Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung.
Das mit der Liebe ist so eine Sache. Sie kann laut sein oder ganz leise. Sie kann mitreißen oder einfach so vor sich hin plätschern. Sie kann schön sein, schmerzhaft oder beides zugleich. Liebe kann langsam aufziehen wie eine Wolke am Sommerhimmel oder wie ein Blitz einschlagen, samt Sturmböden und Donnergräuen. Das mit Charlotte und Stephen, das ist Liebe auf den ersten Blick, wie man sie eigentlich nur aus Filmen kennt. Sie, ein 19-jähriges Model, arbeitet in einem Nachtclub und trifft dort auf den fast doppelt so alten Stephen, dem der Club gehört. Es ist die pure Anziehung. Stephen eröffnet Charlotte eine Welt, von der sie vorher nur hat träumen können. Die Welt von Gucci, Louis Vuitton und anderen teuren Marken. Charlotte erhält Einladungen zu den exklusivsten Events der Stadt und trifft Menschen, die sie vorher nur aus dem Fernsehen kannte. Sie trinkt Champagner, fährt einen Porsche und an ihrem Finger glänzt schon bald ein funkelnder Verlobungsring. Innerhalb weniger Monate ziehen die beiden zusammen in ein Apartment mit Meerblick. Und genau hier steht Charlotte nun, an einem ganz normalen Tag im Sommer 2004. Sie steht auf dem Balkon und genießt die frische, salzige Brise, die vom Meer herüberweht.
Sonnenstrahlen wärmen ihr Gesicht und ein Lächeln schleicht sich auf ihre Lippen. Sie könnte nicht glücklicher sein. Doch während Charlotte da so steht und beobachtet, wie eine Wolke am Himmel aufzieht, ahnt sie nicht, dass ihr Glück nur von kurzer Dauer sein wird. Dass ihr neues Leben bald wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen wird. Denn Steven hat ein Geheimnis, das alles verändern wird.
Schwarze Akte Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit Anne Luckmann und mit Patrick Strohbusch. Hallo, schön, dass ihr uns heute wieder zuhört. Bei dieser Folge, wo uns der Fall in die wohl größte Stadt Australiens führt, nämlich nach Sydney. Über fünf Millionen Menschen leben hier, also mehr als dreimal so viele wie in München oder Hamburg. Und diese Metropole, um die es heute geht, die liegt ganz im Osten des Landes, direkt am Pazifik. Werbung Werbung Ende.
Hier befindet sich auch der berühmte Hafen von Sydney mit Blick auf das Opera House und die Harbour Bridge, zwei ziemlich bekannte Wahrzeichen der Stadt. Wer hier an der Promenade entlang spaziert, hat also eine ziemlich spektakuläre Aussicht. Kein Wunder also, dass der Port Jackson als ziemlich beliebte Wohngegend unter den Superreichen der High Society gilt. Da Sydney so groß und bekannt ist, wird die Stadt immer mal wieder für die Hauptstadt Australiens gehalten. De facto ist das aber falsch. Die tatsächliche Hauptstadt ist Canberra, die etwa drei Autostunden südlich von Sydney liegt. Und das hat auch einen Grund. Es gab nämlich mal einen großen Streit zwischen den beiden wohl bekanntesten Städten Australiens, Sydney und Melbourne. Ende des 19. Jahrhunderts war Melbourne nämlich die größte Stadt des Landes, während Sydney als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum galt.
Beide Städte wollten den Hauptstadttitel für sich. Und da sie sich nicht einigen konnten, musste ein Kompromiss her. Statt eine bestehende Stadt als Hauptstadt zu ernennen, hat man einfach eine komplett neue gebaut. Und so ist 1913 Canberra entstanden. Im Laufe des Jahrhunderts hat Sydney dann Melbourne den Rang als größte Stadt Australiens abgelaufen und sich zu der berühmten, vielfältigen Metropole entwickelt, die sie heute ist. Eine Metropole, die Charlotte ab sofort ihr Zuhause nennen darf. Eigentlich stammt Charlotte aus Schweden. In all unseren Quellen wird ihr Name aber trotzdem englisch ausgesprochen, weshalb wir das in dieser Folge auch so machen werden. Charlotte ist 2004 nach Australien gekommen, als Toxic von Britney Spears gerade ganz neu im Radio lief und man in Discos zu Yeah von Usher und Let's Get It Started von den Black Eyed Peas getanzt hat. 2004 war auch das Jahr, in dem Facebook gegründet wurde. Erst einmal nur für Studierende in den USA.
MySpace war zu der Zeit noch das angesagteste soziale Netzwerk für die breitere Masse. 2004 erlebte das Nokia 3310 seine Hochphase und wer in Sachen Technik so richtig up-to-date sein wollte, der besaß auch noch ein iPod. Möglichst in einer schön knalligen Farbe, mit dem typischen kreisrunden Bedienfeld in der Mitte. 2004 wurde auch zum ersten Mal seit über 30 Jahren wieder eine Australierin zur Miss Universe gekrönt. Für das Model hat sich damit ein Traum erfüllt. Und zwar ein Traum, wie ihn in ganz ähnlicher Form auch Charlotte hegt, als sie zum ersten Mal nach Sydney kommt. Laut ihren Eltern hatte Charlotte schon von klein auf den Wunsch, aufzufallen und als etwas Besonderes wahrgenommen zu werden. Aufgewachsen ist sie im schwedischen Stockholm, in einer gut situierten, aber nicht überdurchschnittlich reichen Familie. Ihr Vater ist Geschäftsmann, ihre Mutter hat einen Job in der Öffentlichkeitsarbeit.
Viele Menschen, die Charlotte kennen, die haben den Eindruck, als sei das Leben für sie sehr einfach. Sie kommt von Anfang an gut in der Schule zurecht, hat durchschnittliche Noten und gilt allgemein als beliebt. Ein ehemaliger Mitschüler beschreibt sie als ein bisschen naiv, aber immer fröhlich und höflich. Wenn Charlotte mit Freunden feiern geht, dann nur in den exklusivsten Clubs Stockholms. Schon im Teenageralter zeichnet sich ab, dass sie gern zur High Society gehören möchte. Was auch ihren Berufswunsch erklärt. Charlotte strebt nämlich eine Karriere als Model an und kann auch schon bald erste Werbeverträge feiern. Man kann also sagen, von außen wirkt es, als würde wirklich alles super laufen. Aber Charlotte hat seit ihren jungen Teenagerjahren mit einem Problem zu kämpfen, von dem zu der Zeit nur wenige etwas wissen. Als Charlotte gerade mal 13 Jahre alt ist, stirbt eine enge Freundin von ihr, ganz plötzlich. Daraufhin entwickelt Charlotte eine Magersucht, mit der sie in den Jahren danach immer wieder zu kämpfen hat.
Ein paar Jahre später, 2003, da schließt sie die High School ab und beschließt, für eine längere Zeit auf Reisen zu gehen. Und so kommt es, dass die 19-Jährige 2004 in Sydney landet, mit einem Work and Holiday Visum. Das heißt, sie darf nur für einige Monate in Australien bleiben und dort auch arbeiten, also so wie Work and Travel, was viele bei uns ja auch in Deutschland machen. In Sydney stürzt sich Charlotte dann direkt in die Arbeitswelt. Sie ergattert einen Gelegenheitsjob als Model und geht nebenbei noch in diversen exklusiven Locations Kellnern. Unter anderem im Hilton Hotel, in einer exklusiven Cocktailbar oder auch in dem Nachtclub, der Steven gehört. Ihre Tage sind echt super voll und Charlotte schiebt auch ohne Probleme mal zwei Schichten hintereinander. Sie ist jung, voller Tatendrang und voll motiviert, Bekanntschaften in der High Society zu machen.
Und natürlich will sie sich auch den ein oder anderen Luxus leisten können. Und dann lernt sie Steven kennen. Und alles ist plötzlich ganz anders. Zwischen ihm und Charlotte funkt es ziemlich schnell. Er ist bei ihrem Kennenlernen 37 Jahre alt, also 18 Jahre älter als Charlotte, die 19 ist. Der Altersunterschied scheint für die beiden aber kein Problem zu sein. Steven nimmt seine schwedische Freundin mit in die Welt der Schönen und Reichen und erfüllt ihr jeden noch so kleinen Wunsch. Und Charlotte? Die nimmt das gerne an. Sie ist begeistert, dass sie ab sofort teure Markenklamotten anziehen kann und einen eigenen Porsche fahren darf. Sie besuchen Pferderennen, feiern Champagner-Partys und verbringen viele romantische Stunden am Hafen von Sydney. Schon bald funkelt an Charlottes Hand dann ein funkelnder neuer Diamant. Geld scheint für Steven also keine Rolle zu spielen und Charlotte hinterfragt das auch nicht besonders.
Der Reichtum ihres Verlobten ist für sie auch kein Grund, ihre eigenen Jobs an den Nagel zu hängen. Sie will weiterhin ihr eigenes Geld verdienen und sich in der Stadt vernetzen. Obwohl sie ja eigentlich nur ein paar Monate in Australien bleiben wollte, beschließt Charlotte recht schnell nach ihrem Kennenlernen für immer nach Sydney zu ziehen. Sie liebt ihr neues Leben und würde es für nichts in der Welt wieder aufgeben wollen. Aber natürlich besucht sie auch ihre Familie in Schweden hin und wieder.
Etwa zweimal pro Jahr kehrt sie in ihre Heimat zurück und an Weihnachten 2005 reist Stephen mit ihr. Höchste Zeit, ihn auch mal ihren Eltern vorzustellen. Doch die werden irgendwie nicht so richtig warm mit dem 18 Jahre älteren Verlobten ihrer Tochter. Doch Charlotte war in solchen Angelegenheiten schon immer sehr beratungsresistent. Und so nimmt sie das ungute Bauchgefühl ihrer Eltern auch nicht wirklich ernst. Sie lebt schließlich ihr eigenes Leben. Und das gefällt ihr richtig gut, so wie es ist. Wir würden Charlottes Geschichte aber natürlich nicht hier in der schwarzen Akte erzählen, wenn das jetzt hier schon das Ende der Liebesgeschichte wäre. Und deshalb switchen wir von Charlottes Apartment mit Meeresblick zur Feuerwehrstation von Sydney. Denn dort geht im Herbst 2005, also ein paar Wochen bevor Charlotte Steven ihren Eltern vorstellt, ein interessanter Anruf ein. Es meldet sich ein Anwohner aus Riverstone, einem Stadtteil im Nordwesten von Sydney. Der Anrufer erzählt, dass er auf einem nahegelegenen Industriegelände Rauchschwaden gesehen habe. Die Feuerwehr rückt sofort aus, um die Sache zu überprüfen. Und jetzt wird es kurios, denn kurze Zeit später meldet sich ein weiterer Mann, der behauptet, die Feuerwehr müsse gar nicht kommen, weil das mit den Rauchschwaden eine Fehlmeldung gewesen sei. Er selbst würde sich gerade auf dem Grundstück befinden und es sei weit und breit nichts von einem Feuer zu sehen.
Doch das Einsatzfahrzeug ist bereits unterwegs und das Notfallprotokoll sieht eben vor, dass der Vorfall auf dem Industriegelände auf jeden Fall geprüft werden muss. Wenige Minuten später ruft derselbe Mann erneut an und meldet, dass an einem anderen Ort in Sydney ein Auto brenne. Es scheint, als wolle er die Feuerwehr vom Industriegelände weglenken. Aber warum? Als die Einsatzkräfte auf das Gelände fahren, da ist tatsächlich keine Rauchentwicklung zu sehen. Aber wer weiß, ob es in dem Gebäude nicht doch irgendwo brennt.
Die Türen des Gebäudes sind mit dicken Vorhängeschlössern gesichert. Also verschaffen sich die Feuerwehrleute mit einem Beuzenschneiderzutritt. Ein Schritt ins Innere genügt und schon ist allen klar, warum jemand diesen Ort geheim halten wollte. Sie stehen mitten in einem riesigen Drogenlabor. Und zwar nicht in irgendeinem kleinen Amateurlabor. Hier wird Ecstasy im großen Stil produziert. Und zwar auf höchst professionelle Weise.
Wer auch immer dafür verantwortlich ist, der weiß genau, was er hier tut. Und verdient damit Millionen. Es gibt eine Doku über den Fall, da werden originale Videoaufnahmen gezeigt, wie die Feuerwehrleute zum ersten Mal das Drogenlabor betreten und sich dort umschauen. Wir packen euch den Link mal in die Shownotes. Man sieht als erstes drei riesige Edelstahlbehälter, in denen jeweils 300 Liter Flüssigkeit hineinpassen. Und dann noch einen größeren für ungefähr 800 Liter. Zum Vergleich, wenn die Polizei mal ein Drogenlabor mit einem 20-Liter-Gefäß entdeckt, dann wird das schon als ziemlich großer Fund angesehen. Oder, anderer Vergleich, in Breaking Bad nutzen die Protagonisten ein 25-Liter-Fass, also deutlich kleiner. Sie können das Fass noch einigermaßen gut mit der Hand hochheben. Das geht mit den dicken Behältern in diesem echten Labor hier nicht. Die Edelstahlbehälter werden dafür gebraucht, um die zur Produktion von Ecstasy benötigten chemischen Stoffe unter kontrollierten Temperaturbedingungen miteinander zu vermischen. Daraus entsteht eine Masse, die Schritt für Schritt weiterverarbeitet wird.
Es entsteht am Ende ein Pulver, das erstmal getrocknet werden muss, bevor es dann in Tablettenform gepresst werden kann. Für jeden Einzelnen dieser Produktionsschritte ist das Labor bestens ausgestattet. Im Obergeschoss entdeckt die Feuerwehr eine elektrische Decke, sowas wie eine Wärmedecke, auf der gerade um die 6 Kilo Pures Ecstasy trocknen. Im Raum daneben befinden sich drei Tablettenpressen. Mindestens eine davon sieht aus, als sei sie eben gerade noch in Benutzung gewesen. Schätzungsweise hat das Labor die Kapazitäten, um Drogen im Wert von ungefähr 127 Millionen Dollar herzustellen. Also wirklich schon eine ganze Menge. Die Polizei braucht mehrere Tage, um das Pulver zu verpacken, alle Beweise zu sichern und zu dokumentieren. Sie stellen auch eine Gasmaske sicher, die während der Produktion verwendet worden sein muss. Das kann man mit Gewissheit sagen, weil sich in dem Filter kleinste Partikel der Droge befinden. Und die hätten nur dorthin gelangen können, wenn sich jemand mit der Maske direkt beim Kochen über die Dämpfe beugt. Außerdem entdeckt die Polizei ein paar Louis Vuitton-Schuhe und sogar auch die Mietunterlagen für das Grundstück. In dem Vertrag steht, dass die Immobilie von einer Firma namens K&M Machinery gemietet wurde. Und zwar stellvertretend von einem Mann namens John Walker.
Diesen Mann, das kommt jetzt wahrscheinlich wenig überraschend, den gibt es aber gar nicht. Die Polizei findet schnell heraus, dass es keinen Führerschein und keine Meldeadresse zu diesem Namen gibt. Aber wer wäre auch so blöd, eine Immobilie für sein Drogenlabor unter seinem Klarnamen anzumieten, oder?
Aber es gibt auch andere Mittel und Wege, um herauszufinden, wer der heimliche Drogenbaron ist. Die Polizei kontaktiert zum Beispiel die Firma, die für die Produktion der Spezialgeräte zuständig ist. Dank einer sehr sorgfältigen Buchhaltung kann nun zurückverfolgt werden, dass ein Mann namens John Matthews die ganzen Spezialgeräte eingekauft hat. Also nicht ganz der gleiche Deckname wie der, der zur Unterschrift auf dem Mietvertrag benutzt wurde. Aber immerhin ganz ähnlich. Beide heißen John. Tatsächlich hat dieser John Matthews so viel bei der Maschinenfirma eingekauft, dass sein Name sogar auf der Weihnachtskartenliste gelandet ist. Um den besten Kundinnen und Kunden des Jahres zu danken quasi. Und zwei der Mitarbeitenden können sich sogar tatsächlich an sein Aussehen erinnern. Die Polizei zeigt ihnen also nun mehrere Fotos von möglichen Verdächtigen. Und beide Männer sind sich einig. John Matthews ist niemand Geringeres als Steven, Charlots Verlobter.
Wie genau die Polizei die Fotos der möglichen Verdächtigen zusammengestellt hat, ist leider nicht genau bekannt. Unsere Quellen bleiben da leider sehr vage. In einer heißt es, die Polizei hätte einen Insider-Tipp bekommen, was gut möglich ist. Als man Ende 2005 das Drogenlabor entdeckt, ist Steven der Polizei auf jeden Fall schon bekannt. Er musste nämlich einmal eine Haftstrafe absitzen, weil er beim Schmuggeln von Luxusautos erwischt worden war. Im Gefängnis hat er sich eine Zelle mit einem Mann geteilt, der wegen der Produktion von Ecstasy verurteilt wurde. Auch das könnte also ein Grund sein, warum er in die engere Auswahl der Verdächtigen gerutscht ist. Die Polizei ist sich auf jeden Fall ziemlich sicher, dass Steven der Mann ist, den sie suchen. Das Problem ist, sie müssen das ja auch beweisen können. Die Mitarbeitenden von der Maschinenfirma, die sind schon mal super wichtige Zeugen. Aber ihre Aussagen allein werden im schlimmsten Fall nicht ausreichen, um Steven hinter Gittern zu bringen. Die Polizei braucht noch mehr Beweise. Das heißt also, als Charlotte Steven Weihnachten 2005 mit nach Hause nimmt, um ihn ihren Eltern vorzustellen, ermittelt die Polizei parallel bereits wegen des Drogenlabors gegen ihn. Noch hat Steven keine Ahnung, ob man ihm auf die Schliche gekommen ist oder nicht. Er hofft natürlich mit einem blauen Auge davon zu kommen.
Zwar ist es für ihn ein heftiger finanzieller Verlust, dass die Polizei sein gesamtes Labor inklusive fertiges Ecstasy konfisziert hat, aber ein Verlust, den er ertragen kann, wenn er dafür nicht ins Gefängnis muss. Und Charlotte? Die weiß vermutlich ganz genau, auf wen sie sich da eingelassen hat. In einer Quelle heißt es, dass sie schon recht früh in der Beziehung herausgefunden hat, wie Steven eigentlich sein Geld verdient. Und es scheint für sie nie ein Problem gewesen zu sein. Mit ziemlicher Sicherheit haben die beiden dieses kleine Detail aber ausgelassen, als sie über Weihnachten in Stockholm bei Charlottes Familie zu Besuch waren. Sonst wäre ein friedliches Weihnachtsfest wohl dahin gewesen.
Und während die Polizei gegen Steven ermittelt, geht das Leben für ihn und Charlotte erst einmal wie gewohnt weiter. Monate vergehen und zumindest nach außen hin geben sie sich gewohnt fröhlich und gelassen, pflegen ihre sozialen Kontakte, genießen den Luxus und sind einfach ganz die Alten. Doch wie sieht es wohl hinter der Fassade aus? Es ist schwer zu glauben, dass Steven wirklich so entspannt ist, wie er sich nach außen hingibt. Er weiß ja, dass wegen des Drogenlabors ermittelt wird. Die Zeitungen berichten ja auch darüber. Für ihn kommt es jetzt darauf an, wie gut seine falschen Identitäten funktionieren, die er sich zurechtgelegt hat. Der Frühling wird zum Sommer und als sich die ersten Blätter golden färben, hat noch immer niemand an seine Tür geklopft. Langsam wagt Steven zu hoffen, dass es vielleicht doch möglich ist, dass er unentdeckt bleibt. Wobei er weiterhin lieber vorsichtig sein sollte. Seine Wohnung jedenfalls ist clean. Da hat er längst alle Beweise weggeräumt, die ihn mit John Walker oder John Matthews in Verbindung bringen könnten. Also den beiden Decknamen, mit denen er ja die Gewerbeimmobilie gemietet und die Spezialausrüstung gekauft hat. Seit sein Labor aufgeflogen ist, achtet er außerdem penibelst darauf, sich nicht zu Schulden kommen zu lassen und sich als sauberer, gesetzestreuer Geschäftsmann auszugeben.
Wenn Steven nur wüsste, welcher Sturm sich da am Horizont zusammenbraut. Denn die Polizei ermittelt nun schon seit fast einem Jahr auf Hochtouren gegen ihn. Und die Beweislage verdichtet sich zunehmend. Zum Beispiel weiß man auch längst, dass Steven der Anrufer war, der versucht hat, die Feuerwehr von dem Industriegelände im Herbst 2005, also gut ein Jahr zuvor, wegzulocken. Der Tag X, den Steven so fürchtet, steht nun unmittelbar bevor.
Am 20. Oktober 2006 steht die Polizei dann mit einem Durchsuchungsbefehl vor seiner Tür. Allerdings ist nicht er es, der öffnet, sondern Charlotte. Stephen ist gerade auf einem Angelausflug und Charlotte ist alleine zu Hause mit ihren zwei kleinen Hunden. Sie hat keine andere Wahl, als die Polizei hereinzulassen. Charlotte ist zu diesem Zeitpunkt übrigens 20 Jahre alt. Sie muss mit ansehen, wie ihr und Stephens gesamtes Privatleben einmal komplett auf den Kopf gestellt wird.
Die Detectives schauen in jede Schublade, hinter jede Tür, sogar unter das Bett. Charlotte schaut sich das alles ganz genau an. Sie lässt die Polizei nicht für einen Moment allein. Die Beamten wiederum sind ziemlich erstaunt, wie ruhig Charlotte die Durchsuchung über sich ergehen lässt. In Anbetracht der Tatsache, dass es um eine der größten jemals aufgedeckten Drogenproduktionen Australiens geht.
Sie scheint auch gar nicht groß überrascht darüber zu sein und auch nicht geschockt oder sonst irgendwie außer sich. Eine ziemlich ungewöhnliche Reaktion. Sonst benehmen sich nichtsadende Angehörige bei Hausdurchsuchungen eigentlich ein bisschen anders. Aber im Gegenteil. Charlotte wirkt fast zuversichtlich. Sie beantwortet alle Fragen, die ihr gestellt werden. Mehr aber auch nicht.
Und tatsächlich kann die Polizei keine Beweise finden, die Steven irgendwie mit den beiden Decknamen in Verbindung bringen. Keine Visitenkarten, keine Adressbücher oder andere Dokumente. Da hat Steven wirklich sehr gut aufgeräumt. Aber dafür hat er was anderes übersehen. Denn in dem Apartment befindet sich noch ein Karton von einem Paar Louis Vuitton Schuhe. Und zwar in genau der gleichen Größe wie das Paar Schuhe, das im Drogenlabor gefunden wurde. Also wenn das kein Zufall ist. Außerdem entdeckt die Polizei auf einem Schrank eine Schachtel mit Bargeld, so um die 8000 Dollar. Unter anderen Umständen hätte so eine Summe durchaus verdächtig sein können. Doch angesichts des ausschweifenden Lebensstils von Charlotte und Stephen, könnte es sich bei dem Betrag auch nur um so eine Art Taschengeld handeln. Ein DNA-Abgleich bestätigt, dass die Louis Vuittons wirklich Stephen gehören. Außerdem findet man seine DNA auch an der Gasmaske, die während der Herstellung der Drogen benutzt worden ist. Damit ist der Fall gegen Steven klar. Und das weiß auch Steven. Als er von Charlotte hört, dass die Polizei da war und ihn sprechen will, stellt er sich freiwillig. Direkt nachdem er von seinem Angelausflug wieder da ist und fast ein Jahr nachdem sein Drogenlabor aufgeflogen ist. Es gibt keine spektakuläre Festnahme, kein Drama. Steven geht ohne große Gegenwehr in Untersuchungshaft. Er ahnt wohl, dass es jetzt nur noch um Schadensbegrenzung geht.
Aber auch das ist noch lange nicht das Ende der Geschichte. Denn wir steuern weiterhin geradewegs auf den Höhepunkt des Dramas zu. Und was wäre eine gute Story ohne einen vollkommen unerwarteten Plottwist? Also, ihr erinnert euch sicher an die beiden Männer von der Maschinenfabrik, die Steven diese ganze Spezialausrüstung verkauft haben und ihn deshalb ja auch identifizieren konnten. Sie sind wohl die wichtigsten Zeugen im ganzen Prozess. Und jetzt, kurz nach Stevens Verhaftung, erhält die Polizei einen Hinweis. Und zwar von einem Insassen, der im selben Gefängnis sitzt wie Steven. Dieser Insasse sagt, dass das Leben der beiden Männer von der Maschinenfabrik in Gefahr sei. Jemand würde planen, die zwei Zeugen ermorden zu lassen, bevor sie gegen Steven aussagen können. Dieser Insasse hat sogar konkrete Informationen zu der geplanten Tat. Er nennt die Namen der zwei Männer, die den Auftragsmord ausführen sollen.
Der erste ist der Polizei wegen eines bewaffneten Raubüberfalls bekannt, der zweite wegen Taschendiebstahls. Und er erzählt, dass die Tat stattfinden soll, sobald die Maschinenfabrik schließt und alle Mitarbeitenden in den Feierabend gehen. Es soll wie ein Raubüberfall aussehen, der schiefgegangen ist. All dieses Wissen kann der Insasser natürlich nur von einem haben, nämlich Stephen selbst, der seinen Zellengenossen anscheinend bei der Planung der Tat um Hilfe gebeten haben soll. Stephen will scheinbar doch nicht so widerstandslos ins Gefängnis gehen, wie es zunächst den Anschein hatte. Alles sieht danach aus, als sei er es, der die Ermordung der beiden Zeugen plane, in der Hoffnung, dass es dann nicht genug Beweise gebe, um ihn wegen des Drogenlabors zu verurteilen. Die beiden Auftragsmörder sollen sogar im Besitz eines Dossiers sein, mit allen wichtigen Informationen über die beiden Zeugen. Sie haben angeblich Fotos, Namen, Arbeitszeiten und sogar eine gezeichnete Karte der Maschinenfabrik, die vermutlich Steven selbst angefertigt hat. In diesem Dossier steht also einfach alles, was die beiden Auftragsmörder wissen müssen, damit es auch wirklich die richtigen Opfer trifft. Das Ding ist, die beiden Männer von der Maschinenfabrik sind natürlich vollkommen nichtsahnd. Sie haben in ihrem Leben noch nicht einmal ein Knöllchen wegen zu schnellem Fahren bekommen. Alles, was sie getan haben, ist einzuwilligen, gegen Stephen auszusagen.
Werbung. Werbung Ende. Aber Stephen ist wohl nicht umsonst einer der größten Drogenbarone Australiens geworden. Und er hat eine Komplizin, mit der niemand gerechnet hat, nämlich Charlotte. Und die ist bereit, alles zu tun, damit ihr Verlobter wieder nach Hause kommen kann. Sie will das Leben mit ihm, von dem sie immer geträumt hat. Auch wenn sie dafür über Leichen gehen muss.
Mögen einige Menschen sie als naive Blondine abstempeln, aber Charlotte weiß, was sie will und wofür es sich zu kämpfen lohnt. Und die Liebe ist definitiv sowas, für das jeder Kampf es wert ist. Und dass Stephen sich selbst nicht mit den beiden Auftragsmördern treffen kann, wird Charlotte das eben für ihn übernehmen. Gemeinsam mit Stephen schmiedet sie jetzt also einen Plan. Allerdings kann sie nicht einfach so mit ihm am Telefon darüber sprechen. Denn beiden ist klar, dass ihre Telefonate aus dem Gefängnis heraus überwacht werden. Also entwickeln die beiden einen Geheimcode, den sie vermutlich bei Charlottes regelmäßigen Besuchen im Gefängnis ausarbeiten. Fast jeden Tag telefonieren sie miteinander, während die Polizei am anderen Ende der Leitung hockt und alles mithört. Sie brauchen einen Beweis, dass Charlotte wirklich in die ganze Sache involviert ist. Also hören sie geduldig mit an, worüber sich das Paar so austauscht. Zunächst wirken die Gespräche recht belanglos, doch der Schein kann trügen. Charlotte weint viel und es wirkt, als würde sie die ganze Sache nur recht widerwillig mitmachen. Stephen versichert ihr, dass es nicht für immer so sein wird, dass sie schon bald wieder vereint seien. In einem Gespräch sagt Charlotte, dass sie keine Lust habe, diese Leute zu treffen. Stephen reagiert darauf mit Unverständnis und tut so, als wisse er nicht, worüber sie rede.
Charlotte weint und ihr Verlobter verhält sich ehrlich gesagt nicht gerade empathisch ihr gegenüber. Es scheint, als wolle er das Telefonat lieber abbrechen, anstatt sie zu trösten. Dabei steht ihr Treffen mit den beiden Auftragsmördern kurz bevor. Die Polizei findet bald heraus, dass sie über den Solicitor sprechen, also über den Rechtsanwalt, wenn sie eigentlich den Auftragsmörder meinen. Es klingt also für sorglose Zuhörer, als würde sich Charlotte mit einem Rechtsanwalt treffen, Was den Umständen entsprechend ja auch nur logisch ist. Im Laufe der Telefonate wird außerdem klar, dass Charlotte beiden Auftragsmördern bereits 100.000 Dollar pro Person vorab gezahlt hat. Wobei sie mit Stephen nur über 100 Dollar spricht, also die letzten drei Nullen einfach weglässt. Allerdings hat es ihr anscheinend mit der Umsetzung zu lange gedauert, denn Stephens Prozess steht ja kurz bevor und da zählt jeder Tag.
Also sucht Charlotte einen neuen Auftragsmörder und entzieht den beiden anderen den Auftrag wieder. Sie berichtet Steven, dass sie 70 Dollar, also in Wahrheit 70.000 Dollar, von ihnen zurückerstattet bekommen habe. Und dass sie noch weitere Rückzahlungen erwartet. Jetzt ist Charlotte also in Kontakt mit diesem neuen Mann, der die beiden Zeugen ermorden soll. Allerdings hat Charlotte keine Ahnung, dass dieser Mann gar kein echter Auftragsmörder ist, sondern ein Undercover-Polizist. Das heißt, in ihrem Versuch, ihren Verlobten vor dem Gefängnis zu retten.
Arrangiert sie die Ermordung zweier nichtsahnender Menschen und läuft dabei ohne die geringste Vorahnung in eine Falle, die ihr die Polizei gestellt hat. Der neue Auftragsmörder, alias der Undercover-Polizist, fragt Charlotte nämlich jetzt in einem Telefonat nach den genauen Details der Tat. Er will wissen, ob Charlotte die beiden Zeugen mehr in einem Krankenhaus oder auf einem Friedhof sehen will. Und Charlotte antwortet, für alle klar verständlich, auf einem Friedhof. Die Gespräche von Charlotte Sandy werden natürlich nicht nur abgehört, sondern auch aufgezeichnet. Und damit hat die Polizei jetzt den Beweis, dass es Charlotte wirklich ernst ist mit der ganzen Sache. Dass sie das Leben zweier unschuldiger Menschen opfern würde, um ihren Verlobten vor einer Gefängnisstrafe zu schützen, die er rechtmäßig aber verdient hätte. Die Beamten machen kurzen Prozess. Am nächsten Tag, als Charlotte sich mit dem Mann treffen will, den sie für den Auftragsmörder hält, wird sie auf offener Straße verhaftet, mitten am helllichten Tag. Es ist der 26. Mai 2007, also etwa ein halbes Jahr nach Stevens Festnahme. In ihrer Tasche hat Charlotte Bargeld dabei, das sie dem Mann geben wollte. Offenbar gab es hinter dem Kühlschrank in ihrem Apartment ein Bargeldversteck, das die Polizei bei der ersten Durchsuchung nicht entdeckt hat. Dieses Geld hat Charlotte benutzt, um kein Aufsehen mit einer großen Bargeldabhebung zu erregen.
Ihre Eltern in Schweden haben übrigens keine Ahnung, was ihre Tochter in Sydney so alles treibt. Charlotte hat ihnen nicht erzählt, dass Steven im Gefängnis sitzt. Und ihre Eltern erfahren erst durch einen Journalisten, dass ihre Tochter überhaupt verhaftet wurde.
Charlotte muss jetzt genau wie Steven in Untersuchungshaft. Beide müssen wegen des geplanten Mordes vor Gericht. Zusätzlich dazu, dass Steven sich ja nach wie vor wegen der Sache mit dem Drogenlabor verantworten muss. Stevens Mutter versucht jetzt, Charlotte gegen eine Kaution wieder aus der U-Haft rauszuholen und bietet an, 2 Millionen australische Dollar für sie zu hinterlegen. Umgerechnet also um die 1,2 Millionen Euro im Mai 2007. Sogar Charlottes Arbeitgeber legt ein gutes Wort für sie ein und erklärt, dass sie bis zum Prozessbeginn weiterhin in seiner Bar kellnern dürfe. Doch der Antrag wird abgelehnt. Die Polizei schätzt die Fluchtgefahr bei Charlotte als zu hoch ein. Auf der Suche nach weiteren Beweisen durchkämmt die Polizei das Apartment von Charlotte und Stephen nochmal. Wieder finden sie mehrere tausend Dollar Bargeld. Aber dieses Mal auch ein kleines Notizbuch, in dem ein höchst interessanter Eintrag steht. K&M Machinery, also die fiktive Firma, in deren Namen Stephen die Gewerbeimmobilie für sein Drogenlabor angemietet hat. Man muss sagen, es sieht wirklich nicht gut aus für die beiden. Doch ob ihr es glaubt oder nicht, wir haben noch einen weiteren Plottwist hier in der Geschichte. Denn vor Gericht leugnet Steven an der Planung des Mordanschlags beteiligt gewesen zu sein. Sein Ziel sei es nur gewesen, die beiden Zeugen zu diskreditieren, damit ihnen vor Gericht niemand glaube.
Niemals habe er sie umbringen wollen. Er sagt, Charlotte habe den Auftragsmord aus eigener Initiative geplant, aus Liebe zu ihm. Seine Zelle wird natürlich auch nach Beweisen durchsucht. Doch man findet nichts, womit man das Gegenteil belegen könnte.
Auch die beiden Männer, die den Mord ursprünglich ausführen sollten und von Charlotte ja auch schon mit jeweils 100.000 Dollar dafür bezahlt worden waren, leugnen, in die ganze Sache verwickelt gewesen zu sein. Charlotte steht also ziemlich alleine da. Sie weiß, dass Anstiftung zum Mord in Australien mit einer Höchststrafe von 25 Jahren geahndet werden kann, wobei meistens eine Mindeststrafe von 10 Jahren verhängt wird. Das würde bedeuten, dass Charlotte ihre kompletten Zwanziger im Gefängnis verbringen würde. Und vielleicht sogar noch einen Großteil ihrer Dreißiger. Also die Zeit, in der ihre Freunde ihre Berufe erlernen, Karriere machen, die Welt entdecken, sich verlieben und vielleicht auch eigene Familien gründen. Also erklärt sich Charlotte zu einem Deal bereit. Sie wird sich wegen des geplanten Mordanschlags für schuldig bekennen und auch gegen Steven im Drogenprozess aussagen. Dafür wird sie im Gegenzug eine verminderte Haftstrafe erhalten und es werden einige kleinere Anklagepunkte gegen sie fallen gelassen, wie zum Beispiel Drogenbesitz. Für beide Parteien ist das ein extrem guter Deal. Durch ihre uneingeschränkte Kooperation muss Charlotte letztendlich für drei Jahre und zehn Monate in Haft.
Auf der anderen Seite kommt die Polizei an wirklich viele Insider-Informationen. Denn Charlotte weiß ziemlich viel von dem, was Steven den ganzen langen Tag so getrieben hat. Und all das schreibt sie in einem Dossier nieder, das am Ende über 70 Seiten lang sein wird. Und nicht nur das. Sie führt die Polizei auch an verschiedene Orte, die Steven davor schon einmal als Drogenlabore genutzt hat und nennt auch die Namen derjenigen, die mit ihm zusammengearbeitet haben.
Das führt allerdings dazu, dass sie selbst Mordandrohungen erhält. Denn so einigen Leuten dort draußen gefällt das gar nicht, dass Charlotte mit den Behörden spricht. Es hat sich nämlich herumgesprochen, dass sie nicht nur in Stevens Fall, sondern auch in allen anderen damit zusammenhängenden Drogenprozessen als Kronzeugin auftreten wird. Das ist auch der Grund, warum Charlotte mit einer kugelsicheren Weste zu den Gerichtsverhandlungen erscheint. Die Polizei muss davon ausgehen, dass so einige kleinere Drogenproduzenten oder Dealer sie zum Schweigen bringen wollen. Zu ihrer eigenen Sicherheit wird Charlotte aus dem Frauengefängnis für kurze Zeit in ein Männergefängnis verlegt. Natürlich in Einzelhaft, sodass sie keinen Kontakt zu anderen Insassen hat. Doch die schnallen natürlich, dass eine weibliche Gefangene unter ihnen ist und rufen ihr anzügliche Sachen zu. Ein richtiger Albtraum für sie, die plötzlich jeden Tag um ihr Leben fürchten muss. In Haft fällt es ihr deutlich schwerer, gegen ihre Magersucht anzukämpfen und sie nimmt dramatisch viel ab. Es ist klar, dass sie in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen wird, sobald ihre Haftstrafe komplett abgesessen ist. Aber die muss sie erst einmal hinter sich bringen.
Charlotte bereut ihre Taten zutiefst und wünscht sich, sie könnte die Zeit zurückdrehen. Sie war blind vor Liebe und hat sich von ihren Gefühlen zu der Straftat verleiten lassen. Das sagt sie später selbst in einem Interview. In ihrem richterlichen Urteil heißt es, dass Charlotte unter einer Form von Zwang gehandelt habe, dass sie sich von Stephen habe manipulieren lassen und mit ihren 20 Jahren noch sehr jung und emotional unreif sei. Sie habe die Beziehung romantisiert und sei sich der Tragweite ihres Handelns nicht vollständig bewusst gewesen. Und Stephen? Der wird, und jetzt kommt der versprochene Plottwist, im Falle des geplanten Mordanschlags komplett freigesprochen. Ebenso wie die beiden Männer, die den Auftrag zuerst ausführen sollten, bevor Charlotte dann an den Undercover-Polizisten geraten ist. Das klingt erstmal super ungerecht, vor allem angesichts der Tatsache, dass Charlotte das ja alles nur wegen und für Steven getan hat. Aber es gibt halt einfach nicht genug Beweise, die belegen, dass Steven wirklich den Tod der zwei Zeugen von der Maschinenfabrik wollte. Er selbst hatte ja behauptet, sie einfach nur diskreditieren zu wollen, also ihren Ruf zu schädigen, um sie unglaubwürdig zu machen. Die beiden Männer zu ermorden, das sei allein Charlottes Idee gewesen. Und wo die zweifelsfreien Beweise fehlen, da gibt es eben keine Verurteilung.
Aber damit ist Steven noch lange kein freier Mann, denn er muss sich ja immer noch wegen der illegalen Produktion von Ecstasy verantworten. Sein Drogenlabor gehört mit zu den größten Laboren, die jemals in der Geschichte Australiens entdeckt wurden. Er hat das Ganze extrem professionell und kommerziell aufgezogen und damit Millionen gemacht. Die Beweislage gegen ihn ist ziemlich dicht. Da wären die beiden Männer aus der Maschinenfabrik, die zum Glück ja nicht umgebracht wurden und bestätigen können, dass Steven der Mann ist, der als John Matthews die ganzen Spezialgeräte eingekauft hat. So viele, dass er sich sogar für eine Weihnachtskarte qualifiziert hat.
Und dann wäre da ja noch die Tatsache, dass seine DNA in den Louis Vuitton-Schuhen und in der Gasmaske gefunden wurde, die ja beide im Drogenlabor sichergestellt werden konnten. Allein dieser Beweis wiegt ja schon mega schwer. Ja, und dann ist noch Charlotte, die als Kronzeugin gegen Steven aussagt. Es ist das erste Mal, dass die beiden sich nach Charlottes Festnahme in persona wiedersehen und es fällt ihr extrem schwer, gegen ihren Ex-Verlobten in den Zeugenstand zu treten. Es ist offensichtlich, dass sie noch immer Gefühle für ihn hat und bis zuletzt an der Hoffnung festgehalten hat, dass es für sie beide doch noch das lang ersehnte Happy End geben könnte. Stephen erklärt sich für schuldig und wird zu einer Haftstrafe von 16 Jahren verurteilt. Elf Jahre davon muss er absetzen. Er hat es Charlotte angeblich nie übel genommen, dass sie gegen ihn ausgesagt hat, um sich selbst zu retten. Während seiner Haft veröffentlicht er eine Biografie, die er sogar Charlotte widmet.
Am 25. Mai 2010 wird Charlotte im Alter von 25 Jahren auf Bewährung aus der Haft entlassen und direkt am nächsten Tag aus Australien abgeschoben. Ihre Eltern holen sie ab und begleiten sie dann zurück nach Schweden. Während der gesamten Zeit im Gefängnis haben Charlottes Eltern ihre Tochter jeden Tag angerufen.
Angeblich soll Charlotte auch nach ihrer Rückkehr nach Schweden noch Morddrohungen erhalten haben, da einige der Drogenprozesse, in denen sie als Kronzeugin aussagen soll, zu dem Zeitpunkt noch ausstehen. Sie wird wie geplant in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen und erhält eine neue Identität. Mit Steven hat sie zu diesem Zeitpunkt schon lange abgeschlossen. Sie hat die Chance auf ein neues Leben bekommen und sie nutzt diese Chance auch. Sieben Jahre nach ihrer Freilassung darf auch Steven das Gefängnis verlassen, im Oktober 2017, da ist er um die 50 Jahre alt. Auch er ist entschlossen, ein neues Leben zu beginnen. Ohne Charlotte und ohne kriminelle Aktivitäten. Er verliebt sich übrigens erneut in ein Model, das nur halb so alt ist wie er. Und gemeinsam mit ihr genießt er ein Leben mit luxuriösen Reisen, feinen Apartments und prickelnden Champagner-Partys.
Wow, was ist das bitte für eine verzwickte Love-Story, möchte ich jetzt mal das Ganze nennen, die hier völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Um ehrlich zu sein, habe ich wirklich tausend Fragen. Okay, starte mit der ersten. Ja, pass auf. Okay, was kommt jetzt? Also erstmal frage ich mich, wie muss das Gespräch zwischen Charlotte und ihren Eltern gewesen sein, als die nach Hause gefahren sind? Die haben die ganze Zeit ja auch miteinander davor telefoniert, aber ich glaube, das war das Größte, ich habe es jedoch gesagt, überhaupt, weil sie wollte ja überhaupt nicht auf ihre Eltern hören. Und das Zweite, was ich mich frage, Thema Zeugenschutzprogramm. Ja, das wollte ich auch gerade ansprechen. Okay, sag erst deinen Punkt. Also meine Frage, ich weiß nicht, ob das jetzt das ist, was du auch meintest.
Kommen die Eltern auch mit ins Zeugenschutzprogramm? Das habe ich mich eh gefragt und ich finde, das ist so ein spannender Punkt, weil ich davon gar keine Ahnung habe, wie läuft das eigentlich tatsächlich ab. Das Einzige, was ich darüber weiß, kommt von GZSZ, weil es da auch mal eine Person gab, ich glaube Fabian, der auch im Zeugenschutzprogramm gelandet ist. Und ich fand das damals, da war ich, keine Ahnung, Kind wahrscheinlich, als ich das geguckt habe. Ich fand das total aufregend und dachte mir so, oh mein Gott, neuer Name, alles neu, neue Identität, neuer Ort, wo man lebt. Und der ist damals nämlich dann irgendwie zurückgekommen oder so. Keine Ahnung, wie das abläuft, ehrlich gesagt. Fände ich ja mal total spannend. Also ich glaube, keiner aus der Community würde uns jetzt schreiben, so, hey, ich bin übrigens auch im Zeugenschutzprogramm und so läuft das. Aber ja, vielleicht können wir da ja mal an anderer Stelle ein bisschen ausführlicher drüber sprechen. Ich stelle es mir aber ziemlich an. Krass vor und zwar in einem negativen Sinne. Also du willst doch nicht deine ganze Identität eigentlich ändern, oder? Und musst forever dein ganzes Leben lang darauf aufpassen, was du wem erzählst. Du musst ja immer lügen, wenn es dann um deine Vergangenheit geht, oder? Wenn du neue Leute kennenlernst. Ja genau, also ich finde auch, also ich ja auch, man romantisiert voll dieses Thema Zeugenschutzprogramm so, weil ich glaube jeder so ist von wegen, boah, wie einfach komplett neues Leben anfangen, aber das heißt ja auch, keine Freunde, keine alten Freunde, keine Familie so und genau deswegen fände ich das jetzt interessant, ob die Eltern jetzt da auch irgendwie mit dabei gewesen wären.
Ich meine, wir beide haben ja One Battle After Another geguckt im Kino. Da ist ja auch eine Szene, wo jemand dann in so ein Zeugenschutzprogramm kommt. Und ich finde, da kann man so ein bisschen sehen, die Person ist da jetzt nicht so glücklich drüber. Aus anderen Gründen, wer den Film gesehen hat, versteht's. Aber du bist ja komplett abgeschieden von allem. Du musst ja komplett von neu anfangen. Und überleg mal, du musst dir alle anlügen. Ich hab's ja gerade schon gesagt, aber in meinem Kopf bin ich die Story gerade weitergesponnen. Wie krass ist das, wenn du neue Freundschaften schließt, vielleicht auch einen neuen Partner findest, der kennt ja niemals deine wahre Identität, das muss ja geheim bleiben, also wie krass ist das, dass man den anlügt, also wie kann man das durchziehen, du musst doch irgendwann über Details stolpern, du kannst ja nicht immer sagen, ja, daran erinnere ich mich nicht oder du kannst ja nicht bei allem so oberflächlich bleiben, also das stelle ich mir so krass vor. Und auf der anderen Seite geht man ja auch nicht einfach so ins Zeugenschutzprogramm. Also Charlotte hat ja sogar Morddrohungen bekommen, weil sie so...
Mutig war. Ich weiß nicht, ist das das richtige Wort, dass sie auch zu anderen Drogenprozessen eben ausgesagt hat als Kronzeugin. Und ich meine, wir dürfen, also anders, sie hat ihre Strafe abgesessen, ist jetzt eben in diesem Programm. Aber auf der anderen Seite wissen wir ja nach wie vor nicht so genau, ob sie wirklich bereit gewesen wäre, diese zwei Zeugen, ja, aus dem Leben nehmen zu lassen. Das ist ja nicht so richtig geklärt, ob sie wirklich so hart drauf war. Ja, also nochmal ganz kurz Reroy zu einem anderen Ding, was du gerade gesagt hast. Ich glaube, vielleicht geht man auch nicht mehr so intime Beziehungen ein, einfach um, wenn man im Zeugenschutzprogramm ist. Aber wir sind ja jetzt schon sehr tief reingegangen in dieses Thema. Ist ja auch ein interessantes Thema. Also ich finde, es kam schon sehr doll rüber, dass sie das schon sehr doll wollte, um ehrlich zu sein, meiner Auffassung nach. Deswegen, ich finde es hardcore hinterlässt dich von ihm dann auch, dass er sich da halt komplett aus der Affäre zieht.
Aber ja gut, also wenn du mit Drogen dein Geld verdienst und das Leben anderer Menschen zerstörst und zwar wirklich in einem riesigen Stil, habe ich da jetzt auch nicht so hohe Erwartungen an die Person, um ehrlich zu sein. Aber ich fand, es kam bei ihr schon so rüber, dass sie da wirklich sich eingesetzt hat, weil sie ja auch dieses Leben behalten will. Ja, ich habe gerade daran gedacht, ob das jetzt vielleicht ein oberflächlicher Einwurf ist, dass sie vielleicht dieses luxuriöse Leben so hart gefeiert hat, dass sie das unbedingt wieder wollte. Also, dass sie schon sehr verliebt war in Steven, aber dass sie eben auch dieses pompöse Leben so sehr gefeiert hat, dass sie das unbedingt zurück wollte, was ja irgendwie eine oberflächliche Unterstellung ist, die wir jetzt an der Stelle sagen, aber Clara kann natürlich ein Punkt sein. Plus ihr Alter, die war ja super jung, was es nicht rechtfertigt. Also auch wenn man 20 ist, da sollte einem klar sein, dass das nicht okay ist, jemanden umbringen zu lassen, nur damit dein Partner, der aber ein krimineller Drogenboss ist, aus dem Gefängnis, also hä? Nein.
Also auf jeden Fall kann ich nachvollziehen so, aber wir haben oft genug. Oft genug haben wir Fälle, wo es nur um Geld geht. Ich finde, es ist gar nicht so oberflächlich zu sagen, dass sie das Leben behalten wollte. Und dann kommt ja auch noch der Beziehungsaspekt dazu. Wir haben ja wirklich diese beiden Themen jetzt hier vermischt. Also so traurig es ist, aber ich könnte es mir gut vorstellen. Da fragt man sich ja auch, wer hat wen in den Abgrund mitgezogen? Also Charlotte war ja sehr verliebt in den.
Er wollte, dass sie für ihn natürlich aussagt. Also wer hat hier wen manipuliert? Wer wurde manipuliert? Wer war auch zu naiv? Also so dieses ganze Beziehungskonstrukt von denen, das hätte doch danach auch gar nicht mehr funktionieren können, oder? Ich weiß nicht. Also er macht ja scheinbar ganz normal weiter. Er hat ja sich jetzt auch noch eine... Jüngere Freundin geholt, aber gut. Ich denke mal, was uns beide auf jeden Fall interessieren würde, was ihr zu dem Fall sagt. Also meint ihr, sie wäre wirklich so weit gegangen? Was hattet ihr generell von diesem Fall? Was sagt ihr zu Zeugenschutzprogrammen? Also ich habe immer noch viele Fragen. Vielleicht habt ihr Antworten, keine Ahnung. Schreibt es uns gerne auf schwarze Akte auf Instagram, alles klein und zusammengeschrieben, ihr kennt es, oder auf TikTok. Und ansonsten würde ich sagen, schließen wir die Akte für diese Woche. Wir würden uns natürlich auch riesig freuen, wenn ihr uns eine kleine Bewertung dalasst. Und dann würde ich sagen, hören wir uns kommende Woche Dienstag wieder, überall wo es Podcasts gibt.
Wir sind eure Hosts, Anne Luckmann und Patrick Strohbusch. Redaktion, Silva Hanekamp und wir. Schnitt, Anne Luckmann. Intro und Trainer gesprochen von Pia Rohnersachse. Producer Falko Schulte. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios.