Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Es gibt so unendlich viele Formen von Liebe. Die romantische Liebe zwischen zwei Menschen, die ihr Leben miteinander teilen möchten. Die Liebe von Eltern zu ihrem Kind, die bedingungslos und unerschütterlich ist. Sie schützen und halten kann, aber auch so sehr wehtut, wenn sie fehlt. Die Liebe zwischen Geschwistern, die sich gleichzeitig mögen und verabscheuen können, Und Erinnerungen teilen, von denen sonst niemand etwas weiß. Es gibt aber auch die Liebe zwischen Freunden, die häufig nicht viel fordern, aber immer für einen da sind. Die Liebe zu sich selbst, die manchmal verloren geht und dann wiedergefunden werden will. Oder die Liebe zu einem Menschen, die immer weiterlebt, obwohl dieser Mensch nicht mehr da ist. Jeannie weiß viel über die Liebe und auch darüber, was sie nicht ist. Sie weiß, dass Liebe auch ein Geschäft sein kann, dass Nähe einen Preis hat, dass Lust nichts mit Gefühlen zu tun haben muss. Und dass gerade dort, wo Menschen diese Lust zu finden hoffen, Schmerz nicht weit ist. Doch nichts auf dieser Welt hätte Jeannie auf die unendliche Gewalt vorbereiten können, die an einem ganz normalen Sommertag an ihre Tür klopft.

Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der schwarzen Akte mit Patrick Strohbusch und Anne Lübmann. Hello! Wir gehen heute mit euch zurück in das Jahr 1993, also in eine Zeit, in der das Internet zwar zunehmend genutzt wird, aber längst nicht so allgegenwärtig ist wie heute. Das wurde nämlich erst zwei Jahre zuvor der Öffentlichkeit überhaupt zugänglich gemacht. Werbung, Ende, Dafür kommt 1993 schon das erste, ich sag mal vorsichtig, Smartphone auf den Markt. Ein klobiges, walkie-talkie-ähnliches Gerät, mit dem man telefonieren und SMS schreiben kann und das statt Tasten tatsächlich schon einen Touchscreen hat. Mit der Erfindung des Internets entwickeln sich auch die Sprachen weiter. Begriffe wie Website, E-Commerce oder Cybersurfer erscheinen 1993 zum ersten Mal in gedruckter Form. Streaming ist natürlich noch Zukunftsmusik, aber wer Filme schauen will, der greift eben zur Videokassette. Musik gibt's auf CDs, die sich zu der Zeit längst als Standardmedium etabliert haben und so ziemlich in jedem Auto, jedem Zuhause und jedem Discman zu finden sind.

Alternativ zu CDs schalten viele Menschen, insbesondere Jugendliche, in den frühen 90er Jahren auch gerne mal den Musiksender MTV an. Dort werden Hits der Zeit wie I Will Always Love You von Whitney Houston oder Snoop Doggs Debütalbum Doggy Style gespielt. Das übrigens als eines der erfolgreichsten Debütalben aller Zeiten in der Hip-Hop-Geschichte der USA gilt. Und was noch cooler ist, auf MTV werden nicht nur Songs gespielt, sondern auch die Musikvideos dazu gezeigt. Eine ziemliche Besonderheit, die bei den jungen Leuten total gut ankommt. Besonders beliebt sind aber auch Spielekonsolen wie der Gameboy oder die Nintendo 64, die übrigens so heißt, weil ihr 64-Bit-Prozessor in den 90er Jahren eine 3D-Revolution der Gaming-Szene versprechen will. 1993 kommt auch Steven Spielbergs Jurassic Park in die Kinos und revolutioniert die Filmindustrie mit brandneuen Spezialeffekten. Er gilt zu der Zeit als einer der erfolgreichsten Filme überhaupt. Aber das Jahr 1993 bedeutet nicht nur Spiel und Spaß. Im Februar 1993 explodiert eine Bombe in der Tiefgarage des World Trade Centers und schlägt einen etwa 40 Meter großen Krater mitten in Manhattan.

Das komplette Parkhaus stürzt ein, sechs Menschen sterben und über tausend werden verletzt. Wie durch ein Wunder bleiben die Zwillingstürme des Centers stehen. Der Anschlag ist ein Vorbote für das, was viele Jahre später am 11. September hier geschehen wird. Auch polizeiliche Ermittlungen laufen 1993 zum Teil anders ab als heute.

Gerade was die Verwendung von DNA-Analysen in der Forensik betrifft. Seit den 80er Jahren ist die Forschung so weit, dass man DNA zur Identifikation von Personen nutzen kann. Allerdings kann nur analysiert werden, was auch mit dem bloßen Auge sichtbar ist, Also Haare, Nägel, Haut, aber auch Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel oder Sperma. Heutzutage ist die Technik ja schon so fortgeschritten, dass es ausreicht, jemanden einfach nur kurz zu berühren. Und schon kann die eigene DNA an der Person nachgewiesen werden. Die Polizei ist 1993 also auf jeden Fall schon sensibilisiert für das Thema und ahnt, was die technologische Entwicklung der Zukunft zu bringen wird. Gleichzeitig gelten die frühen 90er Jahre in den USA als Hochphase, was Gewaltkriminalität in vielen Großstädten angeht. Unter anderem auch in Minneapolis, wo sich auch der Fall zugetragen hat, von dem wir euch heute berichten wollen. Die Mordraten nehmen hier 1993 in einem Rekordtempo zu. Die Polizei kommt kaum mit den Ermittlungen hinterher. Besonders betroffen sind Frauen, People of Color und all die Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben. Also Obdachlose, Drogenabhängige, aber auch Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter. Menschen wie Jeannie, um die es heute gehen wird. Studien zeigen, dass erschreckend viele derjenigen, die im Sexgewerbe arbeiten, Gewalt erfahren haben. Also körperliche, sexuelle Gewalt.

Sowohl von Seiten ihrer Kundschaft, aber auch immer wieder von Seiten der Polizei. Und diese Studien stammen nicht aus den 1990ern, sondern aus den 2010ern und frühen 2020er Jahren. Dadurch, dass Sexarbeit in großen Teilen der USA kriminalisiert ist, verzichten viele Betroffene darauf, Anzeige zu erstatten. Aus Angst davor, mit Geldbußen bestraft oder sogar verhaftet zu werden. Falls sich jetzt jemand wundert, warum wir Sexarbeit statt Prostitution sagen, dann deswegen, weil das Wort Prostitution an sich schon eine negative Wertung beinhaltet. Das Wort kommt nämlich aus dem Lateinischen und bedeutet, etwas nach vorne zu stellen, also sich preiszugeben und auszustellen. Viele verstehen diese Bezeichnung als einen Angriff auf die Würde derjenigen.

Die diese Arbeit ausüben. Die gesellschaftliche Kritik an Sexarbeit gilt aber nicht den einzelnen Menschen, sondern dem hierarchischen und patriarchalen System, das viele von ihnen zu dieser Arbeit zwingt. Indem wir von Sexarbeit sprechen, versuchen wir, die Situation neutral darzustellen. Eine Sexarbeiterin ist eine professionelle Dienstleisterin, die einen bestimmten Service anbietet, um damit Geld zu verdienen. Also so, wie es in vielen anderen Gewerben auch der Fall ist. Es gibt viele Arten und Weisen, auf die Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen können. Und keine davon sollte pauschal als moralisch besser oder schlechter abgestempelt werden. Was natürlich nicht heißen soll, dass all diejenigen, die mit Sexarbeit ihr Geld verdienen, dies auch freiwillig tun. Aber zurück nach Minneapolis ins Jahr 1993.

Die Stadt liegt im Norden der USA, direkt am Mississippi. Knapp eine halbe Million Menschen leben hier und eine von ihnen ist Jeannie. Jeannie ist ein absoluter Lebemensch. Sie könnte stundenlang zu guter Musik tanzen. Am liebsten übrigens zu Lionel Richie. Spannende Gespräche mit anderen führen oder auf dem Motorrad durch die Gegend fahren. Sie ist ein Freigeist, der jeden Menschen so akzeptiert, wie er ist. Sie urteilt nicht über andere und wünscht sich sehr, man würde ihr ebenfalls mit gleichem Respekt begegnen. Jeannie wächst in einer Kleinstadt namens Essenti auf, die ungefähr eine Autostunde nördlich von Minneapolis liegt. Ihr Vater hat sich allerdings immer einen Sohn gewünscht. Er lässt Jeannie seine Enttäuschung darüber, dass sie als Mädchen geboren wurde, ständig spüren. Von klein auf versucht sie also immer alles, um ihrem Vater zu gefallen, aber vergeblich. Das kann ihre Mutter Betty sich irgendwann nicht mehr mit ansehen und zieht den Schlussstrich. Sie trennt sich von Jeannies Vater.

Nach der Trennung lernt Betty einen neuen Partner kennen und bekommt mit ihm ein weiteres Baby. Die kleine Cindy, die zwölf Jahre jünger ist als Jeannie. Aber das macht Jeannie nichts aus, denn sie liebt ihre kleine Schwester über alles. Und auch mit dem neuen Partner ihrer Mutter kommt sie gut klar. Es könnte alles so schön sein. Doch als Jeannie um die 13 Jahre alt ist, wird der neue Partner ihrer Mutter erschossen, als er gerade in Minneapolis ist. Der Schütze ist sein Schwager und Geschäftspartner. Leider sind nicht viele Details über diesen Mord bekannt. Man weiß allerdings, dass der Verlust ihres Stiefvaters Jeannie ziemlich aus der Bahn geworfen hat. Und nicht nur sie. Ihre Mutter Betty ist plötzlich mit der kleinen Cindy allein zu Hause, die zu dem Zeitpunkt erst ein gutes Jahr alt ist. Jeannie bricht die Schule ab, als sie in der sechsten Klasse ist, also im Alter von etwa zwölf Jahren. Sie beginnt immer wieder von zu Hause wegzulaufen und immer wieder macht sich ihre Mutter auf die Suche nach ihr.

Betty schaut überall nach ihrer Tochter, auch in den dunklen Ecken der Stadt. Sie findet Jeannie auch, doch es scheint, als könnte die Teenagerin nichts mehr zu Hause halten. Zu diesem Zeitpunkt schöpft sie noch kein Verdacht, dass Jeannie begonnen hat, ihren Kummer und ihren Schmerz mit Drogen zu betäuben. Das könnte auch ein Grund sein, warum Jeannie trotz der Bemühungen ihrer Mutter immer wieder abhaut. Sie kann die Entzugserscheinung zu Hause nicht aushalten. In ihren jungen Teenagerjahren erlebt Jeannie aber auch noch ein anderes einschneidendes Ereignis. Sie wird von einem männlichen Verwandten aus ihrer Familie vergewaltigt. Möglicherweise handelt es sich dabei um den Großvater, aber das ist nicht genau belegt. Auf jeden Fall wird Jeannie ihrer Mutter erst viele Jahre später von der Vergewaltigung erzählen. Jeannie sucht sich eine Unterkunft in Minneapolis und beginnt als Sexarbeiterin Geld zu verdienen. Sie empfängt ihre Freier zu Hause, aber auch in anderen Etablissements.

Regelmäßig wird sie deswegen verhaftet. Und da sie ja noch minderjährig ist, erhält ihre Mutter auch entsprechend regelmäßig Anrufe von der Polizei. Da sich Jeannie der Polizei gegenüber aber immer sehr höflich verhält und sich nicht wehrt, sind die Beamten auch nett zu ihr. Und Jeannie macht weiter wie bisher, ohne dass ihre Mutter irgendwas dagegen tun kann. Für Betty muss das alles ziemlich schwer auszuhalten und auch zu akzeptieren sein. Sie kann ihre Tochter nicht kontrollieren. Es ist ihr einfach nicht möglich. Aber trotzdem schafft Betty es, nach Genies Auszug die Beziehung zu ihrer Tochter aufrechtzuerhalten. Sie telefonieren regelmäßig. Und immer, wenn Betty Sorgen äußert, beschwichtigt Jeannie sie und sagt, sie könne ganz beruhigt sein. Alles sei gut. Ihre Hoffnung bleibt, dass sich vielleicht doch etwas ändert, wenn Jeannie erstmal einen Mann kennenlernt, mit dem sie auch zusammen sein will. Jeannie hat auch tatsächlich eine längere Beziehung. Leider ist das Datum nicht bekannt, aber sie heiratet sogar an einem Punkt ihres Lebens. Doch die Ehe ist nur von kurzer Dauer. Jeannie wünscht sich sehr, eines Tages eigene Kinder zu haben. Aber sie weiß, dass dieser Traum wohl nie wahr werden wird. Denn alles scheint so, als sei sie unfruchtbar. Dann lernt sie den 24 Jahre älteren Alfred kennen, der bereits drei Kinder aus einer früheren Ehe hat. Seine jüngste Tochter ist noch ein Kleinkind, da jetzt Jeannie in sein Leben tritt. Alfred ist zu dem Zeitpunkt etwa Ende 50.

Das heißt, Jeannie muss ungefähr Anfang 30 sein. Die beiden heiraten. Und da Alfreds Kinder keinen wirklichen Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter haben, übernimmt Jeannie nun diese Rolle. Und sie ist auch wirklich gut darin. Selbst als die Beziehung mit Alfred in die Brüche geht, bleibt sie mit den Kindern in Kontakt und versucht alles, um ihnen eine gute Mutter zu sein. Mit ihrer eigenen Familie hat Jeannie nicht so viel Kontakt, wie sie sich eigentlich wünschen würde. Auch wenn sie ihre kleine Schwester Cindy in dieser Zeit nicht häufig sieht, so hat Jeannie sie immer in Gedanken und im Herzen dabei.

In einem Brief an ihre Schwester schreibt Jeannie, Cindy, du wirst so schnell erwachsen. Manchmal wünschte ich, ich hätte dabei sein können, um dir beim Aufwachsen zuzusehen. Aber meine Gedanken sind immer bei dir. Vergiss das niemals. Ich hoffe, dass du im Leben nur das Beste bekommst, denn das hast du verdient. Und weiter, es tut mir leid, Cindy. Ich möchte nicht, dass du dieselben Fehler machst wie ich. Bitte hör auf, Mom. Sie weiß wirklich, wovon sie spricht. Manchmal mag es schwerer erscheinen. Sie sagt nicht immer alles auf die richtige Art. Sie ist nicht perfekt. Niemand ist das. Ich hoffe, du bist mir nicht böse. Ich hab dich einfach so gern. Das soll es für den Moment gewesen sein. Schreib bald. Ich liebe dich über alles. In Liebe, deine Schwester Jeannie. Und so nähert sich das Jahr 1993, in dem sich alles für immer ändern soll. An dem Tag, an dem die personifizierte Gewalt an ihre Tür klopfen wird, ist Jeannie 35 Jahre alt. Sie lebt zusammen mit ihrem Freund Arthur in dessen Apartment. Die beiden sind ein Paar, aber einige unserer Quellen suggerieren, dass Arthur nicht nur ihr Freund ist, sondern dass Jeannie auch für ihn arbeitet. Das heißt, dass er ihr Kundschaft vermittelt.

