Die Hamburger Klinik-Helden, der Podcast über Berufe mit Sinn. Vom Hamburger Abendblatt und dem Verband der freigemeinnützigen Krankenhäuser in Hamburg. Die Freien. Moin und herzlich willkommen zu den Hamburger Klinik-Helden, dem Podcast über Berufe mit Sinn. Heute geht's in den OP zu einer Frau, die ganz besondere Kollegen hat. Die haben nie schlechte Laune, müssen nie schlafen und diskutieren garantiert niemals über den Dienstplan. Die Roboter Da Vinci und Hugo. Aber damit diese Hightech-Kollegen überhaupt sinnvoll arbeiten können, braucht es Menschen, die den OP-Alltag zusammenhalten. Genau darüber sprechen wir mit Hanna Nemitz, Leitung OP am Israelitischen Krankenhaus in Hamburg. Schön, dass Sie da sind, Frau Nemitz. Ja, vielen Dank für die Einladung. Frau Nemitz, wenn ich an OP denke, ist das bei mir ein schwarzes Loch?

Man erlebt da ja nichts, man ist ja in Narkose. Was ist das OP-typischste Geräusch, das Sie sofort erkennen würden, sogar am Halbschlaf? Da gibt es tatsächlich sehr viele. Es fängt an bei dem Piepen des Monitors, bei der Patientenüberwachung, der Sauger, den wir während der OP benutzen. Der Blutsauger. Genau, um Flüssigkeiten abzusaugen, genau, jegliche Art. Der läuft bei jeder OP? So gut wie, ja, genau. Der verfolgt einen auch im Traum, muss man nicht mal sagen. Was hat dir denn ursprünglich überhaupt in den OP geführt? Die Geräusche waren es ja wahrscheinlich nicht. Das definitiv nicht. Mich hat der medizinische Bereich schon immer interessiert. Und ich bin durch ein FSJ auf den OP gekommen. Das habe ich machen dürfen. Ich wollte es erst auf der Station machen, dann konnte ich aber in den OP gehen und dann habe ich mich in den Bereich verliebt und danach dann direkt die Ausbildung angefangen. Und im FSJ, im OP-Bereich, durften Sie dann wirklich auch direkt mit rein? Ja, also ich habe auch viele Außentätigkeiten gemacht, Patienteneinschleusen, ich habe bei der Lagerung geholfen. Ich durfte aber auch bei den OPs dabei sein, genau. Und da habe ich mein Herz ein bisschen drin verloren. Also es war kein abschreckender Moment? Überhaupt nicht. Erinnern Sie sich an Ihre erste? Richtig fasziniert. Die erste OP kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich glaube, es war eine gynäkologische OP.

Das klingt immer so blöd, aber ich fand es eigentlich voll spannend und interessant. Ich hatte so überhaupt keine Berührungsängste. Ich fand das schon immer total faszinierend. Und da war Ihnen klar, da will ich hin? Da will ich hin. Oder da will ich bleiben? Richtig. Sind Sie dann im selben Haus geblieben? Nee, ich bin dann an die Uniklinik in Kiel gegangen. Ich habe in einem großen Haus gelernt, weil man da einfach viele Fachbereiche sieht. Große OPs, das war mir wichtig, dass ich einen großen Überblick während der Ausbildung kriege. Und bin dann vor vier Jahren nach Hamburg gekommen. Was bedeutet große OPs? Also ist das jetzt mehr aufmachen oder länger oder woran misst man das? Komplexere OPs trifft es wahrscheinlich besser genau. Was war die längste OP, die Sie mitgemacht haben?

Transplantationen dauern immer relativ lange. Was ist ein nebenbarer Begriff, relativ lange? Ja, sechs bis acht Stunden steht man dann doch schon mal. Das ist lang. Gibt es da nicht so Hocker? Also kann man nicht bei jeder OP benutzen, muss man sagen. Also bei manchen OPs muss man halt die ganze Zeit stehen. Genau, da braucht man ein gutes Beintraining und Kompressionsstrümpfe. Kompressionsstrümpfe und eine gute Kondition. Aber es müssen ja alle stehen. Ja, die Chirurgen genauso, das stimmt ja. Was macht man denn, wenn man müde wird? Man kann so kleine Bewegungen machen, so ein bisschen um die Venenpumpe anzuregen, aber sonst durchhalten. Vor Kaffee trinken. Zähne zusammen. Richtig. Was ist denn, wenn Sie mal auf die Toilette müssen? Ganz im Notfall kann man sich kurz auslösen lassen oder man bespricht es mit den Chirurgen, ob man kurz abtreten kann, ob der Moment passend ist. Und im Zweifel, wenn es gar nicht geht, anhalten. Wenn ich mir vorstelle, dass ich im Büro sechs bis acht Stunden bin und zwischendurch nicht auf die Toilette gehen kann, bricht mir persönlich ein bisschen Angstschweiß aus. Man ist dann sechs Stunden hoch konzentriert, also man kann sich nicht so wegträumen.

Lässt eine OP auch nicht immer zu. Klar gibt es auch mal Phasen, wo nicht so richtig viel passiert. Da kann man schon mal vielleicht über die Einkaufsliste am Nachmittag nachdenken. Aber sonst muss man immer am besten schon zwei Schritte vorausdenken. Was könnte als nächstes passieren? Was brauchen wir gleich? Sie haben auch immer alle Worst-Case-Szenarien im Kopf. Muss man im Hinterkopf behalten, ja. Die muss man abrufen können? Die muss man abrufen können. Was ist Ihre Hauptaufgabe im OP? Also in einer klassischen OP? Kommt ganz darauf an, welche Tätigkeit man hat. Steht man am Tisch oder springt man? Wir nennen den Außenläufer quasi Springer, der quasi alles um die OP organisiert, Sachen aufmacht, die Dokumentation macht. Oder halt der klassische Instrumentierer, der steril am Tisch steht und die Instrumente anreicht, ob man Haken hält. Spricht man dann? Also dann muss der Chirurg Ihnen das noch sagen oder die Chirurgin oder wissen Sie schon, was jetzt als nächstes kommt? Eigentlich weiß man es. Viele sagen es trotzdem noch an. Wie viele Menschen sind in so einem OP-Saal?

Anästhesist, Anästhesieschwester, Chirurg und je nachdem was für eine OP ist, mindestens ein Assistent, manchmal aber auch zwei oder drei, Instrumentierer und Springer. Wie gelingt es Ihnen in stressigen Situationen Ruhe und Struktur in den Saal zu bringen? Das ist ja ein bisschen auch Ihre Aufgabe, die Struktur. Oder ich frage nochmal anders. Das klang wie Strategie. Wir haben Springer, Sie müssen schon zwei Schritte im Voraus denken. Ja, wir haben natürlich gewisse Prozesse, die immer ablaufen. Das bringt natürlich ein bisschen Struktur und Ruhe in den Saal. Und das, was man selber ausstrahlt, muss man sagen. Wenn es zu einer Notsituation kommt, da ist man selber hektisch, aber man muss es nach außen tragen als erst das Normalste der Welt. Das, glaube ich, gelingt uns allen ganz gut. Das ist auch eigentlich eine Robbvoraussetzung. Man muss nach außen Ruhe strahlen, auch wenn es innerlich ganz anders aussieht. Da kann man alles hinterher besprechen, aber in dem Moment muss man funktionieren, ja. Dann sind es die richtigen Menschen im OP. Also ich würde das so wollen, wenn ich operiert werden würde. Das wäre mir dann schon ganz lieb, dass da jemand die Ruhe bewahrt. Auf jeden Fall. Und dadurch, dass wir diese Prozesse haben und man eigentlich weiß, was im Notfall zu tun ist, das gibt den Mitarbeitern natürlich auch Sicherheit. Und wenn nicht, holt man sich noch Hilfe dazu.

Die Leute sind dann ja im Nachbarsaal, dann ruft man schnell an oder geht kurz rüber und sagt, ich brauche Hilfe. Gibt es da so einen Notwahlknopf, wo man dann im Radio... Das nicht. Im Emergency Room kann mal einer von da drüben aus OP-Saal 1 zu 2 kommen. Das wäre nochmal schön, ja. Aber nee, natürlich Telefonnummer, einfach mal im Nebensaal anrufen. Was bringt denn ein Plan in der Praxis so am häufigsten ins Wangen? Was sind so die Klassiker, die es durcheinander bringt? Wenn die geplanten OP-Zeiten nicht eingehalten werden, durch was auch immer, dass es einfach länger dauert, Zwischenfälle oder Notfälle, die wieder operiert werden müssen. Wir haben ja keine Notaufnahme, aber natürlich gibt es mal Revisionen, die gemacht werden müssen. Das bringt den OP-Plan durcheinander. Die müssen zwischengeschoben werden. Dadurch verschiebt sich auch wieder alles. Das ist also jeden Tag ein neues Spiel. Wird nie jeden Tag neu gewürfelt, wenn man zur Arbeit kommt. Man weiß nie, was passiert. Was ich auch schön finde, es wird nie langweilig, aber man muss da flexibel bleiben. Und man muss das mögen.

Was machen Sie denn, wenn Sie nach Hause kommen? Wie kommen Sie dann runter? Ich gehe zum Sport. Was machen Sie? Crossfit. Ah, und dann so richtig auspowern? Richtig auspowern, ja. Das ist einmal den Kopf lüften und danach geht es einem gut. Weil Sie auch so viel stehen müssen. Ja, viel stehen, viel laufen, viel reden, viel denken. Ich hätte jetzt fast gedacht, das ist doch eigentlich schon Sport genug. Ja, ist es tatsächlich auch. Aber nochmal so richtig mit Kraft was auspowern, das macht schon. Und es macht einfach Spaß, Sport. Ja, davon mal abgesehen. Genau, aber hätte ja jetzt auch Yoga oder Entspannung, Meditation sein können. Ach, da bin ich nicht so, da muss ich direkt wieder denken. Ich kann da nicht abschalten. Und bei Crossfit denken Sie nicht? Nee, da kann ich irgendwie meinen Kopf ausschalten. Da weiß ich genau, was ich abarbeiten muss. Und dann ist gut. Sie führen ja ein ganzes Team. Wie viele MitarbeiterInnen haben Sie? Ich glaube, momentan sind es zehn. Schon im zweistelligen. Ja, wir haben aber noch ein paar offene Stellen und es fangen jetzt auch noch ein paar neue Kolleginnen an im nächsten Jahr. Ah ja, da draußen, wer einen Job sucht, der spannend ist und nie langweilig wird, dann da. Auf jeden Fall. Sind alle herzlich willkommen. Wie führen Sie denn Ihr Team? Also hochkonzentriert müssen alle sein, das ist klar.

Aber auch menschlich. Gute Frage. Oder was ist Ihnen das Wichtigste in Ihrer Position? Die Leute sollen gern zur Arbeit kommen. Ich weiß, dass das auch nicht immer der Fall ist, weil es auch manchmal wirklich sehr anstrengend ist. Aber die sollen den Spaß nicht verlieren. Humor soll auch immer da sein. Also ist ein ernster Job, aber man soll dabei Spaß haben. Man darf auch mal einen Witz machen. Auch im OP? Auch auf jeden Fall. Ich möchte, dass offen gesprochen wird. Wir sind eine kleine Familie. Wir sehen uns viel. Wir sind eine kleine Gruppe und das soll auch ausgestrahlt werden. Sie haben ja auch zwei Kollegen, die keine Probleme mit Schlafmangel oder Ähnlichem haben. Da Vinci und Hugo. Wie ist das, mit denen zusammenzuarbeiten? Also mir persönlich macht das sehr viel Spaß.

Also weil die keine Widerbordach haben? No, die reden ja auch mit einem. Manchmal mucken die auch rum. Mucken wir Roboter. Also sie sind auch betreuungsintensiv für euch raus, weil sie brauchen Techniker. Auf jeden Fall, ja. Müssen gepflegt und gehegt werden. Haben die Stimmen? Der Da Vinci, ja. Wie klingt der? Also ist das ein Mann oder eine Frau? Das ist eine Frau? Eine Kollegin? Ich glaube, ja. Wenn man ihn hochfährt, dann sagt er einem, dass er bereit ist. Ich bin bereit. Frau Vinci ist bereit. Das ist ja süß. Bisschen wie bei Star Trek. Ja. Und Hugo? Der redet nicht mit einem. Kurz mal Klischee, Uli. Da Vinci, die Frau, hallo, ich bin da und Hugo sagt gar nichts.

Kommt vielleicht im nächsten Update. Vielleicht sind die miteinander verheiratet. Was machen die genau bei Ihnen? Können Sie mir das erklären? Ja, das kann ich. Also es gibt eine Chirurgenkonsole, nennt sich das, wo der Operateur drin sitzt und den Roboter bedient. Und beim Hugo hat man eine 3D-Brille und kann aber sich nach rechts und links bewegen und das OP-Feld mitsehen. Und die Hände sind am Joystick. Kann man sich ein bisschen wie in einer Spielkonsole vorstellen. Da haben sie so Joysticks in der Hand, womit sie dann die Roboterarme bewegen. Und die Bewegungen des Chirurgen werden auf die Roboterarme übertragen. Die sind sehr präzise. Man zittert nicht mehr, das wird rausgefiltert. Und man hat einen größeren Bewegungsradius, als wenn sie es mit laparoskopischen Instrumenten oder offen operieren würden. Das ist der große Vorteil eigentlich der Roboter-Systeme. Und die funktionieren beide ähnlich? Funktionieren beide ähnlich, genau. Beim Hugo hat man vier einzelne Arme, die man an den Patienten schiebt. Und beim Da Vinci ist es ein größerer Wagen, wovon die vier Arme abgehen. Aber im Prinzip funktionieren sie beide gleich, ja. Das hat schon was von Science Fiction. Haben Sie sich da schon mal reingesetzt? Ja. Und? Total faszinierend. Der Chirurg sieht das Bild halt auch in 3D.

Also es ist wirklich, als wäre er im Operationsgebiet, würde er darüber schweben. Es ist total faszinierend. Und ich glaube, es macht auch Spaß, so zu operieren, wenn man da voll drin versinkt. Ja, das klingt ja nach einer ganz eigenen Welt. Ja. So hoch konzentriert. Und die sehen halt super gut, muss man wirklich sagen. Man hat kleinere Schnitte. Der Patient erholt sich schneller, weil er schneller auch wieder aufstehen kann, mobil wird. Genau, dann kann er auch schneller nach Hause. Das senkt ja auch das Risiko von Delir und Ähnlichem, ne? Total, ja. Wie lange arbeiten Sie schon mit Hugo und Da Vinci? Seit 2015 habe ich meine Ausbildung angefangen, so seit 2016. Dann haben Sie ja schon quasi Zehnjähriges. Also Hugo noch nicht so lange, oder? Hugo haben wir jetzt dieses Jahr erst bekommen. Da operieren wir erst halt ein paar Monate mit, genau. Da sind wir auch noch in der Eingrufphase. Da lernen wir alle noch voneinander, sowohl der Hugo von uns als auch wir von ihm. Ah, das ist ein interaktives Lernen. Also man lernt voneinander. Ist das noch eine KI? Nein, das sind schon Roboter. Und jetzt war Da Vinci traurig, als Hugo kam.

Habe ich ihn nicht gefragt, aber bestimmt. Eine kleine Konkurrenz, würde ich ja schon sagen. Wie viele haben Sie denn davon? Einen Da Vinci, einen Hugo. Das sind ja auch Millionen Dinger. Aber Luft nach oben ist immer noch. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Eigentlich begrüßen alle Chirurgen und Chirurgen diese Systeme, oder? Weil das mit dem Handzittern, das hat mich eben nochmal aufhorchen lassen. Es ist ja immer eine Gefahr, dass man doch mal irgendwas oder Muskelzucken hat und das wird dadurch minimiert. Das wird komplett rausgefiltert, ja. Bei uns in der Klinik, ich kann ja nur von uns sprechen, die haben da alle Lust drauf, muss man schon sagen.

Wenn Sie im OP stehen und dann mal eine sechs Stunden OP begleiten, mitarbeiten. Und Sie haben ja gesagt, die Instrumentierer, das sind Sie dann vielleicht in dem Fall, reichen Sie dann Da Vinci, das Skalpell oder wem geben Sie es denn dann? Es ist ja immer noch ein Assistent mit uns am Tischstriegel und die Instrumente klickt man quasi in diesen Roboter ein und dann führt man die durch den Drucker in den Patienten. Ich sehe vor meinem inneren Auge diesen Roboter. Der Arzt ist verschwunden in seiner 3D-Brille. Dann sagt der Chirurg, ich brauche Instrument XY. Sie reichen es an, klicken es ein und dann geht es weiter. Das ist wirklich total Science-Fiction. Also vielleicht lachen jetzt alle da draußen, aber ich bin so ein bisschen naiv, glaube ich. Aber das erinnert mich an so Filme wie Avatar, wo Menschen in so große Roboter gestützte, das ist Geld, Dinger, Kletter. Das ist schon abgefahren. Hat man da Berührungsängste am Anfang? Also ich persönlich hatte sie nicht, aber ich glaube schon, dass es viele gibt, die erstmal denken, oh Gott, hoffentlich mache ich jetzt nichts kaputt, wenn ich da den Knopf drücke oder da zu fest gegen Donner oder wie auch immer genau. Ja, also kann ich mir gut vorstellen, ja. Aber die sind stabil, die Dinge. Die sind sehr stabil, die können einiges ab. Was war denn Ihr persönlicher Wow-Moment mit Davici? Können Sie sich noch erinnern?

Das erste Mal, als ich, glaube ich, in die Konsole geguckt habe und dann dieses 3D-Bild gesehen habe und dachte so, wie krass es aussieht, wenn man durch die Konsole guckt und einfach diesen Patienten-Situs sieht und denkt, das muss wirklich schön sein, so zu operieren. Man ist ja in dem Patienten dann an der Stelle, die operiert werden muss. Richtig.

Sind Sie noch was das für eine OP war? Meine erste Da Vinci-OP war ein Oesophagus, also eine Speisenröhre-Ersatz. Und dann waren Sie in der Speisenröhre? Wir haben sie zumindest gesehen, ja. Wir haben von oben rauf geguckt. Wir waren im Brustkorb. Sie bekommen einen Patienten oder eine Patientin. Und der oder die soll mit Da Vinci operiert werden. Sagen wir mal, es ist eine ältere Dame, die 40, 70 Jahre alt ist. Wie erklären Sie ihr das? Was für Robotik, was Da Vinci, wer das ist? Die meisten wollen die mal sehen. Dann machen wir einmal die Tür auf von der Einleitung, damit sie sie einmal gesehen haben, wie sieht das Gerät aus, was gleich bei der OP hilft. Das ist einigen wichtig. Und das machen sie möglich? Ja, auf jeden Fall. Das hätte ich nämlich auch gedacht. Wenn man nämlich in die OP reingeschoben wird, dann bin ich ja schon weg. Und ich sehe dann ja gar nicht, was da passiert. Und das ist ja spannend, so einen Roboter da mal zu sehen. Ja, meistens liegen die halt in diesem Vorraum, wo diese die Narkose kriegen und dann machen wir einmal die Tür zum OP auf und dann können die mal gucken. Ist aber noch keiner von der Barre gesprungen und hat gesagt, da will ich glaube ich dann. Mir noch nicht passiert, nee.

Also es ist eher Faszination als Angst. Ja. Vertrauen in die Technik, muss man ja auch haben. Auf jeden Fall. Und das wird die Zukunft. Da bin ich mir ziemlich sicher, dass es immer mehr wird. Was können Sie sich noch vorstellen? Da Vinci, Hugo, das sind jetzt die Ersten. Was könnte noch alles übernommen werden vom Roboter? Ist Ihr Job übernehmbar? Ja, kommt darauf an, wie schnell sich die KI entwickelt. Ich sage niemals nie, aber stand jetzt würde ich sagen, unser Job erstmal nicht. Zumindest der am Tisch nicht. Ob die Springer-Tätigkeit irgendwie übernommen werden kann durch Roboter, die von A nach B fahren und irgendwas holen und, Im Restaurant gibt es sowas schon. Richtig. Wer weiß, wenn man das weiterentwickelt, ob das im Krankenhaus hier auch was wäre.

Digitalisierung ist ja sowieso ein großes Thema. Wir werden ja immer papierloser. Verbrauchen die viel Strom? Schon, ja. Die sind eigentlich 365 Tage am Strom. So wie Sie. Sie sind doch eigentlich auch immer unter Strom. Bestimmt.

Da unterscheidet den Technikkollegen jetzt nichts von den Menschen. Sie haben vorhin gesagt, Humor im OP hat immer bei Ihnen einen Platz. Wo ist denn da so die Grenze? Da gibt es manchmal so Sachen, wie wir sagen, das können wir jetzt nicht machen. Alles unter der Gürtellinie. Und keine Witze über Patienten. Und keine Witze über Patienten, genau. Das finde ich selbstverständlich, dass man das nicht macht. Aber das stimmt, ja. Alles andere ist erlaubt, finde ich. Gibt es so Running Gags in Ihrem Team im OP? Ja, auf jeden Fall, ja. Verraten Sie ja mal immer. Bloß nicht.

Stimmt. Und Sie wollen ja auch noch gut mit Ihren Kollegen bleiben. Ich kann nicht wiederkommen. Nee, das stimmt. Das kann ich nicht vollziehen. Mit Da Vinci und Hugo kann man dabei ja keine Witze machen. Hugo spricht ja nicht und Da Vinci spricht, aber man kriegt halt keine Antwort, wenn wir was sagen. Sie haben ja nach dem FSJ sich entschieden, in den OP zu gehen. Wenn Sie sich eine Kollegin oder einen Kollegen backen könnten. Und dafür meine ich jetzt nicht blond oder brunett. Also können Sie natürlich auch gerne. Sieht man unter der Haube so schlecht. Stimmt, sieht man ja gar nicht. Auf jeden Fall ein Teamplayer. Er muss sehr teamfähig sein, weil ohne meine Kollegen kann ich nicht arbeiten. Stressresistent muss man sein. Es herrscht auch mal so ein rauerer Ton im OP. Das muss man auch abkümmen. Es nicht direkt persönlich nehmen.

Flexibilität wird schon immer häufiger, dass man doch mal in Dienste einspringen muss oder von Frühdienst auf Spätdienst wechselt, weil es nicht anders geht. Man muss auch mal länger bleiben. Endet ja nicht immer alles pünktlich. Das wären so die wichtigsten Eigenschaften, würde ich sagen. Man muss das wollen. Man muss es wollen. Ist es trotzdem ein Traumjob? Ich finde schon. Ich habe mich schon mal gefragt, was würde ich anderes machen, wenn ich nicht diesen Job gewählt hätte. Mir fällt nichts ein. Nee? Nee. Was mögen Sie am allermeisten? An dem Job? Oder vielleicht auch speziell im israelitischen Krankenhaus? Das familiäre. Also es ist wie jeden Tag zur Familie zu fahren. Und dieser Job macht einfach Spaß. Ich arbeite gerne, ich bin gerne im OP, ich habe tolle Kollegen. Ich gehe gerne zu arbeiten. Das hat, glaube ich, nicht jeder und das, hoffe ich, bleibt lange so, wie es ist. Ist das eine bestimmte Abteilung, in der Sie arbeiten oder machen Sie alle OPs? Das ist eine rein allgemein chirurgische Klinik. Also wir machen alles von Speiseröhre bis Darmausgang. Beim Metzger sagt man ja, from nose to day machen wir alles. Genau, also eigentlich den Verdauungstrakt. Alles, was ich im Bauchraum abspiele. Haben Sie eine Lieblings-OP?

Hm, tatsächlich mache ich gerne Da Vinci-OPs, also gerne Roboter-OPs generell und da am liebsten Speiseröhrenersatz. Warum? Das ist eine schöne OP, es sind zwei Höhleneingriff, man ist erst im Bauchraum zugange, dann muss man nochmal in den Brustkorb, das ist einfach schön. Lungen-OPs mache ich eigentlich auch gerne. Bei der Speiseröhre, was machen Sie dann im Bauchraum? Wir müssen den Magen vorbereiten, man macht daraus einen Magenschlauch, den nachher hochzuziehen und den an die Speiseröhre anzuschließen. Ah. Genau, das bereitet man im Bauchraum vor, um dann den Patienten zu drehen, in den Brustkorb zu gehen und das oben anzuschließen. Sehen Sie denn während der OP auch, was der Chirurg oder die Chirurgin sieht? Also haben Sie auch einen großen Bildschirm und können das die ganze Zeit verfolgen? Nicht in 3D, aber in 2D, ja. Aber wir sehen alles, was er macht. Und wenn man das so liebt, dann ist das ja ein bisschen wie Netflix-Kong. Ja, tatsächlich.

Da muss man aufpassen, dass man nicht müde wird, weil der OP meistens ein bisschen abgedunkelt ist. Ah, damit man es besser wahrnehmen kann? Wenn man es besser sieht und dann kann es auch mal sein, dass man ein bisschen müde an wird. Naja, wie abends auf dem Sofa bei Netflix gucken. Nur morgens halt. Nur morgens, ja. Naja gut, aber vielleicht vergisst man auch die Zeit in dem Moment, wenn es auch abgedunkelt ist. Auf jeden Fall. Ob es draußen schneit, regnet oder wie auch immer, das kriegt man im OP nicht mit. Besteht Ihr Team aus mehr Männern oder aus mehr Frauen? Auf jeden Fall mehr Frauen. Ja, aber Sie haben schon auch Männer? In der OP-Pflege habe ich einen Mann. Und den haben Sie wegen Da Vinci und Hugo, weil der technisch interessiert ist. Der war schon vorher da, bevor die Roboter gekommen sind. Und in der Anästhesie haben wir, glaube ich, mittlerweile drei. Das sind auch nicht viele Männer. Ich glaube, die sind dann mehr so Orthopädie, Unfallchirurgie. Blut und Knochen. Ja.

Hammermeißel, Bohrmaschine. Aber Da Vinci und Hugo sind ja wirklich für die OPs gedacht. Könnten Sie sich vorstellen, dass die auch in der Pflege generell was tun könnten? Irgend so ein kräftiger Roboter, so ein He-Man, der unterstützen könnte in der Pflege? Oder gibt es das schon? Ich weiß von nichts. Also ich wüsste nicht, dass es das gibt, aber... Naja, sie heben nicht so viel und machen, also sie sind ja im OP, da müssen sie nicht so viel Wurm lagern und so müssen sie. Lagern, ja. Lagern müssen sie auch. Kann manchmal auch schwer und anstrengend sein.

Wenn der sowas machen kann, würde ich nicht Nein sagen. Ich glaube, meine Kollegen auch nicht. Wenn er einem das Lagern abnimmt, die schweren Sachen von A nach B trägt. Gibt es Dinge, ohne die sie niemals in den OP-Saal gehen? Und ich meine jetzt nicht den Mundschutz oder Tenkersack. Ohne Stift gehe ich niemals in den OP-Saal. Was für ein Stift? Kugelschreiber. Kugel, klick, klick, klick, klick. Blau. Wirklich, Kugelschreiber, blau. Ich glaube, wir haben noch blaue in der Klinik. Eine blaue oder hülleblau? Mineblau. Das braucht man immer. Und es geht auch nur blau, finde ich persönlich auch. Und warum brauchen Sie das? Man muss immer irgendwas aufschreiben. Das Telefon klingelt, man muss sich kurz eine Notiz machen, dass man was nicht vergisst, was man später noch erledigen muss.

Zur Dokumentation brauchen wir einen Stift. Wenn ich Frühdienst habe, gehe ich nie ohne Kaffee in den OP. Großer Kaffee. Großer Kaffee. Bringen wir meinen Kaffee auch immer im Thermosbecher von zu Hause mit. Schmeckt besser. Ein kleiner Hinweis an das ist eigentlich ein Stück Krankenhaus. Okay, also Kaffee aber dabei, das ist dann so schön so ein halber Liter Minimum, ne? Ich weiß gar nicht, wie viel da reinpasst. Ich habe zwei verschiedene Größen. Ja, aber würde ich nicht nein sagen. Und gibt es noch eine dritte Sache? Starke Nerven. Die im besten Falle immer mit dabei. Ja. Auch steht dann da so eine ganze Batterie an Kaffeebechen? Zeitweise ja, bei Brotdosen oder... Aber Sie müssen ja immer daran denken, dass Sie nicht auf die Toilette gehen können. Richtig, muss wohl dosiert genossen werden. Wenn ich Ihnen eine Superkraft verleihen könnte, welche dürfte ich Ihnen geben? Ich stelle die Frage fast jedem Gast. Manchmal doppeln sich Antworten, manchmal aber auch nicht. Und es gibt viele, die sich gar nichts wünschen. Jetzt sagen Sie mir nicht, Sie wünschen sich nichts.

Superkraft. Fliegen würde ich gerne können. Ja! Das sage ich jedem. Sie können gerne mal rückwärts hören. Ich sage gerne mal, ich würde gerne fliegen. Und alle gucken mich an und denken, wieso? Fliegen ist das Allerschönste. Was für eine Zeitersparnis. Man kann schnell von A nach B kommen. Man sieht alles vor oben. Keine Autos. Kein nichts. Keine Autos. Man kann einfach mal schnell im Park fliegen. Jetzt habe ich endlich mal hier eine Schwester im Geiste, weil das ist die beste Superkraft der Welt. Würden Sie zur Arbeit fliegen? Ja. Und dann müssen wir auch schnell fliegen sonst macht es keinen Sinn aber das machen wir ja das hilft ihnen jetzt aber im OP nicht mit dem Fliegen.

Geringfügig sag ich mal obwohl sie könnten schweben sie könnten sich ihre Füße entlasten sie könnten sich mal auf den Kopf drehen damit das Blut mal jeder in den Kopf gießt gute Idee, Wie wird man denn eigentlich OP-Leitung? Ich habe im OP gelernt. Ich bin operationstechnische Angestellte gelernt. Bin auch durch Zufall in die Leitungsfunktion gekommen. Ich habe in meiner alten Klinik Kommissarisch die stellvertretende Leitung übernommen, weil eine Kollegin schwanger geworden ist. Und dann hat der Professor mich gefragt, ob ich mit nach Hamburg komme. Sie sind mitgelobt worden. Ich bin mitgelobt worden. Und dann bin ich da stellvertretend geworden. Dann ist unsere Leitung nach eineinhalb Jahren, glaube ich, gegangen. Und dann bin ich da gelandet. Wieso geht man denn von Kiel nach Hamburg? Also ich verstehe das jobmäßig, aber Ostsee gegen Elbe? Also war das ein guter Tausch? Ja, ich habe es bis heute nicht eine Sekunde bereut. Ich bin in Emshorn aufgeboren und aufgewachsen. Familie wohnt in Hamburg und in Emshorn, deswegen war es naheliegend. Und ich wollte auch gerne nochmal wieder oder überhaupt mal in eine Großstadt und da leben. Kiel ist schön im Sommer, im Winter auch nicht mehr so. Aber genau, und Hamburg hat viel zu bieten.

Okay, wir haben jetzt ganz viel über Kollegen gesprochen, die nie schlafen müssen, die nie schlechte Laune haben. Fliegen können die aber auch nicht. Das möchten wir ja lieber eigentlich machen. Kommen wir mal wieder zurück ins Studio, fliegen gleich mal nach Hause. Frau Nemitz, vielen Dank, dass Sie da waren und so viel mit uns über Roboter und Da Vinci und Hugo gesprochen haben. Vielen Dank. Wenn Sie mehr über Hannah Nemitz und Ihre Arbeit im OP im Israelitischen Krankenhaus Hamburg erfahren möchten, gibt es Print im Hamburger Abendblatt und online natürlich auch. Vielen Dank auch an Sie da draußen fürs Zuhören. Bis dahin Ihnen eine gute Zeit, eine gute Adventszeit und bleiben Sie gesund.