Die Hamburger Klinik-Helden. Der Podcast über Berufe mit Sinn. Vom Hamburger Abendblatt und dem Verband der freigemeinnützigen Krankenhäuser in Hamburg. Die Freien. 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Vorhofflimmern. Das ist die häufigste Herzrhythmusstörung und einige wissen lange gar nicht, dass sie sie haben. Herzrasen. Wie gefährlich ist das eigentlich? Welchen Einfluss haben durchgefeierte Nächte und was haben Zündkerzen und Flitterwochen mit unserem Herz zu tun? Das alles erfahren Sie in dieser Folge Hamburger Klinikhelden, dem Podcast über Berufe mit Sinn. Moin und herzlich willkommen. Ich bin Wiebe Bürgemeier und ich freue mich, dass ich heute Herzchirurg Prof. Dr. Thorsten Hanke aus dem Albertinen Krankenhaus zu Gast habe. Schön, dass Sie da sind. Moin.
1,8 Millionen Betroffene, das ist ja mal eine Hausnummer. In der Tat. Es ist, wie Sie gesagt haben, die häufigste Herzrhythmusstörung, die wir so kennen.
Und sie ist natürlich im höheren Alter, trifft sie häufig aus, aber auch die jüngeren Patienten und damit meine ich so ab 40 können auch schon betroffen sein. Jünger ab 40 finde ich gut. Für mich klingt, in meinen Ohren klingt das erstmal gut. Aber das sind ja wirklich schon wirklich viele Menschen. Was genau ist das? Einmal so für den Laien, für mich erklärt. Also Vorhofflemann ist per Definition ein vollkommen chaotischer, ungeordneter Pulsschlag, also Herzschlag, hervorgerufen durch extra feuernde Zellen. Man kann das so versuchen zu erklären. Es gibt im Herzen einen Taktgeber, das ist der Sinusknoten und der produziert den Sinusrhythmus. Und das wäre, sagen wir, die Originalzündkerze. Beim Vorhofflimmern gibt es plötzlich falsche Zündkerzen im Herzen und zwar gibt sie an vollkommen falscher Stelle und zwar an der linken Vorhofseite am Übergang von Lungenadern, die in das Herz hineinströmen zu der Herzmuskulatur und da gibt es Verbindungen zwischen Muskeln und Bindegewebe und da kann immer falsche Elektrik stattfinden. Und beim Vorhofflimmern kommt die falsche Elektrik direkt aus dieser Ecke. Das heißt, die falschen Zündkerzen sitzen plötzlich links, obwohl die Originalzündkerze, der Sinusknoten, eigentlich rechts oben sitzt. Und das verwirrt das Herz. Das verwirrt das Herz, ja. Schöner Vergleich mit dem Auto und den Zündkerzen ist ja auch der Motor des Körpers. Richtig. Es ist eine Volkskrankheit.
Es ist eine Volkskrankheit und sie ist vor allen Dingen zunehmend. Zum einen werden wir älter, zum anderen ist unser Lifestyle nicht immer gesünder werdend. Im Gegenteil und es ist eine zunehmende Erkrankung. Nehmen die Menschen das schnell genug ernst?
Es gibt ein Textbuch aus den 60ern, in dem stand, das medizinisches Textbuch, in dem stand, dass Vorhofflemann eine gutartige Erkrankung sei und nicht behandlungsbedürftig sei. Das ist ja erschreckend. In der Tat. Aber man wusste damals schon, was es ist. Man wusste, dass es Vorhofflimmern gibt durch die Erfindung des EKGs. Eindhoven aus den Niederlanden hat das ja entwickelt, muss man sagen, wusste man, dass es einen unregelmäßigen Puls gibt, das Vorhofflimmern. Man wusste aber nicht unbedingt, dass Vorhofflimmern so arg gefährlich sein kann. Als harmloses Auftreten. Ein lustiges Dasein der Natur. Wann muss ich das denn ernst nehmen und wann tritt das auf? Also erstmal muss man spüren. Genau, da fängt es an. Denn nicht alle Menschen, dann ja Patienten, nicht alle Menschen spüren das Vorhofflimmern. In der Regel spürt man das Vorhofflimmern. Und wie merkt man es? Entweder durch einen Puls im Hals plötzlich, dass man sein Herz im Hals schlagen spürt, was ja ungewöhnlich ist. Normalerweise merkt man seinen Herzschlangen nicht. Es kann auftreten, Schwindel.
Es kann auftreten, Belastungsluftnot, also Belastungsintoleranz. Man konnte vorher vier Stockwerke mit zwei Stufen auf einmal hochlaufen und plötzlich muss man nach einem Stockwerk stehen bleiben. Und das sind die typischen Symptome des Vorhofflimmerns. Aber wenn das Herz im Hals schlägt, das ist ja auch so eine klassische Redewendung, das nicht zu merken ist doch ungewöhnlich, oder? Es ist doch bei den meisten Menschen das erste Symptom, was sie wahrnehmen. In der Tat, man weiß nicht so genau, warum manche Menschen ihr Vorflümmern spüren und manche nicht. Aber wenn man das nicht am Puls merkt, der Herzschlag im Hals und es äußert sich durch Übelkeit oder durch Schwindel oder ähnliches oder dass die Belastung einfach nicht mehr so gut funktioniert, dass man merkt, nach einem Stock weg wird einem ein bisschen blümerant.
Denkt man nicht sofort ans Herz? Nein, denkt man nicht. Was man dann machen kann, ist seinen Puls messen. Ganz einfach, zwei Finger auf das Handgelenk legen, den Puls ertasten und wenn man dann einen komplett unregelmäßigen Puls ertastet, dann sollte man doch mal drüber nachdenken, das irgendwie abklären zu lassen. Dann ist es aber noch nicht zu spät? Nein. Nein. Okay, das heißt also wirklich selber Puls fühlen und es geht auch gar nicht darum zu zählen, sondern es geht wirklich nur darum, ist das regelmäßig, fühlt sich das richtig an? Gibt es irgendwie rechts oder links? Also eine Seite besser? Ist egal. Ist egal. Oh gut, dann ist man ja flexibel. Und so nur kann man sie auch jemand anders machen lassen. Ja. Wie gefährlich ist Vorhofflimmern?
