Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung.
Wenn sich die Wüste rund um Phoenix, Arizona, in ein Meer aus Millionen von Lichtern verwandelt, dann ist endlich die Weihnachtszeit da. Überall glitzert und funkelt es. In der Luft liegt ein wunderbar würziger Duft nach frisch gebackenen Teigtaschen und fruchtigem Winterpunsch. Die Luft ist mild, keinesfalls eisig kalt. Weiße Weihnachten gibt es in der Wüstenstadt nur in Büchern. In ihren Häusern bereiten sich die Menschen schon auf das große Fest vor. Es wird gebacken und geputzt, gewerkelt und natürlich auch gemütlich zusammengesessen. Wer hat und mag, der schmückt seinen Vorgarten mit bunten Lichtern und Figuren. Schließlich soll sich die Weihnachtszeit hier in Phoenix einfach nur magisch anfühlen. Wo sieht man sonst meterhohe Kakteen, die in ein Gewand aus Lichterketten gekleidet sind? Oder Bäume, die in allen Farben des Regenbogens beleuchtet werden? Auch der 18-jährige Ryan und seine Freundin Heather freuen sich auf ein ruhiges, besinnliches Weihnachtsfest. Am Christmas Day, also am 25. Dezember, da sind sie zum Essen bei Ryans Eltern eingeladen. Es soll ein gemütlicher, fröhlicher Abend werden, der unter einem ganz besonderen Stern steht. Denn es ist das erste Weihnachtsfest, bei dem Heather als Ryans feste Freundin mit dabei ist. Entsprechend groß ist also auch die Nervosität bei allen Beteiligten.
Schließlich ist der große Tag da und Ryans Eltern warten voller Vorfreude darauf, dass ihr Sohn mit Heather zum Essen erscheint. Der Tisch ist festlich gedeckt, das Essen steht fertig gekocht in der Küche. Doch die Türklingel bleibt stumm und der Zeiger der großen Uhr im Wohnzimmer rückt weiter und weiter. Sie versuchen Ryan telefonisch zu erreichen, doch ohne Erfolg. Mit jeder Minute, die vergeht, wächst das Gefühl, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Reins Eltern ahnen nicht, wie richtig sie leider damit liegen und dass ihr Leben sich in einen Thriller verwandeln wird, den nicht einmal Sebastian Fitzek sich so hätte ausdenken können.
Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit Patrick Strohbusch. Und mit Anne Luckmann. Hello. Und nicht nur in unserer Einleitung ist es sehr weihnachtlich, sondern auch in der Realität. Und ich würde sagen, lasst euch da mal überraschen auf die Folge, die diesen Donnerstag online kommt. Da haben wir nämlich was kleines Paranormales für euch vorbereitet und eine kleine Überraschung noch in der Folge. Ja, ich an eurer Stelle würde da auf jeden Fall mal in die schwarze Akte reinhören am Donnerstag. Aber lasst uns jetzt mit der heutigen Folge erstmal starten, denn die führt uns in die fünftgrößte Stadt der USA.
Phoenix liegt ziemlich südlich in den Vereinigten Staaten, und zwar in Arizona. Hier scheint quasi das ganze Jahr über die Sonne, weshalb man die Gegend auch Valley of the Sun nennt, also Tal der Sonne. Tatsächlich liegt Phoenix mitten in einer Wüste, die den Namen Sonora trägt. Die ist in etwa so groß wie ganz Deutschland und erstreckt sich über Teile von Arizona, Kalifornien und Mexiko. Eine Landschaft voller Kakteen, Sträucher, felsiger Plateaus und einer perfekt angepassten Tierwelt. Kein Wunder also, dass Phoenix zu den heißesten Städten der USA zählt. Entsprechend mild ist hier also auch die Weihnachtszeit. Im Dezember sinkt die durchschnittliche Höchsttemperatur auf ca. 17 Grad Celsius.
Kälter als 8 Grad wird es nur selten. Die Sonne scheint dann nur noch knapp 7 Stunden am Tag. Der Himmel ist weitestgehend blau und ab und zu wird eine kühle Brise von der Wüste in die Stadt hineingetragen. So idyllisch das auch klingt, so anders sieht häufig die Realität im Alltag aus. Die Kriminalitätsrate in Phoenix liegt über dem nationalen Durchschnitt, insbesondere was Gewaltverbrechen betrifft. Als ein Grund dafür wird die steigende Zahl von Obdachlosen vermutet, aber auch Polizeigewalt war und ist ein großes Problem. Es gibt so viele dokumentierte Fälle von polizeilichem Fehlverhalten, dass das US-amerikanische Justizministerium sich 2021 gezwungen sah, eine umfassende Untersuchung einzuleiten.
Der Fall, von dem wir euch heute berichten wollen, trägt sich aber noch einige Jahre früher zu. Und zwar im Jahr 2006.
Phoenix ist zu der Zeit eine schnell wachsende Metropole, in der bereits über 1,2 Millionen Menschen leben. Heute sind es übrigens schon mehr als 1,7 Millionen. Gefühlt ist 2006 noch gar nicht so lange her, aber tatsächlich ist das fast schon wieder 20 Jahre her. Eine ganz schön lange Zeit also, in der sich einiges geändert hat.
2006 gibt es zum Beispiel noch keine iPhones. Das erste Modell kommt erst ein Jahr später auf den Markt. Dafür sind andere Handys angesagt. Zum Beispiel diese Flipphones, die man zum Telefonieren aufklappen muss. Die Sozialmedien sind gerade unaufhaltbar im Kommen. Wer cool ist, der hat ein MySpace-Konto. Die großen Zeiten für Facebook stehen noch bevor. 2006 öffnet die Plattform sich gerade erst für alle Nutzer über 13 Jahre, die eine E-Mail-Adresse haben.
Und das ist noch nicht alles. Anfang des Jahres wird Twitter gegründet, steckt aber noch in den Kinderschuhen. Ganz anders sieht es bei YouTube aus. Die Plattform wird 2006 für einen Milliardenbetrag von Google übernommen und explodiert danach regelrecht. Netflix ist 2006 noch ein Online-Versandhandel für DVDs, der nur in den USA Filme per Post verschickt. Erst 2007 eröffnet das Unternehmen das Streaming-Geschäft, für das es heute weltweit bekannt ist. Im Laufe der nächsten Jahre stellt Netflix das Verleihgeschäft Schritt für Schritt ein und liefert im September 2023 übrigens die letzte DVD per Post aus. Wer 2006 im Internet was nachschauen will, der setzt sich noch eher an einen Desktop-PC als an einen Laptop. Wer Fotos machen will, der greift zu einer Digitalkamera. Im Kino läuft der James-Bond-Klassiker Casino Royale und im Radio stürmen Songs wie Sexy Bag von Justin Timberlake, SOS von Rihanna oder Crazy von Niles Barclay, die Charts. Ich denke, ihr habt jetzt einen guten Überblick über die Zeit über das Jahr 2006 bekommen.
Lasst uns wieder zurück ins Wohnzimmer von Rines Eltern gehen, wo die beiden an diesem ersten Weihnachtstag im Dezember 2006 sitzen und voller Sorge auf ihren Sohn und dessen Freundin warten. Ryan und Heather sind seit knapp acht Monaten ein Paar, obwohl sie sich eigentlich schon ewig kennen. Als Kinder haben sie mal eine Zeit lang in derselben Nachbarschaft gelebt und viel zusammen gespielt. Vielleicht liegt es an ihrem Altersunterschied, das sich aus der Freundschaft erst über die Jahre mehr entwickelt hat.
Ryan ist 18 und Heather 21 Jahre alt. Das macht jetzt im jungen Erwachsenenalter nicht mehr so viel aus, aber in den Kinder- und Teenagerjahren wohl schon eher. Seit kurzem leben die beiden in einer gemeinsamen WG in Phoenix, zusammen mit einer weiteren Mitbewohnerin namens Elisha. Es ist ein entspanntes und schönes Miteinander. Alle kommen gut miteinander klar. Ryans Eltern sind vor allem happy, dass ihr Sohn nach seinem Auszug in Phoenix geblieben ist und damit weiterhin in ihrer Nähe lebt. Ryan ist Ende 2006 gerade mit der Highschool fertig. Er macht Pläne, wie es für ihn beruflich nun weitergehen soll. Er ist ein begnadeter Gitarrist und träumt davon, groß in einer Rockband rauszukommen. Auf jeden Fall will er irgendetwas mit Musik machen und damit im besten Fall auch sein Geld verdienen. Schon als Kind hat er es geliebt, auf den Seiten zu klimpern. Mit elf Jahren hat er sich das Gitarrespielen selbst beigebracht und kann seitdem so ziemlich jede Melodie nachahmen. Er muss nur einen Song hören und kann ihn innerhalb von fünf Minuten spielen.
Heather hat für ihre Zukunft ähnlich ambitionierte Pläne. Sie ist nach der Highschool an die Uni gegangen und verfolgt einen großen Traum. Sie will Staatsanwältin werden und ihren Beitrag dazu leisten, dass diese Welt ein gerechterer Ort wird. Ihre Freunde und Familie schätzen Heather als willensstarke, lebensfrohe und vor allem auch empathische Person. Heather spürt immer, wenn es jemandem nicht gut geht. Sie schenkt ihre Freundschaft besonders den Menschen, die sie am meisten brauchen und stellt die Bedürfnisse anderer schnell mal über ihre eigenen. Wie Ryan liebt sie ebenfalls Musik und verbringt gerne Zeit mit Freunden. Für Ryan ist sie das Licht in seinem Leben. Die beiden sind glücklich, sich gefunden zu haben und blicken voller Zuversicht in die Zukunft.
Jetzt kommt also der 25. Dezember 2006. Die beiden erscheinen daher nicht zum verabredeten Abendessen bei Ryans Eltern. Und als auch mehrfach Anrufe unbeantwortet bleiben, machen sich Ryans Eltern voller Sorge auf den Weg zu dem Haus, in dem die beiden gemeinsam mit der Mitbewohnerin leben. Ryan ist nicht der Typ, der über den Durst trinkt und dann vielleicht im Rausch eingeschlafen sein könnte. Heather auch nicht. Eine andere Erklärung fällt ihnen aber gerade nicht ein. Oder anders gesagt, an eine andere Erklärung wollen sie gar nicht erst denken. Um 19.50 Uhr kommen die Eltern an dem Haus an, klingeln und klopfen an die Tür. Einmal, zweimal. Aber keine Reaktion. Im Haus bleibt alles still.
Die Vorhänge sind zu und auch das Garagentor ist geschlossen. Das heißt, man kann von außen nicht sehen, ob die zwei vielleicht mit dem Auto weggefahren sind. Auch die Mitbewohnerin scheint nicht zu Hause zu sein. Die Situation ist also ziemlich verzwickt. Es kann so ziemlich alles passiert sein oder eben auch nichts. Für die Eltern heißt es jetzt, Ruhe bewahren. So gut wie eben möglich. Sie beschließen, die Polizei um Hilfe zu bitten. Die Zentrale verspricht auch, jemanden zum Haus von Ryan und Heather zu schicken. Allerdings passiert das nicht sofort.
Drei einhalb Stunden vergehen, bis sich jemand von der Polizei meldet und verkündet, in einer halben Stunde vor Ort zu sein. Warum das so lange dauert, ist nicht ganz klar. Vielleicht liegt es an den Feiertagen, vielleicht auch nicht. Das heißt, als dann tatsächlich zwei Streifenwagen auftauchen, ist es bereits Mitternacht. Die vier Langstunden Wartezeit haben Ryans Eltern unter anderem damit verbracht, sich Kaffee zu holen. Erst später wird sich herausstellen, dass ausgerechnet zu der Zeit, in der sie beim Coffeeshop waren, die Mitbewohnerin Elisha nach Hause gekommen ist. Sie hat die Tür aufgeschlossen und ist direkt hoch in ihr Zimmer gegangen. Ohne zu schauen, ob vielleicht noch jemand zu Hause ist. Aber gut, sie geht ja auch davon aus, dass Heather und Ryan beim Christmas-Dinner bei seinen Eltern sind. In den vier Stunden, die Ryans Eltern vor dem Haus warten, probieren sie es natürlich immer mal wieder an der Tür. Doch in ihrem Zimmer hört Alicia das Klingeln und Klopfen leider nicht. Hätte sie nur einen Blick ins Wohnzimmer geworfen, dann wäre vermutlich vieles anders gekommen. Aber das Schicksal meint es leider nicht immer gut. Dann trifft endlich die Polizei ein. Mittlerweile ist es ja längst Mitternacht und der erste Weihnachtstag neigt sich dem Ende zu.
Auch die Beamten probieren es an der Tür, aber auch auf ihr Klingeln und Klopfen reagiert niemand. Also versuchen sie, einen Blick durch die Fenster ins Innere zu erhaschen. Der Vorhang vom Wohnzimmerfenster ist ja zugezogen, wobei ihr euch den nicht wie eine Gardine aus Stoff vorstellen müsst, sondern eher wie so einzelne vertikale Lamellen, die man so auf- und zudrehen kann.
Diese Lamellen bewegen sich leicht, weil direkt daneben ein Ventilator läuft, der immer wieder Luft in Richtung Fenster pustet. Die Polizei steht also jetzt vor diesem Fenster und leuchtet mit Taschenlampen ins Innere des Hauses hinein. Und tatsächlich kann ein Detektiv in einem günstigen Moment durch die Lamellen hindurch etwas erkennen. Er glaubt, einen reglosen Körper auf dem Sofa zu sehen, kann aber nicht sagen, um wen es sich handelt. Für Reins Eltern bestätigen sich damit die schlimmsten Befürchtungen.
Sie wollen am liebsten sofort die Tür aufbrechen, um zu ihrem Sohn zu eilen. Wenn sie jetzt schnell sind, kann er vielleicht noch gerettet werden. Ohne Zweifel würden die meisten Menschen wohl so oder so ähnlich reagieren. Die Polizei von Phoenix handhabt die Situation aber ein wenig anders. Sie fordern Ryans Eltern auf, sofort den Bereich vor dem Haus zu verlassen, weil sie davon ausgehen, dass es sich um einen Tatort handelt. Doch statt sich jetzt möglichst schnell Zutritt zum Haus zu verschaffen, beantragen die Polizisten erst einmal einen Durchsuchungsbefehl. Und der ist natürlich nicht mal so eben schnell fertig. Ihr könnt sicher verstehen, dass die Entscheidung für die panischen Eltern mehr als schwer nachzuvollziehen ist. Es dauert weitere 54 Minuten, fast eine weitere knappe Stunde, bis dieser Durchsuchungsbefehl dann endlich vorliegt. Fast wäre das ganze Unterfangen auch komplett gescheitert. Und zwar laut der Polizei deshalb, weil es sich bei der Immobilie um ein Mietshaus handelt und nicht um Reins eigenes Haus.
So also erklärt die Polizei diese völlig absurde Situation, wobei die Sinnhaftigkeit dieser Erklärung durchaus anzuzweifeln ist.
Wenn es doch klar ersichtlich ist, dass in einem Haus eine reglose Person liegt, die offensichtlich Hilfe braucht, dann muss dieser Person doch so schnell wie möglich geholfen werden. Man spricht da im US-amerikanischen Recht von dringenden Umständen. Bei so einer offensichtlichen Notsituation ist es der Polizei eigentlich immer erlaubt, auch ohne einen Durchsuchungsbeschluss in den Wohnraum einzudringen. In Deutschland gibt es ein ganz ähnliches Prinzip. Auch hier ist die Durchsuchung einer Wohnung im Normalfall richterlich anzuordnen. Es sei denn, es besteht Gefahr im Verzug. Und das liegt nur vor, wenn durch die Einholung einer richterlichen Anordnung so viel Zeit verloren gehen würde, dass der Erfolg der Durchsuchung gefährdet würde.
Damit ist gemeint, wenn mit einer Gefahr für Leib und Leben oder dem Verlust von Beweismitteln zu rechnen ist. Eine Person reglos auf der Couch liegen zu sehen, die eigentlich schon vor Stunden bei einem Weihnachtsessen erwartet wurde, müsste eigentlich als so ein dringender Umstand bzw. Als Gefahr im Verzug ausgelegt werden. Aber das Phoenix Police Department sieht das ein bisschen anders. Mittlerweile ist es ca. 1 Uhr in der Nacht, also knapp 5 Stunden, nachdem Ryans Eltern die Polizei um Hilfe gebeten haben. 5 Stunden, in denen entweder Ryan oder Heather reglos auf der Couch liegt und vermutlich dringend Hilfe braucht, wenn es nicht schon längst zu spät ist. 5 Stunden, die sich für Ryans Eltern anfühlen müssen wie eine Ewigkeit.
Nun liegt also um 1 Uhr nachts endlich dieser Durchsuchungsbeschluss vor, doch auch jetzt stürmt die Polizei nicht ins Haus, sondern ruft stattdessen erst einmal den Schlüsseldienst an. Der soll dabei helfen, die Haustür aufzuschließen.
Ryans Eltern hätten längst ein Fenster eingeschlagen, wenn es nach ihnen ginge. Doch die Polizei hält sie ja auf Abstand. Sie haben den Tatort mit Absperrband abgegrenzt und die Eltern stehen jetzt knapp 20 Meter vom Haus entfernt. Das entspricht ungefähr der Länge von zwei Stadtbussen hintereinander. Auf diese Distanz kann man zwar noch einigermaßen gut sehen, aber nur noch schwer hören, was genau besprochen wird. Vor allem, weil mittlerweile zehn Polizeiwagen vor Ort sind und sogar ein Hubschrauber über dem Haus kreist. Die Eltern müssen also hilflos mit ansehen, wie der Schlüsseldienst anrückt und versucht, die Haustür zu öffnen. Und man glaubt es kaum, aber das funktioniert nicht. Die Haustür will sich anscheinend nicht mit sanften Methoden öffnen lassen. Also probiert der Schlüsseldienst es bei der Hintertür, an der Rückseite des Hauses. Insgesamt gibt es zwei solcher Hintertüren. Eine Schiebetür, die in die Küche führt und eine, durch die man ins Hauptschlafzimmer gelangt. Und jetzt kommt's. Während der Schlüsseldienst also dabei ist, eine dieser zwei Türen aufzubrechen, wird diese Tür plötzlich von innen geöffnet. Und dort steht Ryan. Allerdings wirkt er nicht wie er selbst. Sein linkes Auge ist komplett zugeschwollen und dunkelblau angelaufen, fast schwarz.
In seinem Gesicht sind auch noch diverse andere Wunden zu erkennen. Blutige Kratzer und auch kleine Wunden, die so aussehen, als würden sie tiefer gehen. Generell wirkt Ryan sehr ruhig. Er spricht und bewegt sich langsam. Fast so, als würde er nicht ganz verstehen, was hier gerade eigentlich abgeht.
Die Polizei stellt ihm natürlich viele Fragen und will wissen, was dann passiert ist. Aber Ryan antwortet nicht wirklich darauf. Er spricht nicht in ganzen Sätzen und sagt, er habe keine Ahnung, was hier los sei. Er sagt, Heather würde seit mehreren Tagen auf der Couch schlafen. Dabei wirkt er seltsam abwesend. Und das ist das Stichwort. Die Beamten verlieren nicht viel Zeit damit, Antworten von Ryan zu kriegen, sondern schieben sich an ihm vorbei, um ins Haus zu gelangen. Ryan versucht noch, sie zu stoppen, aber ohne Erfolg. Die Polizei überwältigt ihn. Und tatsächlich liegt Heather im Wohnzimmer auf der Couch. Und wie ihr euch schon denken könnt, schläft sie aber nicht. Heather ist tot, daran besteht kein Zweifel. Jemand hat ihr nämlich in den Kopf geschossen. Die Polizei geht sofort davon aus, dass Ryan mehr weiß, als er zugibt. Sein zusammenhangloses Gerede und sein Versuch, die Polizei beim Eintreten zu hindern, macht ihn sofort verdächtig. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Streit zwischen einem Paar tödlich endet. Die Beamten haben schon viel zu häufig Fälle von häuslicher Gewalt gesehen. Sie beschließen also, Ryan mit aufs Revier zu nehmen und ihn dort zu verhören.
Seine Eltern draußen sehen natürlich, wie die Polizei das Haus betritt. Es dauert keine drei Minuten, bis die Beamten wieder rauskommen und jemanden in Handschellen mit sich führen. Ryans Eltern sind irritiert, denn der Junge sieht aus wie Ryan. Aber ist er es wirklich? Sie sind sich nicht sicher, weil das Gesicht des Mannes so schlimm zugerichtet ist. Es dauert noch einige Augenblicke, bis sie ihren Sohn dann erkennen. Die Erleichterung ist riesig, dass er lebt. Aber gleichzeitig ist da auch Verwirrung und Schock wegen seiner Verletzungen und den Handschellen. Was ist in diesem Haus passiert? Quasi zeitgleich ruft die Polizei den Rettungsdienst zum Tatort, der um 1.30 Uhr am Morgen eintrifft. Doch die Sanitäter können nur noch Heathers Tod feststellen. Ryan selbst wird in eins der Polizeiautos gesetzt und man untersagt seinen Eltern, sich ihm zu nähern. Und die können es nicht fassen. Sie wollen doch nur schauen, wie es ihrem Sohn geht und ob er Hilfe braucht. Aber da Ryan unter Mordverdacht steht, dürfen sie das nicht. Es kommt dabei sogar zu einer kleinen Konfrontation zwischen dem Vater und einem Polizisten. Der Vater macht ein paar Schritte auf den Wagen zu, in dem Ryan sitzt. Und der Polizist schubst ihn provokativ zurück, mit vielen kleinen Stößen gegen die Brust.
Don, so heißt der Vater, muss sich ziemlich zusammenreißen, jetzt die Ruhe zu bewahren. Er weint und bittet den Polizisten, ihn nur einmal kurz nach seinem Kind sehen zu lassen. Aber der Polizist hat kein Mitleid. Er schreit Don an, dass es sich hier um eine Tatortuntersuchung handele und dass er auf jeden Fall von dem Auto wegbleiben müsse. Und Don weiß, wenn er sich jetzt widersetzt, dann wird er nur selbst auch noch festgenommen. Damit ist ja niemandem geholfen. Also akzeptieren die Eltern schweren Herzens die Entscheidung der Polizei. sei. Was sollen sie auch anderes tun? Niemand der Anwesenden, weder jemand von der Polizei noch vom Rettungsdienst, untersucht Ryans Verletzung. Er sitzt in dem Auto, mit Handschellen gefesselt und wartet.
Seine Eltern werden in der Zwischenzeit nach Hause geschickt. Es wird noch Stunden dauern, bis sie mit ihrem Sohn sprechen dürfen. Die machen sich natürlich Sorgen, weil niemand Ryan untersucht hat. Aber sie sehen es auch als gutes Zeichen, dass niemand ins Krankenhaus gebracht wurde. Vielleicht ist es ja wirklich nur ein blaues Auge, so wie einer der Polizisten ihn versichert hat. Zu dem Zeitpunkt haben sie noch keine Ahnung, dass Heather tot auf dem Sofa liegt. Fast vier Stunden lang wartet Ryan in dem Wagen, während die Polizei den Tatort untersucht. Mittlerweile ist es schon fast fünf Uhr am Morgen. Noch ist es dunkel draußen. Doch es dauert nicht mehr lange, bis die Sonne aufgehen wird. Der leitende Ermittler, Detective Paul, beschließt, dass es jetzt an der Zeit ist, Ryan aufs Revier bringen zu lassen. Dort wird Ryan in einen Verhörraum geführt und erst einmal fotografiert, von Kopf bis Fuß. Auf den Bildern ist deutlich zu erkennen, wie schwer verletzt er ist. Aber niemand scheint es eilig zu haben, ihn ärztlich untersuchen zu lassen. Der leitende Detective scheint sich absolut sicher zu sein, dass Ryan Heather ermordet hat.
Ryan trägt einen weißen Jumpsuit, den man ihm kurz vor dem Verhör angezogen hat. Dabei hat man auch seine Handschellen gelöst. Ryan sitzt jetzt an einem kleinen quadratischen Tisch und wirkt sehr müde. Er fühlt sich offensichtlich sehr unwohl und kann nicht still sitzen. Immer wieder macht er so leise, dumpfe Geräusche, als hätte er Schmerzen. Man muss kein Experte sein, um zu sehen, dass Ryan nicht in einen Verhörraum, sondern in ein Krankenhaus gehört. Wir verlinken euch ein paar Fotos in den Shownotes, falls ihr das selbst sehen möchtet. Während er fotografiert wird, entdeckt Ryan am Tisch eine Handschelle und befestigt sie sich selbst um sein Handgelenk. Der leitende Ermittler liest diese Geste wie ein unbewusstes Eingeständnis seiner Schuld. Er beginnt, Ryan einfache, banale Fragen zu stellen. Zum Beispiel fragt er nach Namen und biografischen Fakten wie seinem Schulabschluss, um ihn ein bisschen aufzuwärmen. Doch zu seinem großen Erstaunen will oder kann Ryan diese einfachen Fragen nicht richtig oder nur halb beantworten. Aber warum sollte er bei solchen Banalitäten lügen? Vor allem, da ja jeder eigentlich weiß, dass sich solche Informationen schnell überprüfen lassen. Ein richtiges Gespräch kommt zwischen den beiden nicht wirklich zustande.
Ryans häufigste Antwort lautet, ich weiß es nicht. Er betont immer wieder, dass er total müde sei und einfach nur schlafen wolle. Verhält sich so jemand, der gerade einen geliebten Menschen verloren hat? Seine Antworten klingen mal erschöpft, mal genervt und mal komplett nüchtern. Er versucht auch immer wieder, seinen Kopf oder seine Füße auf den Tisch zu legen. Oder er stützt seinen Kopf in die Hände, findet aber offensichtlich keine bequeme Position. Das ganze Verhör wird aufgezeichnet. Das könnt ihr euch deswegen auch auf YouTube anschauen. Man muss das aber gar nicht lange anschauen, um festzustellen, dass Ryan nicht nur schlimm verletzt aussieht, sondern dass sich auch seine Sprechweise alles andere als normal anhört. Es wirkt ein bisschen, als hätte er einen tauben Mund und würde lallen, als hätte er Mühe, überhaupt Wörter zu formen. Es ist so unglaublich offensichtlich, dass etwas nicht mit ihm stimmt und ein erfahrener Polizist, der hätte sein Verhalten eigentlich erkennen und einordnen müssen. Detective Paul macht zwar am Anfang des Verhörs eine Bemerkung, dass Ryans Auge echt schlimm aussieht und er das mal checken lassen sollte, aber er bohrt einfach immer weiter. Er ist entschlossen, ein Geständnis von Ryan zu kriegen. Und er ist überzeugt, dass Ryan sich bewusst so ausweichend verhält. Der Ermittler fragt ihn auch nach seiner Verletzung. Wir stellen den Dialog mal nach, um euch einen Eindruck davon zu geben, wie the Ryans Aussagen sind.
Detective Paul fragt, erinnerst du dich daran, wer dich geschlagen hat? Und Ryan antwortet, ich weiß es nicht. Ich denke, es war Heather. Warum sollte Heather dich schlagen? Ich weiß es nicht. Es war ein Unfall. Hab vergessen, warum. Was war ein Unfall? Heathers Nachname? Nein, was war ein Unfall? Dass Heather mich geschlagen hat. Womit hat sie dich geschlagen? Mit ihrer Hand. Was ist passiert, dass sie dich so heftig schlägt? Es war ein Unfall. Sie hat Christina dabei geholfen, ihre Haare zu machen. Wer ist Christina? Sie ist auf der Couch. Und so geht das Ganze immer weiter. Der Detektor fragt nach Christina auf der Couch und Ryan antwortet, es sei doch Heather auf dem Sofa. Er konfrontiert Ryan mit dem Widerspruch. Aber Ryan sagt nur, er wisse es nicht. Er wolle einfach schlafen gehen. Er nennt immer wieder neue Namen, die der Polizist auf die Schnelle nicht zuordnen kann. Ryan scheint gar nicht zu realisieren, dass ihr Gespräch gerade überhaupt keinen Sinn ergibt.
Das Verhör läuft bereits eine gute halbe Stunde, als Ryan zum ersten Mal von zwei Männern spricht, die in das Haus eingedrungen seien. Er sagt, ein gewisser Ritchie und dessen Vater hätten mit Pfeil und Bogen auf ihn geschossen, weil sie seine Sachen stehlen wollten. Er spricht aber auch davon, dass die Männer Revolver dabei gehabt hätten und dass sie erst ihm in sein Auge und dann auf Heather geschossen hätten. Dem Detektor fällt es sehr schwer, das zu glauben. Er fragt, ob es sich um Spielzeugpistolen gehandelt habe. Aber Ryan beharrt darauf, dass es echte Revolver gewesen seien. Der Polizist betont, dass Ryan jetzt wohl kaum mit ihm sprechen würde, wenn es dann eine echte Waffe gewesen wäre. Er würde ja längst tot sein. Und Ryan erwidert daraufhin nur, ja, das habe er auch gedacht. Der Detective will weiter wissen, warum Ryan denn nicht einfach den Notruf gewählt habe, nachdem die Angreifer mit der Beute verschwunden seien. Ryan erklärt, dass Heather ja auf der Couch geschlafen habe und er sie habe schlafen lassen wollen. Und dann endlich dämmert dem Ermittler, dass Ryan vielleicht eine Gehirnerschütterung haben könnte. Er bittet ihn, sich sein Gesicht ein wenig näher ansehen zu dürfen. Dabei berührt er auch Ryans Kopf, was ihm offensichtlich große Schmerzen bereitet. Kurz darauf verlässt Detective Paul den Raum. Er tut, was er längst hätte tun müssen.
Er ruft endlich die Ärzte der Feuerwehr herbei und bittet sie, sich Ryan einmal näher anzusehen. Das geschieht etwa eine Stunde, nachdem das Verhör begonnen hat. Mittlerweile ist also früher Morgen, zwischen 6 und 7 Uhr. Der Detective kann nicht glauben, was er bei einem näheren Blick auf Reins Gesicht gesehen hat und den Feuerwehrleuten geht es ähnlich. Sie alle stehen vor Ryan, der immer noch auf dem Stuhl in der Ecke des Verhörraums sitzt und starren auf seine Nase, auf die Eintritts- und Austrittswunde einer Pistolenkugel.
Dem Polizisten wird klar, dass Ryan die ganze Zeit die Wahrheit erzählt hat, sofern er das eben konnte. Jemand hat ihm mitten ins Gesicht geschossen. Zweimal. Und eine der Kugeln ist in Ryans Gehirn stecken geblieben. Es ist ein Wunder, dass er überhaupt noch lebt, dass er überhaupt sprechen und sogar laufen kann. Und dass er sich überhaupt an irgendetwas erinnern kann. Denn offensichtlich hat die Verletzung ja Ryans Gehirn beeinträchtigt. Er hat im Verhör zwar echte Erinnerungen abgerufen, aber sie falsch den jeweiligen Situationen zugeordnet. Nicht, weil er es so wollte, sondern weil er es nicht anders konnte. Man spricht hierbei auch von Aphasie. Dabei handelt es sich laut dem medizinischen Nachschlagewerk MSD Manual um eine Sprachstörung. Diese umfasst die Beeinträchtigung von Wortverständnis, Wortproduktion oder nichtverbalen Entsprechungen von Wörtern.
Sie resultiert unter anderem aus einer Funktionsstörung der Sprachzentren in der Großhirnrinde. Das klingt jetzt erstmal technisch, lässt sich aber leicht erklären. Aphasie ist, wenn man ein Wort denkt, aber der Mund etwas anderes sagt. Man glaubt dabei, das Wort gesagt zu haben, das man im Kopf hatte. Zum Beispiel kann man an einen Revolver denken, aber aus dem Mund kommen dann die Worte Pfeil und Bogen. In Anbetracht der ganzen Männer, die jetzt vor ihm stehen und ihn besorgt ansehen, Erkundigt sich Ryan, ob seine Verletzung schlimm sei. Man erklärt ihm, dass er jetzt in ein Krankenhaus gebracht wird. Ryan verlässt den Raum auf seinen eigenen zwei Beinen. Sein Blutdruck, das wurde vorher noch gemessen, ist normal. Ryan befindet sich also seit ungefähr sechs Stunden mit einer Kugel im Kopf in Polizeigewahrsam und niemand merkt das.
Die ganze Zeit, während er im Auto vor seinem Haus wartet oder auch während des Verhörs, dringt diese Kugel tiefer in sein Gehirn ein. Und während dieser Zeit sind seine Eltern zu Hause und fragen sich, was bloß ihrem Sohn widerfahren ist. Sie erfahren das erst, als um kurz nach 7 Uhr morgens das Telefon klingelt. Jemand aus dem Krankenhaus erzählt ihnen, dass Ryan eine Kugel in seinem Gehirn hat und sich in einem kritischen Zustand befindet.
Wohlgemerkt, es ist nicht, Das ist nicht das Police Department, das die Eltern informiert, sondern das Krankenhaus. Übrigens das Krankenhaus, in dem er auch geboren wurde. Ryan kann allerdings nicht sofort operiert werden, weil sich die Wunde in seinem Kopf infiziert hat. Man geht davon aus, dass die Patrone eingedrungen und dadurch Flüssigkeit ins Gehirn gelangt ist, die dann die Infektion ausgelöst hat. Das bedeutet, es muss erst der Druck auf das Gehirn reduziert werden, bevor die Operation überhaupt durchgeführt werden kann. Die Infektion hätte vermieden werden können, wenn Ryan rechtzeitig medizinische Hilfe bekommen hätte. Ryan wird am Morgen des 26. Dezember ins Krankenhaus gebracht, operiert wird er aber erst zwei Tage später. Die Diagnose ist heftig. In seinem Gehirn finden sich Knochen- und Kugelsplitter sowie Bruchstücke seiner Augenhöhle, die durch den Schuss ins Gehirn gedrungen sind. Sein Schädel ist gebrochen und überraschenderweise auch sein Kiefer. Aber wie kann das sein? Denn bei der Untersuchung kommt eindeutig heraus, dass der Kiefer nicht wegen der Schussverletzung gebrochen ist.
Die Antwort darauf finden Ryans Eltern im Polizeibericht. Dort steht schwarz auf weiß, dass die Beamten Ryan in Anführungsstrichen sanft zu Boden geführt hätten. Und zwar in dem Moment, als er Anstalten gemacht hat, den Polizisten den Zutritt zum Haus zu verweigern und nicht ihren Befehlen gefolgt ist. Ein Polizist hat ihn daraufhin aufgefordert, die Hände zu heben. Aber Ryan ist dieser Aufforderung nicht nachgekommen. Nicht, weil er es nicht wollte, sondern weil er ja da schon die Kugel in seinem Gehirn hatte. Er konnte einfach nicht klar denken und die Situation auch nicht richtig verstehen. Also hat der Polizist, so steht es in dem Bericht, einen Druckpunkt an Ryans linkem Kiefer benutzt, um ihn dazu zu zwingen, Folge zu leisten. Währenddessen hat ein anderer Polizist ihm die Hände hinter dem Rücken gefesselt.
Ryan überlebt die Operation und er wird danach berichten, dass der Polizist ihn auf den Kiefer geschlagen hat. Das ist also der bittere Grund, warum der Kiefer gebrochen ist. Polizeiliche Gewalt. Und das, nachdem Ryan gerade erst schwere Hirnschäden erlitten hat. Es war also nicht Heather, die ihn geschlagen hat, wie er das ja fälschlicherweise im Verhör behauptet hat, sondern ein Polizist. 35 Tage lang bleibt Ryan im Krankenhaus. Während dieser Zeit kommt übrigens niemand von der Polizei vorbei, um sich nach seinem Zustand zu erkundigen. Niemand fragt ihn näher dazu aus, wer auf ihn geschossen hat. Und niemand macht Anstalten, sich bei Ryan zu entschuldigen. Dabei weiß ja die Polizei, dass die wahren Täter noch auf freiem Fuß sind. Ryan hat ihnen ja sogar ihren Namen gesagt. Richie und dessen Vater. Aber das Police Department macht keine Anstalten, die beiden Männer ausfindig zu machen.
Werbung Werbung Ende, Nichts ist mehr so, wie es einmal war, als Ryan aus dem Krankenhaus entlassen wird. Infolge der Schussverletzung hat er einen Teil seines Gehirns verloren und auch sein linkes Auge. Das andere Auge musste während der Operation herausgenommen werden, um den Zugang zum Gehirn zu erleichtern, konnte danach aber wieder eingesetzt werden. Ryan ist nicht mehr fähig, alleine zu leben. Seine Eltern holen ihn daher zu sich und kümmern sich so gut sie können. Es ist so, als würden sie plötzlich mit einer dementen Person zusammenleben. Ryan erzählt dieselbe Geschichte immer und immer wieder und stellt auch immer wieder dieselben Fragen.
Aber auch sie können nichts gegen die schlimmen Krampfanfälle tun, die ihren Sohn immer wieder aus heiterem Himmel heimsuchen. An einem Ostersonntag beißt er sich während eines Anfalls eine Seite seiner Zunge ab. Bei einem anderen Anfall bricht er sich die Nase, bei wieder einem anderen den Knöchel. Einmal krampft er plötzlich, während er gerade auf Kies läuft. Er fällt zu Boden und jedes Stück Haut, das mit dem Kies in Berührung gekommen ist, sieht danach aus, als sei es mit Schmirgelpapier bearbeitet worden. Natürlich versucht man, mit Medikamenten dagegen zu wirken, aber so richtig helfen können die nicht. Ihr fragt euch vielleicht, wie es denn jetzt mit den Ermittlungen weitergeht, denn die Polizei kann ja nicht einfach so die Mörder von Heather frei herumlaufen lassen. Und genau deshalb geht das Police Department der ganzen Sache auch endlich nach. Drei Tage, nachdem Ryan aus dem Krankenhaus entlassen und wieder bei seinen Eltern ist. Die Beamten nehmen wiederum ein paar Tage später erst Richie und dann seinen Vater Larry fest. Was auch keine schwierige Aufgabe ist, weil die beiden der Polizei tatsächlich schon länger bekannt sind und man weiß, wo sie wohnen. Richie ist zu dem Zeitpunkt 24 Jahre alt und hat eine ziemlich lange Strafakte, schon seit seiner Jugend.
Weglaufen von zu Hause, Drohanrufe, Körperverletzungen, bewaffnete Raubüberfälle, die Liste ist gefühlt endlos. Einmal wurde er festgenommen, weil er seinen eigenen Vater schwer verletzt hat. Ein anderes Mal, weil er einen Autofahrer mit einem Messer in die Brust gestochen hat, um ihm seine Brieftasche und einige CDs zu stehlen, während er an der Ampel stand. Ritchie musste schon einige Jahre seines jungen Erwachsenenlebens im Gefängnis verbringen, aber wie seine Akte zeigt, macht er danach immer wieder weiter. In einem psychiatrischen Gutachten aus dem Jahr 2000 steht folgendes. Seine moralische Struktur ist so schwach, dass sein innerer Kontrollmechanismus, sein Gewissen, keinerlei Einfluss auf sein Verhalten hat. Das heißt, er ist in der Lage, sich selbst und andere ebenso leicht zu verletzen, wie er ein Glas Wasser trinken kann. Ich würde das Risiko, dass er in Zukunft erneut gewalttätig wird, als hoch einstufen.
Im Dezember 2006 ist Richie seit anderthalb Jahren wieder auf freiem Fuß. Eine Zeit, die von häuslicher Gewalt, Sachbeschädigung und Körperverletzung geprägt ist. Und trotz allem hatte die Polizei es anscheinend nicht eilig, ihn nach Rines Verhör festzunehmen. Ryan hat mal in dem Haus gewohnt, in das später dann Ryan, Heather und ihre Mitbewohnerin Alicia eingezogen sind. Ryan war also quasi Richies Nachfolger, hat aber nie mit ihm zusammengelebt. Die beiden kennen sich trotzdem, weil Richie nach seinem Auszug einige Male vorbeigekommen ist, um zu fragen, ob Post für ihn eingekommen ist. Ungefähr einen Monat nach Richies Auszug, also als Ryan schon im Haus gewohnt hat, gab es dann noch ein merkwürdiges Treffen. Und zwar hat Ryan mitten in der Nacht ein Geräusch aus dem Garten gehört. Und als er raus ist, um nachzuschauen, entdeckt er Ritchie im Garten. Der behauptet, nur einen Leguan zu suchen, der ihm zu seiner Zeit in dem Haus entlaufen war. Er erklärt, dass der Leguan wohl immer nur nachts herauskäme. Es ist gut möglich, dass Ritchie schon zu der Zeit einen Einbruch ins Haus geplant hat. Er weiß, dass Ryan einige Gitarren besitzt, einen Computer und ein paar andere Wertgegenstände. Und zwar, weil er ihn bei seinem Einzug beobachtet hat.
Vermutlich hat er die ganzen Monate lang auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, um in die WG einzubrechen. Und dann kam Weihnachten, wo viele Menschen ihre Familien besuchen und Richie hat wohl gedacht, freie Bahn zu haben. Den Revolver hatte Richie nur zur Sicherheit dabei, falls etwas nicht so läuft wie geplant. Aber er hatte ja nicht nur eine Waffe dabei, sondern auch seinen Vater. Ein Vater-Sohn-Duo, beide bewaffnet und bereit zu schießen.
Vater Larry ist zum Zeitpunkt der Tat 54 Jahre alt und wurde, genau wie sein Sohn, schon mehrfach wegen häuslicher Gewalt, Körperverletzung und sogar einmal wegen eines Angriffs auf einen Polizeibeamten festgenommen. Auch wegen anderer Vergehen, wie dem Missbrauch von Waffen, Drohungen und Diebstahl, ist er den Behörden gut bekannt. Gut einen halben Monat nach Ryans Entlassung aus dem Krankenhaus wird Richie festgenommen und verhört. Dabei wird schnell klar, dass Ryan die Wahrheit erzählt hat. Ritchie versucht, seinen Vater zu schützen und verrät nicht, dass der bei der Tat auch dabei war. Er nimmt also die ganze Schuld auf sich allein. Das allerdings passt seiner Mutter, also Larrys Ehefrau, so gar nicht. Sie sieht nämlich nicht ein, warum ihr Sohn allein für das Vergehen bestraft werden soll, an dem sein Vater genauso schuldig ist. Eine gute Woche nach Ritchies Festnahme also meldet sich seine Mutter bei der Polizei und erklärt, dass auch ihr Mann in die Tat involviert war. Er habe ihr noch am gleichen Tag davon erzählt. Es dauert nicht lange, bis auch Vater Larry aufgespürt und festgenommen wird. Vater und Sohn werden wegen vier verschiedener Vergehen angeklagt. Mord, Einbruch, schwere Körperverletzung und Waffenmissbrauch. Der wichtigste Zeuge in dem Prozess ist natürlich Ryan. Er hat ja gesehen, wie Richie auf ihn gezielt und abgedrückt hat. Dank ihm lässt sich der Tatablauf ziemlich genau rekonstruieren.
Heather und Ryan verbringen am 25. Dezember einen gemütlichen Tag zu Hause auf der Couch. Sie freuen sich auf das Weihnachtsessen bei Ryans Eltern. Irgendwann zwischen 17 und 20 Uhr hört Ryan ein Geräusch an der Hintertür. Ungefähr so, wie er es auch gehört hat, als die Polizei versucht hat, ins Gebäude zu kommen. Ryan geht nachsehen und erkennt, dass Richie die Schiebetür von außen geöffnet hat. Er ist gerade dabei, das Haus zu betreten. Ryan versucht, ihn daran zu hindern. Doch Richie steckt seinen Arm durch die Tür und schießt Ryan dabei zweimal ins Gesicht. Ryan fällt zu Boden, wo Richie ihn einfach liegen lässt. Er scheint davon auszugehen, dass Ryan tot ist.
Vater und Sohn betreten dann das Haus und bemerken Heather auf der Couch. Ihnen ist klar, dass Heather sie ohne Probleme würde identifizieren können. Also erschießen sie sie, damit es keine Zeugen gibt. Alicia, die andere Mitbewohnerin, ist zu diesem Zeitpunkt zum Glück nicht im Haus. Vater und Sohn schnappen sich Ryans Gitarren, den Computer und noch ein paar andere Gegenstände. Sie machen sich schnell auf den Weg zurück. Insgesamt erbeuten sie Sachen im Wert von einigen tausend Euro. Aufgrund von Ryans Hirnschäden kann im Nachhinein nicht mehr nachvollzogen werden, welche Gegenstände genau gestohlen wurden. In Richies Augen ist der Plan genial. Sollte man nämlich Fingerabdrücke oder Haare von ihm am Tatort finden, So kann er einfach darauf verweisen, dass er ja mal in der Wohnung gelebt hat. Natürlich wird es dort also Spuren von ihm geben. Und er weiß deshalb auch, wie man die eine Schiebetür hinter dem Haus leicht von außen aufkriegt. Nie war es leichter, schnell an Geld zu kommen. Als Richie und Larry das Haus verlassen, haben sie keine Ahnung, dass Ryan noch lebt. Dann feiern sie Weihnachten, als wäre nichts passiert. Etwa anderthalb Jahre später stehen sie im selben Mordprozess vor Gericht.
Allerdings zieht Larrys Frau, also Richies Mutter, drei Tage vor Prozessbeginn die Aussage gegen ihren Mann zurück. Sie beruft sich auf ihr Ehegattenprivileg, also auf ihr Recht, alles, was zwischen Ehepartnern besprochen wird, geheim zu halten. Durch das Ehegattenprivileg kann eine verheiratete Person nicht dazu gezwungen werden, vor Gericht gegen den Ehepartner auszusagen. Das Problem ist nur, ohne diese Aussage fällt die Anklage gegen Larry quasi in sich zusammen, weil man nur Richie zweifelsfrei die Tat nachweisen kann. Ryan hat ja nur gesehen, wie Richie geschossen hat. Und der sagt ja nicht gegen seinen Vater aus. Kurz bevor der Prozess beginnt, wird er also komplett abgesagt. Man beschließt, Ritchie erst einmal allein vor Gericht zu stellen. Anderthalb Monate später ist es dann auch soweit. Mehrere Wochen lang dauert sein Prozess. Im Juni 2008 wird er in allen vier Anklagepunkten schuldig gesprochen. Wegen Mord ersten Grades, Einbruch, schwerer Körperverletzung und Waffenmissbrauch. Er wird zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt.
Da man gegen den Vater nun aber nichts Substantielles mehr in der Hand hat, muss die Polizei Larry wieder freilassen. Und das nur, weil seine Ehefrau ihn doch noch in letzter Minute geschützt hat. Um Larry zu verurteilen, braucht das Gericht aber auf jeden Fall ihre Aussage. Heathers Familie kämpft daraufhin selbst um Gerechtigkeit. Sie setzt sich für eine Änderung des Ehegattenprivilegs ein. Und sie haben Erfolg. Das sogenannte Heathers Law wird verabschiedet. Demnach hat eine Person nicht mehr das Recht, eine Aussage zurückzuziehen oder vor Gericht zu verweigern, wenn diese Person der Polizei schon freiwillig Informationen über die Beteiligung des Ehepartners an einem schweren Verbrechen gegeben hat.
Nach vielen Diskussionen und einem intensiven Rechtsstreit beschließt das Gericht, dass das neue Gesetz auch rückwirkend angewandt werden kann. Larry wird daher im November 2011 erneut angeklagt und seine Frau ist nun gezwungen, ihre Aussage vor Gericht zu machen. Larry wird, genauso wie sein Sohn, wegen Mord ersten Grades, Einbruchs, schwerer Körperverletzung und Waffenmissbrauchs schuldig gesprochen. Allerdings ganze vier Jahre später als Richie.
Auch er erhält dafür eine lebenslange Haftstrafe ohne die Möglichkeit auf Bewährung. Aber das wäre ja noch nicht alles. Denn die Polizei hat ja, um es nett zu formulieren, einiges in diesem Fall verbockt. Allen voran Detective Paul, der allerdings überhaupt gar nicht einsehen will, dass er irgendeinen Fehler gemacht hat. Er lügt sogar in den Mordprozessen über wichtige Details. Ryans Eltern reichen eine Klage über 15 Millionen Dollar gegen das Phoenix Police Department und die Stadt Phoenix ein. Auch die Behörden sollen sich nicht einfach so aus der Verantwortung ziehen können. Ryan hat ja schwere Folgeschäden davongetragen, weil ihm viele Stunden lang keine medizinische Versorgung gewährt wurde. Gerade wenn das Gehirn verletzt ist, dann zählt jede Minute. Um den Betroffenen zu retten, ist eine Behandlung innerhalb der ersten Stunde nach der Verletzung entscheidend. Und Ryan hat sich ja mehr als sechs Stunden mit der Kugel in seinem Gehirn in Polizeigewahrsam befunden, trotz offensichtlicher Verletzung. Es wäre die Pflicht der anwesenden Beamten gewesen, ihn sofort medizinisch untersuchen zu lassen.
Stattdessen haben sie ihn von Anfang an wie einen Verdächtigen behandelt, obwohl eigentlich ja das Prinzip gilt, dass jemand erst schuldig ist, wenn seine Schuld zweifelsfrei bewiesen ist. Es ist also sehr viel sehr falsch gelaufen.
Vier Jahre lang hat die Familie diese Klage vorbereitet, um endlich Gerechtigkeit für Ryan zu erkämpfen. Doch dann, drei Wochen vor Prozessbeginn, weist ein Richter die Klage plötzlich zurück. Denn die Stadt hätte einen Experten konsultiert. Der bestätigt, dass die sechs Stunden, die Ryan in Polizei gewahrsam war, keinen Unterschied für seinen Gesundheitszustand machen würden. Eine Aussage, der viele andere Experten in diesem Bereich übrigens deutlich widersprechen. Aber damit platzt der Prozess. Ryans Eltern könnten Berufung einlegen, aber wenn sie verlieren, dann müssten sie nicht nur für ihre eigenen, sondern auch für alle Anwaltskosten der Stadt aufkommen. Und das würde ihren finanziellen Ruin bedeuten. Und so beschließt seine Familie, diesen Kampf nicht weiter zu kämpfen, weil die Chancen schon von vornherein so schlecht für sie stehen.
Sie wollen nicht riskieren, alles zu verlieren, sondern lieber ihre Kraft sparen, um sich weiter so gut es geht, um Ryan zu kümmern. So schwer es auch auszuhalten ist, es wird niemand vom Phoenix Police Department in diese Angelegenheit zur Rechenschaft gezogen. Auch Detective Paul nicht, der übrigens auch schon in anderen Fällen negativ aufgefallen ist. Es gibt so einige Storys über ihn zu lesen, die einen so richtig wütend machen können. Nicht nur, weil er schon mehrfach unter Schwur vor Gericht gelogen hat und ständig Details verdreht, um seinen Willen durchzusetzen, er hat sogar schon einmal bewusst Beweismittel verschwinden lassen, um einen Unschuldigen hinter Gitter zu bringen. Also Beweismittel, mit denen man eine andere Person als Täter und damit die Unschuld des fälschlicherweise Angeklagten hätte belegen können.
In den beiden Mordprozessen gegen Richie und seinen Vater Larry hat der Detective Ryan und seinen Vater ignoriert, als gäbe es sie gar nicht. Keine Entschuldigung, nichts. Nur Ryans Mutter hat er gegrüßt, obwohl sie alle nebeneinander standen. Und das war nur ein kleiner Vorgeschmack. Der Detective wurde zwar nach Ryans Einweisung ins Krankenhaus von dem Fall abgezogen, aber er darf seine Arbeit danach ganz normal fortsetzen. Mittlerweile ist er in Rente und genießt seinen Ruhestand. Ryan ist so ein Leben in Ruhe und Frieden nicht vergönnt. Seine Krampfanfälle bestimmen den Alltag der gesamten Familie. Am 20. Januar 2016, gut neun Jahre nach dem Schuss in den Kopf, erleidet Ryan einen Anfall, während er im Supermarkt ist. Er schlägt mit dem Kopf auf und stirbt danach an einer Blutung. Er ist gerade einmal 27 Jahre alt geworden. Seitdem wird über sein Schicksal immer mal wieder in True-Crime-Formaten berichtet.
Reins Vater hört sich einige dieser Berichte auch an. Dabei fällt ihm auf, dass sich ziemlich viele falsche Details in die Berichterstattung geschlichen haben. Er nimmt daher Kontakt zu Giles vom Podcast This is Monsters auf und erklärt sich bereit, ein paar Fakten in einem Interview wieder gerade zu rücken. In vielen Medienberichten wird zum Beispiel behauptet, Ryan und Richie seien Mitbewohner gewesen, weil Ryan das so in seinem Verhör gesagt hat. Doch das stimmt nicht. Und seine Aussagen sind ja aus offensichtlichen Gründen nicht verlässlich. Erst hat Ritchie im Haus gelebt, dann Ryan mit Heather und Alicia.
Angeblich soll Ryan auch mehrere Waffen besessen haben, die Ritchie und sein Vater stehlen wollten. Doch auch das ist falsch. Er hatte nur eine, die man später dann in seinem Zimmer gefunden hat, die weder benutzt noch gestohlen wurde.
Es gibt auch einige Berichte, in denen behauptet wird, Ryan seien beide Augen rausoperiert worden und er sei den Rest seines Lebens blind gewesen. Auch das ist falsch, weil sein rechtes Auge ja wieder eingesetzt werden konnte. Häufig sieht oder hört man auch, dass die Tat nicht am 25. Dezember, sondern schon am 23. Dezember passiert sein soll, weil an diesem Tag ein Pizzalieferant die beiden zum letzten Mal lebend gesehen hat. Damit wird suggeriert, dass Ryan zwei Tage lang mit einem Kopfschuss in seinem Haus herumgeirrt ist, während Heathers Leiche auf dem Sofa verwest ist. Das ist natürlich ein Bild, das sich für Formate eignet, die Wert auf eine dramatische Berichterstattung legen. Aber es ist de facto falsch, denn die Wunden in Ryans Gesicht sind bei dem Verhör am 25. Dezember so frisch, dass sie unmöglich zwei Tage alt sein können. Tatsächlich ist es aber wohl so, dass die Polizei diese falschen Informationen wohl bewusst in der Öffentlichkeit verstreut hat. Und zwar in dem Versuch, sich selbst aus der Verantwortung zu ziehen. Denn die Lage ist ganz klar. Sollte Ryan wirklich zwei Tage lang mit der Kugel im Kopf überlebt haben, dann machen die sechs Stunden in Polizeigewahrsam am Ende ja nicht so einen großen Unterschied. Zumindest nicht so sehr, als wenn Ryan gerade erst angeschossen und dann so lange festgehalten wurde.
In Heathers Autopsiebericht wurde der Todeszeitpunkt zwischen 17 und 20 Uhr am 25. Dezember geschätzt, also kurz bevor Ryans Eltern gekommen sind, um nach ihrem Sohn zu sehen. Letztendlich weiß man nicht, wie Ryans Leben verlaufen wäre, hätte er sofort medizinische Hilfe bekommen. Heather und er sind gestorben, weil zwei Männer gierig nach schnellem Geld waren. Der Überfall hatte nichts mit einem Rachefeldzug oder verbotenen Avancen zu tun, wie auch immer mal wieder behauptet wird. Es ging Richie und Larry nur darum, um, das berichtet sein Vater so in dem Interview, Ryans Gitarren und einige andere Wertgegenstände zu stehlen. Und dabei wurden nicht nur die Leben von Ryan und Heather zerstört, sondern auch die jener Menschen, die ihnen sehr nahestehen. Viele der Beteiligten wünschen sich sehr, dass die Stadt Phoenix und auch das Police Department irgendwann doch einmal Verantwortung für den Schmerz und all das Leid übernehmen, das sie Ryan und seiner Familie zugefügt haben. Tatsächlich gab es auch vor einigen Jahren eine offizielle Untersuchung vom Justizministerium, in der das Verhalten der Behörden in Phoenix und einigen anderen US-amerikanischen Städten bei polizeilichen Ermittlungen untersucht worden ist. Das hatten wir ja ganz zu Beginn schon mal kurz angesprochen. Im Mai 2025 wurde jedenfalls nach gut drei Jahren beschlossen, die Untersuchung zu beenden.
Für alle Menschen in Phoenix, die so einen Horror und so eine Ungerechtigkeit erlebt haben, wie die Angehörigen von Ryan und Heather, kann man nur hoffen, dass das Police Department wirklich und wahrhaftig lernt, die eigenen Fehler zu korrigieren, anstatt sie zu verbergen.
Also auch schon wie letzte Woche wirklich ein sehr langer Fall, wirklich Überlänge, würde ich behaupten. Deswegen würde ich sagen, atmen wir alle erstmal nochmal einen kurzen Moment durch, bevor wir in die Diskussion reingehen. Weil auch hier gibt es ja wieder so viele Sachen, also zumindest die ich nicht verstehe, um ehrlich zu sein. Voll und die einen auch richtig abfacken, oder? Um das jetzt mal so klar zu sagen. Es gibt so viele Punkte, wo man sich fragt, wie kann das passiert sein? Ich würde sagen, wir fangen einfach mal mit dem Thema an, dass niemand gecheckt hat, wie schwer verletzt eigentlich Ryan ist. Und es gibt ja auch ein verlinktes Bild. Wenn ihr das ertragen könnt, dann schaut euch das mal an. Aber man sieht halt so deutlich, dass dieser junge Mann richtig doll verletzt ist, ob man die Einschusslöcher sieht oder nicht. Na, sei mal dahingestellt. Wenn man es nicht weiß, weiß ich nicht, ob man das sofort sieht, oder? Ja, aber halt spätestens, also wie du schon gesagt hast, wir haben uns ja beide das Bild auch angeguckt. Bei der Beschreibung dachte ich auch erst so ein, wenn jemandem durch den Kopf geschossen wird, dann sieht man das ja zu 100%.
Aber, wie du gerade schon gesagt hast, wenn ihr es aushaltet, guckt euch das Bild an. Man sieht es wirklich nicht sofort, aber er ist trotzdem so unglaublich verletzt, dass er hätte ärztlich... Vor Ort direkt eigentlich auch schon behandelt werden müssen. Und spätestens dann hätte es ja auffallen müssen. Ja, ich meine, klar. Die Polizei ist da zu diesem Haus gekommen. Eine Person liegt schon tot auf der Couch. Eine andere Person ist irgendwie verletzt. Und man geht von einer Beziehungstat aus. So weit, so gut. Das verstehe ich auch, dass man den Ryan erst mal als Verdächtigen behandelt.
Nichtsdestotrotz hat der wirres Zeug geredet. Er sieht total demoliert aus im Gesicht. Also spätestens da hätte man mal einen Arzt drüber schauen lassen müssen, weil mit diesen wirren Antworten konnte die Polizei ja auch nichts anfangen. Man muss natürlich auch dazu sagen, die Polizisten treffen immer auf Extremfälle, vollkommen klar. Und die müssen in Sekunden schnelle die richtige Entscheidung treffen. Und wir haben ja schon gehört, dass das Phoenix Police Department nicht unbedingt dafür bekannt ist, immer die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber es ist, kann ich mir trotzdem vorstellen, eine krasse Drucksituation und ja auch eine Situation, die man selbst als Polizist nicht so häufig einfach hat, dass da jemand, wie hieß der Begriff, eine Aphasie hat, dass ja jemand dann auch beim Verhör... An was anderes denkt, als er dann im Endeffekt sagt. Also natürlich, die haben immer absolute Drucksituationen, aber das ist nun mal wirklich auch noch mal eine extra Drucksituation. Nichtsdestotrotz, das ist einfach ein ganz großes Fehlverhalten von der Seite, auch von den Rettungssanitätern vor Ort. Das verstehe ich auch nicht ganz, warum die sich da nicht vielleicht vorgedrängelt haben und gesagt haben, okay, wir müssen den jetzt aber auch mal prüfen. Es ist halt so traurig, dass da einfach jetzt ein Mann sitzt, der gerade seine Freundin verloren hat, der überfallen wurde, der angeschossen wurde und dann wird er als der Hauptverdächtige in diesem Fall betrachtet. Das muss so krass sein.
Das, ja, finde ich, kann man sich irgendwie gar nicht so richtig vorstellen. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, was Alicia sich für einen Vorwurf machen muss. Die Mitbewohnerin. Die Mitbewohnerin, genau. Die ja zum Glück später erst gekommen ist, deswegen nicht auch erschossen worden ist im Zweifel. Boah, was für ein Timing auch. Ja, aber halt auch wirklich gar nichts mitbekommen hat. Also das zum einen verstehe ich auch schon wieder nicht, wie man da nicht mitbekommt, dass da so viele Polizeiautos unterwegs sind. Ja, da ist doch Blaulicht wahrscheinlich auch an, was dann so ins Zimmer reinscheint. Oder so stelle ich es mir zumindest vor. Alle sind am Klopfen. Ich weiß nicht, ob man zu der Zeit schon so gute Noise-Canceling-Kopfhörer bekommen kann. Aber ja, was sie sich dann halt auch irgendwie für Vorwürfe machen muss, weil sie hätte das natürlich auch einfach mitbekommen können. Und das hätte auch nochmal ein ganz großer Faktor sein können. Also ganz oft, finde ich, spielt wirklich Glück so in das Überleben vieler Menschen rein, aber leider auch genauso häufig.
Spielt Pech einfach eine riesige Rolle und hier hatten Ryan und Heather beide zusammen einfach wirklich nur Pech, leider. Ey, und vor allem, wir müssen uns nochmal vor Augen führen, dass die beiden eigentlich ja nur gestorben sind oder zumindest dann Ryan später gestorben ist, weil da zwei Idioten Geld wollten, die eine Gitarre, mehrere Gitarren, einen Computer geklaut haben. Also was geht denn? Also wie kann man auf, ja, völlig, ist mir völlig schleierhaft und absolut nicht nachvollziehbar, wie man für so ein paar Wertgegenstände einfach zwei jungen Menschen das Leben nehmen kann und die anschießt und die Zeugin auf der Couch erschießt, weil sie sonst die beiden hätten verraten können. Und also auch diese Konstellation von den beiden ist so weird, dass die Mutter sagt, nee, es war auch schon noch mein Mann. Ich will nicht, dass mein Sohn alleine dafür verurteilt wird. Und dann zieht sie die Aussage doch zurück und dann muss sie doch auch sagen. Also auch dieses Ganze hin und her und diese Familienkonstellationen. Das ist doch total verrückt, oder? Besonders auch Richie, der sich so einen tollen Plan ausgedacht hat, von wegen, okay, wenn ich überführt werde, dann nutze ich einfach als Ausrede, dass ich ja auch davor da gewohnt habe, so von wegen.
Wenn die Leute da Haare finden oder Fingerabdrücke, bis dahin, okay, guter Plan. Aber dann nimmt er nicht mal irgendwie eine Maske mit oder so und fühlt sich dann gezwungen, halt Ryan und Heather zu erschießen. Also wenn, Bro, wenn du einen Plan hast, so, dann beschatte wenigstens das Haus und schau, dass da keiner zu Hause ist, dann klau den Scheiß und, verschwinde, aber dass man einfach so leichtfertig auf Leute schießt und entschuldigt so meine lockere Sprache, aber das ist für mich wirklich, das ist absolut unverständlich und ich finde das so schlimm, wie hier einfach ja nicht nur die beiden, also Ryan und Heather, ihr Leben verloren haben, sondern ja auch das Leben ihrer Familie und Freunde einfach komplett auf den Kopf gestellt wurde, nur weil jemand Und ja.
Habgier an den Tag gelegt hat und da so ein paar Wertgegenstände geklaut hat. Auf jeden Fall. Gleichzeitig muss ich sagen, finde ich es schön, dass wir in so einem Podcast Ryan und Heather wirklich auch verewigen können. Und dass Heather ja auch sogar noch in einem eigenen Gesetz, also Heathers Law sogar verewigt wird. Und ja, die Geschichte immer weitergetragen werden kann irgendwie. Und damit würde ich sagen, schließen wir die schwarze Akte für heute. Wir freuen uns natürlich immer sehr, wenn ihr uns Nachrichten schreibt, wenn wir mit euch in den Austausch gehen können. Gerne bei Instagram, da heißen wir schwarze Akte. Wir hören uns übrigens schon am Donnerstag wieder, da haben wir eine Überraschung für euch. Und dann zur nächsten regulären Folge am Dienstag.
Wir sind eure Hosts Anne Luckmann und Patrick Strohbusch. Redaktion Silver Hanekamp und wir. Schnitt Anne Luckmann. Intro und Trainer gesprochen von Pia Rohnersachse. Producer Falko Schulte. Die Schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios.