Music.

Schwarze Akte. Das Archiv. Das weiße Papier ist an einer Ecke eingeknickt und weht im Wind leicht vor und zurück. Die Leute, die daran vorbeigehen, die werfen einen kurzen Blick darauf, senken den Kopf und gehen weiter. Einige wenige bleiben stehen, betrachten die zwei Bilder eingehender, vielleicht schütteln sie auch den Kopf und gehen mit hängenden Schultern weiter. Vielleicht bleibt ihnen der Zettel in Erinnerung. Vielleicht haben die vier Ziffern und das große Dollarzeichen am Ende des Zettels ihre Aufmerksamkeit geweckt. Vom Zettel aus lacht ein Mann mit Fliege und Anzug den Menschen in Baltimore entgegen. Der Mann sieht sympathisch aus. Ein gutaussehender Typ, mit breiten Schultern und braunen Augen und Haaren. Er ist 32 Jahre alt und fast zwei Meter groß. Er wurde zuletzt am Dienstagabend, den 16. Mai 2006 gesehen. Seit diesem Tag ist Ray spurlos verschwunden. Mittlerweile ist der 24. Mai, ein Mittwoch.

Stevens Freund und Arbeitskollege Ray wird schon seit acht Tagen vermisst. Mit einem weiteren Kollegen läuft Steven in der Mittagspause durch die warmen Straßen von Baltimore auf dem Weg zum Essen. Dabei treffen sie einen weiteren Freund, der vor dem vermissten Plakat von Ray steht. Das Trio betrachtet die Bilder ihres Freundes. Seit acht Tagen haben sie schon bei der Suche mitgeholfen, sie haben Straßen abgesucht, Flyer in Hände gedrückt, Zettel an jeder Ecke aufgehängt und mit dutzenden Leuten gesprochen. Acht Tage lang. Und sie haben nichts gefunden.

Zu dritt beschließen sie, genau jetzt alles stehen und liegen zu lassen und in der Gegend nach Hinweisen zu suchen. Sie sind nicht weit von ihrer Arbeit und eben jenem Parkplatz entfernt. Der einzige wirkliche Hinweis, der wurde genau auf diesem Parkplatz gefunden. Ray muss einfach in der Nähe gewesen sein. Direkt neben dem Parkplatz ragt ein riesengroßes Gebäude in die Luft, unzählige Fenster reihen sich aneinander auf dem Weg bis zu dem hohen Dach und direkt hinter dem Belvedere Hotel ist ein Parkhaus. Sie beschließen also, dorthin zu gehen. Es ist eine riesengroße siebenstöckige Garage und auch ganz oben auf dem Dach ist nochmal ein Parkplatz drauf. Die drei betreten das Parkhaus. Steven und die beiden Arbeitskollegen gehen durch die Parkdecks immer weiter nach oben. Sie laufen an einigen parkenden Autos vorbei, an leeren Parklücken, aber sie finden nichts Auffälliges.

Als sie oben auf dem Dach des Parkhauses ankommen, kommen sie aus der Auffahrt für die Autos auf einen großen Parkplatz. Die einzelnen Plätze für die Autos sind mit weißer Farbe gezogen, das Dach ist von einer Mauer umrandet. Sie blicken nach links und rechts. Sie drehen sich dann um und blicken auf die Rückseite des Belvedere Hotels. Das u-förmige Gebäude erhebt sich vor ihnen. Die vier in weiß umrandeten Fenster reflektieren die sengende Mittagssonne. Das reich verzierte Bauwerk ist nur wenige Meter entfernt und dazwischen liegen Anbauten, die das Parkhaus direkt mit dem Hotel verbinden.

Einer der Arbeitskollegen beschließt, auch mal im Treppenhaus nachzusehen. Steven und sein Freund bleiben zurück. Die beiden gehen auf die Mauer des Parkdaches zu, die in Richtung des Belvedere-Hotels liegt. Steven und sein Freund lehnen sich über die Außenwand des Parkdaches und werfen mal einen Blick nach unten. Vor ihnen liegen die Flachdächer der Gebäude, die direkt an das Hotel Belvedere angrenzen. Darunter liegen eine Cocktailbar, ein Restaurant und das ehemalige Schwimmbad des Hotels. Das wird inzwischen als Büro und Konferenzräume genutzt. Auf dem weißen Dach des ehemaligen Schwimmbads sind zwei große halbrunde Aufsätze, fast so wie aufgesetzte Fenster, die sich vom Flachdach abheben. Auf diesem Flachdach liegen einige Steine, Plastiktüten, Verpackungsmüll und, Ein großer, schwarzer Flipflop. Steven fühlt sein Herz schneller schlagen. Er lehnt sich weiter über die Mauer. Und er sieht tatsächlich einen schwarzen Schuh.

Er kneift die Augen enger zusammen und blickt konzentriert auf das Dach, etwa sechs Meter unter ihm. Einige Meter weiter entdeckt er einen zweiten schwarzen Flipflop. Ray hatte Flipflops an, als er verschwand. Und Ray ist fast zwei Meter groß, der hat große Füße. Die Flipflops könnten also zu ihm passen.

Stevens Herz schlägt noch schneller.

Er bemerkt ein Blitzen auf dem Dach. Seine Augen schnellen in die Richtung und er sieht ein kleines silbernes Gerät. Könnte das ein Handy sein? Vielleicht sogar das Handy von Ray? Steven greift in seine Tasche, zieht sein eigenes Mobiltelefon hervor und ruft den Kollegen an, der gerade im Treppenhaus des Parkhauses verschwunden ist. Dann macht er seinen Freund neben ihm auf seine Funde auf dem Dach aufmerksam und erst dann bemerkt er das Loch. Denn auf dem weißen Flachdach vor ihm ist ein kleines Loch zu sehen, fast schon winzig von dort, wo sie stehen. Es liegt weiter hinten, links von der Mitte des Dachs. Ein schwarzer kleiner Fleck auf dem weißen Dach.

Stevens Füße berühren schon nicht mehr den Boden, so weit lehnt er sich nach vorn, um zu schauen, was sich unter diesem Loch befindet. Aber die Sonne blendet zu stark und das Loch ist einfach zu klein und zu weit weg. Der dritte Kollege kommt dazu und jetzt starren sie alle drei auf das Dach. Auf die Flipflops, auf das Handy und auf das Loch. Dann greift Steven ein zweites Mal zu seinem Mobiltelefon, aber dieses Mal wählt er die Notrufnummer der Polizei. Und nach diesem langen Intro begrüßen wir euch zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte, wie immer mit Christopher Bücklein. Und natürlich mit Anne Lugmann. Schön, dass ihr da seid. Bevor es aber losgeht mit diesem heutigen verrückten Fall, möchten wir noch einen Hinweis geben, denn wir sprechen heute unter anderem über das Thema Suizid. Das heißt, wenn ihr euch mit diesem Thema nicht wohlfühlt, dann hört euch diese Folge bitte gar nicht oder zumindest nicht alleine an. Und falls ihr selbst von diesem Thema betroffen seid oder selbst suizidale Gedanken habt, dann holt euch bitte Hilfe. Dazu haben wir auch ein paar Links in den Beschreibungstext dieser Folge gepackt. Es ist Mittag, als bei der Polizei in Baltimore am 24. Mai 2006 das Telefon klingelt.

Sie werden in die Nachbarschaft Mount Vernon gerufen, ins Belvedere Hotel. Es ist eines der ältesten und bekanntesten Gebäude der Stadt und steht dort seit mehr als 100 Jahren. Es wurde 1903 eröffnet und von außen sieht das wirklich prunkvoll aus. Beige-pinke Steine an der Außenwand, weiße Steine, die die dutzenden eleganten Fenster umrahmen. Es ist 57 Meter hoch. In diesem Hotel, da haben schon viele Schöne und Reiche übernachtet und haben unter anderem in den Ballsälen gefeiert oder sich bei Gala-Dinnern getroffen.

Aber heute ist das Belvedere kein Hotel mehr, sondern ein riesiger Wohnkomplex in einer beliebten Gegend mit Restaurants und Bars. Und in den großen Sälen des ehemaligen Hotels, da werden Hochzeiten gefeiert. Das alte Schwimmbad wird jetzt für Konferenzen genutzt. Und die Hotelsuiten, die wurden zu Apartments umgebaut. Aber auch wenn es kein Hotel mehr ist, heißt dieses Gebäude immer noch Belvedere Hotel. Und es gibt auch heute noch in diesem Gebäude einen Concierge. Und der führt die Polizisten, die sich in der Lobby nach dem weißen Flachdach erkundigt haben, jetzt in diese Konferenz- und Büroräume im ehemaligen Schwimmbad. Ein Raum steht leer, in dem anderen arbeiten die Mitarbeiter des Belvedere Catering-Unternehmens und die schauen den Polizisten jetzt natürlich neugierig hinterher. Vielleicht kommen die Polizisten ja wegen dieses Gestanks, den die Angestellten vor einigen Tagen bemerkt haben. Aber warum sollte wegen einer toten Ratte gleich die Polizei gerufen werden? Der Concierge geht auf den versperrten Konferenzraum zu, er steckt den Schlüssel ins Loch, dreht ihn um und stößt die Tür auf. Werbung Werbung Ende Das Erste, das er bemerkt, ist der Gestank.

Music.

Der Concierge sagt später gegenüber Journalisten, dass er dann den Körper unter dem Loch gesehen hat. Dann sei er aus dem Raum rausgerannt. Manchmal, so sagt der Concierge, sehe er diesen Körper heute noch vor sich. Dieser Anblick war wahrscheinlich ziemlich unschön. Denn bei den warmen Temperaturen im Mai ist die Verwesung der Leiche schon sehr weit fortgeschritten. Und wenn es der Mann ist, den sie suchen, dann liegt er mindestens schon seit einer Woche dort. Er liegt auf dem Bauch. Die Beine zeigen in Richtung Tür. Und eines dieser Beine ist offensichtlich gebrochen. Ein paar Blutspritzer sind an der Wand. Ein Polizist tritt auf den Mann zu, dann blickt er nach oben und sieht in den Himmel. Das Loch sieht auch von nahem klein aus, als wäre der Mann geradewegs wie ein Pfeil vom Himmel durch das Dach gestürzt.

Dieser Mann trägt ein gelbes T-Shirt, eine lange grüne Hose und keine Schuhe. In seiner Hose finden die Polizisten eine American Express Karte und einen Führerschein. Beide sind auf den gleichen Namen ausgestellt. Auf den Mann, den sie seit mehr als einer Woche suchen. Auf den 32-jährigen gut aussehenden Mann mit Anzug und Fliege, der auf dem vermissten Plakat lächelt. Den 1,95 Meter großen, breitschültrigen, braunäugigen, braunhaarigen Mann mit einer kleinen Narbe am Kinn.

Nur kurz darauf ist es in allen Nachrichten der Stadt. Der frisch verheiratete Ray aus Baltimore, der Drehbuchautor werden wollte und am 16. Mai 2006 spurlos von zu Hause verschwand, der ist acht Tage später tot im Hotel Belvedere gefunden worden. Ray ist vermutlich durch das Dach in den Konferenzraum gefallen. Aber wie? Diese Frage stellen sich Reys Frau und die Familie erst, als sie wieder zu Hause sind. Sie haben auf dem Polizeirevier diese schreckliche Nachricht erhalten und nach acht Tagen verzweifelter Suche, hoffen und bangen haben sie jetzt traurige Gewissheit. Ray ist tot. Sein Bruder, Angel, der erinnert sich in der Doku Unsolved Mysteries später, wie sein Herz in diesen Moment brach. Alle hätten angefangen zu weinen, aber erst später zu Hause haben er und seine Familie über das Wer, Was und Wie nachgedacht. Im Zuhause von Ray und seiner Frau Allison, die seit dem Verschwinden von Ray das Wohnzimmer in eine Zentrale für die Suche nach ihrem Mann verwandelt hat. Denn dort stehen Telefone, Karten, Notizzettel und dazwischen Fotos von Ray und Allison. Ja, wer ist denn dieser Ray, über den wir hier sprechen? Ray wurde in Spanien in einem Militärkrankenhaus einer Air Force Basis der USA geboren. Sein Vater ist Offizier und wurde immer wieder woanders stationiert, weswegen die fünfköpfige Familie oft umziehen musste.

Ray geht später in Orlando auf die High School. Er ist ein freundlicher und extrovertierter Typ. Er spielt Basketball, schwimmt gerne und liebt Wasserball. Er ist darin sogar richtig gut und bekommt ein Stipendium für eine Uni in Kalifornien. Dort macht er auch einen Abschluss in Englisch und wird dann von einer spanischen Mannschaft für das Wasserballteam angeheuert. Ray spielt tatsächlich professionell. Sein größter Traum war damals, für die US-amerikanische Nationalmannschaft zu spielen. Und im Alter von 23 Jahren scheint dieser Traum wahr zu werden. Denn Ray soll in Los Angeles mit dem Nationalteam für die Olympischen Spiele trainieren. Das wären die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta gewesen. Aber Ray hat offenbar eine Menge Temperament. Und er ist deswegen mit dem Coach aneinander geraten. Zwei Wochen vor der Abreise nach Atlanta haben sie so heftig gestritten, dass Ray aus dem Team geworfen wird.

Ray wird später sagen, dass das der größte Fehler seines Lebens war und er hat das immer bereut. Nachdem Rays größter Lebenstraum geplatzt ist, hält er sich erstmal mit mehreren Jobs über Wasser. Er hat noch eine zweite große Leidenschaft, nämlich das Schreiben. Denn Ray verfasst Drehbücher. Weil sich damit aber kaum Geld verdienen lässt, unterrichtet er Spanisch und coacht das Wasserpolo-Team einer Highschool.

Währenddessen arbeitet er auch noch an einer Filmschule in Los Angeles und mittlerweile ist Ray zu diesem Zeitpunkt 27 Jahre alt. Durch gemeinsame Freunde trifft er dann schließlich Allison. Die beiden werden ein Paar und Ray macht ihr 2004 einen Heiratsantrag. Aber um sich und seine zukünftige Familie zu finanzieren, braucht Ray einen festen Job. Einer seiner ältesten Freunde, mit dem er früher in der Highschool gemeinsam Wasserball gespielt hat, der bietet ihm eine Stelle in Baltimore, in seinem Finanzunternehmen, an. Ray soll dort Newsletter schreiben, und zwar über den Aktienmarkt.

Dummerweise hat Ray mit Aktien und Finanzen gar nichts am Hut, aber der Job wird so gut bezahlt und sein Freund überredet ihn auch, nach Baltimore zu ziehen, dass Ray dieses Angebot annimmt. Er schreibt jetzt einen eigenen Finanznewsletter und gibt Tipps zu Anlagen und Aktien. Und im Dezember 2004 ziehen Ray und Alison gemeinsam in Baltimore in ein schönes Haus. Sie heiraten im Jahr 2005 am schönen Strand von Puerto Rico. Das ist eine wunderschöne Hochzeit. Das heißt, im Leben von Ray könnte eigentlich alles perfekt laufen. Er hat einen gut bezahlten Job. In seinem Privatleben läuft es wunderbar. Ja, aber Ray ist nicht glücklich. Denn er hat, wie gesagt, von Finanzen keine Ahnung und er gibt nur Finanztipps, weil er gut schreiben kann. Das befriedigt ihn nicht. Deswegen kündigt er seinen Job und arbeitet von diesem Zeitpunkt an als freier Videograf. Mit seinem alten Arbeitgeber und Freund bleibt er aber in Kontakt und arbeitet für verschiedene Tochterfirmen freiberuflich und produziert zum Beispiel Filme von Konferenzen.

Aber Ray, der will sich wieder auch auf das Schreiben von Drehbüchern konzentrieren. Denn er und Allison planen wieder zurück nach Los Angeles zu ziehen, wo ihre Freunde und ihr altes Leben sind. Aber dazu wird es leider nicht mehr kommen. Am 16. Mai 2006 steht Allison sehr früh auf, denn sie muss auf eine Geschäftsreise. Ray frühstückt noch mit ihr, trägt dann ihren Koffer aus dem Haus zum Auto und verabschiedet sie auf die dreistündige Autofahrt. Ray arbeitet an dem Tag von seinem Büro aus zu Hause und zu diesem Zeitpunkt ist auch noch eine Arbeitskollegin von Allison im Haus, die heißt Claudia. Claudia ist ein paar Tage bei Ray und Allison zu Besuch und sie kann auch bestätigen, dass Ray von zu Hause gearbeitet hat an dem Tag. Er kam am Nachmittag in die Küche, hat sich dort ein paar Kartoffelchips und eine Limo geholt und habe dann weitergearbeitet. Gegen 18.30 Uhr hat Claudia dann gehört, wie bei Ray das Telefon klingelt Sie hörte ihn auch sprechen. Und es dauerte gar nicht lang, dann hat sie nur noch ein überraschtes Oh von Ray gehört. Danach folgten schnelle Schritte und eine zugeschlagene Haustür. Als Alison ihren Mann abends anruft, geht er nicht an sein Handy. Sie probiert es bei ihrer Kollegin Claudia, doch Ray ist nicht zu Hause.

Dafür ist sein Computer im Büro noch angeschaltet und die Lichter ebenfalls. Das ist merkwürdig. Auch am nächsten Morgen kann Alison Ray nicht auf dem Handy erreichen. Und irgendwann schaltet das Telefon direkt auf den Anrufbeantworter um, wenn sie seine Nummer wählt. Der Akku scheint leer zu sein. Also packt Alison ihre Sachen und rast zurück nach Baltimore. Auf dem Weg ruft sie Rays Familie und ihre Eltern an, aber niemand hat etwas von Ray gehört. Und niemand kann ihn erreichen. Ja, und das ist wirklich ungewöhnlich, denn Ray ist eigentlich ein zuverlässiger Typ. Alison und er telefonieren eigentlich mehrmals am Tag, wenn sie auf Geschäftsreise ist. Und wenn er irgendwo hingeht, dann sagt Ray ihr auch eigentlich immer Bescheid.

Als Alison zu Hause ankommt, da sieht sie die offene Limo-Flasche auf dem Küchentisch, den laufenden Computer, die Lichter im Büro. Aber im Schlafzimmer und Bad sieht eigentlich alles aus wie immer. Ray hat auch nichts gepackt, also er hat anscheinend nicht geplant, irgendwo über Nacht hinzufahren. Und kurz darauf kommt auch schon Rays Familie bei Alison an. Gemeinsam fangen sie dann an, nach Ray zu suchen. Sie telefonieren auch die Krankenhäuser ab. Und am Nachmittag des 17. Mai, also einen Tag später, da melden sie Ray schließlich bei der Polizei als vermisst. Währenddessen wird aus dem Wohnzimmer von Ray und Alison eine Suchzentrale. Familie und Freunde machen Pläne, wo sie nach Ray und seinem Auto suchen wollen.

Er ist mit seinem Auto am 16. Mai von zu Hause weggefahren. Sie drucken Flyer. Der Schulfreund von Ray, für den er in Baltimore gearbeitet hat, der setzt sogar eine Belohnung für Hinweise aus. Erst sind's 1.000 Dollar und er erhöht sogar nochmal auf 5.000 Dollar. Ray ist also spurlos verschwunden. Man kann weder ihn noch den schwarzen SUV finden, mit dem er unterwegs war, und auch seine Kreditkarte wurde nicht benutzt. Sein Handy ist ebenfalls nicht erreichbar, Aber im Polizeibericht, da stehen einige interessante Details, die sich die Ermittler in dieser Anfangszeit notieren. Zum Beispiel geht am 13. Mai, also drei Tage vor Rays Verschwinden, nachts der Alarm im Zuhause von Ray und Allison los. Aber die Polizei kann nichts Verdächtiges finden. Sie vermuten, dass es ein Eichhörnchen gewesen sein könnte, das diesen Alarm ausgelöst hat.

Am 15. Mai, am Tag vor Reys Verschwinden, da schallt dieser Alarm nachts aber schon wieder los. Was Alison in jener Nacht besonders Angst macht, ist der Ausdruck auf Reys Gesicht. Er sei voller Panik und voller Angst mit einem Baseballschläger losgerannt und sie hat sich gefragt, ob Ray vor irgendjemandem Angst hatte. Aber die Polizei hat nichts am Haus gefunden. Später sagt Alison in der Unsolved Mystery-Doku, das versucht worden sein soll, ins Haus einzubrechen. Hat das irgendwas mit Rays Verschwinden zu tun? Die Polizei rekonstruiert, was Ray am Tag des 16. Mai gemacht hat.

Nachdem er Allison morgens zum Auto bringt, geht er in die Stadt und kauft in einem Buchladen ein Buch. Dort gibt es allerdings keine Kameraaufzeichnungen. Dann telefoniert er zu Hause mit Arbeitskollegen. Da geht's um ein Videoprojekt, das in ein paar Tagen fertig sein muss. Und dann bekommt er gegen 18.30 Uhr wieder einen Anruf und verlässt das Haus.

Die Tage vergehen. Niemand scheint Ray gesehen zu haben. Und es scheint auch nicht so, als ob Ray von sich aus verschwunden wäre. Es ist nichts gepackt. Ray hatte keine offensichtlichen Probleme. Er ist ein frisch verheirateter Mann. Es gibt viele Menschen, die ihn mögen. Er ist gesund. Die Polizei durchleuchtet ihn und sein ganzes Umfeld. Und alles wirkt ganz normal. Naja, nicht alles, denn Alison erzählt, dass Ray einige Tage vor seinem Verschwinden generell irgendwie ängstlich gewesen sei. Und auch besorgt, denn er hat sie zum Beispiel beim Joggen begleitet. Ihr im Stadion, wo sie joggt, von der Tribüne aus zugesehen, was er normalerweise vorher nicht gemacht hat. Und einmal hat er bei Regen im Auto gewartet, als ein Mann aufgetaucht und auf Alison zugegangen ist. Da sei Ray dann aus dem Auto gesprungen und auf seine Frau zugerannt und dieser fremde Mann sei dann weggegangen.

Alison weiß nicht, was das zu bedeuten hat, sagt sie später gegenüber Journalisten, denn als sie ihren Mann fragte, was los sei, hat er ihr geantwortet, dass alles in Ordnung wäre. Erst am 22. Mai, sechs Tage nach Rays Verschwinden, kommt Bewegung in den Fall. Reys Schwiegereltern sind im Auto in Baltimore unterwegs und suchen die Straßen ab. Und nur durch Zufall fahren sie am Belvedere Hotel und an einem offenen Parkplatz in einer Nebenstraße vorbei. Und nur durch Zufall schaut Reys Schwiegermutter in dem Moment zu ihrem Mann rüber und entdeckt durch das Fenster hinter ihm einen schwarzen SUV. Es ist der Wagen von Ray. Das Auto muss schon seit Tagen dort auf dem Parkplatz stehen, denn es gibt einen Strafzettel, der am Morgen des 17. Mai, also am Tag nach Race-Verschwinden, ausgestellt wurde. Der Parkplatzwächter erinnert sich, dass das Auto an jedem Abend noch nicht auf dem Parkplatz stand. Erst am nächsten Morgen hat er es gesehen und dann den Strafzettel ausgestellt.

Die Polizei findet, zumindest heißt es so in den Nachrichten damals, im Auto nichts Besonderes. Sie wollen die Filmaufnahmen der umliegenden Kameras sichten und fragen deswegen in der Umgebung nach Material der Videokameras. Tja, was könnte Ray in dieser Gegend gewollt haben? Sein alter Arbeitgeber, für den er immer noch als freier Mitarbeiter im Einsatz ist, der ist gar nicht so weit entfernt. Könnte Ray also vielleicht dorthin unterwegs gewesen sein? Das zumindest hat damals auch die Presse diskutiert. Als das Auto gefunden wird, da gibt es Dutzende Artikel und Beiträge im Fernsehen. Denn wie kann ein 32-jähriger Mann einfach so ohne Hinweise verschwinden? Mittlerweile sieht es nämlich nach einem Verbrechen aus und die Polizei versucht, diese Kameraaufzeichnung vom Parkplatz auszuwerten. Doch auf der einen Aufnahme stimmt der Winkel nicht und die andere Aufnahme wurde über Nacht gelöscht, aus Versehen. Die Daten sind also weg, ein grober Fehler der Polizei. Ein Fehler, der nicht der Erste bleiben wird.

Und dann, zwei Tage nachdem das Auto von Ray gefunden wurde, da steigen die drei Arbeitskollegen aufs Dach des Parkhauses neben dem Belvedere Hotel und direkt gegenüber jenem Parkplatz, auf dem sein Auto stand. Sie entdecken dann dieses Loch im weißen Flachdach und rufen die Polizei. Acht Tage nach seinem Verschwinden wird dann die Leiche von Ray gefunden. Die erste Frage, die sich den Ermittlern direkt stellt, ist, wie ist Ray dort gelandet und warum? Die Polizisten versuchen, die wenigen Informationen, die sie haben, zusammenzusetzen und denken als erstes an einen möglichen Suizid. Und das ist die erste und einfachste Theorie. Ray hat sich das Leben genommen.

Und ob seine Verletzungen zu dieser Theorie passen, das soll eine Autopsie klären. Der Bericht der Gerichtsmedizinerin ist heftig. Äußerlich hat Ray weniger Verletzungen, als man das für einen Fall aus so einer Höhe erwarten würde. Es ist sicher, dass er mit den Füßen zuerst aufgekommen sein muss. Das Loch wäre nämlich sonst nicht so klein gewesen. Außerdem ist Rays rechtes Bein an zwei Stellen gebrochen. Er hat Risswunden und viele innere Verletzungen, zum Beispiel gebrochene Rippen und eine verletzte Leber. Und der Bericht ist sehr ausführlich und er wird von Zeile zu Zeile schlimmer. Im Internet gibt es sogar eine Darstellung, in der jede einzelne Verletzung dokumentiert wird.

Die Gerichtsmedizin findet auch heraus, dass Ray nicht lange nach seinem Verschwinden gestorben ist. Denn im Magen befinden sich die Kartoffelchips, die er ja am Nachmittag des 16. Mai gegessen hat. Das heißt, zwischen seinem Verschwinden und seinem Tod können nur wenige Stunden gelegen haben. Es gibt laut dem Autopsiebericht keine Anzeichen für ein Verbrechen, aber nach acht Tagen Verwesung ist sich die Gerichtsmedizinerin da jetzt auch nicht hundertprozentig sicher. Ray hat jedenfalls keine Drogen im Blut und das bisschen Alkohol, das die Medizinerin findet, könnte auch durch die Verwesung entstanden sein. Fazit des Berichts ist, die Umstände von Rays Tod sind nicht klar. Deswegen steht ganz unten auch ein großes, ungeklärte Todesursache im Bericht. Es ist also unklar, wie genau Ray zu Tode gekommen ist. Ob das ein Unfall war, ob es ein Suizid war oder ein Verbrechen. Die Gerichtsmedizinerin kann das nicht hundertprozentig sagen.

Trotzdem bleibt es die Theorie Nummer eins, dass Ray sich umgebracht haben muss. Aber für seine Familie kommt das gar nicht in Frage. Alison, Rays Frau, sagt, dass sie sich nicht vorstellen kann, dass Ray sich umgebracht hat, weil er noch Pläne hatte. Er war frisch verheiratet. Sie wollten zurück nach Los Angeles ziehen. Sie wollten eine Familie gründen. Und er hatte nicht nur diese großen Pläne. In seinem Terminkalender, da standen auch noch die Deadline für das Filmprojekt, Verabredungen für das Wochenende. Er hatte auch Filmequipment geliehen und der Vermieter, der hatte von Ray einen ganz normalen Eindruck und hat gesagt, dass nichts an seinem Verhalten auffällig gewirkt hat. Auch seine Kollegen sagen, dass er an Projekten gearbeitet hat und dennoch eine Deadline hatte, aber die hätte jetzt auch keinen übermäßigen Stress verursacht.

Außerdem wird Ray von seinen Freunden als verlässlich und verantwortungsbewusst beschrieben und keiner wusste von einer Depression oder Ähnlichem. Also alles in allem ist es schwierig zu verargumentieren, warum Ray abends überstürzt aus dem Haus rennen soll, um sich dann von einem Gebäude zu werfen. Trotzdem geht die Polizei dieser Theorie natürlich nach. Sie befragen verschiedene Personen im Hotel Belvedere, ob jemand Ray gesehen hat oder vielleicht gehört. Denn wenn jemand durch ein Dach donnert, dann sollte das ja irgendjemand mitbekommen haben. Aber es melden sich keine Zeugen. Auch im Gebäude will niemand Ray gesehen haben. Selbst auf den Kameras im Belvedere Hotel ist Ray nirgends zu entdecken. Und dort ist es auch gar nicht unbedingt so einfach, aufs Dach zu kommen, von dem er gesprungen sein soll. Mal davon abgesehen, dass Ray ja laut seiner Frau Allison sogar Höhenangst hatte. Das Dach ist eine breite, offene Fläche mit einigen Luftschächten und Klimaanlagen. Da gibt's gar keinen Zaun am Rand oder sonst eine Absicherung. Um dorthin zu gelangen, da muss man Hintertreppen nehmen und durch verschlossene Türen gehen.

Eine Autorin, die in dem Gebäude wohnt und ein Buch über Rays Fall geschrieben hat, sagt zwar, dass die Türen damals schon oft offen gestanden hätten, aber Ray wäre sicherlich irgendjemandem aufgefallen, denn es ist verboten, sich auf dem Dach aufzuhalten. Also könnte es sein, dass er von woanders abgesprungen ist. Auf der anderen Seite liegt die Parkgarage, etwa sechs Meter über dem Dach des ehemaligen Schwimmbads. Aber die Verletzungen von Ray sind zu massiv und passen nicht zu einem Sprung aus nur in Anführungszeichen 6 Metern Höhe.

Die Ermittler gehen also wieder zurück auf das 57 Meter hohe Belvedere. Ja, und jetzt kommen wir zum merkwürdigen Teil des heutigen Falls. Denn als die Polizisten oben auf dem Dach des Gebäudes stehen, da fällt ihnen was auf. Nämlich das Loch, in dem Ray gelandet sein muss. Das ist weit vom Dachrand des Belvedere Hotels entfernt. Also wirklich sehr weit. Nämlich ganze 13 Meter. Es gibt auch Dutzende Zeichnungen, die das Gebäude, das Loch und die Entfernung darstellen. Das haben wir euch in den Shownotes verlinkt. Also schaut euch das auch gerne mal selber an. Denn das Problem ist, dass wenn Ray von dem Dach springt oder fällt, dann legt er zwar ein paar Meter horizontal zurück, also landet nicht direkt am Hotel, aber 13 Meter, das ist viel zu weit. Experten haben auch berechnet, dass Ray dafür mit einer Geschwindigkeit von fast 18 Kilometern pro Stunde vom Dach angelaufen und dann abgesprungen sein müsste. Und das ist ordentlich. Außerdem hätte er nur etwa 12 Meter Platz gehabt für seinen Anlauf. Und dann das alles in Flipflops? Ja, das klingt eigentlich unmöglich. Eine spanische Forensikerin hat sich das auch nochmal genauer angeschaut. Und die sagt, physikalisch und mathematisch ist das tatsächlich unmöglich.

Sie hat mehrere Seiten superkomplexer Formeln und Berechnungen in ihrem Buch aufgelistet und sie ist verschiedene Entfernungen und Geschwindigkeiten von verschiedenen Absprungpunkten durchgegangen. Und egal wie sie es berechnet, sie sagt, es ist einfach unmöglich vom Parkhaus zu springen und dort zu landen, denn Ray hätte mit seinem Sprung mehr als sieben Meter zurücklegen müssen. Außerdem wäre das Loch deutlich größer gewesen, weil er nicht vertikal auf dem Flachdach angekommen wäre. Und vom Belvedere Hotel sieht das ähnlich aus. Diese Forensikerin sagt, Zahlen dügen nicht, so kann es einfach nicht abgelaufen sein. Diese Expertin hat sich aber nicht nur die Zahlen angeschaut, sondern auch den Autopsiebericht gelesen und die Polizeiakten. Bei der Autopsie fängt es schon mal an, denn Datum und Todeszeitpunkt sind nicht eingetragen. Das kann natürlich Schlamperei sein, fällt der Expertin aber direkt auf. Außerdem geht sie die Verletzung durch, die die Gerichtsmedizinerin dokumentiert hat, und sie fragt sich, ob die aufgeschriebenen Verletzungen überhaupt zu einem Fall aus so großer Höhe passen. Denn für diese Theorie hat Ray erstaunlich wenig äußerliche Verletzungen. Bestimmte Knochen, zum Beispiel Halswirbel, von der die Expertin vermutet hat, dass sie auf jeden Fall gebrochen sein sollten, sind es aber nicht. Außerdem ist Reys Gehirn nicht so schlimm verletzt, wie sie es vermutet.

Ray soll außerdem mit den Füßen zuerst durch das Flachdach gestürzt sein. Aber warum ist dann sein linkes Bein intakt und nur das rechte gebrochen? Außerdem hat Ray keine Verletzung an den Armen, wie die Forensikerin eigentlich vermutet hätte. Noch komischer wird es, als die Expertin das Loch misst. Den Polizisten kam das Loch auch schon ziemlich klein vor. Aber die Expertin zeigt, das Loch hat nicht mal einen Durchmesser von einem Meter. Und Reys Rumpf zusammen mit seinen Armen, der ist auf jeden Fall breiter. Ray hatte ja große, starke Schultern. Wie soll er durch dieses Loch durchgepasst haben?

Wieder sagt die Forensikerin, Zahlen lügen nicht. Ja, dieses kleine Loch ist wirklich das reinste Mysterium. Nicht nur die Zahlen unterstreichen das. Denn neben dem Loch wird ja zum Beispiel Reys Handy gefunden. Und dieses Handy funktioniert einwandfrei. Es gibt nicht mal einen einzigen Riss im Bildschirm. Und welches Handy hält ein Fall vom Dach eines Hotels unbeschadet aus? Das Handy könnte natürlich in Reys Hosentasche gewesen sein und dann erst beim Auftreffen aufs Dach herausgefallen. Aber trotzdem, das ist eigentlich ziemlich unwahrscheinlich. Auch Reys Brille wird auf dem Flachdach gefunden. Und auch auf den Gläsern ist kein einziger Kratzer zu finden. Auffällig ist auch, dass eine Sache nicht gefunden wurde. Nämlich Reys Geldklammer. Die hat er von seiner Frau zur Hochzeit geschenkt bekommen. Das ist so ein silberner Clip mit Gravur. Und er wurde tatsächlich auch bis heute nicht gefunden.

Suizid ist die erste Theorie, die aufkommt und mit Sicherheit auch die einfachste. Aber diese Expertin sagt, es ist physikalisch unmöglich.

Im Jahr 2006 hat sich die Polizei aber allerdings auf diese Theorie konzentriert. Von dem Polizisten hieß es, Suizid wäre die wahrscheinlichste Ursache. Dass Rays Familie dafür keine Hinweise sieht, das hatten wir vorhin schon kurz erzählt, außerdem gibt es auch keinen Abschiedsbrief. Aber es gibt etwas anderes. Es gibt einen Fund, der diesen Fall noch mysteriöser macht, als er ohnehin schon ist. Als Rays Frau Allison das gemeinsame Haus und Rays Sachen durchsucht, da macht sie in seinem Büro hinter dem Computer eine seltsame Entdeckung. Denn hinter dem Computer klebt ein kleiner, gefalteter Zettel. Eingepackt in eine Klarsichtfolie und mit Klebeband an das Bildschirmgehäuse geklebt. Auseinandergefaltet ist es ein wirklich sehr kleiner Zettel, nur ungefähr sieben Zentimeter lang mit drei Spalten, auf denen in winziger Schrift ein Text aufgedruckt ist. Und Allison ist überzeugt, dass Ray diese Notiz am Tag seines Verschwindens verfasst hat, weil sie die Reste des Papiers im Müll gefunden hat. Auch diesen Zettel haben wir in den Shownotes verlinkt. Und an diesem Zettel ist wirklich alles ungewöhnlich. Denn niemand versteht, was Ray da geschrieben hat. Zu Beginn steht dort Brüder und Schwestern, gerade jetzt brechen auf der ganzen Welt Vulkane aus. Was für ein großartiger Anblick. Wen die Tugend eint, den wird der Tod nicht trennen.

Ray schreibt von dem verstorbenen Schauspieler Christopher Reeve, dem Filmemacher Stanley Kubrick. Er listet viele Filme auf, die ihm laut Alison gefallen hätten. Und dann sind da diverse jüngere Erfinderungen, wie zum Beispiel der Expressversand über Nacht, die menschliche DNA, Airbags oder USB-Sticks aufgelistet. Dann gibt es auch noch eine lange Liste mit Namen, Freunde, Bekannte und Verwandte. Und Ray äußert die Bitte, sie und sich selbst fünf Jahre jünger zu machen. Aber was auch sehr kurios ist, laut Alison fehlen auf dieser Liste wichtige Leute. An einer anderen Stelle schreibt Ray, ich stehe vor Ihnen als ein Mann, der den Zweck und den Wert unserer Geheimnisse versteht. Deshalb bewahre ich die Geheimnisse. Und an wieder anderer Stelle steht, das war ein ausgeklügeltes Spiel. Gratulation an alle Teilnehmer.

Dieser Zettel bzw. Brief, der ist so ungewöhnlich, dass die Polizei ihn sogar ans FBI schickt, um ihn von Profis analysieren zu lassen. Das Ergebnis? Tja, das Geschriebene ist merkwürdig, aber definitiv kein Abschiedsbrief. Es könnte aber auch ein Code sein. Vielleicht hat Ray irgendwas sagen wollen, konnte es aber nicht und hat deswegen diesen Notizzettel geschrieben. Es gibt in Internetforen ganz viele Theorien zu diesem Zettel. Dass die Notiz selbst vom Format aussieht wie das Wort Help, also Hilfe. Oder dass das Spiel, von dem Ray schreibt, sich auf einen Film beziehen könnte, in dem ein Charakter auf ähnliche Weise ums Leben kommt wie Ray.

Vielleicht ist es aber auch einfach nur eine Notiz für ein Drehbuch. Denn Ray hatte dutzende Notizbücher, in die er immer Kleinigkeiten und Ideen gekritzelt hat. Manchmal auch wirres Zeug, das auf den ersten Blick keinen Sinn ergibt. Aber warum sollte er das hinter dem Computer verstecken, wenn es nur eine einfache Notiz oder Gedanken waren? Folgende Sache steht auch auf diesem Zettel. Das Leben testet, ob du deinen Geist kontrollieren kannst. Sei vorsichtig und genieße die Feierlichkeiten.

Alison versucht zu entschlüsseln, was Ray dort geschrieben hat.

Googelt dann einige Zeilen und stößt auf die Freimaurer. Eines der Zitate wird offenbar von denen genutzt, nämlich Ihr habt bestimmt schon mal von den Freimaurern gehört, das ist eine geheime Gesellschaft, die aus den mittelalterlichen Gilden hervorgegangen ist. Heute sind die in sogenannte Logen organisiert, der meistens nur Männer angehören dürfen. und es gibt verschiedene Rituale, Lehren und den Austausch von Ideen, um sich persönlich und moralisch zu entwickeln. Vielleicht kennt ihr auch die Symbole der Freimaurer, nämlich Winkel und Zirkel und oft geht es im Zusammenhang mit ihnen auch um Verschwörungserzählungen und wilde Spekulationen.

Anscheinend war Ray von den Freimaurern fasziniert. Er hat ein Buch darüber gelesen und sich am Tag seines Verschwindens auch eins in der Buchhandlung gekauft. Aber nicht nur irgendein Buch, sondern das Buch Freemasons for Dummies, also Freimaurerei für Dummies. Er hat auch ein Treffen mit einem Mitglied der Loge in der Gegend, bei der er offenbar Mitglied werden wollte. Und der Mann, mit dem Ray sich trifft, sagt, dass es ein ganz normales Treffen gewesen wäre und Ray ein ganz normaler Typ gewesen wäre, der einfach nur mehr über die Freimaurer erfahren wollte. Also halten wir kurz fest. Reys Notiz ist definitiv kein Abschiedsbrief. Aber was es genau ist, das weiß niemand. Für einige ist die Notiz ein Hinweis darauf, dass Ray eine psychische Erkrankung hat. Aber auch das ist wirklich reine Spekulation.

Der Brief könnte etwas mit den Freimaurern zu tun haben. Ein Code sein, eine geheime Botschaft oder einfach nur Gekritzel. Dieser Zettel kommt also auch noch mit auf die Liste der Merkwürdigkeiten in diesem Fall. Gleich hinter das Loch, in das Ray gestürzt sein soll, was aber physikalisch und mathematisch einfach nicht möglich ist.

Und die Liste der Merkwürdigkeiten geht noch weiter. Ein Detective, der nach wenigen Wochen von dem Fall abgezogen wurde, sagt, dass er einer der wenigen gewesen wäre, die von einem Verbrechen ausgingen. Für ihn hat der Fundort der Leiche wie inszeniert gewirkt, das sagt er in der Ansruft Mysteries Dokumentation. Aber er ermittelt nicht mehr in dem Fall. Und der Polizist, der für ihn übernommen hat, der geht von Suizid aus.

Reys Frau Allison glaubt nicht an den Selbstmord. Sie hält in einer Netflix-Serie über diesen Fall die Flipflops von Ray in die Kamera und zeigt auf die Spitze seines Schuhs. Und da sieht man Schleifspuren.

Und das ist Theorie 2 in diesem seltsamen Fall. Hat vielleicht irgendjemand nur Reys Selbstmord inszeniert und es sollte so aussehen, als hätte er Suizid begangen? Hat jemand Ray getötet, auf das Dach geschleppt, ein Loch in das Dach geschlagen und Ray dann dadurch geworfen? Oder ihn in den Konferenzraum getragen? All das scheint irgendwie sehr kompliziert zu sein. Was aber dazu passen würde, sind die Kameras am Belvedea, die den Hinterhof aufzeichnen. Denn die haben in der Nacht nicht funktioniert. Aber wie kann es sein, dass wirklich niemand irgendwas gesehen hat? Niemand stellt Fragen. Aber wer könnte denn überhaupt ein Motiv haben, Ray umzubringen? Laut der spanischen Forensikerin braucht es eventuell gar kein Motiv, denn die Verletzungen von Ray passen für sie weniger zu einem Fall aus dieser großen Höhe, sondern vielmehr zu einem Autounfall. Und das ist eine weitere Theorie. Ray wird angefahren, stirbt und jemand könnte den Unfall wie einen Suizid aussehen lassen wollen. Oder war das Absicht? Vielleicht hätte ja wirklich jemand ein Motiv, Ray umzubringen. Ray hatte ja für ein Finanzunternehmen geschrieben, das Anlegern Aktientipps gegeben hat. Und vielleicht hat ja jemand durch seine Tipps Geld verloren.

Allerdings hatte Ray diesen Job doch schon im Herbst 2005 aufgegeben. Und das ist mehrere Monate vor seinem Tod. Das ist eine sehr lange Zeit, um Rache zu planen. Und dann gibt es doch noch diesen Anruf, den Ray am Tag seines Verschwindens bekommen hat. Die Polizei findet heraus, dass dieser Anruf von dem Mutterkonzern kommt, bei dem er gearbeitet hat. Aber wer ihn angerufen hat, das kann man nicht mehr herausfinden. Denn alle Anrufe wurden durch eine Zentrale geschaltet.

Aber offenbar kannte er diese Person, die angerufen hat, gut. Denn sonst wäre er sehr wahrscheinlich nicht in T-Shirt und Flipflops aus dem Haus gegangen. Diverse Kameras sind zufälligerweise in dieser Nacht ausgefallen. Videomaterial, das da war, wurde aus Versehen gelöscht. Es gibt diese merkwürdige Notiz, die keiner versteht. Es gibt einen mysteriösen Anruf. Es gibt die Alarmanlagen, die im Haus von Ray und Allison nur kurz vor seinem Verschwinden losgegangen sind. Ray, der irgendwie ängstlich gewesen war und die Tatsache, dass es unmöglich ist, vom Hotel Belvedere zu springen und dann in diesem Loch zu landen. Und das soll für die Polizei wie ein Suizid aussehen? In dem Podcast zu der Unsolved Mysteries-Doku, da sagt eine der Produzentinnen, dass ich jemand bei der Polizei nach Rays beschlagnahmten Computer erkundigt habe. Die Ermittler finden darauf zwar nichts, aber es ist ja doch irgendwie ungewöhnlich, dass ein Unbekannter mehrfach bei der Polizei anruft und danach fragt. Wer es ist, das weiß allerdings niemand.

Über diesen Fall gibt es so viele Theorien. Es gibt sogar einen Google Drive Ordner mit Fotos und Videos, den ihr übrigens auch in den Shownotes findet. Also wenn ihr euch das mal anschauen wollt, klickt da rein. Dort wird zum Beispiel auch die Theorie diskutiert, dass Ray aus einem Hubschrauber gefallen sein muss. Es gibt einen Journalisten, der sagt, dass in diesem Fall so merkwürdige Dinge passiert wären, dass man sich sogar diese unwahrscheinlichsten Theorien anschauen muss.

Aber die Polizei hält einen Fall aus einem Hubschrauber für unmöglich. Denn einen Hubschrauber, den hätte man doch gesehen oder gehört. Denn der hätte doch relativ tief fliegen müssen. Und warum sollte überhaupt jemand Ray aus einem Hubschrauber mitten über der Stadt abwerfen? Der Hafen zum Beispiel, der ist nicht weit entfernt. Das wäre doch die viel einfachere Lösung, wenn man einfach so eine Leiche verschwinden lassen will. Ja, alles scheint irgendwie in eine Sackgasse zu münden. Und so vergehen die Jahre. Für die Polizei ist es heute zwar immer noch ein offener Fall, die Polizisten scheinen sich aber auf die Suizidtheorie eingeschossen zu haben. Dabei gibt es ja viele Hinweise, denen die Polizei hätte nachgehen können oder noch nachgehen könnte. Die spanische Forensikerin, die die Ergebnisse der Gerichtsmedizin untersucht hat, die hat ja auch die Polizeiakten durchgesehen und in ihrem Buch zählt sie Spuren auf, denen die Polizei offenbar nicht nachgegangen ist. Und das sind echt viele. Es beginnt schon beim Fundort von Reys Leiche. Die Polizei macht keine Fotos. Es gibt nur ein Bild, nachdem Reys Körper abtransportiert wurde. Und das zeigt, dafür, dass ein Mensch durchs Dach gekracht sein soll, sind am Boden erstaunlich wenig Blutspuren, nur ein paar Spritzer. Reys Bein war an zwei Stellen gebrochen. Und laut der Forensikerin hätte das viel mehr bluten müssen.

Vor Ort wird außerdem nichts ausgemessen, es werden keine Beweise eingesammelt, denn offenbar gehen die Ermittler direkt von einem Selbstmord aus und agieren nicht so, wie es zum Beispiel Mordermittler an einem Tatort machen würden.

Kurz nachdem Ray verschwindet, bekommt Allison außerdem einen Anruf. So steht es in den Polizeiakten, die die spanische Forensikerin auswertet.

Dieser Anruf kommt von einem Hotel in Chicago. Aber niemand kann ermitteln, aus welchem Zimmer der Anruf kommt. Und niemand fragt bei dem Hotel nach, ob es Gäste gab, die irgendwie mit Ray in einer Verbindung standen. Diese Spur, die wird überhaupt nicht weiterverfolgt. Offiziell heißt es ja auch, dass niemand Ray in der Zeit seines Verschwindens gesehen hat. Laut dem Polizeibericht ist das aber nicht wahr, denn es hat sich ein Mann bei der Polizei gemeldet, der Ray sehr wohl am Tag seines Verschwindens und zwar in einem Restaurant gesehen haben will. Er soll Streit mit einem Mann gehabt haben und dann mit ihm das Restaurant verlassen haben. Aber wer ist dieser Mann? Ist das ein Verdächtiger? Könnte es doch ein Verbrechen sein? Leider wissen wir das nicht, denn die Polizei besucht das Restaurant und das war's. Die Spur wird nicht weiter verfolgt. Das Motto verfolgt die Polizei auch beim Auto von Ray, denn als das gefunden wird, da entdecken sie im Auto Haare. Und das ist eigentlich ein großartiger Fund, denn somit haben sie ja auch DNA. Aber wem die gehört, das weiß niemand. Denn die Polizei schickt diese Haare nicht ins Labor. Auch diese Spur wird nicht weiter verfolgt. Der größte Part sei der Polizei, der kommt allerdings erst noch. Und auch darüber schreibt die spanische Forensikerin in ihrem Buch.

Die Polizei hat nämlich Blutspuren gefunden. Und zwar nicht irgendwo, sondern am Haus eines Mannes, der Ray gut kennt. Es ist sein Schulfreund. Der Schulfreund, der Ray überredet hat, nach Baltimore zu ziehen, um für sein Finanzunternehmen Artikel zu schreiben. Es ist der Schulfreund, der eine Belohnung für Hinweise zu Rays Verschwinden ausgelobt hat. Und damit kommen wir tatsächlich zur letzten Theorie, Nämlich, ob dieser Schulfreund irgendwas mit der Sache zu tun hat. An der Stelle müssen wir ganz deutlich darauf hinweisen, wir reden hier natürlich nur über Theorien. Es gibt keine offiziellen Verdächtigungen und erst recht keine Verurteilungen. Es ist aber eine der Theorien, die im Internet diskutiert werden. Und wir wollen an der Stelle noch einige Ungereimtheiten vorstellen, die in Reys Fall immer noch ungeklärt sind.

Der Freund heißt Porter und ist ein Kindheitsfreund von Ray. Porter arbeitet bei einem Finanzunternehmen, das Tipps für den Aktienmarkt gibt. Und Porter ist irgendwann so erfolgreich, dass er sogar seine eigene Tochterfirma gründen kann. Er hat also eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Er ist ein Selfmade-Man, so würden es die Amerikaner sagen. Aber ohne Skandale geht es nicht, denn Porters Unternehmen gerät ins Visier der amerikanischen Börsenaufsicht. Und im Jahr 2002, vier Jahre vor Ray's Tod, da schreibt Porter eine Mail an seine Abonnenten und empfiehlt eine ganz bestimmte Aktie. Welche Aktie das ist, das verrät er für nur 1000 Dollar. Mehr als 1000 Kunden bezahlen für den Tipp und der stellt sich allerdings als falsch heraus. Und so verlieren jede Menge Leute jede Menge Geld. Die Börsenaufsicht ermittelt und 2007 urteilt ein Richter, dass das Unternehmen 1,5 Millionen Dollar Strafe zahlen muss. Ray soll mit diesem ganzen Fall nichts zu tun gehabt haben. Das war ja noch vor seiner Zeit, als er bei Porter gearbeitet hat. Aber es ist schon sehr ungewöhnlich, dass Ray für diesen Newsletter eingestellt wird, obwohl er gar keine Ahnung von Finanzen hat.

Übrigens steht in den Akten der Börsenaufsicht auch angeblich, dass niemand in Porters Unternehmen wirklich Ahnung von Finanzen hätte. So steht es in dem Buch der Autorin Mikita Brotman, das heißt An Unexplained Death. Ray fängt erst ein Jahr nach der Anklage gegen Porters Unternehmen an, dort zu arbeiten. Also niemand weiß, ob die Sache irgendwas mit seinem Tod zu tun hat. In der Netflix-Doku wird aber suggeriert, dass Porter sehr wohl was mit Rays Verschwinden zu tun haben könnte, dass er zumindest mehr wissen könnte, als er sagt. Denn laut der Doku soll Porter, nachdem Rays Leiche gefunden wird, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma sofort nach Hause geschickt und sie angewiesen haben, nicht mit der Polizei zu reden. Dann habe er eine Horde Anwälte engagiert und selbst nicht mit der Polizei geredet. Und in der Doku wird auch die Frage aufgeworfen, ob es vielleicht Porter selbst war, der Ray am Tag seines Verschwindens angerufen hat. Ein ehemaliger Polizist, der damals an dem Fall gearbeitet hat, der wollte dieser Spur nachgehen, wie er in der Netflix-Doku sagt. Aber dann wurde er einem anderen Fall zugeteilt. Ist das Zufall?

Laut Ellison hat Porter viele Kontakte, auch zur Polizei. Er wäre ein mächtiger Mann und Teil eines mächtigen Konzerns. Und zwischen den Zeilen stellen sowohl die Netflix-Doku als auch verschiedene Bücher und auch Menschen, die im Internet diskutieren, viele Fragen, die darauf hinauslaufen, ob die Polizei Mist gebaut hat, ob vielleicht irgendjemand etwas geheim halten wollte. Ja, und auch die spanische Forensikerin hat sich mit Porter beschäftigt. Natürlich wegen der Blutspuren. Laut der Forensikerin hat die Polizei in ihrer Akte vermerkt, dass das Blut auf den Treppen einer Hintertür bei der Küche von Porters Haus gefunden wurde. In ihrem Buch gibt es sogar Fotos von den Blutstropfen. Das sind nicht nur zwei kleine Minitropfen, sondern mehrere recht große Spritzer. Also da hat jemand wirklich geblutet und nicht nur so eine kleine Schramme gehabt. Die Blutspuren werden von der Polizei am 21. Mai gefunden, da ist Ray noch verschwunden.

Und laut der spanischen Forensikerin sind es Blutspritzer, die mit geringer Kraft auf den Boden gefallen sind. Die fallen also ganz normal herunter, also wie von einer offenen Wunde, so sagt es die Expertin. Und sie berechnet, dass die Spritzer von jemandem stammen müssen, der aus dem Haus gelaufen sein muss. Anhand der Form der Spritzer kann sie nämlich herausfinden, in welche Richtung sich jemand wie schnell bewegt haben muss. Außerdem kann sie sagen, wie groß die Person gewesen sein muss. Sie glaubt, dass die Person, die geblutet hat, etwa 1,93 Meter groß sein muss. Und wir erinnern uns, Ray ist 1,95 Meter groß. Für die spanische Forensikerin ist das Grund genug zu fragen, wem denn das Blut gehört und ob es analysiert wurde. Denn in der Polizeiakte steht davon nichts. Offenbar wurde es von der Polizei überhaupt gar nicht ans Labor geschickt. Auch nicht, um mögliche Beweismittel auszuschließen. Denn es könnte ja auch genauso gut Portas eigenes Blut gewesen sein. Natürlich fragen die Ermittler nach den Blutspuren. Aber Porter weist es zurück und sagt, er weiß nicht, woher sie kommen. Er fühlt sich von der Polizei beschuldigt und sagt, ich liebte Ray wie einen Bruder. Dem Polizisten, der Porter befragt, fällt auf, dass Porter die Vergangenheitsform benutzt. Er hat gesagt, ich liebte Ray wie einen Bruder und nicht, ich liebe ihn wie einen Bruder.

Aber zu dem Zeitpunkt des Gesprächs, da ist Ray nur verschwunden und niemand weiß, dass er tot ist. Es ist kein Beweis, aber das ist eine Tatsache, die dem Ermittler auffällt und die er sofort ungewöhnlich findet, sodass er das in der Akte vermerkt. Und was auch aus der Akte hervorgeht, Porter bringt seine Anwälte zu Befragungen mit. Und das ist jetzt erstmal nichts Ungewöhnliches, aber was aus der Akte nicht hervorgeht, das ist umso ungewöhnlicher. Denn Porter wird nicht befragt, wo er am Tag von Rays verschwinden war und er wird nicht gefragt, woher diese Blutspuren stammen. Er wird nicht gefragt, wem sie gehören. Niemand analysiert diese Spuren.

Und die spanische Forensikerin fragt, sind die Polizisten so inkompetent oder macht das irgendjemand vielleicht mit Absicht? In der Netflix-Doku selbst hat sich Porter nicht geäußert, aber nach der Ausstrahlung. Porter weist die Darstellung von seiner Person zurück und er sei schockiert und verletzt von dem, was die Netflix-Doku suggeriere. Er sagt, Der Grund, warum ich Reys Tod nie öffentlich kommentiert habe, ist vor allem, weil ich nie glaubte, dass etwas Mysteriöses dran war, warum und wie er gestorben ist. Also nach Porters Ansicht hat sich Ray selbst umgebracht. Alle Vorwürfe gegen ihn seien unwahr. Er sagt weiter, Ich habe alles getan, um zu helfen. Es ist schlimm. Du kannst es dir nicht vorstellen, wie das ist, Leuten zu sagen, dass ich nichts mit dem Tod meines Freundes zu tun habe. Seit der Doku hätte er Todesdrohungen bekommen, seine Familie wurde belästigt und seine Freunde und seine Geschäftspartner würden Fragen stellen. Er hätte damals auch niemandem verboten, mit der Polizei zu sprechen, er hätte seinen Mitarbeitenden lediglich gesagt, dass Anfragen der Medien an die Pressestelle weitergeleitet werden sollen. Er hätte Ray am Tag seines Verschwindens auch nicht angerufen und niemand von den Leuten, die damals mit Ray zusammengearbeitet haben, hätten das tun können, denn damals wären alle an der Ostküste bei einem Firmentreffen gewesen.

Niemand seiner Firma war in der Stadt, als Ray verschwunden ist. Und er sagt, der Fall würde aufgebauscht werden.

Porter sagt, ich glaube, was wirklich traurig ist, ist, dass es Leute in Hollywood gibt, die alles machen, um eine Geschichte zu erfinden, die Aufmerksamkeit erregt. Selbst wenn es jemandes Ruf zerstört und die Tragödie eines 32-jährigen Toten ausschlachtet. Porter erzählt weiter, dass Ray finanzielle Probleme gehabt hätte. Es gibt noch einen weiteren Kindheitsfreund von Ray und Porter, der heißt Brad. Und Brad kommt in einem Artikel der Baltimore Sun zu Wort. Auch er findet, dass die Fakten verdreht wurden, denn Ray habe sich vor seinem Tod sehr komisch verhalten. Er sagt 2020, das ist eine echte Unterhaltung, die die Welt über psychische Erkrankung führen kann und Menschen hilft, Unterstützung zu erhalten, wenn sie sie brauchen. Doch sie hat sich in ein Mordmysterium verwandelt, in dem sie Leute beschuldigen, darin verwickelt zu sein. Und ein weiterer interessanter Fakt ist, Brad arbeitet für Porter in dessen Unternehmen. Und als die spanische Forensikerin im Jahr 2021 ihre Ergebnisse vorstellt, schreibt sie, dass sie bei Facebook von Brad angeschrieben wurde.

Er hätte nach ihren Zahlen und Berechnungen gefragt und er wäre dabei sehr hartnäckig gewesen. In Rays Fall gibt es also mehr Fragen als Antworten. Ist er wirklich in diesem Loch gelandet? Sprang er wirklich selbst vom Belvedere Hotel? Die Zahlen sagen, nein. War es also ein Mord? Sollte es vielleicht nur so aussehen wie ein Suizid? War es ein Unfall? Wurde Ray vielleicht doch überfahren? Oder sind seine Verletzungen einfach nur ungewöhnlich für einen Fall aus großer Höhe? Und was hat es mit diesem komischen Notizzettel auf sich? Warum hat die Polizei den Fall nicht als Mord eingestuft? Und warum wurden Spuren wie das Blut an Porters Haus nicht ins Labor geschickt? Alison sagt in der Netflix-Doku, dass sie Hoffnung habe. Hoffnung, dass da draußen jemand ist, der die Wahrheit kennt. Und damit schließen wir die heutige schwarze Akte. Vielen Dank euch allen fürs Zuhören und vor allem vielen Dank an Annika, die uns diesen Fall vorgeschlagen hat. Und wenn ihr uns auch mal einen Fall vorschlagen wollt, dann schaut auf unserem Instagram-Profil vorbei. Dort gibt es einen Link und dort könnt ihr uns dann die entsprechenden Fälle, die euch interessieren, zuschicken. Vielen Dank an jeden, der das macht und natürlich auch vielen Dank an jeden, der bis hierhin zugehört hat. Wir hören uns natürlich wieder nächste Woche. Bis dahin, habt eine schöne Zeit.