Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Manchmal erzählt das Leben Geschichten, die so grausam sind, dass man sie am liebsten zwischen zwei Buchseiten packen, zuklappen und für immer ganz hinten ins Regal stellen würde. Geschichten, die man eher in einem Kriminalroman als in der Tageszeitung erwarten würde. An einem sonnigen Tag im Juni 1936 beschließen die beiden Freunde Alum und Gommes, die Schule zu schwänzen. Sie wollen stattdessen angeln gehen. Alum ist elf Jahre alt, Gommes 13. Da sowieso Freitag ist, bietet es sich in den Augen der zwei Freunde quasi regelrecht an, das Wochenende einfach mal ein bisschen früher zu beginnen. Sie machen sich also auf den Weg zum Wasser. Vergnügt und mit offenen Augen, was es unterwegs wohl so alles zu entdecken gibt. Neben einem Busch bleiben die Kinder erstaunt stehen. Unter dem Geäst liegt eine Hose, ganz merkwürdig zusammengeknüllt. Mit ihren Angelruten stechen sie vorsichtig in das Bündel hinein. Etwas Hartes, Rundes befindet sich darin. Es lässt sich sogar bewegen. Und nur einen Atemzug später rollt der abgetrennte Kopf eines Mannes unter dem Busch hervor.

Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit mir gerade noch persönlich gegenüber, jetzt aber remote und warum, das erfahrt ihr am Ende der Folge, Patrick Strobusch. Und mir digital gegenüber, Anne Lückmann, hello. Was für ein Teaser, ne? Naja, aber bevor wir euch erzählen, was hier eigentlich los ist, warum erst gesehen und jetzt nicht mehr, gehen wir jetzt alle erstmal in die USA der 30er Jahre. Eine Zeit, in der popkulturell eine Menge los war, die aber auch durch wirtschaftliche Not, Existenzkrisen und politische Umbrüche in Erinnerung geblieben ist.

Es ist eine dunkle und gleichzeitig aber auch goldene Zeit in den Vereinigten Staaten. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn in Hollywood beginnt Mitte der 30er Jahre das berühmte goldene Zeitalter. Die Stummfilmzeit ist vorbei und das Kino bietet vielen Menschen nicht nur besondere Unterhaltung, sondern auch eine Flucht vor der Realität.

Die Eintrittspreise sind für die breite Masse erschwinglich, denn ein Ticket kostet 1933 etwa so viel wie ein Leibweißbrot. Ein gemütlicher Filmabend zu Hause auf der Couch ist zu dem Zeitpunkt jedoch noch undenkbar, denn in den 30er Jahren gibt es noch überhaupt keine Fernsehgeräte in privaten Haushalten. Das geht so richtig erst nach dem Zweiten Weltkrieg los. Stattdessen versammeln sich die Familien abends um das Radio, hören Nachrichten, Unterhaltungssendungen und natürlich auch Musik. Vor allem Jazz erlebt zu der Zeit einen richtigen Aufschwung, insbesondere der Swing. Wer einen Tanzkurs gemacht hat, kennt diese Musik bestimmt. Swing ist eine Stilrichtung des Jazz mit einem fließenden, ziemlich gut tanzbaren Rhythmus und wird in den 30ern von vielen großen Big Bands gespielt. Die 30er Jahre sind aber auch noch aus ganz anderen Gründen interessant, denn in diesen Jahren wurden viele Dinge erfunden, die auch heute noch ziemlich große Auswirkungen auf unser Leben haben. Das Elektronenmikroskop zum Beispiel, das Einblicke in einen nie zuvor gesehenen Mikrokosmos ermöglicht. Das eröffnet Forschenden in der Biologie, Medizin und Materialwissenschaft ganz neue Handlungsspielräume.

Ohne dieses Mikroskop wüssten wir heute deutlich weniger über den menschlichen Körper, könnten weniger Krankheiten behandeln und hätten vermutlich auch eine geringere Lebenserwartung. In den 30ern wird auch der Grundstein zur Entwicklung des Strahltriebwerks gelegt, ohne den es heute keine Flugzeuge geben würde. Und es wird auch die erste E-Gitarre gebaut, durch die nicht nur die Rockmusik so richtig populär werden konnte, sondern auch viele Genres entstanden sind, die heute so vielen Menschen in ihrem Alltag Freude bereiten.

Aber die 30er Jahre waren in vielerlei Hinsicht auch eine verdammt schwere Zeit für die Menschen. Der Zusammenbruch der New Yorker Börse im Oktober 1929 hat eine weltweite Wirtschaftskrise ausgelöst, die im folgenden Jahrzehnt noch lange spürbar ist. Nicht umsonst nennt man diese Zeit in den USA auch die große Depression. Millionen Menschen verlieren durch den Börsencrash nicht nur ihr Vermögen, sondern zum großen Teil auch ihre Arbeitsplätze. 1932 zum Beispiel liegt die Arbeitslosenquote bei über 25 Prozent. Auch die Zahl der Obdachlosen steigt rasant, da viele Betroffene sich ihren Wohnraum einfach nicht mehr leisten können. So zum Beispiel auch in Cleveland, einer großen Stadt im Nordosten der USA. Heutzutage leben hier knapp 400.000 Menschen. In den 30ern sind es mehr als doppelt so viele, etwa 900.000. Zu der Zeit gilt Cleveland sogar als sechstgrößte Stadt der USA, die durch wirtschaftlichen Aufschwung, kulturelle Vielfalt und ein breites Bildungsangebot beliebtes Ziel für Einwanderer aus der ganzen Welt ist. Die Stadt wird zum Austragungsort für wichtige, teilweise internationale Versammlungen und zur Bühne für bedeutsame politische Entscheidungen.

Doch die Weltwirtschaftskrise stürzt viele Clevelander in extreme Armut. Kriminalität, Hunger und Obdachlosigkeit werden für viele einst wohlhabende Menschen zum Alltag. In anderen Städten der USA sieht es nicht besser aus. Die große Depression ist überall. Mit der Zeit entsteht in Cleveland ein Armutsviertel, in dem all jene wohnen, die alles verloren haben. Sie hausen in provisorisch zusammengezimmerten Hütten aus Wellblech, umgeben von Müll und Unrat, direkt neben Eisenbahnschienen. Teilweise haben sie auch gar kein Dach über dem Kopf. Strom oder fließendes Wasser gibt es nicht. Hygiene ist für viele Betroffene nicht mehr als ein utopisches Konzept. Eine höhnische Erinnerung an ein anderes Leben. Dieses Armutsviertel heißt Kingsbury Run und es wird zum Schauplatz einer Reihe von grausamen Verbrechen, über die wir heute sprechen werden. Verbrechen, die ausgerechnet genau diejenigen treffen, die sowieso schon alles verloren haben. Was hier passiert, zwingt aber auch all die Menschen in Cleveland, die bisher den Blick abgewendet haben, dazu hinzuschauen.

Hinzuschauen und das Leid zu sehen, das direkt am Rand ihrer Stadt herrscht. Die vielen Menschen, die jeden Tag stundenlang vor den Fabriken warten, in der Hoffnung auf Arbeit. Oder die, die auf vorbeifahrende Güterzüge springen, ohne zu wissen, wohin sie überhaupt fahren. Hauptsache weg von hier. Oder die, die ihren Kummer mit in die umliegenden Bars und Bordelle nehmen und der Polizei jeden Grund geben, wachsam zu bleiben. Viele Menschen im Cleveland der 30er Jahre haben nichts mehr zu verlieren. Und doch gibt es jemanden, der diesen Menschen nach dem einzigen trachtet, was ihnen geblieben ist – ihrem Leben.

Wir machen jetzt einen Sprung in das Jahr 1935. Zeitlich befinden wir uns also ca. 9 Monate, bevor die beiden Kinder aus dem Intro den Kopf im Busch entdecken werden. Wir schreiben euch ja die Themen für mögliche Trigger immer in die Folgenbeschreibung. Aber an dieser Stelle soll noch einmal kurz gesagt sein, dass das heute eine wirklich heftige Folge werden wird. Es wird ziemlich drastisch zugehen. Insbesondere was die Zerstückelung von Leichen angeht. Also entscheidet bitte sorgsam, ob ihr das ertragen könnt. Es ist für uns ja auch immer ein Balanceakt, bei solchen Fällen abzuwägen, welche Details so spannend sind, dass wir sie euch unbedingt erzählen wollen und welche Infos einfach nur so grausam sind, dass man sie eigentlich nicht im Kopf haben will. Obwohl wir ja schon über so viele heftige Kriminalfälle gesprochen haben, ist es dennoch bei jedem einzelnen Fall immer wieder so erschütternd, was sich Menschen einander eigentlich antun können. Und der heutige Fall ist da leider keine Ausnahme von. Im September 1935 finden zwei Jugendliche beim Softballspielen am Fuß eines Hügels die enthauptete Leiche eines Mannes ohne Genitalien. Bis auf die Socken ist der Mann komplett nackt. An den Handgelenken sind Abdrücke von Seilen sichtbar. Er wurde offensichtlich vor seinem Tod gefesselt. Wie eine Obduktion später ergeben wird, ist der Mann durch die Enthauptung gestorben. Der Mörder hat nach der Tat den Leichnam gereinigt und das gesamte Blut entleert.

Anhand von Fingerabdrücken kann die Polizei den Mann als Edward identifizieren, der zum Zeitpunkt seines Todes schätzungsweise 28 Jahre alt war. Edward hat mit Anfang 20 eine Zeit lang als Pfleger auf der psychiatrischen Station des örtlichen Krankenhauses gearbeitet, wo er auch seine Frau, eine Krankenschwester, kennengelernt hat. Die Ehe war jedoch nur von kurzer Dauer. Nach der Trennung hat Edward dann auch seine Stelle im Krankenhaus gekündigt und versucht, sich mehr schlecht als recht mit dem Verkauf von Zeitschriften über Wasser zu halten. Der Polizei ist ja gut bekannt. Er wurde mehrfach stark alkoholisiert aufgegriffen und einmal sogar wegen unerlaubten Waffenbesitzes festgenommen. Seiner Schwester hat Emma erzählt, er habe in einer Schlägerei einen Italiener niedergestochen. Jetzt sei die Mafia hinter ihm her. Aber ob das so glaubwürdig ist? Die Polizei hat also ihre Zweifel. Vor allem, weil Edward generell jemand zu sein scheint, der sehr schnell in Konflikte gerät. Ob mit einem Gangsterboss oder dem Typen von nebenan, der Sorge hat, Edward könne ihm seine Frau ausspannen. Es gibt also mehr als genug Menschen in seinem Umfeld, die ein Motiv hätten, Edward nach seinem Leben zu trachten. Aber vielleicht geht es hier ja auch gar nicht um Edward persönlich. Denn bei der Untersuchung des Tatorts entdeckt die Polizei ganz in der Nähe eine zweite Leiche.

Wieder handelt es sich um einen Mann, der enthauptet und dessen Genitalien entfernt wurden. Man schätzt ihn auf ca. 40 Jahre, doch trotz aller Versuche gelingt es nicht, diesen Mann zu identifizieren. Am Verwesungszustand der Leiche lässt sich erkennen, dass die schon seit einigen Wochen dort liegen muss.

Auffällig an dieser zweiten Leiche ist, dass der Täter sie postmortem mit einer Chemikalie behandelt hat, die die Haut rot- und lederartig werden lässt und das Gewebe verhärtet. Offenbar in dem Versuch, die sterblichen Überreste des Mannes zu konservieren. Da klingelt doch etwas bei der Polizei. Denn dieses Vorgehen erinnert sie an die Leiche einer Frau, die man fast genau ein Jahr zuvor gefunden hat, im September 1934. Da man ihre Identität ebenfalls nicht feststellen konnte, hat sie den Spitznamen Lady of the Lake bekommen.

Auch ihre Haut ähnelte einem roten, harten Leder und auch ihrem Körper fehlten Teile. Der Kopf, die Arme und ein Teil der Beine. Der Mörder hatte ihre Unterschenkel amputiert, sodass letztendlich nur ihr Torso mit den Oberschenkeln gefunden wurde. Die anderen Körperteile sind zwar nach und nach aufgetaucht, ihr Kopf jedoch nie. Trotz der Ähnlichkeit geht die Polizei erst einmal nicht davon aus, dass es sich um denselben Täter handelt.

Der Mord an der Lady of the Lake liegt ja auch schon ein Jahr zurück. Und es handelt sich bei dem Opfer um eine Frau, anders als in diesem Fall. Die Beamten fokussieren sich in ihren Ermittlungen also zunächst nur auf diese zwei Männerleichen. Sie gehen davon aus, dass es sich um Taten aus Leidenschaft handelt, die in keinem Zusammenhang mit dem organisierten Verbrechen stehen, also von wegen Mafia. Für sie steht fest, irgendwie muss eine Frau daran beteiligt sein, So zumindest die Theorie der fast ausschließlich männlichen Ermittler. Sie vermuten außerdem, dass die beiden Opfer sich gekannt haben und von derselben Person getötet worden sind. Die Person hat beiden Männern erst die Hände gefesselt und sie dann mit einem scharfen Gegenstand durch Enthauptung hingerichtet, wie zum Beispiel einem Schlachtermesser. Daraufhin hat diese Person die Leichen am Fuße des Hügels deponiert, damit sie früher oder später dort gefunden werden. Viele Wochen lang versucht die Polizei nachzuvollziehen, was mit Edward und dem anderen Mann passiert ist. Doch mehr als ein paar Spekulationen kommen bei den Ermittlungen nicht heraus. Alle Spuren verlaufen im Sand. Anfang der 30er Jahre funktioniert der Polizeiapparat in Cleveland einfach nicht so, wie er sollte.

Korruption ist ein großes Problem. Nicht nur in der Polizei, sondern auch an der Politik. Die Kriminalität in der Stadt gerät in der Zeit zunehmend außer Kontrolle. Und Cleveland entwickelt sich immer mehr zu einem Zufluchtsort für Gangster, Schmuggler und andere Kriminelle. Dass zwei enthauptete Männerleichen ohne Genitalien auftauchen, das ist natürlich schlimm. Aber eben nicht das einzige Problem, das die Polizei gerade hat. Im Dezember 1935, vier Monate nach dem Fund der beiden männlichen Leichen, ernennt der neu gewählte Bürgermeister Clevelands einen Mann namens Elliot Ness zum Sicherheitsdirektor.

Elliot Ness gilt als einer der berühmtesten Gesetzeshüter der USA.

Bekannt geworden ist er vor allem dadurch, dass er mit seiner Gruppe der Unbestechlichen, den berüchtigten Gangster Al Capone wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis nach Alcatraz gebracht hat. Seine Geschichten werden heute in vielen Filmen und Büchern erzählt. Ness gilt als sehr erfahren und erfolgreich. Was er anpackt, das wird auch was. Dieser Ruf eilt ihm zumindest voraus. Jetzt soll er also als Sicherheitsdirektor die Polizei und Feuerwehr von Cleveland leiten und reformieren. Eine Aufgabe, die viele Jahre dauern wird. Als Elliot Ness das Amt im Dezember 1935 annimmt, da ist er 32 Jahre alt. Die Zeitungen berichten fast täglich über den neuen Sicherheitsdirektor und viele Menschen in Cleveland beginnen zu glauben, dass jetzt endlich alles wieder gut wird.

Im Januar 1936, also nur ein paar Wochen nach dem Amtsantritt von Elliot Ness, entdeckt eine Frau Teile eines weiblichen Körpers, die jemand in Zeitungspapier eingewickelt und in zwei Jutesäcken vor einer Fabrik abgestellt hat. Jemand hat diese Frau ermordet und den Kopf sowie ihre Gliedmaßen abgetrennt. Knapp zehn Tage dauert es, bis die Polizei die fehlenden Körperteile auf einem unbebauten Grundstück ganz in der Nähe findet. Nur der Kopf bleibt verschwunden. Die Amputation der Gliedmaßen muss mit einem ziemlich scharfen Instrument vorgenommen worden sein, wie auch im Fall der beiden männlichen Opfer ein paar Monate zuvor. Die Schnitte sind sehr sauber gesetzt, was darauf hindeutet, dass sich der Täter anscheinend gut mit dem Zerteilen von Gewebe auskennen muss.

Anhand von Fingerabdrücken kann die Frau als Florence identifiziert werden, eine 42 Jahre alte Sexarbeiterin, Kellnerin und Barkeeperin. Sie wurde bereits mehrfach wegen illegaler Prostitution verhaftet. Das ist auch der Grund, warum ihre Fingerabdrücke bei der Polizei registriert sind. Wie auch das erste Opfer Edward war Florence viel rund um das Kingsbury-Run-Viertel unterwegs. Florence gilt allgemein als sehr freundliche Frau. Außer wenn sie getrunken hat, was wohl leider häufig der Fall war. Florence hat in ihrem Leben schon viel Schmerz erfahren, war in missbräuchlichen Beziehungen gefangen, hat aber auch drei wundervolle Töchter zur Welt gebracht. Fast jeder in Kingsbury Run kennt sie, doch niemand hat eine Ahnung, was mit ihr passiert sein könnte. Wer auch immer sie ermordet hat, hat so gut wie keine Spuren hinterlassen. So offensichtlich, wie er die Leichen ablegt, scheint er auch keine Sorgen zu haben, dass man ihm auf die Schliche kommen wird. Wir haben bis jetzt also von drei Morden erzählt, bei denen die Opfer durch Enthauptung gestorben sind. Und alle drei sind innerhalb von anderthalb Jahren geschehen. In allen drei Fällen wird intensiv ermittelt, doch noch bringt die Polizei diese Taten nicht als Werk eines Täters miteinander in Verbindung.

Und dann, im Juni 1936, ungefähr fünf Monate nach Florence' Ermordung, finden die zwei Kinder aus dem Intro den Kopf auf ihrem Weg zum Angeln. Sie sehen zuerst ja nur die Hose, die so halb zusammengeknüllt unter dem Busch hervorschaut. Als sie mit den Angelruten reinstechen, kommt der Kopf wie in einem Horrorfilm aus dem Busch gerollt. Die beiden Freunde rennen sofort zurück nach Hause des einen Jungen. Sie warten dort, bis endlich dessen Mutter von der Arbeit zurückkommt. Die Mutter geht ja eigentlich davon aus, dass die Kinder in der Schule sind. Die Jungen erzählen ihr alles und die Mutter verständigt sofort die Polizei.

Noch am selben Nachmittag beginnt die Polizei damit, den restlichen Körper des Mannes zu suchen. Sie finden am nächsten Morgen, ungefähr 300 Meter entfernt, tatsächlich eine nackte, kopflose Leiche. Die Leiche ist, ebenso wie der Kopf, in einem Busch verborgen. Den Beamten entgeht dabei nicht, dass diese Leiche provozierend nah an der Polizeistation abgelegt wurde. Das Opfer wird auf Anfang 20 geschätzt. Bis auf den Kopf befinden sich noch sämtliche Gliedmaßen am Torso. Wie auch beim ersten Opfer Edward hat der Mörder die Leiche dieses Mannes hier gereinigt und vom Blut entleert. Auch er ist durch die Enthauptung gestorben. Es scheint, als sei dieser Leichnam hier leichter zu identifizieren. Denn der Mann hat mehrere Tätowierungen an seinem Körper. Ein Vogel mit einem Ring, die Namen Helen und Paul, ein Herz mit Anker, eine Flagge, die Initialien WCG, ein Schmetterling und eine Comicfigur. Die Kleidung, die man in der Nähe seiner Leiche findet, wirkt teuer. Auf einem Wäschestempel stehen sogar seine Initialien, JD. Im Gegensatz zu den anderen Opfern scheint dieser JD nicht aus dem Kingsbury-Round-Viertel zu stammen. Dafür wirkt seine Kleidung zu teuer und er selbst zu wohlgenährt. Auch die Tat selbst wurde vermutlich nicht in dem Armutsviertel ausgeführt. Es gibt hier kein fließendes Wasser und ohne das hätte der Mörder die Leiche nicht so sorgfältig waschen können.

Der Täter hat den Körper, wie auch in den anderen Fällen, dort hingetragen, damit man ihn innerhalb weniger Tage auch findet. Die Ermittler klappern sämtliche Tattoo-Studios und Wäschereien ab und stellen seinen Leichnam sogar öffentlich im Leichenschauhaus aus. Tausende Menschen können ihn sich anschauen, aber niemand erkennt ihn.

Doch so Unglaubliches auch erscheint, niemand schafft es herauszufinden, wer dieser Mann ist. Seine Fingerabdrücke ergeben kein Match im Polizeiregister und niemand, mit dem die Beamten sprechen, kann wirklich weiterhelfen. So langsam kristallisiert sich ein Muster heraus, das die Polizei nicht mehr länger ignorieren kann. Die Morde sind nicht eins zu eins deckungsgleich, aber gerade wenn man auch noch den Fall der Lady of the Lake mit einbezieht, dann wird klar, dass in Cleveland ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Ein ziemlich brutaler, äußerst schlauer, geübter und absolut gnadenloser Serienmörder. Aber was könnte sein Motiv sein? Bei den ersten beiden Männerleichen, also von Edward und dem unbekannten Mann, ist die Polizei ja noch von einer Tat aus Leidenschaft ausgegangen. Etwas, das mit Eifersucht oder Rache zu tun hat. Aber ob dieses Motiv auf alle vier Opfer passt, das ist anzuzweifeln. Was wäre mit Homophobie als Motiv? Edward zum Beispiel, das erste Opfer, soll bisexuell gewesen sein. Möglich, dass der Täter ihm deshalb die Genitalien abgeschnitten hat, wie auch bei seinem zweiten Opfer.

Vielleicht hat er das aber auch aus einem anderen Grund getan. Vielleicht fühlte sich der Mann nicht abgestoßen, sondern angezogen. Aber das kann man nur mutmaßen. Für Sicherheitsdirektor Elliot Ness kommt das alles gerade auf jeden Fall sehr, sehr ungünstig. Er wurde ja angestellt, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Außerdem steht eine wichtige politische Versammlung in Cleveland an und er kann jetzt nicht gebrauchen, dass die Stadt in Panik verfällt und sich die geladenen Gäste hier womöglich nicht sicher fühlen. Oder im schlimmsten Fall gar nicht erst kommen. Nicht nach allen Bemühungen, die der Bürgermeister auf sich nehmen musste, um die Versammlung überhaupt nach Cleveland zu holen. Unter keinen Umständen, so die Ansage von Elliot Ness, darf herauskommen, dass die Polizei nach einem einzelnen Täter sucht. Besonders, weil für diesen Sommer auch noch andere große Events in der Stadt geplant sind, zu denen mehrere Millionen Besucher erwartet werden. Wer auch immer diese Menschen ermordet, dem muss dringender denn je das Handwerk gelegt werden. Also ist Kreativität gefragt. Auf der Great Lake Exposition von 1936 präsentiert die Polizei die neuesten Methoden der Verbrechensbekämpfung und stellt auch eine Totenmaske des Tattoo-Mannes aus. Eine Totenmaske ist ein Abdruck vom Kopf einer verstorbenen Person, durch die sich das Gesicht dieser Person nachbilden lässt. Meistens wird dafür Gips verwendet.

Über 100.000 Menschen sehen sich diese Maske an, doch niemand erkennt den Mann, zu dem sie gehört. Diese Totenmaske hängt übrigens noch heute gemeinsam mit anderen Masken aus dem Fall im Cleveland Police Museum. Doch natürlich klappt es nicht, die Existenz des Serienmörders geheim zu halten. Die Leute sind ja nicht blöd. Sie lesen in der Presse von den einzelnen Morden und ziehen dann ihre eigenen Schlüsse. Und schon bald ist von einem psychopathischen Wahnsinnigen in den Zeitungen zu lesen, den sie den Mad Butcher of Kingsbury Run taufen, also den Schlechter. Oder auch den Cleveland Torso Murderer, weil er häufig nur den Rumpf seiner Opfer zurücklässt. Aber wer ist dieser Mann, der nicht nur äußerst brutal, sondern auch extrem kalkuliert vorgeht? Es dauert nicht lange, bis die ersten Theorien die Runde machen.

Eine dieser Theorien besagt, der Mörder sei ein wohlhabender Arzt, der aus Vergnügen Menschen aus den unteren sozialen Schichten töte. Eine andere Theorie handelt von einem religiösen Fanatiker, der Prostituierte und Homosexuelle aus der Welt schaffe, weil ihm Gott dies befohlen habe. Wiederum eine sehr beliebte Theorie besagt, dass es sich um eine ansonsten völlig normale Person handele, die nur während gelegentlicher Anfälle von Wahnsinn tötete. In einem Leitartikel von The Cleveland News zu der Zeit heißt es zum Beispiel, Anne zitiert es mal, Von allen schrecklichen Albträumen, die lebendig geworden sind, ist der Erschütterndste das Scheusal, das seine Opfer in den dunklen, feuchten Tiefen von Kingsbury Run enthauptet.

Selbst Edgar Allan Poe hätte in seinem tiefsten, von Opium getränkten Traum keinen Schrecken ersinnen können, der so sorgfältig ausgearbeitet ist. Niemand ahnt, dass Sicherheitsdirektor Elliot Ness längst einen Verdacht hat, wer der Mörder sein könnte. Aber er behält diesen Verdacht erst einmal für sich, bis er ihn auch beweisen kann. Der Albtraum von Cleveland wird noch lange kein Ende nehmen. Juli 1936, nur wenige Wochen nachdem der Mann mit den Tattoos gefunden worden ist, entdeckt ein 17-jähriges Mädchen beim Spaziergang durch ein Weitstück die nackte, kopflose Leiche eines etwa 40-jährigen Mannes. Sein Kopf ist in einem Haufen blutiger Kleidung eingewickelt, die ein paar Schritte neben dem Körper liegt. Auch der Boden darunter ist von Blut bedeckt. Es scheint, als sei dieser Mann hier an Ort und Stelle getötet worden. Nicht so wie die anderen, deren Leichen vom Mörder extra deponiert wurden. Das passt allerdings nicht ganz in das Schema des Serienmörders. Aber wurde er vielleicht gestört und musste verfrüht von seinem Opfer ablassen? Oder ist hier ein Trittbrettfahrer am Werk.

Wie sich bei der Autopsie herausstellen wird, ist der Mann seit ungefähr zwei Monaten tot. Das heißt, er wurde noch vor dem tätowierten Mann ermordet. Aber er kann nicht identifiziert werden. Für einen Fingerabdruck ist die Leiche schon zu verwest. Also wird der Mann als John Doe in der Polizeiakte notiert. John Doe ist ein Platzhaltername, der von der Polizei verwendet wird, wenn der echte Name einer Person nicht bekannt ist. Ein weibliches, nicht identifizierbares Opfer würde Jane Doe genannt werden. Zwei Monate später, im September 1936, stolpert ein Mann über die obere Hälfte eines männlichen Körpers, als er versucht, in Kingsbury Run auf einen Güterzug aufzuspringen. In einem nahegelegenen Wasserbecken, also eher einem offenen Abwasserkanal, findet ein Polizeitaucher daraufhin die untere Hälfte des Torsos sowie Teile beider Beine. Über 600 Schaulustige kommen, um sich das Ganze anzusehen. Gut möglich, dass der Mörder selbst einer von ihnen ist.

Auch dieses Opfer wurde durch Enthauptung getötet. Und zwar wie immer mit einem einzigen entschlossenen und sauberen Schnitt. Es handelt sich um einen Mann, der auf Ende 20 geschätzt wird. Doch auch seinen Namen kann die Polizei nicht herausfinden. Niemand mit seiner Beschreibung steht im Verzeichnis der vermissten Person. Computer und digitale Datenbanken hätten der Polizei die Arbeit zu der Zeit enorm erleichtern können. Doch die Technik war einfach noch nicht so weit in den 30er Jahren. Stattdessen müssen die Ermittler alles per Hand archivieren, aufschreiben und abgleichen. Das dauert natürlich viele, viele Stunden.

Zwei Jahre lang ist der Serienmörder nun schon aktiv. Sechs Menschen hat er bereits getötet. Auch wenn man seinen Namen noch nicht kennt, kann man aus seinen Taten trotzdem schon einiges darüber ableiten, wie dieser Mann so drauf ist. Es ist offensichtlich, dass er sich sehr gut mit der menschlichen Anatomie auskennt. Von daher könnte es sich also um einen Arzt oder einen Chirurgen handeln oder auch um einen Medizinstudenten oder Krankenpfleger. Viele gehen aber davon aus, dass genauso gut ein Metzger, ein Tierarzt oder ein Jäger die Kenntnisse hätte, um einen Kopf so sauber abzutrennen. Fakt ist auf jeden Fall, dass der Mörder Rechtshänder und im Besitz eines sehr scharfen Messers ist. Der Täter ist mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr groß und kräftig, sonst hätte er die Leichenteile nicht so einfach von A nach B tragen können. Daher schließt die Polizei kategorisch eine Frau als Täterin aus. Was nicht heißen soll, dass Frauen natürlich nicht auch groß und kräftig sein können. Die Autopsien zeigen, dass die meisten Opfer noch gelebt haben, als ihnen der Kopf abgetrennt wurde. Das heißt, der Mörder muss sie irgendwie fixiert haben. Auch das kann unter Umständen enorme körperliche Kraft kosten.

Die Polizei geht davon aus, dass der Täter selbst im Kingsbury-Run-Viertel lebt, denn bis auf das fünfte Opfer wurden alle anderen in dieser Gegend gefunden. Allerdings muss er Zugang zu einem Ort haben, an dem er seinen Opfern unbemerkt die Kehle durchschneiden kann. Das kann er ja nicht einfach so mitten im Armutsviertel machen, weil er dort niemals durch die mangelnde Wasserversorgung die ganzen Blutspuren beseitigen könnte. Vielleicht also eine Arztpraxis, eine Metzgerei oder eine private Wohnung, wo er seine Opfer hingelockt haben könnte. Vielleicht ja mit einem Versprechen von Essen oder einem warmen Bett. Warum der Mörder ausgerechnet Menschen aus den untersten sozialen Schichten als Opfer wählt, darauf kann sich die Polizei keinen Reim machen. Vielleicht, weil viele von ihnen nicht so schnell vermisst werden. Oder weil sie in ihrer Armut besonders leicht angreifbar sind. Es wirkt auf jeden Fall, als wähle der Mörder seine Opfer so aus, dass sie nicht so leicht zu identifizieren sind. Warum sonst sollte er ihre Köpfe und später auch ihre Gliedmaßen abtrennen?

Gleichzeitig scheint es aber, als wolle der Täter, dass man die Leichen findet. Er legt sie teilweise ja so nah an Fabriken und auch an Polizeidienststellen ab, dass er dabei immer wieder ein ziemlich hohes Risiko eingeht, gesehen zu werden. Vielleicht ist das alles für diesen Mann ja nur ein Spiel. Viele Ermittler gehen davon aus, dass er sich ganz gezielt einen Spaß mit der Polizei erlaubt, um die zu demütigen. Elliot Ness sieht sich auf jeden Fall zunehmend gezwungen, selbst in dem Fall zu ermitteln. Eigentlich hat er ja ganz andere Aufgaben. Aber wie soll er Ordnung in das Polizeisystem bringen, wenn ständig neue, kopflose Leichen auftauchen? Er beschließt, das komplette Gebiet von Kingsbury Run, in dem die Leichen gefunden wurden, räumen zu lassen. 300 Menschen müssen ihr Zuhause verlassen. Jede einzelne Person, die von dieser Räumung betroffen ist, lädt Elliot Ness zum Verhör, warnt sie vor dem Mörder und fordert sie auf, sich anderswo eine andere Unterkunft zu suchen. 20 Detektives setzt er in Vollzeit auf den Fall an. Sie helfen bei den Verhören, streifen durch die Straßen und gehen jeder Spur nach. Jedem einzelnen Gerücht, das sie hören.

