Die Hamburger Klinik-Helden. Der Podcast über Berufe mit Sinn. Vom Hamburger Abendblatt und dem Verband der freigemeinnützigen Krankenhäuser in Hamburg. Die Freien. Ein Mensch öffnet nach Wochen zum ersten Mal wieder ganz bewusst die Augen. Eine Hand bewegt sich ein ganz paar Millimeter. Ein Wort formt sich langsam. Auf einer besonderen Station im Krankenhaus sind es genau diese Momente, die zählen. Hier geht es nicht um schnelle Erfolge, sondern um Geduld, Beziehung und behutsames Wiedererlernen. Herzlich Willkommen zu Hamburger Klinik Helden, dem Podcast über Berufe mit Sinn. Ich habe heute Kilian Müller zu Gast, da freue ich mich sehr drüber. Er ist Stationsleitung Neurologische Frührehabilitation im Albertinen Krankenhaus. Schön, dass Sie da sind. Vielen Dank, ich freue mich auch sehr, hier zu sein. Für mich das Witzigste zuerst, Sie arbeiten in dem Krankenhaus, in dem Sie geboren sind, richtig? Ja, genau. Wie ist das? Ein bisschen merkwürdig, aber gleichzeitig denke ich, hilft das sich auch gut mit seinem Unternehmen und seiner Arbeit, die man da verübt, zu identifizieren. Ein sehr wichtiger Punkt. Gibt es denn noch irgendjemanden, der da schon gearbeitet hat, als Sie geboren wurden? Wie lange ist das her?
1995 bin ich dort geboren. Ich persönlich kenne da niemanden mehr, der damals dort gearbeitet hat. Ich weiß aber, dass Leitungen und auch unser Pflegedirektor eben zu der damaligen Zeitpunkt auch schon auf den Stationen als Pflegekräfte gearbeitet haben. Erklären Sie uns vielleicht zuerst einmal diesen Begriff neurologische Frührehabilitation. Also neurologisch klar, Rehabilitation okay, aber was bedeutet das in dieser Kombination? Ja, in Kombination ist das eigentlich eine spezialisierte, intensivmedizinisch begleitete Behandlungsform, die sozusagen direkt nach dem Akutereignis, also sozusagen meistens dem Schlaganfall, gleich stattfindet. Um mit dem Ziel halt frühzeitig Fähigkeiten, die verloren gegangen sind, für alltägliche Handlungen wiederzuerlangen. Was sind denn so die Krankheitsbilder, die am häufigsten bei Ihnen sind? Also die häufigsten Krankheitsbilder, die eben bei uns auf Stationen liegen, sind der klassische Schlaganfall, die Hirnblutungen und Schädel-Hirntraumata. Wir haben aber ebenso auch Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Multiple Sklerose und GBS. Wie erleben Sie die Situation der Patientinnen und Patienten, wenn die zu Ihnen kommen?
Die Verfassung der Menschen, es variiert natürlich sehr aufgrund ihrer eigenen Persönlichkeit, wie man mit so etwas umgeht. Also wir sehen natürlich häufig Patienten, die aufgrund der fehlenden Fähigkeiten, die sie von einem auf den anderen Tag haben, einfach unglaublich verzweifelt sind. Diese Menschen sind angewiesen auf die Hilfe fremder Menschen in jeder täglichen Handlung, die sie vollziehen möchten. Und die Menschen müssen oft auch am Anfang erst mal lernen, damit umzugehen, diese Hilfe anzunehmen. Also wir haben Menschen, die sich erst mal auch selber sammeln müssen und da versuchen wir eben die Stütze zu geben, damit die sich erst mal sammeln können, ankommen können.
Verstehen, was eigentlich ihnen selber passiert ist und dann mit ihnen gemeinsam den Weg einzuschlagen. Eine ganz klassische Symptomatik ist ja die Halbseitenlähmung, dass eine Seite des Körpers ausfällt und entsprechend fällt natürlich dann die gesamte Mobilität des Patienten aus. Natürlich haben sie noch eine Hand, mit der sie die meisten Aktivitäten noch durchführen können. Aber wenn jetzt die Hälfte des Körpers fehlt, also dann ist für viele Menschen schon das Sitzen sehr schwer, weil man immer in eine Richtung zum Beispiel kippt. Es fängt ja schon immer in der Rumpfmuskulatur an und wenn die Hälfte des Rumpfs, die Muskulatur nicht mehr intakt ist oder nicht mehr so funktioniert, wie sie funktionieren sollen, dann wird es wirklich schwierig. Das klingt aber auch nach psychologischer Begleitung. Ja, also wir haben natürlich auch für unsere Patienten im Hinterdeseptinären Team die Neuropsychologen. Die haben einen Fokus auf Aufmerksamkeit, Konzentration, das Thema Kognition, aber auch Bereiche der Wahrnehmung und der Krankheitsverarbeitung. Und gerade der Bereich der Krankheitsverarbeitung ist eben ein großes, großes Thema beim Schlaganfall aufgrund des Ausmaßes, die die Erkrankung mit sich bringt.
Wenn die Menschen zu Ihnen kommen und vielleicht desorientiert sind oder auch so verzweifelt sind, wie Sie eben erzählten, was sagen Sie denen zuerst, wenn Sie die in Empfang nehmen? Also zuerst begrüße ich Sie erstmal freundlich und stelle mich einmal vor. Und dann gebe ich dem Patienten natürlich die Orientierung. Also ich habe denen persönliche Orientierung gegeben, wer bin ich, was mache ich, was ist meine Tätigkeit hier. Ich erkläre ihnen oder sage ihnen aber auch, wo wir sind. Ja, wir sind hier im Krankenhaus, die hatten einen Schlaganfall erlitten und wir möchten jetzt mit in die Rehabilitation starten. Und sie bleiben erst mal hier bei uns. Genau. Oft sagen wir gleich am Anfang auch eben schon, dass dies ein sehr langer Weg ist. Wir müssen hier kleinschrittig vorangehen und es ist eher ein Marathon, es ist kein Sprint. Aber viele sind ja auch so beeinträchtigt, dass sie vielleicht ja sogar Angst haben, zu früh wieder rauszumüssen. Das ist ja bei ihnen nicht der Fall. Die Menschen dürfen bleiben, richtig?
Also die Menschen liegen bei uns wirklich über längere Zeiträume und wir haben eben die Möglichkeit, auch den Aufenthalt immer mal ein bisschen zu verlängern, wenn diese Patienten weiterhin Fortschritte machen und auch die Möglichkeit besteht, sie in die weiterführende Reha zu bringen. Dann werden wir diese Ziele auch weiter mit den Menschen verfolgen. Wie lange begleiten Sie den Menschen? Gibt es einen Schnitt? Nein, es ist ganz unterschiedlich und individuell. Also bei uns liegen Patienten teilweise drei Wochen, aber wir hatten auch schon Patienten, die zehn bis zwölf Monate bei uns lagen. Das kommt natürlich auch auf die Fallsituation und den Menschen an. Aber wir begleiten den Menschen so lange, wie er uns braucht. Wenn jemand ein Jahr bei Ihnen ist, dann kennt man sich ja schon sehr gut. In der Tat.
Natürlich Patienten, die sehr, sehr lange Zeiträume bei uns liegen. Also es hat natürlich immer seine Gründe, warum die wirklich so lange auf auch die klinische Betreuung angewiesen sind. Ja, man sieht diese Menschen über Monate, jeden Tag. Man baut ja auch eine Beziehung auf zu diesen Menschen. Ist das ein wichtiger Teil Ihrer Arbeit? Das ist ein sehr wichtiger Teil, weil alle Menschen sind unglaublich unterschiedlich, kommen mit verschiedensten Symptomatiken zu uns. Man muss wirklich in der Lage sein, sich sehr sensibel auf diese Menschen einzulassen. Und auch nah an sich heranzulassen? Ja, man muss natürlich immer eine gewisse Professionalität wahren. Wir sind Krankenpfleger, wir möchten professionell dastehen und wir möchten zeigen, was wir können. Aber gleichzeitig wollen wir diesen Menschen natürlich, weil wir die Berufsgruppe sind, die am meisten Zeit mit den Patienten verbringen und mit denen natürlich gegenüber auch sensibel und empathisch entgegentreten werden. Warum ist diese Phase für die Entwicklung und für das Gesundwerden so entscheidend? Gerade beim Schlaganfall ist es unglaublich wichtig, sofort nach dem Akutereignis wieder anzufangen, um eben mögliche Fähigkeiten wiederzuerlangen. Also man muss schnellstmöglich einen Startpunkt finden, sobald der Patient eben stabil genug ist aus klinischer Sicht, um dann halt wirklich kleinschrittig rehabilitative Maßnahmen zu ergreifen.
Weil umso früher wir beginnen, desto besser sind die Chancen eben auch wieder eine Herstellung gewisser Fähigkeiten zu erlangen. Was tatsächlich geht, ist meistens auch schon auf den Intensivstationen oder der spezialisierten Stroke-Unit los, bevor die Patienten bei uns sind. Selbst dann hat bereits der Physiotherapeut oder der Ergotherapeut diesen Patienten befundet und betreut. Und sobald der Mensch dann klinisch stabil genug ist, die Intensivstation zu verlassen, dann kommen wir ins Spiel und die kommen zu uns, wo wir eben schon intensivmedizinisch klinische Überwachungsmöglichkeiten haben, aber eben spezialisiert auf die Therapie sind. Was ist die besondere Rolle der Pflege in der neurologischen Frührehabilitation?
Das ist ein bisschen anders als auf anderen Stationen, oder? Die große Besonderheit ist die therapeutische Arbeit. Jedes Handeln am Patienten aus Sicht der Pflegekraft muss einen therapeutischen Nutzen verfolgen. Ganz simpel ist die Bewegung des Patientens vom Liegen an die Bettkante setzen. Da verfolgen wir ein klares Bewegungsmuster, was natürlich der physiologischen Bewegung des Menschens entspricht, damit der auch die korrekte Bewegung wiedererlernt. Schneller wird es gehen, wenn Sie sich den professionell schnappen und hinsetzen. Klar, ich kann ihn auch an der Schulter greifen und mit zwei Armen einmal kurz aufsetzen. Davon hat der Patient gar nichts, weil er die Bewegung nicht nachvollziehen kann. Und damit kann ja auch die neuronale Vernetzung überhaupt nicht stattfinden oder nachvollziehen, was haben wir hier gerade gemacht, sondern ich mache einfach nur einen schnellen Bewegungswechsel. Und Ziel ist es ja eben, durch jede Bewegung, durch jeden äußeren Reiz oder Impuls den Menschen etwas zu geben. Und das ist eben ein klares, strukturiertes Bewegungsmuster. Und da kommen wir jetzt auch schon weiter zur Interdisziplinarität. Dies soll ja im 24-Stunden-Konzept von allen Disziplinen möglichst gleich bearbeitet werden, sodass der Mensch von allen beteiligten Personen auch das Gleiche erlernt. Das ist die große Kunst für uns im interdisziplinären Team. Sie tun also Dinge.
Die ein Ergotherapeut oder ein Physiotherapeut auch tun würde. Sie sind alle miteinander vernetzt und sprechen über einen Patienten. Und alle Handlungen werden immer gleich durchgeführt, damit das Gehirn wieder lernen kann und der Körper. Genau, also in einem gewissen Maße auf jeden Fall. Natürlich haben wir eben in unseren Therapeuten Fachspezialisten, die wirklich spezialisiert sind auf gewisse Fähigkeiten, die die Patienten wieder erlangen sollen. Aber wir Pflegekräfte müssen auf jeden Fall zumindest verstehen, was diese Therapeuten dort mit den Patienten machen. Und auch wir lernen, gewisse Tätigkeiten so umzusetzen, dass es eine therapeutische Handlung ist. Ein Beispiel ist das Waschen eines Menschen. Das Ziel dahinter ist nicht, dass der Mensch danach sauber oder gereinigt ist, sondern ... Also schlecht wäre das vielleicht auch nicht. Ist natürlich nicht schlecht. Ist schön für das eigene Gefühl natürlich. Aber Ziel dahinter ist natürlich ganz klar Waschtraining. Das sind Bewegungsübergänge, das sind Bewegungsmuster, die dieser Patient eventuell schon verlernt hat.
Gleichzeitig setzen wir im Rahmen dieser Bewegungsmuskel ganz wichtige Impulse und Reize zum Beispiel auf der geliebten Seite. Darüber können wir die Aufmerksamkeit des Patienten wieder Richtung seiner geliebten Seite lenken. Wie machen Sie das wirklich im Detail? Sie führen die Hand oder wie geht das vonstatten? Es kommt ein bisschen auf den Patienten an. Da habe ich jetzt einen Patienten vor mir, der wirklich sehr, sehr wenig von seiner Umgebung wahrnimmt, der eventuell auch von seiner Vigilanz, also von der Wachheit eingeschränkt ist und vielleicht auch gar nicht mich so optisch wahrnehmen kann.
Da gehe ich natürlich über Berührung. Wir kommunizieren dort dann mit Berührung. Und dann versuche ich über Impulse und Reize seiner Aufmerksamkeit zu wecken. Und ich merke dann, ob dieser Patient, auch wenn er es mir nicht zeigen oder andeuten kann, ob der in diese Handlung einsteigt, ob der wahrnimmt, was ich dort mache. Wie machen Sie das? Genau, also natürlich baue ich erstmal der ganz klassische Kontaktaufbau. Ich berühre den Patient meistens irgendwo an der Schulter, an einem nicht allzu sensiblen, intimen Ort, um einmal zu signalisieren, ich bin da. Beim Waschtraining machen wir das dann natürlich so, ich habe einen Waschlappen, ich kann, wenn der Patient noch gar nicht mitmacht, dann übernehme ich die Arbeit. Und dann führe ich von der guten Seite, die noch Funktion hat, den Waschlappen zur gelähmten Seite rüber. Man nennt das die neurophysiologische Waschung. Wir lenken die Aufmerksamkeit von der guten zur Anführungszeiten schlechten Seite rüber. Und damit geben wir es schon im Gehirn, die Reize, hey, da ist noch was. Zähneputzen ähnlich. Ähnlich, Mundpflege. Also gerade im oralen Trakt haben so viele Nervenbahnen und sensible Bereiche, dass wir wirklich über eine Mundpflege einen Menschen in seiner Wachheit deutlich steigern können. Die Mundpflege bedeutet hier auch nicht, ich nehme mir eine Zahnbürste und putze den Menschen einfach die Zähne.
Also nicht so, wie ich das bei meinen Kindern. Nein, genau. Also man muss natürlich ein bisschen sensibel und vorsichtig sein. Also ich bahne das Ganze an von außen. Ich setze erst mal Reiz über die Wangentaschen, über die Lippen. Ich signalisiere diesem Patienten, was gleich kommt. Das ist erstmal der Start, bevor ich überhaupt anfange, den Mund selber zu reinigen.
Der Mund muss sich ja auch öffnen. Genau. Und ein Mensch, der nicht wahrnimmt, dass dort jemand vor ihm steht und da möchte mir jemand vielleicht eine Zahnbürste in den Mund drücken, der wird seinen Mund auf jeden Fall zumachen. Der wird nicht zulassen, dass ihm eine Pflegekörper die Zähne putzt. Und deswegen ist es so wichtig, mit solchen Situationen sensibel langsam umzugehen und eben zu warten, dass der Patient versteht, was wir machen. Ja, ein Mund ist wirklich ganz ein sensibles Thema. Da beißt man die Zähne aufeinander, das möchte man nicht. Und wenn jemand gar nicht richtig wach ist und diese Mundhygiene starten und vorsichtig berühren an den Lippen, dann merken sie daran, wenn der Mund sich öffnet und jemand offent, also die Kaumuskulatur. Und dann können sie weiter vorgehen. Also daran merkt man es dann. Daran merke ich natürlich, dass der Patient jetzt wahrnimmt, was kommt. Also vielleicht versteht er ja auch noch nicht, dass wir jetzt Zähne putzen. Aber er hat gemerkt, ich möchte den Mund. Und wir wollen jetzt was machen. Und dann, wenn er ihn öffnet, habe ich eben die Möglichkeit, auch diesen Mund zu reinigen, was unglaublich wichtig ist, aufgrund der verschiedenen Symptomatiken, die die Patienten ja auch mit dem Schlaganfall mitbringen. Unter anderem eben Schluckstörungen oder eine Halbseitenlähmung des Gesichtes. Und da ist die Mundhygiene eben ein wichtiger Faktor.
Was gibt es noch für Unterschiede zu anderen Stationen? Die besondere Situation, dass die Menschen so schwer betroffen sind und sie einfach auch einen langen Weg brauchen und sehr, sehr intensiv von vielen, vielen Fachdisziplinen betreut werden müssen. Und diese Zeit müssen wir den Menschen auch geben, damit sie eine Chance haben, eventuell auch in ihr vorheriges Leben zurückzukehren oder zumindest ein Maß an Lebensqualität wiedererlangen können, dass sie ihr Leben trotzdem glücklich weiterführen können. Jetzt, wo Sie das so beschreiben, ich würde gerne noch einmal zurück zu den Menschen, die sehr lange bei Ihnen bleiben. Wie ich mir gerade vorstelle, jemand ist da wirklich länger. Vielleicht hat er auch gar keine Familie oder Angehörige, die häufig kommen können, weil sie kriegen ja auch Fälle aus anderen Bundesländern. Wie ist das dann, wenn jemand so lange da war und den Verlauf zu sehen von Einlieferung oder auf Station kommen und dann wieder entlassen zu werden? Das ist oft eben ein sehr schöner Verlauf. Der ist manchmal sehr langwierig und die Fortschritte sind sehr klein. Aber natürlich aufgrund auch der Beziehungsarbeit, die wir in dem Langzeitraum mit diesem Patienten machen, ist es eine wahnsinnige Genugtuung am Ende zu sehen, welche Fähigkeiten hat dieser Patient unter unserer Betreuung eigentlich wiedererlangt. Haben wir da auch eine emotionale Stabilität beim Patienten wiedererlangt? Der Mann oder die Frau ist völlig verzweifelt schwer betroffen bei uns angekommen und wusste überhaupt nicht mehr weiter. Von einem Tag auf den anderen wurde dieser Mensch aus seinem Leben gerissen.
Und wir gleiten ihn zurück in dieses Leben. Das ist vielleicht etwas, was man auch nochmal wirklich hervorheben muss auf unserer Station. Die Qualität der eigenen Arbeit spiegelt sich am Fortschritt des Patienten wieder. Also man sieht, ob man gut arbeitet. Und das ist für mich in der Pflege eine Seltenheit. Und da kommen wir auch nochmal zu meinem Intro, ganz am Anfang, bevor ich sie vorgestellt habe. Da geht es ja manchmal um ganz, ganz kleine Dinge, die aber ganz groß und wichtig sind. Mögen Sie mal beschreiben, was für Situationen das so sein können.
Man muss glaube ich dazu einmal sagen, das oberste Ziel jedes Patientens ist am Ende die Autonomie, die Selbstständigkeit. Die sind von uns abhängig und wenn sie langsam Fortschritte machen und feststellen, oh ich kann etwas, ohne dass mir ein Therapeut oder eine Pflegekraft dabei geholfen hat, dann sehen diese Menschen ihren eigenen Fortschritt und das ist der Punkt, wo es dann wirklich für die Patienten losgeht. Und dann rufen sie Sie und sagen, gucken Sie mal, das konnte ich heute schon alleine. Genau, das habe ich gestern so noch nicht geschafft. Ein einfaches Beispiel ist das Thema Essen. Ein Mensch hat auch ein existenzielles Thema. Genau, es ist ein existenzielles Thema, es ist aber auch ein Thema von sozialen Strukturen. Also Essen ist etwas Gemeinschaftliches. Und hier haben manche Menschen eventuell die motorischen Fähigkeiten verloren. Und die brauchen dann im Hilfe von Logopäden oder von den Pflegekräften, ihr Essen aufzunehmen. Und dann merken sie, oh, meine Motorik bückt Stück für Stück besser. Ich schaffe es plötzlich selber wieder alleine zu essen. Und damit verlieren sie sozusagen die Abhängigkeit von den Pflegekräften und gewinnen ein unglaubliches Maß an Lebensqualität in Form der Autonomie wieder. Ja, das kann ich mir vorstellen, dass das ein ganz, ganz großer Schritt ist. Man kann ja auch nicht nur Suppe über den Stroh, also man möchte ja schon auch was Vernünftiges essen. Und da muss sich dann ja immer jemand von Ihnen Zeit nehmen.
Sich damit hinsetzen. Und wenn sie die Suppe schon so schön ansprechen, auch eine Form der Lebensqualität ist, zu essen, was ich möchte. Und viele Patienten kommen mit uns mit schweren Schluckstörungen an. Und die müssen langsam wieder trainiert werden. Also der ganze Schluckprozess ist schwer geschädigt. Und die haben Probleme, gewisse Konsistenzen zu schlucken oder auch schon zu kauen. Und da sind wir Pflegekräfte und auch unsere Logopäden besonders natürlich dran, diesen Menschen, diesen Schluckprozess wieder anzutrainieren, damit am Ende das Ziel ist, sie dürfen wieder alles essen. Und da ist natürlich auch so ein Punkt der Motivation ein Mensch, der nur Brei gekostet oder Getränke, die angedeckt sind. Also fast schon wie Pudding oder Honig, was man gefühlt kaum runter bekommt. Diesen Menschen führt man vor Auge, was das Ziel ist. Und das Ziel ist, wieder nochmal schlucken zu können und alles zu essen, was sie selber gerne möchten. Hatten Sie schon den Fall, dass mal jemand gesagt hat, okay, ich hätte dann gerne mal einen Burger in ein paar Wochen? Ja, also die meisten Patienten können schon sprechen. Natürlich gibt es auch eben die...
Sprachstörung als Symptomatik, eines Schlaganfalls. Diese Menschen können sich nicht oder nur teilweise äußern oder ihre Bedürfnisse verbalisieren. Aber natürlich haben wir Patienten, die sagen so, ich habe jetzt keine Lust mehr auf euren Brei. Ich freue mich schon, wenn ich jemanden Burger bestellen kann. Oder wenn meine Partnerin oder Partner mir immer mein Steak bringt. Also das gibt es alles regelmäßig.
Also das ist einer der wichtigsten Punkte in den ersten Wochen und Monaten, denke ich. Und Mobilisierung? Mit der Mobilisierung steht und fällt eigentlich fast alles. Ja, ich mache nichts, Ohne mich zu bewegen, mich aufrecht hinzusetzen, stehen, laufen, gehen. Also das sind ja alles Sachen, wo ich mich, mein Bewegungsapparat funktionieren muss. Zum Essen muss ich meinen Körper mobilisieren für jede einzelne Tätigkeit. Die Mobilisierung stabilisiert den Patienten auch. Es gibt viele Symptomatiken, die eben aufgrund der Mobilisierung besser wird oder der Vertikalisierung den Menschen wieder ins Sitzen zu bringen, nachdem er eventuell wochenlang auf einer Intensivstation nur gelegen hat. Aber wir haben natürlich eben auch die Fälle, Menschen, die liegen vier, fünf, sechs Monate bei uns, sind liegend bei uns auf Station angekommen mit dem Verlust zahlreicher Fähigkeiten. Und am Ende laufen sie durch einen Spalier, vielleicht eventuell mit einer Stütze eines Therapeutens oder einem Rollator von Station. Und da rollen natürlich dann bei Mitarbeitern sowie Patienten durchaus mal die Tränen. Da kriege ich ja schon PB in den Augen. Und dann sieht man, wofür man das Ganze tut. Wenn ein Patient einen wirklich tollen Erfolg feiert und wir sehen, wohin er es eventuell auch noch weiter schaffen kann, dann kriegt dieser Patient unsere Anerkennung. Wie ist die Zusammenarbeit mit den Therapeutinnen und Therapeuten? Deswegen sind wir das interdisziplinäre Team. Bei uns gibt es keine Disziplin, die alleine irgendwie einem Patienten heilen wird, sondern das greift alles in sich zusammen.
Natürlich muss der Arzt einmal in Ruhe mit jedem Patienten auch sprechen können. Und auch jede Disziplin braucht eben seine Ruhezeit mit dem Patienten, um wirklich spezielle Sachen wieder zu erlernen. Aber es gibt eben gerade so Themen wie die Mobilisation, die Nahrungsaufnahme, wo eben alle daran beteiligt sind. Und da ist es dann eben so wichtig, dass das Hand in Hand funktioniert und dass wir auch gewisse Absprachen miteinander einhalten, dass wir auch nach Therapien Ruhephasen ermöglichen, dass dann eventuell nicht gleich der nächste Therapeut reinkommt. Und das sind eben auch die Dinge, die wir morgens in unserer Frühbesprechung besprechen und den Tag für die Patienten mitgestalten. Die Pflegekräfte verbringen am meisten Zeit mit den Patienten und Patientinnen, oder? Brauche ich sie dann als Übersetzer? Ja, in manchen Fällen können wir natürlich helfen beim Übersetzen und natürlich kommunizieren wir ja nicht nur verbal, auch über die nonverbale Kommunikation ist das möglich. Aber es gibt schon auch Patienten, die das Sprachverständnis verlieren. Und da kommen wir in eine sehr schwierige Situation, weil diese Menschen auch nicht mehr verstehen, was ich ihnen sage. Bei denen kommt dann sozusagen der sogenannte Kauderwelsch an. Und die reden auch nur noch Kauderwelsch.
Also es hat keiner mehr die Möglichkeit, den anderen zu verstehen. Und hier müssen wir natürlich Kommunikationswege irgendwie finden, dass der Mensch sich mitteilen kann, was da alles sein Bedürfnis ist. Das können wir machen über Zeigen, über Reize setzen. Ich kann dem Patienten auch einfach Beispiele geben.
Das kostet dann natürlich ein bisschen Zeit, weil ich eventuell viele Themen einmal durchteste, um zu gucken, was möchte der Patient gerade. Also Sie halten was zu essen hoch oder Sie zeigen auf die Zahnbürste oder auf den Waschlamm. Genau, wir haben aber auch zum Beispiel Kommunikationstafel, also ein Piktogramm, Bilder. Es gibt Menschen, die anhand der Bilder ja auch erkennen können, was möchte ich denn gerade. Da ist zum Beispiel ein WC aufgezeichnet. Da zeigt der Patient mir aufs WC und ich weiß als Pflegekräft oder Therapeut, okay, ich helfe dem Menschen einmal zur Toilette zu gehen. Wichtig ist, dass man einfach flexibel bleibt. Man muss unglaublich adaptiv beim Patienten sein, um eben herauszufinden, wie reiche ich diesen Patienten. Auf kommunikativer Ebene, auf der persönlichen, auf der sozialen Ebene. Da müssen viele Faktoren dann passen. Und man muss sich halt, wie gesagt, sehr darauf einlassen können. Welche Bedeutung hat Geduld in Ihrer Arbeit? Das spielt eine sehr große Rolle in unserer Arbeit, weil nicht jeder Patient macht gleich schnell die Fortschritte. Wir haben Patienten, die auch sehr an ihrer Situation verzweifeln können. Und man muss trotzdem von außen auch vermitteln, es geht weiter. Wir geben nicht auf. Auch wenn sie das Gefühl haben, dass sie sich selber gerade aufgeben, wir werden es nicht machen.
Wir werden weiter ihnen die Hilfe zur Selbsthilfe geben. Solange, bis wir eine Situation gefunden haben, in der sie weitermachen können und weiter Fortschritte entwickeln. Wenn jemand also die Eigenmotivation verliert und verzweifelt, dann springen sie ein und motivieren von außen. Auf jeden Fall. Manchmal sind das ganz einfache Sachen. Diese Menschen liegen so einen langen Zeitraum bei uns, die haben eventuell seit Monaten dieses Krankenhaus nicht mehr verlassen, geschweige denn die Station.
Und gibt es dann jemanden, der mal ein paar Minuten Zeit hat, den Patienten in den Rollstuhl zu setzen und einfach mal vor die Tür zu fahren und dem weht mal wieder ein bisschen frische Luft durch die Haare. Das sind schon mal Werte, um den Patienten genau zu zeigen, hier wollen wir doch wieder hin. Sie möchten eigenständig wieder in die frische Luft können. Sie möchten ihr Leben in einem gewissen Rahmen wiederleben. Das sind Sachen, wo wir dann den Patienten Motivation geben können oder wir sprechen schon über das Essen. Die möchten irgendeine breiige Kost nicht mehr essen. Aber man fragt sie nach ihrem Lieblingsessen Und das nehmen wir dann als Ziel. Was hören Sie da am meisten? Was ist auf Platz 1? Pizza. Ah, echt? Pizza-Pommes, sehr, sehr beliebt. Ich denke, Pizza ist es. Und Pizza ist eine besondere Herausforderung. Ja. Eine Kartoffel ist einfacher. Ja, eine Kartoffel ist ja eine Konsistenz. Eine Pizza hat mehrere Konsistenzen, verschiedene. Und damit muss der Patient umgehen können. Also jemand, der eine Pizza isst, muss schon adäquat schlucken. Aber dann freut man sich auch richtig. Es ist doch auch schön für Sie zu sehen, ein Patient dann da mit seinem Pizzakarton sitzt. Auf jeden Fall. Also das muss ich als Mensch selber auch sagen. Also wenn ich jetzt Monate keine Pizza essen dürfte und dann esse ich wieder das erste Mal Pizza, dann freue ich mich auch. Ja, dann isst man ganz langsam und genießt jeden Fissen. Was machen Sie denn, wenn Sie gerade das Gefühl haben, mal nicht so geduldig sein zu können? Also auch Sie haben ja mal einen schlechten Tag. Ich glaube, wir haben alle menschliche Grenzen. Ja, und wir haben alle eine Persönlichkeit, die wir mitbringen.
Ist es Ihre geduldig oder ungeduldig, Ihre Persönlichkeit? Ich denke schon, dass ich relativ geduldig bin, aber auch ich komme natürlich an meine Grenzen. Es gibt Situationen, wo man dann eben halt auch denkt, ich kann mich jetzt nicht nochmal wiederholen, weil eventuell ja auch ein Zeitdruck vorliegt und ich mich jetzt noch länger hier beim Patienten stehen kann, weil eben noch weitere Patienten auf mich warten. Hier muss ich dann einfach professionell an die Grenze setzen und dann eben auch sagen, ich gehe aus dieser Beziehungsebene raus, sondern ich bin jetzt hier die professionelle Pflegekraft und ich habe Verantwortung für mehrere Menschen und nicht nur für einen. Und Mitarbeitende. Und Mitarbeitende, selbstverständlich. Ja, diese professionelle Distanz, das stelle ich mir gar nicht mal so leicht vor, wenn man so lange die Menschen begleitet. Da muss man, glaube ich, schon ein bisschen aufpassen. Oder nehmen Sie was mit nach Hause?
Natürlich liegt man abends mal im Bett vor dem Einschlafen und denkt vielleicht nochmal über die eine oder andere Situation nach. Aber ich denke, man lernt mit der Zeit auch damit umzugehen. Auch mit den schweren Fällen, die guten Situationen, aber natürlich auch sehr herausfordernde Situationen. Aber Sie sehen ja auch die Fortschritte. Die kleinen Fortschritte sind auf jeden Fall die wichtigsten. Was brauchen Pflegekräfte in diesem Bereich besonders? Also worauf achten Sie auch, wenn neue Mitarbeitende sich bewerben? Und unglaublich wichtig ist die Offenheit und die kommunikative Fähigkeit im Team. Und eben die Anpassungsfähigkeit. Ich möchte keinen perfekten, fertigen Pflegerwands haben, sondern man muss eben in der Lage sein, Neues zu erlernen. Genau wie unsere Patienten neue Sachen erlernen müssen, sind wir hier in einem pflegerischen Bereich, wo unglaublich viele neue Dinge hinzukommen. Es kommen spezielle Konzepte, mit denen wir arbeiten, hinzu. Und diese müssen wir auch erstmal alle erlernen. Und da muss jemand Lust zu haben. Und da muss man Lust zu haben. Man muss auch eben in einer gewissen Form bereit sein, körperlich zu arbeiten. Wobei man natürlich sagen muss, wenn man gewisse Fähigkeiten und Konzepte drauf hat, dass die Belastung körperlich deutlich reduziert ist. Das neben vielen Menschen falsch war. Wir haben natürlich schwerstpflegebedürftige Menschen, die eben angewiesen bei jeder Bewegung auf ein anderer Menschen sind. Und diese übernehmen wir. Und das ist natürlich dann eine körperliche Herausforderung für uns. Aber mit der richtigen Technik? Mit der richtigen Technik kann man die Belastung deutlich reduzieren. Und Menschlichkeit?
Und Menschlichkeit ist etwas ganz Wichtiges und habe mich sehr weit gegriffen. Das ist ein großes Thema, das stimmt. Ja. Aber in Ihrem Beruf vielleicht ein bisschen entscheidender. Es ist sehr entscheidend, glaube ich, stets menschlich zu bleiben, weil Patienten lange bei uns liegen. Man muss eine Beziehungsebene mit Menschen aufbauen können, mit dem man eventuell auch im Privatleben nicht zurechtkommt. Aber da spielt auch der Punkt der Rolle, keiner von uns ist perfekt. Und wir alle kommen mit unseren Makeln zur Arbeit oder als Patient auf Station.
Und wir müssen alle einen gemeinsamen Weg finden, um das Ziel des Patienten zu verfolgen.
Kommunizieren die Patienten und Patienten dann eigentlich auch, können die untereinander auch sprechen? Also gibt es sowas wie, wenn man schon ein bisschen besser mobilisiert ist, dass Menschen sich zusammensetzen können im Rollstuhl und irgendwo zusammen schnacken und nicht nur kauderwälschen? Auf jeden Fall. Also bei uns sind auch schon Freundschaften unter Patienten entstanden. Die Herren, die über einen längeren Zeitraum sich ein Zimmer geteilt haben, dann zufällig auch in die gleiche Anschlussreha gekommen sind, die dann eben auch Kontaktdaten austauschen und uns dann gemeinsam zusammen irgendwie noch eine Postkarte zu Weihnachten zukommen lassen. Also da stehen ja Freundschaften, wie schön. Durchaus. Und wir haben also natürlich, interagieren unsere Patienten auch miteinander. Die meisten Therapien finden allein einzeln statt. Aber wir haben zum Beispiel unter der Woche jeden Tag unsere Frühstücksgruppe. Das ist so ein Frühstückstraining begleitet von unseren Ergotherapeuten und von den Logopäden, in dem drei bis vier Patienten gemeinschaftlich frühstücken und eben die Fähigkeiten wieder erlangen, sich ihr Essen vorzubereiten. Brote schmieren. Brote schmieren, ein Marmeladenglas öffnen mit einer Hand. Eine große Herausforderung. Kann ich nicht. Ich auch nicht. Wie macht man das? Mit Hilfsmitteln. Es gibt ja auch gerade bei uns, das ist ein großer Bereich mit Hilfsmitteln. Nicht jede Fähigkeit kann wieder erlangt werden. Und wenn ich weiß, mein linker Arm, der wird nicht wieder funktionieren, muss ich einen Weg finden, Dinge mit einem Arm zu machen. Dann brauche ich eine Einhänderstrategie. Die Einhänderstrategie. Aber wie funktioniert das? Beschreiben Sie mir das mal. Was für Hilfsmittel habe ich da?
Zum Beispiel, wenn Sie ein Brötchen schneiden möchten, dann habe ich ein Brett, wo kleine Nägel drauf sind oder kleine Piekser dran sind, wo ich das Brötchen reinschieben kann. Damit habe ich das Brötchen auf dem Brett fixiert und das Brett hat eventuell unten auch noch kleine Nupsis oder Saugnupsis, womit es dann am Tisch haftet. Und dann kann ich mit einer Hand mein Brötchen schneiden, ohne dass das Brett oder das Brötchen abhaut. Genau, das sind natürlich so Fähigkeiten und Strategien, die man dem Patienten auch mitgeben muss, da eben auch nicht alles wieder allein verändern kann. Und schön, es passiert nicht allein, sondern es sind Patienten und Patientinnen zusammen. Genau. Gibt es irgendeine Situation, die Sie bis heute begleitet oder an die Sie oft zurückdenken? Ja, also im Vordergrund stehen hier natürlich die positiven Erfahrungen. Ein Patient, der am Anfang nicht wusste, wo er ist und was mit ihm passiert ist, der sehr, sehr unruhig war und durchaus auch ein bisschen Chaos verursacht hat bei uns auf Station, der dann wirklich nach drei Monaten doch am Rollator laufend die Station verlassen hat, realisiert hat, was alles mit ihm passiert ist und welchen Weg er gerade mit uns gegangen ist. an. Und das sind die positiven Momente, wie wir vorhin schon sagten, das bestätigt einen in seiner Arbeit, das gibt einen Sinn.
Und ich sehe, welchen Erfolg dieser Patient feiert und was das in diesen Menschen auslöst. Und dass die dann eben auch niemals die Hoffnung verlieren, weil nach der Rehabilitation bei uns ist es immer noch ein weiter Weg. Dann gehen die in die Reha. Dann geht es in die weiterführende Reha. Und irgendwann wieder nach Hause, im besten Falle. Das ist natürlich im besten Fall das Ziel eines jeden Patienten, wieder in die vorherige Situation zurückzukommen, was natürlich aber sehr, sehr schwierig ist. Die schweren Fälle oder schweren Verläufe, wie viel Hoffnung ist hilfreich?
Durch die schwierigen Phasen müssen wir gemeinsam mit den Patienten durch. Ich denke, aus Sicht der Pflegekraft muss man hier einfach sehr professionell bleiben. Die Hoffnung liegt bei Angehörigen und Patienten. Wir sind dafür da, die Situation realistisch einzuschätzen, aber auch zu schauen, welche Möglichkeiten haben wir und wohin können wir überhaupt gehen und welche Ziele können wir auch erreichen. Man möchte den Menschen, den angehörigen Patienten die Hoffnung nicht nehmen, aber man muss sie ein bisschen darauf vorbereiten, bis die neue Lebenssituation anders wird. Was hilft Ihnen professionell zu bleiben und doch menschlich nah dran zu sein? Was einem hier immer stärkt, ist das Team. Und das ist eben die interdisziplinäre Zusammenarbeit, dass wenn ich eventuell in eine Situation komme, wo ich mit dem Patienten nicht weiterkomme, der Patient ist unzufrieden mit meiner Arbeit, ich kriege das nicht gut umgesetzt mit dem Patienten, dann habe ich viele Kollegen. Ich habe Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Logopänen, Neuropsychologen, Ärzte und auch meinen Sozialdienst. Ich habe viele Kollegen, die ich mir hinzuholen kann, die mich unterstützen können und eventuell auch helfen, das zu übernehmen. Also die Entlastung finde ich im Team und das ist das, was unsere Arbeit ausmacht. Es ist die Zusammenarbeit vieler verschiedenen Fachgruppen. Wenn Ihre Arbeit ein Tempo hätte, was wäre das? Also meins wäre in den meisten Teil eher so 30er-Zone.
Wie ist das bei Ihnen? Nein, das Tempo unserer Arbeit ist Tempo des Patienten. Ich kann nicht schneller arbeiten als der Patient, weil sonst kommt der Patient nicht hinterher. Ich kann aber auch nicht langsamer arbeiten als der Patient, weil sonst ist er mir voraus und macht eventuell Dinge vielleicht nicht so unbedingt, wie er es machen soll.
Eventuell hat eine Halbzeit-Lebung, möchte alleine auf dem Bett aussteigen, merkt aber erst beim Aufstehen, oh Gott, es funktioniert nur ein Bein und damit läuft es sich erstmal schlechter. Wenn Ihre Patientinnen und Patienten rückblickend einen Satz über Ihre Station sagen würden, was würden Sie sich wünschen? Also es gibt da keinen bestimmten Satz, den ich gerne hören möchte. Worüber ich mich immer sehr freue, sind Patienten, die sich verabschieden, die mir sagen, ich komme wieder. Aber nicht als Patient. Okay, das wollte ich doch gerade sagen. Genau. Die kommen als Besucher wieder. Wir haben Patienten, die schicken mir in die weiterführende Reha-Einrichtung und die waren lange Zeiträume bei uns und fühlen sich zu uns verbunden. Dann nach der Anschlussreha kommen sie uns eventuell nochmal besuchen und zeigen, hey, ich kann wieder laufen.
Ich kann die und diese Sachen wieder und die Grundlage, da habt ihr mir geholfen, die zu schaffen. Das sind natürlich auch Momente. Wir kriegen jedes Jahr zu Weihnachten häufig von ehemaligen Patienten noch Grußkarten. Schön. Und vielleicht eben auch diese große Verbundenheit, die wir mit denen aufbauen. Das ist wirklich schön, wenn Menschen dann noch eben später in der Reha und nicht vergessen, dass bei ihnen die ersten Schritte gemacht wurden und dann kommen und sagen, guck mal, wie ich hier jetzt durch den Flur schwebe, hätte ich jetzt fast gesagt, wie ich ja eben nicht schwebe, sondern laufe. Genau. Also wenn Leute aus der Reha später nochmal wieder bei ihnen einchecken, aber nur für einen Besuch. Als Besucher. Als Besucher, genau. Was Besseres kann einem ja gar nicht passieren. Herr Müller, vielen Dank für dieses schöne Gespräch und auch diese Perspektive auf den Arbeitsbereich, mit dem viele Leute sich noch gar nicht beschäftigt haben und der doch echt ziemlich entscheidend ist. Vielen, vielen Dank für die Einladung. Es hat mich auch sehr gefreut, mich über die Themen mit Ihnen zu unterhalten. Mehr über Kilian Müller und seine Arbeit im Albertinen Krankenhaus lesen Sie im Hamburger Abendblatt, gedruckt und natürlich auch online. Vielen Dank fürs Zuhören. Wenn Sie mögen, hören wir uns in zwei Wochen wieder. Bis dahin wünschen wir Ihnen eine gute Zeit und bleiben Sie gesund.