Frohes neues Jahr, ich hoffe, ihr seid alle gut reingekommen. Und gleich zum Jahresanfang machen wir eine kleine Zeitreise. Queen Victoria, das viktorianische Zeitalter. Damit können wir vermutlich alle ein bisschen was anfangen. Die meisten von uns kennen das Bild von ihr als strenge Queen im Witwen-Outfit. Aber wer war der Mann an ihrer Seite, der Victoria bis an ihr Lebensende hat trauern lassen? Willkommen im Bavarikon-Podcast, ich bin Lisa Buschmann. Der Mann hieß Albert von Sachsen-Coburg und Gotha und als er die Queen geheiratet hat, waren die Briten erstmal not amused. Aber Albert wird seine Rolle finden und sich beweisen.
Ich habe den perfekten Ehemann. Ich bete zu Gott, dass er mich Albert nicht überleben lässt. Dieser sehnsüchtige Wunsch wird Queen Victoria nicht erfüllt. Viele Jahre wird sie ihren Mann Albert überleben. Der Tod ihres Mannes stürzt die Queen in tiefe Trauer. Kurz nach seinem Ableben schreibt sie an den belgischen König Leopold, Mein Leben als ein Glückliches ist zu Ende. Mit der Welt ist es für mich aus. 40 Jahre überlebt Queen Victoria ihren Mann. Überall im Commonwealth wird sie in dieser Zeit Denkmäler für Albert errichten lassen. Es werden Bauten entstehen, die seinen Namen tragen, auch Flüsse oder Berge werden nach ihm benannt. Albert hat der britischen Monarchie große Dienste erwiesen. Zu Beginn stehen die Briten dem Ausländer, der es mit der Hofetikette nicht zu ernst nimmt, skeptisch gegenüber. Dabei wird sich herausstellen, für die britische Monarchie ist Albert der richtige Mann auf dem richtigen Posten, zur richtigen Zeit. Nicht zuletzt dank seiner Ausbildung.
Zur Welt kommt Albert am 26. August 1819 auf Schloss Rosenau im Landkreis Coburg. Das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha spielt politisch gesehen keine große Rolle, kann aber hervorragend networken. Durch eine geschickte Heiratspolitik ist es mit dem ganzen Hochadel Europas verwandt. Albert und sein älterer Bruder Ernst wachsen erst mal in Coburg auf. Die Stadt ist beschaulich. Trotzdem erleben die Brüder keine heile Welt oder gar eine Bilderbuch-Kindheit.
Als Albert gerade mal fünf Jahre alt ist, trennen sich seine Eltern. Seine Mutter Luise hatte eine Affäre und wird deshalb in Verbannung geschickt. Kontakt zu ihren Kindern darf sie keinen mehr aufnehmen. Vater Herzog Ernst I. ist aber kein unschuldiger, gehörnter Ehemann. Er hat selber Affären oder geht lieber auf die Jagd, als sich um seine Kinder zu kümmern. Albert und Ernst werden von einem Hauslehrer erzogen und ausgebildet. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Geschichte, Geografie und Fremdsprachen. Die Konfirmation der Brüder markiert den Moment, an dem sie auf Wanderjahre gehen. Sie reisen dabei nicht nur quer durch Europa, sondern sie studieren auch Jura, Verwaltungsrecht und Naturwissenschaften an der Universität Bonn. Weil das Zuhause ihres Onkels, König Leopold von Belgien, besser zu erreichen ist als die Heimat in Coburg, besuchen Albert und Ernst ihn öfter in Brüssel. Onkel Leopold ist geschickt im Taktieren und im Vorausdenken. Er arrangiert 1836 ein erstes Treffen zwischen Albert und Viktoria. Die beiden sind Cousine und Cousin, denn Viktoria ist die Tochter von Leopolds Schwester Victoire und dem Herzog von Kent. Weil der schon gestorben ist, sind Victorias Chancen auf den Thron nicht unrealistisch.
Wenn es zwischen Albert und Viktoria eine Verbindung gäbe, hätte das Haus Sachsen-Koburg großen Einfluss auf die britische Krone. Leopold selbst hatte 1816 versucht, Prinz gemalt zu werden. Aber seine Frau, zu dem Zeitpunkt Nummer 1 der Thronfolge, verstirbt leider nach einer Totgeburt. Jahre später versucht er seinen Neffen Albert in die Position zu bringen, die Leopold selber mal angestrebt hat. Mit Erfolg. Zumindest in zwei Anläufen. Als Viktoria 1837 zur Königin gekrönt wird, hat sie erstmal keine Lust zu heiraten. Auf Alberts Schreiben reagiert sie nicht mehr. Aber sie kann sich dem Druck des Volkes nicht entziehen, dass sich eine verheiratete Queen wünscht und dann ist da auch noch Onkel Leopold, der nicht locker lässt. Als Albert und Viktoria 1839 zum zweiten Mal aufeinandertreffen, verliebt sich die Queen von jetzt auf gleich in den deutschen Prinzen. Als Ranghöhere muss sie den Antrag machen. Am 10. Februar 1840 wird geheiratet mit allem, was dazugehört.
Alles bestens könnte man meinen, aber Albert muss sich erstmal beweisen und hat zu Beginn seiner Ehe kaum eine Chance dazu. Er dürfte auf den britischen Adel etwas unkonventionell gewirkt haben. Keine große Lust auf Hofetikette, dafür große Energie, wenn es darum geht, gesellschaftlichen Ereignissen aus dem Weg zu gehen. Eigentlich ist Albert super ausgebildet für seine politische Rolle, aber seine Frau hält ihn komplett aus den Amtsgeschäften raus. Ich bin nur der Mann, aber nicht der Herr im Hause, soll er diesen Umstand einmal kommentiert haben. Die Bevölkerung dichtet Spottverse auf ihn und will ihn erstmal nicht mal als Prinzgemahl bezeichnen. Seine Rolle ist vor dem Hintergrund seiner Ausbildung sehr lahm, aber Albert findet Wege, sich einzubringen. Er wird Mitglied der Royal Society, studiert Englisches Recht und außerdem wird er Präsident der Gesellschaft zur Abschaffung der Sklaverei.
Mit den vielen Schwangerschaften der Queen rückt Albert mehr und mehr ins Zentrum der Verantwortung. Als die erste Tochter im November 1840 zur Welt kommt, vertritt er seine Frau und nimmt zum ersten Mal am Kronrat teil. Viktoria ist gleich darauf wieder schwanger und Albert wieder gefordert. In dieser Phase zeigt sich sein Geschick, diplomatisch mit Problemen umzugehen. Viktoria findet nicht alle seine Entscheidungen passend, aber sie erkennt Alberts Potenzial. Er ist nicht nur ein guter Liebhaber, sondern auch ein geschickter Politiker. Schon ein Jahr später, als das zweite Kind zur Welt kommt, ist Albert der wichtigste Vertraute seiner Frau. Ab da bezieht sie ihn in Entscheidungen mit ein. Er bekommt Einsicht in wichtige Dokumente und Akten. Natürlich gibt es auch Krisen in dieser Ehe. Doch trotz der großen Verantwortung bekommt es das Paar hin, die zu managen. Sie ergänzen sich gegenseitig gut, vor allem bei den Kindern.
Viktoria hat trotz ihrer neunfachen Mutterschaft wenig Interesse an Babys oder Kleinkindern. Albert dagegen ist Feuer und Flamme und stürzt sich in seine Vaterrolle. Er kümmert sich um sie und bringt ihnen Dinge bei. Albert geht auch mal mit ihnen Schmetterlinge jagen oder Schlittschuh laufen. Außergewöhnlich für einen Mann seines Standes und seiner Zeit. Seine royalen Pflichten kommen aber nicht zu kurz. Albert wird 1847 zum Kanzler der University of Cambridge gewählt. Außerdem träumt er groß. Von ihm stammt die Idee der Weltausstellung, die 1851 zum ersten Mal stattfindet. Albert übernimmt nicht nur die Organisation, er plant auch die Event-Location, den Crystal Palace. Rund sechs Millionen Besucher aus dem In- und Ausland kommen nach London und sind von der Weltausstellung begeistert. Mit den Einnahmen werden Teile des Londoner Stadtteils South Kensington gekauft. In ihm entsteht eine große Museumslandschaft.
Dass Albert ein soziales Gewissen hat, hat er schon mit seinem Engagement für die Abschaffung der Sklaverei gezeigt. Er will aber auch etwas für die Verbesserung der sozialen Verhältnisse in England tun. Auf seine Initiative hin entstehen so zum Beispiel in London die ersten Reihenhäuser für Arbeiterfamilien mit Wasserleitungen und WC. Für uns heute eine Selbstverständlichkeit, damals aber ein Meilenstein. Clever ist Albert auch darin, das Image der Royals wieder aufzupolieren. Die Fotografie ist immer mehr auf dem Vormarsch und Albert nutzt die damals neue Technologie für geschickte Marketingstrategien. So entstehen Fotos der königlichen Familie, die sich beliebig oft vervielfältigen lassen können und so auch Einzug in die britischen Haushalte haben. Jeder kann ein Stück der Royals abhaben und diese neue Form der Nähe sorgt auch für steigende Beliebtheitswerte. Wer weiß, was Albert noch alles gelungen wäre, wenn er mehr Zeit gehabt hätte. Doch schon seit mehreren Jahren geht es mit seiner Gesundheit bergab. Mit nur 42 Jahren stirbt Albert von Sachsen-Coburg und Gotha am 13. Dezember 1861.
Offizielle Todesursache war Typhus, aber heute geht man davon aus, dass es auch Magenkrebs oder Morbus Crohn gewesen sein könnte. Queen Victoria wird den Rest ihres Lebens die Erinnerung an ihn wachhalten. An den Prinz aus Coburg, der politisch unbedeutend schien und doch so große Spuren hinterlassen hat.
Der damalige Premierminister Benjamin Disraeli hat über Albert mal gesagt, dieser deutsche Prinz hat England mit einer Weisheit und Energie regiert, wie sie keiner unserer Könige je gezeigt hat. Auch eine Aussage. Der deutsche Prinz hat wirklich einiges vorangebracht. Die von ihm initiierte Weltausstellung wird bis heute fortgesetzt, auch wenn sie heute Expo heißt. Extra für eine Weltausstellung wird übrigens auch später der Eiffelturm gebaut. Und die Story über den Eiffelturm, die gibt es bei uns im Podcast. Übrigens auch die von Alberts Frau Queen Victoria. Mehr über das viktorianische Zeitalter erfahrt ihr auf Bavaricon4U oder ihr klickt euch mal durch die Online-Ausstellung über Albert in Bavaricon. Im historischen Lexikon gibt es mehr Infos über das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Alle Links, wie immer, in den Show Notes. Das war's für dieses Mal. Danke, dass ihr mit dabei wart. Macht's gut, bis zum nächsten Mal.