Music.
Während einige Menschen an einem Freitag, den 13., nur mit Vorsicht aus dem Bett steigen und dem Tag eher mit Misstrauen begegnen, ist dieser warme Tag im September 91 für Tom und Barbara ein Freitag wie jeder andere auch. Tom hat seine Freundin heute Morgen, wie die Tage zuvor, mit dem Pick-up-Truck den kurzen Weg von Burbank nach Glendale zur Arbeit gefahren. Auf der breiten Interstate 5, dem Golden State Freeway, da ziehen neben ihnen die Palmen vorbei. Hinter Tom auf der Fahrerseite kann Barbara die Berge sehen. Noch sind viele Bäume davor grün, so auch die am Zoo von Los Angeles, an denen sie jetzt vorbeifahren. Es sind nur wenige Minuten bis zu ihrem Büro in Glendale. Als der Truck langsamer wird, da dreht sich Barbara zu Tom um. Beide lächeln sich an. Barbara lehnt sich nach vorn und küsst Tom auf den Mund.
Sie verabreden sich zum Mittagessen um 11.30 Uhr. Dann öffnet Barbara die Tür und springt aus dem Truck. Sie ruft Tom doch zu, dass sie ihn liebt, bevor er den Motor startet und der Truck hinter einer Straßenecke verschwindet. Auf genau diese Straßenecke startet Barbara jetzt, einige Stunden später. Es ist kurz nach halb zwölf. Sie wirft nochmal einen kurzen Blick auf ihre Armbanduhr, obwohl sie genau weiß, dass seit dem letzten Mal nicht mehr als eine Minute vergangen sein kann. Ein paar ihrer Kollegen kommen aus dem Büro, lächeln, nicken ihr zu und gehen in Richtung der Cafés und Restaurants weiter.
In diese Richtung wollten auch Barbara und Tom zum Mittagessen gehen. Vielleicht hat er sich ja nochmal zu Hause hingelegt und verschlafen. Barbara tritt von einem Fuß auf den anderen, atmet tief durch und behält die Straße ganz genau im Auge. Aber auch nach weiteren fünf Minuten taucht Toms Pickup nirgends auf. Vielleicht ist er noch in der Garage. Er wollte heute Morgen eine neue Batterie für sein Motorrad einbauen. Und vielleicht hat das ja länger gedauert und er hat die Zeit vergessen.
Wieder wirft Barbara einen Blick auf die Uhr. 11.43 Uhr. Wenn sie noch gemeinsam Mittagessen gehen wollen, dann wird es langsam knapp. Mit schnellen Schritten geht sie wieder auf das Bürogebäude zu, denn an ihrem Tisch hat sie ein Telefon. Dort wählt Barbara die Nummer ihres gemeinsamen Apartments und es klingelt. Barbara wartet. Aber Tom geht nicht ran. Auch der Anrufbeantworter meldet sich nicht. Also vielleicht ist Tom ja doch unterwegs. Er hat ja noch ein Treffen bei seiner neuen Arbeitsstelle, die er am Montag antritt. Vielleicht ist er gerade dort und alles hat ein bisschen länger gedauert. Vielleicht war einfach keine Zeit, um sich bei ihr zu melden. Barbara verbringt den Rest ihrer Mittagspause allein. Sie schaut den Zeigern auf der Uhr praktisch beim Rotieren zu, bis sie schließlich 17 Uhr anzeigen und Barbara zu ihrer Tasche und Jacke greift. Als sie auf der Straße weder Tom noch sein Pickup entdecken kann, macht sich in ihrem Bauch eine Mischung aus Wut und Sorge breit. Dem wird sie was erzählen, wenn sie nach Hause kommt. Dann steigt sie zu einer Kollegin ins Auto.
Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte. Wie immer mit eurem Host Patrick Strohbusch. Und mit Anne Lukmann. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Und auch schön, dich endlich wieder zu hören, Anne. Wir haben uns ja schon länger nicht mehr gehört und auch nicht gesehen. Also was darin liegt, dass wir ja auch ein bisschen vorproduziert haben und du in Italien warst. Ja, ich war in der Toskana und hatte einen sehr, sehr schönen Urlaub dort. Ich habe auf jeden Fall gesehen auf Instagram. Auch hier nochmal kleine Schleichwerbung. Ihr könnt uns auf Instagram folgen unter addschwarzeakte, alles zusammen und kleingeschrieben, dass du nach Buchempfehlungen gefragt hast. Bist du zum Lesen gekommen? Ja, wenn es nach mir geht, vielleicht sogar ein bisschen zu wenig, weil ich lese im Urlaub eigentlich extrem viel. Also sowieso schon, aber im Urlaub noch mehr. Aber ich habe nur zwei Bücher in einer Woche geschafft und das klingt jetzt vielleicht für einige richtig viel, aber für mich ist das, was Urlaub angeht, eigentlich eher überschaubar. Aber genau an der Stelle nochmal vielen, vielen Dank für eure super vielen Buchtipps. Ich glaube, ich habe mir irgendwie 120 verschiedene Bücher aufgeschrieben und bin eine Weile beschäftigt, würde ich sagen. Aber bevor wir jetzt gleich tiefer in den heutigen Fall einsteigen, habe ich noch eine Frage an dich, Patrick. Und zwar, der heutige Fall spielt ja in und um Los Angeles. Warst du da schon mal?
Nee, in Los Angeles war ich auf jeden Fall noch nie, wobei ich schon gerne hinwollen würde. Komischer Take, ich liebe The Weeknd und der besingt ja auch Los Angeles schon immer mal wieder, wobei auch mal positiv und mal negativ.
Und trotzdem würde ich Los Angeles auf jeden Fall gerne mal sehen. Ich war bisher nur ein einziges Mal in New York City in Amerika, aber generell interessieren mich die USA schon. Okay, dann würde ich vorschlagen, Patrick, dass wir da jetzt mal zusammen hinreisen, zumindest was die heutige Folge betrifft, denn wir springen ja zurück ins Jahr 1991.
Und zwar erstmal in die Stadt Burbank, die wir im Intro ja auch schon erwähnt haben. Die liegt im Los Angeles County. Dort gibt es viele Film- und Fernsehstudios, zum Beispiel die Warner Brothers und die Walt Disney Studios. Davon hat man ja bestimmt schon mal gehört, dass die dort auch angesiedelt sind. und viele Menschen in dieser Gegend, die arbeiten auch beim Film und beim Fernsehen. Die Produktionen, die sind sehr wichtig für die Stadt und auf den Fernsehgeräten in den Wohnzimmern der Menschen, da laufen zu der Zeit die brandneuen Serien Friends, die Simpsons und Sainfield. In den Nachrichten geht es zu der Zeit um den Zusammenbruch der Sowjetunion, die USA und der Irak befinden sich Anfang des Jahres im Golfkrieg Und in den USA entwickeln sich Tech-Unternehmen, Microsoft und Apple sind auf dem Vormarsch und in den Zeitungen versetzen Berichte über den Serienmörder Jeffrey Dahmer die Menschen in Angst und Schrecken. Seine Verhaftung war im Juli 1991 das große Thema. Auch noch Monate später wird über Serienmord, psychische Gesundheit und Strafrecht diskutiert. Es ist der 13. September 1991. Freitag, der 13. Tom und seine langjährige Freundin Barbara sind zum Mittagessen verabredet. Aber Tom taucht nicht auf.
Dass der 36-Jährige sich nicht bei ihr meldet, ist ungewöhnlich. Tom ist ein verlässlicher Mann und würde Barbara eigentlich nie irgendwo alleine stehen lassen. Als eine Arbeitskollegin Barbara vor ihrem Apartment in Burbank absetzt, ist es schon 17.30 Uhr. Bevor sie die Treppen zur Haustür hochgeht, schaut Barbara in der Garage vorbei. Der Pickup-Truck und Toms heiß geliebtes Motorrad, eine Harley Davidson, sind noch da. Er muss also oben im Apartment sein. Mit jetzt mehr Wut als Sorge im Bauch stapft Barbara die Stufen zu ihrem Apartment hoch. Doch sobald sie die Haustür öffnet, überwiegt plötzlich doch wieder die Sorge. Denn die Tür ist nicht abgeschlossen. Das ist ungewöhnlich und so gar nicht üblich für Tom. Barbara steht in der Tür und schaut ins erste Zimmer hinein. Es sieht eigentlich alles aus wie immer. In einem Interview sagt sie später, alles war an seinem Platz, außer Tom.
Barbara schaut am Telefon nach und sieht, dass der Anrufbeantworter ausgeschaltet ist.
Wäre Tom länger weg gewesen, dann hätte er den sicher eingeschaltet. Da ist sie sich sicher. Auf dem Sofa liegt immer noch die zusammengefaltete und ungelesene Zeitung vom Morgen. In Barbara bereitet sich das ungute Gefühl weiter aus, denn auch das ist so gar nicht üblich für Tom. Normalerweise wäre er wie jeden Morgen, nachdem er sie zur Arbeit gebracht hat, erst mal direkt zur Kaffeemaschine gegangen, hätte dann nach der Zeitung gegriffen und den Sportteil aufgeschlagen. Barbaras Blick wandert weiter in die Küche. Als sie sieht, was auf dem Tresen steht, da fühlt sie das ungute Gefühl bis in die Zehenspitzen. Denn sie sieht die Batterie für Toms Motorrad. Und die hatte er ja eigentlich am Morgen einbauen wollen. Barbara greift zum Telefon und ruft Freunde und Nachbarn an. Und davon haben Barbara und Tom einige. Die beiden gehören nämlich zu einem Club von Motorradfans, die gemeinsam an Wochenenden mit ihren Maschinen durch Kalifornien fahren. Tom ist ein großer und stämmiger Typ mit einem sympathischen Lächeln, langen lockigen Haaren und einem Bart. Er ist meistens in Motorradshirts und Lederjacke unterwegs. Wir haben euch mal ein Foto der beiden in den Shownotes verlinkt. Barbara steht neben Tom, eine schlanke Frau mit dunklen Haaren und Lederweste über dem Shirt. Beide tragen Sonnenbrillen. Die von Barbara ist ein John Lennon-Modell. Toms Brille ist rot-orange mit ebenso getönten Gläsern. Die beiden lachen breit in die Kamera. Schon seit mehr als 16 Jahren sind sie beide ein Paar. Werbung Werbung Ende Tom wird 1954 in Boston geboren.
Music.
Er verbringt seine Kindheit zusammen mit seinen Eltern und insgesamt sechs Geschwistern an der Ostküste der USA. Unter anderem in Rhode Island und Massachusetts. 1973, also etwa mit 19 Jahren, da macht er seinen Highschool-Abschluss in Pittsfield. Nur drei Jahre nach Toms Abschluss, 1976, da stirbt sein Vater aber an Krebs. Die Familie zieht anschließend nach Rhode Island und Tom hilft seiner Mutter so gut er nur kann. Nach einer kurzen Zeit beim Militär, bei der Navy, da zieht er zu seiner Familie und arbeitet als Maschinist. Er hat mehrere leitende Positionen und wird zum Experten für Metallbeschichtungen. Und nicht nur Toms Karriere verändert sich in der Zeit, auch seine dunklen Locken werden länger. Seinen Körper ziehen mehrere Tattoos und Tom fängt an, sich für Motorräder und das Leben der Biker zu interessieren. Ihn reizt das Leben als Freigeist irgendwie.
Zu der Zeit, mit Anfang, Mitte 20, lernt er in Rhode Island die etwa vier Jahre jüngere Barbara kennen. Die beiden verstehen sich von Anfang an, sie haben nämlich die gleiche Leidenschaft, Motorräder. Es dauert nicht lange und die beiden werden ein Paar. Gemeinsam machen sie an den Wochenenden Ausflüge mit Toms Harley-Davidson, Toms stolzesten Besitz.
