Die Hamburger Klinik-Helden, der Podcast über Berufe mit Sinn. Vom Hamburger Abendblatt und dem Verband der freigemeinnützigen Krankenhäuser in Hamburg. Moin und herzlich willkommen zu den Hamburger Klinik-Helden, dem Podcast über Berufe mit Sinn. Heute geht es um etwas, das im Krankenhaus oft über den weiteren Weg eines Menschen entscheidet. Klingt simpel, ist es aber nicht. Da geht es um Wiederauf-die-Beine-Kommen. Und um Menschen, die genau dabei helfen, Schritt für Schritt, ganz buchstäblich. Darüber spreche ich heute mit Stefanie Held, Physiotherapeutin, Gymnastiklehrerin und Leiterin der therapeutischen Dienste im evangelischen Amarie-Sivicking-Krankenhaus. Schön, dass Sie heute da sind, Frau Held. Ja, vielen Dank für die Einladung. Was genau gehört alles zu diesem Bereich? In unserer Abteilung arbeiten aus allen Berufsgruppen Kolleginnen. Wir haben dort Kolleginnen aus der Physiotherapie, aus der Ergotherapie, aus der Logopädie. Wir haben PsychologInnen und Masseure. Also von allem was dabei? Von allem was dabei. Ich bin so ein bisschen Koordinatorin, manchmal Anlaufstelle für Probleme und letztlich muss auch einer den Hut aufhaben, wenn es um so viele verschiedene Bedürfnisse und Anforderungen auch geht.

Interdisziplinär ist das Stichwort. Das ist bei Ihnen ja ganz, ganz wichtig. Können Sie mir das einmal erklären, wie das in Ihrem Alltag eigentlich aussieht? Ja, also das Interdisziplinäre spiegelt sich vor allen Dingen in der Geriatrie wieder. Wir haben ja verschiedene Abteilungen und Fachbereiche im Krankenhaus. In der Geriatrie arbeiten wirklich alle Berufsgruppen am Patienten. Und es geht darum, dass jede Berufsgruppe mit ihrem Schwerpunkt am gleichen Ziel für den Patienten arbeitet und ihre Spezifikation in das Ziel oder in die Zielerbringung für den Patienten einbringt. Für jeden Patienten oder für jede Patientin ist das ja ein anderes Ziel. Genau. Das Ziel für die Patienten definiert sich erstmal über den Patienten selbst, ist natürlich sehr individuell und es geht in aller Regel darum, dass Menschen wieder in die Selbsthilfefähigkeit kommen oder in die Beweglichkeit kommen und in die Selbstständigkeit kommen. Also wieder nach Hause dürfen.

Im besten Fall nach Hause oder interimsmäßig auch woanders hin, wo mehr Unterstützung gegeben wird. Aber das wünschen sich die meisten Menschen. Die meisten wollen nach Hause und die meisten wollen auch sich selbst wieder versorgen können. Also alles, was man im Badezimmer verrichtet, möchten die meisten Menschen gerne alleine wieder können. Schaffen viele das? Also es ist ja inzwischen so, dass wir viele auch sehr hochaltrige Menschen haben. Wo beginnt Hochaltrig? Hochaltrig oder ich sage mal andersrum. Als ich jung war, da hatte ich das Gefühl, auf meiner Perspektive heraus, ging es so bei 65 los in der Geiatrie jetzt und Mitte 80 war so hochaltrig. Wir haben jetzt durchaus Patienten, die 90 und älter sind. Wir hatten auch schon PatientInnen, die 100 waren. Wahnsinn. Und die haben natürlich zum Teil auch andere Ziele, weil sie merken, sie sind so mit ihrer Lebenskraft schon beschränkt und sagen auch manchmal so, ach nicht zu viel und lassen sie mir mal eine Pause und so das schon. Aber im Grunde ist die Selbstständigkeit für jeden Menschen ein wesentliches auch Lebensmerkmal.

Wie viele Jahre arbeiten Sie jetzt schon im Krankenhaus, in der Therapie insgesamt? Oh, über den Daumen gebrägt. Da haben Sie mich jetzt erwischt. Ich glaube, ich habe, muss ich mal eben überlegen, 1989 angefangen, in der Therapie zu arbeiten. Okay, das ist man lang. Erinnern Sie sich noch an dem Moment, wo Sie wussten, das ist mein Beruf? Ja, diesen Moment gab es so eigentlich nicht. Und meine Jugend und mein Heranwachsen war eigentlich geprägt von viel Bewegung, Musik.

Was haben Sie denn so gemacht? Ich habe Ballett und Tennis und alles ausprobiert. Und Bewegung habe ich irgendwie immer schon gebraucht. Dann hat sich irgendwann das entgeben, dass eine Freundin von mir sagte, ach, ich mache mal eine Ausbildung zur Physiotherapeutin. Ich bin dann lieber erst mal ein Jahr nach Paris gegangen und wollte ein bisschen leben. Ja, und dann habe ich aber überlegt, was ist mir wichtig? Und wichtig war mir eben Bewegung und Beziehung zu Menschen. Ja, das waren eigentlich so zwei Kriterien, die auf diesen Beruf gut passen. Da kann dann die Physiotherapie. Ja, genau. Sie sind ja auch Gymnastiklehrerin. Ja. Darf ich das sagen? Das klingt ein bisschen witzig. Ja, das ist ein bisschen oldschool, ne? Ja, ich weiß gar nicht, ob heute diese Ausbildung heute noch gibt. Das war damals eine Ausbildung, die ich gemacht habe, die eine kombinierte Ausbildung war. Also Physiotherapie plus Gymnastiklehrerin. Und das hat aber durchaus einen Sinn gehabt, weil als Gymnastiklehrerin muss man sich ja auch viel bewegen und man analysiert auch Bewegung sehr genau und kriegt ein gutes Gefühl für den eigenen Körper. Und mit wem haben Sie Gymnastik gemacht? Da mussten Sie selber aber auch Gymnastik machen. Oh, unbedingt. Darf ich mir das vorstellen wie rhythmische Sportgymnastik? Und Herr Annahm? Mit Ballen? Mit Ballen, mit Reifen, mit Keule, also ganz klassisch damals.

Und wir haben auch Gruppen angeleitet. Also Gymnastik gemacht habe ich so in meinen ersten Berufsjahren, um auch nebenbei ein bisschen Geld zu verdienen. Mit Gymnastikgruppen, mit Skigruppen, Hausfrauengruppen, alles Mögliche. Toll, naja, da kann man dann, wenn man schon so viele Gruppen geleitet hat, ja, mit Menschen umgehen. Also jedenfalls übt man sich gut darin. Das kann, das ist ja die andere Frage. Wenn ich Sie einen Tag lang begleiten würde, was würde ich Unverhofftes erleben? Also ich glaube, sie würden gar nicht so viel Unverhofftes erleben, denn die Strukturen, die Tagesstrukturen sind relativ geplant, müssen sie auch sein. Also besonders in so einem großen Team kann man die Dinge nicht zu sehr dem Zufall überlassen. Und was unverhofft dazukommen kann, sind so Begegnungen oder Erlebnisse auf der Beziehungsebene, also mit Patientinnen oder mit Kolleginnen.

Wo plötzlich Themen so entstehen, die man nicht so erwartet hat vielleicht. Haben Sie ein Beispiel mit einer Patientin oder mit einem Patienten? Zum Beispiel, also das ist jetzt eher ein trauriges Beispiel, aber wenn man Patienten neu kennenlernt und die einem erzählen, mein Ehepartner ist verstorben und die Beerdigung ist jetzt und vielleicht ist es nicht möglich, dass die teilnehmen können. Oder aber auch, dass die sich freuen, dass der Kontakt zu Kindern wiederhergestellt ist jetzt über die Erkrankung. Das sind ja so berührende Erlebnisse, die kann man sich ja gar nicht im Voraus denken.

Da muss man dann spontan mitnehmen. Ja, und auch offen dafür sein und hören, was ist jetzt gerade im Vordergrund dessen, was wir miteinander eigentlich tun wollen. Weil es gibt natürlich Themen... Die bremsen sozusagen das, was man eigentlich vorhat. Wenn jemand gerade vielleicht was Bestimmtes trainieren soll, eine Bewegung oder ja, aber ist vielleicht traurig, dann switchen sie um. Ja. Was machen sie dann? Naja, dann überlegt man gemeinsam, warum funktioniert es nicht? Oder wenn ich merke, er ist traurig, dann frage ich erstmal nach und hole ihn dort ab, wo ich ihn vermute sozusagen. Also ich möchte auch nichts reininterpretieren. Es gibt auch Menschen, die möchten nicht sprechen und können sich dann trotzdem vielleicht nicht so ganz auf mein Setting einlassen. Aber dann muss man eben gucken, wo ist die Grenze dessen, was der oder diejenige jetzt gerade abkann sozusagen. Ja, leisten kann. Leisten kann, ja. Sensible Antennen. Unbedingt. Braucht man den Beruf? Brauchen wir unbedingt. Wir sind ja HandwerkerInnen und Handwerker, egal ob jetzt Ergotherapeutin oder Logopädin oder Physiotherapeutin. Wir brauchen eine gut ausgeprägte Sensorik. Und Sensorik heißt alle Sinnesorgane. Und wenn man die nicht hat, dann ist es schwierig, sich auf Menschen wirklich gut einlassen zu können.

Handwerkerähnen. Das ist ein interessantes Beispiel. Wir arbeiten haptisch. Wir berühren, wir fassen an, wir spüren und wir müssen auch erfassen.

Wo bestimmte Verhärtungen, damit meine ich nicht unbedingt Muskulatur, aber so vielleicht Widerstände aufzuspüren sind. Wie organisiert man so eine Vielfalt an Berufen und Persönlichkeiten? Ja, also erst mal gibt es klare Vorgaben im Gesundheitswesen. Und ansonsten geht es für mich, also das ist so einer meiner Schwerpunkte, Kontinuität und Stabilität. Wichtig ist, glaube ich, für Patienten und für Mitarbeitende, dass sie wissen, worauf sie sich einstellen können. Der Effekt davon ist einerseits ein geringerer Informationsverlust und andererseits aber auch, dass ich die Patienten kenne, dass ich auch ein Ziel wirklich formulieren kann und sagen kann, morgen komme ich wieder und dann machen wir da weiter. Also das sind so zwei Dinge. Das sind wichtige Merkmale, finde ich, die den Kollegen helfen, sortiert arbeiten zu können. Das klingt für mich so individuell, nicht Schema F, sondern das klingt so, als würden Sie sich jeden wirklich so ganz genau anschauen. Ich versuche es. Also natürlich ist es nicht immer umsetzbar, aber was mir wichtig ist, ist, dass man einerseits weiß, was mag der Kollege gerne, welche Qualifikationen hat er vielleicht auch und wo fühlt er sich auch wohl. Kann ich nicht immer umsetzen, aber ist schon eine Überlegung auf jeden Fall.

Und das andere ist, wir bauen Beziehungen auf. Untereinander im Team, wir sind ja im ganzen Haus verteilt als Team, vor allem die Physiotherapeuten und die Logopäden. Und das bedeutet, wenn ich jeden Tag auf einer anderen Station bin, dann kenne ich das Team dort nicht, dann kenne ich die Ärzte dort nicht. Und ich bin einfach darauf angewiesen, dass ich weiß, was mich dort erwartet. Und das ist für mich so ein bisschen so wie in der Bewegung auch. Ein Mensch, der einen stabilen Rumpf hat, der kann die Arme gut mobil einsetzen oder die Beine, aber ich brauche einen stabilen Sockel, um sozusagen dynamisch und mobil leben zu und sein zu können. Das bezieht sich für mich auf viele Lebensbereiche. Dann sind Sie der Sockel. Ich glaube, ich bin so ein bisschen klingt um die Kreise. Ja, so ein bisschen bin ich der Sockel. Oder der Kopf. Kopf und Sockel. Hängt vielleicht von der Betrachtungsweise eines jeden Einzelnen ab.

Die nächste Frage wäre Sind Sie auch ein bisschen Familienoberhaupt? Fühlt sich das ein bisschen so an manchmal? Manchmal ja. Ich übernehme die Verantwortung für das Team gerne. Also Familienoberhaupt ja, aber gleichzeitig eben, wie es in der Familie auch so ist, hat jeder so seinen Bereich, den er auch verantwortet und auch selbst und in gewisser Weise auch frei gestalten kann. Der Vergleich Mutter, ja, Sie möchten ja auch nicht, dass Ihr Erwachsener bei Ihnen die Wäsche ablädt, zu Hause sitzt und sagt, mal ziehen Sie mir mal die Socken hin. Genau. Das machen Sie höchstens mit Ihren Patienten. Patientinnen, aber nicht mit ihnen. Aber dann habe ich ein Therapieziel. Was macht denn die Arbeit mit älteren Patientinnen und Patienten, also eben gerade in der Geriatrie, so besonders für Sie? Also ich habe das Gefühl oder ich habe immer schon das Gefühl gehabt, dass man von älteren Menschen sehr viel lernen kann.

Und ich habe sehr hohen Respekt, gerade vor der Generation, die jetzt auch langsam sozusagen uns verlässt, die auch viel von ihren Kriegserfahrungen berichtet haben und wie sie so durchgekommen sind. Das waren zum Teil Geschichten, wo ich wirklich beeindruckt war, gerade auch so Frauen alleine, ohne ihre Männer. Das fand ich sehr berührend und sehr beeindruckend und fand besonders dabei beeindruckend, dass die weder die Hoffnung noch die Zuversicht verloren haben. Das finde ich gerade in der heutigen Zeit eigentlich nochmal eine sehr bemerkenswerte Eigenschaft. Und jetzt, wo ich älter werde, muss ich sagen, verstehe ich deren Tempo besser. Also ich glaube, ich war früher manches Mal so ein bisschen forsch bei der Sache. Und heutzutage kann ich eher nachvollziehen, dass jemand sagt, ach, lassen Sie mich mal einen Moment.

Oder das habe ich jetzt nicht so ganz, machen wir nochmal. Das verstehe ich heute besser. Verraten Sie den HörerInnen, wie alt Sie sind? Ich bin 61. Okay, das kann ich mir jetzt gar nicht vorstellen, dass Sie irgendwann in Rente gehen. Also das können Sie da draußen, Sie sind ja leider nicht live dabei. Aber das kann man sich nie vorstellen, wenn man Sie so sieht. Im Moment kann ich es mir auch noch nicht vorstellen. Aber ich habe so in meinem Umfeld jetzt immer schon mal so Freunde oder Freundinnen, die so auf Teilzeit gehen oder abbauen. Und wenn ich höre, was die alles so Schönes machen, denke ich, ja, das kann ich mir auch vorstellen. Aber es ist auch nicht so, dass ich das Gefühl habe, ich verpasse irgendwas. Also ich finde diesen Beruf wirklich sehr erfüllend. Also insofern, wir hatten ja ein längeres Vorgespräch. Da kam immer wieder der Begriff, der ganzheitliche Blick auf den Menschen. Und das ist mir ganz toll im Gedächtnis geblieben nach dem Gespräch. Was bedeutet das konkret in der Therapie?

Also früher war es ja so, dass Menschen erkrankten an Krankheiten und das stand im Vordergrund. Und das hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte Gott sei Dank dahin entwickelt, dass klar ist, der Mensch hat natürlich eine Erkrankung, Aber diese Erkrankung wirkt sich auf sein ganzes Leben aus. Und das bedeutet, es ist nicht nur eine Körperstruktur und eine Körperfunktion eingeschränkt, sondern das hat Folgen auf die Aktivitäten, die er machen kann, auf die Teilhabe im Leben und auch auf das Umfeld. Also man muss den Menschen ja systemisch sehen eigentlich. Und darum wird dieser Begriff ganzheitlich verwendet. Die WHO hat das, ich glaube es war 2002, auch eingeführt, das ist eine internationale Klassifikation von Funktionen und Behinderung. Ja und das ist eben so ein Blick auf den Menschen, dem man ihm glaube ich gerecht wird. Das ist ihm ganz wichtig. Und das ist mir sehr wichtig, weil wir trainieren nicht einzelne Muskeln oder einzelne Gelenke, sondern die Frage ist ja immer, was für Folgen hat es für diesen Menschen und wo sind seine Ressourcen, an die wir noch andocken können. Geben Sie mir mal ein Beispiel. So ein klassischer Fall. Mhm.

Zum Beispiel hat ein Mensch eine Hüftarthrose und diese Hüftarthrose ist natürlich einerseits ein Gelenkschaden, wenn man so will, und führt dazu, dass er beispielsweise nicht mehr so gut Aktivitäten durchführen kann wie gehen, Treppe steigen, zu Hause zurechtkommen. Das heißt, er kann vielleicht auch nicht mehr seinem Sport nachgehen, er kann nicht mehr gut tanzen, wenn er das gerne mochte. Zum Skatspielen. Ja, Skatspielen beim Sitzen, dann kann er schlecht aufstehen vielleicht. Aber er muss da ja auch hinkommen. Er muss hinkommen, genau. Und er ist dann eventuell abhängig von Mitmenschen und Zugehörigen, die bereit sind, ihn zu fahren. Also das hat eine Auswirkung auf sein gesamtes Leben. Und es wird vielleicht auch seine Stimmung nicht unbedingt verbessern, wenn er immer Schmerzen hat. Sie haben eben ein Wort gesagt, das habe ich so, glaube ich, noch gar nicht gehört. Sie haben nicht Angehörige gesagt. Das sind ja Verwandte, Sie haben Zugehörigen gesagt. Ja, alle Menschen, die jetzt nicht über der Blutslinie verwandt sind, sondern alle, die mit diesem Menschen in Verbindung stehen und ihm wichtig sind oder denen er wichtig ist, genau. Ein guter Begriff, der mir manchmal in meinem Vokabular fehlt.

Wenn man Freunde benennen will. Nein, das ist eine Zugehörige, könnte man dann sagen, bei einer guten Freundin. Mit Menschen, die mit einem in Beziehung stehen. Ich finde es so schön, das ist einfach eine schöne Beschreibung. Was braucht ein Mensch ihrer Erfahrung nach, um wieder auf die Beine zu kommen?

Das tockt ja ein bisschen an die Frage von jedem an. Er braucht ein Ziel. Und zwar, was wäre denn das Ziel für den Menschen, über den wir eben sprachen? Wenn dieser Mensch mit der Hüftarthrose sich entscheidet, sich operieren zu lassen, dann wird er das Ziel vermutlich im Kopf haben, dass er irgendwann wieder alleine zum Skat fahren kann oder Fahrrad fahren kann zum Beispiel. Und das zu benennen mit dem Patienten. Nicht, dass wir als Therapeutin welcher Berufsgruppe auch immer sagen, der muss das und das und das lernen. Nee, jeder hat sein persönliches Ziel und das ist, glaube ich, auch wichtig, das so zu begreifen, weil jedes Leben hat ja auch andere Schwerpunkte. Wichtig finde ich in dem Kontext, dass dann auch alle TherapeutInnen bei Ihnen wissen, welches Ziel, und das wird wahrscheinlich überall vermerkt und jeder weiß das dann auch. Und wenn es das Skatspielen ist selbstständig, dann weiß das die Logopädin, die zu ihm kommt, weiß das auch die Physiotherapeutin. Und das ist ja das Schöne in der Geriatrie zum Beispiel, dass wir da ganz regelhaft Termine im ganzen Team haben, also mit Pflege und Ärzten und allen Therapeuten, in denen solche Dinge besprochen werden. Also welches Ziel haben wir gehabt? Wo sind wir jetzt und was möchten wir noch erreichen? Und da sind solche individuellen Dinge sehr wichtig. Wenn man dann da reingeht und sagt, schönen guten Tag, Herr Mayer, der Hüftgelenkschaden.

So, heute sind wir dem Skatspielen schon ein bisschen näher gekommen und ruft ihm das immer wieder ins Gedächtnis wahrscheinlich. Das ist das eine, dass man auch Erfolgserlebnisse oder kleine Erfolgserlebnisse sichtbar macht und ausspricht. Das andere ist, er muss sie auch spüren. Man kann kaisisch. Ja, er muss es erleben, im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn er selber das Gefühl hat, die erzählt mir jetzt irgendwie positiv vermeintlichen Fortschritt und er das selber so nicht empfindet, dann glaube ich, ist das nicht nachhaltig. Sondern wichtig ist, dass wir Patienten als Therapeuten in eine Situation bringen, in der sie merken können und spüren, ah, ich habe es geschafft oder ich bin einen Teilschritt weiter. Und bei vielen Patienten im Krankenhaus ist das die Treppe, vor der sie große Angst haben. Ja, die Treppe ist immer, genau, so in etwa, weil natürlich, wenn man zu Hause wohnt, viele eine Treppe haben oder keinen Fahrstuhl in der Wohnung oder so, das macht vielen Menschen Angst. Und das heißt, es ist sehr hilfreich und es bietet eine große Sicherheit, wenn man das übt und wenn man auch sagt, wie man es machen kann und das wiederholt, weil Wiederholung ist eben auch festsetzen in der Erinnerung. Wenn ich bei Ihnen im Krankenhaus bin, dann sind die Treppen hochfrequentiert von Ihnen.

Die sind relativ hochfrequentiert, ja. Und der Vorteil an einem Treppenhaus ist ja auch, es wird von anderen Menschen noch besucht. Und es spiegelt ein bisschen den Alltag wieder. Wenn wir uns in einem Umfeld bewegen, wo noch andere Menschen ohne so viel Rücksichtnahme vielleicht sich aufhalten, Dann muss man einige Reize ausblenden und sich sehr fokussieren auf das, was wichtig ist und gleichzeitig aber auch erfahren erkennen. Wie wichtig ist die Beziehung zwischen TherapeutInnen und PatientInnen? Ich glaube, die ist wesentlich, um das Gehirn für Wiedererlernen von Bewegung, von Funktionen zu öffnen. Und wenn die Chemie gar nicht passt oder gar nicht stimmt, dann wird das zu irgendeiner Blockade führen, die einfach nicht zuträglich ist. Dann muss man gucken, dass man irgendwas verändert. Oder Therapeutenwechsel macht? Ja, das machen wir dann. Machen Sie auch? Ja, unbedingt.

Weil gut, Therapeutinnen sind ja auch darauf geschult und können mit Menschen jeglicher Wesensarten umgehen, immer stark von aus. Wenn ein Patient dann schwierig ist, ist es natürlich vielleicht auch für eine Therapeutin nicht ganz einfach, aber man lernt das. Man lernt das und es gibt natürlich für jeden auch persönliche Grenzen. Und dann ist einfach wichtig, dass man weiß, ich kann jetzt auch nichts erzwingen. Dann sprechen wir und dann verändern wir was. Aber Sympathie ist schon ein Punkt. Total. Aber wenn Sie jemanden einstellen, dann geben Sie wahrscheinlich auch noch Sympathie, oder? Dass jemand menschenoffen ist? Und das auf jeden Fall. Ich gehe nach Sympathie. Ich gehe aber vor allen Dingen einerseits nach Qualifikation, aber ich gehe auch so ein bisschen danach, mit welchen Werten kommt dieser Mensch an. Also er kann mir natürlich alles Mögliche erzählen, aber ich glaube, inzwischen habe ich relativ viel Erfahrung und sehe am Lebenslauf, aber auch an dem Austausch miteinander, was bringt dieser Mensch oder diese Kollegin mit. In der Regel hospitieren die Kolleginnen oder Kollegen einen Tag bei uns, damit sie auch realistisch einschätzen, ist das ein Arbeitsumfeld, was für mich passt oder nicht. Und andersrum? Andersrum sowieso. Oder ich sage mal so, als Physiotherapeutin im Krankenhaus oder Ergotherapeutin muss man schon eine Menschenliebe mitbringen.

Menschenliebe, ja. Schönes Wort. Welche Werte sind denn das, die Ihnen so wichtig sind? Was mir wichtig ist, ist, dass Menschen, die in unser Team kommen, dass die Verantwortung übernehmen mögen für andere Menschen und dass sie sich einfühlen können in andere Menschen. Dieser Blick aus einer anderen Brille ist ja wesentlich, um sich in eine andere Lebenssituation hineinzuversetzen. Das ist mir sehr wichtig und dass man sich verantwortlich für den anvertrauten Patienten fühlt. Und das erlebe ich auch bei uns im Team, dass alle sich sehr verantwortlich fühlen, gleichzeitig aber auch eine gute professionelle Distanz-Nähe-Beziehung aufbauen. Das ist nicht immer einfach, weil manche Patienten ja sehr ans Herz wachsen, aber es hilft nichts, wenn man mit ihnen leidet oder zu sehr sich in diese Patientensituation hinein ergibt, denn letztlich sollen wir ja auch in gewisser Weise konstruktive Vorschläge zu machen.

Ein Balanceakt, Menschenliebe auf der einen Seite, Nähe und Distanz. Ist bei Ihnen viel Besuch? Viele Patienten haben natürlich Besuch und auch Zugehörige und wir sind auch häufig mit eingebunden, weil dann ja viele Fragen entstehen. Also einerseits zu Hilfsmitteln, das beantworten, je nachdem, um welcher Hilfsmittel es geht, unsere Ergotherapeutinnen, aber auch, wie kann ich zum Beispiel meine Großmutter oder meine Frau, ist schon schwieriger, wie kann ich ihr helfen, aus dem Bett zu kommen, wie stelle ich sinnvollerweise den Rollstuhl ans Bett. Also solche ganz pragmatischen Tipps, da leiten wir auch die Angehörigen an.

Das bedenkt man ja gar nicht, die Angehörigen oder Zugehörigen haben natürlich dann auch ihre Fragen. Ja, genau. Im besten Fall haben sie Glück und sehen mal, wie sie das machen. Und sind jederzeit willkommen. Und dürfen zuschauen. Ja, unbedingt. Ja. Ja, ich habe gerade neulich erlebt, dass eine Tochter sagte, ach, das kann meine Mutter schon, das wusste ich ja gar nicht. Und sich total gefreut hat. Und die Mutter denkt, verdammt, jetzt muss ich das wieder selber machen. Ja, ich glaube, das Zutrauen, alleine Dinge zu machen, ist dann noch vielleicht ein bisschen gehemmt, aber so in Begleitung der Therapeutin dann trauen die sich schon und ich bin natürlich, ich kann dann auch einschätzen, wie viel Unterstützung muss ich geben, wo kann ich auch was abbauen und diese Tochter hat sich total gefreut, weil auch das Ziel damit näher kam, nämlich die Mutter wieder nach Hause zu holen und eventuell mit Unterstützung durch einen Pflegedienst oder wie auch immer zu Hause wieder integrieren zu können. Das Ziel ist eigentlich immer zu Hause.

Die Treppe zu Hause. Ja, die Treppe zu Hause. Es gibt auch Menschen, die sagen, es wird mir zu viel zu Hause. Ich muss zu viel beachten.

Ich habe vielleicht noch einen Garten. Das ist interessant, Menschen da so reflektiert sind und sagen, das ist eigentlich zu viel. Was für Möglichkeiten habe ich denn jetzt? Es gibt ja doch auch viele Menschen, die dann in eine Seniorenresidenz umziehen und sagen, ich verabschiede mich von meinem vier-, fünf-Zimmer-Haus und gehe dann in eine Seniorenresidenz und habe bestenfalls zwei Zimmer. Das gibt es durchaus. Denn sie sind ja auch unter Umständen viel alleine, dann in den eigenen vier Wänden, weil vielleicht die Mobilität eingeschränkt ist, Autofahren geht nicht mehr, öffentliche Verkehrsmittel sind nicht in unmittelbarer Nähe und ich glaube, dass Einsamkeit ein ganz großes Problem ist auch einhergehend dann mit einer eingeschränkten Mobilität, einer eingeschränkten sensorischen Wahrnehmung, dann ist es häufig der Fernseher, der noch sozusagen den Kontakt nach außen darstellt und das bildet nicht ihr Leben ab. Wenn diese Menschen dann in einer Seniorenresidenz oder in einer Pflegeeinrichtung unterkommen, dann sind da ja aber auch andere Menschen. Genau. Das kann dann ja vielleicht auch wieder belebend sein. Dort leben Menschen, die wirklich auch Unterstützung brauchen. Wenn man in eine Seniorenresidenz zieht, dann hat man eine Zwei-Zimmer-Wohnung und kann Angebote annehmen oder auch nicht. Dazubuchen hätte ich. Genau so zu sagen. Und man hat Glück meistens, dann wird das Essen angeboten, dann kann man zum Mittagessen gehen, wie in ein Restaurant bestenfalls, kommt automatisch und der Mensch muss auch nicht mehr selber kochen, was ich persönlich sehr schön finde.

Hervorragend. Und ja, und dann gibt es Spielkreise und wir haben bei uns auf dem Gelände eine schöne Seniorenresidenz und da läuft das so. Und ich glaube, das ist eine echte Bereicherung, wenn man erstmal die Trennung vom Haus überwunden hat, nach vielen Jahren in der Regel. Das ist ein großer Schritt. Ja. Gibt es Menschen, die bei Ihnen sind auf der Station und dann sagen so, ich traue mir das aber nicht mehr zu. Ich bleibe gleich hier und ziehe dann nur ein Haus weiter auf der Gelände. Ja, wenn man einen Platz kriegt, das ist ja überall in Hamburg ein Problem.

Aber manches Mal ergibt die Auswirkung der Erkrankung die Notwendigkeit, dass man nicht mehr nach Hause kann. Na, wenn man Glück hat, kann man dann nur ein Haus weitergehen. Genau. Dann sehen wir die ja manchmal noch. Ja, auf dem Gelände auch, ja. Moin, Frau Held. Sehen Sie mal, ich bin voll schnell mit dem rumgefahren oder so. Ja, und es ist ja leider auch so, dass einige Patientinnen dann immer wieder kommen, weil immer wieder mal nachjustiert werden muss oder eine neue Erkrankung dazukommt. Aber ja, das ist bei uns auf dem Campus, das ist ein großer Campus und das passiert, ja. Man sieht sich. Man sieht sich und das ist ganz schön, ja. Es sind ja aber nicht alle Patienten und Patientinnen bei Ihnen, So erkrankt, dass sie auch wirklich wieder gesund werden. Also wenn sie ihnen helfen können und sie wieder mobilisieren können, aber manche werden ja einfach nicht mehr gesund. Was passiert dann? Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Entweder je nach Erkrankung geht man dann auf eine Pflegestation oder man wird zu Hause gepflegt, wenn das noch möglich ist. Da sind aber immer die Nächte das Problem. Und wir haben ein Hospiz auf dem Gelände für Erkrankungen, die lebensbeendend sind. Und dieses Hospiz ist kleiner und hat ein sehr individuelles Konzept, um diesen Menschen den letzten Lebensweg schön zu machen einfach. Es zeigt gar nicht diese Krankenhausatmosphäre. Nach welchem Konzept arbeiten Sie am liebsten und auch viel bei sich?

Also ich habe als junge Berufsanfängerin als erstes Therapiekonzept das Bobart-Konzept kennengelernt. Und dieses Konzept war eben auch so ausgerichtet, wie ich es eben beschrieben habe. Nämlich, dass man guckt, was kann der Patient, was braucht er und an welche Ressourcen können wir anschließen. Und es geht immer darum, Altbekanntes möglichst wieder zu regenerieren und normale Bewegungsabläufe, bekannte Funktionsabläufe wieder mit Patienten zu beüben. Und ich finde, das ist eine sehr, nicht nur ressourcenorientierte, sondern auch respektvolle und individuelle Herangehensweise. Das hat mich damals sehr überzeugt, dass man nicht mit irgendwie 15 Übungen kommt und sagt, die muss jeder machen, sondern hopp, hopp. Ja, hopp, hopp, genau, furchtbar. Und dann geht bei mir auch gleich, da fühle ich mich gleich so bevormundet, da frage ich gerne. Ja, genau. Es geht immer erstmal um einen Beziehungsaufbau. Und das passiert bei dem Bobart-Konzept. Das basiert darauf im Prinzip, aber es ist ursprünglich ein Konzept gewesen, was bei neurologischen Patienten entwickelt wurde. Es ist von heute betrachtet, es ist ein Konzept, in dem es darum geht, Bewegung zu analysieren und zu gucken, was braucht der Mensch und eben auch auf Basis dieses biopsychosozialen Modells, also der Ganzheitlichkeit, da einzugreifen und zu handeln. Schöner Ansatz. Aber es gibt natürlich noch ganz viele andere Therapiekonzepte, die auch unbedingt wichtig sind.

Man kann es auch mal auf der ganz strukturellen Ebene sehen. Wie müssen Gelenke stehen zum Beispiel, damit sie auch funktionieren können? Also es gibt ganz viele verschiedene Therapiekonzepte und bei uns im Beruf ist es eben so, dass man ja nach der Ausbildung eigentlich anfängt, sich da in eine Richtung bestenfalls zu entwickeln. Wir haben jetzt ja schon häufiger über Werte gesprochen und eben auch wieder über diesen ganzheitlichen Ansatz. Gibt es einen Satz, der Sie in Ihrer Arbeit gut beschreibt oder auch in Ihrem Stil zu führen? Das müsste man fast mal das Team fahren. Aber also für mich ist unser Leitbild tatsächlich eine gute Richtlinie auch, denn unser Leitbild beschreibt Verschiedenes, aber auch, dass wir Menschen so begegnen, wie wir auch gerne selber behandelt werden möchten.

Nämlich mit Respekt, Achtsamkeit und Wertschätzung. Und das ist etwas, was mir hoffentlich auch ab und zu mal gelingt, aber was mir eine Richtschnur ist. Und im Team dann ja genauso, weil Sie das mit Ihrem Team zusammen so erarbeiten. Genau, also das beschreibt also meine Haltung zu Patienten, aber auch zum Team und das wünsche ich mir auch, dass es innerhalb des Teams so gelebt wird. Und so erlebe ich es auch, dass wir aufeinander achten, dass wir füreinander auch Verantwortung übernehmen und dass wir eben nicht so aneinander vorbeigehen und es uns egal ist. Das ist die goldene Regel, die Sie beschreiben. Es ist ja auch ein Bibe-Alb. Ja, genau. Wir sind ja auch ein diakonisches Haus, wo es auch um Nächstenliebe gelebt, um Nächstenliebe gibt, die eben nicht nur auf dem Papier steht, sondern es geht wirklich darum, das jeden Tag neu sich vorzunehmen und irgendwie umzusetzen. Und die Würde des Menschen. Ja, und die Würde des Menschen zu erhalten. Und wenn man selbst mal Zugehöriger oder Angehöriger war, dann weiß man auch, in welcher Zeit, Situation man sich im Krankenhaus wiederfinden kann. Da ist es einfach wichtig, dass man sich diese Brille zwischendurch auch als Mitarbeiterin oder Therapeutin aussetzen kann und mitkriegt, dass Patienten häufig.

Hilflos sind oder sich hilflos fühlen, sagen wir mal, und natürlich vor einer völlig veränderten Lebenssituation sind im Krankenhaus. In der Regel ist es ja etwas, was das Leben, gerade wenn man hochaltrig ist, sehr verändert. Und das erschreckt einen auch, weil man nicht weiß, was danach passiert. Genau. Orientierung ist für uns Menschen ja sowieso total wichtig. Das ist wieder der stabile Sockel, damit wir mobil handeln und auch agieren können. Das fängt mit Uhren an den Wänden und irgendwie Namensschildern und Kalenderblättern an, dass ich weiß, welcher Tag ist heute und wo bin ich und wann kommt die Therapeutin. Aber es ist eben auch eine Orientierung oder eine Stabilität im Umgang. Also, dass ich nicht befürchten muss, dass mein Therapeut halt schlechte Laune hat oder wer auch immer, sondern dass ich weiß, ich kann mich auf einen bestimmten respektvollen und würdevollen Umgang verlassen. Und dass der stetig ist. Dass der stetig ist, genau. Und das bezieht sich auf Patienten, das bezieht sich auch auf den Umgang mit dem Team, innerhalb des Teams. Und ja, Krankenhaus ist eben ein großes System und eigentlich mit allen zu tun. Also so wie wir mit Patienten umgehen, müssen wir auch miteinander umgehen. Diese Regel ist eigentlich, es klingt so einfach, ne? Ja. Es klingt wirklich einmal. Ach, das wäre so schön, wenn das einfach alle Menschen sich morgens einmal, also einmal in den Spiegel schauen und sich genau das sagen. Schütteln. Einmal dann. Schütteln und so. Ja, genau.

Aber das ist natürlich auch bei uns nicht jeden Tag der Fall. Wäre schon perfekt. Wäre schon perfekt. Aber ich glaube schon, dass vor allen Dingen in Bezug auf die Patienten alle KollegInnen wirklich wissen, worauf es ankommt und wie man mit den uns anvertrauten Patienten umgeht. Das würde ich unterschreiben. Eine selbstverständliche Art. Schön. Das ist auch ehrlich gesagt schon eine Erwartungshaltung, die uns verbindet. Gibt es Momente im Alltag, vielleicht kleine, die Ihnen zeigen, warum Ihre Arbeit so wichtig ist? Also in Bezug auf Patienten ganz klar, er kann jetzt alleine ins Badezimmer gehen und sagt toll, Dankeschön. Die Patienten sind ja auch sehr, freuen sich ja sehr, sind sehr dankbar und wissen das einfach sehr zu schätzen, wenn sie einen Fortschritt machen und es verschafft ihnen eine gewisse Selbstständigkeit und das ist einfach, ja das geht ja jedem Menschen so, dass es unbezahlbar ist. Und in Bezug aufs Team ist für mich schön zu sehen, dass ein Gesamtverständnis da ist von einerseits, wir versuchen möglichst allparteilich irgendwie anzugehen. Alle mit ins Boot zu holen, aber es ist auch möglich, auf individuelle Lebenssituationen einzugehen. Und das ist mir ganz wichtig, weil jeder hat mal Phasen im Leben, die man individuell und speziell behandeln muss. Und da möchte ich gerne darauf Rücksicht nehmen und wünsche mir eben das Verständnis und das Gefühl habe ich auch.

Dass dann nicht gesagt wird, wieso darf der das und wieso darf der das, sondern dass klar ist, wir kommen alle in solche Situationen und dann zählen wir auch. Dann ist auch der Mitarbeiter, steht im Mittelpunkt dann mal und entsprechende Entscheidungen werden dann getroffen.

Ja, das ist für mich ein Ziel. Sie haben ja viel mit älteren Menschen zu tun. Sie selber sind ja nun noch nicht so alt. Also heutzutage kommt man ja ein bisschen später in das Hochaltrige. Klingt irgendwie so adelig, hochaltrig, aber verändert die Arbeit den Blick auf das eigene Leben, ihr eigenes Alter? Ja, also Geduld mit sich selbst. Wird mehr oder weniger? Wird besser.

Ja, also jetzt so in der Lebensmitte, wo ich jetzt rumkrebse, ist die Geduld aber wirklich ganz krank. Ich weiß es, wenn ja, ich auch noch. Aber das Erleben oder das Erfahren, dass das mehreren Menschen so geht, dass man vielleicht sich ein bisschen mehr Zeit nimmt, um Entscheidungen zu treffen oder sich auch Zeit nimmt, um Dinge zu erledigen. Zum Beispiel auch die Erfahrung mit den eigenen Eltern, das prägt. Man lernt ja unglaublich viel von den Patienten und es bringt auch mehr Gelassenheit, ehrlich gesagt. Also dieses ja oder nein, das möchte ich nicht so gerne, eigene Grenzen erkennen, das ist schon ein Erfahrungswert in der Auseinandersetzung mit dem Alter und auch in der Auseinandersetzung mit älteren Patienten. Das klingt total positiv. Ich hatte kurze Angst, dass Sie jetzt sagen, dass Sie oft denken, ich gehe jetzt nicht mehr joggen im Wald, ich könnte umknicken und mir die Hüfte kaputt machen.

Das habe ich tatsächlich nicht, weil ich weiß, das kann man ja gar nicht beeinflussen. Ich kann ja jetzt hier auch aus der Straße nach jetzt nicht. Nein, aber nein, da habe ich so inzwischen so eine Haltung, dass ich denke, es kommt, wie es kommt. Und ich tue einiges dazu, dass ich eine gute Chance habe, vielleicht gesund und kräftig älter zu werden. Ich bewege mich, ich mache auch Krafttraining und so. Aber letztlich habe ich schon so viel auch gesehen, dass man, wenn einen der Schlaganfall trifft, dann kann man wirklich hoffen, dass man in gute Hände kommt.

Und dass man vielleicht gute Begleitung hat, die das mittragen und unterstützen und einem zur Seite stehen. Das ist ganz wichtig, finde ich. Ganz am Anfang des Gesprächs haben wir darüber gesprochen, wann Sie diesen Moment oder es sich entwickelt hat, wie Sie arbeiten möchten. Sie haben aber auch mal was anderes vorher gemacht. Ja, ich habe während der Schulzeit haben wir ja so Berufspraktika absolviert. Eine sehr sinnvolle Einrichtung. Total, finde ich auch. Und ich hatte immer so zur Wahl oder als Wunsch, entweder in der Werbeagentur, das hörte sich für mich so international an irgendwie, ja damals sowieso ja noch, oder was mit Sprachen zu machen. Sprachen ist auch nach wie vor etwas, was ich sehr gerne und interessant finde und dann habe ich tatsächlich ein Praktikum in der Werbeagentur gemacht und habe mitbekommen, in welchem Umfang finanziell, aber auch so insgesamt für Konsumprodukte Geld ausgegeben wird. Total widersinnig für unsere Gesellschaft. Konnte ich nie nachvollziehen, ich hatte mir das nie träumen lassen und habe dann gedacht, nee.

So ein System, das ist nichts für mich. Also diese Verschwendung. Ja, Verschwendung und einfach auch, wofür geben wir Geld aus? Also es fehlt an manchen Stellen, die ich für eine sinnvolle Investition hielte und dort wird mit vollen Händen geschöpft und das ging für mich nicht. Also da war Verschwendung, wie sah das aus? Ja, das beeindruckendste Erlebnis war, dass ich mitbekam, dass für eine bestimmte Margarinesorte eine Reise nach Südafrika gebucht wurde und auch vorgenommen wurde, weil das Gras grüner, die Sonne heller, ich weiß nicht warum genau, aber ich habe es nicht verstanden. Damals war ja auch Fliegen noch sehr teuer und ich war sprachlos tatsächlich, dass das so investiert wird oder wurde. Das war für mich so ein Aha-Erlebnis, wo ich dachte, okay, das ist schon mal nicht meine Branche. Menschlich betrachtet jetzt aus heutiger Sicht klar.

Ich erinnere mich mal kurz an meine Schulzeit zurück, da hätte es den einen oder anderen von uns, glaube ich, eher in die Richtung geruckt, wie cool ist das? Ja, und da hätte nicht jeder so drüber nachgedacht, glaube ich, weil in dem Alter ist das ja schon noch ein bisschen die weite Welt. Ja, ich fand es einfach nicht angemessen für diesen Gegenwert sozusagen. Reisen ist ja die eine Sache, aber diese Menge an Geld und den Gegenwert, den das irgendwie für mich hatte, das passte für mich nicht zusammen. Und entsprach vielleicht nicht meinem Wertesystem. Also wenn ich mir mal die Hüfte verletzen soll, so wahrscheinlich ähnlich, oder einen älteren Verwandten da beraten müsste, ich würde als Zugehörige oder Angehörige die Leute gern zu Ihnen bringen. Ich glaube, die sind da ganz gut aufgehoben. Im Moment kann ich mal in die Treppen zu Hause noch gut alleine gehen. Ich habe aber auch einen Fahrstuhl. Also müssten Sie mit mir ein anderes Ziel vereinbaren. So ist es. Darum möchte ich Ihnen jetzt raten, nutzen Sie die Treppe, weil es ist ein gleichzeitiges Training. täglich. Okay, ich ziehe mich um und wenn was passiert, komme ich zu Ihnen. Frau Held, vielen Dank, dass Sie da waren. Das war sehr schön. Vielen Dank für die Einladung. Wenn Sie mehr über Stefanie Held und ihre Arbeit im Evangelischen Amarie Siebeking Krankenhaus erfahren möchten, im Hamburger Abendblatt gibt es dazu einen Artikel, wie immer, Print und Online. Vielen Dank auch an Sie da draußen fürs Zuhören. Wir hören uns, wenn Sie mögen, in zwei Wochen wieder. Bis dahin, Ihnen eine gute Zeit, bleiben Sie gesund und nehmen Sie immer brav die Treppe.

Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App.