Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung.

Der Geruch kitzelt in seiner Nase. Mit einem Schnauben kneift Joe die Augen zusammen und atmet tief ein. Er schlingt die Decke fester um sich, während sein Körper langsam aus dem Traum zurück in die Realität wandert. Er riecht schon das Frühstück. Joe unterdrückt ein Gän, streckt sich und zieht den Geruch durch die Nase in seinen Körper und muss husten. Es riecht eher nach einem verbrannten Frühstück. Joe blinzelt in die Dunkelheit seines Zimmers. Für einen Moment ist er noch halb im Traum, aber der Geruch wird immer stärker. Jetzt merkt er auch, dass die Luft im Raum heute Morgen irgendwie anders ist. Schwerer und so kratzig im Hals. Joe richtet sich im Bett auf. Durch das Fenster fällt nur ein schwaches Grau des frühen Morgens. Doch im Zimmer selbst hängt etwas in der Luft. Ein dünner Schleier, der sich langsam hin und her bewegt. Rauch. Joe schiebt ruckartig die Decke beiseite und setzt hastig die Füße auf den Boden. Der Holzboden ist gar nicht kalt wie sonst. Während Joe aufsteht, atmet er noch einmal tief ein, als wolle er sich vergewissern, dass er nicht eigentlich doch noch träumt. Aber diesmal brennt es richtig in seinem Hals. Und jetzt geht alles sehr schnell. Er reißt das Fenster auf und beugt sich nach draußen. In der Dunkelheit erkennt er zuerst nur flackernde Bewegungen, aber dann sieht er sie, die Flammen. Sie schlagen schon an der Rückseite des Hauses hoch, orange und unruhig werfen sie zuckende Schatten über den Hof.

Joe fährt herum und rennt zur Tür, die zu den Zimmern der Familie führt. Auf der anderen Seite schlafen normalerweise die Besitzerin der Farm und ihre Kinder. Joe hämmert gegen die Tür. Er versucht zu rufen, bekommt aber durch den dichten Qualm kein Wort heraus. Der Rauch wird immer dichter.

Joe hustet, stolpert die Treppe hinunter und reißt die Hintertür auf. Draußen schnappt er gierig nach Luft und schaut nochmal zum Haus zurück. Die Flammen haben sich inzwischen schon über das Dach gefressen. Er rennt zum Schuppen, greift sich eine Axt und versucht, die Haustür auf der Vorderseite einzuschlagen. Als die Feuerwehr und Polizei eintreffen, ist von dem Haus kaum noch etwas übrig. Die Balken sind verkohlt, das Dach ist eingestürzt und zwischen den rauchenden Trümmern stehen nur noch schwarze Teile der Mauern. Ein paar Stunden später finden sie sie. Vier Körper. Drei davon sind Kinder. Der vierte gehört einer erwachsenen Frau. Doch als sie die Leiche genauer untersuchen, bemerken sie etwas Merkwürdiges. Denn der körper hat keinen kopf mehr zu diesem zeitpunkt glaubt noch jeder dass dieser vorfall ein tragischer hausbrand ist eine mutter und ihre kinder eingeschlossen von den flammen qualvoll gestorben doch nur wenige tage später beginnen ermittler damit den boden rund um das abgebrannte haus umzugraben und dabei stoßen sie auf etwas grausames das niemand erwartet hat.

Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit Anne Luckmann. Und mit Patrick Strohwusch, hallo. Und bevor wir in den heutigen Fall starten, habe ich noch eine Kleinigkeit für euch. Ich durfte nämlich bei der lieben Masha im Videopodcast Herz über Kopf zu Gast sein und über das Thema Schwiegereltern quatschen. Die Folge ist auch heute rausgekommen und den Link zum Podcast findet ihr in den Shownotes. Dann könnt ihr im Anschluss direkt weiterhören. Masha erzählt in ihrem Podcast von wahren Beziehungsfällen zwischen Freunden, Familien oder Partnern, versetzt sich dann in die Person und stellt die simple Frage, bin ich das Arschloch? Und glaubt mir, so simpel die Frage ist, so komplex sind die Antworten darauf, besonders beim Thema Schwiegereltern. Das ist zwar mal was anderes als True Crime, aber glaubt mir, die Storys, die wir da besprochen haben, sind auch schon fast kriminell. Ich höre den Podcast selbst regelmäßig und kann ihn euch auch allgemein nur ans Herz legen, wenn ihr etwas über euch selbst lernen wollt. Denn durch jede Story stelle ich mir selbst die Frage, wie ich reagieren würde. Und Mascha bespricht die Themen immer super rücksichtsvoll. Also hört gerne mal in die aktuellste Folge von Herz über Kopf rein und schreibt dort gerne in die Kommentare, dass ihr von der schwarzen Akte kommt.

Werbung. Werbung Ende. So, und damit würde ich sagen, steigen wir in den heutigen Fall. Worum geht's heute, Anne? Ja, heute geht es um einen der rätselhaftesten Fälle der US-amerikanischen Geschichte. Wir springen dafür mehr als 100 Jahre zurück in die Vergangenheit, nämlich ins Jahr 1908, in eine kleine Stadt im mittleren Westen der USA, nach La Porte in Indiana. Wenn wir uns die Gegend heute anschauen, ist das eine Kleinstadt, um die 22.000 Leute wohnen da. Doch Anfang des 20. Jahrhunderts, da sieht das Leben dort ganz anders aus. Die meisten Menschen arbeiten damals in der Landwirtschaft. Rund um La Porte liegen verstreut einzelne Farmen, Felder und Weiden. Dazwischen führen staubige Wege von Hof zu Hof. Wer in die Stadt möchte, fährt meistens mit dem Pferdewagen. Die Eisenbahn verbindet die Gegend zwar schon mit größeren Städten wie Chicago, aber der Alltag spielt sich hier draußen auf dem Land ab. Elektrisches Licht gibt es nur in wenigen Häusern. Viele Familien benutzen noch Kerosinlampen. Wasser holt man aus Pumpen oder Brunnen und im Winter wird mit Holz oder Kohle geheizt. Der Rhythmus des Lebens richtet sich stark nach den Jahreszeiten. Seen, Ernten und Tiere versorgen. Auch die Kleidung ist damals ganz anders als heute. Die Männer tragen meistens Hemden, Westen und schwere Arbeitsstiefel. Wenn sie in die Stadt fahren, dann setzen sie einen Hut auf. Ohne Hut verlässt man kaum das Haus.

Frauen hingegen tragen lange Kleider und oft Schürzen, besonders auf dem Hof. Die Stoffe sind dick, praktisch und meistens dunkel, damit man den Schmutz nicht sofort sieht. Viele der Menschen hier sind Einwanderer oder Kinder von Einwanderern. Damals kommen besonders viele Familien aus Skandinavien in den Mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Sie hoffen auf Land, Arbeit und ein besseres Leben als in Europa. Auch in La Porte gibt es eine kleine, aber wachsende Gemeinschaft von Menschen aus Norwegen. Wer wissen will, was im Land passiert, liest die Tageszeitungen oder hört Neuigkeiten auf dem Marktplatz, in der Kirche oder im Gemischwarenladen auf der Main Street. Damals lernen sich auch viele Menschen über die Zeitung kennen. Besonders auf dem Land. Denn wer allein auf einer Farm lebt, der hat ja kaum Möglichkeiten, neue Leute zu treffen. Deshalb sind Heiratsanzeigen um die Jahrhundertwende ziemlich verbreitet und beliebt. Eine Art Zeitungstinder sozusagen.

Männer und Frauen schreiben kurze Texte über sich selbst und hoffen, dass jemand antwortet. Eine dieser Anzeigen führt uns für den heutigen Fall zu einer Farm außerhalb von Laporte. Zu einer Frau, die dort lebt. Ihr Name ist Belle. Belts Geschichte beginnt in einem kleinen Dorf in Norwegen, in Selbu, nicht weit von der Stadt Trondheim entfernt. Das ist eine ländliche Gegend mit Feldern und kleinen Höfen rund um den Selbu-See. Am 11. November 1859 kommt dort ein kleines Mädchen auf die Welt, Brünhill. In den USA wird sie später anders heißen. Da hat sie einen Namen, der in die Kriminalgeschichte eingehen wird.

Brünhill wächst erstmal behütet auf. Sie ist eins von mehreren Kindern auf einem kleinen Bauernhof. Ihre Eltern arbeiten als Pächter auf dem Land, das ihnen nicht selbst gehört. Wie viele andere Familien in der Gegend leben sie von dem, was sie selbst anbauen und ernten. Und von ein paar Tieren, wie Kühen, Schafen und Ziegen. Im Winter verdient Brunhills Vater noch Geld als Steinmetz. Brunhill muss schon als Kind auf der Farm mithelfen. Sie melkt Kühe, treibt die Tiere auf die Weide, holt Wasser und arbeitet im Haus und auf den Feldern. Mit 14 arbeitet sie dann als Milchmarkt auf einem Nachbarhof. Über das Leben von Brünnhill in Norwegen gibt es nur wenig verlässliche Infos. Brünnhill gilt als fleißig und stark. Sie ist schon als Kind groß und kräftig gebaut. Wenn es dann doch verlässliche Dokumente gibt, die hunderte Jahre überdauern, dann sind das oft welche aus der Kirche. Brünnhill wird 1874 konfirmiert. Mit ungefähr 15 Jahren startet dann ein neuer Lebensabschnitt für sie. Manche Kinder bleiben auf dem Hof, andere zieht es in eine größere Stadt. Und ein paar wagen sogar eine lange Reise, indem sie auswandern. In den Jahrzehnten nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs 1865 ziehen viele in die USA. Auch viele Menschen aus Skandinavien.

Brünnhill ist eine von ihnen. Sie hofft in den Vereinigten Staaten auf Arbeit und ein besseres Leben als in dem kleinen norwegischen Dorf. Brünnhills ältere Schwester Nelly ist schon in den USA. Sie lebt in Chicago.

1881, mit etwa 21 Jahren, folgt Brünn Hill ihrer älteren Schwester. Nellie bezahlt ihr die Überfahrt über den Atlantik. Brünn Hill fährt mit dem Schiff nach New York, wird dort in einem Einwanderungszentrum registriert und reist dann weiter zu Nellie nach Chicago. Dort beginnt für Brünn Hill ein neues Leben, inklusive neuem Namen. Viele Einwanderer geben sich neue Namen, um sich an die englische Sprache anzupassen. Aus Brünn Hill wird jetzt Bella. In Chicago lebt Bella also bei ihrer Schwester und arbeitet als Hausangestellte. Die Stadt zieht Menschen aus der ganzen Welt an. Um 1890 haben fast 80% der Einwohner ausländische Wurzeln. Auch viele Norweger arbeiten in Fabriken und großen Kaufhäusern. So auch bald Bella. Sie findet Arbeit in einer Fleischerei, wo sie Tierkörper zerlegt. Eine ziemlich schwere Arbeit, die ihr aber offenbar nichts ausmacht. Bella findet aber nicht nur Arbeit, sondern auch Liebe. Wie genau, das weiß man heute nicht mehr. Aber das nächste Dokument, das Historiker über Bella ausgraben, ist eine Heiratsurkunde.

1884 mit 24 heiratet Bella einen Mann aus ihrer Heimat, nämlich Mats. Er ist fünf Jahre älter als Bella und auch als Einwanderer in die USA gekommen, wo er als Nachtwächter in einem großen Kaufhaus arbeitet. Er ist ein kräftiger Mann mit Schnurrbart. Nach außen ist das Leben von Bella und Mats eigentlich ziemlich normal. Sie versuchen, sich eine Existenz aufzubauen und eröffnen in den 1890er Jahren ein kleines Geschäft. Eine Mischung aus Süßwarenladen und Kiosk, wo man Tabak und Zeitungen kaufen kann. Aber das Geschäft läuft leider nicht besonders gut. Und dann passiert auch noch ein großes Unglück. Denn nicht mal ein Jahr später brennt das Geschäft komplett aus. Bella schafft es gerade noch aus dem Gebäude raus. Im Arm trägt sie dabei ihre kleine Tochter Jenny. Jenny ist nicht die leibliche Tochter von Bella und Mats, sondern ein Pflegekind und drei Jahre alt. Die beiden kümmern sich schon seit einiger Zeit um das kleine Mädchen. Jennys biologische Mutter ist gestorben und ihr Vater, ein Freund von Bella und Mats, hat sie gebeten, sich um das Baby zu kümmern.

Bella und ihr Mann kümmern sich gleich um mehrere Kinder. Einige Quellen sprechen von eigenen Kindern, andere von Pflegekindern. Das lässt sich heute nicht mehr in allen Fällen eindeutig klären, wie genau die familiären Verhältnisse damals wirklich waren. Wahrscheinlich ist aber, dass Bella und Mats Pflegekinder aufgenommen haben. Aber erstmal zurück zum Brand in Bellas Laden. Bella gibt später zu Protokoll, dass eine Kerosinlampe explodiert sei. Der Laden ist versichert und die Versicherung prüft das natürlich. Beweise, dass das Feuer wirklich so ausgebrochen ist, gibt es zwar nicht, aber Bella und Mats werden trotzdem entschädigt. Sie bekommen so viel Geld, dass sie sich davon ein neues Haus in einem anderen Teil von Chicago kaufen können. Es könnte das perfekte Familienleben sein. Bella und Mats mit ihrer Pflegetochter Jenny und weiteren Kindern, die in den nächsten Jahren dazukommen. Caroline, Myrtle, Axel und Lucy. Doch das Leben in der Familie bleibt von grausamen Schicksalsschlägen geprägt. Zwei ihrer Kinder sterben kurz hintereinander.

1896 stirbt die kleine Caroline. Sie ist gerade mal wenige Monate alt. Die Ärzte vermuten, dass sie an einer Darmentzündung gestorben ist. Eine Erkrankung, die bei Säuglingen damals leider relativ häufig vorkommt. Zwei Jahre später stirbt dann ihr kleiner Sohn Axel. Auch er ist noch ein Baby. Wieder glauben die Ärzte, dass es eine schwere Darmerkrankung war, an der Axel gestorben ist. Die Kindersterblichkeit ist Ende des 19. Jahrhunderts wirklich sehr hoch. In manchen Regionen der USA stirbt etwa jedes zehnte Kind im ersten Lebensjahr. Für Bella und Mats muss das ein ziemlich schwerer Verlust gewesen sein. Erst brennt ihr Geschäft nieder, ihre ganze Existenz, und dann verlieren sie auch noch zwei Kinder.

Und die Serie von Unglücken scheint einfach nicht abzureißen. Im April 1900 bricht im Haus der Familie wieder ein Feuer aus. Offenbar war ein Heizkörper daran schuld. Bella und Mats bekommen aber erneut Geld von der Versicherung, um neue Möbel zu kaufen. Aber nur wenige Monate später folgt schon der nächste Schicksalsschlag. Dieses Mal geht es um Bellas Ehemann, Mats. Es ist der Sommer im Jahr 1900. Bella und Mats leben immer noch in Chicago. Bella ist mittlerweile 40 Jahre alt, Mats 45. Und ihre Kinder Myrtle und Lucy sind Kleinkinder. Jenny ist ungefähr 10 Jahre alt. Die Familie hat in den letzten Jahren wirklich einiges durchgemacht. Und dann wird Mats plötzlich krank. Er kommt an einem Nachmittag von der Arbeit nach Hause. Mats hat üble Kopfschmerzen. Bella bringt ihren Mann ins Bett und gibt ihm noch ein Pulver gegen seine Schmerzen. Nämlich Kinnin. Das ist damals ein übliches Mittel gegen Fieber und Schmerzen. Als Mats im Bett liegt, kümmert sich Bella um den Haushalt und kocht Essen für die Kinder. Als sie später nach Mats sieht, liegt er immer noch im Bett. Aber dieses Mal reagiert er nicht mehr. Mats ist tot. Die Ärzte stellen fest, dass Mats wahrscheinlich an einem Herzproblem oder einer Gehirnblutung gestorben ist.

Angeblich hatte er vorher auch schon gesundheitliche Probleme. Es muss ein tragischer Verlust für Bella und ihre drei Kinder sein. Mats lässt seine Frau aber nicht mittellos zurück. Er hatte eine Lebensversicherung. Genauer gesagt sogar zwei.

Die alte Lebensversicherung mit 2.000 Dollar läuft am 30. Juli 1900 aus. Die hatte Mats schon länger. Gleichzeitig beginnt aber genau an dem Tag eine neue Lebensversicherung, über 3.000 Dollar.

Genau die hat Mats erst kurz vor seinem Tod abgeschlossen. Später gibt es Berichte, dass Bella ihren Mann darum gebeten hat, eine höhere Versicherung abzuschließen. Und ausgerechnet an diesem Tag, am 30. Juli 1900, als sich beide Versicherungen überlappen, stirbt Mats. Für Bella bedeutet das, dass beide Versicherungen gleichzeitig gültig sind. Sie bekommt also insgesamt 5000 Dollar, was damals unglaublich viel Geld ist. Heute wären das umgerechnet fast 200.000 Dollar. Schon kurz nach dem Tod ihres Mannes bekommt Bella die riesige Summe ausgezahlt. Und das fällt ja schon auf. Ein abgebranntes Geschäft, ein Feuer im Haus, zwei tote Kinder und jetzt auch noch der Tod ihres Mannes. Insgesamt viermal zahlt eine Versicherung ein kleines Vermögen an Bella aus. Zu diesem Zeitpunkt denkt allerdings noch niemand darüber nach, ob das alles vielleicht miteinander zusammenhängen könnte. Für die meisten ist Bella einfach eine Frau, die vom Schicksal besonders hart getroffen wurde und die jetzt offenbar einen Neuanfang braucht. Mit dem Geld von der Versicherung trifft Bella schließlich eine Entscheidung, die ihr Leben komplett verändert. Sie verlässt Chicago und zieht 1901, ein Jahr später, nach La Porte. Da ist sie 41 Jahre alt.

Dort kauft sie sich eine Farm am Stadtrand. Bella besitzt jetzt fast 20 Hektar Land, mit Feldern, einem großen Haus und Nebengebäuden. Rund um das Grundstück herum gibt es kleine Wälder und mehrere Seen.

Größentechnisch besitzt Bella jetzt ein Anwesen so groß wie die Fläche von der Binnenalster in Hamburg. Oder mindestens zweimal den Leipziger Hauptbahnhof. Das größte Haus auf der Farm ist ein zweistöckiges Wohnhaus aus Backstein und Holz. Das Haus steht ein bisschen zurückgesetzt zwischen den Bäumen. Fotos aus dieser Zeit gibt es zwar nicht mehr, aber Beschreibungen von damals geben uns eine ziemlich gute Vorstellung davon, wie es ausgesehen haben muss. Im Erdgeschoss gibt es ein großes Wohnzimmer und ein Esszimmer mit Klavier. Im ersten Stock gibt es vier Schlafzimmer. Die Küche ist in einem Anbau hinter dem Haus. Über der Küche gibt es ein weiteres Zimmer, wo später Farmarbeiter wohnen, die Bella bei der Arbeit helfen. Oder genauer gesagt Belle, denn mit dem Umzug nach Laporte nennt sich Bella ab sofort Belle. Das klingt für sie amerikanischer und passt vielleicht auch besser zum Leben auf dem Land. So nennen wir sie auch ab jetzt. Auf Bales Grundstück stehen auch Stallungen und Scheunen, wo sie Schweine, Hühner, Kühe und Pferde hält. Auf einer Wiese grast sogar ein kleines Shetland-Pony. Nach außen wirkt alles wie ein typischer Bauernhof im Mittleren Westen. Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, dass genau dieses Grundstück einige Jahre später zu einem der berüchtigsten Tatorte der amerikanischen Kriminalgeschichte werden wird. Bell baut sich in Laporte also ein ganz neues Leben auf, inklusive neuem Namen.

Etwas aus der Vergangenheit taucht dann aber doch auf. Oder eher ein Jemand. Peter. Die beiden kennen sich noch aus Chicago. Als Belle noch mit Mats verheiratet ist, vermietet sie ab und zu ein Zimmer an andere Einwanderer. Peter hat genau das eine Zeit lang bewohnt. Er ist ein auffälliger Mann, groß und kräftig gebaut, mit blondem Bart. Er kommt aus Oslo. Peter hat auch ein bewegtes Leben hinter sich. Hochzeit, zwei kleine Töchter und dann stirbt seine Frau. Peter wird dadurch zum Witwer.

Bells und Peters Wege kreuzen sich also jetzt erneut. Laut Bellen trifft Bell ihn, als sie Verwandte in Minnesota besucht. Und Bell lädt ihn ein, zu sich und den Kindern auf die Farm in La Porte zu kommen. Es könnte eigentlich nicht besser passen. Zwei von Schicksalsschlägen gezeichnete Menschen finden zueinander. Im April 1902, ein Jahr nach ihrem Umzug, heiraten Bell und Peter. Zwei Einwanderer aus Norwegen, beide verwitwet. Beide mit Kindern versuchen jetzt gemeinsam eine Familie aufzubauen. Aber nur wenige Tage nach der Hochzeit passiert leider wieder etwas Furchtbares. Peters jüngste Tochter, ein kleines sieben Monate altes Baby, stirbt ganz plötzlich. Warum ist nicht ganz klar. Damals scheint niemand genauer nachzuforschen. Belle ist an dem Tag allein zu Hause mit den Kindern. Das Leben auf der Farm muss aber weitergehen. Doch nur wenige Monate später kommt es zum nächsten Schicksalsschlag. Und der wird deutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. In der Nacht des 16. Dezember 1902, gegen 3 Uhr morgens, klopft plötzlich ein kleines Mädchen an die Tür von Bells Nachbarn. Es ist die mittlerweile zwölf Jahre alte Jenny, Bells Pflegetochter.

Aufgeregt fleht sie ihre Nachbarn an, doch bitte schnell zu ihr nach Hause zu kommen, denn ihr neuer Papa ist verletzt. Die Nachbarn eilen zu Bells Farm und finden in der Küche ein, ja, sehr seltsames Bild vor. Bell sitzt noch auf einem Stuhl und ist völlig aufgelöst. Im Wohnzimmer liegt Peter auf dem Boden, mit dem Gesicht nach unten. Um ihn herum hat sich Blut auf dem Boden gesammelt. Die Nachbarn verständigen sofort einen Arzt, aber der kann nichts mehr für Peter tun. Peter hat eine schwere Verletzung am Kopf und seine Nase ist gebrochen. Der Arzt, der Peter untersucht, findet das alles höchst verdächtig. Für ihn sieht das alles nach einem heftigen Schlag auf den Hinterkopf aus. Schon kurz darauf berichten Zeitungen, dass in der Gegend ein Mörder frei herumläuft. Belle hat dafür aber eine Erklärung. Sie erzählt der Polizei, dass Peter in der Küche abends noch seine Schuhe neben den Herd stellen wollte, damit sie über Nacht warm bleiben. Dabei sei dann ein schwerer Fleischwolf vom Regal gefallen und habe ihn am Hinterkopf getroffen. Beim Aufprall sei er auch an eine Schüssel mit heißer Brühe gestoßen, die ihm dann noch den Nacken verbrannt hat. Laut Belle war Peter danach aber noch am Leben. Er habe gesagt, es sei nicht so schlimm. Die beiden hätten sogar noch eine Weile im Wohnzimmer gesessen, bevor Belle ins Bett gegangen sei. Erst Stunden später habe sie bemerkt, dass Peter tot auf dem Boden liegt.

Dass das eine mehr als merkwürdige Story ist, das fällt auch dem Gerichtsmediziner auf, der Peters Körper untersucht. Der kann nämlich gar keine Verbrennungen an der Leiche finden. Außerdem sieht die Kopfverletzung ziemlich übel aus. Und dann ist da noch die gebrochene Nase. Wo kam die denn her? Weil die Umstände mehr als verdächtig sind, gibt es ein Untersuchungsgremium, das klären soll, ob Peters Tod ein Unfall oder vielleicht sogar ein Mord war. Eine sogenannte Coroner's Jury.

Dabei werden mehrere Leute befragt, Bales Nachbarn, Pflegetochter Jenny und dann auch Belle selbst. Bales und Jennys Geschichte decken sich bis ins kleinste Detail. Schließlich kommt bei der Untersuchung heraus, dass Peters Tod offenbar ein Unfall war. Laut offiziellem Urteil wurde Peter durch einen vom Regal fallenden Fleischwolf am Kopf getroffen und erschlagen. Rechtlich gilt der Fall damit als geschlossen, aber die Gerüchteküche in La Porte fängt gerade erst an zu köcheln. Ein Grund dafür ist Jenny. Bels Tochter soll später ihren Freundinnen eine ganz andere Version der Geschichte erzählt haben. Laut Berichten soll Jenny sowas gesagt haben wie, meine Mama hat meinen Papa umgebracht, sie hat ihn mit einer Axt erschlagen. Ein ziemlich heftiger Vorwurf und das lässt sich auch nicht beweisen.

Belle ist damit jedenfalls schon zum zweiten Mal zur Witwe geworden. Aber nicht mittellos, denn auch Peter hatte zum Glück eine Lebensversicherung. Die sind in der Zeit ziemlich beliebt. Belle bekommt am Ende 3.000 Dollar von der Versicherung. Heute wären das über 110.000 Dollar. Die Zweifel aber bleiben. Noch jemand, der an Peters Unfalltour zweifelt, ist dessen Bruder. Der reist extra nach La Porte, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Er macht sich vor allem Sorgen um seine Nichte, die älteste Tochter von Peter. Die lebt immer noch auf der Farm bei Belle. In einer Nacht- und Nebelaktion nimmt Peters Bruder das Mädchen schließlich einfach mit. Damit bleiben auf der Farm Belle und ihre drei Kinder Jenny, Myrtle und Lucy zurück. Aber nicht lang. Offenbar war Belle zur Zeit von Peters Tod nämlich schwanger, denn nur ein paar Monate später kommt der kleine Philip zur Welt. Und die Gerüchteküche in der Stadt brodelt wieder, denn als eine Hebamme zur Geburt gerufen wird, da soll das Baby schon gebadet, gewaschen und angezogen gewesen sein. Belle selbst war wohl schon beim Wäschemachen. Einige Menschen im Ort wundern sich darüber, dass das Baby angeblich größer und kräftiger ausgesehen haben soll, als man es eigentlich von einem Neugeborenen erwarten würde. Wo genau Philip wirklich herkam und ob Belle tatsächlich schwanger gewesen ist, das bleibt Bestandteil der Gerüchte.

Weil Belle jetzt allein auf der Farm ist, stellt sie Hilfe ein. Einer dieser Arbeiter ist Emil, der um das Jahr 1906 auf der Farm arbeitet, also vier Jahre nach dem Tod von Peter. Belle ist mittlerweile 47 Jahre alt und ihre älteste Tochter Jenny 16. Zwischen Farmarbeiter Emil und Jenny entwickelt sich in der Zeit offenbar eine enge Freundschaft. Doch kurz vor Weihnachten 1906, da verschwindet Jenny plötzlich. Belle sagt Emil und den Leuten im Dorf, dass Jenny jetzt in Kalifornien aufs College geht. Jenny hat Emil das zwar erzählt, aber ihm fällt es schwer zu glauben, dass Jenny einfach ohne Abschied abhaut. Emil bittet Belle um Jennys Adresse, damit er ihr schreiben kann. Belle sagt ihm, er könne die Briefe einfach ihr geben. Sie würde sie weiterleiten, aber Emil bekommt auf seine Briefe nie eine Antwort von Jenny.

Vielleicht fängt man sich ja langsam an zu fragen, warum Menschen, die Belle nahestehen, scheinbar plötzlich aus ihrem Leben verschwinden. Aber damit geht es jetzt erst so richtig los. Auf der Farm leben nach Jennys Verschwinden vier Leute. Denn Emil kündigt kurze Zeit später seinen Job. Übrig bleiben Belle und ihre drei Kleinkinder. Myrte, Lucy und der kleine Philipp. Von den vieren existiert übrigens auch ein Foto von damals. Die Kinder stehen zurechtgemacht im Sonntagsdress neben ihrer Mutter. Auf dem Schoß sitzt Philipp. Belle schaut mit strengem Blick in die Kamera. Ihr könnt euch dieses Foto auch gern mal selbst anschauen, das haben wir euch in den Shownotes verlinkt. Weil Emil gekündigt hat, stellt Belle jetzt immer neue Männer ein, die bei der Arbeit auf der Farm helfen sollen.

Landstreicher und Gelegenheitsarbeiter, die aber nur ein paar Wochen oder Monate bleiben, bevor sie weiterziehen. Irgendwann hat Belle dann aber eine neue Idee. Sie schaltet Anzeigen in norwegischsprachigen Zeitungen, die im Mittleren Westen gelesen werden. In einer steht zum Beispiel, gesucht wird ein guter und zuverlässiger Mann als Partner für eine Farm. Die Farm liegt wunderschön und ist in bestem Zustand. Ein kleiner Geldbetrag ist erforderlich. In einer anderen Anzeige schreibt Belle von einer ansehnlichen Witwe mit großer Farm, die einen wohlhabenden Gentleman kennenlernen will. Ziemlich direkt. Belle sucht also nicht einfach nur einen Partner und eine neue Liebe, der Mann soll auch Geld mitbringen.

Auf diese Anzeigen melden sich auch viele Männer. Der Postbote in La Porte erinnert sich später daran, dass Belle teilweise bis zu acht Briefe pro Tag bekommen hat. Viele Männer reisen auch zu ihr, um sie und die Farm kennenzulernen. Die Nachbarn können hinter ihren Gardinen sehen, wie bei Belle immer wieder fremde Männer ins Haus gehen. Einige bleiben ein paar Tage, andere ein paar Wochen. Aber Belle stellt die Männer niemals ihren Kindern vor. Einer dieser Männer ist Olaf, etwa 30 Jahre alt. Er bringt mehrere hundert Dollar mit zu Belle, doch dann verschwindet er spurlos. Belle erzählt im Dorf, dass Olaf weitergezogen sei. Das passiert auch mit Henry. Er hilft ihr einige Zeit auf der Farm, wird aber von einem auf den anderen Tag nie wiedergesehen. Belle erzählt den Nachbarn, dass Henry gekündigt habe. Allerdings fällt auf, dass Henrys Truhe mit seiner Kleidung immer noch bei Belle im Haus steht. Im Winter wird Belle sogar in seinem Fellmantel im Garten gesehen. Und Olaf und Henry sind nicht die einzigen. Einige Männer verkaufen sogar ihr ganzes Land, bevor sie zur Belle nach La Porte kommen.

Ole aus Wisconsin zum Beispiel. Der bringt 1000 Dollar mit. Christian aus Wisconsin reist mit 2000 Dollar in der Tasche an. Auch John aus Minnesota besucht Belle. Viele dieser Männer werden danach nie wieder gesehen. Und an der Stelle fragt man sich natürlich schon, fällt das denn niemandem auf? Ein bisschen schon, aber eben nicht sofort, wie wir heute draufschauen würden. Belle lebt abgelegen auf ihrer Farm. Die Männer, die zu ihr kommen, sind oft alleinstehend. Manche verkaufen vorher sogar ihren Besitz und lassen ihr altes Leben komplett hinter sich. Und wenn dann einer verschwindet, hat Belle immer schon eine Erklärung parat. Der ist weiter nach Chicago, zurück nach Norwegen oder irgendwo im Westen neues Land kaufen gegangen. Und weil viele dieser Männer auf ihren Wunsch hin möglichst heimlich anreisen und niemandem davon erzählen sollen, dauert es, bis aus einzelnen vermissten Fällen langsam ein Muster wird.

Belle versteht es nämlich sehr gut, die Männer zu überzeugen. In ihren Briefen ist sie freundlich, hoffnungsvoll und manchmal sogar ein bisschen romantisch. Sie macht aber auch sehr klare Vorgaben. Unter anderem im Buch Hell's Princess von Harold Schächter stehen einige Auszüge aus erhaltenen Briefen. Belle verspricht den Männern ein gutes Leben auf der Farm. Wenn alles passe, können die Männer bei ihr bleiben und sie werde alles tun, um sie glücklich zu machen. Aber es gibt Bedingungen. Die Männer sollen heimlich kommen, niemandem was erzählen und das Geld verstecken. Am besten in die Unterhose einnähen. Und tatsächlich kommen auch viele Männer.

Im Haus der Farm sammelt sich im Laufe der Zeit eine ganze Reihe von Reisetruhen. Darin liegen Hemden, Mäntel, Stiefel und persönliche Gegenstände verschiedener Männer. Ein Zimmer im Haus soll irgendwann fast vollständig mit Männerkleidung gefüllt gewesen sein. Wenn jemand danach fragt, erklärt Belle einfach, ihre Cousins hätten ihre Sachen zurückgelassen. Im Sommer 1907 taucht dann schließlich ein Mann auf, der später eine wichtige Rolle spielen wird. Sein Name ist Ray. Belle ist nun fast 50. Jenny seit einem Jahr spurlos verschwunden und ihr zweiter Mann Peter seit vier Jahren tot. Ray ist damals 37 Jahre alt. Er hat ein schmales Gesicht, eine lange Nase, dunkle, lockige Haare und einen ungepflegten Schnurrbart. In La Porte hat er keinen besonders guten Ruf. Er gilt als jemand, der viel trinkt, gerne spielt und sich nicht immer an Regeln hält. Trotzdem scheint er ein brauchbarer Arbeiter für Belle zu sein.

Belle gibt ihm sogar das Zimmer im Haus über der Küche. Und schon bald entwickelt sich zwischen den beiden eine Beziehung. Ray beginnt zu hoffen, dass er vielleicht mehr für Belle sein könnte als nur ein Arbeiter. Vielleicht sogar ihr zukünftiger Ehemann und Partner auf der Farm. Doch Ray hat ein Problem. Denn während er auf der Farm lebt, kommen weitere fremde Männer zu Besuch. Männer, die auf Bales Anzeigen geantwortet haben. Männer mit Bargeld in den Taschen. Und Ray muss mit ansehen, wie Belle diese Männer empfängt. Einige bleiben über Nacht, andere auch länger. Und irgendwann sind die einfach ganz plötzlich verschwunden.

Ray wird später sagen, dass er damals schon ein ungutes Gefühl hatte, dass etwas auf der Farm nicht stimmt. Doch zu diesem Zeitpunkt weiß noch niemand, dass bald ein Mann verschwinden wird, dessen Familie nicht bereit ist, die Sache einfach auf sich beruhen zu lassen. Der Mann, der bald nach La Porte reisen wird, heißt Andrew. Und sein Bruder wird schließlich derjenige sein, der anfängt Fragen zu stellen. Sehr viele Fragen. Andrew ist um die 50 Jahre alt, ein kräftig gebauter Farmer mit norwegischen Wurzeln, der allein auf seinem Land lebt. Er wohnt weit entfernt von Indiana, mehr als 1000 Kilometer westlich in South Dakota.

Werbung Werbung Ende Belle und Andrew schreiben sich Briefe, und zwar sehr viele Briefe. Über einen Zeitraum von etwa anderthalb Jahren schickt Belle ihm mehr als 70 Briefe. Sie schreibt von ihrem Leben auf der Farm, spricht von einer gemeinsamen Zukunft und versucht immer wieder, Andrew davon zu überzeugen, nach Indiana zu kommen. Einige dieser Briefe klingen fast ein bisschen wie Liebesgedichte. In einem schreibt Bell zum Beispiel, Keine Frau ist glücklicher als ich. Ich weiß, dass du kommen und mir gehören wirst. Du bist der süßeste Mann der Welt. Ich denke ständig an dich. Wenn ich deinen Namen höre, klingt er für mich wie das schönste Lied. In anderen Briefen ist Bell konkreter und schreibt, Ich warte so sehr auf dich. Beeil dich, ich bitte dich. Ordne deine Angelegenheiten so, dass du nicht mehr zurückkehren musst.

Andrew scheint den Worten schließlich zu glauben. Anfang Januar 1908 verlässt er seine Farm. Aber ein entscheidendes Detail ist dieses Mal anders. Andrew erzählt seinem Bruder, dass er etwa eine Woche verreisen will. Dann steigt er in einen Zug und fährt nach La Porte. Als er dort ankommt, merkt Farmenarbeiter Ray, dass sich etwas verändert hat. Bell scheint plötzlich kaum noch Interesse an ihm zu haben. Später wird Ray sagen, dass Bell dann keine Verwendung mehr für ihn hatte. Nach einem Streit zieht Ray schließlich aus. Ein paar Tage später gehen Andrew und Bell gemeinsam zur Bank in La Porte. Andrew hat Geld von seinem Konto in South Dakota überweisen lassen. Fast 3000 Dollar. Der Bankangestellte schlägt vor, zumindest einen Teil des Geldes auf dem Konto zu lassen. Aber Bell besteht darauf, die gesamte Summe in bar mitzunehmen. Am nächsten Tag ist Andrew verschwunden. Niemand in La Porte hat ihn aber abreisen sehen. Und zurück in South Dakota wartet sein Bruder Oshle vergebens auf seine Rückkehr. Als Andrew nach mehreren Wochen immer noch nicht auftaucht, beginnt Oshle nachzuforschen. Zuerst fragt er Freunde und Verwandte. Doch niemand weiß was. Schließlich findet er in Andrews Haus einen Stapel Briefe. Alle stammen von einer Frau namens Belle aus Indiana.

Oschle liest die Briefe und wird sofort misstrauisch. Da stehen Sätze wie, nimm all dein Geld von der Bank und komm so schnell wie möglich. Oder auch, sorge dafür, dass du alles in Bargeld umwandeln kannst. Lass kein Geld und kein Eigentum zurück, damit dich dort oben nichts mehr bindet. Und dann gibt es noch diesen Satz. Sagt niemandem auch nur ein Wort davon. Nicht einmal deinen nächsten Verwandten. Spätestens jetzt beschließt Oschle, der Sache nachzugehen. Im März 1908 schreibt er Belle einen Brief und fragt sie, ob sie weiß, wo sein Bruder Andrew ist. Belle antwortet überraschend schnell und sagt ihm, Zitat, das würde ich selbst gern wissen, aber es scheint mir fast unmöglich, darauf eine genaue Antwort zu geben. In dem Brief behauptet sie, Andrew sei nach Chicago gereist. Vielleicht, schreibt sie, will Andrew sogar nach Norwegen zurückkehren. Andrews Bruder Osler glaubt ihr nicht. Er bittet Belle, ihm den Brief weiterzuleiten, den Andrew angeblich aus Chicago geschickt haben soll. Doch Belle antwortet, dass der Brief verschwunden sei. Der ehemalige Farmerbeiter Ray soll ihn gestohlen haben. Zu diesem Zeitpunkt ist Ray aber längst gar nicht mehr auf der Farm. Die beiden hatten ja Streit. Belle hat deswegen eine neue Hilfe engagiert, und zwar Joe.

Allerdings taucht ihr Ex-Mitarbeiter und exgeliebter Ray immer mal wieder auf dem Grundstück auf. Belle beschwert sich mehrfach beim Sheriff über ihn. Sie behauptet, Ray belästige sie und schleiche nachts um ihr Haus herum. Mehrmals wird Ray deshalb wegen Hausfriedensbruch festgenommen und zu kleineren Geldstrafen verurteilt.

In der Stadt verbreitet Belle außerdem eine weitere Geschichte. Sie erzählt, sie habe Angst vor Ray. Er habe ihr angeblich gedroht, das Haus anzuzünden und sie und die Kinder zu töten. Ende April 1908 scheint Belle diese Angst besonders ernst zu nehmen. Am 27. April fährt sie mit ihrem Pferdewagen in die Stadt zu einem Anwalt und lässt ein Testament aufsetzen. Darin legt sie fest, dass ihr gesamter Besitz ihren drei Kindern gehören soll. Myrtle, Lucy und Philip. Sollte ihnen etwas zustoßen, soll das Vermögen an ein norwegisches Waisenhaus in Chicago gehen. Danach erledigt Belle noch ein paar Einkäufe. Sie kauft Süßigkeiten und Kuchen für die Kinder. Außerdem einen kleinen Spielzeugzug. Und schließlich kauft sie noch etwas anderes, nämlich mehrere Liter Kerosin. Am Abend kommt Belle auf ihre Farm zurück. Dort gibt es ein großes Abendessen. Danach spielt sie mit den Kindern auf dem Boden im Wohnzimmer. Der kleine Zug fährt über den Teppich. Der neue Farmarbeiter Joe geht gegen halb neun ins Bett. Als er nach oben geht, da sieht er Belle noch immer mit den Kindern auf dem Boden sitzen und spielen. Es ist das letzte Mal, dass jemand Belle lebend sehen wird. Wenige Stunden später wird Joe von einem seltsamen Geruch geweckt. Und damit sind wir wieder bei dem Morgen, an dem dieser Fall angefangen hat. Die Szene aus dem Intro vorhin. Als das Feuer gelöscht ist, ist von Bates Farmhaus kaum noch etwas übrig.

Nachbarn, Dorfbewohner und die Polizei stehen auf dem Grundstück. Für sie muss das alles wie eine schreckliche Tragödie aussehen. Eine alleinstehende Mutter, die schon so viele Schicksalsschläge erlebt hat und jetzt wahrscheinlich mit ihren Kindern im Haus ums Leben gekommen ist. Der Sheriff, einige Helfer aus der Nachbarschaft und auch der aktuelle Farmarbeiter Joe fangen am Vormittag an, in den Trümmern zu graben. Vorsichtig räumen sie einen Balken nach dem anderen zur Seite, schieben Ziegelsteine aus dem Weg und fegen Asche beiseite. Erst Stunden später stoßen sie auf etwas, nämlich im Keller des Hauses. In einer Ecke liegen mehrere Körper dicht beieinander.

Es sind drei Kinder und eine Frau. Die Leichen sind stark verbrannt, aber die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um Myrtle, Lucy und den kleinen Philip handelt. Und Belle. Der Frauenkörper sieht allerdings ein bisschen merkwürdig aus. Und dann fällt es den Männern auf. Die Leiche hat nämlich keinen Kopf. Erstmal geht man trotzdem davon aus, dass es Belle sein muss. Zeitungen schreiben noch am selben Tag, dass Mutter und Kinder offenbar gemeinsam gestorben sind. Belle hätte noch versucht, mit den Kindern aus dem Haus zu fliehen und es verbreitet sich schnell eine Erklärung für das Feuer. Der Verdacht fällt auf Bales Ex-Farbenarbeiter und Ex-Geliebten Ray. Der hatte ja in den Wochen vorher immer wieder Streit mit Belle. Der Sheriff weiß auch schon von den angeblichen Drohungen und den Verurteilungen wegen Hausfriedensbruch. Und dann gibt es Zeugen im Dorf, die sagen, Belle hätte Angst gehabt, dass Ray eines Tages ihr Haus anzünden könnte. Die Polizei fängt noch am selben Tag an, nach Ray zu suchen. Sie finden ihn bei der Arbeit auf einer anderen Farm. Er wird festgenommen und wegen Brandstiftung verhaftet.

Wenn die Identität der Leichen im Keller klar ist, wenn es wirklich Belle und ihre Kinder sind, dann wird Ray auch wegen Mordes angeklagt. Viele Zeitungen im Mittleren Westen berichten über den tragischen Fall einer unschuldigen Frau und einem eifersüchtigen Mann, der aus Rache das Haus seiner früheren Chefin angezündet hat. Auch in South Dakota kommt die Meldung an. Der Bruder des verschwundenen Andrews, Oschler, liest von dem Feuer und Bales Namen und macht sich sofort auf den Weg nach La Porte. Er will endlich herausfinden, was mit seinem Bruder passiert ist. In La Porte laufen die Ermittlungen nach dem Feuer weiter. Vor allem eine ganz bestimmte Frage beschäftigt die Leute. Wo ist der Kopf der Toten Bell? Denn solange der fehlt, kann niemand wirklich sicher sagen, ob die Tote wirklich Bell ist oder nicht.

Tagelang suchen die Leute des Sheriffs in den Trümmern, aber der Kopf taucht nirgendwo auf. Am 3. Mai 1908, eine Woche nach dem Feuer, kommt Oschle, der Bruder des verschwundenen Andrew, in La Porte an. Er trifft sich mit dem Sheriff und fährt mit ihm zusammen zu Bales Farm. Dort suchen noch immer Männer nach dem Kopf der Toten. Auch Farmarbeiter Joe ist wieder dort. Oschle hilft auch mit und hofft in der Asche Hinweise auf seinen Bruder zu finden. Aber vergebens. Erst als Oschle schon fast aufgeben will, kommt ihm noch ein Gedanke. Später erzählt er, dass er irgendwie so ein ungutes Gefühl hatte, das ihn einfach nicht losgelassen hat.

Er dreht sich zu Farmarbeiter Joe um und fragt, ob in den Wochen vor dem Brand irgendwo auf dem Grundstück Löcher gegraben wurden. Und Joe erinnert sich tatsächlich an was. An einer Stelle beim Schweinegehege soll früher mal Müll vergraben worden sein. Dort gibt es Senken im Boden, erzählt Joe. Die sollte er erst kürzlich mit Erde wieder auffüllen. Oschle schnappt sich eine Schaufel und fängt an zu graben. Die Männer gehen zu den Schweinekoben und wühlen im feuchten, stinkenden Boden. Erst finden sie nur Müll, Essensreste und Abfälle, aber dann stoßen sie auf etwas anderes. Etwas, das in einem Sack steckt. Ein grober Jutesack, wie man ihn damals oft für Kartoffeln oder Getreide benutzt. Der Sack ist eingerissen. Oschle und Joe blicken auf einen menschlichen Arm darin. Kurz darauf kommen weitere Körperteile zum Vorschein. Zwei Hände, Füße und ein Kopf. Oschle erkennt das Gesicht sofort. Es ist sein Bruder Andrew. Und als die Männer sich auf dem Gelände weiter umsehen und auf all diese eingesunkenen Stellen im Boden schauen, da wird ihnen klar, dass das hier nicht das einzige Grab ist. Das ist erst der Anfang von etwas viel Größerem. In den nächsten Tagen beginnt eine Grabung, die nicht nur Laporte, sondern bald das ganze Land erschüttert. Immer neue Säcke werden aus dem Boden gezogen. Überall liegen menschliche Überreste.

Die Köpfe sind vom Rumpf getrennt, die Arme sind von den Schultern und die Beine sind von den Knien getrennt. In den Zeitungen steht, dass es Spuren von stumpfer Gewalt an manchen Knochen gibt. Allein am ersten Tag werden mehrere Leichen gefunden, am zweiten noch mehr. Erst fünf, dann elf, dann irgendwann heißt es in den Quellen, dass die Polizei aufgehört habe zu zählen. Nach heutigem Stand werden auf der Farm mindestens 13 Leichen gefunden und noch vielere weitere Knochenreste entdeckt, die sich gar nicht mehr genau zuordnen lassen. Ein Fund ist besonders grausam. Unter den Toten ist auch eine Frau mit blondem Haar. Es ist Jenny, Bales Pflegetochter. Damit ist klar, dass Jenny nie nach Kalifornien aufs College gegangen ist. Sie liegt seit zwei Jahren auf Bales Grundstück vergraben. Ihre Leiche wird ausgerechnet am 5. Mai 1908 gefunden, an dem Tag, an dem sie 18 Jahre alt geworden wäre. Mit jedem neuen Fund verändert sich das Bild von Bell. in der Presse und im Dorf. Sie ist keine unschuldige Frau mit tragischem Schicksal. Die Schlagzeilen überwerfen sich mit Spitznamen für sie. Sie ist der weibliche Blaubart, das Ungeheuer von Indiana, die Lady Macbeth oder eine Höllenprinzessin. Die Farm wird zu einem Horrorhof oder Garten des Todes.

Und das bleibt nicht bei den reißerischen Artikeln. Die Grabungen auf der Farm werden zu einem riesigen Spektakel. Tausende Menschen fahren nach La Porte, um die Farm selbst zu sehen. Die Stadt ist voll mit Pferdewagen und sogar schon den ersten Automobilen. Es gibt Berichte über zehntausende Besucher an einem Wochenende. Auf der Farm wird Limo und Bier verkauft. Es gibt Postkarten, Fotos und Souvenirs. Der Tatort wird zu einem Jahrmarkt.

Währenddessen melden sich aus dem ganzen Land Angehörige von vermissten Männern. Familien aus Wisconsin, Illinois, Minnesota, Kansas und anderen Staaten fragen sich, ob ihre Verwandten auch unter den Toten sein könnten. Manchmal werden Uhren, Ringer und Kleidungsstücke gefunden. So können zumindest einige Tote identifiziert werden. Und es wird langsam klar, wie grausam Belle ihre Opfer getötet haben muss. Die Männer, die auf ihre Heiratsanzeigen geantwortet haben, Die werden erstmal freundlich empfangen. Dann geht es zur Bank, um das Geld abzuheben. Danach verschwinden die Männer. Die Ermittler vermuten, dass Belle ihre Gäste erst vergiftet hat. Bei der Untersuchung der Leichen stoßen die Ärzte auf einen wichtigen Hinweis im Magen von Andrew. Spuren von Strichnin. Das ist ein starkes Gift, das damals häufig als Rattengift verkauft wird. Strichnin wirkt auf das Nervensystem und löst starke Muskelkrämpfe aus. Die Opfer bleiben dabei meist bei Bewusstsein. Es ist ein wirklich grauenvoller Tod. Wenn das Gift aber nicht schnell genug gewirkt hat, scheint Belle ihre Opfer noch erschlagen zu haben. Mehrere Schädel weisen Spuren von stumpfer Gewalt auf, wie von einem Hammer.

Danach begann der wohl makaberste Teil. Die Leichen wurden zerstückelt und in Jute-Säcken vergraben. Einige Körperteile wurden mit Brandkalk bedeckt. Das ist eine Kalksubstanz, die damals oft auf Farm benutzt wurde, um zum Beispiel Tierkadaver zu beseitigen. Bell hat wohl damit versucht, den Verwesungsgeruch zu überdecken und die Leichen schneller verwesen zu lassen. Andere menschliche Überreste landeten offenbar in Schweinekoben. Mit dieser Methode hat Belle ihre Opfer relativ unauffällig verschwinden lassen. Wenn sie tatsächlich über Jahre hinweg Männer vergiftet und ermordet hat, was bedeutet das dann für die anderen Todesfälle in ihrem Leben?

Für ihren ersten Ehemann Mats, der genau an dem Tag stirbt, an dem zwei Lebensversicherungen gleichzeitig gültig sind. Für ihren zweiten Ehemann Peter, der angeblich von einem heruntergefallenen Fleischwolf erschlagen wurde. Oder für die Kinder, die in ihren frühen Jahren angeblich an plötzlichen Krankheiten gestorben sind. Vielleicht waren diese Tragödien gar keine Zufälle. Und mit jedem weiteren Toten, der in Indiana gefunden wird, verändert sich die Bedeutung der kopflosen Frau im Keller. Denn jetzt geht es nicht mehr um die Frage, ob das Belle ist, sondern auch um die Frage, was passieren könnte, wenn sie es nicht ist.

Lebt Belle möglicherweise noch? Auch Zeitungen fangen an zu spekulieren, dass Belle ihren Tod vielleicht nur vorgetäuscht haben könnte. Deshalb sucht der Sheriff mit seinen Männern noch energischer nach einem Hinweis auf Belle. Ein Goldwäscher wird zum Beispiel engagiert, der den Brandschutz sieben soll. Und am 19. Mai 1908, drei Wochen nach dem Feuer, werden in den Trümmern auch tatsächlich Zahnprothesen gefunden. Eine Brücke mit Porzellanzähnen und Gold. Ein Zahnarzt aus La Porte erkennt seine Arbeit sofort und bestätigt, dass das die Zähne von Belle sind. Für den Sheriff ist damit bewiesen, dass es sich bei der Toten tatsächlich um Belle handelt. Doch nicht alle sind überzeugt. Warum fehlt immer noch ausgerechnet der Kopf? Und dann gibt es noch andere Fragezeichen. Denn als die Leiche der Totenfrau untersucht wird, soll sie deutlich kleiner und dünner gewesen sein als Bale. Vielleicht hat sie ihre Zahnbrücke ja einfach selbst in den Keller geworfen. Genug Geld für eine neue hätte sie ja allemal gehabt. Einer, der Antworten liefern könnte, ist Ray, Bales Ex-Farmarbeiter und Ex-Geliebter.

Der sitzt schon im Gefängnis von Laporte, denn Ray hat ja ein Motiv. Er könnte Rache an Bell wollen, weil die ihn rausgeworfen hat. Es gibt sogar eine Anklage wegen Brandstiftung und Mordes. Der Prozess beginnt noch im Herbst desselben Jahres, 1908. Die Situation ist aber schon kompliziert für die Anklage, die zwar ein Motiv und Zeugen hat, den Bell von ihrer Angst vor Ray erzählt hat, aber Bell ist eine Frau, deren Garten sich gerade als Massengrab entpuppt hat.

Die Staatsanwaltschaft bleibt dabei. Selbst wenn Bell eine Mörderin ist, dann ist Brandstiftung trotzdem ein Verbrechen. Ray beteuert seine Unschuld. Er sei von Bell hereingelegt worden. Wochenlang habe sie Gerüchte über ihn verbreitet, ihn beim Sheriff angeschwärzt und versucht, ihn als gefährlichen Mann darzustellen. Wenn jemand ein Motiv für das Feuer gehabt hat, dann vielleicht eher Bell selbst. Und dann tauchen während des Prozesses einige merkwürdige Details auf. Auch in den Körpern der drei toten Kinder im Keller werden Spuren von Strichnien gefunden. Ob sie tatsächlich darin gestorben sind, ist aber nicht klar. Es könnte aber heißen, dass die Kinder möglicherweise vergiftet wurden, bevor das Feuer überhaupt ausbrach. Am Ende entscheidet sich die Jury für eine Art Mittelweg. Am 26. November 1908, sieben Monate nach dem Brand, fällt das Urteil. Ex-Farmarbeiter und ex-geliebter Ray wird vom Mord freigesprochen.

Aber ganz ungeschoren kommt er trotzdem nicht davon. Die Jury glaubt, dass Ray das Haus angezündet hat. Deshalb wird er zu einer Gefängnisstrafe wegen Brandstiftung verurteilt. Das Urteil beläuft sich auf mindestens zwei bis 20 Jahre Haft im Staatsgefängnis von Michigan City in Indiana. Damit scheint der Fall für die Justiz erstmal abgeschlossen zu sein. Aber die Geschichte endet damit noch lange nicht. Denn im Gefängnis fängt Ray plötzlich an zu reden. Er spricht mit einem Pastor über Belle und was auf der Farm wirklich passiert sein soll. Der Pastor schreibt Rays Aussagen auf. Das Problem ist nur, dass die ursprüngliche Abschrift dieses Geständnisses später verschwindet. Was wir heute über Rays Geschichte wissen, stammt vor allem aus Zeitungsartikeln, die über diese angebliche Beichte berichten.

In der Version, die damals veröffentlicht wird, erzählt Ray, dass er von den Morden gewusst und gelegentlich sogar geholfen hat, die Leichen zu beseitigen. Für die Nacht des Brandes erzählt Ray aber eine andere Geschichte als im Prozess. Laut dieser Version sei er betrunken zur Farm zurückgekehrt, um Geld zu stehlen. Er habe Belle und die Kinder mit Chloroform betäubt und dann im Haus nach Geld gesucht. Dabei soll eine brennende Kerze umgefallen sein. Dadurch hat sich das Feuer überhaupt erst entzündet. In dieser Version war der Brand also kein geplanter Mord, sondern ein Unfall. Und Belle stirbt demnach tatsächlich im Haus an Rauch und Feuer. Allerdings taucht in einigen Zeitungsberichten noch eine andere Geschichte auf. Dort wird spekuliert, Belle habe kurz vor dem Brand eine fremde Frau auf die Farm gelockt und getötet, um ihren eigenen Tod vorzutäuschen. Der kopflose Körper im Keller wäre dann gar nicht Belle gewesen. Welche dieser Version stimmt, darüber wird auch 100 Jahre später noch gerätselt. Ray kann die Geschichte später jedenfalls nicht mehr erklären oder korrigieren, denn kurz nach dem Prozess stirbt er an Tuberkulose.

1909, nur etwas mehr als ein Jahr nach seiner Verurteilung. Mit ihm verschwindet auch einer der wenigen Menschen, der möglicherweise genau wusste, was auf der Farm von Bell wirklich passiert ist. Am Ende bleibt jetzt vor allem eine Frage offen. Ist Belle wirklich in dem Feuer auf ihrer Farm gestorben? Die Behörden in Indiana sind sich ziemlich sicher, dass die kopflose Leiche im Keller Belle ist. Ein wichtiger Grund dafür ist der Zahnersatz. Und Rays Geschichte aus dem Gefängnis. Doch nicht alle glauben das. Laut dem Leichenbestatter ist der Körper aus den Brandruinen kleiner und zierlicher als Belle. Außerdem fehlt bis heute ausgerechnet der Kopf. In den Monaten nach dem Brand melden Zeitungen auch immer wieder Sichtungen von Bell. Menschen wollen sie in Illinois, in Ohio, in Indiana und in Zügen und Restaurants gesehen haben. So viele Menschen wollen Bell gesehen haben, dass sich manche Zeitungen sogar darüber lustig machen. In einem Artikel steht, dass große Frauen lieber zu Hause bleiben sollten, damit sie nicht versehentlich für Bell gehalten und verhaftet werden. Eine andere Zeitung schreibt, Bell sei angeblich an so vielen Orten gleichzeitig gesehen worden, dass sie offenbar das Problem des schnellen Reisens gelöst habe. Eine besonders interessante Spur taucht viele Jahre später auf.

1931 wird in Los Angeles eine Frau namens Esther verhaftet. Sie soll einen Mann aus Norwegen vergiftet haben, angeblich wegen seines Geldes. Und dann finden die Ermittler bei Esther auch noch Fotos von Kindern, die ziemlich große Ähnlichkeit mit den Kindern von Belle haben sollen. Auch Esther selbst erinnert einige Leute an Belle. Das ist der Teil, der für die Theorie spricht, dass Belle überlebt hat. Dagegen spricht aber auch einiges. Zu diesem Zeitpunkt wäre Belle etwa 72 Jahre alt gewesen. Esther sagt allerdings, dass sie 1867 geboren wurde, also einige Jahre später. Auch andere Details von Esthers Lebensgeschichte, zum Beispiel über ihre Einwanderung, passen nicht richtig zu Belle. In La Porte wird aber auch darüber nachgedacht, jemanden nach Kalifornien zu schicken, der Bell persönlich gekannt hat und Esther identifizieren kann. Doch der Plan scheitert an etwas ganz Banalem. Die Stadt hat nicht genug Geld für die Reise. Und bevor ein Prozess gegen Esther beginnen kann, stirbt sie an Tuberkulose. Die Theorie, dass Esther Bell gewesen ist, wird also nie wirklich untersucht. 100 Jahre später versuchen Forscher noch immer dieses Rätsel zu lösen.

2008 wird die kopflose Leiche, die damals als Bell beerdigt wurde, exhumiert. Forensiker wollen mit DNA-Analysen klären, ob sie es wirklich war. Dazu vergleichen sie Knochenproben mit DNA von Briefmarken und Umschlägen aus alten Briefen, die Bell geschrieben haben soll. Doch das Experiment scheitert. Die DNA ist nach 100 Jahren nämlich zu stark beschädigt, um ein klares Ergebnis zu liefern. Die Wissenschaft kann die wichtigste Frage dieses Falls also nicht mehr beantworten. Vielen Dank. Bis heute weiß niemand so genau, wie viele Menschen auf der Farm von Bell gestorben sind. Manche Schätzungen gehen von mehr als 20 Opfern aus, manche sogar von mehr als 40. Sicher ist nur, dass es eine der grausamsten Mordserien in der amerikanischen Geschichte gewesen ist.

Und ich glaube, was auch sicher ist, ist, dass uns allen genau die Frage unter den Nägeln brennt, Hat Belle das doch überlebt? Hat sie ihren Tod nur vorgetäuscht oder ist sie wirklich an diesem Tag gestorben? Ja, das ist die große Frage, die sich alle Leute ja teilweise bis heute eben stellen. Boah, ich muss sagen, ich finde das irgendwie super merkwürdig und super verdächtig, dass da vier Personen in diesem Feuer umgekommen sind und bei einer Person, nämlich der erwachsenen Person, fehlt der Kopf. Hä? Also wie? Warum? Wer hat den Kopf abgetrennt? Wo ist der Kopf? Wie ist dann die kopflose Leiche in den Keller gekommen und die Kinder daneben? Also das ist für mich so der größte Punkt, wo ich sage, das passt ja gar nicht ins Bild mit der Rauchvergiftung, an der die Leute da gestorben sind. Also ich muss sagen, das klingt für mich ganz doll danach, als hätte sie ihren eigenen Tod vorgetäuscht und ich meine... Wir haben diese Frau ja alle jetzt in dieser Folge besser kennengelernt und ich finde, sie wäre gerissen genug, um ihren eigenen Tod vorzutäuschen, oder? Was meinst du? Aber dann frage ich mich halt wiederum, wo ist der Kopf und wie ist der weggekommen? Also nee, wobei Blödsinn. Wenn sie das vorgetäuscht hat, dann ist ja vollkommen klar, dass es eine andere Frau ist.

Genau, die sie vielleicht irgendwo weggeschnappt hat, kaltblütig ermordet hat und die dann stattdessen in den Keller getan hat, ne? Ja, deswegen, ich bin gerade mit einer falschen Perspektive reingestartet. Ich habe erst so gedacht, okay, was, wenn sie es doch wäre? Wie soll der Kopf dann weggekommen sein? Weil grundsätzlich gebe ich dir auch vollkommen recht, ich werde nicht schlau aus dieser Frau.

Warum hätte sie da selbst sterben sollen? Ich fand das nämlich auch ein bisschen komisch. Sie hat ja so einen Soft-Launch gestartet. Hat schon Ray davor so angefangen, die Schuld in die Schuhe zu schieben und zu sagen, sie hat Angst, dass das alles abgefackelt wird. Genau das ist ja dann passiert. Und sie hat ein Testament geschrieben. Und da werde ich aber nicht schlau aus ihr, weil sie hat ja dann gesagt, wenn sie stirbt, dann sollen ihre Kinder das bekommen. Und wenn die Kinder versterben sollten, dann soll es, glaube ich, am Waisenhaus oder so gehen.

Und jetzt ist es ja wirklich so passiert, dass alle sterben und so wie ich sie einschätze, Also sie hat ja trotzdem jetzt nichts davon, weißt du? Das ist immer noch so dieser Funken, der für mich dafür spricht, dass sie es vielleicht doch ist. Und dann knüpfe ich jetzt direkt daran wieder an, was ich doch am Anfang gesagt habe, verstehe ich nicht, wo ist der Kopf? Wie ist der abhandengekommen? Hat Ray vielleicht doch damit geholfen? Weil das Geld, alles, was sie dann hinterlassen hat, das könnte sie ja trotzdem dann nicht so easy mitnehmen, glaube ich, oder? Das wäre ja genauso gut aufgefallen. Das wäre ja so ein krasser Hinweis gewesen. Genau, das Geld ist so oder so weg. Ob Belle das jetzt war oder ob sie es nicht war, das stimmt. Aber warum sollte Ray ihren Kopf abgetrennt haben? Das ergibt ja auch irgendwie keinen Sinn. Warum sollte er alle ermordet haben und dann trennt er aber ihren Kopf ab? Also das erschließt sich für mich irgendwie auch nicht. Ich kann mir vorstellen, also irgendwie ist das für mich gerade so der einzige Gedanke, den ich hier zulassen kann, dass Belle ihren Tod vorgetäuscht hat Und sie hat eine andere Person da in den Keller gelegt und eben den Kopf abgetrennt, damit man sie nicht identifizieren kann.

Und ja, hat eben gehofft, dass diese Massengräber in ihrem Garten nicht herauskommen, sondern dass so das Bild von ihr als arme Person, die so viele Schicksalsschläge im Leben erlitten hat, dass das in den Köpfen der Menschen bleibt. Weißt du, die arme Belle, die so viele Leute verloren hat, jetzt ihre Kinder, ihr eigenes Leben und ich glaube, sie hat nicht damit gerechnet, dass man eben die ganzen anderen Leichen finden wird, weil bisher ging das ja auch voll gut. Ja genau, deswegen, also dass sie kein Problem damit hat, mutmaßlich ihre Kinder davor auch schon umzubringen oder halt auch die Männer, mit denen sie zusammen war. Das zeigt ja schon, dass sehr wahrscheinlich da jetzt auch keine große Hürde bestand, die drei Kinder, die zu dem Zeitpunkt noch gelebt haben.

Umzubringen, um im Zweifel einfach auch ihre Spuren zu verwischen. Aber ja, ich finde es auch so krass, dass man einfach nicht zu 100 Prozent weiß, wie viele Leichen da jetzt im Endeffekt auf dem Hof liegen. Weißt du, was ich auch richtig kackendreist finde? Erzähl. Dass sie in ihren Briefen an die Männer ja so direkt geschrieben hat, so ey, verkauf bitte alles, nimm dein ganzes Geld mit, bitte lass nichts zurück, sag auch niemandem was davon. Das ist doch so auffällig. Und dann existiert das ja irgendwo schriftlich, dass sie den Leuten das gesagt hat. Das finde ich so krass, überleg mal. Die konnten damals ja nicht telefonieren oder sich sehen oder so. Die kannten diese, also die Männer kannten Belle nur aus dieser schriftlichen Perspektive, Und es gab ja wirklich genug Leute, die alles verkauft haben und mit Geld zu ihr gereist sind. Also da frage ich mich auch, was muss denn passieren, dass man das so leichtgläubig macht, ohne Balfoy überhaupt zu kennen, oder? Ist das nicht super auffällig? Ich weiß nicht. Ich glaube, Leute, die naiv genug sind, gibt es immer, um ehrlich zu sein. Besonders, wenn dann einem auch noch eine Farm versprochen wird, dass es ja dann auch noch... Ein riesiger Vorteil für die Pläne, die sie da umgesetzt hat, dass es ja so abgelegen auch noch war.

Also ja, du hast es perfekt gesagt, das ist kackendreist, aber es ist leider auch sehr, sehr schlau und durchtrieben von ihr gemacht. Ich glaube, das ist auch die perfekte Beschreibung für Belle. Ich glaube, andere Worte, also doch, wir würden noch andere Worte für diese Person finden. Aber ich glaube, das beschreibt sie abschließend hier am besten. Und ja, es ist ja mal ein bisschen schwierig, jetzt so den Übergang zu finden, aber wir möchten unsere Folgen nach diesen ganzen Schrecken und diesen ganzen furchtbaren Schicksalen immer ein bisschen positiv enden lassen, damit ihr auch mit einem guten Gefühl hier aus der Folge rausgeht. Und deswegen geht es jetzt um uns. Richtig, jetzt geht es um uns. Ich liebe das so sehr immer am Ende. Ich finde es so, so cool. Bei mir die Woche. Ich würde jetzt allgemein mal über die Woche, wo die Folge rauskommt, quatschen.

Weil, erstens freue ich mich ultra, weil ja diese Woche auch wieder eine paranormale Folge rauskommt. Ja. Ja, und zweitens werde ich bei dem SSIO-Konzert dabei sein am Freitag. Ich freue mich mega. endlich wieder mal ein Konzert, Bin gespannt, ob es ein paar Moshpits gibt oder so. Und ja, ansonsten werde ich im Stream, glaube ich, auf die Folge von Herz über Kopf reacten, wo ich war. Das bietet sich, glaube ich, ganz gut an, weil es ja auch ein Videopodcast ist. Bin ich selbst gespannt, wie es geworden ist. Wie sieht es bei dir aus? Ja, ich freue mich auch schon voll auf die Folge. Also heute, wenn diese Folge online geht, ist ja auch erst diese Folge draußen. Die werde ich mir gleich als allererstes anhören. Und das solltet ihr auch alle.

Also ich weiß gar nicht, ob man es jetzt diese Folge gehört hat, aber ich in meinen eigenen Ohren habe es gehört, dass meine Stimme ein bisschen angeschlagen ist vielleicht, weil ich war jetzt gerade, wo wir die Folge aufnehmen, war ich gestern Abend bei einem Kraftklub-Konzert und habe ganz laut mitgesungen und mitgegrült. Ja, keine Ahnung, ob ihr es gehört habt, aber diese Woche freue ich mich ganz besonders auf eine Massage, die ich mir gönnen werde. Das ist so mein großes Highlight, ja. Weil du weißt, ich bin Mitte 30, da tut der Rücken weh, da tun die Schultern weh.

Und da hilft mir immer extrem, eine gute Massage machen zu lassen. Da freue ich mich sehr drauf. Ey, auch mal auf den Körper achten. Ich habe es bei Felix Lobricht letztens im Podcast gehört, er meinte ja auch, er hat seinen Körper, als er ganz jung war, hardcore geschunden und dachte, er hat noch ein paar mehr Jahre, bis es ihn einholt. Und jetzt meinte er, jetzt holt es ihn voll schnell ein. Deswegen auch an euch da draußen, achtet auf euren Körper, so gut wie es geht, dass er euch so lange wie möglich erhalten bleibt. Deswegen finde ich es sehr, sehr geil, dass du das machst. Perfekter Abschluss, würde ich sagen. Achtet auf euch, achtet auf eure Körper. Und dann freuen wir uns doch nur, wenn ihr am Donnerstag die paranormale Folge hört, die es dann natürlich wieder von uns gibt. Und oder kommenden Dienstag, wenn wir eine neue, ganz normale, reguläre Folge der Schwarzen Akte für euch haben. Bis nächste Woche oder bis Donnerstag.

Wir sind eure Hosts Anne Luckmann und Patrick Strohbusch. Redaktion Johanna Müsiger und wir. Schnitt Anne Luckmann. Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.