Teilweise verkleiden sich die Ermittler sogar wie Obdachlose, in der Hoffnung, so auf den Mörder aufmerksam zu werden, was allerdings nicht wirklich von Erfolg gekrönt ist und bei vielen Menschen auch nicht wirklich gut ankommt. Wer ungewöhnliche Arbeitszeiten hat, große Pakete aus dem Haus trägt oder ein Messer in der Tasche bei sich führt, der gerät sofort unter Verdacht. Ganz zu schweigen von jedem Metzger, jedem Arzt, männlichen Krankenpfleger, Bestatter oder Jäger. Ebenso wie jeder, der sich zur Behandlung in einer Psychiatrie befindet oder befunden hat. Die Polizei stellt jeden unter heimliche Beobachtung, der aus einer Psychiatrie entlassen wird. Jede Wohnung jedes noch so minimal Verdächtigen wird durchsucht, und zwar ohne ein Durchsuchungsbefehl. Elliot Ness vermeidet diesen juristischen Aufwand kurzerhand, indem er einen Polizisten immer zusammen mit einem Feuerwehrmann in die Wohnung schickt, und zwar als Vorwand, eine Brandschutzkontrolle durchzuführen. Doch all diese Bemühungen bleiben ohne Resultat.

Schließlich sieht sich Ness gezwungen, mit der Presse zu sprechen. Er bittet die Redaktion, weniger Sensationen um die Morde zu machen, um den Mörder nicht immer weiter eine Bühne zu bereiten. Er hat den Verdacht, die vielen Schlagzeilen würden das Ego des Täters nur noch weiter stärken. Die Zeitungen willigen ein und beginnen, ihre Berichterstattung über die Serienmorde etwas moderater zu gestalten. Doch der Mörder macht trotzdem weiter, egal wie viel oder wenig über ihn geschrieben und gesprochen wird. Im folgenden Jahr, also 1937, tauchen weitere geköpfte und zerstückelte Leichen in Kingsbury Run auf. Er ist mittlerweile nun schon gut drei Jahre aktiv. Drei weiteren Frauen und einem Mann nimmt der Matt Butcher in diesem Jahr auf grausame Weise das Leben, was die Opferzahl auf insgesamt zehn erhöht. Dabei geht er zunehmend gewaltvoller vor. Eines der weiblichen Opfer kann anhand ihrer Zähne als Rose identifiziert werden. Rose war wohl eine Sexarbeiterin aus der Gegend, aber leider ist nicht viel über sie bekannt. Allerdings gilt ihre Identifizierung auch nicht zu 100% als sicher.

Den Namen der anderen Opfer kann die Polizei wieder einmal trotz aller Versuche nicht herausfinden. Auch 1937 vergeht, ohne dass die Behörden den Serienmörder stoppen können. Und der macht einfach immer weiter. Im folgenden Jahr, 1938, tauchen drei weitere zerstückelte Leichen auf. Zwei Frauen und ein Mann. Bei einer der zwei Frauen kann die Rechtsmedizin zum ersten Mal Drogen in ihrem Körper feststellen. Allerdings ist nicht klar, ob die Frau diese Drogen freiwillig genommen hat, weil sie vielleicht abhängig war oder ob der Mörder sie ihr verabreicht hat. Gut möglich, dass er seine Opfer mit Drogen bewegungsunfähig und wehrlos macht, um sie dann köpfen zu können. Sicher weiß man das jedoch nicht, denn die Arme der betroffenen Frau werden nie gefunden.

Die andere Frauenleiche deponiert der Täter so, dass Elliot Ness den Ablageort durch sein eigenes Bürofenster direkt sehen kann. Eine pure Provokation. Vor allem, da die Männerleiche nur ein paar Meter entfernt von der Frauenleiche auftaucht. Keines dieser Opfer kann übrigens identifiziert werden. Aber wie kann es sein, dass jemand vier Jahre lang direkt vor den Augen der Polizei 13 Menschen tötet und dabei nicht eine einzige Spur hinterlässt, die das Ermittlungsteam zu ihm führt? Die Autorin, Journalistin und True-Crime-Expertin Marilyn J. Barsley findet dafür in einem Artikel über den Fall eine interessante Erklärung. Sie schreibt, dass man das Phänomen von Serienmördern in den 1930er Jahren noch sehr schlecht verstanden habe. Man habe nicht erkannt, dass Serienmörder ihre Opfer in der Regel unter Fremden auswählen und daher so ermittelt, als hätten Täter und Opfer sich gekannt, also so wie man normalerweise bei einem einzelnen Mordfall ermitteln würde.

Sie betont, dass es in solchen einzelnen Mordfällen zwar häufig zum Erfolg führe, im Umfeld des Opfers zu ermitteln und nach möglichen Motiven zu suchen, aber diese Herangehensweise sei bei Serienmördern meist wirkungslos, wie man in diesem Fall ja auch sieht. Die Polizei hat sich bei den Ermittlungen vieler Expertenmeinung aus der ganzen Welt eingeholt, unter anderem auch von Scotland Yard. Aber niemand konnte eine Strategie vorschlagen, mit der sich der Täter fassen lässt. Bartleys Einschätzungen nach ist so ein organisierter und hochintelligenter Serienmörder mit den damaligen forensischen Methoden und der verfügbaren Technik nahezu unmöglich zu fassen.

Elliot Ness wäre nicht einer der bekanntesten Gesetzeshüter der USA, wenn er so einfach aufgeben würde. Er will unter keinen Umständen seinen Ruf riskieren als der Mann, der alle Probleme lösen kann. Zwei Tage nachdem das 13. Opfer gefunden wurde, am 18. August 1938, da greift Elliot Ness in seiner Verzweiflung zu einer ziemlich radikalen Maßnahme. Mitten in der Nacht führt er mit einer Gruppe aus 35 Beamten eine Razzia mitten in Kingsbury Run durch. Sie arbeiten sich einmal von Norden nach Süden und nehmen dabei 63 Männer fest.

Anschließend lässt Elliot Ness einen Großteil der Hütten anzünden und niederbrennen. Sein Ziel ist dabei, die Zahl potenzieller Opfer zu reduzieren. Aber natürlich nicht, indem er die Leute selbst tötet. Bei dem Feuer stirbt niemand. Der Sicherheitsdirektor hatte zuvor ja alle aufgefordert, Kingsbury Run zu verlassen, solange der Mörder auf freiem Fuß ist. Er will sicher gehen, dass sich keine angreifbaren Menschen mehr in dem Viertel befinden und so halt verhindern, dass es neue Opfer gibt. Doch das riesige Feuer löst natürlich Angst und Unsicherheit bei den Menschen aus.

