Diese Episode enthält explizite Details über wahre Kriminalfälle. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung.

Es ist Januar im Jahr 1958. Die Straßen sind leer. Nur das Knirschen von Frost unter den Reifen vorbeifahrender Autos ist zu hören. Du stehst am Straßenrand. Dein Atem bildet kleine weiße Wölkchen in der kalten Luft. Dann durchbricht ein Motorengeräusch die Stille. Ein Auto nähert sich. Du hältst die Hand raus und hast Glück, der Wagen hält. Du öffnest die Tür und steigst ein. Der Mann hinter dem Steuer wirkt ruhig, zu ruhig. Er wirft einen kurzen Blick auf deine Polizeiuniform. Ihr unterhaltet euch. Der Mann spricht beiläufig über die Polizei und über ein verschwundenes Mädchen aus der Gegend. Es ist, als wüsste er mehr, als er sagen darf.

Du hörst zu, versuchst, seine Worte einzuordnen, aber ein ungutes Gefühl kriecht dir den Rücken hoch. Er sagt, die Polizei suche an der falschen Stelle. Du lachst nervös. Doch er lächelt nur kurz, fast unscheinbar. Dieses Lächeln lässt dir das Blut in den Adern gefrieren. Du bemerkst dir Details, den Weg, den er nimmt, die Ruhe, mit der er durch die frostigen Straßen gleitet. Alles an ihm ist kontrolliert, alles an ihm wirkt geplant. Du ahnst nicht, dass du gerade im Auto einer Familie sitzt, die nur wenige Stunden zuvor ermordet wurde. Vater, Mutter, Kind. Alle tot. Du hast keine Ahnung, dass du gerade direkt neben dem gefährlichsten Mann Schottlands sitzt.

Music.

Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit Patrick Strohbusch und mit Anne Luckmann. Und wir möchten euch heute von einem Fall aus Schottland erzählen, der sich Ende der 1950er Jahre zugetragen hat.

Die Wirtschaft ist damals am Boden und die Arbeitslosigkeit ziemlich hoch. Die Menschen kämpfen hier ums Überleben. Kleine Gemeinden sind eng miteinander verwoben, das heißt, jeder kennt jeden. Aber Angst breitet sich trotzdem schnell aus. Denn die Kriminalität wächst und das Misstrauen unter den Nachbarn gleich mit. Die Stadt Glasgow war einst eine der wichtigsten Hafenstädte Europas. Im 19. Jahrhundert florierte hier die Industrie und Arbeit gab es zuhauf. Doch die Kriege und die wirtschaftliche Umstrukturierung haben die Stadt hart getroffen. Ende der 50er liegt sie erschöpft und müde da. Die Häuser sind alt und schlecht instand gehalten. Viele Wohnungen haben nicht mal ein Bad. Alte Stadtteile werden abgerissen und Hochhäuser errichtet. Doch die neue Stadt hat noch keine eigene Seele gefunden. Laut der ZDF-Doku Murder Maps sind die Sorgen vieler Menschen damals so groß, dass Väter ihre Tochter abends sogar von der Bushaltestelle abholen. Jugendliche halten zusammen, wenn sie nachts zurückkehren, um sicherzustellen, dass alle sicher nach Hause kommen. Die Straßen sind dunkel und unberechenbar. Niemand weiß, was oder wer hinter der nächsten Ecke lauert. Und dann ist man selbst im eigenen Haus nicht mehr sicher. Am Montag, dem 6. Januar 1958, berichten die schottischen Zeitungen von einem Schock, der die kleine Gemeinde Oddingston in Angst und Schrecken versetzt.

Oddingston liegt etwa 10 Kilometer östlich von Glasgow, im Gebiet Lenoxshire. Es ist ein ruhiger Vorort, in dem Familien in kleinen Bungalows leben, Kinder auf den Straßen spielen und Nachbarn einander kennen.

Die Zeitungen berichten, dass in einem unscheinbaren Bungalow an der Sheepburn Road etwas Grauenvolles passiert ist. Die Berichte beschreiben die Tat als erschreckend kaltblütig. Schwarz-Weiß-Fotos in den Tageszeitungen zeigen das Haus von außen. Fensterläden sind zugezogen und die Haustür geschlossen. Eigentlich ist es die Idylle eines ruhigen Vororts. Doch dahinter liegt ein Albtraum, der die ganze Gemeinde erschüttert. Die Polizei wird alarmiert, weil Familienvater Peter nach Neujahr nicht zu seiner Arbeit erscheint. Normalerweise ist er pünktlich und zuverlässig. Das beschreibt Autor Hector MacLeod, der über unseren heutigen Fall ein Buch geschrieben hat. Heute bleibt das Büro von Peter aber verschlossen.

Peter arbeitet als Werksleiter in Glasgow. Seine Frau Doris kümmert sich um den Haushalt und den elfjährigen Sohn Michael. Die Familie hat Pläne für die Feiertage. Ein Kurzurlaub, für den Peter am Silvestertag noch sein Gehalt von der Bank abgeholt hat. Jetzt machen sich seine Kollegen Sorgen, weil er nach dem Urlaub nicht mehr bei der Arbeit auftaucht. Kurz darauf beginnt die Suche nach ihm und seiner Familie. Das erste merkwürdige Detail, das Auto von Peter, wird in den Gorbels gefunden. Einem berüchtigten Slum von Glasgow. Es steht verlassen in einer abgelegenen Straße. Für die Beamten ein deutliches Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Als die Ermittler zu der Familie nach Hause fahren und den Bungalow betreten, da offenbart sich das volle Ausmaß des Grauens.

Sie finden die ganze Familie. Peter, 45 Jahre alt, seine Frau Doris, 42, und ihr elfjähriger Sohn Michael. Alle drei wurden durch Kopfschüsse im Schlaf getötet. Die Nachbarschaft ist fassungslos. In den Straßen von Oddingston breitet sich sofort Panik aus. Niemand fühlt sich noch sicher. Viele Einwohnende trauen sich nicht mehr, ihre Häuser zu verlassen. Andere installieren Schlösser, kaufen sich Wachhunde oder organisieren Nachbarschaftspatrouillen. Währenddessen ermittelt die Polizei. Sie beginnen sofort nach dem Auffinden der Leichen, den Bungalow systematisch zu durchsuchen.

Sie protokollieren jeden Raum, fotografieren die Szenerie und sammeln Fingerabdrücke, Schuhabdrücke und andere kleine Spuren. Besonders merkwürdig ist, dass das Haus von außen unversehrt wirkt, Türen und Fenster verschlossen sind und es keine Anzeichen für einen Einbruch gibt.

Die Ermittler stellen außerdem schnell fest, dass die Leichen schon einige Tage im Haus liegen müssen. Da die Familie an Silvester, also sechs Tage zuvor, noch lebend gesehen wurde.

Müssen sie zwischen Neujahr und dem 6. Januar 1958 gestorben sein.

Die Ermittler befragen also die Nachbarn. Und diese Befragungen bringen tatsächlich merkwürdige Details ans Licht. Am 2. Januar bemerkt ein Postbote, dass die Vorhänge im Haus teilweise zugezogen und teilweise offen sind. Am Nachmittag sind alle Vorhänge wieder geschlossen. War das die Familie oder jemand anderes? Ein Tag später öffnen sich die Vorhänge, schließen sich aber am Nachmittag wieder. Fenster werden geöffnet und Lichter gehen an und aus. Mitglieder der Familie sieht aber niemand. Ein Detail ist besonders bizarr, denn die Katze der Familie, die wird gefüttert, obwohl die Familie da wahrscheinlich schon nicht mehr am Leben gewesen ist. Für die Polizei sieht alles auf den ersten Blick nach einem Raubmord aus. Denn einige Dinge fehlen. Bargeld, persönliche Gegenstände und sogar ja das Auto, das woanders gefunden wird. Doch es wirkt eben nicht wie ein gewöhnlicher Raub. Die Hinweise irritieren die Ermittler. Denn wer kehrt nach einer Tat mehrmals zurück, ohne Spuren zu hinterlassen, und kümmert sich dann aber um das Haustier? Dass die Spurensicherung gar keine Kampfspuren findet und der Täter seine Opfer offenbar gezielt getötet hat, deutet auf jemanden hin, der genau wusste, was er tat. Die Polizei prüft jede Verbindung, die die Familie hatte, doch es ergeben sich kaum Hinweise.

Parallel werten die Ermittler Berichte über ähnliche Verbrechen in der Region aus. Ein anderer Mord an einer Familie, vier Monate zuvor und nur wenige Kilometer entfernt, der zeigt erschreckende Ähnlichkeiten, nämlich Kopfschüsse im Schlaf, keine Einbruchsspuren und kein eindeutiges Motiv. Die Beamten beginnen, ein Muster zu erkennen. Es handelt sich möglicherweise um denselben Täter. Dieser andere Fall ereignete sich in Burnside, einem südlichen Vorort von Glasgow. Der Ort hat sich in den 1950er Jahren zu einem mittelklassigen Wohngebiet entwickelt. Die Straßen sind gesäumt von Bungalows und Doppelhäusern, Gärten sind gepflegt und die Nachbarschaft wirkt überschaubar.

Wer in die Innenstadt von Glasgow will, braucht etwa 20 Minuten mit dem Auto. Nur fünf Kilometer östlich liegt Oddingston. In dieser Idylle lebt die Familie von William. Es ist der 9. September 1956. Wie gesagt, ungefähr vier Monate vor den Morden an der Familie aus Oddingston. Der 9. September beginnt wie ein ganz normaler Tag. William, der Inhaber einer kleinen Bäckereikette in Glasgow, der fährt zu einem Angelurlaub in ein kleines Dorf an der Westküste. Er nimmt den Familienhund, Labrador Queenie, gleich mit. William will sich an der Küste von der harten Arbeit erholen, Forellen angeln, die Abende in der Hotelbar verbringen und alte Freunde treffen. Zu Hause zurück bleiben seine Frau Marion und ihre 16 Jahre alte Tochter Vivienne. Auch Marians Schwester Margaret ist gerade zu Besuch. William verabschiedet sich von seiner Familie. Er weiß nicht, dass er sie an diesem Tag zum letzten Mal lebend sehen wird. Es vergeht genau eine Woche. Mittlerweile ist der 16. September. William ist seit sieben Tagen im Urlaub und seine 16-jährige Tochter Vivian ist mit ihrer besten Freundin an diesem Tag in Glasgow unterwegs. Sie essen in einem Café und kaufen sich Kuchen in einer der Bäckereien ihres Vaters. Am späten Abend kommen die Teenagerinnen nach Hause. Vivian telefoniert kurz nach 22 Uhr noch mit ihrem Vater, William. Dann geht ihre beste Freundin nach Hause.

Nichts deutet an diesem Tag auf die Katastrophe hin, die sich in nur wenigen Stunden hier ereignen wird. Am nächsten Morgen, dem 17. September, betritt die Haushaltshilfe das Haus von William und seiner Familie. Die Hintertür ist verschlossen und das ist ungewöhnlich. Normalerweise ist sie immer offen. Der Haushaltshilfe fällt noch ein weiteres Detail auf, denn ein Glasfenster an der Vorderseite des Hauses ist zerbrochen. Die Haushalterin scheint skeptisch zu sein. Vorsichtig bittet sie den Postboten um Hilfe, der die Tür öffnet und ins Haus geht. Was sie dort sehen, ist unvorstellbar. In einem der Schlafzimmer liegen Mutter Marion und ihre Schwester Margaret nebeneinander im Bett. Blut durchdrängt die weißen Kissen. Die Bettdecken sind bis zum Kinn hochgezogen, als hätten sie keine Ahnung gehabt, was kommen würde. Im Zimmer der Tochter Vivienne sieht die Szene noch schlimmer aus. Die 16-Jährige ist schwer verletzt. Auch ihre Bettdecke ist bis zum Kinn hochgezogen. Überall um sie herum liegen Kleidungsstücke. Die Möbel sind umgestoßen. Es hat ein Kampf stattgefunden. Laut der Doku Beast of Birkenshaw ist Vivian zu dem Zeitpunkt noch am Leben. Sie röchelt und hustet, ehe sie schließlich ihren schweren Verletzungen erliegt.

Die Untersuchungen der Polizei ergeben, dass alle drei Frauen mit einem Schuss in den Kopf getötet wurden, aus nächster Nähe. Die Körperhaltung von Marion und ihrer Schwester Margaret deutet darauf hin, dass sie im Schlaf überrascht wurden.

Tochter Vivian weist zusätzlich Spuren von Schlägen und Fesselungen auf. Ihr Pyjama und ihre Unterwäsche sind zerrissen. Die Polizei ist geschockt. Es ist ein kaltblütiges und brutales Verbrechen, mitten in einem ruhigen Vorort. Die Nachricht vom Tod der drei Frauen verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Ganz Westschottland ist in Alarmbereitschaft. Innerhalb weniger Stunden ist das kleine Bungalow-Viertel überseht mit Polizisten, Nachbarn stehen in Grübchen am Straßenrand und Zeitungsreporter drängen sich an die Absperrungen. Die Polizei von Lennox hier steht unter massivem Druck. Drei Morde in einer Nacht und noch keine Spur des Täters. Schon am ersten Tag konzentrieren sich die Ermittler auf den Mann, der in den Augen vieler am meisten zu gewinnen oder zu verlieren hat und der oft als allererstes verdächtig wird, nämlich der Ehemann und Vater William. Der Bäckermeister wird in seinem Hotel an der Westküste ausfindig gemacht. Die Detektives wollen wissen, ob er in der Tatnacht zurück nach Glasgow gefahren sein könnte. William wirkt bei der Überbringung der furchtbaren Nachricht gefasst. Vielleicht zugefasst? Laut Autor Hector MacLeod notiert ein Ermittler später, William habe auf der Fahrt zurück nach Glasgow zu wenig Schock und Trauer gezeigt.

Die Polizei prüft minutiös Williams Bewegungen. Kilometerstände, mögliche Routen, die er gefahren sein könnte, und Tankbelege. Beamte fahren die Strecke ab, stoppen die Uhr und testen, ob es möglich ist, in einer Nacht heimlich 150 Kilometer zu fahren, drei Menschen zu töten und wieder zurückzukehren. Die Detectives stellen fest, dass sie die Strecke schneller zurücklegen können, als William angab, was er dafür gebraucht habe. Das finden die Ermittler verdächtig. Dann tauchen auch noch zwei Zeugen auf. Ein Autofahrer berichtet, er sei in der Mordnacht einem Wagen begegnet, dessen Lichter plötzlich ausging. Als er vorbeifuhr, da habe der Fahrer seelenruhig eine Zigarette angezündet. Später glaubt der Zeuge, den Fahrer als William identifizieren zu können. Der zweite Zeuge ist ein Fährmann. Er schwört, William und den Familienlabrador in genau jener Nacht an Bord seiner Fähre gehabt zu haben. Mit diesen Aussagen in der Hinterhand schlagen die Ermittler zu. Becker William wird festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht. Während Taucher an einem Kanal neben seinem Hotel nach einer möglichen Tatwaffe suchen und Tankstellen entlang der Route befragt werden, wächst in der Öffentlichkeit das Bild vom Ehemann als eiskalte Mörder. Dann vergehen Wochen.

Die Taucher können nichts finden und die Befragungen bringen auch keine neuen Hinweise ans Licht. Die Beweislage bleibt also dünn, aber die Gerüchte halten sich. Selbst in seiner eigenen Familie glauben viele an die Schuld von William. Dann, Ende November 1956, zwei Monate nach den Morden an den drei Frauen, meldet sich Williams Anwalt bei der Polizei. Ein Mann aus demselben Gefängnis habe Informationen, die von erheblichem Interesse für den Fall sein könnten. Jemand, der Details kennt, die nie in der Zeitung standen. Und plötzlich rückt eine ganz andere Person ins Blickfeld der Ermittlungen. Während Becca William im Gefängnis sitzt, bekommt sein Anwalt also Post aus dem Gefängnis von einem Mann, der brisantes Wissen hat. Sein Name ist Peter. Und für die Polizei ist Peter auch kein Unbekannter. Weil wir jetzt zwei Menschen in diesem Fall hier haben, die den gleichen Namen haben, nämlich Peter, und wir das alle ein bisschen besser unterscheiden können, nennen wir das Opfer, das ja auch Peter heißt, ab jetzt Werksleiter Peter.

Der Peter aus dem Gefängnis wird 1927 in New York geboren. Seine Eltern sind Schotten, die vom amerikanischen Traumträum es in den USA versuchen, aber leider dort scheitern. Nach dem Börsencrash geht es für sie daher zurück nach Schottland, nach Lenarchier. Dort fällt Peter in der Schule auf. Er ist recht klein, hat einen amerikanischen Akzent und ist schnell isoliert. Und er wird auch früh kriminell. Im Alter von nur zehn Jahren bricht Peter in eine Kapelle ein und stiehlt die Spenden. Es ist der Beginn einer endlosen Liste an Verstößen, Ladendiebstähle, Einbrüche und Flucht aus Besserungsanstalten. Mit 15 bricht er in ein Haus ein und schlägt eine schlafende Frau mit einem Hammer. Wenig später greift er die Frau eines Schulangestellten an und versucht, sie in ein Wäldchen zu zehren. Er kommt in verschiedene Besserungsanstalten, wird wieder entlassen und begeht weitere Taten. Das ist der Rhythmus seiner Jugend.

1946, mit 19, lebt er in einem aufgebrochenen Bungalow und versteckt sich dort am Dachboden. Ein Polizist erwischt ihn, als er zurückkommt. Auf Kaution verübt Peter innerhalb weniger Tage mehrere Übergriffe auf Frauen, darunter eine Vergewaltigung. Er wird gefasst und ihm wird der Prozess gemacht. Das Urteil lautet 8 Jahre Gefängnis. Die Einschätzung eines Psychologen ist, dass Peter ein aggressiver Psychopath sei.

1953, nach sieben Jahren Haft, wird er entlassen und zieht wieder bei seinen Eltern ein. Da ist er 26 Jahre alt. In Lailaksche jedenfalls kennt man seinen Namen. Bei jedem Einbruch und jedem Angriff auf eine Frau landet Peter automatisch auf der Verdächtigenliste. Er hinterlässt Tatorte wie Schlachtfelder, ausgeleerte Vorräte, verschmierte Küchen und Schuhabdrücke auf Bettdecken. 1955, zwei Jahre nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis, überfällt Peter nachts eine Frau mit einem Messer. Die Frau kann fliehen, hat Peter aber erkannt und zeigt ihn an. Vor Gericht verteidigt Peter sich selbst und erzählt, die beiden hätten sich gestritten, sich anschließend versöhnt und die Verletzungen seien nur Missgeschicke gewesen.

