Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Eigentlich ist es eine Szenerie wie aus einem Bilderbuch. Mächtige Alpen, die sich über den grünen Almwiesen erheben. Schneebedeckte Gipfel, die in der Sonne golden leuchten. Bewaldete Täler und kristallklare Bäche, die sich durch die hügelige Landschaft schlängeln. Eine Idylle, die Frieden verspricht, Ruhe und Entschleunigung. Doch je höher man die Berge hinaufsteigt, desto steiniger wird das Gelände. Riesige Felsbrocken sind hier keine Seltenheit. Teilweise so groß, dass sie mehrere Menschen gleichzeitig unter sich begraben könnten. Über Jahrtausende haben die Kräfte der Natur Hohlräume in das Gestein gespült. So sind Höhen entstanden, die teilweise so groß sind, dass man unbeschwert in ihnen stehen und sogar ein paar Schritte laufen kann. Dass es diese Höhlen gibt, ist kein Geheimnis. Da die meisten Höhlen aber für Menschen eher schwer zugänglich sind, werden sie kaum genutzt. Es ist damit die ideale Umgebung für einen Mann, der ungesehen bleiben möchte. Ungesehen und ungehört. Ein Mann, der die Höhlen nutzt, um seine dunklen Fantasien auszuleben. Jemand, der ganz genau weiß, dass der tonnenschwere Fels jeden Schrei nach Hilfe verschluckt. Musik. Schwarze Akte Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit Patrick Strohbusch. Und mit Anne Luckmann. Hello! Und unsere heutige Folge führt uns nach Tirol. Wenn man sich die Geschichte dieser Region anschaut, dann wird schnell klar, dass wir etwas genauer definieren müssen, welches Tirol wir jetzt meinen. Es gibt nämlich das Bundesland Tirol, das im Westen Österreichs liegt und aus Nord- und Osttirol besteht. Es gibt aber auch einen südlichen Teil, der zu Italien gehört. Werbung Ende Das Gebiet stand nämlich einst als Grafschaft Tirol lange Zeit unter einer gemeinsamen Herrschaft und wurde nach dem Ersten Weltkrieg aufgeteilt. Nord- und Osttirol wurden nach Kriegsende der Neuen Republik Österreich zugesprochen und Südtirol dem damaligen Königreich Italien. Auch heute noch spricht ein großer Teil der Bevölkerung in Südtirol deutsch, obwohl es eigentlich zu Italien gehört. Der Fall, von dem wir euch heute erzählen wollen, hat sich in den 1940er Jahren zugetragen. Das heißt, Tirol war bereits in einen österreichischen und einen italienischen Teil aufgeteilt. In Europa wütet Anfang der 40er Jahre der Zweite Weltkrieg. 1945 kehrt endlich Frieden ein und die Menschen in Tirol versuchen nun mit aller Kraft, den Schrecken des Krieges zu verarbeiten und sich ein neues Leben in den Ruinen aufzubauen. Doch dem Krieg folgt ein heißer und trockener Sommer. Danach ein besonders harter Winter. Fast die Hälfte der Ernte fällt aus. Hunger wird der neue Feind. Die Lebensmittelversorgung ist katastrophal. Viele Eltern schicken ihre Kinder den Sommer über zu Pflegefamilien in die Schweiz, damit sie dort wieder zu Kräften kommen können. Wer es sich leisten kann, der zahlt utopische Preise für Kartoffeln, Fleisch und Brot. Zucker ist absoluter Luxus. Wer kein Geld hat, der muss betteln gehen oder auf andere, verzweifelte Maßnahmen zurückgreifen. Einige Frauen, deren Männer im Krieg gefallen sind, die sehen keinen anderen Ausweg, als sich zu prostituieren, was zur Folge hat, dass sie von der Gesellschaft geächtet werden. Besonders in den Fällen, in denen aus der Prostitution ungewollte Schwangerschaften entstehen. Von einem gesetzlich geregelten Schwangerschaftsabbruch ist man 1945 in Österreich noch 30 Jahre entfernt. Es wird noch viele Jahre dauern, bis Tirol nach dem Trauma zweier Weltkriege wieder auf die Beine kommt. Und in dieser empfindlichen Zeit wird die Region von einer Reihe gewaltsamer Sexualverbrechen erschüttert, die das zerbrechliche Vertrauen der Bevölkerung in den Frieden und in das Gute des Menschen bis ins Mark erschüttern. Es ist der 23. Mai 1946, ein Donnerstag, in Bozen in Südtirol. Die 20-jährige Gertrud hat es an diesem Tag eilig. Sie ist Lehrerin und gerade auf dem Weg zur Schule. Heute steht der große Mai-Ausflug auf dem Programm. Gertrud freut sich schon darauf, mit den Kindern durch die Wälder zu wandern. Auch wenn die Stelle an der Schule nicht ganz das ist, was sie sich gewünscht hat. Die Schule liegt ihr nämlich einfach zu abgelegen, zu weit weg von ihrer Großmutter und ihren Freunden in Bozen. Aber Gertrud versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Alle Lehrkräfte wurden nach dem Krieg den Schulen zugeteilt, ohne dass sie großen Einfluss auf diese Entscheidung nehmen konnten. Aber es gibt noch einen kleinen Lichtblick. Gertrud hat nämlich vor kurzem einen Mann kennengelernt, den sie bei der Mai-Andach treffen wird. Sie steigt also gegen 8 Uhr morgens in die Gunschnerbahn, eine Seilbahn, die das Bozener Stadtgebiet mit dem Gunschnerberg verbindet, wo sich die Schulklasse treffen wird. Die Bahn ist fast leer und Gertrud überlegt, ob sie gleich die Abkürzung durch den Wald gehen oder lieber den etwas längeren Weg laufen soll, auf dem sie sich in der Regel sicherer fühlt. Da die Zeit knapp ist, entscheidet sie sich für die schnellere Variante. Was soll schon passieren an so einem ganz normalen Donnerstagmorgen? Gertrud läuft zügig durch das Waldstück. Wenn sie sich beeilt, kann sie in einer Dreiviertelstunde am Treffpunkt sein. Am Wegesrand bemerkt sie einen Mann, der auf einem Stein sitzt. Sie schätzt ihn auf Mitte 40. Er ist klein, mit hervorstehenden Wangenknochen, Zahnlücken und einem auffälligen Glatzenansatz. Er sitzt einfach da und scheint auf etwas zu warten. Gertrud will an ihm vorbeigehen, doch als der Mann sie bemerkt, steht er auf und versperrt ihr den Weg. Er lädt sie ohne große Umschweife dazu ein, mit ihm zu kommen. Gertrud möchte das aber nicht und lehnt ab. Doch der Mann ist hartnäckig. Obwohl sie sich gerade zum ersten Mal sehen, gesteht der Fremde ihr, dass er sich in sie verliebt habe. Eine unangenehme und beängstigende Situation. Gertrud will schnell an ihm vorbei, doch der Mann packt sie am Arm. Sie wehrt sich mit aller Kraft, doch der Fremde ist stärker und zieht die 20-Jährige immer tiefer in den Wald. Er schleppt sie einen felsigen Abhang hinauf. Dorthin, wo niemand sie hören kann. Ihr Widerstand scheint ihm auf eine kranke Art und Weise zu gefallen. In einer Felsenhöhle knebelt und fesselt er sie mit ihren eigenen Strümpfen. Gertrud ist dem Fremden vollkommen ausgeliefert. Durch ihre Fesseln kann sie sich nicht einmal wehren, als der Mann sie vergewaltigt. Doch ganz so zufrieden ist der Mann mit der Situation nicht. Er will, dass Gertrud mitarbeitet. Er will, dass sie das hier auch will. Die junge Frau allerdings fleht ihn durch den Knebel hindurch an, sie gehen zu lassen. Doch je mehr sie darauf drängt, desto gewaltsamer versucht der Fremde, ihre Leidenschaft zu wecken. Er kann nur dann seine volle Befriedigung finden, wenn sein Opfer ihn nicht ablehnt. Der Mann steigert sich in eine Rage hinein und vergewaltigt die Frau mehrfach. Die ganze Zeit fleht Gertrud ihn an, Gnade zu zeigen und sie gehen zu lassen. Stattdessen greift der Fremde einen Stein und schlägt ihr damit auf den Kopf, bis sie still ist. Allerdings ohne, dass ihr Schädel dabei zerbricht. Dann greift er nach einem weiteren Stein und beginnt, sie unter dem Felsen zu begraben. Er weiß ganz genau, dass Gertrud zu dem Zeitpunkt noch lebt. Sie bekommt ganz genau mit, wie der Mann Steine auf ihrem Körper aufschichtet. Es gibt keine Worte, die beschreiben können, welche Todesangst und welche Schmerzen sie in diesem Moment durchstehen muss. Je mehr Steine auf ihr liegen, desto schwieriger fällt ihr das Atmen. Und dann geht der Mann einfach und lässt sie allein unter dem Felsen zurück. Gertrud versucht sich zu befreien, doch hat keine Chance. Drei Tage lang liegt sie lebendig unter den Steinen begraben. Der Täter sitzt in diesen drei Tagen auf einem Stein ganz in der Nähe. Er hört zu, wie Gertrud nach Hilfe ruft. In den Tagen danach kommt sogar noch eine weitere Frau den Weg entlang. Auch sie hört Gertruds Hilferuf. Doch der Mann jagt sie fort und die Frau hat zu große Angst vor ihm, um sich ihm entgegenzusetzen. Sie redet sich ein, sich die Stimme aus dem Wald nur eingebildet zu haben und geht nicht zur Polizei. Gertruds Rufe werden bald zu einem Wimmern, dann verklingen sie ganz. Als der Mann nach drei Tagen sicher sein kann, dass sie wirklich tot ist, steht er auf und geht nach Hause, zu seiner Frau und seiner Tochter. Gertruds Verschwinden löst in den Tagen und Wochen nach der Tat eine Lawine von Vermutung und Verdächtigung aus. In den Wirren der Nachkriegszeit könnte ja alles Mögliche geschehen sein. Einige Leute vermuten, Gertrud könnte von ehemaligen Wehrmachtsoldaten entführt worden sein, weil ihr Vater während der deutschen Besatzung Direktor des Gefängnisses in Bozen war. In den Medien und den Behörden glauben dagegen viele, dass sie mit einem Liebhaber nach Österreich, nach Innsbruck oder in die Schweiz durchgebrannt sei. Mehrere Zeitungen drucken Berichte vermeintlicher Augenzeugen, die sie gesehen haben wollen. Gertruds Familie und Freunde betonen aber immer wieder, dass die 20-Jährige keinen Anlass gehabt habe, einfach so zu verschwinden. Sie suchen mit allen verfügbaren Mitteln nach ihr, doch leider ohne Erfolg. Gertruds Leiche wird für eine ganze Weile in ihrem steinernen Grab unentdeckt liegen bleiben. An ein Verbrechen will im Sommer 1946 noch niemand so richtig glauben. Am 25. Juli 1946, gut zwei Monate nach dem Mord an Gertrud, befindet sich ein 15-jähriges Mädchen gerade auf dem Heimweg, als sie hinter sich näher kommende Schritte hört. Es ist gegen 21 Uhr und das Mädchen ist allein und zu Fuß unterwegs. Sie will nach Cardown, ein Dorf, in dem rund 500 Menschen leben. Cardown grenzt direkt an Bozen und liegt etwa 20 Autominuten oder gute zwei Stunden Fußmarsch von dem Ort entfernt, an dem Gertrud getötet wurde. Der Name des Mädchens ist nicht bekannt. Wir nennen sie aber Magdalena. Den Namen haben wir uns nicht ausgedacht. Er stammt aus einem Buch von Heinrich Schwarzer, das als eine der ausführlichsten Ausarbeitungen über den Fall gilt. Es erzählt die Geschichte des Mörders in all ihren grausamen Details und ist eine wichtige Grundlage unserer eigenen Recherche. Magdalena hat einen Kuchen dabei, den sie in einem Einkaufsnetz trägt. Ein Geburtstagsgeschenk für ihre Schwägerin. Sie merkt, dass ein Mann sich ihr gezielt nähert. und bekommt es mit der Angst zu tun. Erst fragt der Mann ganz freundlich, wohin sie denn gehe, doch plötzlich zückt er ein Messer. Damit zwingt er Magdalena, ihm in den Wald zu folgen. Eine halbe Stunde lang laufen sie durch den Wald, bis sie zu einem kleinen Podest auf einem Felsen kommen. Dort breitet der Mann eine Decke aus, die er an seinem Rucksack dabei hatte und fordert Magdalena auf, sich auszuziehen und hinzulegen. Magdalena hat keine Wahl, als ihm zu gehorchen. Der Wald ist so dicht und tückisch, mit seinem felsigen Untergrund, seinen Wurzeln und Ästen, sodass an Weglaufen gar nicht zu denken ist. Der Mann würde sie auf jeden Fall einholen, und sie will ihn lieber nicht wütend machen. Als Magdalena nackt auf der Decke liegt, zieht sich der Fremde ebenfalls aus. An seinem Oberschenkel bemerkt sie eine große Narbe. Der Mann droht ihr, sie zu töten, sollte sie sich wehren. Dann beginnt er, sie am ganzen Körper abzulecken. Er fragt sie, wie sie heiße, aber Magdalena nennt einen falschen Namen. Ansonsten sprechen sie kaum. Die 15-Jährige lässt die Tortur widerstandslos über sich ergehen. Der Fremde missbraucht Magdalena die ganze Nacht lang. Zu einer Penetration kommt es jedoch nicht. Die ganze Zeit lang ist Magdalena erfüllt von einem unbeschreiblichen Ekel und panischer Angst. Sie kann hören, dass im Wald nach ihr gesucht wird. Männerstimmen, die ihren Namen rufen. Doch sie traut sich nicht zu antworten. Ihr Schweigen interpretiert der Täter als stille Zustimmung. Und vermutlich ist genau das auf ziemlich makabre Weise Magdalenas Glück. Da der Fremde denkt, dass dem Mädchen der Missbrauch gefällt, bleibt er ruhig und zufrieden. Als der Morgen graut, soll Magdalena sich wieder anziehen. Der Mann nimmt das Einkaufsnetz, in dem sie den Kuchen getragen hat, schneidet es in zwei Teile und fesselt das Mädchen damit an Händen und Füßen. Er verbindet ihre Augen mit einem Tuch und knebelt sie. Dann schultert er Magdalena wie einen Sack und bringt sie den Hang hinauf in eine Höhle. Eine Nische in einem Felsen, etwa ein Meter tief und 50 Zentimeter breit. Magdalena muss sich zusammenkrümmen, um überhaupt in die Nische hineinzupassen. Nur ihre Füße ragen noch heraus. Dann rollt der Mann mehrere große Steinblöcke vor den Eingang und bedeckt ihre Füße mit Laub und Ästen. Sollte sie fliehen, so droht er, wird er sie ermorden. Er sagt, er würde sich noch eine ganze Weile in der Nähe aufhalten und sie beobachten. Dann geht der Mann und Magdalena bleibt allein in der stockfinsteren Höhle zurück. Nur sie und ihr Kuchen, den der Fremde ihr noch in die Höhle geschoben hat, damit sie etwas zu essen hat. Doch es gelingt ihr, die Fesseln um ihre Hände und Füße an einem Stein aufzuschneiden. So kann sie die Felsblöcke vor dem Eingang zur Seite wuchten. So schnell sie kann, läuft sie durch den Wald hinunter ins Tal. Die Drohung, dass der Mann in der Nähe lauern würde, hat sie nicht vergessen. Doch sie schafft es ins Dorf, wo die Suche nach ihr noch immer in vollem Gange ist. Sie erzählt zu Hause, was passiert ist. Zwei ihrer Geschwister begleiten sie daraufhin zur Polizei. Magdalena will Anzeige erstatten, was sich für sie trotzdem wie eine Demütigung anfühlt. Bei den Carabinieri arbeiten zu der Zeit nur Männer, die das Mädchen schlicht und einfach nicht ernst nehmen. Und es gibt auch ein sprachliches Problem. Die Polizisten sprechen nämlich nur Italienisch, Magdalena aber nur Deutsch. Da sie nicht aufgeklärt worden ist, fehlen ihr auch auf Deutsch die Begriffe, um den Missbrauch zu schildern. Magdalena bringt schlicht und einfach nicht über die Lippen, was ihr widerfahren ist. Das hat zur Folge, dass von offizieller Seite keine Ermittlungen eingeleitet werden. Magdalena wird nicht einmal ins Krankenhaus zur Untersuchung geschickt. Unglaublich. Acht weitere Monate später, am 15. März 1947, entdeckt eine Familie beim Holzsammeln zufällig die Leiche von Lehrerin Gertrud. Zehn Monate, nachdem sie in der Höhle unter dem Felsen lebendig begraben worden ist. Die Carabinieri können die Leiche schnell identifizieren. Denn nur wenige Meter neben der Toten liegt ihre Tasche mit ihrem Ausweis, Schulheften, Büchern und einigen Fotos darin. Ihre Geldbörse fehlt, ebenso wie ihr Schmuck. Da die Leiche schon stark verwest ist, kann der Gerichtsmediziner keine Todesursache mehr feststellen. Auffällig ist, dass der Leichnam relativ heil wirkt. Das bedeutet, er weist keine Knochenbrüche auf und auch der Schädel ist noch intakt. Da Gertruds Leiche komplett nackt ist, hat niemand Zweifel daran, dass es sich um einen Sexualmord handelt. Und damit bricht die Hölle los. Nun stellt sich die Öffentlichkeit nicht mehr die Frage, warum Gertrud verschwunden ist, sondern wer sie ermordet hat. Die Gerüchteküche brodelt und mehrere Männer werden zu Unrecht der Tat verdächtigt. Einer davon sitzt sogar ein knappes halbes Jahr unschuldig in Untersuchungshaft, weil zwei Personen falsch gegen ihn ausgesagt haben. Als er wieder freikommt, da man ihm die Tat nicht nachweisen kann, ist er ein gebrochener Mann, der für den Rest seines Lebens an epileptischen Anfällen leiden wird. Das italienische Innenministerium spricht eine Belohnung von 300.000 Lira aus für die Ergreifung des Mörders. Das klingt erstmal viel, aber man muss bedenken, dass die Inflation nach dem Krieg in Italien enorm in die Höhe geschossen ist. 300.000 Lira entsprechen heute einer Kaufkraft von ungefähr 150 Euro. Damals konnte man sich davon aber einen Kleinwagen kaufen. Niemand weiß, wo in Tirol der Mörder als nächstes zuschlagen wird. Denn auch in dem Teil Tirols, der in Österreich liegt, hat es ähnliche Vorfälle gegeben. 1945 wurden im Zillertal zwei Frauen vergewaltigt und ermordet, ca. eine Stunde Autofahrt von Innsbruck und etwa zweieinhalb Stunden von Bozen entfernt. Eines der Mordopfer ist mit einem Kleidungsstück erwürgt und teilweise mit Steinen zugedeckt worden. Gut möglich, dass es neben den beiden Frauen noch weitere Vergewaltigungsopfer gibt. Aus Scham und Furcht vor gesellschaftlicher Ausgrenzung ist die Anzeigebereitschaft betroffener Frauen zu der Zeit noch niedriger als heute. Deshalb spricht nicht nur Italien, sondern auch Österreich eine Belohnung für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen. In Österreich sind es 5.000 Schilling, umgerechnet also etwa 360 Euro zur heutigen Zeit. Und auch hier gilt, dass 5.000 Schilling in den 40er Jahren eine deutlich höhere Kaufkraft haben als 360 Euro heute. Der Betrag entspricht in den 40er Jahren der Nachkriegszeit mehreren durchschnittlichen Monatslöhnen. Entsprechend viele Hinweise gehen auch bei den Polizeidienststellen beider Länder ein. Hinweise, die erst einmal sortiert und dann geprüft werden müssen. Es gibt keine gemeinsame, länderübergreifende Ermittlungseinheit. Moderne EU-Strukturen wie Europol, die die Länder bei grenzüberschreitender Kriminalität unterstützen, existieren kurz nach dem Zweiten Weltkrieg noch nicht. Das ist auch kein Wunder, weil der Vorläufer der EU erst 1951 gegründet wird. Was es für den Mörder leichter macht, ungestraft davonzukommen? Indem er immer wieder mal zwischen Nord- und Südtirol wechselt. Er weiß, wie er über die Grenze kommt, ohne dabei in Passkontrollen zu geraten. Doch dann macht er einen Fehler. Am 8. Juni 1947, fast ein Jahr nach dem sexuellen Missbrauch und dem versuchten Mord an der 15-jährigen Magdalena, sucht sich der Triebtäter ein neues Opfer. Dieses Mal aber nicht im italienischen, sondern im österreichischen Teil Tirols. Es handelt sich um eine 38-jährige Frau namens Maria. Sie kommt aus dem Zillertal. Er lockt sie unter einem Vorwand in den Wald, wo er sie unter vorgehaltener Pistole in eine Höhle zwängt und sie dort zwei Tage lang festhält. In der Zeit vergewaltigt er sie mindestens sechs Mal. Doch dann, nach zwei Tagen, packt ihn aus heiterem Himmel das schlechte Gewissen. Er weint und sagt Maria gegenüber, dass er ein wildes Tier und eine Bestie sei. Und es wundere ihn, dass er nicht schon längst der Polizei in die Hände gefallen sei. Maria schöpft neue Hoffnung durch diesen plötzlichen Stimmungswandel. Sie bittet ihn inbrünstig, sie wieder freizulassen. Sie schwört auch niemandem, etwas davon zu erzählen, was in der Höhle passiert ist. Und der Mann willigt ein. Er fährt mit Maria zum Bahnhof zurück. Maria kann ihr Glück kaum fassen. Die ganze Zeit fürchtet sie, ihr Peiniger könne sich umentscheiden. Doch das Schicksal meint das gut mit ihr. Er lässt sie tatsächlich in ihre Wohnung zurückkehren und wird sie nicht wieder belästigen. Vier Tage später, am 12. Juni 1947, passiert etwas ganz Ähnliches. Dieses Mal ist es eine 27-jährige Frau namens Anna, die dem Mann zum Opfer fällt. Anna ist zu dem Zeitpunkt im vierten Monat schwanger. Sie hat gerade ihre vierjährige Tochter dabei. Der Mörder lockt Mutter und Kind in eine seiner Höhlen, verbarrikadiert sie von außen und vergreift sich dann an der Mutter. Das geschieht in der Nacht, das Kind schläft Gott sei Dank währenddessen. Wie auch schon bei Magdalena verlangt der Mann von Anna, dass sie sich auszieht. Dann leckt er über ihren ganzen Körper, auch über ihren Babybauch und ringt anschließend in sie ein. Nach der Tat überkommt es ihnen erneut. Er wird von plötzlichen Weinkrämpfen geschüttelt und auch Anna kann ihn davon überzeugen, sie und ihre Tochter gehen zu lassen. Sie fahren anschließend zu dritt mit dem Zug zurück nach Innsbruck. Keine der beiden Frauen, weder Maria noch Anna, zeigen den Mann an. Zumindest nicht sofort. Sie haben die sexuellen Übergriffe überlebt, ohne dass der Täter versucht hat, sie zu ermorden. Das unterscheidet sie von seinen vorherigen Opfern. Aber es gibt noch einen anderen, ganz wesentlichen Unterschied. Beide Frauen kennen den Täter persönlich. Sie haben zu dem Zeitpunkt noch keine Ahnung, dass dieser Mann der gesuchte Mörder von Lehrerin Gertrud ist. Aber sie kennen seinen Namen. Guido. Maria hat Guido erst ein paar Monate vor dem Übergriff in Innsbruck kennengelernt, in einer Waschküche. Zwischen den beiden hat sich daraufhin eine Beziehung entwickelt, die rein sexueller Natur war. Ein gutes halbes Jahr ging das so. Dann entschied Maria, dass ihr dieser Guido irgendwie doch nicht ganz geheuer ist. Sie beendet die Sache, erklärt sich jedoch dazu bereit, Guido noch ein letztes Mal in einem Kaffeehaus zu treffen. Er behauptet, einen Bauern zu kennen, bei dem man Lebensmittel günstig beschaffen könnte. Die Nahrung war ja in der Nachkriegszeit knapp und die Preise ziemlich hoch. Maria willigt also ein, mit Guido zu diesem Bauern zu gehen. Doch statt zu einem Hof fühlt sie ihr Ex-Liebhaber in die Höhle. Während der zwei Tage, die Guido sie dort festgehalten hat, war sie überzeugt, von dort nicht mehr lebend wegzukommen. Anna kennt Guido von der Arbeit. Sie betreut die Zeitungszusteller, er trägt die Zeitungen aus. Die beiden verstehen sich eigentlich ganz gut. So gut, dass Anna Guido gebeten hat, sie mal mit über die Grenze nach Italien mitzunehmen, da sie sich neue Schuhe kaufen will. Guido willigt ein und so sind die beiden gemeinsam an jenem Tag im Juni mit Annas Tochter losgefahren. Als es dunkel wurde, hat Guido angeboten, sie zu einer günstigen Übernachtungsmöglichkeit zu führen. Sie sind also steile Hänge hinaufgeklettert und schließlich bei der Höhle angekommen. Anna hatte ein mulmiges Gefühl bei der Sache, aber ihre Tochter war ziemlich müde vom langen Tag. So sah sich Anna gezwungen, Guido zu vertrauen und folgte ihm in die Höhle. Sie legten sich hin, doch als Anna gerade eingeschlafen war, spürte sie plötzlich Guidos Kopf auf ihrer Hüfte und seine Hände an ihrem Hintern. Auch Anna will Guido nach der Tat erst nicht anzeigen, aus Mitleid mit seiner Familie. Doch sowohl sie als auch Maria entscheiden sich schließlich doch anders. Sie wollen diesen Mann nicht davonkommen lassen, damit, was er ihnen angetan hat. Die langen Stunden in der Höhle, den Ekel, den Schmerz und die Todesangst werden sie ihres Lebens nicht wieder vergessen. Doch wird ihnen die Polizei überhaupt glauben? Ihr wisst ja sicher noch, wie schief der Versuch einer Anzeige bei Magdalena gelaufen ist. wie erniedrigt sie sich danach gefühlt hat. Doch im Gegensatz zu Magdalena sind Anna und Maria zu zweit. Zwar wissen sie noch nichts voneinander, aber wenn zwei Frauen denselben Mann aus ähnlichen Gründen anzeigen, sollte das doch Gewicht haben, oder? Bevor wir aber darüber sprechen, wie es bei den beiden bei der Polizei weitergeht, wollen wir uns kurz anschauen, wer dieser Guido überhaupt ist. Guido wird am 3. September 1902 in einem kleinen Dorf in der Nähe von Bozen geboren. Also gar nicht so weit von dem Ort entfernt, an dem er als Erwachsener seinen ersten Mord begehen wird. Seine Mutter arbeitet als Schneiderin und Bauernmarkt. Sie zieht von Hof zu Hof, um Geld zu verdienen. Guidos Vater ist unbekannt. Man weiß nicht, ob Guido die Folge einer Vergewaltigung ist, ob seine Mutter sich aus Geldnot prostituieren musste oder ob sie aus ganz anderen Gründen schwanger geworden ist. Als Guido ein halbes Jahr alt ist, gibt seine Mutter ihn zu einer Pflegefamilie. Ohne finanzielle Mittel alleine ein uneheliches Kind großzuziehen, ist für sie nicht möglich. Sie wird aber auch in späteren Jahren kein Interesse an ihrem Kind zeigen und hinterlässt damit ein riesiges Loch in Guidos Biografie, was ihn ein Leben lang belasten wird. Bei seiner Pflegefamilie erfährt er keine Liebe. Guido wächst auf einem Bauernhof auf. Und da wird jede Hand benötigt, um die Familie irgendwie durchzubringen. Guido muss schon früh mit anpacken, kaum dass er körperlich dazu in der Lage ist. Er muss unter anderem die Ställe ausmisten und die Kühe im Wald hüten. Oft verbringt er viele Tage in der freien Natur und sucht Unterschlupf in irgendwelchen Höhlen. So wird der Wald immer mehr zu einem Zufluchtsort. Geredet wird mit Guido nur im Befehlston und wenn etwas nicht rund läuft, dann gibt es Schläge. Er besucht zwar eine Schule, hat nach dem Unterricht aber selten Zeit, Hausaufgaben zu machen, da er sofort beim Hof mit anpacken muss. Die Schule bietet ihm auch keine wirkliche Pause von den Schikanen, die er jeden Tag erleben muss. Er ist als uneheliches Kind gebranntmarkt. Wo immer Guido auftaucht, wird er von der Dorfjugend mit Stein beworfen und heftig beschimpft. Sogar vom Pfarrer wird er ausgegrenzt. Er darf nicht wie die anderen Kinder beim Gottesdienst mitwirken. Guido wächst in dem Bewusstsein auf, unerwünscht zu sein. In der Schule geht er als Störenfried. Auf die Ausgrenzung seiner Mitschüler reagiert er mit Gewalt. Nach sechs Jahren wird er aus unbekannten Gründen von der Schule verwiesen. Mit zehn Jahren wird er bei Doktorspielen mit einem gleichaltrigen Mädchen erwischt und von seinem Pflegevater verprügelt. Daraufhin trifft er sich heimlich mit dem Mädchen. Im Wald, in Höhlen, die er selbst gebaut hat. Mit 14 Jahren zieht er von zu Hause aus und schlägt sich von da an alleine durch. Um sich zu ernähren, beginnt er zu stehlen. Er bricht an Vorratskammern ein, wenn die Bewohner der Häuser in der Kirche sind. Auf den Alm melkt er heimlich Kühe und Ziegen und trinkt ihre Milch. Dabei wird er 1917 aber ertappt, ein Jahr nachdem er ausgezogen ist. Da ist er gerade mal 15 Jahre alt. Zwei Tage muss er wegen des Milchdiebstahls sogar ins Gefängnis. Es ist seine erste Begegnung mit dem Gesetz und es sollen noch viele weitere daraufhin folgen. Guido stiehlt weiter und er beginnt Tabak, Saccharin und andere Waren zwischen Italien und Österreich hin und her zu schmuggeln. Saccharin ist ein künstlich hergestellter Süßstoff, der um ein Vielfaches süßer ist als Zucker, also sehr wertvolle Ware. Guido schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, doch nirgendwo bleibt er wirklich lange. Er hat Verhältnisse mit verschiedenen Frauen, muss zwischendurch immer mal wieder ins Gefängnis und wird dann schließlich 1923 im Alter von 21 Jahren ins italienische Heer eingezogen. Aber auch hier ändert sich nicht viel für ihn. Wie schon in der Schule wird er nun von seinen Kameraden schikaniert und gehänselt. Ungefähr ein Jahr nach seiner Einberufung desertiert er nach Frankreich. Dort wird er umgehend verhaftet und der Fremdenlegion zugeteilt. Die Fremdenlegion ist eine Eliteeinheit des französischen Militärs, die traditionell Freiwillige aus der ganzen Welt aufnimmt. Nach einer gewissen Dienstzeit können die Legionäre eine französische Staatsangehörigkeit beantragen. Doch Guido hat nicht die Absicht, lange im französischen Heer zu dienen und schon gar nicht will er Franzose werden. Er wird in den nächsten Jahren mehrfach aus verschiedenen Legionseinheiten desertieren und wegen Fahnenflucht zu drei Jahren Haft verurteilt. So vergehen zehn Jahre beim Militär, in der Fremdenlegion und in Gefängnissen. 1932 kommt er wieder in Freiheit, da ist er 30 Jahre alt. Das ist auch der Zeitpunkt, an dem er zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder auf seine leibliche Mutter trifft. Der Gefängnisdirektor hat nämlich ein Treffen arrangiert. Mutter und Sohn haben sich allerdings nichts zu sagen. Sie weigert sich, Guido etwas über seinen Vater oder seine Herkunft zu erzählen. Und so trennen sich ihre Wege wieder. Guido findet eine Anstellung als Knecht auf einem Bauernhof. Dort beginnt er eine Affäre mit einer Magd, die ebenfalls Maria heißt. Also Achtung, wir haben jetzt hier schon zwei Marias in dieser Folge. Diese Maria wird sofort von ihm schwanger. Aus Pflichtgefühl heiratet Guido die Frau, bevor das Kind 1934 zur Welt kommt. Doch das Familienleben erfüllt ihn nicht, besonders das Eheleben. Denn Maria lässt Guido nach der Entbindung kaum mehr in ihr Bett. Was daran liegen könnte, dass er nach wie vor mit anderen Frauen verkehrt. Oder auch daran, dass er eine Zeit lang in Afrika stationiert war und sich dort eine Geschlechtskrankheit eingefangen hat. Und so verlässt Guido seine kleine Familie und macht einfach das, worauf er Lust hat. Ohne für irgendwas oder irgendwen Verantwortung zu übernehmen, außer sich selbst. Er wandert zwischenzeitlich sogar nach Äthiopien aus, um dort zu kämpfen. Maria zieht in der Zeit das gemeinsame Kind allein groß. Und Guido macht sein Ding. Oder wie die Volkszeitung in einem Artikel vom November 1951 schreibt, immer aber hatte er Weiber, Alkohol und nochmals Weiber, sodass er den letzten moralischen Rückhalt verlor und immer tiefer im Sumpf ungehemmten Trieblebens versank. Gegen Ende seiner 30er kehrt Guido nach Italien zurück. Maria bleibt nichts anderes übrig, als ihren verlorenen Ehemann wieder bei sich aufzunehmen. Eine Scheidung ist in den 1930er Jahren in Italien rechtlich gar nicht möglich, solange beide Ehepartner noch leben. Das Land befindet sich zu der Zeit fest in der Hand Mussolinis, dessen faschistisches Regime die traditionelle Familie als Grundpfeiler der Gesellschaft propagiert und die Ehe als unauflösliche Verbindung betrachtet. Als Mussolini und Hitler kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ein Abkommen zur Umsiedelung der deutschsprachigen Bewohner Südtirols beschließen, wandern Guido und Maria mit ihrer Tochter ins Deutsche Reich aus. Wären sie in Italien geblieben, hätten sie die deutsche Muttersprache und Kultur komplett aufgeben müssen. So hatte es die Vereinbarung von Hitler und Mussolini vorgesehen. Und so zieht die Familie 1939 nach Innsbruck. Guido wird nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zur deutschen Wehrmacht eingezogen, doch wieder desertiert er. Und wieder beginnt ein Hin und Her aus Verhaftung und noch mehr Desertation. 1942, im Alter von 40 Jahren, wird er beim Einsatz in Russland schwer am Bein verwundet. Eine Kugel trifft ihn in den Oberschenkel und durchschlägt den Knochen. 14 Monate verbringt Guido daraufhin im Lazarett. Er flieht von dort nach Italien, wird aber wieder verhaftet und vor dem Kriegsgericht letztendlich wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt. Doch er hat Glück. Bevor das Urteil verstreckt werden kann, endet der Zweite Weltkrieg im Frühjahr 1945. Mit dem Zusammenbruch des NS-Staates kommen auch die deutschen Militärgerichte zum Erliegen. US-amerikanische Truppen besitzen Tirol und übernehmen die Kontrolle über das Gebiet. Guidos Todesstrafe ist damit Geschichte. Von da an schlägt er sich wieder mit Gelegenheitsjobs und Schmuggel durch. Eine Zeit lang ist er als Zeitungsverkäufer tätig. Das ist auch die Zeit, in der er Anna kennenlernt, seine schwangere Arbeitskollegin, die er später vergewaltigen wird. Seiner Frau erzählt Guido, dass er Bergtouren unternehme. Oft ist er Tage und Wochen unterwegs. Und ganz sicher wird sich seine Ehefrau ihren Teil dabei denken. 1946 dann, gut ein Jahr nach Kriegsende, vergewaltigt und ermordet er die 20-jährige Lehrerin Gertrud. Und damit schließt sich der Kreis zum Anfang der heutigen Folge. Mittlerweile sind wir im Jahr 1947 angekommen. Seine zwei Bekanntschaften, Maria und Anna, zeigen Guido jetzt nach reichlicher Überlegung wegen den Vergewaltigungen an, und zwar mit Erfolg. Im Juni 1947 wird Guido wegen Notzucht und Freiheitsberaubung verhaftet und angeklagt. Er versucht vor Gericht Mitleid für seine schreckliche Kindheit und Jugend zu schinden. Er gibt zu, Unrecht getan zu haben und alles zu bereuen, um einer Strafe zu entgehen. Tatsächlich fällt das Urteil gegen ihn noch recht milde aus. Ein Jahr muss er nur ins Gefängnis, da der Richter überzeugt ist, dass Guido sich danach bessern werde. Da seine Ehefrau allerdings im April 1948 ein Gnadengesuch beim Präsidenten des Oberlandesgerichts Innsbruck einreicht, muss er nicht einmal das volle Jahr absetzen. Seine Ehefrau Maria schreibt, sie sei herzleidend und müsse den Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten für sich und ihr unterernährtes Kind mit großer Mühe bestreiten. Auch im Namen ihres Mannes reiche sie dieses Gnadengesuch ein, der mit so großer Sehnsucht nach seiner Familie erfüllt ist. Warum sie ihren Mann auch noch verteidigt, das weiß wohl nur sie selbst. Es ist aber auch sehr gut möglich, dass die gesellschaftlichen Umstände ihr gar keine große Wahl lassen. Auf jeden Fall darf Guido am 24. Juni 1948, also knapp ein Jahr nach seiner Inhaftierung, wieder zurück in die Freiheit. Niemand aus den Strafverfolgungsbehörden stellt einen Zusammenhang zu den anderen Taten her. Weder zum Mord an Gertrud knapp zwei Jahre zuvor, noch zu dem sexuellen Missbrauch von Magdalena nur zwei Monate später oder zu anderen Vergewaltigungsfällen, die in Italien oder Österreich in den letzten Jahren geschehen sind. Guido nutzt seine Freiheit, um seine Höhlen in den Tiroler Alpen weiter auszubauen. Und damit meinen wir Ausbauen auch im wahrsten Sinne des Wortes. Denn es gibt da diese eine Höhle im österreichischen Teil Tirols, eine gute Autostunde von Innsbruck entfernt, die er sich wie eine kleine Wohnung eingerichtet hat. Die Höhle hatte er als Deserteur während der Kriegsjahre entdeckt und als Unterschlupf und Versteck für seine Schmuggelwaren genutzt. Das nächstgelegene Haus ist etwa eine Stunde zu Fuß entfernt, Also kein Risiko, dass irgendjemand was hört oder aus Versehen vorbeikommt. Die Gegend ist generell kaum besucht und der Eingang zur Höhle liegt unter einem Felsblock verborgen. Etwa zwei Meter muss man sich durch die Spalte im Fels zwängen. Dann erreicht man einen Raum, der etwa zwei Quadratmeter groß ist. Also etwa so groß wie zwei Yogamatten nebeneinander. Die Wände hat er mit Holzfaserplatten und Baumrinden verkleidet. In dem Raum hat Guido eine selbstgebaute Pritsche aufgestellt, schön gemütlich mit Strohsack und Steppdecke. Es gibt eine Nische für Lebensmittel, eine Petroleumlampe und einen kleinen Kocher. Es wirkt fast wie ein Miniaturwohnzimmer. Guido wollte mit der Höhle einen Zufluchtsort für sich und seine Familie schaffen, sollte es doch wieder Krieg geben. So zumindest seine Erklärung. In der Praxis ist es aber nicht seine Frau, die er mit in sein Versteck aus Steinen nimmt. Ein Jahr und sieben Tage, nachdem Guido das Gefängnis verlassen durfte, schlägt er erneut zu. Es ist der 1. Juli 1950, ein Samstag. Die 43 Jahre alte Engländerin Helen aus Oxford macht gerade Urlaub in Österreich mit ihrer Mutter. Sie wohnen in einem Hotel, das zufälligerweise nur eine Dreiviertelstunde von Guidos Lieblingshöhle entfernt liegt. Helen ist Bildhauerin und leitet ein Kunstinstitut in London. Ihr Vater ist verstorben, weshalb sie viel Zeit gemeinsam mit ihrer Mutter verbringt. Aber Helen genießt es auch, allein unterwegs zu sein. Deshalb macht sie sich an diesem Samstag auf einen Spaziergang allein durch die Tiroler Alpenlandschaft. Es ist ein ungewöhnlich heißer Tag. Das Thermometer verzeichnet seit Tagen Temperaturen von über 35 Grad im Schatten. Obwohl alles danach aussieht, als würde es bald gewittern, läuft Helen um kurz nach 16 Uhr los. Sie war am Morgen schon einmal kurz spazieren, aber sie will vor dem Abendessen unbedingt noch einmal raus in die Natur. Und leider befindet sich Guido genau in der Nähe. Er ist betrunken und wie immer an heißen Tagen ziemlich erregt. Er sieht die Engländerin den Weg entlang kommen und spricht sie an, so wie er es auch bei den anderen Frauen getan hat, die er nicht kennt. Obwohl er Helen zum ersten Mal sieht, gesteht er ihr seine Liebe. Helen weist ihn höflich ab. Doch statt zu gehen, bleibt sie freundlicherweise stehen und redet mit Guido. Von außen sieht es wie eine nette Unterhaltung zwischen zwei Menschen aus, die sich zufällig beim Wandern begegnet sind. Helen spricht zwar weder Deutsch noch Italienisch, aber Guido kann durch seine Auslandseinsätze beim Militär ein wenig Englisch. Das Gespräch entwickelt sich schon bald in eine politische Richtung, die Guido nicht so gut gefällt. Aus dem Nichts versetzt er der Engländerin einen Schlag. Anschließend kommt es zu einem Kampf, der etwa eine halbe Stunde andauert. Aber Helen hat keine Chance. Guido ist so in Rage, dass er die Frau an Ort und Stelle auf den Boden zwingt und sie dort vergewaltigt. Es könnte jederzeit jemand vorbeikommen, aber er denkt gar nicht an diese Gefahr. Alles, was er will, ist seine Gelüste zu befriedigen. Als es zu regnen beginnt, schleppt er Helen mit Gewalt in seine Höhle. Während draußen ein Gewitter aufzieht, entkleidet er sie vollständig und versucht, wie immer, eine Form von Intimität zu seinen Opfern aufzubauen. Volle Befriedigung kann er ja nur erfahren, wenn seine Opfer mitmachen. Wenn er sich einbilden kann, dass es auch ihnen gefallen würde. Er will sich auf eine ziemlich kranke Weise gewollt fühlen. Er gibt Helen Schokolade und Bier, damit sie sich stärken kann. Dann beginnt er sie überall abzulecken, in der Hoffnung, sie damit zu stimulieren. Anschließend fordert er sie auf, ihn zu küssen. Doch Helen spuckt ihm ins Gesicht. Voller Wut vergewaltigt Guido sie mehrfach. Dann verlangt er, dass sie sich auf ihn draufsetzt. Das tut sie auch. Allerdings legt sie sich so auf ihn drauf, dass sie mit ihren Händen seine Kehle packen kann. Sie drückt so fest zu, dass Guido komplett die Luft wegbleibt. Nur mit größter Anstrengung gelingt es ihm, sie von sich wegzustoßen. Das ist der Moment, in dem Helen die Ausweglosigkeit ihrer Situation erkennt und ihren Widerstand endgültig aufgibt. Guido dreht Helen auf den Bauch, damit er ihr Gesicht nicht sehen muss. Dann schlägt er ihr mehrfach mit einem Brecheisen auf den Hinterkopf. In dem Buch »Der Zingerle – Geschichte eines Frauenmörders« von Heinrich Schwarzer, das wir vorhin schon mal erwähnt haben, gibt es einen interessanten Abschnitt, in dem ein Versuch unternommen wird, Guidos impulsives Verhalten zu erklären. Der Autor bezieht sich hierbei auf das typische Vorgehen von Sexualstraftätern. Dort steht, nach der sexuellen Gewalt kommt es zum Mord. Die Täter wollen nicht ihr Opfer, sondern ihr eigenes Tun töten. Da Guido damit rechnen musste, für die Vergewaltigung hinter Gittern zu wandern, wollte er die Tat quasi rückgängig machen, indem er den Mord beging. Guido bedeckt die Leiche mit Stein, versteckt die Brechstange und anderes mögliches Beweismaterial draußen zwischen den Felsen und tarnt den Eingang zu seiner Höhle. Dann verlässt er den Tatort ganz gemütlich zu Fuß, geht mit Helens gestohlenem Geld in einem Gasthaus noch etwas essen und legt sich in einem Waldstück zu einem Schläfchen hin. Zu dem Zeitpunkt wird schon längst nach Helen gesucht. Eigentlich war sie ja an dem Samstagabend mit ihrer Mutter zum Abendessen verabredet. Die ganze Nacht haben Polizeibeamte die Gegend nach ihr durchkämmt. Am folgenden Sonntagmorgen schaltet sich dann auch die Bergrettung mit ihren Spürhunden in die Suche ein. Und tatsächlich kann einer der Hunde Hellens Spur aufnehmen. Er findet die Höhle. Dort entdeckt die Bergrettung ihre nackte, an den Händen gefesselte Leiche. Auf ihrer Brust liegt ein etwa 50 Kilogramm schwerer Stein. Er ist, zum Vergleich, so schwer wie zwei große Säcke Zement oder wie fünf Kästen Mineralwasser. Mit so einem Gewicht auf der Brust ist es auf lange Sicht unmöglich, weiter zu atmen. Die Holzvertefelung an den Höhlenwänden ist mit Blut bespritzt. Ebenfalls blutdurchtränkt sind eine lange Männerhose, ein geflicktes Hemd und eine Schweizer Militärkappe, die neben der Leiche liegen. Allen ist klar, dass diese Sachen dem Mörder gehören müssen. Und damit beginnt die Ermittlungen. Die Höhle wird zurückgebaut und akribisch untersucht. Man findet zum Beispiel in Papier eingewickelt einen selbst kreierten Penis aus Wachs und dazu einen improvisierten Haarkranz, an dem gekräuselte Wollfaden angenäht wurden. In der Umgebung entdeckt man nicht weniger als fünf weitere Höhlen. In einer davon befindet sich eine Feuerstelle und verschiedene Werkzeuge. Die Polizei findet heraus, dass in den Tagen vor der Tat mehrmals ein Mann beobachtet wurde, der Bretter und Platten von einem Bauplatz gestohlen hat. Und man stellt noch eine andere Verbindung her. Das ganze Setting erinnert stark an die Vergewaltigung von Maria und Anna drei Jahre zuvor, also an die beiden Frauen, die Guido kannten und Anzeige gegen ihn erstattet haben. Die Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen. Die schwer zugängliche Lage des Tatorts, die Jahreszeit Sommer, die Fesselung der Hände und vor allem die Ausstattung der Höhle. Und so bringt die Polizei zum ersten Mal Guido mit den Sexualmorden in Verbindung, die Tirol in den vergangenen Jahren erschüttert haben. Sein Aussehen passt dazu auch noch zu der Beschreibung des Mannes, der das Baumaterial gestohlen hat. Ein Puzzleteil fügt sich endlich zum nächsten. Am 3. Juli um 8.30 Uhr, zwei Tage nach dem Mord an Helen, klopft die Polizei an die Wohnungstür von Guido und seiner Frau Maria. Allerdings scheint niemand zu Hause zu sein. Im Briefkasten entdeckt die Polizei einen eher semi-gut versteckten Schlüssel und verschafft sich kurzerhand Zutritt, denn sie haben einen Durchsuchungsbefehl in der Tasche. In der Wohnung selbst finden die Beamten nichts Verdächtiges. Dafür gelingt es ihnen aber, Guidos Frau zu kontaktieren, die gerade unterwegs ist. Maria trifft die Polizei an der Wohnung und bestätigt, dass es sich bei den blutigen Klamotten, also der Hose, dem Hemd und der Militärkappe, um Guidos Sachen handelt. Allerdings weiß sie selbst nicht, wo ihr Mann gerade ist. Er habe sehr früh das Haus verlassen, sagt sie. Bei seiner Arbeit ist er nicht, das hat die Polizei schon überprüft. Also leiten die Beamten kurzerhand eine Fahndung nach ihm ein. In Wahrheit befindet sich Guido längst auf der Flucht. Er hat am Morgen zufällig im Radio gehört, dass die Leiche von Helen gefunden wurde. Außerdem wurde gesagt, dass ein Verdächtiger beobachtet wurde und es wurde sogar eine Personenbeschreibung durchgegeben. Eine Beschreibung, die eins zu eins auf Guido zutrifft. Also hat er sich seine wichtigsten Sachen zusammengerafft und ist aus dem Haus geeilt. Der Mord liegt zu dem Zeitpunkt knapp 30 Stunden zurück. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, wie es Tirol noch nie erlebt hat. Fünf Wochen lang gelingt Guido die Flucht vor den Behörden. Fünf Wochen, in denen er ab und zu gesichtet wird, während er Lebensmittel stiehlt. Doch immer wieder gelingt es ihm abzutauchen. Er kennt die Wälder und die Höhlen-Systeme der Tiroler Alpen wie seine Westentasche. Er weiß, wie er unbemerkt von Österreich über die Grenze nach Südtirol reisen kann. Es ist eine Verfolgungsjagd, die Österreich und Italien gleichermaßen in Atem hält. Die Medien berichten täglich über die Suche nach dem Monster von Tirol, wie es in vielen Schlagzeilen heißt. Vor allem aber haben die Menschen Angst. Angst, weil sie wissen, wie gefährlich der Gesuchte ist. Frauen trauen sich nicht mehr zum Spazierengehen in den Wald. Nach Sonnenuntergang gehen viele nicht mehr allein auf die Straße. Immer wieder erhält die Polizei Meldung von Augenzeugen, die Gedo gesehen haben wollen. Die neue Wiener Tageszeitung schreibt von einer Mörderpsychose, die die Menschen ergriffen habe. Die Meldungen der vermeintlichen Augenzeugen sind teilweise aber auch komplett widersprüchlich. Immer wieder kommt es vor, dass er mehrfach zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten gesichtet worden sein soll. Das macht es für die Polizei nicht gerade leichter, zu erkennen, welche Sichtungen jetzt echt sind und welche nicht. Am Abend, das 10. August 1950, sucht ein vollkommen erschöpfter und ausgehungerter Guido Unterschlupf in einer Almhütte. Dabei wird er allerdings von dem Bauern beobachtet, dem die Hütte gehört. Der alarmiert die Polizei. Am frühen Morgen, das 11. August 1950, um 5 Uhr, findet die Odyssee endlich ihr Ende. Fünf Beamte stellen Guido in der Almhütte und verhaften ihn. Zwei Tage vor seiner Verhaftung hatte er noch versucht, zwei zehnjährige Mädchen in den Wald zu locken. Doch die Kinder ließen sich auf keine Versprechungen ein und liefen davon. Guido leistet keinen Widerstand. Er gibt sofort zu, der Gesuchte zu sein. Auf dem Polizeirevier in Bozen legt er auch ein volles Geständnis ab. Er versucht allerdings, sich als krankes Opfer seines eigenen Sexualtriebes darzustellen. Ein Thema, mit dem sich die Gerichte später noch ausführlich in psychiatrischen Gutachten befassen werden. Er behauptet auch, dass seine Pflegeeltern die eigentliche Schuld an seinen Verbrechen tragen würden. Er versucht, so viel Schuld von sich zu weisen, wie nur möglich. Guidos Festnahme führt dazu, dass die Menschen in Tirol endlich wieder aufatmen können. Aber sie hat auch noch eine ganz andere Bedeutung. Zumindest für die 15-jährige Magdalena. Ihr erinnert euch, dass sie aus der Höhle entkommen konnte, in die Guido sie nach dem sexuellen Missbrauch gesperrt hat. Sie hat ihren Mut zusammengenommen und eine Anzeige aufgegeben, doch niemand hat sie wirklich ernst genommen. Erst jetzt, da Magdalena Guido als den Täter identifizieren kann, wird ihr geglaubt. Vier Jahre nach der Tat. Gut ein Jahr nach seiner Festnahme beginnt am 26. November 1951 der Prozess gegen Guido vor dem Bozener Schwurgerichtshof. Angeklagt ist er wegen Mordes, Mordversuchs, mehrfachen Raubs, Diebstahls, illegalen Grenzübertritts, unerlaubten Waffenbesitzes, Notsucht und noch anderer Verbrechen. Zur Verhandlung kommen erst einmal nur die Straftaten, die auf italienischem Boden begangen wurden. Später wird man ihn an Österreich ausliefern, damit er dort auch zur Rechenschaft gezogen werden kann. Wir machen es kurz. Die italienische Justiz verurteilt Guido zu lebenslanger Haft für den Mord an Gertrud und für die übrigen Straftaten zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt 81 Jahren und 8 Monaten. Österreich setzt dann noch einmal eins drauf. Dort lautet das Urteil im Herbst 1953, lebenslänglicher, schwerer Kerker, verschärft durch ein hartes Lager vierteljährlich, sowie durch ein Fasttag und Dunkelhaft an jedem 2. Juli. Laut Experten ist es unwahrscheinlich, dass Guido jemals mit seinen Verbrechen aufgehört hätte, wenn er nicht geschnappt worden wäre. Er war 47 Jahre alt, als er festgenommen wurde und verbringt den Rest seines Lebens hinter Gittern, im Gefängnis von Volterra in der Toskana, also in Italien, dort, wo er seinen ersten Mord verübt hat. In der Haft erkrankt er an Leberkrebs und stirbt daran wenige Wochen vor seinem 60. Geburtstag. Obwohl das Wissen über seine Person allmählich verblasst, sind die Erinnerungen an den Frauenmörder und die Panik, die er ausgelöst hat, bei vielen älteren Menschen in Tirol noch sehr lebendig. Es hat sich daraus sogar ein Sprichwort etabliert, das viele Kinder damals zu hören bekommen haben. Wenn du nicht brav bist, holt dich der Zingerle. Also bevor wir gleich über dieses Sprichwort hier sprechen, ich glaube, da gibt es eine Menge zu sagen, möchten wir dir, Georg, danken, denn du hast uns von diesem Fall erzählt und uns eine Instagram-Diam geschrieben. Vielen Dank dafür. Ja, Patrick, wie kann man seinen Kindern damit drohen, wenn du nicht brav bist, dann holt dich der Vergewaltiger und Mörder. Ich kann es mir überhaupt nicht erklären, um ganz ehrlich zu sein. Ich muss auch sagen, dass ich in dem ganzen Fall einfach so ein ekelverzerrtes Gesicht hatte, besonders als wir über die Stellen gesprochen haben, Als er die Frauen dann ableckt, da war ich die ganze Zeit einfach so, und ich kann deswegen überhaupt gar nicht verstehen, warum man denn so ein Sprichwort da noch einführt. Besonders, wir haben am Ende ja drüber gesprochen, weil er ja sogar noch versucht haben soll, dann auch zehnjährige Mädchen damit reinzuziehen. Also er hatte sich ja sowieso schon an Minderjährigen vergangen. Ich kann es mir wirklich nicht erklären. Und wir haben ja auch einen Einblick in seine Kindheit bekommen, die ja wirklich nicht geil war. Also wurde viel schikaniert, gehänselt, hat keine Liebe erfahren. Das ist natürlich scheiße, ganz klar. Aber das rechtfertigt ja wirklich überhaupt nicht, wie er sich dann später als erwachsener Mann verhalten hat, oder? Also, ja, ihr merkt, mir fehlen die Worte, Patrick fehlen die Worte. Alles ist schlimm, worüber wir hier in der schwarzen Akte reden, aber, boah, das heute ist auch nochmal ein ganz spezieller Fall, der, wie du schon sagst, irgendwie eine gewisse Art Ekel auch hervorruft, geht mir auch so. Ja, ich habe auch irgendwie so das Gefühl, dass die letzten Fälle, die wir besprechen, nochmal besonders hart sind, oder? Und ich meine, wir haben ja auch in der Vergangenheit auch immer wieder über dieses, Umwelt- und Veranlagungsthema gesprochen und in dem Fall könnte ich mir vorstellen, dass halt beides zugetroffen hat, dass die Umwelt ihn dazu gebracht hat, so ein Monster zu werden und gleichzeitig aber auch seine Veranlagung, dass er seinen Sexualtrieb nicht unter Kontrolle bekommt. Und das dann als Ausrede aber zu nutzen, also auch schon wieder ein Punkt. Den ich nicht verstehe, dass es von den Gerichten sogar auch akzeptiert wird. Ich kann verstehen, dass er so argumentiert für seinen Case, aber dass das von den Gerichten dann so gesehen wird, da habe ich so das Gefühl, und das ist ja vielleicht auch was Positives, was man da rausziehen kann, dass wir über die Zeit viel mehr dazugelernt haben, dass man heutzutage eine ganz andere Entscheidung fällen würde. Ich finde es auch wirklich ein totales Unding, dass da ein Teenager-Mädchen auf die Polizeiwache kommt und sowieso schon Schwierigkeiten hat zu erklären, was ihr da Schlimmes widerfahren ist und sie das dann einer Handvoll Männer erzählen muss. Also, dass man sich dann nicht darum bemüht, irgendwie eine weibliche Person zu holen, gegenüber der sich das Mädchen leichter öffnen kann und dass ihr dann am Ende nicht geglaubt wird und dass sie nicht ins Krankenhaus zur Untersuchung geschickt wird, da denke ich mir einfach so, also... Hattet ihr denn da kein Herz auf der Polizeiwache? Weißt du. Das finde ich, ist auch eine ganz schlimme Szene, eine ganz schlimme Situation hier aus diesem Fall. Ja, wenn man mal drüber nachdenkt, wie oft wahrscheinlich Menschen einfach fälschlicherweise zurückgewiesen werden, wenn sie da am Schalter stehen bei der Polizei und denen einfach nicht geglaubt wird. Ich bin froh, dass die Polizei da besser geworden ist, Aber man kriegt es ja leider trotzdem immer wieder mal mit, dass dann halt eben doch Leute abgewiesen werden bei den unterschiedlichsten Themen. Und das Problem ist ja dann eben, selbst wenn du davor eigentlich ein Vertrauen hattest in die Polizei, wenn du halt einmal so eine Erfahrung gemacht hast, wird dein Vertrauen in diese ganze Institution einfach erschüttert. Ja, voll. Und um nochmal den Bogen zu dem Sprichwort zu schlagen... Liebe Südtiroler und Tirolerinnen, die ihr uns hier zuhört, habt ihr das Sprichwort schon mal gehört? Also ist das noch ein Ding? Sagt man das noch? Falls ja, bitte tut alles dafür, dass niemand mehr dieses Sprichwort sagt. Das ist ja wirklich absolut. Also Patrick, wir haben ja auch schon in den letzten Tagen voll oft über dieses Sprichwort gesprochen, weil wir es nicht fassen können. Dass man das wirklich nutzt. Also schreibt uns das gerne mal, ob man das tatsächlich noch nutzt. Und damit machen wir jetzt hier einen harten Cut und switchen in die Personalakte. Patrick, was geht? Was steht an? Die Woche kann ich sogar mal ein bisschen mehr erzählen. Da steht nicht nur Überraschung irgendwie nur Streaming an oder so, sondern ich hatte vor einiger Zeit mal erzählt, dass ich hier so eine kleine Kerbe unten im Zahn habe und dass die gefüllt werden soll. So, ich kann die Story kurz noch weiter ausführen, weil letztens, das ist so gewesen, als ich beim Zahnarzt gewesen bin, Und da kommt auch schon wieder so dieses Thema zu tragen, worüber wir, glaube ich, letzte Woche gesprochen haben, dass ich dann doch ein bisschen chaotisch bin. Der Termin, den ich mir damals gemacht habe, war nämlich nicht für die Zahnfüllung, sondern der war einfach eine ganz normale Untersuchung. Und die haben gesagt, kommen Sie dann später mal vorbei für die Füllung dann halt. So, und dann aber aus Gründen. Fragt mich nicht, warum. Eigentlich ist der Zahnarzt, wo ich gewesen bin, immer richtig verlässlich gewesen. Ich habe da richtig schnell Termine bekommen und ich rede da wirklich so von überraschenden zwei Wochen, zwei, drei Wochen. Und dann auf einmal waren es jetzt anderthalb Monate und ich war so, hä, aber warum jetzt auf einmal so lange? Und ich hoffe wirklich, dass jetzt diese Woche, dass es endlich soweit sein wird und das dann unten gefüllt werden wird. Aber bei dir wiederum steht ja was sehr viel Geileres an heute, ganz besonders heute, right? Genau, heute am Veröffentlichungstag der Folge werde ich in Warschau sein. Das ist die europäische Hauptstadt, in der ich bisher noch nicht war. Aber ich mache da nicht nur einen Kurztrip mit meinen besten Freunden, sondern bin heute Abend noch auf einem Bad Bunny Konzert. Richtig, richtig cool, freue ich mich voll drauf. Ihr habt ja schon vielleicht ein bisschen mitbekommen, dass bei mir. Sagen wir mal, Konzerttourismus dieses Jahr ansteht. Jetzt Bad Bunny in Warschau. Eins folgt noch im Ausland, aber da erzähle ich dann später dazu. Und am Ende der Woche geht es für mich in den Sommerurlaub, wieder nach Italien. Wonderful, richtig, richtig geil. Ich glaube auch, am Ende der Woche müsstest du bei mir dann auch in den Urlaub gehen mit Friends nach Polen, tatsächlich auch. Aber nochmal ganz kurz eine Frage zu Konzerten, ich weiß nicht, ob wir da schon mal drüber gesprochen haben. Hast du auch immer so das Gefühl, wenn du aus einem Konzert rauskommst, irgendwie so komplett im Vibe mit den anderen Leuten zu sein? Also ich finde, das ist jetzt ein komisches Wort, aber ich finde nach so einem Konzert, selbst letztens nach dem SSEO-Konzert, ich fühle mich beseelt. Ich fühle mich einfach, ich fühle mich so leicht. Das ist einfach ein geiles Gefühl nach jedem Konzert, weil du mit allen so in einem Rhythmus einfach unterwegs bist. Keine Ahnung. Ja, voll. Ich weiß, was du meinst. Ich finde, es variiert nochmal ein bisschen von Künstler zu Künstler, je nachdem, was es ist. Aber letztens ging es mir nach dem Harry Styles Konzert extrem so, weil er alle Leute eben so vereinnahmen konnte und zusammenbringen konnte. So hieß ja auch seine Tour, Together, Together. Und das passte halt total gut und deswegen geht mir auch ganz genau so. Und ich habe von den Bad Bunny Konzerten schon super viel gelernt. Positives gehört. Deswegen freue ich mich da extrem drauf und bin gespannt, wie dann da der Vibe sein wird, das, ja, Zugehörigkeitsgefühl. Aber ich denke mal, der wird das schon schaffen, alle Leute da zusammenzubringen. Ja, er macht sowieso eine sehr, sehr geile Stimmung. Das habe ich auch gesehen in jeder Menge Reels. Ich habe auch gesehen, da wird viel getanzt. Also viel, viel Spaß beim Tanzen. Vielleicht sehen wir davon ja was in der in der schwarzen Akte im Recap auf Instagram. Im Weekly Recap. Und an der Stelle würde ich sagen, Wenn ihr das sehen wollt, dann checkt gerne Instagram aus, da heißen wir schwarze Akte, alles klein und zusammengeschrieben und ich würde sagen, damit schließen wir die Personalakte und die schwarze Akte für heute, right? Yes. Und dann hören wir uns natürlich wieder kommende Woche Dienstag überall, wo es Podcasts gibt. Wir sind eure Hosts, Anne Lippmann und Patrick Strobusch. Redaktion, Silber Hanekamp und wir. Schnitt Anne Luckmann Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios Besonderer Dank geht an Falco Schulte.