Ein gestörtes Essverhalten ist dann, wenn nicht mehr Hunger und Sattigung das regulieren, sondern Zwänge, mit denen wir glauben, unser Leben regulieren zu können. Dr. Matthias Riedl, gesünder Leben mit dem aus dem TV bekannten Ernährungs-Doc und Elisabeth Jessen.

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In der letzten Folge war Johann Lafer bei uns zu Gast. Der hat was zu essen mitgebracht und wir haben uns da lecker durchgeschlemmt. Aber immer mehr Menschen haben kein gesundes Verhältnis zum Essen. Und darüber wollen wir heute sprechen. Ich bin Elisabeth Jessen und begrüße bei mir ganz herzlich Matthias Riedl.

Ja, moin Elisabeth. Matthias Riedl ist Ernährungs-Doc, er ist ärztlicher Direktor des Medikum Hamburg, Innsbruck-Geschäftsführer der MyFoodDoctor-App und außerdem Chefredakteur der Zeitschrift IsstichGesund. Ja, und wir wollen heute mal darüber reden, was eigentlich so schiefläuft, wenn das Essen eben kein Genuss ist und nichts, was man eben täglich tun muss, damit man gesund bleibt und am Leben bleibt, sondern wenn es ganz viel Raum einnimmt, ungesunden Raum. Und wir haben einige Zuschriften bekommen. Ich zitiere mal, Weil Andrea, sie sagt, sie arbeitet mit autistischen Kindern und die ernähren sich sehr oft sehr einseitig. Und das ist einfach wirklich problematisch, weil die leicht einen Mangel ernähren. Oder Lea hat uns geschrieben, eine junge Frau, die hat sich auf 32 Kilo runtergehungert und hat beschrieben, wie wahnsinnig schwierig es war, Hilfe zu kriegen und auch selber sich zu überzeugen, dass mit ihr eigentlich alles in Ordnung ist und diese Fixierung auf das Gewicht sie umbringen wird. Das hat lange gedauert. Und dann hat uns Sigrid geschrieben, sie ist Psychotherapeutin und hat geschrieben, dass sie in ihrer Arbeit auch sehr viel mit Essstörungen konfrontiert ist und nicht nur von Menschen mit Adipositas oder ungesundem Ernährungsverhalten, sondern inzwischen kommen viele normale und untergewichtige Betroffene zu ihr.

Für die ihr Gewicht und ihre Ernährung so ein Riesenthema ist.

Und die dann einfach auch ihr Privatleben gar nicht mehr so leben können, wie es eigentlich gesund wäre. Also gesund im Sinne von ich treffe mich mit Freunden, ich gehe ins Restaurant, weil da kann ich ja nicht mehr das essen, das kann ich nicht mehr kontrollieren. Oder dass der Wunsch abzunehmen halt so wahnsinnig groß ist oder nicht zuzunehmen und dass die immer weiter optimieren. Und wir wollen halt also über Ernährungs- oder Essstörungen und die verschiedenen Varianten sprechen. Genau. Also das ist schön, wie du das eingeleitet hast. Du sprachst jetzt eben gerade auch in einem Nebensatz von sozialer Isolation. Das gehört häufig auch mit dazu. Essstörungen können soziale Isolationen machen. Das wiederum verstärkt den Stress. Stress ist auch einer der Faktoren, die dazu führen können, dass Essstörungen entstehen. Wie kommt es dazu? Es ist häufig so, also nehmen wir es mal bei der Orthorexie.

Das ist eine Essstörung, bei der es den Betroffenen darum geht, alles richtig zu machen. Ortho heißt ja gerade und also alles richtig ordentlich zu machen. Orthorektiker wollen alles richtig machen beim Essen. Und im Ursprung sind es dann, nicht jeder kriegt das und nicht jeder, der gesund essen will, der entwickelt das. Aber im Ursprung ist da dann, dass die Unzufriedenheit mit dem Körperbild, das ist ein Teil. Dann häufig ist es auch so der Stress, besondere Konfliktsituationen und auch eine ganz besondere Veranlagung. Besonders auch, wenn es da möglicherweise Zwänge gibt im Charakter. Die Zwänge sind immer für Essen eine ganz schwierige Sache, weil dann rutscht man schnell mal in eine Essstörung rein.

Begleitet von Konflikten, von größerem Stress. Und dann erleben diese Menschen ihr Leben als nicht mehr unter Kontrolle.

Und Essen ist dann eine Möglichkeit, das Leben wieder unter Kontrolle, es ist ja Pseudokontrolle, unter Kontrolle zu bringen. Und damit ist sozusagen, dass Essen missbraucht, um Dinge in Ordnung zu bringen, die eigentlich ganz andere Ursachen haben. Und diese Orthorexie, das ist das, was auch die... Sigrid beschreibt. Ja, so als eine Form der Essstörung, bei der es darum geht, alles richtig zu machen. Und wenn man dann abweicht davon, dann macht das wieder Stress. Und so manifestiert sich das und ist relativ stabil. Ich glaube, auch jeder kennt das auch. Im Fitnessclub gibt es immer irgendjemanden, der tatsächlich ein BMI von 16, 17 hat oder noch weniger und kräftig Sport macht, auch unter der Vorstellung zu dick zu sein und auch jetzt viel Sport zu machen. Das geht auch manchmal in die sportliche Richtung. Manchmal ist es dann rein mehr das Essen. Das ist ein großes Problem. Und worüber reden wir? Die Orthorexie ist eine eher leichtere Form der Essstörung. Wenn wir dann die Anorexie betrachten, also die klassische Magersucht, wie sie jeder kennt, die auch sehr, sehr gefährlich ist. Wenn man mal Butter bei die Fische macht. Und man sagt, das hat eine Sterblichkeit von 10%. Das ist also eine Erkrankung mit einer hohen Sterblichkeit.

Und auch je länger die besteht, eine schlechte Heilungstendenz. Das ist das Problem. Und wenn man mal so guckt, wie viel Prozent der Bevölkerung hat eine Essstörung, da sind wir bei 10 Prozent. Das ist eine Menge. Besonders Frauen. Und wenn wir aber mal schauen, wie es ist bei der Jugend, da sehen wir schon, dass jeder vierte Junge ein gestörtes Essverhalten ist. noch keine Essstörung, aber ein gestörtes Essverhalten hat. Und jedes dritte Mädchen, der jetzt lebenden Jugend, hat ein gestörtes Essverhalten. Daraus könnte sich mit höherer Wahrscheinlichkeit einmal natürlich eine Fehlernährung entwickeln, aber auch eine Essstörung, das ist möglich. Das hat also eine hohe Brisanz. Und was du auch gerade beschrieben hast, dieses Problem, 32 Kilo, meine Güte. Ja, also ich habe mit Lea Lange telefoniert, weil das ist eine junge Frau Anfang 20, bei ihr hat das angefangen so in der Abi-Vorbereitung, hat sie erzählt Stress weil ihre Schwester hatte das Abi schon und hatte ein gutes Abi gemacht und das hat sie wahnsinnig unter Druck gesetzt hat sie erzählt und dann fing sie an halt zu joggen um zu entspannen, und ja, dann irgendwie dann wurde das Essen dann hat sie auch gemerkt, sie kann ihren Körper den kann sie wirklich in den Griff kriegen und so hat sie das am Ende, sie hat wirklich gesagt ich habe versucht, Das Abi nicht zu erleben. Das fand ich unglaublich dramatisch.

Gott sei Dank geht es ihr gut, aber es waren harte Jahre, die sie beschrieben hat, die sie gemacht hat. Und das ist ein großer Leistungsdruck wahrscheinlich, unter dem viele junge Leute stehen, der sie dann stresst. Ja, ganz genau. Da kommen dann die Körperbilder unserer modernen Welt dazu, Influencer. Da hatte ich ja schon mal gesagt, dass gerade das, was Influencer verbreiten, auch in einer Studie, die jetzt im Deutschen Erzblatt gezeigt wurde, den Menschen schaden. Sowohl was Ernährungsempfehlungen angeht, aber auch was das Körperbild angeht. Ich bin da ganz froh, muss ich sagen, ich bin ja in den 60er Jahren geboren worden und das gab es damals gar nicht. Das ist ein Riesenvorzug, oder? Wenn es das noch nicht gab. Ja, wir durften so sein, wie wir waren. Wir waren aber sowieso alle schlank und auch mehr oder weniger sportlich. Und da hatten wir dieses Problem nicht. Und jetzt haben die Essstörungen zugenommen, Übergewicht und das Ganze explodiert. Du hast ja gerade gesagt, ein Drittel der Mädchen hat ein problematisches Essverhalten und ein Viertel der Jungs. Ab wann sagt man denn, was ist noch problematisch und ab wann ist es wirklich eine Essstörung?

Ja, Essstörung ist dann, wenn die normale Regulation des Essens, geht ja bei dir, hoffe ich jetzt mal, und bei mir, geht ja darum, habe ich Hunger, bin ich satt. Also ganz einfach eigentlich. Ja, oder habe ich Appetit auf irgendwas? Das gibt es auch noch, weil gerade irgendwas besonders lecker aussieht. Genau, gerade in unserer modernen Welt ist dieser Appetitgedanke, so ist es. Das ist die ernährungsfeindliche Umgebung, die lässt uns manchmal was essen, was wir nicht sollten. Das ist aber kein gestörtes Essverhalten. Ein gestörtes Essverhalten ist dann, wenn nicht mehr Hunger und Sattigung das regulieren, sondern Zwänge, mit denen wir glauben, unser Leben regulieren zu können.

Manchmal wird auch Stress mit dem Essen verarbeitet, das gibt eben auch noch neben der Anorexie, es gibt die klassische Magersucht, die Anorexie, dann haben wir die Bulimie, das ist die quasi Essbrechsucht, also wenn man das deutsch sagt, das sind Menschen, die auch eine Essstörung haben, aber dann nach dem Essen erbrechen müssen. Auch da geht es um Körperschema, da geht es um Zwänge, da geht es um eine Fehlregulierung der Nahrungsaufnahme, eine Fehlleitung. Und dann haben wir noch als schwere Essstörung das Binge-Eating. Binge heißt halt Müll. Das sind Menschen, die viel in sich reinstopfen, auch fehlendes Sättigungsgefühl. Da können ganze Kühlschränke leer geworden sein. Es gibt auch dieses Nightly-Eating, Also dass man dann nachts diese Anfälle hat, das wäre auch in dem Bereich, anzusiedeln. Und diese Menschen, die sind natürlich sehr, sehr schwer von Übergewicht betroffen, im Gegensatz zur Anorexie, weil sie...

Viel Essen, so viel Essen, das kannst du dir gar nicht vorstellen und es wird nicht gebremst durch irgendeine Sättigung. Kann man denn sagen, irgendeine der Formen ist besonders gefährlich? Weil dieses permanente Erbrechen zum Beispiel, das schädigt ja ganz viel im Körper, auch die Zähne und die Magenschleimhaut, also alles glaube ich, oder? Richtig, bei der Polymie, der geht natürlich durch die Säure, der Zahn schmelzt kaputt. Und bei der Anorexie sehe ich derzeit das größte akute Problem auch, was das Sterben angeht. Weil es gibt Gewichtsklassen, bei denen, wenn wir so über ein BMI von 15 sprechen, da wird das Leben kritisch.

Und bei der Bulimie ist es halt so, da entwickelt sich dann nachher genau dieses ganze Krankheitsbild, wie wir das bei Übergewicht überhaupt haben. Metabolisches Syndrom, Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck. Die ganze Kaskade von Zivilisationskrankheiten mit Sodbrennen, Refluxkrankheit und Arthrose. Durch diese Gewichtsüberbelastung und ein hohes entzündliches Niveau. Das geht eher langsam schleichend. Eine Krankheit kommt zur anderen, bis das ganze System zusammenbricht als Übergewichtserkrankung in der Folge. Bei der Anorexie erlebe ich auch, Und junge Frauen, vielfach die fallen zwischen die Stühle. Die wollen natürlich nicht gerne ins Krankenhaus. Weil teilweise fehlt Krankheitseinsicht. Teilweise sind sie schon mal im Krankenhaus gewesen. Es hat wenig gebracht. Und dann werden wir bei uns im Medikum Hamburg konfrontiert mit Mädchen, die Frauen, die 30 Kilo wiegen, BMI 15, 14,5. Und dann sagen wir natürlich den Leitlinien entsprechend, die muss ins Krankenhaus. Und dann sagen die nicht, sie wollen nicht ins Krankenhaus. Und dann ist für uns jetzt eine ganz schwere Entscheidung zu sagen, ja, also tut mir leid, wir müssen euch ins Krankenhaus schicken, das ist kein Ambulant, das ist ambulant zu gefährlich. Es führt aber dazu, dass sich keiner um sie kümmert. Weder das Krankenhaus, weil sie da nicht rein will.

Wir dürfen es oder sollten es eigentlich nicht in unserer Ernährungsabteilung. Wir haben auch Psychotherapeuten mit an Bord.

Und dann sage ich meinem Team, weil alle sagen, ich will da jetzt aber, ich will da keine Verantwortung übernehmen. Dann sagen wir, okay, wir notieren das in der Akte, wir machen es trotzdem, wir kümmern uns um sie. Es ist besser, es kümmern sich wir um sie, als dass es niemand macht. Und das ist ein großes Problem. Und dabei ist natürlich das Sterberisiko groß, Untergewicht, Immunschwäche. Und da kann es dann auch mal schnell zum Tod kommen. Ja, das ist hochdramatisch. Also das hat auch Lea, die arbeitet inzwischen wieder, hat ihre Ausbildung fortgesetzt nach Jahren. Sonst wäre sie heute hier, ich hätte sie gerne eingeladen. Aber es war terminlich ein bisschen schwierig. Aber die hat auch einfach so berichtet, wie schwer ihr Weg war von Klinik und dann doch nicht. Und bis sie sich dann zu so einer Klinik irgendwie in Süddeutschland durchgerungen hat. Also die hatte mehrere Aufenthalte, aber auch Psychotherapie und so weiter. Und jetzt sitzt mir da im Gespräch, saß mir eine ganz, also wir haben ein Videotelefonat geführt, eine ganz muntere junge Frau, gut aussehend entgegen, die hat einfach nochmal die Kurve gekriegt. Also die ist aber wirklich dem Tod von der Schippe gesprungen, glaube ich. So beschreibst du das völlig richtig, weil man kann betroffenen Menschen nur Mut machen zu sagen, auch wenn es derzeit so scheint, dass es da keinen Weg raus gibt. Und die Situation scheint stabil zu sein, aber wenn man das überwunden hat, wird das Leben wieder schön.