Nachdem es ja nun in den medizinischen Lehrbüchern des letzten Jahrhunderts, es stand dort, dass es nicht gefährlich sei, ist es tatsächlich gefährlich. Das wissen wir inzwischen. Eines der gefährlichsten Symptome, wenn man so möchte, ist der Schlaganfall. Beim Vorhofflimmern werden die Vorhöfe des Herzens, das Herz hat vier Kammern, zwei große Kammern, zwei kleine Kammern. Die kleinen Kammern heißen Vorhofföfe, die großen Kammern heißen Ventrikel auf Latein und das Blut wird von den kleinen Vorhöfen in die Ventrikel übergeben. Und mit jedem Herzschlag wird sozusagen der Vorhof ein wenig ausgeworfen und gibt das Volumen dann in die große Kammer. Beim Vorhofflimmern findet dieser Auswringmechanismus nicht mehr statt, sondern die Blutsäule steht plötzlich. Sie ist nicht mehr im Fluss die ganze Zeit und immer wenn Blut über längere Zeit nicht bewegt wird, dann können sich dort Gerinnsel bilden. Und wenn dann diese Gerinnsel anfangen zu wandern durch die Herzkammer in die Hauptschlagader in das Gehirn, dann können wir einen Schlaganfall bekommen. Und das ist mit das Hauptgefährlichste des Vorhofflimmerns. dass viele große Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts und auch heute versterben am Schlaganfall. Und am Ende muss man wahrscheinlich sagen, weil sie Vorhofflimmern hatten. Stalin zum Beispiel hatte einen großen Schlaganfall. Rockefeller hatte einen großen Schlaganfall.
Wahrscheinlich, Schlaganfall kann auch andere Ursachen haben, aber der kardiogene Schlaganfall ist gar nicht so selten. Aber wenn man heute schon viel mehr weiß als damals, wird es vielleicht in Zukunft nicht mehr so viele Schlaganfälle geben? Die wird es nicht mehr geben, weil man ein Mittel gefunden hat, um Schlaganfall oder Gerinnsebildung zu vermeiden. Das ist die medikamentöse Therapie, die orale Antikoagulation, also eine Gerinnungshemmung hervorgerufen durch Medikamente und das ist sehr erfolgreich. Hat den Nachteil, dass es zu Blutungen kommen kann, aber die Schlaganfallrate kann durch diese, weil Medikamenteneinnahme drastisch gesenkt werden. Ist diese Medikamenteneinnahme auch eine Folge von Vorhofflimmern, geht zum Arzt und dann bekommt man erstmal Medikamente oder wie geht es dann weiter? Es ist so, wenn ein Patient einen gewissen Risikoscore erfüllt, da gibt es den sogenannten Chatzvar-Score. Ein Score, der verschiedene Punkte betrachtet, Bluthochdruck, Geschlecht etc.
Und wenn man bei diesem Score eine gewisse Punktzahl erreicht hat, dann spricht das für ein gewisses Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden und dann sollte man eine Blutverdünnung einnehmen. Wer wäre denn der typische Mensch mit einem Highscore in dem Fall? Also zum Beispiel schon ein Mann, 50 Jahre alt, Bluthochdruck und Vorhofflimmern, dann hat er schon mal mindestens einen Punkt. Und das heißt, er muss eine orale, oder es wird empfohlen, eine orale Antikorgulation einzunehmen, um den Schlaganfall zu verhindern.
Vorhofflimmern kann dieses Gerinnsel verursachen. Haben Sie ja erklärt, dieses Wringen funktioniert nicht mehr so richtig. Also der Lappen wird nicht mehr richtig aufgewirkt. Da kommt es wahrscheinlich her.
So und wenn sich so ein Gerinnsel dann schon bildet, man weiß ja nie, wann passiert das. Eigentlich schon ab sechs Minuten besteht die Gefahr. Dann gehe ich zum Arzt. Unbedingt. Also wenn man einen unregelmäßigen Puls hat. Über sechs Minuten. Oder auch schon weniger. Würde ich immer zum Arzt gehen, um einmal ein EKG schreiben zu lassen. Heutzutage haben wir häufig Patienten, die mit ihrer Smartwatch zu uns kommen und dann einen PDF-Ausdruck mitbringen, bei dem man den Herzschlag sehen kann. Und auch da kann man schon sehen, das scheint Vorhofflimmern zu sein. Aber wenn der Puls unregelmäßig ist und man Symptome hat auf jeden Fall, dann sollte man unbedingt zum Arzt gehen. Diese Uhren haben ja die Funktion, dass sie den Puls messen und einige können ja auch ein EKG machen. Brauche ich Letzteres, um das erfolgreich mit zu meinem Arzt zu nehmen oder reicht auch eine normale Smartwatch? Also das Schöne wäre ein EKG. Wenn die Uhr nur unregelmäßigen Puls anzeigt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Vorhofflömern ist, höher. Aber es gibt auch Herzrhythmusstörungen, die ungefährlich sein können. Extrasystolen heißen die dann. Das sind kleine Extraschläge, die auch unangenehm sind, die man auch spüren kann, aber die bei weitem nicht so gefährlich sind. Also der Schlaganfall ist wirklich sehr gefährlich, aber da gibt es ja noch mehr, was passieren kann. Genau. Also der Schlaganfall ist natürlich genau das, was man am meisten erfährt als Patient, was einen wirklich einschränkt.
Aber Vorhofflimmern führt auch zu einer Herzschwäche, hin zu einer schweren Herzschwäche. Ungefähr 30 Prozent der Patienten, die Vorhofflimmern haben, entwickeln eine Herzpumpschwäche. Dann wissen wir, dass Vorhofflimmern vergesellschaftet ist mit Depressionen. Wir wissen, dass Vorhofflimmern vergesellschaftet ist mit der Entwicklung einer Demenz. Wir wissen, dass Vorhofflimmern zu einer reduzierten Lebensqualität führt. Und was wir auch wissen ist, dass Patienten, die Vorhofflimmern haben, häufiger ins Krankenhaus müssen. Weil sie Symptome haben, weil sie eine Nebenwirkung des Vorhofflimmerns haben, den Schlaganfall, die Herzschwäche etc.
Das heißt, diese Patienten haben einfach eine reduzierte Lebensqualität, auch aufgrund der Tatsache, dass sie häufiger ins Krankenhaus müssen. Eine Nebenwirkung, das klingt erstmal so harmlos, aber ein Schlaganfall als Nebenwirkung ist ja ganz schön heftig. Alle anderen Dinge, die Sie eben aufgeführt haben, Sie nennen das Vergesellschaft, also die sind miteinander verknüpft. Das ist dann immer die Folge. Also die Depression kann ausgelöst werden durch eine... Ja, durch ein Vorhofflimmern, weil einfach, so vermute ich jetzt mal, ich bin kein Psychiater, Psychologe, aber allein die Lebensqualität ist so eingeschränkt. Es gibt Patienten, die können ihren Alltag nicht mehr bewältigen, weil sie im Vorhofflimmern sind. Es gibt Patienten, die nicht mehr arbeiten gehen können. Es gibt Patienten, die keinen Sport mehr machen können und dann unglücklich sind, dass sie viel Gewicht zugenommen haben. Das sind alles Punkte, die mit dem Vorhofflimmern zusammenhängen. Aber wie muss ich mir das dann vorstellen? Wie sieht dann so ein Tag aus? Also alles, was man anfasst, alles, was man tut, ich will mir einen Kaffee kochen, ist das eine Anstrengung? Ja, das kann sein, ja. Es gibt Patienten, wie gesagt, da sind die Symptome nicht so ausgeprägt, aber es gibt die sogenannten hochsymptomatischen Patienten, das sind in der Regel die jüngeren Patienten, 40 Jahre alt, vielleicht auch 30, 50.
Das sind die Patienten, die sehr leiden und wo es dann auch am Anfang aufgetreten ist, dieses Vorflöme. Und es kann dazu führen, dass man tatsächlich seinen täglichen Alltag nicht mehr bewältigen kann. Es gibt so eine Einteilung der Europäischen Herzrhythmusgesellschaft, der European Heart Rhythm Association von Römisch 1 bis 4. Eins Patienten haben Vorhofflömer, aber keine Symptome. Und bei der Ära 4, das bedeutet, dass diese Patienten mit dem Vorhofflömer ihren Alltag nicht mehr bewältigen können. Warum ausgerechnet diese Gruppe um die 40? Wenn man das wüsste. Also ich weiß es jedenfalls nicht, es gibt keine Erklärung, aber das sind natürlich vielleicht auch die Menschen, die voll im Leben stehen, die täglich funktionieren müssen vielleicht bei der Arbeit, in der Erziehung, in der Familie, sonstiges und da fällt es dann vielleicht noch mehr auf, dass man nicht mehr so belastbar ist. Da fällt es auf. Kommt es da auch her? Gute Frage. Stress ist sicherlich mit einem Punkt, der das Entstehen von Vorhofflümmern begünstigen kann. Es gibt ganz einfache Erklärung.
Hormonüberregulierung. Die Schilddrüse ist ein ganz wichtiges Organ in diesem Falle. Wenn wir zu viele Schilddrüsenhormone in unserem Blut haben, dann kann Vorhofflümmern entstehen. Also Überfunktion. Über Funktion, genau. Also man ist ja schweißig, schneller Puls, gestresst und das kann dann auch zum Vorhofflimmern führen. Das heißt, wenn ein Patient mit Vorhofflimmern in die Klinik oder in die Praxis kommt, dann wird der Arzt gewisse Punkte abfragen, um zu gucken, kann man das beheben, um das Vorhofflimmern dann wieder zu beheben. Gibt es nicht diese Korrelation, diese Verbindung, dann muss man das Vorhofflimmern anders behandeln. Wie kann ich dem denn vorbeugen? Dem Vorhofflimmern vorbeugen oder das Behandeln? Am liebsten dem Flimmern. Also dem Flimmern vorbeugen kann man, indem man versucht, alle Risikofaktoren auszuschalten. Die da wären?
Alle. Alle. Gesunder Lebensstil. Also kein Übergewicht, kein Couch-Potato. Also körperliche Bewegung ist Pflicht. Großer oder hoher Alkoholkonsum ist auch ein Problem. Bluthochdruck, immer noch das Problem Nummer eins in unserer westlichen Gesellschaft, ist sehr, sehr häufig vergesellschaftet mit dem Entstehen von Vorhofflimmern. Ja okay, wie kann ich das verhindern? Dem Bluthochdruck? Dem Bluthochdruck, oh, auch da wieder gesunder Lebensstil, Yoga etc. Kann zu einer Verringerung des Blutdrucks führen, aber leider nicht in ausreichendem Maße. Das muss man dann medikamentös machen. Also eine Krankheit der Älteren, auch um die 40-Jährigen, aber es kann auch Jüngere treffen. Ja. Es kann Jüngere treffen. Was haben die denn falsch gemacht? Die haben vielleicht nichts falsch gemacht, sondern sie haben vielleicht eine Nacht heftig gefeiert mit großem Alkoholkonsum. Und dann kann es am Folgetag zu diesen Herzrhythmusstörungen zum Vorhofflimmern kommen. Das ist dann das Honeymoon Heart.
Das kommt vielleicht durch den Abbau des Alkohols in der Leber, in der dann irgendwelche Produkte entstehen, die das Vorhofflimmern begünstigen können. Aber das gibt es dann auch schon in den jüngeren Jahren, dass Patienten, oder das sind dann ja keine Patienten im strengen Sinne, sondern dass Menschen, die ordentlich und stark gefeiert haben, dann mal plötzlich Vorhofflimmern spüren. Wer beim Kater, um es mal beim Namen zu nennen, wirklich mal aufgewacht ist und das Herz hat so im Hals geschlagen, dann ist das ein kleines Vorhofflimmern. Vielleicht auch gar nicht klein. Nein, das ist ein Vorhofflimmern. In der Regel ist es nicht lang und es kommt dann auch nicht wieder, Sondern das ist dann bedingt durch wenig Schlaf, Alkoholkonsum etc. Das kommt dann wahrscheinlich auch nicht wieder, aber es tritt auf. Und wie kann man dem vorbeugen? Also klar, ich weiß, was Sie jetzt sagen werden. Man soll weniger trinken. Was kann ich sagen? Genau das. Weniger trinken, gesund schlafen, einfach mal drauf achten. Was man aber auch sagen kann, ist, dass das kein Grund zur Panik ist. Ja, das wäre wichtig, weil wenn man jetzt denkt, naja gut, ich bin demnächst auf den 50. Geburtstag eingeladen und dann hat man Angst vor dem Sonntag. Das darf ja nicht sein. Nein, das darf nicht sein. Es kann auftreten, man sollte es beobachten, tritt es ganz lange auf, dann sollte man schon den Weg zum Arzt gehen oder vielleicht in die Notfallaufnahme, weil das ja häufig am Wochenende ist.
Stimmt. Ja, genau. In der Regel ist es so, dass man es einfach nur beobachten sollte dann. Und Honeymoon Heart, das hat sich doch ein Engländer ausgedacht. Unbedingt. Also die englische Sprache hat wunderbare Wörter für all diese medizinischen Erscheinungen. Und das Wort Honeymoon finde ich eigentlich recht schön dafür. Obwohl es ja eigentlich ein unangenehmes Empfinden ist, muss man auch sagen. Absolut, aber zu sagen, heute hatte ich ein Honeymoon Heart, ist ein bisschen schöner, als ich hatte so einen Katerkillerklopfen. Mit so einen Katerklopfen, das will man eigentlich nicht. So, nun habe ich Vorhofflimmern. Was tue ich dann? Also ich habe symptomatisches Vorhofflimmern. Ich merke das. Ich bin eingeschränkt in meinem Alltag. Ich bin eingeschränkt in meiner Belastbarkeit. Und dann gehe ich zum Arzt. Und der wird alle möglichen beeinflussbaren Faktoren abklopfen. Schilddrüse etc.
Wenn das alles keinen Erfolg gebracht hat, dann geht es auch schon in die Therapie. Und lange, lange Zeit gab es ein Stufenschema, in dem die medikamentöse Therapie die Nummer eins war. Das sind sogenannte Antiarrhythmika, also Medikamente, die den unregelmäßigen Puls im besten Falle in einen regelmäßigen wieder umspringen lassen. Konvertieren nennen wir das. Aber wie passiert das? Also wie kann ein Medikament einen Rhythmus wieder in Ordnung bringen? Das sind Medikamente, die der Permeabilität der Membran an der Durchlässigkeit der Zellmembran arbeiten. Es geht alles um Salze, es geht alles um Kalium, es geht um Natrium. Also Leitfähigkeit. Genau und diese Medikamente greifen in diesen Mechanismus ein und verändern das Erregungspotenzial der Zelle. Dadurch kann es diese falsch zündenden Zellen eventuell wieder in regelmäßig zündende Zellen umschlagen lassen. Aber wie gesagt, die Erfolgsrate ist nicht sehr hoch und die potentesten Mittel, an erster Stelle steht das Medikament Amiodaron, ein jodhaltiges Medikament.
Die haben auch ordentliche Nebenwirkungen, diese Medikamente. Warum sagen Sie das so explizit mit dem Jod? Weil diese Medikamente unter anderem eine Überfunktion der Schilddrüse hervorrufen können, Wo es ja auch herkommen kann. Richtig. Da beißt sich ja die Katze entspannt. So ist es. Bis hin zu einer Krise. Also das ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, dann so eine Schilddrüsenkrise. Im schlimmsten Falle muss man diese Patienten stationär aufnehmen auf die Intensivstation.
Das heißt, dieses Medikament muss gemonitort werden, es muss beobachtet werden, man muss EKG schreiben, man muss dem Patienten gewisse Handlungsweisen anraten. Zum Beispiel darf man nicht in die Sonne gehen, weil es ganz, ganz schnell Sonnenbrand gibt. schon bei normaler Sonneneinstrahlung. Das schränkt ja auch wieder ein. Das schränkt sehr ein. Es kann zur Ablagerung in der Hornhaut des Auges kommen, sodass man die Lichter ganz verschwommen sieht. Das ist alles reversibel. Es gibt aber auch irreversible Nebenwirkungen, wie zum Beispiel eine Fibrosierung der Lunge, also eine Verbindegewebisierung der Lunge. Das sind alles unangenehme Nebenwirkungen. Okay, dann ist das vielleicht nicht für alle das erste Mittel der Wahl. Was kann ich denn noch tun? Dann, und das bilden auch die neuesten Guidelines der Europäischen Gesellschaft vom letzten Jahr ab, dann kann man eigentlich schon gleich als ersten Schritt, was vorher man als zweiten Schritt gewählt hatte, kann man als ersten Schritt eine sogenannte Katheterablation in Erwägung ziehen. Bei dieser Katheterablation wird mithilfe eines Katheters, der durch die Leiste in das Venöse-System unseres Körpers eingeführt wird, zum Herzen hochgeschoben wird.
Zum rechten Vorhof des Herzens vorgeschoben wird, dann durch die Herzscheidewand in die linke Seite geht, wo ich ja vorhin gesagt hatte, wo die falschen Zündkerzen sitzen. Und dann kann man mit Hilfe von Strom versuchen, diese Zündkerzen einzukreisen. Und das macht man mit Strom, mit Kälte oder ganz neues Pulse Field Ablation. Das ist so eine extrem stark gebündelte Energieform. Und was macht man? Man bildet eine unüberwindbare Bindegewebsmauer um die Stellen, an denen Vorhofflummern entstanden ist. Das heißt, die können weiterhin feuern, wie sie wollen, diese Zündkerzen, aber der Impuls wird nicht auf das Herz übertragen und dann kann wieder die Originalzündkerze übernehmen. Also eine Mauer aus den Narben. Ja. Dass es so viele unterschiedliche Ideen dazu gibt. Also Kalt, Energie. Ja, also das kommt immer so ein bisschen darauf an. Im Moment, wenn man die Kollegen der Kardiologie fragt, dann ist diese... Diese hochgebündelte Energie, diese Pulse Field Ablation, PFA genannt, das ist im Moment der Hype, der heiße Scheiß.
Das ist das, was schnell geht und was effektiv ist. Also die Zündkerzen, die feuern und das nicht tun sollen, die sich da gebildet haben, werden eingeschlossen und die Hauptkerze bleibt intakt. Ja, die sitzt ja im rechten Vorhof, die wird gar nicht angefasst, sondern die muss dann einfach wieder nur funktionieren. Es gibt seltene Fällen, wo die falschen Zündkerzen auch auf der rechten Seite sind, etwas mehr bei Frauen als bei Männern, aber das ist eher selten. Das kommen wir, wie die rechte und linke Gehirne so viel zusammen benutzen. Das kann das Herz auch. Wir benutzen eben unser ganzes Herz. Ja, genau so. Aus vollem Herzen. Also wenn der Kardiologe genau das alles gemacht hat und diese Mauern da um die Zündkerzen schon hochgezogen hat, was machen Sie denn dann? Gute Frage. Also erstens, wir Herzchirurgen haben die Therapie des Vorflimmerns erfunden.
Das ist eine gute Antwort. Das sind wie die Schweizer Bonbons, die auch die Schweizer erfunden haben. Nein, in den 80er Jahren hat ein ganz berühmter, für mich berühmter Herchirurg, Professor Jimmy Cox, James Cox aus den USA, hat eine Therapie erfunden, wie man Vorhofflimmern erfolgreich behandeln kann. Und zwar hat er ein Narbenmuster, wir sprachen ja vorhin von Narben, die man haben muss, hat er ein Narbenmuster entwickelt, was insbesondere die chronische Form des Vorhofflimmerns sehr gut behandeln kann. Per Definition in den Guidelines unterscheidet man eigentlich drei bzw. Vier Formen des Vorhofflömerns. Das sogenannte anfallsartige Vorhofflömern, das paroxysmale Vorhofflömern, das per Definition nach sieben Tagen von alleine assistiert. Es tritt auf und hört auch wieder auf. Ist es länger als sieben Tage vorhanden, sprechen wir vom sogenannten persistierenden Vorhofflümmern, also ein schon hartnäckiges Vorhofflümmern. Wenn dieses dann länger als ein Jahr anhält, dann sprechen wir von lang anhaltend persistierendem Vorhofflümmern.
Und wenn es viele, viele Jahre besteht und wir uns im Team, Herzchirurg, Kardiologe, einig sind, dass man das Vorhofflümmern nicht mehr behandeln kann, weil es so chronisch ist, weil der Patient vielleicht auch so krank ist, dann spricht man vom permanenten Vorhofflümmern. Und warum erzähle ich das alles so? Das paroxysmale Vorhofflümmern ist eine Domäne der kardiologischen Katheterbehandlung. Man kann sehr gut eine Pulmonalvenisolation, eine Narbe in den Pulmonalven herstellen, hervorragend mit Katheter, egal welche Technik.
Dieses persistierende Vorflimmern zeigt einen schon voranschreitenden Erkrankungen an. Und dann stößt die Kathetertherapie, die Verödung mittels Katheter an seine Grenzen. Einige Patienten müssen ein, zwei, drei, vier, auch fünf Mal mit dem Katheter behandelt werden. Und jede zusätzliche Behandlung führt nicht unbedingt zu zusätzlichem Erfolg. Sie müssen ja auch jedes Mal durch die Herzscheide fahren. Sie müssen jedes Mal da durch. Also jedes Mal ein Meusloch. Genau, es muss immer wieder nachgeschaut werden, gibt es irgendwo Lücken in meinen Narben oder aber gibt es plötzlich neue Zündkerzen, die da gar nicht hingehören, die ich woanders suchen muss.
Da sollte man dann im H-Team denken. Und ganz kurz nochmal, ja, wir haben es erfunden in den 80ern, aber es war eine sehr große Operation. Mit Herz-Lungen-Maschine, mit Schneiden, mit Nähen. Brustkorb aufmachen. Mit Brustkorb aufmachen. Sehr erfolgreich, muss man sagen. Also die Erfolgsrate von damals wird beschrieben mit 90 Prozent, wobei die Nachsorge so ein bisschen fishy war, indem man zum Beispiel die Patienten angerufen hat und gefragt hat, haben sie regelmäßigen Puls, geht es ihnen gut? Und wenn die Ja gesagt haben, hat man gesagt, okay, die Operation war ein Erfolg. Heute geht das so nicht mehr durch. Also da muss man schon einen Arzt sehen. Genau, man muss einen Arzt sehen, man muss einen EKG haben und und und. Jedenfalls, die Therapie war sehr, sehr erfolgreich, aber sie wurde nicht übernommen, weil sie zu komplex war, zu gefährlich, zu viele Nebenwirkungen. Und nicht alle Patienten wollten so etwas.
Gefährlich, weil es ein großes Risiko ist, den Brustkorb aufzumachen oder das Herz freizulegen oder weil sie so lange dauert? Sowohl als auch. Also zum einen, weil die Operation lange dauern kann, zum anderen, weil sie extrem viele Schnitte am Herzen durchführen und das dann wieder zusammennähen. Und immer wenn wir als Chirurgen was zusammennähen, kann es auch mal zu einer Nachblutung kommen, zum Beispiel. Und das ist dann ein sehr hohes Risiko. Wenn Sie dann eine plötzlich starke Blutung haben, kann das auch mal schnell lebensgefährlich werden. Was haben Sie genau gemacht bei dieser großen OP? Man hat ein ganz bestimmtes Narbenmuster um die Pulmonalveen, um die Lungenadern hervorgerufen. Letztendlich hat Jimmy Cox in den 80ern eigentlich mehr oder minder per Zufall eine Pulmonalveen-Isolation durchgeführt, obwohl er noch gar nicht wusste, dass die falschen Zündkerzen in den Pulmonalveen stecken können. Das hat man erst 2000 bzw. Ende der 90er entdeckt.
Professor Hezage aus Bordeaux, der weiterhin noch praktiziert, hatte mit dem Katheter versucht, die Linienführung, die Jimmy Cox erfunden hatte zehn Jahre vorher, mit dem Katheter nachzuziehen. Das Ziel war, mit einem Katheter, also mit einem minimalinvasiven Eingriff, denselben Erfolg zu haben wie der Chirurg, aber mit weniger Komplikation, weniger belastend für den Patienten. Und während er da also mit seinem Katheter im Herzen herum abladierte, also Strom abgab, Hörte das Vorhofflimmern plötzlich auf. Dann ist der Herr Herzager Gott sei Dank ein sehr schlauer Mensch, der sich dann nämlich hingesetzt hat und gefragt hat, warum ist das so? Ich war doch noch gar nicht fertig mit meinem Linienkonzept, wie es die Herzchirurgen gemacht haben. Und trotzdem konnte ich das Vorhofflimmern terminieren.
Und was war passiert? Er hatte mit seinem Katheter per Zufall in den Lungenadern genau diese eine Zündkerze getroffen, die falsch gezündet hat. Dann hat man entdeckt, wir müssen gar nicht jede einzelne Zündkerze veröden. Wir machen einfach eine Mauer drumherum und dann können die machen, was sie wollen. Aber die Patienten sind trotzdem im Sinusrhythmus. Und das ist der Katheter. Die Linie, über die Sie sprachen, das Muster, wie sieht das Muster aus? Hat es eine bestimmte Form? Ja, das ist wie ein Labyrinth, wenn Sie so wollen. Deswegen heißt die Operation auch MACE-Operation. Englisch MACE, Deutsch Labyrinth. Und wir Herzchirurgen, wir wissen, wie diese Linienführung ist. So genau wie wenn man im rechten Vorhof, auch wir setzen jetzt Strom und Kälte ein, wir schneiden nicht mehr, auch wir sind da minimalinvasiver geworden. Ja, das stellt man sich ja so vor. Also Herzchirurg überhaupt, bei dem Wort Chirurg denkt jeder sofort an das Galtpell. Richtig. Brauchen wir aber bei der Therapie des Vorhofflimmerns, wie sie heutzutage durchgeführt wird, im H-Team nicht mehr.
Heutzutage operieren auch wir minimalinvasiv am schlagenden Herzen, kameragesteuert, also endoskopisch. Und Sie fragten vorhin, warum es überhaupt eine Herdchirurg braucht, wenn der Kardiologe doch so erfolgreich ist mit der Katheterbehandlung. Es ist eben nicht bei der persistierenden Form, bei der chronischeren Form des Vorhoflimmerns. Und da kommt dann der Herdchirurg mit ins Spiel und der dann das Herz von außen verödet, die Hinterwand des Vorhofes, so nennen wir das, der die Lungenvenen auch veröden kann von außen, der noch zusätzlich das Vorhofohr verschließen kann und muss. Und zu einem späteren Zeitpunkt steigt dann der Kardiologe mit seinem Katheter von innen vom Herzen dazu und führt letztendlich zu einer Verbindung der Verödung von außen mit seiner Verödung von innen. Und dann haben sie eine Transmoralität erreicht, also durch die gesamte Schicht der Herzmuskulatur hindurch. Und die Reihenfolge ist andersrum, als ich gedacht hätte. Ich hätte gedacht, der Kardiologe fängt an. In dem Fall, wie Sie es jetzt beschrieben haben, macht es ja aber mehr Sinn, wenn Sie an.
In der besten aller Welten in der Tat sollte der Chirurg anfangen und das kann man auch gut erklären. Leider ist es heutzutage so, dass wir im Albertin Krankenhaus zum Beispiel Patienten zugewiesen bekommen, die die dritte, vierte, fünfte Katheterablation hinter sich haben, bei der der Kardiologe dann gesagt hat, ich kann eigentlich nichts mehr tun und jetzt zünden wir mal die nächste Therapiestufe, die Therapierakete und schicken dich zum Herzchirurgen. Dann können wir das immer noch machen. Das ist auch erfolgreich. Das wollte ich gerade wissen. Das wäre ja sonst ein bisschen demoralisierend. Es ist erfolgreich, aber es macht pathophysiologisch, also medizinisch gar nicht so viel Sinn. Viel schlauer ist es. Der Herr Chirurg fängt an mit seiner Therapie von außen. Die Narben entstehen und heilen aus und nach sechs Wochen steigt der Kardiologe mit dem Katheter ein und bei uns im Albertinen Krankenhaus haben wir einen sehr innovationsfreudigen Elektrophysiologen, das ist der Dr. Schäffer, Benni Schäffer, der macht nämlich folgendes, wenn ich oder wir Herzchirurgen applaudiert haben, dann wartet der sechs Wochen, bis die Narbe ausgebildet ist, dann steigt er von innen mit seinem Katheter ein und er kann dann mit einem besonderen System, kann er grafisch darstellen, ob wir gute Narben am Herzen haben entstehen lassen.
Und wenn wir irgendwo eine Lücke in unserem Narbenfeld gelassen haben, dann kann er diese Lücke von innen mit seinem Katheter sehr elegant verschließen. Und es geht bei diesen Mauern immer um Vollständigkeit. Sobald irgendwo eine kleine Lücke ist, geht Elektrizität dadurch. Und das kann er sehr gut testen. Und dann kann er das zusätzlich machen, was er ohnehin sehr gut macht, nämlich die Pumonalvehen isolieren, wie wir vorhin gesagt haben.
Das ist eigentlich das Konzept, wie ich es am schönsten finde und wie es interessanterweise auch die neuesten Guidelines darlegen. Es ist ein sehr hoher Empfehlungsgrad entstanden, eine sogenannte 2A-Indikation, Vorhofflimmern im H-Team zu behandeln, Herzchirurg, Kardiologe und dass der Herzchirurg sogar anfängt. Heart Team steht für Herz Team. Wir haben eine sogenannte Heart Team Konferenz, eine Vorhofflimmer Heart Team Konferenz. Wir können noch viel Mehrheitsrhythmusstörungen behandeln, aber das Vorhofflimmern ist das häufigste. Und da setzen wir uns zusammen und dann gucken wir uns die Befunde der Patienten an. Hat ein Patient ein schon etwas vergrößertes Herz? Hat ein Patient einen Bluthochdruck? Vielleicht auch noch zuckerkrank? Hat er schon seit neun Monaten Vorhofflimmern durchgehend? Dann besprechen wir diesen Patienten. Wir gucken uns alle Befunde an, IKG, Ultraschall, Röntgen und dann versuchen wir den besten Weg für diesen Patienten zu finden. Das ist wie eine Tumorkonferenz in der Onkologie. Genau so ist es. Wer sitzt da alles mit am Tisch? Sie, der Elektrophysiolog? Es sollte vielleicht noch ein Narkosearzt mit am Tisch sitzen, weil man die Narkoseführung dann auch besprechen muss. Das müssen ja nicht mal die großen, tiefen Vollnarkosen sein für so eine Therapie. Da sind wir auch moderner geworden wie Herzchirurgen. Da nimmt man noch einen Psychologen mit hinzu. Und wenn es dann ganz toll läuft, einen sogenannten Kardiopsychologen, die es jetzt mehr und mehr gibt, weil man festgestellt hat, die Psyche und das Herz, die können ganz eng zusammensitzen.
Und wenn man all die vier zusammen hat, dann hat man wirklich, ich würde sagen, das weltbeste AFH-Team, um dann die richtige Therapie für den Patienten herauszusuchen. Herznotfall-Team.
Kardiopsychologe, das ist ja gar nicht so weit hergeholt, wenn ich jetzt mal so ganz naiv, emotional an so eine Sache rangehe. Wenn man Herzschmerz hat, Liebeskummer, wenn es einem nicht gut geht und vielleicht einen Verlust erlitten hat oder ähnliches, dann tut einem ja irgendwie auch das Herz weh. Oder man hat auch Herzrasen. Also irgendwie ist das Herz doch auch ein Spiegel der Emotionen. Genau so ist es und das hat sich halt gezeigt, dass das schon enger zusammenhängt, als wir vielleicht initiativ geglaubt haben. Und wir sprachen vorhin über die Depression. Es gibt auch sogenannte Herzneurosen. Das ist ja ein Trauma für die Patienten, wenn sie Vorhofflimmern haben und dann entwickeln sie vielleicht Angst vor Vorhofflimmern. Und haben dann eine Angststörung. Ich bin jetzt kein Psychologe, kein Psychiater, aber immerhin hat die psychologisch-psychiatrische Welt erkannt, dass es einen Therapeuten bedarf, der sehr eng Hirn und Herz zusammenbringt. All diese Sprichwörter kommen ja nicht von irgendwo her. Etwas geht ans Herz. Muss man aber auch früh erkannt haben, weil diese Redewendung gibt es ja alle schon sehr lange. Ja, das hat man früher erkannt, in der Tat. Gerade in der Chirurgie. Kein Patient geht freiwillig zum Herzchirurgen und lässt sich behandeln. Keiner besucht Sie freiwillig, das tut mir auch leid, aber es ist so. Es ist so, ich kann damit leben.
Nein, aber diese Patienten kommen ja schon irgendwie geschädigt in Häkchen zu uns. Das heißt, ein intensives Befassen mit dem Herzen hat schon stattgefunden. Und selbst wenn wir dann das Herz erfolgreich in einen Sinusrhythmus überführen können im H-Team, durch diese besondere minimalinvasive Therapie, dann haben wir zwar das Herz therapiert, aber nicht den Kopf. Und diese Patienten haben immer noch Angst. Sie haben dann Angst, dass es wieder auftritt. Sie horchen ständig in sich hinein. Sie gucken ständig auf ihre Smartwatch. Sie können, obwohl sie in einem regelmäßigen Sinusrhythmus sind, immer noch nicht arbeiten gehen, weil sie Angst haben, dass wenn sie sich belasten, zum Beispiel wieder Vorhof, wenn man auftritt. Und dann ist eine kardiopsychologische Mitbetreuung enorm wichtig.
Sie sprachen vorhin über das Vorhofohr. Da bin ich kurz hellhörig geworden. Also da wäre ich jetzt ganz Ohr. Was ist denn das und sieht es aus wie ein Ohr? Sehr schön. Nein, es sieht nicht aus wie ein Ohr. Das Herzohr, insbesondere das linke Herzohr, in der Tat hat eine unterschiedliche Anatomie und es ist wahrscheinlich so, dass das wie ein genetischer Abdruck der Menschen ist. Jedes Vorhofohr ist anders, aber es gibt bestimmte Formkomplexe. Es gibt Vorhofohren, die sehen aus wie ein Kaktus, wie der Wüstenkaktus mit seinen langen Armen. Es gibt Vorhofohren, die sehen wie eine Windhose aus, Windsock im Englischen. Es gibt Vorhofohren, die sehen wie ein Hühnchenflügel, Chicken Wing aus oder aber wie ein Blumenkohl, ein Cauliflauer. Und warum ist das Vorhofohr so wichtig? Wir hatten vorhin gesprochen über Gerinnselbildung im Vorhof, die dann zum Schlaganfall führen können. Und dieses Vorhofohr ist eine ganz kleine Hohlkammer. Und wenn das Herz flimmert, die Vorhöfe flimmern, dann steht die Blutsäule in diesen kleinen Kammern ganz besonders schnell. Das heißt, die meisten Gerinnsel im linken Vorhof entstehen im linken Vorhofohr. Und das macht eigentlich dieses gutartige Vorhofohr im Sinusrhythmus zu einem beinahe schon lebensgefährlichen Anhängsel, sobald wir Vorhofflimmern entwickeln. Wenn sie es veröden.
Oder wenn sie da operieren, hat das keine weitere Tragweite für den Körper? Wahrscheinlich ist das so, ja. Auch da ist die Datenlage noch nicht ganz fertig. Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse, die wir über das Vorhofer entwickeln. So zum Beispiel, wenn man das Vorhofer verschließt von außen mit einem Clip.
Dann scheint das einen Einfluss auf den Bluthochdruck zu haben. Er geht nämlich runter und zwar ganz schön ordentlich. Und das ist ja gut. Das ist gut. Das ist aber eine relativ neue Wissenschaft noch. Man weiß nicht, ob es jetzt wahre Wissenschaft ist oder vielleicht auch nur ein Zufall war in den kleinen Studien, die man gemacht hat. Aber das Vorhoffohr, wie gesagt, wird halt gefährlich, wenn wir Vorhofflimmern haben. Und dann muss man es oder sollte man es irgendwie verschließen. Insbesondere bei Patienten, die eine Blutverdünnung nicht einnehmen können. Was sehen Sie dann am häufigsten? Kaktus? Ich glaube, ich sehe ziemlich viele Blumenkohlohren und ich glaube, wir sehen auch viel Kaktus. Ab und zu mal Chickenwing. Und man muss sie dann verschließen. Das kann man von innen machen mit einem Stöpsel, mit einem Plug per Katheter. Ja, man kann einen kleinen Stöpsel per Katheter wieder durch die Herzscheidewand, wieder über die Leiste gepikst, also sehr minimalinvasiv, können die kardiologischen Kollegen von innen das Vorhoffohr verschließen mit einem Stöpsel.
Wir Herzchirurgen bieten das bei der Vorhofflimmerablation gleich mit an. Da sind wir auch unterstützt durch die Guidelines, die sagen, ja, wenn man Vorhofflimmern im H-Team minimalinvasiv als Herzchirurg dann behandelt. Und du siehst das Vorhofohr, dann verschließ es doch bitte gleich mit. Und früher ging das nicht mal eben so, weil wenn man es wegschneidet, dann blutet es. Und das ging nur mit einer großen Herzoperation. Jetzt kann man diese Vorhofohren am schlagenden Herzen, Kamera geführt, ganz elegant durch drei kleine Röhrchen an der Brustwand, kann man innerhalb von 20 Minuten diese Vorhofohren für immer und ewig verschließen. Und nehmen Sie auch einen Stöpsel oder nehmen Sie was anderes? Wir nehmen eine Klammer, einen sogenannten Clip, der das möglich macht. Das ist das Device, was am wenigsten gefährlich ist, was sehr schnell aufgesetzt werden kann und was extrem erfolgreich ist. Kann man Vorhofflimmern heilen?
Nein, Vorhofflimmern kann man leider nicht heilen. Das muss man auch mit dem Patienten besprechen, dass man das Vorhofflimmern aufhalten kann. Dass man das Vorhofflimmern jahrelang aufhalten kann, aber... Es besteht immer ein gewisses Rechtsrisiko, dass Vorhofflimmern wieder auftreten kann. Das ist aber gar nicht schlimm. Wenn zum Beispiel ein Patient vor der Operation, vor der hybriden Vorhofflimmerablation, also Elektrophysiologe und Herzchirurg, 100% Vorhofflimmern hatte. Das heißt jeden Tag 24 Stunden Vorhofflimmern hatte. Klingt ja furchtbar. Ja, das nehmen wir dann ein. Er hat eine sehr hohe Vorhofflimmerlast, einen Burden auf Englisch wieder. Also die Anzahl von Vorhofflimmern pro Zeiteinheit. Und wenn er diese 100% hat und wir ihn therapieren und er dann nur eine Vorhofflimmerlast, einen Burden von 5% hat, also sprich zum Beispiel über 24 Stunden und noch 5% des Tages Vorhofflimmern hat. Also wie das Honeymoon-Heart. So ungefähr. Dann hat er einen enormen Benefit, was das Empfinden von Vorhofflimmern betrifft, Lebensqualität und, und, und. Das heißt, wir müssen es vielleicht gar nicht heilen, indem wir null Vorhofflimmern entstehen lassen. Das wäre perfekt, aber wir wissen, dass durch eine erfolgreiche Therapie im H-Team wir den Burden, die Belastung extrem doll senken können und das ist schon ein großer Erfolg. Also die Nachsorge ist extrem wichtig.
Vorhofflimmerpatienten müssen ein Leben lang nachgesorgt werden. Ist es nicht auch schön für Ihr Herz, dass Sie die Leute dann hinterher auch sehen und Sie den Menschen, der dann vielleicht mehr Lebensqualität hat, den wieder treffen in der Nachsorge? Absolut. Das ist so das Salz in der Suppe meines täglichen Handelns sozusagen. Natürlich ist es schön, eine Operation erfolgreich abzuschließen. Bei dem Vorhofflimmern ist es leider so, ich kann Elektrik am Herzen nicht sehen.
Das heißt, ich therapiere etwas und muss eigentlich Monate warten, um den Erfolg zu sehen. Und wenn ich die Patienten nicht nachsorge, dann habe ich nie dieses Gefühl, hat eigentlich meine Therapie während der Operation wirklich zu Erfolg geführt. Und durch diese Nachsorgetherapie beim Vorflümmern sieht man, jawohl, das klappt. Und das klappt sogar sehr ordentlich. Also diese Erfolgsraten der Hybriden-Therapie beim hartnäckigen Vorflümmern nach drei Jahren, jetzt ist gerade eine große Studie entstanden, die liegt bei 75 Prozent. Das ist hoch. Das ist sehr hoch, denn die alleinige Therapie nur mit Katheter und deswegen brauchen wir dieses H-Team bei dem hartnäckigen Vorhofflömer. Die Erfolgsrate bei der alleinigen Katheter-Therapie nach drei Jahren in dieser Studie lag bei 35 Prozent. Also im Team ist man einfach stärker. Ein holländischer Freund von mir, auch ein sehr erfolgreicher Elektrochirurg, Bart Meßen, hat mal gesagt, bei der hybriden Vorhofflimmerablation, also Herzchirurg und Kardiologe zusammen, ist 1 plus 1 gleich 3 und nicht 2. Warum ist es 3? Weil wir sehr erfolgreich sind, das wäre dann 2. Und dieser zusätzliche Punkt zu 3 ist der Verschluss des linken Vorhohohres mit der Reduktion der Schlaganfallgefahr. Und deswegen diese Teamarbeit, da ist wirklich 1 plus 1, 3. Eine Frage hätte ich auch noch. Was ist Ihr schönster Moment als Herzchirurg gewesen? Oder warten Sie auf den noch?
Der schönste Moment ist eigentlich täglich, wenn die OP gelingt, muss ich sagen. Und natürlich gibt es die Highlights der jungen Patienten mit einer eingerissenen Hauptschlagader, der dann erfolgreich behandelt werden kann und nach einem halben Jahr mit seinen kleinen Kindern kommt oder Vater geworden ist oder weiter eine Familie gründen könnte. Das sind die Momente, die dann wirklich hervorstechen. Aber ich liebe meinen Job so sehr, dass eigentlich jeder Tag so ein kleines Highlight ist. Dann machen wir nochmal Wünsch dir was. Also das eine ist schon schön und der Job macht Ihnen Spaß, aber was wäre, wenn ich Ihnen eine Superkraft verleihen könnte? Was hätten Sie gern? Beamen. Ich würde gern gebeamt werden, von A nach B, weil manchmal durch Wege so viel Zeit verloren geht, durch Arbeitswege, durch Wege im Krankenhaus. Beamen wäre eine Superkraft, die hätte ich gern. Lustig hätte ich aber auch gefunden. Kennen Sie die Filme?
Hilfe, ich habe meine Kinder geschrumpft und dann hätten Sie ja direkt ins Herz schlufen können. Das ist etwas, stimmt, habe ich gar nicht drüber nachgedacht, das wäre cool. Mal einmal hingehen, mal einmal gucken, wo die Zündkerzen sind, die einen so ärgern oder wenn es bei uns in der Chirurgie mal zu einer Nachblutung kommt, die man nicht einsehen kann, wenn man dann da hineinschlüpfen könnte und gucken könnte und dann auch gleich therapieren. Dann aber immer gut aufpassen, dass man nicht gegen den Kaktus läuft. Ja, genau.
Was geben Sie Betroffenen mit, mit Vorhofflimmern? Ich denke, man sollte mitgeben, dass wenn Vorhofflimmern vorhanden ist und vielleicht Vorhofflimmern andauernd vorhanden ist und man auch schon die ein oder andere Behandlung hatte, medikamentös Katheter, dass man nicht aufgibt, dass man vielleicht doch den interessierten Herzchirurgen aufsucht.
Den interessierten Elektrochirurgen aufsucht. Denn wir Herzchirurgen haben eventuell noch eine Lösung parat. Wir können das additiv, also mit dem Kardiologen zusammen machen. Wir können in seltenen Fällen auch ganz alleine das Vorflimmer mit der alten klassischen Operation behandeln. Da würde ich dem Patienten mitgeben wollen, nicht aufgeben, vielleicht doch nochmal zum Herzchirurgen gehen. Und wenn man dann wirklich nichts mehr machen kann, dann kann man noch eine Schrittmacherimplantation machen. Also Herzchirurg, Vorschrittmacher. Absolut. Ich höre ziemlich oft auf mein Herz, gefühlt. Gesundheitlich ignoriere ich es noch zu oft. Aber wenn es mir das nächste Mal trommelnd oder stolpernd zu verstehen gibt, dass ich es ein wenig übertrieben habe, werde ich mir diesen Hinweis auf jeden Fall zu Herzen nehmen. Prof. Dr. Hanke, danke, dass Sie heute hier waren. Vielen Dank, dass ich hier sein durfte. Es hat mir extrem viel Spaß gemacht. Liebe Hörerinnen und Hörer, schön, dass auch Sie da waren. Weitere Infos über Herzchirurg Prof. Dr. Thorsten Hanke und seine Arbeit im Albertinenkrankenhaus gibt es für Sie zum Nachlesen im Hamburger Abendblatt, in der Printausgabe und natürlich auch online. Bleiben Sie gesund.