Elliot Ness wird für diese Entscheidung auch ziemlich scharf kritisiert, weil er den sowieso schon so armen Menschen auch noch das einzige Zuhause nimmt, das sie haben. Die Polizei kann bei der Razzia keine Hinweise finden, die bei der Aufklärung des Falls helfen. Und das macht die Sache mit dem Feuer noch schlimmer. War das alles umsonst? War die Entscheidung von Elliot Ness ein riesiger Fehler, der alles vielleicht sogar nur noch schlimmer gemacht hat? Was allerdings niemand weiß zu der Zeit. Elliot Ness glaubt ja längst zu wissen, wer hinter den Morden steckt. Wir hatten ja vorhin einen Verdacht erwähnt. Er hat diesen Verdacht allerdings die ganze Zeit für sich behalten, da er den Mann nicht aufschrecken und erst einmal Beweise gegen ihn sammeln wollte. Ein paar Tage nach der Razzia in Kingsbury Run beschließt er, zuzuschlagen. Er lässt den Mann zur Vernehmung in ein Hotel bringen. Zwei Wochen lang wird der Verdächtige dort von Elliot Ness und seinem Team verhört. Und ihr merkt schon, so ganz offiziell und juristisch korrekt ist das alles nicht. Aber das hat Clevelins unkonventionellen Sicherheitsdirektor eher noch nie aufgehalten. Der Verdächtige heißt Dr. Francis, ein Chirurg, der in der Nähe von Kingsbury Run lebt. Francis hat im Ersten Weltkrieg gekämpft und war für Amputationen an der Front zuständig. Er hat eine Ex-Frau und zwei Söhne, die er aber nach seiner Rückkehr aus dem Krieg wohl ziemlich vernachlässigt hat, ebenso wie seinen Job als Arzt.

Francis' Ex-Frau berichtet, dass ihr Ex-Mann große Probleme mit Alkohol habe und immer tagelang weg gewesen sei. Sie spricht auch von Missbrauch. Francis hat sich nach Kriegsende wohl mehrfach in ein Veteranenkrankenhaus einweisen lassen, um seine Traumata zu verarbeiten, doch hat er sich immer wieder selbst entlassen. Viele Morde sind passiert, während er im Krankenhaus war. Was erst einmal nach einem Adi-B klingt, ist aber keines. Denn wie sich herausstellt, konnte Francis dort immer frei gehen und kommen, wie er wollte. Oftmals sogar ohne, dass es jemandem aufgefallen wäre. Er war ja freiwillig da und das Personal hatte alle Hände voll mit anderen Fällen zu tun. Francis' exzessiver Alkoholkonsum hat letztendlich auch dazu geführt, dass seine Frau sich von ihm getrennt hat. Besonders, da er laut ihrer Aussage betrunken sehr schnell gewalttätig wird und die Jahre vor ihrer Trennung wohl dauerhaft betrunken war. Die Zahlen hier sind auch sehr interessant. Die Ex-Frau berichtet, dass Francis etwa zwei Jahre nach der Hochzeit mit dem Trinken begonnen habe, also 1929, und bis zur Trennung im September 1934 dauerbetrunken gewesen sein soll.

Die Lady of the Lake, mutmaßlich das erste Opfer des Serienmörders, wurde genau zu der Zeit, also auch im September 1934 getötet. Ob das ein Zufall sein kann? Aber es geht noch weiter, denn es kursieren auch Gerüchte, dass Francis bisexuell sei.

Könnte also der Grund für die Entfernung der Genitalien bei einigen Leichen sein, dass der Täter so eine makabre Faszination für das andere Geschlecht zeigt? Oder eine Erklärung dafür sein, dass er sowohl Frauen als auch Männer getötet hat? Fakt ist auf jeden Fall, dass Francis sehr groß, kräftig gebaut und körperlich stark ist. Und dass er eine Zeit lang eine eigene Arztpraxis ganz in der Nähe von Kingsbury Run hatte, bevor er seinen Job durch den Alkohol nicht mehr ausüben konnte. Man kann es nicht anders sagen. Er passt ins Bild. Man versteht, warum er Elliot Ness aufgefallen ist, als die Polizei bei den Ermittlungen auf ihn gestoßen ist. Francis wird also in ein Hotel gebracht, wo er erst einmal drei Tage ausnüchtern muss, bevor er überhaupt ein klares Gespräch führen kann. Sollte er nicht kooperieren, so die Drohung, wird die Polizei ihn ganz öffentlich festnehmen und vor aller Augen auf die Wache bringen. Vor Ort befinden sich Elliot Ness, ein vertrauter Detektiv, ein Psychiater und Leonard Kehler, der an der Erfindung des ersten Lügendetektors beteiligt war. Er hat ein paar Jahre zuvor erstmals einen Kriminellen mit seinem Lügendetektor überführt. Ness hat ihn gebeten, beim Verhör im Hotel dabei zu sein. Francis zeigt sich verhältnismäßig entspannt, selbstbewusst und vor allem auch amüsiert über die ganze Situation. Ob er weiß, dass die Polizei in den vergangenen Wochen jeden seiner Schritte überwacht hat? Dass sie heimlich seine Post gelesen und seine ehemalige Praxis sowie seine Wohnung durchsucht haben?

Zweimal muss sich Francis dem Lügendetektortest unterziehen und beide Male fällt er komplett durch. Elliot Ness und sein Team sind sich sicher, sie haben ihren Mann. Endlich, nach vier Jahren Horror. Aber wie können sie das beweisen? Denn der Lügendetektor ist so neu und der zählt vor Gericht nicht als Beweis. Und außerdem soll er auch besser ein Geheimnis bleiben. Zwar existieren die Miranda-Rechte in den 30er Jahren noch nicht, dennoch steht das Vorgehen der Ermittler nicht gerade in Einklang mit den zu der Zeit geltenden Bürgerrechtsprinzipien. Kurze Erklärung, mit den Miranda-Rechten sind die Rechte gemeint, die die Polizei in den USA einer festgenommenen Person vor einem Verhör mitteilen muss. Insbesondere das Recht zu schweigen und das Recht auf einen Anwalt.

Francis gesteht die Taten auch nicht. Er behauptet, mit all dem nichts zu tun zu haben. Und man hat ja auch keine physischen Beweise gegen ihn in der Hand. Vor allem gibt es aber auch noch ein anderes Problem. Denn Francis ist der Cousin eines Kongressabgeordneten, der als politischer Gegner von Elliot Ness gilt. Das bedeutet, sollte Elliot Ness eine Anklage gegen Francis erwirken, würde diese mit hoher Wahrscheinlichkeit als politischer Schachzug gegen den Kongressabgeordneten gewertet werden. Gerade dann, wenn er keine Beweise gegen Francis hat, sondern nur jede Menge Indizien. Und genau das ist das Problem. Wenn man doch nur bei der Durchsuchung von Francis' Wohnraum was gefunden hätte. Oder von seiner ehemaligen Praxis. Aber nichts. Wenn Francis es wirklich war, dann weiß dieser Mann verdammt gut, wie er hinter sich aufräumen muss. Hätte er seine Opfer wirklich in seiner Praxis getötet, dann hätte er zwangsläufig jede Menge Blutspuren hinterlassen. Aber wie kann es sein, dass alles so sauber ist? Jahre später wird es eine Theorie dazu geben, die besagt, Francis hätte eine Vereinbarung mit dem benachbarten Bestatter gehabt.

Nach dieser Vereinbarung hätte Francis möglicherweise im Bestattungsinstitut chirurgische Eingriffe an all den Leichen vornehmen dürfen, die niemand zuordnen kann. Wenn das stimmt, dann wäre ein Bestattungsinstitut natürlich ein sehr geeigneter Ort gewesen, um Menschen zu töten und Blutspuren zu beseitigen. Damit wäre aber noch lange nicht geklärt, warum niemand von den Mitarbeitenden des Bestattungsunternehmens in all den Jahren etwas gemerkt hat. Das alles natürlich vorausgesetzt, Francis ist es wirklich gewesen. Aber wie gesagt, es gibt keinen einzigen wirklichen Beweis gegen Francis. Und mit einer so niedrigen Aussicht auf Erfolg vor Gericht hat Elliot Ness keine andere Wahl, als seinen Hauptverdächtigen nach den zwei Wochen im Hotel wieder gehen zu lassen. Francis lässt sich daraufhin in eine Heilanstalt einweisen und wird dort freiwillig fast den ganzen Rest seines Lebens bleiben. Später wird man ihm dort eine Schizophrenie diagnostizieren.

Nach Francis' Einweisung geschehen übrigens keine weiteren Morde mehr in Kingsbury Run. Die Mordserie endet so plötzlich, wie sie begonnen hat. Aber die Polizei erhält immer wieder mysteriöse Briefe und Postkarten, die angeblich vom Mörder stammen. Einen Namen nennt er nicht. Doch es ist klar, dass er die Polizei auch nach seinem Ruhestand weiter ärgern will. In einem Schreiben vom Dezember 1938 heißt es zum Beispiel...

Sie können nun beruhigt sein. Ich bin für den Winter in sonnige Kalifornien gegangen. Es tut mir leid, an diesen Menschen operiert zu haben, aber die Wissenschaft muss voranschreiten. Doch was bedeuten ihre Leben im Vergleich zu Hunderten, deren Körper durch Krankheiten entstellt werden? Ich empfinde es als meine Pflicht, die Körper, die ich für meine Forschung nutze, nach der Arbeit zu beseitigen. Es ist Gottes Wille, sie nicht leiden zu lassen. Für Elliot Ness besteht kein Zweifel, dass Francis es ist, der ihm diese Nachricht geschrieben hat. Seiner Ansicht nach ist der Fall auch, so gut es eben möglich war, gelöst. Gelöst, ungelöst sozusagen. Aber der County Sheriff sieht das etwas anders. Er hat nie geglaubt, dass es Francis war, so einleuchtend das auch alles klingen mag. Dieser Sheriff hat noch einen ganz anderen Verdächtigen im Visier. Und zwar einen Maurer namens Frank. Frank hat einige der Opfer nachweislich persönlich gekannt und war früher einmal auf einem Schlachthof tätig. Im Juli 1939, fast ein Jahr nach dem Hotelverhör von Francis, dem Chirurgen, nimmt der Sheriff Maura Frank wegen des Mordes an Florence fest, dem achten Opfer des Serienmörders. Und Frank gesteht sogar, Florence getötet zu haben. Allerdings auf eine Art, die ihm niemand so richtig abkauft. Sein Geständnis ist eine wilde Mischung zwischen zusammenhangslosem Gestammel und ziemlich präzisen Details. Fast so, als habe es ihm jemand vorgegeben.

Frank zieht dieses Geständnis später zurück. Doch bevor es zu einem Prozess kommen kann, erhängt er sich in seiner Gefängniszelle.

Er bindet eine Schlinge um einen Haken, der etwa 1,70 Meter über dem Boden angebracht ist. Frank ist aber ein paar Zentimeter größer. Die Frage ist also nun, hat Frank sich wirklich selbst umgebracht oder wurde er vielleicht ermordet, damit vor Gericht nicht rauskommen kann, dass er es eigentlich gar nicht war. Bei der Autopsie seiner Leiche stellt sich nämlich heraus, dass Frank sechs gebrochene Rippen hat. Alles Verletzungen, die er sich während seiner Haft zugezogen haben muss, in Gewahrsam des Sheriffs. Gut möglich, dass da jemand einfach schnell um jeden Preis diesen Fall lösen wollte. Zur Not eben mit einem falschen Täter und einem erzwungenen Geständnis. Bewiesen ist das alles natürlich nicht. Aber die Indizien sprechen schon eine eindeutige Sprache. Franks Name wird auf jeden Fall immer wieder im Zusammenhang mit dem Cleveland-Torso-Mörder erwähnt. Jedoch glauben nur wenige, dass er all die Menschen auch wirklich umgebracht hat. Nach diesem Fiasko finden auch die polizeilichen Ermittlungen nach fünf Jahren langsam ein Ende.

Es gibt keine weiteren Verdächtigen und auch keine weiteren Leichen. Aber fast ein Jahrzehnt nach dem Brief wird im Januar 1947 in Los Angeles die Leiche von Elizabeth gefunden, zerteilt in zwei Stücke. Und alle fragen sich sofort, ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen gibt. Elisabeths Leiche wurde ebenfalls nach ihrem Tod gründlich gereinigt, ihr Blut entleert und ihre Eingeweide entfernt. In beiden Fällen wurde bei der Tat anscheinend ein sehr scharfes Fleischermesser verwendet. Allerdings hat der Mörder den Kopf von Elizabeth nicht abgetrennt und es liegen mehr als neun Jahre zwischen den Taten. Es gibt keine Beweise, dafür aber viele Spekulationen, inwiefern die beiden Fälle zusammenhängen könnten. Elizabeth ist übrigens auch besser als Black Dahlia bekannt. Wir haben über ihr Schicksal vor ein paar Jahren mal in einer Folge bei Schwarze Akte Mystery gesprochen. Das ist Folge 17, die könnt ihr euch immer noch bei Podimo anhören. Für Elliot Ness jedenfalls bedeutet der Fall des Cleveland-Torso-Mörders den Anfang vom Ende seiner glanzvollen Karriere. Sein Scheitern und auch die fatale Entscheidung, einen Großteil der Hütten im Kingsbury-Run-Viertel niederzubrennen, hängen ihm noch lange nach. Er entwickelt selbst ein ernstes Alkoholproblem, zieht aus Cleveland weg und stirbt 1957 in Pennsylvania, also knapp 20 Jahre nach Ende der Ermittlungen. Elliot Ness wird 54 Jahre alt.

Alle offiziellen Polizeiakten zu diesem Fall sind inzwischen verloren gegangen oder entsorgt worden. Bis heute gilt die Mordserie als eines der rätselhaftesten, ungelösten Verbrechen in der Geschichte der USA. 13 Menschen wurden ermordet, sechs Frauen und sieben Männer. Nur drei konnten bisher identifiziert werden. Doch das will ein Team des DNA Doe Projects nun ändern.

Seit 2024 arbeitet eine kleine Gruppe Freiwilliger daran, mithilfe der forensischen DNA-Genealogie einige der zehn anderen Opfer zu identifizieren. Ihr Ziel ist es, ein DNA-Profil der Opfer zu erstellen, um daraus einen Stammbaum aufzubauen und so über mögliche Verwandte die Personen identifizieren zu können. Das braucht nicht nur finanzielle Ressourcen, sondern vor allem auch Zeit und Geduld und den Mut, nicht die Hoffnung aufzugeben.

Boah, das war jetzt echt ein ganz schön harter Fall, oder? Also wir haben uns ja natürlich in der Vorbereitung auch intensiv damit beschäftigt. Und natürlich sind alle Kriminalfälle, über die wir hier im Podcast sprechen, super schlimm, gar keine Frage. Aber der Fall heute, der hat es auf jeden Fall nochmal in sich. Und dabei haben wir auch heute in der Folge gar nicht mal alles im Detail erzählt. Also, da gab es nur noch die ein oder andere Beschreibung, wie ... Ein oder andere Opfer gefunden worden ist, wo ich mir echt gedacht habe, wow, ich meine, wir haben es extra nochmal gesagt. Die Folge heute ist extra heavy. Was wir da alles lesen mussten, das macht den Fall, der sowieso schon schlimm ist, nochmal doppelt so schlimm mindestens. Ja, voll. Und ich denke, wir sind uns alle einig, dass das schon der Dr. Francis war, oder? Also ich kann mir irgendwie keine andere Person vorstellen. Für mich ist der der Täter. Ich finde es auch ein bisschen tragisch, dass Frank da jetzt mit reingezogen worden ist. Ich meine, das hört sich so ein bisschen nach dieser Erklärung an, die Bratzler ja auch geliefert hat, dass früher, so in den 30er Jahren.

Diese Ermittlungen in Richtung der Serienmörder ja, gar nicht so abliefen wie heute, jetzt mal abgesehen, dass wir heutzutage DNA-Tests und so machen können, aber dass man früher halt davon ausgegangen ist, die müssen sich alle persönlich gekannt haben. Und das hat ja bei Frank gepasst. Aber was ich bei ihm halt so ein bisschen tragisch finde, ist erstens, für mich ist es auch sehr unwahrscheinlich, dass er es war. Wir wissen es nicht zu 100, 110 Prozent so, aber ich glaube, wir sind genau, wie du es schon gesagt hast, wir sind beide der Meinung und ich vermute mal, der Großteil von euch da draußen sehr wahrscheinlich auch, dass es Frank nicht war. Und umso tragischer finde ich es, dass er natürlich auch noch gestorben ist und davor aber halt auch viele Freunde, Freundinnen verloren hat.

Und auch im Verhör von Dr. Francis, also was er da in dem Hotel hat machen müssen, da wirkte der halt auch so super selbstsicher, also fast schon arrogant, könnte man sagen. Und was ist denn das auch für eine Art, sich da zu präsentieren, wenn du gerade verdächtigt wirst, ganz viele Leute umzubringen? Also natürlich ist das jetzt nicht der stärkste Beweis dafür, dass er es wirklich war. Aber irgendwie passt das ja zu der Theorie, dass er versucht hat, die Polizei an der Nase herumzuführen und die Leichen ja auch in der Nähe der Polizeidienststellen abgelegt hat. Und irgendwie passt sein Verhalten dazu. Was nicht dazu passt, meiner Ansicht nach, ist, dass er von seiner Ex-Frau ja als ständig betrunken beschrieben wird. Und wir haben es ja hier mit einem Täter zu tun, der keine Spuren hinterlassen hat, der die Tatorte ja sauber hinterlassen hat. Und da frage ich mich schon, wie schafft das jemand, der angeblich ständig betrunken war?

Ja, ich meine, wenn es halt wirklich deine Profession ist, wenn du, wenn das wirklich halt dein Job ist, man sagt ja auch sowas wie, ich kann es im Schlaf. Und dann gibt's, könnte ich mir auch vorstellen, welche, die das betrunken machen können. Also... Die Frage ist halt auch, wie betrunken. Manche sagen ja auch, okay, ich trinke einen Schluck, damit ich ruhiger werde. Ich will da jetzt überhaupt gar nichts schön reden, aber das könnte ich mir vorstellen, könnte damit zu erklären sein. Und was ich wiederum krass finde, dass Elliot Ness einfach ein ganzes Viertel hat abbrennen lassen. Also nicht ein ganzes, aber trotzdem 300 Menschen sind da auf der Straße deswegen gelandet. Und vor allem, die waren ja quasi vorher schon mehr oder weniger auf der Straße. Das hat da ja wirklich die Ärmsten der Ärmsten getroffen. Und dass die jetzt auch noch ihre Bleibe dort verloren haben, das ist schon richtig krass. Also das kann man sich in der heutigen Zeit doch gar nicht vorstellen, oder? Dass das jemand mit Entscheidungsmacht so einfach durchführen lässt. Auf jeden Fall. Also ich habe auch echt dann so drüber nachgedacht, weil er ja auch so dieser glänzende Held war, der berüchtigste Detective. Was war seine spezifische Bezeichnung nochmal? Detective, Sheriff war es nicht, ne? Er war ein Sicherheitssekretär, oder? Sicherheitsdirektor. Sicherheitsdirektor, so, genau. Und ich dachte mir, okay, also schön, dass wir hier sehr wahrscheinlich jetzt den Mörder gefunden haben, aber das muss nicht unbedingt sein. Ich meine, ich finde es auch tragisch, dass er wiederum selbst dem Alkohol verfallen ist später.

Aber ich finde, die Kritik, die musste er sich damals auf jeden Fall anhören. Und eine letzte Frage hätte ich sogar noch an dich. Beziehungsweise, ich weiß gar nicht, ob das richtig eine Frage ist, aber wir haben ja noch den letzten Fall von Elizabeth in Los Angeles von 1947.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass das ein Nachahmer war, oder? Ja, ich glaube auch, dass das zwei voneinander unabhängige Taten sind, dass das nichts miteinander zu tun hat. Ja, glaube ich auch. Es sieht halt danach aus, als wäre das das Werk ein und desselben Täters, aber ich glaube, das ist einfach Zufall. Ja, also ich kann mir auch vorstellen, dadurch, dass es ja auch wirklich ein riesiger Schockwert ist, ich meine, die Person wurde auch gründlich gereinigt, ihr Blut wurde entleert, also genauso wie auch bei der Mordserie. Das heißt, das ist ein riesiger Schockwert. Und da kann ich mir vorstellen, dass jemand einfach das nachgeahmt hat, weil er sich bewusst war darüber, dass darüber auf jeden Fall berichtet wird.

Und worüber wir beide auch ziemlich geschockt waren. Ich hoffe, oh Gott, ich hoffe, das kommt jetzt nicht geschmacklos. Aber die Aufnahmesituation im Studio, die wir hatten, da haben wir am Anfang der Folge ja schon ein bisschen angeteast. So, okay, jetzt werde ich weggecancelt dafür, dass ich den Übergang hier gerade gebaut habe. Aber bei der Studiosituation waren wir auch ziemlich geschockt. Wir haben uns heute in einem Aufnahmestudio getroffen, weil es immer schöner ist, zusammen an einem Tisch zu sitzen und aufzunehmen. Und dann haben wir plötzlich nach unserem Vorgequatsche gemerkt, dass das ganz schön laut ist plötzlich. Und dann haben wir erfahren, dass quasi das Nebengebäude abgerissen wird und dass da ein richtig krass lauter Presslufthammer war. Ja, und deswegen sind wir direkt für euch nach Hause gefahren und nehmen uns jetzt remote auf, wo wir es hier schön ruhig haben. Und ansonsten können wir ja noch erzählen, was gerade so ansteht, oder? Das kam ja ziemlich gut bei den Leuten an, dass wir ganz, ganz, ganz am Ende der Folge immer noch ein bisschen privaten Talk machen. Deswegen frage ich dich doch jetzt einfach mal, was hast du denn so vor die Woche? Wo bist du? Was machst du?

Ich meine, man muss auch dazu sagen, wir produzieren jetzt extra genau deswegen vor, weil wir beide da so in der Richtung im Urlaub ja sind. Ich hoffe, ich werde da jetzt irgendwo in der Türkei sitzen, bisschen Gößle mesnacken und Eierand trinken. Und ich bin ganz woanders. Wenn ihr die Folge direkt am Veröffentlichungstag hört, dann geht es für mich morgen erst mal nach Rom, nach Italien, ein paar Tage und danach noch ein paar Tage in die Toskana. Meinst du, du kannst da direkt schon deine italienische Kenntnisse anwenden? Eieiei, ja, also ich kann so ein paar Basics mittlerweile Und ich werde auf jeden Fall versuchen, im Restaurant meine Bestellung zu machen auf Italienisch. Und ja, auch so ein paar Alltagssituationen kann ich jetzt, glaube ich, auch. Und ja, ich glaube, so das größte Ding, wenn man irgendwas neu lernt, vor allem eine Sprache, ist ja immer, man muss sich einfach trauen.

Natürlich hört man das, dass ich das nicht kann und gerade dabei bin, das zu lernen, aber ich muss mich dann selber immer ein bisschen zwingen, mich zu trauen, das zu sagen und auch dann nachzufragen, wenn ich was nicht verstanden habe. Deswegen, ja, ich werde meine Kenntnisse des Kurses versuchen anzuwenden. Nice, ich bin gespannt, was du denn erzählst. Ich finde es immer richtig, richtig lustig, wenn man, also ich finde es richtig cool, dann diese Kenntnisse anwenden zu können erstmal und dann kommt so eine Rückfrage und dann ist es bei mir zumindest voll oft so, dass ich dann doch irgendwie ins Englische oder in dieses typische mit Händen und Füßen zeigen, was ich meine, verfalle.

Deswegen, ich bin sehr gespannt, wie es bei dir läuft. Ich freue mich sehr davon zu hören. Ich werde berichten, was ich bestellt habe und was ich bekommen habe. Schauen wir mal. Sehr schön, sehr schön. Ich glaube, damit können wir die Folge auch schön abrunden. Und ich würde sagen, damit schließen wir die Akte für heute und wir hören uns kommende Woche Dienstag überall, wo es Podcasts gibt.

Wir sind eure Hosts, Anne Luckmann und Patrick Strobusch. Redaktion, Silber Hane Kamp und wir. Schnitt Anne Luckmann Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.