Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Es ist der 31. Oktober 1991. Halloween. Nebel hängt tief über der Straße. Man kann kaum ein paar Meter weit durch die graue Suppe sehen und dahinter verschwindet alles in tiefster Dunkelheit. Links und rechts der Straße rasen Felder am Auto vorbei. Dahinter beginnt irgendwo der Wald. Es ist schon spät, kurz vor Mitternacht, als Doris über die einsame Straße nach Hause fährt. Sonst ist alles ruhig. Andere Autos sind nirgends zu sehen. Doris fährt allein nach Hause. Das gleichmäßige Brummen des Motors und das Geräusch der Reifen, die über den Asphalt rollen, haben etwas Beruhigendes. Sie kennt die Strecke gut, aber nachts ist es schon etwas anderes. Die Felder wirken plötzlich viel größer und die Bäume des Waldes scheinen näher an die Straße heranzurücken.
Im Licht der Scheinwerfer leuchten sie ab und zu auf und dazwischen bewegen sie Schatten, die sich wie etwas Lebendiges anfühlen, obwohl sie es natürlich nicht sind. Doris spannt die Hände an, die das Lenkrad fest umklammern, und atmet tief durch. Sie schließt kurz die Augen, öffnet sie wieder und dann passiert es. Ein dumpfer Schlag erschüttert plötzlich das Auto. Es fühlt sich an, als wäre Doris über etwas drüber gefahren, das deutlich größer ist als ein Ast oder ein Stein. Für einen kurzen Moment hebt sich der vordere Reifen vom Boden. Doris' Magen macht einen Satz. Dann setzt das Auto wieder auf der Straße auf. Doris zuckt zusammen und umklammert das Lenkrad noch fester. Der Wagen kommt wieder ins Gleichgewicht und rollt weiter über die Straße. In ihrem Blick spiegeln sich Fragezeichen. Sie starrt in den Rückspiegel, kann aber in der Dunkelheit nichts erkennen. Sie rollt noch ein paar Meter weiter, bevor sie das Auto bremst und schließlich anhält. Sie schaut sich um, sieht aber nur Nebel und Dunkelheit. Zögernd öffnet Doris die Autotür und steigt aus. Die Nachtluft ist kalt und feucht. Der Motor summt noch leise. Aber sonst ist es vollkommen still.
Doris geht um das Auto herum und schaut zurück auf die Straße. Sie sucht nach einem Tier, vielleicht einem Waschbär, der aus dem Wald gekommen ist. Doch die Straße hinter ihrem Auto ist leer. Kein Tier, kein Schatten auf dem Boden, keine Bewegung im Nebel. Für einen kurzen Moment bleibt Doris stehen und starrt in die Dunkelheit. Irgendwo weiter draußen raschelt etwas.
Vorsichtig geht sie noch ein paar Schritte weiter, schaut zum Waldrand hinüber und versucht im grauen Schleier etwas zu erkennen. Dann hört sie ein Geräusch. Ein einzelnes Knacken. Es klingt so, als wäre irgendwo im Unterholz ein Ass gebrochen. Doris dreht den Kopf und lauscht. Vielleicht war das ein Reh oder ein Fuchs. Da, wieder dieses Geräusch. Diesmal näher. Es ist kein Knacken und kein Rascheln mehr. Es sind Schritte. Schwere Schritte. Und plötzlich bewegt sich etwas schemenhaft in der Dunkelheit. Zuerst sieht Doris nur eine dunkle Form, die sich aus dem Nebel löst. Für einen Moment glaubt sie noch, es sei ein großes Tier, vielleicht ein streunernder Hund, der aus dem Wald kommt. Doch dann erkennt sie, dass etwas daran nicht stimmt. Die Gestalt ist groß, zu groß. Und sie bewegt sich auf eine Weise, die es ihr kalt den Rücken runterlaufen lässt. Dieses Etwas kommt direkt auf sie zu. Schnell, viel schneller, als sie es erwartet hätte. Die Schritte schlagen hart auf den Asphalt auf. Für einen Moment hat Doris das Gefühl, dass sie hören kann, wie schwer das Wesen atmet, während es rennt. Die Gestalt ist jetzt so nah, dass Doris die breite, dunkle Brust erkennen kann. Lange Haare und Muskeln, die sich unter dem Fell bewegen. Für einen Augenblick steht Doris einfach nur da. Ihr Körper ist wie eingefroren und ihr Verstand kann nicht begreifen, was ihre Augen da sehen. Dann setzt die Angst ein.
Doris dreht sich um und rennt. Mit schwitzigen Händen bekommt sie den Türgriff zu fassen, reißt die Autotür auf und springt auf den Fahrersitz. Mit einem lauten Knall schlägt Doris die Tür hinter sich zu. Ihre Hände zittern, während sie den Schlüssel im Zündschloss dreht. Der Motor springt an. Im selben Moment erreicht die Kreatur das Auto. Das Blech knallt dumpf unter dem Gewicht, als hätte sich etwas Schweres darauf geworfen. Doris tritt das Gaspedal durch. Die Reifen quietschen, bevor der Wagen nach vorne schießt und in den Nebel eintaucht. Als sie einige Sekunden später in den Rückspiegel schaut, sieht sie nichts als Dunkelheit. Doch später entdeckt sie die Spuren. Am Kofferraum. Lange Kratzer im Lack. Tiefe, parallele Linien. Als hätte etwas mit Krallen versucht, sich festzuhalten. Oder jemanden aufzuhalten. Was Doris in dieser Nacht begegnet ist, wird später einen Namen bekommen. Das Biest von Bray Road.
Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen schwarze Akte-Paranormal-Folge mit Patrick Strohbusch und mit Anne Luckmann. Hello! Es ist ja wieder der letzte Donnerstag im Monat, das heißt, wir haben hier wieder einen neuen paranormalen Fall für euch. Yes, und was Doris in dieser Nacht auf der Straße erlebt, wird später noch anderen Menschen in dieser Gegend bekannt vorkommen.
Werbung. Werbung Ende. Anfang der 90er Jahre fangen immer mehr Leute rund um Elkhorn im US-Bundesstaat Wisconsin an, von seltsamen Begegnungen zu erzählen. Dingen, die sie auf einer unscheinbaren Landstraße gesehen haben, die sich durch Felder und kleine Waldstücke außerhalb der Stadt ziehen. Diese Landschaft heißt Bray Road. Elkhorn liegt etwa 60 Kilometer südwestlich von Milwaukee, mitten im ländlichen Walworth County. Anfang der 90er Jahre ist die Stadt nicht besonders groß. Rund 6.500 Menschen leben hier. Wer hier durch die Innenstadt spaziert, der läuft durch ein klassisches amerikanisches Kleinstadtbild. Es gibt ein altes Gerichtsgebäude am Marktplatz, kleine Geschäfte und ein paar Restaurants und Häuser, die so aussehen, als könnten sie direkt von einer Postkarte stammen. Tatsächlich nennen manche Elkhorn genau deshalb auch die Weihnachtskarten statt.
