Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Es ist Frühjahrnachmittag im Südwesten von Vermont, in den USA. Es ist Anfang Dezember. Über Nacht hat der Rauhreif die Pflanzen und Häuser überzogen. Die Straße, die aus Bennington hinausführt, wird schmaler, je weiter man aus der Stadt herausfährt. Die Häuser stehen jetzt nicht mehr dicht an dicht, sondern verstreut. Dazwischen liegt viel Grün. Die Green Mountains ragen nämlich dunkel im Hintergrund empor. Paula verlässt das College an diesem frühen Nachmittag. Viele Studierende sind über das Wochenende nach Hause gefahren. Am Campus ist es ruhiger als sonst.
Paula macht sich auf den Weg zur Straße und wartet dort auf vorbeifahrende Autos. Sie winkt, wenn eins vorbeifährt. Paula will nämlich per Anhalter fahren. Ein Wagen hält schließlich an und Paula steigt ein. Der Fahrer lässt sie dann etwas später im Wald wieder raus. Paula winkt dem Mann noch zum Abschied und geht anschließend ein Stück die Straße entlang. Bis zu dem Punkt, an dem ein Wanderweg beginnt, der in den Wald führt. Das hier ist kein besonderer Ort. Hier gibt es kein großes Schild, das Aufmerksamkeit erregt. Einfach nur ein Pfad, den Menschen schon seit Jahren benutzen.
Paula trägt einen roten Parka mit Kapuze, dazu Jeans und leichtes Schuhwerk. Es ist kalt, aber noch nicht eisig. Der Boden ist feucht vom Regen der letzten Tage. Auf den Steinen liegt nasses Laub, das unter Paulas Schuhen rutscht. Sie geht vorsichtig, aber dennoch zügig. Der Wald ist dicht bewachsen, aber nicht abgelegen. Überall kahle Bäume, graue Stämme und dunkler Waldboden. Der Weg ist aber gut zu erkennen. Er führt leicht bergauf, verschwindet kurz hinter einer Kurve und taucht nur wenige Schritte weiter wieder vor Paula auf. Sie folgt ihm, ohne zu zögern. Sie hat nach dem Weg gefragt, bevor sie losgegangen ist, und sie weiß genau, wohin sie will. Außerdem sind hier noch andere Menschen unterwegs, Paula begegnet ihnen auf dem Weg, man nickt sich zu und wechselt vielleicht auch mal ein paar Worte. Paulas rote Jacke fällt im Wald auf. Zwischen all dem braun, grün und grau ist sie gut zu sehen.
Mehrere Menschen erinnern sich später daran, Paula gesehen zu haben. An die grelle Farbe. An die junge Frau, die ganz allein unterwegs war. Paulas Weg führt immer tiefer in den Wald hinein. Die Geräusche der Straße sind hier kaum noch zu hören. Es ist still, aber nicht ungewöhnlich still. Nichts deutet darauf hin, dass dieser Spaziergang anders enden wird als die unzähligen zuvor. Paula geht weiter und kommt nicht mehr zurück. Hinter einer Kurve verschwinden sie und ihre rote Jacke im grünen Wald. Paula ist ab diesem Moment einfach spurlos verschwunden.
Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Paranormalen Schwarzen Akte mit Anne Luckmann und mit Patrick Strohwusch. Hallo! Und es ist ja wieder der letzte Donnerstag im Monat und das heißt, es gibt eine neue Folge Schwarze Akte Paranormal. Und wir freuen uns voll, dass wir heute wieder einen besonders, sagen wir mal, mysteriösen Fall für euch mitgebracht haben. Und ich würde sagen, wir labern auch gar nicht mehr lange drumherum, sondern fangen direkt an. Heute sprechen wir über einen Ort, an dem Menschen einfach verschwinden. Nicht auf hoher See, nicht in einem fernen Land und auch nicht an einem Ort, den man eigentlich meiden würde. Dieser Ort befindet sich mitten in einer ganz normalen Gegend.
Werbung Werbung Ende Mit Straßen, Häusern und Nachbarn. Mit Menschen, die morgens ihre Kinder zur Schule bringen, Danach zur Arbeit gehen, einkaufen und abends am Tisch mit der Familie Abendbrot essen. Wir sprechen heute über ein Bermuda-Dreieck mitten unter uns. Wir befinden uns im Südwesten von Vermont, in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Krieg ist zwar vorbei, aber viele sind gerade erst zurückgekommen. Das Leben versucht wieder in einen normalen Rhythmus zu finden. Die Menschen arbeiten, planen und schauen nach vorn. In den Häusern läuft fast immer Radio, aus dem Nachrichten, Musik und Baseballspiele zu hören sind. Abends sitzt man mit der Familie zusammen, hört zu oder liest Zeitungen. Fernsehen gibt es zwar schon, aber nur wenige Haushalte haben überhaupt ein Gerät. Wer wissen will, was in der Welt so los ist, der dreht eben das Radio auf oder blättert in der Zeitung.
Politisch ist vieles in Bewegung, auch wenn es hier draußen im ländlichen Vermont kaum spürbar ist. In Washington ist Harry S. Truman gerade US-Präsident. In den Zeitungen geht es um den Wiederaufbau Europas und um neue Spannungen zwischen dem Osten und Westen. Also große Themen, die weit weg scheinen. Der Alltag der Menschen hier ist überschaubarer, nicht sonderlich geprägt von schweren Themen. Hier meint die Gegend rund um die Kleinstadt Bennington. Etwa 15.000 Menschen leben hier. Man kennt sich, man nickt sich beim Einkaufen zu. Und kaum verlässt man die Stadt, wird es stiller. Die Straßen werden dann schmaler, die Häuser weniger. Dazwischen liegen Felder, Wald und Hügel. Einige Orte in dieser Gegend sind ungewöhnlich klein. Glastonbury und Somerset zum Beispiel. Orte, die früher von der Holzindustrie gelebt haben, im 19. Jahrhundert mal richtig gewachsen sind und dann ihre Bedeutung verloren haben. Zu der Zeit, über die wir heute sprechen, gehören diese Orte zu keiner Stadt mehr. Man nennt sie gemeindefreie Gebiete. Das heißt, es gibt kein Rathaus und keine eigene Verwaltung. Die wenigen Menschen, die dort noch leben, regeln vieles selbst oder lassen es über die nächstgrößere Stadt regeln. In Somerset wohnen heute gerade einmal sechs Menschen. 6 verteilt auf eine große, bewaldete Gegend.
Da es erstmal nicht viel Geheimnisvolles, aber es erklärt, wie abgelegen diese Region ist und wie leicht man unterschätzt, wie groß sie tatsächlich ist. Und genau hier verschwinden zwischen 1945 und 1950 mehrere Menschen. Sie ziehen los und kommen nicht mehr zurück. Eine von ihnen ist eine junge Studentin. Ihr kennt sie schon aus dem Intro. Sie heißt Paula. Paula studiert am Bennington College. Sie ist 18 Jahre alt und kommt aus dem rund 150 Kilometer entfernten Connecticut. Sie hat einen einflussreichen und reichen Vater. Mehr ist über Paula in den Quellen von damals leider kaum zu finden. Aber es gibt Fotos von ihr. Sie ist eine enorm schöne junge Frau mit schulterlangem Haar, das auf einem Foto im Stile der 40er Jahre zurückgesteckt und gelockt ist. Ihre Lippen sind rot geschminkt und sie schaut direkt in die Kamera. Wir haben euch das Bild von Paula mal in den Shownotes verlinkt. Paulas Foto wird später in Zeitungen abgedruckt. In den Artikeln wie zum Beispiel dem Bennington-Banner geht es dann aber weniger um ihre Persönlichkeit, sondern vielmehr um das, was an einem bestimmten Dezemberwochenende im Jahr 1946 passiert ist. Am Sonntag, dem 1. Dezember 1946, erzählt Paula ihren Mitbewohnerinnen, dass sie wandern gehen möchte. Sie will ein Stück auf einem bekannten Wanderweg laufen. In den USA ist um diese Zeit gerade Thanksgiving, das heißt, ein langes Wochenende liegt vor ihnen.
Viele Studierende sind noch nicht wieder zurück auf dem Campus oder kommen heute erst wieder zurück. Der Campus ist an diesem Sonntag daher viel leerer als sonst. Paula verlässt das College am frühen Nachmittag. Gegen 14.45 Uhr steigt sie bei einem Mann ins Auto. Sein Name ist Louis. Er ist Bauunternehmer und wohnt in der Gegend. Paula ist also per Anhalter unterwegs. Sie erzählt auch Louis, dass sie wandern gehen möchte.
Er nimmt sie ein Stück mit aus der Stadt hinaus und lässt sie an der Straße wieder aussteigen. Das ist etwa drei Kilometer westlich des Wanderwegs. Von dort aus geht Paula zu Fuß weiter. Sie will zum sogenannten Long Trail. Dieser Wanderweg zieht sich durch den gesamten Bundesstaat Vermont. Der Long Trail ist der älteste Fernwanderweg der USA.
438 Kilometer lang und wird schon seit Jahrzehnten genutzt. Menschen aus der Region sind dort genauso unterwegs wie Wanderer von außerhalb. Das ist also kein abgelegener Ort, sondern ein Weg, den viele kennen. Heute wandern dort pro Jahr um die 400.000 Menschen. Am 1. Dezember 1946, so auch Paula. Auch sie ist an diesem Nachmittag nicht allein unterwegs. Sie begegnet anderen Menschen, spricht mit ihnen und fragt nach dem Weg. Mehrere Personen erinnern sich später daran, sie gesehen zu haben. Einer dieser Zeugen ist ein Nachtwächter der Zeitung Bennington-Banner. Er trifft Paula am späten Nachmittag in Woodford Hollow. Das ist ein Gebiet westlich von Bennington. Dort, wo Straße, Wald und Wanderwege aufeinandertreffen. Paula fragt ihn, wie sie zum Long-Trial kommt und er erklärt es ihr. Diese Begegnung wird wenige Tage später in der Zeitung erwähnt. Danach läuft Paula weiter. Das ist der letzte Punkt, an dem sich ihr Weg sicher nachvollziehen lässt. Sie trägt an diesem Tag, wie schon erwähnt, einen roten Parka mit Kapuze. Dazu Jeans und dünne Schuhe. Sie hat keine zusätzliche Kleidung dabei und auch keine Ausrüstung. Nichts, was man für längere oder kältere Touren mitnehmen würde.
Anfang Dezember ist es in dieser Gegend aber schon echt kalt. Die Temperaturen liegen oft nur knapp über dem Gefrierpunkt, nachts deutlich darunter. Das ist schon merkwürdig, oder? Vielleicht hat Paula die Temperaturen einfach ein bisschen unterschätzt und war einfach versehentlich ein bisschen zu dünn angezogen. Vielleicht wollte sie aber auch einfach nur ein kleines Stück gehen, einfach mal raus, ein bisschen spazieren und frische Luft schnappen. Und wir fragen uns auch, ob sie vielleicht mit jemandem verabredet war. Darüber spekulieren später auch ihre Familie und die Ermittler, aber sie wissen es auch nicht. Sicher ist jedenfalls, Paula ist allein unterwegs und hat nichts weiter dabei. Am nächsten Tag, am Montag, dem 2. Dezember 1946, erscheint Paula nicht zum Unterricht. Erstmal denkt sich niemand viel dabei. Es war schließlich gerade ein verlängertes Wochenende. Studierende kommen manchmal später zurück, das ist ja nicht ungewöhnlich.
Manchmal verschlafen sie die erste Stunde. Aber im Laufe des Tages wird dann klar, dass Paula nicht vom Wandern zurückgekommen ist. Sie ist nirgends auf dem Campus zu finden. Sie meldet sich nicht. Niemand weiß, wo sie steckt. Jetzt beginnt sich zunehmend Sorge auszubreiten. Zuerst suchen Paulas Mitschülerinnen und Mitschüler nach ihr. Dann werden die Behörden informiert. Die Suche wächst daher schnell. Das Bennington College schließt sogar für mehrere Tage, damit Studierende bei der Suche nach Paula helfen können. In der Stadt werden Vermisstenplakate aufgehängt. Das Originalplakat könnt ihr euch auch mal anschauen, das haben wir euch in den Schaunouts verlinkt. Auf dem Papier sind drei Fotos von Paula zu sehen. Eine Beschreibung, was sie am Tag ihres Verschwindens anhatte und wo sie zuletzt gesehen wurde. Der Vermisstenfall ist über Wochen hinweg das Thema auf der Titelseite des Bennington Banner. Es erscheinen fast täglich neue Artikel. Immer wieder gibt es neue Suchaktionen und noch immer Hoffnung, dass man Paula findet. Es wird sogar eine Belohnung von 5000 Dollar ausgesetzt. Später unterstützt auch das FBI die Ermittlungen. Trotzdem bleibt jeder Versuch ergebnislos. Es werden keine Kleidung, keine persönlichen Gegenstände und auch keinen Hinweis auf Paula gefunden.
Im Podcast Brave Little State von Vermont Public wird später beschrieben, dass die Suche nach Paula hektisch und schlecht koordiniert war. Auch ihr Vater äußert sich damals öffentlich und ist ziemlich unzufrieden mit den Behörden. Er wirft ihnen vor, nicht gut genug gesucht zu haben. Paulas Vater engagiert daher eigene Ermittler. Er sucht weiter, aber auch sie finden leider nichts. Paula ist einfach wie vom Erdboden verschluckt. Haben sie sich wirklich nur verlaufen? Oder stimmt etwas mit diesem Ort nicht?
Und dann wird klar, dass es in dieser Gegend nicht das erste Mal ist, dass jemand einfach so spurlos verschwindet. Und es wird auch nicht das letzte Mal sein. Bevor Paula verschwindet, ist in dieser Gegend schon einmal jemand einfach nicht mehr zurückgekehrt. Wir gehen dafür jetzt mal ein Jahr zurück. Die Landschaft ist dieselbe. Die Wälder, die Hügel, die Wege. Auch die Jahreszeit ist ähnlich. Später Herbst, kurz vor dem Winter. Nur das Jahr ist ein anderes. Wir sind jetzt im November 1945. Der Mann, um den es jetzt geht, heißt Middy. Er ist 74 Jahre alt. Middy ist ein erfahrener Jäger, ein Typ, der viel Zeit draußen verbringt. Er kennt sich in dieser Gegend also gut aus. Seine Freunde werden später sagen, dass er oft in den Wäldern unterwegs war und sich dort sicher gefühlt hat. Am 12. November 1945 ist Middy mit einer Gruppe von vier Jägern unterwegs. Sie jagen in einem Gebiet namens Big Fort Hollow. Das liegt etwa sechseinhalb Kilometer westlich von Bennington, in der Nähe von Woodford. Hier verläuft der Long Trail. Derselbe Wanderweg, auf dem ein Jahr später auch Paula unterwegs sein wird.
Midi führt die Gruppe aus Jägern an. Er geht vorneweg. An einem Punkt geht er ein Stück voraus, weiter den Weg entlang. Das ist nichts Ungewöhnliches. Er kennt die Gegend ja. Er ist der erfahrenste aus der Gruppe. Doch irgendwann ist Midi plötzlich gar nicht mehr zu sehen. Die anderen Jäger bleiben stehen und warten. Sie rufen nach Midi, aber er meldet sich nicht und kommt auch nicht zurück. Als er am Abend auch nicht im Jagdcamp auftaucht, starten sie die Suche nach Midi. Erst gehen viele davon aus, dass er schon wieder auftauchen wird. Dass er vielleicht nur einen anderen Weg genommen hat. Er kennt sich in der Gegend schließlich aus. Und falls er sich doch verlaufen hat, dann kann das ja mal passieren. Bisher sind die Menschen in dieser Gegend immer wieder gefunden worden. Doch dieses Mal ist dem nicht so. Die Suche wird daher größer. Freiwillige Helfende kommen dazu.
Feuerwehrleute, Anwohnerinnen und Anwohner und später auch die Vermont State Guard, eine freiwillige militärische Einheit von Vermont. Auch Soldaten aus einer militärischen Einrichtung in Massachusetts helfen aus. Massachusetts grenzt im Süden direkt an Vermont. Über Tage und Wochen hinweg wird nach Midi gesucht. Die Wälder werden durchkämmt, Wege abgesucht, Schluchten überprüft. Doch Midi bleibt spurlos verschwunden. Gefunden wird fast nichts. Einige Zeit später taucht ein einzelnes Patronenstück auf. Ob es zu Midi gehört, ist aber nicht ganz klar. Monate später, im Frühjahr, findet eine Wanderin ein blaues Taschentuch. Sie findet es nicht weit entfernt von dem Gebiet, in dem Midi zuletzt gesehen wurde. In das Taschentuch sind ein paar Münzen eingewickelt, insgesamt 30 Cent. Das Taschentuch soll Midi gehört haben und wird näher untersucht. Ob es tatsächlich von ihm stammt, lässt sich aber nicht sicher sagen. Der Anführer eines Suchtubs berichtet damals gegenüber einer Zeitung, dass man davon ausgeht, Middies Überreste irgendwann zu finden. Er sagt auch, dass in der Region in den vergangenen Jahrzehnten schon zuvor mal Menschen verloren gegangen seien, aber alle seien letztlich wieder gefunden worden. Nur Middy nicht. Die Suche wird irgendwann schließlich eingestellt und ein Jahr später verschwindet Paula. Nur wenige Kilometer entfernt. In derselben Gegend, auf demselben Wanderweg. Damals denkt noch niemand an ein Muster.
Midi gilt als tragischer Einzelfall. Ein alter Mann, der sich vielleicht verirrt hat und gestürzt ist. Der vielleicht irgendwo liegt, wo ihn niemand findet. Aber mit Paulas Verschwinden ändert sich diese Einstellung. Plötzlich wirkt Midis Fall ganz anders. Nicht mehr wie ein Unglück, sondern wie der Anfang von etwas, das man zu diesem Zeitpunkt noch nicht benennen kann. Und es bleibt nicht dabei. Nach Paulas Verschwinden wird es in dieser Gegend rund um Bennington wieder still. Zum Jahrestag ihres Verschwindens gibt es in den Zeitungen wieder Artikel, aber es gibt keine ungewöhnlichen Vorkommnisse. Jedoch nur für kurze Zeit. Denn drei Jahre später verschwindet wieder jemand. Und zwar am selben Datum wie auch schon Paula. Am 1. Dezember 1949.
Auf den Tag genau drei Jahre später. Der Mann, um den es jetzt geht, heißt James. Er ist 68 Jahre alt und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Er lebt im Vermont Soldiers Home in Bennington. Ein Heim, in dem Veteranen untergebracht sind. In den Zeitungen wird später geschrieben, dass James psychische Probleme hatte.
James war am 1. Dezember bei Verwandten in St. Albans zu Besuch, ganz im Norden von Vermont, nahe der kanadischen Grenze. Am Abend bringen ihn seine Angehörigen zum Busbahnhof. Dort trifft James noch einen Bekannten, mit dem er sich kurz unterhält. Dann steigt er in den Bus nach Bennington. 18.15 Uhr ist Abfahrt. Die Fahrt dauert jetzt mindestens dreieinhalb Stunden. Was danach passiert, ist der Teil dieser Geschichte, der bis heute wirklich komisch ist. Mehrere andere Fahrgäste, insgesamt 14, sagen später aus, dass James während der gesamten Fahrt auf seinem Sitz saß. Manche erinnern sich daran, dass er geschlafen haben soll. Auch der Busfahrer erinnert sich an ihn. Der Bus fährt durch Vermont, Stunde um Stunde, von Norden nach Süden. Der Bus hält unterwegs ein paar Mal an. Menschen steigen ein und aus. Der Busfahrer kontrolliert die Haltestellen. Niemand erinnert sich daran, dass James aussteigt. Dann erreicht der Bus Bennington und als die Türen aufgehen, ist James plötzlich nicht mehr da. Auch nicht irgendwo zwischen den Sitzen, nicht im Gang, nicht auf der Toilette. Er ist einfach nicht mehr in diesem Bus. Aber sein Gepäck liegt noch auf dem Sitz. Neben dem Koffer liegt ein offener Fahrplan. Alles ist noch da.
Nur James fehlt. Zeitungen schreiben später, er habe sich im fahrenden Bus, Zitat, in Luft aufgelöst. Diese Formulierung taucht immer wieder auf. Auch wenn klar ist, dass es dafür keine logische Erklärung gibt. Es gibt ein paar Hinweise, dass James vielleicht schon vorher ausgestiegen sein könnte und das nur niemand bemerkt hat. Der Busfahrer sagt, dass ein Mann, der James ähnlich sah, möglicherweise in Brandon ausgestiegen sein könnte, rund 115 Kilometer vor Bennington. In derselben Nacht untersucht die Polizei in Brandon sogar eine Meldung über einen Mann, der sich seltsam verhält und auf James' Beschreibung passt. Ob er es wirklich war, kann nie aufgeklärt werden. Das Verschwinden von James wird auch erst eine Woche später offiziell gemeldet. Erst am 8. Dezember 1949 informiert das Vermont Soldiers Home die Polizei. Der Autor Tony Jinks weist später darauf hin, dass es dadurch eine zeitliche Lücke gibt. Er sagt, die Vorstellung, James habe sich im fahrenden Bus aufgelöst, sei zu einfach. Auch mit dieser zeitlichen Lücke bleibt James nun mal verschwunden. Es gibt keine Spur von ihm. Wieder ein Mensch, der einfach spurlos rund um Bennington verschwindet. Mit Paula und Midi sind es jetzt drei. Fast ein Jahr ist nach dem Verschwinden von James nun schon vergangen, bis wieder jemand verschwindet.
Und dann wird es besonders tragisch, denn dieses Mal verschwindet ein Kind. Am 12. Oktober 1950 ist Paul, auch genannt Buddy, acht Jahre alt. An diesem Tag ist er mit seiner Mutter unterwegs. Sie erledigt Arbeiten auf der Familienfarm. Die Familie hat ein Gelände am Rand der Stadt und hält dort Schweine. Es ist früher Nachmittag, ein ganz normaler Tag. Gegen 15 Uhr fahren Paul und seine Mutter gemeinsam mit dem Pick-up zu den Schweinen. Paul bleibt im Auto sitzen, während seine Mutter sich um die Tiere kümmert. Sie ist ja auch nicht weit weg. Sie lässt ihn für ungefähr eine halbe Stunde allein. Als sie gegen 16 Uhr zurückkommt, ist Paul aber nicht mehr im Pick-up. Man kann sich diesen Moment kaum vorstellen. Das Auto steht noch da, die Türen sind nicht aufgebrochen, aber Paul ist einfach verschwunden. Zuerst sucht seine Mutter nach ihm. Dann kommen andere Menschen dazu, die helfen. Sie suchen das Gelände ab, auch den Wald direkt daneben, sowie die Wege, die man schnell erreichen kann. Pauls Name heilt mehrmals laut durch den Wald, immer wieder. Aber niemand antwortet. Niemand findet ihn.
Schließlich wird die Polizei eingeschaltet. Paul trägt an diesem Tag einen blauen Overall mit Schulterträgern. Darunter einen hellroten Pullover. An den Füßen Gummistiefel. Aber nirgendwo ist etwas Blaues im dichten Wald zu sehen. Auch ein Spürhund wird eingesetzt. Der Hund nimmt Pauls Spur direkt am Pickup auf. Er folgt ihr, weg vom Auto, entlang der angrenzenden Straße. Die Spur führt bis zu einer Kreuzung und dort endet sie, ganz abrupt.
Später sagt die Polizei, dass der Regen mögliche weitere Spuren weggewaschen haben könnte. Der Boden war nass und das Wetter unbeständig. Vielleicht erklärt das, warum der Hund nicht weiterkommt. Vielleicht gibt es dafür aber auch eine andere Erklärung. Es gibt verschiedene Theorien. Pauls Vater gibt später der Albany Times Union ein Interview. Daran sagt er, dass ein Autofahrer seinen Sohn angefahren haben könnte. Vielleicht gab es einen Unfall und jemand sei in Panik geraten. Vielleicht habe jemand Paul mitgenommen, ohne zu wissen, was er tut. Im selben Interview sagt sein Vater aber auch etwas anderes. Und das bleibt irgendwie bei uns hängen. Pauls Vater spricht nämlich von der merkwürdigen Anziehung der Berge. Paul habe in den Tagen vor seinem Verschwinden von nichts anderem gesprochen als den Bergen. Immer wieder. Allein der Gedanke ist schon, naja, sagen wir mal ungewöhnlich. Ein achtjähriger Junge, der immer wieder wie besessen von den Bergen spricht. Von genau der Gegend, in der schon andere Menschen einfach spurlos verschwunden sind. Von einem Ort, der für Erwachsene einfach nur ein Wald ist. Und für ein Kind vielleicht etwas ganz anderes.
Zeitungen damals schreiben allerdings auch, dass Paul vorher schon mal weggelaufen ist. Ob das ja eine Rolle spielt, weiß aber niemand so genau. Auch die Suche nach Paul wird groß aufgezogen. Hunderte Menschen beteiligen sich daran. Man sucht im Wald, entlang der Straßen und in der Umgebung der Farm. Aber ohne Ergebnis. Paul kann einfach nicht gefunden werden. Ein achtjähriges Kind ist verschwunden und spätestens jetzt beginnt man sich in Bennington zu fragen, ob diese ganzen Vermisstenfälle wirklich nur ein merkwürdiger Zufall sind. Und dann vergehen nicht einmal drei Wochen, bis wieder jemand verschwindet. Am 28. Oktober 1950, nur 16 Tage nach Paul, da ist es eine Frau, die plötzlich wie vom Erdboden verschluckt ist. Ihr Name ist Frida, sie ist 53 Jahre alt. Frieda ist an diesem Oktobertag mit ihrem Ehemann Max und ihrem Cousin Herbert unterwegs. Sie kommen aus North Adams in Massachusetts, direkt an der Grenze zur Vermont.
Ihr Ziel ist die Familienhütte in der Nähe von Somerset, einer abgelegenen Gegend mit viel Wald, Wasser und schmalen Wegen. Wir haben uns auf Karten mal den Verlauf des Long Trails angeschaut. Somerset liegt weiter östlich, aber die Gegend ist nicht weit von Bennington entfernt. Frieda ist keine Anfängerin. Zeitungen beschreiben sie als erfahrene Wanderin und Jägerin. Sie kennt sich hier draußen aus. Sie weiß, wie man sich im Gelände bewegt. Ähnlich wie Midi, der vor fünf Jahren verschwunden ist. Am Vormittag brechen Frieda und ihr Cousin gemeinsam auf. Ihr Ehemann bleibt zurück. Er schont sein verletztes Knie. Während der Wanderung rutscht Frieda gegen 13 Uhr aus und fällt in einen Bach. Sie ist komplett durchnässt. Es ist Ende Oktober und die Temperaturen sind niedrig. Nasse Kleidung kann schnell gefährlich werden. Deswegen entscheidet sich Frida, allein zurückzugehen. Sie sagt ihrem Cousin, dass sie eine Abkürzung zur Hütte zurücknimmt, sich umzieht und später dann wieder zu ihm dazustoßen will. Ihr Cousin wartet auf dem Weg. Doch Frida kommt nicht zu ihm zurück und sie ist auch nicht in der Hütte. Als klar wird, dass sie verschwunden ist, beginnt auch hier wieder eine große Suchaktion. Rund 300 Menschen durchkämmen die Gegend. Auch Hubschrauber kommen zum Einsatz. Wälder, Wege und die Umgebung von Somerset werden abgesucht. Tagelang. Und wieder mal ohne Ergebnis.
Friedas Ehemann äußert später eine Vermutung. Er sagt gegenüber der Presse, dass Frieda immer mal wieder Krampfanfälle hatte. Die Kälte und die Nässe könnten so einen Anfall vielleicht ausgelöst haben. Vielleicht war Frieda deswegen desorientiert und hat sich dann verlaufen. Aber das ist und bleibt reine Spekulation. Erst Monate später, am 12. Mai 1951, da wird etwas gefunden. Und zwar Frieda selbst. Im Gegensatz zu Middy, Paula, James und dem achtjährigen Paul entdecken Fischer die Leiche von Frieda. Etwa fünf bis sechs Kilometer südöstlich ihres Camps. Es ist eine Gegend, die zuvor eigentlich schon nach Frieda durchsucht worden ist. Der Zustand der Leiche ist ziemlich schlecht. Eine genaue Todesursache lässt sich deswegen nicht mehr feststellen. Die Polizei vermutet, dass Frieda einen Abhang hinuntergestürzt ist und in ein tiefes Gewässer gefallen sein könnte.
Möglicherweise wurde ihr Körper erst Monate später durch die Schneeschmelze weitergespült. Frieda ist bisher die einzige der verschwundenen Personen, die wieder aufgetaucht ist. Aber auch ihr Fall beantwortet keine Fragen, ganz im Gegenteil. Er wirft eher neue Fragen auf. Innerhalb nur weniger Jahre verschwinden rund um Bennington insgesamt fünf Menschen unterschiedlichen Alters unter ganz unterschiedlichen Umständen. Und spätestens jetzt ist klar, das hier ist mehr als ein einzelner tragischer Fall. Irgendetwas stimmt hier nicht mit der Gegend. Aber was? Denn bis hierhin könnte man ja jeden Einzelnen dieser Fälle für sich betrachten. Ein Mann verschwindet auf einer Busfahrt. Ein Kind aus einem Auto. Ein Mann, eine Frau und eine Studentin verirren sich im Wald. Für jeden Fall gibt es Erklärungsversuche. Ein Unglück, ein Zufall, ein Fehler oder einfach nur Pech. Aber spätestens 1950 passiert wieder etwas. Etwas anderes. Journalisten fangen nämlich an, die Fälle nebeneinander zu legen.
Werbung. Werbung Ende. Im November 1950 erscheint im Bennington-Banner ein Artikel. Er zählt auf, wer in den vergangenen Jahren rund um Bennington verschwunden ist. Und er stellt eine Frage, die vorher so offen nicht gestellt wurde. Nämlich, ob es hier einen Zusammenhang gibt. Der Artikel zieht einen ungewöhnlichen Vergleich. Er spricht von einem möglichen verlorenen Horizont. Eine Anspielung auf den Roman Der verlorene Horizont von James Hilton aus dem Jahr 1933.
Darin geht es um Menschen, die in einer abgelegenen mystischen Bergregion spurlos verschwinden. Das ist natürlich kein Beweis, aber die Zeitung erschafft damit ein Bild. Das Bild einer gruseligen Gegend, in der Menschen verschwinden. Und so ein Bild bleibt natürlich hängen. In den Jahren danach tauchen die Vermisstenfälle immer wieder in den Zeitungen auf. Vor allem der Fall von Paula.
Im Podcast Brave Little State wird später beschrieben, dass das Verschwinden dieser fünf Menschen lange kein großes Thema außerhalb von Südwest-Vermont war. Wer nicht dort lebt, bekommt davon kaum etwas mit. Bis jemand den Fällen einen Namen gibt. 1992, mehr als 40 Jahre nach den Ereignissen, spricht ein Autor aus Vermont in einer Radiosendung über genau diese Region. Sein Name ist Joseph A. Citro. Er ist Schriftsteller und Folklorist und beschäftigt sich seit Jahren mit Mythen, Geistergeschichten und regionalen Überlieferungen der Gegend. Citro hat regelmäßig Beiträge im Radio, unter anderem beim Vermont Public Radio. Und in einer dieser Sendungen spricht er auch über die verschwundenen Menschen rund um Bennington. Und er nennt das Ganze das Bennington Triangle, das Dreieck, so wie das Bermuda Dreieck.
Citro sagt später selbst, dass der Name ganz bewusst gewählt war. In einem Interview erklärt er, er habe einen Begriff gesucht, der vertraut klingt. Er habe den Namen einfach aus der Luft gegriffen, aber der Name bleibt. Und mit ihm wächst auch die Geschichte. In den Jahren danach greift Citro das Bennington Dreieck immer wieder auf. In Radiosendungen, in Büchern, zum Beispiel im Buch Passing Strange – True Tales of New England Hauntings and Horrors aus dem Jahr 1996. Dort schreibt er, dass es in der Gegend schon seit der Gründung im Jahr 1761 Berichte über seltsame Lichter, unerklärliche Geräusche und ungewöhnliche Gerüche gegeben habe.
Citro bezieht sich dabei auch auf Erzählungen über indigene Gruppen, die die Gegend gemieden haben sollen. Sie hätten den Ort als Begräbnisstätte genutzt und geglaubt, der Ort sei verflucht, weil sich dort die vier Winde treffen. Gemeint sind damit die vier Himmelsrichtungen. Die Gegend, das Dreieck, ist laut Citro also ein Schwellenort. Ein Übergang zwischen Leben und Tod. Außerdem taucht in diesen Erzählungen immer wieder ein verzauberter Stein auf, der Menschen verschlucken soll. Citro selbst sagt später, dass seine Bücher nicht unbedingt seiner eigenen Überzeugungen widerspiegeln. Er beschreibt Folklore, Geschichten und Überlieferungen. Und manchmal sagt er, wisse selbst er nicht mehr genau, was er irgendwo gehört habe und was vielleicht mit der Zeit ausgeschmückt wurde. Citro gibt also offen zu, dass er viel spekuliert hat. Dass er Ideen eingeführt hat, an die er selbst nicht unbedingt glaubt. Zum Beispiel auch die Vorstellung von Entführungen durch Außerirdische oder von diesen menschenfressenden Felsen in den Bergen. Er sagt, genau das sei das Problem mit Folklore. Pakten und Fiktion vermischen sich und irgendwann lässt sich nicht mehr klar trennen, was woher stammt. Mit dem Internet bekommt diese Geschichte dann nochmal ein Eigenleben.
Podcasts, Blogs und Fernsehsendungen berichten über das Bennington-Dreieck. Die fünf vermissten Fälle werden dabei immer wieder neu erzählt. Oft mit neuen Details. Manchmal auch mit erfundenen. Und vor allem auch mit Theorien. Menschen aus der Gegend erzählen von seltsamen Lichtern über den Baumwipfeln. Von Geräuschen im Wald, die sie nicht einordnen können. Von Stimmen, die sie im Radio hören wollen, obwohl gar kein Signal zu empfangen ist. Manche berichten, dass sie sich auf Wegen verlaufen haben, die sie eigentlich gut kennen. Dass Richtungen einfach nicht mehr stimmen und dass Entfernung sich irgendwie falsch anfühlen. Das sind natürlich keine belegten Ereignisse. Aber es sind Berichte. Und sie häufen sich. Auch alte Geschichten kommen wieder hoch. Zum Beispiel die vom sogenannten Bennington-Monster. Eine große, behaarte Gestalt, die ein bisschen wie Bigfoot aussehen soll. Menschen wollen große Fußspuren gesehen und Schreie gehört haben, vor allem nachts. In der Doku Most Terrifying Places in America erzählt ein Mann, dass ihm genau das passiert ist. Der Paraforscher und ehemalige Privatdetektiv Jason beschreibt eine Nacht im Sommer 2014. Er sei mit dem Auto in den Bergen unterwegs gewesen, spät in der Nacht. Er parkt irgendwo am Rand der Straße. Er sitzt auf dem Wagen, schaut in den Himmel, als er plötzlich einen Schrei hört. Ihm sei dabei das Blut in den Adern gefroren.
Jason sagt, danach sei es plötzlich vollkommen still im Wald geworden. Nicht mal eine Grille sei zu hören gewesen. Nichts. Und dann habe er den Schrei wieder gehört. Dieses Mal näher. Er sagt, in diesem Moment habe er das Gefühl gehabt, dass sich etwas auf ihn zubewegt. Jason rennt ins Auto und fährt los. Als er um eine Kurve kommt, sieht er am Straßenrand etwas stehen. Er beschreibt eine große, aufrechte Gestalt. Beharrt, massiv. Sie habe sich aufgerichtet, zwei große Schritte über die Straße gemacht und sei dann im Wald verschwunden. Er sagt, das Wesen habe die Arme geschwungen und sei deutlich größer gewesen als sein Mensch. Etwa zwei Meter groß, vielleicht mehr. Jason sagt, er sei danach einfach weitergegangen. Er habe später angehalten, die Hände noch am Lenkrad und gezittert. Was er gesehen habe, werde er nie vergessen. Genau solche Berichte fügen sich mit der Zeit in das Bild ein, das viele von dieser Gegend haben. In diesem Zusammenhang taucht ein Name immer wieder auf, der eigentlich gar nicht zu den klassischen Vermisstenfällen gehört. Karl. Karl stirbt schon 1943, also zwei Jahre vor Paulas und den anderen Verschwinden.
Er ist Jäger und gerade mit einem Verwandten unterwegs, als sie sich im Wald trennen. Karl kommt nicht zurück. Tage später findet man seine Leiche. Auch seine Waffe liegt in der Nähe. Aber es wurde kein Schuss abgegeben. Die Todesursache ist das, was wirklich Fragen aufwirft. Karl ist nämlich innerlich schwer verletzt, seine Rippen haben die Lunge durchstoßen. Das sei ein Unfall gewesen, so das offizielle Ergebnis.
Damals sorgt sein Tod für keine größere Unruhe. Der Fall gilt als geklärt. Erst vier später, als die anderen Menschen rund um Bennington verschwinden, wird Carl wieder Teil der Geschichte. Manche spekulieren, ob seine Verletzungen wirklich nur durch einen Sturz entstanden sein könnten. Andere sprechen von großen Fußspuren in der Nähe des Fundorts von Carl. Könnte er vom sogenannten Bennington-Monster angegriffen worden sein?
All diese Geschichten entstehen nicht am Anfang, als die Menschen zuerst verschwinden, sondern sie entstehen erst danach, nach den vermissten Fällen, nach der Erkenntnis, dass es einfach keine klaren Antworten gibt. Natürlich glauben nicht alle daran. Es gibt auch Menschen in der Region, die sagen, dass das alles übertrieben ist. Das Gelände ist schließlich riesig. Der Wald ist dicht. Das Wetter kann schnell umschlagen. Es gibt alte Minenschächte, verlassene Brunnen und steile Abhänge. Alles Orte, an denen man stürzen oder verschwinden kann, ohne dass es jemand merkt. Ein Historiker sagt später, Glastonbury allein umfasse über 100 Quadratkilometer. Das ist etwa so groß wie die Fläche der Stadt Koblenz. Er wundere sich eher, dass nicht noch mehr Menschen dort verloren gehen. Auch das ist plausibel. Und trotzdem bleibt dieses Gefühl, dieses Unbehagen, weil Menschen hier einfach spurlos verschwinden. Man könnte jetzt sagen, dass das alles ja schon lange her ist. Aber das stimmt nicht so ganz. Denn auch heute noch berichten Menschen davon, dass ihnen in dieser Gegend Dinge passieren, die sie sich selbst nicht erklären können. Wie Jason und das Bennington-Monster. Oder auch Robert.
Im Oktober 2008 ist Robert 27 Jahre alt. Er ist College-Student, unterrichtet Musikkomposition und geht als erfahrener Wanderer. An einem Sonntag zieht er allein los, um wandern zu gehen. Startpunkt ist Woodford Hollow, genau dort, wo Paula 62 Jahre zuvor zuletzt gesehen wurde. Robert läuft mehrere Stunden lang. Hin und wieder macht er Pause, ist zu Mittag, bevor er sich auf den Rückweg macht. Er sagt später, er sei sechs bis acht Kilometer gelaufen. Eigentlich hätte er nach spätestens fünf Kilometern wieder an seinem Auto sein müssen. Stattdessen passiert etwas, das er selbst nur schwer in Worte fassen kann. Er beschreibt dem Bennington-Banner, dass es plötzlich dunkel geworden sei. Und auf einmal habe er nicht mehr gewusst, wo er ist oder was eigentlich gerade passiert. Nebel zieht auf. Es wird schnell kalt. Robert ist zwar warm angezogen, mit festen Stiefeln, Pullover, Regenjacke, Mütze und Handschuhen, aber als er seine Stirnlampe aus dem Rucksack holt, dann merkt er, dass die kaputt ist. Robert hat keinen Kompass dabei, kein GPS, keine Karte, nicht einmal eine Uhr. Er findet also den Weg nicht mehr. Er erzählt später, dass er sich Sorgen um seine Verlobte gemacht hat. Die hatte inzwischen die Polizei verständigt. Eine Suche wurde vorbereitet, aber wegen des Nebels und der Dunkelheit zunächst abgebrochen. Robert selbst sagt sich in dem Moment, dass die Sonne aufgehen wird und er dann den Weg schon finden wird.
Am nächsten Morgen macht er sich auf den Weg. Er glaubt, nur wenige hundert Meter von seinem Auto entfernt zu sein. Stattdessen läuft er mehrere Stunden, mehrere Kilometer. Dann stößt er auf ein Schild. Er ist fast auf dem Gipfel des Glastonbury Mountain. Für ihn ergibt das überhaupt keinen Sinn. Gegen 11.30 Uhr wird Robert dann von der Vermont State Police gefunden. Und zwar am Leben. Er ist zwar unterkühlt, aber unverletzt. Bis heute sagt er, dass er nicht weiß, wie er dorthin gekommen ist, wo man ihn gefunden hat. Entweder habe er eine Abzweigung genommen, die keinen Sinn ergab, oder es sei etwas passiert, das er sich nicht erklären kann. Und Robert ist nicht der Einzige, der auch in jüngster Zeit mit dieser Gegend in Verbindung gebracht wird.
2019 werden nahe Somerset die Überreste von Jessica gefunden. Die Polizei stuft ihren Tod als Tötungsdelikt ein. Später wird ihr Ex-Freund wegen Totschlags angeklagt. das Verfahren dann aber eingestellt.
2021 wird Joseph in seinem Truck in der Gegend entdeckt. Er war zuvor wochenlang vermisst worden. Sein Tod gilt als Suizid. Diese Fälle haben natürlich unterschiedliche Ursachen und Hintergründe. Und doch tauchen sie immer wieder im selben Zusammenhang auf, in derselben Gegend. Und dann gibt es noch ein Detail, das oft erst später auffällt, nämlich die Farbe Rot. Viele Foren und Podcasts fokussieren sich darauf, auf, dass Paula einen roten Parka getragen hat, als sie verschwindet. Der kleine Paul trägt unter seinem Overall einen hellroten Pullover. Später taucht die Farbe Rot auch in neueren Fällen aus der Gegend wieder auf. Jessicas Spitzname ist Red. Der Truck von Joseph ist rot.
Das beweist aber nichts. Vielleicht bedeutet das auch gar nichts. Vielleicht ist es bloß Zufall. Vielleicht fällt es uns nur auf, weil wir nach Mustern suchen. Aber genau so beginnen nun mal viele Geschichten über das Bennington-Dreieck. Nicht mit Antworten, sondern mit unerklärlichen Dingen. Vielleicht ist es genau das, was das Bennington-Dreieck ausmacht. Nicht ein einzelnes Rätsel, sondern die Summe aus Geschichten, die sich nicht auflösen lassen. Und aus Fragen, die bleiben, auch wenn man versucht, sie zu erklären. Die Menschen dort leben weiter ganz normal ihr Leben. Sie gehen arbeiten, fahren durch die Wälder, gehen wandern. Jeden Tag. So wie Paula. So wie Midi. So wie Paul. So wie Robert. Die meisten kommen immer wieder zurück. Einige vielleicht aber auch nicht.
Und damit können wir ganz gut, glaube ich, in die Diskussion rein starten. Und ich denke mal, was die meisten sich jetzt fragen, würde ich da wandern gehen? Also ihr jetzt alle da draußen, würdet ihr da wandern gehen? Aber auch du jetzt ganz explizit, Anne, würdest du da draußen wandern gehen? Du kennst mich ja jetzt schon eine ganze Weile. Was glaubst du? Ich vermute, nein. Ja, genau. Nee, ich glaube nicht. Also wenn man sich mal ein Foto anschaut von dieser Gegend, dann sieht es schon richtig cool aus. Ganz viel Wald, unendliche Landschaft, ganz viel Grün. Also so als Wandergebiet, als Spaziergebiet sieht es schon wirklich richtig toll aus. Aber jetzt, wo ich diese ganzen Vermisstenfälle dazu kenne...
Boah, weiß ich nicht. Also alleine würde ich auf gar keinen Fall spazieren gehen. Vielleicht noch eher mit einer Gruppe, aber dann darf sich niemand abspalten. Keiner darf stehen bleiben, keiner darf irgendwie um die Ecke ein Foto alleine machen. Alle müssen schön beieinander bleiben. Boah, also klar kann das irgendwie alles Einzelfälle sein, die da passiert sind, aber es ist schon halt auch ein bisschen auffällig, oder? Wie so ein Horrorfilm, weil niemand darf sich auftrennen, alle müssen zusammenbleiben und ich finde, Thema Horror, kennst du die Serie From? Nein. Okay, weil ich finde, das gibt mir richtig krasse From-Vibes. Das jetzt zu erklären, weil du sagst, du kennst es gar nicht. Ja, dann musst du es jetzt erklären. Ja, ich versuche mein Bestes, ich gebe mein Bestes. Also stell es dir so vor, das ist eine Art Parallelwelt, irgendwo da draußen bei uns hier auf der Erde aber, wo dann beispielsweise eine Gruppe mit einem Bus hinfährt und nicht mehr rauskommt aus dieser Area und dort dann gefangen ist. Und dort gibt es dann auch nachts Monster, Dämonen, die die halt jagen. Und ich meine, ich bin da selbst noch nicht weiter, deswegen bitte nicht spoilern, wenn ihr da draußen wisst, wie es weitergeht.
Ich würde mich ja auf gar keinen Fall in diesen Bus da setzen. Ja, richtig. Deswegen habe ich nämlich auch, als wir heute über den Bus gesprochen haben, habe ich mich daran so ein bisschen erinnert, weil es gibt auch in der Serie so einen Bus, aber ist egal jetzt. Und ich finde, das hat so ein bisschen Parallelen gehabt, weil die Leute gehen da wandern und du findest keine Spur von denen. Ja, nichts, gar nichts. Weil, wir sind ja hier ein bisschen im Paranormalen unterwegs, sie in dieser Parallelwelt gefangen sind und sie nicht mehr rauskommen können. Das wäre so ein bisschen, was ich jetzt von der Serie jetzt als Vibe so bekomme, wo ich sage, okay, das könnte unter paranormalen Betrachtungsweisen durchaus möglich sein. Mich hat es ein bisschen an Dark erinnert, an die Serie Dark. Die habe ich wiederum noch nie geguckt. Ich kenne so ein bisschen den Plot, aber erzähl gerne mal. Das heißt, du weißt, dass es um Zeitreisen geht in der Serie.
Und da spielt eine Höhle im Wald eine wichtige Rolle, dass wenn man in die Höhle geht, dann kannst du in der Zeit reisen, also in die Vergangenheit. Und das hat mich so ein bisschen daran erinnert, weil die Leute ja wirklich spurlos verschwunden sind. Und ja auch verschiedene Leute, verschiedenen Alters, verschiedenen Geschlechts. Und so dieses Thema Berge und Natur hat ja vor allem auch bei dem kleinen Jungen eine Rolle gespielt. Du erinnerst dich ja sicherlich, dass der Papa dann berichtet hat, dass das Kind immer wieder diese Berge trägt. Benannt hat. Und auch in anderen Mystery-Geschichten spielen ja auch so Berge und so deren Kraft eine ganz große Rolle. Also, ach, ich weiß nicht. Ihr wisst ja mittlerweile alle, dass wir jetzt nicht so die mega-paranormal-gläubigen, und trotzdem haben wir aber Angst, dass wir da hingehen. Wie würden wir das denn sagen? Wir sind keine...
Paranormal-Ultras. Paranormal-apropos-Ultras. In dem Sinne, dass wir es glauben. An der Stelle, guter, jetzt klinge ich mich nochmal ganz kurz ein, weil ich es nämlich vorgestern vergessen habe, am Ende zu erwähnen, an alle Leute, die am Ende geschrieben haben, dass ihr Diskussionsultras seid, ey, ganz, ganz viel Liebe an euch alle. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele das schreiben, das hat mich richtig gefreut. Ja, ist schon cool zu wissen, dass die Leute sich das noch anhören, was wir jetzt hier so reden, während ich nicht die richtigen Worte finden kann. Aber genau, also wir sind ja jetzt nicht dafür bekannt, dass wir die Mega-Paranormal-Ultra sind. Wir sind keine Paragläubigen. Ja, sagt man das so? I don't know, wir sagen das jetzt so. Aber irgendwie hat man trotzdem hier bei der Geschichte oder Geschichten, das sind ja mehrere, das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt, oder? Und mir ging das schon als Kind so, dass ich nicht genau wusste, was das Bermuda-Dreieck ist, aber mir hat es irgendwie Angst gemacht. Also wann immer ich darüber gestolpert bin, wusste ich schon, okay, da geht es nicht mit rechten Dingen zu. Das ist auch bis heute so. dass ich so, Bermuda-Dreieck ist so, okay, Abstand.
Und irgendwie passt es so zu der Folge heute, dass da irgendwas doch nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Aber gleichzeitig auch Thema Bermuda-Dreieck und es gibt ja auch noch unterschiedlich andere Themen, die in der Kindheit so eine große Rolle gespielt haben. So Piranhas, Treibsand und gefühlt nichts davon spielt in meinem Leben eine Rolle. Ich meine jetzt, okay, das erste Mal hier Bennington Triangle bzw. Bermuda-Dreieck. Aber ansonsten muss ich sagen, habe ich das als Kind ein bisschen falsch eingeschätzt? Was mir auch gerade einfällt, wir hatten ja kürzlich auch den Fall von dem verschwundenen, wohlhabenden Mann in Thailand, nicht in Thailand, im Nachbarland, in Malaysia war das, ne?
Kann sein. Wo ja auch nicht klar war, okay, was ist mit dem passiert? Ist der freiwillig abgehauen oder ist er da im Dschungel verschwunden? Und das Gleiche könnten wir jetzt ja hier auch sagen, dass die Leute vielleicht irgendwie einen Abhang runtergefallen sind. Aber hier ist es ein Wald, das ist kein Dschungel. Also der ist jetzt nicht so super krass dicht bewachsen, wie es der Dschungel war in dem anderen Fall. Und wir haben hier so diesen offiziellen Wanderweg, den Long Trail. Deswegen kann ich mir irgendwie nicht vorstellen, dass alle, die hier in der Folge verschwunden sind, in den Geschichten, dass die so weit vom Weg abgekommen sind, dass man sie deswegen nicht wiedergefunden hat. Weißt du, ich finde, das ist hier irgendwie ein bisschen was anderes. Ja, das könnte ich mir auch ganz gut vorstellen. Und ich meine, wir haben ja auch in der Folge darüber gesprochen, dass viele denn so in dieser Farbe roten Muster sehen wollten. Was, sind wir mal ehrlich, also das wird jetzt nicht so viel Sinn ergeben. Außer ihr habt da draußen wirklich ganz stichhaltige Argumente. Aber ich könnte mir auch vorstellen, dass es hier auch wieder dieses Musterthema ist. Viele Leute verschwinden halt an dieser Stelle. Klar sehen wir das als ein Muster. Klar geben wir dem als Menschen, weil wir denken, alles hat einen höheren Sinn.
Natürlich geben wir dem dann auch einen höheren Sinn. Wir sind natürlich immer super neugierig über eure Theorien und Gedanken, was ihr glaubt, was hier passiert sein könnte. Aber das ist eine Folge, da bin ich wieder besonders gespannt, was ihr davon haltet. Und wir wissen auch schon, was wir so in den nächsten Monaten hier in den paranormalen Folgen erzählen wollen. Und so in den nächsten Monaten sind das auch teilweise echt ganz unterschiedliche Fälle. Deswegen sind wir sowieso gespannt, wie ihr diese Art von Folge findet. Und ihr könnt uns auch gerne immer neue paranormale Fälle vorschlagen. Patrick, was steht noch so an? Was steht bei mir sonst noch an? Bevor wir hier so den harten Cut, den Rausschmeißer-Cut machen. Ich meine, wir haben es ja schon erzählt in der Folge, die ihr alle vielleicht schon gehört habt am Dienstag, dass gestern, für euch gestern, für uns noch immer in der Zukunft, diese YouTube-Podcast-Awards sind. Aber ihr werdet, also ich werde zumindest bei mir im Twitch-Stream ThePatrick, ich lerne es immer schneller, das auch hinterherzugeben, auf Twitch werde ich euch bestimmt schon heute am Donnerstag erzählen, wie es war aber ansonsten werden wir das auch sehr wahrscheinlich, werden wir nicht vergessen Videos und Fotos zu machen, morgen auf Instagram.
Posten, in unserem Weekly Recap, bei Schwarze Akte, alles klein und zusammengeschrieben auf Instagram und ich bin ehrlich ansonsten, ich predikte jetzt, dass ich jetzt gerade, wo ihr diese Folge hört, im Fitnessstudio bin weil ich gerade versuche, ein bisschen häufiger ins Fitnessstudio zu gehen, werdet ihr vielleicht dann auch im Weekly Recap sehen. Keine Ahnung. Wie sieht es bei dir aus? Was steht bei mir an? Ja, ich habe gerade, während du schon geredet hast, auch überlegt, ich besuche jetzt am Wochenende meine Familie und freue mich natürlich besonders auf die kleine Nala. Die habt ihr vielleicht ja auch schon mal auf Instagram gesehen, die auch schon mal bei einer Aufnahme von uns dabei war. Du erinnerst dich, da lag sie zum Glück ganz still und brav schlafend unterm Tisch, weil sie das wohl sehr langweilig fand, was wir hier besprochen haben. Aber genau, das steht bei mir so an. ein bisschen chilliger nach der doch eher ereignisreichen vergangenen Woche. Aber genau, wir freuen uns super doll, wenn ihr auf Instagram vorbeischaut, denn jeden Freitag teilen wir da ja so ein bisschen was aus unserem Leben. Da lernt ihr uns noch ein bisschen besser kennen. Und dann würde ich sagen, machen wir jetzt hier diesen harten Cut, sagen Tschüss und freuen uns, wenn ihr nächste Woche Dienstag wieder zuhört. Überall.
Wir sind eure Hosts Anne Luckmann und Patrick Strobusch Redaktion Johanna Müsiger Schnitt Anne Luckmann, Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios Besonderer Dank geht an Falco Schulte, Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!