Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Für viele ist das Internet wie eine zweite Heimat. Wer sich mit Freunden treffen will, kann das hier ganz ohne Probleme. Wer neues Wissen erlangen möchte, durchforstet Wikipedia und Co. Aber wer den nächsten gruseligen Nervenkitzel sucht, der muss schon etwas tiefer graben. Früher mehr als heute. Denn in den Tiefen des Internets werden unheimliche Geschichten erzählt, die scheinbar nicht an die Oberfläche geraten sollen, weil sie die Leute zu sehr verstören würden.
Dort ist von bestimmten Klängen in einem Videospiel die Rede, die die Menschen in die Irre treiben. Von Wesen, die sich in Tiere oder Personen verwandeln können. Oder eben Geschichten vom Slenderman. Die Beschreibungen zu ihm und seinen Zielen variieren, je nachdem, welcher Quelle man Glauben schenken mag. Aber eines ist sicher. Wer seine Geschichte liest, bekommt es mit der Angst zu tun. Und während wir die Seite schließen und nachts zur Sicherheit noch einmal in den Schrank neben dem Bett schauen, ob dort wirklich nichts lauert, bleibt es für uns meist bei einem schlechten Albtraum. Für die jungen Mädchen Morgan und Anissa jedoch endet dieses Gedankenkarussell nicht. Für sie beginnt der Schrecken erst. Die beiden versinken immer tiefer in den Erzählungen des Monsters. und sie kommen zu einem Entschluss. Um sich selbst vor dem Slenderman zu schützen, bleibt ihnen gar keine andere Wahl. Sie müssen ihm ein Opfer bringen. Und damit beginnen sie, ihren dunklen Plan zu schmieden. Das Ziel? Ihre Freundin Peyton, die nicht ahnt, was die beiden Mädchen hinter ihrem Rücken vorhaben. Denn sie soll das menschliche Opfer für den Slenderman werden.
Schwarze Akte Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit Anne Luckmann Und mit Patrick Strohbusch, hallo, schön, dass ihr heute wieder zuhört Und über den Fall, über den wir heute sprechen.
Finde ich, könnte man fast behaupten, dass es sich um einen paranormalen Fall handelt Also der würde sehr gut in schwarze Akte Paranormal passen, aber da kommt doch noch was, diesen Donnerstag, oder Anne? Ja, denn wir haben eine kleine Überraschung für euch, denn das Format schwarze Akte Paranormal, das kommt so gut bei euch an, dass wir uns überlegt haben, hey, das wird doch jetzt ein festes Format, oder? Also einmal im Monat als zusätzliche Folge zu den normalen Schwarze Aktefolgen werden wir jetzt immer am letzten Donnerstag im Monat eine Schwarze Akte Paranormalfolge für euch machen. Ich bin sehr gespannt, besonders weil wir beide ja eher sehr skeptisch sind. Da bin ich sehr gespannt, ob die eine oder andere Geschichte uns da vielleicht doch überzeugen kann oder ob wir das alles entzaubern können. In zwei Tagen kommt dann schon die paranormale Folge, also unbedingt auch am Donnerstag hier vorbeischauen auf eurer Lieblings-Podcast-Plattform des Vertrauens und merken, wie jeden letzten Donnerstag im Monat gibt es eine zusätzliche Folge Schwarze Akte Paranormal. Und bevor wir jetzt auch gleich wirklich mit dem Fall starten, kommt an der Stelle noch eine Erinnerung an die dritte Staffel Wild Crimes, die ich ja mit der ARD machen durfte. Denn heute kam die dritte Folge online und ich würde mich sehr freuen, wenn ihr dazu hört. Da findet ihr den Tracking-Link auch bei uns in den Shownotes.
Wir haben in der schwarzen Akte ja immer wieder verstörende Fälle, über die wir hier berichten. Aber die heutige Folge wird diese Grenzen nochmal besonders testen, das können wir euch versprechen. Denn heute verschmelzen Fiktion und Wirklichkeit zu einem Gemisch, das brandgefährlich wird. Aber schauen wir uns erst einmal an, wohin es für uns heute hingeht. Waukesha ist eine mittelgroße Stadt, die westlich von Milwaukee liegt. Nur 30 Fahrminuten mit dem Auto trennt die beiden Zentren der Städte. Mit ihren knapp 70.000 Einwohnerinnen und Einwohnern zählt Waukesha noch zu den eher größeren Städten des US-Bundesstaates Wisconsin, der zum Upper Midwest gehört. Der Bundesstaat im Norden der USA liegt in einer Region, die bekannt ist für ihre großen Seen wie dem Lake Michigan oder dem Lake Superior. Weite Felder und sanfte Hügel zeichnen das Landschaftsbild von Wisconsin.
Und auch wenn die Metropole neben Waukesha, also Milwaukee, gar nicht die Hauptstadt des Bundesstaates ist, so befindet sich hier mit knapp 1,5 Millionen Menschen eindeutig das Ballungszentrum. Dort ist man besonders stolz auf das eigens gebraute Bier und die lange Tradition dahinter, weswegen Milwaukee auch den Beinamen Brew City trägt. Und natürlich färbt das auch ein bisschen auf die vergleichsweise kleine Stadt im Osten ab. Aber Waukesha muss sich vor all der Größe gar nicht verstecken. Denn sie hat mindestens genauso viel zu bieten. Es gibt viele Parks, Rad- und Wanderwege, die zur Entspannung einladen. Man kann sagen, dass es durchaus ein eher ruhiges Wohnumfeld ist. Die lokale Kunst- und Musikszene ist mit vielen kleinen Galerien und Bars stark vertreten.
Eigentlich könnte hier alles gut sein. Aber im Sommer 2014 soll sich das rapide ändern. Weltweit hat die Ice Bucket Challenge die Feeds der sozialen Medien im Griff. Promis wie Eminem, Rihanna, Manuel Neuer, aber auch Privatpersonen schütten sich eiskaltes Wasser über den Kopf und nominieren weitere Personen für die Challenge. Dabei soll Aufmerksamkeit auf die Nervenkrankheit ALS, also Amyotrophe Lateralsklerose gelenkt werden. Durch die Erkrankung gehen nach und nach Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark kaputt, die normalerweise dafür da sind, die Muskeln zu steuern. Die Aktion bringt bis Jahresende Spendengelder von etwa 200 Millionen US-Dollar zustande. Es ist ein voller Erfolg, der dabei helfen soll, Leben zu retten. Vielleicht habt ihr damals ja sogar selbst dran teilgenommen. Aber während sich viele Menschen für das Leben einsetzen, braut sich in Waukesha etwas zusammen, das zur Auslöschung eines Lebens führen soll. Dabei fängt alles ganz unschuldig an. Es beginnt in einer Schule, an dem Tag, an dem Peyton und Morgan beste Freundinnen werden.
Morgan hat sich schon immer schwer getan, Freunde zu finden und in der Schule ist das nicht anders. Sie fällt eher dadurch auf, in den Pausen alleine zu sitzen, was Peyton nicht aushält. Niemand sollte alleine sitzen, wenn es nach ihr ginge. Und deswegen entscheidet Peyton sich auch dazu, sich zu Morgen zu setzen und sich mit ihr anzufreunden. Dabei entsteht zwischen den beiden eine so tiefe Bindung, dass sie sogar beste Freundinnen werden.
Morgen scheint zwar immer noch etwas einsam zu wirken, aber abgesehen davon blüht sie durch die Freundschaft zu Peyton auf. Die beiden machen gemeinsame Sleepovers, spielen und lachen zusammen und leben unbeschwert, wie man es sich für die etwa zwölfjährigen Kinder nur wünschen kann. Ganz besonders schätzt Peyton drei Dinge an Morgen. Erstens, die vielen Witze, die sie auf Lager hat, von denen wirklich fast alle unglaublich lustig sind. Zweitens, ihre künstlerischen Fähigkeiten, die sie durch ihre fantasievollen Zeichnungen immer wieder unter Beweis stellt. Und drittens, wie sehr Peyton Morgen vertrauen kann. Aber spätestens nachdem ein drittes Mädchen namens Anissa in den bislang kleinen Kreis eindringt, beginnt ihre Freundschaft zu bröckeln. Das passiert 2014 in der sechsten Klasse, also etwa zwei Jahre, nachdem Peyton und Morgan sich kennengelernt haben. Mit Anissa in der Gruppe fängt ein völlig neues Kapitel an, denn auf einmal kann Morgan kaum aufhören, über den Slenderman zu sprechen. Wir erklären euch später mehr dazu, aber erstmal nur ganz kurz.
Beim Slenderman handelt es sich um eine fiktive Horrorfigur, um die sich viele dunkle Geschichten drehen. Und die scheint sowohl Anissa als auch Morgan ziemlich zu beeindrucken. Peyton wiederum kann damit gar nichts anfangen. Die Erzählungen zum Slenderman bereiten ihr eher Sorgen. Das geht sogar so weit, dass sie eines Tages ihre Mutter fragt, ob die Figur wirklich real ist. Zwar kann Patons Mutter sie beruhigen, aber sie fremdet noch immer damit.
Gleichzeitig versinken Anissa und Morgan in genau diesen gruseligen Geschichten. Die beiden glauben sogar zunehmend daran, dass es den Slenderman wirklich geben muss. Peyton versucht Morgan zwar irgendwie daraus zu bekommen und sagt ihr auch, dass ihr die ganzen Horrorgeschichten Angst machen, aber Morgan will nicht darauf hören. Peyton überlegt sogar kurzzeitig, die Freundschaft mit Morgan zu beenden. Aber sie entscheidet sich schlussendlich doch dagegen, weil sie Mitleid mit Morgan hat. Patons Mutter sagt später in einem Interview mit ABC News, Peyton war so ein einfühlsames Kind. Sie erkannte, dass die Freundschaft mit Morgan vielleicht nicht die gesündeste war. Aber wenn Peyton nicht ihre Freundin gewesen wäre, hätte sie keine anderen Freunde gehabt. Sie dachte, dass jeder mindestens ein Freund verdient hat. Mit Anissa kommt Peyton aber nicht wirklich klar. Für Peyton scheint es offensichtlich zu sein, dass Anissa Morgan davon überzeugt hat, dass der Slenderman real sei. Anissa und Morgan wohnen auch im selben Apartmentkomplex in Waukesha und fahren gemeinsam mit dem Bus zur Schule. Das bedeutet, die beiden haben viel Zeit, um sich gemeinsam immer tiefer im Kaninchenbau des Slenderman zu verfangen. Und Peyton? Sie verbringt zwar auch weiterhin Zeit in der Dreiergruppe, aber nur, weil sie merkt, wie sehr Morgan Anissa zu mögen scheint. Trotzdem fühlt sie sich wie das fünfte Rad am Wagen, Besonders, wenn es mal wieder um den Slenderman geht.
Und spätestens jetzt sollten wir uns nochmal genauer damit beschäftigen, womit wir es beim Slenderman überhaupt zu tun haben. So einfach ist die Antwort nämlich gar nicht. Aber erstmal Schritt für Schritt. Der Slenderman stammt aus der Feder von Eric Knudsen, dessen Online-Name Victor Surge ist. Bei einem Wettbewerb im Something Awful Forum, bei dem es darum geht, einen neuen Mythos zu erschaffen, schickt er 2009 zwei Bilder ins Rennen, die im Vordergrund Kinder und Jugendliche zeigen. Im Hintergrund ist eine seltsame humanoide Gestalt in einem Anzug zu sehen. Wenn ihr euch die Bilder angucken möchtet, haben wir sie euch auch nochmal in die Shownotes gepackt. Das Wesen ist riesig und gleichzeitig sehr schlank. Es sieht so aus, als würden schwarze Tentakeln aus seinem Rücken wachsen. In seiner ursprünglichen Version ist der Kopf des Slenderman dazu völlig weiß. Dadurch lassen sich auch keinerlei Gesichtszüge feststellen. Knudzens Kreation ist ein durchschlagender Erfolg. Schnell kommen noch weitere Bilder von anderen anonymen Benutzern dazu, die den Slenderman zeigen. Die fiktive Geschichte hinter dem Monster verselbstständigt sich. Der Slenderman verbreitet sich wie ein Virus durch das Internet. Sogar ein Horrorspiel namens Slender The Eight Pages wird 2012 veröffentlicht. Nachdem YouTube-Größen wie PewDiePie Videos hochladen, in denen sie das Spiel spielen und sich dabei vor den unerwarteten Jumpscares erschrecken, kennt bald das halbe Internet den Namen Slenderman.
Es ist also schon lange nicht mehr Knutzen selbst, der an der Geschichte des Slenderman schreibt. Viele Hobbyautoren überschlagen sich damit, das Universum hinter dem Wesen auszubauen. Deswegen gibt es auch viele verschiedene Aussagen zu seinen Fähigkeiten oder seinem Verhalten. Aber die Ursprünge allein zeichnen bereits ein dunkles und brutales Bild. Demnach würde sich der Slenderman besonders nachts in den Wäldern herumtreiben.
Er verfolgt seine Opfer, macht sie langsam mürbe, bringt sie anschließend um oder lässt sie von selbst in den Tod stürzen. Die Leichen spießt er dann in den Bäumen auf, um sie ausweiden zu können. Wer Fan dieser sogenannten Creepypastas ist, also zu deutsch einfach gruselige Horrorgeschichten, der sammelt sich einfach selbst die Punkte zusammen, die einem am besten gefallen oder mit denen man sich selbst am besten identifizieren kann.
Vielleicht war das gerade eben zu brutal? Dann gibt es sicherlich Versionen von anderen Internet-Autoren vom Slenderman, die noch immer faszinieren, aber eben ohne so viel Blut vergießen. Es gibt Geschichten, in denen der Slenderman als Kind gemobbt wurde. Mal besitzt er die Fähigkeit, den Verstand seiner Opfer zu kontrollieren, mal eben nicht. Mal ist er freundlich, mal durchtreibt ihn die Mordlust. Es ist wirklich ein tiefes Rabbit Hole, in das man hinabsteigen kann, um all die Facetten des Slenderman zu verstehen. Und sowohl Anissa als auch Morgan wollen genau das. Sie versinken darin völlig, bis sie Wahrheit von Fiktion irgendwann nicht mehr unterscheiden können. Aber die vielen Kräfte des Slenderman zu erklären, würde hier definitiv den Rahmen sprengen. Trotzdem müssen wir uns für den Fall aus Waukesha eine Eigenschaft ganz besonders anschauen. Nämlich die der sogenannten Proxys. Diese Proxys sind Menschen, die den Befehlen des Slenderman Folge leisten. Man könnte sagen, dass sie seine Sklaven sind, die unter dem Einfluss des Monsters stehen. Sie führen nach dieser Auslegung die physische Arbeit des Slendermans aus und zerstören auf Befehl hin Beweise oder manipulieren mögliche Opfer.
Und genau dieser Punkt treibt Morgan und Anissa an. Sie wollen zu Proxys des Slenderman werden. Sie möchten unbedingt beweisen, dass es ihn wirklich gibt. In ihrer Vorstellung müssen sie sich bei dem Wesen dafür aber erst einschmeicheln. Wenn sie das nicht machen, dann würde es bald nicht nur sie beide, sondern auch ihre Familien aufsuchen und umbringen. Also fangen sie im Dezember 2013 an zu planen, wie sie den Slenderman beschwichtigen und gleichzeitig treue Dienerin werden können. Außerdem könnten sie damit auch seine Existenz beweisen, denn sie vermuten, dass das Wesen in einem Wald in ihrer Nähe wohnt. Allerdings würden sie erst dann von ihm angenommen werden, wenn sie ihm ein menschliches Opfer präsentieren. Damit sie sogar in der Öffentlichkeit über ihre Pläne sprechen können, gehen sie auf Nummer sicher, indem sie Flüstern und Codewörter nutzen. Für Messer nutzen sie beispielsweise das Wort Cracker Und für das Töten sagen sie einfach Juckreiz. Bereits im Dezember 2013, also fünf Monate bevor Morgan und Anissa ihre Freundin opfern wollen, legen sie schon den Rahmen für die Tat fest. Es soll bei einem Sleepover passieren. Die beiden würden Peyton mit Klebeband fesseln und sie im Schlaf erstechen. Ein Stich in den Nacken und sie solle danach ausbluten. Aber im Endeffekt soll es doch ganz anders kommen.
Fast ein halbes Jahr verbringen die drei Zeit miteinander. Ganz normal, ohne dass Peyton davon weiß, dass die beiden dunkle Pläne schmieden, die Patons Tod bedeuten sollen. Und dann kommt es schlussendlich zu dem Sleepover. Es ist der 30. Mai 2014. Morgan hatte vor kurzem ihren zwölften Geburtstag und möchte den jetzt mit ihren beiden einzigen Freundinnen feiern, Anissa und Peyton. Es ist ein Freitag und es herrscht freudige Stimmung. Die drei Mädchen fahren an dem Abend Rollschuh, essen Pizza und spielen mit ihren American-Girl-Puppen. Die drei hatten schon viele Pyjama-Partys wie diese. Aber irgendwas scheint seltsam zu sein. Denn anstatt bis tief in die Nacht hinein aufzubleiben, so wie sonst, will das Geburtstagskind morgen schon relativ früh ins Bett. Am nächsten Morgen, dem 31. Mai 2014, wacht Peyton alleine auf. Anissa und Morgan sind weg. Sie sind schon länger wach, haben sich fertig gemacht und sind die Treppe nach unten zum Computer gegangen. Als Peyton zu ihnen stößt, wirkt alles harmlos, beinahe alltäglich. Sie frühstücken Donuts und gehen danach in den nahegelegenen Davids Park. Was Peyton nicht weiß, während sie sich als letzte fertig gemacht hat.
Haben die anderen Mädchen einen zweiten Plan geschmiedet, sie umzubringen. Ihren ersten Plan, Peyton im Schlaf zu ermorden, ist daran gescheitert, dass sie nach dem Rollschuhfahren zu fertig und zu müde waren. Das Ziel des zweiten Plans ist es nun, Peyton in das Toilettenhäuschen des David Parks zu locken. Dort müsste es einen Abfluss für das ganze Blut geben, was zumindest einen Teil der Beweise verschwinden lassen würde. Außerdem hat Anissa im Internet gelesen, dass es einfacher ist, jemanden umzubringen, wenn die Person schläft oder bewusstlos ist und man ihr nicht in die Augen schauen muss. Und diese Toilette wäre der perfekte Platz, weil sie Peyton einfach in einer der Toilettenkabinen einschließen könnten und niemand von außen mitbekommen würde, wie sie sie bewusstlos schlagen und dann erstechen. Das sind wirklich richtig dunkle Gedanken für so junge Menschen. Ich finde auch, man vergisst fast, dass das noch Kinder sind. Aber das ändert ja leider nichts. Sie schmuggeln Messer aus der Küche und machen sich auf den Weg zum Park.
Normalerweise hätte Morgan gar nicht ohne Begleitung rausgehen dürfen. Aber weil es ihre Geburtstagsfeier ist und sie ja mit ihren Freundinnen unterwegs ist, drückt ihre Mutter ein Auge zu. Sie lässt die drei alleine gehen. Und jetzt passiert wieder etwas Komisches.
Denn Anissa und Morgan packen sich auch noch etwas zu essen ein, das sie mitnehmen. Aber so lange haben sie doch gar nicht vor, draußen zu bleiben, oder? Im dicht bewaldeten Davids Park angekommen, gehen sie wie geplant zu dritt in eine der Kabinen des Toilettenhäuschens. Anissa schlägt Patons Kopf plötzlich wie aus dem Nichts gegen die Betonwand der Kabine. Aber so einfach ist das gar nicht, einen Menschen bewusstlos zu schlagen. Selbst einen so jungen Menschen. Anissa und Morgan zögern. Auch ihr zweiter Plan ist zum Scheitern verurteilt. Peyton hält sich verwundert den Kopf, aber sie scheint ihren Freundinnen noch immer zu vertrauen. Und das nutzen die eiskalt aus. Schnell muss ein dritter Plan her. Und dieses Mal darf er nicht schief gehen. Sonst würde Slenderman sich ihre Familien und die beiden Mädchen holen. Davon sind Anissa und Morgan fest überzeugt. Aber Anissa hat schon eine Idee, nämlich den nahegelegenen Wald.
Sie überzeugen Peyton also gemeinsam dazu, im Wald versteckend zu spielen. Allerdings mit einer besonderen Regel, denn nur Peyton soll sich verstecken. Sie soll sich mit Blättern und Stöckern bedecken, damit man sie nur schwer erkennen kann. Und dann würden die beiden Mädchen sie suchen. Wessen Idee es jetzt genau war, in diesem Moment mit dem Messer auf Peyton loszugehen, ist schwer zu sagen, weil sich Morgan und Anissa später dafür gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben werden. Aber der folgende Ablauf ist belegt, auch wenn er nur schwer zu ertragen ist. Also wenn euch das zu hart sein sollte, dann springt jetzt gerne ein bis zwei Minuten weiter.
Die beiden Mädchen entfernen sich erst ein paar Schritte von Peyton, um anzutäuschen, dass sie wirklich Verstecken spielen wollen. Aber nur knapp anderthalb Meter von Peyton entfernt drehen sie sich um und rennen auf das Mädchen zu. Mit dem Messer, das sie aus der Küche mitgenommen haben, sticht Morgan auf das Mädchen ein, das lange Jahre ihre einzige Freundin war. Anissa hält Peyton dabei fest. Sie sticht immer und immer wieder zu. Morgan trifft Patons Brust, ihren Bauch, ihre Arme und ihre Beine.
Anissa schaut währenddessen nur zu, wie Morgan mit dem Messer völlig durchdreht und dann auf einmal aufhört. Beide starren Peyton jetzt einfach nur an.
Währenddessen versucht Peyton aufzustehen, aber ihr fehlt die Kraft dazu. Ihre Sicht verschwimmt. Sie sagt zu den Mädchen, dass sie nicht mehr atmen kann. Dann schaut sie in Morgans Richtung und sagt, I trusted you, I hate you. Ich hab dir vertraut. Ich hasse dich. Für einen Moment starren die beiden Mädchen weiter ihre Freundin an, die sie für ihr Ritual an den Slenderman geopfert haben. Oder kommen sie doch langsam zur Besinnung? Anissa schlägt nämlich vor, Hilfe zu holen und sagt Peyton, Sie solle liegen bleiben und ruhig sein, damit sie weniger Blut verliert. Anissa und Morgan verschwinden und lassen das arme Mädchen allein auf dem Boden zurück. Aber Peyton hat längst jedes Vertrauen zu ihren sogenannten Freundinnen verloren. Sie kann zwar weder laufen noch sehen, geschweige denn richtig atmen, aber ihr Körper kämpft trotzdem irgendwie weiter. Mit allerletzter Kraft zieht sie sich an den Bäumen entlang, raus aus dem Wald, bis sie es zu einer Straße schafft.
Und auch das Schicksal kämpft für Peyton. Ein Radfahrer sieht nämlich, wie das Mädchen blutüberströmt am Straßenrand liegt und ruft sofort die Rettungskräfte. Auf dem Weg ins Krankenhaus verliert sie immer wieder den Fokus. Ihr Bewusstsein schwindet für einen Moment und ist dann wieder kurz zurück. Es ist eine Fahrt auf Messers Schneider. Im Krankenhaus angekommen braucht es zwei Pflegekräfte, um ihre Wunden zu zählen. Beide Pflegekräfte kommen auf 19 Stichverletzungen. 19 Mal wurde Peyton von ihrer vermeintlich besten Freundin über den gesamten Körper mit dem Messer angegriffen. Fünf Wunden finden sich an ihrem Arm, sieben an ihrem Bein und der Rest ist verteilt über ihren Oberkörper.
Noch bevor die Ärztinnen und Ärzte im ProHealth Waukesha Memorial Hospital alles geben können, um Patons Leben zu retten, beginnt die Polizei schon mit ihrer Arbeit. Detective Michelle befragt hastig das schwerverletzte Mädchen, um weitere Informationen zu bekommen, bevor es zu spät ist. Ihr Kollege Tom wird zu Patons Eltern geschickt, um sie über die Umstände zu informieren. Dadurch verdichten sich die Informationen, dass es ihre beiden Freundinnen gewesen sein müssen, die Peyton beim Sleepover angegriffen haben. Es wird eine Suchaktion gestartet, um die beiden anderen Mädchen zu finden. Und nur fünf Stunden nach dem Angriff auf Peyton finden sie die beiden auch. Wo, erzählen wir euch gleich. Auf morgens Jacke klebt noch Blut. Auf die Frage der Officers, woher das stammt, antwortet sie nur, ich war gezwungen, meine beste Freundin zu töten. Und ja, das hat sie gesagt.
In einer Tasche, die die Mädchen bei sich tragen, findet die Polizei außerdem ein fast 13 cm langes Küchenmesser, das sie für die Tatwaffe halten. Allerdings sind die Mädchen der Polizei nicht freiwillig in die Arme gelaufen. Immerhin meinte Anissa ja noch, dass sie Hilfe holen würde. Die Polizei findet die beiden etwa 8 km vom Tatort entfernt, auf der Interstate 94. Ihr Ziel, wie sie selbst zugeben, ist der Chequamega-Nicolay-Nationalwald gewesen. Der liegt noch weitere 320 Kilometer entfernt. Und in dem vermuten sie das Haus des Slenderman, seine sogenannte Slendermenschen.
Die beiden werden zur Polizeistation gebracht und getrennt voneinander verhört. Dabei lässt sich ein interessantes Muster erkennen. Beide geben zu, den Mord lange geplant zu haben. Sie erklären auch die Hintergründe rund um den Slenderman und warum sie sich ihm als würdig erweisen wollten. Doch auf die Frage, wer die Idee hatte, Peyton zu ermorden, zeigt jede auf die andere. Trotzdem, sie beide haben den Mordangriff seit langem geplant. Und selbst am Tag der Tat haben sie ja immer wieder spontan einen neuen Plan entwickelt. Die beiden Detektives Michelle und Tom, die die Mädchen vernehmen, stellen aber noch etwas fest. Während Anissa ziemlich aufgelöst ist, als sie von der Tat erzählt, bleibt morgen relativ kühl und distanziert. Detective Tom sagt später auch, dass er noch nie so blind in eine Befragung gegangen ist. Ursprünglich dachte er, dass es um einen Jung gehen würde. Dass all das nur passiert sei, weil sich die Mädchen um einen Jungen gestritten hätten. Aber über die vielen Stunden, die die Detektives jeweils mit den Mädchen im Verhörraum verbringen, zeichnet sich ein immer dunkleres Bild ab. Und immer wieder sind sie davon überrascht, wie kooperativ die Mädchen sind.
Werbung Werbung Ende, Morgan erzählt beispielsweise auch davon, dass sie schon seit sie denken kann unter Halluzinationen leidet, dass sie Gestalten wie Geister sieht, imaginäre Freunde hat und eine immer wiederkehrende Halluzination von einem Mann, den sie It, also Es auf Deutsch nennt. Dieses Wesen, dessen Körper die Farbe von Rauch und Tinte hat, sieht sie immer, wenn sie in den Spiegel guckt, wie es hinter ihr steht. ABC News berichtet, dass mehrere Psychologen morgen später daraufhin untersuchen und jeweils zum Entschluss kommen, dass sie unter einer besonders früh einsetzenden Schizophrenie leidet. Normalerweise entwickeln sich die Symptome erst Mitte oder Ende der 20er, manchmal sogar erst Mitte der 30er Jahre. Aber noch unter dem Alter von 13 Jahren, das ist wirklich außerordentlich selten.
Dazu kommt, dass auch Morgens Vater unter der Krankheit leidet, was für sie ohnehin schon ein erhöhtes Risiko bedeutet, die Krankheit vererbt zu bekommen. Aber ihre Eltern wollten ihr nichts davon erzählen, um sie nicht zu verängstigen. Das bedeutet aber auch, dass Morgan über einen langen Zeitraum unbehandelt geblieben ist und damit völlig alleingelassen wurde. Die Ermittler finden aber noch mehr. Notizbücher in Morgens Spind mit Zeichnungen zu Slenderman. Sie haben auch eine relativ hohe Ähnlichkeit zu den Blättern, die man in dem Videospiel Slender the Eight Pages einsammeln muss. In ihrem Schlafzimmer finden Polizeibeamte weitere Zeichnungen von Slenderman und von verstümmelten Puppen, denen die Hände, Arme und Beine abgeschnitten wurden. E-Mails zwischen Morgan und Anissa tauchen auf, in denen sie abklären, wie sie sich nach dem Mord zu verhalten haben. In einer E-Mail weist Morgan Anissa dazu an, ihren gesamten Browser-Verlauf zu löschen, weil man ihn sonst auf die Schliche kommen könnte. Aber sie scheint sich nicht an ihre eigene Anweisung gehalten zu haben, denn als die Polizei den Computer der Familie von Morgan durchsucht, finden sie unzählige Internetsuchanfragen von vor dem Angriff auf Peyton. Darunter beispielsweise, wie kommt man mit Mord davon? Oder wie verrückt bin ich?
Anissa und Morgan fragen die Detektives auch jeweils in ihren Befragungen, ob Peyton noch lebt. Auch wenn besonders beim Morgen wieder diese distanzierte Kälte zu sehen ist, als wäre es ihr egal, ob sie überlebt hat oder nicht. Aber Peyton hat überlebt. Nach sechs Stunden Notoperationen ist sie halbwegs stabil. Die Stichwunden an ihren Armen und Beinen hatten nur weiches Gewebe beschädigt.
Aber die beiden Stiche an ihrem Oberkörper haben wichtige Organe getroffen. Ihr Zwerchfell, ihre Leber und ihr Magen wurden verletzt. Patons Herz wurde fast durchbohrt und eine wichtige Arterie wurde nur um einen Millimeter verfehlt. Dr. John Kellman, der Paton operiert hat, sagt gegenüber ABC News, wäre das Messer nur um Haaresweite weiter eingedrungen, hätte sie nicht überlebt. Für sie wird nichts mehr sein wie vorher. Sie ist zwar erleichtert, als sie hört, dass die beiden Angreiferinnen geschnappt wurden, aber noch lange Zeit nach dem Angriff schläft Peyton mit einer kaputten Schere unter ihrem Kopfkissen. Nur zur Sicherheit. Gleichzeitig ist sie wenig überrascht über das Motiv des Angriffs. Dass es sich um Slenderman handelt, über den die Mädchen schon so lange sprechen, verwundert sie kaum. Was sie jedoch wundert ist, dass die beiden alles so schnell gestanden und schon seit Monaten an ihrem Plan gefeilt haben. Ihr fällt es schwer, Vertrauen zu anderen aufzubauen. Selbst Familienmitgliedern gegenüber ist sie vorsichtig. Sie versucht zwar, irgendwie zurück in ihr altes Leben zu finden, aber sogar von alten Freunden hält sie vorerst Abstand. Sie muss sich erstmal auf sich selbst konzentrieren, was besonders während des jetzt anstehenden Gerichtsprozesses gar nicht so leicht ist.
Am 2. Juni 2014, also nur wenige Tage nach dem Angriff auf Peyton, werden Morgan und Anissa beide nach dem US-amerikanischen Strafrecht mit versuchtem vorsätzlichen Mord ersten Grades angeklagt. Das bedeutet aber auch, dass beide als Erwachsene vor Gericht gestellt werden. Denn das Gesetz in Wisconsin sieht vor, dass Personen über 10 Jahren, die wegen Mord ersten Grades oder versuchten Mordes angeklagt sind, nicht als Jugendliche behandelt werden. Die Anwälte der Mädchen versuchen hier zwar eine Verhandlung vor dem Jugendgericht zu erreichen, was bedeuten würde, dass sie nach ihrem 18. Geburtstag freigelassen werden, aber genau diesen Punkt sieht Richter Michael Bourne kritisch, als er ein knappes Jahr nach dem Angriff am Montag, den 10. August 2015, entscheidet, dass sie vor das Erwachsenengericht kommen. Die letzten Monate wurden dadurch bestimmt, die Verhandlungsfähigkeit der Mädchen zu prüfen und eben von der Frage nach der Art des Gerichts. Aber Richter Bornes Ansicht zufolge ist es eindeutig. Nach dem Jugendstrafrecht würden Anissa und Morgan mit 18 Jahren freigelassen werden. Aber der Öffentlichkeit müsse garantiert werden, dass so etwas Grausames nicht wieder passiert, weswegen er eine längerfristige Kontrolle für notwendig erachtet. Im Laufe des Prozesses wird bei Morgan auch die früh einsetzende kindliche Schizophrenie diagnostiziert, wie wir es euch ja vorhin schon erzählt haben.
Im November 2015 beginnt sie ihre langfristige Behandlung mit Antipsychotika. Dadurch ist es ihr auch das erste Mal möglich, Schuldgefühle und Reue für die Tat zeigen zu können. Trotzdem tut sie sich manchmal schwer, ihre Medikamente zu nehmen, weil sie nicht ihre, in Anführungsstrichen, Freunde verlieren möchte, die nur sie sehen und hören kann. Und dann kommt es zur Verhandlung, auf die nicht mehr nur die Angehörigen sehnlichst gewartet haben, sondern auch Menschen aus den gesamten USA.
2017 müssen sich die Mädchen endlich verantworten. Die beiden plädieren auf nicht schuldig. Als Erklärung geben sie an, unter einer psychischen Störung oder Erkrankung zu leiden. Anissa nimmt im letzten Moment dann aber doch noch einen Deal an, das sie sich zwar als schuldig bekennt, dafür aber nur wegen einer geringeren Anklage, nämlich dem versuchten vorsätzlichen Mord zweiten Grades. Teil dieser Vereinbarung ist zudem, dass eine Jury wenig später über ihre Zurechnungsfähigkeit entscheidet. Und diese Jury befindet sie tatsächlich für nicht schuldig, aufgrund einer psychischen Erkrankung oder Störung, wie es in den Gerichtsdokumenten steht. Enisa wird zu einer 25-jährigen Unterbringung in einer staatlichen Einrichtung für psychisch Erkrankte verurteilt. Und auch Morgensanwälte haben einen Deal mit der Staatsanwaltschaft ausgehandelt. Sie bekennt sich zwar des vorsätzlichen Mord ersten Grades für schuldig, dafür erklärt sich die Staatsanwaltschaft aber bereit, ihre Verteidigung auf Basis der Unzurechnungsfähigkeit nicht anzufechten. Das bedeutet, dass man sich zwar einig ist, dass sie die Tat begangen hat, aber wegen ihrer schweren psychischen Erkrankung rechtlich als nicht schuldfähig gilt.
Sie soll für 40 Jahre in einer staatlichen forensischen Psychiatrie untergebracht werden. Während der Urteilsverkündung bricht Morgan in Tränen aus. Sie richtet ihre Worte an Patons Familie und ihre ehemals beste Freundin. Sie sagt, ich möchte nur sagen, dass es mir leidtut. Ich wollte nie, dass das passiert.
Zwei Jahre später, 2019, sind Morgan und Anissa beide 17 Jahre alt. Sie beide sind im Winnebergom Mental Health Institute in Wisconsin untergebracht. Es sind jetzt knapp fünf Jahre seit dem Angriff vergangen. Eine Zeit, in der Morgan bereits behandelt wurde. Ihre Mutter meint in der Doku zum Fall, dass ihre Tochter keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit darstellen würde. Die unbehandelte psychische Erkrankung ihrer Tochter habe sie zu einer Gefahr gemacht, aber ihre Krankheit sei jetzt erfolgreich behandelt. Allerdings ist das noch nicht ganz das Ende der Geschichte der beiden. Am 10. März 2021 reicht die mittlerweile 19-jährige Anissa einen Brief beim Gericht ein, in dem sie bedauert, wie viel Schmerz sie am 31. Mai 2014 über Peyton und die ganze Gemeinschaft gebracht hat.
Sie hat jetzt mehr als drei Tage im Winnebargo Mental Health Institute verbracht und würde nach den vielen Stunden Therapie keinerlei Gefahr mehr darstellen. Und auch Richter Michael Bourne, der damals ja selbst entschieden hat, die Mädchen vor ein Erwachsenengericht zu stellen, sieht diese Entwicklungen positiv bei Anissa. Deswegen weist er die staatlichen Behörden an, einen Plan mit Auflagen für ihre Freilassung auszuarbeiten. Diese Freilassung findet dann mehrere Monate später, am 13. September 2021 statt. Anissa soll eine elektronische Fußfessel tragen, um eine 24-Stunden-GPS-Überwachung zu ermöglichen. Außerdem braucht sie eine Genehmigung, sollte sie das etwa 1500 Quadratkilometer Waukesha County verlassen wollen. Und damit ihr euch die Größenverhältnisse ein bisschen besser vorstellen könnt, das wären in etwa die Fläche von Rügen und Usedom zusammengelegt. Zu Payton hat sie bis 2039 ein Kontaktverbot. Da wäre Payton 37 Jahre alt.
Ihre Internetnutzung ist nicht nur stark eingeschränkt, sondern wird auch ständig überwacht. Sie kommt bei ihrem Vater unter und muss neben Psychopharmaka auch regelmäßig Beratungsgespräche mit einem Sozialarbeiter wahrnehmen.
Patons Familie reagiert auf diese Freilassung besorgt. Sie hätten sich gewünscht, dass Anissa eine längere Haftstrafe verbüßen muss. Aber sie haben sich bereits seit langer Zeit mental auf diesen Tag vorbereitet. Trotzdem sind sie mit der langen Liste an Auflagen für Anissa einigermaßen zufrieden. Knapp zwei Jahre später, am 11. September 2023, steht Anissa erneut vor Gericht, denn ihre Auflage zur GPS-Fußfessel wird aufgehoben, auch wenn das Gericht eine Fortsetzung der Überwachung anordnet. Für Morgan nimmt es einen ähnlichen Lauf, wenn auch mit ein paar mehr Abbiegungen. 2020 wird ein Antrag erstmal abgelehnt. Der hatte vorgesehen, eine Neuverhandlung als Jugendliche durchzuführen. Fast vier Jahre später geht im Januar 2024 ein neuer Antrag auf Entlassung aus der Psychiatrie ein. Dieser wird zwar erst im April 2024 abgelehnt, doch nachdem drei Psychologen unabhängig voneinander Aussagen, dass Morgan deutliche Fortschritte gemacht hat, genehmigt das Gericht im Januar 2025 doch eine Anhörung. Aber diese Anhörung muss immer wieder verschoben werden, weil verschiedene Vorwürfe laut werden. Morgan hätte ihren Therapeuten verschwiegen, dass sie einen Roman über Mord und den Schwarzmarkt für Organe gelesen hatte. Außerdem würde sie mit einem Mann außerhalb der Einrichtung kommunizieren, der Souvenirs von Morden sammelt.
Sie soll ihm wohl eine eigens angefertigte Skizze einer enthaupteten Leiche und eine Postkarte geschickt haben, auf der sie davon schreibt, mit ihm intim werden zu wollen. Aber Morgens Verteidigung argumentiert, dass sie nur liest, was in der Einrichtung erlaubt ist und dass die Mitarbeiter wüssten, dass sie mit dem Sammler kommuniziert. Am 17. Juli 2025 ist es dann soweit.
Ein neuer Bezirksrichter, der die Stelle von Michael Bourne übernommen hat, unterzeichnet die Freilassung von morgen. Ihr Plan sieht vor, sie in eine Wohngemeinschaft unterzubringen, in der sie bis 2058 unter Aufsicht bleiben und sich regelmäßigen Neubewertungen unterziehen soll. Da wäre sie dann 56 Jahre alt. Die Suche für eine passende Unterkunft führt sie in ein Gruppenheim in Madison, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Wisconsin. Die Stadt liegt im Westen von Waukesha und ist weit genug von Peyton entfernt. Knapp eine Stunde Autofahrt und 100 Kilometer trennen die beiden Städte voneinander, damit sicher ist, dass die Mädchen nicht aufeinandertreffen.
Damit sollte Morgan, der sich in der Zwischenzeit als Transmann geoutet hat, aber noch immer nicht das letzte Mal in den Nachrichten aufgetaucht sein. Denn noch im selben Jahr, nur ein paar Monate nachdem er in das Gruppenheim gebracht wird, plant er mit jemandem, den er dort kennenlernt, einen Ausbruch. Am 23. November 2025 erreicht die Polizei einen Notruf, dass Morgan aus seinem Zuhause in Madison verschwunden ist. Nur einen Tag später endet die Flucht aber schon, an einer 320 Kilometer entfernten Tankstelle. Am 30. Dezember 2025, also fast einen Monat nach dem Notruf, entscheidet der Bezirksrichter erneut über das Schicksal von morgen. Er soll zurück in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Der Fall hat natürlich besonders bei Eltern eine riesige Debatte darüber eröffnet, welche Effekte das Internet auf ihre Kinder hat.
Creepypasta-Communities und sogar der Schöpfer von Slenderman distanzieren sich von dem Fall und der Gewalt. Teile der Community hatten kurz nach Patons Notoperation sogar eine Spendenkampagne ins Leben gerufen, um für die medizinischen Kosten aufzukommen. Nur, liegt es wirklich am Internet, dass dieser Mordversuch stattgefunden hat? Creepypasta ist heute vielleicht nicht mehr so groß wie damals, aber es wird immer Material im Internet geben, das Menschen triggert. Vielleicht besteht die Lehre aus dem Slenderman nicht lediglich darin, die Internetnutzung von Kindern zu überwachen, vielleicht geht es um mehr. Nämlich darum, dass schwere psychische Erkrankungen auch bei Menschen auftreten können, die viel zu jung erscheinen, um solche großen Probleme zu haben. Morgen hätten mehr Mittel zur Verfügung stehen sollen, mehr Aufsicht und mehr Unterstützung. Es hätte jemanden gebraucht, der erklärt, dass das Gehirn nicht mehr morgens verbündeter ist, sondern ein Feind und Slenderman war nur sein listiger Komplize. Peyton hat währenddessen schon lange mit dem Thema abgeschlossen. Sie hat sogar Mitgefühl für Morgens Mutter. Peyton sagt, ich habe darüber nachgedacht, was sie durchmacht und wie schwer es für sie sein muss. Denn ich bin mir sicher, dass viele Leute sie beschimpfen und hassen und sagen, dass es ihre Schuld war, weil sie morgen falsch erzogen hat.
Peyton stellt klar, dass es nicht die Schuld der Mutter war. Morgen ist schizophren und sie hätte nichts tun können, um das zu verhindern oder zu kontrollieren. Aufgrund der Ereignisse, die sie durchleben musste, würde sie gerne eine Karriere in der Medizin anstreben. Aber sie ist dankbar für morgen, denn erst der Angriff habe sie dazu inspiriert. Sie will endlich alles hinter sich lassen und ein normales Leben führen.
Dankeschön an Anja für den Fallvorschlag, den du uns über den Discord geschickt hast von meinem Stream. Und da sind wir auch schon genau bei dem Thema Stream, Zocken und Internet-Trends. Denn, Anne, die Frage, die ich dir so gesehen mitgebracht habe, in der letzten Folge meinten ja einige, dass wir auch gerne mal ein bisschen was Persönliches erzählen können. Und da dachte ich mir, steigen wir genau da mal vielleicht ein. Hast du schon mal von diesem Spiel gehört, was PewDiePie da gespielt hat, dieses Horrorspiel zu den Slenderman? Und hast du das damals überhaupt mitbekommen? Weil für mich war das damals schon ein großes Ding. Ja, also ich kenne das Spiel, weil ich früher richtig krass in dieser YouTube-Bubble war und alles geguckt habe, gefühlt. Also auch ganz viele britische YouTuber, wozu PewDiePie ja so ein bisschen gehört. Zumindest hat er da dann in England gelebt, obwohl er Schwede ist, glaube ich. Ist ja auch egal, führt jetzt so weit weg. Ich kenne das Spiel, ich kenne auch seine Let's Plays dazu und hätte mich im Leben nicht getraut, das selber zu spielen. Das hat mich extrem gegruselt. Ich konnte da auch nur mit so vorgehaltener Hand damals zuschauen, weil vor allem diese Jumpscares, die haben mich damals wirklich fertig gemacht. Ja, ich bin dafür irgendwie...
Weiß ich nicht. Ich fände das viel zu gruselig. Es hat mir extreme Angst gemacht. Deswegen, nee, ich habe das selber nicht gespielt. Hast du das gemacht? Tatsächlich habe ich mich das damals auch gar nicht getraut. Ich habe damals die Let's Plays auf YouTube geguckt und habe dann so das Rollo runtergelassen, dass alles so ein bisschen dunkler wird und habe mich wirklich so krank erschrocken jedes Mal. Und jetzt habe ich mir das aber wieder mal angeguckt und mir gedacht, boah, wie schlecht sieht das eigentlich aus und wie konnte man so krass Angst davor damals haben. Weil man muss ja auch dazu sagen, das war so das große erste Spiel, was so in diese Richtung gegangen ist. Vielleicht kennen einige von euch da draußen auch so Five Nights at Freddy's. Dazu gab es ja jetzt sogar auch Filme. Die Dinger sind ja auch komplett darauf ausgelegt, dass man dann so unerwartete Jumpscares bekommt. Muss ich auch noch zocken, um ehrlich zu sein. Das sagen auch voll viele, dass ich das im Stream ... Ich glaube, die Leute wollen einfach, dass ich mich zu Tode erschrecke in dem Stream. Okay, egal. anderes Thema, aber ich habe diese Spiele selbst nie gespielt. Ich habe davor immer zu viel Angst gehabt. Ich glaube, das ist auch was, was wir beide schon immer so gesagt haben. Wenn es zu gruselig wird, da sind wir eigentlich relativ schnell raus.
Und deswegen, ich habe mir die Videos immer gerne angeguckt, aber auch so wie du eigentlich mit vorgehaltener Hand. Ja, ich habe zur Einstimmung für die Aufnahme heute vorhin nochmals Slenderman gegoogelt und mir die Bilder dazu angeschaut. Also das hat schon wieder alleine gereicht, dass ich eine Gänsehaut bekommen habe davon. Aber gut, Gut, vielleicht sollten wir mal über das Thema sprechen, welche Auswirkungen denn das Internet auf junge Menschen hat. Ich weiß, das ist ein riesiges Thema, das können wir jetzt an der Stelle gar nicht so richtig beleuchten, aber jetzt ganz konkret auf unseren heutigen Fall bezogen. Glaubst du, dass das Internet und die ganzen creepy Pastors, die es zu dem Thema gibt, die ganzen Geschichten, dass die das nochmal befeuert haben, Bayer Nissan Morgan? Glaubst du, es wäre anders gewesen, wenn sie keinen Zugriff auf das Internet gehabt hätten? Bin mir da unsicher, um ehrlich zu sein. Also, ich meine, wir haben zwar auch heute darüber gesprochen, dass Creepypastas heute nicht mehr so groß sind wie damals, aber das liegt halt auch daran, weil sie damals unglaublich groß waren. Es gibt immer noch aktuell große, große Themen, die auch bei Jugendlichen super, super beliebt sind, wo ich aber, um ehrlich zu sein, auch schon gar nicht mehr so großartig drinstecke. Und ich sage auch, okay, das ist so verstörend, wie kann man sich das als so junge Person geben irgendwie?
Gleichzeitig finde ich, ist da halt das Thema Medienkompetenz ultra wichtig, um damit halt besser umgehen zu können und das hat ihnen halt gefehlt. Sie haben sich da gegenseitig hochgesteigert und man muss ja auch dazu sagen, dadurch, dass morgen ja sowieso auch Halluzinationen schon abgesehen von diesen Creepypastas hatte, schon davor würde ich es anzweifeln, dass es nur an diesem Internet, an diesem Internet-Trend Creepypasta liegt. Ja, ich glaube auch, dass wenn das Internet da jetzt keine Rolle gespielt hätte, dann wären solche Geschichten vielleicht trotzdem in der Schule entstanden und man hätte sich das in den Pausen irgendwie weitererzählt und aufgebauscht und neue Teile dazu erfunden. Das Internet hat es vielleicht ein bisschen einfacher gemacht, da schneller auf diese Geschichten zu kommen und sich da so ein bisschen schneller vielleicht hineinzusteigern. Aber ich glaube auch, dass das auch ohne Internet funktioniert. Ja, so weit gekommen wäre, weil da eben auch psychische Erkrankungen eine Rolle gespielt haben, was keine Entschuldigung ist, aber trotzdem da ja eben mit reinspielt. Das muss man ja dazu irgendwie, das muss man ja dazu sagen. Und ich meine, das ist auch so wie diese typische Killerspiel-Debatte von früher, um jetzt mal ein ganz anderes Thema noch mit reinzubringen, immer halt diesem, okay, das ist neu, das ist böse, so diesem, dem ganzen, so diesen.
Ja, negativen Spin gleich zu geben. Ich finde, gruselige Geschichten kannst du auch abseits vom Internet erzählen. Dafür braucht es das Internet ja nicht mal. Du kannst dir am Lagerfeuer mit deinen Friends, wenn du auf einem Ausflug bist, irgendwelche gruselige Geschichten erzählen. Da brauchst du kein Internet für. Ich finde, das ist manchmal doch noch ein bisschen zu kurz gedacht, dass dann auf so die neuen Internet ist für uns alle Neuland, so diese Entwicklung so zu schieben, weißt du? Ja, voll. Ich finde es auch total krass, dass Peyton diesen Messerangriff überlebt hat und jetzt damit eben zurechtkommen muss, was sie da erlebt hat. Also dieser riesige Vertrauensbruch, der da ja auch stattgefunden hat, weil das eben Freundinnen von ihr waren, beste Freundinnen, die sie da angegriffen haben und damit muss man auch erstmal klarkommen. Also wir haben ja in vielen Quellen gelesen, dass sie das Ganze abgeschlossen hat und dass sie nach vorne schaut und Medizin studieren möchte und das auch nicht getan hätte, wenn das nicht passiert wäre. Also das klingt ja wirklich schon, als würde sie das Beste daraus machen, was ihr passiert ist. Aber ich glaube so ganz...
Tief im Inneren kann man sowas Furchtbares gar nicht so 100% richtig verarbeiten, oder? Ja, ich fand es in der Recherche auch immer wieder beeindruckend und gleichzeitig auch überraschend, dass sie fast schon dankbar dafür rüberkam, dass das überhaupt passiert ist, dass sie jetzt halt diesen Weg eingeschlagen ist, wie du das ja schon gesagt hast, in die Medizin zu gehen, anderen Menschen zu helfen, sie zu retten. Also da war ich wirklich so, wow, also wie optimistisch kann ein Mensch sein? Auch, das hat mich auch einige Male verwundert, als die beiden Mädchen Peyton ja schon in diesem Toilettenhäuschen da gegen die Wand gestoßen haben, dass sie trotzdem noch dieses Vertrauen in die beiden gehabt hat und... Mit denen weitergegangen ist. Also natürlich freut es mich unglaublich auch, dass sie das überlebt hat. Bei so viel Vertrauen, was die Mädchen immer wieder ausgenutzt haben, habe ich in der Recherche jedes Mal wirklich gedacht, okay, jetzt kommt der dritte Plan. Jetzt wird es leider wirklich soweit sein.
Und war dann auch wirklich so froh, als ich gelesen habe von wegen, okay, nach, was waren es, glaube ich, sechs Stunden Operation oder so, dass sie da gerettet worden ist. Ja, es ist wirklich bemerkenswert, dass sie versucht, so das Beste draus zu machen und nach vorn zu blicken. Und ich würde sagen, mit diesem bemerkenswerten Vorgehen von Peyton kommen wir auch zum Ende der heutigen Folge. Und der heutige Fall, der war ja in Ansätzen so ein bisschen paranormal schon, könnte man fast sagen. Und das ist thematisch eigentlich jetzt ein ziemlich guter Übergang, denn übermorgen, ist es übermorgen? Ja, es ist übermorgen, kommt ja schon unsere Bonus-Folge im Januar, am letzten Donnerstag im Monat. Nämlich schwarze Akte Paranormal, hier nochmal der Reminder dazu. Da würden wir uns sehr, sehr freuen, wenn ihr da auch so fleißig zuhört wie bei den normalen Folgen. Und dann würde ich sagen, hören wir uns nicht Dienstag, sondern Donnerstag und freuen uns, dass ihr zuhört.
Wir sind eure Hosts Anne Luckmann und Patrick Strobusch. Redaktion Patrick Strobusch. Schnitt Anne Luckmann. Produktion Nadine Lenfer Unterweger und Lea Backes. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.