Rund um Elkhorn gibt es vier Land mit weiten Prärien, Maisfeldern und Milchfarmen. Hier und da gibt es kleine Waldstücke mit Rehen und Kojoten und dazwischen schlängeln sich schmale Straßen. Und eine davon ist die Braille Road. Das ist keine große Durchgangsstraße, sondern eher eine schmale Landstraße, die sich mehrere Kilometer durch Felder, Wälder und kleine Farmen zieht. Tagsüber wirkt die Braille Road völlig unspektakulär. Es ist einfach eine ruhige Straße, auf der hin und wieder ein Pick-up vorbeifährt oder ein Farmer mit seinem Traktor unterwegs ist. Doch nachts, wenn Nebel über die Felder zieht und nur vereinzelte Autoscheinwerfer durch die Dunkelheit fliegen, wirkt die Straße plötzlich ganz anders. Als Doris hier in der Halloween-Nacht anhält, ist es das Jahr 1991.
In den Radios laufen Songs von Nirvana, R.E.M. Oder Guns N' Roses. Im Kino sehen sich die Menschen Filme wie Terminator 2 oder Das Schweigen der Lämmer an. Elkhorn selbst wirkt in dieser Zeit ruhig und beinahe ein bisschen verschlafen. Die meisten Menschen arbeiten in der Landwirtschaft, in kleinen Betrieben oder pendeln in die umliegenden Städte. Es ist der typische Alltag einer amerikanischen Kleinstadt im Mittleren Westen. Gerade deshalb passt das, was in den kommenden Jahren hier passiert, eigentlich überhaupt nicht ins Bild. Denn Anfang der 90er macht in Elkhorn ein seltsames Gerücht die Runde. Menschen erzählen sich, sie hätten draußen auf der Braille Road etwas Merkwürdiges gesehen. Eine große Kreatur, die sich manchmal auf vier Beinen bewegt, manchmal aber auch auf zwei. Eine Kreatur, die aussehen soll wie ein riesiger Wolf. Als die ersten Geschichten die Runde machen, sich auf dem Marktplatz oder auf dem Schulhof erzählt werden, halten viele sie erstmal für einen Scherz. Für eben eine dieser Storys, die sich in kleinen Städten einfach schnell verbreiten und bei jedem Erzählen immer größer und größer werden. Eine der Personen, die davon hört, ist die Journalistin Linda Godfrey.
1991 arbeitet sie erst seit kurzem für eine kleine Wochenzeitung in der Gegend. Als sie von dem Gerücht über eine Kreatur an der Bray Road hört, da muss sie erstmal laut lachen. In einer Doku erzählt sie später Folgendes. Die Leute haben mir erzählt, dass sie etwas gesehen haben, das wie ein Werwolf aussieht. Und ich dachte nur, das ist doch völlig lächerlich. Ende 1991 ist aber News-mäßig sowieso nicht viel los. Deswegen beschließt sie, einfach mal ein bisschen herumzufragen. Linda fährt zum Büro von Animal Control. Das ist eine Behörde, die sich in der Gegend um streunende oder gefährliche Tiere kümmert. Da arbeitet auch ein Mann namens John. Als Linda ihn fragt, ob er etwas über merkwürdige Tiersichtungen rund um die Bray Road gehört hat, öffnet John eine Schreibtischschublade und zieht eine dicke Mappe heraus. Auf dem Etikett steht nur ein einziges Wort. Werwolf. In dieser Mappe hat John mehrere Meldungen von Menschen aus der Gegend notiert. Berichte über ein großes, wolfsartiges Tier. John selbst glaubt, dass es wahrscheinlich ein großer Kojote oder wirklich ein Wolf gewesen sein könnte. Das ist in der Gegend nicht völlig unmöglich. Wölfe sind im Süden Wisconsin zwar eher untypisch, aber es gab schon damals einzelne Wolfssichtungen in der weiteren Umgebung. Ganz alltäglich wären Wölfe dort also nicht gewesen, aber komplett ausgeschlossen eben auch nicht.
Linda wird neugierig. Sie erzählt später in Dokus und in ihrem eigenen Buch, dass wenn ein offizieller Beamter eine Werwolf-Mappe auf dem Schreibtisch liegen hat, ist das auf jeden Fall eine Nachricht wert. Sie beginnt, die Menschen zu suchen, die sich bei Animal Control gemeldet haben. Das sind die unterschiedlichsten Leute aus der Gegend. Eine alleinerziehende Mutter, ein Schüler in der Highschool, ein Farmer. Also ganz normale Leute. Als Linda mit ihnen spricht, hat sie den Eindruck, dass die Leute nicht verrückt sind. Sie haben wirklich eine Riesenangst. Einer der ersten Berichte stammt aus dem Jahr 1989, also zwei Jahre vor der Halloween-Nacht vom Anfang der Folge. Eine junge Frau namens Lori arbeitet damals als Managerin in einer Bar in Elkhorn. Eines Nachts, gegen zwei Uhr morgens, fährt sie nach Feierabend über die Bray Road nach Hause. Auf der Straße ist nichts los, es ist stockdunkel. Und dann sieht sie am Straßenrand plötzlich eine Gestalt. Zuerst erkennt Laurie nur den Rücken. Doch als sie langsam vorbeifährt, dreht sich die Kreatur um.
Laurie beschreibt den Moment später so. Sie sagt, es kniete dort. Die Ellenbogen waren nach oben angewinkelt und die Krallen nach außen gerichtet. Ich erinnere mich besonders an diese langen Krallen. Zwischen diesen Krallen umklammert das Wesen etwas mit festem Griff. Vermutlich ein Tierkadaver von der Straße. Mit glühenden Augen blickt das Tier zu Laurie. Statt wie andere Tiere zu fliehen, dreht die Kreatur einfach den Kopf und starrt Laurie an. Die fährt schnell weiter, aber was sie gesehen hat, lässt sie einfach nicht los. Sie geht am nächsten Tag sogar in die Bücherei und sucht nach einer Erklärung, aber in keinem Buch findet sie ein Tier, das zu dem passt, was sie dann nachts gesehen hat. Bis sie auf ein Buch über unerklärliche Phänomene stößt und ein Bild sieht. Ein Bild von einem Werwolf. Laurie sagt dazu, es war spät, aber ich weiß, was ich gesehen habe. So etwas kann man nicht verwechseln. Wenn es so etwas wie einen Werwolf gibt, dann war es das.
Journalistin Linda hat mit Laurie's Beschreibung auch eine Illustration von der Kreatur gemalt. Wir haben euch das Bild mal in den Shownotes verlinkt. Loris Geschichte klingt mehr als ungewöhnlich. Denn welches Tier, vor allem welcher Wolf, sollte irgendwo knien und Futter in den Klauen halten? Aber seltsame Einzelfälle gibt es ja immer. Nur, dass es diesmal kein Einzelfall bleibt.
Journalistin Linda findet außerdem ein Mädchen namens Heather. 1990, im Jahr zwischen Loris Begegnung und der Halloween-Nacht aus dem Intro, hat Heather zusammen mit ihren Freunden ein mehr als gruseliges Erlebnis. Heather ist gerade 10 oder 11 Jahre alt, als sie Ende Dezember mit einer Gruppe anderer Kinder auf dem Weg nach Hause ist. Es dämmert schon, als Heather und die anderen plötzlich einen großen Hund vor sich sehen. Zumindest glauben sie zuerst, dass es ein Hund ist. Heathers Mutter erinnert sich später, wie aufgelöst Heather nach Hause gekommen ist. Die Kleine erzählt ihrer Mutter, dass der große Hund dann plötzlich aufgestanden sei. Er hat sich auf die Hinterbeine gestellt. Das Tier hat laut Heather silbrig-braunes Fell und ein Gesicht, das das kleine Mädchen an einen Koyoten erinnert hat. Aber die Hinterbeine seien komisch gewesen, viel größer und kräftiger. Als das Tier aufsteht, rennen Heather und die anderen Kinder sofort weg. Das Tier jagt hinter ihnen her. Es läuft wie ein Hund, macht aber viel größere Sprünge. Es verfolgt die Kinder noch ein Stück in Richtung der Häuser, dann dreht es sich plötzlich einfach um und rennt zurück in die Felder. Auch die anderen Kinder aus der Gruppe erzählen später, dass sie das Tier gesehen haben. Und Heathers Mutter sagt ganz klar, dass sich ihre Tochter sowas niemals ausdenken würde. Und dann ist da noch Doris. Ihr kennt sie schon aus der unheimlichen Halloween-Nacht von 1991.
Doris ist 18 Jahre alt und geht noch auf die Highschool. Sie erzählt der Journalistin Linda von der Kreatur an Halloween und sagt, das war kein Hund, er war größer als ich. Und Doris zeigt Linda noch die Kratzspuren auf dem Heck ihres Autos. Linda berichtet in Dokus, dass diese Spuren für sie wie zwei Krallen aussahen, die einmal von oben nach unten über das Blech gezogen wurden. Mit dieser unheimlichen Begegnung ist es aber für Doris noch nicht vorbei. Sie sieht das Wesen in derselben Nacht nochmal, als sie jemanden von einer Halloween-Party abholt. Das Mädchen, das sie abholt, zeigt dann sogar auf die Kreatur und erschreckt sich, als Doris Gas gibt und nach Hause rast. Mit jeder weiteren Aussage merkt Linda, dass sich die Beschreibungen des Tieres erstaunlich oft ähneln. Nicht in jedem kleinsten Detail, aber in den typischen Merkmalen schon. Es ist immer eine große, wolfsähnliche Kreatur, mit langem dunklen Fell, spitzen Ohren, langen Krallen und Bewegungen, die nicht zu einem normalen Wolf oder Hund passen. Dass es auf zwei Beinen laufen kann, ist das, was am merkwürdigsten klingt.
Linda sammelt jetzt viele Berichte. Ein Farmer meldet ein ungewöhnlich großes, muskulöses, wolfsähnliches Tier auf seinem Land. Ein anderer Zeuge erzählt von seltsamen, großen Spuren mit langen Krallenabdrücken unweit von Braille Road. An einem Mitarbeiter einer Fastfood-Kette ist eine menschenähnliche Kreatur vorbeigelaufen, die unglaublich schnell und kraftvoll gewesen sein soll. Ein Ehepaar erzählt von einem schwarzen, struppigen Tier auf allen Vieren, das vor ihrem Auto über die Straße gerannt ist. Andere berichten von teilweise gefressenen Tierkadavern in der Gegend, von verletztem Vieh oder von Überresten, bei denen angeblich bestimmte Organe fehlten. Ob all diese Funde wirklich zusammengehören, das weiß Linda noch nicht. Aber in Elkhorn stimmt etwas nicht. Dort draußen ist irgendetwas unterwegs. Und auch Lindas Skepsis fängt an zu bröckeln. Am Anfang hält die Journalistin das Ganze noch für eine absurde Kleinstadtgeschichte. Stadtgeschichte, für ein lokales Gerücht, das nach ein paar Tagen schon wieder verschwinden wird. Aber mit je mehr Menschen sie spricht, desto schwerer fällt es ihr, alles einfach abzutun. In einer Doku sagt sie später, dass sie bei vielen Zeugen die Angst gesehen habe, während sie ihr von ihren Begegnungen erzählt haben. Einige seien blass geworden, andere hätten geschwitzt. Eine Frau habe sogar angefangen zu weinen.
Ende 1991 schreibt Linda schließlich darüber. Am 29. Dezember 1991, im selben Jahr der Halloween-Nacht, erscheint Lindas Artikel in der Zeitung. Wir haben euch den auch mal in den Schaunotes verlinkt. Linda schreibt über die Sichtungen von Doris und Laurie, deren Namen sie aber ändert. Sie schreibt über die merkwürdige Werwolf-Mappe bei Animal Control. Und sie muss der Kreatur natürlich noch einen Namen geben. Werwolf will sie das Wesen nicht nennen. Dafür ist das Wort zu eindeutig und zu sehr mit alten Legenden und Verwandlungen bei Mond und sowas verbunden. Deswegen braucht sie etwas Offeneres. Ein Wort, das erstmal nur beschreibt, dass an der Bray Road etwas Unheimliches unterwegs sein soll. So entsteht der Name. Das Biest vom Bray Road. Linda und ihre Zeitung glauben damals, dass sich vielleicht ein, zwei Leser melden und die Stadt vielleicht zwei Wochen über Silvester über das Thema spricht. Aber genau das passiert nicht. Stattdessen schlägt der Artikel riesige Wellen. Schon kurz nach der Veröffentlichung melden sich unzählige Menschen bei Linda. Die Zeitung bekommt Anrufe, Briefe und weitere Hinweise. Auch andere Zeitungen berichten über das Biest an der Braille Road. Innerhalb von zwei Wochen ist Alcorn sogar in den nationalen News.
