Also es ist, wie wir ja schon gesagt haben, ein Indizienprozess, der hier passiert ist. Und ich finde, der lässt ja schon manchmal noch so kleine Zweifel übrig. Aber ja, was für ein Fall, ey. Also ich, ja, meine Gedanken sind gerade wirklich komplett durcheinander. Nicht durcheinander, es sind viele. Es sind einfach gerade viele Gedanken, weil so viel passiert ist. Und das ist wieder so ein Fall. Da kannst du dir am Ende doch gar nicht ausdenken, dass das wirklich genau so passiert ist und nicht irgendwie von einem Hollywood-Drehbuchautoren sich so ausgedacht wurde, oder? Ja, ich kann mich dem einfach nur anschließen. Ich bin gespannt, was ihr da draußen zu dem Fall sagt. Und damit würde ich sagen, steigen wir rein in die Personalakte, die wir heute aber ein bisschen kürzer halten können, wa? Ja, ich kann gar nicht so viel erzählen, weil jetzt, wo diese Folge rauskommt, werde ich in meinem Sommerurlaub sein auf Sizilien in Italien. Und da wir die Folge jetzt ja natürlich schon vorher aufgenommen haben, kann ich euch noch nicht erzählen, was da alles so passiert ist. Das machen wir dann, wenn ich wieder da bin. Ja, wo bist du gerade, Patrick? Was machst du gerade in diesem Moment, in dieser Woche? In diesem Moment werde ich hoffentlich mit Kumpels in Polen in einem Pool chillen oder so. Je nachdem, wie das Wetter da gerade ist. Ja, ich freue mich auch schon sehr. Aber eine Sache kann ich auf jeden Fall sagen schon mal. Ich werde die schwarze Akte vermissen und dadurch, dass wir jetzt ja so viel auch vorproduzieren, dass wir uns die ganze Zeit halt auch nicht sehen, deswegen, da freue ich mich auf jeden Fall schon mal, da habe ich in diesem Moment, werde ich daran denken, ich werde Vorfreude haben auf die nächste Aufnahme. Ja, voll, ich freue mich auch. Wir haben uns jetzt ja kürzlich einmal beim Fotoshooting gesehen, aber die Aufnahmen waren zuletzt immer remote, deswegen freue ich mich auch auf den August, weil dann sehen wir uns wieder im Studio und würde ich sagen, posten auch an dem Tag dann ein Foto von uns, ein Beweisfoto, dass wir wirklich wieder zusammen im Studio waren. Und genau, ich würde sagen, wir beenden jetzt diese lange Folge für heute und freuen uns wie immer, wenn ihr auch demnächst hier wieder zuhört oder viele schreiben auch, dass sie sich die alten Folgen nochmal anhören, das finde ich ja auch total faszinierend, also tut auch gerne das, wir freuen uns sehr und hören uns dann nächste Woche Dienstag. Wir sind eure Hosts Anne Luckmann und Patrick Strohbusch. Johanna Müsiger und wir. Anne Luckmann. Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.