Man muss dann aber leider nur halt in eine psychotherapeutische Behandlung gehen, sind häufig im Krankenhaus oder in den Kliniken Sozialarbeiter mit dabei, Ernährungstherapeuten. Und das Ganze muss Hand in Hand gehen. Es wird Stück für Stück wieder ein normales Essverhalten erarbeitet. Verbotene Lebensmittel, die es ja gar nicht gibt eigentlich, die müssen degradiert werden, die müssen raus. Dieses Denken muss verändert werden bis hin in mehreren Stufen hin zu einem Essen mit Sättigung und Hunger. Weil das gibt es dann für diese Betroffenen eben leider nicht. Aber das ist ein langer, langer, steiniger Weg. Erkennen denn Menschen mit einer Essstörung, dass sie eine haben? Oder ist das etwas, was sie leugnen? Oder was sie sich selber nicht eingestehen? Ja, teils, teils.

Teils kann die ganze Tragweite nicht erfasst werden, weil es ja auch eine Körperschema-Störung begleitend dabei gibt. Und die gucken sich im Spiegel an, Und haben einen BMI von 15, 16, 17 und sagen, ich bin eigentlich zu dick. Und das ist natürlich das große Problem in der Akzeptanz, sich behandeln zu lassen. Und da braucht man tatsächlich dieses multidisziplinäre Team. Und die Chancen sind sehr, sehr durchwachsen, wenn man zu lange wartet. So muss man es sagen. Wie ist das, also ich muss mich immer wieder auf Lea beziehen, weil sie mir das so eindrücklich geschildert hat, wie schwierig das für ihre Eltern zu verkraften war, weil die auch die Schuld bei sich gesucht haben. Wenn das eigene Kind quasi vor den Augen verhungert, fast verhungert, dann denkt man als Eltern natürlich, man hat was falsch gemacht. Also wie, was kannst du da Betroffenen raten? Also kann man Leute ansprechen und sagen, das sieht mir nicht mehr richtig aus oder nicht gesund oder du bist zu dünn. Also wie spricht man das an? Ich habe auch manchmal den Reflex, wenn ich so durch die Stadt gehe, dem einen oder anderen Visitenkarte zuzustecken, das kann man natürlich nicht machen. Und das geht auch bei Essgestürten schon gar nicht.

Und das ist auch übergriffig, das kann man natürlich nicht machen. Aber du bist ja nur der Ernährungs-Doc, aber du bist ja kein Verwandter. Aber was machen denn Angehörige? Auch jetzt in der Sprechstunde muss ich da auch sehr behutsam rangehen an diese Thematik, auch im Gespräch mit den Angehörigen. Ich weiß, dass das sehr schuldbeladen ist häufig und dass Angehörige dann auch zum Teil des Problems werden können.

Auf alle Fälle hilft es natürlich nicht weiter, sich Vorwürfe zu machen. Denn klar, gibt es auch Familien, in denen Mutter eine Essstörung hat, beide Töchter. Da muss man sagen, natürlich, da ist eine gewisse Konstellation, die sich pathologisch verstärkt. Aber es hilft nicht, sich Vorwürfe zu machen und das verkompliziert die Sache nur. Es ist wichtig, dass man so einem betroffenen Kind oder einer jungen Erwachsenen oder einem jungen Erwachsenen beisteht und professionelle Hilfe holt und nicht zu sehr selber aktiv wird. Das wissen wir alle, wenn man anfängt als Laie in eine solche psychische Erkrankung einzubrechen, kann man da auch Schaden anrichten. Ja, man würde jedenfalls immer sich bemühen, dem sein Lieblingsessen zu kochen. Aber die finden ja immer Mittel und Wege offenbar, wie sie dann das Essen hin und her schieben auf den Teller. Ist aber nicht Essen. Oder sagen, sie haben schon gegessen. Oder Lea hat da viele Tricks verraten. Genau, was für Tricks hat sie so verraten? Ja, dass sie zum Beispiel gesagt hat, Mama, ich habe schon gegessen. Oder nee, jetzt habe ich gerade gar keinen Appetit. Oder ja, ich esse nachher. Oder sie hat es eben wirklich rumgeschoben.

Bis die Verwandtschaft dann misstrauisch wird, dass das alles nicht sein kann. Naja, wenn jemand immer dünner und immer schlechter aussieht. Also ich habe Fotos gesehen, das tat mir so leid, wenn ich mir vorstelle. Aber sie hat vorhin beschrieben, wie schwierig es war, professionelle Hilfe zu finden und nicht monatelang auf einer Warteliste dann bei einer Klinik zu stehen. Was würdest du denn empfehlen, wenn jemand dann so einsichtig ist und sagt, okay, es geht so nicht weiter, wo soll der sich hinwenden? Wo findet der Hilfe? Also bei Psychotherapeuten, aber auch da weiß ich, lange Warteliste. Wenn man überhaupt niemanden findet, wenn man in einer Fachklinik auf der Warteliste steht, wenn man bei Psychotherapeuten auf der Warteliste steht, dann kann man es auch mal versuchen, in einer Schwerpunktpraxis Ernährungsmedizin, die sich damit auskennt, das muss man abfragen. Wir machen das. Wir haben eine spezialisierte Kollegin, die auch in einer Fachklinik gearbeitet hat, im ernährungstherapeutischen Bereich. Und so können wir wenigstens schon mal medizinisch gucken, wo gibt es eine Mangelsituation. Wir können uns auch mit unseren Psychotherapeuten beraten. Wir können schon mal eine Ernährungstherapie starten. Idealerweise ist das immer flankiert mit Psychotherapie, mit Psychologen. Aber bevor man auf der Warteliste steht und es einfach so weiterläuft, dann kann man sich auch bei uns melden. Und wir kümmern uns um solche Fälle dann auch und sorgen dafür, dass das dann auch in die Fachklinik weitergeht.

Ich hatte vorhin gesprochen von Andrea, die mit autistischen Kindern arbeitet. Das ist ja jetzt ein besonders schwieriger Fall, weil autistische Kinder ja anders ticken als andere Kinder.

Wenn die dann einfach vieles nicht essen mögen, sie würde gerne einen Rat haben. Und ich denke mal, dass das auch viele Eltern von autistischen Kindern, auch das ist ja eine Erscheinung, die es immer häufiger gibt. Ich wollte gar nicht Krankheit sagen, weil es ist einfach eine, ich weiß nicht, wie nennt man Autismus, ist es eine Behinderung, ist es eine? Eine psychische, ja, schon eine psychische Brille, sagen wir mal so. Okay. Ja, aus dem psychiatrischen Bereich. Und da ist es wichtig, zu wissen, dass die Organe kommunizieren ja miteinander. Sowohl das Gehirn, wie wir jetzt gerade gesehen haben, mischt sich ein in den Körper ins Essverhalten, wird Opfer dessen auch. Und bei psychischen Erkrankungen haben wir das Problem, dass Menschen mit einer psychischen Erkrankung durch die schlechte Ernährung eine deutlich kürzere Lebenserwartung haben. Die kürzeste Lebenserwartung haben Schizophrenie, da liegt die Lebenserwartung etwas unter 60 Lebensjahren, weil die Ernährung halt da sehr schlecht ist. Und ich würde immer den Betroffenen raten und wenn es den Verwandten auffällt, dass die Ernährung sehr, sehr schlecht ist, sich in eine ernährungstherapeutische Betreuung zu geben, wo man gucken kann, wie man das Essverhalten der Betroffenen verbessert. Das geht durch eine einfühlsame Essanamnese, um zu schauen, wozu ist der Autist bereit?

Da darf man natürlich auch keinen Druck machen von außen, ganz klar. Und muss schauen, wie man einfühlsam dort das Essverhalten etwas in Richtung gesünder Ernährung verändern kann. Aber gibt es irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel, hat Andrea gefragt, die sie sozusagen verabreichen könnte oder den Eltern empfehlen? In den Studien ist es so, dass wir wissen, dass psychische Auffälligkeiten, sage ich jetzt mal so ganz allgemein, häufiger sind bei schlechter Ernährung und können vielleicht sogar auch als Folge einer schlechten Ernährung vermehrt auftreten, sage ich das mal ganz vorsichtig. Und ich habe ja schon mal wiederholt gesagt, dass Depressionen auf Omega-3-Fettsäuren ganz gut reagiert. ADHS auch. Und es mehren sich die Studien, in denen man sagt, Omega-3-Fettsäuren haben für viele psychische Erkrankungen einen positiven Effekt. Oder man vermutet es zumindest. Das muss man noch weiter erforschen. Das würde ich in dem Zusammenhang schon noch mal sehen. Und wenn wir dann jetzt aber einen psychisch Kranken haben, der sich schlecht ernährt, dann ist das auch für die Psyche nicht gut.

Insofern beißt sich da die Katze auch in den Stand. Da wird aber intensiv geforscht. Auch die Verbindung von psychischer Erkrankung und Darmflora. Ganz, ganz interessantes Feld. Wir finden jetzt für immer mehr Krankheiten Verbindungen zwischen der Darmflora und bestimmten Erkrankungen. Da gibt es auch typische Konstellationen. Aber schlechte Ernährung macht keinen Autismus, sondern den bringt man meistens mit auf die Welt, glaube ich So, genau, und eine Folge dann ist dann die schlechte Ernährung Aber in jedem Fall sollte man da was, sollte man ernährungstherapeutisch angehen Ich habe mal, weil ich das wichtig fand also die Bedingungen habe ich mir mal nochmal rausgesucht, das sind nämlich ganz viele wenn wir so über Ursachen sprechen von Essstörungen, vielfach findet man nicht immer, aber findet man auch ein gestörtes Selbstwertgefühl, Das in Verbindung mit den neuen Körpernormen dann auf sich bezogen, kann das doch weiter verstärken, dann die Neigung zum Perfektionismus. Und damit verbunden auch bestimmte Zwänge, bestimmte Regeln streng wirklich zu befolgen. Also das ist gesund, also mache ich es. Und da gibt es kein Halb-Halb, ich mache es. Und das Ungesunde mache ich hundertprozentig nicht. Also ein Schwarz-Weiß-Denken dann auch in der Ernährung.

Ehrgeizige Menschen mit hohem Leistungsanspruch. Du hattest das vorhin mit diesem Abitur, fand ich auch schön. Und auch Kontrollbedürfnis, also ein hoher Wunsch nach Kontrolle, sich zu kontrollieren, andere Dinge in Kontrolle zu behalten. Du kennst solche Menschen auch. Ich bin so nicht. Nein, ich weiß das. Ich habe dich jetzt auch nur zufällig angeguckt, weil du die Einzige bist. Ich bin so nicht. Und dann eine verminderte Konfliktfähigkeit. Wenn man daraus auch Konflikte hat, dann macht das wieder Stress und so verstärkt sich das alles. Es macht die Zwänge stärker und das Gefühl, ich muss das jetzt irgendwie unter Kontrolle behalten. Und dazu kommt noch mal, und das ist das ganz Traurige, das muss man einfach mal so sagen.

Auch traumatische Erlebnisse wie Missbrauch. Deshalb, wenn ich von Missbrauch höre, und wir haben ja sowohl bei übergewichtigen Menschen in der Vorgeschichte nicht selten auch mal, es braucht immer wieder auch, auch mal Missbrauchserfahrungen, aber auch bei anorektischen Menschen. Und das ist dann ein seelischer Schaden, ein seelisches Trauma, was den Menschen zugefügt wird. Wo ich dann immer denke, Wenn ich dann von sexuellem Missbrauch auch lese, dann denke ich immer, Wird immer so getan, als würde das keinen dauerhaften Schaden machen. Und daran bemisst sich ja auch das Strafmaß. Aber die Folgeschäden, dann später, die möglicherweise das ganze Leben verkürzen und dann zum frühen Tod führen können, das wird in unserer Gesellschaft gar nicht richtig gewertet, was so ein Trauma noch für eine Nachwirkung haben kann.

Das ärgert mich persönlich immer, weil das eine so einschneidende Sache ist. In die Psyche sein kann, je nach Verarbeitung. Das sind jetzt so die Konstellationen, die unterschiedlich ausgeprägt da sein können, wo man sagen kann, wenn man diese Eigenschaften hat, dann ist das Risiko besonders groß, in eine Essstörung zu geraten. Du bist ja zum Beispiel einer, ehrgeizig auf jeden Fall. Du weißt, dich gesund zu ernähren. Du bist einfach schlank. Ja, das bin ich aber immer schon. Warst du jemals gefährdet, zu einer Essgestörung zu sein? Nein, ich bin nicht essgestört. Ich habe nie gefährdet, essgestört zu sein. Was bei mir, Perfektionismus habe ich. Also wenn ich das mal nach diesen Kriterien bin. Hohen Leistungsanspruch habe ich auch. Ich habe auch kein geringes Kontrollbedürfnis. Mir ist das aber bewusst. Ich fahre das dann zurück. Und ich bin auch konfliktfähig.

Aber ich habe auch Schwierigkeiten bei der Stressbewältigung. Aber das reicht ja auch alles nicht aus. Aber jeder Einzelne merkt, da habe ich auch so meine. Das ist bei mir gering ausgeprägt. Aber ich bin überhaupt nicht gefährdet, das weiß ich auch, Essstörungen zu bekommen oder irgendwie drogabhängig zu werden.

Sucht gibt es bei mir, allein die Vorstellung ist mir so fremd, also das ist nicht meins, auch mit Alkohol oder jetzt andere Drogen wie Haschisch, das war nie meins. Ich habe das alles nicht vertragen und Alkohol vertrage ich auch immer schlechter. Ja, das liegt am Alter, glaube ich. Genau, genau. Das war jetzt unscharmant, aber das erzählen viele Freunde, die so in deinem Alter sind. Und ich bin auch definitiv nicht essstörungsgefährdet, weil ich bin einfach so ein Genussmensch. Und wenn ich dürfte, dann würde ich noch viel mehr ungesunde, leckere Sachen essen. Pralinen und Trüffel und ich weiß nicht was. Aber du weißt zu viel. Ich weiß inzwischen zu viel. Und ich weiß, dass es meinem Körper nicht gut tut und ich habe halt die Erfahrung gemacht vor ein paar Jahren nach der Ernährungsberatung, die habe ich ja nicht von ungefähr gemacht, sondern weil mein Körper so Zipperlein entwickelt hat und jetzt geht halt mit einem etwas gesünderen Essverhalten auch, sind Kilos runtergegangen und mir gefällt das schon. Also das ist halt, nur früher dachte ich immer, also so lecker wie diese Pralinen, so lecker, so schön kann es gar nicht sein, schlanker zu sein. Ich habe mich nie an ein paar Kilos mehr gestört. Und das finde ich auch nach wie vor ist kein Argument, um sich gesund zu ernähren, die paar Kilos weniger oder das Aussehen weniger.

Sondern, wenn der Körper Mucken macht, dann weiß man einfach, und eigentlich, man muss natürlich anfangen, bevor der Körper Mucken macht. Das habe ich nicht geschafft. Idealerweise, aber noch rechtzeitig. Ja, ich hoffe. Aber das ist einfach was. Und dann weiß man, in der Kombi ist einfach bewusstes Essen deutlich empfehlenswerter, als alles in sich reinzunehmen, was halt gerade so auf dem Tresen steht im Büro oder im Bäcker oder in der Konditorei. Bei dir geht es halt nur um gesund und nicht gesund, aber gar nicht, noch nicht mal ansatzweise, um irgendwie die Gefahr einer Essstörung. Nee, also ich werde nie ein BMI von unter 20 kriegen. Nie. Macht aber auch nichts.

Kontrollbedürftigkeit ist bei dir wahrscheinlich auch normal ausgeprägt. Normal. Perfektionismus geht auch so. Ich bin Österreicherin, da bist du was, geht Ollerweil und das muss man nicht alles so. Also 100 Prozent muss es nicht sein. 95 tun sie ja meistens auch. Ja, finde ich auch. Und mit diesem laissez-faire Verhalten kommt man ganz gut durchs Leben. Sage ich meiner Frau auch immer, wenn sie sagt, also jetzt mit diesem Flyer, den kann ich noch nicht absegnen, dann sage ich, Kirsten, der ist gut. Wir haben noch jahrelang keinen besseren Flyer. Der ist jetzt 80%ig gut. Jetzt lasse ich ihn drucken. Na 80, aber ein bisschen weniger. Also 95 wäre schon besser. Ist schon okay, wir können ihn immer noch mal drucken, aber dadurch liegt das Zeug bei ihr und es wird nie ein neuer Flyer gedruckt. Und da bleibt er dann jahrelang. Da muss man manchmal auch einen Punkt machen. Jetzt sind wir abgekommen von der Essstörung. Gar nicht, wenn man mittendrin. Ja gut, okay.

Wir haben festgestellt, dass wir keine Nahrung dazu haben und das ist auch ein großes Glück. Aber ganz wichtig ist, dass man da empfindlich drauf reagiert, dass man solche Menschen unterstützt Und dass die Betroffenen sich früh in Betreuung begeben, weil eben dann die Chancen am besten stehen, es zu heilen. Also an alle da draußen, die ihr entweder selber das Gefühl habt, ihr übertreibt es oder jemand in eurer Umgebung, sprecht sie trotzdem an. Auch wenn es manchmal schwierige Gespräche sind und auch für Eltern ist es ganz schwierig, wenn sie ihre Kinder leiden sehen. Das weiß ich, das ist einfach, das mag man gar nicht haben als Vater oder Mutter, wenn es den Kindern nicht gut geht. Und auch wenn es eine Freundin ist, dann kann man sie einfach nicht so gewähren lassen, weil das kann vielleicht das Ende bedeuten. Das hat Matthias uns ja gerade erzählt. Matthias, du hast uns bestimmt wieder eine aktuelle, interessante Studie mitgebracht. Die aktuelle Studie und was der Ernährungsdok davon hält. Ja, so einen kleinen Studienpott und zwar zum Tee. Wir wissen ja, Tee verbessert unsere Kognition, das haben wir schon mal gesprochen. Und also lässt uns besser denken. Und ich habe einmal geschaut, was es noch an Studien so über Tee zu sagen gibt. Und zwar, also wir sprechen jetzt hier über grünen Tee oder schwarzen Tee.

Oder weißen Tee. Und gefunden, das ist eine Untersuchung von der Uni in Adelaide, die haben festgestellt, dass regelmäßige Teetrinker, man weiß ja, manche, du, ja, okay, haben ein 15% niedrigeres Prä-Diabetes-Risiko und ein fast 30% geringeres Risiko für Typ 2-Diabetes.

Das wirst du denken wahrscheinlich, wenn ich keinen Tee getrunken hätte, hätte ich es noch eher bekommen. Genau. Ja, so ist es auch. Wieso denke ich das? Dann habe ich noch, das ist auch eine schöne Untersuchung gewesen, da hat man geschaut, dass die Polyphenole, die sekundären Pflanzenstoffe im Tee, auf die Darmflora sich positiv auswirken. Wir wissen ja, dass die sekundären Pflanzenstoffe auch auf die Darmflora einen positiven Effekt hat und natürlich die auch aus dem Tee. und dann wirkt der Tee auch Cholesterin regulierend. Das ist auch nochmal ein positiver Effekt. Und ja, ich finde, das sind ein paar tolle Sachen.

Vielleicht noch eine Sache noch dazu, das habe ich hier auch noch gefunden, das ist aus einer kardiologischen Fachzeitschrift. Das Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle wird auch bummelig um 20% gesenkt. Leute, trinkt mehr Tee. Trinkt mehr Tee. Steht da in der Studie. Genau. Und ist das auch vielleicht über den anti-entzündlichen Effekt? Man kann das gar nicht so richtig sagen, weil der Tee hat eine anti-entzündliche Wirkung. Und das Herz profitiert sehr davon, auch Erkrankungen für Diabetes. Also egal, was es ist, auf alle Fälle hat Tee eine besondere positive Auswirkung und könnte als Longevity-Getränk durchgehen. Das freut mich sehr, weil ich ja wirklich schon seit vielen Jahren gerne Tee trinke und auch wirklich viel Tee trinke. Jetzt hatte ich gerade mal eine schöne Darmspiegelung, ein tolles Thema, aber da durfte ich eben keinen schwarzen Tee trinken und habe dann Glückstee getrunken, hieß der, das war so Kräutertee mit Pfefferminz, war eine gute Alternative. Ja, aber Pfefferminztee ist auch gut für die Verdauung, Aber schwarzer Tee wäre besser. Darauf trinke ich gleich mal eine Tasse. Ja, genau. Trink mal. Ich trinke später. Ich mache mir einen frischen, heißen. Sprechstunde beim Ernährungs-Doc.

Wir haben auch wieder ein paar Fragen von euch, die Matthias beantworten wird. Ich muss mal eben blättern. Und dann fange ich an mit der Frage von Konstanze. Konstanze ist...

Ich bin 47 Jahre alt und sagt, leider ist es so, dass ich bestimmt seit 20 Jahren immer nachts zwischen 3 und 5 Uhr morgens wach werde und auf die Toilette muss. Ich habe Migräne, aber ich habe das sehr gut im Griff. Ich ernähre mich sehr gesund. Die Tryptane brauche ich nur noch selten. Dennoch habe ich das Problem, dass ich nicht durchschlafen kann. Ich versuche spätestens 4 Stunden vorm Schlafen gehen die letzte Mahlzeit zu mir zu nehmen und achte sehr darauf, dass ich besonders in den Abendstunden nicht mehr so viel trinke.

Einschlafprobleme habe ich gar nicht. Ich bin sofort weg, aber ich kann halt leider nicht durchschlafen. Was kann ich noch tun? Da müsste man mal fragen, wenn sie aufwacht, das wäre noch eine wichtige Frage, wenn sie aufwacht, denkt sie dann über Probleme nach, also kreisende Gedanken. Wenn das kreisende Gedanken sind, dann würde ich zur regelmäßigen Meditation empfehlen, weil man mit einer regelmäßigen Meditation die die kreisenden Gedanken unterbrechen kann. Die kann man richtig rausmachen. Das sind Achtsangreizübungen, Bodyscan-Übungen beispielsweise, bei der man wieder Kontrolle über seinen Körper bekommt durchs Atmen und lässt die Gedanken fließen. Und das ist auch wichtig, wenn man versucht, sie zu unterdrücken, dann kreisen sie noch stärker. Das wäre eine Möglichkeit, wenn wir uns aufs Essen beziehen, dann würde ich versuchen, abends noch magnesiumreiche Lebensmittel, Lebensmittel wie Nüsse, Samen mit dazuzunehmen für den Abend, weil Nüsse können da sehr, sehr, sehr, sehr günstig wirken. Wichtig auch eine regelmäßige Schlafroutine, immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen.

Das Schlafzimmer darf wirklich nur das Bett beinhalten, muss aufgeräumt sein, muss ruhig sein, kein Streit und keine komplizierten Gespräche am Abend. Das muss man auch mit dem Partner oder der Partnerin dann klären, sagen, es ist nach acht, machen wir morgen. Das ist ganz wichtig, mache ich auch zu Hause. Wir halten uns auch beide da dran. Wenn ich das so sage, dann weiß meine Frau eben auch, okay, es tut ihr auch nicht gut. Und bei mir kreist es dann in der Nacht rum. Aber wenn sie trotzdem aufs Klo muss, dann sind die Gedanken ja nicht schuld, sondern dann weckt sie der Körper. Ja, möglicherweise. Dann auch nochmal da mein Rat. Wir brauchen, wenn es jetzt eine 50, 60 Kilo Frau ist, dann braucht sie so anderthalb bis zwei Liter Getränk. Den Liter, den ersten Liter bis mittags getrunken haben. Das ist ganz wichtig, weil da fülle ich ja die Nacht auf. Und dann am Nachmittag nur noch einen halben bis 600 Milliliter. Und ab 16, 17 Uhr nur noch eine kleine Tasse wie diese hier, wo so 100, 150 Milliliter reingeht. Wenn ich abends eine Suppe esse, dann kann die sicher auch nur halb so groß sein. Das würde ich dann empfehlen. Also ich habe ja die Erfahrung gemacht, man kann ja so einen Harndrang auch wegschlafen.

Also wenn ich aufwache und aufs Klo muss nachts und es ist 4 Uhr, sage ich, okay, jetzt kann ich aufstehen, weil dann habe ich noch genug Zeit, um wieder einzuschlafen. Wenn das 5 Uhr ist, verkneife ich mir das und schlafe wieder ein.

Ja, das offenbar... Aber 3 Uhr ist natürlich, da steht man auf. 5 Uhr, finde ich, kann man auch... Genau. Und da würde ich versuchen, einfach die Flüssigkeit zu beschränken. Das wird wahrscheinlich hier das Beste sein. Wir wissen ja auch, und Konstanz ist 47, der Schlaf wird mit den Jahren immer flacher. Und die Anschal der Schlafstörungen nehmen mit den Jahren immer weiter zu. Und wenn du sonst früher mit einer vollen Blase überhaupt nicht aufgewacht bist und es dich gar nicht doll gestört hast, plötzlich mit 47 spielt es eine Rolle. Und dann muss man sehr vorsichtig mit der Flüssigkeit sein. Also kein Kaffee und kein Tee, am Nachmittag ist sowieso klar und kein Alkohol. Aber hier scheint es mir möglicherweise auch, wenn es nicht kreisende Gedanken sind, dann, aber das Problem ist, manchmal muss man auf die Toilette, ist wach durch den Harndrang und dann kommen die kreisenden Gedanken. Ja genau, das ist eine ganz blöde Kombi. Ich kenne das auch, aber ich kann nicht so gut meditieren wie du. Mir fallen dann immer tausend Dinge ein, die ich erledigen muss. Also ich bin, ja, ich weiß, dann hilft es manchmal sogar auch wirklich, es aufschreiben, dann ist es weg. Also ich habe manchmal auch, das musst du morgen machen und beim dritten weiß ich genau, oh drei Dinge kannst du dir morgens nicht merken und dann versuche ich es mir einzuprägen und dann bin ich so beschäftigt, ich schreibe es mir auf, Blatt neben dem Bett, aber am besten ist es tatsächlich, man übt wirklich das Meditieren, wenn ich nachts schlaflos bin, weiß ich ganz genau, ich komme mit Meditation da raus. Und wo lernt man das? Also es gibt Mindfulness Stress Reduction.

Also im Internet ein Angebot, oder was ist das? Nein, es ist ein MBSR, heißt das Training. Das wird in den Psychokliniken auch gemacht. Da geht es um Achtsamkeit und auch eine einfache Meditationstechnik, wo man mit der Atmung den Körper kontrolliert. Da gibt es ein Buch auch zum Mindfulness-Based Stress Reduction. Kann man sich kaufen. Und das Kapitel dann einfach mal über die Meditation üben, mit einer kleinen Übungsscd. Das würde ich raten. Und letztlich helfen auch Psychotherapeuten weiter dabei, da kann man auch sich trainieren lassen, man kann es auch vom Psychotherapeuten lernen, das ist deren Haupt, also die können das gut, aber da muss man erstmal einen Termin bekommen, deshalb empfehle ich das halt selber zu lernen, autogenes Training geht auch so in die Richtung und Muskelrelaxation nach Jakobsen geht auch in die Richtung, aber Bodyscan finde ich viel besser, weil ich dann weiß, egal, ich kriege mich wieder ein mit Meditation. Und das gibt mir dann nachts immer ein gutes Gefühl. Das passiert fast, es klappt fast immer.

Und damit kann ich dann einschlafen. Du hattest das ja in der Schlaffolge gesagt. Und dabei fällt mir ein, uns hat jemand zwei Schlafmasken geschickt. Ein Unternehmen aus Süddeutschland, glaube ich. Und zwar moderne Schlafmasken. Weil die bemängelt haben, dass du doch ein sehr altes Modell gezeigt hast, was ich dir ja mitgebracht habe, das Foto. Ja, es war ein jämmerliches Modell, das muss ich zugeben. Ich benutze es ja auch nie im Gegensatz zu dir und du hattest deine nicht mit. Nein, nein, aber ich habe auch solche, die man sonst im Flugzeug geschenkt bekommt und die gehen, ja. Aber du hast völlig recht. Erinnere mich nachher.

Die eine ist für dich. Danke, ja. Also herzlichen Dank für die Zusendung. Es wird sich auch für mich eine Gelegenheit geben, eine Schlafmaske zu tragen und dann nehme ich die. Ich weiß das zu schätzen, weil ich bin da tatsächlich, was Schlafmasken angeht, sehr, sehr wählerisch. und ich kaufe mir manchmal auch eine. Ich bin gespannt, wie gut die ist.

So, dann hat uns Manuela geschrieben. Manuela ist auch 47, wiegt 54 Kilo, fühlt sich in ihrem Körper sehr wohl, sagt sie. Sie geht zwei bis dreimal die Woche ins Fitnessstudio und versucht, Muskeln aufzubauen. Sie ist seit 25 Jahren Dauernachtwache in einer Wohnstätte für geistig behinderte Bewohner, arbeitet meistens im Rhythmus sieben Nächte, dann von Viertel vor 10 Uhr nachts bis 7.15 Uhr morgens und hilft dann ja immer noch im Frühdienst und pflegt zwei feste Bewohner dann morgens. Danach hat sie sieben Nächte frei. Sie ist ausgebildete Krankenschwester und arbeitet also bewusst nur nachts und kommt damit eigentlich auch gut zurecht. Aber was sie umtreibt ist, was sie denn nachts so essen soll, weil sie ist in ihren freien Phasen oft recht müde und lustlos und das, obwohl sie eigentlich dann gut schläft, wenn sie Dienst hatte. Und sie hat dann...

Also sie zitiert eine Krankenschwester, die in der Klinik immer viel frisches Gemüse gegessen hat. Und du hast offenbar mal gesagt, das ist aber nicht so gesund in der Nacht. Und sie hat dann immer eine Gemüsebox eigentlich mit rohem Gemüse dabei und eine Thermoskanne mit Knochenbrühe, während ihre Kollegen oft richtig deftig essen oder was Süßes. Und sie möchte einfach gerne wissen, ob du Tipps hast, was für so Nachtarbeiter die richtige Ernährung ist. Also wichtig ist, dass bei Nachtarbeit geht ja gegen die zirkadiane Rhythmik. Die ist wichtig für uns. Im Prinzip stört Schichtarbeit, die Darmflora, stört halt unsere Gesundheit. Es ist tatsächlich eine gesundheitlich risikobehaftetere Tätigkeit, das muss man sagen. Deshalb ist es wichtig, auch während der Nachtschicht eine Regelmäßigkeit einzuhalten und dann nicht einfach durchzusnacken, nichts übertrieben Großes zu essen. Also während der Schichtarbeit auch einen Rhythmus beizubehalten und eher leichte, proteinbetonte Mahlzeiten einzunehmen, wie zum Beispiel Joghurt mit Haferflocken, Hüttenkäse, sowas in der Art.

Was man vermeiden sollte, sind schwere, fettreiche, opulente Mahlzeiten. Die können dann eben auch noch mal müder machen. Und das passt auch nicht gut in die Nacht. Klar, also als Getränk dann Wasser, Infused Water oder Tees. Ja, was ist mit dem frischen Gemüse?

Das kann sie auch machen, weil das zählt auch als leichte Ernährung mit dazu. Das kann sie machen, ja. Ich würde das mit der Gemüse nur nicht übertreiben, aber so eine kleine Gemüsebox, das ist eigentlich okay. Hier würde ich noch Eiweiß ergänzen. Mhm. Dann hat uns Matthias geschrieben, 28, er hat geschrieben, aus der schönsten Stadt der Welt, dann habe ich erstmal nachgefragt, mein der Wien oder mein der Hamburg, weil die Wiener, ich finde das stimmt und die Hamburger behaupten es immer hier, dass sie in der schönsten Stadt der Welt leben, also ich würde auch eher nach Wien tendieren, aber er hat geschrieben, er und seine Freunde verfolgen wissbegierig unseren Podcast, und hat ein paar Fragen und die sind glaube ich auch von allgemeinem Interesse, Nämlich ist es gleichgültig, ob ich Nüsse in roher Form oder es Mousse esse? Das ist seine erste Frage. Ja, Nussmousse ist ja zu 100 Prozent die gemahlene Nuss. Es hat sogar noch einen kleinen Vorteil, weil das ist gut gekaut. Also ist nicht gekaut, ist gemalt. Wir müssen die Nüsse ja erst nochmal kauen. Und dabei kann es passieren, dass die nicht so klein gekaut werden, dass wir sie gut aufnehmen können. Und Mousse-Mousse ist natürlich viel besser von unserem Körper aufnehmbar. Aber das ist eigentlich ideal. Wieder was gelernt.

Dann schreibt er weiter, ich trinke jeden Tag einen Gemüseshake. Also nur Gemüse mit Wasser, ohne irgendwas anderes drin, um auf ein halbes Kilo Gemüse pro Tag zu kommen. Bringt das so viel oder bringt das nur was, wenn man das Gemüse als Ganzes isst? Nein. Auch hier ist es so, dass gutes Kauen die Aufnahmefähigkeit des Körpers für die Nährstoffe verbessert. Und dieses, jetzt mal um beim Bild zu bleiben, Gemüse ist gut durchgekaut, das kann der Körper gut aufnehmen und das ist in Ordnung. Das ist für Menschen, die sich ein bisschen schwer tun, sagen, heute habe ich erst 200 Gramm Gemüse, einfach noch einen Gemüsescheck dazu und dann schafft man es. Aber mit 28, Matthias, da hat man doch gesunde Zähne, da könnte man auch noch richtig beißen, oder? Da könnte man kauen, aber du weißt ja, wie das ist. Ich finde das aber toll, dass er das macht und daran denkt, weil manchmal hat er vielleicht auch keine Lust und schnell weggetrunken, das Gemüse. Es ist gut, dass er es sich einfach macht, weil viele sagen, naja, heute habe ich es nicht geschafft, habe ich es eben nicht geschafft. Aber das finde ich gut, dass er da, nur nicht zwanghaft, das darf man ja auch nicht werden dabei. Aber das finde ich gut. Also Gemüseschakes sind eine gute Ergänzung. Finde ich toll auch. Und ich finde es schön, dass wir so junge Zuschriften haben. 28, Grüß Gott nach Wien, so sagt man. Ja, genau.

Ich war noch nie in Wien, aber die Bilder, die ich gesehen habe. Matthias. Ja, ja, ich habe es vor. Ich habe eine ganze Liste, habe ich gerade einer Kollegin gegeben, die jetzt nach Wien will in den nächsten Wochen, wo sie überall hin muss. Die kriegst du auch. Ja, danke. Wien steht nochmal auf der Liste. Und ich habe mir eigentlich auch gewünscht, ich habe ja jetzt in diesem Jahr, Vorträge in Köln und Berlin gemacht, Hamburg kommt ja noch im Juni. Und fürs nächste Jahr habe ich mir gedacht, wie wäre es denn München und Wien? Ich komme mit. Du kommst mit, ja. Darf ich mit? Ich möchte mit. München hatten wir schon mal überlegt. Da waren die Veranstalter so ein bisschen ängstlich, weil sie sagten, ich weiß nicht, wie die Bayern reagieren. Aber wir kriegen viele Zuschriften aus Bayern. Die Leute interessieren sich sehr wohl. Ich meine, es sind ja sowieso Genussmenschen, die Bayern, aber die ernähren sich auch gesund. Ja, die Österreicher. Also vielleicht Wien, vielleicht schaffen wir das. Ja, sehr schön.

Music.

Das Rezept. Verordnet von Dr. Riedl, Herzlichen Dank. Du hast aber auch bestimmt jetzt noch ein schönes Rezept für uns, weil ohne gehen wir nicht nach Hause. Nein, ohne gehen wir nicht nach Hause. Ich habe übrigens letztens aus dem Longevity-Kochbuch die Edamame mit Avocado jetzt schon zweimal gemacht. Das ist ein Aufstrich. Ich liebe es. Und mein Mann liebt es auch. Ist toll, ne? Ich finde man solche... Ja, weil es schmeckt eigentlich ziemlich guacamole-artig, hat aber noch den gesunden Effekt der Edamame drin. Genau, super. Zwei super Gemüsearten in einem Brotaufstrich. Longevity auf dem Frühstücksbrot. Herrlich. Was haben wir heute? Ich habe ein Rezept aus dem neuen Buch Anti-Heißhunger, also gesunde Sattmacher. Hier ist es zu sehen, das ist das Cover. Und da eben ein Hähnchen-Gemüse-Auflauf rausgesucht. Extrem proteinreich. Es sollen ja Sattmacher-Rezepte sein. Wie gefällt dir das erstmal von Anbecker? Soul Food würde ich sagen, das macht richtig Appetit. Gemüse, Hühnchen, ein bisschen angeröstet sieht man es hier, Kräuter.

Also da sind drin 50 Gramm Protein pro Portion, das ist richtig viel. Man kann auch noch ein bisschen das Eiweiß runter regulieren. Was haben wir da drin? Welche Sattmacher haben wir drin? Da haben wir Olivenöl drin als Sattmacher. Wirkt sehr, sehr stark sättigend, nicht nur durch das Öl, sondern auch durch die Polyphenole. Dann haben wir eben viel Gemüse als Sattmacher und schließlich, also mit Paprika beispielsweise, Zucchini, genau und Tomate und natürlich haben wir dann noch das Hühnerfleisch als Sattmacher und wir bewegen uns beim Hühnerfleisch mit dem weißen Fleisch ja auch im mittleren Bereich, nicht da, wo das ungesunde rote Fleisch ist, sondern weißes Fleisch können wir auch als gesund betrachten. Nicht so wie Fisch, aber immerhin. Und es ist ein toller Sattmacher und hilft beim Muskelaufbau. Diese sind alles Rezepte, die sehr, sehr darauf optimiert sind.

Richtig nachhaltig satt zu machen. Und wie ich finde, hinterher ein ganz tolles Sattheitsgefühl machen. Nämlich nicht dieses Papp-Satt, sondern ein wohliges Satt. Weißt du, was ich meine? Ja, das kenne ich. Früher war ich sehr oft sehr pappsatt. Und jetzt esse ich doch eher Dinge, die nur wohlig satt machen und auch Mengen, die nur wohlig satt machen. Das kann man, glaube ich, im Ofen machen, oder? So sieht es aus nach einem Ofengericht. Genau, das kann man im Ofen machen und 40 Minuten garen, halbe Stunde Zubereitungszeit. Ich liebe es ja, Gemüse zu schnipseln, deshalb bin ich auch kein, wie heißt dieses Thermo-Dings da? Ja, Thermomix. Thermomix, überhaupt nichts für mich, habe ich ja auch schon mal gesagt. Und wenn man es dann in den Ofen tun kann, dann kann man halt auch wieder weiterarbeiten oder was anderes tun in der Zeit. Es macht die Küche nicht dreckig, ich liebe solche Gerichte, weil es gibt halt so Tage, da hat man gerade alles sauber gemacht und will nicht anfangen, irgendwas zu brutzeln und für sowas finde ich das perfekt. Und du hast die Küche schon aufgeräumt, bevor es auf den Tisch kommt, weil du nämlich während das dann im Ofen isst, kannst du die Küche schon aufbauen. Großartig. Und nach dem Essen ist die Küche sauber. Das finde ich super. Fläche Gerichte lieben über alles. Ich liebe das auch. Und vor allen Dingen wird ganz schnell noch ein Mealprep daraus. Das heißt, du kochst ein bisschen mehr, der Rest wird eingefroren. Mache ich auch immer. Ja, finde ich super. Herzlichen Dank. Ja, gerne. Nicht dafür. Ja, dann sind wir heute schon wieder am Ende. Ich freue mich, dass ihr zugehört und zugeschaut habt. Und wenn ihr noch irgendwelche Folgen verpasst habt, der findet uns auf allen gängigen Plattformen.

Und das Rezept kommt natürlich wie immer auf unserem Insta-Kanal So geht gesunde Ernährung. Hast du noch was mitzuteilen? Ja, also wer noch mehr Tipps braucht und News, Studienergebnisse, der abonniert einfach den kostenlosen Newsletter von myfooddoctor.de. Schaut in die Isstichgesund oder folgt uns auf Social Media oder kommt im Juni in die Leishalle, wo ich in diesem Jahr meinen letzten Vortrag halte. Das ist fast schon ganz ausverkauft, aber Restkarten sind noch da. Vielleicht sehen wir uns da. Und ich bedanke mich mal wieder ganz herzlich bei Axel Leonhardt und Heike Becker für Kameraführung und Schnitt. Bis zum nächsten Mal. Tschüss. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de slash podcast.