Fernsehteams reisen an und belagern die kleine Straße. Mit dem Artikel passiert aber noch etwas anderes. Zum ersten Mal haben viele der Menschen, die bisher nur heimlich über das Biest gesprochen haben, das Gefühl, dass ihnen vielleicht doch jemand zuhört. Dass sie nicht automatisch ausgelacht werden. Für manche ist das eine Erleichterung. Für andere aber genau das Gegenteil. Denn je mehr Aufmerksamkeit das Thema bekommt, desto größer wird auch die Angst vor Spott. Einige Zeugen wünschen sich im Nachhinein, sie hätten nie öffentlich darüber gesprochen. Es gibt Witze über Silberkugeln, weil man mit denen ja angeblich Wehrwölfe töten kann. Menschen fahren nachts aus Spaß die Braille Road entlang, es werden T-Shirts verkauft und die lokale Bäckerei backt sogar Kekse in Wehrwolf-Form. Nachts laufen Leute über Felder und leuchten mit Taschenlampen in die Dunkelheit, um das Biest zu suchen. Und mitten in diesem Chaos melden sich weitere neue Zeugen. Zum Beispiel ein 17-jähriger Highschool-Schüler namens Tom. Er berichtet, er sei nachts mit Freunden im Auto unterwegs gewesen. Sie sind nach einer Hochzeitsfeier bei dichtem Nebel durch die Gegend gefahren, als es einen Aufprall gibt. Zuerst glauben sie, gegen einen Briefkasten gefahren zu sein. Dann merken sie jedoch, dass dort etwas anderes vor dem Wagen ist. Später beschreibt Tom eine große haarige Gestalt und einen seltsamen Arm, der sich dem Auto entgegengestreckt hat.
Auch er erinnert sich an Krallen oder zumindest lange Nägel. Und vor allem an einen Geruch, den er nie vergessen wird. Der Geruch nach Verwesung. Genau solche Berichte gibt es zunehmend nach dem Artikel. Einige Zeugen beschreiben etwas Wolfsähnliches, andere eher etwas Affenartiges. Wiederum andere einen großen, wilden Mann.
Einige schwören, das Wesen sei riesig gewesen, bis zu zwei Meter groß, mit glühenden Augen. Andere berichten eher von einem großen, struppigen Tier auf vier Beinen. Nicht jede Begegnung muss dasselbe gewesen sein. Genau das schreibt Linda später auch in ihrem Buch. Sie hält es für möglich, dass nicht alle Zeugen immer dieselbe Art von Wesen gesehen haben.
Und während sich der Medienrummel immer weiter hochschaukelt, meldet sich bei Linda wie aus dem Nichts noch jemand anderes. Jemand, der behauptet, dieses Wesen nicht erst in den 90ern gesehen zu haben, sondern schon Jahrzehnte früher. Linda bekommt einen Anruf von einem anderen Zeitungsredakteur aus dem benachbarten Jefferson County, etwa eine halbe Stunde entfernt. Der Mann heißt Joe. Joe erzählt Linda, dass sein Vater dieses Wesen schon im Jahr 1936 gesehen hat, also über 50 Jahre zuvor. Allerdings nicht an der Bray Road, sondern einige Kilometer weiter östlich, auf dem Gelände einer Schule bei Jefferson. Das Ding ist, dass der Bericht ja nicht direkt aus dem Jahr 1936 stammt, sondern überliefert wird. Joe erzählt die Geschichte, die ihm sein Vater erzählt hat. Der heißt Mark und ist im Jahr 1936 Nachtwächter auf dem Gelände dieser Schule. Das Grundstück ist etwas außerhalb einer Stadt und ziemlich weitläufig. Es gibt mehrere ältere Gebäude, einen Garten und offene Felder. Auf dem Gelände gibt es auch mehrere alte Grabhügel der indigenen Bevölkerung, die dort erhalten geblieben sind. Mark ist da gerade in seinen 30ern. Er dreht also mit seiner Taschenlampe mitten in der Nacht runden um das Gelände.
Einmal, kurz vor Mitternacht, läuft Mark seinen üblichen Weg über das Geländer, als er in einiger Entfernung etwas auf einem der Grabhügel sieht. Zuerst erkennt er nur einen dunklen Schatten auf allen Vieren, der in der Erde gräbt. Erst erinnert es ihn an einen Hund oder vielleicht einen Wolf. Aber schon aus der Entfernung ist ihm klar, dass das Wesen dafür viel zu groß ist. Dann schaut das Tier auf und richtet sich zur vollen Größe auf. Aus der geduckten Gestalt wird plötzlich eine Kreatur, die um die zwei Meter groß gewesen sein soll. Auch Marks Beschreibung passt zu denen von zum Beispiel Laurie und Doris. Mark steigt aber noch ein ekelhafter Geruch in die Nase. Es riecht nach Verwesung. Mark weicht zurück, doch auch das Wesen zögert, dreht sich schließlich um und verschwindet im Dunkeln zwischen den Bäumen. Am nächsten Morgen zieht es Mark zurück zu dem Ort und er entdeckt dort Kratzspuren in der Erde.
In der folgenden Nacht arbeitet Mark wieder auf dem Geländer. Und er läuft wieder nach draußen in Richtung Grabhügel. Er hält seine Taschenlampe fest umklammert und will sie im Zweifel als Schlagstock benutzen, wenn das Wesen erneut auftauchen sollte. Als er sich der Stelle vom Vortag nähert, ist die Kreatur tatsächlich wieder da. Und wieder gräbt sie in der Erde, als würde sie dort irgendwas suchen. Als sie Mark bemerkt, richtet es sich wieder auf und dreht sich zu ihm. Mark fallen die spitzen Ohren und die riesigen Fangzähne auf. Das Tier schaut ihm direkt in die Augen. Es starrt Mark einfach an. Und dann macht das Wesen ein Geräusch. Mark erzählt seinem Sohn später, dass es ein tiefes, bösartiges Knurren gewesen ist. Etwas, das sich wie Gadara angehört hat. Kein normales Tiergeräusch, sondern etwas zwischen Knurren und einer unbekannten Sprache. Mark bleibt wie angewurzelt stehen und betet. Er hat Todesangst. Und dann wendet sich die Kreatur plötzlich ab und verschwindet. Mark sieht das Tier danach nie wieder. Aber die Begegnung lässt ihn einfach nicht mehr los. Er berichtet dann später ja auch seinem Sohn davon. Der zeichnet danach sogar ein Bild von der Beschreibung seines Vaters. Das findet ihr auch in den Shownotes. Das Wesen hat einen kräftigen, beinahe menschlichen Körper mit langen Krallen an den Händen und Füßen und spitzen Ohren. Die Geschichte von Mark passt sehr gut zu den Geschichten von Laurie und Doris über 50 Jahre später.
Allein die Möglichkeit, dass das Biest Jahrzehnte vorher existiert haben könnte, verändert die ganze Geschichte. Denn wenn das stimmt, dann ist das, was die Menschen rund um Bray Road gesehen haben, etwas, das schon sehr viel länger dort draußen lauert. Mit dem Medienrummel aus den 90ern verändert sich die Geschichte vom Biest von Bray Road. Die große Welle der Sichtungen flacht ein bisschen ab. Es gibt nicht mehr ständig neue Schlagzeilen und Artikel, aber die Berichte hören nie ganz auf. Auch in der Gegenwart wird das haarige Monster noch gesehen. Einer, der davon erzählt, ist Lee.
Lee ist Mathe- und Physiklehrer im Ruhestand und hat ein Stück Land in der Nähe der Braille Road gekauft. 2013 hört er zum ersten Mal von der Legende, als ihm Nachbarn davon erzählen. Am Anfang ist Lee skeptisch, aber je länger er dort lebt, desto mehr merkt er, dass die Leute in der Gegend das ernst meinen. Und irgendwann begegnet Lee dem Biest schließlich selbst. Er steigt abends ins Auto, um einkaufen zu fahren und biegt gerade aus seiner Einfahrt ab, als neben der Straße plötzlich zwei rote Augen aufleuchten. Im nächsten Moment sind die Augen schon wieder verschwunden und tauchen viel weiter draußen auf dem Feld auf. Die Kreatur kann er nicht richtig erkennen, aber Lee meint, dass sie an die zwei Meter groß gewesen sein muss. Auch auf seiner Farm passieren ungewöhnliche Dinge. In der Doku Bray Road Beast erzählt Lee von toten Tieren, die auf seinem Grundstück liegen und von einem Moment auf den anderen verschwinden. Er findet zum Beispiel einen aufgeschlitzten Waschbären ohne Innereien. Lee zeigt in den Dokus und auf seinem Blog auch Fotos und Abgüsse von großen Abdrücken, die er für mehr als ungewöhnlich hält. Teilweise haben die Abdrücke nämlich fünf Zehen, was weder zu einem Wolf noch zu einem Kojoten passt. Die haben nur vier.
Lee kontaktiert auch die offiziellen Behörden, aber die können ihm keine überzeugende Erklärung geben. Und das Schwierige ist, jede Spur lässt sich auf zwei Arten lesen. Für die einen ist sie ein Hinweis darauf, dass dort wirklich etwas Unbekanntes unterwegs ist. Für die anderen ist die Spur zu unscharf, zu uneindeutig oder einfach nicht außergewöhnlich genug.
Das merkt man auch in den vielen Dokus über das Wesen. In Braille Road Beast, in In Search of Monsters oder Expedition X wird immer wieder versucht, die alte Legende mit modernen Mitteln zu untersuchen. Da werden nachts sich Kameras aufgebaut, Felder abgesucht, Wärmebildkameras eingesetzt und Spuren vermessen. Es gibt auch Interviews mit Zeugen und immer wieder diese Mischung aus Neugier und ziemlich viel TV-Drama. Auch Lee, der Rentner, wird in den Dokus besucht. Gemeinsam mit dem Filmteam stellen sie Kameras auf und legen tote Tiere als Köder aus. Eine Kamera löst einmal tatsächlich aus, aber auf den Bildern ist am Ende nichts klar zu erkennen. In einer anderen Szene zeigt Lee Fotos von seltsamen Nebel, der auf Aufnahmen auftaucht, während ein Tierkadaver verschwindet. In den Dokus wird dann spekuliert, ob das schon übernatürlich ist und das Wesen sich irgendwie verbergen kann. Zu den bekanntesten neueren Beweisen gehört ein Foto, das 2018 viel Aufmerksamkeit bekommt. Ein Mann namens Danny erzählt, dass er nachts eine aufrecht stehende, wolfsähnliche Gestalt aus dem Wald kommen gesehen hat und diese mit dem Handy fotografiert. Das Bild geht später durchs Internet und landet sogar in den Nachrichten. Man erkennt darauf eine unscharfe Gestalt, die tatsächlich ein bisschen wie ein aufgerichteter Wolf aussieht. Wie echt das Foto wirklich ist, wird auch im Internet immer noch diskutiert. Schaut mal in die Schaunots, wenn ihr das Bild auch sehen wollt.
Noch ein interessanter Fall ist der von Sophia. Sie wohnt in der Gegend, arbeitet als Buchhalterin und berichtet, dass sie das Biest in ihrem Garten gesehen hat. Sie hat im Sommer gegen zwei Uhr morgens ihren Hund nach draußen gelassen und dabei eine Kreatur gesehen. Sie beschreibt ein ähnliches Wesen wie die anderen vorher auch. Für Sophia ist klar, das ist kein normales Tier. Später sagt sie, dass sie glaubt, einen Werwolf gesehen zu haben.
Sophia findet ebenfalls Spuren, nämlich einen großen Fußabdruck in ihrem Garten. Direkt vor dem Fenster des Zimmers ihrer kleinen Tochter. Und dann wird es richtig gruselig. Denn das kleine Mädchen kommt einmal zu ihr gelaufen und ruft, Mama, da ist ein Monster in den Büschen. In der Doku Expedition X wird dann versucht, das genauer zu untersuchen. Das Team findet im Wald Tierreste, frisches Blut und Fell an einem Baum mit Kratzspuren. Das Fell wird laut Doku als DNA eines Grauwolfs identifiziert. In der Doku erklärt ein Biologe, dass Wölfe sehr groß werden können, in Wisconsin vorkommen und sich ziemlich schnell bewegen. Gerade wenn Menschen sie nur kurz, aus ungünstigem Winkel oder bei schlechtem Licht sehen, da könnte das schon reichen, um etwas ganz anderes in ihnen zu erkennen. Vor allem nachts. Vor allem dann, wenn die Legende vom Biest von Bray Road schon längst im Kopf ist.
Trotzdem gibt es immer noch Menschen wie Lee oder Sophia, die überzeugt sind, etwas gesehen zu haben, das nicht in die normale Tierwelt passt. Steckt hinter all diesen Geschichten doch etwas, das sich bis heute nicht ganz erklären lässt? Wir haben dazu viele Theorien gefunden. Einige scheinen ganz logisch, andere sind ein bisschen wilder. Die erste und naheliegendste Erklärung ist auch die einfachste. Die Menschen haben ganz normale Tiere gesehen und im Dunkeln, im Nebel oder in einem gruseligen Schreckensmoment einfach falsch eingeordnet. Ganz vorne auf der Liste steht der Wolf. Ihr wisst schon, dass Wölfe im Süden von Wisconsin nicht besonders oft, aber eben schon mal gelegentlich gesichtet wurden. Und in einer Doku wurde ja auch wirklich Fell von einem Grauwolf im Wald gefunden. Allerdings sind sich die Zeugen alle sicher, dass das, was sie gesehen haben, nicht wie ein Wolf aussah. Und die Leute in Elkhorn leben da schon seit Jahren, die wissen, wie Wölfe, Rehe und Kojoten aussehen. Und Wölfe laufen normalerweise auch nicht auf zwei Beinen durch die Gegend.
Dann gibt es noch die Bären-Theorie. Das klingt vielleicht erstmal überraschend, ist aber doch erstaunlich logisch. Bären können nämlich auf den Hinterbeinen stehen. Sie fressen Aas, haben dunkles und zottiges Fell und sie können aus weiter Entfernung und im schlechten Licht schon ziemlich seltsam aussehen. Und es gibt Bären in Wisconsin. Noch spezieller wird es mit der Theorie, dass es ein kranker Bär sein könnte. Ein Bär mit Reude, einer Hauterkrankung. Ein kranker, dünner Schwarzbär mit Haarausfall sieht ziemlich wolfsartig aus. Noch eine Erklärung wäre, dass es einfach ein Gerücht ist und Menschen die Dinge deswegen anders wahrnehmen. Sie achten auf Sachen, die sie vorher vielleicht übersehen hätten. Ein Schatten im Feld, leuchtende Augen im Scheinwerferlicht oder ein großes Tier am Straßenrand. Das kann ganz anders aussehen, wenn man das Biest von Braille Road im Hinterkopf hat. Und natürlich könnten es auch wirklich Streiche gewesen sein. Es wäre schon möglich, dass sich Leute einen Spaß daraus gemacht haben könnten, andere mit Masken und Kostümen zu erschrecken, gerade an Halloween. Beweise gibt es dafür aber keine. Und die Frage bleibt ja trotzdem, würden wirklich so viele Menschen über so viele Jahre hinweg auf genau dieselbe Art reingelegt werden? Und dann gibt es noch die paranormalen Theorien. Denn für manche ist das Biest von Braille Road etwas ganz anderes.
Eine Theorie ist der sogenannte Dogman. Kein klassischer Werwolf, kein Mensch, der sich verwandelt, sondern eine eigene Art von Wesen. Eine aufrechtgehende, wolfsartige Kreatur, die schon immer existiert haben soll. Journalistin Linda schreibt in ihrem Buch von einem ursprünglichen einheimischen Hundemenschen. Sie beschreibt das selbst aber eher als ein Märchen, statt als harte wissenschaftliche Theorie. Trotzdem ist genau diese Vorstellung ziemlich faszinierend. Ein intelligentes, seltenes Raubtier, das gelernt hat, Menschen auszuweichen und nur gelegentlich gesehen wird. Mit dieser Theorie verwandt ist die Idee, dass das Biest zu anderen regionalen Kreaturen gehören könnte, also etwa zum Michigan Dogman, zum Bluffmonster oder zu anderen Wolfs- oder affenartigen Wesen aus dem Mittleren Westen. In einigen Sammlungen wird das Biest von Braille Road sogar eher in Richtung Bigfoot oder Wendigo eingeordnet. Das ist ein unheimliches, übernatürliches Wesen, das oft mit Menschenfressern verbunden wird. Die genaue Bedeutung ist je nach Überlieferung unterschiedlich, aber auf jeden Fall ist das eher eine düstere Geister- oder Monsterfigur als einfach nur ein unbekanntes Tier.
Und dann gibt es noch die Theorie, dass das Biest gar kein Tier, sondern ein spirituelles oder dämonisches Wesen sein könnte. Denn da ist Marc im Jahr 1936, der das Wesen auf einem Grabhügel sieht. Und das Wesen soll ein Wort gesagt haben. Gadara.
Journalistin Linda bringt das später mit dem Wort Gadara aus der Bibel in Verbindung. Gadara ist dort der Ort, an dem Jesus einem von Dämonen besessenen Mann begegnet und die Dämonen austreibt. Weil das Wesen, das Mark gesehen hat, auf einem Grabhügel gräbt und dann so ein wortähnliches Geräusch von sich gibt, wird spekuliert, ob das Ganze vielleicht etwas Dämonisches oder Biblisches an sich haben könnte. In den Quellen zum Biest vom Braille Road wird auch über Höllenhunde, Dämonen, Portale oder spirituelle Wächterwesen gesprochen. Das Biest könnte also ein Beschützer heiliger Orte sein und damit ein Wesen aus der Geisterwelt. Als Wächter an einem Übergang. Oder sogar als etwas, das durch okkulte Rituale herbeigerufen worden sein könnte. Aber hier muss man sehr klar sagen, das sind eben alles Spekulationen. Es gibt dafür keine gesicherten Belege, sondern vor allem Vermutungen. Und vielleicht ist genau das am Ende der ehrlichste und spannendste Punkt an diesem ganzen Fall. Dass sich das Biest von Braille Road nie in nur einer Erklärungsschublade pressen lässt. Der Filmemacher Seth Breedlove sagt in einem Interview einen Satz, der das ganz gut zusammenfasst. Nämlich, ich glaube nicht unbedingt, dass ein halber Mensch, halber Wolf durch die Wälder von Elkhorn läuft, aber ich glaube, dass in dieser Stadt etwas Seltsames passiert ist. Und das ist genauso interessant.
Das klingt zumindest nach einer vernünftigen Zwischenbilanz. Vielleicht haben einige Menschen tatsächlich Wölfe gesehen oder große Hunde, eventuell sogar mal einen Bären. Vielleicht haben sich manche einfach geirrt und es wurden einzelne Geschichten übertrieben und dramatischer weitererzählt. Und vielleicht bleibt trotzdem ein unheimlicher Rest übrig, der sich nicht ganz erklären lässt. Selbst Linda, die sich über Jahre wie kaum jemand sonst mit dem Fall beschäftigt hat, landet am Ende nicht bei einer klaren Antwort. Für sie liegt die beste Erklärung irgendwo zwischen etwas Natürlichem und etwas Spirituellem. Also gerade nicht ganz auf der einen und nicht ganz auf der anderen Seite. Das könnte ja genau der Grund sein, warum die Geschichte vom Biest vom Bray Road bis heute nicht verschwunden ist. Denn die Bray Road gibt es ja immer noch. Es ist einfach eine Landstraße zwischen Feldern und kleinen Waldstücken. Tagsüber fährt man dort vorbei und nichts wirkt auffällig. Lauter Maisfelder, Farmhäuser, ein paar vereinzelte Bäume am Straßenrand. Es sieht aus wie tausend andere Straßen, irgendwo im Mittleren Westen. Aber nachts ist das anders, wenn der Nebel über den Feldern hängt und das Licht der Scheinwerfer nur ein paar Meter weit reicht, wenn irgendwo im Dunkeln ein Tier über die Straße huscht, wenn plötzlich zwei Augen im Gras aufleuchten und genauso schnell wieder verschwinden.
Dann versteht man vielleicht ein kleines bisschen besser, warum so viele Menschen ausgerechnet hier das Gefühl hatten, dass dort draußen etwas lauert. Etwas Großes. Etwas, das sie beobachtet. Und vielleicht hat in manchen Nächten auf der Bray Road tatsächlich etwas im Nebel gestanden, das dort eigentlich nicht stehen sollte. Etwas mit langen Krallen. Mit glühenden Augen. Und einem Körper, der sich langsam aufrichtet, wenn ein Auto näher kommt. Und falls ihr irgendwann einmal selbst nachts durch Wisconsin fahren solltet und zufällig auf eine einsame Landstraße namens Bray Road geratet, dann achtet vielleicht besser nicht zu lange auf den Straßenrand. Denn vielleicht steht dort draußen ja immer noch etwas im Dunkeln. Und wartet nur darauf, dass ihr an ihm vorbeifahrt.
Also so sehr ich den Abschluss gerade gefeiert habe von der Story, ich glaube, das wird die kürzeste Diskussion jemals, oder? Ja, wir haben ja schon im Vorfeld einmal kurz drüber gesprochen. Also ich würde euch allen empfehlen, dass ihr jetzt mal in die Shownotes geht und das Foto öffnet von dem kranken Bären, Bär mit Räude, mit dieser Hauterkrankung. Und wenn man dieses Bild sich anschaut von dem kranken Bären und sich jetzt vorstellt, man fährt auf einer einsamen Landstraße in der Dunkelheit und da steht am Straßenrand genau dieser kranke Bär, dann wäre ich auch davon überzeugt, dass ich in dem Moment gedacht hätte, boah, was ist das? Was ist das für ein Wesen? Kann ich meinen Augen trauen? Bin ich müde? Was passiert hier? Weil der sieht voll aus wie das beschriebene Biest von den Menschen, oder? Ja, deswegen sage ich auch, ich glaube, das ist die kürzeste Diskussion überhaupt. Also von all dem, was wir gehört haben, passt es einfach am besten. Ein Bär, der auf zwei Beinen läuft, das ergibt einfach Sinn, der aber halt auch aggressiv ist. klar, der halt auch noch genauso aussieht mit der Reude und dann in der Dunkelheit. Ich muss sagen, ich kann es voll gut nachvollziehen. Ich weiß nicht, ob das dir schon mal passiert ist, dass du länger in einem Wald unterwegs gewesen bist und die Sonne schon untergegangen ist langsam und.
Du dann nicht zu 100% wusstest, okay, wo geht es jetzt hier gerade raus? Es wird langsam dunkel draußen und du kriegst so ein bisschen Panik und man hat die ganze Zeit so ein Paranoia-Gefühl um einen herum, weil man weiß nicht so, okay, steht da jetzt vielleicht doch irgendjemand, irgendetwas hinter dem Baum, weil es wird langsam schummrig. Du siehst nicht alles.
Und da fängt man schon auch schnell an zu spekulieren. Und genau so kann ich mir vorstellen, war es bei den Leuten halt auch, wo es stockduster draußen war, wo Nebel war. Ich meine, so reflektierende Augen, das kann halt einfach ein Tier sein. Das kann aber auch genauso gut ein Straßenschild einfach sein, was genauso wie zwei Augen aussieht. Deswegen, ich glaube, da spielt wieder viel zusammen. Aber es war safe einfach dieser Bär. Ja, ich glaube auch. Vor allem, wenn du mir das Foto jetzt ohne Kontext gezeigt hättest, hätte ich darin nicht mal einen Bären erkannt, muss ich jetzt auch mal zugeben. Der sieht wirklich schon ein bisschen sehr gruselig aus und hat auch wirklich super lange Krallen. Das kann man hier auf dem Bild auch gut erkennen. Und ich glaube auch, dass sich die Geschichten der Leute so ein bisschen hochgeschaukelt haben. Dass sich so Spukgeschichten erzählt wurden. Jemand hat es gesehen, jemand anderes hat es auch gesehen. Und schon weiß man, okay, ich bin hier nicht alleine mit meiner Beobachtung. Und ich weiß, wir sind hier in schwarzer Akte paranormal. Und es tut uns leid, dass unsere Meinung jetzt hier so rational erklärt ist, aber schaut euch dieses Bild an. Wir wollen uns ja auch nicht verstellen am Ende des Tages. Wir wollen euch ja unsere ehrliche Meinung mitgeben und wir wollen uns jetzt nicht so künstlich verstellen, so von wegen, ja, was könnte es denn jetzt sein und so. Also, wenn wir uns so fühlen, dann lassen wir das raus, aber das ist irgendwie gefühlt so eindeutig für uns. Wenn ihr das anders seht, schreibt uns das gerne. Schreibt es gerne bei Spotify in die Kommentare oder schickt uns das über Instagram oder so.
Aber ich finde, da gibt es eigentlich kaum eine zweite Erklärung. Was ich wiederum viel interessanter finde, ist, Dieses massenpsychologische Phänomen, was du ja gerade auch schon erwähnt hast, nämlich, dass die Leute tuscheln, dass sie sich die Geschichten erzählen, sich hochschaukeln langsam und dann aber halt der Überzeugung werden, dass da wirklich was ist. Also ich finde diesen massenpsychologischen Aspekt dahinter viel, viel interessanter. Ja, voll. Das ist ja immer so. Egal, was das Thema ist, wenn sich irgendwas weitergetragen, weitererzählt wird und du kennst die Person und vertraust der, dann glaubst du das ja irgendwie auch, was die Person gesehen hat. Und dann erzählst du es weiter. Du hier, der Horst von nebenan, der hat das und das erzählt und die nächste Person erzählt es weiter, denkt sich ein Detail dazu aus, so funktioniert das dann ja, die stille Post. Also ja, tut uns leid, falls wir euch jetzt vielleicht enttäuscht haben, aber dieser kranke Bär, der passt halt einfach voll gut ins Bild der Erklärung. Ja, der passt so gut. Und ich glaube halt auch, um ehrlich zu sein, dass es dann da genügend Spaßvögel gibt, die dann halt auch mit dem Lautsprecher vielleicht rausgehen oder so und dann irgendwelche Monstergeräusche abspielen, weil das passiert häufig genug. Das habe ich damals bei der Zeit bei der Polizei auch mitbekommen, dass es genau solche Leute gibt, die dann in dem Fall jetzt, ich weiß nicht, was du da für Geräusche abspielen willst, aber mit den Geschichten im Hinterkopf verknüpfen die Leute das dann natürlich damit.
Und deswegen sage ich, ja, also es war wahrscheinlich der Bär. Die Leute haben unterschiedliche Sachen gesehen. Das kann ich mir auch gut vorstellen. Unterschiedliche Tiere, die in der Dunkelheit unterschiedlich aussehen. Aber hauptsächlich wahrscheinlich der Bär. Und wo wir gerade von Sounds sprechen, muss ich ja sagen, wollen wir direkt jetzt Real Talk Break machen? Ich habe noch keinen richtigen Übergang für die Sachen, die bei uns so privat abgehen. Real Talk Break finde ich aber eigentlich ganz gut. Also Real Talk Break hört sich jetzt auch an, als würden wir jetzt gleich so richtig einen vom Leder lassen. und gleich irgendwie uns richtig aufregen über irgendwas. Nee, aber weil wir gerade, oder weil ich jetzt gerade von Lautsprechern von Musik gequatscht habe, ich habe ja Dienstag schon erzählt, ich freue mich mega morgen auf das SSEO-Konzert, weil ich schon ultralange nicht mehr auf dem Konzert jetzt war.
Und ich hoffe, es gibt den ein oder anderen Moshpit. Ich bin schon richtig alt, um ehrlich zu sein. Wie sieht es bei dir aus? Was ich vorhabe? Ja, ja, klar. Oder du kannst auch gerne Real Talk raushauen, wenn es irgendwas gibt, was dich aufregt. Nein, aber hau raus. Was gibt es bei dir? Das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen, aber weil du es jetzt so angesprochen hast, habe ich tatsächlich ein Thema, was ich ja einfach mal jetzt hier so ansprechen kann. Oh, kommt jetzt wirklich Real Talk? Ja, was jetzt heißt, ja, also... Manchmal lese ich Kommentare, nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen Leuten und sitze dann wirklich kopfschüttelnd vor meinem Telefon und finde es manchmal so gemein, wie sich Leute im Internet äußern, wie Kritik als vermeintliche Meinungsäußerung getarnt wird. Und wir sind immer offen für Kritik und Feedback und wenn es irgendwas gibt, was wir falsch gemacht haben, dann natürlich, bitte schreibt uns das, dann wollen wir das wissen, wollen davon lernen und wollen den Fehler korrigieren. Aber es kann doch nicht so schwer sein, den richtigen Ton zu treffen, oder?
Es gab heute Morgen so ein paar Situationen, Nachrichten, die wir bekommen haben, wo ich mir dachte, das hättest du mir im Leben nicht persönlich gesagt. Genau so. Und die Person hat danach auch nochmal selber gesagt, ja, ihre Nachricht war auch genau so formuliert, wie sie es gemeint hatte, nämlich gar nicht nett. Wo ich mir dachte, was ist denn das für eine Art und Weise? Das ist doch kein nettes Miteinander. Und ich würde mir einfach wünschen, dass wir uns alle, bevor wir Nachrichten schreiben, Kommentare ins Internet setzen, dass wir uns überlegen, wie ist es formuliert, wie kommt es beim Gegenüber an und wie ist es formuliert. Und dass wir alle ein bisschen darauf achten, einfach netter zu sein und nicht einfach Gemeinheiten ins Internet mit einem privaten Profil ballern, wenn wir uns das eben nicht trauen würden, das der Person auch so ins Gesicht zu sagen. Okay, okay, jetzt haben wir wirklich einen fetten Real-Talk hier. Das war ein fetter Punkt, okay. Ich würde sagen, lass mal ein bisschen Liebe für Anne in den Kommentaren. Nein, nicht nur für mich. Nein, nein, das wollte ich jetzt auch nicht, dass ich jetzt nur noch Liebe nachrichten kann. Also doch, bitte. Aber es geht mir halt einfach darum, dass man Kritik nicht nur jetzt uns gegenüber, sondern generell auf der Arbeit, im Privatleben, dass man das eben empathisch und sensibel verpackt und ja, nicht einfach so Gemeinheiten im vollen Bewusstsein rausballert an fremde Personen, die man auch gar nicht kennt. Ja, kann ich komplett nachvollziehen. Also manchmal habe ich das Gefühl.
Wenn die Leute das halt irgendwo in die Kommentarspalten hauen, also jetzt explizit bei uns jetzt, ich muss auch sagen, zum Glück passiert es bei uns nicht so häufig, aber wenn, dann regt uns das halt natürlich schon irgendwo auf so, dass die Leute halt nicht das sehen, was hinter den Kulissen passiert, weil, Natürlich planen wir so viel vor, wir arbeiten so viel vor, wir machen uns so viele Gedanken bei all dem, was wir machen. Diskutieren alles bis zum Get-No teilweise.
Aber die Person war auch, glaube ich, kein aktiver Hörer oder keine aktive Hörerin, weil ich glaube schon, dass alle, die unseren Podcast jetzt schon lange verfolgen, die wissen, dass wir einen sehr hohen Qualitätsanspruch haben und da sehr viel Liebe und Mühe und Zeit und Gedanken reinfließen lassen. Und ich glaube, das merken alle. Wie du schon sagst, Fehler passieren. Weißt uns gern drauf hin, so gar kein Ding. Aber der sogenannte Ton macht ja die Musik. Und ich kann euch sagen, wenn ihr schon einen Fehler gefunden habt und ihr euch darüber ärgert, glaubt mir, wir ärgern uns zehnmal so viel darüber. Das könnt ihr mir wirklich glauben. Okay, ich glaube, genug Real Talk. Das war auch überhaupt nicht geplant. Das schwirrt mir schon ganz lange im Kopf, dass ich das mal anspreche. Aber es war nicht geplant, das hier jetzt in dieser Folge zu erzählen. Aber hat halt eben gerade ganz gut gepasst und hat zumindest meinen Morgen bestimmt. Aber ja, lasst ein bisschen Liebe da für uns, für andere Podcasts, die ihr gerne hört. Schreibt einen netten Kommentar. Jeder freut sich darüber. Das ist jetzt meine Bitte an euch. Das wäre doch schön. Oder gebt euren Freunden ein Kompliment, eurer Familie, wem auch immer. Gibt irgendjemandem ein Kompliment. Und dann würde ich sagen, hören wir uns nächsten Dienstag wieder. I love that. Bis dahin. Bye, bye.
Wir sind eure Hosts Anne Lippmann und Patrick Strobusch. Redaktion Johanna Müsiger und wir. Schnitt Anne Lippmann. Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.