Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Es ist ein kalter Dezember-Tag im winterlichen New York. Trotz eisiger Temperaturen herrscht reger Trubel auf der berühmten Fifth Avenue. Hier, mitten in Manhattan. Dick eingepackt stapft die 25-jährige Dorothy den Gehweg entlang, die Hände in ihrem kuscheligen Muff vergraben. Sie muss sehr aufpassen, dass sie nicht ausrutscht. Aber der eng geschnittene Rock ihres Kostüms lässt eh so wenig Beinfreiheit, dass sie sowieso nur kleine Schritte machen kann. Wenn man an die Vorweihnachtszeit in New York denkt, Dann hat man schnell Bilder von bunt beleuchteten Straßen und Hochhäusern im Kopf. Oder vielleicht auch von dem riesigen Weihnachtsbaum, der jedes Jahr mitten in Manhattan aufgebaut wird. Dorothy kennt das alles nicht. Sie lebt im Jahr 1910, zu einer Zeit, in der es auf der Fifth Avenue weder das Rockefeller Center noch den Trump Tower gibt. Eine Zeit, in der die St. Patrick's Cathedral mit ihren zwei spitzen Türmen das wohl berühmteste Wahrzeichen auf der Straße ist und sich die New Yorker Bibliothek noch im Bau befindet.

Während Dorothy also an diesem Wintertag die berühmte Fifth Avenue entlangläuft, sieht sie keine riesigen Wolkenkratzer und auch keine Weihnachtsdekoration in den Schaufenstern. Stattdessen spaziert sie an Geschäftsgebäuden und herrschaftlichen Wohnhäusern vorbei, in denen die New Yorker Oberschicht haust. Dorothy genießt die Bewegung an der frischen Luft, besonders als sich auch noch die Sonne blicken lässt. Sie mag den Trubel hier auf der Straße, das geschäftliche Treiben, die Kutschen, die vorbeifahren und manchmal sogar auch ein Auto. Und auch die ganzen Blicke stören sie nicht sonderlich. Sie hat sich längst daran gewöhnt, dass ihr Gesicht in der Stadt bekannt ist. Niemand, der jemals die Fifth Avenue entlang gelaufen ist, wird glauben, dass hier ein Mensch einfach so verschwinden kann. Zumindest nicht, wenn er nicht auch verschwinden will. Was Dorothy an diesem kalten Wintertag passiert, birgt ein so großes Mysterium, dass man auch über 100 Jahre später noch über die Frau sprechen wird, die sich einfach mitten in Manhattan in Luft aufgelöst hat. Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit mir gegenüber Patrick Strohbusch. Und mir gegenüber mit Anne Luckmann. Hello! Und mit diesem mysteriösen Teaser nehmen wir euch heute mit in das Jahr 1910.

Werbung. Werbung Ende. Zu dieser Zeit leben in New York knapp 5 Millionen Menschen, allein fast die Hälfte davon in Manhattan. Mal zum Vergleich, heutzutage nennen mehr als 8,5 Millionen Personen New York City ihr Zuhause. Tendenz steigend. Anfang des 20. Jahrhunderts ist elektrisches Licht schon längst in den großen Städten verbreitet. Generell ist Elektrizität als Teil der öffentlichen und auch privaten Infrastruktur schon nicht mehr wegzudenken. Wer es sich leisten kann, schafft sich Luxusgüter wie Staubsauger und Waschmaschinen an. Das ist für die meisten Familien der Mittelschicht noch nicht der Fall. Ganz im Gegensatz zu all jenen aus der High Society, so wie Dorothy und ihre Familie.

1910 haben bereits Millionen Haushalte in den USA einen eigenen Telefonanschluss, aber eben noch längst nicht alle. Wer wissen will, was bei den Nachbarn oder in der Welt so los ist, muss sich mit dem begnügen, was in den Zeitungen geschrieben wird. Zwar gibt es schon erste Radios, doch die Technik steckt noch in den Kinderschuhen. Erst vier Jahre zuvor wurde überhaupt zum ersten Mal eine menschliche Stimme drahtlos übertragen. Im Januar 1910 findet in New York dafür zum ersten Mal eine öffentliche Radiosendung statt, in der Musik gespielt wird. Der technologische Fortschritt erleichtert das Leben vieler Menschen in den Großstädten. New York City zum Beispiel hat zu dieser Zeit bereits ein ausgeklügeltes Straßenbahnsystem, das allerdings ab dem Zeitpunkt zunehmend mit elektrisch betriebenen Bahnen statt Pferdewagen betrieben wird. Und worauf man besonders stolz ist, seit ein paar Jahren fährt in New York sogar auch eine eigene U-Bahn, die dann im Laufe der nächsten Jahrzehnte durch die Erfindung von Bussen und Autos die Straßenbahn komplett ablösen wird. Und überhaupt, dank der Einführung des Fließbandes ist quasi gerade zum ersten Mal ein Automobil auf den Markt gekommen, das für die breite Masse erschwinglich ist. Das Ford Model T.

1910 gibt es allerdings fast keine wirklichen Regeln für den Verkehr. Es existiert zwar eine Geschwindigkeitsbegrenzung von ca. 16 kmh in der Stadt, aber es gibt keine Fahrbahnmarkierungen, Ampeln oder Stoppschilder. Und wer fahren will, muss auch keine Prüfung ablegen oder einen Führerschein besitzen. Der Alltag vieler Menschen ist Anfang des 20. Jahrhunderts wirklich deutlich anders als heute. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt in den USA etwa 50 Jahre.

Lungenentzündungen, Grippe und Durchfall, also schwere Dehydrierung, zählen zu den häufigsten Todesursachen. Geburten finden überwiegend zu Hause statt. Auf gesellschaftlicher Ebene gibt es eine klare Trennung in Klassen. Die reichen, alteingesessenen Familien werden auch Old Money genannt. Reichtum allein genügt allerdings nicht, um sich zu High Society zählen zu können. Auch die Herkunft ist entscheidend. Es gibt in New York seit Ende des 19. Jahrhunderts ein Verzeichnis, das Social Register, in dem die gesellschaftlich angesehenen Mitglieder der Oberschicht aufgelistet werden. Nicht nur aus New York, sondern aus 13 ausgewählten Großstädten der USA. Dorothy und ihre Familie stehen auch in diesem Verzeichnis, das übrigens heute noch geführt wird. Es wird allerdings ein großes Geheimnis darum gemacht, welche Voraussetzungen die Mitglieder ganz konkret erfüllen müssen, um in das Register aufgenommen zu werden. Ein Blick auf die Liste zeigt, dass die aufgeführten Personen überwiegend weiß, christlich und gut vernetzt sind. Die Frauen der High Society haben neben ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen, Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem eine Erwartung zu erfüllen. Sie sollen heiraten. Natürlich nur jemanden aus ihrem eigenen Stand und ein diskretes, sittsames und angepasstes Leben führen. Wer aus der Reihe tanzt, der riskiert einen Skandal, der den Ruf der gesamten Familie schädigen kann. Und das darf unter gar keinen Umständen passieren. Denn ihr Ruf bedeutet den Familien der Oberschicht alles.

Selbstbestimmung ist für viele dieser Frauen nicht mehr als ein abstrakter Begriff, gerade auch was ihre Sexualität betrifft. Selbst wenn sie wollen, dürfen die meisten von ihnen keinen eigenen Beruf ergreifen. Geld ist schließlich mehr als genug da und das verdienen eben die Männer. Und mitten in diesem New York des frühen 20. Jahrhunderts lebt Dorothy in ihrem goldenen Käfig, gefangen zwischen gesellschaftlichen Zwängen, einer heimlichen Liebschaft und ihrem großen Wunsch, Schriftstellerin zu werden. Dorothy ist an dem Tag, an dem sich das große Mysterium von Manhattan ereignen wird, 25 Jahre alt. Sie wohnt zu dem Zeitpunkt noch in ihrem Elternhaus im Herzen New York City, wo sie mit ihren drei Geschwistern aufgewachsen ist.

Dorothy ist ein ruhiger, etwas ernsterer Typ Mensch, aber mit einer klaren Vorstellung von einem glücklichen Leben. Um sie mit den Worten eines Zeitungsartikels von damals zu beschreiben, ich lese euch das mal vor, da steht, Dorothy steht auf dem Gipfel ihrer Jugend. Sie ist reich, besonders begünstigt, gesegnet mit Zukunftsaussichten und für das äußere Auge vollkommen glücklich. Aber wirklich ehrlich glücklich ist sie nicht. Eigentlich sollte sie auch, zumindest was die gesellschaftlichen Erwartungen entspricht, mit 25 Jahren längst verheiratet sein. Das durchschnittliche Heiratsalter für Frauen liegt 1910 bei etwa 21 Jahren, für Männer bei ca. 25 Jahren. Heute heiraten Frauen im Durchschnitt ungefähr mit 28 und Männer mit 30 Jahren. Das Problem ist nur, Dorothys Herz ist längst vergeben. Allerdings an niemanden, den ihr Vater als ihren zukünftigen Ehemann akzeptieren würde. Und ohne die Einwilligung des Vaters kann Dorothy so ziemlich gar nichts machen, wie sie schon mehrfach im Laufe ihres Lebens feststellen musste. Wie gerne sie doch ihre eigene kleine Wohnung hätte, wo sie in Ruhe ihr Ding machen und vor allem auch schreiben kann. Dorothy liebt Bücher und die Art und Weise, wie aus ein paar gut gewählten Worten eine ganze Geschichte entstehen kann.

Sie denkt gern an ihr Studium am Bryn Maw College zurück. Fünf Jahre ist es her, dass sie dort ihren Abschluss in Literatur und Sprachen gemacht hat. Eine besondere Ehre. Das College gilt Anfang der 1900er Jahre als besonders fortschrittlich, was Frauenrechte betrifft. Es ist eine der ersten Institutionen in den USA, an der Frauen überhaupt Hochschulabschlüsse machen und sogar auch promovieren können. Während ihrer Zeit am College hat Dorothy den deutlich älteren George kennengelernt, der auf eigenen Wunsch von allen nur Junior genannt wird. Dabei ist er gar nicht mehr so Junior. Er ist 42 Jahre alt, arbeitet als Ingenieur, wohnt aber noch bei seinen Eltern in Pittsburgh, gute sechs Stunden mit dem Auto von New York entfernt. Es scheint, als wolle er auf die Annehmlichkeiten des Elternhauses nicht verzichten. Er lässt sich auch mit über 40 von seiner Mutter noch Hemden und Krawatten kaufen und begleitet seine Eltern jedes Mal, wenn sie zu einer Reise aufbrechen. Junior war schon einmal mit einer anderen wohlhabenden Erbin verlobt. Allerdings wurde diese Verlobung am Abend vor der Hochzeit von der Familie der Frau aufgelöst. Der Grund dafür ist leider nicht bekannt. Auch Dorothy hat da schon einen Antrag gemacht. Doch ihr Vater war entschieden gegen diese Verbindung. Also hat Dorothy sich von da an eben heimlich mit dem Mann ihres Herzens getroffen, auch wenn ihre Treffen nicht immer leicht zu organisieren waren. Einmal hat sie ihren Eltern zum Beispiel erzählt, sie würde eine Kommilitonin vom College besuchen, nur um dann eine Woche lang mit Junior in Boston zu verbringen.

Das Ganze ist aufgeflogen, weil Dorothy etwas naiv überall ihren richtigen Namen angegeben hat. In dem Hotel, in dem sie untergekommen ist, aber auch in dem Pfandhaus, in dem sie Schmuck im Wert von mehreren hundert Dollar verpfändet hat, um gerade mal etwa ein Zehntel des Wertes dafür ausbezahlt zu bekommen. Der Pfandleiher hat Dorothy erkannt und die Polizei informiert. Das Ding ist nämlich, Dorothy ist ein durchaus bekanntes Gesicht der High Society in New York. Eigentlich immer, wenn sie draußen ist, erkennt sie jemand. Sie ist quasi wie die Paris Hilton ihrer Zeit, nur ohne Reality-TV. Oder wie Ivanka Trump, deren Gesicht man kennt, eben weil ihr Vater Donald Trump ist. Auch in Dorothys Familie gibt es ein paar prominente Gesichter. Ihr Onkel ist zum Beispiel Richter am obersten Gerichtshof der USA. Ihr Vater ist Inhaber eines großen, erfolgreichen Unternehmens, das Geschenk- und Modeartikel wie teure Parfums aus Europa importiert.

Sein Stammbaum lässt sich bis zu den Siedlern der Mayflower zurückverfolgen. Die Mayflower, kurze Erklärung, ist ein sehr bekanntes Schiff, mit dem 1620 die ersten englischen Pilger nach Nordamerika gesegelt sind. Von diesen Pilgern abzustammen, wird in der US-amerikanischen High Society als eine Art Statussymbol gesehen.

Dorothys Mutter ist keine US-Amerikanerin, aber sie stammt aus einer sehr wichtigen und einflussreichen kanadischen Familie. Und so wundert es nicht, dass Dorothy bei ihrem kleinen Liebesabenteuer mit Junior erwischt wird. Ihre Eltern sind natürlich nicht sonderlich begeistert von der ganzen Sache und haben ihr kurzerhand den Kontakt zu ihrem Geliebten verboten. Heißt für Dorothy, dass sie sich fürs Erste damit begnügen muss, Junior Briefe zu schreiben. An dem Tag, an dem Dorothy verschwindet, ist Junior mit seinen Eltern gerade auf einer längeren Urlaubsreise in Italien. Obwohl Dorothy im Hause ihrer Eltern ein Luxusleben führt, von dem viele Menschen nur träumen können, wünscht sich die 25-Jährige mehr Selbstbestimmung und kreative Freiheit in ihrem Alltag. Seit sie das College vor fünf Jahren abgeschlossen hat, bemüht sich Dorothy, als Schriftstellerin Fuß zu fassen. Sie schickt sogar zwei Kurzgeschichten bei einer bekannten Zeitschrift ein. Die erste trägt den Titel Poinsettia Flames, was übersetzt so viel heißt wie Der Weihnachtsstern und die Flamme. Ihre zweite Geschichte nennt sie Lotus-Leaves, also Lotusblätter. Doch zu ihrem großen Frust werden beide Texte abgelehnt. Ihre Familie zeigt sich von Dorothys schriftstellerischen Versuchen ziemlich amüsiert. Statt ernst genommen zu werden, wird Dorothy von allen nur belächelt, was die Absagen direkt noch viel schlimmer macht. Sie fühlt sich beschämt und gedemütigt. Zwei Monate vor ihrem Verschwinden bittet sie ihren Vater darum, ihr eine Wohnung in einem Viertel von New York anzumieten.

Das Viertel ist für seine lebendige Kunstszene bekannt. Sie hofft dort mehr Ruhe für ihr eigenes Schreiben zu haben. Ganz im Stile von Virginia Woolf. Eine Frau braucht Geld und ein Zimmer für sich allein, wenn sie schreiben will. Allerdings sieht ihr Vater das etwas anders. Er sagt, eine gute Autorin könne überall arbeiten. Und so bleibt Dorothy nichts anderes übrig, als es weiter von zu Hause aus zu versuchen. Um ihr die Demütigung ihrer Familie zu ersparen, mietet sie sich heimlich ein Postfach an, das sie für den Schriftverkehr mit Verlagen und natürlich auch mit Junior nutzen will. Genug Geld dafür hat sie. Sie bekommt nämlich ein Taschengeld von 100 Dollar im Monat, was einer heutigen Kaufkraft von knapp 3000 Euro entspricht. Damit kann man ja schon mal einiges anfangen. Und dann kommt der 12. Dezember 1910. Und plötzlich ist nichts mehr so, wie es vorher einmal war.

Gegen 11 Uhr an diesem Montag verabschiedet sich Dorothy von ihrer Mutter und macht sich auf den Weg, um sich ein Kleid für den anstehenden Debutantinnenball ihrer kleinen Schwester zu besorgen. Ein Debutantinnenball ist ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem junge Frauen offiziell in die gehobene Gesellschaft eingeführt werden. Es handelt sich um eine Tradition, die vor allem im 19. Und frühen 20. Jahrhundert in Europa und Nordamerika verbreitet war, besonders unter wohlhabenden Familien. Und wer von euch die Serie Bridgerton gesehen hat, der weiß ganz genau, wovon wir gerade gesprochen haben. Mit ihrem Debüt signalisieren die Frauen, dass sie ab sofort dem Heiratsmarkt zur Verfügung stehen und offiziell umworben werden können. Die Bridgerton-Story spielt allerdings ein gutes Jahrhundert vor Dorothy. Doch die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen haben sich in dieser Zeit jetzt nicht groß geändert.

Heirat, Kinder, Haushalt und dabei natürlich noch möglichst gut aussehen. Dorothys Mutter bietet ihrer Tochter an, sie zu begleiten, doch die lehnt ab. Ihre Mutter ist gesundheitlich ziemlich angeschlagen und verlässt in der Regel kaum das Haus, weshalb Dorothy ihr keine Umstände machen möchte. Sie verspricht, ihre Mutter anzurufen, sollte sie ein schickes Kleid finden. Die beiden verabschieden sich in der Eingangshalle und Dorothy tritt hinaus in die Kälte. Wegen der Minusgrade hat Dorothy sich extra warm angezogen. Warm, aber trotzdem ziemlich schick, wie es sich für eine Dame ihres Standes gehört. Sie trägt ein figurbetontes Kostüm mit einer blauen Wolljacke und einem gleichfarbigen Rock, der unten an den Beinen eng zuläuft und dazu führt, dass Dorothy sich nur mit kleinen Schritten vorwärts bewegen kann. Dazu trägt sie Satin-Handschuhe und einen großen Muff aus Silberfuchsfell, also schwarzes Fell mit weißen Spitzen. Muffs werden heute kaum noch genutzt, waren zu Dorothys Zeit im frühen 20. Jahrhundert aber total in. Ihr könnt euch einen Muff wie einen pelzigen Handwärmer vorstellen, in den man links und rechts seine Hände reinsteckt. Als Alternative zu Handschuhen quasi, nur dass man den Muff vor dem Körper trägt und seine Hände nicht frei bewegen kann. Viele Modelle haben versteckte Taschen eingenäht für Geld, Taschentücher oder Parfums. Dorothys Move ist sehr groß und flauschig und dient natürlich auch, wie wohl das Meister in ihrer Kleidung, als Statussymbol.

Am auffälligsten ist aber wohl der Hut, den sie trägt. Ein sehr großes Exemplar aus schwarzem Samt, verziert mit Spitze und zwei blauen Rosen. Das wirkt an der gerade mal 1,63 Meter großen Dorothy dezent überdimensional. In einer unserer Quellen wird der Vergleich mit einer umgestülpten Waschschüssel gezogen, aber hey, der Hut gehört eben zur neuesten Mode der Zeit. Worauf wir aber eigentlich hinaus wollen ist, dass Dorothy eben ziemlich auffällig gekleidet und wohl wirklich nur schwer zu übersehen ist, während sie so Richtung Fifth Avenue spaziert. Am Vortag hatte Dorothy noch Geld von der Bank geholt, um eine Freundin zum Mittagessen einzuladen. Davon hat sie noch ungefähr 25 Dollar übrig, die sie jetzt mit zu ihrem Shoppingausflug nimmt.

25 Dollar klingt erstmal wenig, aber umgerechnet ist dieser Betrag heute über 700 Dollar wert. Also mehr als genug Geld, um sich ein schickes Kleid zu kaufen. Und ab jetzt wird es mysteriös. Denn niemand weiß, was Dorothy während der nächsten drei Stunden macht. Gegen 13.45 Uhr wird sie in einem Süßwarengeschäft gesehen, das sich ungefähr fünf Kilometer von ihrem Elternhaus entfernt befindet. In dem Geschäft kauft sie sich eine Packung Schokolade und lässt den Betrag auf das Familienkonto anschreiben, obwohl sie ja eigentlich genug Bargeld dabei hat. Der Verkäufer erkennt sie und kann daher genau bestätigen, dass Dorothy gegen Mittag bei ihm im Laden war. Sie steckt die Schokolade in ihren Muff und macht sich auf den Weg zu einem Buchladen, wo sie sich den Essay-Band Engaged Girl Sketches von Emily Calvin Blake kauft. Das ist eine Sammlung von Liebesgeschichten. Wieder lässt sie den Betrag auf das Konto der Familie anschreiben. Beide Verkäufer, also der vom Süßwarengeschäft und vom Buchladen, sagen später aus, dass sie wie gewohnt höflich und entspannt gewirkt und kein ungewöhnliches Verhalten gezeigt habe.

Buchladen und Süßwarengeschäft liegen um die drei Kilometer voneinander entfernt. Das heißt, wenn man die 5-Kilometer-Strecke von zu Hause bis zum ersten Geschäft mit einrechnet, dann ist Dorothy bei ihrer Shoppingrunde eine echt weite Strecke gelaufen. Trotz ihres eng anliegenden Rocks, wenn sie denn wirklich gelaufen ist. Das an sich ist aber nicht ungewöhnlich, denn alle wissen, dass Dorothy lange Spaziergänge genießt. Gehen ist schließlich ihre einzige Form von Bewegung.

Ungewöhnlich ist allerdings, dass sie eine Sache nicht gekauft hat, nämlich ein Kleid, obwohl sie dafür ihr eigentlich überhaupt erst losgegangen ist. Aber sie wird an diesem Tag in keinem Bekleidungsgeschäft gesehen. Vor dem Buchladen trifft sie dafür zufällig auf ihre Freundin Gladys. Die beiden unterhalten sich kurz über den bevorstehenden Dibütantinnenball von Dorothys kleiner Schwester, an dem Gladys auch teilnehmen wird. Und nach ein paar Minuten Smalltalk verabschieden sich die beiden. Weil Gladys um 14 Uhr noch eine Verabredung mit ihrer Mutter hat. Dorothy erwähnt, dass sie durch den Central Park nach Hause laufen werde. Nach dem Abschied dreht Gladys sich noch einmal um, um ihrer Freundin hinterher zu winken. Dann trennen sich ihre Wege. Sie ist die letzte Person, die Dorothy an diesem Tag sehen wird. Bei ihrer Begegnung ist ihr nichts Ungewöhnliches aufgefallen. Wie auch die Verkäufer hatte Gladys den Eindruck, dass Dorothy entspannt und gut gelaunt ist.

Die Stunden vergehen und der Abend bricht an. Aber Dorothy kehrt nicht nach Hause zurück. Solange es noch hell ist, machen sich ihre Eltern deshalb auch keine großen Sorgen. Sie gehen davon aus, dass Dorothy spontan den Nachmittag mit einer Freundin verbracht und einfach vergessen hat, sich abzumelden. Aber dann erscheint sie auch nicht zum Abendessen, was sehr ungewöhnlich ist, da sie das gemeinsame Essen sonst nie verpasst. Ihre Eltern beginnen sich also Sorgen zu machen. Doch statt die Polizei zu alarmieren, rufen sie bei Dorothys Freundinnen an und fragen, ob jemand etwas über ihren Verbleib wisse. Bis auf Gladys hat sie allerdings niemanden an dem Tag gesehen. Und das ja auch nur einmal um die Mittagszeit.

Dorothys Eltern bitten die Freundinnen, den Anruf für sich zu behalten. Sie fürchten einen Skandal, der den Ruf der gesamten Familie schädigen könnte. Kurz nach Mitternacht meldet sich eine der besorgten Freundinnen und fragt, ob Dorothy mittlerweile nach Hause gekommen sei. Und obwohl es eine Lüge ist, behauptet Dorothys Mutter, ihre Tochter sei hier, bei ihr und liege mit Kopfschmerzen im Bett. Sie will um jeden Preis vermeiden, dass über Dorothys mysteriöse Abwesenheit geredet wird. Der Ruf der Familie steht schließlich über allem. Die Eltern glauben nicht, dass ihre Tochter einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein könnte. Sie denken da eher an andere, skandalöse Erklärungen für ihr Verschwinden. Erklärungen, die eben lieber nur hinter verschlossenen Türen besprochen werden. Ein Jahr zuvor ist ein 13-jähriges Mädchen aus einer anderen wohlhabenden Familie im Central Park verschwunden. Es wurde sehr öffentlichkeitswirksam nach ihr gesucht. Später hat sich herausgestellt, dass das Mädchen nach Boston durchgebrannt ist. Sie wurde dann wieder zurück nach Hause geholt. aber die Zeitungen haben einen großen Skandal daraus gemacht und die Familie öffentlich beschämt.

Und Dorothy hat sich ja schon einmal heimlich mit Junior getroffen. Aber hat sie das jetzt auch? Sie hatte ja, bis auf ihre Kleidung, den Muff und die 25 Dollar, kaum etwas bei sich. Würde nicht jemand, der plant durchzubrennen, etwas mehr mitnehmen? Aber was, wenn sie gar nicht freiwillig verschwunden ist? Was, wenn sie vielleicht doch entführt wurde oder sogar ermordet? Dorothy ist wie vom Erdboden verschluckt. Es gibt in diesem Fall jede Menge spannender Theorien, was passiert sein könnte, weil die Umstände wirklich mysteriös sind. Eine Zeitung aus der Zeit schreibt zum Beispiel, eine reiche New Yorker Erbin verschwindet von einer der beliebtesten Straßen der Welt, zur sonnigsten Stunde eines strahlenden Nachmittags, mit tausenden in Sicht und Reichweite.

Männern und Frauen, die sie von allen Seiten kannten, und Ordnungshütern, die dicht entlang ihres Weges postiert waren. Wir werden gleich noch auf die verschiedenen Theorien detailliert eingehen, Aber erst einmal wollen wir euch erzählen, wie es jetzt weitergeht. Denn nur weil Dorothys Familie nicht die Polizei rufen will, heißt es nicht, dass sie untätig bleiben. Die ganze Nacht warten Dorothys Eltern auf ihre Tochter. Und als sie am nächsten Morgen immer noch nicht wieder da ist, schalten sie einen Anwalt und Freund der Familie ein. Der heißt John.

John kennt Dorothy gut. Er ist nur knapp zwei Jahre älter als sie und hat Dorothy schon häufiger zu gesellschaftlichen Anlässen begleitet. Er übernimmt jetzt also so etwas wie die Rolle eines Privatdetektivs. Er durchsucht zunächst einmal Dorothys Zimmer nach Hinweisen. Er stellt fest, dass sowohl ihre ganzen Kleider als auch andere persönliche Gegenstände noch vor Ort sind. Heißt also, Dorothy hat nicht groß was eingepackt, als sie zu ihrer vermeintlichen Shopping-Tour aufgebrochen ist.

Auf ihrem Schreibtisch entdeckt John ein paar Briefe mit einem ausländischen Poststempel. Vermutlich von Junior, der aus seinem Urlaub geschrieben hat. Aber er findet auch zwei Broschüren für Überseedampfer. Hat Dorothy vielleicht mit dem Gedankengespiel, zu Junior nach Europa zu reisen? Er ist ja gerade mit seiner Familie in Italien. Im Kamin lassen sich außerdem verbrannte Papierreste finden. John geht davon aus, dass Dorothy hier ein Manuskript verbrannt haben könnte, das für eine Veröffentlichung abgelehnt wurde. Viel mehr gibt das Zimmer leider nicht her. Aber es ist ja zumindest ein Anfang. In einem zweiten Schritt macht sich John nun daran, sämtliche Krankenhäuser, Gefängnisse und Leichenhäuser in New York City, Philadelphia und Boston abzuklappern. Aber leider findet er auch hier keine weiteren Hinweise auf ihren Verbleib. Dorothys Familie geht in der Zeit einer eigenen Spur nach. Sie schicken Junior vier Tage nach Dorothys Verschwinden ein Telegramm und fragen ihn, ob er irgendetwas über ihren Verbleib wisse. Er behauptet, keine Ahnung zu haben, wo seine ehemalige Geliebte sich aufhalte. Er könne sich auch nicht erklären, welche Gründe wohl hinter Dorothys mysteriösen Verschwinden stecken könnten.

Allen Beteiligten fällt es ziemlich schwer, das zu glauben. Also machen sich Dorothys Mutter und ihr ältester Bruder auf den Weg nach Italien. Sie treffen ihn dort einen Monat später in einem Hotelzimmer. Sie wollen ihn zur Rede stellen, was allerdings etwas eskaliert. Es endet mit der Faust von Dorothys Bruder in Juniors Gesicht. Aber Junior bleibt dabei, nichts über Dorothys Verschwinden zu wissen. Mehrere Wochen vergehen und das Mysterium wird immer größer. Anwalt John bekommt ungefähr zwei Monate nach Dorothys Verschwinden einen Tipp von einem befreundeten Anwalt. Und zwar, dass Dorothy sich wohl in einem Sanatorium in Pittsburgh aufhalte. Als John hinfährt, stellt sich allerdings heraus, dass es wohl eine Verwechslung gegeben habe. Die besagte Frau ist definitiv nicht Dorothy.

Irgendwann sieht John ein, dass er wohl doch keine so große Hilfe in dem Fall ist. Er ist am Ende des Tages eben doch hauptsächlich Anwalt und kein Detektiv. Aber dafür gibt es ja Experten, die etwas von ihrem Handwerk verstehen. John empfiehlt Dorothys Familie daher, die Pinkerton-Detectei einzuschalten. Die Pinkerton-Agentur wurde 1850, also 60 Jahre vor Dorothys Verschwinden, von einem Privatdetektiv als Pinkertons National Detective Agency in Chicago gegründet. Sie gilt als erste Privatdetektei der Welt, als Vorläufer des US Secret Service und als Vorbild für das FBI. Die Agentur hat sich kurz nach ihrer Gründung direkt einen Namen gemacht, weil sie einen Mordanschlag auf den damaligen Präsidentschaftskandidaten Abraham Lincoln verhindern konnte. Heute gehört die Detektei zu einem schwedischen Sicherheitskonzern. Sie versteht sich als Branchenführer in der Entwicklung innovativer Sicherheits- und Risikomanagementlösungen in den USA und der Welt. Die Detektei nimmt sich sofort des Falles an und verschickt einen Rundbrief an alle Polizeidienststellen in den ganzen USA. Dieser enthält eine Beschreibung von Dorothy und eine ausgelobte Prämie von 1000 Dollar für jede Information, die zu ihrer Rückkehr führt.

Die Summe ist heute knapp 30.000 Dollar wert, also ein ganz schöner Batzen Geld. Die Polizei erfährt so also von dem Vermisstenfall, wird aber nicht aktiv, solange Dorothys Familie sie nicht offiziell darum bittet. Die Detektive machen dort weiter, wo der Anwalt aufgehört hat. Sie erweitern den Umkreis und klappern sämtliche Krankenhäuser sowie andere Einrichtungen ab, wo Dorothy hätte landen können, sollte sie dann einen Unfall gehabt haben. Sie fahren an all die Orte, von denen man weiß, dass Dorothy sich dort häufiger in der Vergangenheit aufgehalten hat. Sie befragen auch ihre Freundinnen und ehemaligen Kommilitoninnen.

Doch niemand weiß was. Nichts. Also geht die Suche weiter. Die Detektive durchforsten sämtliche Heiratsregister für den Fall, dass Dorothy doch mit Junior oder einem anderen Mann durchgebrannt ist. Aber nirgendwo lässt sich ein entsprechender Eintrag finden. Sie verständigen auch die Pinkerton-Büros in Europa und bitten sie darum, sämtliche Frauen unter die Lupe zu nehmen, die mit einem Überseedampfer reisen. Einige dieser Frauen entsprechen tatsächlich der Personenbeschreibung, doch keine von ihnen entpuppt sich als die echte Dorothy. Trotz aller Bemühungen fehlt einfach jede Spur von der 25-Jährigen. Wäre es nicht ein Ding der Unmöglichkeit, dann könnte man wohl sagen, dass sie sich wirklich einfach in Luft aufgelöst hat. Wie schon der Anwalt der Familie, sehen auch die Pinkerton-Detektive irgendwann ein, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind. Sie raten Dorothys Vater dringend dazu, jetzt doch endlich die Polizei einzuschalten und eine Pressekonferenz zu geben, um die Öffentlichkeit um Hilfe zu bitten. Es sei die einzige noch realistische Chance, neue Hinweise zu erhalten.

Der Vater ist allerdings gar nicht angetan von der Idee. Die Sorge, die Familie einem solchen Skandal auszusetzen, ist größer als die Sorge um seine Tochter. Zwei Tage lang wird in der Familie heftig darüber diskutiert. Schließlich gibt der Vater nach. Er lädt die Presse in sein Büro und stellt sich am 25. Januar 1911 ihren Fragen. Sechs Wochen nach Dorothys Verschwinden. Er erklärt den Anwesenden, dass er glaube, Dorothy sei auf ihrem Heimweg durch den Central Park getötet worden und dass ihre Leiche in einem der Seen versenkt worden sei. Die Polizei habe dort an dem Tag sehr nachlässig auf sich geführt. Damit hofft er, das Interview direkt wieder zu beenden. Allerdings erklärt er nicht, warum er nicht schon viel früher die Polizei verständigt habe, wenn er doch davon ausgeht, dass Dorothy einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei. Auch der anwesenden Presse erscheint das seltsam. Es dauert nicht lange, bis sie sämtliche Details über Dorothys geheime Liebschaft mit Junior herausfinden. Natürlich zum großen Entsetzen des Vaters, der diese Geschichte unbedingt geheim halten wollte. Aber ein solcher Skandal ist eben gefundenes Fressen für die Klatschpresse. Welcher Reporter könnte da widerstehen?

Werbung Werbung Ende Junior selbst bleibt bei seiner Story, nichts über Dorothys Verbleib zu wissen. Nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub schwört er ganz öffentlich seine Liebe zu ihr und verkündet seine Absicht, Dorothy zu heiraten, sobald sie wieder zu Hause sei. Er investiert selbst einen beträchtlichen Betrag in die Suche, die sich schon bald über die Landesgrenzen hinaus erstreckt. Das New York Police Department verteilt Vermisstenfly in den USA, Kanada, und Mexiko und die New York Times berichtet täglich über den Fall.

Junior lässt für mehrere tausend Dollar Werbeanzeigen schalten, in denen Dorothy bitte, zurück nach Hause zu kommen. Die Belohnung von tausend Dollar für Hinweise steht nach wie vor und entsprechend viele Leute melden sich auch bei der Polizei. Sie glauben, Dorothy gesehen zu haben. Die Ermittler gehen jedem Hinweis nach, doch alle Spuren führen ins Leere. Natürlich durchsuchen sie auch akribisch den Central Park samt sämtlicher Seen. Aber auch das ohne Erfolg. Die Polizei wiederum glaubt, dass Dorothy abgehauen ist, um zu heiraten. Und es ist eben schwer, jemanden zu finden, der nicht gefunden werden will. Ein Juwelier aus San Francisco meldet sich, der behauptet, Dorothy in seinem Geschäft erkannt zu haben. Sie habe ihn darum gebeten, einen Diamantehering für sie gravieren zu lassen. Und das ist nicht alles. Zweimal gehen sogar bei Dorothys Familie Lösegeldforderungen ein. Über jeweils 5000 Dollar, was einem heutigen Wert von ca. 150.000 Dollar entspricht. Doch beide Forderungen erweisen sich als Fake. Da hat wohl jemand versucht, die Notsituation der Familie auszunutzen. Ein paar Wochen nach der Pressekonferenz, also etwa zwei bis drei Monate nach Dorothys Verschwinden, erhält ihr Vater zudem eine Postkarte, die in New York City gestempelt wurde. Darauf steht, mir geht es gut. Unterschrieben ist die Karte mit Dorothy.

Ihr Vater erkennt sogar die Handschrift seiner Tochter wieder, glaubt aber, dass es sich nur um einen schlechten Scherz handelt. Die Zeitungen hatten zuvor Proben von Dorothys Handschrift veröffentlicht, also kann es gut sein, dass jemand einfach ihre Schrift gefälscht hat. 75 Tage sind seit Dorothys Verschwinden vergangen und noch immer fehlt jede Spur von einer Million Erben. Es ist nicht einmal klar, ob wirklich ein Verbrechen vorgefallen ist. Es gibt de facto keinen einzigen Beweis dafür, aber eben auch keinen Gegenbeweis. Die Polizei entscheidet sich, die Fahndung einzustellen und Dorothy nun wie jeden anderen vermissten Fall zu behandeln. Sollte es neue Entwicklungen geben, dann wird denen nachgegangen. Ansonsten konzentrieren die Behörden ihre Ressourcen auf andere Kriminalfälle. Kommen wir also nun zu den Theorien, die für jede Menge Zündstoff in dem Fall sorgen und Dorothys Verschwinden noch einmal in ein ganz neues Licht rücken. Fangen wir damit an, dass Dorothy einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein könnte.

So wie ihr Vater es auch vermutet. Sie wäre nicht die erste reiche Erbin, die entführt wurde, oder sogar Schlimmeres. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein potenzieller Täter sie direkt auf der Fifth Avenue angegriffen hat. Dafür waren an dem Tag einfach zu viele Menschen unterwegs, denen etwas aufgefallen wäre. Der Central Park liegt tatsächlich mehr oder weniger auf ihrem Heimweg und da Dorothy ja sowieso gerne spazieren geht, erscheint es logisch, dass sie dafür eine schöne Route wählt, alternativ zur Straße. Es war ja mitten am Tag gegen 14 Uhr und zu dieser Uhrzeit rechnet ja auch niemand damit, in so einem öffentlichen Park angegriffen zu werden. Abgesehen davon ist der Weg Dorothy ja durchaus vertraut gewesen.

Aber wie realistisch ist es, dass eine so prominente Frau wie Dorothy mitten am helllichten Tag im Central Park mit einer Waffe attackiert, betäubt oder entführt wird, ohne dass jemand was merkt? Klar, es war Winter, aber es waren ja auch Menschen im Park unterwegs. Natürlich weniger als auf der Fifth Avenue, aber jemand hätte doch etwas mitkriegen müssen. Kurze Side-Note, es ist nicht bekannt, wie viele Menschen tatsächlich an dem Tag zu der Uhrzeit im Central Park unterwegs waren. Selbst wenn jemand mitten am Tag Dorothy im Central Park ermordet hat, wie ihr Vater glaubt. Dann wäre da aber die Frage, was dieser jemand mit der Leiche gemacht hat. Denn es ist eher unwahrscheinlich, dass der Täter die Leiche in einem der Seen versenkt hat. Die waren nämlich an dem Tag alle zugefroren, weil es so kalt war.

Das heißt, jemand hätte die Leiche wegschaffen müssen. Und das wäre definitiv aufgefallen. Es scheint daher plausibler, dass sich vielleicht jemand Dorothy genähert hat, den sie vielleicht sogar kannte und dem sie vertraut hat. Oder jemand, der sie ganz unauffällig mit einem Messer bedroht und sie so gezwungen hat, mitzukommen. Vielleicht in ein Auto zu steigen, das in der Nähe geparkt war. Doch wenn es wirklich so gewesen wäre, hätte Dorothy nicht um Hilfe gerufen oder versucht zu fliehen oder sich gewehrt? Weil es hat ja wirklich niemand was bemerkt. Der Fall wurde so groß in den Zeitungen besprochen. Alle Leute in New York und Umgebung wissen, dass noch Zeugen gesucht werden. Wer etwas weiß, der hätte sich doch auch gemeldet.

Und es ist nicht so, als wären alle mit ihren Handys beschäftigt gewesen oder so. 1910 gab es das alles noch nicht, die Leute waren viel präsenter als heute und Klatsch und Tratsch gehörte zu jedem gesellschaftlichen Event dazu. Da wäre eine Entführung doch aufgefallen. Ganz abgesehen davon galt der Central Park 1910 nicht gerade als ein gefährlicher Ort und bis auf die zwei Fake-Schreiben sind keine weiteren Lösegeldforderungen bei der Familie eingegangen.

Könnte es also sein, dass Dorothy doch ganz freiwillig verschwunden ist? Dafür sprechen die Broschüren von den Überseedampfern, ihr Wunsch nach Selbstbestimmung und ihre nicht mehr ganz so heimliche Liebschaft mit Junior. Hat er ihr vielleicht geholfen, ihrem alten Leben zu entkommen? Er hätte ihr ohne Probleme eine Unterkunft besorgen können. Doch er stand ja selbst die ganze Zeit super krass in der Öffentlichkeit. Niemals hätte er sich einfach so mit Dorothy treffen können, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre. Außerdem hat er ja mehrere tausend Dollar in die Suche nach ihr investiert. Das wäre ja rausgeschmissenes Geld gewesen, hätte er die ganze Zeit gewusst, wo sie sich auffällt. Vielleicht hat Dorothy ja auch ganz autonom irgendwo einen Neustart hingelegt, um es unter neuem Namen noch einmal mit ihrer Autorinnenkarriere zu versuchen. In ihrem Muff hätte sie ein paar wichtige Sachen rausschmuggeln können, aber eben auch keine Unmengen. An Kleidung hat sie nur das mitgenommen, was sie an dem Tag anhatte. Ein wenig Geld besaß sie ja, etwa 25 Dollar, was zur Erinnerung knapp 700 Dollar heutzutage wären. Doch ohne ein eigenes Einkommen wäre es schwer für sie, eine eigene Wohnung zu finanzieren. Besonders auch, weil sie eine alleinstehende Frau ist und viele Leute ihr Gesicht kennen. Es wäre auf jeden Fall jemandem aufgefallen.

1914, also gute drei Jahre nach Dorothys Verschwinden, meldet sich eine Frau aus Los Angeles namens Ella. Ella behauptet, die vermisste Erbin zu sein. Doch diese Behauptung wird schnell als Lüge entlarvt. Generell glaubt niemand von Dorothys Familie, dass Dorothy wirklich einfach so wegbleiben und ihrer Familie den Schmerz antun würde. Nicht zu wissen, was mit ihr passiert ist. Es kann natürlich auch sein, dass sie Suizid begangen hat. Vielleicht hat sie sich ihre Misserfolge bei der Verlagssuche so zu Herzen genommen, dass sie keinen Sinn mehr darin gesehen hat, weiterzuleben. Nach der zweiten Absage des Zeitungsverlags hat sie einen Brief an Junior geschrieben, den dieser nachher ihrer Familie ausgehändigt hat. Der Brief ist überwiegend in einem gut gelaunten Ton verfasst, enthält am Ende jedoch eine auffällige Zeile. Ich lese euch die mal vor. Nun ist es zurückgekommen. McClurse hat mich abgelehnt, ein weiteres Mal. Wenn ich in den Spiegel schaue, starrt mir die Erfolgslosigkeit ins Gesicht. Alles, was ich sehe, ist ein langer Weg ohne Abzweigung. Mutter wird denken, es sei ein Unfall passiert. Es gibt einige aus Dorothys Familie, die an die Theorie mit dem Suizid glauben. Allerdings nicht wegen ihrer etwas zäh anlaufenden Karriere als Schriftstellerin, sondern weil es ihr nicht erlaubt war, eine Ehe mit Junior einzugehen.

Aber ist es möglich, dass sich jemand mitten in New York City das Leben nimmt, ohne dass jemals die Leiche dieser Person gefunden wird? Dorothy hätte dafür ja in irgendein Versteck gehen müssen, vielleicht einen vergessenen Keller oder sowas. Aber die Tatsache ist eben, dass ihre Leiche nie gefunden wurde, obwohl man ja wirklich akribisch nach ihr gesucht hat. Eine andere Möglichkeit wäre, dass Dorothy tatsächlich auf einen Überseedampfer gestiegen und dann vom Deck aus ins Meer gesprungen ist. Tatsächlich hatte sich ein jüngerer Cousin von Junior auf diese Weise das Leben genommen.

Etwa zu der Zeit, in der Dorothy am College war. Dieser Cousin wollte sterben, weil ihm seine Familie die Ehe mit einer englischen Gouvernante verboten hatte, also quasi eine Art private Erzieherin und Lehrerin. Aber ist es möglich, ungesehen von so einem Dampfer zu springen? Denn in den Tagen nach Dorothys Verschwinden wurde kein Passagier von einem der Überseedampfer als vermisst gemeldet. Die Pinkerton-Detektive und auch die Polizei haben das ja alles gecheckt. Wobei, das muss man auch sagen, haben nicht alle Schiffe auch Listen der Passagiere geführt. So eine Überfahrt funktionierte damals in etwa so wie Busfahrten heute. Man ging einfach an Bord, wählte eine Kabine und bezahlte dann erst beim Verlassen des Schiffes. Es ist also möglich, dass Dorothy über diesen Weg verschwunden ist, wenn sie es wirklich gewollt hätte. Die Frage ist dann nur, wie eigentlich bei jeder Theorie, warum sie niemand dabei gesehen und erkannt hat. Und auch ganz generell darf man sich fragen, ob die Suizidtheorie wirklich so plausibel ist, angesichts der Tatsache, dass sie kurz zuvor noch Schokolade und eine Anthologie mit Liebesgeschichten gekauft hat.

Alle, die sie gesehen haben, also die beiden Verkäufer und auch ihre Freundin Gladys, haben berichtet, dass Dorothy entspannt und gut gelaunt gewirkt hat. Niemand hat irgendetwas Außergewöhnliches an ihr bemerkt. Keine Anzeichen suizidaler Tendenzen. Wobei das auch eher schwer von außen einsehbar ist. Aber zumindest wurde kein Abschiedsbrief von ihr gefunden. Die New York Times befasst sich in einem Zeitungsartikel vom Januar 1911 auch mit dieser Theorie und schreibt dazu, ich zitiere das mal, Es gibt keinerlei Anzeichen von Geisteskrankheit in der Familie. Und die junge Frau hat auch nie Anzeichen eines gestörten Geistes gezeigt, obwohl sie den Büchern sehr zugetan war und mehrere Sprachen sprach. Dieses Zitat ist einfach ein sehr authentisches Zeugnis der Zeit, in der Dorothy gelebt hat. Besonders die Art und Weise, wie Dorothys Liebe zu Büchern und Sprachen hier herausgestellt wird. Obwohl sie gerne gelesen hat, war sie nicht geisteskrank. Das würde heute auch keine Zeitung mehr so schreiben.

Und dann gibt es noch diese eine Theorie, über die wir noch gar nicht in dieser Folge gesprochen haben. Und zwar gab es auch Gerüchte, dass Dorothy möglicherweise schwanger war und eine Abtreibung hat vornehmen lassen. Natürlich heimlich, um ihrer Familie den Skandal eines unehelichen Kindes zu ersparen. Abtreibungen sind im frühen 20. Jahrhundert nicht nur illegal, sondern auch ziemlich gefährlich für die schwangere Person, da die Medizin einfach noch nicht so weit ist wie heute.

Es kann also sein, dass Dorothy bei so einem Eingriff gestorben ist und man die Leiche dann hat verschwinden lassen. Im April 1914, also etwa dreieinhalb Jahre nach Dorothys Verschwinden, da hat die Polizei in Pittsburgh eine private Arztpraxis durchsucht, in der auch illegalerweise Abtreibung vorgenommen wurden. Angeblich soll Dorothy in dieser Praxis Patientin gewesen sein. Der Eingriff dort soll missglückt sein, woraufhin man Dorothys Leiche verbrannt haben soll. Bei der Razzia hat die Polizei jedenfalls zwei überdimensionale Öfen im Keller entdeckt. Es gibt allerdings keine Beweise dafür, dass Dorothy wirklich zu der Zeit in Pittsburgh war. Und die Frage ist auch, wäre sie an jenem Tag im Dezember 1910 wirklich so entspannt und gut gelaunt gewesen, wenn sie vorgehabt hätte, heimlich eine lebensgefährliche Abtreibung vornehmen zu lassen? Hätte sie vorher wirklich noch Schokolade und ein Buch mit Liebesgeschichten gekauft? Es kann natürlich auch sein, dass Dorothy ganz einfach einen Unfall hatte.

Einige spekulieren, sie könnte auf den vereisten Wegen ausgerutscht sein und ihr Gedächtnis verloren haben. Im Krankenhaus sei sie dann ohne Erinnerung an ihren Namen aufgewacht. Allerdings gibt es für diese Theorie auch keine wirklich soliden Anhaltspunkte, denn irgendjemand hätte Dorothy ja erkannt und sie zurück zu ihrer Familie gebracht. Und man hat ja wirklich intensiv alle Kliniken und andere Einrichtungen durchsucht. Anfang April 1916, fünfeinhalb Jahre nach Dorothys Verschwinden, kommt unerwartet nochmal Bewegung in den Fall.

Es meldet sich ein gewisser Edward bei den Behörden, der zu der Zeit eine Haftstrafe wegen versuchter Erpressung absitzt. Er behauptet, man habe ihm 250 Dollar gezahlt, um im Dezember 1910 den Leichnam von Dorothy verschwinden zu lassen. Er sei von zwei Männern angeheuert worden, von denen einer der Beschreibung zur Folge Junior ähnelte. Allerdings gibt es keinen Beweis dafür, dass diese Geschichte wahr ist. Auf jeden Fall behauptet dieser Edward, diese beiden Männer hätten die bewusstlose Dorothy zu seinem Wagen getragen und ihn angewiesen, sie zu einem Haus nach New Jersey zu fahren, ca. Anderthalb Autostunden von New York City entfernt. Er berichtet auch von einem Siegelring, den sie am linken Zeigefinger getragen habe. Seine Beschreibung passt genau zu einem Ring, den Dorothy tatsächlich besessen hat. Die beiden Männer sollen Edward erzählt haben, dass Dorothy bei einer Operation gestorben sei und dass man sie deshalb nun verschwinden lassen müsse. Die Männer sollen den Körper in einen Laken eingewickelt und im Keller vergraben haben. Die Polizei geht dieser Story sofort nach und durchsucht auch mehrere Kellerräume, kann jedoch keine Spur von Dorothy entdecken. Statt menschlicher Überreste finden sie im besagten Keller nur eine reparierte Gasleitung.

1917, ein Jahr später, kommt es zu einem anderen seltsamen Vorfall. Während einer Fahrt mit der U-Bahn packt ein Mann namens John plötzlich eine Frau am Arm, die er für Dorothy hält. Dieser John, der nichts mit Dorothy oder ihrer Familie zu tun hat, erklärt, er sei Detective bei Scotland Yard. Er zwingt die Frau, mit ihm die U-Bahn zu verlassen und führt sie direkt zu einer Wache der New Yorker Polizei. Die checken ziemlich schnell, dass der Mann ein Hochstapler ist, lassen die arme Frau wieder frei und weisen John zur Beobachtung ins Krankenhaus ein. Und so vergehen die Jahre und immer wieder glaubt jemand, Dorothy jetzt aber wirklich gesehen zu haben. Die mysteriösen Umstände ihres Verschwindens lässt die New Yorker Gesellschaft einfach nicht mehr los. Dorothys Familie erhält immer wieder neue Briefe von Frauen, die behaupten, ihre verlorene Tochter zu sein. Aber die traurige Wahrheit ist, Dorothy bleibt verschwunden.

Seit jenem Tag im Dezember 1910, an dem sie zum Shoppen auf der Fifth Avenue war, hat nie wieder jemand auch nur eine Spur von ihr gesehen. Im Laufe der Jahre hat Dorothys Familie um die 250.000 Dollar für die Suche nach ihr ausgegeben, umgerechnet wären das heute etwa 7 Millionen Dollar. Bis zu seinem Tod im April 1922, also mehr als 12 Jahre nach ihrem Verschwinden, glaubt Dorothys Vater, dass seine Tochter gekidnappt und ermordet worden ist. Er ist so überzeugt von ihrem Tod, dass er sie nicht einmal mehr in seinem Testament berücksichtigt. Dorothys Mutter stirbt sechs Jahre nach ihrem Mann. Sie hält bis zuletzt an der Hoffnung fest, dass ihr Kind doch noch eines Tages wieder nach Hause kommt. Wie Edward Henry Smith in seinem Buch Mysteries of the Missing schreibt, handelt es sich bei Dorothys Verschwinden um einen Fall, Zitat, der von Anfang an keinen Maßstab an Rationalität hatte und logisch sowohl undurchdringlich als auch unvereinbar ist. Er bleibt hartnäckig und rätselhaft, ein Ärgernis für die menschliche Neugier, ein unmögliches Problem für Vernunft und analytische Kraft.

Und ich denke, passendere Worte hätten wir für den Abschluss dieser Folge auch nicht finden können. Dorothys Verschwinden gilt bis heute als eines der größten Rätsel New Yorks und einer der ältesten vermissten Fälle überhaupt. Würde sie heute noch leben, dann wäre sie über 140 Jahre alt.

Also ich bin mir sicher, dass ganz viele von euch jetzt ein, ja, ich will nicht das Wort verzweifelt sagen, Aber sich wahrscheinlich gerade fragen, oh mein Gott, was ist mit dieser Frau denn passiert? Weil wir lesen natürlich alle Kommentare und wissen, dass viele von euch diese ungelösten Fälle nicht so gerne mögen, weil einfach ganz viele Fragezeichen zurückbleiben. Aber eben auch das ist True Crime und auch das gehört dazu. Und deswegen, Patrick, würde ich sagen, können wir jetzt ja mal über die ganzen Theorien sprechen, die hier aufgestellt wurden, weil ich finde, einige wirken ein bisschen plausibler als die anderen. Also was glaubst du, was war so das Erste, was du gedacht hast? Ich finde auch, manche sind so komplett typisch für die Zeit. Also dieses von wegen, sie rutscht aus, stößt sich den Kopf, wird bewusstlos, fühlt sich für mich so krass an wie so eine Story, die man 1900 irgendwas glaubt und also ich meine, klar, die kann plausibel sein, aber ich finde, das ist so ein... Das stelle ich mir aus so einem Comic von der Zeit vor, aus so einem Film, den die Leute damals gesehen haben, dass sie deswegen halt damals gedacht haben, ja, nee, das auf jeden Fall, das wird sein.

Wobei ich sagen muss, also allein schon das Argument, dass sie so bekannt ist, spricht komplett gegen diese Theorie. Ich finde eigentlich nur, dass eine Theorie wirklich Sinn ergibt, aber da können wir uns ja langsam ran nähern. Ja, gehen wir mal davon aus, dass sie wirklich einen Unfall hatte und irgendwo bewusstlos zusammengebrochen ist. Dann glaube ich auch, wie du sagst, dass sie jeder kannte, hätte man ihr doch geholfen, oder? Weil ich stelle mir vor, dass die Leute ihr allein deswegen schon geholfen hätten, weil sie sich vielleicht ein bisschen Geld erhofft hätten, so als Dankeschön der Familie, dass man ihr geholfen hat, oder? Ja, also wenn es wirklich so ist, dass sie so bekannt ist, safe, dann hätten die Leute ihr ganz bestimmt geholfen und man hätte sie ja wie gesagt auch erkannt. Also ich finde, diese Theorie wäre rein theoretisch noch sinnvoll gewesen, weil es halt wieder diese Komponente Zufall mit reinbringt.

Viele andere Sachen sprechen für mich schon komplett dagegen, weil sie ja wirklich scheinbar richtig guter Laune war und auch langfristige Pläne hatte mit dem Buch, sich eine Schokolade geholt hat. Auch wenn ich nicht weiß, wie lange sie für eine Schokolade braucht, bei mir hält die, um ehrlich zu sein, nicht so lange. Aber ich kann mir vorstellen, das Buch, da könnte sie schon ein bisschen länger dran sitzen, diese Anthologie. Ich glaube, dass die wahrscheinlichste Variante ist, dass sie freiwillig abgehauen ist. Also ich finde diese Überseedampfer-Geschichte relativ plausibel und ich weiß, jeder kannte sie und hätte sie auch erkannt und auch auf dem Schiff erkannt, aber sie kann sich ja auch einfach verkleidet haben. Also sie hatte ja nicht so viele Sachen dabei, aber trotzdem kann sie sich ja vielleicht unterwegs irgendwas besorgt haben und vielleicht sogar Leute geschmiert haben, die sie erkannt haben. und dann hat sie denen irgendwie ein bisschen Geld in die Hand gedrückt und gesagt, hier bitte aber niemals verraten. Und ich glaube schon, dass sie sich auf einem Schiff auf und davon gemacht hat, oder? Genau, ich meine, man darf ja auch nicht vergessen, das Geld, was sie damals dabei hatte, Und sind heute immer noch, also knapp 1000 Dollar gewesen heutzutage, nach heutigen Wert. Ich glaube es waren 700 Dollar oder so. Und ich finde auch, das ist die Theorie, die für mich am meisten Sinn ergibt und die auch für mich in meiner Welt, wo ich mich am meisten freuen würde für sie, um ehrlich zu sein. Es gibt mir so richtige Gone Girl Vibes. Ja, ja, stimmt. Ich meine, wir hatten noch die andere Tochter aus der reichen Familie, die ja dann aber gefunden worden ist.

Und sie, also Dorothy, kann ja aus dieser Geschichte gelernt haben, sich angeguckt haben, okay, was hat sie falsch gemacht? Was kann ich besser machen? Und was wäre poetischer? Sie will ja auch unbedingt eine Schriftstellerin werden. Sie will ja sich poetisch ausleben. Und was wäre poetischer als so ein Ausbruch aus einem goldenen Käfig? Ja, voll. Und sie hätte es ja wirklich nur irgendwie vergrößert, verkleidet auf das Schiff schaffen müssen, hätte sich dann dort für die Überfahrt eingeschlossen in ihrer Kabine und wäre dann in Europa von Bord gegangen, wo man sie nicht kannte. Also wenn sie es bis dahin unerkannt geschafft hätte, dann hätte sie sich da halt voll gut ein neues Leben aufbauen können. Und ich meine.

Europa hat ja auch so viele Möglichkeiten, wie du schon sagst. So literarisch ist da super viel los. Da kann sie nach Italien, nach England, was weiß ich wo gegangen sein. Also ich würde mir auch wünschen, dass das die plausibelste Erklärung ist. Und so wie wir es recherchiert haben, ist ja der Junior zum Beispiel auch in England gestorben. Mit 67 Jahren. Genau. Das heißt, irgendwann ist er auch rüber nach Europa, nach England und wurde dort beerdigt, was für mich auch so ein bisschen dagegen spricht, dass er nur dort Urlaub gemacht hat, weil wenn er im Urlaub dort stirbt, glaube ich schon, dass man den Leichnam dann zurück in die Heimat gebracht hätte. Deswegen spricht es für mich schon dafür, dass er sich länger dort aufgehalten hat. Und wie schön wäre das, wenn sie sich dort beide eben heimlich wieder getroffen hätten, weil ihre Liebe hatte in der Heimat in den USA ja gar keine Chance. Ich glaube, mit der Hoffnung können wir es auch erstmal so belassen, würde ich sagen. Außer ihr habt da draußen noch andere Theorien, über die wir heute auch noch gar nicht gesprochen haben. Und ich muss sagen, ich habe jetzt... Sehr, sehr Bock wieder auf Gone Girl, auf den Film. Ich weiß nicht, hast du den schon mal gesehen? Oder das Buch. Ja, ich habe erst das Buch gelesen. Ach, das basiert auf dem Buch? Oh wow, ich gucke immer nur Filme. Wie meistens, ja. Ich bin manchmal so überrascht. Wir haben letzte Woche Die Housemate geguckt im Kino. Habe ich auch schon gesehen. Der war richtig gut. Hast du da das Buch gelesen? Nee, tatsächlich nicht.

Nee, aber... Ist sehr nah am Buch tatsächlich. Gibt ein paar Sachen, die ein bisschen anders sind, auch so gegen Ende, aber ist tatsächlich sehr, sehr nah am Buch geblieben, was ich ja immer sehr feiere. Ja, also ich fand den auch echt gut, war ich echt überrascht, um ehrlich zu sein. Wir werden natürlich auch wieder Sachen von dieser Woche hier in unseren Instagram Recap machen. Ansonsten, ich weiß nicht, was steht sonst bei dir aktuell so an? Was steht aktuell so an? Gute Frage. Also morgen, wenn ihr die Folge pünktlich am Veröffentlichungstag hört, dann sind Patrick und ich morgen am Mittwoch bei den YouTube Podcast Awards. Jetzt habe ich das so schlecht ausgesprochen. Also, wir sind bei den YouTube Podcast Awards und wir sind super gespannt, was da passiert, wie das da abläuft und überhaupt. Es gibt einen sehr schicken Dresscode. Also, wenn ihr unsere Outfits sehen wollt, dann würde ich sagen, posten wir die auch, oder? Den muss ich auch noch holen. Ich habe noch kein Outfit dafür. Ich muss auch noch zum Friseur. Ich habe mich wirklich null vorbereitet dafür. Du hast noch, Stand jetzt, eine Woche Zeit. Wir nehmen die Folge ein bisschen früher auf. Also ja, wenn ihr unsere Outfits bei diesen Awards sehen möchtet, dann schaut mal bei Instagram vorbei. Darauf freue ich mich sehr, sehr, sehr.

Und was mache ich noch heute? Auch heute, wenn ihr die Folge hört, bin ich auf einem Konzert. Da freue ich mich auch richtig doll drauf. Willst du sagen, welches? Ja, bei Machine Gun Kelly. Geil, oha. Ja, der ist so ein bisschen Guilty Pleasure in meiner Spotify Musik App. Und ich weiß nicht, wie viel wir da schon verraten dürfen, ehrlich gesagt. Aber wir sind ja auch zu Gast in einem anderen Podcast. Also es passiert richtig viel. Da freue ich mich auch richtig, richtig doll drauf. Ja, wir sagen mal noch nichts. Aber ihr werdet es auf jeden Fall erfahren. Wir erzählen dann noch im Podcast, wo wir sind. Da freue ich mich auch richtig doll drauf. Da habe ich tatsächlich hier gerade bei unserer Aufnahme die Socken von dem Podcast an. Ich auch. Wirklich? No joke? Nein, wie witzig. Das ist crazy. Okay, das ist wirklich komplett crazy. Ansonsten, wenn ihr wissen wollt, wie es dann so gesehen für euch morgen für uns jetzt in einer Woche in etwa bei den Podcast Awards bei YouTube war. Ich werde es wahrscheinlich auch bei Twitch wieder erzählen, am Donnerstag oder so. Wie heißt du da? The Patrick. Da bin ich jetzt auch schon besser geworden. Twitch, The Patrick, kommt einfach gern vorbei. Und ansonsten würde ich sagen, hören wir uns Donnerstag ja sogar schon wieder. Ja, stimmt. Nämlich, was kommt da? Eine neue Folge Paranormal. Da bin ich auch schon sehr, sehr heiß drauf. Ja, da freuen wir uns doch alle. Und dann, genau, hören wir uns Donnerstag oder Dienstag oder auch zwischendurch. Ganz egal. Bis dann.

Wir sind eure Hosts Anne Luckmann und Patrick Strohbusch. Redaktion Silva Hanekamp Schnitt Anne Luckmann Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.