Tatsächlich ist es wohl so, dass Genie einige ihrer Freier sogar in Arthurs Wohnung trifft. Eine Frau, die in der Wohnung ihres Freundes und sogar auf dem gemeinsamen Bett bezahlten Sex mit anderen Männern hat, das klingt ja erst einmal nicht so alltäglich. Wir haben deshalb ein bisschen tiefer gegraben und sind auf die sogenannten Loverboys gestoßen, auch Boyfriend-Pimps genannt. Vielleicht ist das einigen von euch ja schon ein Begriff.

Pimp ist das englische Wort für Zuhälter. Es geht also um Personen, die ein strategisches Vorgehen nutzen, um Menschen in die Prostitution zu zwingen. Meistens sind es junge, verletzliche Mädchen oder Jungen, denen über Monate oder auch Jahre romantische Gefühle vorgegaukelt werden. Dabei spricht man auch von Lovebombing. Die Zuhälter machen die betroffenen Personen emotional von sich abhängig. Sie überschütten sie mit Liebe, um sie dann in einem zweiten Schritt sexuell auszubeuten. Social Media und auch generell das Internet bieten solchen Loverboys unendlich viele Möglichkeiten, Kontakt zu Opfern aufzunehmen und Informationen über eigentlich schutzbedürftige Mädchen und Jungen zu sammeln. Es ist jedoch nicht nachgewiesen, ob Arthur auch in die Kategorie fällt, also ob er Jeannie nur datet, um mit ihr in der Sexindustrie Profit zu machen oder ob er einfach mit ihr zusammen ist, weil er sie mag. Ihre Familie hat auf jeden Fall den Eindruck, dass Jeannie happy ist mit Arthur. Und wenn sie ihn mal mit nach Hause nimmt, verhält er sich auch stets höflich und freundlich. Allerdings heißt es in einigen unserer Quellen auch, dass Arthur gegenüber Jeannie im Laufe ihrer Beziehung wohl häufiger gewalttätig geworden sein soll.

Betty und Cindy, Jeannies Mutter und ihre Schwester, sprechen aber ganz wohlwollend von ihm. Das ist der Stand, als am 13. Juni 1993 gegen 17.30 Uhr beim Hausmeister des Wohngebäudes in dem Jeannie lebt, das Telefon klingelt. Ihr könnt euch ihre Wohnsituation ungefähr so vorstellen.

Jeannie wohnt gemeinsam mit Arthur in den sogenannten Horn Towers. Das sind drei nebeneinanderstehende Hochhäuser mit Betonfassade, in denen es auf 22 Stockwerken knapp 500 Wohnungen gibt. Da der Wohnraum hier staatlich gefördert wird, kann man sich auch mit einem kleinen Einkommen hier die Miete leisten.

Jetzt meldet sich also ein Nachbar, der seine Wohnung direkt neben Jeannie hat. Er sagt, dass Wasser von ihrer Seite aus durch die Wand dringt. Der Hausmeister und ein Security-Mann fahren sofort hoch in den 21. Stock, um nachzusehen, was da los ist. Sie klopfen, doch niemand macht auf. Also verschaffen sie sich mit einem Generalschlüssel Zutritt zu der Wohnung und schon im Flur hört man, dass die Dusche läuft. Vom Flur aus gelangt man in ein kleines, leicht chaotisches Wohnzimmer, das aussieht, als sei es gerade eben noch benutzt worden. Auf einem schwarzen Röhrenfernseher läuft irgendeine Sitcom. Auf dem Tisch, der vor einer gemusterten Couch steht, liegt jede Menge Kleinkram wie Tassen, Karten, ein Aschenbecher und Zigaretten. Soweit nichts Ungewöhnliches. Doch dann schauen die beiden Männer sich auch im Rest der Wohnung um. Und betreten ein Szenario, das sie wohl höchstens in einem Horror-Splatter-Film schon so gesehen haben. Wenn ihr das nicht so genau hören wollt, dann spult jetzt am besten ein paar Sekunden vor.

Überall im Schlafzimmer ist Blut. Spritzer an den Wänden, teilweise hüfthoch, auf den Möbeln und auf dem großen Bett, das in der Mitte des Raumes steht. Dunkle Flecken zeichnen sich auf der weißen Tagesdecke ab und halb unter dem Bett liegt reglos eine Gestalt. Es ist Genie, ermordet und zwar auf eine so brutale Weise, dass ihr ganzer Körper einer einzigen offenen Wunde gleicht. Bis auf ihre Socken ist sie vollkommen nackt. Wie sich in der Autopsie später zeigen wird, hat der Mörder ganze 65 Mal auf sie eingestochen, überwiegend im Bereich vom Hals und dem Oberkörper. Ein Stich geht sogar direkt durch das Herz. Aber die Wunden zeigen auch, dass Jeannie bis zuletzt um ihr Leben gekämpft hat. Doch selbst nach ihrem Tod hat der Angreifer nicht aufgehört. Er hat weiter auf sie eingestochen, wie in einem Wahn. Der Bauchbereich zum Beispiel ist so zerstochen, dass sogar Teile von Jeannies Gedärm freiliegen. Ein Anblick, auf den der Hausmeister und sein Kollege vom Sicherheitsdienst definitiv nicht vorbereitet sind und den sie auch wohl so schnell nicht wieder vergessen werden. Aber das ist noch nicht alles, denn die blutigen Spuren führen weiter bis ins Bad.

Über Eisenspritzer, an den gefließten Wänden, an der Toilette, dem Waschbecken. Die Dusche ist angestellt, der weiße Duschvorhang zur Seite geschoben. Das Wasser läuft und läuft über die Duschwanne, über die Fliesen, bis durch die Wand zur Nachbarwohnung. Im Polizeirevier von Minneapolis geht nur wenige Augenblicke später der Notruf ein. Die Beamten sind sofort zur Stelle und bringen direkt eine forensische Spezialeinheit mit, die das Blutbad analysieren wird. An den Ermittlungen wird sich auch ein Spezialist beteiligen, dessen Fachgebiet es ist, Informationen über eine Tat aus Blutspuren und Blutspritzern herauszulesen. Es ist doch echt immer wieder interessant, was es alles so für Spezialisierung bei der Kriminalpolizei gibt, oder?

Es ist allen klar, dass dies keine Tat aus dem Affekt war. Der Angriff muss ziemlich lange gedauert haben, mindestens mehrere Minuten. Und der Mörder muss dabei eine extreme Kraft aufgewendet haben. Da scheint entweder jemand sehr wütend gewesen zu sein oder sehr blutdurstig. Kaum, dass die Polizei am Tatort eintrifft, tummeln sich draußen vor den Tornhauers schon die unterschiedlichsten Medienvertreter. Zeitung, Fernsehen, alle sind da und wollen über die schreckliche Tat berichten.

