Diese Episode enthält explizite Details über wahre Kriminalfälle. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. London, 2. Juni 1953. Eine Stadt im Ausnahmezustand. Gelanden aus Union Jacks, britischen Flaggen spannen sich über kopfsteingepflasterte Straßen, Fensterrahmen glänzen frisch gestrichen und an fast jeder Hausecker prangen Porträts der 25-jährigen Queen Elizabeth. with. Menschen strömen durch die Gassen, dicht gedrängt, in festlicher Kleidung, mit Kameras um den Hals oder Thermosflaschen in der Hand. In den Gesichtern mischen sich Aufregung und gespannte Vorfreude. Wer sich keinen Platz an der Paraderoute sichern konnte, der liegt mit Picknickdecken im Park. Aber ausgerechnet heute regnet das, obwohl die besten Meteorologen des Landes eigentlich gutes Wetter vorhergesagt haben. Doch das bisschen Regen kann einen echten Engländer nicht aus dem Konzept bringen. Heute ist der Tag, auf den das gesamte Vereinigte Königreich so lange gewartet hat. Die Krönung der neuen Königin. Queen Elizabeth II.

Ist damit die erst sechste Frau, die in der gesamten britischen Geschichte den Thron besteigt und diejenige, die von allen Monarchen am längsten regieren wird. Über 70 Jahre. Doch nicht allen Menschen in London ist an diesem 2. Juni 1953 nach Feiern zumute. Wer einen genauen Blick in die Tageszeitung wirft, der wird schnell entdecken, dass zwischen den ganzen Artikeln über das Königshaus auch noch andere Schlagzeilen stehen. Düstere, erschreckende Schlagzeilen. Von zwei jungen Frauen, die vermisst werden. und von einer Leiche, die man am Tag zuvor aus der Themse geborgen hat. Während die ganze Welt also in Richtung Westminster Abbey schaut, treibt heimlich auf den Straßen Londons ein Mörder sein Unwesen. Unentdeckt und höchst gefährlich.

Music.

Schwarze Akte Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte, mir gegenüber mit Anne Luckmann. Und mir auch gegenüber mit Patrick Strohbosch, hallo. Und wir starten mit unserem Fall zeitlichen paar Tage vor der Krönung, nämlich am Sonntag, den 31. Mai 1953. Werbung. Werbung Ende. London hat ein entspanntes, freudiges Wochenende hinter sich. Die Menschen sind in Feierlaune, das Wetter ist bombastisch und alle freuen sich auf die neue Königin. Die Hoffnung ist groß, dass mit der Queen ein neues Zeitalter anbrechen wird. Ein Zeitalter ohne Krieg und Leid. Der Zweite Weltkrieg steckt den Menschen noch in den Knochen. Der Wiederaufbau dauert lange und bringt viele Entbehrungen mit sich. Zudem ist es nicht mal ein halbes Jahr her, dass in London tausende Menschen bei einer großen Umweltkatastrophe ihr Leben verloren haben. Eine dicke Smogschicht hatte sich durch ungünstige Wetterbedingungen über der Stadt gebildet und bei vielen Londonern zu heftigen Atemproblemen geführt. Das Land kämpft sich also gerade erst wieder auf die Beine und die Menschen wollen einfach nur eins, leben.

Unbeschwert, gesund und frei. Da kommt so eine neue Königin gerade recht. Die Krönung von Queen Elizabeth II. Ist übrigens die erste Krönung, die live im TV übertragen wird. Für diesen besonderen Anlass haben sich viele Menschen im Vereinigten Königreich extra ein Fernseher angeschafft. Alle wollen sehen, wie die junge Königin ihren Eid ablegt und ihre Krone aufgesetzt bekommt. Viele Jahre später wird die Queen in einem Interview erzählen, dass sie vorher extra geübt hat, sich mit der Krone zu bewegen. Denn die wiegt über zwei Kilo und besteht aus purem Gold. Es ist gar nicht so leicht, so ein Gewicht auf dem Kopf zu tragen. Besonders, da man den Kopf immer aufrecht halten muss und nicht aus Versehen mal nach unten schauen darf. Sonst würde das Gewicht einem nämlich das Genick brechen und die Krone würde zu Boden fallen. Und das wäre, so die Queen, wirklich ungünstig. Der Sommer 1953 ist ungewöhnlich warm und trocken und wer Zeit hat, genießt das Wetter an der frischen Luft. Die Freibäder sind voll, ebenso wie die Zeltplätze. In den Auen und Kiesgruben am Ufer der Themse schlagen viele junge Menschen ihre Zelte auf. Sie grillen, machen Musik, lachen, tanzen und erzählen sich Geschichten. Im Südwesten Londons, in einer Ortschaft namens Tennington, sind die zwei besten Freundinnen Christine und Barbara mit dem Fahrrad unterwegs.

Sie fahren an der Thamesse entlang Richtung Schleuse, wo ein paar Jungs campen, mit denen sie sich treffen wollen. Christine ist 18 Jahre alt, Barbara 16. Die beiden kennen sich seit Kindheitstagen schon und wohnen nur wenige Minuten voneinander entfernt. Sie lieben es, London auf ihren Rädern zu erkunden. Besonders, weil beide lange sparen mussten, um sich überhaupt ein eigenes Fahrrad zu leisten.

Christine verdient sich neben der Schule etwas Geld als Näherin dazu. Barbara jobbt in einer Apotheke. Wenn das Wetter mal nicht mitspielt, verbringen die Freundinnen ihre Zeit gerne in Kinos oder Cafés. Und an den Sonntagen darf natürlich auch der Kirchenbesuch nicht fehlen. Beide freuen sich sehr auf die Krönung. Barbara plant zu diesem Anlass, an einem Badenixen-Wettbewerb teilzunehmen. In der ganzen Stadt lassen sich die Leute die verrücktesten Sachen einfallen, um die neue Königin zu feiern und das neue Zeitalter einzuleuten. Da wollen die zwei Freundinnen natürlich nicht nur zuschauen. Generell gelten beide Mädels als sehr verantwortungsbewusst und vernünftig. Sie legen großen Wert darauf, einen guten Umgang mit Freunden und Familie zu pflegen, sind aber auch gegenüber dem ein oder anderen Flirt nicht abgeneigt. Beide wollen sich ihr erstes Mal aber für den richtigen aufsparen. Aber wer weiß, wen sie an diesem Sonntag alles so auf dem Zeltplatz kennenlernen. Da sie selbst ganz in der Nähe wohnen, haben sie sich dazu entschlossen, nur tagsüber zu der Gruppe dazu zu stoßen und die Nacht in ihren eigenen Betten zu verbringen.

Nach einem gemeinsamen Frühstück machen sie sich also mit ihren Rädern auf den Weg, Um zu der Stelle an der Schleuse zu gelangen, wo ihre Freunde campen, müssen Barbara und Christine ein Treidelfahrt entlangfahren. Ein Treidelfahrt ist ein kleiner Weg, der direkt am Ufer eines Flusses oder Kanals entlang führt. Er wurde extra so angelegt, damit Pferde oder später auch Lokomotiven diesen Weg entlangfahren können und gleichzeitig Frachtschiffe mithilfe von dicken Tauen flussaufwärts ziehen konnten. Diesen Vorgang nennt man Treideln.

Im Deutschen kann man diesen speziellen Weg auch als Leinenpfad bezeichnen. Im Englischen heißt er Towpath. Das ist besonders interessant, weil der Fall, über den wir heute sprechen, auch als Towpath Murders bekannt geworden ist. Der Treidelpfad, den Barbara und Christine nutzen, ist recht verschlungen und von Bäumen gesäumt. Sie sind mit dem Weg aber sehr vertraut, weil sie ihn schon mehrere Male entlanggefahren sind. Sie fühlen sich hier sicher. Die beiden sind voller Euphorie und Lebenslust und ahnen nicht, dass eine sehr gefährliche Person hinter den ihnen so vertrauten Büschen und Bäumen lauert. An diesem 31. Mai 1953 verbringen die Teenagerinnen den Tag also auf dem Zeltplatz mit ihren Freunden. Gegen Nachmittag radeln sie zurück zu Christines Eltern, um dort gemeinsam zu Abend zu essen. Gegen 20 Uhr kehren sie dann zum Zeltplatz zurück, um den Rest des Abends mit den Jungs dort zu verbringen. Sie bleiben bis kurz vor Mitternacht, haben eine ziemlich gute Zeit und machen sich dann mit dem Rad wieder auf den Weg nach Hause und zu ihren eigenen Betten. Dafür müssen sie ein ganzes Stück durch die Dunkelheit fahren und da eines der beiden Fahrräder kein Licht hat, bekommen die beiden ein Licht von ihren Freunden geliehen. Sie radeln also den Treidelpfad entlang Richtung Schleuse, wo sie eine Brücke überqueren müssen, die über die Themse führt. Also alles wie immer eigentlich.

Doch weder Barbara noch Christine werden jemals zu Hause ankommen. Ihre Eltern wundern sich natürlich, dass die Töchter am nächsten Morgen nicht in ihren Betten liegen. Doch sie machen sich nicht sofort Sorgen. Die Familie von Barbara denkt, dass die Mädels spontan bei Christine übernachtet haben, ohne Bescheid zu sagen. Und umgekehrt genauso. so. Erst als die eine Mutter die andere anruft, wird beiden Familien voller Entsetzen klar, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Ungefähr zur selben Zeit an diesem Morgen radelt ein Mann auf dem Weg zur Arbeit die Themse entlang. Es ist der 1. Juni 1953, der Tag vor der Krönung. Er traut seinen Augen kaum, als er in dem Fluss einen reglosen Körper schwimmen sieht, mit dem Gesicht nach unten. Er informiert sofort die Polizei, die den Leichnam birgt und in eine Leichenhalle bringt. Und, ihr könnt es euch vielleicht schon denken, es ist die Leiche von Barbara. Was der 16-Jährigen widerfahren ist, kann nur schwer in Worte gefasst werden.

In ihrem Rücken befinden sich drei tiefe Stichwunden, von denen jeder einzelne Stich die Lunge durchbohrt hat. Diese Verletzungen haben vermutlich innerhalb von drei bis acht Minuten zu ihrem Tod geführt. Zudem ist Barbaras Schädel gebrochen, vermutlich durch einen schweren Schlag auf die Wange, auf der eine tiefe Platzwunde zu erkennen ist. Den Verletzungen an ihrem Körper nach zu urteilen, muss sie jemand mit einer Axt angegriffen haben. Zusätzlich dazu hat der Täter ein sehr scharfes Messer benutzt, anscheinend mit einer sichelförmigen Klinge und nach innen gebogener Schneide. Es handelt sich dabei allem Anschein nach um eine traditionelle Nahkampfwaffe, die auch heute in einigen Regionen der Welt noch in Gebrauch ist. Die Autopsie ergibt, dass Barbara vor ihrem Tod massiv vergewaltigt worden ist. Die Spuren an ihrer Leiche deuten darauf hin, dass der Mörder so eine Tat nicht zum ersten Mal begangen hat. Er wusste anscheinend, wie er sein Opfer fixieren bzw.

Außer Gefecht setzen muss, um an sein Ziel zu kommen. Was das genau bedeutet, darauf wollen wir lieber nicht mehr eingehen. Man geht zudem davon aus, dass es sich wohl um einen Mann von ungewöhnlicher Körperkraft handeln muss. Die Spuren zeigen aber auch, dass Barbara sich erbittert gewährt haben muss. Unter ihren Fingernägeln befinden sich nämlich Fasern, die vermutlich von einer Herren-Sportjacke stammen. Zwischen dem Tod von Barbara und dem Zeitpunkt, an dem man sie gefunden hat, liegen etwa acht Stunden. Das heißt, sie wurde auf dem Rückweg nach Hause angegriffen, vermutlich kurz nachdem sie und Christine den Zeltplatz auf ihren Rädern verlassen haben.

Die Ermittlungen beginnen direkt am folgenden Tag und entwickeln sich schnell zu einer der umfangreichsten Mordermittlungen Englands. Die Leitung übernimmt einen sehr erfahrenen Polizist von Scotland Yard, und zwar Detective Superintendent Herbert Hannam, der den Spitznamen Der Graf trägt. Als Tatort können Hannam und sein Team schnell ein Stück Weg nahe der Schleuse identifizieren, etwas weniger als ein Kilometer vom Fundort der Leiche entfernt. Dieser Ort ist in der Gegend eigentlich als Loversglade bekannt, weil er von Sträuchern, Bäumen und Büschen umgeben ist und Liebenden so einen geschützten Ort für ein bisschen Zweisamkeit bietet. Zumindest hat er das, bis Barbara an jenem Tag Ende Mai 53 hier auf so grausame Weise ihr Leben verloren hat.

Auf dem Boden befinden sich zwei große Blutlachen. Die Erde ist von dem Kampf stark aufgewühlt. Ein Blick auf das umliegende Gebüsch zeigt, dass das Blut bis dorthin gespritzt ist. Die Blutspuren führen bis ans Ufer der Thämse, von wo aus der Mörder die Leiche ins Wasser gestoßen haben muss. In dem Gestrüpp am Wegesrand findet man außerdem zwei Paar Darmschuhe. Eines gehört Barbara, das andere vermutlich Christine. Doch von ihr fehlt noch jede Spur. Die Sorge um sie ist natürlich riesig. Ist es möglich, dass sie dem Angreifer entkommen ist? Doch leider ist dieser kleine Hoffnungsschimmer schnell erloschen. Die beiden Blutlachen auf dem Boden gehören nämlich zu unterschiedlichen Blutgruppen. Alles deutet darauf hin, dass auch Christine dem Mörder zum Opfer gefallen oder zumindest schwer verletzt ist.

Detective Hennem macht keine halben Sachen. Christine muss um jeden Preis gefunden werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ihre Leiche ebenfalls in der Themse befindet, ist ziemlich hoch. Und vielleicht liegt dort ja auch die Tatwaffe. Welche bessere Möglichkeit gibt es, so eine Waffe schnell und sicher zu entsorgen, als sie einfach in den zweitlängsten Fluss Großbritanniens zu werfen? Also lässt der Detective einen etwa fünf Kilometer langen Abschnitt der Themse einfach trockenlegen. Wobei, so einfach ist das gar nicht. Die Flussbehörde leistet zunächst nämlich ziemlichen Widerstand, weil die Trockenlegung auch ziemlich viele Hausbootbesitzer beeinträchtigen und Tausende von Dollar kosten würde. Aber Hennem setzt sich durch. Mithilfe von Schleusen wird das Wasser also gestaut und dann mithilfe von Pumpen abgepumpt, bis der Flussabschnitt weitestgehend trocken liegt. Allerdings hat Hennem wohl nicht damit gerechnet, dass seine Suchaktion so viele Schaulustige anzieht. Denn dass ein großer Teil der Themse mitten in London plötzlich kein Wasser mehr hat, entgeht den Menschen vor Ort natürlich nicht. Ihr erinnert euch, die Stadt ist sowieso gerade super voll wegen der Krönung. Jetzt haben die Leute einfach noch mehr zu gucken. Insgesamt sind das über 20.000 Neugierige, die die große Suche nach Christine vom Ufer aus verfolgen.

Minimaler Druck also für die Polizei, die sich nur mithilfe eines Minensuchgeräts durch den schlammigen Untergrund des Flusses kämpfen muss. Der Schlamm am Boden der Themse ist um die zwei Meter tief. Gar nicht so leicht also, da irgendwas zu finden. Doch niemand ist bereit aufzugeben. Wer auch immer sich auf den Straßen Londons herumtreibt, scheint verdammt gefährlich zu sein. Und die Polizei will diesen jemand unbedingt das Handwerk legen.

Am 2. Juni, also zwei Tage nach dem Mord und am Tag der Krönung, entdeckt ein Suchtrupp in dem Schlamm das Fahrrad von Christine, rund 100 Meter flussaufwärts vom Tatort. Von Christine selbst fehlt immer noch jede Spur, ebenso wie von der Tatwaffe.

Beziehungsweise nicht ganz. Man findet tatsächlich ein Messer in dem Schlamm, doch es stellt sich später heraus, dass es nichts mit dem Fall zu tun hat. Wer weiß, welche Geheimnisse auf dem Grund der Themse noch immer verborgen liegen. Die Suche geht also weiter, Tag für Tag. Und die Menschen, die vom Ufer aus zusehen, werden einfach nicht weniger. Die Krönung der Neuen Königin wird tagelang in der Stadt gefeiert. Also sind auch tagelang wirklich viele neugierige Menschen vor Ort. Über Lautsprecher versucht man, diese Menschenmassen zum Gehen zu motivieren, doch nicht mit wirklich viel Erfolg. Die Presse berichtet ausführlich über die Ermittlungen und jeden Tag erscheinen neue Schlagzeilen in den Zeitungen.

Kein Wunder also, dass die Leute neugierig sind. Es gibt einige Zeugen, die Barbara und Christine in der Tatnacht noch gesehen haben. Mehrere Camper haben beobachtet, wie die beiden Freundinnen in Richtung Schleuse davongeradelt sind. Ebenso ein junges Pärchen, das am Rand des Treidelfaders etwas Zweisamkeit genossen und die Mädels ebenfalls noch gesehen hat. Einer der beiden berichtet auch von einem kurzen, hohen Schrei, den er oder sie gehört haben will, kurz nachdem Christine und Barbara vorbeigeratet sind. Aber das Paar hat dem Schrei keine weitere Beachtung geschenkt. Man geht ja normalerweise auch nicht sofort davon aus, dass quasi in der Nähe gerade ein brutaler Mord stattfindet. Es dauert noch weitere vier Tage, bis man auch die Leiche von Christine entdeckt, ungefähr drei Kilometer flussabwärts vom Tatort. Und zwar am 6. Juni 1953.

Seit der Tatnacht sind also schon sechs Tage vergangen. Wie auch bei Barbara weist die Leiche von Christine schlimme Verletzungen auf, am Kopf, aber auch am Körper. Auf sie wurde mehrfach eingestochen. Und auch sie wurde brutal vergewaltigt. Ihr Schädel ist gebrochen und voller Platzwunden. Vier der Stichwunden sind direkt ins Herz gegangen. Unzählige Schnittwunden und Blutergüsse an Christines Händen und Unterarm deuten darauf hin, dass auch Christine erbittert um ihr Leben gekämpft und sich gegen den Angreifer gewehrt haben muss. Bei der Autopsie wird ebenfalls festgestellt, dass Christine noch gelebt hat, als sie in den Fluss geworfen wurde.

Für alle ist klar, es handelt sich hierbei um das Werk eines brutalen und gefährlichen Monsters. Barbara und Christine hatten keine Feinde. In ihrem gesamten Umfeld gibt es niemanden, der ernsthaft als Tatverdächtiger in Betracht kommen würde. Das wiederum heißt, dass sich Täter und Opfer vermutlich nicht kannten. Und dass auch jede andere junge Frau, die zu diesem Zeitpunkt auf dem Treidelfahrt entlanggefahren wäre, dem Mann hätte zum Opfer fallen können. Wir sprechen hier die ganze Zeit wie selbstverständlich über einen Täter. Doch so klar ist das der Polizei zu Beginn überhaupt nicht.

Hennem und sein Team gehen am Anfang der Ermittlungen davon aus, dass die Tat von zwei Männern begangen worden sein muss. Wie lässt sich sonst erklären, dass beide Frauen fast gleichzeitig angegriffen und getötet wurden? Warum ist Christine nicht geflohen, während Barbara angegriffen wurde oder umgekehrt? Immerhin waren sie doch auf ihren Rädern unterwegs und es war anscheinend keine Pistole im Spiel, mit der jemand sie aus der Ferne hätte töten können. Nur eine Axt, ein Messer und vermutlich auch ein Beil. Doch eine genaue Analyse der Stichwunden im Rücken der beiden Frauen gibt auch darauf eine Antwort. Der Täter hat vermutlich eine der beiden Freundinnen im Überraschungsmoment die Axt in den Leib gestoßen und der anderen dann das Messer in den Rücken geworfen. Während diese fliehen wollte. Das heißt, die Polizei sucht nicht nur nach einem extrem gewaltbereiten Mörder und Vergewaltiger, sondern auch noch nach einem sehr talentierten Messerwerfer. Nicht gerade ein beruhigender Gedanke.

Die Durchsuchung der Thämse bleibt nach der Entdeckung von Christines Leiche jedenfalls ergebnislos. Die Tatwaffe kann nicht gefunden werden. Weder das Messer noch die Axt. Auch von Barbaras Fahrrad fehlt weiterhin jede Spur.

Möglicherweise hat der Täter es selbst zur Flucht benutzt und an anderer Stelle entsorgt. In der Thämse befindet es sich auf jeden Fall nicht. Die Polizei klappert sogar jeden einzelnen Fahrradladen im Land ab, in der Hoffnung, dass der Täter das Rad verkauft haben könnte. Doch Barbaras Rat bleibt verschwunden. Doch wie geht es jetzt weiter? Wie findet man diesen Mann, der sich scheinbar in den wirren Gassen Londons zu verstecken weiß? Wirklich viel weiß man ja noch nicht über ihn, aber eben auch nicht nichts. Denn auch das Vorgehen bei so einer Tat sagt viel über den Täter aus. Zum Beispiel, dass er gut im Messerwerfen zu sein scheint. Das hatten wir ja eben schon kurz angesprochen. Die Tatsache, dass er seine Opfer nachts im Dunkeln angegriffen hat, könnte darauf hindeuten, dass er sich in der Gegend gut auskennt. Es handelt sich aller Wahrscheinlichkeit nach also um einen Ortskundigen, vielleicht jemanden, der schon lange in London lebt.

Nach so einer brutalen Tat, bei der so viel Blut geflossen ist, ist es schlicht unmöglich, dass der Täter mit sauberer Kleidung davongegangen ist. Allerdings würde jemand, der mit blutverschmierten Klamotten unterwegs ist, in einer vollen Stadt wie London bestimmt jemandem auffallen. Gerade zu einer Zeit, bei der alle in Feierlaune sind und die Stadt nicht wirklich schläft. Der Aufruf ist ja an alle Menschen in London rausgegangen. Wer etwas gesehen hat, das in irgendeiner Form mit der Tat zu tun haben könnte, der soll sich unbedingt melden.

Es wurde sogar eine Belohnung ausgesetzt für Hinweise, die zur Verhaftung des Verantwortlichen führen. Die Presse berichtet jeden Tag. Es ist kaum möglich, dass die Ermittlungen an jemandem in London vorbeigehen, besonders weil die Morde nicht nur in den Zeitungen Thema sind, sondern der Aufruf auch im Radio geteilt wird und sogar in den Kinos, vor Beginn der Vorstellung. Wenn aber niemand in der Tatnacht einen Mann mit blutigen Klamotten gesehen hat, dann gibt es nur zwei Erklärungen. Entweder der Mörder hatte Wechselkleidung dabei und hat sich nach der Tat umgezogen. Oder er hat die Tat nackt begangen und sich vielleicht sogar nach dem Mord in der Temse gebadet. Das ist echt eine super skurrile Theorie, über die wir etwas später in der Folge noch etwas genauer sprechen werden. Es wird auf jeden Fall noch richtig creepy. Aber wir wollen euch das ganze Geschehen natürlich schön der Reihe nacherzählen. Und das bedeutet, dass die Polizei jetzt erst einmal richtig viel kleinschrittige Ermittlungsarbeit leisten muss. Und dazu gehören in erster Linie Befragungen von Menschen, die im Vorfeld des Tatorts wohnen. Vielleicht hat ja jemand von Ihnen doch etwas gesehen oder gehört. Oder wer weiß das schon? Vielleicht versteckt sich der Mörder auch hier irgendwo und fällt bei einem Gespräch mit der Polizei durch seltsames Verhalten auf.

Generell muss in den Tagen nach den Morden wohl jeder junge Mann, der auch nur in mittelbarer Entfernung zum Tatort wohnt, sich einer Befragung von der Polizei unterziehen. Oder auch von Journalisten, die es sich nicht nehmen lassen, ebenfalls an Haustüren zu klingeln und bei der Suche nach dem Mörder zu helfen.

Insgesamt nimmt die Polizei über 1600 Aussagen von männlichen Erwachsenen auf, die im Raum Tennington wohnen, also in dem Stadtteil, in dem die Tat passiert ist. Dazu gehören nicht nur die Männer, die dort wohnen, sondern auch jene, die in Hotels oder Pensionen übernachten oder in der Tatnacht in örtlichen Kinos, Lokalen oder Restaurants unterwegs waren. Jeder noch so kleine Hinweis könnte der Polizei weiterhelfen. Doch die Befragungen bleiben leider ohne Erfolg. Natürlich werden auch alle Männer, die Barbara und Christine kannten, gründlichst unter die Lupe genommen. Auch die Jungs, die die beiden Freundinnen in den Stunden vor der Tat auf dem Zeltplatz besucht haben. Barbara hat sich wohl häufiger auch mal mit einigen US-Soldaten zum Tanzen im Park getroffen. Die waren auf einer nahegelegenen Airbase stationiert. Doch keiner von diesen Männern, niemand von der gesamten Airbase, kommt ernsthaft als Täter infrage. Obwohl sich unter diesen Männern auch mehrere bekannte Sexualstraftäter befinden. Aber sie haben alle gute Alibis oder werden aus anderen Gründen als Verdächtige ausgeschlossen. Wie zum Beispiel, dass sie nicht mit dem Täterprofil übereinstimmen.

Man findet übrigens noch eine weitere Information über den Täter heraus. Das Fahrrad von Christine konnte ja aus der Themse geborgen werden und wird jetzt mit für die 50er-Jahre neuesten labortechnischen Methoden untersucht. Dabei wird es unter anderem 36 Stunden lang erhitzt, und zwar mit dem Ziel, Fingerabdrücke darauf feststellen zu können. Doch die einzigen Abdrücke, die man findet, stammen von Christine selbst und von ihrem Vater, der mit ihr das Rad besorgt hat. Das heißt, der Täter muss während der Tat Handschuhe getragen haben. Er scheint wirklich verdammt gut vorbereitet gewesen zu sein. Und der Täter wäre vielleicht auch davongekommen, wenn er einfach in seinem Versteck geblieben wäre.

Werbung Werbung Ende Doch nur eine Woche nach den Morden schlägt der Täter erneut zu.

Dieses Mal trifft es eine 49-jährige Frau, die gerade ihre Hunde im Park von Windsor Castle ausführt. Windsor Castle liegt an der Westseite Londons und gilt als das größte und älteste bewohnte Schloss der Welt. Queen Elizabeth II. benutzt das Schloss gerne als Wochenendresidenz. Es ist das ganze Jahr über für Besucher geöffnet. Das heißt, in dem Park sind auf jeden Fall noch andere Leute unterwegs, als die 49-jährige Hundebesitzerin von einem Unbekannten überfallen und mit einem Messer bedroht wird. Der Mann zieht die Frau ins Gebüsch, um sie dort zu vergewaltigen, aber sie kann sich wehren. Der Angreifer flieht auf einem Fahrrad. Die Hundebesitzerin hat bei dem Angriff das Gesicht des Mannes gesehen. Sie kann den Täter also gegenüber der Polizei eindeutig beschreiben. Sie berichtet zum Beispiel, dass der Mann ein Grübchen am Kinn hatte. Ein charakteristisches Merkmal, anhand dessen man ihn vermutlich leicht wiedererkennen könnte. Die Art und Weise, wie der Angreifer vorgegangen ist, erinnert die Polizei an einen Vorfall, der sich eine Woche vor der Ermordung von Barbara und Christine ereignet hat. Das Opfer war ein 14-jähriges Mädchen, das bei einem Hundespaziergang von hinten mit einem harten Gegenstand bewusstlos geschlagen und dann brutal vergewaltigt wurde. Der Täter hatte das Mädchen zuvor auf einem Fahrrad verfolgt.

Es scheint bei all diesen Vorfällen also immer einen männlichen Angreifer gegeben zu haben, der mit einem Fahrrad unterwegs ist und irgendeinen scharfen, harten Gegenstand dabei hat, sei es eine Axt oder ein Messer. Wenn diese Angriffe wirklich zusammenhängen, dann deutet alles darauf hin, dass der Mann ein Serientäter ist, der sich in einem etwa wöchentlichen Rhythmus an scheinbar ziellos ausgewählten Frauen vergeht.

Das Alter dieser Frauen scheint dabei keine Rolle zu spielen. Alle sind im öffentlichen Raum unterwegs, wo die Wahrscheinlichkeit, gesehen oder gehört zu werden, recht hoch ist. Möglich, dass das Risiko, entdeckt zu werden, dem Mann in seinem Wahnsinn einen zusätzlichen Kick verpasst. Detective Hennam und sein Team nehmen nun Kontakt zu den Kollegen auf, die im Falle des 14-jährigen Mädchens ermitteln. Dabei kommt heraus, dass es in diesem Fall auch bereits einen konkreten Tatverdächtigen gibt. Zeugen hatten nämlich gesehen, wie ein Mann mit braunen Lederhandschuhen, einem blauen Overall und Grübchen am Kinn das Mädchen aus der Ferne verfolgt hatte und kurz nach der Tat wohl mit dem Bus weggefahren ist. Daraufhin wurde ein Phantombild erstellt und veröffentlicht. Natürlich kann zu diesem Zeitpunkt der Ermittlungen niemand sagen, ob der Gesuchte auch etwas mit den Morden an Barbara und Christine zu tun hat. Aber von der Beschreibung her klingt der Mann zumindest schon einmal sehr verdächtig. Am 17. Juni, also knapp vier Wochen nach der Vergewaltigung des 14-jährigen Mädchens und drei Wochen nach der Ermordung von Christine und Barbara, bekommt die Polizei einen Hinweis, dass der Mann auf dem Phantombild gesehen worden ist. Die Beamten können ihn aufspüren und festnehmen. Sein Name ist Alfred Charles.

Er wird auf dem Revier befragt, aber dann wieder freigelassen, weil er sich wirklich äußerst überzeugend erklären kann und bei einer näheren Betrachtung dem Phantombild dann doch nicht wirklich ähnlich sieht. Die Polizei entschuldigt sich sogar bei ihm für die Festnahme. Einen Tag später, am 18. Juni, entdeckt ein Polizist, der mit den Ermittlungen eigentlich gar nichts zu tun hat, zufällig eine kleine Axt, als er gerade dabei ist, einen Polizeiwagen zu reinigen. Es handelt sich dabei um genau den Wagen, mit dem Alfred Charles am Tag zuvor für seine Befragung zum Revier gefahren wurde. Die Axt liegt unter dem Fahrersitz des Fahrzeugs versteckt. Doch der Polizist denkt sich nicht viel dabei. Und jetzt wird es richtig hart. Er verstaut die Axt in seinem Spind und macht dann Feierabend. Nicht einen Gedanken verschwendet er daran, dass die Axt möglicherweise die gesuchte Tatwaffe in den Tau-Path-Murder sein könnte.

Ausgerechnet jetzt wird dieser Polizist auch noch krank und fällt für viele Tage aus. Die Axt in seinem Spind vergisst er dabei völlig. Erst als er gut 20 Tage später wieder zum Dienst kommt und den Spind öffnet, fällt ihm die Sache mit der Axt wieder ein. Aber noch immer macht es nicht Klick. Und so nimmt der Polizist die Axt einfach mit nach Hause und benutzt sie dort als Werkzeug. Also zum Holz hacken oder für andere Arbeiten, die so im Hause anfallen. Es dauert noch eine gute Woche, bis diesem Polizisten dann plötzlich doch mal die Erkenntnis trifft, um was für eine Axt es sich hier eigentlich handeln könnte. Und mit dem schlechtesten Gewissen der Welt bringt der Polizist die Axt Mitte Juli zurück. Man stellt schnell fest, dass es sich bei der Axt wohl wirklich um die Tatwaffe handelt, weil die Krümmung der Klinge perfekt zu den Kopfverletzungen von Barbara und Christine passt.

Gut also, dass der Polizist noch den Mut hatte, seinen Versagen einzugestehen und seinen Fehler öffentlich zu machen. Denn diese Axt wird im weiteren Verlauf der Ermittlungen noch sehr, sehr wichtig werden. Doch wir müssen zeitlich noch einmal kurz zurückspulen. Und zwar circa zwei Wochen, auf den 28. Juni 1953. Der Polizist, der die Axt gefunden hat, liegt also gerade krank zu Hause und von der Axt in seinem Spind weiß noch niemand etwas. An diesem 28. Juni, also fast einen Monat nach der Ermordung von Barbara und Christine, hält ein Autofahrer in London an, um einen Anhalter mitzunehmen. Etwas an diesem Passagier erinnert den Autofahrer an das Phantombild des unbekannten Mannes, der wegen der Vergewaltigung des 14-jährigen Mädchens gesucht wird. Beunruhigt meldet der Autofahrer diese Begegnung bei der Polizei.

Die beschließt, den Anhalter genauestens unter die Lupe zu nehmen und nimmt den Mann fest. Es handelt sich um niemand anderen als Alfred Schatz, also genau den Kerl, der vor einigen Wochen schon einmal wegen der Vergewaltigung in Verdacht geraten und von der Polizei verhört worden ist. Es kann kein Zufall sein, dass die Polizei jetzt schon wieder auf diesen Alfred gestoßen ist.

Um sicherzugehen, mit wem sie es hier zu tun haben, bitten die Beamten nun die 49-jährige Hundebesitzerin, ihnen bei einer Gegenüberstellung zu helfen. Ihr erinnert euch, die 49-Jährige wurde im Park von Windsor Castle von einem Unbekannten mit einem Messer bedroht und ins Gebüsch gezehrt, konnte sich aber befreien. Diese Hundebesitzerin identifiziert Alfred nun eindeutig als den Mann, der auch sie angegriffen hat. Für Detective Hennem besteht kein Zweifel. Sie haben damit auch den Mörder von Barbara und Christine gefunden. Jetzt müssen sie das nur noch beweisen. Um Alfred noch besser einschätzen zu können, durchforstet die Polizei nun seine Vergangenheit. Alfred ist zusammen mit sechs Schwestern und zwei Brüdern in London aufgewachsen. Als er 14 Jahre alt ist, stirbt sein Vater an Krebs. Alfreds Mutter muss sich von da an allein um die neuen Kinder kümmern. Schon während seiner Jugend gerät Alfred mit dem Gesetz in Konflikt und wird in eine Besserungsanstalt eingewiesen, fällt aber auch dort immer wieder durch sein schwieriges Verhalten auf. Er hat kein großes Interesse daran, in der Schule zu lernen. Man geht davon aus, dass er eine Aufmerksamkeitsstörung hat, die nie wirklich erkannt und behandelt wurde.

Im Alter von 17 Jahren muss er wegen Diebstahls für ein Jahr ins Gefängnis und sucht sich danach einen Job auf einer Baustelle. Seine Kollegen beschreiben ihn als sehr muskulös und kräftig, aber auch als jezornig und besessen von Messern.

Alfred soll außerdem die Eigenschaft haben, immer Handschuhe zu tragen, um seine, wie er sagt, wertvollen Hände vor jeder Art von Makeln zu schützen. Er hat neben der Arbeit ein wirklich ungewöhnliches Hobby. Er liebt es, mit Messern und Äxten zu werfen. Er ist gerne mit dem Fahrrad unterwegs und hat in seiner Satteltasche immer eine Axt oder ein Messer dabei, um seine Wurftechniken bei jeder Gelegenheit zu üben. Er zeigt seine Skills auch gerne seinen Freunden. Dann befestigt er eine leere Zigarettenschachtel an einem Baum und wirft seine Waffe aus einigen Metern Entfernung. Er trifft immer. Aus 30 Metern Entfernung soll er eine Streichholzschachtel zerteilen können.

Alfred ist zum Zeitpunkt des Doppelmordes mit einer Frau namens Nelly verheiratet. Wie ihre Beziehung zustande gekommen ist, das ist auch wieder eine Geschichte für sich. Alfred ist um die 19 Jahre alt, Nelly 16, als die beiden sich kennenlernen. Alfred sieht seine zukünftige zum ersten Mal im Park, als diese dort mit einer Freundin unterwegs ist. Er folgt ihr nach Hause und spricht Nelly erst kurz vor der Haustür zum ersten Mal an. Die lebt zu dem Zeitpunkt bei ihren Eltern zu Hause. Nelly findet das anscheinend gar nicht creepy, dass ihr Verehrer ihr einfach so gefolgt ist und verabredet sich auf ein Date mit ihm.

Nellys Mutter ist nicht wirklich begeistert von dem neuen Freund ihrer Tochter und erteilt Alfred kurzerhand Hausverbot. Also treffen sich die jungen Verliebten eben draußen und haben Sex in abgelegenen Gassen. Zu Alfred nach Hause können sie auch nicht. Er lebt gemeinsam mit seiner Mutter und einigen Verwandten in einem engen Reihenhaus in Teddington, das sich übrigens nicht mal einen Kilometer von der Stelle entfernt befindet, wo Christine und Barbara ermordet wurden. Nelly lässt sich absichtlich von Alfred schwängern, um eine Hochzeit zu erzwingen. Ohne die Schwangerschaft hätten ihre Eltern wohl nie ihr Einverständnis gegeben. Und genau so kommt es auch. Nach der Hochzeit zieht das Paar in eine möblierte Zwei-Zimmer-Wohnung, die jedoch einen großen Teil von Alfreds Gehalt als Bauarbeiter verschlingt und schließlich zu teuer wird. Also landen die beiden auf der Straße und beschließen, dass es wohl das Beste ist, wenn jeder wieder zurück in sein Elternhaus geht. Als Alfred im Juni 1953 festgenommen wird, ist seine Tochter bereits zwei Jahre alt und seine Frau erneut schwanger. Seine Schwiegereltern lassen ihn nach wie vor nicht in ihr Haus, was die Beziehung der beiden etwas schwierig gestaltet. In der Regel treffen sich Alfred und Nellie abends draußen vor dem Haus und trinken dann häufig gemeinsam eine Tasse Tee, während die Tochter drinnen schläft.

Nelly schätzt Alfred als liebevollen, hingebungsvollen Ehemann und Vater. Aber es gibt auch einige Quellen, die von Problemen in der Beziehung berichten. Im Laufe der Ermittlungen stellt sich heraus, dass Alfred die Familie von Barbara anscheinend recht gut kennt. Er soll wohl einmal mit Barbaras Schwägerin zusammen gewesen sein und sich auch mit Barbaras älteren Bruder recht gut verstehen. Tatsächlich legt dieser Bruder bei der Polizei auch ein gutes Wort für Alfred ein und betont, dass der seiner Schwester niemals etwas antun würde. Generell haben anscheinend viele in Barbaras Familie ein gutes Wort für Alfred über und nennen ihn anständig, rücksichtsvoll und einen Gentleman. Diverse Zeitungsberichte über den Fall erzählen aber wiederum eine ganz andere Geschichte. In den Berichten ist zu lesen, dass Alfred wohl unter dem Namen Tarzan in der Region bekannt geworden sein soll, weil er sich anscheinend gerne nackt oder zumindest fast nackt von Bäumen schwingt und sich dann auf seine nichtsahnenden Opfer stürzt. So einige Frauen soll er damit in Angst und Schrecken versetzt haben.

Damit wären wir wieder bei der Theorie angelangt, dass Alfred auch die Morde an Christine und Barbara nackt verübt haben könnte. Ausgangspunkt für diese Theorie war ja die Tatsache, dass anscheinend niemandem ein blutbefleckter Mann aufgefallen ist, der in der Tatnacht in der Nähe der Schleuse unterwegs war. Man findet jetzt nämlich bei einer Durchsuchung von Alfreds Zuhause ein Paschur, das Alfred nach eigener Aussage gerne und regelmäßig trägt, wohl auch in der Tatnacht. Dieses Paar Schuhe ist allerdings noch vor gar nicht allzu langer Zeit gründlich gereinigt worden, was an sich ja schon verdächtig ist. Bei einer genauen Untersuchung im Labor stellt man nun fest, dass sich im rechten Schuh noch minimale Spuren menschlichen Blutes befinden. Die Polizei geht also davon aus, dass Alfred die Tat tatsächlich nackt begangen hat, sich in der Themse gebadet und anschließend im Dunkeln in den Büschen wieder angezogen hat. Dabei muss er versehentlich mit seinem rechten Fuß in etwas Blut getreten sein, wodurch das Blut dann in den Schuh geraten ist. So skurril die Vorstellung auch ist, so wahrscheinlich ist es, dass er bei der Tat Handschuhe anhatte, obwohl er sonst komplett unbekleidet gewesen sein muss. Anders lässt sich nicht erklären, warum sich auf dem Rad von Christine keine Fingerabdrücke von ihm befinden, obwohl er es ja in die Themse geworfen hat.

Als Alfred dann gute zwei Wochen später wegen der Angriffe auf das 14-jährige Mädchen und die 49-jährige Hundebesitzerin festgenommen wird, hat er wie immer seine Axt dabei. Er versteckt sie in seinem blauen Overall und lässt die Waffe dann heimlich unter den Fahrersitz des Polizeiautos gleiten. Dass dieser eine Polizist, der eigentlich nur das Auto waschen sollte, sie findet und mit nach Hause nimmt, spielt Alfred als glücklicher Zufall in die Karten. Denn der Polizist verwischt dabei aus Versehen sämtliche forensische Spuren an der Axt durch seine eigenen Fingerabdrücke.

All dieses Wissen bestätigt Detective Hennem, dass er bei Alfred auf der richtigen Spur ist. Es passt alles zusammen. Der gezielte Wurf mit der Axt, während eine der Freundinnen zu fliehen versuchte. Die Vergewaltigung. Und vieles von dem, was Alfred in Untersuchungshaft erzählt, passt nicht mit dem zusammen, was seine Frau Nellie und deren Mutter über ihn berichten. Alfred lügt. Er hat etwas zu verbergen. Hennem knöpft sich Alfred also nun in aller Seelenruhe vor. Der Detective hat keine Eile, weil Alfred ja sowieso wegen der Vergewaltigungsvorwürfe in Untersuchungshaft sitzt. Obwohl dessen Alibi mit jedem weiteren Gespräch bröckelt und Hennem ihm ein Detail nach dem anderen entlocken kann, gesteht Alfred die Morde nicht. Nur zu den sexuellen Übergriffen bekennt er sich. Mittlerweile ist dem Polizisten, der das Polizeiauto geputzt und die Axt gefunden hat, aufgefallen, dass er tagelang die Tatwaffe in einem Doppelmold zum Holzhacken benutzt hat. Erst dann hat er die Waffe ja wieder zurückgegeben. Das heißt, Hennem hat sie nun vorliegen und kann Alfred damit unter Druck setzen. Zeitlich befinden wir uns mittlerweile in der 2. Juli-Hälfte 1953.

Hennem konfrontiert Alfred also nun mit seiner geliebten Axt und bekommt auch die erwünschte Reaktion. Alfred versucht nicht einmal zu verbergen, dass er die Axt erkennt. Er beklagt sich sogar darüber, dass sie stumpf und abgenutzt sei. Parallel dazu macht ihm Hennem klar, dass man Blut in einem seiner Schuhe gefunden habe. All diese Beweise würden eine eindeutige Sprache sprechen. Das ist dann der Moment, in dem Alfred seinen Widerstand aufgibt. Ihm ist klar, dass man ihn überführt hat. Und er sagt so etwas wie, wir zitieren, Sie wissen verdammt gut, dass ich es war. Was für eine verdammte Sauerei. Ich bin verrückt. Ich muss eine verdammte Frau haben. Ich kann mich nicht zurückhalten. Dann schildert Alfred vollkommen nüchtern und emotionslos, wie er Barbara und Christine in der Nacht vom 31. Mai angegriffen, vergewaltigt und getötet habe. Er erzählt, dass er zuerst nur eine der beiden Freundinnen gesehen und diese dann mit der Axt geschlagen habe. Dann habe er das andere Mädchen etwas weiter den Treidelpfad hinunterschreien hören.

Daraufhin sei er, Zitat, rübergehuscht und habe sie zum Schweigen gebracht. Er habe keine Wahl gehabt, weil es sich bei dieser zweiten Person um Barbara gehandelt habe. Und da Barbara ihn ja kennt und ihn als Christines Angreifer hätte identifizieren können, musste sie auch sterben. Planmäßig, so Alfred, hätte der Überfall gar nicht tödlich enden sollen, so wie er bei dem 14-jährigen Mädchen und der 49 Jahre alten Frau ja auch nicht tödlich war. Ihm ging es in erster Linie um die Vergewaltigung, nicht den Mord. Er gibt zu, dass er sich in der Gegenwart von Frauen einfach nicht unter Kontrolle hat. Dann unterschreibt er sein Geständnis, womit die Polizei ein wirklich wichtiges Beweisstück für den anstehenden Prozess hat. Mit diesem Geständnis gehen neun Wochen Ermittlungsarbeit zu Ende, in denen mehr als 1600 Aussagen und 2000 Telefonate ausgewertet wurden. Wenn man von einem 8-Stunden-Arbeitstag ausgeht, dann sprechen wir von einem 6-Minuten-Takt, in dem Anrufe eingehen. Der Prozess beginnt am 26. Oktober 1953, also fast fünf Monate nach den Morden an Christine und Barbara.

Tatsächlich wird das Geständnis auch schnell zum zentralen Diskussionspunkt vor Gericht. Alfreds Verteidigung behauptet, Hennem habe es erzwungen und stellt das komplette Schuldeingeständnis in Frage. Alfred habe die Aussage gemacht, ohne zu wissen, dass diese zu seinem Nachteil führen könne. Er sei nie über seine Rechte aufgeklärt worden. Die Verteidigung stellt sogar in Frage, ob die Unterschrift auf dem Geständnis echt sei oder von Hennem gefälscht wurde.

Das Ding ist, dass die Polizeiverhöre in den 50er Jahren nicht aufgezeichnet werden und als einzige Beweise die Notizen des Detektives und der anwesenden Beamten im Raum zählen. Das ist zur derzeit gängige Praxis. Erst seit 1991 sind Tonaufnahmen bei Vernehmung die Norm. Hennem weist diese Anschuldigung natürlich zurück und legt noch einmal all die Indizien und Beweise vor, die er während der letzten Wochen gesammelt hat. Auch wenn die Polizei nicht immer ganz saubere Arbeit geleistet hat, so wie mit der Axt zum Beispiel, so besteht an Alfreds Schuld kein Zweifel. Das sieht auch die Jury so. Die braucht nur etwa 50 Minuten, um sich zu beraten und zu einem Urteil zu kommen. Alfred wird wegen Doppelmords und den Vergewaltigungen schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Bei der Urteilsverkündung zeigt Alfred keine Regung. Er versucht durch seine Anwälte Berufung einzulegen, hat damit aber keinen Erfolg. Bei seiner Verurteilung ist er 22 Jahre alt, seine Frau Nellie ist 18, genauso alt wie Christine geworden ist.

Am 22. Dezember 1953, also keine zwei Monate nach dem Schuldspruch, wird Alfred hingerichtet. Seine letzte Handlung auf dem Weg zum Galgen ist es, einem Gefängnismitarbeiter eine Weihnachtskarte an seine Familie zu geben. Der Henker, der das Todesurteil vollstreckt, heißt Albert Pierpoint und er gilt als einer der bekanntesten und meistbeschäftigten Henker des ganzen Landes.

Lass uns noch kurz über diesen Mann reden, dessen Beruf es ist, Verurteilte hinzurichten. Derselbe Henker ist nämlich schon öfter an unseren Folgen aufgetaucht. Zum Beispiel in Folge 77 beim Fall des Rillington Place Murders oder in Folge 147 über Ruth Ellis zum Beispiel. Albert Pierpoint ist nämlich sowas wie eine Legende in England und Henker zu sein ist ja auch ein durchaus ungewöhnlicher Beruf. In seiner ganzen Karriere hat Albert Pierpoint über 450 Exekutionen durchgeführt. Viele davon waren Kriegsverbrecher nach dem Zweiten Weltkrieg. Trotz dieser großen Zahl an Hinrichtungen ist der Beruf des Henkers keiner, mit dem man finanziell gut über die Runden kommt. Denn seit Ende des 19. Jahrhunderts erhalten sie in Großbritannien kein festes Gehalt mehr, sondern nur eine bestimmte Summe pro Hinrichtung, wie eine Provision quasi. Das heißt, die meisten Henker gehen neben ihrem Beruf noch einem anderen Job nach. Albert Pierpoint zum Beispiel verdient sein Geld zunächst als Auslieferungsfahrer eines Gemüsegroßhändlers und später als Gastwirt in einer Kneipe. Viele seiner Kollegen entscheiden sich dafür, als Henker nicht ihren richtigen Namen zu benutzen, sondern anonym zu praktizieren. Sie wollen nicht, dass ihr Job ihr eigentliches Leben zu sehr beeinflusst. Viele outen sich dann erst, nachdem sie ihr Amt niedergelegt haben. Albert wollte schon als Kind später einmal Henker werden, genauso wie sein Vater und Onkel.

Tatsächlich gilt Alberts Onkel als einer der ältesten Henker Großbritanniens, der sein Amt noch mit über 75 Jahren ausgeübt hat. Und so hat der kleine Albert schon mit elf Jahren in einem Schulaufsatz zum Thema Berufswunsch geschrieben I want to be a hangman. Albert Pierpoint hat es immer als seine Hauptaufgabe gesehen, den Ablauf der Hinrichtung möglichst zu beschleunigen. Einerseits, um die Todesangst des Verurteilten abzukürzen. Andererseits besteht so weniger Gefahr, dass dieser sich zur Wehr setzt. Peerpoint hält gar nichts davon, dem Verurteilten auf dem Weg zum Galgen die Augen zu verbinden. Ein Mann mit verbundenen Augen habe Angst vor jedem Schritt, erzählt er mal in einem Interview, und bilde sich sonst was ein. Auf die Frage, wie er mit dem Druck umgehe, den seinen Job mit sich bringe, antwortet er, Zitat, Es ist nicht Albert Pierpoint, der in die Todeszelle hineingeht, sondern nur das Werkzeug des Staates. Ich lasse alle persönlichen Gefühle und Empfindungen draußen vor der Tür. Es interessiert mich auch nicht, was der Verurteilte getan hat oder wer er vorher war. Er hat also einen Weg gefunden, um seine Persönlichkeit von seiner Tätigkeit abzuspalten.

Interessanterweise wird Albert Pierpoint im Rentenalter zu einem Gegner der Todesstrafe. Im Nachwort zu seinen Memoiren schreibt er Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Hinrichtungen zwecklos sind. Sie sind lediglich ein antiquiertes Relikt eines primitiven Verlangens nach Rache, dass es sich nicht einfach macht und die Verantwortung für die Rache auf andere überträgt. Und das sehen wohl viele Länder heute auch so. Belarus ist das einzige Land in Europa, das heutzutage überhaupt noch die Todesstrafe anwendet. In allen anderen europäischen Ländern wurde sie abgeschafft. Und damit endet die Geschichte unserer heutigen Folge. Der Fall der Tauberth Murders wird später als einer der größten Erfolge von Scotland Yard im ganzen Jahrhundert in die Geschichte eingehen, trotz einiger Ermittlungspannen. Erst ohne Zweifel ein Fall, der in Erinnerung bleibt.

Und es ist auch ohne Zweifel ein Fall, wo ich wieder sage, was hat die Polizei bzw.

Dieser eine Polizist da bitte gemacht? Ja, das ist auch ein Punkt, über den ich ganz lange noch nachgedacht habe, nachdem wir uns auf die Folge vorbereitet haben. Weil ich mir auch denke, wie kannst du als Polizist eine Axt in einem Polizeiauto finden? Wir reden ja hier nicht von einem Stift, der zu einer Waffe werden könnte. Eine fucking Axt, was kein normaler Gegenstand ist, den man so mit sich führt. Wie kannst du das in einem Polizeiauto finden, auch noch so unter einem Sitz und glauben, dass das nicht mit irgendeinem Verbrechen in Verbindung steht? Und dann schließt du das Ding in deinem Spind ein, nimmst das mit nach Hause und machst damit Feuerholz? Also wie kann es sein, dass der nicht eine Sekunde sich mal gefragt hat, ob er das vielleicht auch einfach mal jemandem erzählt? Also das ist einfach unvorstellbar für mich. Ich habe da direkt von Rookie Smitty vor Augen. Für alle, die Rookie jetzt nicht kennen, Smitty ist da so jemand, der ist schon relativ alt, der hat schon sehr viel, nennen wir es mal, Berufserfahrung und will wahrscheinlich einfach nur noch möglichst in Rente und dann nicht mehr wirklich viel für einen Job tun. Und genau bei dieser Person habe ich diesen Smitty vor Augen. Und es ist nicht Smitty aus der letzten Folge. Richtig, habe ich auch gerade den Gedanken tatsächlich gehabt. Aber da stelle ich mir diesen Polizei-Smithy vor von Rookie, der halt wirklich keinen Gedanken an den Job verschwendet. Und ich meine, ich kenne viele Polizisten und ich weiß, denen würde das auf gar keinen Fall passieren.

Die sind da, also die einzige Erklärung, die ich irgendwie habe, ist, wir haben ja gesagt, dass die Axt unter dem Beifahrersitz gefunden wurde. Dass der sich jetzt gedacht hat, gut, das hat halt ein Kollege vielleicht da vergessen. Das ist jetzt nicht... Hinten beispielsweise gefunden wurde, wo ja der Gefangene so gesehen transportiert wird. Ja, aber dann hast du einfach einen Kollegen beklaut in dem Moment. Also wir haben ja in ganz vielen Fällen schon über, ich nenne es jetzt mal flapsig.

Ja fahrlässige Polizeiarbeit gesprochen und dass die Polizei ja nicht ihre Arbeit gemacht hat. Und das ist natürlich immer so leicht zu sagen, auch gerade im Nachhinein, wenn Jahre später doch noch neue Indizien aufkommen und man einfach ein größeres Bild hat, dann haben wir beide das ja auch schon oft gesagt, ist es immer so easy zu sagen, ja, die Polizeiarbeit war schlecht oder sie war gut, aber in dem Fall ist es einfach nur schlecht. Das kann man nicht anders bewerten. Aber ich finde es auch total interessant hier in dem Fall, war ja relativ schnell klar, dass der Täter gut mit Waffen umgehen kann. Also anhand der Wunde im Körper der Leichen haben die Ermittler ja relativ schnell daraus geschlossen, dass der Täter die Waffe auch geworfen hat. Das finde ich zum Beispiel total interessant, dass das eben relativ schnell ein wichtiges Detail war in den Ermittlungen. Ja, absolut. Ich sehe auch, abgesehen von diesem Punkt, warum das als einer der größten Erfolge von Scotland Yard im ganzen Jahrhundert gefeiert wird.

Die haben immer noch aus dem ganzen Land alle Fahrradläden abgeklappert. Die haben da den Kanal komplett brach gelegt. Kanal, die Temse. Also holy shit, was das für ein Aufwand gewesen sein muss. Also ja, abgesehen von diesem Punkt finde ich das wirklich komplett nachvollziehbar. Detective Phenom hat da wirklich, hört sich jetzt ganz komisch an, hat da wirklich ganze Arbeit geleistet. Nichtsdestotrotz hätte dieser Fehler natürlich dazu führen können, dass noch jemand einfach stirbt. Ich finde es auch mal wieder sehr bezeichnend, dass er jetzt wieder gesagt hat, also nicht Detective Hanum, sondern der Taubhafen-Mörder mit dem Mord, das war eigentlich gar nicht geplant. Ich finde, das hört man immer mal wieder. Ich weiß nicht ganz, wie ich dazu stehen soll, um ehrlich zu sein, weil er sagt, es sei ja nur, ganz fette Anführungsstriche jetzt, die Vergewaltigung geplant. und der Mord sei nun versehen. Da habe ich das Gefühl echt, dass die einfach überhaupt gar keine Schuld eingestehen können an dem Punkt. Naja, und dazu kommt ja auch, dass er dann bemerkt hat, ach, da ist ja noch ein anderes Mädchen. Ach, die hat das jetzt gesehen. Na, dann muss ich die jetzt ja auch entsorgen, um in der Sprache seiner Taten zu bleiben. Und weißt du, was ich auch besonders heftig finde hier bei der Geschichte?

Die Familie von Barbara kennt den ja. Oder anders, er kennt Barbaras Familie. Und dass die sich hinter ihn gestellt hat und gesagt hat, nein, das ist ein anständiger Kerl. Also dass sie den auch noch gedeckt haben, das kannst du dir doch gar nicht ausmalen. Oder wenn dann rauskommt, er war es doch. Er hat deiner Schwester, deiner Tochter, deiner Freundin das angetan. Wie krass muss das noch sein? Wenn das Bild von der Verwandtschaft, von der Familie einfach zerbröckelt, wenn man denkt, das hat der wirklich getan, aber wir kennen den doch, also vermeintlich. Das, finde ich, macht diese ganze Geschichte hier noch mal viel dramatischer und trauriger. Das ist ja noch mal eine ganz andere Tragik. Da haben wir auch letztens im Stream zusammen ein bisschen drüber gesprochen, weil wir ja letztens den Fall in Frankreich hatten.

Wo die Mutter den Mörder ja weiterhin verteidigt hat, in dem offenkundigen Wissen, dass da jemand umgebracht wurde. Ich will jetzt gar nicht für die Leute, die den Fall jetzt nicht so in der Tiefe oder überhaupt noch gar nicht gehört haben, allzu krass spoilern, aber die hat sich ganz aktiv dafür entschieden, in dem Wissen, dass jemand jemanden umgebracht hat, diese Person noch immer zu verteidigen. Und hier verteidigen sie die Person, ohne es zu wissen. Ich finde, das ist wirklich eine absolute Tragik des Schicksals. Und ja, also wie die sich danach dann gefühlt haben müssen, das kann ich mir auch ehrlich gesagt nicht vorstellen. Ja, es ist einfach nur traurig, dass so zwei Freundinnen einen guten Sommer haben wollten, auf ihren Rädern da aktiv waren und so ja auch schnellstmöglich nach Hause kommen wollten und dass da einfach ein Monster, das muss man ja einfach mal jetzt so sagen, da in den Büschen gelauert hat und sich dann auf sie geworfen hat. Das ist an Tragik und Grausamkeiten nicht zu überbieten.

Aber auch in diesem Fall hat die Familie zum Glück, in Anführungsstrichen, keine Ahnung, es fühlt sich jetzt falsch an, das zu sagen, Aber wurde der Täter geschnappt und verurteilt, in dem Fall ja sogar hingerichtet. Und das macht es natürlich nicht besser. Das holt die Person auch nicht wieder zurück ins Leben. Aber zumindest gibt es diese Genugtuung, dass der Täter seine Strafe bekommen hat. Und dem ist, glaube ich, auch an der Stelle nichts mehr hinzuzufügen. Ich glaube, wenn wir jetzt noch anfangen, über die Todesstrafe zu diskutieren, dann füllt das wahrscheinlich eine weitere Stunde. Das machen wir vielleicht mal an einer anderen Stelle, bei einem anderen Fall. Aber ich würde sagen, für heute schließen wir die schwarze Akte, eine gelöste Akte. Und wir freuen uns, wenn ihr nächste Woche Dienstag wieder zuhört, wenn wir euch hier in der schwarzen Akte von einem neuen Fall erzählen. Wir sind eure Hosts, Anne Luckmann und Patrick Strohbusch. Redaktion, Silva Hanekamp und wir. Intro und Trainer gesprochen von Pia Rohnersachse Producer Falko Schulte Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios.