Music.

Es sollte eigentlich ein Abend werden, der in Erinnerung bleibt. Wir befinden uns in Springfield, einer großen Stadt in Missouri, relativ mittig in den USA. Susi und Stacey feiern an diesem Tag ihren lang herbeigesehnten Highschool-Abschluss. Endlich hat das stundenlange in der Schule hocken und für die Prüfungen lernen ein Ende. Auch wenn es schade ist, dass man wahrscheinlich einige Leute aus dem Jahrgang nicht mehr so oft sehen wird. Aber für Susi und Stacey ist klar, die beiden bleiben auf jeden Fall in Kontakt. Die sind über die Jahre beste Freundinnen geworden und wollen auch diesen besonderen Abend zusammen verbringen. Ihr Plan ist Partyhopping. Denn bei den vielen verschiedenen Abschlusspartys, die an diesem Tag stattfinden, da wollen sie sich nicht nur auf eine festlegen, sondern alle mitnehmen. Denn das ist die Gelegenheit, jeden ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler noch einmal zu sehen und gemeinsam auf diesen Erfolg anzustoßen.

Am nächsten Morgen wollen sie dann mit einigen Freunden aus ihrer Clique zu einem Wasserpark fahren und dort ganz ohne Verpflichtung endlich einfach mal nur in den Tag hinein leben. Aber wie das eben so häufig ist, kommt alles ganz anders als geplant. Denn es ist kein freudiger Anlass, warum der Abend den Menschen in Springfield in Erinnerung bleiben wird. Denn irgendwann in dieser Nacht verschwinden Susi und Stacey. Und zwar ohne irgendeine Spur. Jemand treibt sich in der Stadt herum, der es auf die beiden jungen Frauen abgesehen hat. Und wer er ist und was er mit ihnen vorhat, das weiß niemand. Was allerdings erst klar wird, als die Menschen in Springfield am nächsten Morgen erwachen, nicht nur die Betten von Susie und Stacey sind leer, nein, es gibt noch ein drittes Opfer. Und damit begrüßen wir euch zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte, natürlich wie immer mit dem charmanten Christopher Böcklein.

Und natürlich wie immer mit Anne Lukmann. Schön, dass ihr dabei seid. Wie ihr gerade schon erfahren habt, befinden wir uns in Springfield. Und wer von euch jetzt denkt, da wohnen doch auch die Simpsons. Ja, es hat tatsächlich einen Grund, warum die Stadt der Simpsons auch Springfield heißt. Insgesamt gibt es nämlich 34 Mal Springfield in den USA. So ein bisschen ähnlich wie bei uns Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg. Die wohnen ja auch in Neustadt, weil Neustadt einer der häufigsten Ortsnamen in Deutschland ist. und so kennt jeder irgendwie einen Neustadt, von dem er denken könnte, ach da wohnen die. Und ähnlich ist das auch mit Springfield. Das Springfield, in das es uns heute verschlägt, das liegt in Missouri, ganz in der Nähe der Ozark Mountains, einer Gebirgskette, die die südliche Hälfte von Missouri bedeckt und sich dann über mehrere umliegende Staaten schlängelt. Nicht umsonst wird Springfield auch die Queen City of the Ozarks genannt. Es ist eine wohlhabende, friedliebende Stadt, in der die Familie einen hohen Stellenwert hat und die Nähe zur Natur ganz oben steht. Es ist der 6. Juni 1992.

Susie ist zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt und Stacey 18. Die Stadt erlebt einen warmen, aber nicht sonderlich heißen Sommer. Metallica stürmt gerade die Charts und das Internet ist umkommen. Das Verschwinden der zwei jungen Frauen reißt Springfield aus seiner sommerlichen Trägheit, denn Angst und Misstrauen treten an die Stelle von Leichtigkeit und Unbekümmertheit. Die Menschen beginnen auch, nachts ihre Türen abzuschließen, auch wenn das vorher nie jemand gemacht hat. Und unter den Nachbarn verspricht man sich, nach dem Rechten zu schauen. An den Esstischen und Gottesdiensten beten die Menschen für eine schnelle Aufklärung dieses Verschwindens, aber eins nach dem anderen. Was ist überhaupt genau passiert? Und vor allem, um wen geht es noch? Wer ist das dritte Opfer? Schauen wir uns den besagten Abend also noch mehr genauer an. Die Abschlussfeierlichkeiten finden, wie geplant, statt. Anschließend brechen Susi und Stacey zu ihrem Party-Marathon auf. Sie spielen mit dem Gedanken, nach dem Party-Hopping in ein Hotel zu fahren, das sich ganz in der Nähe des Wasserparks befindet, in dem sie am nächsten Morgen mit ihren Freunden fahren wollen.

Allerdings würde das eine Autofahrt von ungefähr einer Stunde bedeuten, denn der Wasserpark liegt in einer Nachbarstadt. Und so lassen sie diesen Plan ein Plan sein und entscheiden sich dagegen, diese Autofahrt anzutreten, weil sie erschöpft sind von dem langen Tag und auch der Feierei. Sie beschließen, bei ihrer Freundin Janelle unterzukommen. Gegen 22.30 Uhr ruft Stacy ihre Mutter an, um von dieser Planänderung zu berichten. Und das hat sie häufig so gemacht. Ihre Mutter soll auf dem Laufenden bleiben, damit sie auch weiß, wo sich Stacy gerade befindet. Für Stacy ist das normal, dass sie ihre Mutter sofort anruft. Das hat sie schon immer so gemacht.

Der Nachbar von Janelle schmeißt an diesem Abend übrigens auch eine Party, zu der Susi und Stacey dann noch gehen. Und zwar als letzten Programmpunkt, bevor es ins Bett geht. Zu Janelle ist es dann nämlich nicht so weit. Als die Mädels sich gegen zwei Uhr morgens jedoch schlafen legen wollen, da müssen sie leider feststellen, dass bei Janelle überhaupt gar kein Platz mehr ist. Denn zu viele andere Leute haben die Gelegenheit genutzt, bei ihr einen Schlafplatz zu finden. Also muss wieder eine Planänderung her. Dann fahren die beiden eben zu Susi, die gemeinsam mit ihrer Mutter in einem kleinen Häuschen lebt. Wobei sie ja eigentlich gehofft hatten, nach der letzten Party nicht mehr in die Autos steigen zu müssen. Aber anscheinend steht diese Nacht im Zeichen der spontanen Planänderungen. Und immerhin hat Susi ja ein nagelneues King-Size-Wasserbett. Das hat sie nämlich von ihrer Mutter zum Highschool-Abschluss geschenkt bekommen. Gegen 2.15 Uhr fahren die beiden los, jede in ihrem eigenen Auto. Und gegen 2.30 Uhr, also nur eine Viertelstunde später, kommen sie bei Susi an. Und was dann passiert, das wird das große Rätsel in diesem Fall sein. Werbung.

Werbung Ende Denn nicht nur die beiden Mädchen verschwinden in dieser Nacht aus Susis Haus, sondern auch Susis Mutter Cheryl. Die ist zu diesem Zeitpunkt 47 Jahre alt und sie und ihre Tochter leben alleine in diesem Haus, in das sie erst vor einigen Monaten gezogen sind. Von Cheryl weiß man nur, dass sie an diesem Abend gegen 23.15 Uhr mit einer Freundin telefoniert hat, während sie noch eine Kommode gestrichen hat. Zwischen 2.30 Uhr nachts und dem nächsten Morgen, als man ihr Fehlen bemerkt, muss also irgendwas passiert sein. Janelle ist diejenige, die das Fehlen der drei zuerst entdeckt. Denn eigentlich ist sie mit Susi und Stacey verabredet. Am Morgen wollten die drei gemeinsam in den Wasserpark fahren. Und als Janelle mehrfach vergeblich versucht, ihre Freundinnen anzurufen, da glaubt sie zunächst einmal, dass die beiden nach der Partynacht noch tief und fest schlafen würden. Aber als dann immer mehr Zeit vergeht und sie nichts von ihren Freundinnen hört, Da beschließt Janelle, einfach mal selbst zu Susis Haus zu fahren und dort nachzuschauen. Sie wird von ihrem Freund begleitet und als die beiden am Haus eintreffen, da fällt ihnen direkt auch was Seltsames auf. Denn die vordere Verandalampe ist kaputt und überall auf der Veranda liegen Glassplitter.

Die Glühbirne selbst scheint aber noch intakt zu sein und zersplittert ist eben nur der äußere Glaskasten. Ein Grund zur Beunruhigung ist das für die beiden noch nicht. Janelles Freund ist sogar so lieb und fegt das Glas noch zur Seite. Tja, woher sollen die beiden auch ahnen, dass sie sich gerade mitten in einem Tatort befinden? Die Haustür ist unverschlossen, was typisch für diese Gegend in den 90er Jahren ist. Deswegen kommt erstmal auch niemand auf die Idee, dass es sich hier um ein Verbrechen handeln könnte. Im Haus sind die Vorhänge fast zugezogen. Stacy, Susi und Cheryl sind nicht da. Und das, obwohl ihre drei Autos vor dem Haus geparkt sind. Aber es gibt eine große Auffälligkeit. Denn Susis Auto steht nicht an seinem üblichen Platz direkt neben dem Wagen der Mutter, sondern vorne an der Straße.

Der Platz neben Sheryls Wagen, der ist frei. Fast so, als wäre Susis eigentlicher Parkplatz belegt gewesen, als sie in der Nacht nach Hause gekommen ist. Kann es also sein, dass ein Auto nach der Ankunft der beiden Mädchen weggefahren ist? Hatte Cheryl noch sowas wie einen nächtlichen Besuch? Ganz kurz überlegt Janelle sogar, ob ihre Freundinnen nicht vielleicht schon zum Wasserpark gefahren sein könnten. Allerdings scheint das ziemlich unwahrscheinlich beim Anblick der Autos vor der Tür. Und ganz abgesehen davon würde es auch überhaupt nicht zu Susi und Stacey passen. Denn immerhin waren die drei Freundinnen ja verabredet, um sich dann am Morgen bei Janelle zu treffen, und gemeinsam aufzubrechen. Ohne ein Wort einfach nicht zu erscheinen, das machen die beiden nicht ohne Grund. Also beschließen Janelle und ihr Freund, sich das Haus mal näher anzuschauen.

An sich sieht das Haus ganz normal aus, so als wären die drei Frauen hier gerade noch gewesen. Alles ist ordentlich aufgeräumt, es gibt keine Anzeichen für einen Kampf oder so. Und auf den ersten Blick scheint auch nichts gestohlen worden zu sein. Alle drei Autoschlüssel, die Portemonnaies und sogar die Kleidung vom Vorabend liegen noch da. Und unten im Kühlschrank steht noch eine nicht angeschnittene Torte, die Mutter Cheryl ihrer Tochter zum Highschool-Abschluss besorgt hat. Susis Bett sieht so aus, als wären die Mädels erst wenige Stunden zuvor hineingeklettert. Es ist eindeutig, dass beide sich bettfertig gemacht hatten. Darauf lassen noch feuchte Tücher im Wäschekorb schließen, mit dem abgewaschenen Make-up drauf, der Schmuck liegt auf dem Waschbecken und Stacy hat ihre Sachen fein säuberlich neben dem Wasserbett auf den Boden gelegt. Also alles sieht nach einer ganz normalen Abendroutine aus. Was jedoch nicht ins Bild passt. Die Zigarettenschachteln, die noch in der Wohnung rumliegen. Sowohl Cheryl als auch Susi sind Kettenraucher und sind daher nie ohne ihre Zigaretten anzutreffen. Hätten sie geplant wegzugehen und hätten sie freiwillig das Haus verlassen, dann hätten sie ganz sicher diese Schachteln mitgenommen.

Sheryls Hund befindet sich ebenfalls in der Wohnung und wirkt außergewöhnlich aufgeregt. Sie beginnen also damit, Bekannte und Freunde von Susie und Stacey anzurufen und hoffen, dass die irgendwas über deren Verbleib wissen. Aber keine Chance, denn die anderen sind genauso ratlos wie sie. Ob die beiden nicht vielleicht doch schon im Wasserpack sind? Tja, mit welcher Erklärung auch immer? Das scheint die einzig noch mögliche Lösung zu sein, denkt sich Janelle. Also beschließen sie und ihr Freund, in den Park zu fahren und dort nach den Freundinnen zu suchen. Aber als die beiden gerade das Haus verlassen wollen, klingelt das Telefon. Janelle hebt ab. Am anderen Ende der Leitung ist ein Mann. Und was er sagt, veranlasst Janelle dazu, den Hörer schnell wieder auf die Gabel zu legen. Wir kennen den genauen Wortlaut nicht, aber unsere Quellen beschreiben das, was er sagt, als unzüchtig.

Und so wie wir den Fall jetzt beschrieben haben, könnt ihr euch auch denken, was wohl im Wasserpark passiert ist, beziehungsweise was dort nicht passiert ist, denn dieser Besuch, der hat sich natürlich als umsonst erwiesen. Es gibt keine Spur, keinen Anhaltspunkt, wo sich diese Freundinnen befinden können.

Also kehren Janelle und ihr Freund zum Haus von Cheryl und Susi zurück. Und dort stellen sie fest, dass sie nicht die einzigen sind, die nach den Verschwundenen suchen. Auch Stacys Mutter ist vor Ort, in der Hoffnung, dass ihr jemand sagen kann, warum sich ihre Tochter nicht mehr bei ihr meldet. Doch als Janelle und ihr Freund zum Haus von Cheryl und Susi zurückkommen, da ist nicht nur Stacys Mutter vor Ort. Noch was anderes ist anders. Denn der Anrufbeantworter blinkt. Das heißt, jemand hat in ihrer Abwesenheit im Haus angerufen und eine Nachricht hinterlassen. Als Janelle diese Nachricht abspielen lässt, Da ertönt dieselbe männliche Stimme, die zuvor auch schon auf der Nummer angerufen hatte. Und wieder macht sie irgendwelche ekelhaften sexistischen Bemerkungen. Das eigentlich Ärgerliche an dieser ganzen Sache ist aber, dass Janelle diese Nachricht aus Versehen löscht, als sie fertig abgespielt ist. Was, wie sich dann im Nachhinein herausstellen wird, eine wohl nicht unwesentliche Spur zu einem möglichen Verdächtigen gewesen wäre. Aber diese Nachricht kann man leider nicht wiederherstellen, die ist weg. Aber, und das muss man ja auch zu Janelles Verteidigung betonen.

Noch immer denkt sie nicht daran, dass hier vielleicht ein Verbrechen vorgefallen sein könnte und dass sie und ihr Freund hier an einem Tatort gerade wichtige Spuren verwischen, obwohl sie ihr eigentlich nur helfen wollen. Ja, es ist schon eher Stacys Mama, die sich Sorgen macht. Je mehr Stunden verstreichen, desto verzweifelter wird sie. Seit dem Telefonat am vorherigen Abend hat sie nichts mehr von Stacy gehört, was absolut ungewöhnlich für sie ist.

Im Laufe des Tages treffen immer mehr Freunde, Familie und Bekannte der drei Vermissten ein, bis am Abend etwa zehn Menschen in diesem Haus versammelt sind. Dort kochen sie Kaffee, schauen sich um und warten auf die drei Frauen.

Schließlich beschließt Stacys Mutter, die Polizei zu rufen. Während die Versammelten auf die Polizisten warten, da beschließen einige, in der Zwischenzeit das Haus zu putzen. Wahrscheinlich wollen sie damit Cheryl eine Freude machen, wenn sie zurückkommt. Aber wie gesagt, sie wussten ja in dem Moment noch nicht, dass sie sich gerade an einem Tatort befinden. Es dauert nicht lange, bis jemand vom Springfield Police Department eintrifft. Immer wieder werden bei der Polizei Vermisste gemeldet. Und wenn es sich dabei aber um Erwachsene handelt und keine außergewöhnlichen Umstände festgestellt werden können, dann wird das Verschwinden häufig nicht weiterverfolgt. Denn wer erwachsen ist, der kann an sich ja kommen und gehen, wie er will und muss dafür anderen gegenüber keine Rechenschaft ablegen. So sieht es zumindest das Gesetz. Nicht so allerdings in diesem Fall. Als Stacys Mutter den Beamten durch das Haus führt, wird ihm schnell klar, dass hier etwas ganz und gar im Argen liegt. Diese Autos vor der Tür, die Portemonnaies, die Zigaretten. All das lässt darauf schließen, dass die Frauen nicht freiwillig gegangen sind. Und so bittet er Stacys Mutter um etwas, das sie ziemlich überrascht. Um die Zahnarztunterlagen ihrer Tochter.

Der Grund dafür ist, dass man mit den zähnen Menschen eindeutig identifizieren kann. Und damit wird auch direkt klar, wie ernst der Polizist diesen Fall nimmt. Alle drei Frauen werden offiziell als vermisst gemeldet und die Polizei nimmt die Ermittlungen auf. Ab diesem Moment beginnt eine groß angelegte Suche. Und bei dieser Suche werden keine halben Sachen gemacht. Taucher durchsuchen sogar umliegende Seen, Polizisten und freiwillige Helfer durchkämmen das Land, teilweise sogar mit dem Pferd. Und dabei sind die Trupps nicht nur in Springfield selbst unterwegs, sondern auch in den Vorstädten und umliegenden ländlichen Gegenden. Insgesamt werden um die 40 Hektar Land untersucht. Und das ist eine wirklich riesige Fläche. Ungefähr so groß wie 56 Fußballfelder, die man sich, finde ich, auch nicht vorstellen kann, aber nur, um das mal so ein bisschen einzuordnen. Freunde, Bekannte und Familie der Vermissten verteilen auch noch Flugblätter und hängen Plakate auf, auf denen die Fotos der drei Frauen zu sehen sind. Und innerhalb weniger Tage lassen sie mehr als 20.000 Plakate drucken. Wer also durch Springfield läuft, dem blicken Susie, Stacy und Cheryl von Schaufenstern, von Telefonmasten, in Restaurants und Raststätten entgegen. Aus Stunden werden Tage und aus Tagen Wochen. Und immer noch gibt es keine verwertbare Spur.

Alle fragen sich, wie drei Frauen einfach so von der Bildfläche verschwinden können. Der Fall wird mittlerweile als der Fall der Springfield 3 bekannt. Und die Hoffnung, dass diese drei Frauen wohlbehalten wiedergefunden werden, die sinkt mit jedem Tag. Aber aufgeben will natürlich niemand. Die Polizei erhält unzählige Tipps, denen sie akribisch nachgeht. Allerdings sind die meisten davon wohl eher selbst verzweifelte Versuche, den Ermittlungen zu helfen. Zum Beispiel ruft jemand an und meldet, dass er ein frisches Grab gefunden hätte. Aber wie es sich herausstellt, war das nur ein Ameisenhügel. Die Polizei beschließt jetzt, die Ermittlungen auch auf eine nationale Ebene zu heben. Denn es ist nicht auszuschließen, dass es sich hier um ein Serienverbrechen handelt, bei dem zwar niemand hier in Springfield, aber jemand in einem anderen Staat vielleicht eine Antwort kennt. Und so schalten sie auch die Medien ein. Die Frauen sind jetzt seit einer Woche verschwunden und da wird ihr Fall schon in der Fernsehsendung America's Most Wanted gezeigt. Auch auf 48 Hours, einer landesweiten Nachrichtensendung und in der Oprah Winfrey Show wird über ihr Verschwinden berichtet. Aber keiner dieser Ansätze führt zu einem verwertbaren Beweis. Alle Spuren laufen ins Leere. Da es sich in diesem Fall um einen Fall nationaler Tragweite handelt, schaltet sich auch das FBI ein.

Sie befragen Freunde und Familie zu dem Privatleben der drei Frauen, durchstöbern ihre Vergangenheit nach möglichen Hinweisen und finden so nichts. Über Monate hinweg ist auf der Titelseite einer Tageszeitung ein kleiner, rechteckiger Kasten zu sehen, der anzeigt, wie viele Tage die Frauen bereits vermisst werden. Und an jedem Tag, an dem diese Zeitung veröffentlicht wird, steigt diese Zahl um einen Tag an.

Aber zwischendurch gibt es doch immer wieder Grund zur Hoffnung. Denn nicht alle Tipps und Hinweise von möglichen Zeugen und Zeuginnen laufen ins Leere. So berichtet zum Beispiel eine Nachbarin von Cheryl, dass sie gegen 6.30 Uhr an jenem Morgen einen grünen Lieferwagen gesehen hat. Den kennt sie nicht aus der Umgebung.

Angeblich soll eine junge blonde Frau am Steuer gesessen haben, die irgendwie gestresst aussah. Diese Frau soll ein Muttermal auf der Wange gehabt haben. Genau wie Susi. Dieses Detail ist allerdings gar nicht so bekannt, weil Susi ihr Mutter mal in der Öffentlichkeit oft mit Make-up abgedeckt hat und man es auch auf Fotos nicht sehen kann. Und eine männliche Stimme soll noch etwas gerufen haben, nämlich Get the hell out of here. Man zeigt dieser Nachbarin ein Foto von Susi und die sagt, ja, genau diese Frau saß in dem Auto. An mehr erinnert sich die Nachbarin aber nicht. Sie erklärt sich sogar bereit, sich nochmal unter Hypnose befragen zu lassen. Aber dabei kommen leider keine neuen Informationen heraus. Wenn der Täter die drei Frauen wirklich in einen Lieferwagen gezwungen hat und dann mit ihnen weggefahren ist, dann können sie praktisch überall sein.

Das heißt, es war tatsächlich richtig, von vornherein in den ganzen USA nach den dreien zu suchen. Aber dieses Land ist so groß, das macht es quasi unmöglich, die drei zu finden. Außerdem ist auch die Beschreibung des Lieferwagens nicht gerade detailliert, denn die Frau hat sich ja nicht mehr gemerkt außer die Farbe, also es ist ein grüner Lieferwagen. Was die Zeugin sich nicht gemerkt hat, das war die Marke oder das Kennzeichen. Trotzdem ist die Lieferwagen-Theorie lange Zeit eine populäre Spur, die von den Ermittlern verfolgt wird. Sie schaffen sich sogar selbst einen ähnlichen Wagen an und stellen ihn vor dem Polizeigebäude ab, In der Hoffnung, dieser Anblick würde weitere Zeugen auf den Plan rufen.

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Werbung Ende Ihr erinnert euch vielleicht, dass Susi ihr Auto in jener Nacht nicht an seinem üblichen Platz abgestellt hat, neben dem Wagen ihrer Mutter. Denn vielleicht stand ja jener Lieferwagen auf diesem Platz. Mehr als eine Vermutung ist das zwar nicht, aber vielleicht kann das ja so gewesen sein. Und je mehr auch die Öffentlichkeit darüber spricht, desto mehr verschwimmen die Details. Und am Ende ist der Lieferwagen laut Zeugen mal grün gewesen, mal rot oder hatte mal eine ganz andere Farbe. Und wirklich etwas herausfinden können die Ermittler damit natürlich nicht. Und so vergeht Zeit und es würde viele Stunden dauern, wenn wir euch von allen kleinen Spuren berichten, die so im Laufe der Jahre eingegangen sind. Daher beschränken wir uns einfach auf die interessantesten, die wiederum der Nährboden für die verschiedensten Theorien sind, über die wir gleich noch detaillierter sprechen wollen.

Ja, aber das ist eine sehr lange und eine sehr, ehrlicherweise auch aussichtslose, Ermittlung. Und deswegen sucht die Polizei nicht mit voller Power all die Jahre nach den Frauen. Dazu fehlt schlicht und ergreifend die Ressource und auch die verwertbaren Anhaltspunkte. Die Ermittlungen verlaufen quasi in Wellen. Nach einer intensiven Anfangsphase wird der Fall Mitte der 90er Jahre kalt, also ungefähr fünf Jahre später. Aber immer dann, wenn ein vielversprechender Hinweis reinkommt, wird dem nachgegangen. Aber es wird halt nicht konstant weiter ermittelt. Das ändert sich aber, als nach einiger Zeit ein neuer Ermittler den alten Fall wieder anschaut. Im Jahr 2003, also elf Jahre nach dem Verschwinden, da gehen immer noch Hinweise ein bei der Polizei. Und einer dieser Hinweise führt die Polizisten zu einem Acker, etwas mehr als eine Stunde südlich von Springfield. Auf diesem Acker sollen die Leichen der Frauen angeblich begraben liegen. Also machen sich Einsatzkräfte auf den Weg und buddeln dort mithilfe von Baggern durch das Feld. Und finden tatsächlich was. Sie stoßen auf einen Teil eines grünen Fahrzeugs und auf Blut.

Und das gibt ihnen jetzt natürlich Hoffnung, wenn man an die Lieferwagentheorie denkt von der Nachbarin. Der Fund wird dann in Speziallabore geschickt und dort untersucht. Und die Ergebnisse sind nicht schlüssig, trotz umfangreicher Tests, die hier vorgenommen werden. und das ist natürlich eine herbe Enttäuschung für die Polizei. Damit wären also das Fahrzeugteil und auch das Blut daran nicht verwertbar. Und für die Suche nach den Frauen bringt dieser eigentliche vielversprechende Fund nichts.

Ja, und dann ist da noch die Sache mit dem Parkhaus. Im Jahr 2007, also schon wieder einige Jahre später, erhält ein Schriftsteller in Springfield einen Hinweis, der ihn dazu veranlasst, das Parkhaus des Krankenhauses im Süden der Stadt durchsuchen zu lassen.

Er beauftragt einen Ingenieur, das Parkhaus mit einem Bodenradar zu scannen. Und tatsächlich findet der Ingenieur was ziemlich Interessantes. Denn er findet drei deutliche Formen unter dem Boden, die mit der Form menschlicher Überreste übereinstimmen. Und es gibt nur eine Möglichkeit herauszufinden, ob es sich tatsächlich um Leichen unter dem Boden handelt. Man muss das gesamte Parkhaus abreißen und das Gebiet ausgraben. Anschließend muss es natürlich alles wieder aufgebaut werden. Das heißt, das Ganze ist nicht nur extrem aufwendig, sondern auch mega teuer. Und deshalb entschließt sich die Polizei auch dazu, dieses Parkhaus stehen zu lassen. Man erklärt das nicht nur mit den hohen Kosten und dem Aufwand einer solchen Aktion, sondern auch mit der Tatsache, dass das Parkhaus erst ein Jahr nach dem Verschwinden der Frauen gebaut wurde. Das heißt, der Mörder müsste die Leichen aufbewahrt und dann heimlich nach einem Jahr zu dieser Baustelle geschafft haben, was sehr unwahrscheinlich ist und den Abriss des Parkhauses dann einfach nicht rechtfertigt. Ja, was aber, wenn es vielleicht doch wahr ist? Das wäre auf jeden Fall ein verdammt gutes Versteck für die Überreste. Wir hatten ja gerade schon angesprochen, dass es verschiedene Theorien gibt, was mit diesen drei Frauen passiert sein könnte. Und diese Theorien haben teilweise auch was mit konkreten Verdächtigen zu tun. Und deswegen stellen wir dir euch eine nach der anderen vor.

Insgesamt gibt es vier Szenarien, über die diskutiert wird. Szenario Nummer 1. Der Täter hat es auf Mutter und Tochter abgesehen. Also auf Cheryl und Susi, die ja zusammen in diesem Haus gewohnt haben. Stacey war eigentlich nicht Teil des Plans, die hätte gar nicht da sein sollen und war eigentlich nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Folgt man diesem Szenario, dann käme als möglicher Verdächtiger ein junger Mann namens Bart in Frage. Das ist Susis älterer Bruder. Von ihm haben wir bisher noch gar nicht gesprochen, weil Bart quasi nicht existent ist im Alltag von Cheryl und Susie und auch gar nicht bei ihnen lebt. Er ist neun Jahre älter als Susie und hat sich sowohl mit seiner Mutter als auch mit seiner Schwester zerstritten. Denn er hat ein Alkoholproblem. Und wenn er getrunken hat, dann wird er sehr schnell aggressiv. Und deswegen kam es immer wieder zu Konflikten zwischen den dreien, als er noch bei seiner Mutter gewohnt hat. Cheryl soll ihm dann ein Ultimatum gesetzt haben, Was wohl dazu geführt hat, dass Bart ausgezogen ist? Für ihn muss die Situation doppelt heftig sein. Er verliert nicht nur seine Mutter und seine Schwester, mit denen er im Streit auseinandergegangen ist, sondern er wird auch noch verdächtig, dass er an ihrem Verschwinden schuld ist.

Sein Alibi für diese Nacht ist allerdings nicht nachweisbar. Er sagt, er hätte getrunken und wäre zu Hause eingeschlafen, er wäre alleine gewesen und niemand kann seine Geschichte bestätigen. Aber es gibt auch keine stichfesten Beweise gegen ihn und er besteht ein Lügendetektortest und somit wird er als Verdächtiger ausgeschlossen.

Das ändert sich auch nicht, als er 2019, also vor vier Jahren, wegen versuchter Freiheitsberaubung, Trunkenheit in der Öffentlichkeit und einem weiteren ordnungswidrigen Verhalten festgenommen wird und man daraufhin nochmal untersucht, ob er nicht doch irgendwie in diesem Verschwinden verstrickt sein könnte. Ein zweiter Verdächtiger innerhalb dieses Szenarios ist ein Mann namens Robert. Robert wohnt gegenüber von Cheryl und Susie, ist also ein Nachbar, aber nicht irgendein Nachbar. Robert ist ein verurteilter Mörder, der für den Mord an einer Frau in Florida hinter Gittern sitzt. Allerdings lebte er 1992 noch als ganz normaler Bürger in der Nachbarschaft, also da hatte er den Mord noch nicht begangen. Zum Zeitpunkt des Verschwindens der drei Frauen hat Robert sich wohl in Springfield aufgehalten und er soll in jener Nacht aber bei seinen Eltern gewesen sein, was diese auch bestätigen. Am nächsten Morgen sei er dann mit einer Freundin in der Kirche gewesen, was auch diese Freundin bestätigen kann. Brav im Bett, dann in der Kirche. Da ist sich die Polizei nicht sicher, was sie von diesem Alibi halten soll. Besonders, da Roberts Freundin ihre Version der Geschichte später noch widerruft. Und zwar mit der Erklärung, dass Robert sie darum gebeten habe, für ihn zu lügen.

Robert wird im Gefängnis mehrfach zu diesem Fall befragt. Im Gespräch mit einem Investigativjournalisten findet folgender Austausch statt. Robert sagt, ich weiß, dass sie tot sind. Ich werde das sagen. Und ich weiß das. Und der Journalist fragt, das ist keine Theorie? Ich weiß nur, dass sie tot sind. Das ist nicht meine Theorie. Ich weiß es einfach. Daran gibt es keine Zweifel. Mehr sagt Robert dazu nicht. Er verspricht aber auszupacken, sobald seine Mutter verstorben wäre.

Die Frage ist also, weiß Robert wirklich etwas? Oder sucht er womöglich nur, so morbid das auch klingt, die Anerkennung für die Mörder an den drei Frauen zu bekommen? Er wird dafür nie angeklagt. Aber er kann zur Lösung des Falls auch nie beitragen. Das zweite große Szenario könnte sein, dass es der Täter nur auf Susi abgesehen hat. Und hier kommt ein neuer Verdächtiger ins Spiel. Nämlich Dustin, Susis Ex-Freund. Dustin ist bereits vorbelastet und wurde gemeinsam mit zwei Freunden ein paar Monate vor dem Verschwinden der Frauen wegen Vandalismus und Diebstahl festgenommen. Konkret wird ihnen vorgeworfen, dass sie in ein Mausoleum eingebrochen sind und dort die Goldfüllung aus den Zähnen der Leichen geklaut haben. Und das soll wohl der Grund gewesen sein, warum Susi kurz darauf mit ihm Schluss gemacht hat. Susi hat außerdem bei der Polizei gegen Dustin und seine Freunde ausgesagt, natürlich sehr zum Missfallen der Jungs, und vielleicht hätte sie dann bei der anstehenden Gerichtsverhandlung erneut gegen sie aussagen müssen. Weder Dustin noch seine Freunde haben ein wasserfestes Alibi für die Nacht des Verschwindens. Allerdings gibt es ebenfalls keinen konkreten Beweis gegen die Jungs und ebenfalls bestehen alle drei einen Lügendetektortest. Also auch hier, sie werden nie angeklagt.

Diese Grabäubertheorie klingt ja an sich schlüssig, allerdings hatte Susi an dem Abend gar nicht geplant, zurück nach Hause zu kommen. Das heißt, wenn der Täter es wirklich nur auf sie abgesehen hätte, dann hätte es ja gar keinen Sinn gemacht, auf sie zu Hause zu warten. Oder diese Person ist ihr den ganzen Abend über gefolgt.

Oder die Person wusste gar nicht, dass sie woanders übernachten wollte. Oder, naja, ihr merkt schon, es gibt so viele Punkte, die man hier mit betrachten könnte. Dass es echt schwierig ist, mit dieser Theorie weiterzuarbeiten. Das dritte Szenario sieht vor, dass der Täter es nur auf Mutter Cheryl abgesehen hat. Er wusste vielleicht, dass sie in dieser Nacht allein zu Hause sein würde und befand sich eventuell sogar schon im Haus, als Susi und Stacey dann überraschend zurückkamen. Vermutlich stand ja auch ein anderes Auto auf Susis Parkplatz vor dem Haus. Und wenn es ein Bekannter von Cheryl ist, dann hat sie ihn ja vielleicht sogar freiwillig ins Haus gelassen. Oder aber er war ein Fremder, der sich dann trotzdem durch die Haustür einen Weg ins Haus verschafft hat. Und zwar, so lautet die Theorie, mit einem ganz einfachen Trick. Die Theorie besagt, dass Cheryl ihren Hund im Vorgarten hat laufen lassen, wie das so häufig der Fall war. Und dort habe der Täter diesen Hund aufgelesen und an ihrer Tür geklingelt. Vielleicht hat er ja behauptet, dass der Hund weggelaufen ist, er den Hund aufgefangen hat und nun seiner Besitzerin zurückgeben möchte. In diesem Fall ist es also gut möglich, dass Cheryl ihm sogar dankbar die Tür geöffnet hat. Kaum war er dann im Haus, könnte er sie überwältigt haben.

Was da allerdings nicht ins Bild passt, als Susi und Stacy in der Nacht nach Hause gekommen sind, haben sie sich noch in Ruhe bettfertig gemacht und sind sogar noch ins Bett gegangen. Das hätten sie ja wahrscheinlich nicht, wenn die Mutter gefehlt hätte. Oder verletzt in der Wohnung gelegen hat. Oder sie haben einfach angenommen, dass die Mutter schon schläft. Oder der Täter hat sich heimlich Zugang zu dem Haus verschafft und dort darauf gewartet, dass Cheryl schlafen geht. Und dann kamen die beiden Mädchen und er hat es plötzlich mit drei statt nur mit einer Person zu tun.

Aber mit welchem Motiv hat hier die Person gehandelt? Cheryl ist eine superfreundliche, hart arbeitende, alleinerziehende Mutter, die mit niemandem groß Streit hat. Zumindest wird bei den Ermittlungen nichts gefunden, was darauf hinweist. Das heißt, es gibt hier keine Person, die man so jetzt erstmal direkt in den Täterkreis mit reinziehen könnte oder in den potenziellen Täterkreis. Das heißt, wenn, müsste man eher davon ausgehen, dass Cheryl zufällig ausgewählt wurde.

Das vierte Szenario besagt, dass der Täter es auf Stacey und Susi abgesehen hat und ihnen von der Party gefolgt ist. Vielleicht hat sich der Täter in jener Nacht ja spontan die beiden Mädchen ausgesucht. Zwei junge Frauen, allein mit dem Auto unterwegs. Die Vorhänge, das hatten wir ja anfangs schon erwähnt, die waren ja komplett zugezogen oder zumindest fast komplett zugezogen. Und es gibt eine Theorie, die besagt, dass Susi und Stacey womöglich bemerkt haben, dass sie verfolgt wurden und sich dann schnell ins Haus gerettet haben. Hinter den Vorhängen könnten sie dann nach draußen gelinst und so den Täter beobachtet haben. Und ihr erinnert euch ja vielleicht auch, dass die Lampe draußen auf der Veranda zu Scherben zersplittert war. Also vielleicht hat der Täter ja womöglich versucht, die Lampe zu zerstören, um so für Dunkelheit zu sorgen. Allerdings war ja nur die äußere Glashülle kaputt und nicht die Glühbirne selbst, weshalb das Licht an sich ja nach wie vor funktioniert haben müsste. Also ihr merkt schon, jede Theorie, die wir hier gerade angesprochen haben, hat irgendwie einen Haken. Es tauchen auch immer mehr Namen von Verdächtigen auf. Es gibt einen weiteren Serienmörder, einen Vergewaltiger, einen Geschäftsmann, der seine Frau ermordet haben soll. aber keinem dieser Menschen kann man einen Zusammenhang zu dem Verschwinden der drei Frauen nachweisen.

Dementsprechend wird auch niemand angeklagt und niemand verurteilt. Es bleiben viele offene Fragen. Handelt es sich hier um einen Einzeltäter oder sind mehrere Täter dafür verantwortlich? Ja, was das angeht, hat die Polizei tatsächlich eine Vermutung, denn sie sagt, wenn noch andere Leute an der Tat beteiligt gewesen wären, dann hätte doch bestimmt jemand nach 30 Jahren das Schweigen gebrochen. Um was für eine Tat handelt es sich hier eigentlich? Geht es um Entführung? Geht es um Mord?

Dass die drei Frauen gegen ihren Willen das Haus verlassen haben, das ist anzunehmen, denn darauf deuten ja nicht nur die liegen gelassenen Zigaretten, die Portemonnaies und Autoschlüssel hin, sondern auch die Annahme, dass alle kurz zuvor wahrscheinlich noch geschlafen haben und das Haus dann in Schlafkleidung verlassen haben müssen. Also im Fall der Mädchen nur in T-Shirt und Unterwäsche. Und das ist definitiv kein Outfit, mit dem man normalerweise das Haus verlässt. Also wie haben die Frauen das Haus verlassen?

Sind alle drei gleichzeitig gegangen oder eine nach der anderen?

Hat sie jemand gezwungen, vielleicht mit einer Waffe? Oder wurden sie schon im Haus angegriffen und eine nach der anderen wurden aus dem Haus rausgetragen? Oder war es einfach ein Trick, eine Liste, die jemand angewandt hat? Zum Beispiel hat sich jemand vielleicht als Arbeiter der Stadt ausgegeben und hat gesagt, dass es ein dringendes Gasleck gibt. Und jetzt in der Nacht müssten zum Beispiel alle Menschen evakuiert werden. Und so sind die drei dann tatsächlich auf einen Betrüger reingefallen. Ja, aber da stellt sich auch irgendwie trotzdem die Frage, wie es der Täter geschafft hat, drei Frauen aus dem Haus zu schaffen, ohne dabei Spuren von DNA oder eines Kampfes zu hinterlassen. Also die Frage ist, ob er überhaupt im Haus war. Und die Frage, die auch noch nicht beantwortet ist, ob tatsächlich Janelle die letzte Person war, die Susi und Stacey gesehen hat. Oder gibt es vielleicht doch noch andere Zeugen, die in der Zeit zwischen 2 Uhr nachts und dem nächsten Morgen die drei gesehen haben, sich aber einfach nie gemeldet haben? Unklar ist auch, wie die letzten Stunden von Cheryl aussahen. Über Susi und Stacey weiß man ja Bescheid. Aber könnte der Schlüssel möglicherweise bei Cheryl liegen? Es ist nur bekannt, dass sie am frühen Abend gemeinsam mit Susi gegessen und gegen 23.15 Uhr dann mit einer Freundin telefoniert hat, während sie eine Kommode gestrichen hat. Aber was ist mit den anderen Stunden? Was hat sie da gemacht? Was man de facto weiß, ist, dass Diebstahl nicht das Motiv in der Tat sein kann.

Denn Cheryl arbeitet als Friseurin, war an dem Tag noch im Salon und hatte ungefähr 900 Dollar in Bar bei sich. Aber diese 900 Dollar sind immer noch auch nach ihrem Verschwinden im Portemonnaie. Das heißt, diese Erkenntnis, die macht jetzt auch niemanden wirklich schlauer. Letztendlich stehen alle, die sich Antworten erhoffen, mit leeren Händen da. Immer wieder ist während der Ermittlungen die Hoffnung aufgekommen, dass irgendwo doch noch ein Puzzleteil passen könnte, nur um dann erkennen zu müssen, dass doch irgendwie die Theorien nicht zusammenpassen. Und auch wenn im Laufe der Jahre immer mal wieder ein frisches Augenpaar auf diesen Fall geschaut hat, das Verschwinden der Springfield Three gibt auch heute noch Rätsel auf. Denn es ist das unwahrscheinliche Geschehen, dass drei Menschen spurlos verschwunden sind, so als hätten sie sich in Luft aufgelöst und selbst über 30 Jahre später weiß man einfach gar nichts über ihr Schicksal.

In einem Interview mit dem lokalen Nachrichtenmagazin KY3 sagt Stacys Mutter im Jahr 2017 Ich hatte erwartet, dass sie in dieser Nacht, am nächsten Tag oder vielleicht ein paar Tage später nach Hause kommt. Nicht in meinen wildesten Vorstellungen hätte ich gedacht, dass es 25 Jahre später sein würde und ich sagen würde, dass Stacey immer noch vermisst wird. Während die Familie von Cheryl und Susi die Mutter und Tochter für tot erklärt haben, weigert sich Stacys Mutter, diesen Schritt zu gehen. Sie hat sich geschworen, die Hoffnung niemals aufzugeben und sie sagt, Solange ich nicht hundertprozentig weiß, dass Stacy verstorben ist, werde ich sie nicht für tot erklären. Man wird irgendwo Überreste finden müssen, bevor ich sie für tot erkläre. Wenn ich das tue und sie nicht tot ist, kann ich mir nur vorstellen, wie wütend sie sein wird, wenn sie zurückkommt.

Eine Freundin von Susi und Stacey kommt ebenfalls in dem Artikel zu Wort und sagt, sie waren wunderbare Menschen, lustige Menschen, ganz normale Menschen. Wir tragen sie alle in unserem Herzen und beten immer noch, dass sie nach Hause kommen und dass wir einen Abschluss finden. Ja, und damit wollen wir auch unsere, die heutige Folge, zu einem Ende kommen lassen. Es bleibt nur zu hoffen, dass tatsächlich irgendein Wunder geschieht und diese Frauen doch noch lebend wieder auftauchen. Wie das ja auch schon an anderen Entführungsfällen der Fall war. Oder aber, dass alle Menschen, die Stacy, Susie und Cheryl in ihr Herz geschlossen haben, endlich die Antworten erhalten, auf die sie schon so lange warten. Dieser Fall wurde uns übrigens von Sarah vorgeschlagen. Also danke Sarah, dass du uns auf den aufmerksam gemacht hast. Teilt uns auch gerne eure Gedanken mit. Was denkt ihr über diesen Fall, über die Geschichte? Oder wenn ihr von irgendeinem anderen Fall gelesen habt, irgendwo was mitbekommen habt, über den wir hier mal sprechen sollen, dann könnt ihr uns den natürlich auch zuschicken. Dann schauen wir uns den an. Und ansonsten würden wir uns natürlich freuen, wenn ihr in der nächsten Woche, nächsten Dienstag, wieder mit dabei seid, wenn es einen neuen Fall in der schwarzen Akte gibt. Bis dahin, wir freuen uns.