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Schwarze Akte, Es ist ein ganz normaler Tag für die 18-jährige Donna und die 19-jährige Jodie. Genau genommen ist es der 29. Juli 1976, ein Donnerstag. Die Sonne steht hoch am Himmel und die beiden Mädels sitzen in Jodies Auto und genießen ihre Mittagspause. Donna ist Rettungssanitäterin und Jodie arbeitet als Krankenschwester. Wir befinden uns übrigens in Pelham Bay, in einer New Yorker Wohngegend, die bekannt ist für den Pelham Bay Park. Das ist der größte Park New York City und damit sogar größer als der Central Park.

Es ist 13.10 Uhr, als ein Mann an das Auto herantritt. Bevor die beiden Frauen Zeit haben, überhaupt zu reagieren, da zieht dieser Mann schon eine Pistole und schießt. Donna wird sofort getötet und Jodie trifft eine Kugel in den Oberschenkel. Der Mann feuert noch ein drittes Mal, doch er verfehlt. Dann dreht er sich um und geht schnell davon. Das alles kam einfach so, aus dem Nichts. Der Mann kannte die beiden Frauen nicht mal. Drei Monate später, mittlerweile ist Oktober, geschieht etwas ganz Ähnliches. Dieses Mal jedoch in einem anderen New Yorker Stadtteil, der ca. 10 km weiter südlich liegt. Ein junges Pärchen sitzt im Auto, als der Schütze plötzlich auf den Plan tritt. Er schießt durch die Autotür hindurch und der Mann wird am Kopf getroffen. Eine gefährliche Wunde, die im Krankenhaus zum Glück noch operiert werden kann. Ihm muss eine Metallplatte in den Kopf gesetzt werden. Die Frau kommt ohne bleibende Schäden davon. Diese beiden Anschläge werden nicht die einzigen bleiben, denen New York sich in diesem und dem folgenden Jahr ausgesetzt sieht. Ein Mann, der umherläuft und willkürlich Menschen erschießt. Die Stadt befindet sich in Angst und Schrecken. Ein Serienmörder ist in den Straßen unterwegs und niemand weiß, wer sein nächstes Opfer sein wird.

Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte. Ich bin Anne. Und ich bin Patrick. Jetzt stellt euch mal vor, wie das wohl gewesen sein muss, wenn eine ganze Stadt in Angst und Schrecken lebt. Alles, was ihr wisst, ist, dass es sich wohl um einen Mann handelt, der mit einer Pistole wahllos Menschen tötet. Und ihr wisst nicht, wer er ist oder wo er das nächste Mal zuschlagen wird. Das Ding ist ja, New York City ist riesig. Es gibt so viele Menschen, die in Verdacht kommen könnten, aber auch so viele Winkel, in die der Täter wieder verschwinden kann. Wie findet man in einer so vollen, wuseligen Stadt eine einzelne bestimmte Person, die ja gar nicht gefunden werden will? Und was treibt jemanden dazu, Fremde und in keiner Weise mit seinem eigenen Leben verbundene Menschen von jetzt auf gleich aus dem Leben zu reißen? Was muss dieser jemand selbst erlebt haben, um zu einem Serienmörder zu werden? All diesen Fragen wollen wir uns heute widmen. Doch bevor es mit der Aufklärung so richtig losgehen kann, wird New York City von weiteren Anschlägen erschüttert. Wir befinden uns jetzt im November 1976, also einen Monat nach dem vorherigen Angriff auf das Pärchen. Da kommt es zu einem weiteren Vorfall auf Long Island, einer Insel südöstlich von New York City. Bis nach Manhattan sind es von hier aus keine 600 Meter, weshalb ein großer Teil der Einwohnerinnen und Einwohner von New York City hier auf Long Island lebt.

Die beiden Freundinnen Joanne und Donna haben sich im Kino einen Film angesehen und die sind schon fast zu Hause angekommen, als sie von einem Mann angesprochen werden. Der Mann steht auf der Straße und die beiden Frauen auf der Terrasse von Joannes Elternhaus. Dieser Mann fragt nach dem Weg, doch bevor die Freundinnen überhaupt antworten können, da zieht der schon seinen Revolver und schießt. Donna hat Glück, denn sie erleidet nur leichte Verletzungen. Joanne hingegen wird in den Rücken getroffen, als sie gerade versucht wegzulaufen und ist von diesem Tag an querschnittsgelähmt. Zwei Monate lang ist es erstmal ruhig. Ende Januar folgt der nächste Anschlag in Queens, einer anderen Nachbarschaft in New York City. Die 26-jährige Christine ist mit ihrem Verlobten John unterwegs, als jemand vollkommen unerwartet das Feuer auf sie eröffnet. Christine stirbt. John überlebt mit leichten Verletzungen.

Die Polizei ist da natürlich schon längst aktiv auf der Suche nach dem Täter. Es hat etwas gedauert, bis man die einzelnen Vorfälle zu einer Serie verbinden konnte. Jeden Zweifel aus dem Weg geräumt, hat dann aber eine Untersuchung der Munition. Bei allen Tatorten konnten die Patronen gesichert werden, mit denen der Mann geschossen hat. Es stellte sich heraus, dass es sich immer um die gleichen handelt, und zwar um Geschosse im Revolverkaliber 44 Special. Aus diesem Grund bekommt der Schütze von den Medien, die angesichts der Mordserie um die Wette berichten, den Spitznamen 44-Killer verpasst. Ja, das Ding ist nur, diese Patronenkugeln sind alle nach dem Abschuss derartig verformt, dass sie nicht mit Sicherheit einer Waffe zugeordnet werden können. Das heißt, allein über die Waffe wird man den Täter nicht finden können. Denn dazu besitzen einfach zu viele Menschen in den USA Waffen. Also was weiß man sonst über diesen Mann? Jodie, die Krankenschwester, die den Angriff im Auto ja überlebt hat, die erinnert sich nur vage an konkrete Details. Denn alles ging viel zu schnell und ihr Schock war viel zu groß, als dass sie diesen Mann hätte näher betrachten können.

Ihrer Aussage nach soll er weiß sein, vom Alter her ungefähr in seinen 30ern, mittelgroß und eher schlank. Sein Haar beschreibt Jodie als kurz und dunkel. Diese Angaben helfen schon mal weiter, sind aber natürlich zu ungenau für eine Fahndung. Es gibt einfach zu viele Männer in New York City, auf die genau diese Beschreibung zutrifft. Aber wenn man sich die ganzen Anschläge zusammen anschaut, dann lässt sich eine interessante Parallele erkennen, die auch etwas über den Täter aussagt. Die Opfer sind überwiegend weiblich. Zwei Männer waren bisher involviert und einer von ihnen hatte lange Haare. Das war der, dem eine Metallplatte in den Kopf eingesetzt werden musste nach dem Angriff. Die Theorie damals lautete also, dass der Täter den Mann womöglich für eine Frau gehalten haben könnte.

Und es gibt noch eine Gemeinsamkeit. Der Schütze scheint es auf junge Frauen mit langen, dunklen Haaren abgesehen zu haben. Sein Muster ist immer ähnlich. Er schlägt in ruhigen Wohnvierteln zu und überrascht die Opfer in Situationen, in denen sie nicht mit einem Angriff rechnen. Während sie im Auto sitzen zum Beispiel oder über die Straße laufen. Die Polizei ist sich sicher, es mit einem geistig schwer gestörten Menschen zu tun zu haben. Wieso sonst sollte man ganz zufällig Leute angreifen? Nur wie zur Hölle bekommt man den Täter zu fassen, bevor er noch mehr Schaden anrichten kann?

Werbung Ende Fest steht, dass man dafür ein verdammt gutes Team braucht. Für die Suche nach dem Täter wird also die Operation Omega ans Leben gerufen, zu der auch stetig neue Ermittlerinnen und Ermittler dazustoßen. Nicht nur personell wächst das Team mit jeder Attacke weiter, sondern auch die finanziellen Ressourcen werden größer. Man tut wirklich alles, um diesen gefährlichen Mann zu fassen, und an Geld soll es dabei nicht scheitern. Am Höhepunkt der Operation arbeiten rund 200 Ermittlerinnen und Ermittler an diesem Fall. Es gilt als Ehre, der Operation Omega zugeteilt zu werden. New York City befindet sich ja im Ausnahmezustand. Und wem es gelingt, in dieser brenzligen Situation den Mörder zu fassen, der darf auf jeden Fall mit diversen Auszeichnungen rechnen. Was natürlich ja irgendwie ein zusätzlicher Anreiz ist.

Namenhafte Polizisten schließen sich dem Team an. Und die arbeiten alle so viel, dass bei vielen unter ihnen der Schlaf zu kurz kommt und das Privatleben fast komplett in den Hintergrund rückt. Es werden sogar Betten in der Omega-Zentrale aufgestellt, damit die Beamten zumindest mal kurz die Augen zumachen können, bevor es dann wieder weitergeht. Mit erhöhtem Schlafmangel und dem Druck von außen, da steigt natürlich auch irgendwie der Konsum von Kaffee und Alkohol. Also kurzum, die Nerven liegen bei allen blank. Und dann schlägt der Mörder erneut zu. Wieder in Queens. Im März 1977 am frühen Abend. Das Opfer ist dieses Mal eine Studentin, die 19-jährige Virginia. Sie kann noch reagieren und hält ihre Bücher vor den Kopf. Doch ihr Versuch, sich zu schützen, bringt nichts mehr.

Die Kugel durchdringt das Papier und tötet sie sofort. Der Täter scheint in keinster Weise eingeschüchtert von der groß angelegten Suche nach ihm. Vielleicht motiviert es ihn sogar, in den Zeitungen von sich zu lesen und die Angst in der Stadt zu spüren. Dafür, dass er schon so häufig zugeschlagen hat und die besten Leute nach ihm suchen, weiß man nur leider immer noch viel zu wenig über ihn. Einen Monat später, im April, passiert dann der nächste Angriff.

Dieses Mal schlägt der Täter ganz in der Nähe des Tatortes zu, an dem er schon seinen ersten Mord verübt hat, also den Angriff auf Donna und Jodie, die Rettungssanitäterin und die Krankenschwester, die gerade in der Mittagssonne im Auto saßen. Seine Opfer befinden sich dieses Mal wieder im Auto. Es handelt sich um ein Pärchen. Er mit mittellangem, lockigen Haar, sie mit einer kurzer Frisur. Beide sterben an den Kopfschüssen. Die Kugeln, das kann man in diesem Fall feststellen, die stammen aus der gleichen Waffe wie bei einigen Angriffen davor. Es scheint also, als würde der Täter immer die gleiche Waffe nutzen. Das war ja vorher nicht ganz klar, weil es eben so schwer war, durch die deformierten Kugeln die Patronen zu einer bestimmten Waffe zuzuordnen. Aber der Tag bringt noch eine andere Erkenntnis mit sich. Denn in der Nähe des Tatorts findet die Polizei ein Bekennerschreiben, das der Täter mit der Hand geschrieben hat. Die Worte stehen dort in krackeligen Großbuchstaben und das ist ein erster, wirklich handfester Anhaltspunkt, mit wem es New York City zu tun hat.

In dem Schreiben stellt sich der Täter als der Son of Sam vor und drückt seinen Unmut darüber aus, dass ihn das Police Department in einer Pressekonferenz als Frauenhasser bezeichnet habe. Das sei er nicht. Was er aber sehr wohl sei, wäre ein Monster. Er schreibt auch über Sam, eine Vaterfigur, der es nach Blut dürstet. Dieser Vater Sam sei es, der ihm befehle, hinauszugehen und zu töten, denn Sam liebe es, Blut zu trinken. Er sei jetzt alt und brauche das Blut, um seine Jugend zu bewahren. Er, der Sohn, könne nicht anders als zu gehorchen. Er liebe es dennoch zu jagen, die Straßen auf der Suche nach Lundener Beute zu durchstreifen. Die Frauen von Queens seien die schönsten von allen. Es müsse am Wasser liegen, das sie trinken. Die Jagd sei sein Leben und um ihn zu stoppen, müsse man ihn töten.

Die Polizei solle zuerst auf ihn schießen. Schießen, um zu töten, denn wenn sie es nicht täten und ihm in die Quere kämen, würde er sie töten. Und dann schreibt er noch, dass er die Menschen liebe und wünscht den Einwohnern von Queens ein frohes Osterfest und dass Gott sie segnen möge, in diesem und im nächsten Leben. Ja, was für ein gruseliges, aber auch irgendwie verwirrendes Schreiben. Der Son of Sam, der scheint also von einer höheren Macht, die er einer Vaterfigur gleichstellt, gelenkt zu werden. Er scheint nicht aus freiem Willen zu handeln, sondern auf Befehl dieser Macht. Dabei wird aber nicht klar, ob es sich bei dieser Vaterfigur um einen echten Menschen handelt oder um irgendwas ganz anderes.

Verwertbare Fingerabdrücke des Verfassers lassen sich auf diesem Zettel jedenfalls nicht finden. Aber es gibt einen interessanten Einblick in seine Psyche und hilft, sein psychologisches Profil zu vervollständigen. Und das ist eine wichtige Stütze bei der Suche nach dem Täter. Knapp 50 Psychiater arbeiten jetzt zusammen daran. So ist man sich sicher, dass der Son of Sam an paranoider Schizophrenie leidet und dass er möglicherweise von einer dämonischen Macht besessen sei, beziehungsweise dass der Täter sich selbst als von dieser Macht besessen betrachtet. Er ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Einzelgänger und hat Schwierigkeiten damit, Beziehungen einzugehen. Insbesondere mit Frauen, so sagen es zumindest die Experten. Nachdem diese Details öffentlich werden, steht das Telefon in der Zentrale nicht mehr still. Jeder scheint jemanden zu kennen, der zu dem Profil passt. Der eine ist sich sicher, dass sein Nachbar der Täter ist, da er jeden Abend verdächtig spät nach Hause kommt. Der andere verdächtigt seinen Schwager, der ständig mit Waffen spielt. Oder aber dieser komische Kerl in der Bar, der Frauen hasst, der ist es ganz sicher. Zudem wird aus den, wenn auch spärlichen, Angaben der Überlebenden ein Phantombild erstellt, um das Aussehen des Täters zumindest in irgendeiner Weise einzugrenzen. Dieses Phantombild wird ebenfalls veröffentlicht. Das könnt ihr euch mal in den Shownotes anschauen.

Auffallend an dem Bild ist das eher schmale Gesicht, das spitze Kinn und die markanten Wangenknochen. Dazu eher kleine, tiefliegende Augen mit schweren Lidern. Und natürlich, das könnt ihr euch sicher schon denken, verstärkt die Veröffentlichung dieses Phantombilds nochmal ordentlich die Hinweisflut. Während sich bei einigen Anrufern die ganze Sache allerdings nur in deren Fantasie abspielt, Da melden sich andere, die den Täter tatsächlich gesehen haben. So wie diese Dame zum Beispiel. Sie sei in den frühen Morgenstunden mit ihrem Hund spazieren gewesen und hatte irgendwie das Gefühl, dass ein Mann ihr folgt. Allerdings heimlich, da er sich dabei hinter einem Baum versteckt beziehungsweise es versucht haben soll. Denn der Baum sei eigentlich viel zu klein gewesen und der Stamm zu schmal und die ganze Zeit habe dieser Mann sie angestarrt und sei dann aber ganz plötzlich in ihre Richtung losgelaufen. Dabei habe er irgendwie eigenartig gelächelt, kein böses, sondern ein freundliches Lächeln und in seiner Hand, so erzählt es die Dame, habe er eine Pistole gehalten. Voller Angst sei sie daraufhin wieder in ihr Haus gegangen und als sie gerade dem Hund das Halsband abmachen wollte, da habe sie Knallgeräusche gehört, so wie Feuerwerkskörper, laut, aber weit entfernt.

Sie habe zu diesem Zeitpunkt nicht darüber nachgedacht. Als sie allerdings dann am nächsten Morgen erfuhr, was kurz zuvor geschehen war, da sei ihr klar geworden, dass dieser Mann hinter dem Baum wahrscheinlich der Mörder gewesen sein muss. Es habe sie einige Überwindung gekostet, ihre Angst zu zügeln und sich bei der Polizei zu melden. Und die Polizei ist natürlich dankbar dafür. Die Detectives stehen also nun vor einer endlosen Liste von Verdächtigen. Was, zugegeben, besser ist, als gar keine Verdächtigen zu haben. Das Ding ist ja nur, dass jeder dieser Hinweise auch überprüft werden muss. Und auch wenn rund 200 Leute bei der Operation Omega dabei sind, so ist es dennoch eine riesige Herausforderung für das Team. Aber wenn dabei am Ende der Son of Sam in Handschellen gelegt werden kann, dann ist es das wert. Und während die Ermittlerinnen und Ermittler tun, was sie können und die Medien weiterhin eine Schlagzeile nach der anderen über den Fall veröffentlichen, geht das Beben in New York City weiter. Im Juni 1977, wieder in Queens, da treffen drei Kugeln das Auto von Sal und Judy. Ein junges Pärchen, das gerade im Auto sitzt. Beide haben allerdings riesiges Glück und kommen nur mit leichten Verletzungen davon. Einen Monat später schlägt der Son of Sam erneu zu. Wieder ist das Paar sehr jung, beide 20 Jahre alt.

Stacey und Robert hatten gerade ihr erstes Date und küssen sich im Auto, als der Täter das Feuer auf sie eröffnet. Das Auto ist unter einer Straßenlaterne an einem Park im Süden von Brooklyn geparkt und muss sich wie auf einem Präsentierteller dargeboten haben.

Vier Schüsse dringen durch das Autofenster und treffen beide an den Köpfen. Sie verliert durch den Angriff ein Auge, er stirbt. Es ist ja auch wirklich immer das gleiche Schema. Frauen oder junge Pärchen, meist im Auto, gefeuert durch das Autofenster. Ein kurzer, schneller Angriff und dann flieht der Täter.

Allem Anschein nach benutzt er dabei immer dieselbe Waffe. Er schlägt meist in ruhigen Wohnvierteln zu, aber eben auch tagsüber, wo er durchaus Gefahr läuft, beobachtet zu werden. Fast wirkt es, als wäre es ihm egal gefasst zu werden. Aber als wolle er es der Polizei gleichzeitig auch nicht zu leicht machen. So etwas in der Art hat er auch sein Schreiben suggeriert. Er schießt mich zuerst, bevor ich euch erschieße. Als würde er das alles wirklich gar nicht wollen, sondern von diesem Sam gezwungen werden, wer oder was auch immer das ist. Ja, apropos Sam, denn es kommt jetzt jemand ins Spiel, der auch Sam heißt, der aber mit der ganzen Sache überhaupt gar nichts zu tun hat. Zumindest denkt er das. Dieser Sam ist Rentner und hat lange bei der Stadt gearbeitet. Er lebt mit seiner Familie in Yonkers, einer Stadt nördlich von New York City, und hat einen schwarzen Labrador namens Harvey.

Soweit alles klar, denn vielleicht wird es jetzt ein bisschen verwirrend. Rentner Sam hat mehrere anonyme, aber handgeschriebene Briefe bekommen, in denen sich der Verfasser über Harveys lautes Bällen beschwert.

Erst beginnt es mit der höflichen Bitte, Labrador Harvey doch bitte ruhig zu stellen, damit er nicht den ganzen Tag lang jault. Als das aber nicht geschieht, da erhält Rentner Sam folgende Zeilen. Jetzt weiß ich, was für eine Person sie sind und was für eine Familie sie haben. Sie sind grausam und rücksichtslos. Sie haben keine Liebe für andere Menschen. Sie sind egoistisch. Mein Leben ist jetzt zerstört. Ich habe nichts mehr zu verlieren. Ich sehe, dass es keinen Frieden in meinem Leben oder dem Leben meiner Familie geben wird, bis ich Iris beende. Okay, das ist wirklich eine sehr heftige Reaktion auf einen bildenden Hund.

Rentner Sam meldet den Vorfall jedenfalls bei der Polizei, doch die wird nicht aktiv. Einige Tage später hört er einen Schuss hinter dem Haus und findet Harvey dort blutend auf dem Boden. Er sieht noch einen Mann in Jeans und mit gelbem Hemd davonlaufen. Da sich die Lage nun durchaus zugespitzt hat, startet die Polizei Ermittlungen und untersucht auch die Briefe. Und ja, es ist dieselbe Handschrift, derselbe Verfasser wie der des Bekennerschreibens an dem einen Tatort. Der Son of Sam hat Harvey angeschossen. Nur, dass zu diesem Zeitpunkt noch niemand die Verbindung zwischen den beiden Vorfällen zieht. Hier immerhin eine gute Nachricht für euch. Harvey überlebt den Angriff. Der Tierarzt kann ihn retten. Diese Hundegeschichte geht aber noch weiter. Denn wenig später findet ein Unbeteiligter namens Jack, der auch in der Region wohnt und auch einen Hund besitzt, einen merkwürdigen Genesungswunsch in seinem Briefkasten.

Unterzeichnet ist dieser Genesungswunsch von einem Sam. Sam, der Rentner und Labrador-Besitzer. Er wünscht Jack in diesem Schreiben alles Gute nach seinem Sturz vom Dach. Ja nur, dass Jack nie von dem Dach gestürzt ist. Und dass Rentner Sam diese Worte überhaupt gar nicht geschrieben hat. Der Karte liegt auch ein Bild bei von einem deutschen Schäferhund. Ein wichtiges Detail, denn in der letzten Zeit war nicht nur Sams eigener Labrado Harvey, sondern auch ein Schäferhund in der Nachbarschaft angeschossen worden.

Rentner Sam und Jack, die sich vorher auch noch nie getroffen hatten und gar nicht kennen, die vernetzen sich jetzt, um sich über diese merkwürdige Situation auszutauschen. Dass hier in dieser Gegend ein gewaltbereiter Mann herumläuft, der Hunde hasst, das ist offensichtlich. Aber warum diese Briefe? Und was haben Rentner Sam und Jack damit zu tun? Die beiden Männer schalten die lokale Polizei ein. Teilweise haben sie sogar familiäre Verbindungen zum örtlichen Police Department. Der Sohn von Jack zieht aus der ganzen Situation eine höchst interessante Schlussfolgerung. Er erinnert sich an einen eigenartigen Kerl, der Anfang 1976, also in dem Jahr, in dem die Mordserie begann, ein Zimmer in ihrem Haus gemietet hatte. Sein Name lautet David. Er erinnert sich an ihn, weil er seine 200-Dollar-Kaution danach nicht wieder abgeholt hat und weil er auch immer Probleme mit ihrem Hund gehabt hat.

Aber passt auf, denn es bleibt verwirrend. Es gibt noch einen dritten Brief, den ein gewisser Craig erhalten hat. Craig ist stellvertretender Sheriff, Nachbar von David und auch Hundebesitzer. In diesem Brief ist die Rede von einer Dämonengruppe, die aus dem Rentner Sam, Jack und Craig besteht. Also allen drei Männern, die vollkommen zufällig diese anonymen Briefe bekommen haben. Wenn jetzt also dieser David die Briefe geschrieben hat, dann beweist das erstmal nur, dass er wohl etwas seltsam ist und vielleicht ein Problem mit Hunden hat. Aber nicht, dass er auch der Son of Sam ist. Ein paar kluge Köpfe hegen diesen Verdacht, aber der ist noch alles andere als stichfest. Ein Mann mit einer Schusswaffe. Gerede von Dämonen. Könnte das was sein? Da ist einmal der Kerl, der Hunde anschießt, und einmal der Kerl, der Menschen erschießt. Wie das jetzt aber zusammenbringen. Die lokale Polizei hat also David in der Hundeangelegenheit auf dem Schirm. Aus ihren Datenbanken können sie schnell seine Adresse und auch die Registrierungsnummer seines Ford Galaxy ermitteln und erfahren dabei auch, dass ihm sein Führerschein gerade erst entzogen worden ist.

Vorsichtig holen sie noch weitere Informationen über ihn ein, aber ohne, dass er davon Wind bekommt. sowas wie Alter, Aussehen, Körperbau, der übrigens zum Körperbau vom Son of Sam passen würde. David ist außerdem ehemaliger Mitarbeiter bei einer Security-Firma an Queens und das könnte zum Beispiel seine Waffenkenntnis erklären. Er wurde allerdings gekündigt, und zwar in dem Monat, in dem der erste Son of Sam-Mord geschehen ist. David soll offiziell nun als Taxifahrer arbeiten, aber von den Taxi-Unternehmen in der Region kennt ihn keiner. Je weiter die Ermittler buddeln, desto stärker wird das Gefühl, dass sie hier auf der richtigen Spur sind.

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Werbung Ende Also wendet sich die örtliche Polizei mit ihrem Verdacht an die Omega-Taskforce. Und die muss jetzt quasi nur noch eins und eins zusammenzählen. Doch dann kommt alles anders als erwartet. Denn es ist der Zufall, der hilft. Am 9. August 1977, nur wenige Tage nach dem letzten Mord, fällt einer Zeugin ein Mann auf, der eine Waffe in der Hand hält. Dieser Mann war aus einem Auto gestiegen, das er im Parkverbot geparkt hatte. Zu diesem Zeitpunkt machte gerade die Verkehrskontrolle die Runde und schreibt das Kennzeichen dieses falsch geparkten Autos auf. Die Zeugin informiert die Polizei und die muss nur noch alle an diesem Abend als Falschparker registrierten Autos überprüfen. Eines davon gehört David. Man durchsucht seinen Wagen, findet eine Waffe mit passender Munition im Kaliber 44 Special sowie eine Karte, auf denen sämtliche Tatorte eingezeichnet worden sind. Zwei Beamte nehmen daraufhin David fest, als dieser gerade seine Wohnung verlässt. Und daraufhin kommt es zu einem interessanten Dialog, den wir jetzt mal ganz frei für euch übersetzt haben. David sagt da lächelnd, nun haben sie mich erwischt. Und ein Polizist fragt, wen habe ich erwischt? David sagt höflich, sie wissen es. Und der Polizist, nein, das weiß ich nicht, sagen sie es mir. Ich bin der Son of Sam.

Das heißt, das ging jetzt alles am Ende deutlich einfacher als gedacht, denn der Zufall wollte es wohl, dass New York nun endlich ein Gesicht zu dem Mann bekommt, der die Stadt so lange in panischer Angst versetzt hat. Doch bevor wir euch allerdings erzählen, wie es mit David nach seiner Festnahme weitergeht und wir über sein wohl ehrliches, aber ja irgendwie auch seltsames Geständnis reden, da wollen wir uns genauer anschauen, wer dieser David eigentlich ist. Jemand kommt ja nicht einfach so als Mörder zur Welt, denn damit ein Mensch sechs andere Menschen tötet und sieben verletzt, da muss ja wahrscheinlich einiges passiert sein in seinem Leben. David wächst bei Adoptiveltern auf. Seine leibliche Mutter stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Sie ist ungewollt mit ihm schwanger geworden und hat das Baby noch vor der Geburt zur Adoption freigegeben. Der Grund? Ihr Liebhaber war bereits verheiratet, wollte seine Ehe und Familie nicht gefährden und hat ihr deshalb Druck gemacht.

Interessant ist allerdings, dass Davids Mutter zu diesem Zeitpunkt bereits ein Kind hatte, eine Tochter, von einem anderen Mann, also Davids Halbschwester. Dieses Kind behält sie nach wie vor bei sich. Trotz allem, trotz ungewollter Schwangerschaft und der Zwangsadoption, bleibt die Mutter bei ihrem Liebhaber, bis dieser zwölf Jahre später an Krebs stirbt. David hat ein gutes Leben bei seiner Adoptivfamilie. Seine neuen Eltern kümmern sich liebevoll um ihn. Es mangelt ihm nicht an Aufmerksamkeit und Geschenken. Eigentlich sollte also alles gut sein, oder? Wenn man liest, was der Erwachsene David von heute über seine Kindheit schreibt, dann klingt das aber alles andere als gut und problemfrei. Und falls ihr euch wundert, wie wir an diese Texte von David gekommen sind, er hat eine Website. David schreibt auf seiner Website unter anderem Folgendes.

Seitdem ich ein kleines Kind war, schien mein Leben von Qualen erfüllt zu sein. Ich hatte oft Anfälle, bei denen ich mich auf dem Boden wälzte. Manchmal wurden dabei Möbel umgestoßen. Wenn diese Anfälle kamen, dann fühlte es sich an, als ob etwas in mich eindrang. Meine Mutter hatte keine Kontrolle über mich. Ich war wie ein wildes und zerstörerisches Tier. Mein Vater musste mich am Boden festhalten, bis diese Anfälle aufhörten. Als ich auf eine öffentliche Schule ging, war ich so gewalttätig und störend, dass ein Lehrer, der so wütend auf mich geworden war, mich in einen Würgegriff nahm und mich aus seinem Klassenzimmer warf. Ich geriet auch an viele Kämpfe. Manchmal fing ich grundlos an zu schreien. Meine Eltern wurden dann von Schulbeamten angewiesen, mich zu einem Kinderpsychologen zu bringen. Ansonsten würde ich von der Schule verwiesen werden. Ich musste zwei Jahre lang einmal pro Woche zu diesem Psychologen gehen, doch die Therapiesitzungen hatten keine Auswirkungen auf mein Verhalten.

Während dieser Zeit meines Lebens litt ich auch unter schweren Depressionsschüben. Wenn mich dieses Gefühl überkam, versteckte ich mich stundenlang unter meinem Bett. Ich verschloss mich auch in einem Schrank und saß dort vom Morgen bis zum Nachmittag, völlig im Dunkeln. Ich verspürte eine Sehnsucht nach der Dunkelheit und fühlte den Drang, mich von Menschen fernzuhalten. Mit seinem Verhalten bereitet David seinen Adoptiveltern ziemliche Sorgen. Manchmal spricht er tagelang nicht mit ihnen. Stattdessen zieht er es vor, in seinem Zimmer zu bleiben und mit sich selbst zu reden. Trotz aller Versuche gelingt es den Eltern nicht, einen Zugang zu ihrem Sohn zu finden. Sie sehen, dass ihn etwas quält, aber selbst mit der Hilfe von Profis können sie ihm nicht helfen.

Als David 14 Jahre alt ist, erkrankt seine Adoptivmutter an Krebs und stirbt innerhalb weniger Monate. Dass sie einige Jahre zuvor schon einmal mit dem Krebs kämpfen musste und ihn damals aber besiegt hat, haben seine Eltern David nicht erzählt. Ihr Tod bedeutet ein Verlust für David und seinen Vater, der nicht in Worte zu fassen ist. Seine Mutter ist, so gut es eben ging, immer eine Stütze für David gewesen. Und ohne sie stürzt David noch tiefer in seine Hoffnungslosigkeit. Er zieht sich immer weiter an sich selbst zurück. Seine Schulnoten sinken dramatisch. Sein Glaube an Gott wird im Fundament erschüttert. Für ihn gibt es nur eine Erklärung für das, was passiert ist. Der Tod seiner Mutter muss Teil eines Planes sein, um ihn, David, zu zerstören. Da sein Vater sechs Tage die Woche, zehn Stunden am Tag arbeiten muss, verbringt David viel Zeit alleine. Noch mehr als zuvor. Er kämpft sich irgendwie durch die Highschool und schafft seinen Abschluss.

1971, da ist David 18 Jahre alt, heiratet sein Vater erneut. Allerdings werden die neue Frau und David so gar nicht warm miteinander. Und die Konsequenz daraus ist, dass der Vater mit der neuen Frau in eine Rentnergemeinschaft nach Florida zieht und David, mit dem der Vater sowieso total überfordert ist, sich selbst überlassen wird. David beschließt, für ein paar Jahre erstmal zum Militär zu gehen.

1975, da ist er 22 und hat den Militärdienst schon hinter sich gelassen, da macht er die Bekanntschaft einiger Leute, die tief im Okkultismus verstrickt sind. Für alle, die das gerade nicht direkt einordnen können, kann man als die Lehre von geheimen, verborgenen Dingen verstehen, also quasi als Überbegriff für unterschiedlichste Phänomene, Praktiken und Weltanschauungen, die meist übersinnlicher und mystischer Natur sind. David hatte schon immer ein Faible für dieses Gedankengut. Schon als Kind haben ihn Hexerei und Satanismus fasziniert, vor allem, da er immer wieder das Gefühl hatte, von einer teuflischen Kraft besessen zu sein. Diese Kraft, so schreibt David auf seiner Website, hat ihn auch im jungen Erwachsenenalter noch im Griff. Überall, wo er hingeht, scheint es Zeichen oder Symbole zu geben, die ihn auf Satan hinweisen. Er beginnt, sich tiefer in satanistische Inhalte einzulesen und verschiedene okkulte Rituale und Beschwörungen zu praktizieren. Realität und Fantasie verschwimmen immer mehr ineinander und David kann nicht mehr unterscheiden, was wahr ist und was nicht. Und so geht David seinen Weg. Dieser Weg führt ihn immer tiefer in die Gewalt, aber er sieht auch noch eine interessante Begegnung für ihn vor.

Mit dem Tod seiner Adoptivmutter kann David nämlich auch Jahre später noch nicht wirklich abschließen. Und so trifft er die Entscheidung, nach seiner leiblichen Mutter zu suchen. Und findet sie auch. Plötzlich hat David wieder eine Art Familie. Denn eine Zeit lang steht David mit seiner leiblichen Mutter und seiner Halbschwester in regem Kontakt.

Das geht eine Weile gut, bis David beginnt, sich von den beiden zu distanzieren. Er erfindet Ausreden, um sie nicht weiter besuchen zu müssen. Man könnte sagen, dass David und seine leibliche Familie zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr in derselben Realität leben. Wir dürfen auch nicht vergessen, auch wenn sie blutsverwandt sind, diese beiden Frauen sind für David letztendlich doch vollkommen fremde Menschen. Und so führt Davids Weg ihn weiter, immer weiter in seine eigene Realität, bis er an den Punkt angelangt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Der Punkt, an dem die Gewalt die Kontrolle übernimmt. Gewalt, angefeuert von seiner Wut und Frustration gegenüber Frauen. Denn auch auf romantischer Ebene hat David in seinem Leben nicht wirklich gute Erfahrungen mit Frauen gemacht. Er hatte zwar mal eine kurze Beziehung, allerdings fand diese nur in seiner Realität statt. Für die Frau war David einfach nur ein Freund. Eine seiner wenigen sexuellen Erfahrungen hatte er mit einer Prostituierten in Korea, wobei er sich mit einer Geschlechtskrankheit ansteckte. Die Website truetv.com hat einen Brief veröffentlicht, den David an seinen Vater im sonnigen Florida schreibt. Darin wird deutlich, wie es ihm geht.

Es ist kalt und düster hier in New York. Aber das ist in Ordnung, weil das Wetter zu meiner Stimmung passt. Düster. Papa, die Welt wird jetzt dunkel. Ich spüre es immer mehr. Die Menschen entwickeln ein Hass auf mich. Du würdest nicht glauben, wie sehr manche Menschen mich hassen. Viele von ihnen wollen mich töten. Ich kenne diese Leute nicht einmal, aber sie hassen mich trotzdem. Die meisten von ihnen sind jung. Ich gehe die Straße entlang und sie spucken auf mich und treten mich. Die Mädchen nennen mich hässlich. Sie stören mich am meisten. Die Jungs lachen nur. Wie auch immer, die Dinge werden sich bald zum Besseren wenden.

Fast einen Monat lang sperrt David sich nach diesem Brief in seiner winzigen Wohnung ein, gequält von seinen inneren Dämonen. Er verlässt die Wohnung nur, um Essen zu besorgen. Zu diesem Zeitpunkt ist er kurz davor, seinen ersten Mord zu begehen. Und damit springen wir wieder vor an den Punkt, an dem David nach seiner Festnahme im Verhörraum sitzt. Dort erzählt er ruhig von jedem Einzelnen der Morde, von jedem Schuss. Er verheimlicht gar nichts. Die Details, die er über die Angriffe liefert, die lassen auch gar keinen Zweifel daran, dass er wirklich der Son of Sam ist. Aber noch fehlen einige Puzzleteile in dem Bild. Warum hat David sich Son of Sam genannt? Und warum überhaupt Mord? Warum hat er sich kein anderes Ventil für die Gewalt in ihm gesucht.

Die Antworten auf diese Fragen hängen zusammen. Wir hatten ja vorhin schon mal ganz kurz angesprochen, dass David zwar ein sehr ehrliches, aber ja doch irgendwie seltsames Geständnis abliefert. Und darüber wollen wir jetzt sprechen. Denn dieses Geständnis fügt alle Teile zu einem großen Bild zusammen. David erklärt nämlich, dass er die Morde nicht aus freiem Willen begangen habe, sondern dass er dazu gezwungen worden sei. Genauer gesagt seien ihm die Morde befohlen worden, und zwar von den Dämonen, die sein Leben kontrollieren. Einer dieser Dämonen sei der Hund seines ehemaligen Nachbarn, dem Rentner Sam. Dieser Hund, ihr erinnert euch an Harvey, habe während satanischer Rituale das Blut hübscher junger Frauen von ihm verlangt. David habe sich erst geweigert, aber dann doch nachgegeben, um den Qualen zu entkommen, die der Dämon ihm bereitete. Er sei durch die Straßen gelaufen und habe darauf gewartet, dass der Dämon ihm ein Zeichen gebe, welche Frau er opfern sollte. Kommuniziert habe der Hund mit ihm über sein Gebelle, ein Geräusch, das David ziemlich schnell in den Wahnsinn getrieben hat, weil er es absolut nicht aushalten kann. Was man ja auch an dem Brief gesehen hat, den er dem Besitzer geschrieben hat.

Der Hund seines Nachbarn sei nicht der einzige Dämon, der ihn aus der Fassung bringt. Und das ist auch der Grund, warum David Hunde in seiner Nachbarschaft angegriffen hat. Er hat versucht, die Dämonen loszuwerden. Dann klären wir jetzt mal noch die Frage, warum sich David Son of Sam genannt hat. Denn die Antwort ist einfach. Den Namen hat David wohl in Anlehnung an Sam, also Rentner Sam, den Besitzer von Hund Harvey gewählt, also dem Hund, in dem der Dämon lebt, der David befohlen hat zu töten. Das schreiben zumindest einige unserer Quellen so. Aber es gibt noch einen anderen Sam in dieser Geschichte. Der Hund einer Nachbarin heißt nämlich auch noch Sam, oder besser gesagt, Heath. Denn David hat angeblich auch diesen Hund getötet.

Die Dämonenerklärung, das könnt ihr euch sicher vorstellen, wird von einigen Ermittlern der Polizei angezweifelt. Einer der Detektives hört aus dem Gespräch mit David eine andere Erklärung heraus. Nämlich, dass der wahre Grund für seine Taten in einem Groll gegenüber seiner Adoptivmutter liege, die ihn ja in jungen Jahren durch ihre Krebskrankheit plötzlich verlassen hatte, nachdem seine leibliche Mutter ihn weggegeben hatte. Ein weiterer Grund sei zudem in seiner Unfähigkeit, Beziehungen mit Frauen aufzubauen zu finden, was seine Abneigung gegen sie vielleicht noch erhöht habe. Die ganze Story mit den Dämonen habe sich David, so jedenfalls der Detective, nur zurechtgelegt, um im Fall einer Festnahme die Behörden davon zu überzeugen, dass er geisteskrank sei. David soll zugegeben haben, dass die Verfolgung von Frauen zu einem nächtlichen Abenteuer für ihn geworden sei. Wenn er in einer Nacht kein Opfer fand, sei er zu früheren Tatorten zurückgekehrt, um sich zu erinnern. Angeblich habe er auch zu den Beerdigungen seiner Opfer hingehen wollen, sei aber aus Angst, Verdacht zu erregen, ferngeblieben. Es habe ihm auch großes Vergnügen bereitet, seinen Fall in den Medien zu verfolgen.

Das sind also die zwei Versionen dessen, was wirklich hinter der Mordserie steckt. Die Frage ist jetzt also, kann man David glauben? Ist er zurechnungsfähig? Und falls er es nicht ist, kann er überhaupt für seine Taten verurteilt und bestraft werden? Das ist ja auch schon häufiger vorgekommen, dass ein Täter oder eine Täterin psychisch so krank ist, dass man ihm oder ihr juristisch keine Schuld für die Verbrechen zugestehen kann. In Davids Fall ist das allerdings nicht so. Er wird offiziell für zurechnungsfähig erklärt und im Frühsommer 1978 vor Gericht gestellt. Während des Prozesses soll er eines seiner Opfer als Hure beschimpft haben und betont, ich zitiere, Ich würde sie wieder töten. Ich würde sie alle noch einmal töten. David wird zu insgesamt sechsmal 25 Jahren Haft verurteilt. Er erhält also für jeden Mord die zu der Zeit zulässige Höchststrafe. Damit wird er den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen und New York City kann endlich aufatmen. Heute sitzt David seit ungefähr 45 Jahren schon im Gefängnis. Einmal hat es dort einen Mordanschlag auf ihn gegeben, denn ein anderer Insasse wollte ihm das Leben nehmen, war es allerdings misslang. Seit 2002 wird alle zwei Jahre geprüft, ob ihm eine Freilassung auf Bewährung gewährt werden kann. Bisher war das aber nicht der Fall.

Im Gefängnis hat David, der aus einem jüdischen Elternhaus stammt, sich dem evangelisch-christlichen Glauben zugewandt und in seiner Beziehung zu Gott einen neuen Sinn für sein Leben gefunden. Er möchte nun andere Menschen ebenfalls zum Glauben bekehren und ihnen dabei helfen, durch Gott Heilung und Glück zu erfahren. Deshalb will er nicht mehr Son of Sam genannt werden, sondern Son of Hope, also Sohn der Hoffnung.

Im Gefängnis ist er zudem in der Seelsorge für andere Gefangene tätig. Und auch dafür dient seine Website. Sie ist ein Ort, auf dem er sein Gedankengut teilen kann. Er führt dort unter anderem ein Tagebuch aus der Haft, gibt Tipps für Teenager, die es gerade nicht so leicht haben, und überforderte Eltern, nennt Wege, die zum Glauben führen und hat auch eine extra Sparte mit Inhalten zum Thema Satanismus. Wer sich das näher anschauen möchte, wir verlinken euch die Seite in den Shownotes. Und kurze Randnotiz, er betreibt die Webseite nicht selbst, sondern mit externer Hilfe. Das klingt ja alles danach, als hätte sich David in der Haft ein komplett neues Leben aufgebaut. Ja, so als wäre er fast ein neuer Mensch geworden. Das zumindest kommuniziert er so in der Öffentlichkeit. Denn er schreibt unter anderem, Ich war in den Okkultismus verwickelt und wurde verbrannt. Ich wurde ein grausamer Mörder und habe mein Leben weggeworfen und das Leben anderer zerstört. Jetzt habe ich entdeckt, dass Christus meine Antwort und meine Hoffnung ist. Er hat die Ketten der geistigen Verwirrung und Depression gebrochen, die mich gefangen hielten. Heute habe ich mein Leben in seine Hände gelegt. Ich wünschte nur, ich hätte Jesus vor all diesen Verbrechen gekannt. Sie wären nicht geschehen.

Ob David das jetzt hier alles wirklich ernst meint, was er schreibt, das weiß letztendlich nur er selbst. Irgendwie ist das ja aber auch skurril. Oder was meint ihr? Da dreht jemand erst vollkommen in einem von irgendwelchen Dämonen befohlenen Tötungswand durch und zerstört damit das Leben so vieler Menschen, um dann aber im Gefängnis eine komplette Kehrtweine zu vollziehen. Das klingt ja alles ein bisschen, naja, nennen wir es mal kurios. Ich, um ehrlich zu sein, kaufe es ihm auch nicht zu 100 Prozent ab. Ich habe bei vielen Menschen schon gehört, was der Glauben bewirken kann. Da bin ich auch sehr gespannt, was ihr da draußen von haltet. Und wir haben ja schon gehört, dass er hier auch zwei Jahre lang, als er noch jung war, in der Therapie war, von der er allerdings gesagt hat, dass sie nichts gebracht hat.

Also, ich weiß nicht, so ein bisschen ähnelt der Fall ja auch dem von letzter Woche, dass eine ganze Stadt durch einen Mörder in Angst und Schrecken versetzt worden ist. Was hältst du davon? Also für mich ist das ehrlich gesagt einfach ein weirder Typ, der vielleicht sogar jetzt versucht im Gefängnis durch diese Kehrtwende, die ja, sagt man, eingeschlagen, also diesen Wandel, den er jetzt vollzogen hat, weiß ich nicht, ich will dem nichts unterstellen, aber es klingt fast so, als möchte er jetzt seinen Vorteil daraus ziehen. Wenn er sich wirklich verändert hat, super, toll. Und wir dürfen natürlich auch nicht vergessen, dass da sicherlich auch eine psychische Erkrankung eine Rolle spielt. Aber trotzdem ist das für mich...

Also unentschuldbar Menschen zu töten. Und ja, das finde ich schwierig. Und wir haben ja auch schon darüber gesprochen, dass er in seiner, ja, in seinem jungen Jahr eine Therapie gemacht hat. Da bin ich eh eine große Verfechterin und finde, dass viel, viel mehr Menschen, ja, da mal professionelle Gespräche oder professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen sollten, weil jeder hat irgendwelche Päckchen, ob groß, ob klein. Deswegen finde ich, dass das sowieso viel mehr Leute machen sollen und ich weiß es nicht, ob es ihm geholfen hätte, diese Therapiestunden in seinen jungen Jahren zu intensivieren, ob das dann eine Veränderung gebracht hätte in seinem Erwachsenenleben, ob alle Leute noch gelebt hätten, er sie nicht umgebracht hätte, weiß ich nicht, kann ich nicht beurteilen, aber es ist auf jeden Fall ein total verrückter Fall. Also ich kann mich erstmal sowieso nur dem anschließen, was du gesagt hast. Jeder sollte irgendwie eine Therapie machen.

Ich frage mich irgendwie noch, wie würde der Fall in Deutschland bewertet werden? Also wir haben ja gehört, er hatte eine verdammt schwierige Kindheit und das ist auch nicht von der Hand zu weisen. Ich glaube, in Deutschland wäre das nochmal mehr berücksichtigt worden. Die USA sind dann natürlich knallhart, also sechsmal 25 Jahre.

Da will ich selbst jetzt auch überhaupt gar nicht werten. Aber ich frage mich natürlich, wie hier dann der Unterschied noch gewesen wäre zu unserer Rechtsprechung im Endeffekt. Aber dass es ein ziemlich spannender Fall ist, kann man auch an dem Echo sehen, das Davids Geschichte in den Medien hinterlassen hat. Sein Fall wurde nämlich mehrfach verfilmt, bzw. Diente als Grundlage für Filme, auf die dann eine fiktive Handlung draufgebaut wurde. Summer of Sam beispielsweise, Copykill oder auch eine Folge aus der Serie Mindhunter. Und bestimmt kennen auch einige von euch die Dokumentation, die Netflix zu diesem Fall gedreht hat. In der Doku geht man unter anderem der Theorie nach, ob David möglicherweise nicht allein gehandelt hat, was nach offiziellen Informationen aber der Fall ist. Was uns direkt zu einem nächsten und letzten Punkt bringt. bevor wir diese Akte für heute schließen. In Anlehnung an diesen Fall wurde ein Gesetz ins Leben gerufen, das allgemein als das Son-of-Sam-Gesetz bekannt ist. Das soll verhindern, dass Straftäterinnen und Straftäter von den Biografien, Verfilmungen und anderen Produktionen über sie und ihre Taten finanziell profitieren können. Anlass dafür war, dass David nach seiner Festnahme die exklusiven Rechte an seiner Geschichte verkauft hat. Was bei so einer medialen Aufmerksamkeit ja mit ziemlich hohen Geldsummen verbunden sein muss.

Und damit schließen wir die schwarze Akte für heute und würden uns total freuen, wenn ihr eure Gedanken und eure Theorien mit uns teilt, nämlich unter dem wunderschönen neuen Design, das wir jetzt bei Instagram haben. Vielleicht habt ihr das schon gesehen. Da haben wir ein bisschen was verändert. Also kommt da gerne mal vorbei. Wir heißen Schwarze Akte. Und dann freuen wir uns, wenn ihr nächste Woche Dienstag auf allen Streaming-Plattformen wieder mit dabei seid, wenn wir eine Schwarze Akte für euch öffnen. Wir sind eure Hosts. Anne Luckmann. Und Patrick Strobusch. Redaktion Silber Harnekamp und wir. Schnitt Anne Luckmann. Mit der Stimme von Pia Rona Sachse. Ausführender Produzent Falko Schulte. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios.

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