Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Es ist der 13. Juli 2011, kurz vor 7 Uhr morgens auf Coronado, eine wohlhabende Halbinsel bei San Diego in den USA. Auf dem Grundstück eines großen weißen Hauses mit Blick auf den Pazifik läuft Adam gerade vom Gästehaus in Richtung Haupthaus. Er geht durch den Innenhof, durch den Garten, direkt auf die Terrasse zu. Um ihn herum wachsen dichte grüne Pflanzen. Alles ist ruhig. Dann fällt Adam etwas auf. Zunächst nur aus dem Augenwinkel. Etwas, das hier nicht in den Garten gehört. Als Adam nach oben schaut, sieht er etwas am Balkon hängen, der zum Gästezimmer führt. Für einen Moment ist ihm nicht klar, was genau er dort oben sieht. Er kneift die Augen zusammen. Und dann sieht er es. Ein Körper. Eine Frau, die vom Geländer hängt.

Die Frau ist nackt, ihre Hände sind hinter dem Rücken gefesselt und auch ihre Füße sind mit einem roten Seil umwickelt. Von ihrem Hals führt ein gespanntes rotes Seil über den Balkon in das Gästezimmer im ersten Stock. Um ihren Hals ist aber noch etwas gewickelt, ein blaues Shirt, wobei ein Teil des Stoffs in ihrem Mund steckt. Adam ist wie versteinert. Nach wenigen Augenblicken aber kann er sich aus seiner Starre lösen und läuft ins Haus, in die Küche. Er greift ein Messer aus dem Messerblock und rennt zurück nach draußen. Im Innenhof steht ein alter Holztisch mit nur noch drei Beinen. Adam zieht den Tisch unter den Balkon, steigt darauf und schneidet das Seil durch. Die Frau fällt zu Boden und Adam ruft die Polizei. Um 6.48 Uhr geht dieser Anruf auf dem Polizeirevier ein. Adam ist aufgeregt. Er stößt zwischen einigen Atempausen folgende Sätze hervor. Er sagt, hier ist eine Frau, sie hat sich erhängt. Und dann presst er einen weiteren Satz hervor, indem er sagt, es ist das gleiche Haus wie gestern. Die Polizei kennt die Adresse des Weißen Hauses nämlich schon, denn nur zwei Tage zuvor sind sie schon einmal dort gewesen. Dabei ging es um einen anderen Notfall. Während Adam da auf dem Boden neben der Frau kniet und versucht, sie wiederzubeleben, liegt nur wenige Kilometer entfernt ein sechsjähriger Junge im Krankenhaus im künstlichen Koma. Er wurde von genau diesem Grundstück aus dorthin gebracht.

Innerhalb von nur 48 Stunden ist das also schon der zweite Einsatz hier bei diesem Haus. Was genau ist in diesen 48 Stunden hier passiert?

Und damit ganz herzlich willkommen zu einer besonderen Folge der schwarzen Akte, nämlich der 300. Jubiläumsfolge mit Patrick Strohwusch. Und mit Anne Lückmann und mit noch so viel mehr heute. Genau, denn zur Feier des Tages haben wir uns ganz tolle, die besten Gäste eingeladen. Und zwar Lilly und Flo vom Podcast Food Crimes. Was schmeckt dahinter? Vielleicht kennt ihr die beiden schon von ZDF Besseresser oder eben aus dem Podcast. Denn seit September 2024 sprecht ihr ja über die größten, die kleinsten, die unglaublichsten Foodcrimes dieser Welt. Jeden Dienstag gibt es eine neue Folge. Wir beide, Patrick und ich, waren übrigens schon zweimal zu Gast. Ich bin ja großer Fan, wisst ihr. Also unbedingt mal bei den beiden reinhören. Und wir haben für euch zwei und natürlich für alle Zuhörerinnen und Zuhörer heute einen ganz besonderen Fan mitgebracht. Schön, dass ihr da seid. Wir freuen uns. Hallo, vielen Dank für die Einladung. Wir haben uns sehr gefreut. Was war die Ehre? Ja, wirklich. Ja, wir hatten bisher einmal, oder Patrick? Einmal hatten wir Gäste hier im Podcast, beziehungsweise zweimal, aber es war der gleiche Gast, nämlich die besten Freundinnen. Da haben wir den Fall zusammen mit den beiden erzählt. Heute machen wir es ein bisschen anders, heute quatschen wir euch voll.

Perfekt. Und sind ganz gespannt, was ihr denkt, weil ich glaube, heute gibt es eine Menge zu diskutieren. Ja, das Intro hat einen auf jeden Fall schon mal direkt reingezogen. Auch direkt tausend Fragezeichen hervorgerufen. Und die wollen wir. Ich bin gespannt. Wo wir gerade über das Intro sprechen, damit ihr genauer wisst, wo es heute hingeht. Wir werden in den Sommer 2011 an die Südküste Kaliforniens reisen. Genauer gesagt auf Coronado, einer schmalen Halbinsel gegenüber von San Diego. War jemand von euch irgendwie schon mal da? Ich wollte es gerade sagen. Ich werde, wann war jetzt Futur 5, ich werde dort gewesen sein werden, wenn die Folge rauskommt. Weil ich tatsächlich, ich weiß nicht, ob ihr so transparent seid, aber wir nehmen ein paar Tage, bevor die Folge rauskommt, auf und ich fliege in zwei Tagen nach San Diego. Nein, das ist nicht dein Ernst. Ja, doch, deswegen bin ich natürlich super gespannt, weil, so wie ich das von der Karte gesehen habe, ist Coronado auch direkt neben dem Flughafen, am Ende komme ich da auch vorbei und ich bin super gespannt auf die Geschichte, weil ich natürlich diese ganzen Eindrücke dann mitnehmen werde, ganz frisch, aber ja.

Mein erstes Mal dort. Das heißt, du wirst die Halbinsel dann auch direkt auschecken? Du musst jetzt. Jetzt muss er da hin. Ich habe gehört, dass es super schön dort ist, also auch auf dieser Halbinsel und generell, dass San Diego eine wunderschöne Stadt ist. Ja, also ich freue mich total und wie gesagt, ich bin auch gespannt auf diesen Fall, weil diese Zeitspanne ist natürlich super interessant. Interessant, wenn die Polizei auch schon wusste, dass da irgendwie was vor sich geht. Hat da da jemand vielleicht irgendwie ein Auge drauf? Lief das alles komplett unbeobachtet ab? Ich bin wirklich, ich bin jetzt schon drin. Ich war auch schon mal in San Diego. Nicht auf der tollen Halbinsel, aber ich habe ein paar Jahre nach meinem Abitur so einen West Coast Roadtrip mit meinen Girls gemacht. Und da haben wir auch einen Halt in San Diego gehabt, weil ein anderer Freund von uns da ein Auslandssemester machte. Und ich habe nur gute Erinnerungen daran. Da waren die krassesten Sonnenuntergänge. Wir haben wahnsinnig leckere Tacos gegessen und waren viel feiern. So, was man halt so macht, wenn man so jung ist. Das hört sich gut an. Ich hatte, das werde ich auch nie vergessen, ich hatte den besten French Toast in San Diego. Richtig random. Also alle schon in San Diego? Okay, oder werdet gewesen sein.

Ich hab's auf jeden Fall noch auf meiner Bucketlist Werbung Werbung Ende.

Und ich weiß gar nicht, ob du es gerade gesagt hast, Flo, aber diese Insel, Coronado, erreicht man über eine lange Brücke, die sich über die Bucht spannt. Von oben sieht man meist Segelboote im Wasser und dahinter die Skalern von Downtown San Diego. Ein schöner Ort wie auf einer Postkarte, so wie Lilly ja gerade schon gesagt hat. Genau und Coronado, das ist eine sehr ruhige Gegend, die ist sehr wohlhabend und geordnet. Viele Häuser hier stammen aus der Zeit um 1900 mit schicken Fassaden, roten Ziegeldächern und gepflegten Gärten. Außerdem gibt es hier natürlich auch einen Strand, das ist ja eine Insel und dieser zieht sich breit und offen am Pazifik entlang. Gewaltverbrechen sind hier eigentlich eher selten. Wenn mal was passiert, dann stellt die Polizei eher Anzeigen wegen gestohlener Fahrräder. Dabei wird es heute aber nicht bleiben. Am Ocean Boulevard mit direktem Blick auf den Strand steht eines der bekanntesten Häuser der Insel, die sogenannte Spracules Mansion. Gebaut wurde sie Anfang des 20. Jahrhunderts für John Dietrichs Records, ein Unternehmer, der mit Eisenbahnen, Immobilien und dem Hotel del Coronado großen Einfluss auf die Region hatte. Ja, und auf dem Grundstück dieser Menschen stehen mehrere Gebäude. Ein großes Haupthaus, ein separates Gästehaus und noch ein Haus für die Bediensteten. Von außen wirkt das alles offen und großzügig und wir zeigen euch jetzt mal ein Foto davon.

Lilly bekommt es hier ausgedruckt und Flo, dir schicke ich das jetzt auch zu. Lass es erstmal auf euch wirken. Das ist mal ein amtliches Anwesen, würde ich sagen. Das Haus der Bediensteten ist größer als jedes normale Einfamilienhaus, was ich so aus Deutschland kenne.

Im Zentrum steht natürlich diese riesige Mansion, die Main Residence. Das sind zwei oder drei Stück Werke. Zwei, ne? Sind das? Ja, zwei. Ja, sieht so aus. Und ich vermisse gerade den Pool, muss ich ganz ehrlich sagen. Vielleicht gibt es ja noch einen Pool. Der kommt wahrscheinlich dann, wenn man da noch zwei, drei Kilometer über die Wiese geht. Ja stimmt, es macht ja keinen Sinn, dass der Pool zwischen dem Gästehaus und dem Bedienstetenhaus ist. Hey, und du hast ja das Meer direkt vor der Tür. Ach, das gibt es ja auch noch. Aber naja, ich würde schon vermuten, dass es einen Pool und ein Meer gibt. Also da wird geklotzt, nicht gekleckert. Wenn, dann richtig. Ich finde es ein sehr schönes Haus. Also dieser... Relativ clean Look, der Fassade, das rote Dach, wahrscheinlich ist da links an der Seite so eine Art Loggia, Pergola, wo man draußen sitzen kann.

Ja, ich würde es nehmen. Wobei, das fällt mir gerade ein, ich weiß nicht, ob das eine L.A. Oder Kalifornien Regel ist. Wenn in einem Haus jemand gestorben ist, dann musst du das öffentlich machen. Also ich weiß auf jeden Fall, dass es in L.A. der Fall ist. Es kann sein, dass das für ganz Kalifornien gilt. Was dann ja möglicherweise für unseren Fall nochmal interessant wird, wenn wir dann später uns das Haus nochmal anschauen. Flo, du musst das öffentlich machen, wenn du es wieder verkaufen willst?

Oder in Generale? Hey Leute, letzte Woche ist hier jemand bei uns gestorben. Wenn du das wieder verkaufen möchtest. Im Sommer 2011, bevor das alles passiert, was wir euch gleich noch erzählen, ist dieses Haus oder dieses Anwesen eher eine Ferienresidenz. Die gehört zu dem Zeitpunkt einem Mann namens Jonah. Jonah verbringt hier gerade die Schulferien zusammen mit seiner Freundin Rebecca und seinen beiden Kindern. Aktuell ist auch noch Jonas Bruder Adam da. Das sind auch so die Hauptnamen, um die es heute gehen wird. Also Jonah, seine Freundin Rebecca und Jonas Bruder Adam. Als am 13. Juli 2011 die Polizei zu diesem Anwesen gerufen wird, ahnt noch niemand, dass sich dieser Einsatz zu einer der bekanntesten und umstrittensten Ermittlungen in der Geschichte Coronados entwickeln wird. Ein Fall, in dem es um einen Multimillionär geht, um mysteriöse Todesfälle, um widersprüchliche Gutachten und Jahre später sogar auch um Kamala Harris. Damals war sie die Generalstaatsanwältin von Kalifornien. Aber an diesem Mittwochmorgen weiß das alles, wie gesagt, noch niemand.

Als die Ermittler am Morgen des 13. Juli 2011 das Grundstück am Ocean Boulevard sichern, nähern sie sich als allererstes dem Balkon. Eine Frau liegt auf dem Boden unterhalb des Geländers. Adam hatte sie ja bereits freigeschnitten.

Neben ihr liegen die Reste des roten Seils. Daneben steht noch der dreibeinige Holztisch, auf den Adam ja draufgestiegen ist. Die Identität der Frau ist schnell geklärt. Sie wohnt nämlich in diesem Haus. Es handelt sich um Rebecca, die Freundin des Besitzers und sozusagen Schwägerin in Spee von Adam. Die beiden sind ja nicht verheiratet. Der sagt der Polizei, dass Rebecca unter dem Balkon gehangen hat. Das Seil war über den Balkon gespannt, ihr Körper weggedreht, sodass er zuerst nicht ihr Gesicht sehen konnte. Und der Polizei fällt sofort etwas Merkwürdiges auf. Denn Rebecca ist vollkommen nackt. Aber nicht nur das. Ihre Handgelenke sind hinter dem Rücken gefesselt und auch ihre Fußgelenke sind mit einem roten Seil zusammengebunden. Bei ihrer Routinearbeit checken die Beamten natürlich auch das gesamte Haus auf Einbruchsspuren. Türen und Fenster sind aber unbeschädigt. Es hat sich also niemand gewaltsam Zutritt verschafft. Die ersten Fragen, die den Beamten durch den Kopf gehen, drehen sich darum, ob sie es hier mit einem Suizid zu tun haben. Oder doch einem Verbrechen. Bevor wir darüber sprechen, erzählen wir euch aber zuerst mehr über die Frau, also über Rebecca. Rebecca wird am 15. März 1979 in Phallam geboren. Sie ist 2011, also 32 Jahre alt. Phallam ist eine kleine Stadt im Nordwesten von Myanmar.

Rebeccas Familie gehört zur ethnischen Minderheit der Jin. Das ist eine Volksgruppe, die in der Vergangenheit immer wieder politisch verfolgt wurde. Rebecca wächst christlich auf. Sie hat mehrere Geschwister, darunter eine ältere Schwester, Mary, die wird heute auch noch eine Rolle spielen, und eine jüngere Schwester namens Sina. Die Familie bleibt nicht in Myanmar. Rebeccas Vater ist laut der Doku Death in the Mansion ein politischer Gefangener und die Familie muss fliehen. Rebecca lebt erst in Nepal, später sogar viele Jahre in Deutschland.

Anfang der 2000er Jahre zieht sie mit ihrer Familie in die Vereinigten Staaten. Rund zehn Jahre vor ihrem Tod, mit Anfang 20, beginnt sie dort ein neues Leben. Rebecca spricht mehrere Sprachen, zum Beispiel Englisch, Nepali und Hindi. Wer sie kennt, der beschreibt sie als offen und jemanden, der schnell Anschluss findet. Neue Orte scheinen Rebecca nicht einzuschichtern. Ihre große Schwester Mary erzählt den Zeitungen später, dass sie und Rebecca fast täglich Kontakt hatten. Rebecca sei die fröhlichere von den beiden. Die, die immer schneller lacht. Die, die immer versucht, andere aufzumuntern. Und damit ihr auch ein Bild von der jungen Frau bekommt, geben wir euch jetzt zwei Fotos. Lilly, die nächsten zwei darfst du schon mal dir anschauen und Flo bekommt die auch. Wow. Also vor allen Dingen auf dem ersten Foto, finde ich, sieht sie aus wie eine Person, mit der man gerne rumhängen möchte. Oder? Ja. Also sie sitzt irgendwo drauf und hat ihren Kopf so aufgestützt auf ihre Hand und lächelt in die Kamera und sieht aus.

Als käme sie gerade vom Strand oder von der Terrasse rein und würde dir gleich ein paar Drinks mixen und fragt dich gerade noch, wie dein Tag war und in ihrem Blick ist irgendwie so was Abenteuerlustiges, finde ich. Was Kessis, Verschmitztes auch. Sie sieht lustig aus und sehr attraktiv. Das sollte man vielleicht noch dazu sagen. So stelle ich mir jede Person in San Diego vor. Irgendwie lässig, schick.

Trainiert, kommt gerade irgendwie frisch vom Reformer Pilates oder was weiß ich, was gerade der letzte Scheiß ist in San Diego. Wie du sagst, Lilly, man bekommt erst einen Smoothie und dann den Margarita hinterher gereicht. Aber einen Frozen Margarita bekommt man da gereicht. Sie hat auf jeden Fall einen Vibe, irgendwie einen ganz lässigen Vibe und auf dem zweiten Foto hat sie ja auch so blauen, Lidschatten und es ist sehr schick, auch passende Ohrringe dazu, so blaue Ohrringe, blaues Kleid. Sie hat auf jeden Fall, sie hat klasse. Ja, und sie sieht einfach super sympathisch aus, ne, auf den beiden Bildern. Aber das ist die gleiche Person, ja? Ja. Ich finde nämlich, dass die zweite Person Das zweite Bild meinst du? Ja, also die Person auf dem anderen Bild.

Wenn die gesagt hätte, das ist ihre Schwester oder das ist jemand anderes, hätte ich auch gesagt. Ja, verstehe ich, weil die Art, die Augenbrauen zu zupfen, eine andere ist. Das ist mir natürlich direkt aufgefallen. Und das zweite Bild sieht aus, als wäre sie da auf irgendeinem, also es sieht nach einem professionellen Foto aus, ne? Genau. Ich glaube, das ist der Hauptunterschied. Das erste, das sieht halt so ein bisschen aus wie zu Hause, so ganz intim, zwischen Freunden so ein Foto. Und das zweite sieht aus, um ehrlich zu sein, als wäre sie Teil von einer Hochzeit, so. Als hätte sie sich so richtig schick gemacht dafür.

Und Rebecca lebt jetzt ja also in Arizona und arbeitet dort auch als medizinische Fachkraft in der Augenarztpraxis. Sie assistiert bei Untersuchungen, betreut Patientinnen und Patienten und organisiert Abläufe. Laut ihren Kollegen ist sie gewissenhaft und diszipliniert. Rebecca achtet auf ihre Ernährung, treibt viel Sport und wirkt sehr strukturiert. Ihre Schwester Mary nennt sie rückblickend liebevoll eine Gesundheitsfanatikerin. Im Jahr 2002 heiratet Rebecca einen Mann namens Neil. Die Ehe hält insgesamt acht Jahre. Viel wissen wir über Rebeccas erste Beziehung allerdings nicht, nur dass im Februar 2011 die Scheidung rechtskräftig wird. Über Rebeccas zweite Beziehung wissen wir schon deutlich mehr. Denn 2008 lernt sie Jonah kennen. Den haben wir heute schon mal erwähnt. Jonah ist Anfang 50. Er ist Gründer und Vorstandsvorsitzender von Medicis Pharmaceutical und seine Firma erwirtschaftet 2010 mehrere hundert Millionen Dollar Umsatz. Er gehört damit zu den bestbezahlten Managern in Arizona. Und Rebecca, vielleicht habt ihr es schon gemerkt, ist 20 Jahre jünger als er. Als die beiden anfangen, sich zu daten, da ist die Scheidung von Neil noch nicht ganz finalisiert, aber sie sind schon getrennt. Und von Jonah zeigen wir euch jetzt auch ein Foto. Generic, white, middle-aged guy. Ja, Punkt.

Ja. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich da irgendwie Botox sehe, oder? Irgendwie die... Da bin ich mir ganz sicher, dass ich da Botox sehe. Ich kann sowas immer so schlecht erkennen. Doch, das sieht ein bisschen zu recht gefrickelt aus. Bisschen gestraft. Genau, ja, auf jeden Fall. Die Stütte ist so ein Ticken zu stabil für das Alter. Ansonsten, ja, er hat, er lächelt so ganz leicht, aber, ähm, Man sieht keine Zähne. Er hat recht schmale, mandelförmige Augen. Und er sieht, also irgendwie, ich finde ihn ganz sympathisch. Ich finde, auf den ersten Blick wirkt er ganz nett. Finde ich auch. Aber ich versuche gerade irgendwas zu finden, womit man ihn noch beschreiben kann. Das ist irgendwie schwer.

Ist auf jeden Fall so ein Foto, was gemacht wird. Oder das ist auf jeden Fall ein Foto, was in so einem professionellen Rahmen gemacht wurde. Also er hat einen Anzug an und das sieht aus wie ein Foto von seiner Business-Seite oder so. Und ich finde aber auch, dass er aussieht wie jemand, mit dem man eine gute Zeit haben kann. Also ich hatte ihn mir so auch ein bisschen vorgestellt. Er ist ja auch ein attraktiver Mann, so, auf den ersten Blick. Ich kann mir schon vorstellen, dass man... Ja, dass die beiden irgendwie eine gute Zeit zusammen haben. Dann schauen wir mal, wie es mit den beiden weitergeht. Die beiden lernen sich ja auch über die Arbeit kennen. Jonah ist Patient in der Praxis, in der Rebecca arbeitet. Sie daten sich und werden ein Paar. Von außen wirkt es für Rebecca fast wie ein Schritt in eine andere Welt. Rein in ein großes Haus, eine Welt der reichen und schön und eine Sommerresidenz am Meer. Jonah besitzt ja auch die Spreckles Mansion auf Coronado, über die wir vorhin schon gesprochen haben. Die Sommer verbringt er mit seiner Familie traditionell genau dort. Ich habe noch gerade einen Gedanken. Sorry, dass ich da gerade reingehe. Es ging jetzt darum, dass sie mit ihm eine neue Welt betritt. Aber sie kommt ja schon eigentlich aus einer relativ wohlhabenden Welt, oder? Ja, aber nicht aus einer mehreren Millionen Umsatzwelt.

Also er ist schon wirklich sehr wohlhabend. Ja, okay. Das ist nochmal wirklich der Nächste. Das ist so, wie wenn wir zu euch zu Gast kommen. Richtig. Das ist auf einmal, kommt man in so eine Multimillionenwelt und das ist auf einmal, das ist einfach ganz anders, ganz anderes Gefühl.

Ja, weiß ich nicht. Okay, also Jonah, der bringt drei Kinder mit in die neue Beziehung. Zwei Teenager aus seiner ersten Ehe und seinen sechs Jahre alten Sohn Max aus zweiter Ehe. Seine zweite Ex-Frau, die lebt ebenfalls auf Coronado, nur wenige Blocks entfernt. Auch nach der Scheidung verbringen Jonah und seine Ex-Frau die Sommer auf der Insel. Rebecca kommt also mitten in diese Patchwork-Familie rein. Rebeccas Schwester Mary meint später, dass es für sie nicht einfach gewesen sei, in dieses Leben hineinzuwachsen. Jonas Teenager hätten sie nämlich nicht akzeptiert. Rebecca habe sich bemüht, dazu zu gehören, sich angepasst, aber trotzdem gespürt, dass sie nicht selbstverständlich willkommen war. Auch das Verhältnis zu Jonas Ex-Frau sei angespannt gewesen. Das sagt nicht nur Rebeccas Schwester Mary, sondern auch Jonah selbst. Während Rebecca also mit den älteren Kindern nicht so gut klarkommt, entsteht jedoch eine sehr enge Bindung zwischen ihr und Jonas' jüngstem Sohn, Max. Rebecca fährt ihn zu Freunden oder zum Sport. Sie liest ihm vor und kocht für ihn. Der kleine Max hängt wirklich sehr an Rebecca und er will zum Beispiel ganz selbstverständlich, dass sich Rebecca morgens um ihn kümmert und auch abends wieder ins Bett bringt und nicht sein Vater.

Mit der Zeit verändert sich Rebeccas Alltag. Sie kündigt im Dezember 2010 ihren Job in der Augenarztpraxis, um mehr Zeit mit Jonah und den Kindern verbringen zu können. Ihr neuer Tagesablauf richtet sich nach Schulzeiten, Sportterminen und der generellen Familienplanung. Laut ihrer Schwester Mary hat sie ihr eigenes Leben ein Stück weit zurückgestellt. Wenn über diesen Fall, über den wir heute sprechen, geschrieben oder online diskutiert wird, dann geht es dabei oft um die Frage, ob Rebecca mit ihrem neuen Leben auch wirklich glücklich gewesen ist. Laut ihrer Schwester hat Rebecca Jonah geliebt, also das soll wohl außer Frage gewesen sein. Aber im Sommer 2011 hat sie wohl auch mal darüber nachgedacht.

Nach den Ferien vielleicht ein bisschen Abstand zu nehmen, wenn sich die Situation mit den Kindern und der Ex-Frau nicht verbessert. Aber dazu wird es nicht mehr kommen. Drei Tage später liegt Rebecca tot unter dem Balkon auf Coronado Island. Zu diesem Zeitpunkt ist auf dem Grundstück ja schon was anderes Schreckliches passiert. Etwas, das alles verändern wird. Zwei Tage bevor Rebecca tot unter dem Balkon liegt, wird auf diesem Grundstück schon einmal der Notruf gewählt. Am 11. Juli 2011. Am Montag. Nur zwei Tage zuvor. An diesem Vormittag ist Rebecca mit dem kleinen Max im Haus. Auch Rebeccas 13-jährige Schwester Sina ist zu Besuch. Jonah hat seine beiden älteren Kinder sofort zum Flughafen gebracht. Sie fliegen zurück zu ihrer Mutter. Danach fährt Jonah ins Fitnessstudio, nur wenige Blocks entfernt.

Max ist ja wie gesagt sechs Jahre alt. Er ist 1,14 Meter groß und knapp 21 Kilo schwer. Er ist ein sehr aktiver Junge, so steht es später in mehreren Quellen. Er hat braunes Haar und ein breites Grinsen auf den meisten Fotos. An diesem Vormittag ist eigentlich alles ganz normal. Rebecca ist gerade im Badezimmer, ihre Schwester Sina in einem anderen Bad und Max, der spielt irgendwo im Haus. Doch plötzlich hört Rebecca ein lautes Geräusch. Sie kann erst nicht genau zuordnen, was genau sie da gehört hat. Vielleicht war es ein lauter Knall. Vielleicht aber auch das Bellen eines Hundes. Rebecca läuft aus dem Bad. Was sie dann sieht, muss ein grauenvoller Anblick sein. Vor ihr liegt Max, im Foyer unterhalb der Treppe. Er liegt leblos neben einem zersplitterten Kronleuchter. Neben ihm liegt sein Roller. Auch mehrere Bälle liegen im Foyer verstreut. Später wird die Polizei mitteilen, dass Max oft im Flur und in der Nähe der Treppe gespielt haben soll. Niemand hat den Sturz über das Geländer beobachtet, nur gehört. Und auch davon haben wir eine Rekonstruktion für euch mitgebracht. Ein Bild, was das Ganze nochmal darstellen soll. Könnt ihr ja auch gerne beschreiben, wenn ihr wollt. Genau, dieses Bild haben die Ermittler sozusagen erstellt, dass man sich das vorstellen kann, was wohl passiert ist. Genau, so eine 3D-Animation.

Das heißt, er hat beim Fallen über das Geländer den Kronleuchter mitgenommen, mitgerissen.

Nochmal, wie alt war der? Sechs. Also schon noch ein kleines Kind. Ja, aber schon auch ein Alter, in dem man weiß, dass man nicht über ein Geländer springen sollte. Oder vielleicht genau das Alter, wo man solche Gedanken hat, ich kann da rüber springen, hui. Wo man genau das austesten will, wa? Genau, also vor allem. Ja, oder die Treppe runterrutschen will, das kann natürlich auch sein. Oder das Geländer, ne? Ja, stimmt, man ist ja eigentlich noch flau in seinem Kopf. Weiß nicht, wie es euch geht. Ich fand, wir hatten auch eine Treppe in unserem Haus und man entwickelt.

Ich weiß nicht, ob das jetzt ein ganz komischer Vergleich ist, aber wie so eine Beziehung zu dieser Treppe. Man kennt nach vielen Jahren jede Stufe, jeden Tritt weiß man, wie man die Treppe hoch und runter rennen kann, was sicher ist etc. Und ja, wie wir gerade schon gesagt haben, war er vielleicht an dem Punkt, dass er Grenzen austesten wollte oder irgendwie was in seinem Kopf Cooles austesten wollte. Und dass dann dieser Kronleuchter, ich meine, wahrscheinlich wäre es auch ohne diesen Kronleuchter sehr gefährlich geworden. Aber das ist natürlich dann nochmal besonders dramatisch und kommt erschwerend hinzu. Ich finde den Vergleich sogar gar nicht mal so komisch. Ich finde den sogar richtig passend. Weil ich kann mir das genauso vorstellen. Die Treppe von meinen Eltern früher, würde ich behaupten, kenne ich auch heute noch komplett auswendig. Man weiß, wo es knarzt. Genau. Wo man sich besonders leise nach oben oder nach unten schleichen kann. Ja, das stimmt natürlich. Ihr habt ja gesagt, im Haus war nur Rebecca und ihre Schwester und der Kleine. Ja. Und von allem, was wir bis jetzt wissen, erscheint es sehr...

Weit weg, dass jemand von den beiden ihn da runtergeschubst hat. Also ich bin dann doch auch gerade eher auf dem Pfad, dass er ein bisschen kindlichen Leichtsinn an den Tag gelegt hat und ich meine so ein Kronleuchter, wenn er auf dieser Höhe hing, kann ja auch wie so ein Pendel benutzt werden. Und vielleicht ist er ja von dem Geländer da dran gekommen schon und hat sich schon festgehalten und dachte sich vielleicht, dass er sich auf die andere Seite schwingt oder so. Das hätte ich jetzt nämlich auch gedacht. Ich meine, also das ist schon hoch, wenn man sich das mal auf der Animation anschaut, aber so krass hoch ist es jetzt auch nicht. Also er war jetzt nicht im vierten Stock und konnte runterschauen.

Aber klar, Kinderlogik. Wahrscheinlich konnte er das so oder so nicht richtig einschätzen. Wobei man auf dem Haus oder wobei man auf dem Foto von dem Haus auch erkennen kann, dass das ziemlich hohe Räume sind. Man sieht ja in der Mitte dieses riesige Fenster. Das wird ja auf halber Höhe gehangen haben und wenn das die Verbindung zwischen den beiden Etagen ist, war das schon ein großer Abschluss. Dann ist es wiederum hoch.

Also das ist der aktuelle Stand. Rebecca, nachdem sie das sieht, was passiert ist, schreit erst mal nach ihrer 13-jährigen Schwester Sina, die noch unter der Dusche steht zu diesem Zeitpunkt. Sina ist auch diejenige, die den Notruf wählt. Rebecca legt Max die Hände auf die Brust und versucht ihn noch irgendwie wiederzubeleben. Sie kann aber keinen Herzschlag spüren. Max atmet nicht. Ein Polizist ist einer der Ersten vor Ort und er beschreibt, wie er vor dem Haus hält, den Hund bellen oder Schreie aus dem Inneren des Hauses hört und Sina ihm dann die Tür öffnet. Der kleine Max liegt immer noch regungslos am Boden und sein Gesicht ist arschfahl. Rebecca kniet neben ihm, weint und wimmert und ruft immer wieder seinen Namen.

Auch im Mitschnitt des Notrufs klingt Rebecca sehr aufgelöst. Zwar ist Sina am Telefon, aber man kann Rebecca im Hintergrund hören. Sie wiederholt immer wieder, Max sei tot. Sie versucht aber weiter, ihn zu reanimieren, bis die Sanitäter übernehmen. Jonah erfährt von Rebecca von dem tragischen Vorfall. Er bekommt den Anruf, während er noch im Fitnessstudio ist. Rebecca ist hysterisch und kaum verständlich. Als er zu Hause eintrifft, bereiten die Sanitäter gerade den Abtransport seines Sohnes vor. Max wird erst ins Sharp Coronado Hospital gebracht und kurze Zeit später ins Rady Children's Hospital in San Diego verlegt. Der Kleine hat schwere Kopfverletzungen, Verletzungen im Gesicht und auch an der Wirbelsäule. Sein Herzschlag und seine Atmung haben zeitweise sogar ganz aufgehört. Max wird daraufhin in ein künstliches Koma versetzt. Nach dem Sturz wird alles genauestens protokolliert.

Im Haus sind nicht nur Polizei und Sanitäter, sondern auch eine Therapeute. Sie beschreibt Rebecca als emotional, traurig und nervös. Aber nicht als apathisch oder depressiv. Sie erkennt auch keine Schuldgefühle. Das ist ein Detail, das später noch sehr wichtig werden wird. Genauso wie das Schicksal von Max. Also, zwischen dem Sturz von Max am 11. Juli und Rebeccas Tod am 13. Juli liegen weniger als 48 Stunden. Wir haben also zwei Notrufe, zwei grauenvolle Ereignisse innerhalb von nur 48 Stunden und alles passiert im selben Haus. Die große Frage ist, ob diese beiden Ereignisse zusammenhängen.

Was glaubt ihr beide zum jetzigen Stand? Also wenn das wirklich in keinem, ich kann mir nicht vorstellen, dass es in keinem Zusammenhang steht, weil das ist ja noch so frisch, dieser Unfall, dass nicht losgelöst davon gesehen werden kann, dass es da möglicherweise zu einem Konflikt kam. Weil wenn sie mit dem Kind alleine war, dann fällt natürlich der erste Verdacht auf sie, dass selbst wenn sie nicht schuld war oder dass sie das Kind nicht über die Reling da geworfen hat, dass selbst wenn sie nicht dafür verantwortlich war, dass das Kind über die Treppe fliegt, dass sie zumindest ihre Aufsichtspflicht da vernachlässigt hat. Und ich sehe da einen Konflikt mit der Ex-Frau schwelen, die natürlich sie da als erstes als Verantwortliche sehen könnte. Die leibliche Mutter von Max, ne? Richtig. Den Gedanken hatte ich auch und dann habe ich aber darüber nachgedacht, dass ihr erzählt habt, wie sie an diesem Balkon hing. Ihr habt ja gesagt, dass so ein rotes Seil in den Raum oben reinführte und das hört sich nach einer ziemlich aufwendigen Konstruktion an. und der Körper war nackt, sie war überall gefesselt. Ich weiß nicht, ob eine Frau körperlich dazu in der Lage ist, das zu machen.

Da hat Lilly was Wahres angesprochen. Ja. Das wird nämlich noch zentraler Bestandteil von dem, was noch kommt. Dann blieben aber ja nur männliche, starke Personen. Also stark im Sinne von Fitnessstudio stark, wie ihr Mann. Aber der liebt sie ja. Und es wäre schon auch krass, wenn er sie dafür bestrafen würde, indem er sie umbringt und am Balkon aufhängen würde. Also ich bin wirklich noch total ratlos. Also ich habe auch das Gefühl, dass es zusammenhängt, weil die Wahrscheinlichkeit, dass das zwei Dinge sind, die wirklich nichts miteinander zu tun haben, ist einfach zu gering. Aber was genau, das hoffe ich, werdet ihr uns verraten. Also ich glaube, wir haben jetzt schon einige interessante Takes gehört. Deswegen würde ich sagen, springen wir jetzt wieder an den Tag, an dem Rebecca vom Balkon geschnitten wird.

Als die Ermittler nämlich an diesem Morgen am 13. Juli 2011 wieder auf diesem Grundstück stehen, Wissen Sie all das schon, was wir euch ja gerade eben erzählt haben? Sie wissen, dass hier vor zwei Tagen ein sechsjähriger Junge lebensgefährlich verletzt wurde. Sie wissen, dass Rebecca zum Zeitpunkt von Macs Unfall die einzige erwachsene Person im Haus war. Sie wissen, dass das Kind zu diesem Zeitpunkt noch im Koma liegt. Und Sie sehen jetzt die 32-jährige Stiefmutter Rebecca. Nackt, gefesselt und tot unter dem Balkon. Diese Szenerie wird von den Beamten erst mal als ungewöhnlich und verdächtig eingestuft. Die Umstände des Todes sind nämlich nicht alltäglich.

Rebeccas gefesselte Hände hinter dem Rücken, die gefesselten Füße und ein Shirt als Knebel um den Hals. Und das alles in einem Haus, das seit zwei Tagen in einem emotionalen Ausnahmezustand steht. Die Ermittler müssen den Ablauf jetzt einmal rekonstruieren. Dazu schauen sie sich zuerst die Stunden vor Rebeccas Tod an. Am Tag nach Max Sturz und vor Rebeccas Tod am Dienstag, dem 12. Juli 2011, ist das Haus wieder ziemlich leer. Rebeccas jüngere Schwester Sina fliegt zurück zur Familie nach Missouri. Rebecca bringt sie selbst zum Flughafen. Dort holt sie wiederum Adam ab, Jonas Bruder, der aus Tennessee anreist, um die Familie nach Max Sturz zu unterstützen. Adam ist also erst seit wenigen Stunden auf Coronado, als Rebecca stirbt. Ihr wisst ja schon vom Anfang der Folge, dass Adam derjenige ist, der Rebecca finden wird. Das wird später auch noch wichtig. Und deswegen haben wir uns gedacht, zeigen wir euch auch noch ein Foto von Adam. Der hat nicht gut geschlafen, der Mann. Das ist mein erster Einblick. Ja, aber seit Wochen.

Und da war, glaube ich, auch der ein oder andere Margarita zu viel. Also, ja, rote Augen, sitzt neben zwei anderen Personen, dreht sich aber zu uns ins Bild, hat so leicht hochgegelte Haare vorne. Ja, aber wie Lady schon gesagt hat, Also er sieht vor allem in erster Linie fertig aus, muss man ganz klar sagen. Ich finde, er sieht seinem Bruder auch relativ ähnlich, nur minus Botox. Richtig. Ja. Ja, die Mundpartie ist relativ ähnlich. Okay, mit der Beschreibung können wir, glaube ich, erstmal weitermachen. Die wichtigsten Personen kennt ihr jetzt auch schon. Am Dienstagabend gehen also Rebecca, ihr Partner Jonah und Adam gemeinsam essen. Jonah verbringt die meiste Zeit im Krankenhaus bei Max, der ja im Koma liegt. Und Max' Mutter, also Jonas' Ex-Frau, sind ebenfalls dort im Krankenhaus. Die Situation zwischen Rebecca und der Ex-Frau ist ja logischerweise eher angespannt. Das haben wir euch ja schon erzählt und vor allem jetzt nach dem Unfall ja nochmal mehr. Auch das ist ein wichtiges Detail für später. Nach dem Abendessen fahren Rebecca und Adam zurück zur Mansion. Jonah bleibt im Krankenhaus. Das bedeutet, dass in der Nacht von Rebeccas Tod nur zwei Personen auf dem Grundstück sind. Adam schläft im Gästehaus und Rebecca im Haupthaus.

Lilly hat eine erste Idee. Sie hing ja vom Gästehaus, aber sie hat im anderen Haus geschlafen. Okay, ja, das macht natürlich Adam jetzt gerade wahnsinnig verdächtig. Die Frage ist nur, warum? Und Adam hat sie ja auch freigeschnitten. Was heißt auch, aber Adam hat sie freigeschnitten. Da muss ich auch sagen, als ihr das Intro vorgetragen habt, habe ich mich darüber gewundert, dass er reingelaufen ist, was zum Schneiden geholt hat und sie von unten freigeschnitten hat. Weil mein erster Impuls wäre, aus irgendeinem Grund nach oben zu laufen und irgendwie von oben zu helfen. Ich fand das... Ja, sicher, weil... Und sie wieder hochzuziehen quasi? Achso, okay, hochzuziehen, gut, weil ich wollte gerade sagen, weil sonst fällt sie ja runter im Zweifel. Falls es dann... Ja, ja, genau. Also hochzuziehen, ja. Ja. Aber, was weiß ich.

Hab noch nie jemanden von einem Balkon runterhängen sehen und war in dieser Situation, aber ich fand den Weg ein bisschen komisch. Ja, schauen wir mal. Schauen wir mal. Bevor die beiden sich jedenfalls gute Nacht sagen, bietet Adam ihr noch an, mit ihm zu sprechen. Falls Rebecca jemanden zum Reden brauchen sollte. Dann zieht sich Adam zurück. Er telefoniert noch mit seiner Freundin, nimmt ein Schlafmittel und legt sich ins Bett. So steht es in seiner Aussage bei der Polizei. Rebecca ist jetzt allein im großen Haupthaus. Die Ermittler sichern in den folgenden Tagen die Daten ihres Handys. Sie rekonstruieren, mit wem sie am Abend noch Kontakt hatte. Gegen 19.51 Uhr schreibt Rebecca ihrem Freund Jonah eine Nachricht. Sie hat Max kleines Stoffäffchen im Krankenhaus abgegeben und schreibt ihm, Ich liebe dich so sehr. Max wird das schaffen. Ihr beide seid ständig in meinem Herzen. Jonah antwortet kurz, danke Baby. Es ist der letzte Austausch zwischen den beiden. Zwischen 20 und 22 Uhr telefoniert und schreibt Rebecca noch mit ihrer Schwester Mary. Mary berichtet ihr, dass ihre kleine Schwester Sina wieder gut zu Hause angekommen sei. Sie sprechen über Max und über die Untersuchung am nächsten Tag im Krankenhaus.

Sie sprechen auch über den 80. Geburtstag ihres Vaters, der bald ansteht. Rebecca wirkt ganz normal. Sie erzählt, dass sie am nächsten Morgen früh raus muss, Frühstück für Jonah machen und dass sie sich noch bei ihrer Mutter melden will. Es sind keine Abschiedsworte, sondern Gespräche über das, was noch kommen wird.

Um 21.42 Uhr schreibt Rebecca eine Nachricht. Darin steht, ich kann das nicht glauben. Es ist wie ein Albtraum. Und teilweise ist es schwer für mich, weil ich Max liebe wie mein eigenes Kind. Aber er ist es nicht und ich muss stark sein für Jonah. Das zeigt, wie zerrissen sich Rebecca gefühlt haben muss und welche Verantwortung sie trägt. Sie will für ihren Partner Jonah da sein. Eine Stunde und sechs Minuten später, um 22.48 Uhr, bekommt Rebecca eine Nachricht. Sie antwortet darauf aber nicht mehr. Von wem diese Nachricht kommt, das erzählen wir euch gleich. Gute zwei Stunden später, also gegen 0.50 Uhr, hört Rebecca ihre Mailbox ab. Laut den Ermittlern bekommt sie eine Nachricht über den Zustand von dem kleinen Max, der sich offenbar verschlechtert hat. Wer genau diese Nachricht hinterlassen hat, wird offiziell nicht bestätigt, Aber Rebeccas Schwester Mary verrät der Presse, dass es Jonah war. Rebecca löscht diese Nachricht aber. Sie kann nicht wiederhergestellt werden. Das heißt, niemand kann genau sagen, was Rebecca da abgehört hat. Das wissen wir eben nur, weil Mary das der Presse gesagt hat.

Danach gibt es keine weiteren Anrufe oder Nachrichten. Laut den Verbindungsdaten von Rebeccas Handy ist das Abhören der Mailbox gegen 0.50 Uhr das letzte eindeutige Lebenszeichen. Was danach im Haus passiert, das weiß niemand.

Jonas' Bruder Adam schläft währenddessen im Gästehaus. In der Nacht habe er nichts gehört. Keine Schritte, Schreie oder ungewöhnlichen Geräusche. Kurz vor 7 Uhr morgens, am 13. Juli 2011, steht er auf. Er läuft vom Gästehaus in Richtung Haupthaus. Den Ablauf kennt ihr schon vom Anfang dieser Folge. Innenhof, Garten, Terrasse. Der Blick nach oben, der Balkon und die tote Rebecca.

Um 6.48 Uhr wählt Adam den Notruf. Das bedeutet, zwischen 0.50 Uhr, dem letzten dokumentierten Handysignal, und 6.48 Uhr, dem Notruf, liegen fast sechs Stunden. Sechs Stunden, in denen niemand weiß, was sich im Haupthaus zugetragen hat. Als die Ermittler diese Zeitleiste erstellen, ist genau das der Punkt, der sie beschäftigt. Deshalb gehen sie zurück ins Gästezimmer im ersten Stock, in den Raum, von dem das rote Seil nach draußen auf den Balkon führt. Dort beginnt der nächste Teil der Rekonstruktion. Und was sie dort finden, fühlt sich nicht wie ein normaler Tatort an, falls es sowas überhaupt gibt. Das rote Seil vom Balkon endet nicht einfach irgendwo. Es ist im Zimmer am Fußende des Bettes befestigt, unten am Bettgestell. Das Seil ist Teil eines mehr oder weniger professionellen Aufbaus. Und auch davon haben wir euch jetzt zwei Bilder mitgebracht. Nämlich einmal ein Bild von dem Balkon und einmal so eine Zeichnung von dem Zimmer, wo man auch sieht, wo das festgemacht wurde. Genau, und ich würde sagen, wir starten erstmal mit dem Balkon. Genau. Das ist das echte Seil, das ist keine Rekonstruktion, was wir dort sehen. Das ist sehr dünn, das war gerade mein erster Gedanke.

Das ist ein sehr, sehr dünnes Seil. Und ich zoome hier gerade mal ran, das ist scheinbar auch so ein Plastik-Kunststoffseil, wie man das von Baustellen vielleicht kennt. Kann das sein? Das sieht nicht sehr robust aus, ne? Mhm. Und wie war sie an diesem Saal befestigt? Das war um den Heiz. Und die Gliedmaßen waren wiederum auch gefesselt. Und T-Shirt noch im Mund. Ganz weird. Ich meine, so viel lässt sich über den... Oder wolltest du gerade noch was zum Balkon sagen, Flo? Weil sonst würde ich sagen... Nee, ich bin bei der Zeichnung. Genau, sonst könnten wir uns vielleicht jetzt die Zeichnung mal genauer angucken. Da fällt mir als erstes auf, dass da von einem Pinsel und einer roten Farbe die Rede ist. Von einer Paint Tube, also von einer Farbtube. Sehr gut gesehen, ja. Und das ist ja schon erstmal, passt irgendwie gerade nicht so in das ganze Bild. Warum wurde da gemalt? Wer wurde da wie angemalt? Was sollte da angemalt werden? Und das ist ja auch das Gästezimmer, in dem eigentlich keiner wohnt zu dem Zeitpunkt, der malen würde, oder? Da haben wir auch gleich noch ein Bild für euch, aber das würde jetzt zu weit führen in dem Moment. Genau, was seht ihr noch? Ganz rechts unten vielleicht auf dem Bild. Was liegt da noch auf dem Boden? Ein Handtuch? Ja, liegt da noch? Ein Messer, ein Plastikbeutel, ein Messer und was die 27, wenn man das doch hier alles fein beschreibt. Achso, zwei Messer, sind zwei Messer, okay.

Gut, Messer bräuchte man natürlich, um das Seil zu schneiden. Könnt ihr uns noch beschreiben, wo das rote Seil befestigt ist? Wie so eine Lehrerin.

Ja, also der Raum ist relativ schmal. Der ist so breit wie ein Doppelbett, nehme ich an. Und dann daneben noch zwei Nachttische. Und das Bett steht am anderen Ende des Raumes, also gegenüber vom Balkon. Das heißt, das Seil, was von draußen reinkommt, läuft einmal durch den kompletten Raum durch und ist dann unten...

Rechts aus unserer Sicht am Fuße des Bettes befestigt. Und das Bett sieht aus wie so ein Metallbett, wie so dieses weiße Schnörkelbett, was früher fast jedes Girl im Kindesimmer stehen hatte. Was ich übrigens auch interessant finde auf dem Bild, auf dieser Zeichnung, dass das Bett ja jetzt sich nicht großartig bewegt hat, obwohl sie ja da ihre ganzen Körperlast drangehangen hat. Ja, stimmt. Und eine Frage habe ich noch. Wenn man so eine Mansion besitzt, da installiert man doch Überwachungskameras. Sollte man meinen, ja. Da gab es keine Überwachungskameras? Und die gab es auch nie? Die gab es auch nie, soweit wir wissen. Zumindest wurden sie nicht erwähnt, dass es welche gab und das Material vielleicht nicht zur Verfügung stand, weil das wäre ja schon was sehr Auffälliges. Deswegen müssen wir davon ausgehen, dass es gar nicht erst welche gab. Vielleicht hat Jauna seine Privatsphäre höher gewichtet als den Sicherheitsaspekt. Und es ist ja auch eine Insel, wir erinnern uns, auf der bisher eigentlich nichts passiert ist, außer dass mal so ein Fahrrad geklaut wurde. Ja.

Ich glaube, viel mehr sieht man auch auf dem Bild gar nicht, aber Patrick sagt trotzdem noch mal kurz was zu den Gegenständen. Auf dem Zimmerboden liegen Gegenstände, die sofort herausstechen, weil sie nicht so wirken, als wären sie zufällig dort gelandet. Das habt ihr ja auch schon gesagt. Zwei Pinsel, einer davon mit schwarzer Farbe und eine Tube mit schwarzer Farbe. Sie liegt unter einer Plastiktüte vor dem Bett und in den Unterlagen tauchen außerdem zwei Küchenmesser auf. Ein größeres und ein kleineres. Sie liegen auf dem Teppich in der Nähe des Betts. Auf dem Boden liegt außerdem noch ein Handtuch. Und es gibt Blutspuren auf dem Teppich. Es ist Blut, das später Rebecca zugeordnet wird. In Berichten wird dabei auch von Menstruationsblut gesprochen. Dann ist da noch dieser merkwürdige Satz, der auf die Zimmertür geschrieben wurde. Und das ist auch das letzte Bild für heute. Und da würden wir euch mal bitten vorzulesen, was wurde denn da an die Tür gemalt oder geschrieben? Könnt ihr das überhaupt lesen, ist die Frage. Ist ja auch ein bisschen verkrakelt. Ja, das ist dramatisch. She saved him, can you save her? Also sie hat ihn gerettet, kannst du sie retten? Ja.

Mir läuft es gerade richtig kalt den Rücken runter. Das ist wirklich, das ist ja wie im Film. Auch wie das an die Tür gemalt ist, es sieht aus, als hätte das jemand sehr hektisch in Eile schnell nach dran gekritzelt. Und es ist schwarze Farbe. Ich dachte gerade, die Farbe, die wir auf dem Boden gesehen haben, war rote Farbe. Nee, da hast du Patrick nicht richtig zugehört, Florian. Nein, nein, das war schwarze Farbe, genau. Aber was meint ihr, wer könnte damit gemeint sein? Und wer hat es geschrieben? Also mein Impuls war, dass dieser Satz von der Ex-Partnerin von Jonah kommen könnte. Die meint, dass Rebecca Max offiziell gerettet hat, weil sie ihn ja gefunden hat und dafür gesorgt hat, dass er ins Krankenhaus eingeliefert wird. Jetzt hatte Rebecca einen Unfall in Anführungszeichen und jetzt ist die Frage, ob du, Jonah, sie retten kannst. So habe ich das jetzt interpretiert. Boah, das ist schon echt twisted. Also ich würde mich da anschließen. Ich würde mich da der Theorie von Lilly anschließen, aber das ist schon wirklich.

Also wenn das so ist, das ist schon, also ich finde es ganz schlimm, ich will da gerade gar nicht so viel weiterdenken, aber ich sehe gerade auch keine andere Erklärung. Es ist ja eh schon super dramatisch, was sich hier in den letzten 48 Stunden zugetragen hat. Aber ich finde, diese Schrift an der Tür setzt dem Ganzen irgendwie nochmal so die Krone auf. Ja, das ist so eine Markierung von offensichtlich einer Person, die jemanden ermordet hat. Die hat einfach an die Tür geschrieben. Ich finde, das hat sowas, was man von Horrorgeschichten kennt, die man sich früher erzählt hat, wenn man auf dem Kindergeburtstag war und nicht einschlafen sollte. Spricht der Text eurer Meinung nach für eine gewisse Person, über die wir heute schon gesprochen haben? Oder sagt ihr, kann man eigentlich noch gar nicht so genau sagen? Also das Motiv hätte, auch wenn ich das nicht nachvollziehen kann, aber hätte die Ex-Frau, die sauer auf Rebecca ist, weil sie nicht aufgepasst hat auf Max. Ja. Was nicht heißt, dass man Rebecca dafür töten muss, natürlich nicht. Adam wiederum hat ja eigentlich kein Motiv. also es ist zwar sein Neffe und.

Ja, wohl hat man auch ein Motiv. Aber wir haben noch nicht so viel über Adam und die Beziehung zu Max gelernt, als dass ich jetzt sagen könnte, das ist sein Lieblingsneffe und die waren so eng und wie Pech und Schwefel und nichts konnte sie auseinanderreißen und sein Herz ist zerbrochen, weil Max im Koma liegt. Aber ich würde auf jeden Fall hier schon mal festhalten, ich weiß nicht, was du vielleicht auch gleich noch sagen willst, Flo, aber ihr würdet eher davon ausgehen, dass jemand anderes das war, nicht sie selbst. Ach so, das wäre ja auch eine Option. Genau, oder wolltest du gerade noch was dazu sagen, Flo? Nee, ich glaube, alles, was ich jetzt gesagt hätte, würde einfach noch mehr in Spekulationen abführen. Dass sie das selber war, ich sehe es gerade nicht. Okay.

Übrigens haben wir alle Bilder, die wir Flo und Lilly gezeigt haben, auch in entsprechender Reihenfolge in den Shownotes verlinkt. Dann können alle, die uns zuhören, da auch parallel immer mit reinschauen. Leider müssen wir euch sagen, dass niemand bis heute wirklich sagen kann, was dieser Satz überhaupt bedeuten soll. Rebeccas Schwester Mary, die äußert sich wie folgt dazu. Sie sagt, ich habe keine Ahnung, was das bedeuten soll. Ich weiß nur, das ist nicht meine Schwester. Und meine Schwester ist sehr künstlerisch. Wenn sie eine Botschaft an die Welt hätte, dann wären es nicht diese zwei Zeilen. Und es ist auch nicht ihre Handschrift. Das passt ja wiederum zu dem, was Flo gerade gesagt hat, dass er auch nicht glaubt, dass das Rebecca war. Auch Rebeccas erster Mann, ihr Ex-Mann Neil, findet, dass diese Zeilen nicht nach etwas klingen, was Rebecca geschrieben hätte. Es gibt aber noch mehr Spuren am Tatort. Zum Beispiel auf dem Balkon. In den Polizeiakten wird beschrieben, dass der Boden auf dem Balkon sehr schmutzig ist und dass sich darin zwei Abdrücke von nackten Füßen erkennen lassen. Die Ermittler vermuten, es sind Rebeccas, aufgrund der Größe und dem Dreck darunter.

Außerdem werden weitere Abdrücke in der Nähe des Geländers dokumentiert. Zehn Abdrücke, die zu jemandem passen könnten, der nach vorne über das Geländer kippt oder sich darüber beugt. Es gibt auch noch einen Schuhabdruck, aber da stellt sich relativ schnell heraus, dass das der Stiefel eines Polizisten war. Auch am Geländer selbst und an der Stelle, an der Rebekka hing, dokumentieren die Ermittler Auffälligkeiten. Nämlich verwischter Dreck am Geländer, der in Breite und Höhe zu Rebeccas Körper und dem Seil passen. Und während im Haus fotografiert, alles verpackt und protokolliert wird, beginnt parallel die zweite Spurensicherung.

Nämlich an Rebeccas Körper selbst. Forensische Tests, toxikologische Untersuchungen und die Autopsie, das ganze Programm.

Während die Spurensicherung noch mit dem Balkon beschäftigt ist, wird Rebecca ins Gerichtsmedizinische Institut gebracht. Am 14. Juli 2011 findet die Autopsie statt. Die Gerichtsmedizin hält erstmal fest, was von außen sichtbar ist. Rebecca hat an einem Seil gehangen, das von einem kleinen Balkon im ersten Stock führte. In den Unterlagen ist von einem sogenannten Long Drop die Rede, mit ungefähr 2,70 Meter Fallhöhe. Um ihren Hals gibt es eine deutliche Strangmarke, passend zu dem Seil. Es werden typische Befunde dokumentiert, die beim Erhängen vorkommen können. Punktförmige Einblutungen im Bereich der Augen und im Mundraum, außerdem Brüche am linken Anteil des Zungenbeins, am Schildknorpel und am Ringknorpel des Kehlkopfes. Rebecca hat auch weitere Verletzungen am Körper, nämlich Schürfungen und Prellungen am Rücken und an den Armen und Beinen. Und sie hat vier Verletzungen im Kopfbereich. Der zuständige Gerichtsmediziner schreibt in seinem Bericht, dass sie sich beim Herunterfallen den Kopf am Balkon gestoßen haben könnte. Für die Ermittler ist das eine plausible Erklärung, für andere aber nicht. Aber dazu kommen wir noch. Interessant ist auch, dass man Rebeccas rechte Hand relativ leicht aus dem Seil lösen konnte. Sie war also nicht sehr fest gefesselt. Im Autopsiebericht steht auch, dass es keinen Hinweis auf sexuelle Gewalt gibt.

In der toxikologischen Untersuchung werden kein Alkohol oder andere Drogen vermerkt. Und auch die Fallhöhe vom Balkon wird im Bericht bewertet. Rebeccas Verletzungen passen laut Gerichtsmedizin zu einem Tod durch Erhängen. Das ist auch die offizielle Todesursache, die am Ende im Bericht steht. Parallel zur Autopsie werden die Spuren aus dem Gästezimmer im Labor ausgewertet. Das rote Seil wird untersucht, die Bettpfosten, die Pinsel, die Farbtube und die Messer. Nach Angaben des Sheriff's Department wird auf den relevanten Gegenständen keine fremde DNA festgestellt. Laut Bericht wird am kleineren Messer nur Rebeccas DNA festgestellt. Beim größeren Messer ist das weniger eindeutig. Es wird von einer Mischspur gesprochen, also DNA von mindestens zwei Personen. Allerdings ist die Menge zu gering, um daraus ein Profil zu ziehen. An Seil und Bettgestell gibt es ausschließlich Rebeccas DNA. Auch im Bereich des Balkons gibt es keine Hinweise auf eine fremde Person.

Ich meine, wir haben vorhin ja auch schon darüber gesprochen, als wir euch die Bilder gezeigt haben von dem Balkon und von dem Zimmer, was es eher sein könnte, Suizid oder Verbrechen. Nach allem, was ihr jetzt gehört habt, habt ihr jetzt vielleicht eine Tendenz, eher Suizid oder Verbrechen. Bisher waren wir eher pro Verbrechen, habe ich das Gefühl. Bis jetzt war ich 100% bei, es war ein Verbrechen, aber nach all dem, was ihr jetzt vorgetragen habt, klingt es nach Selbsttötung.

Und diese Hinterlassenschaften und diese scheinbar random auf dem Boden liegenden Dinge würden auch dafür sprechen, dass keine andere Person da war, die Spuren verwischen will oder beseitigen möchte vielmehr, weil sie ja sonst vielleicht die Messer oder die Farbe mitgenommen hätte. Aber es ist richtig schwierig, ne? Ja, der Gedanke an sie ist so über diesen Unfall verzweifelt. Ja. Dass sie das macht, den kann ich auch noch nicht so ganz zulassen. Ich glaube, ich kann ihn schon zulassen. Ich finde ihn allerdings sehr traurig und dramatisch. Also, dass sie in diese, wie gesagt, Patchwork-Familie hereingekommen ist und einmal auf dieses junge Leben nicht aufgepasst hat und sich danach innerhalb kürzester Zeit in so eine Spirale bewegt, das ist, also wenn wir zu diesem Schluss kommen, das ist sehr, sehr traurig, sehr, sehr traurig und dramatisch. Und sie ist ja auch allein mit ihrem Gefühl, weil sie nach dem Abendessen ja nach Hause gefahren ist und Jonah im Krankenhaus geblieben ist, verständlicherweise auch, aber sie war allein mit ihrem Gefühl und ihrem wahrscheinlich, ich habe versagt und ich bin meiner Pflicht nicht nachgekommen und ich weiß nicht, ob dieser Junge überlebt. Ich kann mir vorstellen, dass das sehr schwer zu ertragen ist. Und mir ist gerade eingefallen, ihr habt vorhin noch von einer Nachricht erzählt, die sie bekommen hat. Vielleicht stand da auch drin, du bist schuld an allem und du solltest sterben oder irgendwie sowas, was ihr...

Das Gefühl vermittelt hat, sie ist eh nicht mehr gern gesehen in diesem Haus und hat vielleicht keine Zukunft mehr gesehen. Ja, ich glaube, niemand kann sich in jemanden reinversetzen, der sich entscheidet, sein eigenes Leben zu beenden. Wir haben ja auch erzählt, dass Rebecca vor allem mit ihrer Schwester Mary aber auch Pläne geschmiedet hat. Also zum 80. Geburtstag des Papas und am nächsten Morgen möchte sie Frühstück machen. Also da, finde ich, fragt man sich auch, okay, würde jemand aber noch solche Themen ansprechen, wenn er eigentlich gleich vorhat, sich das Leben zu nehmen.

Aber ja, es gibt viele Dinge, die uns alle, glaube ich, dazu bewegen, hin und her in verschiedene Richtungen zu denken. Und ja, auch der nachfolgende Teil der Folge macht es nicht besser, er macht es vielleicht sogar noch komplizierter. Aber ja, lasst uns noch die restlichen Teile dieses Falls hier besprechen. Ich möchte an der Stelle nochmal ganz kurz zusammenfassen, denn wir erinnern uns, Rebecca wird ja komplett nackt vorgefunden. Die Hände waren hinter ihrem Rücken gefesselt und auch die Füße waren verbunden. Denn dieses Seil führt vom Bett, also ans Bett gebunden über den Balkon. Plus diese kryptische, seltsame Nachricht an der Tür. Und da fragen sich nicht nur wir, sondern auch die Beamten damals, okay, kann sich ein Mensch denn unter diesen Umständen überhaupt selbst das Leben nehmen? Oder würde die Person das überhaupt machen? So, ich nenne es jetzt mal flapsig, so dramatisch, so gefesselt. Weil die Polizei findet das alles ziemlich merkwürdig. Also ist die Frage, kann jemand seine eigenen Handgelenke so binden, dass sie am Ende hinter dem Rücken gefesselt sind? Genau das wollen die Ermittler dann auch herausfinden. Im September 2011 präsentiert das Sheriff's Department der Öffentlichkeit ein Video. Eine Art Demonstration. Im Video sieht man eine Frau von Rebeccas Statur, die ein Seil mehrfach um ihre Handgelenke wickelt.

Erstmal vor dem Körper. Sie bindet eine Art zuziehbaren Knoten. Dann löst sie eine Hand aus der Schlaufe, nimmt beide Hände hinter den Rücken und zieht die Hand wieder in die Bindung hinein. Mit einer zusätzlichen Schnur wird das dann alles festgezogen. Ja, und laut den Ermittlern braucht man für diese Technik keine Expertin zu sein. Die Polizei betont dabei besonders ein Detail. Nämlich als Rebecca gefunden wurde, da hielt sie ja noch ein dünnes Stück dieser sogenannten Zuziehschnur in der Hand, also genau das Seil, mit dem die Bindung festgezogen wird. Für die Ermittler ist das ein zentraler Punkt, denn er soll zeigen, dass Rebecca das alles wirklich selbst gemacht haben könnte. Wenn Rebecca sich selbst gefesselt hat, stellt sich dann aber zwangsläufig die Frage nach dem Warum. Warum?

Laut Polizei gibt es dokumentierte Fälle, in denen Menschen vor einem Suizid zusätzlich Hände oder Füße fesseln. Das würde nämlich verhindern, dass man reflexartig nach dem Seil greift oder versucht, sich wieder hochzuziehen. Da fällt mir gerade eine, nicht Situation, aber eine Feststellung, nenne ich es jetzt mal ein, weil ich ja selber gerade gesagt habe, okay, warum sollte sich jemand fesseln und knebeln und sich dann vom Balkon stürzen? Das ergibt ja gar keinen Sinn. Und da fiel mir gerade ein, dass Leute, die sich im Meer ertränken wollen, ganz oft ihre Schuhe ausziehen. Und ich finde, da denkt man auf den ersten Blick ja auch, warum?

Soviel dazu, dass es manchmal vielleicht doch Kuriositäten gibt, die für die Person in dem Moment total Sinn ergibt und für alle Unbeteiligten so, hä, why? Aber gut, die große Frage, die ja hier bleibt, ist, warum? Also das Motiv, was ist das Motiv? Und hier rückt Jonas Sohn Max in den Mittelpunkt.

Rebecca war ja die einzige erwachsene Person im Haus, als der sechsjährige Junge im Foyer die Treppe runtergestürzt ist. Und auch wenn dieser Sturz als Unfall eingestuft wird, ändert das ja nichts daran, dass das unter Rebeccas Aufsicht passiert ist. Max liegt zu diesem Zeitpunkt noch im Koma, also zu dem Zeitpunkt, an dem Rebecca stirbt. Und sie weiß, dass sein Zustand sich in der Nacht vom 12. Auf den 13. Juli weiter verschlechtert hat. Sie hat ja kurz nach Mitternacht ihre Mailbox abgehört, in der es wohl um Max' kritischen Zustand ging. Das hat ja ihre Schwester Mary der Presse erzählt. und für die Ermittler könnte das ein Wendepunkt gewesen sein. Jonah sagt dazu etwas in einem Interview mit ABC News. Er sagt, alles, woran ich denken kann, ist, dass Rebecca gesehen hat, was passiert ist und sich in gewisser Weise verantwortlich fühlte. Nicht, dass sie etwas getan hätte, aber sie war mit Max betraut. Und das war vielleicht zu viel. In einer polizeilichen Vernehmung spricht er auch von Rebeccas asiatischem Hintergrund und davon, dass Verantwortung dort anders empfunden werde. Also das, was Flo vorhin angesprochen hat, dass das hier gegebenenfalls nochmal deutlich schwerer wiegt.

Rebeccas Partner Jonah denkt, dass sie sich verantwortlich gefühlt habe. Damit kommt eine Theorie ins Spiel, die später viel diskutiert wird, nämlich Scham. Ein Psychologe erklärt in einer Dokumentation zum Fall, dass in vielen asiatisch geprägten Kulturen das Konzept von Ehre und Gesichtsverlust tief verankert sei. Nicht nur das eigene Scheitern, sondern auch das Gefühl, andere enttäuscht zu haben, könne enormen Druck erzeugen. Der Psychologe beschreibt es so. Wenn jemand glaubt, er habe Schande über sich oder andere gebracht, könne der Wunsch entstehen, diese Schande auszulöschen. Wenn man das auf Rebecca überträgt, ergibt sich aus Sicht der Ermittler folgendes Bild. Ein Kind wird unter Rebeccas Aufsicht schwer verletzt. Die Familie steht unter Schock. Die Beziehung zu Jonah war ohnehin angespannt. Und nun droht auch noch der Tod von Max. Diese Gedankenkette führt schließlich zu einer offiziellen Entscheidung.

Am 2. September 2011, sieben Wochen nach Rebeccas Tod, tritt das San Diego County Sheriff's Department vor die Presse. Sie geben bekannt, dass Rebeccas Tod als Suizid eingestuft wird. Und leider gibt es auch aus dem Krankenhaus keine guten Nachrichten, denn der Zustand von Max wird nicht besser. Drei Tage nach Rebeccas Tod, am 16. Juli 2011, erliegt der kleine Max den Folgen seiner Verletzung durch Sauerstoffmangel. Ein unfassbarer Schlag und, ja, härtester Moment für die ganze Familie. Seine Organe werden dann übrigens drei anderen Kindern gespendet. Macks Sturz wird als Unfall eingestuft. In beiden Fällen gäbe es keine Hinweise auf Fremdverschulden. Sheriff Bill Gore sagt bei dieser Pressekonferenz einen Satz, der später oft in Zeitungen und Dokus auftaucht. Er verkündet, die Wissenschaft ist unser bester Zeuge in diesem Fall. Sie ist nicht voreingenommen und sie lügt nicht. Ganz dramatisch, ganz traurig für die ganze Familie und ihr habt uns ja am Anfang gefragt, gibt es da einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Fällen und wie stehen die in Verbindung und klar gibt es jetzt so einen direkten Zusammenhang scheinbar. Ich meine, wir müssen das ja jetzt erst so annehmen und hinnehmen, wenn das das offizielle Ergebnis der Untersuchung ist.

Gleichzeitig denkt man natürlich, dass, oder vielleicht denken wir das dann auch schnell, weil wir uns in diesem Kosmos oft bewegen und viele Fälle untersuchen, dass es da einen aktiven Zusammenhang geben muss. Und das ist dann so ein Dramat. Ich finde es einfach ganz traurig, weil das irgendwie zeigt, wie sehr sie an dieser Familie hing oder auch in der Familie verankert war, obwohl es nicht ihre Familie war. Ja, noch relativ frisch mit drin war in diesem Familienkonstrukt, aber wie sehr sie das mitgenommen hat, wie sehr sie an dem Kind hing, wie sehr sie wahrscheinlich auch an der Beziehung hing und man kann nur hoffen, dass irgendwie alle in der Familie da ihren Frieden gefunden haben mit der Situation und also mit beiden Todesfällen.

Besonders mit Max kam sie ja auch sehr gut klar. Also mit den anderen Kindern, das hatten wir vorhin ja auch gesagt, die hatten sie ja nicht so richtig akzeptiert und dann verliert sie auch noch oder droht sie Max zu verlieren durch eigenes Verschulden. Dass die Kinder sie nicht akzeptiert haben, ist sozusagen das eine, aber man merkt, dass in ihr irgendwie so viel Liebe steckte. Ich glaube, dazu kann man auch weiter gar nichts sagen, weil es einfach so krass dramatisch ist, diese Kette, die da ja irgendwie ausgelöst wurde durch den vermeintlichen Unfall. Laut den Ermittlern ist in der Nacht auf den 13. Juli 2011 also Folgendes passiert. Rebecca habe sich entkleidet und mit schwarzer Farbe dann diese Nachricht an die Tür geschrieben. Sie habe dann ein Stück des roten Seils am Bett befestigt, um ihre Füße gebunden und das Shirt sowie das Seil um ihren Hals gelegt. Dabei habe sie ihre Hände hinter dem Rücken gefesselt und sei auf den Balkon gegangen. Sie habe sich nach vorne über das Geländer gelehnt, bis sie gefallen ist. Die Polizei betont nochmal, dass es keine fremde DNA gibt, keine Einbruchsspuren und keine Hinweise auf einen Kampf.

Dafür gibt es aber Verletzungen, die mit einem Sturz und Erhängen vereinbar sind und eine Fesselung, die technisch selbst möglich ist. Für die Behörden ergibt sich daraus ein geschlossenes Bild und damit ist der Fall zumindest aus offizieller Sicht abgeschlossen. Für andere Menschen ist dieser Fall aber nicht abgeschlossen. Denn selbst wenn etwas technisch möglich ist, bleibt doch aber die Frage, ob das denn auch die einzig plausible Erklärung ist. Für Rebeccas Familie ist das jedenfalls alles nicht glaubwürdig. In Missouri sitzt Rebeccas Mutter vor Journalisten und erklärt, dass sie das alles nicht akzeptieren kann. Sie fragt, warum man so schnell zu diesem Ergebnis mit Suizid komme. Ihre Familie sei keine reiche Familie. Sie könne sich keine eigenen Ermittler leisten. Aber sie wissen sicher, dass sich Rebeccas nicht das Leben genommen habe. Und schon gar nicht auf diese Weise. Nicht nackt, gefesselt und so öffentlich sichtbar. Auch für Rebeccas Schwester Mary passt das nicht zu ihrem Telefonat vom Abend zuvor. Rebecca hat ja Pläne gehabt. Sie wollte ins Krankenhaus, wollte ihrem Partner Jonah etwas zu Essen machen und wollte ihre Mutter auf dem Weg dorthin anrufen. Sie wollte noch Mary schreiben. Für Mary klingt das nicht nach jemandem, der in wenigen Stunden sterben will. Auch Rebeccas Ex-Mann Neil äußert öffentlich Zweifel.

Während die Familie also versucht, Antworten zu bekommen, entwickelt sich der Fall in der Presse zu einer großen Story. Die Bilder vom Haus, vom Balkon und von der Nachricht an der Tür gehen durch nationale und internationale Medien. Und fast überall taucht dieselbe Reaktion auf. Diese Art von Suizid ist mehr als außergewöhnlich. Sogar auf die Wirtschaft hat der Fall Auswirkungen. Am Tag nach Rebeccas Tod erlebt das Unternehmen von Jonah nämlich einen deutlichen Kursverlust.

Nach dem offiziellen Statement der Polizei gibt es viel Kritik in der Presse. Viele schreiben, dass sie die Schlussfolgerung der Polizei nicht überzeugend finden. Es gibt aber auch andere, die davor warnen, aus einem ungewöhnlichen Suizid automatisch ein Verbrechen zu machen. Ein prominenter Strafverteidiger schreibt, wenn es Mord gewesen sein soll, müsse der Täter nahezu spurlos und perfekt gearbeitet haben. Nämlich ohne DNA und Spuren. Der Strafverteidiger meint, man solle aufhören, aus Spekulation Tatsachen zu machen. Es gibt jetzt also zwei Seiten. Auf der einen die offizielle Version. Auf der anderen eine Familie, die davon überzeugt ist, dass das alles nicht zu der Frau passt, die sie kannten. Anfang September, als auch das offizielle Ergebnis der Ermittlung veröffentlicht wird, da geht eine Website online, die den Namen Justice for Rebecca trägt. Die Familie will über diese Website nämlich Spenden sammeln, um ein unabhängiges Gutachten und weitere Untersuchungen zu finanzieren. Ende September 2011 tritt Rebeccas Familie auch im Fernsehen auf. Auch ihr Partner Jonah schreibt einen Brief an die damalige Generalstaatsanwältin von Kalifornien, Kamala Harris. Er bittet um eine Überprüfung der Ermittlungen auf staatlicher Ebene. Aber nicht, weil Jonah öffentlich die Ermittlungen answeifelt, sondern weil er hofft, dass eine unabhängige Prüfung anderen, besonders Rebeccas Familie, Vertrauen und einen Abschluss geben könnte. Der Antrag wird allerdings abgelehnt.

Rebeccas Familie engagiert schließlich eigene Anwälte. Denn sie wollen Hinweise für ein Verbrechen sichtbar machen. An erster Stelle stehen dabei fast immer die Fesseln und das T-Shirt, was als Knebel benutzt wurde. Ein Kriminalpsychologe erklärt in der Dokumentation, die heißt Death at the Mansion, dass diese Kombination für ihn überhaupt gar keinen Sinn ergebe. Wenn sich jemand aus Schuld oder Verzweiflung das Leben nimmt, dann fesselt der sich nicht zusätzlich und knebelt sich. Für ihn wirke diese Szene also eher inszeniert, wie ein gestellter Tatort.

Ein weiterer Punkt sind die Verletzungen an Rebeccas Hals. Zwar kommt die Gerichtsmedizin zu dem Schluss, dass die Befunde zu einem Tod durch Erhängen passen, doch mehrere externe Experten zweifeln das an. Ein forensischer Pathologe macht für die Familie eine zweite Autopsie. Für ihn kommen Rebeccas Verletzungen im Halsbereich eher von manueller Strangulation, also Erwürgen. Für ihn ist Rebeccas Tod kein Suizid, sondern ein Tötungsdelikt. Ja, und auch noch ein Experte zweifelt an dieser Suizidtheorie, nämlich ein früherer Cold-Case-Ermittler. Er sagt, dass ein Sturz aus knapp drei Metern Höhe eigentlich zu einem Genickbruch führt. Diese massiven Verletzungen hat Rebecca aber nicht gehabt. Stattdessen sei ja ihr Zungenbein, ein hufeisenförmiges Knochenstück im oberen Halsbereich, gebrochen gewesen. Laut ihm ist das häufig ein Hinweis auf Erwürgen. Eine weitere Frage, die eine Doku aufwirft, ist, ob es sich um ein sexuelles Tötungsdelikt handelt.

Am Tatort werden ja zwei Küchenmesser gefunden, von denen haben wir euch ja auch schon erzählt. Und auf dem kleineren Messer wird ausschließlich Rebeccas DNA festgestellt. Eine forensische Spezialistin der Familie erklärt, dass sich Rebeccas DNA rund um den Griff des Messers befunden habe. Also auf allen Seiten des Griffes. Das sei ihr Menstruationsblut. Und der Anwalt der Familie, der schließt eben daraus, dass Rebecca mit dem Messergriff sexuell missbraucht worden sein könnte.

Die Ermittler und die Gerichtsmedizin kommen hingegen zum Ergebnis, dass es keine Hinweise auf eine sexuelle Gewalttat gäbe. Und bisher ging es in diesem Fall ja wirklich immer hin und her, hin und her. Und ja, auch die ganzen Ansichten der Experten, merkt ihr ja gerade selber, die sagen auch das eine, dann sagen sie das andere.

Und ja, ich finde, das spiegelt diesen Fall auch ziemlich gut wider, dass es immer zwei Lager gibt. Dort heißt es, dass das Blut auch von einer Fingerverletzung stammen könnte. Also plötzlich eine ganz andere Art von Blut. Es wird übrigens auch kein Sperma gefunden und keine Verletzung, die eindeutig auf einen sexuellen Angriff hindeuten könnte.

Kritiker sagen dagegen, dass das Fehlen von Sperma nicht automatisch bedeutet, dass es auch keinen sexuellen Übergriff gegeben habe. Also auch hier, der eine sagt dies, der andere sagt das. Und letztendlich ist irgendwie alles möglich.

Ein weiterer Aspekt sind die Computer im Haus. Bei der Durchsuchung werden pornografische Inhalte gefunden. Bondage-Inhalte, die in der Nacht von Rebeccas Tod aufgerufen worden sein sollen. Wem die Computer gehören, wissen wir aber nicht genau. Ein Journalist, der jahrelang zu dem Fall recherchiert hat, fragt sich, warum die Polizei diesem Aspekt nicht stärker nachgegangen ist. Besonders in einem Fall, in dem eine Frau gefesselt und nackt gefunden wird. Ob und wie intensiv diese Spuren verfolgt wurden, ist in den Quellen leider nicht gut dokumentiert. Ich weiß, dass wir euch gerade ziemlich viele Informationen hier auch um die Ohren schmeißen. Aber ihr werdet am Ende noch merken, dass wirklich alles super, super wichtig ist. auch wenn es ja gefühlt das kleinste Detail ist. Und ja, noch jemand hat hier was zu sagen und zwar eine Nachbarin, die hat auch noch eine Aussage für die Ermittler, denn sie habe gegen 23.30 Uhr in der Nacht vor Rebeccas Tod eine Frau dreimal help me schreien hören, also hilf mir. Die Stimme dieser Frau sei aus der Richtung der Menschen gekommen. Das Sheriff's Department erklärt später, die Zeugin, also die Nachbarin, habe gleichzeitig von einer Gruppe Jugendlicher in der Nähe berichtet und es sei eben nicht bestätigt, dass der Hilferuf Help Me tatsächlich aus dem Haus von Rebecca gekommen sei. Also auch da, es gibt eine Aussage, aber im Grunde weiß niemand.

Ob das was mit Rebeccas Geschichte zu tun hat oder nicht.

Und schließlich steht immer wieder die Frage im Raum, ob die Ermittlungen möglicherweise zu früh auf die Suizidtheorie festgelegt waren. Besonders in der Doku Death at the Mansion wird häufig kritisiert, dass sich die Polizei zu schnell auf eine Theorie festgelegt hat. Es geht um den sogenannten Confirmation Bias, also der Tendenz, nur noch Beweise zu sehen, die auch eine bestimmte Theorie stützen. Wenn wir jetzt all diese Punkte nebeneinander legen, dann entsteht aus Sicht der ganzen Kritiker folgendes Bild. Wir haben es hier mit einer ungewöhnlichen Fesselung zu tun. Wir haben ein gebrochenes Zungenbein, Hinweise auf ein Sexualdelikt, zumindest sagen das einige. Wir haben irgendwelche Pornoseiten, Material, was auf den Computern sichergestellt wurde. Wir haben diesen möglichen Hilferuf, help me, in der Nacht, aber keiner dieser Punkte beweist halt letztendlich einen Mord. Aber passen diese ganzen Sachen wiederum zum Suizid? Wenn es doch Mord gewesen sein könnte, wer hätte überhaupt Gelegenheit gehabt in dieser Nacht? Ein paar Namen habt ihr jetzt ja hier schon reingeworfen. Also die Person, die ja auf jeden Fall in der Nähe war, ist Adam. Aber findet ihr, dass es dann sinnvoll oder findet ihr, dass es ins Bild passt, dass Adam sie dann freischneidet? Warum sollte er das dann tun? Ich habe mich gerade wie in so einem Tennis-Match gefühlt. Hin, her, hin, her. Ich komme mir gerade so ein bisschen blöd vor, dass ich vorhin schon dachte, dass der Fall vorbei ist.

Der ist noch nicht vorbei. Der ist noch nicht vorbei.

Fühlt ihr euch irgendwie schlauer oder seid ihr immer noch genauso verwirrt wie vorhin? Genauso verwirrter. Noch verwirrter sogar. Ja, weil ich habe das Gefühl, es ist jetzt alles möglich. Und ich habe mir die ganze Zeit gedacht, wie frustrierend für die Familie, die nicht daran glaubt, dass es ein Suizid war, dass die Ermittlungen da nicht weitergehen und dass die immer abgestraft werden mit Nein, das war so und so. Und diese ganzen Hinweise sind ja wirklich so breit auslegbar, dass am Ende irgendwie alles Sinn macht. Nur das Problem ist, was ich gerade habe, so wer von den Menschen, die... Ihr was angetan haben könnten, hätte Gelegenheit und ein Motiv gehabt und hätte wer dazu wirklich imstande, sie umzubringen. Also das muss man ja auch erst mal beweisen. Und an dem ganzen Tatort wurde keine weitere DNA gefunden, weil das war jetzt der einfachste Weg, weil so viele Personen können ja gar nicht involviert sein aus dem Umfeld der Familie, dass wenn man irgendwas findet, man sagt, man testet die, was sind das, 10, 12, 15 Personen? Ja.

Nichts, da wurde gar nichts gefunden. Da wurde nichts Auffälliges gefunden, ne. Irgendwas würde ja gefunden worden sein, weil da leben ja Leute in dem Haus. Der Computer zum Beispiel, finde ich, ist jetzt kein gutes Beweismittel, weil sie ja auch am Computer hätte suchen können, wie man sich gut die Hände verbindet. Also hätte selber auch diese Bondage-Filme gucken können. Ich muss die ganze Zeit noch an diese Nachricht denken und ich habe mich gefragt, also diese Nachricht, die sie, bevor sie ihre Mailbox abgehört hat, bekommen hat. Und ich habe mich gefragt, woher ihre Schwester wusste, was auf dieser Mailbox gesagt wurde. Wir wissen es nicht ganz genau, aber die Vermutung ist, dass Jonah ihr das erzählt hat, weil die Nachricht ja auch von Jonah aus dem Krankenhaus kam, dass er ihr vielleicht gesagt hat, du, ich habe deiner Schwester Rebecca noch die und die Nachricht geschickt und deswegen erzählt sie das später der Presse, um den Fall in Erinnerung zu halten oder dem Aufmerksamkeit zu geben, deswegen hat sie sich da so viel geäußert in der Presse. Und das Krankenhaus hat bestätigt, dass Jonah die ganze Nacht da war. Dazu kommen wir jetzt. Sehr guter Punkt.

Sehr guter Punkt. Genau, ich glaube, das wäre hilfreich, wenn wir jetzt nochmal final alles aufdröseln, alle Personen, alle Theorien auflisten und im besten Fall abhaken, genau. Und ich würde sagen, wir starten mit der Person, die bei den Mordermittlungen sowieso schon im Zentrum steht, nämlich Jonah, dem Partner. Den können wir aber auch recht schnell von der Liste streichen, denn er hat ja auch ein Alibi. Du hast es gerade schon gesagt, es gibt Überwachungsvideos aus dem Krankenhaus, die zeigen, dass Jonah die ganze Nacht bei Max war. Damit ist klar, Jonah war nicht am Tatort. Aber wenn wir über ein mögliches Motiv sprechen, kommen wir an einer anderen Person nicht vorbei. Und das ist Jonas zweite Ex-Frau namens Dina. Genau, die hat Lillia zumindest vorhin auch schon mal erwähnt, dass die ein großes, starkes Motiv hätte, denn sie ist ja die leibliche Mutter von Max.

Dina ist immer noch eng in Jonas Leben eingebunden und damit ja auch zwangsweise in Rebeccas Leben. Aber wir haben ja heute schon gelernt, dass das Verhältnis zwischen den beiden eher angespannt war. Das war jetzt nicht unbedingt offen feindselig, aber es war eben schwierig. Jonah beschreibt sie später in einer Befragung bei der Polizei als at the edge of civil, was man mit am Rande von zivilisiert übersetzen kann. Was ich krass finde, das über seine Ex-Frau zu sagen. Aber gut, er hat das so gesagt. Und wir vermuten mal, dass er damit meint, dass sie sich und ihre Wortwahl nicht immer so unter Kontrolle hat.

Rebecca ist ja die neue Partnerin, die im Sommer mit Jonah in der Mansion lebt und ein sehr gutes Verhältnis zu Max aufgebaut hat. Und für Dina ist das wahrscheinlich eine sensible Konstellation, die ihr irgendwie nicht so ganz gut gefällt. Und dann stürzt ja am 11. Juli 2011 Max und verletzt sich so schwer, dass er stirbt. Auch wenn es als Unfall eingestuft wird, war Max nun mal in der Abhut der neuen Partnerin des Vaters, nämlich Rebecca.

Rebecca habe noch am Telefon zu ihrer Schwester gesagt, dass Dina sie umbringen werde. Hat sie das nur als Redewendung genutzt oder hatte Rebecca tatsächlich echte Angst vor Dina? Naja, Dina hätte ja durchaus ein Motiv, nämlich Wut und Verzweiflung. Der Gedanke, Rebecca sei verantwortlich für die schweren Verletzungen ihres Sohnes, sind ja da eigentlich schon ausreichend. Und Dina hätte auch Gelegenheit gehabt, denn sie lebt ja in unmittelbarer Nähe zum Menschen. Sie kennt das Haus und sie weiß ganz genau, dass die Hintertür häufig offen steht. Was ich auch krass finde bei so einer Mansion, dass da einfach nur Tür offen steht. Diese Insel ist ja vermeintlich sicher. Wer bei seiner Mansion nicht die Hintertür offen lässt, werfe den ersten Stein. Und ich erinnere mich an diese besagte West Coast Reise. Da haben wir viel Couchsurfing ausgenutzt und da waren die Haustüren auch immer unverschlossen. Wirklich? Das fanden wir damals total krass, dass wirklich auch in kleinen Städten, in denen wir waren, die einfach die Haustüren offengelassen wurden, weil die Leute meinen, hier passt halt eh nichts. Und ich meine, wir sprechen ja jetzt hier nicht über irgendwie ein super sicheres Land, wir sprechen ja trotzdem noch über die USA, wo jeder Zweite auch eine Waffe mit sich rum tragen kann. Also ich weiß nicht, USA wäre jetzt nicht auf Platz eins der sichersten Länder der Welt für mich, wo ich einfach mal meine Haustür offen stehen lassen würde. Vielleicht ist die Waffe der Grund, warum die offengelassen wird, weil...

Dann eh keine Ahnung. Also einiges, was Dina ziemlich verdächtig aussehen lässt. Und dazu kommt auch noch, dass Dinas Zwillingsschwester Nina am Tag nach Max' Unfall am 12. Juli 2011 nach San Diego gereist ist, um Dina zu unterstützen. Und Nina gibt sogar zu, dass sie am Abend noch einmal zur Spreckles Mansion gefahren ist. Das war so gegen 22 Uhr. Sie hat Rebecca vorher eine Nachricht geschrieben und das, Lilly, ist die Nachricht, von der wir euch vorhin erzählt haben. Die Nachricht, auf die Rebecca nicht geantwortet hat. Dina oder Nina? Wer hat die geschrieben? Die kam jetzt von Nina. Also die Schwester von Dina hatte auch die Nummer von Rebecca. Ja, die Zwillingsschwester von Dina. Genau, die kannten sich dann ja alle. War ja dann im Grunde die große Patchwork-Familie. Genau und sie sagt, weil Rebecca halt nicht geantwortet hat, ist sie zum Haus gefahren. So erklärt es sich jedenfalls der Polizei später. Nina habe geklingelt, Licht im oberen Zimmer gesehen, aber niemand habe geöffnet. Also ist sie wieder weggefahren. So sagt sie zumindest.

Ein Zeuge, wieder mal ein Zeuge, will in dieser Nacht auch eine Frau vor der Menschen gesehen haben, die sich ein bisschen auffällig verhalten habe. Sie soll an der Tür gewesen sein, ist dann hin und her gelaufen und der Zeuge ist überzeugt, der Zeuge ist überzeugt, dass es Dina gewesen sei und nicht Nina. Ich weiß, ein bisschen verwirrend, aber er sagt, es war Dina, die Mutter von Max und nicht die Zwillingsschwester, die ja wiederum selbst gesagt hat, dass sie vor der Tür war. Also die Verwirrung wird hier noch immer größer. Es tut uns leid. Die Verwirrung ist verwirrt. Aber dass eine Zwillingsschwester für einen lügen würde, ist jetzt auch nicht das auch der Nächste. Aber würde sie auch morden? Das werdet ihr uns jetzt hoffentlich bald sagen. Also, in einem weiteren Polizei-Interview wird Jonah gefragt, also Rebeccas Freund, ob er glaube, Dina, seine Ex-Frau, könne Rebecca etwas angetan haben. Er antwortet, er halte das für unwahrscheinlich. Rebecca sei körperlich nämlich sehr fit gewesen. Und Dina sei seiner Einschätzung nach nicht stark genug gewesen, um Rebecca zu überwältigen.

Gleichzeitig fragt er sich aber, ob Dina theoretisch jemanden beauftragt haben könnte. Das ist aber eine Überlegung, kein Vorwurf. Aber der Anwalt von Rebeccas Familie geht dem natürlich nach. Und all diese Punkte führen schließlich zu einer Anklage. Eine Zivilklage von Rebeccas Familie im Jahr 2013, zwei Jahre nach Rebeccas Tod. Da werden Max Mutter Dina und ihre Zwillingsschwester Nina von Rebeccas Familie angeklagt. Doch kurz darauf werden die Überwachungsvideos aus dem Krankenhaus detailliert ausgewertet. Die zeigen, dass Dina in der fraglichen Nacht regelmäßig das Krankenhaus betritt und verlässt. In relativ kurzen Abständen. Ihr Aufenthaltsort lässt sich dadurch auch sehr gut nachvollziehen. Auch Ninas Telefon und Standortdaten stimmen mit ihrer Darstellung überein. Sie war demnach nachts in Dinas Haus. Im April 2017, das sind jetzt schon sechs Jahre nach Rebeccas Tod, zieht der Anwalt von Rebeccas Familie die Vorwürfe gegen Dina und Nina öffentlich zurück. Und entschuldigt sich sogar bei den beiden. Und damit fällt diese Theorie, dass die beiden Schwestern oder eine von ihnen irgendwas damit zu tun hat, diese Theorie fällt weg. Und wenn wir nun wieder auf diese besagte Nacht vom 12. auf den 13. Juli schauen, dann bleibt am Ende nur noch eine Person übrig. Denn auf dem Grundstück war ja nur noch Adam, Jonas Bruder.

Adam ist sechs Jahre jünger als Jonah. Die beiden sind in New York aufgewachsen und Adam beschreibt ihre Kindheit als stabil und glücklich. Der erwachsene Adam lebt seit vielen Jahren am Mississippi und arbeitet dort als Schlepperkapitän. 28 Tage auf dem Fluss, 28 Tage frei. Ist ein guter Deal. Als Max am 11. Juli 2011 schwer verletzt wird, ruft Jonah seinen Bruder sofort an. Adam entscheidet sich spontan nach San Diego zu fliegen. Am Nachmittag, des 12. Juli, landet er. Rebecca holt ihn vom Flughafen ab. Am Abend gehen Rebecca, Jonah und Adam gemeinsam essen. Danach fährt Adam mit Rebecca zurück zum Haus. Am nächsten Morgen findet er dann ja auch Rebecca.

Adams Notruf wird später mehrfach analysiert. Adam klingt außer Atem, als er sagt, sie hat sich erhängt. Für manche ist das eine nüchterne Beschreibung. Sie finden es auch auffällig, dass sich Adam so früh auf Suizid festlegt. Ja, und wir wären ja nicht in diesem Fall hier, wenn es jetzt nicht schon wieder eine Kuriosität mit diesem Notruf geben würde. Denn ein forensischer Audioexperte, der analysiert Jahre später diesen Notruf für eine Dokumentation. Und der Experte glaubt, im Hintergrund eine zweite Stimme erkennen zu können. Und Adam, der sowas murmelt wie «hold her still», also «halt sie fest», Ob das tatsächlich so ist, dass da eine zweite Person ist und dass Adam das sagt, bleibt aber, habt ihr sicherlich schon vermutet, umstritten. Denn die Tonqualität dieses Notrufs, die ist leider ziemlich beschissen.

Offiziell gibt es laut Polizei keine zweite Person vor Ort. Aber dann ist da ja noch dieses Thema mit den Knoten und den Fesseln. Ein von der Familie beauftragter Knotenspezialist, und ich finde es immer wieder interessant, was es alles für Spezialisten gibt, der vergleicht die Knoten an Rebeccas Handgelenken mit nautischen Knoten. Adam ist ja Schlepperkapitän. Er kennt sich also mit Seilen und solchen Knoten aus. Das könnte ein Indiz sein. Ein anderer Sachverständiger ist allerdings natürlich anderer Meinung, denn für ihn sind die Knoten nicht spezifisch nautisch. Und auch Adams Verhalten wird diskutiert. Er macht am 13. Juli 2011, kurz nachdem Rebecca gefunden wird, einen Lügendetektortest bei der Polizei. Zeit. Das offizielle Ergebnis ist nicht ganz eindeutig. Ein Prüfer glaubt, dass Adam bei relevanten Fragen auffällige Reaktionen gezeigt hat. Allerdings sagen wir bei der schwarzen Akte immer wieder, dass solche Polygraphentests wissenschaftlich umstritten sind und vor Gericht deswegen auch nicht als Beweis gelten. Ja, und dann steht ja immer noch nach wie vor über allem die Frage nach dem möglichen Motiv. Denn warum sollte Adam Rebecca was antun? Adam kennt Rebecca im Grunde kaum. Er ist erst seit wenigen Stunden auf dem Grundstück. Kritiker der Suizidtheorie sind der Meinung, dass Adam versucht haben könnte, Rebeccas sexuell zu bedrängen. Als sie sich gewehrt habe, sei es zu einer möglichen Eskalation gekommen.

Diese Theorie stützt sich unter anderem auf die Fesselung, auf die Nacktheit und die Diskussion um Rebeccas DNA am Messergriff. 2013 reicht Rebeccas Familie eine Zivilklage gegen Adam ein. Sie werfen ihm also vor, Rebecca sexuell angegriffen, getötet und den Tatort als Suizid inszeniert zu haben. Damit beginnt ein Prozess, der Jahre nach Rebeccas Tod noch einmal alles aufrollt. In den USA muss so ein Fall nicht vor einem Strafgericht landen, damit er verhandelt wird. Also wenn die Staatsanwaltschaft niemanden in einem Strafverfahren anklagt, kann die Familie trotzdem klagen. Und zwar auf zivilem Weg. Nicht wegen Mordes im strafrechtlichen Sinn, sondern wegen eines sogenannten Wrongful Death, also widerrechtlicher Tötung im zivilrechtlichen Sinn.

Rebeccas Familie fordert jetzt 10 Millionen Dollar Schadensersatz. In der Klageschrift stehen anfangs erst mal mehrere Namen und Platzhalter, nämlich 50 unbekannte Personen, die man juristisch mit aufführt, solange man noch nicht genau sagen kann, wer welche Rolle gespielt haben könnte. Wie ihr schon wisst, stehen am Anfang ja auch noch Dina und ihre Zwillingsschwester Nina in dieser Klage. Aber am Ende bleibt nur ein Name übrig. Der Zivilprozess findet Anfang 2018 statt. fast sieben Jahre nach Rebeckas Tod. Und hier ist ein Detail, wie immer, besonders wichtig.

In einem Zivilprozess gilt ein anderer Maßstab als in einem Strafprozess. Es geht nicht darum, zweifelsfrei zu beweisen, was passiert ist, denn es reicht, wenn eine Jury überzeugt ist, dass eine Version wahrscheinlicher ist als die andere. Die Familie argumentiert vor allem entlang der Punkte, die wir gerade schon erzählt haben. Die Art der Fesselung, die Frage nach einem möglichen Sexualdelikt, die Knoten, Adams Beruf auf dem Wasser, die Unstimmigkeiten rund um Spuren und DNA und der Gedanke, dass der Tatort wie eine Inszenierung wirkt. Leute, ich bin fix und fertig. Ihr habt es wirklich geschafft. Dieser Fall macht mich wirklich fertig. Wir sind gleich durch, ja. Nicht, weil es so lang ist oder ich mir denke, oh mein Gott, jetzt hört bitte auf zu sprechen, sondern weil ich das unglaublich finde, was es alles für Wendungen gibt, für Indizien, für mögliche Täter oder Täterinnen, Gefühle, Ängste, alles. Es ist ja wirklich Horror. Also ich hoffe inständig, dass es am Ende ein Ergebnis gibt. Ich wollte gerade sagen, macht euch gleich ready, weil genau das werden wir euch vorab gleich erstmal fragen, aber machen wir erstmal weiter. Denn Adams Verteidigung hält dagegen. Es gebe keine andere DNA am Tatort. Keine Fingerabdrücke von Adam, keine Zeugen, die Adam in der Nacht im Haupthaus gesehen haben.

Adams Anwalt geht davon aus, dass Rebeccas Familie nach einer unerklärlichen Tragödie unbedingt einen Schuldigen finden will. Diese Sicht wird auch von Jonah unterstützt. Er sagt, dass er die Vorwürfe gegen seinen Bruder für absurd halte und glaubt, Adam sei einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.

Am 4. April 2018 fällt das Urteil der Jury. Flo und Lilly, was glaubt ihr, wie fällt das Urteil aus? Sie entscheiden sich erst für die ein und dann die andere Seite. Auch da hin und her. Ein Jurymitglied stirbt leider, deswegen muss der Prozess nochmal verschoben werden und die Anhörung ist morgen. Nein, also ich habe das Gefühl, in Jury-Urteilen kippt es oft in die Richtung, dass jemand verurteilt wird. Aber in dem Fall, glaube ich, reicht das nicht aus. Ich glaube, dass Adam freigesprochen wird. Okay, Flo sagt Freispruch. Lilly, was sagst du? Ich sage jetzt einfach, weil ich was anderes sagen will, dass sie Adam verurteilen. Und ihr habt beide recht.

Also, neun von zwölf Geschworener sehen Adam als verantwortlich für Rebeccas Tod an. Die Jury spricht der Familie von Rebecca insgesamt 5,2 Millionen Dollar Schadensersatz zu. Dieses Urteil sorgt in der Presse natürlich für super viel Wirbel und auch gleichzeitig Druck auf die Polizei. Denn kurz nach dem Urteil, innerhalb von zwei Wochen, kündigt das Sheriff's Department an, Rebeccas Fall noch einmal zu überprüfen. Och, bitte. Nicht nur durch dieselben Personen wie 2011, sondern mit, wie sie sagen, frischen Augen. Die Akte wird außerdem nochmal der Gerichtsmedizin vorgelegt.

Ein halbes Jahr später wird das Ergebnis dieser internen Überprüfung veröffentlicht. Der Gerichtsmediziner hält fest, dass die ursprünglichen Ermittlungen korrekt gewesen seien und dass Ursache und Art von Rebeccas Tod weiterhin als Suizid bewertet werden. Ein Monat später tritt die Polizei vor die Presse und macht es offiziell. Nach gründlicher Prüfung gebe es keinen Hinweis, der den Suizidbefund widerlege. Man habe keine neuen oder bestehenden Beweise gefunden, die auf ein Verbrechen hindeuten oder eine konkrete Person mit Rebeccas Tod verbinden. Also wieder ein großes Hin und Her. Die Polizei veröffentlicht bei der Pressekonferenz auch Auszüge aus persönlichen Notizen von Rebecca, die auf ihrem Handy gefunden wurden.

Darin schreibt sie unter anderem, sie habe sich komplett von ihrem eigenen Leben abgeschnitten. Ihr Leben existiere nicht. Sie werde von Jonas' Kindern respektlos behandelt und sie frage sich, ob sie sich selbst belüge, indem sie auf ein paar glückliche Jahre hofft. Für die Ermittler sind diese Nachrichten ein Hinweis auf ihren emotionalen Zustand in den Monaten vor ihrem Tod. Experten beurteilen, Rebeccas Notizen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Man könne wütende oder verzweifelte Gedanken nicht automatisch als Abschiedsbrief lesen. Auch die Überprüfung der Ermittlungen wird kritisiert. Man habe zwar nochmal drauf geschaut, aber nichts neu getestet. Also keine neuen DNA-Analysen mit modernerer Technik durchgeführt, keine zusätzlichen forensischen Versuche gemacht und kein weiterer Test des Messers, über das im Zivilprozess so viel diskutiert wurde.

Für Rebeccas Familie ist das ja ein mögliches Indiz für ein Sexualdelikt gewesen. Und wir fragen uns auch, warum wurde das nicht nochmal mit modernen Methoden überprüft? Ähnlich ist es ja auch mit anderen Details, die immer wieder auftauchen. Zum Beispiel gibt es Handschuhe, die im Haus gefunden wurden.

Unter anderem ein Latex-Handschuh und Gartenhandschuh. Laut den Behörden wurde alles untersucht, aber es gibt ja keine DNA. Die Spuren waren nicht verwertbar oder zu schwach für klare Profile, Und wenn man Artikel oder in Foren liest oder sich Dokus zu dieser Geschichte hier anschaut, dann bleibt trotzdem ja immer dieses zweifelhafte Gefühl. Man hat die Akten zwar nochmal analysiert, aber im Grunde haben sie halt nicht nochmal neu ermittelt. Und nachdem die Polizei ihre Version nochmal untermauert, legt Adam Berufung gegen das Urteil ein. Aber bevor diese Berufung zu Ende verhandelt wird, gibt es im Februar 2019 einen Vergleich. Adams Versicherung einigt sich mit Rebeccas Familie auf eine Zahlung von 600.000 Dollar. Solche Versicherungen gibt es in den USA offenbar, wo man sich gegen Schadensersatzforderungen absichern kann. Der Zivilprozess wird damit endgültig beendet. Und damit endet auch der juristische Weg hier in diesem Fall. Vorerst zumindest. Denn für Rebeccas Familie ist der Fall immer noch nicht abgeschlossen. Ihre Schwester Mary bleibt dabei die lauteste Stimme. Sie postet bis heute auf einer aktiven Facebook-Seite und sie hat auch ein Buch über ihre Schwester geschrieben.

2023 unternimmt die Familie nochmal einen Schritt und stellt offiziell einen Antrag, die Todesursache von Rebecca zu ändern. Von Suizid zu Mord oder zumindest zu ungeklärt. Eine solche Änderung würde neue Ermittlungen möglich machen. Die Behörde bleibt aber bei ihrer Einschätzung. Die Todesursache bleibt offiziell Suizid.

Und ich glaube, damit müssen wir jetzt hier alle einmal ganz tief durchatmen. Das war, glaube ich, der längste Fall, den wir in der schwarzen Akte bisher erzählt haben. und wir lassen euch gleich zu Wort kommen. Das war nur der erste Teil. Das war Teil 1. Teil 2 kommt nächste Woche. Nein, ich finde, er symbolisiert True Crime. Das klingt jetzt komisch, aber ich finde, er symbolisiert True Crime richtig gut, weil es halt ständig hin und her geht. Und das ist das echte Leben. Die Polizei schaut sich nichts an und weiß sofort, was hier Phase ist, sondern es gibt so viele Theorien und Zeugen und Leute, die was zu melden haben. Und trotzdem weiß man am Ende nicht, was passiert ist. Und ja, das zeigt dieser Fall hier richtig gut. Und wir sind so krass gespannt, was ihr zwei jetzt sagt. Ihr wisst jetzt alles, was sozusagen aktuell an Wissen da ist.

Glaubt ihr, Rebecca hat sich wirklich das Leben genommen oder hat eine andere Person hier ihre Finger im Spiel und wir haben es mit einem Verbrechen zu tun? Ich fange vielleicht mal mit der Familie an und dass sie immer noch da dran sind. Also, weil ich kann das verstehen. Dass man als Angehörige von Rebecca einfach es schwer hinnehmen kann, dass es nicht die eine Entscheidung gibt und die eine verantwortliche Person am Ende. Gleichzeitig ist es schon, wie oft willst du diesen Fall noch wieder aufrollen und wieder und wieder schauen und wieder hoffen, dass da irgendwas bei rauskommt. Das ist schwierig. Also ganz ehrlich, jetzt nach all dem, was wir gehört haben.

Schlägt mein Gefühl, mein Bauchgefühl in Richtung Suizid. Weil, ich sag, ein Motiv von Adam, das wäre mir einfach zu schwach. Also das ist gerade mein Gefühl. Ich kann mich Flo nur anschließen. Also auch wenn das Gefühl wahnsinnig blöd ist, habe ich mir irgendwie gewünscht, dass es einen Schuldigen gibt oder eine Schuldige.

Weil ich die Vorstellung eines Suizids und diese Situation, in der sich ihre Familie befindet, so tragisch finde und so schlimm finde, dass ich irgendwie wollte, dass es jemanden gibt, der ihr das Leben genommen hat, auch wenn das wahrscheinlich gerade ganz komisch klingt. Aber von allem, was wir wissen und was an Beweisen und Indizien da ist, glaube ich auch, dass sie sich selber das Leben genommen hat und kann gleichzeitig verstehen, dass es für die Familie unvorstellbar ist. Weil so viele Sachen einfach keinen Sinn ergeben und es so viele Ungereimtheiten gibt und die auch nicht weggehen werden. Und deswegen ist der Familie einfach zu wünschen, dass sie irgendwie einen Weg finden werden, damit ihren Frieden zu schließen. Ich würde da vielleicht sogar direkt mal reingehen, weil du ja auch gerade gesagt hast, es gibt ja doch noch ein paar Sachen, die ungeklärt sind. Zum Beispiel, ich meine, ich habe da zwar auch direkt eine Meinung dazu, aber es würde mich erstmal interessieren, was ihr dazu sagt. Nämlich diese Audiospur, wo man ja hört, hold her still oder hören soll, hold her still. Was auch nicht so richtig eingegangen ist in die Ermittlungen und auch eher für einen Mord sprechen würde. Wie steht ihr zu dieser Audiospur, die dann auch aufgetaucht ist nochmal? Ist es für euch Ausschlag, also ist es für euch stark genug, dass ihr sagt, ihr habt ja beide jetzt gesagt, eher Suizid, dass es euch doch nochmal schwanken lassen würde, dass da doch noch jemand anderes oder vielleicht sogar mehrere Leute beteiligt waren. Ja, wenn du mich jetzt so fragst, denke ich, ja, warum wurde dieser Audiospur nicht nochmal nachgegangen?

Wir haben sie natürlich nicht gehört, ich kann das jetzt überhaupt nicht nachvollziehen oder hören, was da wirklich gesagt wurde, aber bei Adam sehe ich wirklich keinen Motiv. Weiß auch, dass man, wenn man Zeichen sehen möchte oder Dinge hören möchte, dass man sie auch hören kann und sehen wird, weil jeder eine eigene Lebensrealität hat. Und das ist auch okay, aber ich kann mir vorstellen, dass die Audiospur von vielen Expertinnen angehört wurde, die nichts weiteres darauf gehört haben und dass man sich dann damit vielleicht zufrieden geben muss. Und ich sehe auch irgendwie nicht, dass diese Familie innerhalb von 48 Stunden irgendwie so einen kaltblütigen Mord mit mehreren Personen inszeniert und so sauber vorgeht, dass es keinerlei Spuren hinterlässt. Wir bewegen uns sicher nicht im kriminellen Milieu von San Diego, sondern das scheint eine sehr... Normale Familie zu sein. Ich sehe das irgendwie nicht, dass sie das so organisiert haben. Ja, ich meine die Audiospur, da wissen wir ja nicht, wurde das jetzt wirklich gesagt oder wurde es gesagt, whatever. Ich glaube, was wir ja wirklich wissen, ist, dass es diese kryptische Nachricht an der Tür gibt. Also wie erklärt ihr euch, dass Rebecca dann noch diese Nachricht, she saved him, can you save her, dran geschmiert hat? Es ist weiterhin dieses Tennis-Spiel, was wir vorhin gesagt haben als Metapher. Es gibt halt immer noch diese...

Also meint ihr, dass sie vielleicht sogar versucht hat, noch andere Leute für ihren Tod verantwortlich zu machen? Also dass sich Rebecca schon selbst das Leben genommen hat, aber dass sie mit der Nachricht und Fesseln versucht hat, das noch auf jemand anderen zu lenken? Ich finde, es klingt fast eher nach einem Hilferuf. Also wenn wir wissen, dass sie auch in den Wochen eben vor diesem Abend mit dunklen Gedanken zu kämpfen hatte, es klingt für mich mehr nach einem Hilferuf in der dritten Person als ein Hinweis. Oder wirklich nochmal wie so einen extra dramatischen Abgang, bei dem ich nicht weiß, ob das zu ihrer Person passt. Aber ich tue mich schwer damit, diese Wochen, die ihr beschrieben habt, bevor sie sich das Leben genommen hat, vermeintlich, mit da reinzuwerten. Weil wenn ich mir vorstelle, dass ich in eine Familie komme und das Gefühl habe, ich werde abgestoßen.

Zwei Kinder akzeptieren mich nicht. Da würde ich auch, wenn ich Tagebuch schreiben würde, da reinschreiben, scheiße, ich fühle mich hier total unwohl. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich bin verzweifelt. Heißt nicht, dass ich mich zwei Wochen später umbringen würde. Ich würde auch meiner Schwester sagen, ich hasse hier gerade alles, ich bin total einsam, was soll ich tun? Auch alles würde Verzweiflung thematisieren, aber das ist für mich nicht unbedingt ein Indikator dafür, dass ich mich dann umbringen würde. ich habe eher das Gefühl, dass es eine ziemlich impulsive Handlung war. Ich musste auch ein bisschen an den Kascha-Lehnhardt-Fall denken, wo sich auch viele Leute fragen, ob sie sich wirklich selber umgebracht hat, weil es auch so out of the blue kam und, So sehe ich das hier ein bisschen. Und wir dürfen ja auch nicht vergessen, zu dem Zeitpunkt, als Rebecca gestorben ist, da lag Max im Koma. Also da war ja noch gar nicht klar, dass der Junge das nicht schafft. Ich habe gerade im Hinterkopf den Gedanken, okay, warum sollte es ein Verbrechen sein? Also wer sollte sie umbringen wollen? Obwohl ja noch gar nicht klar war, dass Max das überlebt oder nicht überlebt. Also da hätte ja jemand dann vorschnell gehandelt, sage ich jetzt mal. Ich glaube, Patrick, du hattest vorhin im Laufe der Folge auch das Thema Kultur, dass das hier vielleicht ja auch eine Rolle spielen könnte. Ja genau, ich glaube auch, dass es ein bisschen unterschätzt ist jetzt hier, weil wir alles nur diskutieren, was wir glauben zu sehen, das an der Tür.

Vielleicht das, was man da raushören kann aus dieser Audio. Ich weiß nicht, ob ihr diese Instagram-Videos kennt generell, wo dann drei unterschiedliche Worte draufstehen. Dann hört man eine Audiospur und da steht dann zum Beispiel Drake, Fake und noch irgendwas, was ähnlich klingt und je nachdem, was du liest für ein Wort, hörst du dann in der Audiospur. So ein Gefühl hatte ich, als ich diese Audiospur gehört habe, um ehrlich zu sein. Deswegen würde ich da jetzt auch gar nicht so viel hineininterpretieren und um ehrlich zu sein, wer weiß schon, was die letzten Worte wirklich sind, die man wählen würde. Niemand von uns hat sich darüber Gedanken gemacht und ist auch besser so. Ich glaube wirklich, dass das, was wir eben nicht sehen, und zwar das, was in ihrem Kopf vorging, ausschlaggebend war. Dass sie diese riesige Scham hatte, sowieso schon so unter riesigem Druck gestanden hat, auch wenn es halt, hört sich super komisch an, dieses unbefriedigende Ende ist, aber dass es am Ende des Tages halt doch Suizid war. Dass niemand anderes, dass wir niemand anderem die Schuld in die Schuhe schieben können für ihren Tod, sondern einfach nur sagen können, sie hat sich selbst dazu entschieden. Was denkst du denn, Anne? Ich bin so krass hin- und hergerissen.

Als wir uns das erste Mal mit dem Fall beschäftigt haben, war ich mir sicher, dass es ein Verbrechen ist. Dann einen Tag später dachte ich, ah nee, nee, das ist sicherlich doch ein Suizid. Dann war es wieder ein Verbrechen. Auf dem Weg hierher zur Aufnahme dachte ich wieder das eine, jetzt denke ich das andere. Ich finde das so schwierig einzuschätzen, einfach weil es so viele komische Details hier gibt. Also dieser Schriftzug an der Tür und diese Fesselung.

Warum? Warum denn diese extra Dramatik? Oder ja, was wollte sie uns damit sagen, falls es sich wirklich um einen Suizid handelt? Und auf der anderen Seite, falls sie doch jemand mit Absicht ermordet hat, dann auch da. Warum diese Dramatik? Also in beiden Fällen denke ich mir, hä, was sind, also ja, Stotter, Stotter, Stotter, ne? Aber ich habe keine Ahnung. Ich finde das super, super schwierig. Ich glaube, das ist ein Fall.

Da werden wir zu keinem finalen Ergebnis kommen. Wir wissen es nicht. Die Polizei weiß es nicht, was hier wirklich passiert ist. Also werden wir das natürlich auch nicht herausfinden. Und auch wenn das vielleicht ein unbefriedigendes Ergebnis ist, das ist eben auch True Crime, was ich vorhin ja schon mal gesagt habe. Und ich weiß, das war jetzt eine super, super lange Folge. Wir sind euch, Lilly und Flo, richtig dankbar, dass ihr Bock hattet, hier in diesen Podcast zu kommen. und dass ihr so viel Zeit mit uns und auch mit Rebeccas Geschichte verbracht habt. Alle, die uns bis hierhin jetzt noch zugehört haben, folgt und hört unbedingt in Food Crimes, was schmeckt dahinter. Das ist wirklich ein ganz toll recherchierter und produzierter Podcast. Große schwarze Akte Empfehlung hier. Folgt den beiden auch auf Instagram. Folgt ihnen überall, wo es euch noch so gibt. Danke. Und ja, Patrick und ich möchten dann an der Stelle auch nochmal vielen Dank an alle Zuhörerinnen und Zuhörer sagen, dass ihr euch im besten Fall schon 300 Folgen angehört habt. Vielleicht ist das auch eure erste Folge, die ihr hört. Dann können wir euch sagen, die nächste Folge wird nicht so lang.

Aber ja, vielen, vielen Dank. Kann ich hundertprozentig genauso einfach nur zurückgeben. Wirklich vielen, vielen Dank. Ich bin auch sehr gespannt, was die Leute sagen generell. Schreibt es gerne in die Kommentare, wie es für euch war. das war jetzt auch das erste Mal, dass wir währenddessen kommentiert haben. Das würde mich auch sehr interessieren. Schreibt das gerne in die Kommentare und Lili Flo, wirklich, es ist immer wieder eine Freude mit euch zusammen, Podcasts aufzunehmen. Danke, danke, danke.

Wir haben zu danken. Vielen Dank für die Einladung und herzlichen Glückwunsch zur nächsten Folge. Danke. Da könnt ihr stolz auf euch sein. Vielen Dank. Yes. Dann würde ich sagen, schließen wir diese ultralange schwarze Akte für heute und hören uns nächste Woche Dienstag überall, wo es Podcasts gibt. Wir sind eure Hosts Anne Luckmann und Patrick Strobusch. Redaktion Johanna Müsiger und wir. Schnitt Anne Luckmann. Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.