Diese Episode enthält explizite Details über wahre Kriminalfälle. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Ich lasse mein altes Leben los. Mein Name, mein Körper, meine Vergangenheit. Das alles gehört nicht mehr zu mir. Ich weiß, dass es keinen anderen Weg gibt, um zu leben, um mit ihm zusammen zu sein. Ich muss mich von den Fesseln meiner irdischen Hülle befreien. Der letzte Schritt ist der schwerste und der leitste. schönste. Ich bin voller Vertrauen, voller Liebe. Ich bin bereit. Du bist stärker als die, die sich noch festhalten. Du siehst, was andere nicht sehen wollen. Du hast dich gelöst. Von Zeit, von Angst, von dir. Du folgst mir und ich führe dich. Hinein in ein besseres Leben. In eine gemeinsame Zukunft ohne Leid und Schmerz. Du bist bereit, deine Seele auf die Reise zu schicken. Und ich bin der Anfang deiner Rückkehr.

Music.

Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit Patrick Strobusch. Und mit Anne Lückmann. Hello. Werbung. Werbung Ende. Ja, wir möchten euch heute die Geschichte zweier Menschen erzählen, die sich in den 70er Jahren an verschiedenen Orten in Deutschland zugetragen hat. Eine junge Frau auf der Suche nach Halt, die trifft auf einen Mann, der ihr scheinbar all das geben kann, wonach sie sich sehnt. Doch was dann folgt, ist keine klassische Liebesgeschichte. Dieser Fall ist gleichermaßen unglaublich wie beunruhigend und ist nicht ohne Grund in die deutsche Rechtsgeschichte eingegangen. Er stellt viele große Fragen, die wir im Laufe dieser Folge auch zu beantworten versuchen.

Eine davon lautet, was bringt einen Menschen dazu, sich selbst aufzugeben? Aber starten wir ganz von vorn. Mit einer jungen Frau namens Heidrun, die in einer Wohnung in Bad Wildbad lebt, im nördlichen Schwarzwald. Schon seit dem 19. Jahrhundert besuchen die Leute den Kurort, um Heilung für Körper und Geist zu finden. Neben Ruhe und Regeneration gibt es hier auch ein echtes Touristen-Highlight. Eine der höchsten Hängebrücken Europas, die in 60 Metern Höhe den Schwarzwald überspannt. Wer die Brücke überquert, bewegt sich sinnbildlich zwischen Himmel und Erde, zwischen irdischer Schwere und himmlischem Versprechen. So wie Heidrun es tun wird. Doch noch ahnt sie nichts von all dem. Wie viele junge Menschen sucht sie nach dem Sinn ihres Lebens, nach ihrem Platz in der Welt. Genau das passt auch zu dem Zeitgeist der frühen 70er Jahre. An vielen Orten Deutschlands ist eine gewisse Orientierungslosigkeit zu spüren, ein Hauch von Auf- und Umbruch. Gerade die jungen Menschen wollen wissen, welche Lebensformen abseits von Familie, Kirche und Kapitalismus noch so möglich sind. Psychologische Debatten, Spiritualität und Esoterik gewinnen zunehmend an Bedeutung, was sich auch an den Charts erkennen lässt.

1973 erscheint Dark Side of the Moon von Pink Floyd. Ein Meilenstein der psychedelischen Musik, die sich mit Bewusstsein, Tod und Entfremdung beschäftigt. Auch die elektronischen Klänge der Band Kraftwerk dürfen auf keiner Party fehlen. 1974 startet in Deutschland der Film Der Exorzist in den Kinos und wird schnell zu einem Phänomen. Die Angst vor dem Übersinnlichen, vor Kontrollverlust, ist nun auch bildlich auf der Leinwand zu sehen. Im Fernsehen etabliert sich der Tatort als festes, sonntägliches Ritual in vielen Haushalten. Heidrun ist zu dieser Zeit, also Anfang der 70er Jahre, um die 22, 23 Jahre alt. Aufgewachsen ist sie im beschaulichen Ahlen im Osten Baden-Württembergs.

Ungefähr 70 Kilometer östlich von Stuttgart. Nach ihrem Schulabschluss macht sie eine Ausbildung zur Sekretärin und nimmt anschließend eine entsprechende Stelle an einer Fachhochschule in Aalen an. Später beschließt sie, beruflich neue Wege zu gehen und zieht nach Bonn, um dort bei der Tageszeitung Welt anzufangen. Sie lebt ein ruhiges und geregeltes Leben. Wirklich viel ist über ihre Vergangenheit und ihre Person nicht bekannt. In vielen offiziellen Quellen wird sie als unselbstständig und komplex beladen bezeichnet, was recht hart klingt. Aber vermutlich einfach eine andere Beschreibung dafür ist, dass Heidrun in gewisser Weise auf der Suche nach sich selbst ist. So wie es wir alle wohl mal an einem Punkt in unserem Leben waren oder sind. Doch dann macht Heidrun Anfang der 70er Jahre eine Bekanntschaft, die ihr Leben für immer radikal verändern soll. In einer Disco, ganz in der Nähe von Aalen, also dort, wo sie aufgewachsen ist, lernt sie den unglaublich charmanten und smarten Fred kennen. Fred scheint viel über die großen Fragen des Lebens zu wissen und haut Heidrun regelrecht von den Socken. Nicht nur, weil er sie mit seinem Porsche nach dem Disco-Besuch nach Hause fährt, sondern weil Heidrun das Gefühl hat, ihn bereits aus einem früheren Leben zu kennen.

Fred ist vier Jahre älter als Heidrun, also Mitte-Ende-20. Er lebt eigentlich in Baden-Baden, was etwa zweieinhalb Stunden von Aalen mit dem Auto entfernt ist. In den 70er Jahren hat Baden-Baden einen Ruf als sehr wohlhabende Stadt mit einer niedrigen Kriminalitätsrate. Hier gibt es ein berühmtes Casino, das viele Menschen in der Hoffnung auf schnelles Geld anzieht und eine Pferderennbahn. Fred ist anscheinend einfach gerne dort, wo das Geld ist. Und Fred ist wirklich der Prototyp eines Hochstaplers, wie es das Online-Magazin LTO so treffend formuliert. Die schreiben, selbstsicher und wortgewandt, ebenso charmant wie manipulativ. Einer, der weiß, wie man die Sehnsüchte von Menschen bedient. Fred interessiert sich für alles, was über die Grenzen des menschlichen Verstandes hinausgeht. Die Verbindung ins Jenseits, Hypnose und Parapsychologie zum Beispiel. Dabei experimentiert er auch gern mal mit verschiedenen Drogen- und Giftpflanzen. Sein Wissen macht ihn seiner Ansicht nach zum Experten auf vielen Gebieten. Er gibt sich ganz nonchalant als Heilpraktiker, Privatdozent und Doktor der Psychologie aus und lädt gerne zu okkultistischen Sitzungen hinter verschlossenen Türen ein. Er verspricht Antworten auf die großen Fragen des Lebens und auf alles, was danach kommt. Fred ist recht frisch verheiratet, als er Heidrun in der Disco über den Weg läuft.

Seine Frau Heike hat er während seiner Ausbildung an einer Handelsschule kennengelernt, die er nach einem halben Jahr allerdings abgebrochen hat.

1970 haben Heike und er sich das Ja-Wort gegeben, also etwa drei bis vier Jahre bevor Heidrun in sein Leben tritt. Oder besser gesagt, bevor er in Heidruns Leben tritt. Eigentlich ist Fred ausgebildeter Galvaniseur, also ein Experte dafür, wie man Oberflächen versilbert und vergoldet.

Also kein Beruf, mit dem man andere Menschen von sich und seinen übernatürlichen Fähigkeiten überzeugen kann. Zumindest nicht so, wie er das als vermeintlicher Heilpraktiker oder Psychologe tun kann.

Wie es damals üblich war, musste Fred als junger Erwachsener auch Pflichtdienst bei der Bundeswehr leisten. In der Zeit hat er eine Sanitäterausbildung absolviert, durch die er Zugang zu Schmerzmitteln erhalten hat. Ein kleines Detail, das später noch sehr wichtig wird. Fred kennt sich durch seinen Einsatz bei der Bundeswehr also nicht nur mit Medikamenten aus, sondern auch mit Waffen. Tatsächlich ist er auch schon einige Male wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz aufgefallen. Nach der Bundeswehr hat Fred gemeinsam mit einem Klassenkameraden eine Firma für Gavanisiertechnik gegründet, wobei er seinen Kollegen dabei methodisch hintergangen haben soll. Denn Fred soll von den Rohstoffen, die das Unternehmen eingekauft hat, heimlich Goldbarren gestohlen haben, um die dann mit der Hilfe von Komplizinnen bei Banken zu verkaufen. Und wir reden hier über Rohstoffe im Wert von 800.000 DM. Das entspricht mit Inflation einem heutigen Wert von etwa 1,8 Millionen Euro. Keine Überraschung also, dass das mit Fred und seinem Geschäftspartner nicht lange gut gegangen ist. Aber all das weiß Heidro nicht, als sie Fred in der Disco kennenlernt. Obwohl die beiden nicht in der gleichen Stadt leben, entwickelt sich zwischen ihnen in den nächsten Wochen und Monaten eine intensive Freundschaft. Da sie sich nicht so häufig sehen können, telefonieren sie eben viel. Ihre Telefonate dauern dann gern auch mal mehrere Stunden.

Fred nimmt Heidrun mit in seine Welt der Philosophie, Psychologie und Spiritualität. Er ist immer für sie erreichbar und Heidrun kann ihr Glück kaum fassen, dass sie einen so interessanten, gebildeten und weitdenkenden Mann als ihren Freund bezeichnen darf. Also Freund in einem rein freundschaftlichen Sinne. Es bleibt eine platonische Beziehung zwischen ihnen, also eine Verbindung zwischen Geist und Seele, nicht zwischen ihren Körpern. Fred erweitert in vielerlei Hinsicht Heidruns Horizont. Er begeistert sie für Yoga und Meditation, fürs Philosophieren und Diskutieren. Fred wird für Heitrun im Laufe der Zeit zum spirituellen Lehrer und Berater in allen Lebensfragen. Sie vertraut ihm ohne Einschränkung und glaubt ihm einfach alles, was er erzählt. Heitruns Eltern sind anscheinend nicht so begeistert von diesem neuen Freund im Leben ihrer Tochter, weil sie erkennen, was für einen Einfluss Fred auf sie hat. Heitrun ist eine andere, seit sie Fred kennt. Und sie wird unter keinen Umständen den Kontakt zu ihm aufgeben, auch wenn ihre Eltern das gerne hätten.

1978 beschließt Heidrun, die Zelte in Bonn abzubrechen und nach Bad Wildbad zu ziehen, was recht nah an Baden-Baden liegt. Wir sprechen hier über etwa 50 Minuten Fahrt mit dem Auto. Damit ist sie schon mal deutlich näher an Fred als in Bonn, was gute drei Stunden entfernt war. Fred hat praktischerweise auch eine Wohnung für sie in Bad Wildbad, ganz schick in Hanglage mit Blick über das Tal.

Es gibt auch einen Grund, warum Heidrun näher an Fred sein will. Denn er hat ihr angeblich offenbart, was sich Heidrun in ihren kühnsten Vorstellungen nicht hätte ausmalen können. Und zwar soll Fred ihr in einem vertraulichen Gespräch erzählt haben, dass er eigentlich gar kein Mensch sei, sondern Sirianer. Also, dass er vom Stern Sirius stammt. Bestimmt haben viele von euch schon einmal von Sirius gehört oder ihn sogar gesehen, denn das ist der hellste Stern am Himmel und auch mit bloßem Auge zu erkennen. Das hat auch einen Grund, und zwar, weil er in Anführungsstrichen nur 8,6 Lichtjahre von der Erde entfernt ist und so mit zu den nächsten Sternen gehört. Der Sirius befindet sich in der Sternkonstellation Großer Hund, weshalb er in vielen Kulturen auch als der Hundestern bezeichnet wird. Er ist von vielen Orten der Welt aus sichtbar, besonders in den Wintermonaten. Seine Oberfläche ist tausende von Grad heiß, was es für Menschen ziemlich unmöglich macht, dort zu leben. Interessant ist auch, dass Sirius in Wahrheit ein Doppelstern ist. Der helle Hauptstern, der ca.

25 Mal leuchtkräftiger ist als die Sonne und ein kleiner Ministern, der in einer engen Umlaufbahn um seinen großen Bruder kreist und mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist. Zum Thema Hundestern gibt es übrigens noch einen sehr interessanten Funfact für alle Potter-Fans unter euch? Denn Sirius Black in Harry Potter hat seinen Namen nicht ohne Grund bekommen. Laut dem Harry Potter-Fandom hat die Autorin ihre Figur nämlich deswegen so genannt, da Sirius in seiner Animagus-Gestalt ein schwarzer Hund ist. Der komplette Name ist eigentlich ein Oxymoron, also ein Gegensatz. Sirius bezieht sich auf den hellsten Stern am Himmel, während Black natürlich für die dunkelste aller Farben steht. Ein Symbol für völlige Lichtlosigkeit, für viele dunkle Jahre in Asgaban, während der Sirius-Stern als stetiger Hoffnungsschimmer am Firmament leuchtet.

Fred erklärt Heidrun also, dass die Sirianer eine Rasse seien, die philosophisch auf einer weit höheren Stufe stehe als die Menschen. Er habe den Auftrag erhalten, zur Erde zu reisen und es ausgewählten Menschen zu ermöglichen, auf dem Stern Sirius weiterzuleben. Und Heidrun sei eine dieser Auserwählten. Wenn sie sich genau an Freds Anweisungen halte, dann könne sie mit ihm zum Sirius reisen und dort für immer mit ihm leben. Es gibt allerdings einiges, was Heidrun tun muss, um diese Reise antreten zu können. Sie muss ihre Seele, ihren Geist und ihren Körper präparieren und dafür einige Opfer bringen. Das Wichtigste ist, dass sie sich bei den Vorbereitungen nicht von äußerlichen Einflüssen ablenken lässt. Das bedeutet, dass sie ihre Wohnung nicht verlassen darf und den Kontakt zu anderen Menschen abbrechen muss. Nur Fred darf sie sehen.

Ihre Tage soll Heidrun mit Yoga und Meditation verbringen und auch ihre Ernährung, die muss sie streng umstellen. Weg von Alkohol, Zucker und allem, was irgendwie schädlich sein kann. Fred entwirft einen strengen Essensplan, inklusive Zeiten, an die sie sich zu halten hat. Um Heidrun bei ihrer geistigen und philosophischen Weiterentwicklung bestmöglich zu unterstützen, bietet Fred ihr Hilfe an. Nicht seine, sondern die eines Mönches, den Fred scheinbar wohl gut kennt. Dieser Mönch nennt sich Uliko, vom Volke der Dogen, und sei ein noch größerer Lehrmeister in diesen Angelegenheiten als Fred selbst. Uliko könne für Heidrun meditieren und ihren Geist so bei der Vorbereitung für die Reise zum Sirius unterstützen.

Heidrun ist begeistert von diesem Vorschlag und erleichtert, dass sie bei dem ganzen Meditieren nicht auf sich alleine gestellt ist. Denn sie ist ja selbst auch keine Expertin auf dem Gebiet und die hohen Anforderungen von Fred haben sie ehrlicherweise schon ein bisschen unter Druck gesetzt. Heidrun versteht auch, dass der Mönch nicht umsonst für sie meditieren kann. Fred erklärt ihr, dass Uliko sich sehr, sehr viele Stunden in Meditation versetzen müsse und dass er in dieser Zeit ja quasi einen Verdienstausfall haben werde. Es sei also angebracht, ihm eine gewisse Summe dafür zu überweisen. Und zwar 30.000 DM.

Heidrun bittet also die Bank um einen Kredit und erhält ihn auch. Sie ahnt nicht, dass Fred sich den Mönch nur ausgedacht hat und das ganze Geld auf sein eigenes Konto überweist. Sie glaubt fest an die Mission und ist bereit, alles zu tun, um mit Fred auf dem Sirius zu leben. Wir drücken nochmal ganz kurz auf die erzählerische Pausentaste und zoomen nochmal raus aus der Story für einen kleinen, aber sehr interessanten Exkurs. Denn tatsächlich ist Fred nicht der einzige Mensch, der behauptet, vom Sirius zu stammen. Und der davon überzeugt ist, dass durch das richtige Verhalten ein Leben auf dem Stern möglich sei. Es gibt zum Beispiel einen sehr bekannten deutschen Komponisten, der heißt Karl-Heinz Stockhausen, der einmal von sich Folgendes gesagt hat. Ich wurde auf Sirius ausgebildet und dort will ich auch wieder hin, obwohl ich noch in Kürten bei Köln wohne. Auf Sirius ist es sehr geistig. Zwischen Konzeption und Realisation vergeht fast keine Zeit. Was man hier als Publikum kennt, passive Beisitzer, gibt es dort gar nicht. Da ist jeder kreativ. Stockhausen gilt wohl als einer der berühmtesten Komponisten der Gegenwart. Seine Stücke sind kompliziert, seine Melodien kann man nicht nachweifen. Und trotzdem ist er sogar in der Popkultur zur Ikone geworden. Bands wie Kraftwerk haben sich von ihm beeinflussen lassen. Und die Beatles, die haben sein Gesicht sogar auf einem ihrer LP-Cover verewigt.

Stockhausen ist im Alter von 79 Jahren verstorben. Oder anders gesagt, seine körperliche Hülle verweilt heute nicht mehr auf der Erde. Vielleicht ist er zum Sirius zurückgekehrt und führt sein Werk vom Zentrum der Galaxie aus fort. So, wie er es sich immer gewünscht hat. Natürlich erzählt Fred Heidrun auch von diesem Komponisten und von so einigen anderen Menschen, die ebenfalls mit dem Stern Sirius in Verbindung stehen. Er will ihr zeigen, dass er nicht der Einzige ist und dass seine Behauptungen durchaus seriös sind. Er will nicht ein Funken Zweifel in Heidrun aufkommen lassen. Im True-Crime-Genre ist die Geschichte von Fred und Heidrun übrigens nicht der einzige Fall, in dem sich alles um ein Leben auf dem Sirius dreht. In den 90er Jahren, also 20 Jahre nach unserem Fall, da wird man in der Schweiz, Kanada und Frankreich die Machenschaften des sogenannten Order of the Solar Temple aufdecken, die insgesamt 74 Menschen das Leben kostet. Es handelt sich dabei um eine sektenartige Bewegung, deren Anhänger glauben, dass sie nach ihrem Tod auf der Erde zum Sirius reisen und dort in Ewigkeit weiterleben können.

Die beiden Anführer der Bewegung organisieren regelrechte Selbstmordversammlungen, bei denen die Gläubigen gemeinsam Suizid begehen. Man findet später Zimmer voller verbrannter Leichen. Bevor die Gläubigen die Reise zum Sirius antreten, müssen sie allerdings ihr Geld den Anführern spenden, die sich davon ein Leben im Luxus ermöglichen. Wer nicht mitmachen will, wird getötet, bevor er oder sie zur Gefahr werden kann. Niemand darf sich der Gruppe entziehen. Unter den Opfern findet man auch ein Baby. Der Transit zum Sirius ist dann auch der Grund, warum die Bewegung schließlich ihr Ende findet. Weil sich alle Anhänger umgebracht haben und am Ende niemand mehr übrig ist.

Also, es passieren richtig krasse Sachen rund um den Sirius. Und Heidrun ist nicht die Einzige, die dem Glauben verfällt, zu dem Stern reisen und dort leben zu können. Im Vergleich zu dem Fall mit den Massensuiziden sind Fred und Heidrun ja noch ganz moderat unterwegs. aber eben mit Betonung auf, noch. Denn so richtig klappt das mit der geistigen Weiterentwicklung einfach nicht. So sehr Heidrun sich auch ins Zeug legt, sie spürt keinerlei Veränderung. Auch nicht mit der vermeintlichen Unterstützung des Mönchs. Als Fred Heidrun dann auch noch erzählt, der Mönch habe sich in große Gefahr gebracht und schließlich aufgegeben, fühlt sie sich wie die größte Versagerin überhaupt. Was ist falsch mit ihr, dass die ganzen Anstrengungen einfach nicht klappen? Fred hat eine Erklärung. Sie sei geistig blockiert, und zwar durch ihren Körper. Sie müsse sich ihrer sterblichen Hülle entledigen und in einen neuen Körper eintreten. Evakuieren, sozusagen.

Glücklicherweise hat Fred auch einen Plan, wie dieser Körpertransit gelingen kann. Er erzählt Heidrun, dass in einem roten Raum am Genfer See bereits ein neuer Körper für sie bereitstehe. In diesem neuen Körper würde sie als Künstlerin leben und könne sich so geistig unbeschränkt weiterentwickeln. Alle erforderlichen Papiere und Beruhigungspillen werde sie in dem roten Raum auch vorfinden. Doch bevor die Evakuierung beginnen kann, muss natürlich noch das Finanzielle geklärt werden. Denn in ihrem neuen Körper wird Heidrun auf jeden Fall auch Geld brauchen. Und das lässt sich am besten beschaffen, indem Heidrun eine Lebensversicherung abschließt und Fred als einzigen Begünstigten dort angibt. Dieser würde dann das Geld kassieren und Heidrun in ihrem neuen Körper zur Verfügung stellen. Gesagt, getan. Heidrun hat keinen Zweifel an der Richtigkeit des Planes und schließt nach Beratschlagung mit Fred eine Lebensversicherung in Höhe von 250.000 DM ab. Für diesen Spaß muss Heidrun eine monatliche Prämie von knapp 590 DM zahlen.

Da sie als Sekretärin nicht gerade Unmengen an Geld verdient, ist das ein ganz schöner Batzen für sie, bei dem Fred auch nicht aushilft. Aber da sie ja eh davon ausgeht, bald in einem neuen Körper zu leben, mit einer neuen Identität, kann ihr das Geld ja rein theoretisch egal sein. Was auch noch ganz wichtig ist, sollte Heidrun durch einen Unfall sterben, dann würde sie die doppelte Summe ausgezahlt bekommen, also 500.000 DM. Das heißt, ihr Übergang in den neuen Körper muss wie ein Unfall aussehen, damit sie finanziell auch das meiste rausholen kann. Und auch dafür hat Fred einen Plan. Damit Fred alle Vorbereitungen treffen kann, leistet Heidrun ihm schon mal eine Anzahlung von 4000 DM aus ihrem Ersparten. Zur Vernichtung von Heidruns irdischen Körper soll ein Autounfall herhalten. Genauer gesagt, der Brückenpfeiler eines Autobahnzubringers. Und ja, der Begriff Vernichtung stammt nicht von uns, sondern die beiden nennen ihr Vorhaben wirklich so.

Körpervernichtung. Denn der Körper steht ja im Weg und blockiert Heidruns Geist auf seinem Weg zum Sirius. Der Autounfall soll Weihnachten 1979 stattfinden. Da kennen sich die beiden schätzungsweise um die 5, 6 Jahre. Heidrun ist zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 28 Jahre alt, Fred dann etwa 32. Bevor Heidrun jedoch in ihr Auto steigen kann, geschieht etwas, mit dem wohl niemand gerechnet hat. Heike, die Ehefrau von Fred, begeht Suizid. Ein Schuss in den Kopf, und zwar während Fred sich in der Wohnung befindet. Nicht nur Heikes Familie und Freunden, sondern auch den Behörden kommt das irgendwie ziemlich merkwürdig vor. Denn Heike ging es eigentlich gut. Sie stand mitten im Leben und hatte gerade erst einen neuen Job als Redakteurin beim Südwestfunk im Kinderprogramm angefangen, um der Abhängigkeit von Fred zu entkommen.

Sie war längst nicht mehr die schüchterne, unsichere Frau, die Fred damals kennengelernt hat. Bei ihrer Hochzeit war Heike sogar noch minderjährig. Die Polizei findet jetzt durch Gespräche mit den Angehörigen heraus, dass es in der Ehe mit Fred wohl nicht so gut lief und dass Heike wohl über eine Scheidung nachgedacht hat. Fred soll wohl immer wieder andere Frauen mit nach Hause gebracht haben und Heike immer wieder zu Dingen gezwungen haben, die sie nicht gut findet. Einmal soll er Heike und ihre Mutter dazu gebracht haben, mit ihm russisch Roulette zu spielen. Es ist allerdings nicht bekannt, ob an dem Abend wirklich eine Kugel im Magazin war. Fakt ist, Fred hat ihr Leben wohl vollkommen dominiert. Ziemlich interessant für die Polizei ist auch die Tatsache, dass Heikes Mutter ihrer Tochter gar nicht allzu lange vor deren vermeintlichem Suizid ihr Elternhaus überschrieben hat, gemeinsam mit einem beträchtlichen Barvermögen. Fred erbt nun das Haus und das gesamte Geld. Und überhaupt scheinen Heikes Eltern das Leben von ihrer Tochter und Fred erheblich finanziert zu haben. Das Haus, in dem sie in Baden-Baden wohnen, hat das Paar mit dem Geld von Heikes Familie gekauft. Da hat Fred also echt ganz schön von profitiert. Werbung Ende.

Tatsächlich ist Heike auch nicht die erste Person in Freds Umfeld, die auf recht dubiose Weise ums Leben gekommen ist. Darauf kommen wir später nochmal näher zu sprechen. Es gibt also jeden Grund, dass die Polizei Ermittlungen gegen Fred aufnimmt. Heißt also, er hat deshalb gar nicht viel Zeit, um sich um Hydrun und ihren Übergang auf den Stern Sirius zu kümmern. Also wird der Plan mit dem Autounfall erst einmal auf Eis gelegt und Fred muss zusehen, dass er sich mit der Polizei auseinandersetzt. Wir machen es kurz, man kann ihm nichts nachweisen, weshalb Heikes Tod offiziell auch weiterhin als Suizid eingestuft wird. Fred behauptet, auf dem Sofa geschlafen zu haben und von dem Schuss aufgewacht zu sein. Heike ist Linkshänderin und das Einschussloch befindet sich auch auf der linken Schläfe. Bei der Obduktion einen Tag später findet man auch Schmauchspuren an ihrer linken Hand. Das heißt, sie hat mit hoher Wahrscheinlichkeit wirklich selbst abgedrückt. Doch auch freiwillig? Das ist hier nämlich die große Frage.

Trotz aller Aufregung um die polizeiliche Ermittlungsarbeit beschließen Heidrun und Fred nicht lange zu warten und einen zweiten Versuch zu starten. Dieses Mal aber nicht mit dem Auto, da sie im Nachhinein unsicher sind, ob Heidrun bei dem Zusammenstoß mit dem Brückenpfeiler nicht doch nur in Anführungszeichen schwer verletzt werden würde, sondern mit einem Föhn. Am Neujahrstag 1980 steigt sie also in die Badewanne. Damit das Ganze auch wirklich wie ein Unfall aussieht, soll Heidrun vorher Wäsche waschen, einen Kuchen backen, eine Bekannte für den Abend einladen und das Telefon neben die Badewanne stellen. Damit das auch alles so funktionieren kann, kaufen Fred und Heidrun extra noch einen neuen Föhn mit einem langen Kabel. Fred befindet sich dieses Mal bewusst nicht in der Wohnung, Nicht so wie damals, als seine Ehefrau Heike sich das Leben genommen hat. Er hockt bei sich zu Hause in Baden-Baden und hat an dem Abend sogar Besuch von einer Freundin. Heidrun ist zu Hause bei sich in Bad Wildbach.

Gegen 18 Uhr ruft Fred bei Heidrun an, zur Generalprobe. Um kurz vor 20 Uhr soll Heidrun in die Wanne steigen und um Punkt 20 Uhr dann den Föhn fallen lassen. Die Freundin, die gerade bei Fred zu Besuch ist, hört skurrilerweise das Telefonat mit. Sie weiß, was passiert, fühlt sich aber merkwürdig unbeteiligt. In einer SWR-Dokumentation über den Fall wird sie später erzählen, Fred habe ihr vorher sogar verkündet, dass an dem Abend jemand sterben würde. Doch die Freundin kann nichts tun, so unglaublich das auch klingt. Sie fühlt sich wie gelähmt oder hypnotisiert. Sie ist einfach nur da, um Freds Alibi zu sein und interveniert auch nicht. Um 20.15 Uhr macht Fred einen Kontrollanruf und ist ziemlich überrascht, als Heidrun abnimmt.

Die ist total verzweifelt, weil der Föhn im Wasser nur ein leichtes Kribbeln ausgelöst hat und sie sich immer noch in ihrem Körper befindet. In den nächsten anderthalb Stunden telefonieren Fred und Heidrun etwa zehnmal, um auszutesten, warum es nicht geklappt hat. Heidrun versucht es mit frischem Badewasser und ändert auch die Position des Föhns. Doch auch das funktioniert nicht. Schließlich fordert Fred sie vollkommen genervt auf, den Versuch abzubrechen. Ein Gutachter des TÜV wird später feststellen, dass Heidrun nur durch einen Baumangel überlebt hat. Die Badewanne war nicht geerdet, obwohl das damals eigentlich Vorschrift war. Hätte der Plan funktioniert, hätte die Polizei vermutlich auch noch viel mehr gegen Fred in der Hand gehabt. Denn nur, weil man wegen des Suizids von Freds Ehefrau Heike nichts gegen ihn finden konnte, heißt das nicht, dass Fred frei von jedem Verdacht sei. Die Polizei ermittelt gegen ihn wegen des Gebrauchs von Gift und anderen Drogen. In mehreren Städten in Deutschland, der Niederlande und Belgien soll er wahllos Menschen in Cafés vergiftet haben, weshalb er im Juni 1980 per internationalem Haftbefehl gesucht wird. Das Gift heißt Skopolamin und ist bekannt unter einem ganz anderen Namen, nämlich K.O.-Tropfen.

Fachleute bezeichnen die Substanz als Wahrheitsdroge mit besonderer Wirkung, weil man nur eine ganz kleine Dosis braucht, um Menschen gefügig zu machen. Das Gift eliminiert nämlich die Willenskraft einer Person.

Die Vermutung liegt nahe, dass Fred auch seiner Ehefrau Heike diese Substanz untergejubelt haben könnte und sie so vielleicht zu dem Suizid angestiftet haben könnte. Tatsächlich wird Heikes Leichnam auch auf das Gift hin untersucht, doch man findet keine Spur davon in ihrem Körper. Im Januar 1980, also nur wenige Wochen nach Heidruns Versuch mit der Badewanne, wird es Fred in Baden-Baden zu heiß und er geht nach Bielefeld. Doch auch dort findet ihn die Polizei. Die Ermittlungen gegen ihn laufen weiter. Also geht Fred weiter nach Kiel, wo er sich für zwei Monate in eine Psychiatrie einweisen lässt, um dem Druck zu entgehen. Im Juli 1980, also ein halbes Jahr nach dem Badewannenversuch, zieht Fred nach Hamburg. Gefolgt von Heidrun, die ihre Wohnung in Bad Wildbad aufgibt. Sie sieht den vermeintlichen Syrianer immer noch als ihren Freund und Mentor an. Ihre Gefühle für ihn, die haben sich nicht verändert. Trotz allem, was passiert ist. Fred und Heidrun ziehen in Hamburg jetzt in eine WG, gemeinsam noch mit zwei anderen Frauen.

Ein Jahr später eröffnet Fred in der Nähe von Hamburg ein Altenheim. Er gibt sich als Doktor der Psychologie aus und behandelt Patienten, obwohl er eigentlich überhaupt keine Zulassung hat. Es ist nicht genau überliefert, was genau das für Behandlungen sind. Man weiß nur, dass er ihnen wohl Blut abgenommen hat. Ihr erinnert euch an seine Ausbildung zum Sanitäter bei der Bundeswehr? Im alten Reim hat Fred eine Kollegin namens Erika, die hauptsächlich die pflegerische Arbeit übernimmt. Und diese Erika wird jetzt für den weiteren Verlauf des Falls ziemlich wichtig werden. Denn eines Tages nimmt ein Mann Kontakt zu Erika auf, der ihr vollkommen unbekannt ist. Es ist der Cousin von Heike, Freds verstorbener Ehefrau. Und der gibt sich nicht damit zufrieden, dass Manfred keine Beteiligung an dem Suizid von Heike nachweisen konnte und ermittelt auf eigene Faust. Er kann Altenheim-Mitarbeiterin Erika davon überzeugen, gegen Fred vorzugehen. Also stellt Erika den Kontakt zu Heidrun her. Und keine zwei Wochen später treffen sich die drei, also Heikes Cousin, Heidrun und Freds Arbeitskollegin Erika.

Sie legen die Karten offen auf den Tisch und diskutieren bis spät in die Nacht, wie sie sich Fred gegenüber verhalten sollen. Schließlich kann Heikos Cousin die beiden Frauen überzeugen, zur Kriminalpolizei zu gehen. Und das machen sie noch in derselben Nacht. Wenn man bedenkt, wie lange und intensiv Heidrun an Freds Geschichte geglaubt hat, ist das schon eine echt bemerkenswerte Leistung des Cousins. Sowohl Heidrun als auch Erika sind bereit, gegen Fred auszusagen. So kommt es auch erst, dass die Polizei überhaupt von der ganzen Sirius-Geschichte erfährt und von der Tatsache, dass Fred ohne entsprechende Ausbildung und Abschluss im Altenheim als Arzt praktiziert.

Durch ihre Aussagen im August 1980 bringen die beiden Frauen den Sirius-Fall erst so richtig ins Rollen. Die Polizei leitet Ermittlungen ein und kann Fred schließlich festnehmen. Er hat im nun kommenden Prozess so einige Fragen zu beantworten. Die Justiz steht auch vor einer großen und schweren Frage, nämlich kann Fred wegen der versuchten Tötung von Heidrun zur Verantwortung gezogen werden? Beihilfe zum Suizid ist in Deutschland ja nicht strafbar. Denn auch Suizid ist kein Straftatbestand und dadurch ist eben auch die Beihilfe straflos. Aber die Rechtsprechung prüft in solchen Fällen, ob andere Straftatbestände, also zum Beispiel Totschlag oder unterlassene Hilfeleistung erfüllt werden. In diesem Fall stellt sich aber die große Frage, handelt es sich wirklich um einen versuchten Suizid oder doch eher um einen versuchten Mord? Ganz abgesehen von der Tatsache, dass Fred Heidrun um viele tausend D-Mark betrogen hat. Der Prozess gegen Fred beginnt Anfang der 80er Jahre, also fast genau zehn Jahre, nachdem Fred und Heidrun sich kennengelernt haben. Genauer gesagt findet er 1982 in Karlsruhe statt, wobei zu dem Zeitpunkt noch niemand ahnt, dass der Fall mal in die juristischen Lehrbücher eingehen wird.

Freds Anwalt versucht natürlich darauf zu plädieren, dass Fred nur Beihilfe zum Suizidversuch geleistet habe, was ja nicht strafbar ist. Fred wirft der Kriminalpolizei einen wüsten Amoklauf gegen seine Person vor und inszeniert sich selbst als das Opfer in der ganzen Angelegenheit. Er habe Heidrun nur einen Gefallen getan. Sie habe das alles selbst so gewollt. Doch das Gericht sieht das etwas anders. Denn Heidrun hatte nie vor, Suizid zu übergehen und zu sterben. Sie war in dem festen Glauben in die Badewanne gestiegen, in einem anderen Körper zu erwachen und so endlich ihre geistigen Blockaden überwinden zu können.

Es ging ihr also nicht um die Beendigung ihres Lebens, sondern um ein Weiterleben. Bei dem Prozess sagt Heidrun sogar aus, dass sie der Meinung ist, Menschen hätten gar nicht das Recht, sich selbst zu töten. Fred allein hat Heidrun in diesen falschen Glauben versetzt. Und deswegen ist auch nur er allein für die versuchte Tötung verantwortlich. Er hat die leichtgläubige Heidrun zu einem Werkzeug gegen sich selbst gemacht und versucht, sie zu töten, ohne dabei selbst Hand anzulegen. Im Fachjargon spricht man hierbei von mittelbarer Täterschaft. Wem das bekannt vorkommt, wir haben in Folge 251 über den Katzenkönig auch schon über dieses Thema gesprochen. Beide Fälle sind juristisch eng miteinander verknüpft. Fred hat durch die Aufforderung, den Föhn in die Badewanne zu werfen, versucht, Heidrun zu töten, um das Geld von der Versicherung zu kassieren. Auf diese Weise kann also jemand, der im wörtlichen Sinn eigentlich keine Tat begangen hat, als mittelbarer Täter für die Handlung eines anderen verantwortlich sein. Und dafür kann und muss Fred auch verurteilt werden. Das Gericht spricht ihn wegen Betrugs, vorsätzlicher Körperverletzung und versuchten Mordes für schuldig.

Er muss für sieben Jahre ins Gefängnis. Das klingt erstmal nicht nach viel, doch der Mordversuch ist ja auch fehlgeschlagen. Wäre Heidrun wirklich gestorben, dann wäre das Strafmaß natürlich wegen Mordes deutlich höher ausgefallen. Fred will seine Schuld auch nach dem Urteil noch immer partout nicht einsehen. Doch er muss seine Haft antreten, ob er will oder nicht. Und wie er so ist, setzt er die Zeit im Gefängnis nicht einfach still und leise ab, sondern versucht, mit der Hilfe einer weiteren leichtgläubigen Frau und einer Briefkastenfirma Geld vor seinen Gläubigern im Ausland zu verstecken. Deshalb muss er 1988, als seine sieben Jahre eigentlich vorbei sind, nochmal zwei Jahre und drei Monate länger im Gefängnis bleiben. Kaum dass Fred 1990 dann wieder auf freiem Fuß ist, verliert sich seine Spur. Ja, und damit ist der Fall eigentlich abgeschlossen. Wenn nicht ausgerechnet ein True-Crime-Podcast 40 Jahre später wieder neuen Wind in die Sache gebracht hätte. Es geht um den Podcast Sprechen wir über Mord vom SWR in Baden-Baden. Das Team rund um den Podcast ist bei der Recherche zum Sirius-Fall 2022 auf ein paar noch ungeklärte Todesfälle in Freeds Umfeld gestoßen und hat es sich zur Aufgabe gemacht, der ganzen Angelegenheit nochmal genauestens auf den Grund zu gehen.

Das Ziel ihrer Recherche ist es nicht nur, einen möglicherweise noch ungeklärten Mordfall aufzudecken, sondern vielleicht sogar Fred selbst aufzuspüren. Denn der war bei seiner Verurteilung gerade einmal Mitte 30. Das heißt, er könnte 40 Jahre später durchaus noch leben. Aus der Suche nach Antworten ist auch noch eine super spannende dreiteilige Dokumentation entstanden, die man noch bis zum Februar 2027 in der ARD-Mediathek anschauen kann. Die Doku heißt Tödliche Verführung, haben wir euch mal in den Shownotes verlinkt. Kommen wir jetzt aber nochmal ganz kurz auf diese anderen ungeklärten Todesfälle zu sprechen, die in Freeds Umfeld passiert sind. Anscheinend gab es zwischen 1976 und 1979 jedes Jahr mindestens einen rätselhaften Tod, der irgendwie mit ihm in Zusammenhang zu stehen scheint. Kurz zur zeitlichen Einordnung. Das ist der Zeitraum, in dem Heidrun und er sich zunehmend intensiv auf ihre vermeintliche Reise zum Sirius vorbereitet haben. An Weihnachten 1979 sollte ja der Autounfall stattfinden. Am 1. Januar 1980 war dann der Versuch mit der Badewanne. Da wäre zum Beispiel Angela, die bei einem Autounfall gestorben ist. Sie ist auf gerader Strecke und bei gutem Wetter gegen einen Baum gefahren.

Angela gilt als Freundin von Fred. Beide waren am Vortag noch zusammen auf einer Party gewesen. Oder Margarete, die vermeintlich an einer Überdosis in Amsterdam gestorben ist, ein paar Tage nachdem in dem Billiardsalon, in dem sie gearbeitet hat, ein Feuer ausgebrochen ist und Margarete fast von den Flammen verschlungen wurde. Die Feuerwehr hat sie in dem brennenden Lokal auf einem Billiardtisch sitzend gefunden, nur mit Pullover und Unterhose bekleidet. Margarete war ebenfalls mit Fred befreundet und an dem Tag des Feuers ist Fred auch in dem Billardsalon gewesen.

Dann wäre da noch Hans Georg, ein Freund, der angeblich von Fred Drogen bekommen hat und durch einen Giftcocktail zu Tode gekommen ist. Oder Michael, dessen Frau den gleichen Nachnamen wie Freds ehemaliger Geschäftspartner trägt, den Fred ja damals um viele hunderttausend D-Mark betrogen hat. Dieser Michael ist wohl ebenfalls bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Wenn man sich all diese Fälle anschaut und die Personen, die Fred eventuell zum Opfer gefallen sein könnten, dann wird klar, dass er, wenn das alles wirklich so ist, ein klares Beuteschema zu verfolgen scheint. Junge Menschen, die unsicher und leicht zu beeindrucken sind. Er manipuliert diese Menschen, bis sie ihm verfallen und er sie wie Werkzeuge für seine Zwecke nutzen kann.

Das hat in Heidruns Fall geklappt, vermutlich auch in dem Fall seiner verstorbenen Ehefrau Heike, die sich ja erschossen hat, und vielleicht auch bei den anderen Personen. Aber, um das nochmal zu betonen, Fred wurde nie offiziell wegen diesen Todesfällen verurteilt. Das heißt, wir dürfen zwar die Mutmaßung äußern, dass er damit in Verbindung stehen könnte, ihn aber nicht als den offiziell Verantwortlichen dafür hinstellen. Das geht nur in Heidrons Fall, weil es da ein richtiges Verfahren gegeben hat und Freds mittelbare Täterschaft nachgewiesen werden konnte. In der Doku, von der wir eben gesprochen haben, kommt auch ein ehemaliger Ermittler zu Wort. Und was er zu erzählen hat, ist so interessant, dass wir euch das natürlich nicht vorenthalten wollten. Er hat jahrelang versucht, Fred die Tode von Angela und Margarete nachzuweisen. Doch ist am Ende damit gescheitert. Fred soll einmal zu ihm gesagt haben, sie sind für mich viel zu klein, sie werden mich nie überführen können und eine Gerichtsverhandlung wird es nicht geben.

Die große Frage aber bleibt, wo ist Fred? Das Team rund um den SWR True Crime Podcast hat bei der Recherche jede Menge neue Indizien gegen Fred gefunden. Theoretisch könnte Fred auch nach über 40 Jahren noch einmal der Prozess gemacht werden, denn Mord verjährt nicht. Das geht aber natürlich nur, wenn man Fred auch findet. Mitte der 90er Jahre verliert sich aber seine Spur und es ist nicht gerade leicht, offizielle Stellen zu einer Auskunft zu bewegen, wenn man nicht gerade einen Durchsuchungsbefehl in der Hand hat. Doch die Stadt Neumünster, wo Fred geboren wurde, erkennt die Brisanz des Themas und rückt dann doch mit dieser einen wichtigen Info raus. Fred ist tot. Er wurde anonym bestattet und sein Grab ist für Außenstehende nicht auffindbar.

Anscheinend ist er an Heiligabend 1996 in seiner Wohnung verstorben. Damit hätte sich auch die Frage erledigt, ob die Recherche des True-Crime-Teams noch einmal juristische Konsequenzen für Fred haben könnte. Aber gegen Tote wird nicht ermittelt und auch kein Prozess geführt. Der Sirius-Fall dient heute in vielen Jura-Hörsälen dazu, die Abgrenzung von strafbarer Tötung in mittelbarer Täterschaft und straffreier Teilnahme am Suizid zu erörtern. Zusätzlich wird dabei auch immer die Tatsache betont, dass das Strafrecht auch explizit jene Menschen schützt, die durch ihre extreme Leichtgläubigkeit Opfer einer Straftat werden. Die Wohnung von Heidrun in Bad Wildbad ist heute vermietet. Der neue Besitzer hat die berühmte Badewanne herausgerissen und mit einer Dusche und einer Waschmaschine ersetzt. Heidrun selbst lebt in Norddeutschland.

Vielleicht ist es Schicksal gewesen, dass ihre zwei Suizidpläne letztendlich nicht umgesetzt werden konnten oder nicht geklappt haben. Das Schicksal will anscheinend, dass Heidrun lebt. Nicht auf einem Stern, sondern bei uns auf der Erde.

Also ich bin ehrlich, der erste Gedanke, den ich dabei hatte, und ich denke, ich bin damit nicht die Einzige, ist, hey, wie kann man denn so einen Scheiß glauben und dem verfallen? Und ich glaube, das hat jeder in der ersten Sekunde gedacht oder fast jeder. Aber wenn man ein bisschen länger darüber nachdenkt und wie wir es ja in der letzten Folge auch angesprochen haben, so ein paar unterschiedliche Perspektiven einnimmt, dann kann ich das trotzdem nicht hundertprozentig nachvollziehen, aber ich kann es zumindest in Ansätzen verstehen, wie Heidrun dem Ganzen, ja sagen wir mal, verfallen ist. Wenn du eine junge Person bist, du bist lost, du weißt nicht, was du vom Leben willst, wo es noch hingeht und dann kommt da plötzlich so ein charismatischer Typ, der vollen Plan hat in deinen Augen, der dir Zuneigung schenkt, Wertschätzung, eine schöne Freundschaft, die die beiden ja auch hatten und der erzählt dir irgendwie, so läuft es und nicht anders und ey, wenn du das auch willst, dann müssen wir jetzt das und das und das machen. Kann ich mir schon vorstellen, wenn du das über Wochen und Monate und Jahre hast, dass du dann irgendwann deinem guten Freund auch glaubst, oder? Ja, also damit wollen wir jetzt natürlich nicht sagen, dass alle jungen Leute irgendwie komplett lost sind oder so. Nein, gar nicht. Nein, nein, oh Gott, nein, so habe ich es nicht gemeint. Aber ich meine, das ist ja auch nicht so, dass er es jetzt nur einmal gesagt hat und sie glaubt es sofort, sondern er hat sie ja wirklich und auch andere Menschen wirklich permanent beackert mit diesem Thema.

Und da kann ich es auch irgendwo dann verstehen, dass du dann immer weiter da dann so reinrutscht. Besonders und ein ähnliches Thema hatten wir in der letzten Folge auch schon. Wenn du vielleicht im Zweifel niemanden hast, der dir einen Realitätscheck einfach gibt, mit dem du dann halt darüber sprichst. Vermutlich war er auch sehr gut darin, dann die Person zu isolieren einfach. Und dann nur diese Meinung zu hören. Ja, ist natürlich richtig krass, dass hier wieder auch Geld im Spiel ist. Also nein, richtig krass ist natürlich, dass sie bereit war, das Leben hinter sich zu lassen und ihren irdischen Körper, aber spätestens wenn so hier Geld eine Rolle spielt, so hey, gib dem Mönch 30.000 D-Mark, also da sollten doch eigentlich ein paar Glocken läuten, ist jetzt so meine entfernte Frage, die ich jetzt hier in den Raum stelle. Aber spätestens bei Geld werden die Leute ja eigentlich aufmerksamer, aber wie wir halt sehen können in diesem Fall, nee, das hat sie nicht aufgerüttelt Und sie war bereit, so viel Geld zu investieren, weil sie halt fest daran geglaubt hat, wenn sie das Leben hier hinter sich lässt, dass sie dann zum Stern Sirius aufbrechen kann. Und das finde ich es echt schon richtig, richtig krass, dass Fred sie irgendwann so weit hatte, dass sie das geglaubt hat. Ja, da sieht man auch, was für eine Vertrauensbasis da irgendwo, eine toxische Vertrauensbasis, das muss man dazu sagen, geschaffen wurde. Was ich auch interessant fand, war dieser historische Einblick, wie viele Fälle es eigentlich schon zum Sirius gibt. Voll, auf jeden Fall.

Hast du irgendeine Story aus deinem Umkreis? Also eine, die so, ich sag mal, vorsichtig in die Richtung geht? Fällt dir da was ein? Also jetzt nichts mit Sirius so, vielleicht, ich weiß auch gar nicht mehr, wie alt ich war, als ich die Story das erste Mal gehört habe, aber um ein paar Ecken von der Bekannten habe ich irgendwie gehört, dass sie bei so einer Meditation mitgemacht hat und dann, keine Ahnung, so zehn Leute haben alle so gleich meditiert und die Chefin, die hat dann immer so Anweisungen gegeben und dann haben sich wohl deren, also so hat sie es mir erzählt, das ist jetzt alles im Konjunktiv, okay. Ich habe es zu dem Zeitpunkt aber wahrscheinlich ein bisschen eher geglaubt. Und dann war es wohl so, dass sich deren Geschichten so ein bisschen verknüpft haben. Und bei einer Person soll es so gewesen sein, dass sie sich in das frühere Ich einer anderen Person in der Gruppe versetzt hat. Okay. Heißt, die konnten so eine Szene aus der Jugend irgendwie nachspielen und konnte dann auch wohl ein Trauma dadurch beheben. Das ist jetzt, finde ich, wirklich sehr, sehr krass. Ich habe da auch natürlich nichts weiter nachgeprüft. Ich habe das nur so.

Man kann es Hörensagen nennen, darüber mitbekommen. Aber ich kann mich erinnern, dass ich da halbwegs lange dran geglaubt habe. Jetzt natürlich, um ehrlich zu sein, denke ich, vielleicht war es einfach auch nur gestellt. Vielleicht wurde da ein bisschen auch Geld aus den Taschen der Teilnehmenden rausgezogen. Aber das wäre zumindest so eine Story, an die ich mich erinnern kann. Okay, leider nur eine Hörensagen-Geschichte. Wäre natürlich jetzt interessanter, wenn wir beide eine Geschichte aus einem sehr nahen Umkreis gehabt hätten oder eigene Geschichten dazu.

Deswegen geben wir diese Antwort, nicht die Antwort, deswegen geben wir die Frage raus an euch. Habt ihr Geschichten selber erlebt, von denen ihr selber berichten könnt? Irgendwas, wo man im ersten Moment vielleicht denkt, nee, also das ist nicht passiert oder wie kann das denn nur passiert sein? Ihr wisst, was ich meine. Dann schreibt uns davon sehr, sehr gerne bei Instagram. Ich finde das, oder nicht ich, wir beide finden das total interessant. Ich möchte im Namen von uns beiden sprechen. Dann schreibt uns das sehr gerne bei Instagram. Da heißen wir schwarze Akte. Wenn es gerne anonym bleiben soll, dann schreibt uns einfach eine Direct Message, dann lesen das nur wir beide. Und dann würde ich sagen, schließen wir diesen Sirius-Fall für heute, der thematisch so ein bisschen auch an die Geschichte des Katzenkönigs angelehnt ist. Also falls ihr die Folge noch nicht kennt, dann hört die doch gerne auch mal. Und ich würde sagen, wir hören uns dann wann? Kommenden Dienstag. Überall? Wo es Podcasts gibt.

Wonderful, fast perfekt. Super. Bis dahin, bye bye. Bis dann, tschüss.

Die Schwarze Akte ist eine Produktion der at TrueLab Studios.

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