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Die Uhr an der Wand zeigt kurz nach 21 Uhr an, als sein Mann die Bar betritt. Er trägt ein altes Flanellhemd, lockere Jeans und ein schmutziges Cap. Nur eine Sache ist irgendwie anders als sonst. Seine Haare sind nass. So als hätte er gerade frisch geduscht. Eigentlich ist Kuki eher ein ungepflegter Zeitgenosse. Bekannte beschreiben ihn als schmutzigen Alkoholiker, dessen Atem schlecht riecht. Cookie ist außerdem dafür bekannt, ziemlich viel Blödsinn zu reden und mit seinen krummen Geschäften anzugeben. Es ist ein Abend im Mai 1992. Cookie setzt sich zu ein paar Leuten an den Tresen, bestellt sich ein Bier und fängt an, schnell und wirr zu reden. Er erzählt von einer Frau, einer schönen, gebildeten Lehrerin. Er und sie seien ineinander verliebt. und dann ist da noch diese andere Frau aus Huntsville, eine reiche Dame. Cookie erzählt seinen Zuhörern, dass er in ihr Haus eingebrochen sei, dort aber von ihrem Mann überrascht wurde. Er musste dem Mann eins überziehen, um ihn für immer zum Schweigen zu bringen. Die anderen Barbesucher tun sein Geschwafel als blödes Gequatsche ab. Das kennen sie ja schon von ihm. Die Gespräche gehen anschließend in andere Richtungen und das B-Glas leert sich. Gegen 21.45 Uhr hört man Sirenen in der Ferne aufheulen. Zehn Minuten später verlässt Cookie die Bar.
Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge der schwarzen Akte. Ich bin Anne und ihr werdet gleich eine neue Stimme hören, nämlich die von Patrick. Hi. Hello. Du bist ganz neu und fresh dabei in der schwarzen Akte. Fresh, das sage ich eigentlich gar nicht. Ich bin so aufgeregt. Ich freue mich so, dass du hier bist. Da merkt man vielleicht schon meinen Einfluss. Ja.
Denn es gibt nicht nur eine neue Stimme zu hören. Es gibt noch ein paar andere Änderungen und deswegen hört euch doch mal die kleine Bonus-Folge an, die heute online gegangen ist. Die findet ihr in eurer Abo-Box oder hier auch nochmal in den Shownotes verlinkt. Und nur, falls ihr das nicht anhören möchtet, eine ganz wichtige News vorab, die schwarze Akte ist zurück. Ihr hört sie wieder jeden Dienstag, egal auf welcher Podcast-Plattform. Und darüber freuen nicht nur wir uns. Ich glaube, darüber freut ihr euch auch, dass wir hier jeden Dienstag wieder eine schwarze Akte mit euch öffnen. Aber Patrick, vielleicht auch mal ein bisschen was dir, damit die Leute dich hier kennenlernen. Wer bist denn du und wie bist du jetzt zur schwarzen Akte gekommen? Okay, pass auf. Zur schwarzen Akte gekommen bin ich im Endeffekt ja über dich. Wir kennen uns ja über zwei Ecken so ein bisschen. Und einfach, ich glaube, weil ich selbst, ich würde sogar sagen Podcast-Suchti bin. Ja, von True Crime bis allgemein Unterhaltung und News höre ich wirklich irgendwie alles. Oh, welchen True Crime Podcast? Überleg dir, was du sagst. Ja, sehr gut. Ich muss sagen, ich bin damals eingestiegen in das ganze Thema Podcast tatsächlich mit Zeitverbrechen. Ah ja, sehr gut. Und dann irgendwie Stück für Stück ist das weniger geworden. Ich höre das immer noch sehr oft mit meiner Freundin, weil das auf jeden Fall auch das ist, wo wir uns am ehesten drauf einigen können.
Aber ansonsten, wie gesagt, News ist alles dabei, Unterhaltung, Baywatch Berlin. Oh, sehr gut. Damit hattest du mein Podcast-Herz sofort. Das freut mich. Ja, ich freue mich auf jeden Fall riesig Teil des Teams sein zu dürfen und genauso gespannt bin ich auch auf den heutigen Fall. Worum geht es denn da überhaupt heute, Anne? Genau, der heutige Fall führt uns nämlich nach Huntsville, das ist in Alabama im Osten der USA. Und dieser Fall heute wird einen ganz anderen Verlauf nehmen, als ihr vielleicht am Anfang noch denken werdet. Aber starten wir erstmal in Huntsville und zwar mit dem Leben zweier junger Frauen, das sehr ähnlich verläuft, obwohl sie so grundverschieden sind. Beide heiraten ihre Highschool-Lieben und bekommen Kinder und beide lassen sich aber relativ schnell wieder von ihren Ehemännern scheiden.
Eine dieser Frauen heißt Peggy. Peggy ist Mutter zweier Kinder und nach ihrer Scheidung heiratet sie einen Mann namens Wayne, einen Chorleiter und Lehrer. Gemeinsam bekommen sie eine weitere Tochter und ziehen nach Vincent, das ist eine Kleinstadt in Alabama. Peggy möchte dort als Lehrerin arbeiten und holt dafür extra ihren College-Abschluss nach. Peggy wird von allen geliebt, ihren Kollegen, Schülern und den Menschen aus der Kirchengemeinde, in der sie im Chor singt. Peggy hilft, wo sie nur kann. Ihr ist es wichtig, dass es den Menschen besser geht, die dringend Unterstützung brauchen. Sie versorgt die Bedürftigen mit Essen, Kleidung und Schlafplätzen. Peggy und ihr Mann arbeiten hart, denn vom ersparten Geld bauen sie ein schönes Haus auf der Klippe über dem Logan-Martin-Lake. Die andere Frau, Betty, ist ganz anders als Peggy. Betty bekommt drei Söhne, merkt aber mit der Zeit, dass das mütterliche Hausfrauending nichts für sie ist. Sie verlässt ihre Familie mit 24. Da ist ihr jüngstes Kind kein Jahr alt und zieht von der Provinz in die große Stadt Huntsville. Sie will etwas erleben, sich austoben und mitten rein ins Getümmel. Huntsville ist wie ein großer Spielplatz für sie. Hier blüht sie auf. Ja, und Betty zieht in eines der angesagtesten Gebäudekomplexe der Stadt. Hier kennt jeder jeden und alle feiern zusammen bis spät in die Nacht. Die dunkle Seite von Hans Will, die ist reizvoll und zieht auch Betty in ihren Bann.
Im Buch Killer for Hire, da schreibt die Autorin Barbara Lansford, dass Betty viel Alkohol trinke, Drogen nehme und sich mit verschiedenen Männern vergnüge. Betty schlägt sich zu Beginn mit verschiedenen Jobs durch. Unter anderem arbeitet sie in einem Fitnessstudio.
Dort erzählt ihr ein Mitglied, dass ein neues Krankenhaus, das Humana Hospital, eröffnet werden soll. Da könnte Betty sich doch mal bewerben, um endlich von diesen blöden Gelegenheitsjobs wegzukommen. Und das Ganze mit Erfolg. Zunächst fängt sie dort als Sekretärin an und liebt es, dort zu arbeiten. Denn erst mit dem Kontakt zu Patienten merkt sie, was ihre wahre Leidenschaft ist. Sie möchte nämlich Krankenpflegerin werden, mit Spezialgebiet der Nierendialyse. Ein Wink des Schicksals, denn mit 31 Jahren lernt sie einen wohlhabenden Arzt kennen, Dr. Jack. Jack ist 39 Jahre alt, Augenspezialist und nimmt sich immer Zeit für einen Plausch. Auch wenn er eigentlich viel zu tun hat. Jack war zuvor auch schon mal verheiratet, genauso wie Betty und hat drei Kinder mit seiner Ex-Frau. Betty erzählt rückblickend, dass es unmöglich war, keine Notiz von Jack zu nehmen. Er ist einer der freundlichsten Menschen, die sie kennt. Er ist nicht besonders groß, aber seine Persönlichkeit dafür umso mehr. Menschen, die mit Jack zu tun haben, mögen und schätzen ihn sehr. Er hat ein gutes Herz, denn er lehnt beispielsweise keine Patienten ab, auch wenn sie sich die Behandlung nicht leisten können. Und irgendwann benötigt eine von Jacks Patienten Bettys Hilfe, denn sie muss eine Notfall-Nieren-Dialyse durchführen.
Dr. Jack ist ziemlich beeindruckt von dieser Frau, denn sie ist nicht nur clever, sondern auch sehr hübsch. Sie gefällt ihm. Also erkundigt Jack sich nur wenige Tage später bei Bettys Vorgesetzten, ob sie dann wohl vergeben sei. Das erste Date verbringen die beiden bei einem Basketballspiel. Schon beim zweiten Date eröffnet Jack ihr, dass wenn sie den Rest ihres Lebens miteinander verbringen wollen, er ja genauso gut gleich bei ihr einziehen könnte. Schnelles Tempo, könnte man meinen, aber Betty ist da längst hin und weg und würde alles für ihn tun. Das Liebesglück der beiden ist perfekt. Dr. Jack wird als guter Fang beschrieben und verdient sehr viel Geld. Um die eine Million Dollar im Jahr. Doch die beiden werden bald schon wieder getrennt. Denn Betty zieht für einen neuen Job nach Atlanta. Eine gute Flugstunde von Hans will entfernt. Dort soll sie beim Aufbau einer Dialyse-Klinik helfen. Die beiden führen also eine Fernbeziehung und besuchen sich so oft wie möglich. Und trotzdem vermissen sie sich sehr.
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Im Jahr 1978, da sind die beiden 33 und 41 Jahre alt, ändert sich ihr Leben schlagartig. Jack erleidet an Morbus Crohn und muss operiert werden. Morbus Crohn ist eine chronische Erkrankung, die zu Entzündungen im Verdauungstrakt führt. In Jacks Fall ist ein Teil des Darms betroffen, der entfernt werden muss. Das bedeutet, dass er für den Rest seines Lebens einen Cholostomiebeutel tragen muss. Ja, für Betty ist klar, dass sie jetzt nach Huntsville zurückkehren muss und kündigt daher ihren Job in Atlanta. Jack und sie ziehen in eine wunderschöne Wohngegend, in ein dreistöckiges Herrenhaus am Boulder Circle und hier wohnen sehr viele Ärztefamilien. Kurz nach der OP heiraten die beiden und besiegeln ihre Liebe, bis dass der Tod sie scheidet. Dass dieses Versprechen noch eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielen wird, das ahnen die beiden noch nicht.
Jacks Job ermöglicht den beiden Frischvermehlten ein Leben in Luxus. Sie gehören zur gesellschaftlichen High Society von Huntsville und Jack überhäuft seine Frau mit teurer Kleidung, Schmuck und Autos. Ein Lifestyle, von dem Betty schon als Kind heimlich geträumt hat. Denn ihre Kindheit war leider geprägt durch die Aggressivität ihres Vaters. Es scheint so, als könnte sie ihre schlimme Kindheit endlich hinter sich lassen und ein traumhaftes Leben als erwachsene Frau mit einem angesehenen Mann und einem wunderschönen Zuhause genießen. Ein Leben in Luxus und Frieden. Doch das traumhafte, friedliche Leben wird sich bald in einen Albtraum verwandeln. Manchmal reicht es den Menschen nicht, alles zu haben. Sie werden gierig und wollen mehr. Der Kolostomiebeutel ist nicht die einzige Folge seiner Operation.
Jack wird durch die OP impotent und das verändert ihre Beziehung. Statt Zeit mit seiner Frau verbringt er zunehmend mehr Zeit mit seinen Patienten. Betty hingegen ist dem Alkohol mehr und mehr zugetan. Sie trinkt sehr viel und oft. Als Ärztegattin, selbst arbeiten tut sie ja inzwischen nicht mehr, da ist die Versuchung auch relativ groß. Eine Bloody Mary beim Brunch, ein Cocktail beim Dinner. Sie fühlt sich meist unwohl in dieser Gesellschaft und der Alkohol hilft ihr, sich zu entspannen. Betty ist frustriert, denn sie vermisst die Intimstunden mit ihrem Ehemann. Ihren Frust lässt sie an ihm aus, denn sie ist ihm gegenüber oft gereizt und schreit ihn in der Öffentlichkeit an und ist gemein zu ihm. Als Betty 41 Jahre alt ist, erleidet sie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung und ihr Arzt sagt ihr die Ursache dafür direkt ans Gesicht. Sie ist eine Alkoholikerin. Ein echter Tiefpunkt in ihrem Leben. Dass sie später noch tiefer sinken wird, weiß sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Betty schafft es, für zwei Monate trocken zu bleiben, wird dann aber auf einer Cocktailparty rückfällig. Sie übersteht diesen Abend einfach nicht ohne Alkohol. So unwohl fühlt sie sich. Betty trinkt seit diesem Abend die nächsten zwei Jahre so viel wie nie zuvor. Und sie vergnügt sich mit anderen Männern. Und zwar mit Genehmigung ihres Ehemanns. In ihrem Zuhause und in ihrem Bett. Sie führt ein hemmungsloses Sexleben und nimmt immer wieder Drogen. Dieses Verhalten spricht sich schnell in den feinen Kreisen herum und das schickt sich nicht in der High Society von Huntsville.
Ihre vermeintlichen Freunde wenden sich von ihr ab und Betty fühlt sich ausgeschlossen und ertränkt dieses Gefühl in noch mehr Alkohol. Aus Liebe und Anraten von Jack besucht sie ein Treffen der anonymen Alkoholiker und schafft es tatsächlich, die Finger vom Alkohol zu lassen. Was sie nicht schafft, ist die Finger von anderen Männern zu lassen. Sogar bei den AA-Treffen schaut sie sich um und flirtet mit anderen Teilnehmern. Betty hat unter anderem ein intimes Verhältnis mit einem schwarzen Mann, was sie Ende der 80er Jahre zum Mittelpunkt von Klatsch und Tratsch der Gesellschaft macht. Denn für eine weiße Frau gehört sich das nicht zu dieser Zeit. So sehen es zumindest die feinen Damen. Sie glauben, dass Betty ihren Mann gar nicht mehr liebt und sich von ihm scheiden lassen sollte. Aber das ist keine Option für sie. Eine Scheidung hätte ihren luxuriösen Lebensstil zerstört.
Gegenüber einer Kollegin soll Betty einmal gesagt haben, dass sie sich manchmal wünsche, jemand würde ihren Ehemann umbringen, sodass sie an seinen Erbe herankommt. Was sie aber auf die schockierte Reaktion ihrer Kollegin als schlechten Scherz abtut. Die andere junge Frau, Peggy, führt parallel ein bürgerliches Leben in der Kleinstadt. Sie liebt es, anderen Menschen zu helfen und bekommt im August 1991 eine besondere Gelegenheit dazu. Da ist Peggy 46 Jahre alt und arbeitet an der Vincent-Grundschule. Und dort lernt sie einen Mann namens Kuki kennen. Kuki hilft als Zimmermann an der Vincent-Grundschule aus und baut Regale in den Klassenräumen an. Er sieht schäbig aus, hat einen verfilzten Bart und den Mund voller fauler Zähne.
Er ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen und nicht besonders gebildet. So beschreibt es zumindest Barbara Lansford in ihrem Buch. Peggy und er kommen ins Gespräch. Er erzählt ihr aus seinem Leben, von seiner schrecklichen Kindheit und der Zeit in Vietnam. Kuki wurde dort nämlich unehrenhaft aus dem Kriegsdienst entlassen, hat mehrere gescheiterte Ehen hinter sich und finanzielle Probleme. Mit sehr traurigem Gesichtsausdruck erzählt er von seinen Kindern und wie schwierig das ist, gut für sie alle zu sorgen. Ein Paradebeispiel für die hilfsbereite und empathische Peggy, die dem Mann unbedingt helfen möchte. Cookie ist sehr angetan von dieser Frau, fragt sie immer wieder nach Jobs und bittet sie um Geld.
Er ruft sie immer öfter und länger zu Hause an. Die Anrufe dauern zwischen 30 Minuten und weiten sich zu zwei Stunden Gesprächen aus. Ihre Hilfsbereitschaft fängt an zu bröckeln, aber es entspricht nicht ihrer Natur, Cookie zu sagen, dass er aufhören soll, sie anzurufen. Im nächsten Jahr, im Mai 1992, ruft er wieder bei Peggy zu Hause an, total betrunken. Er sagt am Telefon, dass seine Kinder eigentlich zu ihm kommen sollten, aber seine Ex-Frau das nicht zulässt. Er trinke nämlich zu viel. Er habe eine Waffe bei sich und würde sie gegen sich selbst richten. Peggy redet ihm gut zu und sagt ihm, dass sie ihm zwar nicht noch mehr Geld leihen kann, sie aber eine wohlhabende Schwester habe, die Hilfe bei Handwerksarbeiten im Haus gebrauchen kann. Peggy ruft daraufhin ihre Schwester direkt an und bittet sie, einem alkoholabhängigen Handwerker Arbeit zu geben, weil sie ihm unbedingt helfen möchte, was sich noch als großer Fehler herausstellen wird. Wir gehen jetzt aber zurück zu Betty, nach Hansville. Zum 22. Mai 1992. Der Abend, der alles verändern wird. Betty und Jack planen einen gemeinsamen Urlaub in Santa Fe, New Mexico, um sich wieder ein bisschen mehr anzunähern. In zwei Tagen soll es losgehen und Betty nutzt diesen Freitag noch dazu, um letzte Besorgung für den anstehenden Urlaub zu machen. Gegen 13.50 Uhr beginnt die Shopping-Tour und um 17.30 Uhr fährt sie zu einem Treffen der anonymen Alkoholiker.
Sie kommt erst spät nach Hause, nach Einbruch der Dunkelheit, gegen 21.30 Uhr. Betty fährt die Einfahrt hoch und ahnt dann noch nichts von dem, was sie im Haus erwartet, dass ihr Leben auf den Kopf stellen und alles verändern wird. Sie betritt das Haus und ruft mehrmals nach Jack, bekommt aber keine Antwort. Müsste er nicht zu Hause sein? Betty geht langsam die Treppe nach oben, Stufe für Stufe und kann es schon sehen. Blut. Ihr Blick wandert den Flur entlang und da am Ende des Flurs vor der Schlafzimmertür liegt der leblose Körper ihres Mannes in einer Blutlache. Die Szene ist noch gar nicht richtig in ihrem Kopf angekommen. Da schreit Betty schon laut los und stürzt die Treppe wieder runter. Zum Telefon der Nachbarn, weil sie Angst hat, dass noch jemand im Haus ist und auch sie überfallen könnte. Sie wählt den Notruf und weil diese Aufzeichnung veröffentlicht wurde, können wir euch den genauen Gesprächsverlauf wiedergeben. Die Polizei sagt hier, ganz ruhig, ich weiß, dass Sie aufgebracht sind. Erzählen Sie mir, was passiert ist, okay? Und Betty sagt, okay. Hier ist die Polizeistation. Sprechen Sie mit mir. Waren Sie im Haus oder sind Sie hineingegangen? Ich bin hineingegangen. Okay, Sie sind also nach Hause gekommen und hineingegangen. Und dann sahen Sie eine Person auf dem Boden liegen. Wer ist diese Person? Und Betty antwortet schluchzend, mein Ehemann. Wissen Sie, ob die Person, die ihn verletzt hat, noch im Haus ist? Ich weiß es nicht. Ich habe Angst.
Nur wenige Minuten später ist die Polizei auch schon vor Ort, kann aber leider nur noch Jacks Tod feststellen. Der Gerichtsmediziner berichtet von einer gebrochenen Schädeldecke, einer gebrochenen rechten Schulter und gebrochenen Armen. Im ersten Moment scheint alles auf einen missglückten Einbruch hinzudeuten, denn Jack habe diesen Einbrecher wohl überrascht, der ihn und Betty ausrauben wollte. Die Polizei schaut sich den Tatort jetzt also genauer an. Die Telefonkabel im Schlafzimmer sind durchgeschnitten worden. Auf dem Bett liegt eine grüne Skimaske, ein leerer Waffenkoffer geöffnet daneben. Jacks Portemonnaie finden sie direkt neben seinen Schuhen. Ohne Bargeld, aber noch mit allen Karten drin. Die Tatwaffe scheint auch schnell gefunden zu sein. Ein Baseballschläger, an dem noch Blut klebt. Es scheint aber nichts weiter gestohlen worden zu sein. Auch wurde nichts durchwühlt. Es gibt keinerlei Chaos im Haus. Daher ändern die Beamten ihre erste Annahme. Sie glauben doch nicht an einen missglückten Raubüberfall. Es gibt eine neue Theorie. Doch dazu kommen wir gleich.
Betty ist nach dem Fund der Leiche ihres Mannes zu verstört, um befragt zu werden. Sie schluckt große Mengen an Valium, um das alles zu überstehen. Nachbarn werden befragt, ob sie vielleicht irgendetwas Verdächtiges gesehen haben. Fehlanzeige. Sie können den Beamten nur berichten, dass niemand etwas gegen Jack gehabt habe, der ihm etwas so Schreckliches antun würde. All seine Patienten mochten ihn und er war generell sehr beliebt. Als Betty dann in der Lage ist, befragt zu werden, da erzählt sie der Polizei, dass Jack und sie noch am Tag des Mordes zusammen Mittag gegessen haben. Danach ist Jack ins Büro gefahren und Betty hat Besorgung gemacht und war ja wie gesagt beim Treffen der anonymen Alkoholiker. Es gibt Shopping-Belege und auch Zeugen vom Treffen der AA und die können bestätigen, dass das auch stimmt, was sie erzählt hat. Betty berichtet außerdem von einer sehr harmonischen Ehe, die sie und Jack geführt hätten. Die Beamten haben aber Glück, denn es meldet sich eine Zeugin bei ihnen. Eine alkoholkranke Frau aus Vincent. Sie ruft beim Sheriffbüro an und erzählt den Beamten, dass sie ein Gespräch mitgehört habe. Jemand will einen wohlhabenden Arzt aus Huntsville umgebracht haben. Sie erzählt der Polizei aber nicht nur das, nein, sie hat doch einen Namen. Nämlich ein gewisser James hat mit dieser Tat geprahlt. Ihr kennt den Mann vielleicht unter einem anderen Namen. Und zwar unter dem Namen Kuki.
Cookie, der übel riechende Handwerker, der in Peggy verliebt ist und gern ihre Hilfe in Anspruch nimmt. Wir werden ihn ab jetzt bei seinem richtigen Namen, James, nennen. Die Polizei nimmt den Hinweis der Anruferin sehr ernst und macht sich auf den Weg nach Vincent, Alabama. Sie wollen dem 42-jährigen James einen Besuch abstatten und durchleuchten seine Vergangenheit. Vietnamkrieg, Drogen- und Alkoholsucht, Autodiebstahl, Gefängnis- und Klinikaufenthalte, ein Gefängnisausbruch, die Flucht nach Arkansas, Kidnapping eines Mannes und seiner Ehefrau. Die Liste seiner kriminellen Vergangenheit ist lang. Die Polizei trifft James auf seinem Grundstück an, in seinem Wohnmobil, und befragt ihn. Er erzählt den Beamten erst ein paar Halbwahrheiten und verweigert dann weitere Aussagen.
Nach insgesamt zehn Stunden Befragung gibt er zu, am Abend des Mordes im Haus von Betty und Jack gewesen zu sein. Was für ein rasanter Ermittlungserfolg. James wird verhaftet und erzählt anschließend verschiedene Versionen über den Ablauf der Tatnacht. Er bringt auch noch einen neuen Namen ins Spiel. Peggy. Ja Moment, fragt ihr euch, was hat denn jetzt Peggy mit dem Mordopfer zu tun? Das ist die große Frage, die sich alle stellen. Die Beamten untersuchen also, was Peggy mit Jack zu tun gehabt haben könnte. Und sie finden tatsächlich eine erschreckende Gemeinsamkeit. Aber nicht mit Jack. Peggy ist nämlich am selben Tag geboren worden wie Jacks Ehefrau Betty. Am 14. Juli 1945.
Und damit wird relativ schnell klar, Peggy und Betty sind Zwillingsschwestern. Was wirft das für ein neues Licht auf die Ermittlungen? Was hat diese Verbindung zu bedeuten? James' Wohnwagen wird nochmal genau unter die Lupe genommen. Die Beamten finden dort Schuhe mit Blutspritzern drauf. Eine Analyse des Bluts ergibt, dass es tatsächlich mit dem von Dr. Jack übereinstimmt. Außerdem finden sie eine Waffe, die auf niemand geringeren als auf Betty registriert ist. Und noch dazu finden sie ein Buch aus der Huntsville Public Library, zuletzt ausgeliehen von Betty. Das lässt Betty in keinem guten Licht dastehen. Aber wie passt ihre liebe und fürsorgliche Zwillingsschwester Peggy ins Bild? Die beiden Frauen werden am 27. Mai 1992 und damit fünf Tage nach dem Mord verhaftet und befragt. Betty und Peggy werden in getrennten Zellen untergebracht und beide weinen die ganze Nacht. Peggy kommt relativ schnell auf Kaution frei, aber bei Betty ist die Gefahr der Flucht aufgrund ihres Wohlstands zu groß. Sie muss in Urhaft bleiben.
Betty darf nur Kontakt zu ihren Anwälten und auch nur zur unmittelbaren Familie haben. Letztere darf sie nur ein paar Minuten mal am Sonntag sehen. Aber was wird ihnen konkret vorgeworfen? Dazu wird James nochmal befragt. Und was er zu berichten hat, hat es wirklich in sich. Peggy soll ihn, James, alias Cookie, davon überzeugt haben, den Ehemann ihrer Zwillingsschwester Betty zu töten, damit diese an das Erbe kommt. James selbst soll für den Auftragsmord 5000 Dollar bekommen haben. Die Hälfte zuvor als Anzahlung, die andere Hälfte, sobald der Auftrag ausgeführt ist. Das ist wirklich ein harter Vorwurf. Anlass genug, um sich die Vergangenheit der Zwillinge mal genauer anzuschauen. Peggy und Betty werden als zweieige Zwillinge in East Gadsden, einer verschlafenen Kleinstadt in Alabama, geboren. Sie wachsen in ärmlichen und schwierigen Familienverhältnissen auf.
Ihr Vater ist ein bekannter und gefürchteter Polizist und laut Barbara Lansford kann er an seinem Beruf tun und lassen, was er will. Auch Korruption wird ihm laut ihrer Ansicht vorgeworfen und niemand kann irgendwas dagegen tun. Er liebt die Macht, die er auf andere Menschen ausüben kann. Und dieses Gefühl der Macht, das lebt er auch zu Hause aus und lässt es sogar seine Töchter spüren. Sie bekommen die volle Bandbreite seines Sadismus ab. Wenn er nach der Arbeit noch in eine Bar geht und dann sturzbetrunken nach Hause kommt, dann ist es auch schon mal vorgekommen, dass er seine Töchter mitten in der Nacht weckt und anbrüllt. Betty bekommt seine Machtdemonstration viel stärker zu spüren als ihre Zwillingsschwester Peggy. Die Schwestern versuchen sich gegenseitig zu beschützen, sind füreinander da und verbringen viel Zeit draußen im Wald, um der Gewalt zu Hause zu entfliehen. Sie flüchten sich häufiger in ihre eigene Fantasiewelt. Dort fühlen sie sich sicher und stellen sich eine Zukunft nach ihren eigenen Wünschen vor. Zwillinge haben oft eine besondere und einzigartige Verbindung, aber Peggy und Betty haben ein wirklich außergewöhnlich starkes Band des Zusammenhalts. Entstanden durch das gemeinsame Leid, das sie zu Hause erfahren haben. Ihre Mutter versucht alles, um sich bestmöglichst um ihre Kinder zu kümmern.
Betty erzählt später im Old Huntsville Magazine, dass es ihnen dadurch nie an Liebe gemangelt hat. Betty und Peggy lieben ihre Mutter wirklich sehr und sie himmeln sie regelrecht an. Die Schwestern wachsen zu schönen Teenagerinnen heran, aber ein Zwilling ist beliebter als der andere, nämlich Peggy. Sie ist die brave, süße, ehrgeizige Schülerin und wird später auch zur Homecoming-Queen gekürt.
Betty hingegen ist die wilde Schwester, die Rebellin mit einem eher zweifelhaften Ruf. Betty denkt oft, dass sie das hässliche Entlein wäre und ihre Schwester Peggy der schöne Schwan. Sie möchte gerne so sein wie Peggy, aber sie kann es nicht. Obwohl sich die Schwestern in gegensätzliche Richtungen entwickeln, ist ihre Verbindung zueinander noch genauso stark wie schon in ihrer Kindheit. Die ersten Jahre ihres Erwachsenenlebens haben wir uns ja schon angeschaut. Frühe Hochzeit, Kinder, Scheidung. Peggy zieht in die Provinz und wird Lehrerin. Betty zieht in die Großstadt und arbeitet als Krankenpflegerin. Wo sie Jack kennenlernt, der ein paar Jahre später tot vor ihrer Schlafzimmertür liegt. Und damit wären wir wieder auf dem Polizeirevier, im Hier und Jetzt. Betty wird auf dem Revier gefragt, ob sie James kennen würde, was sie verneint. Werbung Werbung Ende Erst später gibt sie zu, ihn doch zu kennen.
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Natürlich bleibt auch den Medien von der ganzen Geschichte nichts verborgen. Ein bekannter Arzt der Stadt, der ermordet aufgefunden wird, und eine Dame aus der High Society, noch dazu seine Ehefrau und dessen Zwillingsschwester, die in den Mord verwickelt sein sollen. Das sorgt für jede Menge Gesprächsstoff in und um Hunsville. Bettys Freunde wenden sich nach und nach von ihr ab. Das verletzt sie am meisten. Erst schicken sie ihr noch nahezu täglich Postkarten, aber nach ein paar Wochen bleiben diese aus. Eine ehemalige Freundin sagt ihr, dass die Medien nicht so viel über Betty schreiben würden, wenn da an der Geschichte nicht doch etwas dran wäre. Es gibt sogar eine Zeitung, die eine Umfrage gemacht hat. Und bei der kam heraus, dass 85% der Menschen in Madison County glauben, dass Betty schuldig ist. Betty bestreitet alle Vorwürfe, ebenso wie ihre Schwester Peggy. Schauen wir uns daher mal James genauer an und was laut ihm in den Tagen zuvor und am Tatabend selbst passiert ist. James wurde 1951 geboren und stammt aus Memphis, Tennessee.
Er soll schon im Alter von sieben Jahren Alkohol getrunken haben und in der achten Klasse von der Schule geflogen sein. hat sich dann mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten und ist mit 17 Jahren in die Armee eingetreten. Dort war er erst in Deutschland und später im Vietnam stationiert. Übrigens hat er auch in Deutschland seinen Spitznamen Cookie bekommen, und zwar abgeleitet vom englischen Wort Cookie, weil er schon immer gerne in der Küche stand. Nach seiner Zeit bei der Armee heiratet James insgesamt viermal, lässt sich genauso oft scheiden und bekommt fünf Kinder mit seinen Frauen. Die Ehen scheitern meist an Alkohol- und Drogenproblemen. James fällt es manchmal schwer, Realität und Fantasie voneinander zu unterscheiden, was dem hohen Konsum geschuldet ist. Während seiner Dienstzeit in Vietnam soll er einmal die Waffe auf einen Kameraden gerichtet haben und einen anderen versucht haben, mit der Gabel zu erstechen. An beides kann er sich nicht mehr erinnern. 1987 bekommt er eine antisoziale Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Da ist James 36 Jahre alt.
Diese Diagnose gibt Aufschluss über sein gewalttätiges und zwanghaft kriminelles Verhalten. Wir erinnern uns, was er alles auf dem Kerbholz hat. Autodiebstahl, Gefängnisausbruch, Kidnapping.
Vier Jahre später, im Sommer 91. Da beginnt James, kleinere Reparaturen an Peggys Grundschule vorzunehmen. Laut Aussagen von James entwickelt sich erst eine Freundschaft mit Peggy, aus der dann später aber mehr wird. Sie hätte ihm erzählt, dass sie und ihr Mann Wayne getrennte Schlafzimmer hätten und es keine Intimität mehr zwischen den beiden gäbe. Sie sei unglücklich, könne ihren Mann aber aus religiösen Gründen nicht verlassen. Peggy hätte James am Telefon ihrer Liebe gestanden. Er genießt ihre Zuneigung. Sie ist die Frau, von der er immer geträumt hat. Peggy habe ihm dann von einer Freundin erzählt, die ihren Mann loswerden möchte. Wie er später herausgefunden hat, handelt es sich dabei um ihre Zwillingsschwester Betty. Peggy hätte ihn ab April 1992 zunehmend gedrängt, ihr dabei zu helfen, diesen einen Mann in Huntsville loszuwerden. Das war also ungefähr einen Monat vor dem Mord, als Peggy ihn immer weiter gedrängt hat. James gibt irgendwann nach und erzählt Peggy, dass er tatsächlich jemanden kennen würde, der diesen Job erledigen kann. Er verschweigt ihr allerdings, dass dieser jemand er selbst ist. Er verlangt 20.000 Dollar, aber sie einigen sich auf 5.000 Dollar. Die Hälfte bekommt James im Voraus. Damit bezahlt er die ausstehende Wasser-, Kabel- und Telefonrechnung.
Laut James' Aussagen lernt er Betty dann am 16. Mai kennen, also sechs Tage vor dem Mord. Er hat die zwei Stunden Fahrt auf sich genommen, um sie bei einem Treffen der anonymen Alkoholiker in der Guntersville Lodge im State Park zu treffen. James will sich Geld von ihr leihen für eine Übernachtung in der Stadt, um sich auf den Auftrag vorzubereiten. Betty hätte ihm gesagt, dass sie 200 Dollar in einem Buch versteckt hat, das sie in ihrem schwarzen BMW hinterlässt. James solle einfach zum Auto gehen und sich das Geld holen. Der Wachmann der Lodge hält ihn allerdings zurück und lässt ihn nicht aufs Grundstück. Nach einigen Anrufen wird James dann aber doch bis zum Auto vorgelassen, schnappt sich das Buch samt Bargeld. Betty hingegen beteuert, dass sie ihm das Geld nicht hinterlassen hat, damit er den Tod ihres Mannes vor Ort planen kann, sondern weil sie ihm helfen wollte. Sie hätte ihn zum Treffen der anonymen Alkoholiker eingeladen. Das Geld war ihrer Aussage nach also für eine Übernachtung in der Lodge, um sein Alkoholproblem in den Griff zu kriegen. Und Betty verrät noch etwas. Sie kennt James nämlich schon länger, als der zugibt. Das Old Huntsville Magazine druckt ein Statement von Betty ab. Hier schreibt sie, dass sie James bei einer Schulaufführung ihrer Nichten kennengelernt hat. An der Schule, an der ihre Schwester Peggy arbeitet. Durch Peggy habe sie auch erfahren, dass der Mann Alkoholprobleme hat und handwerklich begabt ist.
Da sie noch jemanden für Arbeiten in ihrer Küche sucht, habe sie ihn angesprochen. Aber sie wolle ihn erst besser kennenlernen, bevor sie ihn in ihr heiliges Reich lässt. So kommt es laut Betty dazu, dass sie ihn zum Treffen der anonymen Alkoholiker einlädt.
Zurück zu dem Buch und dem Geld, das James abgeholt hat. Einen Teil des Geldes nutzt er, um Benzin, Zigaretten, Bier und Koffeintabletten an der Tanke zu kaufen.
Anschließend schluckt er fünf, zehn Tabletten, spült sie mit Bier herunter und macht sich auf den Weg nach Huntsville, zum Haus von Betty und Jack. Er will sich die Gegebenheiten vor Ort anschauen. Aber Bettys Sohn ist zu Hause. James kehrt also um und fährt wieder zurück nach Vincent, zu seinem Wohnwagen.
Es wird also ein neuer Termin festgelegt. James ist nervös, denn er weiß noch nicht, welche Waffe er für den Auftrag verwenden soll. Der Druck auf ihn wird immer größer, denn er hat das Gefühl, er müsse sich irgendwie beweisen, um die Gunst und Zuneigung von Peggy aufrechterhalten zu können. Sie erzählt ihm immer wieder, wie unglücklich ihre Schwester sei und dass sie es nicht mehr mit Jack aushalte. Es muss unbedingt noch vor dem gemeinsamen Urlaub nach New Mexico passieren. Am 20. Mai, zwei Tage vor dem Mord, ruft Peggy ihn am späten Nachmittag an. Sie habe ein passendes Werkzeug für ihn, das solle er sich abholen. Sie treffen sich auf einem abgelegenen Parkplatz. Peggy übergibt ihm die Waffe, eingewickelt in einen weißen Pullover. James soll Dr. Jack damit in seinem Büro umbringen. Am 21. Mai, einen Tag vor dem Mord, fährt James mitten in der Nacht nach Huntsville. Er legt sich in der Nähe des Büros auf die Lauer. Währenddessen überlegt er sich, den Arzt nicht zu erschießen. Ein Schuss wäre hier in der Gegend zu laut und damit zu auffällig.
Vielleicht sollte er ihn erwürgen. Aber dazu wird es nicht kommen, denn Jack erscheint an diesem Morgen nicht im Büro. Gegen 9 Uhr ruft James Peggy an und berichtet, dass er den Job nicht erledigen konnte. Er muss noch eine weitere Nacht in Hansville bleiben und braucht dafür Geld. Peggy gibt also ihrer Schwester Bescheid. Betty und James treffen sich mittags in einem Schnellrestaurant in der Parkway City Mall und die Geldübergabe hier läuft diskret ab. James setzt sich mit seinem Essen auf eine Bank und Betty übergibt ihm im Vorbeigehen 100 Dollar in einer Tüte. Mit diesem Geld schenkt James am Nachmittag in einem Motel ein, dem Ramada Inn.
Anschließend fährt er mehrmals am Haus von Betty und Jack vorbei, parkt in der Nähe und joggt dann in Jeans durch die Nachbarschaft. Dieses Outfit, das er da trägt, das ist für einen Jogger eher ungewöhnlich. Daher wird James von einem Nachbarn genauer beobachtet und James, der verschwindet schnell lieber wieder von hier.
Am Abend telefoniert er dann mit Peggy. Laut James hätte sie ihm gebeichtet, wie viel Angst sie um ihn habe. Nicht, dass er noch erwischt wird, weil sie doch ein gemeinsames Leben mit ihm aufbauen möchte. Der nächste Tag, der Tag des Mordes, wird von James folgendermaßen beschrieben. Betty soll ihn gegen 15 Uhr am Parkplatz der City Mall abholen und direkt in die eigene Garage fahren. Die Gefahr ist zu groß, dass die Nachbarn vom Vortag ihn sonst als den auffälligen Jogger wiedererkennen. Er steht unter Drogen, hat vielleicht sogar noch Restalkohol im Blut. Betty erklärt ihm auf der Fahrt genau, wo sich das Schlafzimmer befindet. In der Garage abgesetzt, fährt Betty wieder davon. James betritt das Haus und wartet dort auf Jack. Er nutzt die Zeit, um alles nach einem Einbruch aussehen zu lassen, nimmt aber nichts an sich. Gegen 16.30 Uhr hört James ein Hämmern, schaut aus dem Fenster und kann sehen, dass Jack zurück ist. Er schlägt ein Schild im Vorgarten ein, nutzt dazu einen Baseballschläger. Das ist das letzte Mal, dass Nachbarn ihn lebend sehen. James will gerade die Treppe runtergehen. Da trifft er auf den überraschten Dr. Jack. Es kommt zum Kampf. James schnappt sich den erstbesten Gegenstand, um damit auf Jack einzuschlagen.
Anschließend sticht er ihm zweimal in den Unterleib. James berichtet später, dass er nur verschwommene Erinnerungen an diesen Moment hat. Als seine Gedanken wieder klarer werden, da hockt er versteckt hinter Bäumen im Wald, hinter dem Haus. Dann kommt Betty zurück und bringt ihn wieder zum Parkplatz der City Mall.
Dort setzt sich James ins Auto und fährt nach Hause, nach Vincent, direkt in eine Bar.
Was noch aussteht, sind die restlichen 2500 Dollar für die Ausführung des Auftrags. Die sollen in einer Kiste in Peggys Garage auf ihn warten. James fährt also hin, aber da ist kein Geld. Seitdem will er keinen Kontakt mehr mit Peggy oder mit Betty gehabt haben. Und damit wären wir wieder an den Punkt angelangt, an dem eine Zeugin von James' Prallerei in der Bar erzählt, der wiederum die Namen der Schwestern ins Spiel bringt. Das macht er übrigens deswegen, weil die Polizei ihm verspricht, so der Todesstrafe entgehen zu können. Wenn er sich kooperativ zeigt und gegen die Schwestern aussagt. James geht den Deal mit dem Bundesstaat Alabama ein, um Strafmilderungen zu bekommen. Jede Schwester bekommt ihren eigenen Prozess. Bettys beginnt am 2. März 1993 in Tuscaloosa, knapp neun Monate nach dem Mord an ihrem Ehemann Jack.
Reporter aus dem ganzen Land strömen nach Alabama und berichten über die Frau, die angeblich ihren Mann hat umringen lassen. Viele Artikel handeln von Bettys ausschweifendem Sexleben, vor allem ihr Verhältnis zu schwarzen Männern. Für die Leute von damals ist eine solche Beziehung noch eine Schlagzeile wert gewesen. Zum Glück ist das heute anders, meistens zumindest. Betty hat eine ganze Schar guter Anwälte um sich versammelt. Die Anwälte ertappen James bei einer Lüge nach der anderen. Zum Beispiel behauptet James zuerst, dass er die 2.500 Dollar Anzahlung bei Betty zu Hause abgeholt hat. Später ändert er diese Aussage und sagt, er habe das Geld am Rande der Autobahn bekommen, dort, wo Betty es für ihn hinterlassen hat. Wiederum später will er das Geld bei Peggy abgeholt haben. James behauptet auch, dass er Betty am Tag vor dem Mord in einem Restaurant an der Mall getroffen habe. Zu diesem Zeitpunkt war sie aber mit ihrem Sohn Mittagessen. Dann soll Betty ihn ja am Tag des Mordes am Parkplatz der Mall abgeholt und zu sich nach Hause gebracht haben, wo er auf Jack wartet und anschließend wieder von Betty abgeholt wird.
Bettys Kreditkartenbelege der Shoppingtour zeigen ganz genau, wann sie sich wo aufgehalten hat. Es wäre zeitlich für sie nicht machbar gewesen, so wie James es beschreibt. Wobei es zwei Zeitfenster innerhalb ihrer Shoppingtour gibt, die nicht belegt werden können. Und zwar 30 Minuten ab 14.30 Uhr und nochmal 30 Minuten ab 17 Uhr. Aber hätte das wirklich ausgereicht, um James jeweils von A nach B zu bringen? Es gibt noch eine weitere Geschichte von James, die merkwürdig ist. James erzählt erst sehr spät davon, dass er sich nach dem Angriff auf Jack noch im Haus umgezogen habe. Seine Klamotten und das Messer habe er in eine Plastiktüte gepackt und diese am Pool hinter Steinen versteckt. Bei der ersten Hausdurchsuchung wurde aber keine Tüte im Garten gefunden. Erst nachdem James erklärt hat, wo genau sich diese Tüte befindet, kann die Polizei diese finden. Die Beamten glauben nicht, dass die Tüte bei der Durchsuchung übersehen wurde, sondern dass James jemanden beauftragt hat, die Tüte dort nachträglich zu platzieren. Betty und ihre Anwälte sind davon überzeugt, dass es ziemlich einfach wird, die Geschworenen von Bettys Unschuld zu überzeugen. So sehr, wie sich James in Ungereimtheiten verzettelt, sollte das nicht so schwierig sein.
Betty beruhigt sich selbst vor Gericht damit, dass James nur lügt, um dem elektrischen Stuhl zu entkommen. Das Geld im Buch, das sie im Auto für ihn hinterlassen hat und auch die Telefonanrufe zwischen den beiden, die kann sie ja schlüssig erklären. Aber da irrt sie sich. Die Staatsanwaltschaft versucht Betty als bösen Menschen darzustellen. Ihr wird vorgeworfen, eine Abneigung gegen ihren Mann und die folgende Operation zu haben. Jack musste im Anschluss ja einen Kolostomiebeutel tragen und konnte nicht mehr mit Betty schlafen. Und außerdem verspricht sein Testament ihr den Großteil seines 6,3 Millionen Dollar Vermögens. James wiederum ändert seine Strategie. Er beteuert jetzt, zu seiner Aussage gezwungen worden zu sein und Jack nicht umgebracht zu haben. Er hätte lediglich die Informationen der Polizisten wiederholt und ein bisschen verdreht, um auf jeden Fall der Todesstrafe zu entgehen. Wie glaubwürdig ist das jetzt schon wieder? Ein Mordermittler der Polizei aus Huntsville befragt James insgesamt neun Mal und fasst die Indizien zusammen. Ein Baseballschläger als Tatwaffe mit Jacks Blut drauf, die grüne Skimaske vom Bett, auf der Haare von James gefunden werden, eine Waffe in James' Besitz, die auf Betty registriert ist.
Auch ein Psychologe wird hinzugezogen, der James untersuchen soll. Er kann zumindest feststellen, dass James zurechnungsfähig ist. Alles, was James im Vorfeld erzählt, passt irgendwie nicht zum Ablauf, der Betty während des Prozesses vorgelegt wird. James selbst sagt dazu, Ich habe versucht, die Wahrheit zu sagen. Aber sie sagten immer wieder, dass ich gelogen habe. Also weißt du, dass du dich in einer Zwickmühle befindest. ist. Aber sagen Sie mir, warum haben Sie fünf Aussagen von mir und keine passt zur anderen? Sagen Sie mir, warum sich Daten und Uhrzeiten darin ständig ändern? Ihr merkt schon anhand dieser Aussage von James, so richtig schlau wird man daraus nicht. Und dann ist es soweit. Das Urteil für James und Betty wird gesprochen. James wird zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, aber nicht zur Todesstrafe. Betty bekommt ihr Urteil, nachdem sich die Geschworenen am 3. März elf Stunden lang beraten haben. Betty wird ebenfalls zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wegen der Verschwörung zur Ermordung ihres Mannes. Die Geschworenen sind der Ansicht, dass Betty das Verbrechen erst geplant und dann jemanden für die Ausführung des Plans beschafft und bezahlt hat. Betty selbst glaubt, dass sie wegen ihres schlechten Rufs keine Chancen bei der Jury hatte.
Einer ihrer schwarzen Liebhaber musste sogar vor Gericht über seine intime Beziehung zu ihr aussagen. Betty als weiße Frau mit einem Verhältnis zu einem schwarzen Mann, Einblick in die Gesichter der Geschworenen und Betty wusste Bescheid. Sie selbst sagt dazu, Ich glaube, ich wurde verurteilt, weil ich eine Affäre mit einem Schwarzen hatte. Ich wurde verurteilt, weil ich eine reiche Schlampe war. Mit dem Wissen über die Verurteilung ihrer Schwester musste sich acht Monate später auch Peggy ihrem Prozess in Montgomery stellen. Es werden dieselben Zeugen angehört, aber Richter und Geschworene sind neu. Das wird der letzte Fall für den Richter sein, bevor er in den Ruhestand geht. Er findet James' Aussagen verdächtig. Seinen Deal mit dem Bundesstaat befremdlich und die Beweislage erbärmlich. James ist auch in diesem Prozess wieder der Hauptzeuge. Er hat von seiner Verteidigung übrigens neue Zähne verpasst bekommen, damit sein ganzes Auftreten seriöser wird. Und auch in diesem Prozess ändert er die Details und die zeitlichen Abläufe in seiner Aussage. Zum Beispiel die Uhrzeit, wann Betty ihn angeblich nach dem Mord vom Haus abgeholt hat. Obwohl James ja eine tiefe Zuneigung gegenüber Peggy hat, sagt er gegen sie aus. Denn er ist enttäuscht und verärgert, weil sie nicht auf seine romantischen Avancen eingegangen ist.
Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied zum ersten Prozess. Denn Peggy ist kein bisschen wie ihre Schwester. Niemand kann etwas Schlechtes über sie sagen. Bei Peggy gibt es wenig Spielraum für die Staatsanwaltschaft, ihren Charakter negativ darzustellen. Peggy, die glücklich verheiratet ist, die freundlich ist und bekannt für ihre selbstlose Unterstützung für Menschen in Not. Außerdem hat Peggy keinen Grund, ihren Schwager umbringen zu lassen und sowieso keine gewalttätigen Tendenzen. Sie bestreitet alle Anschuldigungen. Peggys Verteidiger argumentieren damit, dass die gutherzige Peggy James doch nur helfen wollte, indem sie ihm Tischlerarbeiten in Bettys Haus verschafft hat. Auch ihre Kirchengemeinde steht voll und ganz hinter ihr und beteuert ihre Unschuld. Sie halten sogar Schilder mit der Aufschrift Free Peggy hoch und übernehmen die Kosten für ihre Kaution in Höhe von 300.000 Dollar. Peggys Verteidigung wagt dann einen Schritt, der im ersten Moment unglaublich erscheint. Denn sie plädiert dafür, dass James nicht der Mörder von Jack ist.
Ausschlaggebend dafür ist die Aussage des forensischen Pathologen und Gerichtsmediziners Dr. Chris Berry. Denn er behauptet, dass James nicht die Wahrheit sagt. James' Aussage, wie Jack ermordet wurde, kann nicht stimmen. Er kann nicht allein gehandelt haben, denn es wären zwei Menschen nötig gewesen, um Jack anzugreifen und zu ermorden. Dafür sprechen die Winkel, aus deren Position Jack heraus angegriffen wurde. Außerdem muss er an einem anderen Ort attackiert worden sein, zum Beispiel in der Garage, und muss erst danach in den Flur gebracht worden sein.
Laut Dr. Chris Sperry hätte es im Flur Blutspritzer an den Wänden geben müssen, die aber nicht vorhanden waren. Ja, und dann ist da noch die Tatwaffe, der Baseballschläger, der mit Blut beschmiert war. Sperry sagt, dass dieser nur wie die Tatwaffe aussehen sollte, es aber gar nicht ist. Und tatsächlich, James hat den Baseballschläger nie als Tatwaffe identifiziert. Es gibt außerdem gar keine Haarfasern von Jack an diesem Schläger. Wenn er damit geschlagen worden wäre, dann hätte man ja auch Haare daran finden müssen. Stattdessen vermutet Sperry einen Schürhaken vom Kamin als Tatwaffe. So ein Haken würde auch eher zur Verletzung auf seiner rechten Schulter passen. Da keiner am Tatort gefunden wurde, muss der entsorgt worden sein, so vermutet es der Forensiker. Peggys Verteidigung will damit natürlich nicht sagen, dass Peggy die zweite Person am Tatort war. Ganz im Gegenteil. Aber wenn es James nicht war, sind auch die Schwestern aus dem Schneider, weil sie ihn dann ja nicht beauftragt haben können. Peggys unbescholtener, fast schon heiliger, makelloser Ruf überzeugt letztendlich auch das geschworene Gericht. Nicht mal zwei Stunden lang beraten sie sich, bis sie zum Schluss kommen, dass James' Aussagen unglaubwürdig sind. Peggy wird am 22. September 1993 von allen Anklagepunkten freigesprochen.
Sie selbst sagt dazu, ich habe den Herrn gebeten, mir einen guten Anwalt zu schicken und er hat es getan. Ein Jahr nach dem Prozess widerruft James nochmal sein Geständnis. Die Ermittler hätten ihn gezwungen, sowohl gegen Betty als auch gegen Peggy auszusagen, um Strafmilderung zu bekommen.
In einem neuen Statement schreibt er jetzt, dass er einfach nur Frieden und die falschen Äußerungen gegenüber Betty korrigieren möchte. Er bestätigt ihre Unschuld und die frei erfundenen Aussagen seinerseits. Er entschuldigt dieses Verhalten mit seiner manisch-depressiven Diagnose. Er sei psychisch instabil gewesen und habe verschreibungspflichtige Medikamente eingenommen, um so seine psychische Störung zu behandeln. Auch ein Statement von James wird im Old Huntsville Magazine abgedruckt und hier schreibt er, dass er unter Blackouts und Bewusstseinsstörung leidet. Er ist sich in manchen Situationen nicht bewusst, was er tut und könne sich nicht an die Ereignisse vor oder während des Mordes erinnern.
Er schreibt, ich glaube nicht, dass ich dieses Verbrechen begangen hatte, aber die Ermittler beharrten darauf, dass sie Dinge wüssten, die ich nicht wusste und die bewiesen, dass ich Jack ermordet hatte und verlangten immer wieder, dass ich den Mord an Jack gestehe. Ich wurde nie von Peggy aufgefordert, Jack zu ermorden. Ich habe das alles erfunden, um die Ermittler zu beruhigen, damit sie aufhören, mich zu verfolgen und mir zu drohen, mich auf den elektrischen Stuhl zu bringen. Aber, und ihr ahnt es vielleicht schon, er ändert seine Geschichte über die Jahre wieder und wieder. Ein einziges Hin und Her und am Ende glaubt ihm niemand mehr irgendwas. Sowohl 2004 als auch 2020 wird ihm eine Bewährung verweigert. Das heißt, er bleibt im Hochsicherheitsgefängnis im Limestone Correctional Center in Harvest, Alabama. Peggy nimmt nach dem Rummel um ihre Person wieder ihren Job als Lehrerin auf und sie lässt sich außerdem von ihrem Mann Wayne scheiden und heiratet ein drittes Mal, einen Uniprofessor. Sie gibt viele Interviews und sie beteuert weiterhin die Unschuld ihrer verurteilten Zwillingsschwester Betty.
Die wiederum hat all ihre Rechtsmittel ausgeschöpft. Das Gericht hält daran fest, dass sie für den Mord an ihrem Ehemann Jack verantwortlich ist. Und das, obwohl James ja immer wieder seine Aussagen ändert. Betty arbeitet im Gefängnis als Näherin und auch sie heiratet wieder. 2006, 13 Jahre nach dem Prozess, heiratet sie im Julia-Tutwiler-Frauengefängnis einen Mann namens Bill. Ihre Zwillingsschwester Peggy ist als Trauzeugin dabei. Denn das schwesterliche Band ist nach wie vor sehr stark. Dasselbe Verbrechen, dieselben Beweise, dieselben Zeugenaussagen. Zwei verschiedene Prozesse mit einer Verurteilung und einem Freispruch. Also wenn man sich das Ganze jetzt nochmal vorstellt. Du hast so an sich die eine Geschichte, die passiert ist, dieser Mord an Dr. Jack. Und du hast zwei verschiedene Prozesse, ein Prozess pro Schwester. Die eine kriegt gefühlt die Höchststrafe und die andere wird freigesprochen.
Das klingt irgendwie so, als wäre das einem Hollywood-Drehbuch entsprungen und als wäre das gar nicht wirklich passiert, oder? Ich finde es ziemlich krass, dass da so unterschiedliche Urteile gefällt wurden. Auf jeden Fall, das hört sich auch so ein bisschen nach dem an, was wir heute sowieso schon in der Geschichte gehört haben, dass beide Lebensgeschichten von Betty und von Peggy sich so aufteilen. Betty hat ja selbst auch mal erzählt, dass sie, als sie noch jung waren, sich selbst eher als hässliches Entlein beschrieben hat. Peggy wiederum eher als den schönen Schwan. Und ich könnte mir vorstellen, dass hier so gesehen so eine Art Halo-Effekt für Peggy gearbeitet hat.
Weiterhin frage ich mich allerdings so ein bisschen. Wir haben ja genauso gehört, dass Peggy so eine Art Helfer-Syndrom hat. Mhm. Und gleichzeitig würde ich entsprechend in Frage stellen, ob sie nicht dann doch auch irgendwas damit zu tun hat, weil, wir haben es ja auch noch gehört, das Band zwischen den beiden sehr, sehr, sehr, sehr stark ist und sie ihrer Schwester wirklich helfen wollte. Also das sind so irgendwie zwei Seiten der Medaille für mich bei Peggy. Ja, sehr viele Verstrickungen innerhalb dieses Falls und an sich finde ich, wäre sogar jeder Weg irgendwie schlüssig, dass sie alle was damit zu tun haben oder vielleicht dann doch niemand so. Wir werden es leider ja nie erfahren und was mich aber am meisten hier in dem Fall nicht aufgeregt hat, aber in der Recherche dachte ich mir, wie kann der Typ, also James, schon wieder seine Aussage ändern und schon wieder. Also dieses ganze Hin und Her, als ich angefangen habe, mich da einzulesen, dachte ich so, Moment, also in einer anderen Quelle hast du ja was anderes gelesen und irgendwann wurde mir klar, der hat das alles gesagt. Also jedes mögliche Szenario hat er mal irgendwo gesagt und ja, als Geständnis irgendwo abgelegt und am Ende dachte ich mir, ja kein Wunder, dass jetzt niemand weiß, was ist hier eigentlich wirklich passiert. Da stellt man wirklich gefühlt alles irgendwie in Frage. Sogar seine Erstaussagen, die ja sogar nach zehn Stunden irgendwie erst entstanden sein sollen.
Also meiner Meinung nach wirklich ein sehr, sehr interessanter Fall, aber genauso auch unglaublich pikant, weil man auch immer noch einfach nicht daraus schlau wird. Aber wir dürfen natürlich auch nicht vergessen, dass er ja eine diagnostizierte Krankheit hat. Also das spielt da sicherlich auch noch mit rein.
Das Zwillingsband, er wird ja immer als sehr eng beschrieben, das hatten wir auch schon in anderen Fällen der schwarzen Akte, dass es da eine besondere Verbindung gab und du bist, also stell dir vor, du hast einen Zwilling und ihr seid für ein Verbrechen angeklagt, also was muss in den Köpfen vorgegangen sein? Die andere ins Gefängnis, die andere in Freiheit und plötzlich kannst du dich nicht ständig anrufen und dich sehen, also das kann ich mir gar nicht vorstellen, wie es den beiden da auch ergangen sein muss. Richtig, Peggy bezeugt ja auch weiterhin, dass Betty unschuldig sei. Meine Vermutung ist, ihr bleibt auch irgendwie nichts anderes übrig, denn wir haben ja gerade schon darüber gesprochen, es ein bisschen fragwürdig ist, ob sie nicht dann doch auch irgendwas damit zu tun hat und wenn sie sich nicht so sehr hinter Betty stellen würde, was zur Geschichte ja auch perfekt passt.
Würde sie natürlich genauso noch ins Visier geraten sein. Schaut euch übrigens auch gerne die ganzen Fotos an, die wir zum heutigen Fall in den Shownotes verlinkt haben. Und dann gibt es da auch noch einen Dokumentarfilm aus dem Jahr 2022.
Genau, der heißt Finding Betty und der behauptet, dass Betty vor 30 Jahren zu Unrecht für den Mord an ihrem Ehemann verurteilt wurde. Die Doku fordert Bettys Freilassung und geht Schritt für Schritt auf die Lücken in der Anklage der Staatsanwaltschaft ein. Falls euch das interessiert, haben wir euch den Trailer in den Shownotes verlinkt. Ja, und das war der Fall der heutigen Folge. So ein bisschen Engelchen, Teufelchen, gut gegen böse. Ich finde, das passt eigentlich ganz gut zu diesem Fall. Und ich hoffe natürlich, oder wir hoffen, ich bin ja nicht alleine, nein, wir hoffen, dass euch der heutige Fall gefallen hat, dass ihr den vielleicht auch noch gar nicht kanntet. Denn es ist gar nicht so einfach, Fälle zu finden, die ihr True Crime Junkies noch nicht kennt. Das heißt, wenn euch irgendein Fall auffällt, der noch nicht so super bekannt ist, dann schickt uns den noch gerne zu. Und jetzt kann ich wirklich sagen, ich, was ich mir wünsche, ist, dass ihr Patrick ganz lieb aufnehmt und ja, dass ihr nur liebe Nachrichten schreibt bei Instagram, denn ihr dürft nicht vergessen, er macht das ja noch gar nicht so lange, nämlich zum ersten Mal gerade. Also habt das doch bitte im Hinterkopf und ja, dann freuen wir uns natürlich sehr, wenn ihr nächste Woche, ganz wichtig, nächste Woche Dienstag auf allen Streaming-Plattformen wieder mit dabei seid, wenn wir eine schwarze Akte für euch öffnen.
Wir sind eure Hosts Anne Luckmann und Patrick Strohbusch. Redaktion und Schnitt Anne Luckmann. Mit der Stimme von Pia Rohnersachse. Ausführender Produzent Falco Schulte. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios.
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