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Stell dir mal vor, du bist gerade neu in eine WG gezogen und findest dann heraus, dass dein Mitbewohner ein Mörder ist. Oder nein, anders gesagt, du bekommst mit, wie dein Mitbewohner zu einem Mörder wird. Dieser Mitbewohner und du, ihr habt euch nicht freiwillig dazu entschieden, zusammen zu wohnen. Das Schicksal, beziehungsweise eher das College, hat euch zusammengewürfelt. Denn ihr seid beide neu an der Uni und man hat euch ein gemeinsames Zimmer im Wohnheim zugewiesen. Das Ding ist, eigentlich versteht ihr euch ganz gut. In den wenigen Wochen, die ihr schon zusammen wohnt, habt ihr euch sogar ein bisschen angefreundet. Und genau das hattest du ja auch gehofft. Denn wer sich auf dem College ein Zimmer teilt, der kriegt schon echt viel vom anderen mit. Da ist es doch deutlich angenehmer, wenn man sich gut mit dem anderen versteht. Außerdem entstehen an der Uni ja oft Freundschaften fürs Leben. Warum also nicht in diesem Fall? Doch du merkst schnell, dass dein neuer Mitbewohner einige Probleme zu haben scheint. Etwas scheint ihn sehr zu bedrücken, denn du kannst quasi mit ansehen, wie er immer mehr an Gewicht verliert. Darüber reden will er allerdings nicht, obwohl du es ihm mehrfach anbietest. Als dein Mitbewohner in einer kalten Novembernacht später in euer Zimmer zurückkommt, denkst du dir nichts dabei. Er sei ausgegangen, erklärt er am nächsten Morgen, nachdem du ihn netterweise zu seiner Vorlesung geweckt hattest.
Etwas dubios wird es allerdings, als dein Mitbewohner dich fragt, ob du wüsstest, wie man Fingerabdrücke von einer Pistole entfernt. Als du wenige Stunden später erfährst, dass eine Bekannte deines Mitbewohners tot aufgefunden wurde, schrillen alle Alarmglocken. Besonders als er dich bittet, nicht mit der Polizei über die Sache mit den Fingerabdrücken zu sprechen. Der Verdacht, dass dein Mitbewohner etwas mit dem Mord zu tun hat, lässt sich nicht mehr verdrängen. Die Frage ist nur, was machst du jetzt mit diesem Verdacht? Gehst du zur Polizei? Tust du gar nichts und hoffst, dass das alles nur ein großer Irrtum ist? Oder sprichst du deinen Mitbewohner darauf an?
Und mit diesen ganzen Fragen herzlich willkommen zu einem neuen Fall der schwarzen Akte. Wir sind eure Hosts, Patrick Strohbusch und... Und Anne Lukmann, hallo. Und Anne, was würdest du in der Situation machen? Also, wenn mein potenzieller Mitbewohner oder Mitbewohnerin mir diese Frage stellt, würde ich ehrlich gesagt auch nicht direkt zur Polizei rennen. Also klar, das ist eine super merkwürdige Frage und ich glaube, ich würde im ersten Moment denken, dass der oder sie mich gerade verarscht. Ähm... Ich glaube, ich würde es auch erstmal nicht so ernst nehmen oder andere Freunde fragen, was sie davon halten und was ich tun soll. Aber ich würde nicht sofort die Polizei anrufen. Ich auch auf jeden Fall. Also klar, spätestens, wenn er mich dann fragt, wie kriegst du Fingerabdrücke von der Pistole weg? Okay, das ist schon sehr verdächtig irgendwie, aber um ganz ehrlich zu sein, ich würde auch erstmal mit Freunden sprechen, die mir sehr wahrscheinlich alle sagen würden, warum bist du nicht schon längst zur Polizei gegangen und dann würde ich auch zur Polizei gehen. Mich würde aber auch interessieren, wie ihr das draußen beantworten würdet. Schreibt uns das gerne einfach mal über Instagram beispielsweise. Da heißen wir at schwarze Akte, hat das klein und zusammengeschrieben. Aber bevor wir euch erzählen, wie es zu dieser Situation überhaupt gekommen ist, dass dieser Typ diese Frage stellt, fangen wir erstmal ganz von vorne an.
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Werbung Ende. Wir befinden uns an der Central High School in Knoxville, der drittgrößten Stadt in Tennessee, einem amerikanischen Bundesstaat, der im Osten der USA liegt. Es ist Freitagabend im Herbst 2016 und an der High School herrscht größte Aufregung, denn das wöchentliche Football-Spiel steht an. Den ganzen Tag schon gibt es kein anderes Thema bei den Schülerinnen und Schülern mehr und fast die ganze Schule hat sich in den Farben ihrer Mannschaft gekleidet. In schwarz und in rot, nämlich den Farben der Bobcats. Das gesamte Footballstadion ist in Lichter getaucht und die Stimmung ist auf dem Höhepunkt. Die Woche ist geschafft, das Wochenende steht an und alle sind gespannt, wie gut die Bobcats dieses Mal abschneiden werden. Das Stadion bebt. Unten auf dem Platz geben die Cheerleaderinnen und die Marschkapelle alles, um die Spannung und die gute Laune noch ein wenig weiter zu pushen. Auf den Zuschauerrängen jubelt es. Wer jetzt gerade unten auf dem Feld steht, der hat das Gefühl, in ein Meer aus Licht, aus schwarz-roten Farben und Adrenalin einzutauchen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl und der Grund, warum die 16-jährige Emma Cheerleaderin geworden ist. Seit zwei Jahren ist sie nun schon dabei und sie liebt es wie am ersten Tag. Die Bewegung, die Musik, der Applaus von den Rängen, Emma hat mit dem Cheerleading einfach ihre Leidenschaft gefunden. Um sie soll es in dem heutigen Fall gehen.
Auch außerhalb des Sheerleadings kann Emma sich für so einiges begeistern. Neben der Schule arbeitet sie ehrenamtlich in einem Tierheim und träumt davon, eines Tages Kinderkrankenschwester auf der Neugeborenenstation zu werden. Emma ist ein fröhlicher, lustiger, herzlicher und bodenständiger Mensch. Ihre Freunde beschreiben sie als jemanden, die funkeln in das bringt, was sie tut und die mit ihrem Lächeln einen ganzen Raum erleuchten kann. Emma ist umgeben von lieben Menschen in ihrem Leben. Sie hat liebevolle Eltern und einen Bruder, über den sie sich zwar bestens ärgern kann, aber mit dem sie sich im Grunde super versteht. Sie hat viele Freundinnen und einen festen Freund. Eigentlich ist also alles perfekt. So scheint es zumindest. Doch am Morgen des 21. Novembers 2016, da liegt Emma plötzlich tot in ihrem Bett.
Es ist 6 Uhr und ihre Mutter will sie gerade für die Schule wecken. Und die wundert sich, dass Emma gar nicht reagiert. Sie spricht sie immer wieder mit ihrem Namen an. Doch es kommt keine Antwort. Ein Blick in Emmas Gesicht, eine schnelle Kontrolle am Handgelenk, kein Puls. Sofort will ihre Mutter den Notruf. Es dauert auch nicht lange, da ist der Krankenwagen auch schon vor Ort. Und mit ihm die Polizei. Die Mediziner können nur noch Emmas Tod feststellen. der irgendwann in der Nacht eingetreten sein muss. Zunächst geht man davon aus, dass es sich um Suizid handelt. Denn auf den ersten Blick ist gar keine Wunde sichtbar oder irgendwas, das den Tod herbeigeführt haben könnte. Aber warum sollte sich Emma, die gerade einmal 16 Jahre alt ist und mitten im Leben steht, vollkommen ohne Ankündigung das Leben nehmen? Die Suizidtheorie wird jedoch schnell verworfen, als man Emmas Leiche näher untersucht. Denn an ihrem Kopf über ihrem linken Ohr befindet sich ein kleines Loch. Ein Einschussloch, so groß wie die Spitze eines Kugelschreibers. Nur ein ganz bisschen Blut ist aus der Wunde auf das Kopfkissen gelaufen. Kurz darauf entdeckt man eine Patrone, die in ihr Kissen eingedrungen ist. Es scheint also zwei Schüsse gegeben zu haben. Eine Patronenkugel landete in ihrem Kopf, die andere direkt daneben im Kissen.
Dazu findet die Polizei zwei passende, kaum sichtbare Löcher in der Hauswand, neben der das Bett steht. Das eine Loch befindet sich auf der Seite längs des Bettes, das zweite am Kopfende. Beide genau auf der Höhe, auf der die schlafende Emma lag.
Auch die beiden dazugehörigen Patronenhülsen können sichergestellt werden. Damit wäre wohl jeder Zweifel aus der Welt geräumt. Emma wurde ermordet. Jemand hat sie im Schlaf erschossen. Von außen, durch die Hauswand. Die Wunde in ihrem Kopf ist absolut tödlich. Laut der Gerichtsmedizin ist Emma nach dem Schuss unverzüglich gestorben, ohne etwas zu merken. Sofort beginnt die Polizei damit, den Tatort abzusperren. Flatterband wird Emma komplett um das ganze Haus gespannt. Und Emmas Familie steht total unter Schock. Sie wird gebeten, das Haus zu verlassen. Alles muss gesichert, alles muss untersucht werden.
Zu diesem Zeitpunkt hat die Familie noch kein Schimmer, was mit Emma passiert ist. Sie wissen nur, dass sie nicht wieder aus ihrem Bett aufstehen wird. In einem Moment wollte Emmas Mutter sie wie jeden Morgen zur Schule wecken und im anderen Moment steht sie vor der Leiche ihrer Tochter und ihr Zuhause hat sich in einen Tatort verwandelt. Zwei Schüsse haben plötzlich alles verändert. Die Polizei lässt keine Zeit verstreichen und beginnt sofort damit, Emmas Familie und Freunde zu befragen.
Gab es irgendjemanden in Emmas Leben, der ihr etwas antun wollen würde? Hatte sie Streit mit jemandem? Wie hat sie ihre letzten Stunden, die letzten Tage verbracht? Mit diesen Fragen und noch vielen weiteren versucht die Polizei jetzt, sich ein genaues Bild vom Leben der 16-Jährigen zu machen. Ein Nachbar der Familie sagt zum Beispiel aus, gegen 2.30 Uhr in der Nacht zwei Schüsse gehört zu haben. So ganz passt das mit der Uhrzeit allerdings nicht, da der Todeszeitpunkt von der Gerichtsmedizin auf 3.45 Uhr geschätzt wird. Was allerdings bei den Befragungen der Freunde und Familienmitglieder unmissverständlich herauskommt, es gibt durchaus eine Person in Emmas Leben, mit der sie Probleme hatte. Und das nicht erst seit gestern, sondern schon seit gut zwei Jahren. Dieser Name taucht immer wieder auf. Egal, mit wem die Detektives sprechen. Es handelt sich dabei um einen Jungen namens Riley, der auf derselben Highschool wie Emma war und im Football-Team gespielt hat. Eben genau das Football-Team, das Emma mit ihrer Schierleaning-Gruppe unterstützt. Doch Riley ist nicht nur ein ehemaliger Mitschüler von Emma, sondern auch ihr Ex-Freund. Emma soll sich erst vor kurzem von ihm getrennt haben, nach einer schwierigen On-Off-Beziehung, die zwei Jahre lang andauerte. Mittlerweile, also im Herbst 2016, als das alles passiert, hat Riley bereits seinen Schulabschluss gemacht und geht auf ein College ganz in der Nähe.
Riley scheint wegen Emmas plötzlichem Tod schwer erschüttert zu sein, zumindest wenn man seinem Twitter-Feed glaubt. Denn dort und auf Facebook veröffentlicht er noch am selben Tag einige Posts, in denen er schreibt, dass Emma seine große Liebe war. Dazu lädt er Bilder von ihr und ihm hoch. Und so ein Post klingt zum Beispiel so. Da steht, That's my beautiful Emma. Rest easy now, sweetheart. I love you forever and always. Also auf Deutsch, das ist meine wunderschöne Emma. Ruhe in Frieden, mein Schatz. Ich liebe dich für immer und ewig. Oder ein anderer Post lautet, ich liebe dich, Emma. Aber ich kann noch nicht in deiner Nähe sein. Es ist noch zu früh. Ich weiß, du weißt, dass ich es kaum erwarten kann, dort zu sein. Aber bitte verstehe, dass ich es nicht kann. Ich liebe dich. Sein Status auf Twitter hat Riley auch geupdatet. Dort steht jetzt geschrieben.
Übersetzt heißt das so viel wie, Dazu zielt sein Profil ein Foto von sich und Emma beim Abschlussball der Highschool, auf dem die beiden fröhlich in die Kamera lächeln, seine Hand auf ihrem Bein und ihre Hand auf seiner.
Was den Detectives an Reillys Tweets auffällt, ist die Häufigkeit, mit der er Ich liebe dich schreibt. Alles sieht also nach einem trauernden jungen Mann aus, der gerade die Liebe seines Lebens verloren hat und der diese Trauer auch aus irgendeinem Grund öffentlich teilen will. Wie siehst du das? Also findest du das seltsam, dass er seine Trauer so direkt und auch so offen teilt, also auf den sozialen Kanälen? Auch hier muss ich irgendwie sagen, ich kenne Freunde, die ihre Trauer öffentlich teilen und ist auch vollkommen in Ordnung. Ich persönlich würde es auf gar keinen Fall so machen, weil ich erstmal das für mich selbst verarbeiten müsste. Aber grundsätzlich wäre es erstmal nichts Besonderes, sage ich mal. Wie sieht es bei dir aus? Ja, sehe ich auch so. Also ich persönlich würde das auch nicht teilen, weil ich das ja privat finde, aber ja, damit geht ja jeder anders um. Ich sehe das zum Beispiel auch relativ oft, ich mache gerade Anführungsstriche, bei den Leuten, denen ich auf Instagram folge zum Beispiel, dass da schon einige sehr, sehr offen mit dem Thema umgehen. Trauer, soll man auch, finde ich, aber muss jeder für sich entscheiden, wie privat man sich da zeigen möchte. Was mir aufgefallen ist, ähnlich wie es der Polizei auch aufgefallen ist, wie oft er I love you schreibt. Auch hier, wenn er da irgendwie seinen Gefühlen freien Lauf lassen möchte und das teilen möchte, total okay. Aber es ist auffällig, das muss man sagen.
Ja, und trotz dieser ganzen öffentlichen Trauer- und Liebesbekundung muss sich Riley dann einer Befragung bei der Polizei stellen. Dafür ist nämlich sein Name einfach zu oft bei Gesprächen mit Emmas Freunden und Familie gefallen, deswegen müssen sie ihn befragen. Der zeigt sich aber offen und kooperativ und erzählt, dass Emma und er sich in jener Nacht vom 21. November am Telefon gestritten hätten, woraufhin Emma seine Nummer dann blockiert habe. Er sei zurück zum College gefahren, habe zwei oder drei Stunden lang davor in seinem Auto geweint und sei dann rein und ins Bett gegangen. Den Abend an sich habe er bis dahin bei seinem Freund Noah verbracht. Das Interessante an dieser Befragung ist allerdings nicht, was Riley sagt, sondern wie er es sagt. Er spricht nämlich nicht einmal Emmas Namen aus. Er nennt sie immer nur The Girl, also das Mädchen. Das Gespräch zwischen Riley und dem Detective, das könnt ihr euch in etwa so vorstellen.
Das Mädchen. Sie hat mir eine Nachricht geschickt. Und der Detekte fragt, welches Mädchen? Und Riley antwortet wieder, dass das verstorben ist. Und auch das finde ich ein bisschen auffällig, kann man sagen. Vor allem, weil er total klar ist, um wen es geht. Also warum sagt er nicht einfach ihren Namen? Auf jeden Fall. Also man könnte so eine Haken, so eine Kreuzliste führen, so wie verdächtig willst du sein und Riley kreuzt gerade irgendwie gefühlt alles an. Stimmt. Und so ganz authentisch wirkt Riley bei den Gesprächen wegen dieser Namenssache generell überhaupt nicht, denn einer der Detectives wird sich nachher notieren, dass Riley während der Befragung irgendwie gefühllos wirkte. Das passt alles nicht sonderlich zu dem Bild des trauernden Ex-Freundes, das er auf Twitter von sich gezeichnet hat. Aber wer weiß schon wirklich, was in ihm vorgeht, denn das Wichtigste bei der Ermittlungsarbeit ist sowieso, nicht vorschnell zu urteilen. Beweise gegen Riley gibt es nicht und bis der Fall klarer ist, gilt sowieso erst einmal die Unschuldsvermutung. Aber als die Detectives sich tiefer in seine Vergangenheit buddeln, erfahren sie interessante Details über ihn. Und besonders über seine Beziehung zu Emma, die Rileys Rolle in diesem Fall noch einmal ganz anders beleuchten wird. Riley ist zwei Jahre älter als Emma, also ist er im Herbst 2016 18 Jahre alt.
Aufgewachsen ist er bei seiner Mutter und seinen Großeltern. Was mit seinem Vater passiert ist, das konnten wir in unseren Quellen leider nicht finden. Riley wird von seinen Freunden und seiner Familie als witziger, als intelligenter junger Mann beschrieben, der gerne Videospiele spielt und zwar irgendwie nerdig, aber auch cool und liebenswert ist. Riley ist eher in sich gekehrt als extrovertiert und sich auch nicht zu schade, sich in der Schule anzustrengen. Also alles in allem ein ganz normaler Typ, um die Worte von einem seiner Freunde zu nutzen.
Dazu ist er noch ein ziemlich guter Football-Spieler und spielt als Wide Receiver. Das heißt, er ist im Team dafür verantwortlich, die Pässe vom Quarterback oder anderen Passgebern zu empfangen. Er hat Freunde, ein gutes erfülltes Leben und er ist über alle Maßen in Emma verliebt. Und dieses krasse Verliebtsein wird sich schnell als Schlüsselelement in diesem Fall entpuppen. Ja, man kann schon fast von einer Obsession sprechen. Denn ihre Beziehung nimmt von einem entspannten, liebevollen Miteinander schnell ein ungesundes, kontrollierendes und besitzergreifendes Ausmaß an, das Emmas Familie und Freunde in Sorge versetzt. Aber gehen wir die Beziehung der beiden mal Schritt für Schritt durch. Emma und Riley haben vor zwei Jahren angefangen zu daten, als beide noch auf der Highschool waren. Sie als Freshman, also ca. 9. Klasse in unserem Schulsystem, und er als Junior. Also ca. die 11. Klasse bei uns. Kennengelernt haben sich die beiden natürlich bei einem Football-Spiel. Emma ist Riley aufgefallen, als sie gerade neu bei den Cheerleaderinnen dabei war. Und Emma selbst war den Flirtereien des älteren, gutaussehenden Football-Spielers schnell erlegen. Also eigentlich ein perfektes Match und genau das Klischee einer amerikanischen Highschool-Romanze.
Cheerleaderinnen und Football-Spieler. Auf den zahlreichen Bildern, die es von ihnen gibt, da sehen die beiden auch echt gut zusammen aus. Sie ist locker am Kopf kleiner als er, mit ihrer blonden Miene und den strahlenden Augen. Und daneben der große Riley mit den roten Locken, der locker einen Arm um ihre Schulter gelegt hat. Und die beiden waren auch echt glücklich zusammen. Zumindest am Anfang. Auch Emmas Familie freut sich über das Match, denn Riley macht auf alle einen echt sympathischen Eindruck. Er weiß sich zu benehmen und bringt Emma zum Lachen. Was erhofft man sich mehr von dem Freund der Tochter? Vom ersten Tag an ist Riley im Hause von Emmas Familie ein gern gesehener Gast. Er besucht sie immer mal wieder zu Hause oder führt sie zum Essen aus, zu Football spielen. An Date-Ideen mangelt es den beiden nicht. Und auch Emmas Freundinnen sind Riley durchaus zugewandt und freuen sich für sie über das scheinbar perfekte Match. In einem Social Media Post lädt Emma ein Foto von sich und Riley hoch und schreibt dazu Seht, wie glücklich ich bin!
Dass Riley eigentlich nur mit Emma und gar nicht wirklich auch mit ihren Freundinnen spricht, wird schnell zur Gewohnheit, bei der sich niemand etwas denkt. Alle gehen davon aus, dass Riley einfach etwas schüchtern ist und Zeit zum Auftauen braucht. Als sich sein Verhalten allerdings auch nach einigen Wochen und Monaten nicht ändert, lässt sich die offensichtliche Wahrheit nicht länger verdrängen. Riley hat kein Interesse daran, Emma mit anderen Menschen zu teilen, auch wenn es sich dabei um ihre Freunde handelt.
Alles, was er will, ist, seine Zeit allein mit ihr zu verbringen.
Dementsprechend wenig kann sich Riley auch dafür begeistern, wenn Emma sich ohne ihn mit jemandem verabredet. Er hat sehr genau im Blick, was Emma tut und mit wem und entwickelt sich langsam zu so einer Art Kontrollinstanz über sie und ihr gesamtes Leben. Das geht so weit, dass Riley Emma schlichtweg verbietet, bestimmte Sachen zu tun oder ihr vorschreibt, was sie anziehen soll und was nicht. Sein Kontrollwahn geht sogar so weit, dass Riley beginnt, vor dem Supermarkt, in dem Emma arbeitet, auf sie zu warten. Und das oft stundenlang. Und Emma? Die wischt die Sorgen der anderen zunächst mit einem Wink zur Seite. Und sie tut sich schwer damit einzusehen, dass etwas ganz und gar nicht stimmt in ihrer Beziehung mit ihm. Ihre Familie und Freunde halten sich nicht damit zurück, ihr immer wieder zu reflektieren, dass Rileys Verhalten absolut nicht klar geht und dass sie irgendwas dagegen tun muss. Aber Emma braucht ihre Zeit für dieses Eingeständnis.
Irgendwann sieht Emma dann aber doch ein, dass es so nicht weitergehen kann. Und so kommt es immer wieder zu heftigen Streits zwischen dem Paar, die teilweise sogar in einer Trennung münden. Nur um die Beziehung dann etwas später doch an dem Punkt weiterzuführen, an dem sie aufgehört haben. Es entwickelt sich eine klassische On-Off-Beziehung, unter der Emma mehr leidet, als sie sich das eingesteht. Aber irgendwie kann sie sich nicht ganz von Riley lösen. Ihre Eltern erlauben zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr, dass Riley ihr Haus betritt. Aber wie Teenager nun mal so sind, machen die ihr eigenes Ding und Riley klettert heimlich durch Emmas Fenster ins Haus hinein. Die Eltern setzen Emma sogar unter Hausarrest. Aber auch das hilft nicht, dass sie von Riley ablässt. Einmal nehmen sie Emma sogar ihr Handy weg, als sie die Textnachrichten sehen, die Riley ihrer Tochter während eines Streits geschrieben hat.
Darin heißt es zum Beispiel Ich hasse dich. Ich hasse alles an dir. Du bist die größte Schlampe, mit der ich je in Kontakt gekommen bin. Oder du bist für mich gestorben. Ich werde die Todesanzeigen überprüfen. Und ich glaube, da wäre wirklich für die meisten von uns eine rote Linie überschritten. Ich glaube aber, dass Emma vielleicht in dem Fall so eine Person war, die gedacht hat, okay, erstens, er meint es natürlich nicht so und zweitens, vielleicht kann ich ihm helfen, ihn verbessern, was das angeht und hat es deswegen so ein bisschen weggewischt. Ja, ich glaube auch. Ich denke auch, dass einige wahrscheinlich hoffen, dass sich der Gegenpart ändert, dass das die letzte Nachricht war, diese Art, dass die aus einer großen Emotion herausgeschrieben wurde und vor allem, wenn sich die Person anschließend entschuldigt, dann nimmst du es an, wenn du die Person liebst und denkst, naja gut, das war das letzte Mal, aber ich finde auch, das geht überhaupt nicht, wie er mit ihr schreibt und ich würde es auch nicht mit mir machen lassen. Auf jeden Fall, aber um ganz ehrlich zu sein, ich denke mal, das ist einfach in der Jugend so, da hat man noch nicht so viel Erfahrung und hofft auf das Beste im Menschen und erst wenn man älter wird, hört sich jetzt vielleicht ein bisschen zynisch an, keine Ahnung, erkennst du halt so ein bisschen oder erkennst du immer besser, wie sowas gemeint ist.
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Werbung, Werbung Ende Aber Emma scheint von diesen Nachrichten nicht so richtig abgeschreckt gewesen zu sein. Zwar kann sie ihr Handy nun nicht mehr nutzen, aber Riley gibt ihr dafür seinen iPod. Über den kann sie sich dann ins Internet einloggen und so weiterhin mit ihm in Kontakt bleiben. Was Emma dazu bewegt, Riley weiterhin als Teil ihres Lebens sein zu lassen, das wird nur sie selbst wissen. Anscheinend schickt er ihr für jede böse Nachricht auch immer dann eine kurze Entschuldigung à la Emma, es tut mir so leid, wie ich mich verhalten habe oder ich liebe dich mehr, als Worte beschreiben können, also Nachrichten dieser Art. Und vielleicht versöhnen diese Worte ja Emma immer wieder und sie hofft, dass das nie wieder vorkommt, so wie wir das ja auch gerade vermutet haben. Oder es ist Reileys ganz spezielle Art, Emma zu isolieren und sie dann glauben zu lassen, er sei der Einzige. Es scheint also, als könne er sie mittlerweile wirklich gut kontrollieren.
Fakt ist, dass Emma schon immer ihr eigenes Ding gemacht hat. Und je mehr man einer Teenagerin sagt, etwas nicht zu tun, desto mehr wird sie denken, im Recht zu sein und genau das Gegenteilige weiterzutun. Aber einfach abzuwarten ist für Emmas Eltern auch keine Option. Denn mittlerweile ist Riley für sie ein rotes Tuch. Sie hätten es am liebsten, wenn ihre Tochter ihn für immer aus ihrem Leben verbannen würde. Nur muss diese Entscheidung natürlich von Emma selbst kommen, damit sie die Trennung auch durchzieht. Als Eltern können sie ihrer Tochter zu diesem Schritt zwar raten, zwingen allerdings nicht. Denn das würde mit Sicherheit nach hinten losgehen. Und dann, im Herbst 2016, um Halloween herum, da entscheidet Emma endlich, ein für allemal, die Sache mit Riley zu beenden. Der hat zu diesem Zeitpunkt gerade seinen Highschool-Abschluss gemacht und ist zum Studium auf ein College ganz in der Nähe gegangen. Also vielleicht hat Emma den Zeitpunkt genau deshalb ausgewählt. Zwar ist Riley nicht außer Lande, aber immerhin weiter weg, als wenn beide noch auf dieselbe Highschool gehen würden. Nicht nur Emmas Familie, auch ihre Freunde freuen sich über diesen Schritt. Sie alle hatten diesen Tag herbeigesehnt. Eine Freundin erklärt die Entscheidung später damit, dass Emma schlussendlich zu der Erkenntnis gekommen sei, etwas Besseres verdient zu haben. Dass es die richtige Entscheidung war, das ist deutlich an Emmas Verhalten zu sehen.
Sie scheint wieder aufatmen zu können, endlich wieder richtig aufzublühen und ihr altes Selbst zu werden. Zu Hause verbringt sie weniger Zeit allein in ihrem Zimmer und kommt stattdessen häufiger heraus, um auch mit der Familie zusammen zu sein, mit ihnen zu essen zum Beispiel, sich zu unterhalten. Also vermutlich wird ihr jetzt erst klar, welche Last Riley mit seinem kontrollierenden Verhalten auf ihre Schultern gelegt hat.
Riley ist allerdings mit der Trennung alles andere als happy und er ist auch nicht der Typ, der die Ablehnung seiner Person einfach so akzeptiert. Er hat sich mittlerweile so in diese Beziehung reingesteigert, sich so festgeklammert an der Vorstellung, dass Emma die Liebe seines Lebens ist und daher auch zu ihm gehört. Er entscheidet sich für Angriff statt Akzeptanz und versucht mit verzweifelten Mitteln Emmas Aufmerksamkeit und Zuneigung zurückzugewinnen. Es kommt zum Beispiel zu folgender Situation. Am 18. November, also drei Tage vor Emmas Ermordung und wenige Wochen nach der Trennung, ist Emma auf der Hausparty eines Freundes. Gegen 23.30 Uhr meldet ihr Handy eine Nachricht von einer anonymen Nummer. In dieser Nachricht steht, geh zu deinem Auto mit deinen Schlüsseln. Geh alleine. Ich habe jemanden, den du liebst. Wenn du dich weigerst, werde ich ihm wehtun. Emma denkt zunächst, dass es einer von Rileys Freunden ist, der sich einen Scherz mit ihr erlaubt, denn sie schreibt zurück und droht damit, die Polizei zu rufen. Die Antwort folgt umgehend, nämlich, wenn du seinen Wein und Schreien hörst, ruf sie an. Emma beschließt, selbst nachzusehen, was da los ist. Aber sie geht nicht allein raus, sondern nimmt einen Freund mit. In einem Graben in der Nähe des Hauses entdecken sie dann einen leblos wirkenden Körper.
Im Schein der Straßenlaterne können sie schnell identifizieren, um wen es sich hier handelt, nämlich, ihr ahnt es schon, um Riley. Der ist aber nicht tot, denn als Emma und der Freund bei ihm sind, da hebt Riley seinen Kopf und schaut Emma verwirrt an. Auf ihre Frage, warum er denn hier sei, was er hier mache, da antwortet der nur, ich weiß nicht, was passiert ist. Ich weiß nicht, wie ich hierher gekommen bin. Ich wurde entführt. Jemand hat mich hier abgesetzt. Ich weiß nicht, was passiert ist. Wo bin ich? Wie bin ich hierher gekommen? Dabei hält er sich seinen Kopf, so als ob er auf den Kopf geschlagen worden wäre. Ja, und Emma fühlt sich alles andere als wohl dabei. Doch sie durchschaut Rileys Versuch als das, was es ist, nämlich eine vorgetäuschte Entführung, um ihre Aufmerksamkeit zurückzugewinnen. Aber darauf fällt sie nicht herein.
Stattdessen macht Emma Riley klar, dass er sie gefälligst in Ruhe lassen soll, dass Schluss zwischen den beiden sei. Und dann geht Emma und lässt Riley sich alleine aus dem Graben hochrappeln.
Riley ruft daraufhin seinen Freund Noah an und erzählt ihm, dass er gerade entführt worden sei, dass man ihn niedergeschlagen, sein Auto genommen, ihn in einen Lieferwagen geworfen und dann irgendwo wieder abgelegt habe. Dass sich Emma da gerade in der Nähe befindet, muss echt purer Zufall sein. Aber Riley bittet den Freund auch, dass bitte niemand die Polizei einschalten solle. Und Rileys Freund Noah? Der glaubt Riley nicht. Denn wenn Riley wirklich entführt worden wäre, warum sollte er den Vorfall dann nicht bei der Polizei melden? Warum taucht er dann nach kurzer Zeit schon wieder auf und hat sein Handy immer noch bei sich? Auch andere Freunde von Riley, die von der Entführung erfahren haben, verstehen die Aktion als das, was es ist, nämlich ein verzweifelter Schrei nach Aufmerksamkeit. Niemand von ihnen geht damit zur Polizei. Allerdings machen sich die Freunde ziemlich große Sorgen um ihn. Denn dass es Riley nach der Trennung ziemlich schlecht geht, das ist offensichtlich. Er steht meistens abseits der Gruppe, hat kein Interesse an Interaktion mit seinen Freunden und sagt immer wieder, dass er depressiv wird und sich etwas antun will. Einmal begeht er sogar einen Suizidversuch. Im College-Wohnheim schmeißt er sich Schmerztabletten ein und spült diese mit Alkohol herunter. Diese Tabletten, die er dann nimmt, die gelten als das meistverschriebenste Schmerzmittel in den USA und sind praktisch in jeder Apotheke erhältlich.
Diese Pillen werden von vielen allerdings nicht nur genommen, um Schmerzen zu lindern, sondern um sich regelrecht damit zuzudröhnen. Wer richtig dosiert, bekommt einen ähnlichen Effekt wie bei Kokain oder Heroin. Ein paar Pillen reichen aus, um Halluzination hervorzurufen, und Süchtige, die schlucken wohl bis zu 20 Pillen am Tag. Das schreibt zumindest das Fokus-Magazin. Die Nebenwirkungen sind Nierenversagen, Leberkollaps und Herzinfarkt. Das heißt, dieses Mittel ist eigentlich kein Stoff, der einen sicher direkt umbringt, wenn man eine erhöhte Dosis davon nimmt. Vielleicht wusste Riley das und hat deshalb mehr auf den dramatischen Effekt der Aktion gehofft, als auf einen wirklichen Suizid. Wäre das der Fall, wäre das eine ziemlich kranke Methode, um Emma auf diesem Weg wiederzugewinnen. Denn die würde dann ja nur aus Schuldgefühlen zu ihm zurückkommen. Aber das scheint Riley wohl egal zu sein. Aber wir wissen ja auch nicht, wie viele Pillen Riley geschluckt hat, dazu noch mit Alkohol heruntergespürt. Fakt ist, dass Riley den Versuch überlebt und dass ihn auch nach den bisherigen gescheiterten Versuchen nichts davon abhält, Emma zurückzuerobern. Oder sich auf sonstige Art und Weise wieder in ihr Leben zu schleichen.
Als Emma am Morgen nach der Hausparty und der angeblichen Entführung gerade allein zu Hause ist, da sieht sie eine komplett in schwarz gekleidete Gestalt die Straße entlang auf ihr Haus zu laufen. Die Gestalt klingelt mehrfach und Emma bekommt ziemlich Angst. Denn trotz des Tageslichts sieht die schwarze Gestalt echt unheimlich aus. Was, wenn diese Person sich irgendwie Zugang zum Haus verschafft und ihr etwas antut? In ihrer Panik wendet sich Emma an die einzige Person, die ihr einfällt, an Riley. Sie ruft ihn an mit den Worten Ich hasse dich, aber ich brauche dich jetzt. Und Riley antwortet Ich komme. Bin gerade sowieso unterwegs. Gib mir eine Minute.
Wenig später kommt Emmas Mutter nach Hause und die fällt aus allen Wolken, als sie Emma zusammen mit Riley im Vorgarten sitzen sieht. Denn dass Riley nicht hier sein darf, das weiß der eigentlich ganz genau, doch statt aus der Haut zu fahren, bittet sie Riley höflich zu gehen und der antwortet, nein. Er sei hier, um Emma zu helfen und um dafür zu sorgen, dass es ihr gut gehe. Doch ihre Mutter lässt sich nicht erweichen und schließlich gibt Riley nach und geht.
Emma erzählt ihr von der schwarzen Gestalt, noch immer sichtlich geschockt. Sie glaubt, dass es sich um einen Einbrecher oder sogar einen Stalker handelt, doch ihre Mutter hatte eine ganz andere Theorie. Ob Emma es nicht seltsam findet, dass Riley bei den merkwürdigen Ereignissen in der letzten Zeit, also die Entführung und der Mann in Schwarz, einfach so aufgetaucht ist? Doch Emma findet das gar nicht seltsam. Sie ist sich sicher, dass Riley mit der ganzen Sache nichts zu tun hat. und sie will auch nicht einsehen, dass es sich hier nur um Bemühungen handelt, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Oder mehr noch, als Beschützer und Retter wieder Teil von Emmas Leben zu werden. Emmas Eltern scheinen jedoch zu erkennen, dass Riley sehr wohl zu drastischen Maßnahmen greift, um das zu bekommen, was er will. Sie machen sich ernsthaft Sorgen um das Wohlergehen ihrer Tochter und folgen ihr deshalb am Tag darauf sogar zur Arbeit und wieder zurück nach Hause. Nur um sicherzugehen, dass sich ihr niemand unerwünschterweise nähert und sie in Sicherheit ist. Als sie Emma an diesem Abend, dem 20. November, eine gute Nacht wünschen, da ahnen sie nicht, dass ihre Tochter nicht wieder aufstehen wird. Emma hatte an diesem Abend noch eine Nachricht an einen Freund wegen einer Hausaufgabe geschrieben und sich dann kurz nach Mitternacht schlafen gelegt. Ihr seht also, es gibt gute Gründe, warum Rileys Name immer wieder auftaucht, als die Polizei am 21. November, dem Tag des Mordes, Emmas Freunde und Familie befragt.
Riley wird ziemlich schnell zum Hauptverdächtigen. Er hätte ein offensichtliches Motiv, nämlich Rache, verletzte Liebe, vielleicht Eifersucht. Aber wie lässt sich der Mord mit seiner Person verbinden? Wie kann man ihm die Tat nachweisen? Und ist er wirklich der einzige Verdächtige? Hatte er vielleicht Hilfe oder war es doch jemand völlig anderes? Denn mal ehrlich, was hätte er davon, Emma zu ermorden, wenn es doch sein größtes Ziel ist, mit ihr zusammen zu sein? Immerhin ist auch die Frage vom Mann in Schwarz noch nicht geklärt. Und hier kommen zwei Freunde von Riley ins Spiel. Der eine Freund heißt Alex und ist sein Mitbewohner im College, der andere heißt Noah. Sein Name ist heute im Laufe der Folge ja schon mal aufgetaucht. Riley hatte Noah nach der angeblichen Entführung angerufen und auch ausgesagt, am Abend vor Emmas Tod bei ihm gewesen zu sein. Alex hat in dem gemeinsam geteilten Zimmer Rileys Verhalten während der letzten Tage und Wochen hautnah mitbekommen. Und er erinnert sich besonders an ein Gespräch mit Riley nach dessen angeblicher Entführung. Denn da hat Riley ihm im Vertrauen berichtet, dass er die Waffe seines Großvaters aus dessen Wagen gestohlen habe.
Auf Alex' besorgte Reaktion hin, habe Riley ihm versichert, dass er alles andere als suizidgefährdet sei und einfach nur Angst vor diesen Leuten habe, die es auf ihn und Emma abgesehen hätten. Und dann, nach Emmas Tod, kommt es zu einem zweiten Gespräch, von dem wir auch schon im Intro der Folge kurz berichtet haben. Denn Riley fragt Alex, ob dieser wisse, wie man Fingerabdrücke von einer Waffe entfernen könne. Alex antwortet darauf, dass er das natürlich nicht wisse und dass Riley ihn nie wieder sowas fragen soll. Also geht der zu Noah, dem anderen Freund. Von ihm will er genau das Gleiche wissen. Allerdings unter dem Vorwand, die Frage würde von Alex kommen. Aber Alex und Noah sind durchaus in der Lage, eins und eins zusammen zu zählen. Und ob Freundschaft hin oder her, für die beiden ist klar, dass sie nicht einfach ihr Leben weiterleben können, ohne mit ihrem Verdacht zur Polizei zu gehen. Denn die beiden haben das starke Gefühl, hier ein ganz wesentliches Puzzleteil in der Hand zu halten. Vielleicht das letzte, das der Polizei fehlt, um den Mord an Emma aufzuklären. Wenn die beiden richtig liegen, dann können sie der Polizei dabei helfen, die Mordwaffe zu beschaffen. Sie erklären sich damit einverstanden, bei einer genauestens geplanten Undercover-Ermittlung gegen ihren Freund mitzumachen. Und das ist nicht ganz ungefährlich für die beiden. Denn niemand weiß, wie Riley reagieren wird, wenn er von dem Verrat der Freunde erfährt. Immerhin ist der ja bewaffnet.
Also, wir haben ja bereits erwähnt, dass Riley seinen Freunden von der Waffe erzählt hat und sich anscheinend auch darum bemüht hat, Fingerabdrücke von dieser Waffe zu entfernen. Was wir aber noch nicht gesagt haben, ist, dass Riley, Alex und Noah darum bittet, ihm auch bei der Entsorgung der Waffe zu helfen. Er schwört, nichts mit dem Mord an Emma zu tun zu haben und wolle die Waffe nur entsorgen, damit man keinen falschen Verdacht gegen ihn erheben würde. Die drei verabreden sich also dazu, die Waffe gemeinsam in den Tennessee River zu werfen. Was Riley allerdings nicht ahnt, ist, dass seine beiden Freunde bei der Aktion komplett verkabelt sind.
Über Mikrofone können die Ermittler jedes Wort mit anhören und in einem Schlüsselanhänger befindet sich sogar eine versteckte Videokamera. Alex und Noah müssen während der ganzen Operation wahnsinnig aufgeregt gewesen sein, aber die lassen sich nichts anmerken. Die Polizei steht in einem Versteck bereit und wartet auf das vereinbartete Zeichen. In der Vorbereitung der Operation hat es nämlich durchaus Bedenken wegen der Sicherheit von Alex und Noah gegeben. Immerhin treffen die sich am Fluss mit einem bewaffneten, potenziellen Mörder. Aber die beiden waren fest entschlossen, bei der Beschaffung der potenziellen Mordwaffe zu helfen. Und dann kommt der Moment. Riley will gerade die Waffe zusammen mit einem Paar Handschuhe und einem Set schwarzer Kleidung in den Fluss werfen, als die Polizei mit vorgehaltener Waffe aus ihrem Versteck stürmt. Die verhaften Riley, bevor er überhaupt weiß, wie ihm geschieht, und können zudem die Waffe und auch die Kleidung sicherstellen. Womit die Operation ein voller Erfolg wird. Denn, ihr könnt es euch schon denken, die Waffe wird sich am Ende tatsächlich als Mordwaffe herausstellen und diese schwarze Kleidung ist auch die Kleidung, die die mysteriöse Gestalt anhatte, die Emma solche Angst eingejagt hat. Auch wenn Riley das verneint und sagt, dass er es nicht war. Vielen Dank.
Riley wird wegen vorsätzlichen Mordes vor Gericht gestellt, muss sich aber auch wegen anderen Vorwürfen wie schwerwiegendem Stalking und Diebstahl behaupten. Im Laufe des Prozesses wird ziemlich schnell klar, dass das Urteil am Ende von einer ganz zentralen Frage abhängt. Es geht nicht darum, ob Riley die Waffe abgefeuert hat, sondern ob er es mit der Absicht getan hat, Emma zu töten. Er selbst sagt, er habe Emma nie etwas antun, sondern ihr einfach nur Angst einjagen wollen. Sein Anwalt betont, dass es Riley nur darum gegangen sei, als ihr Helfer und Retter dastehen zu können. Er habe nicht damit gerechnet, dass die Schüsse durch die Hauswand dringen. Und er bestreitet auch, der mysteriöse Besucher in schwarzer Kleidung gewesen zu sein. Wir zitieren mal einen kurzen Ausschnitt aus seiner Verteidigung. Im Einklang damit, dass Emma sich an Riley gewandt hat, um die Ereignisse am Samstagmorgen, also das Auftauchen der in schwarz gekleideten Person zu besprechen, versuchte er sie dazu zu bringen, ihn erneut um Hilfe zu bitten, irgendwie ihr Beschützer zu sein. Es war an seinem Herzen. Es war an seinem Kopf. Es war einfach ein Teil seiner ganzen Person. Jeden Tag für den Rest seines Lebens, wo auch immer das sein mag, wird er nun mit dieser Realität leben müssen.
Vier Stunden beraten die Geschworenen und als das Urteil verkündet wird, ist es eindeutig. Riley wird zu lebenslanger Haft verurteilt und sowohl des vorsätzlichen Mordes als auch in den anderen Anklagepunkten für schuldig befunden. Das Argument seiner Verteidigung, er habe Emma gar nicht töten wollen, zieht also nicht.
Denn Riley wusste ganz genau, wo Emmas Bett steht und wo sich ihr schlafender Körper befinden würde, als er die Schüsse genau auf der Höhe ihres Kopfes abgefeuert hat. Angst einjagen sieht anders aus, da hätte er auch höher schießen können. Die Staatsanwaltschaft weist außerdem darauf hin, dass Riley seit dem Morgen von Emmas Tod eine Lüge nach der anderen erzählt hat. Er habe geleugnet, die Waffe seines Großvaters genommen zu haben, er habe die Ermittler belogen und sogar seine Freunde gebeten, für ihn zu lügen. Er behauptet, im College gewesen zu sein, obwohl die Daten seines Handys eindeutig zeigen, dass er zum Zeitpunkt des Todes in der Nähe von Emmas Haus war. Ein stellvertretender Generalstaatsanwalt sagt nach dem Prozess im Interview mit den Medien, er war besitzergreifend, manipulativ und kontrollierend. Er war Gift für sie. Dies war kein Unfall. Hier geht es um eine kriminelle Absicht zu töten. Im Bundesstaat Tennessee führt eine Verurteilung wegen vorsätzlichen Mordes, also Mordes ersten Grades, automatisch zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Sobald Riley 51 Jahre abgesessen hat, kann er auf Bewährung entlassen werden. Dann wäre er über 70 Jahre alt. Während einer Anhörung entschuldigt sich Riley bei Emmas Familie. Er sagt, es tut mir leid, dass ich Emma von ihnen genommen habe.
Dass ich ihnen das Erlebnis genommen habe, ihre Tochter aufwachsen zu sehen. Was ich tun kann, ist die Wahrheit über diese Nacht zu erzählen. Ich wollte sie erschrecken. Ich habe nie beabsichtigt, Emmas Leben zu nehmen. Nochmals, es tut mir leid.
Emmas Familie ist mit dem Ausgang des Prozesses zufrieden. Zwar kann das Urteil den schweren Verlust nicht wettmachen, klar, aber trotzdem schafft es ein Gefühl von Gerechtigkeit. Emmas Mutter sagt nach der Verkündung zu den bereitstehenden Medien, es bringt sie nicht zurück, aber es ist das Beste, was wir bekommen konnten. Er sollte sein Leben auch nicht leben. Und da ist noch etwas. Emmas Familie hofft, dass ihr Schicksal und Reilies harte Bestrafung als Warnung für all die dienen können, die sich ebenfalls in toxischen Beziehungen befinden. Denn es gehe dabei nicht nur um blaue Flecken, sondern auch um emotionale und kontrollierende Gewalt. Und das muss sich niemand gefallen lassen. Lasst uns da noch einen kurzen Augenblick drüber sprechen. Denn toxische Beziehungen finden ja nicht nur in der Partnerschaft statt, sondern auch im Job, unter Freunden oder in der Familie. Woran erkennt man also einen toxischen Menschen? Ja, das sind absolute Spezialisten darin, andere von sich emotional abhängig zu machen.
Betroffene glauben dann, ohne diesen einen Menschen nicht mehr leben zu können, beziehungsweise nicht mehr glücklich sein zu können. Das wiederum führt dazu, dass Betroffene immer mehr an ihrer Wahrnehmung zweifeln und sich irgendwie unterordnen. Ein anderes Wort für dieses Verhalten von toxischen Menschen ist emotionaler Missbrauch. Toxische Beziehungen sind geprägt von Egoismus, von Kontrolle, Dominanz und Abwertung der anderen Personen.
Erste Anzeichen von solch einer Beziehung werden häufig übersehen. Einfach, weil der Betroffene die problematische Situation nicht wahrhaben will. Wer das Gefühl hat, sich in so einer Beziehung wiederzufinden, der sollte sich auf gar keinen Fall scheuen, das Thema bei engen Freunden oder der Familie anzusprechen. Es gibt auch zahlreiche Möglichkeiten, sich da professionelle Hilfe zu holen. Zum Beispiel in diversen Selbsthilfegruppen, bei Psychotherapeuten oder auch in Beratungsstellen wie Pro Familia oder der Caritas. Denn häufig kann eine dritte, nicht betroffene und ja damit außenstehende Instanz dann nochmal ganz anders helfen als enge Vertraute. Aber natürlich steht an allererster Stelle, dass sich die betroffene Person eingesteht, dass es ein Problem gibt. Und damit hat Emma sich ja echt schwergetan, um den Bogen wieder zurück zum heutigen Fall zu spannen. Auch wenn wir natürlich nochmal betonen möchten, dass die betroffenen Personen keine Schuld trifft und es super schwierig ist, sich aus so einer toxischen Beziehung zu befreien. Vielleicht noch ein, zwei Sätze dazu, wie es nach dem Prozess weitergeht für Emmas Familie. Denn seit dem Mord versucht ihre Familie, die Erinnerung an Emma aufrechtzuerhalten und etwas Gutes in ihrem Namen zu schaffen. Da Emma ja eine große Tierliebhaberin war und später einmal auf der neugeborenen Station als Kinderkrankenschwester arbeiten wollte.
Lässt ihre Familie einen Hundepark und ein Patientenzimmer auf der neugeborenen Station im örtlichen Krankenhaus nach Emma benennen. Sie tun dies in der Hoffnung, dass die Menschen sich an Emma erinnern, indem sie freundlich zueinander sind.
Und damit endet die heutige Folge der schwarzen Akte. Was sind eure Gedanken zu dem Fall? Wie hättet ihr euch an der Stelle von Noah und Alex verhalten? Und würdet ihr euren Freund ebenfalls bei der Polizei melden oder erst mit ihm sprechen? Wir freuen uns, wie immer von euch zu lesen und uns mit euch auszutauschen. Ja und vielen Dank an dich, liebe Sue, denn du hast uns diesen Fall vorgeschlagen. Und wenn euch gefällt, was wir hier machen, dann bewertet den Podcast doch gerne positiv und folgt uns, um keine Folge mehr zu verpassen. Und dann hören wir uns nächste Woche Dienstag wieder auf allen Streaming-Plattformen, die ihr kennt, die ihr liebt, die ihr benutzt. Bis nächste Woche. Wir sind eure Hosts, Anne Lippmann und Patrick Strohwusch. Redaktionen, Silva Hanekamp und wir.
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