Noch ist allerdings den Medien nicht bekannt, um wen genau es sich handelt. Und so kommt es, dass Genies Mutter Betty im Fernsehen von der Ermordung ihrer Tochter erfährt. Sie arbeitet zu der Zeit als Palliativpflegerin und begleitet unheilbar erkrankte Menschen zu Hause in ihrem Sterbeprozess. Als die Nachricht ausgestrahlt wird, ist Betty gerade bei einer Dame zu Hause. Im Fernsehen werden die Horn Towers gezeigt und Betty ahnt sofort, dass etwas Schlimmes mit ihrer Genie passiert ist. Sie hatte einfach so ein Gefühl. Sie ruft ihren Ehemann an und erzählt ihm vollkommen geschockt, dass sie gerade im Fernsehen sieht, wie der Rettungsdienst eine Leiche abtransportiert, die in ein weißes Tuch eingewickelt ist. Ein Anruf bei der Polizei bestätigt, dass es sich wirklich um ihre Tochter handelt. Und dabei hat sie doch gestern erst noch mit ihr telefoniert. Jeannie hat ihr da erzählt, dass sie so schlimme Zahnschmerzen habe. Betty hat noch angeboten, sie in die Notaufnahme zu fahren. Aber Jeannie hat abgelehnt und ihr genau das gesagt, was sie immer in solchen Situationen sagt, nämlich, Mama, mach dir keine Sorgen um mich. Betty möchte am liebsten sofort zu ihrer Tochter, aber die Polizei erlaubt ihr nicht, Jeannie zu sehen. Nicht in diesem Zustand. Ihre Leiche muss erst noch zur Autopsie und erst danach kann sie wieder, so gut es eben geht, hergerichtet werden. Betty wird ihre Tochter erst fünf Tage später bei der Beerdigung sehen, in langer Kleidung und mit Handschuhen an. Aber da sieht Jeannie schon längst nicht mehr aus wie sie selbst.

Die Mordkommission steht nun vor der großen Aufgabe, Antworten zu liefern. Man geht davon aus, dass es sich um einen Täter handelt, der schon häufiger auffällig geworden ist. Wenn jemand nämlich zum ersten Mal einen Mord begeht, ist es erfahrungsgemäß eher unwahrscheinlich, dass er dabei direkt so krass gewaltsam vorgeht. Da es ja scheinbar einen Kampf zwischen Jeannie und ihrem Angreifer gegeben hat, ist es gut möglich, dass dieser sich nach der Tat medizinische Hilfe holen musste.

Die Detectives hören sich also in den umliegenden Krankenhäusern um. Ob jemandem vielleicht ein Mann aufgefallen ist, der Stichwunden an der Hand, am Arm, vielleicht sogar am Gesicht oder an der Brust hat. Aber Fehlanzeige. Dafür bietet der Tatort ziemlich viele Spuren, die das Ermittlungsteam zum Täter führen könnten. In Genies Wohnung findet sich nicht nur jede Menge Blut, sondern auch Sperma. Und zwar unter anderem auf der blutbefleckten Tagesdecke und auf einem blauen Handtuch im Badezimmer. Und da kommt die DNA ins Spiel.

Generell gibt es in der gesamten Wohnung ziemlich viele DNA-Spuren, und zwar von verschiedensten Quellen. Man findet also nicht nur Sperma, sondern zum Beispiel auch Haare. Die Technologie ist 1993 allerdings noch nicht so weit, dass man jede Quelle genau identifizieren kann. Man weiß also, dass da fremde DNA ist, aber nicht, woher die genau kommt. Auf einem blauen Waschlappen finden sich zum Beispiel solche fremden DNA-Spuren, aber auch auf einem roten T-Shirt und dem blutbespritzten Waschbecken. Das Problem ist auch, dass diese DNA nicht nur von einer Person stammt, sondern von mehreren. Denn Genie hat ja in ihrer Wohnung einige ihrer Freier empfangen und die haben eben teilweise auch Spermaspuren hinterlassen. Auf dem Bett, aber einer auch in ihrer Unterhose. Das heißt, die Polizei steht nun also mit ganz vielen verschiedenen DNA-Profilen da. Und es ist nicht klar, welches davon zum Täter führt und ob überhaupt eins zum Täter führt. Leider führt keins davon zu einem Match in der polizeilichen Datenbank. Aber es gibt noch eine andere Spur, die eine ziemlich deutliche Sprache spricht. Denn auf dem Boden neben Genies Leiche konnte die Polizei blutige Fußabdrücke feststellen. Die müssen vom Täter stammen. Sie sind ja erst anstanden, nachdem dieser in Genies Blut getreten ist. Und zwar nicht mit Schuhen, sondern barfuß.

Das heißt, der Täter hat seine Schuhe und Socken ausgezogen, nachdem er Genies Wohnung betreten hat. Was dafür spricht, dass er nicht nur für den Mord da war. Von Genie selbst können die blutigen Fußabdrücke nicht stammen, denn sie hatte ja Socken an. Füße haben, genau wie Finger und Handflächen, so Rillen und Furchen, anhand derer man eine Person eindeutig identifizieren kann. Das heißt, jeder Mensch hat nicht nur einen einzigartigen Fingerabdruck, sondern auch einen individuellen Fußabdruck.

Tatsächlich verrät so ein Fußabdruck viel mehr über allen, als man zunächst denkt. Zum Beispiel, ob die Person stand, gelaufen oder gerannt ist. Man kann außerdem Rückschlüsse auf ihr Gewicht ziehen, auf die Verteilung dieses Gewichts und, wenn man mehrere Fußabdrücke hat, sogar, ob die Person einen Gehfehler hat oder eine Fußfehlstellung oder so. Doch das war noch nicht alles. Im Abtropfgestell entdeckt die Polizei neben dem Geschirr auch ein scharfes Messer, auf dem sich allerdings keine Blutspuren befinden. Wie es dort liegt, sieht es aus, als habe Jeannie es benutzt, um sich damit etwas zu essen zu machen. Die Polizei geht nicht davon aus, dass es sich um eine Mordwaffe handelt und sammelt das Messer auch nicht als Beweismittel ein. Dafür lässt sich anhand der Blutspuren ein ungefährer Tatablauf rekonstruieren. Der Angriff muss vor der Badezimmertür begonnen haben. Jeannie muss also daraufhin ins Bad geflohen sein, der Täter hinter ihr her.

Dort muss er sie mehrfach mit einem Messer erstochen haben. Jeannie ist zusammengebrochen und hat sich noch über den Boden ins Schlafzimmer geschleppt. Dort muss es einen zweiten großen Angriff auf dem Bett gegeben haben. Das Kissen ist blutverschmiert und an einer Stelle ist so viel Blut geflossen, dass es durch die Tagesdecke, durch die Bettdecke und das Bettlaken bis in die Matratze gelangt ist. Hier im Schlafzimmer hat Jeannie den Kampf schließlich verloren. Ihre Leiche hat man ja halb unter dem Bett liegend gefunden. Aber nicht nur in der Wohnung, sondern auch im Treppenhaus finden sich Blutspuren an der Wand, ganz in der Nähe von Genies Wohnung.

Das Blut stammt von ihr, aber auch von einer weiteren Person. Möglich, dass der Täter also beim Abhauen die Wand berührt hat. Vielleicht musste er sich auch abstützen, weil er selbst verletzt war. Die Tür zur Wohnung zeigt wiederum keine Hinweise darauf, dass der Angreifer gewaltsam eingedrungen ist.

Jeannie muss den Mann also vermutlich gekannt und ihn freiwillig hereingelassen haben. Was auch für die Theorie spricht, dass er einer ihrer Freier war. Es ist gut möglich, dass ihn jemand aus der Nachbarschaft im Flur gesehen hat. Also klopft die Polizei an alle Türen im Hochhaus auf der Suche nach Zeugen. Eine Nachbarin erinnert sich sogar tatsächlich daran, Jeannie mit einem großen, blonden Mann in einem Trenchcoat am Tag ihrer Ermordung gesehen zu haben. Denselben Kerl habe sie wohl später durch das Treppenhausrennen sehen. Viel mehr Details weiß sie aber nicht. Und die Beschreibung trifft leider auf ziemlich viele Männer in Minneapolis zu. Immerhin leben hier fast eine halbe Million Menschen. Leider hat Jeannie nie Aufzeichnungen darüber geführt, mit welchen Freiern sie sich wann getroffen hat. Es ist also ziemlich schwer nachzuvollziehen, wer bei ihr ein- und ausgegangen ist. Und wer weiß, vielleicht handelt es sich ja auch um einen Serienmörder.

1993 hat die Mordkommission in Minneapolis um die 50 neue Fälle pro Jahr. Das sind so viele wie seit über 30 Jahren nicht mehr. Gut möglich, dass da auch ein Wiederholungstäter dabei ist. Aber es gibt diesen einen Mann, von dem man ganz sicher weiß, dass er bei Genie in der Wohnung war. Und zwar, weil er selbst mit ihr dort wohnt. Es geht natürlich um Arthur, ihren Freund und eventuell auch Zuhälter, der Genie gegenüber auch wohl schon gewalttätig gewesen sein soll. Seine DNA befindet sich natürlich überall in der Wohnung, aber das Ding ist, dass man in Genies Hand ein Haar entdeckt, das ihm gehört. Das wirkt natürlich auf den ersten Blick so, als sei das Haar während des Kampfes in ihre Hand geraten. Werbung Werbung Ende.

Arthur rückt also in den Fokus. Allerdings hat er ein ziemlich solides Alibi. Er war zur Tatzeit mit Freunden auf einem Motorradausflug in einem anderen Bundesstaat, so fünf Autostunden entfernt. Es gibt mehrere Leute, die dieses Alibi auch bestätigen können. Und die blutigen Fußabdrücke stammen eindeutig nicht von ihm. Vermutlich ist dieses Haar also einfach zufällig an Genies blutige Hand kleben geblieben. Haare fallen ja auch mal einfach so aus und liegen dann halt eben in der Wohnung rum. Das kennen bestimmt die meisten von euch, gerade die mit längeren Haaren. Also geht die Fragerei weiter. Jeder aus Genies Umfeld, der auch noch ansatzweise als Verdächtiger in Betracht kommen könnte, wird von der Polizei abgecheckt. Doch bei keinem stimmen die Fußabdrücke überein. Und so langsam gehen den Detektives die Ideen aus. Und so frustrierend das Ganze für Genies Familie auch ist, es kommt der Punkt, an dem die Mordkommission die Akte zu den ungelösten Fällen legt. Sie haben alles probiert, ohne Erfolg. Und die Polizei entscheidet sich dafür, ihre Ressourcen für die Ermittlungen in anderen Mordfällen zu verwenden. Genies Mutter will das nicht einsehen. Regelmäßig ruft sie bei der Polizei an, um die daran zu erinnern, dass Genies Mörder noch nicht gefasst ist. Und so werden aus Monaten Jahre und die Zeit zieht ins Land. Aber es vergeht nicht ein Jahr, in dem sich Betty nicht bei den Behörden meldet.

2015, über 20 Jahre später, nimmt sich ein Cold-Case-Ermittler des FBI noch einmal die Akte von Jeannie vor. Man beschließt, ihrer Mutter und ihrer Schwester erstmal nicht zu erzählen, dass man die Ermittlungen wieder aufgenommen hat, um ihnen keine falschen Hoffnungen zu machen. In der Kriminaltechnik hat es in diesen 20 Jahren große Fortschritte gegeben. Natürlich besonders, was die Anwendung von DNA-Analysen bei Ermittlungen angeht. Der Call-Case-Detective geht also nun Schritt für Schritt alle Beweise noch einmal durch und schaut, ob es inzwischen neue Treffer in der DNA-Datenbank gibt. Und tatsächlich hat er Glück. Ihr erinnert euch, dass auch im Treppenhaus vor Genies Wohnung Blut gefunden wurde? Ihr Blut und das einer weiteren Person.

Und genau diese Person taucht jetzt in der Datenbank auf. Es handelt sich um einen Mann namens John. John sitzt 2015 im Gefängnis, weil er betrunken Auto gefahren ist und danach gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hat. Er sagt, er habe keine Ahnung, wie sein Blut in das Treppenhaus gelangt sei. Er sei nur einmal Anfang der 90er Jahre da gewesen, also etwa zwei Jahre vor Genies Ermordung. Alles in allem zeigt er sich sehr kooperativ. Er willigt ein, dass ihm noch einmal eine DNA-Probe und dazu noch ein Abdruck seiner Füße abgenommen wird.

Ist es möglich, dass der Cold Case Detective Genies Mörder tatsächlich nach all den Jahren doch noch entlarvt hat? Aber leider Fehlanzeige. Johns DNA befand sich sonst nirgendwo am Tatort und auch die blutigen Fußabdrücke passen nicht zu ihm. Es gibt also keinen Beweis dafür, dass er tatsächlich in Genies Wohnung war. Damit fällt er als Verdächtiger wieder raus. Auch wenn es etwas merkwürdig erscheint, dass er sich über 20 Jahre später noch so genau erinnern kann, in welchem Jahr er mal für einen Tag in den Horn-Towers war. Eine forensische Expertin nimmt sich noch einmal das gesamte DNA-Material vor, das man zum Glück gut gesichert und über die Jahre aufbewahrt hat. Sie erkennt, dass es genau ein Profil gibt, das immer wieder auftaucht und dem unter anderem das Sperma aus dem Handtuch und dem Bett zugeordnet werden kann. Aber auch die DNA-Spuren auf dem T-Shirt, dem Waschlappen und dem Waschbecken.

Es hat den Anschein, als könne der Täter versucht haben, mit dem Waschlappen das Blutbad zu beseitigen, aber dann wohl schnell aufgegeben, weil es einfach viel zu viel Blut überall war. Auf jeden Fall gibt es dank des technologischen Fortschritts und der gründlichen Arbeit dieser Expertin nun endlich ein DNA-Profil des Täters. Doch nach wie vor lässt sich dafür in der DNA-Datenbank der Polizei kein Treffer finden. Und andere Verdächtige gibt es nicht. Der Fall rückt also wieder in den Hintergrund und man ist froh, Genies Familie keine falsche Hoffnung gemacht zu haben. Drei weitere Jahre später, im April 2018, ist der Fall des Golden State Killers groß in den Medien. Wir haben darüber auch schon in einer unserer ersten Folgen hier in der schwarzen Akte berichtet. Das ist Folge 18. Es geht darin um eine der wohl größten Personensuchen aller Zeiten. Mehr als vier Jahrzehnte lang jagt das FBI einen Mann, der mehr als 50 Vergewaltigungen, zwölf Morde und unzählige Einbrüche begangen haben soll.

Die forensische DNA-Genealogie spielt in diesem Fall eine wichtige Rolle. Es handelt sich um eine Ermittlungsmethode, die klassische DNA-Analyse mit Ahnenforschung verbindet. Es wird dabei nicht direkt nach der Täterfigur gesucht, sondern nach Verwandten. Aus diesen Informationen werden Stammbäume erstellt und der Täterkreis dann Schritt für Schritt eingegrenzt. Inspiriert und motiviert vom Erfolg der forensischen DNA-Genealogie versucht das Call-Case-Team nun auch Genies-Mörder mit dieser Methode zu identifizieren. Unter einem Decknamen legen sie nun das DNA-Profil des Täters auf unterschiedlichen Online-Plattformen zur Ahrenforschung an, unter anderem auch auf myheritage.com. Es handelt sich dabei um kommerzielle Plattformen, auf denen sich jeder Mensch registrieren und seinen familiären Hintergrund erforschen kann. Und so findet die Polizei 2019 heraus, dass die DNA tatsächlich zu zwei Brüdern passt. Beide haben unterschiedliche Augenfarben. Von der Analyse der Täter-DNA weiß man, dass der gesuchte Täter braune Augen haben muss. Und auf den konzentriert man sich jetzt. Sein Name ist Jerry. Er ist 52 Jahre alt, hat drei erwachsene Kinder und lebt mit seiner Frau in Isenti, also genau dort, wo auch Jeannie aufgewachsen ist.

Nach Minneapolis dauert es circa eine Dreiviertelstunde mit dem Auto, Also eine Distanz, die man locker mit dem Auto fahren kann. Jerry ist ein angesehener und beliebter Geschäftsmann, der sich gut mit seinen Mitmenschen versteht, immer neue Ideen hat und regelmäßig in die Kirche geht. Er hat viele Jahre einen Tankstellenshop mit Autowaschanlage geführt, der aber durch die Wirtschaftskrise 2008 insolvent gegangen ist. Danach ist Jerry zu seinen ländlichen Wurzeln zurückgekehrt, hat Biomais und Sojabohnen angebaut und sich ein Business damit aufgebaut, Ernteversicherungen zu verkaufen. Vielen Dank. Seine Frau hat er übrigens am 28. Mai 1993 kennengelernt. Und das ist interessant, weil das ungefähr drei Wochen vor Genies Ermordung war. Das heißt, wenn Jerry wirklich unser gesuchter Mann ist, dann hat er dieses grausame Geheimnis mit in seine Ehe genommen. Dem Anschein nach haben die beiden aber eine glückliche Beziehung, auch wenn er schon mehrfach Probleme mit dem Gesetz hatte.

Unter anderem wegen Trunkenheit am Steuer, dem Führen einer Schusswaffe ohne Genehmigung und dem Anwerben von Sexarbeiterinnen. Aber seine Frau steht zu ihm. Nach außen hin wirkt Jerry ruhig und gelassen. Auf keinen Fall wie ein gewaltsamer Mensch. Das würden auch alle bezeugen, die ihn kennen. Er hat nie Wutausbrüche und auch niemand, der ihn kennt, hat ihn jemals die Kontrolle verlieren sehen. Wenn das stimmt, dann passt das gar nicht zu dem Profil, nach dem die Polizei sucht. Denn die geht ja eigentlich davon aus, dass es sich um einen impulsiven, gewalttätigen Mann handelt, der nicht zum ersten Mal durch seine Gewaltausbrüche auffällig geworden ist. Aber man kann den Leuten ja auch nicht in den Kopf gucken.

Letztendlich gibt es nur eine Möglichkeit, um herauszufinden, ob Jerry der gesuchte Mann ist. Man braucht eine aktuelle DNA-Probe von ihm, um die mit der Täter-DNA zu vergleichen. Aber die Polizei kann jetzt nicht einfach hingehen und diese Probe von ihm verlangen. Sie wollen ihn ja nicht warnen, dass sie ihm auf der Schliche sind. Und es kann ja auch sein, dass er komplett unschuldig ist. Jerry hat einen Facebook-Account, auf dem er manchmal teilt, was er so macht. So erfährt die Polizei, dass er gerne zu den Hockeyspielen seiner Tochter fährt. Also folgen sie ihm heimlich und hoffen, dass er irgendwas wegwirft, auf dem sich seine DNA befindet. Speichel wäre dafür ideal. Mehrere Wochen dauert es, bis sich im Januar 2019 endlich eine Gelegenheit ergibt.

Bei einem Hockeyspiel beobachtet ein Detektiv, wie Jerry sich ein Hotdog kauft, sich mit einer Serviette den Mund abwischt und die dann in einem Mülleimer entsorgt. Er wartet, bis Jerry zurück beim Spiel ist und geht dann so unauffällig wie möglich zum Mülleimer. In diesem Moment nähert sich aber auch ein kleiner Junge mit einem riesigen roten Slush-Eis und der Ermittler bekommt es kurz mit der Panik zu tun. Der Junge und er haben kurz Blickkontakt und bevor das Slush-Eis im Mülleimer landen kann, greift der Detektiv hinein und holt die Serviette raus. Das war ziemlich knapp. Der kleine Junge schlendert einfach weiter, ohne zu ahnen, von welchem großen Ermittlungsmoment er gerade Zeuge geworden ist. Denn die DNA auf Jerrys Serviette stimmt tatsächlich mit der Täter-DNA am Tatort überein. Etwa ein Monat nach dem Hockeyspiel, am 12. Februar 2019, nimmt die Polizei Jerry an seinem Arbeitsplatz fest. Er stellt keine Fragen. Man entnimmt ihm eine weitere Speichelprobe. Dieses Mal mit einem Wattestäbchen, direkt aus dem Mund. Und natürlich macht man auch einen Abdruck von seinen Füßen. Im Verhör bestreitet Jerry jemals, in den Horn-Towers gewesen zu sein. Und er behauptet auch, nie mit Jeannie oder irgendeiner Frau, die nicht seine Ehefrau ist, gegen Bezahlung Sex gehabt zu haben. Er habe keine Ahnung, wie seine DNA in Jeannies Wohnung gelangt sein könnte.

Ja, er kenne diese Jeannie nicht einmal. Er lügt der Polizei also direkt ins Gesicht. Denn, ihr erinnert euch, Jerry ist ja bereits vorbestraft, wegen der Anwerbung von Sexarbeiterinnen. Die Behörden haben also schwarz auf weiß, dass er nicht die Wahrheit sagt.

Das müsste ihm eigentlich auch bewusst sein. Ebenso wie die Tatsache, dass DNA nicht einfach so aus Versehen an einen Ort gelangen kann, an dem er nie gewesen ist.

Auffällig bei dem Verhör ist aber auch, was Jerry nicht sagt. Er fragt nicht, was passiert ist, warum er hier ist oder warum er überhaupt verdächtigt wird. Elf Minuten vergehen, dann verlangt Jerry einen Anwalt. Die Nacht verbringt er in Untersuchungshaft. Die Analyseergebnisse zeigen eindeutig, dass es sein Sperma auf der Tagesdecke und dem blauen Handtuch ist und dass auch seine DNA am Waschlappen, am blutigen Waschbecken und dem roten T-Shirt zu finden ist. Aber allein seine DNA in der Wohnung reicht eben nicht aus, um ihm den Mord ohne Zweifel nachzuweisen. Denn dazu waren einfach zu viele Menschen bei Jeannie zu Gast, die alle ihre Spuren hinterlassen haben. Das Ding bei DNA ist nämlich, dass sie keinen Zeitstempel hat. Man kann also nur wissen, dass eine Person vor Ort war, aber nicht wann. Anders sieht es bei dem Fußabdruck aus, denn der kann ja nur entstanden sein, als Jeannie schon so stark geblutet hat. Das heißt, er muss vom Täter stammen. Die Haut an unseren Fingern, Handflächen und Füßen ist ein Leben lang dieselbe und ändert sich nicht.

Deshalb kann man sie, ebenso wie DNA, so gut dazu nutzen, einen Menschen zu identifizieren. Der Vergleich von Jerrys Fußabdruck mit dem vom Tatort liefert auch tatsächlich ein eindeutiges Ergebnis. Die Abdrücke stammen von ein und derselben Person. Dieses Ergebnis wird von verschiedenen Spezialisten überprüft und bestätigt. Jerry war in Genies Wohnung, als sie ermordet wurde. Und es gibt nur einen Grund, warum er all die Jahre die Taten nicht gemeldet hat. Weil er Genie getötet hat. Wenige Tage später klingelt bei Genies Mutter das Telefon. Es ist der Anruf, auf den sie schon gar nicht mehr zu hoffen gewagt hat. Sie haben ihn. Betty hat am ganzen Körper Gänsehaut. Fast 26 Jahre lang haben sie und Cindy auf Antworten gewartet. Und besonders Dee kann es nicht fassen, als sie Jerrys Namen erfährt. Denn sie kennt Jerry, weil ihre Kinder zusammen Hockey gespielt haben. Ein paar Tage nach seiner Festnahme wird Jerry erst wegen Mord zweiten Grades angeklagt.

Später wird daraus eine Anklage wegen Mord ersten Grades. Bis zum Prozess darf Jerry auf freiem Fuß sein, weil er eine Kaution von 500.000 Dollar bezahlt hat. Dafür haben er und seine Frau, die übrigens nach wie vor fest an seiner Seite steht, fast alles verkauft, was sie besitzen. Unter anderem eine 100 Jahre alte Farm, die sich seit langem im Besitz der Familie befindet. Sie stecken ihre gesamte Existenz in Jerrys Verteidigung, weil sie so sicher sind, dass er unschuldig ist. Es vergehen fast drei weitere Jahre, bis der Prozess endlich beginnt. Am 16. August 2022 ist es soweit. Jerrys Ehefrau hält demonstrativ seine Hand, als sie von Kameras gefilmt in den Gerichtssaal laufen. Jerry plädiert auf unschuldig, sagt aber selbst nicht aus.

Seine Verteidigung argumentiert, dass es viele Ermittlungsfehler gegeben habe. Unter anderem das Versäumnis, das Messer an der Spüle als potenzielle Tatwaffe zu untersuchen oder die ungeklärte Frage, wer denn wohl der blonde Mann mit dem Trenchcoat ist, den die Nachbarin am Tag der Tat mit Genie gesehen hat. Denn Jerry selbst hat dunkelbraune Haare, er kann es also nicht gewesen sein. Die Verteidigung präsentiert verschiedene Zeugen, die bestätigen, was für ein toller Mensch, Vater und Ehemann Jerry ist. Sie wollen die Jury davon überzeugen, dass jemand wie Jerry niemals so ein gewaltsames Verbrechen begehen könnte. Und sie nennt fünf weitere Verdächtige, die alle als Täter in Frage kommen. Unter anderem einen Nachbarn zwei Türen weiter, der wohl mal auffällig geworden ist, weil er andere mit einem Messer bedroht hat.

Und Genies Lebensgefährten Arthur, dessen Alibi sie jetzt in Frage stellen, der zum Zeitpunkt des Prozesses aber bereits verstorben ist. Er ist schon 2012 gestorben, zehn Jahre zuvor. Und dann wäre da noch ein potenzieller Verdächtiger namens James Lewis. Denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine Spermaspur auf Genies Tagesdecke von diesem James stammt. Aber man scheint das eben auch nicht sicher belegen zu können. Auffällig an diesem Mann ist jedenfalls, dass er schon mehrfach wegen Sexualdelikten festgenommen worden ist. Etwa ein Jahr nach Genies Ermordung hat dieser James Lewis eine 26-jährige Krankenschwester in ihrem Einzimmer-Apartment in Minneapolis ermordet. An diesem Tatort wurde auch ein blutiger Fußabdruck gefunden, der schließlich ausschlaggebend für James' Verurteilung war. Seitdem sitzt er in Haft. Lebenslang. Die Parallelen sind nicht zu übersehen. Es ist unseren Quellen zufolge unklar, ob James Lewis überhaupt jemals im Rahmen der Ermittlungen zu Jenny befragt wurde. Nichtsdestotrotz reicht die Beweislage nicht aus, um den Hauptangeklagten Jerry zu entlasten und den neuen Verdächtigen James Lewis zu belasten. Im Gegenteil. Die Beweise gegen Jerry wiegen schwer.

Sieben Fußabdrücke wurden analysiert. Vier davon eignen sich für den Vergleich. Und alle vier passen zu Jerry.

Der Fall ist eigentlich klar. Und das sieht die Jury tatsächlich auch so. Zwei Stunden beraten sie sich. Was wirklich kurz ist. Sie sprechen Jerry dann schuldig wegen Mord ersten und zweiten Grades. Fast 30 Jahre, nachdem er Jeannie getötet hat. 30 Jahre, in denen er das Leben gelebt hat, das Jeannie sich auch erträumt hat. Sie wollte Kinder großziehen und eine eigene Familie.

Jerry sitzt still da, als das Urteil verkündet wird. Seine Hände sind im Schoß gefaltet und er schweigt wie schon die ganze Zeit. Er ist zu dem Zeitpunkt 56 Jahre alt, das heißt, bei der Tat war er Mitte 20. Er wird zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, kann aber nach 30 Jahren im Jahr 2052 auf Bewährung entlassen werden. Dann wird er 86 Jahre alt sein. Er legt alle möglichen Rechtsmittel ein. doch ohne Erfolg. Das Einzige, was seine Anwälte noch erwirken können, ist, dass diese doppelte Verurteilung wegen Mord ersten und zweiten Grades aufgehoben wird. Denn die war auch gar nicht rechtens. Da hat die Jury einfach einen Fehler gemacht. Nur der Schuldspruch wegen Mord ersten Grades bleibt bestehen und natürlich die damit zusammenhängende lebenslange Haftstrafe. Genies Mutter findet gegenüber den Medien klare Worte. Sie sagt, ich hoffe einfach, dass wenn er nachts die Augen schließt, er jedes einzelne Mal ihr Gesicht sieht. So geht es mir. Ich will, dass er leidet und ich möchte wirklich nicht, dass Jeannie die Schuld an dem gegeben wird, was passiert. Er hätte einfach gehen können, dann wäre Jeannie heute noch hier. Es war seine Entscheidung.

Der Prozess ist gelaufen, das Urteil gesprochen. Und trotzdem hat niemand gewonnen. Jeder hier im Gericht hat nämlich etwas verloren. Eine geliebte Tochter und Schwester. Aber auch einen Vater und einen Ehemann. Eine Freundin, ein Freund.

Jerries Familie hat ihre gesamte Existenz aufs Spiel gesetzt und alles verloren. Wir wollen noch einen kurzen Bogen zum Anfang unserer Folge spannen. Statt über Schmerz zu sprechen, wollen wir uns an die Liebe erinnern. An die Liebe einer Mutter, die sich weigert, das Schweigen zu akzeptieren. An die Liebe einer Schwester, die erinnert und mitfühlt und sich weigert, Hass in ihr Leben zu lassen. Und an die Liebe einer Frau, die alles gegeben hat, um ihre Familie zu beschützen.

Übrigens, kleiner Hinweis, bevor es gleich in die Diskussion geht. Meine Audioqualität wird sich gleich ein bisschen schlechter anhören. Ich habe nämlich meinen Teil des Skriptes gerade nochmal neu aufgenommen. Meine Audioqualität war leider nicht so gut dieses Mal. Aber die Diskussionen, die nehmen wir ja wirklich immer face-to-face direkt auf. Und das konnten wir einfach nicht so replizieren. Und deswegen wundert euch bitte nicht, dass sich meine Audioqualität gleich anders anhört. Nichtsdestotrotz haben wir es natürlich trotzdem für euch drin lassen wollen. Also aufgrund dieser krassen Brutalität in der Folge kann ich mir ehrlich vorstellen, dass einige vielleicht sogar ein paar Teile dieser Akte heute übersprungen haben. Bei 65 Messerstiche, das ist schon eher die Seltenheit, würde ich sagen. Ich finde es auch wirklich ultra, ultra krass. 65 Messerstiche, wir haben ja darüber gesprochen, das muss ja wirklich mehrere Minuten lang gegangen sein. Alleine, wenn du jetzt mal bis 65 zählen würdest, so allein wie lange das dauern würde, das ist wirklich unvorstellbar. Das kann man sich gar nicht vorstellen und das will sich, glaube ich, auch keiner vorstellen.

Und ich meine, wir haben es hier mit einem gelösten Fall zu tun, zum Glück, dass die Technik ja über die Jahre sich so gut entwickelt hat, dass man eben mithilfe von DNA den Täter überführen konnte. Aber der hat ja nichts gesagt. Der hat ja nach wie vor nicht gestanden. Und wir wissen immer noch nicht, warum er das gemacht hat. Ja, also da können wir jetzt auf jeden Fall anfangen mit dem Rätselraten. Wir haben ja gerade eben schon das Minimal besprochen, bevor wir jetzt hier wirklich mit unserer Diskussion angefangen haben. Da finde ich, hattest du einen sehr guten Punkt. Willst du den mal kurz ausführen? Ja, also letztendlich wissen wir das natürlich auch nicht. Und wer sind jetzt wir zwei Dullis, dass wir das Rätsel lösen können? Das nicht. Aber jetzt hat es hier gerade gehupt. Eine Sache, die ich mir vielleicht da noch vorstellen könnte, wenn wir uns daran erinnern, dass er Jerry in der Zeit ja auch seine Frau kennengelernt hat, dass er vielleicht die Dienste von Jeannie in Anspruch genommen hat. Und dann hat er seine Frau kennengelernt. Und das war dem vielleicht so unangenehm, dass er bei einer Sexarbeiterin war, dass er das unbedingt geheim halten wollte. I don't know. Aber vielleicht war das in seinem kranken Kopf die einzige Möglichkeit, um dieses Geheimnis für immer zu vertuschen, indem er sie dann eben ermordet hat. Warum das so brutal abgelaufen ist, weiß ich auch nicht. Aber das ist so die einzige Möglichkeit, die ich mir vorstellen könnte.

Dass irgendwelche Sicherungen durchgebrannt sind, weil er nicht wollte, dass seine Ehefrau davon erfährt, dass er bei einer Sexarbeiterin war. Genau, also die haben sich da ja drei Wochen davor kennengelernt. Die waren da ja noch nicht verheiratet, so war es ja, glaube ich. Genau, noch nicht verheiratet, aber sie haben sich kennengelernt. Genau, weil sonst hätte ich vielleicht eine Idee, warum er so komplett durchgedreht ist. Ich meine, wir haben ja schon darüber gesprochen, wir können den Menschen nicht in den Kopf gucken.

Also auch wenn er sich da ganz ruhig gegeben hat, wir haben schon häufig genug Fälle gehabt, wo auch dann die Ehefrau sagt, nee, das ist der entspannteste Mensch der Welt und in Wirklichkeit ermordet der bei denen zu Hause sogar jemanden. Aber wo du es gerade nämlich so erzählt hattest, habe ich es überlegt, vielleicht hat Gini ja auch gesagt, okay, nee, komm, hier ist eine Grenze, ich will nicht mit einem vergebenen Mann schlafen und ich kenne deine...

Freundin, die du kennengelernt hast, vielleicht sogar, und erzähl ihr das. Und das hat ihn so rasend gemacht, dass er sie deswegen dann wirklich so komplett übertrieben ermordet hat. Ja, kann natürlich auch sein, dass sie irgendein Geheimnis wusste, vielleicht ja noch was ganz anderes, von dem man nicht wollte, dass das an die Öffentlichkeit gerät. Weißt du, was ich auch richtig krass finde? Der muss sich ja so sicher gewesen sein, dass er nicht als Täter überführt und verurteilt werden kann, wenn er in Kauf nimmt, dass seine Familie alles verkauft, um die Kaution für ihn auftreiben zu können.

Das macht, also weißt du, wenn du, also wow, ein Schritt zurück, er war es ja, er wurde überführt und verurteilt. So, wie kann man dann noch gleichzeitig in Kauf nehmen, dass die Familie, die zurückbleibt, gar keine Existenz mehr hat, weil die alles verkauft hat und mit dem Geld eben seine Kaution und wahrscheinlich auch seine Anwälte bezahlt hat. Das finde ich, das ist auch nochmal ein Schritt, den wir hier besprechen müssen. Also ich finde, wir sollten jetzt natürlich vorsichtig sein mit Ferndiagnosen so, aber ich finde, das spricht auch so ein bisschen für so ein Machtbewusstsein, was er einfach innehat, dass er sagt, er ist besser als die anderen und er verdient es auch, diese Verteidigung zu haben, obwohl er selbst innerlich weiß, es hat eigentlich keine Aussicht, dass da wirklich alles aufs Spiel gesetzt wird. Und das wiederum könnte man auch wieder ein bisschen auf das Szenario damals, als er sie so brutal erstochen hat, zurückdrehen, dass er nämlich auch gedacht hat, ich bin was Besseres als du und drehe halt wirklich komplett durch. Ich kann mir auch vorstellen, wir haben ja hier einen geklärten Fall eigentlich, aber das Motiv ist ungeklärt.

Deswegen kann ich mir vorstellen, dass viele von euch da draußen jetzt gerade, dass sich da genauso die Gedanken im Kreis bewegen wie bei uns. Und schreibt gerne uns einfach über Instagram oder TikTok oder hier einfach direkt unter die Folge als Kommentar, was eure Theorien zu dem Fall sind, beziehungsweise was eure Idee zu dem Motiv von Jerry sind. Und damit würde ich sagen, schließen wir die Akte für heute und wir hören uns einfach kommenden Dienstag wieder überall, wo es Podcasts gibt. Wir sind eure Hosts Anne Luckmann und Patrick Strobusch. Redaktion Silva Harnekamp Schnitt Anne Luckmann Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.