1985, da ist Tom 31 Jahre alt, ereilt ihn und seine Familie der nächste Schicksalsschlag. Seine Mutter stirbt. Drei Jahre später wollen Tom und Barbara ganz neu anfangen und dafür fahren sie mit Toms Pickup einmal quer durch die USA. Auf dem Pickup findet natürlich auch seine Hardy Devils in ihrem Platz. Von der Ostküste geht es an die Westküste, einmal quer durchs Land ins sonnige Kalifornien. Auch wegen einer Knieentzündung, unter der Tom leidet und die im kalten Wetter schlimmer zu sein scheint, sehnt er sich nach einer wärmeren Gegend. Mit 34 Jahren fängt für Tom in Burbank in Kalifornien ein neues Leben an, und zwar mit Barbara. Und das Leben ist gut. Sie ziehen in ein gemeinsames Apartment und Tom findet schnell einen Job in der Metallindustrie. Und auch Barbara findet Arbeit in einer Beraterfirma. Sie sagt später über diese Zeit, all unsere Freizeit verbringen wir auf dem Motorrad. Und die beiden sind auch sehr beliebt im Motorradclub und haben dort viele Freunde. Sie alle beschreiben Barbara und Tom als perfektes Paar und Barbara sagt in der Doku Unsolved Mysteries Tom ist mein Vater, Liebhaber, Lehrer, Guide, Tom ist mein Leben.
Drei Jahre wohnen Tom und Barbara mittlerweile in Burbank und sind angekommen. Barbara ist 32 Jahre alt, Tom 36. Er wird im November 37. Im Jahr 1991 kündigt Tom seinen alten Job in einem Maschinengeschäft und wechselt zu einem besser bezahlten in einer leitenden Position bei einer Firma, die Metallbeschichtung für Flugzeugteile anbietet. Dort soll er, wie wir vorhin schon kurz angerissen haben, am 16. September anfangen. Aber drei Tage vorher, am Freitag, den 13., geht irgendetwas schief. Tom fährt Barbara noch zur Arbeit. Zum Mittagessen wollen sie sich treffen, aber Tom taucht nicht auf. Nach ihrer Arbeit sitzt Barbara am Telefon und ruft ihre Freunde und Nachbarn an. Aber niemand hat Tom gesehen oder von ihnen gehört. Könnte jemand Tom mitgenommen haben? Ist er bei jemandem, den sie noch nicht erreicht hat? Barbara beschließt, erstmal zu Hause zu bleiben. falls Tom anruft oder doch heimkommt. Später sagt sie in einer Doku über den Fall, ich habe nicht gut geschlafen in dieser Nacht. Ich habe einfach versucht herauszufinden, wo Tom ist und warum er mich nicht angerufen hat, um mir zu sagen, wo er ist. Für Barbara ist es eine unruhige Nacht und um Punkt 7 Uhr morgens greift sie am Samstagmorgen wieder zum Telefon. Dieses Mal wählt sie die Nummer der Polizei.
Tom ist an diesem Freitagmorgen wie vom Erdboden verschluckt. Er lässt Barbara, sein Leben, seinen neuen Job und seine Harley Davidson zurück. Er ist zwar ein Freigeist, würde aber nicht einfach so verschwinden, ohne Barbara oder seiner Familie an der Ostküste Bescheid zu sagen. Tom hat keine kriminelle Vergangenheit, keine Probleme mit der Polizei, nimmt keine Drogen und ist auch sonst ein umgänglicher Typ. Ein Typ, der von einem Moment auf den anderen plötzlich verschwunden ist. Das ist für die Polizei in Burbank nichts Neues.
Vermisstenmeldungen wie die von Tom landen jede Woche auf den Schreibtischen der Beamten in der Gegend. Meistens tauchen die Vermissten wenige Tage später von selbst wieder auf. Als also am Samstagmorgen, dem 14. September 1991, eine Barbara bei der Polizei anruft, um Thomas Richard, wie er eigentlich heißt, als vermisst zu melden, legen die Polizisten nicht mal eine Akte an.
Erst nach dem Wochenende gibt es den Ordner, der später die Fallnummer 91-10270 tragen wird. Und das muss für Barbara und seine Familie unfassbar ernüchternd gewesen sein. Auf der einen Seite hat die Polizei zwar die Erfahrung gemacht, dass Vermisstenfälle sich oft von selbst lösen. Aber wenn wirklich was Schlimmes passiert ist, dann ist es natürlich wichtig, sofort zu handeln. Auch wenn die Polizei viel zu tun hat und sich herausstellen sollte, dass Tom in einer Bar versagt ist. Für die Angehörigen ist das natürlich schwer nachzuvollziehen, dass die Polizei erstmal nicht aktiv wird. Aber die will erstmal ein paar Tage abwarten und schauen, ob Tom wiederkommt. Ein Detektiv vom Burbank Police Department sagt später in der Doku Unsolved Mysteries, dass Toms Fall ausgesehen habe wie ein ganz normaler Vermisstenfall. Eben wie jeder andere. Er sagt, es gibt viele verschiedene Umstände für verschiedene Arten von vermissten Personen. Sie könnten abgehauen sein, weil sie Geldprobleme haben. Sie könnten wegen vieler anderer Gründe abgehauen sein. Wir wissen den Grund nicht, bevor wir mit der Familie oder den Freunden reden.
Und nach allem, was die Polizei von Barbara erfährt, vermuten sie eben zunächst, dass Tom einfach von sich aus verschwunden ist. Vielleicht liegt das auch an Toms Auftreten? Wer Tom anschaut, sieht einen großen und stämmigen Typen mit langen Haaren und Lederkluft. Der typische Biker wird ja manchmal vielleicht auch schnell in eine Schublade gesteckt. Biker, die in einer Gang unterwegs sind und mit Drogen und Mädchen handeln. Leider gibt es das ja wirklich. In Toms Fall ist das aber Quatsch. Er ist Teil einer Motorradgruppe, die einfach gerne mit ihren Maschinen an Wochenenden durch die Gegend fährt. Seine Freunde in dem Club haben alle ganz normale Jobs. Das Motorradfahren ist ein Hobby. Wir können es natürlich nicht wissen, aber vielleicht hat das ja einen Einfluss darauf, wie die Ermittler Tom einschätzen? Für Barbara ist klar, Tom wäre nie einfach so verschwunden. Sie sagt, Tom ist ein offener Typ. Wenn er ein Problem gehabt hätte, dann hätte er das einfach gesagt. Barbara, ich bin raus. Und dann wäre er auf sein Motorrad gestiegen und losgefahren. Auch Toms Freund Greg sagt den Zeitungen, warum würde er sein Motorrad zurücklassen? Das verstehe ich nicht. Und auch Toms Geschwister sind sich sicher, dass es überhaupt nicht seine Art gewesen wäre, einfach so zu verschwinden. Barbara kann nicht auf die Polizei warten. Sie muss irgendetwas tun.
Sie sammelt Fotos von Tom, lässt damit Flyer drücken und verteilt sie in der Stadt. Überall dort, wo Tom sich oft aufhält. Auf dem Flyer steht, hat jemand diesen Mann gesehen? Darunter sind mehrere Bilder von Tom und eine Beschreibung. Er ist fast 1,90 groß, wiegt um die 95 Kilo und hat Tattoos auf dem Arm. Beispielsweise von einem Wikinger und einem Zauberer. Barbara und ihre Freunde aus dem Motorradclub hängen die Flyer überall auf. Aber niemand meldet sich. Die Tage vergehen.
Barbaras Vater fliegt aus Rhode Island an die Westküste, um bei seiner Tochter zu sein und sie zu unterstützen. Es müssen schlimme Tage für sie und Toms Familie sein, die Ungewissheit und die Hilflosigkeit. Und vielleicht auch die Frustration mit der Polizei, die den Fall jetzt zwar als vermissten Fall aufgenommen hat, aber keine richtigen Ermittlungen startet. Erst ein bestimmter Gegenstand führt dazu, dass der Fall für die Polizei und die Presse interessant wird. Nämlich ein geheimnisvoller Brief. Sechs Tage nach Toms Verschwinden, am Donnerstag, den 19. September 1991, da öffnet Barbara nichtsahnd ihren Briefkasten. Mit einigen Briefen an der Hand geht sie zurück ins Apartment, bleibt dann aber an der Treppe stehen, denn ein Brief lässt sie die Luft anhalten. Auf einem der Umschläge steht, an die Familie von Tom. Barbara öffnet den Brief noch, bevor sie die ersten Stufen nach oben nimmt, und sie findet einen zweiseitigen Brief vor, aber nicht per Hand geschrieben, sondern getippt. In den 90er Jahren hatten viele Haushalte schon Computer, die waren zwar noch nicht so weit verbreitet wie heute, aber sie wurden günstiger und erschwinglicher. Der Brief könnte also schon von einem PC oder noch mit der Schreibmaschine verfasst worden sein. Mit doppeltem Zeilenabstand steht dort mit schwarzer Tinte ein kurzer Text geschrieben. Barbara liest die Zeilen und als sie am Ende der zweiten Seite ankommt, Da bricht sie weinend vor der Treppe zusammen.
Kurz darauf steht die Polizei in ihrem Apartment und stellt den Brief sicher. Der gesamte Text wurde bis heute nicht veröffentlicht. Es gibt nur Passagen und Auszüge aus dem Brief. Dort steht zum Beispiel, Ich leide im Moment sehr unter Schuldgefühlen, wegen dem, was ich getan habe, und ich finde, es ist notwendig, darüber zu schreiben, sowohl für mein eigenes Wohl als auch für ihres. Sie kennen mich nicht und hoffentlich werden sie mich nie kennenlernen, aber ich bin derjenige, der Tom getötet hat. Ich habe einige persönliche Gegenstände von ihm geschickt, nur damit sie nicht denken, dass dies irgendeine Art von krank im Scherz ist oder so. Ich kann und werde nicht ins Gefängnis gehen. Ich könnte es niemals verkraften. Ich habe fast meinen Verstand verloren. Nie wieder. Und außerdem steht da noch weiter, Ich habe es geliebt, in Vietnam zu sein. Tatsächlich waren das die glücklichsten Tage meines Lebens. Es hat einen solchen Rausch ausgelöst, wenn ich eine bestätigte Tötung hatte, dass es schwer war, es abzuschalten, als ich in die USA zurückkam. 18 lange Jahre habe ich es trotz der Albträume und Fantasien vom Töten unter Kontrolle gehalten.
Diese Angelegenheit mit Jeffrey Behamer hat mich wirklich mitgenommen. Und ich habe mich gefragt, ob ich es immer noch tun könnte. Ich dachte, Los Angeles wäre der beste Ort für das, was ich vorhatte. Ich wollte nicht einfach irgendwas Zufälliges, denn so kann man nicht erwischt werden. Also habe ich einen Plan gemacht.
Ich habe Tom in einer Stripbar im Valley kennengelernt und mit ihm geredet. Er ist darauf reingefallen und wir haben uns für Freitag, den 13., verabredet. Ich versichere ihnen, es war sauber und schnell. Ich glaube nicht, dass er überhaupt gelitten hat. Es tut mir sehr leid, was ich getan habe. Und ich weiß, dass die Schuldgefühle mich mit der Zeit verlassen werden. Ebenso wie ihr Schmerz. Wahnsinn, oder? Dieser Brief liegt sechs Tage nach Toms Verschwinden einfach so bei Barbara im Briefkasten. Okay, ich fasse nochmal kurz zusammen. Der Verfasser schreibt, dass er Tom umgebracht, die Tat vorher geplant und Gewaltfantasien aus seiner Zeit in Vietnam hat. Und dass er offenbar von Jeffrey Dahmer inspiriert wurde, dessen Name er falsch schreibt. Er schreibt Behemar statt Dahmer. Die meisten, die sich mit Toms Fall beschäftigt haben, gehen davon aus, dass es sich bei Behemar um Jeffrey Dahmer handeln muss.
Denn wie vorhin schon kurz gesagt, wurde der Serienmörder im Juli 1991, also nur zwei Monate vor Toms Verschwinden, verhaftet. Außerdem schreibt der Verfasser des Briefes von persönlichen Gegenständen, die er als Beweis mitschickt. Barbara findet in dem Umschlag nämlich nicht nur diesen verstörenden Brief, sondern auch Toms Führerschein, seine Kreditkarte und den Ohrring, den er am Tag seines Verschwindens getragen hat. Barbara ist natürlich am Boden zerstört, bricht zusammen und ruft danach sofort die Polizei. Und die kann das Schreiben jetzt natürlich nicht mehr ignorieren. Es sind wirklich Toms Dokumente und sein Schmuck, die in dem Umschlag liegen. Der Brief kann also kein Fake sein. Oder?
Music.
Werbung. Werbung Ende. Die Polizei untersucht das Papier. Es gibt keine Fingerabdrücke. Weder auf dem Brief noch auf dem Umschlag. Es gibt natürlich auch keine Unterschrift oder eine Absenderadresse. Dafür aber ein Poststempel. Denn der Brief muss von der Post bearbeitet und ausgeliefert worden sein. Bis heute haben die Ermittler aber geheim gehalten, von wo aus der Brief verschickt wurde. Deswegen müssen wir uns an den Inhalt des Schreibens halten. Das macht auch die Presse. Allerdings erst ein ganzes Jahr später. Die vielen Zeitungsartikel zu dem Fall, in denen auch der Text abgedrückt wird, sind nämlich erst aus dem Jahr 1992. Für Barbara ist dieser Brief natürlich ein riesiger Schock. Sie sagt in der Doku Unsolved Mysteries, es war einfach unglaublich, aber ich wollte das nicht glauben, dass Tom tot ist.
Für die Ermittler ist jetzt aber noch vieles unklar. Wurde der Brief von Toms Mörder geschrieben? Von jemandem, der Tom kannte? Vielleicht sogar von Tom selbst? Und warum sollte überhaupt jemand so einen Brief schreiben? Denn der Brief gibt ja viele Informationen preis. Der Verfasser war offenbar beim Militär und vor 18 Jahren als Soldat im Vietnam. Außerdem könnte es sein, dass der Verfasser schon mal im Gefängnis war. Denn dazu schreibt er ja nie wieder. Also er möchte nie wieder ins Gefängnis.
Außerdem verrät er seinen ganzen Plan. Er hat Tom in einem Stripclub kennengelernt und Barbara und seine Freunde können auch bestätigen, dass Tom öfter in solche Bars gegangen ist. Und der Verfasser schreibt über das Töten von Tom, dass es sauber und schnell gewesen ist. Er brüstet sich mit seiner Tat und gibt fast schon damit an. Als sei der Mord ein großes Abenteuer, wie sein Einsatz im Vietnam. Von 1955 bis 1975 gab es Krieg zwischen Nordvietnam. Damals kommunistisch, gegen Südvietnam, das vom Westen, besonders den USA, unterstützt wurde. Der Krieg endete 1975 mit dem Sieg der kommunistischen Truppen des Nordens. Es gibt zahlreiche Studien über die Auswirkungen des Krieges auf die Soldaten, auch in den USA. Veteranen waren nicht nur physisch verletzt, eine große Anzahl litt an posttraumatischer Belastungsstörung, Depressionen und Angstzuständen. In den USA wurde lange darüber diskutiert, ob die Veteranen nach ihrer Rückkehr nicht genug unterstützt wurden. Und es ist ja wirklich schon sehr krass, um das hier nochmal aufzugreifen, wenn der Verfasser seine Zeit im Vietnam als die glücklichsten Tage seines Lebens beschreibt. Komischerweise schreibt er ja sowohl von Albträumen als auch von Fantasien. Und auch das widerspricht sich ein bisschen.
Was außerdem komisch ist, dass er den Namen von Jeffrey Dahmer falsch schreibt. Denn damals ist der Name fast jeden Tag in der Zeitung zu lesen. Also wenn Dahmer für den Verfasser eine Art Vorbild sein soll, dann ist es irgendwie merkwürdig, dass er den Namen nicht richtig buchstabieren kann. Und dann ja noch seine angeblichen Schuldgefühle. Er träumt jahrelang vom Töten, schreibt er, plant eine Tat, hat dann aber nur wenige Tage später Schuldgefühle und schreibt einen Brief. Also irgendwie passt das alles nicht zusammen.
Auch Barbara, Toms Freunde und die Polizei sind skeptisch. Würde sich Tom einfach so heimlich mit jemandem verabreden? Worum ging es da? Was könnte der Mann Tom in einem Stripclub erzählt haben, sodass sie sich am Freitag, den 13. Treffen, ohne dass Tom Barbara informiert? Im Gegenteil, Tom macht ganz andere Pläne mit Barbara zum Mittagessen. Und er hat ja auch noch den Termin bei seiner neuen Arbeit. Und warum sollte sich der mutmaßliche Täter ausgerechnet Tom als Opfer aussuchen? Tom ist ja fast zwei Meter groß, er wiegt fast 100 Kilo, trägt Lederkluft und fährt auf einer Harley-Davidson durch die Gegend. Es gibt sicherlich, in Anführungsstrichen, einfachere Opfer als Tom, der sich sicherlich auch gut verteidigen kann. Aber natürlich hätte der Verfasser auch eine Waffe dabei haben können. Ja, aber auch dann. Warum sollte sich Tom mit ihm treffen? In diesem Brief passt einiges nicht zusammen. Hätte Barbara nur den Brief bekommen, dann wären die Ermittler wahrscheinlich von der Fälschung ausgegangen. Aber da sind ja noch seine Sachen, die zweifelsfrei ihm gehören. Ist der Brief also wirklich authentisch? Will der Verfasser vielleicht mit seiner Tat prahlen und Aufmerksamkeit bekommen?
Aufmerksamkeit bekommt der Briefschreiber jetzt auf jeden Fall, nämlich von der Polizei. Denn nun ist klar, dass die Ermittler handeln müssen. Dafür versucht die Polizei, den Tag seines Verschwindens, den Freitag, den 13. September 1991, zu rekonstruieren. Wir wissen, dass Tom Barbara morgens zur Arbeit nach Glendale fährt. Den ganzen Morgen über ist offenbar nichts Auffälliges passiert, sonst hätte Barbara davon berichtet. Nachdem Tom Barbara bei ihrem Büro absetzt, fährt er zu einer Bank. Die Polizei findet heraus, dass er um 8.20 Uhr mehrere hundert Dollar einzahlt, nicht abhebt. Er löst auch seinen Gehaltscheck ein und zahlt sich auch das Geld direkt aufs Konto ein. Das ist also nicht wirklich ungewöhnlich. Um halb zwölf sollte er sich dann eigentlich mit Barbara treffen. Zu dem Zeitpunkt ist Tom bereits verschwunden.
In der Zeit zwischen 8.20 Uhr und 11.30 Uhr muss ihm also etwas zugestoßen sein. Die Polizei befragt den Nachbarn in der Straße, in der Tom und Barbara wohnen. Sie wollen herausfinden, ob Tom überhaupt noch einmal zu Hause war. Es gibt eine Nachbarin und die kann sich an Tom erinnern. Sie hat ihn am Freitag gegen 9.30 Uhr vor seinem Apartment gesehen. Und Tom war nicht allein, denn ein Mann war bei ihm. Die beiden Männer hätten sich unterhalten und seien zur Straße auf einen Pickup-Truck zugegangen. Einen braun oder hellbraun. Also nicht der Truck von Tom. Beide Männer hätten dann auf die Ladefläche des Trucks geschaut und die Polizei fragt, ob die Männer sich irgendwie, ja, vielleicht gestritten hätten. Aber die Nachbarin ist sich sicher, dass es eine ganz normale Unterhaltung war. Leider kann sie den unbekannten Mann aber nicht genauer beschreiben. Die Polizei hält die Zeugin für glaubwürdig. Detective Constanso sagt, ich glaube, das war das letzte Mal, dass Thomas gesehen wurde. Aber wer ist der unbekannte Mann? Die Polizei vermutet, dass das der Mörder ist. Vielleicht ist Tom mit ihm zusammen irgendwo hingefahren? Wurde er in den Pickup gelockt unter einem Vorwand? Oder kannten sich die beiden vielleicht sogar und Tom hat dem Mann vertraut?
Die Tatsache, dass Tom Geld eingezahlt hat, zeigt uns jedenfalls, dass er nicht weg wollte. Denn wer zahlt Geld ein, bevor er sich aus dem Staub macht? Das spricht eher dafür, dass Tom überrascht wurde. Auch Barbaras Aussage unterstützt das, denn normalerweise wäre Tom nach Hause gekommen, hätte sich einen Kaffee gemacht und wäre dann im Sportteil der Zeitung versunken. Im Haus ist aber weder die Kaffeemaschine benutzt worden, noch die Zeitung gelesen.
Vielleicht kommt Tom nach Hause und kurz darauf klingelt es an der Tür. Es könnte der Verfasser des Briefes gewesen sein. Der Detective wird in einer Zeitung nämlich folgendermaßen zitiert. Er sagt, die Person, die das geschickt hat, hatte Tom oder seine Kooperation. Der Mörder könnte mit Tom weggefahren sein, ihn anschließend umgebracht und dann seine Sachen mit dem Brief verschickt haben. Oder Tom und der Briefeschreiber machen gemeinsame Sache. Kurz darauf meldet sich aber ein weiterer Zeuge, Andy. Er arbeitet in einem Geschäft für Motorradteile in der Stadt und er ist sich sicher, dass Tom am 14. September, dem Samstag, ein Tag nach seinem Verschwinden, bei ihm im Laden war. Andy sagt, er verhielt sich ein wenig eigenartig, in dem Sinne, dass er nicht mit mir herumalberte. Ich meine, wir haben immer Späße gemacht, über welche Art von Motorrad er fuhr und das ist Öl verloren so. Ich kannte Tom gut genug, um zu wissen, dass es am Samstag Tom war, der hereinkam.
Andy erzählt auch noch, dass Tom ohne zu grüßen in den Laden kam. Schon das sei ungewöhnlich gewesen. Und als Andy dann kurz nach hinten musste und wieder in den Laden zurückkam, sei Tom einfach weg gewesen. Ohne ein Wort. Auch das sei untypisch für ihn. Wenn Andys Aussage stimmt, dann wäre der Brief auf jeden Fall als Fälschung entlarvt. Denn dann wäre klar, Tom ist am Leben. War es zumindest am 14. September und wurde nicht am Freitag, den 13., wie in dem Brief steht, umgebracht. Und damit ergibt sich eine ganz neue Theorie, die auch die Polizei durchspielt, nämlich Tom muss den Brief selbst geschrieben haben. Vielleicht wollte er freiwillig verschwinden und untertauchen. Die Polizei überprüft alles. Hatte Tom doch Streit in der Beziehung mit Barbara? Hatte er finanzielle Probleme? Oder hatte er generell Feinde?
Dann hätte er ein Motiv, den Brief selbst zu schicken, um die Polizei zu verwirren oder seine Spuren zu verwischen. Die Ermittler können aber kein Motiv finden. Einer der Detectives sagt allerdings, es gibt immer die Möglichkeit, dass er sich mit den falschen Leuten angelegt hat. Das ist aber reine Spekulation. Die Fakten besagen, dass Tom keine kriminelle Vergangenheit, kein Drogenproblem oder sonstige Kontakte zur Unterwelt hat. Dass Tom den Brief selbst geschrieben hat und freiwillig verschwunden ist, vermutet die Polizei also nicht. Die Ermittler glauben dem Zeugen Andy zwar, dass er Tom im Bikergeschäft gesehen hat, aber wahrscheinlich an einem anderen Tag. Andy könnte sich einfach im Tag geirrt haben.
Wochen vergehen, dann ein ganzer Monat, dann mehrere Monate. Für Barbara ist die Zeit ein einziger Albtraum. Sie sagt, es gibt Momente und Tage und Minuten, in denen ich das Gefühl habe, dass er nicht mehr bei uns ist und der Brief wahr ist. Aber dann schaue ich jede Harley an, die an mir vorbeifährt, um zu sehen, ob es vielleicht er ist. Wir haben einfach keine Antworten. Weihnachten 1991 kommt und geht. Das neue Jahr 1992 bricht an und es gibt immer noch keine Spur von Tom.
Barbara entscheidet, Burbank hinter sich zu lassen und zieht zurück an die Ostküste nach Rhode Island, um bei ihrer Familie zu sein. Sie gibt Tom aber nicht auf, im Gegenteil. Jede Woche ruft sie die Polizei in Burbank an, aber die haben nichts Neues zu berichten. Toms vermissten Fall wird zu einer staubigen Akte im Schrank. Die Polizei ist ratlos, was sie noch tun kann. Andere Polizeistationen wurden kontaktiert. Toms vermissten Fall ist in der nationalen Polizeikartei eingetragen. Nicht identifizierte Leichen wurden überprüft. Die Stadt, aus der der mysteriöse Brief kam, hat auch keine neuen Hinweise auf den Verfasser gebracht und weitere Zeugen haben sich nicht gemeldet. Vier Monate nach Toms Verschwinden, am 14. Januar 1992, da wird in der Zeitung Sacramento Bee ein ganz kleiner Artikel abgedruckt. Es sind nur wenige Zeilen am Seitenrand. Fast könnte man den übersehen. Ein Mann namens Henry war auf einer abgelegenen Straße hinter seinem Haus in Colfax unterwegs, als er plötzlich einen menschlichen Schädel entdeckt. Er verständigt sofort die Polizei und die sperrt am Fundort alles ab und deckt den Bereich mit einer Plane ab, damit die Spurensicherung am nächsten Morgen ihre Arbeit machen kann und keine Hinweise verwischt werden. Colfax ist ein kleines Städtchen in Placer County, nördlich von Burbank.
Auf der Interstate 5 braucht man erstmal fünfeinhalb Stunden nach Sacramento und von dort nochmal eine halbe Stunde nach Colfax. Dort leben etwa nur 1300 Menschen und diese Gegend ist besonders beliebt bei Wanderern. Zwei Tage bevor der Artikel abgedrückt wird, trifft die Spurensicherung in Colfax ein. An einem abgelegenen Hang können die Ermittler tatsächlich menschliche Überreste sicherstellen. Sie finden Knochen, einen Schädel, Zähne und unter anderem einige T-Shirts mit Harley-Davidson-Logo. Die Leiche ist zu stark verwest, um eine genaue Todesursache festzustellen. Der Gerichtsmediziner notiert aber, dass der Person in den Kopf geschossen wurde. Ob vor oder nach dem Tod, kann niemand sagen. Auch nicht, wie lang genau die Leiche dort schon liegt. Die Polizei in Placer County übernimmt den Fall, kann die Leiche aber zunächst nicht identifizieren.
Durch die Logos auf den T-Shirts kommen sie auf die Idee, Anzeigen in Motorradmagazinen zu schalten und Fotos der gefundenen Sachen abzudrucken. Und daraufhin meldet sich tatsächlich ein Leser und bringt Toms Namen ins Spiel. Vermutlich im November 92, also mehr als ein Jahr nach Toms Verschwinden und zehn Monate nach dem Fund der Leiche, da bekommt die Polizei in Burbank einen Anruf und dann die Fotos vom Fundort aus Colfax. Die Spurensicherung hat dort folgende Gegenstände sichergestellt. Einen Lederstiefel, einen grau-schwarzen Seesack, also eine Art Reisetasche, T-Shirts, ein klappbares Jagdmesser, eine Taschenlampe an einer langen Schnur, eine Karte, Zigaretten, eine leere Medikamentendose, einen Kamm, eine Zeitschrift, eine schwarze Jacke und zwei Brillen.
Unter anderem eine rot-orangene Sonnenbrille. Barbara und Toms Bruder identifizieren einige der Dinge als die von Tom. Die Brille auf einem der Bilder könnte dieselbe sein, die Tom auch auf dem Foto mit Barbara trägt. Damit ist es sehr wahrscheinlich, dass es Toms menschliche Überreste sind, die in Colfax gefunden wurden. Aber wie kommt er dorthin? Fast 700 Kilometer nördlich von Burbank. Und woher kommen seine Sachen? Der Seesack und einige T-Shirts lassen den Rückschluss zu, dass Tom doch seine Sachen gepackt haben könnte. Ist er wirklich abgehauen oder wurde er gezwungen? Aber wer würde Tom zwingen, einen Rucksack zu packen, wenn er ohnehin plant, ihn umzubringen? Vielleicht ein Ablenkungsmanöver? Und wenn Tom wirklich plant, länger fortzubleiben, wieso packt er dann nur T-Shirts ein und keine andere Kleidung? Wie schon der mysteriöse Brief wirft auch der Leichenfund in Colfax nur mehr Fragen auf. Zum Beispiel, warum wurde Tom ausgerechnet dort gefunden? Denn, wie die Polizei bekannt gibt, stand in dem mysteriösen Brief ja, dass Tom in den Bergen nahe von Los Angeles begraben worden sein soll.
Wir haben uns auch gefragt, ob die Polizei damals eine große Suche gestartet hat, als sie den Brief mit dieser Information bekam. Aber darüber konnten wir nichts finden. Bleibt also festzuhalten, dass der Brief und Realität wieder auseinandergehen. Die wichtigste Frage, die sich jetzt stellt, ist, ist die Leiche wirklich die von Tom? Das kann nur ein DNA-Test bestätigen. Dieser wird im November 1992 in Auftrag gegeben. Die Technologie war damals noch nicht so ausgereift wie heute. Das zeigt sich zum Beispiel in einem Artikel über diesen Fall, in dem für die Leser damals noch explizit erklärt wird, was DNA überhaupt ist. Es werden Blutproben von allen sechs Geschwistern von Tom genommen, die an der Ostküste wohnen. Vielleicht dauert es auch deswegen so lange, aber das Ergebnis ist erst zwei Jahre später da. Zwei Jahre! So lange müssen die Familie und Barbara warten, bis sie endlich wissen, ob der gefundene Tote wirklich Tom ist. Barbara sagt, ich habe das Gefühl, dass das, was sie dort gefunden haben, Tom ist. Aber da ist diese Hoffnung, dass er immer noch irgendwo da draußen ist und dass ich ihn tatsächlich finden werde. Man möchte sich gar nicht vorstellen, wie schlimm es sein muss, zwei Jahre in diesem Schwebezustand zwischen Trauer und Hoffnung zu sein. Es ist der 11. Januar 1994, exakt zwei Jahre nach dem Fund der Leiche in Colfax und zweieinhalb Jahre nach Toms Verschwinden.
An jenem Tag bekommen Barbara und Toms Familie einen Anruf mit den Ergebnissen aus dem Labor. Die menschlichen Überreste sind wirklich die von Tom.
Wenige Tage später steht es auch schon in den Zeitungen, der Tote, der gefunden wurde, ist der vermisste Tom aus Burbank. Was mit ihm passiert ist, das ist aber nach wie vor unklar. Ein Polizist aus Placer County sagt, dass man die Todesursache vielleicht nie wird klären können. An der Leiche wurde zwar eine Schussverletzung am Kopf festgestellt, aber ob er daran auch gestorben ist, das kann man nicht mehr wirklich sicher sagen. Am 12. Februar 1994 werden Toms Überreste bestattet. Seine Schwester sagt einer Zeitung, vor etwa zweieinhalb Jahren haben die Leute davon gehört und angerufen, um nach Tom zu fragen, und wir konnten ihnen nichts sagen. Wir sind froh, dass wir den Leuten jetzt sagen können, dass die Suche vorbei ist. Die Suche ist zwar vorbei, die Ermittlungen aber nicht. Das würden wir euch jedenfalls gerne sagen, aber es scheint, als ob mit dem Fond von Tom auch seine Fallakte wieder in den Schrank gelegt wurde. Es gibt keine neuen Erkenntnisse, wie Tom nach Colfax kam, was mit ihm am Freitag, den 13. September 1991 in Burbank passiert ist oder woher seine Sachen kamen und wer ihm offenbar in den Kopf geschossen hat. Könnte es Suizid gewesen sein? Das wird zumindest in Internetform diskutiert, aber es wurde keine Waffe gefunden.
Könnte Barbara etwas mit seinem Tod zu tun haben? Auch das ist eine Theorie. Aber was hätte sie von seinem Tod gehabt? Barbara wirkt in den Interviews und der Unsoft Mystery-Doku wie eine gebrochene Frau. Sie stirbt 2010 im Alter von nur 49 Jahren.
Wir quatschen am Ende ja immer noch ein bisschen über die Theorien und tauschen uns aus. Und da würde mich jetzt interessieren, Patrick, welche Theorie ist denn bei dir hängen geblieben des heutigen Falls? Um ehrlich zu sein, bin ich ein bisschen hin und her gerissen. Ich finde, dass er so wirklich als herzensguter Mensch beschrieben wurde. Und vielleicht konnte er da auch einfach einem, ich sag mal, Veteranen nichts ausschlagen. Die haben ja in den USA, soweit ich weiß, einen recht hohen Stellenwert. Und dann hat es irgendwann einen Punkt erreicht, wo er aber nicht mehr zurück konnte. Und ich glaube auch, um ehrlich zu sein, wenn das mit dem Veteranen stimmen sollte, oder wir hatten ja schon die Frage so ein bisschen, warum nimmt er sich genau diesen Zwei-Meter-Hünen? Da könnte ich mir vorstellen, dass dieser Veteran das als Herausforderung einfach gesehen hat und deswegen sich Tom vorgeknüpft hat. Was denkst du? Also ich muss sagen, ich bin ein bisschen darüber gestolpert, wie einfach immer behauptet wird oder vermutet wird, naja, derjenige hat sich einfach aus dem Staub gemacht. Ich kann das verstehen, dass nicht sofort immer alle Pferde scheu gemacht werden und jeder sofort gesucht wird, kann ich verstehen, weil ja eben einige Leute wieder auftauchen. Aber ich finde es immer so einfach zu sagen, auch nach einer längeren Zeit, naja.
Derjenige hat sich aus dem Staub gemacht, der hat diesen Brief vielleicht selbst geschrieben und das scheint mir nach 16 Jahren Beziehung zwischen den beiden ein bisschen viel Drama zu sein, dass sich Tom so von Barbara getrennt hätte. Also ich glaube, das ist totaler Quatsch und dieser Brief ist ja auch super weird formuliert und was hat der Verfasser überhaupt mit Jeffrey Dahmer am Hut? Also ja, ich finde, das wirft so viele Fragen auf und dann gibt es ja noch diesen fremden Mann, der von der Nachbarin gesehen wurde und ich bin mir eigentlich sicher, dass der was damit zu tun gehabt haben muss. Also was wäre das für ein Zufall, dass da ein fremder Mann ist, keiner weiß wer, keiner kann ihn beschreiben und dann hat er nichts mit der Sache zu tun, das glaube ich nicht. Und wir haben ja auch schon in der Folge darüber gesprochen.
Dass das in dem Brief auch super merkwürdig ist, dass der Verfasser seine Zeit im Vietnam so gefeiert hat und dass die glücklichsten Tage seines Lebens waren, so hat das ja auch selbst formuliert. Also ja, da sind super viele Fragezeichen noch in meinem Kopf und Dinge, die nicht zusammenpassen. Deswegen würde uns das total interessieren, was so eure Gedanken waren, als ihr dem heutigen Fall zugehört habt. Was glaubt ihr, ist hier passiert oder was erschien euch komisch beim Zuhören? Das könnt ihr super, super gerne unter den heutigen Post schreiben. Und damit würde ich sagen, schließen wir die schwarze Akte auch für heute und freuen uns sehr, wenn ihr nächste Woche Dienstag wieder mit dabei seid, wenn es eine neue Folge gibt und zwar auf allen Plattformen, die ihr so kennt, auf denen ihr so Podcasts hört.
Wir sind eure Hosts Anne Lukmann und Patrick Strobusch. Redaktion Johanna Müsiger und wir. Schnitt Anne Luckmann Mit der Stimme von.
Music.