Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Es gibt so einige Dinge im Leben, auf die man im Alltag wohl gut und gerne verzichten könnte. Stau im Berufsverkehr, nasse Schuhe im Winter oder ein platter Fahrradreifen, wenn man es eilig hat. Oder auch ein verstopfter Abfluss. Gerade dann, wenn bei der Reinigung so ein paar Dinge wieder an die Oberfläche geholt werden, die man eigentlich nie wiedersehen wollte. Haare, Papierfetzen, undefinierbarer Schmodder. Zum Glück gibt es aber Profis wie Michael, die mit dem richtigen Werkzeug so ein Abflussrohr im Handumdrehen wieder frei bekommen und die nicht so schnell schocken kann. Michael hat schon vieles gesehen. Essensreste, Finger- und Fußnägel, hart gewordene Fettschichten, Schimmelkolonien und sogar tote Nagetiere. Doch als Michael an einem kalten Dienstagabend in die Cranley Gardens Nummer 23 gerufen wird, hätte nichts in der Welt ihn auf das vorbereiten können, was er dort im Abfluss des Wohnhauses entdeckt hat. Bei seiner Ankunft erfährt er, dass die Rohre wohl schon eine ganze Weile Probleme im Haus machen. Mit geübten Handgriffen macht er sich daran, einen Gullideckel zu öffnen, der sich an der Seite des Wohnhauses befindet.
Im besten Fall befindet sich das Problem gar nicht tief in einem der Rohre, so hofft Michael, sondern genau hier, wo alles angespült wird. Dann wäre das Thema schnell erledigt. Im Schmutzfang des Schachtes hat sich tatsächlich einiges gesammelt. Eine undefinierbare Masse, die Michael in der anbrechenden Abenddämmerung nur schwer erkennen kann. Vorsichtig zieht er dieses Etwas nach oben und sieht sofort, dass es sich nicht um das übliche Gemisch aus Haaren, Papierfetzen und Schmodder handelt. Zumindest nicht nur. Denn in der Masse befindet sich auch eine fleischähnliche Substanz und kleine zerbrochene Knochen. Als habe jemand einen Eimer Kentucky Fried Chicken runtergespült. Doch Michael hat eine dunkle Ahnung, dass es sich nicht um tierische Knochen handelt.
Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit Anne Luckmann und mit Patrick Strohbosch. Hallo! Und wir betreten heute wieder eine Stadt, in der wir schon ziemlich oft waren und euch von Verbrechen erzählt haben, die dort passiert sind, nämlich London. Genauer gesagt, das London der späten 70er Jahre. Werbung Ende Eine Stadt, die geprägt ist von wirtschaftlichen Krisen und sozialer Ungleichheit. Gleichzeitig ist aber auch eine Art Aufbruchsstimmung spürbar. Die Hoffnung auf ein besseres Leben. Viele junge Menschen aus dem Umland kommen in die Stadt, um hier Arbeit zu finden. In erster Linie sind es junge Männer, die versuchen, in der Anonymität Londons ihr Glück zu versuchen. Und feststellen müssen, dass so eine Großstadt auch ziemlich einsam sein kann. Besonders, wenn man kein Dach über dem Kopf hat. Es ist die Zeit der Iron Lady, der ersten weiblichen Premierministerin in der Downing Street, Margaret Thatcher, deren Politik das Vereinigte Königreich noch lange prägen wird. Nicht nur auf dem politischen Parkett, sondern auch im Privaten sind Themen wie Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und Immigration Gegenstand heftiger Debatten und Diskussionen. Aber auch Homosexualität ist ein gesellschaftlich umstrittenes Thema.
1967, also knapp zehn Jahre bevor sich der Fall zuträgt, von dem wir heute erzählen, wurde Homosexualität in England und Wales durch den Sexual Offenses Act teilweise entkriminalisiert. Allerdings gilt diese Regelung nur für Männer über 21 und wenn die Begegnung einvernehmlich und im privaten Raum stattfindet. Tatsächlich war es auch höchste Zeit für dieses Gesetz, denn viel zu lange wurde Homosexualität zwischen Männern im Vereinigten Königreich als Straftat angesehen. Und zwar schon seit dem Mittelalter.
Interessanterweise galt diese Regelung nie für Frauen. Doch das Gesetz kann nicht etwa wie ein Befreiungsschlag verstanden werden. Homosexuelle Männer werden trotz der neuen Regelung in den Jahrzehnten danach weiterhin gesellschaftlich stigmatisiert und diskriminiert, sowohl am Arbeitsplatz als auch im Gesundheitssystem und in vielen Familien. Besonders im öffentlichen Raum werden sie stark kontrolliert.
Polizeirazzien an bekannten Treffpunkten sind Ende der 70er Jahre keine Seltenheit, weshalb viele Homosexuelle eine Art Doppelleben führen und ihre Identität verstecken müssen. Doch es ist nicht alles nur düsterer Ernst zu der Zeit. Trotz aller Widrigkeiten entwickelt sich in London eine Art Untergrundkultur, in der immer mehr Räume zur Selbstentfaltung entstehen. Räume für Dragshows, queere Theatergruppen und Musikclubs. Wie gesagt, das Leben in London hat sich auch nach Aufbruch angefühlt. Nach Etwas verändert sich, auch wenn dieses Etwas noch klein ist. Diesen Zeitgeist spürt man auch in der Musik. Songs wie I Will Survive von Gloria Gaynor, Another Brick in the Wall von Pink Floyd oder Eye of the Tiger von Survivor laufen im Radio, in Discos und auf privaten Plattenspielern. Wer sich verabreden will, der nimmt dafür das Telefon in die Hand. Allerdings nur mit einem Festnetzanschluss oder in einer Telefonzelle. Es gibt ja noch keine Handys und auch Computer sind kaum verbreitet. Die Polizei arbeitet noch mit Karteikarten. Unsicher, ob dem technologischen Fortschritt denn getraut werden kann.
Und in all diesem Trubel im großen, anonymen London treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Dieser Mann heißt Dennis und ermordet auf eine so grausame, perfide Art und Weise, dass seine Taten sich für immer in das kollektive Gedächtnis des Vereinigten Königreichs einbrennen werden. Wer ihn sieht, würde niemals ahnen, wozu er fähig ist. Das behaupten nicht wir, sondern das sagen später viele Menschen, die ihm begegnet sind. Dennis ist ein schlanker Mann mit glatten, braunen Haaren, blasser Haut und einer schmalen Nase, auf der eine große Hornbrille sitzt. Man würde ihn am ehesten als unscheinbar beschreiben können. Von außen sieht man nicht, dass es einen Teil in ihm gibt, der sich nach dem Tod sehnt, der abends vor dem Fernseher keinen Freund neben sich auf dem Sofa sitzen hat, sondern eine Leiche.
Dennis wurde im November 1945 geboren, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Sein Vater ist für ihn quasi non-existent. Die Ehe seiner Eltern gibt es nur auf dem Papier. Als Dennis noch ein Baby ist, zieht seine Mutter mit ihm und seinen beiden Geschwistern aufs Land zu den Großeltern. Sie helfen ihr nicht nur dabei, die Scheidung einzureichen, sondern auch die Kinder großzuziehen. Besonders zu seinem Großvater hat er ein sehr inniges Verhältnis. Er ist für Dennis wie eine Vaterfigur, die es in seinem Leben nie gegeben hat. Und Dennis liebt ihn sehr. Umso größer ist der Schock, als sein Großvater plötzlich stirbt. Er erleidet einen Herzinfarkt, während er mit dem Boot draußen beim Fischfang ist. Dennis ist zu diesem Zeitpunkt gerade mal sechs Jahre alt, aber er will unbedingt den Leichnam sehen, um sich zu verabschieden. Später wird er diese erste Begegnung mit dem Tod als einen der prägendsten Momente seiner Kindheit bezeichnen. Es ist der Moment, in dem Leben und Tod in seiner Vorstellung für immer miteinander verschwimmen.
Dennis zieht sich von dem Zeitpunkt an immer mehr zurück. Als seine Mutter wieder heiratet und mit ihrem neuen Mann vier weitere Kinder bekommt, fühlt es sich für Dennis an, als würde er seinen Platz in der Familie verlieren. Niemand scheint zu sehen, wie es ihm in seiner Einsamkeit wirklich geht. Alles wird für Dennis noch viel komplizierter, als er in seinen Jugendjahren herausfindet, dass er homosexuell ist. Wir haben es ja gerade schon mal kurz angeschnitten. Die Moralvorschriften der Gesellschaft und vor allem auch von der Kirche sind damals so stark, dass Dennis seine sexuelle Orientierung geheim halten muss. Der erwachsene Dennis wird später all seine Taten niederschreiben und Tonbänder dazu aufnehmen. Ausschnitte aus diesen Tonbändern werden zum Beispiel in der Netflix-Doku Memoiren eines Mörders gezeigt.
An einer Stelle beschreibt er sein Erleben als Homosexueller mit den folgenden Worten. Ich war zu einer lebenslangen Strafe verurteilt für etwas, das die Natur erschaffen hatte. Kein Wunder also, dass Dennis sich in seinem Zuhause auf dem Land zunehmend eingeengt fühlt. Hier kann er nicht sein, wer er ist. Und so tritt er im Alter von 14 Jahren in die Armee ein, um seinem alten Leben ein für allemal zu entfliehen.
Während seiner Zeit beim Militär wird er zum Koch und Schlachter ausgebildet und ist auch einige Zeit in Deutschland stationiert. Und zwar in der niedersächsischen Stadt Osnabrück. Der Alkohol hilft ihm, seine Schüchternheit zu überwinden und zum ersten Mal ein Gefühl von Kameradschaft und Freundschaft zu erleben. Während seines Aufenthalts in Deutschland wacht Dennis eines Morgens plötzlich im Zimmer eines deutschen Jugendlichen auf, während der noch neben ihm schläft. Er betrachtet den Jungen und lässt seinen gedankenfreien Lauf, was man alles mit einem passiven, bewusstlosen oder gar toten Menschen anstellen könnte. Wir gehen hier nicht näher ins Detail. Ich bin sicher, ihr wisst, worauf wir hinaus wollen. Nicht umsonst haben wir Nekrophilie als Content-Hinweis in die Schaunouts geschrieben. Im Online-Lexikon für Psychologie und Pädagogik heißt es dazu, Zitat, Die Nekrophilie bezeichnet ein abweichendes menschliches Sexualverhalten, das vorwiegend bei Männern aufzufinden ist. Dabei wird der Tod in Form von Leichnamen, leblosen Körperteilen oder anderen damit assoziierten Gegenständen als Objekt zur sexuellen Befriedigung genutzt.
In Deutschland ist die Störung der Totenruhe strafbar. In England und Wales sieht das ein bisschen anders aus. Dort gibt es derzeit keinen ausdrücklich und ausreichend formulierten Straftatbestand zu dem Vergehen der Leichenschändung. Das klingt erstmal merkwürdig, ist aber schnell zu erklären. In Deutschland ist das Strafrecht genau im Gesetzbuch festgelegt. Jede Straftat muss ausdrücklich definiert sein. In England und Wales dagegen basiert das Recht auf sogenannten Common Law Entscheidungen, also auf in der Vergangenheit beschlossenen Gerichtsurteilen. Das heißt, wenn ein Gericht einmal entschieden hat, dass ein bestimmtes Verhalten strafbar ist, dann gilt das als bindendes Beispiel für ähnliche Fälle in der Zukunft. Dieses Rechtssystem ist so natürlich viel flexibler, aber auch anfälliger für Rechtslücken, vor allem bei neuen oder seltenen Tatbeständen, wie der Schändung einer Leiche. Es gibt zwar alte Common Law-Vergehen wie öffentliche Belästigung oder Verstoß gegen die öffentliche Anständigkeit, die manchmal herangezogen werden, aber die passen eben auch nicht immer zu allen Fällen. Aber zurück zu Dennis. Dennis beschreibt seine Jahre bei der Armee als die beste Zeit seines Lebens. Es sind Jahre, die ihn maßgeblich in seiner Entwicklung zum Serienmörder prägen. In Osnabrück zum Beispiel hat er zum ersten Mal in seinem Leben ein eigenes Zimmer.
Er nutzt die Gelegenheit, zieht sich in ungestörten Momenten aus und bestäubt sich mit einem weißen Puder. Dann betrachtet er sich im Spiegel und stellt sich dabei vor, er sei eine Leiche. Während seiner Zeit beim Militär hat er auch seine erste sexuelle Begegnung mit einer Frau, beschreibt diese jedoch als überbewertet und deprimierend. Elf Jahre ist er bei der Armee, bis er in den Polizeidienst wechselt. Der angehende Serienmörder beginnt eine Ausbildung bei der Metropolitan Police in London, bricht sie jedoch nach ein paar Monaten wieder ab, weil er sich dort fehl am Platz fühlt. Zu dem Zeitpunkt ist er Mitte 20. Er wechselt nach einigem Hin und Her zum Arbeitsamt und erarbeitet sich dort einen guten Ruf als stiller und fleißiger Sachbearbeiter. Niemand dort ahnt, welche Fantasien sich im Kopf des neuen Kollegen abspielen. Dennis nutzt zwar die Anonymität der Großstadt und trifft sich regelmäßig mit anderen Männern, doch all das reicht ihm schon bald nicht mehr. Er will, dass die Bilder an seinem Kopf Realität werden. Im November 1975, da ist er mittlerweile 30 Jahre alt, da sieht Dennis, wie ein 20-Jähriger namens David vor einem Pub von zwei Männern bedroht wird. Dennis greift ein und nimmt David mit zu sich nach Hause. Die beiden verstehen sich so gut, dass sie sogar beschließen, zusammenzuziehen.
Was als heimliche Beziehung beginnt, entwickelt sich innerhalb eines Jahres zu einem gereizten und von Streit geprägten Nebeneinander herleben. Schließlich zieht David nach zwei gemeinsamen Jahren aus der Wohnung aus und Dennis bleibt allein zurück mit einem gebrochenen Herzen und Alkohol als seinem einzigen Begleiter. Zwar hat er immer mal wieder Affären, doch die halten nie länger als ein paar Wochen. Dennis ist einsam und frustriert. Er schwört sich, dass ihn nie wieder ein Mann verlassen soll. Etwa ein Jahr nach Davids Auszug, am 30. Dezember 1978, da lernt Dennis in einer Kneipe den 14-jährigen Stephen kennen. Dennis selbst ist zu der Zeit 33 Jahre alt, also mehr als doppelt so alt wie Stephen. Es ist der Tag vor Silvester und Stephen hatte gerade vergeblich versucht, in der Kneipe Alkohol zu kaufen. Dennis lockte ihn mit dem Versprechen auf Drinks zu sich nach Hause. Beide schlafen dort im Rausch ein. Es ist ein bisschen wie ein Déjà-vu, damals, als Dennis mit dem Militär in Deutschland war. Er wacht auf und sieht den noch schlafenden Steven neben sich liegen. Aus Angst, er könne wieder gehen, nimmt Dennis eine Krawatte und erwürgt den 14-Jährigen. Um sicherzugehen, dass er wirklich tot ist, ertränkt er ihn in einem Wassereimer, wäscht den Leichnam anschließend und nimmt ihn mit in sein Bett.
In Dennis' Wohnung gibt es ein paar lose Dielenbretter und dort versteckt er Stevens Leiche kurzerhand, bis er sich überlegt hat, wie es weitergehen soll. Er holt die Leiche immer wieder hervor und setzt sie wohl neben sich aufs Sofa, um gemeinsam mit ihr fernzuschauen. Erst mehrere Monate später wird er die Leiche in seinem Garten verbrennen. Knapp zehn Monate später, im Oktober 1979, lernt Dennis den chinesischen und noch nicht volljährigen Austauschschüler Andrew kennen.
Schnell finden die beiden Männer heraus, dass sie ein gemeinsames Interesse haben. Bondage, also Fesselspiele. Und so verabreden sie sich zu einem Treffen, bei dem Dennis sich aber nicht an die vereinbarten Regeln hält. Er versucht, Andrew zu erwürgen, doch der kann fliehen. Er meldet den Vorfall bei der Polizei, aber die leitet keine Ermittlungen ein. Dennis behauptet nämlich, Andrew habe versucht, ihn auszurauben. Die Polizei glaubt ihm. Und Andrew verzichtet darauf, weitere Rechtsmittel einzulegen. Und das hat einen guten Grund. Immerhin ist er noch keine 21 Jahre alt, weshalb er rein rechtlich keine sexuellen Kontakte zu anderen Männern haben darf. Wir hatten das zu Beginn der Folge ja schon mal erwähnt.
Homosexualität wurde in den 60ern ja nur teilweise entkriminalisiert. Und eben nur für Männer über 21. Zwei Jahre Haft drohen Andrew, wenn die Behörden von dem Bondage-Treffen mit Dennis erfahren. Und ganz abgesehen davon ist es nochmal eine komplett andere Geschichte, im Ausland eine Anklage zu erheben, wo man mit dem juristischen System vielleicht nicht so vertraut ist wie zu Hause. Andrew kommt ja aus China, das heißt Englisch ist auch gar nicht seine Muttersprache. Keine zwei Monate später macht Dennis wieder eine neue Bekanntschaft in einer Kneipe. Man merkt schon, wie sich langsam ein Schema herauskristallisiert.
Dennis scheint genau zu wissen, wen er ansprechen muss und wessen Verschwinden nicht so schnell auffallen wird. Dieses Mal trifft es den 23-jährigen Studenten Kenneth aus Kanada.
Dennis bietet ihm an, ihm die Stadt zu zeigen und lädt ihn anschließend auf ein paar Drinks in seine Wohnung ein. Dort erdrosselt er Kenneth mit dem Kabel seiner Kopfhörer. Daraufhin schenkt er sich noch ein Glas Rum ein, stellt sich einen schönen Song über die Kopfhörer an und lauscht der Musik, wie er es später selbst berichten wird. Am nächsten Tag organisiert er sich eine Polaroid-Kamera und fotografiert die Leiche in den verschiedensten Positionen. Er verstaut den Körper neben Stevens, also dem ersten Jungen, den er ermordet hat, unter den losen Dielenbrettern. Auch diese Leiche holt er in den folgenden zwei Wochen immer wieder hervor, setzt sie in einen Sessel, sieht mit ihr fern und genehmigt sich das ein oder andere Gläschen dabei. Parallel dazu wird Dennis bei seiner Arbeit im Jobcenter zum stellvertretenden Geschäftsleiter ernannt. Und so geht es weiter. Sein nächstes Opfer ist Martin, ein obdachloser 16-Jähriger, dem Dennis im Mai 1980 am Bahnhof begegnet. Seit seinem letzten Mord sind ungefähr fünf Monate vergangen. Er erwirkt den ahnungslosen Martin, ertränkt ihn anschließend in der Spüle seiner Küche und geht dann mit der Leiche baden. Etwa drei Monate später lockt er den 27-jährigen William zu sich, der von seiner Frau wegen seines Drogenkonsums aus dem Haus geschmissen worden ist. William hat ein Kind und arbeitet gelegentlich als Prostituierter.
Dennis erwürgt ihn und versteckt seine Leiche ebenso wie Martins unter den Dielenbrettern. Nicht alle Männer, die Dennis zu sich in die Wohnung einlädt und dort ermordet, sind namentlich bekannt. Bis Ende 1981 soll er in der Wohnung zwölf Menschen getötet haben und die Polizei ist immer noch nicht auf ihn aufmerksam geworden, obwohl wir hier über eine Zeitspanne von nur drei Jahren reden.
Das liegt wohl maßgeblich daran, dass viele der Männer einsam, häufig obdachlos und isoliert von der Gesellschaft leben. Viele freuen sich einfach, mal wieder ein Dach über dem Kopf zu haben und was Warmes im Magen. An all diesen Männern führt Dennis seine perversen Rituale durch, die weit darüber hinausgehen, mit ihnen fernzusehen, zu baden oder sie zu sich ins Bett zu legen. Es ist wie ein Theater des Todes, das er spielt, mit den Leichen als Requisiten und seiner Fantasie als Kulisse. Aber das sind Bilder, die man einfach nicht im Kopf haben will. Je mehr Menschen er tötet, desto enger wird es unter dem Dielenboden. Für die Leiche des 23-jährigen Waisen Malcolm hat er keinen Platz mehr unter den Bodenbrettern und muss sie in den Schrank unter seiner Spüle stopfen, wo man normalerweise Putzmittel und Spülmaschinentabs und so weiter aufbewahrt. Je mehr Leichen er sammelt, desto extremer wird auch der Gestank nach Verwesung, der langsam aber sicher bis in die letzten Winkel der Wohnung kriecht. Etwas, das verwest, riecht stark süßlich und faulig. Viele Menschen vergleichen den Geruch mit einer Mischung aus verrottetem Fleisch, verdorbenen Eiern, altem Blut oder offenem Abfluss. Also definitiv ein Geruch, den man nicht einfach so ignorieren kann. Ebenso wenig wie die ganzen Maden und Fliegen, die sich auf den Leichen tümmeln.
Dennis versucht, den Gestank mit Deo und Insektiziden zu überdecken, Aber das klappt natürlich nicht so gut. Also braucht er einen Plan, wie er die alten, verwesenen Leichen entsorgen kann. Nur die neuen wird er behalten.
Er zerlegt die Leichen in kleine Teile und verbrennt sie auf einem Feuer in dem Garten hinter seiner Wohnung. Dennis lebt in einem Mehrfamilienhaus. Das heißt, er muss davon ausgehen, dass die Nachbarn etwas von dem Feuer mitbekommen. Um den Geruch der verbrannten Leichenteile zu überdecken, legt er noch einen Autoreifen mit auf das Feuer. Der Gestank von verbranntem Gummi überdeckt alles. Die Nachbarn gehen davon aus, dass Dennis einfach nur Müll verbrennt. Niemand von ihnen hat eine Ahnung, was er in seiner Wohnung wirklich treibt, weil auch niemand ihn dort besuchen kommt. Die Knochenteile, die das Feuer überstehen, sammelt Dennis ein, zertrümmert sie und vergräbt sie im Garten. Dieses Vorgehen funktioniert leider ziemlich gut, doch dann kommt alles anders als gedacht. Denn sein Vermieter will die Wohnung renovieren und bittet Dennis, im Sommer 1981 auszuziehen. Aus offensichtlichen Gründen ist der erstmal wenig begeistert von dem Vorschlag, doch lenkt schließlich ein, als sein Vermieter ihm 1000 Pfund für seinen Auszug anbietet. Das ist nicht gerade wenig Geld. Umgerechnet ist die Summe heute ungefähr 6.500 Euro wert, wenn man die Inflation mit einrechnet.
Die neue Wohnung, die er bezieht, hat allerdings keinen Außenbereich. Deshalb muss Dennis sich einen neuen Plan überlegen, wenn er seine Mordserie fortsetzen will. Er wird die Leichen einfach wie gewohnt zerkleinern und dann die Teile in der Toilette runterspülen. In der Kanalisation wird schon niemand die Leichen entdecken, vor allem, da sie ja sowieso verfaulen und sich zersetzen. So zumindest Dennis' Logik. Drei weitere Männer wird Dennis in der neuen Wohnung töten. Im März 1982, also etwa ein Jahr nach seinem Umzug, ermordet er den 23-jährigen John nach einem gemeinsamen Fernsehabend. Er zerlegt die Leiche in unterschiedlich große Teile, spült die kleineren wie geplant die Toilette herunter und entsorgt die größeren im Müll. Zwei Monate später, im Mai 82, lernt er den 21-jährigen Karl in einer Bar kennen und lädt ihn ebenfalls zu sich ein. Doch dieses Mal ist etwas anders, denn in der Nacht, während Karl schläft, wirkt Dennis ihn zur Bewusstlosigkeit. Karl wacht auf, als ihm kalt ist und muss feststellen, dass er in einer Badewanne mit kaltem Wasser liegt.
Dennis kniet neben ihm und drückt seinen Kopf immer wieder unter Wasser. Karl versucht sich zu wehren, doch hat schon bald keine Kraft mehr. Das Wasser dringt in seine Lunge und er weiß, dass er stirbt. Doch er überlebt und zwar, weil Dennis ihn reanimiert. Und das ist wirklich erstaunlich, da er davor ja schon wirklich viele Menschen umgebracht hat.
In seinen Memoiren schreibt Dennis dazu, dass ihm die Wiederbelebung das Gefühl gegeben habe, tatsächlich auch mal ein Leben gerettet zu haben. Dieser Erfolg habe ihn sehr gefreut. Karl hatte also wahnsinniges Glück und ist mit dem Leben davongekommen. Er meldet den Vorfall bei der Polizei, doch dort wird er nicht ernst genommen.
Homophobie ist Anfang der 80er Jahre ja ein großes Problem. Nicht nur im privaten Raum, sondern auch im öffentlichen und auch bei der Polizei. Karl wird als Drama-Queen abgestempelt und sogar beschimpft und Dennis kommt wieder einmal ungeschoren davon. Obwohl er selbst unter der weitverbreiteten Homophobie leidet, rettet sie ihn auch vor einer Strafverfolgung. Später findet man heraus, dass es insgesamt fünf Männer gibt, die versucht haben, Anzeige gegen Dennis zu erstatten und alle auf dieselbe Weise abgewiesen wurden. Hätte die Polizei diese Männer ernst genommen, angefangen mit dem chinesischen Austauschschüler Andrew 1979, hätten vermutlich viele Leben gerettet werden können. Doch stattdessen macht Dennis einfach weiter.
Ein, zwei Monate nach dem Vorfall mit Carl, da lädt er den 27-jährigen Graham zu sich ein, tötet ihn und zerstückelt seine Leiche auf dem Küchenboden. Unter anderem sind es Grahams Leichenteile, die später den Abfluss im Wohnhaus verstopfen werden. Kurz zur zeitlichen Einordnung. Graham wird im September 1982 ermordet und knapp fünf Monate später, am 8. Februar 1983, wird die Verstopfung im Gully entdeckt. Das heißt, es sind nur noch wenige Monate, bis es richtig eng für Dennis wird. Doch bis dahin ist er nicht zu stoppen. Im Januar 1983, also vier Monate nach seinem letzten Mord und einen Monat vor seiner Entdeckung, schlägt Dennis wieder zu. Der Mann heißt Steven und ist 20 Jahre alt. Dennis erwürgt ihn mit einem Seil, während Steven schläft, und legt dessen Leiche anschließend in sein Bett. Danach geht er mit dem Körper ähnlich vor, wie er es bei den anderen gemacht hat. Wir wollen jetzt nicht im Detail darauf eingehen, wie genau er die Leichen zerkleinert, aber wir müssen sagen, weil das später noch wichtig wird, dass ein Kochtopf involviert ist.
Und damit wären wir wieder an dem Punkt angelangt, an dem wir die Folge begonnen haben. Mit dem Sanitärmonteur Michael, der am 8. Februar 1983 ein Gemisch aus Haaren, Papierfetzen, Knochen und einer undefinierbaren Masse aus dem Auffangsieb zieht und weiß, dass hier etwas nicht stimmt.
Dennis steht, ebenso wie einige andere Nachbarn, daneben und schaut sich das Ganze an. Er macht sogar noch einen Scherz, vielleicht aber auch in dem Versuch, die Wahrheit zu vertuschen. Er sagt, es sähe aus, als habe jemand einen Eimer mit Kentucky Fried Chicken heruntergespült. Da die anbrechende Dämmerung es für Michael unmöglich macht, viel zu erkennen, beschließt er, am nächsten Morgen wiederzukommen und sich das Ganze bei Tageslicht anzuschauen. Doch als er am nächsten Tag den Gullideckel anhebt, da muss er feststellen, dass jemand die ganze Masse bereits entfernt hat. Das Rohr, aus dem die Knochen gekommen sein müssen, ist leer. Gemeinsam mit seinem Kollegen öffnet Michael kurzerhand noch weitere Rohre, die aus dem Haus in die Kanalisation führen. Und siehe da, die fleischige Masse wurde auch noch durch andere Rohre gespült. Michael zögert keinen Augenblick und ruft die Polizei, die sofort zur Stelle ist und alle Beweise sichert. Tatsächlich kann Michael auch genau zuordnen, zu welcher Wohnung die verdächtigen Rohre gehören.
Zu der im obersten Stockwerk. Genau die, in der Dennis wohnt. Als Dennis an diesem 9. Februar 1983, wie gewohnt 17.30 Uhr, von seiner Arbeit im Jobcenter nach Hause kommt, muss er feststellen, dass die Polizei schon vor der Haustür auf ihn wartet. Die Beamten begleiten ihn in seine Wohnung. Und Dennis lässt das einfach geschehen, ohne sich zur Wehr zu setzen. Er weiß ja, dass ihn das alles nur noch verdächtiger machen würde.
Das Problem ist nur, in seiner Wohnung riecht ja alles nach Leichen. Er hat in seinem Schrank zwei Müllsäcke mit Körperteilen gelagert und auch an anderen Orten in der Wohnung versteckt. Dieser Gestank schlägt der Polizei nun wie eine Faust ins Gesicht entgegen, als Dennis die Tür öffnet und ihm die Beamten hineinfolgen. Dennis macht sich nicht einmal die Mühe, eine Ausrede für den Geruch zu finden. Auf Nachfrage der Polizei zeigt er ihnen die beiden Müllsäcke im Schrank und wird umgehend wegen Mordverdachts festgenommen. Die Beamten gehen zu dem Zeitpunkt noch davon aus, dass es sich nur um eine Leiche handelt. Noch hat niemand eine Ahnung von dem wahren Ausmaß des Verbrechens. Auf dem Weg zur Polizeistation fragt man Dennis, ob er nur einen oder noch einen weiteren Menschen getötet habe. Und Dennis antwortet in aller Seelenruhe 15 oder 16. Seit 1978. Eine Szene, die die anwesenden Beamten wohl niemals wieder vergessen werden. Fünf Jahre lang hat Dennis unbemerkt gemordet. Dennis verspricht, auf der Wache alles zu erzählen. Und das tut er auch. Fast wirkt es, als sei er froh, sein großes Geheimnis endlich mit jemandem teilen zu können.
Auf den Tonbandaufnahmen, die er später im Gefängnis machen wird, da sagt er dazu, die Vorstellung langer Befragung ermüdete mich. Ich glaube ja, kein anderer britischer Mörder war bei der Konfrontation seiner Verbrechen jemals so offen wie ich. Parallel zu Dennis' Geständnis macht sich die Polizei nun daran, in seiner aktuellen und auch in der alten Wohnung nach Beweisen zu suchen, die seine Aussagen belegen. Bei einer ziemlich aufwendigen Umgrabeaktion im gefrorenen Boden von Dennis' ehemaligem Garten, da können die Beamten tausende von winzig kleinen Knochenfragmenten sicherstellen. Insgesamt finden sie Überreste von sechs verschiedenen Leichen, womit schon einmal diese Morde nachgewiesen werden können. Dazu kommen noch die Mordversuche. Die Polizei versucht all diejenigen, die Dennis' Angriff überlebt haben, in den Zeugenstand zu rufen. Doch das bedeutet für die Betroffenen eine riesige Überwindung, da es für sie gleichzeitig auch ein Outing wäre. Die Presse hat natürlich auch längst Wind von der ganzen Sache bekommen und berichtet über alles und jeden, der irgendwie etwas mit dem Fall zu tun hat. Homophobie ist nach wie vor ein riesiges Problem und wer sich outet, riskiert auch schnell mal seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Oder Schlimmeres.
In der Netflix-Doku Memoiren eines Mörders, da erzählt Karl, einer der Überlebenden, wie hin- und hergerissen er war, ob er sich den Schritt an die Öffentlichkeit trauen soll. Er ist derjenige, der nach einer gemeinsamen Nacht mit Dennis in dessen Badewanne aufgewacht ist und am Ende von ihm wiederbelebt wurde. Auf der anderen Seite gibt es nur diesen einen Weg, um Dennis für seine Taten zur Rechenschaft zu ziehen. Es ist nur mehr als unfair, dass es für die Betroffenen wie Karl ein so großes persönliches Opfer erfordert. Aber Karl traut sich und sagt aus. Dennis wird wegen sechsfachen Mordes und zweifachen Mordversuchs angeklagt. Obwohl er ja selbst gestanden hat, deutlich mehr Menschen getötet zu haben, kann man ihm diese Taten eben nur in diesen sechs Fällen nachweisen. Rein juristisch ist es nicht auszuschließen, dass die anderen neun oder zehn Morde Dennis' Fantasie entspringen. Das Gesetz ist klar. Ohne Beweise, keine Verurteilung. Da Dennis so offen in den Verhören von sich und seinen Taten erzählt, hat die Polizei auch schnell einen Eindruck von seinem Motiv. Er hat diese Männer getötet, um sie für immer bei sich zu behalten. Er hat es nicht ausgehalten, noch einmal von einem Menschen verlassen zu werden, nachdem erst sein Großvater und dann sein Mitbewohner, der ihm offenbar einiges bedeutet hat, aus seinem Leben verschwunden sind.
Von all seinen Opfern erinnert sich Dennis nur an etwa vier Namen, was ganz schön wenig ist in Anbetracht der Tatsache, dass er nach dem Mord mit den Leichen teilweise wie in einer WG gelebt hat. Er hat sie sogar rasiert, Totenflecken mit Make-up kaschiert, ihnen seine Klamotten angezogen und sich mit ihnen unterhalten. Für ihn besaß der tote Körper eine ganz eigene Schönheit, erklärt er der Polizei.
Die Polizei versucht natürlich in den folgenden Jahren, auch die anderen Opfer zu identifizieren, doch das ist quasi unmöglich. Von all den betroffenen Männern wurde nur einer als vermisst gemeldet und nur nach ihm wurde auch gesucht. Alle anderen sind in der Anonymität und Isolation der Großstadt verloren gegangen. Viele hatten kein soziales Netz, keine Menschen, die ihre Abwesenheit bemerkt haben und der Sache auf den Grund gegangen sind. Oder es gab diese Menschen, doch die haben sich dann vielleicht nicht getraut, aus Sorge, was das für ihr persönliches Leben bedeuten würde. Als die Mordserie ans Licht kommt, sind natürlich alle geschockt, wie es passieren kann, dass 15 Menschen aus London einfach so verschwinden und niemand es merkt. Und das ist die traurige Antwort auf diese Frage.
Isolation, Armut, gesellschaftliche Ausgrenzung, Homophobie. Nur drei seiner Opfer hatten zum Zeitpunkt ihres Todes eine feste Wohnadresse. Bei seinem Geständnis zeigt Dennis keinerlei Reue. Im Gegenteil, er scheint erpicht darauf zu sein, der Polizei beim Sammeln von Beweisen gegen ihn selbst zu helfen. Er führt sie sogar in seine alte Wohnung, um dort vor Ort zu zeigen, wie er die Leichen entsorgt hat. Während er auf seinen Prozess wartet, schreibt er seine Erinnerungen in über 50 Notizbüchern auf, um die Staatsanwaltschaft bei der Anklage zu unterstützen. Später wird er diese Erinnerung auch in Form einer Autobiografie für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Das Buch heißt History of a Drowning Boy, auf Deutsch die Geschichte eines ertrinkenden Jungen, und scheint sich tatsächlich recht gut zu verkaufen. Bei Amazon hat es über 600 Bewertungen und insgesamt 4,5 Sterne.
Dennis schreibt nicht nur alles für die Staatsanwaltschaft auf, sondern malt sogar Skizzen davon, was er mit den Leichen gemacht hat. Er macht das entgegen des Rates seines Anwalts, doch er hat längst einen Plan. Er wird vor Gericht auf verminderte Schuldfähigkeit plädieren. Je mehr perfide Details er verrät, desto eher wird die Jury ihm glauben, dass er psychisch gestört und nicht zurechnungsfähig ist. Am 24. Oktober 1983 beginnt der Prozess gegen ihn. Dennis plädiert auf nicht schuldig. Zu großen Überraschungen aller. Die Anklage stützt sich in erster Linie auf die ganzen Vernehmungsprotokolle und die Aussagen von drei Überlebenden, die den Mut aufbringen, vor Gericht in den Zeugenstand zu treten. Neben Carl, das ist der Mann, der in der Badewanne aufgewacht ist, sind auch noch Douglas und Paul da. Über die beiden haben wir bisher noch gar nichts in der Folge erzählt, doch es ist sehr wichtig, auch ihre Namen zu nennen, um ihrem Mut Respekt zu zollen.
Douglas konnte entkommen, als Dennis ihn im November 1980 mit einer Krawatte erwürgen wollte. Also etwa ein Jahr, nachdem er im Jobcenter zum stellvertretenden Geschäftsleiter befördert wurde. Schätzungsweise hat Dennis 1980 insgesamt sechs Menschen getötet, aber Douglas ist keiner von ihnen. Paul konnte dem Mordversuch etwa ein Jahr später entkommen. Auch ihm gelang es sich zu wehren, als Dennis ihn im Schlaf strangulieren wollte. Er war damals erst 19 Jahre alt, also auch unter dem damals legalen Alter für homosexuelle Beziehungen.
Diese drei Männer teilen ihre Geschichten nun mit dem Gericht und belegen damit, dass Dennis sehr wohl gewusst hat, was er tat, und dass seine Taten keine Folge von mangelnder Impulskontrolle durch eine psychische Krankheit sind. Ihre Aussagen werden untermauert von physischen Beweisen wie Tatortfotos, einem Schneidebrett und dem Kochtopf, den Dennis zur Beseitigung der Leichen genutzt hat.
Insgesamt kann man wohl sagen, dass das ein wirklich heftiger Prozess für alle Beteiligten ist, die sich die ganzen Details ansehen und anhören müssen. Die Verteidigung versucht, Dennis' Schuldunfähigkeit mithilfe von zwei Psychiatern zu belegen, die viel über seine schwierige Kindheit sprechen. Doch es gibt natürlich auch einen Gegengutachter von der Anklage, der betont, dass Dennis voll verantwortlich für seine Taten ist. Oder, wie der Richter es vor der Entscheidung zur Jury sagt, ein Geist kann böse sein, ohne psychisch krank zu sein. Denn es selbst sagt, er sei in eine Art Mordtrance gefallen und habe nicht aufhören können, obwohl er es gerne gewollt habe. Nur in wenigen Fällen habe er sich aus dieser Trance lösen können. Das seien eben die Fälle, in denen die Männer überlebt haben. Nachdem wir uns jetzt mit dem Fall beschäftigt haben, könnte man denken, dass das Urteil eigentlich ziemlich eindeutig ist. Aber das sieht die Jury damals nicht so. Auch nach einem langen Beratungsprozess können die Mitglieder keinen Konsens finden. und so wird am Tag darauf im Mehrheitsverfahren entschieden. Dennis wird in allen sechs Mordfällen und den beiden Mordversuchen für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt, ohne Aussicht auf Entlassung. Zu diesem Zeitpunkt ist er 38 Jahre alt. Er geht nicht in Revision oder Berufung, sondern akzeptiert die Einschätzung des Gerichts.
Noch im selben Jahr seiner Verurteilung wird er von einem Mithäftling mit einem Rasiermesser so schwer im Gesicht und an der Brust verletzt, dass 89 Stiche notwendig sind, um alle Wunden zu nähen. Daraufhin wird er in ein anderes Gefängnis verlegt, wo er sich mit einem anderen Häftling ein Business aufbaut. Sie kochen und verkaufen Currys, um sich etwas Geld zusätzlich dazu zu verdienen. Dennis ist ja gelernter Koch. Er hat während seiner Zeit bei der Armee die Ausbildung gemacht. Und jetzt passt auf, einige der Utensilien, die Dennis und sein Kollege 1985 zum Kochen benutzt haben, sind raus aus dem Gefängnis und in privaten Besitz gelangt und wurden daraufhin im Internet zum Kauf angeboten.
Zwei große Kochtöpfe, eine Bratpfanne, in der sich sogar noch jahrealte Essensreste befinden, und ein Hölz einer Pfannenwender. Wenn man bedenkt, was Dennis schon alles so in seinem Leben gekocht hat, dann ist das irgendwie besonders makaber. Aber anscheinend gibt es Leute, die sowas kaufen und auch viel Geld dafür hinblättern. Die Kochutensilien werden für 300 Pfund angeboten, also umgerechnet etwa 350 Euro. Tatsächlich stößt man bei einer schnellen Google-Suche sofort auf unterschiedliche, in sehr dicken Anführungsstrichen, Fanshops, wo solche True-Crime-Artefakte angeboten werden. Ein getippter Brief von Dennis mit einer Originalunterschrift von ihm kostet 285 Dollar. Ein kleines Plastiktütchen mit Erde aus dem Garten, in dem er die Knochenreste vergraben hat, kostet 20 Dollar. Es gibt auch richtige Merch-Seiten, wo man sich bedruckte T-Shirts kaufen kann, mit Bildern von Serienmördern drauf. Den Rest seines Lebens verbringt Dennis hinter Gittern. Er stirbt dort nach ungefähr 35 Jahren in Haft, am 12. Mai 2018, und zwar an einem geplatzten Bauchaortenaneurysma. Die Hauptschlagader in seinem Bauch ist geplatzt. Da läuft dann sehr viel Blut in den Bauch und das ist mit extrem krassen Schmerzen verbunden. Dennis wird 72 Jahre alt.
2021 wird seine 400 Seiten lange Autobiografie veröffentlicht, an der er im Gefängnis gearbeitet hat. Zu diesem Zeitpunkt ist Dennis schon drei Jahre tot, doch seine Geschichte bleibt leider unvergessen. Einige Gegenstände aus seinem Leben sind auch im New Scotland Yards Crime Museum ausgestellt und es gibt auch jede Menge Dokus und Filme über den Fall.
Bis heute sind noch immer nicht alle Identitäten seiner Opfer bekannt. Andere wurden erst viele Jahre später identifiziert. Steven zum Beispiel, der 14-jährige Junge, der Dennis als erstes zum Opfer gefallen ist. Er war in einer Bar zum Tanzen, so wie er es jede Woche getan hat, und ist danach nicht wieder nach Hause gekommen. Seine Familie hat nach ihm gesucht, aber vergebens. Die Polizei hat nicht ermittelt, weil sie Steven fälschlicherweise für einen Ausreißer gehalten haben. Sie sind davon ausgegangen, dass er schon wieder von selbst zurück nach Hause kommen würde. Erst 28 Jahre später, als die Polizei den Fall noch einmal öffnet, um noch einmal einen Versuch zu starten, weitere Opfer zu identifizieren, erfährt Stevens Familie, was mit dem 14-Jährigen damals geschehen ist. In einigen Fällen also konnte die Polizei auch Jahrzehnte später noch für Aufklärung sorgen. In anderen nicht. Oder, um es etwas positiver zu formulieren, vielleicht ja noch nicht. Wer weiß, welche ungeahnten Möglichkeiten die Technik noch alles mit sich bringt.
Also wir hatten in letzter Zeit ja wirklich häufig britische Fälle. Ich muss sagen, die sind aber auch unglaublich düster, unglaublich abscheulich auch besonders in diesem Fall hier. Ich kann mir das nicht erklären. Ja, wir haben ja auch extra die Details hier rausgelassen und nur so viel erwähnt, wie es halt wichtig war, um die Geschichte bis zum Ende zu verstehen und erzählen zu können. Aber die ganzen grausamen Details, die haben wir jetzt euch und uns in dem Sinne auch erspart. Also das ist wirklich an Abscheulichkeit nicht zu betrachten. Nicht zu übertreffen und das muss auch wirklich furchtbar gewesen sein für Michael.
Für den, der gekommen ist, um die Abflussrohre zu checken und ja, dann eben das gefunden hat, was er gefunden hat und ja, von den Familien der Opfer braucht man gar nicht erst anfangen, wie groß das Leid für die ist und wie mutig ist es bitte von den hinterbliebenen Opfern, dass die sich getraut haben, auszusagen, oder? Also ich kann es total verstehen, wenn jemand sagt, nein, ich müsste mich damit ja outen und ich kann das nicht in einer Zeit wie damals und heute ja auch, muss man ja auch sagen. Und dass die gesagt haben, nein, es ist wichtig, dass ich hier aussage und damit eben ja auch die Öffentlichkeit oder zumindest die Polizei in ihr Privatleben gelassen hat. Ja, letzte Woche in dem Fall habe ich noch gesagt, sowieso auch immer, ich mag die alten Fälle, weil man lernt auch über so eine andere Zeit auch was.
Letzte Woche habe ich noch gesagt, okay, mit den Umständen, wer reingehört hat, der weiß, worum es geht, mochte ich es dann doch mal zur Abwechslung nicht so sehr. Dieses Mal wiederum fand ich es tatsächlich, so traurig es auch ist, sehr spannend und deswegen, finde ich, können wir die Namen auch nochmal gerne nennen. Carl, Douglas und Paul, dass die den Mut hatten, sich auszusprechen und ja, auch sich zu outen, wie du gesagt hast in dem Moment, weil das war mir ehrlich gesagt auch nicht bewusst, es wirklich so ein... Riesiges Vorurteil einfach war zu der Zeit. Ja, ich habe ein kontroverses Thema, glaube ich, über das wir unbedingt sprechen müssen, weil es quasi auf der Hand liegt. Und zwar hat Dennis hier ja eine Autobiografie geschrieben, die verkauft wird, die relativ gute Bewertung hat bei Amazon. Und ich finde, das ist ein Thema, über das müssen wir jetzt hier auch mal sprechen. Wie wir das bewerten, wie finden wir das, wenn jemand wie Dennis, der ganz viele Menschen ermordet hat, seine Geschichte aufschreiben darf, veröffentlichen darf und, ich finde, da ist der springende Punkt, damit Geld verdienen darf.
Also ich würde mal behaupten, dass da jemand seine Geschichte aufschreibt. Grundsätzlich, da haben wir nichts dagegen. Also als wir letztes Mal darüber diskutiert haben, über dieses Mörder Madame Tussauds Museum. Ach so, die Ausstellung der Serienmörder bei Madame Tussauds in London war das. Genau, ich glaube, da haben einige das ein bisschen falsch verstanden. Wir teilen diese Faszination ja auch voll. Uns geht es eher darum, also unsere Kritik ist, dass da gegebenenfalls Kritik fehlt einfach. Und ich kenne dieses Buch jetzt nicht per se. Ich weiß nicht, ob da jetzt irgendwelche Kommentare oder so noch mit hinzugefügt worden sind. So eine Einordnung, meinst du, von einer anderen Person? Genau, weil dadurch wäre es für mich wieder in Ordnung. Wobei ich es auch wieder problematisch finden würde, wenn er dann daran Geld verdient. Ich weiß nicht, was sagst du? Ja, also grundsätzlich besteht ja auch eine große Faszination im Genre True Crime, dass man den Mörder, den Täter, die Täterin verstehen möchte. Und das kann man nur, indem man den Gedanken zum Beispiel, wie jetzt hier von Dennis... Folgen kann und sie lesen kann. Das macht ja auch diese große Faszination aus. Ich sehe es auch wie du, dass er grundsätzlich die Geschichte aufschreiben kann, dass das auch veröffentlicht werden kann, aber dass es eben den Kontext braucht. Und da sind wir jetzt wieder bei dieser Ausstellung bei Madame Tussaud.
Stellt man das Ganze kontextlos aus oder gibt es eben auch eine Erklärung dafür oder wird nochmal den Opfern gedacht? Das sind ja Unterschiede, ob man das einfach nur hinschmeißt und sagt, hier kannst du jetzt konsumieren oder ordnet man das Ganze nochmal ein. Also ich finde, so ein Buch, eine Autobiografie eines Mörders braucht nochmal Kontext von einer anderen Person. Und ich finde, dass die Person daran nicht verdienen dürfte, sondern dass man das Geld nehmen muss, um es einer Stiftung zu geben, um es den Opferfamilien zu hinterlassen, aber dass sich nicht der Täter daran bereichert werden darf.
Und jetzt kommen wir zu einem Punkt und damit meinte ich auch, dass das Ganze kontrovers wird. Sicherlich werden jetzt Leute sagen, ey, aber ihr macht True Crime und ich höre bei euch Werbung. Nicht nur bei uns, auch ja bei anderen. Das ist ja einfach das Geschäftsmodell von Podcasts. Wir alle könnten das ja nicht einfach so für euch aufbereiten. Gerade True Crime ist ein sehr sensibles Genre, was eine gute Recherche braucht, was ja einfach sehr, sehr viel Zeit kostet. Und wir würden das natürlich super gerne als Hobby tun, aber dann könnten wir das nicht so anbieten, wie wir das eben machen. Und deswegen sind wir auf Werbekooperation angewiesen. Also ich verstehe das, wenn man uns True Crimeern diese Kritik entgegenbringt. Ich verstehe das, ich kann es nachvollziehen. Aber ich finde, der Unterschied ist, dass wir die Möglichkeit haben, Dinge in den Kontext zu setzen. Wir können Dinge erklären, wir können den Opfern denken, wir können den Fokus auf die Opfer, auf die Opferfamilien legen und deren Geschichte erzählen, wenn sie das möchten.
Ja, ich finde, das ist einfach hier der große Unterschied bei der Sache. Ich weiß nicht, wird es deutlich, was ich damit meine? Ich unterschreibe es zu 100 Prozent, auf jeden Fall. Da habe ich auch ehrlich gesagt nichts weiter hinzuzufügen. Ich glaube, der Punkt ist vollkommen klar geworden. Wir kriegen halt auch nicht von Spotify oder so Geld, so wie es halt Musikkünstler, Künstlerinnen bekommen. Das heißt, wir sind da dann auch irgendwo drauf angewiesen. Das stimmt auf jeden Fall. Und ich finde auch die Idee tatsächlich, die du gesagt hast, heißt, wenn man Geld generiert durch so ein Buch, was dann Mörder, Serienmörder schreibt, dass das dann für die Hinterbliebenen genutzt wird, finde ich übrigens eine sehr, sehr gute Idee. Und bei Madame Tussauds, ich kann mich erinnern, da hatten einige von euch ja geschrieben, das wird ja auch eingeordnet. Deswegen, wie du gerade schon gesagt hast, es kommt halt auf den Kontext drauf an, es muss in den Kontext gesetzt werden und das ist uns ja auch immer wichtig, dass wir das für euch ja auch leisten können. Genau, dass man einfach die Hintergründe auch ein bisschen versteht und nicht einfach so die Info vorgesetzt bekommt und dann vielleicht selber gar nicht weiß, was soll ich jetzt eigentlich damit anfangen.
Ja, deswegen Kontext ist ja in vielen Bereichen des Lebens einfach sehr, sehr wichtig. Und ja, damit das Ganze hier nicht so düster für uns alle heute endet, würde ich sagen, hat das Ganze ja schon etwas Positives, dass diese Person hier eben überführt, festgenommen werden konnte. Und auch, ja, gerechte Strafe ist auch immer schwierig. Was ist denn eine gerechte Strafe für Hinterbliebene oder für die Opfer, die ihr Leben gelassen haben? Aber zumindest konnte hier jemand verhaftet werden, hat seine Zeit im Gefängnis abgesessen und kann zum Glück gelöst zu den Akten gelegt werden. Absolut. Und ich würde sagen, damit schließen wir die Akte für heute. Und wir würden uns riesig freuen, wenn ihr kommende Woche Dienstag wieder dabei seid, überall, wo es Podcasts gibt. Wir sind eure Hosts Anne Luckmann und Patrick Strohbusch, Redaktion Silvia Hanekamp und wir Schnitt Anne Luckmann Intro und Trainer gesprochen von Pia Rohnersachse Producer Falko Schulte Die Schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios Musik Musik.