Die Jury entscheidet, dass die Anklage not proven, also nicht bewiesen sei. Peters Geschichte lässt die Geschworenen also zweifeln. Für Peter ist das ein Signal. Er glaubt, sich irgendwie aus allem herausreden zu können. Nur wenige Monate später, im Januar 1956, verschwindet in der Gegend die 17 Jahre alte Anne. Sie ist groß, sportlich und beliebt. Anne wohnt noch bei ihrer Familie. Sie arbeitet in einer Textilfabrik und verbringt ihre Wochenenden gerne auf Tanzveranstaltungen. Am Abend des 2. Januar 1956, da wartet sie vergeblich auf ihr Date, nimmt den Bus zurück nach Hause und wird noch in ihrer Nachbarschaft gesehen. Aber dann verliert sich ihre Spur. Zwei Tage später findet ein Spaziergänger Annes Leiche im Wäldchen an einem Golfplatz. Anne hat um ihr Leben gekämpft. Spuren zeigen ihre Flucht über Felder und sogar über Stacheldraht. Sie hat dabei sogar ihre Schuhe verloren.

Mehrfach wird ihr mit einem schweren Eisengegenstand auf den Kopf geschlagen. Annes Unterwäsche fehlt und ihre Hände sind zerkratzt. Hinweise auf einen sexuellen Angriff gibt es. Eine Vergewaltigung lässt sich aber nicht nachweisen. Die Polizei befragt fast jeden jungen Mann aus der Gegend. Peter arbeitet zu dieser Zeit direkt in der Nähe bei der staatlichen Gasversorgung. Einem Beamten fallen sogar frische Kratzer an Peters Gesicht auf. Peter sagt, die stammen von einer Schlägerei in Glasgow. Sein Vater gibt ihnen für die Tatnacht auch ein Alibi. Peter sei zu Hause gewesen. Ohne Waffe und ohne Spuren müssen die Ermittler Peter aber gehen lassen. Der Fall Anne wird zu den Akten gelegt. Für die Ermittler im Fall der beiden Familienmorde im Jahr darauf ist der Name Peter also nicht neu. Sie kennen seine Geschichte, seine Nähe zu den Tatorten und seine Art zu handeln. Und jetzt sitzt er ganz frisch wegen eines Einbruchs im Gefängnis, schreibt an den Anwalt von Becker William und bietet sich als Gesprächspartner an. Mit Wissen, das er eigentlich nicht haben sollte. Peter kennt ja Details, die nie in den Zeitungen standen. Zum Beispiel, dass einem der Opfer, Schwester Margaret, zweimal in den Kopf geschossen wurde.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Ermittler Peters Namen in einem ungelösten Mordfall hören. Nicht nur bei den Fällen der Familie von Becker William und der Familie von Werksleiter Peter oder im Fall Anne. Die Ermittler finden Peters Namen aber nochmal in den Akten, in einem anderen vermissten Fall. Da ging es um eine Teenagerin namens Isabel. Es ist der Abend des 28. Dezember 1957, drei Tage nach Weihnachten. Fast ein Jahr nach dem Tod von N. und nur wenige Tage vor dem Mord an der Familie von Werksleiter Peter. Die 17-jährige Isabel macht sich in ihrem Elternhaus gerade für einen Tanz in einer Schule von Ordingston fertig. Sie zieht sich schick an, packt ihre Tanzschuhe in die Handtasche und will sich an der Bushaltestelle mit ihrem Freund treffen. Der wartet nur leider vergeblich. Bus um Bus fährt an ihm vorbei, aber seine Freundin Isabel steigt nicht aus.

Isabel hat eine Abkürzung genommen. Sie geht über einen dunklen Pfad, kaum eineinhalb Kilometer von ihrem Zuhause entfernt. Den Weg kennt auch Peter, denn hier hatte er elf Jahre zuvor eine junge Mutter überfallen. Wenige Stunden nach dem Verlassen ihres Hauses ist Isabel tot. Ihre Familie weiß das aber noch nicht. In der Nacht suchen ihre Eltern verzweifelt. Am nächsten Morgen melden sie ihre Tochter als vermisst. Noch am selben Tag findet man ihre Handtasche und einige Knöpfe am Eingang eines stillgelegten Grubenschachts. Am Tag darauf tauchen weitere Kleidungsstücke auf. Ihr Unterrock, ihre Unterhose, ein Schuh, ihr Regenmantel und ein Schal. Stück für Stück zerschlagen diese Funde die Hoffnung, die 17-jährige Isabel lebend zu finden. Die Polizei startet eine groß angelegte Suche. Auch ein großer Fluss wird abgesucht. Doch trotz der massiven Fahndung bleibt Isabel verschwunden. Erst Wochen später wird ihre Leiche gefunden und der Täter wird die Polizei sogar selbst zu ihr führen. Die Parallelen zum Fall N. sind unübersehbar. Ein weiteres junges Opfer auf dem Heimweg, durch abgelegenes Gelände und ganz plötzlich verschwunden.

Und ein Täter, der genau dort zuschlägt, wo schon einmal jemand angegriffen wurde. Aber ohne Leiche kann man Peter nichts nachweisen. Trotzdem steht sein Name auf der Liste der Verdächtigen, aber es gibt keine heiße Spur, die ihn überführt. Während die Ermittler andere Fälle mit Peter in Verbindung bringen, stoßen sie auf eine Meldung von einer anderen britischen Polizeidienststelle. Ebenfalls im Dezember 1957, also kurz vor Isabels Verschwinden und dem Mord an der Familie von Werksleiter Peter. Da gibt es einen Todesfall in Newcastle in England, etwa drei Autostunden Fahrt von Glasgow entfernt.

In den frühen Morgenstunden des 8. Dezember 1957 gegen 4.30 Uhr betritt ein Mann hier den Bahnhof von Newcastle. Er sucht ein Taxi, das ihn in ein abgelegenes Dorf im Moorland außerhalb der Stadt bringen soll. Der erste Fahrer lehnt ab und übergibt den Fahrgast an Sidney, 36 Jahre alt und Besitzer eines schwarzen Autos, das er als Taxi nutzt. Sidney nimmt den Auftrag an und fährt los. In eine Nacht, aus der er nicht zurückkehren wird.

Gegen Mittag bemerken Autofahrer Sidneys Wagen. Er steht fast unsichtbar in einer Senke, ein paar Kilometer im Moorland eines abgelegenen Dorfes. Die Front- und Heckscheinwerfer, Fenster, Windschutzscheibe und Innenbeleuchtung sind zerstört. Manche halten das Fahrzeug wohl für ein liegen gebliebenes Auto und fahren einfach vorbei. Aber ein Polizist, der zufällig vorbeikommt, der sieht Blut am Lenkrad. Vom Fahrer fehlt jede Spur. Am Abend durchsuchen Beamte das Gelände. Ein Spürhund kann sie zu einer Leiche führen, rund 140 Meter vom Taxi entfernt. Der Tote liegt eingebettet zwischen Heidekraut und Kälte. Zunächst gibt die Polizei eine Erklärung ab, die den Fall fast zum Erliegen bringt. Suizid. Sidney hat eine Schnittwunde am Hals. Der Fahrgast, der am Bahnhof zu ihm ins Auto eingestiegen ist, steht deswegen erstmal nicht unter Verdacht. Aber der Rechtsmediziner erkennt später, was zuerst übersehen wurde. Denn Sidney ist in den Kopf geschossen worden, bevor man ihm die Kehle durchtrennt hat. Aus der Theorie eines Suizids wird also schnell ein Mordverdacht und aus einem Fahrgast ein gesuchter Tatverdächtiger.

Die Ermittler in der Nähe von Glasgow finden heraus, dass Peter zwei Tage vor dem Mord an dem Taxifahrer ein Vorstellungsgespräch in Newcastle hatte. Ob er danach in der Gegend bleibt oder gleich nach Schottland zurückkehrt, ist unklar. Auf jeden Fall ist es ein weiteres Indiz gegen Peter. Die Ermittler haben inzwischen eine beachtliche Liste an Hinweisen gegen Peter. Und das in vielen unterschiedlichen Fällen.

Sie wissen, dass er immer wieder in der Nähe der Tatorte war. Sie kennen seine Vorstrafen, seine Gewaltbereitschaft und seine Vorliebe, sich mitten in die Ermittlungen zu drängen, wie bei den Briefen an den Anwalt von Bäckereiinhaber William. Fälle wie der Mord an der 17-jährigen N, das Verschwinden der 17-jährigen Isabel, die Familie von Bäcker William und Werksleiter Peter. Immer wieder taucht der Name Peter auf. Und dennoch, es gibt keinen handfesten Beweis. Frust macht sich breit. Es scheint, als könne Peter ihn immer wieder entwischen. Doch dann machen die Ermittler einen entscheidenden Fund. Und dieses Mal führt die Spur direkt zu ihm. Peter hat bei der Familie des Werksleiters nämlich etwas mitgenommen, das ihm jetzt zum Verhängnis wird. Frisch gedruckte Banknoten, die der Familienvater am Tag vor der Tat ja noch bei seiner Bank abgeholt hatte. Darauf sind ebenfalls frisch gedruckte Seriennummern, die sich leicht nachverfolgen lassen. Schon kurz nach Neujahr tauchen diese Scheine in den Kneipen und Bars im East End von Glasgow auf.

Gastwirte melden sich bei der Polizei. Sie kennen den Mann, der so großzügig mit den neuen 5-Fund-Scheinen bezahlt. Peter. Er prallt, ertrinkt und verteilt Geld, als gäbe es kein Morgen. Die Polizei reagiert sofort. Am Morgen des 14. Januar 1958, knapp eine Woche nachdem die Leichen von Werksleiter Peter und seiner Familie gefunden werden, da rücken die Ermittler aus. Es ist noch dunkel und bitterkalt, als bewaffnete Detektives am Haus von Peter anrücken. Sie haben einen Durchsuchungsbefehl. Sie suchen nach dem Geld, gestohlenen Gegenständen und Schlüsseln vom Tatort. Peter, mittlerweile 31 Jahre alt, schläft noch, als die Beamten ins Haus kommen. Zeitgleich wird auch seinem Vater der Haftbefehl vorgelesen. Es geht um den Verdacht auf Hehlerei, weil bei der Durchsuchung Gegenstände gefunden werden, die aus einem Einbruch stammen. Peter versucht zunächst, sich zu behaupten. Die Polizei hätte nichts gegen ihn in der Hand. Doch kurz darauf verlässt er die Wohnung freiwillig. Noch am selben Tag wird er offiziell beschuldigt, die Familie des Werksleiters Peter am Neujahrstag ermordet zu haben.

Die Polizei kennt Peter und weiß, wie sehr er Aufmerksamkeit sucht. Nicht umsonst hat er ja aus dem Gefängnis an den Anwalt von Becca William geschrieben. Der wurde übrigens mittlerweile wegen mangelnder Beweise aus der Untersuchungshaft entlassen. Die Polizei lässt Peter fast 24 Stunden alleine in seiner Zelle. Es gibt erstmal kein Verhör und keine Fragen. Die Stille soll arbeiten. Und sie wirkt. Peter ruft schließlich nach den Ermittlern. Er will reden, aber nur unter einer Bedingung. Sein Vater soll freikommen und er will seine Eltern sehen. Am Nachmittag, des 15. Januar 1958, sitzen die Ermittler in seiner Zelle. Neun Tage nach dem Fund der Familie des Werksleiters. Er will der Polizei zeigen, wo die vermisste Isabel begraben liegt und wo er die Tatwaffen entsorgt hat. Noch am selben Tag beginnt Peter zu gestehen und er beginnt ganz am Anfang. Er erzählt vom 1. Januar 1956, von der 17-jährigen Anne.

Ein zufälliges Treffen, ein kurzer Spaziergang und dann zieht er die Teenagerin in ein Feld. Sie rennt, er holt sie ein und erschlägt sie mit einem Stück Eisen. Er lässt sie einfach tot im Wald zurück. Dann springt Peter in seiner Erzählung zum September 1956 nach Burnside. Er schildert, wie er in das Haus der Familie von Becca William einbricht. Drei Frauen, Marion, ihre Schwester Margaret und Tochter Vivian, liegen schlafend in ihren Betten. Peter schießt, schlägt, fesselt und schießt erneut. Danach wirft er die Waffe in einen Fluss. Dann geht es um den 28. Dezember 1957.

Die 17-jährige Isabel, die sich mit ihrem Freund treffen wollte. Peter beschreibt, wie er sie auf dem Weg zu einem Tanz abfängt, sie in ein Feld zerrt und wirkt. Sie auszieht, ihre Sachen verstreut und ihren Körper in einem frisch ausgehobenen Grab in einem gepflügten Feld verscharrt. Dann kommt er zum letzten Mord, am Neujahrsmorgen 1958 in Oddingston. Früh am Morgen klettert Peter durchs Küchenfenster ins Haus der Familie von Werksleiter Peter. Er stiehlt Geld aus seiner Jacke, die Banknoten, die ihm zum Verhängnis werden. Dann erschießt er den Mann, seine Frau Doris und den elfjährigen Sohn Michael. Danach isst er etwas in der Küche, nimmt Schlüssel und Auto mit und gibt unterwegs sogar einem Polizisten eine Mitfahrgelegenheit. Sie sprechen über den vermissten Fall Isabel. Ihr erinnert euch, das war die Szene vom Anfang dieser Folge.

Stück für Stück legt Peter all seine Taten offen. Insgesamt gesteht er acht Morde in Schottland. Den Mord an Taxifahrer Sidney in Newcastle in England, den erwähnt er aber nicht. Peter führt die Polizei danach zu Isabels Grab. Der Acker ist gefroren und die Erde hart. Einen halben Meter unter der Oberfläche finden die Beamten tatsächlich ihre Leiche. Sie ist mit einem Wollkardigan bekleidet, der Unterrock ist hochgeschoben und unterhalb der Taille nackt bis auf den Strumpfhalter. Ihr BH ist als Würgeschlänge um den Hals geschlungen, das Tuch in ihrem Mund als Knebel. An der linken Gesichtshälfte und am Auge sind deutliche Schlagspuren zu sehen. Peter beschreibt seine Taten im Detail. Er erwähnt sogar Kleinigkeiten, wie die Handvoll Kekse auf einem Tablett im Wohnzimmer der Familie von Werksleiter Peter. Er nennt Verstecke für Schlüssel, Geldbörsen und Tatwaffen, also Orte, die nur der Täter kennen kann. Die Geständnisse sorgen für jede Menge Aufmerksamkeit.

Zeitungen drucken jedes Detail. Schlagzeilen sprechen vom Biest of Birkenshaw, dem Biest der Gegend. Die Polizei hat nun, was sie so lange brauchte. Nicht nur Indizien, sondern Beweise, sogar ein Geständnis und eine Kette von Details, die Peter zweifelsfrei mit den Morden verbinden. Eine Anklage und ein Prozess sind nur noch reine Formsache. Doch Peter wäre nicht Peter, wenn er nicht auch daraus ein Spiel machen würde. Kaum ist er angeklagt, beginnt er schon, seine Strategie zu ändern. Der Prozess, der folgen wird, der zieht ganz Schottland in seinen Bann.

Am 15. Februar 1958 wird Peter offiziell wegen Mordes angeklagt. Das ist etwa einen Monat nach seiner Verhaftung und den letzten Morden an der Familie von Werksleiter Peter. Die öffentliche Erwartung steigt von Tag zu Tag. Im Mai, nochmal drei Monate später, startet schließlich der Prozess. Im Glasgow High Court herrscht eine angespannte Stimmung. Schon seit 20 Uhr am Vorabend stehen die Leute Schlange für die nur 60 Plätze auf der Zuschauertribüne. Nachbarn der Opfer, Schaulustige und Reporter von Zeitung, Radio und Fernsehen, die drängen sich ins Gebäude oder warten draußen auf jedes noch so kleine Detail. Die Anklage hat fast 300 Zeugen geladen und insgesamt 158 Beweisstücke vorbereitet.

Darunter sind unscheinbare Dinge wie eine Dose Lachs mit Papierhülle und ein Dosenöffner. Alles aus dem Haus des Werksleiter Peter, um zu bestätigen, was Peter im Verhör erzählt hat. Dass er nach den Morden der Katze noch etwas zu fressen gegeben hat. Doch noch bevor der erste Zeuge gehört wird, da sorgt Peter für den nächsten Skandal. Denn er entlässt seine Anwälte und beschließt, sich selbst zu verteidigen. So wie er das schon mal gemacht hat. als er wegen eines Angriffs auf eine Frau freigesprochen wurde. Peter will im Mittelpunkt stehen. Er will das Verfahren kontrollieren. Der 31-Jährige plädiert auf nicht schuldig, obwohl er die Taten zuvor gestanden und die Polizei sogar zu Isabels Leiche geführt hat.

Peters Strategie wird schnell klar. Er bestreitet jede Tat, erklärt seine Geständnisse für Erzwungen und behauptet, die Polizei habe ihn unter Druck gesetzt und seine Rechte verletzt. Fall für Fall geht er jetzt vor. Wir gehen das jetzt auch mal durch. Der Fall Anne. Peter habe das Mädchen nicht getötet. Es gebe keinerlei Beweise und das Fehlen solcher Beweise sei der Beweis seiner Unschuld. Der Fall der Familie von Becca William. Nicht Peter, sondern William selbst habe seine Familie getötet. Peter versucht, den Ehemann zu belasten, die Geschworenen zu verwirren und Zweifel zu säen. Der Fall Isabel. Peter sei zur Tatzeit in Glasgow im Kino gewesen. Der Fall der Familie von Werksleiter Peter. Da präsentiert er eine bizarre Geschichte. Peter und der Werksleiter seien befreundet gewesen, so behauptet er. Der Familienvater habe Peter kurz vor Silvester um eine Waffe gebeten, angeblich aus Angst vor einem Einbrecher.

Die Pistole habe er ihm übergeben, zusammen mit neuen Geldscheinen. Der Werksleiter habe anschließend seine Frau und seinen Sohn erschossen und sich dann selbst getötet. Tagelang zieht sich dieses Spiel hin. Peter bombardiert Polizisten im Zeugenstand stundenlang mit Fragen, beschuldigt und versucht, sie in Widersprüche zu verwickeln. Er steht auch selbst im Zeugenstand. 88 Minuten lang am ersten Tag, 152 Minuten am zweiten. Er redet, als ginge es nicht nur um sein Leben, sondern um eine Bühne. Die Hälfte des Publikums verlässt währenddessen sogar den Saal. Andere bleiben und scheinen fast schon, ja, irgendwie fasziniert von seinem Schauspiel. Peters Eltern treten für ihn als Hauptzeugen auf. Sein Vater versucht, seinen Sohn Peter zu entlasten. Seine Mutter scheint hin- und hergerissen zwischen Hilfe und Wahrheit. Das beschreibt die ZDF-Doku. Die Mutter erinnert sich, wie Peter ihr gesagt habe, ich zitiere das mal.

In der Öffentlichkeit stößt Peters ganze Verteidigungsstrategie auf Abscheu. Viele nehmen ihm seine Geschichte nicht ab. Die Geschworenen glauben weder an Nötigung durch die Polizei, noch an seine wirren Theorien, die er da präsentiert. Am 29. Mai 1958 zieht sich die Jury zur Beratung zurück. Nach nur zwei Stunden und 22 Minuten steht das Urteil fest. Schuldig in allen anderen Punkten. Nur beim Mord an Anne sehen sie die Beweislage als zu dünn an. Hier wird Peter aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Kurz darauf verkündet der Richter das Strafmaß. Tod durch den Strang. Peters Gesicht verrät nichts. Der Mann, der dachte, er könne das Gericht, die Geschworenen und ganz Schottland täuschen, hat sein Ziel verfehlt. Für die meisten ist die Sache damit abgeschlossen. Doch Peter wäre nicht Peter, wenn er nicht bis zur letzten Minute versuchen würde, das Spiel noch zu drehen.

Der 19. Juni 1958 wird als Hinrichtungstermin angesetzt. Gute drei Wochen nach dem Richterspruch. Doch Peter glaubt weiter, er könne dem Strick entgehen. Er versucht, Gutachter und Gefängnispersonal davon zu überzeugen, dass er verrückt sei. So verrückt, dass er nicht gehängt werden dürfe. Er spielt den apathischen Gefangenen, redet tagelang kein Wort und wirkt wie ein völlig anderer Mensch als der arrogante Selbstdarsteller aus dem Gerichtssaal. Er schäumt angeblich sogar aus dem Mund. Als seine Familie ihn besucht, erkennt er sie angeblich nicht und spricht nicht mit ihnen. Er behauptet später, er sei von einem Wärter am Kopf verletzt worden und deshalb weggetreten gewesen. Die Behörden nehmen ihm aber nichts davon ab. Hinter den Gefängnismauern wird Peter Tag und Nacht überwacht. Mehrere Teams wechseln sich dabei ab, spielen Karten oder Domino mit ihm und hören sich seine Geschichten an.

Jedes Detail wird in einem sogenannten Death Watch Journal, also einem Todesüberwachungstagebuch vermerkt. So beschreibt das Autor Hector MacLeod. Es gibt sogar ein Gedicht von Peter, in dem er sich als das schlimmste Biest auf Erden bezeichnet. Er nennt sich offenbar Schottlands Frankenstein. Am Morgen des 11. Juli 1958, einen Monat nach dem geplanten Datum, ist es dann soweit. Nach nur sieben Minuten telegrafiert der Gefängnisleiter an die Hauptstadt. Peter wurde hingerichtet. Er wird, wie es das Gesetz verlangt, innerhalb der Gefängnismauern beerdigt. Seine Eltern dürfen nicht dabei sein. Sein Grab bleibt unmarkiert. Schon kurz nach der Hinrichtung erscheinen in den Zeitungen neue Behauptungen.

Peter soll für weitere ungelöste Morde aus den 50ern verantwortlich sein. Beweise gibt es dafür aber kaum. In manchen Fällen steht sogar fest, dass er zur Tatzeit in Haft war. Es ist auch unklar, ob er wirklich für den Mord an Taxifahrer Sidney verantwortlich gewesen ist. Nach seinem Tod wird er aber bei einer gerichtlichen Untersuchung für den Täter erklärt. Peters Name wird zu einer furchtbaren Legende. Kinder springen sogar in den Straßen zu einem makaberen Abzielreim, der auf seiner Geschichte basiert.

Peter ist einer der berüchtigsten Serienmörder Schottlands. Er hat ohne erkennbares Motiv gemordet, nahm seinen Opfern nichts oder nur Kleinigkeiten und zerstörte Leben ohne erkennbaren Grund. Genau das macht ihn so unberechenbar. Für viele ist er die Verkörperung des Bösen, das Biest von Birkenshaw. Er ist der drittletzte Verbrecher, der in Schottland gehängt wird. Sein Fall wurde in den folgenden Jahrzehnten immer wieder als Beispiel für die Probleme einer zersplitterten Polizeistruktur genannt. Verschiedene Behörden haben parallel ermittelt, Information ging verloren und Serienmörder wie Peter konnten so länger unendeckt bleiben. Auch wenn die Reform erst viele Jahre später kam, trug der Fall zu der Erkenntnis bei, dass Schottland eine einheitliche Polizei braucht. 2013 wurde daraus schließlich die Police Scotland. Ein Mann, der sich selbst als Monster bezeichnet und bis zuletzt glaubt, klüger als alle anderen zu sein.

Ja, die große Frage, glaube ich, die sich durch diesen Fall zieht, jetzt wo ihr die Details kennt, ist wahrscheinlich, wie konnte jemand so, so lange unbehelligt morden? Also wie kann es sein, dass jemand, der ja schon in seiner Jugend so aufgefallen ist, also kriminell aufgefallen ist und so viele Dinger gerissen hat, wie kann es sein, dass der in seinem Erwachsenenalter auch noch viel größere Sachen anstellen konnte?

Also so weh es tut, das zu sagen, wahrscheinlich war es einfach nur Glück, weil dann halt die Zeugen gefehlt haben, die das dann auch wirklich final nachvollziehen konnten. Und ich meine, bis auf, dass er am Ende da Geld mitgenommen hat, hat er ja auch sonst immer nichts mitgenommen. Also woran man ja Serienmörder gerne mal auch einfach erkennt, weil die sich Sachen mitnehmen. So kleine Trophäen, ja. Genau, um sich dann auch daran zu erinnern. Das hat er ja bis... Fast zuletzt eigentlich gar nicht großartig gemacht. Ja, stimmt. Wobei er war ja auch überhaupt gar nicht vorsichtig. Wir erinnern uns an die gedruckten Geldscheine, die er ja mitgenommen hat, die er dann in den Bars verteilt hat. Dem war wahrscheinlich nicht klar, dass das neue Geldscheine waren, die man halt so easy nachvollziehen kann. Aber alleine, dass er die halt sofort in der Umgebung ausgibt, das ist jetzt nicht besonders vorsichtig, wenn man versucht, Morde zu vertuschen. Ja, wahrscheinlich ist dann da einfach genau das, was voll viele andere Mörder dann auch denken, ich komme eh mit allem durch, hat ja auch bis zu dem Zeitpunkt geklappt und dann macht man das einfach.

Wolltest du gerade noch was sagen, sorry? Ja, ich wollte sagen, das passt ja auch dann ganz gut rein in seine Geschichte, dass er sich selber auch noch vor Gericht vertreten hat, weil er dachte, ich bin der Geilste, ich bin der Größte, ich kann alles alleine, look at me. Die, das finde ich, unterstützt das nochmal, dass er schon als Mörder gedacht hat, mir kann ja gar keiner was. Und vor Gericht auch noch, dass er gedacht hat, jo, ich komme hier irgendwie noch aus der Nummer raus. Ja, das ist eine super Brücke. Genau das wollte ich nämlich gerade ansprechen, weil ich so überlegt habe, hätte er mit richtig guten Anwälten da noch irgendwie rauskommen können? Weil er ist ja dann diese Strategie gefahren von wegen alles erzwungen und das stimmt alles nicht und so. Und ganz am Ende hat er ja dann so getan, als wäre er komplett verrückt. Da frage ich mich, ob das mit einem richtigen, sehr guten Anwalt besser geklappt hätte. Gleichzeitig denke ich mir, du hast die Polizei zu Isabel gebracht. Also wie man sich da rausreden will, ich glaube, das hätte auch nicht geholfen. Auch krass irgendwie, dass seine eigene Mutter sich gegen ihn gestellt hat. Also das ist wahrscheinlich nochmal eine andere große Frage, die man aufmachen könnte.

Wir kennen jetzt nicht die Familienverhältnisse zu dem Zeitpunkt, als das alles rauskam. Das muss ja wirklich furchtbar sein für Eltern, wenn herauskommt, dass dein Kind so viele Menschen ermordet hat. Und ich finde, das ist noch mal, Ja, ein krasser Step als Mutter, dann zu sagen, nee, ich kann das nicht mehr unterstützen, auch wenn es mein Kind ist und ja gegen ihn ausgesagt hat. Ja, also jetzt am Anfang habe ich gedacht, okay, wir werden gar nicht so viel diskutieren können, aber wo du jetzt auch Eltern angesprochen hast, muss ich an William denken, der ja auch seine Familie komplett verloren hat einfach, der verständlicherweise auch als erstes komplett unter die Lupe genommen wurde, kann ich komplett nachvollziehen.

Nichtsdestotrotz mit dem Verlust zu leben und dann natürlich so durchleuchtet zu werden, muss auch unglaublich schmerzhaft sein. Wahrscheinlich denkt er sich auch die ganze Zeit, ey, wenn ich nicht in diesen Angelurlaub gefahren wäre, dann wäre er ja zu Hause gewesen. Wäre er dann auch ermordet worden oder hätte er seine Familie beschützen können? Das ist bestimmt eine Frage, die ihn auch bis an sein Lebensende begleiten wird. Dieses Nichtwissen, dieses Nichtdagewesensein, nicht seine Familie beschützen zu können. Nur in Anführungsstrichen, weil er mal eine Pause gebraucht hat und deswegen ja an diesen Urlaub gefahren ist, um einfach ein bisschen abzuschalten von seinem stressigen Job, dass genau in dieser Woche seine Familie so kaltblütig ermordet wird. Plus, dass du zu diesem Verlust dann ja auch noch selber beschuldigt wirst. Und wir wissen ja, wie es ist, wenn sich das erst mal in den Köpfen der Menschen festgesetzt hat, William könnte es sein, dann wird daraus ganz schnell William Wars und hat für immer diesen Stempel drauf, Obwohl er der trauernde Vater und Witwer ist. Also das ist auch nochmal super krass. Ja, absolut. Also auch besonders nachdem dann der Mörder Peter.

Im Gerichtssaal alles versucht hat abzustreiten, wird es bestimmt genügend Leute gegeben haben, die diesen Gerüchten in Richtung William war es dann bei seiner Familie, die denen angehörig waren, die dann wahrscheinlich doch wieder gesagt haben, siehst du, ich habe es dir doch gesagt, er war es nicht. Und William war es in Wirklichkeit, Und ja, so wie du sagst, er wird da auch sein Leben lang leider einfach gezeichnet sein. Nichtsdestotrotz, es ist zum Glück ein gelöster Fall. Die Familienmitglieder haben einfach Aufklärung erhalten. Ich meine, wir haben auch dann am Ende gehört, dass Zeitungen andere Fälle noch irgendwie mit ins Spiel gebracht haben, wo Peter vielleicht involviert gewesen sein soll, was jetzt aber alles nicht wirklich nachweisbar ist.

Nichtsdestotrotz, immerhin haben wir hier eine Auflösung des Falls. Ja und mit diesen Worten würde ich sagen, beenden wir auch die Folge für heute und schließen diese Akte und machen aber nächsten Dienstag wieder eine neue Akte für euch auf und erzählen euch hier von einem neuen Fall. Deswegen würden wir uns sehr freuen, wenn ihr dem Podcast eine positive Bewertung gebt. Wenn ihr das nicht schon getan habt, dann freuen wir uns natürlich sehr und wissen, dass wir das hier so für euch erzählen, dass ihr dem auch gerne zuhört. Und dann würde ich sagen, bis nächste Woche Dienstag auf eurer Lieblings-Podcast-Plattform. Wir sind eure Hosts Anne Lukmann und Patrick Strohbusch. Redaktion Johanna Müsiger und wir. Schnitt Anne Luckmann. Intro und Trainer gesprochen von Pia Rohnersachse. Producer Falko Schulte. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios.