Die Hamburger Klinik-Helden. Der Podcast über Berufe mit Sinn. Vom Hamburger Abendblatt und dem Verband der freigemeinnützigen Krankenhäuser in Hamburg. Die Freien. Waren Sie schon einmal im Krankenhaus und durften vielleicht nicht aufstehen? Und dann kommt eine Pflegekraft rein, lächelt, gibt Ihnen das Gefühl, wir kriegen das alles hin und die Atmosphäre ist überhaupt nicht peinlich oder distanziert, sondern wie selbstverständlich und zugewandt? Dann ist Ihnen ein gut ausgebildeter Mensch begegnet. Aber auch dieser Mensch hatte mal einen ersten Tag im Job, inklusive Herzklopfen, Zweifeln und schmerzenden Füßen im Zweifel.
Moin und herzlich willkommen bei den Hamburger Klinikhelden, dem Podcast über Berufe mit Sinn. Ich bin Wiebe Bürkemeyer und ich freue mich sehr auf meine beiden Gäste, denn ich habe viele Fragen. Bei mir im Studio sind heute zwei Pflegeexpertinnen aus dem BG-Klinikum Hamburg, die die Menschen ausbilden, die uns begleiten, wenn wir selbst mal Hilfe brauchen. Das sind Steffi Stradinger, Schulleiterin der Berufsschule für Gesundheitsfachberufe und Michaela Kahl, Teamleitung Hauptamtliche Praxisanleitung. Wir reden über den ersten Patientenkontakt der Auszubildenden, über lebensnahe Modelle im Skills Lab, was das ist, erklären wir noch, Unsicherheiten und darüber, wie Mut und Routine wachsen. Frau Stradinger, Frau Kahl, schön, dass Sie heute hier sind. Hallo. Hallo, wir freuen uns auch. Frau Kahl, erinnern Sie sich noch an Ihre allererste Begegnung mit einer Patientin oder einem Patienten in der Ausbildung? Wie haben Sie sich damals gefühlt? Ja, ich erinnere mich sehr gut und zwar war das auf einer Gefäßchirurgie und ich sollte die Temperatur messen. Da so weit ja erstmal nicht ganz so schlimm, denkt man. Denkt man. Ja, denkt man. Das ist mir ganz gut gelungen. Allerdings habe ich der Patientin nicht gesagt, wie ihre Temperatur ist. Und das war der erste Punkt, an dem ich beiseite genommen wurde und mir gesagt wurde, die Patientin hat ein Recht zu wissen, wie ihre Temperatur ist. Es interessiert sie. Du musst reden.
Okay, ich rede. Aber ich stelle mir das gerade so vor, Sie kommen reingelaufen, stecken mir das Thermometer in den Mund, messen, nicken, piep und Sie gehen wieder raus. Genau, aber das war meine Unsicherheit beim ersten Mal Patientenkontakt.
Wie ist das bei Ihnen, Frau Strahlinger? Ich erinnere mich gerade nicht so an die Patientensituation, sondern eher an das Team. Also der erste Gang ins Dienstzimmer. Viele Menschen, Ärzte, Pflege, Therapieberufe und ich mittendrin und habe gedacht, oh mein Gott, wie soll ich hier jemals zurechtkommen? Wie soll ich alle Namen lernen? Und dann gibt es ja auch noch die Patienten. Und das war meine persönliche Challenge tatsächlich. Warum sind Sie in die Pflege gegangen? Meine Familie hat gesagt, ich könnte das gut, weil ich so gut mit Menschen kann. Meine Großmutter ist Krankenschwester und meine Tante und die meinten, das würde zu mir passen. Und meine Mutter hat dann gesagt, ja, das sehe ich auch so. Und Sie hatten sich noch gar keine Gedanken darüber? Überhaupt nicht. Ich war völlig orientierungslos, bin bis zum Letzten zur Schule gegangen.
Ohne Idee. Ohne Idee. Ja, habe dann eine Bewerbung losgeschickt. Gott sei Dank hat es geklappt. Eine einzige Bewerbung? Eine einzige. Das ist ja der Wahnsinn. Eine Bewerbung und zack. Ja, und das war dann auch aus meiner Heimat in die große weite Welt nach Hamburg.
Ich habe bei A angefangen und da hat es dann auch gleich geklappt. Okay, solche Geschichten gibt es in echt gar nicht. Das klingt wie eine Urban Legend. Aber okay. Und dann auch noch gar nicht hier in der Stadt, sondern wirklich auch noch. Nee, ich bin hierher gezogen, ja. Wie war das bei Ihnen? Wie viele Bewerbungen haben Sie geschrieben? Ich habe vier geschrieben. Das ist ja auch noch überschaubar. Ja, das war zu der Zeit auch noch überschaubar. Wie wäre das heute? Also es kippt gerade. Man sagt ja immer, wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es mit den sozialen Berufen nicht so gut. Und jetzt haben wir gerade den Run, dass es der Pflege sehr gut geht. Ist das so? Wenn es der Wirtschaft nicht gut geht, dann geht es der Pflege gut. Wo ist da der Zusammenhang? Naja, im Sinne von, wie viele Berufe finde ich und möchte ich jetzt eher etwas mit Menschen zu tun haben oder bin ich der Zahlenmensch? Von daher betrachtet, dass die Menschen sich dann wirklich eher von alleine Richtung Beruf mit Menschlichkeit orientieren und nicht in die Bank gehen. Genau, nicht in die Bank gehen und wir haben politische Hintergründe und die sozialen Berufe sind ja sicher. Was ist das Schönste daran, Leute auszubilden in der Pflege? Was ist das Schönste daran? Das Schönste ist, die jungen Menschen zu begleiten und zu sehen, wie sie sich weiterentwickeln. Und die Zusammenhänge verstehen, ihnen zu zeigen, welche Perspektiven dieser Beruf hat an der eigenen Person.
Dass jeder mal in dieser Ausbildung gestartet ist, aber der Weg, der kann so verschieden sein. Und das auch zu zeigen, das ist das Schönste daran. Man bringt die grundlegenden Dinge des Berufes bei und dann lässt man sie in die Berufswelt ziehen und hofft mitgegeben zu haben, welche Möglichkeiten sie haben. Und Sie als Schulleiterin, wie viel Kontakt haben Sie zu den Auszubildenden? Ja, ich versuche möglichst viel Kontakt zu haben, weil das ist tatsächlich auch das Thema. Ähnlich wie Michaela, wir haben zusammen auf einer Station gearbeitet und das war auch der Punkt, wo ich gesehen habe, es ist wichtig, junge Menschen an die Hand zu nehmen, gerade für so einen relevanten Beruf. Der ja auch viele Gefahren und Herausforderungen birgt. Und das haben wir sehr positiv empfunden auf unserer Station und unsere Stationsleitung hat uns das vorgelebt. Und das war für mich halt auch der Punkt, dort anzusetzen und zu sagen, das möchte ich auch machen. Gutes Vorbild. Total. Also absolut großartiges Vorbild. Auch sehr innovativ. Vor 20 Jahren muss man ja tatsächlich sagen. Und ihr Credo war halt auch immer, nein, Stillstand gibt es hier bei uns nicht. Also wie wollen wir weiterkommen, wenn wir nicht weiter handeln? Und das prägt mich bis heute tatsächlich. Und ja, wenn ich das nicht mit jungen Menschen machen kann, mit wem dann? Wo ich gerade gestolpert bin, Risiken in dem Beruf.
Oder benennen Sie mir mal zwei, drei? Ich sage in den Bewerbungsgesprächen tatsächlich immer, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Also auf der einen Seite geht es um die Versorgung von kranken älteren Menschen. Auf der anderen Seite geht es aber auch um die eigene Persönlichkeit, um Teamfähigkeiten. Wie finde ich mich selber mit 16 Jahren aufwärts im Leben zurecht? Und das ist die Herausforderung, das bestmöglich in drei Jahren hinzubekommen. Also Risiko für einen selbst, sodass man da auch fein mit klarkommt, mit dem Nachhof und mit den Herausforderungen. Richtig und man sitzt jetzt nicht in einem Tonstudio und kann Menschen interviewen, sondern man versorgt außergewöhnliche Patienten oder Menschensituationen. Das sollte den Auszubildenden vorher bewusst sein. Gott sei Dank ist man ja aber naiv und vorfreudig und denkt noch nicht ganz so kritisch. Ja und das ist glaube ich auch nochmal der Punkt in unseren eigenen Berufsrollen, weil man ja weiß, wie hat es sich angefühlt, als wir angefangen haben im Patientenzimmer, im Dienstzimmer und was wird noch auf sie zukommen. Also es ist auch so eine Schutzfunktion. Also man erzählt nicht alles gleich, also man holt nicht gleich die ganz harten Nummern raus oder wie läuft das im Bewerbungsgespräch? Also sie werden interviewt in den Bewerbungsgesprächen und es werden Situationen dargestellt und dann wird schon abgeklopft. Wie würden die potenziellen Auszubildenden damit umgehen? Geben Sie mir ein Beispiel.
Eine Patientin fällt aus dem Bett. Eine ältere Patientin, 89 Jahre, fällt aus dem Bett. Und ich als Auszubildende im ersten Lehrjahr finde diese Patientin auf und sie kann nicht sprechen. Wie würde man damit umgehen? Kriege ich schon kurz ein bisschen Angstschweiß. jetzt habe ich Prüfungsangst. Ich wüsste es nicht so genau. Ich würde wahrscheinlich erst mal auf den Knopf drücken. Genau. Und dann gucken, ob sie ansprechbar ist und vorsichtig. Stabile Seitenlage, freundlich. Okay, jetzt klären Sie mich auf. Lassen Sie mich. Nein, also die stabile Seitenlage muss jetzt nicht gleich passieren. Also der erste Weg ist, zu den Kollegen zu gehen und zu sagen, ich brauche Hilfe. Und dann wäre unsere Aufgabe natürlich wieder zu fragen, wie ging es dir in dieser Situation? Keine alltägliche Situation, die man erlebt. Gibt es dann richtig oder falsch oder geht es vor allem auch darum, zu sehen, wie das Gegenüber mit der Antwort umgeht? Also wenn jetzt jemand nicht gleich auf die Idee kommt, ich hole erst Hilfe, sondern vielleicht ganz fixiert ist auf die alte Dame, die aus dem Bett gefallen ist und sagt, ja, dann gehe ich hin und dann mache ich dies und dann mache ich das. Die richtige Antwort wäre ja gewesen, ich hole erst mal Hilfe. Aber wäre der dann schon raus?
Per se in der Pflege ist es ja so, es gibt kein Ja-Nein-Schwarz-Weiß. Und so beginnt es tatsächlich auch schon im Bewerbungsgespräch. Also man geht in die Diskussion und wir sitzen den Menschen gegenüber und gucken, okay, können sie in kritischen Situationen denken und handeln und hinterher reflektieren. Gehen wir mal gedanklich in dieses Skills Lab, das Labor. Das Labor sind Patientenzimmer in unterschiedlichen Settings.
Das heißt, im Rahmen der Generalistik spezialisieren sich die Auszubildenden jetzt auf drei Bereiche. Wir haben einmal die Altenpflege, wir haben einmal die Akutversorgung und wir haben die Kinderpflege. So, damit sich da alle reindenken können. Und dann sind im Skills Lab diese Patientenzimmer nachgebildet. Verschreiben Sie mal, wie sieht das aus? Es könnte ein fiktives Patientenzimmer in einem Krankenhaus sein oder auch ein Zimmer in einem Pflegedienst oder in einer Wohnung im ambulanten Pflegedienst.
Und im ambulanten Pflegedienst oder im Pflegeheim, wo das Themengebiet ja eher in der Biografiearbeit liegt, weil wir keine akuten Krankheiten vorliegen haben, würde der oder die Patientin eventuell im Bett liegen oder auch umherlaufen. In der Akutversorgung im Krankenhaus ist es schon so gewollt, dass die Simulationspatientin oder der Patient im Bett liegt. Simulationspatientin, das bin ja nicht ich und verdiene mir 20 Euro, indem ich mich da ins Bett lege, sondern das sind, ich sage jetzt mal Puppen, aber Sie nennen das natürlich anders.
Das sind aber Menschen aus Plastik. Menschen aus Plastik im Wording High Fidelity Simulatoren, kann kein Mensch aussprechen, furchtbar. Ich sage einfach weiter Puppe und Sie wissen, was ich meine. Genau. Und die Pädagogin und die Skills Lab Trainerin hält sich sofort die Ohren zu, weil eine Puppe ist eine Puppe und man denkt, liegt da jetzt Barbie oder wer liegt da? Nein, es sind Simulationspatienten und wie das Wort schon sagt, es ist eine Plastikpuppe, die diverse Krankheiten nachstellen kann. Sie hat eine Perücke auf, sie hat Kunststoffaugen, sie kann besprochen werden, kann nicht von alleine sprechen. Von dem Lehrenden. Von dem Lehrenden, genau. Denn hinter den Settings befindet sich ein Regieraum mit Mikrofon, mit Kamera und so wird dann quasi die Puppe oder die Simulationspatientin besprochen. Live im Dialog. live im Dialog und die Auszubildenden oder wer auch immer nehmen das in dem Raum wahr und sehen, dass sich der Mund bewegt. Also die hören das und sehen das und das ist dann wie im Tatort. Also das, was es bei der echten Polizei nicht gibt mit so einem Spiegel, das ist dann bei ihnen aber. Richtig. Ja. Genau so. Okay, Tatort-Setting. Tatort-Krankenhaustimmer. Und laufen die Simulatoren auch durch die Gegend?
Nein, die laufen noch nicht durch die Gegend. Da sind wir dann bei den virtuellen Brillen. Das wäre der nächste Schritt. Ich würde aber noch mal kurz auf das Szenario zurückkommen. Wir können uns jetzt überlegen, Frau Schmidt liegt im Bett und äußert Kopfschmerzen. Ja, das wäre ein leichtes Szenario, deckt aber ja nicht die Pädagogik ab, denn wir haben ja ein Ziel. Und die Auszubildenden sollen ja darauf eingehen können. Da werden tatsächlich Drehbücher geschrieben, um zu wissen, was hat denn meine Patientin, Frau Schmidt? Und was möchten wir als pädagogische Fachkräfte hören? Wie reagieren die Auszubildenden darauf? Was hätte Frau Schmidt denn dann beispielsweise? Was wäre ein gutes Szenario, um da wirklich eine Anleitung zu geben? Frau Schmidt klagt über Kopfschmerzen und Übelkeit. Und dann befinden sich mit Glück zwei Auszubildende in dem Zimmer. Oder Frau Schmidt hat geklingelt und Michaela und ich gehen jetzt als Auszubildende in das Zimmer rein. Und dann beginnt das Szenario, wie begrüße ich Frau Schmidt? Wie gehe ich in den Dialog? Wie weit ist mein Rundumblick? Wie ist meine Patientenbeobachtung? Was nehme ich in dem Tatortzimmer wahr? Und ich weiß lediglich Kopfschmerzen und Übelkeit. Genau. Und dann gehen Michaela oder ich zur Frau Schmidt hin und hinterfragen, messen den Blutdruck, teilen ihr dann auch mit, wie der Wert ist und wie das weitere Prozesse sein wird. Frau Kahl, da haben Sie jetzt aber aufgepasst. Ja, genau.
Aber es ist ja keine Temporation. Die haben 45 Grad, das ist alles in Ordnung. Genau, also das sind auch kleine Szenarien. Man stellt jetzt keine zwei Stunden Szenen dar, sondern es geht um die Fachkompetenzen, die erlangt werden sollen, beziehungsweise die Handlungskompetenzen. Wie wird in Notfallsituationen reagiert? Hat auch viel mit Kommunikation zu tun. Genau, also da gehen dann die Zweige ab. Habe ich eine Fachkompetenz? Wie gehe ich mit dem Notfall um? Wie gehe ich mit der Situation um? Wie delegiere ich Michaela vielleicht und hole sie ins Boot? Wie kommunizieren wir als Fachpflegepersonal miteinander? Gibt es auch Szenarien, wo eine Patientin vielleicht mal richtig frech wird?
Das ist das Gute, denn wir können ja, Frau Schmidt, in dem Drehbuch alles vorschreiben, wie sie zu reagieren hat. Und das ist dann quasi auch die Crème de la Crème, dann das wären die herausfordernden Situationen. Wir haben ein Spiralkurriculum, also es baut sich quasi aufeinander auf. Und im ersten Ausbildungsjahr ist man natürlich noch freundlich und denkt erstmal, ich muss hier in diesem Setting ankommen. Spirale heißt, endlos Spirale nach oben. Das wird immer schwieriger und die Szenarien werden immer umfangreicher. Richtig, genau. Hinter der Scheibe durfte ich zugucken. Und ich habe die Auszubildenden natürlich ganz genau beobachtet und habe mich so reingefühlt, wie das wohl ist, weil erst mal weiß man ja auch, dass man beobachtet wird. So dieses Gefühl, jetzt gucken alle, ob ich richtig reagiere. Und man hat aber im Laufe dieses Drehbuchs gemerkt, wie die Auszubildenden dann in der Situation drin waren. Also sie haben vergessen, dass sie beobachtet werden. Weil das so konzentriert war? Ja, der Simulator gesprochen hat und ja, das ist erst mal spooky. Wie viele müssen anfangs lachen? Witzig findet die Situation keiner, sondern es ist eher in der Unsicherheit, wie starte ich jetzt eigentlich?
Ja, und wo bezettelt man sich? Ja, und dann ist so ein bisschen gekiecher. Aber zum Beispiel die Mitauszubildenden, die das ja auch beobachtet haben in einem anderen Raum. Aber es sind noch mehr, die zugucken. Ja, die waren aber total konzentriert. Also die konnten sich da gut einfühlen und waren glaube ich froh, dass nicht sie diejenigen waren, die da jetzt drin waren in diesem Raum, sondern die haben ganz konzentriert zugehört, sich Notizen gemacht, was sie beobachtet haben und nicht nur das, was vielleicht nicht richtig war oder was verbesserungswürdig war, sondern auch die guten Sachen. Das fand ich zum Beispiel total bemerkenswert, dass da nicht nur das, was nicht richtig lief, aufgeschrieben wurde, sondern konstruktiv im Nachgang auch was Gutes gesagt werden kann. Ich würde noch mal kurz ergänzen zu dem Debriefing-Raum. Das ist quasi der dritte Teil des Skills Lab. Es ist einmal das Drehbuch, was geschrieben wird. Dann findet die Simulationsübung statt und die anderen Auszubildenden sitzen in dem Debriefing-Raum und beobachten das Szenario.
Der Vorteil ist, dass die Regie die Szenarien ranzoomen kann oder auch anhalten kann. Also das heißt, wir konzentrieren uns jetzt aufs Blutdruckmessen, dann ist die Kameragebung so detailliert, dass man sieht, okay, hat Michaela jetzt das Handling richtig durchgeführt. Die anderen Auszubildenden wiederum haben einen Fragenkatalog beziehungsweise eine Checkliste, wie wurde was durchgeführt. Wie wir so sind, kritisches Denken, man sieht natürlich immer als allererstes die Fehler, aber das ist halt auch der Benefit des Skills Lab, das heißt, was entwickle ich für eine Fehlerkultur. Also wie gehe ich in der Kommunikation mit Fehlern um? Wie reagiere ich empathisch und bin ich mir der Situation bewusst? Hier gucken gerade 42 Augen auf mich. Und dann muss ich aber auch noch bedenken, alles klar, habe ich jetzt auch den Blutdruck wirklich richtig gemessen und gehe ich dann in den Raum und höre mir das Feedback an? Das ist für die Lehrenden eine Herausforderung, wie finden Evaluationsprozesse statt und für jeden Einzelnen auszubilden. Man ist auf der einen Seite ganz alleine gefühlt, auf der anderen Seite hat man ja aber doch alle um sich und wir sitzen alle in einem Boot. Wie kriege ich denn den Übergang von Plastik zu Mensch? Von Plastik zu Mensch, also wir starten tatsächlich am Anfang der Ausbildung und nehmen den Plastikmenschen, damit sie erstmal mit der Situation konfrontiert sind. und die Simulationspatientin auch kennenlernen von Tag 1.
Im Verlauf ist es wünschenswert, dass man tatsächlich Simulationsschauspielende nimmt. Es gibt einen Pool in Deutschland. Das sind Studenten, also Schauspielstudenten. Das sind grüne Damen. Und die sind dann, also das ist so first class, dass man sagt, ja, das wäre wunderbar.
SchauspielerInnen legen sich ins Bett. Und die Auszubildenden dürfen dann nachher, sind die auch gebrieft mit dem Drehbuch? Genau, die lernen quasi ihre Rolle auswendig. Dadurch, dass die Skills Lab Einheiten ja öfter stattfinden, wissen die dann auch schon genau alles, wie funktioniert es. Und man kann ja in einem gewissen Alter junge Menschen einschätzen. Also das läuft nach Drehbuch, manchmal entstehen aber auch Situationen, die dann spontan entstehen und dann müssen die Auszubildenden darauf reagieren. Und die sind sehr gut in ihrer Schauspielkunst. Spielkunst tatsächlich, ja.
Weil sie merken, okay, die Auszubildenden kommen hier an ihre Grenzen und sie sollen das lernen und wir möchten sie unterstützen, aber nichtsdestotrotz das reale Leben wird auf sie zu kommen. Also da gibt es dann auch mal eine Frau Schmidt, die schlechte Laune hat und vielleicht die Auszubildende anpappt oder eine, die, ich weiß nicht, vielleicht auch schlimme Sorgen hat oder irgendwie sowas. Also werden da auch Emotionen so mit abgespielt? Da fangen wir ganz staubtrocken im Curriculum des Pflegeberufegesetzes an, denn da wird ja vorgegeben, welche Lerninhalte umgesetzt werden müssen. Und dann ist das große Thema Kommunikation. Und so bauen wir dann auch die Szenarien auf. Wir haben jetzt den Schwerpunkt, Frau Schmidt braucht eine Beratung hinsichtlich einer häuslichen Versorgung. Sie kommt ins Krankenhaus, stürzt und kann zu Hause jetzt nicht mehr alleine zurechtkommen. Und dann müssen die Auszubildenden da drauf eingehen und ihre Kompetenzen hinsichtlich der Beratung präsentieren. Zusätzlich gibt es das Lernatelier, wo zum Beispiel die Ergonomie Die Trainerin der Klinik mit den Auszubildenden selbst, die legen sich ins Bett und an ihnen wird geübt, wie man ein Bett mit einem Patienten drin bezieht und wie es sich anfühlt, wenn niemand etwas sagt, sondern einfach macht.
So und da auch nochmal mit dem Thermometer bei Ihnen. Genau, genau. Oder dieses Rütteln am Bett. Manchmal hat man ja Wahrnehmungsstörungen als Patient. Also gibt es ja viele Möglichkeiten, warum man als Auszubildender vielleicht das Gefühl hat, der versteht mich nicht, der brauche ja nicht reden. Aber wie es sich anfühlt, wenn das jemand mit einem macht, anfasst, auf die Seite dreht, hinter einem ruckelt irgendwas, weil das Bettlaken zusammengerollt wird, um das Neue einzuspannen. Und diese Selbsterfahrung empfinde ich enorm wichtig, um die Empathie, die man schon mitbringen sollte, weiterzuentwickeln. Wie fühlt es sich an, wenn Menschen mit mir was machen?
Angeleiteter Perspektivwechsel. Ja. Fällt es einigen Menschen schwer? Nein, es gibt immer Freiwillige. Vielleicht in dem Moment erstmal so, ich habe schon viel gestanden heute, ich lege mich mal hin. Also die Motivation kann verschieden sein, sich freiwillig zu melden. Also es geniert sich keiner, sondern irgendeiner findet sich und legt sich rein und weiß aber gar nicht, was da auf ihn zukommt. Und dann wird, Aber das muss der Patient und die Patientin ja auch haben, dieses Vertrauen. Wenn man da liegt, man muss ja das Vertrauen haben, die machen das schon mit mir. Ja, das ist wichtig. Das sind so Stufen, die gezündet werden. Wir fangen an mit den Apparaten, dann kommen wir zu den Schauspielern und dann zu den Selbsterfahrungen. Auch ja wichtig, was Sie erwähnten, ergonomisch gut geschult zu sein, weil das ja auch ein sehr körperlich anstrengender Beruf ist. Ja, das ist er. Das berichten die Auszubildenden auch immer wieder nach den ersten Tagen, wie anstrengend das ist, die körperliche Betätigung zusätzlich zum Geist, weil das, was sie im Unterricht gelernt haben, sollen sie jetzt in der Praxis anwenden können. Das sind große Herausforderungen. Und dann noch 7,7 Stunden arbeiten. Und laufen. Stehen.
Heben. Denken. Das sind dann ja schon wieder zwei, drei Dinge gleichzeitig. Das sind große Herausforderungen, wo man eben auch verstehen muss und ich weiß auch, dass mir die Füße wehtaten am ersten Tag. Also das muss man einfach verstehen können, dass jemand, der neu in diesem Beruf sich einfindet, auch richtig kaputt ist am Anfang. Das wird aber besser, oder? Das wird besser. Zum Beispiel neulich habe ich gefragt, wer macht eigentlich Mittagsschlaf? Da gingen die Arme aber hoch. Ja. Ja, da gingen die Arme hoch und wer macht in seiner Freizeit noch was? Nee, wir sind alle viel zu kaputt.
Nein, rafft euch auf, geht raus. Aus, macht mit dem Tag noch was, wenn man Frühdienst hat und um fünf aufgestanden ist, weil man um sechs arbeiten muss. Natürlich ist man dann kaputt, aber man nimmt so viele Eindrücke mit, die man auch irgendwie verarbeiten muss und sei es dann mit Freunden darüber sprechen, was man so erlebt hat, wie kaputt man ist. Das ist enorm wichtig, um auch diesen Rhythmus zu finden, weil wenn ich Mittagsschlaf mache, dann bedeutet das nicht 20 Minuten, sondern zwei Stunden und dann komme ich wieder in den Rhythmus, dass ich erst ein Uhr nachts wieder einschlafe und dann muss ich aber wieder um fünf aufstehen. Das heißt, es ist wie so ein Kreislauf und da werde ich immer müde sein. Das heißt, Freunde treffen, das Leben genießen, trotz dieses anstrengenden Berufes. Das ist natürlich auch Inhalt im Bewerbungsgespräch. Also auch eine Frage, wie geht es Ihnen damit, wenn wir Ihnen jetzt sagen, der Wecker wird um 4.30 Uhr klingeln?
Das ist den meisten erst mal, ja, auf jeden Fall bewusst, aber Bewusstsein und es dann Leben ist nochmal eine ganz andere Welt. Und so wie Michaela sagt, wir geben dann die Tipps, fangen Sie nicht an im Schichtdienst mit Mittagsschlaf.
Gucken Sie, wie kommen Sie gut damit zurecht. Nach einem Jahr fangen Sie dann an, den Schichtdienst tatsächlich zu mögen, weil Sie merken, okay, es ist schön, mal Montag, Dienstag, Mittwoch frei zu haben.
Beziehungsweise ich kann dann doch noch nach dem Spieldienst mich mit Freunden treffen. Gerade im Sommer. Gerade im Sommer. Wenn das Wetter so schön ist, draußen noch sitzen. Und ich im Büro sitze. Ich glaube, Leute, die in der Berufsfindungsphase sind, aber noch nicht so weit sind, dass sie sich wirklich konkret, also dass sie recherchieren und gucken und so, wissen das nicht. Und wenn man das hört und dann ist da vielleicht jemand gerade 18 oder 17 und sagt, das klingt ja irgendwie ganz cool. Also ich glaube schon, dass die so technisch ausgestaltete Sachen Leute so ein bisschen... Wir haben ja auch gedacht, die haben da Respekt vor und Angst und überhaupt. Aber die Jensis tatsächlich, Insta-Kanäle, sie filmen sich selber. Also dafür sind wir vielleicht schon ein bisschen alt. Wir haben ja schon Respekt hier für unseren Mikrofon. Was ich dem entnehme, was Sie beide hier erzählen, ist, dass man in sehr, sehr viele Richtungen gehen kann, was auch vielen Leuten, glaube ich, nicht klar ist. Ich nehme mich da immer als Beispiel, so als Paradebeispiel. Und ja, ich habe ein FSJ gemacht, um erstmal zu gucken, bin ich da richtig und habe ich da Bock drauf. Dann habe ich mich für die Ausbildung entschieden, bin in eine Großstadt gezogen. Okay, neues Leben, neue Menschen und überhaupt. Dann die Ausbildung absolviert und dann dauert es erfahrungsgemäß drei Jahre, bis man ankommt. Also wir sagen auch immer, vor dem Examen ist nach dem Examen, nach den Prüfungen. Weil man dann die Welt ja als Pflegefachkraft nochmal ganz anders wahrnehmen muss. Und wie übernehme ich Verantwortung? Wie übernehme ich Verantwortung für andere Kollegen und überhaupt?
Ja, und dann sind drei Jahre vergangen und wie gesagt, dann war die Frage, wie komme ich denn pädagogisch weiter? Dann ging es in die Abteilung Ausbildung, da war dann nur noch Pädagogik und praktisches Arbeiten mit den Auszubildenden. Kein Schichtdienst mehr. 50-50, das war noch 50-50 und dann ja, aber auch wieder drei bis fünf Jahre später, was mache ich denn jetzt? Okay, dann wurden die privaten Universitäten auch lauter, die Spezialisierungen für die Pflege. Pflegemanagement gab es tatsächlich schon länger und Pflegepädagogik war noch ein relativ junges Feld. Und da bin ich dann auf das Pferd gehüpft und habe den Bachelor in Gesundheitspädagogik gemacht, weil das nochmal spannend war im Sinne von Präventionsmaßnahmen, Gesundheit in der Gesellschaft plus ich kann weiter im Krankenhaus arbeiten und kann dort mein Wissen vermitteln. Also viele, viele Wege, die man einschlagen kann für einen Bachelor beispielsweise. Braucht man dafür Abitur vor der Pflegeausbildung oder reicht die Pflegeausbildung? Es reicht halt die Pflegeausbildung mit einem mittleren Schulabschluss und man muss mindestens zwei Jahre Berufserfahrung haben. Wichtig finde ich auch nochmal den Punkt FSJ, dass man da reinschnuppern soll. Warum ist das so wichtig?
Also weil genau das, was ich so beschrieben habe, wie ich mich damals gefühlt habe, die erste Kontaktaufnahme zu einem Patienten, einen Patienten zu berühren, das war eine große Überwindung, den Arm zu nehmen, um die Blutdruckmanschette anzulegen. Ich habe die Haut eines fremden Menschen angefasst, so diese Berührung, das war nochmal ganz anders. Da lag jetzt ein älterer Mensch und den musste ich anfassen. Und diese Hürde, kann ich das oder kann ich das nicht, die ist ja hilfreich, wenn man das schon mal vorher abgecheckt hat. Ob es jetzt ein FSJ oder ein Praktikum ist während der Schulzeit, das ist ja auch alles möglich im Sozialpraktikum. Deswegen würde ich immer empfehlen, ein FSJ zu machen. Wenn ich die jungen Menschen erlebe, macht es sie erwachsener. Sie haben irgendwie das Gefühl, ich bin irgendwie...
Auch gewachsen in diesen Situationen und bin gestärkt für das Leben. Egal, ob ich mich jetzt für den Pflegeberuf danach entscheide oder nicht. Es bringt die jungen Menschen auf jeden Fall weiter. Man muss erst mal in der Arbeitswelt ankommen. Also man saß zehn Jahre oder zwölf Jahre neben seinen Klassekameraden und hat das Leben genossen. Das bittet sich dort nicht so an. Aber ja, und dann auf einmal gehört man zu einem Team und man muss morgens um fünf aufstehen. Und wenn ich nicht komme, kriege ich halt auch Ärger, weil ich gehöre ja zu diesem Team. Da sind wir wieder bei den zwei Paar Schuhen. Michaela sagt, wie fühlt es sich für mich als Auszubildende an, aber was macht das halt auch im großen ganzen Mindset, wenn ich in der Arbeit bin. Ja, in der Schule, dem Lehrer ist das im Zweifel egal.
Und meinen Schulkameraden vielleicht auch, die vermissen mich nur in der Pause. Aber da, klar, da muss jemand anders auch einspringen, man wird ja auch eingeplant. Wir merken in der Schule, dass die Fehlzeiten in der Schule höher sind als in den praktischen Phasen. Das werte ich positiv.
Total und man merkt, da herrscht eine Teamfähigkeit. Also da haben wir schon was auf den Weg gebracht. Aber an alle da draußen, die jetzt auch so eine Aussage sind, ihr dürft auch in die Schule gehen. Das müssen wir nun nicht komplett ausklammern. Was ist der größte Vorteil an diesem Skills Lab? Was würden Sie sagen als Schulleiterin? Der größte Vorteil ist das Lernen in einem geschützten Raum.
Ich gehe in ein Patientenzimmer und kann erst mal üben. Ich kann Fehler machen und ich kriege diese Fehler auch gleich reflektiert, ohne dass es Konsequenzen am lebenden Menschen in Anführungsstrichen hat. Ich würde gerne noch einmal auf so typische Situationen kommen. Was bringt Auszubildende in den ersten Wochen, so rede ich, ins Schwitzen? Vielleicht eine Frage für Sie, Frau Kahl. Auszubildende haben manchmal Patienten, die das gleiche Alter haben und bisher haben sie sie geduzt und jetzt müssen sie sie sitzen. Das fällt vielen erstmal schwer und wir sind aber immer dran zu sagen, nein, bleibt beim Sie. Es ist wichtig für das Nähe-Distanz-Verhältnis zum Patienten und auch für den Patienten. Man setzt eine Grenze für gewisse Situationen, in denen sich der Patient unwohl fühlen könnte und auch in der Situation, in der ich mich als Pflegekraft oder als Auszubildender in der Pflege unwohl fühlen könnte. Weil es gibt Tätigkeiten, die sind nicht angenehm. Das ist nur ein geringer Teil, weil dieser Beruf bietet ganz viele andere schöne Sachen. Und dieses Sie schützt den Patienten und mich davor, irgendwie das zu dicht ranzulassen. Thema Nähe und Distanz, das stelle ich mir schon aber auch schwierig vor in so jungen Jahren. Gibt es da auch so ein Curriculum?
Ja, da gibt es einen Punkt, der heißt Nähe und Distanz und wir reden ja von einem Spiralkurrikulum, das baut sich auf und im Kleinen geht es los mit Du und Sie. Und ich würde sogar sagen, es hat nicht mal etwas mit dem Alter zu tun, denn man ist locker, man hat sich für den Beruf entschieden, bestmöglich mag man Menschen ganz gerne und wir haben dann den Auftrag zu vermitteln, wie halte ich denn Nähe und Distanz, also wie gehe ich nach Hause und kann diesen Arbeitsalltag auch hinter mir lassen. Wie kann ich resilient für mich sorgen? Und das ist der Einstieg zum Thema Du und Sie.
Die Auszubildenden waren im ersten Block noch nicht in der Praxis und sagen, ja, die Vibes sind doch viel besser, wenn ich im Du bin und ich möchte doch einen guten Kontakt zu meinen Patienten haben und überhaupt. Ja, fühlt es einmal. Fühlt es einmal, wie es ist, wenn ich eine Intimpflege durchführen muss, Patienten auf die Toilette begleiten muss und wie wichtig es ist, diese Distanz auch einzuhalten. Also mein Tipp ist immer, ich ziehe mich nach der Arbeit um, ziehe den Karsack aus, ziehe die Hose aus und streife dementsprechend den Tag ab und schmeiße die Sachen in den Wäschesack. Und so sollen sie dann bildlich lernen, für sich zu sorgen. Zu dem Sie möchte ich eine Sache nochmal nachfragen. Was macht man denn, wenn Frau Schmidt am Bett liegt und ist vielleicht eine ganz zauberhafte alte Dame, die ich gern als Oma hätte und ich bin 17 und die duzt mich? Ich sieze Frau Schmidt, ich wahre Distanz. Und Frau Schmidt möchte mir aber nah sein, sagt, Mäuchen, komm mal bei mich bei.
Was mache ich denn dann? Ich habe gelernt, da in meiner Rolle zu bleiben und in meiner Professionalität. Und es ist mir egal, ob diese nette Dame mich duzt, das nehme ich überhaupt nicht krumm, aber ich bleibe beim Sie. Okay, das ist ja eine ganz einfache Lösung. Wie sehen Sie das? Ja, wir hatten am Anfang der Woche einen Workshop zu diesem Thema und haben uns mit erfahrenen Pflegefachkräften unterhalten und da geht es natürlich auch um das Berufsbild. Und da ist das Thema Du, Sie immer wieder Thema, also egal wie viel Berufserfahrung man hat. Und da sind wir auch, wie Michaela schon sagte, in der Professionalität. Also ich beleuchte die Situation und schaue, gibt es da eine demenzielle Grunderkrankung? Kommt das an, was ich bei der Patientin erreichen möchte?
Nichtsdestotrotz geben wir immer wirklich, also mit Ausrufezeichen mit, wir bleiben professionell und wir sind die Pflege. Und nicht Mädchen, komm mal eben her, hol uns mal was zu trinken. Dieses Wording hat sich ja nun glücklicherweise auch völlig verändert. Also so Schwester fand ich immer schon ein bisschen schräg. Und das sagt man doch nicht mehr, oder? Oder werden sie noch so genannt, wenn sie noch mal im aktiven Dienst rumschwirren? Das kommt auf die Altersgruppen an. Dann geht es aber auch wieder los in der Vorstellung. Wie stelle ich mich als Pflegefachkraft vor? Na, früher stand das doch auf dem Schild, weißer Steffi. Richtig. Man einigt sich jetzt sukzessive auf die Bezeichnung Pflege.
Und wie finden Sie das? Ich finde das persönlich großartig, weil Pflege ein Statement hat. Ja, ganz klar ein Statement. Und ich finde Pflegefachfrau, Mann, Person auch professionell. Ich habe es durch Zufall im Radio im Hintergrund gehört, zum ersten Mal, als das Pflegeberufegesetz entstanden ist und bin hängen geblieben und habe gesagt, toll. Wir kommen weg von Schwester Stefanie, ihrer Oberschwester Hildegard. Wann beginnt denn bei Ihnen die nächste Ausbildung? Die nächste Runde? 1.2.2026. Ah ja, also an alle da draußen.
Oh, Moment, wann endet die Bewerbungsfrist? Es gibt keine Bewerbungsfrist, weil wir zweimal im Jahr starten. Wer ein bisschen zu spät kommt und ist schon besetzt, kann in die nächste Rutsche mit rein. Also im Februar und dann wieder August. Dann im August, okay. Wir starten im Februar die Ausbildung zur Pflegefachperson und im August kommt der duale Studiengang Pflege mit dazu. Das heißt, man macht die Grundausbildung und parallel studiert man Pflegewissenschaft. Wie lange geht denn das duale Studium? Geht das genauso lange? Das geht vier Jahre und man macht drei Jahre die Grundausbildung und ist dann ein Jahr Vollzeit eingestellt und hat 50 Prozent Studiumzeit und 50 Prozent arbeitet man im Krankenhaus. Und der Vorteil ist, dass man kein Risiko birgt, weil die Grundausbildung hat man ja auf jeden Fall in der Tasche. Was sind für Sie denn so besonders schöne Momente? Der schönste Moment, einmal oder zweimal im Jahr, sind die praktischen Prüfungen. Und man muss sich vorstellen, wir lernen die Menschen in den Bewerbungsgesprächen. Muss ich mal kurz dazu sagen, das sind, glaube ich, für all ihre Auszubildenden nicht die schönsten Tage. Mal das ja anschauen, das ist ja eine Prüfung so toll. Ich mag das gerne, weil ich in den Köpfen die Neugierde sehe. Was kommt auf mich zu? Was passiert hier? Mit welchen Menschen werde ich es zu tun haben? Und auch die gesunde Naivität noch. Und sie haben von Pflege erstmal per se noch nicht viel Ahnung.
Und dann stehen wir in den praktischen Prüfungen und es müssen komplexe Patientensituationen absolviert werden. Und ich sehe da eine Routine und eine Selbstverständlichkeit und kriege in den Momenten tatsächlich immer Gänsehaut, weil ich denke, was ist in drei Jahren in einem so herausfordernden Beruf möglich? Das sind immer wieder die Momente, wo ich denke, herrlich, ich habe genau die richtige Wahl getroffen. Und auch Menschen das mitgeben zu können, weil man weiß, sie werden gute Menschen im Leben sein. Auch ein schönster Moment? Ja, wenn ich bemerke, wie viel die Auszubildenden fragen und auch häufig dieselben Fragen, kann es sein, dass manche Menschen genervt sind davon. Ich mag das, weil ich damit sehe, dass sie es richtig machen wollen. Sie haben etwas nicht verstanden und fragen. Und dazu möchte ich sie auch ermutigen, wenn sie was nicht verstanden haben, zu fragen. Und das ist für mich immer der schönste Moment, wenn sie meinetwegen auch das fünfte Mal fragen. In der Antwort davor haben Sie gesagt, ein guter Mensch zu sein oder auch zu werden, das ist ja ein ganz entscheidender Punkt. Das gibt einem mehr fürs Leben mit und auch für das Privatleben. Wie gucke ich auf die Welt? Wie nehme ich die Welt wahr mit den Menschen, die auf dieser Welt sind?
Und Sie entwickeln ein Rückgrat. Ein Rückgrat mit Empathie. Richtig. Wenn ich mir das Skills Lab mal angucken will, wann kann ich das tun? Am 22.11. Haben wir einen Tag der offenen Tür in unserer Berufsschule. Und da sehe ich auch den Tatort-Krankenzimmer. Ja, da kann man einen Einblick gewinnen. Und man sieht uns, die Kollegen der Praxis, die Kollegen der Theorie. Und auch Auszubildende. Auch Auszubildende. Weil da finden nochmal andere Kommunikationswege statt, als wenn wir alten Menschen da stehen. Eine Frage noch, vielleicht auch eine der wichtigsten, finde ich persönlich. Was kann ich denn im Gegenzug als Patientin tun, um Pflegekräfte zu unterstützen? Aus dem Bauch raus würde ich sagen, zu begreifen, dass eine Station auch noch 29 andere Menschen hat. Das wäre so mein Wunsch. Keiner ist allein. Menschen oder Patienten? Menschen. Also ein Lächeln wird schon nicht schaden, oder? Das ist immer gut. Kurze Geschichte am Rande. Es klingelt in einem Patientenzimmer und ich habe gesagt, ich habe jetzt keine Zeit, wir haben jetzt Frühstückspause. Die Antwort des Patienten war, Sie frühstücken?
Also ja, auch die Pflege hat menschliche Bedürfnisse. Ich frage mich das halt immer. Oder gibt es so drei Verhaltensweisen, die irgendwie gut wären? Also ich habe, wenn man unfreundlich mir gegenüber gewesen ist, es nie persönlich genommen. In dem Moment hatte der Mensch ein Bedürfnis, was für mich vielleicht keine Priorität hatte, weil es dann in dem Moment für mich Wichtigeres gab, vielleicht ein Menschenleben zu retten. Das weiß ja aber derjenige nicht, der hinter der Tür liegt, während außerhalb seines Zimmers irgendwas anderes los ist. Andererseits habe ich mich gefragt, geht man dann den Leuten auch ein bisschen Freifahrtschein? Das hätte ich jetzt gesagt, denn ich würde mir ein Bitte und Danke wünschen und eine Kommunikation auf Augenhöhe. Moin und tschüss, freundlich und bitte und danke, tu kämpf. Aber manche lernen das nicht und ich habe keinen Erziehungsauftrag. Oh, das ist auch eine gute Antwort. Ja, aber durch vormachen nimmt man das nicht trotzdem manchmal persönlich?
Das lernt man. Ich als Patientin muss mich klar äußern und ich darf auch gerne ein bisschen Geduld mitbringen. Wünschenswert. Ich frage gerne nach Superkräften. Ich finde ja, die Pflege ist eigentlich eh schon die Superkraft an sich im Krankenhaus. Aber hätte einer von Ihnen beiden gerne eine Superkraft? Oder haben Sie schon eine von der ich nichts weiß? Meine Superkraft ist der Optimismus. Ja, und die haben Sie ja schon. Die brauche ich Ihnen ja nicht mehr geben.
Und das ist die Kunst, den Optimismus beizubehalten. Sich das zu bewahren. Und die jungen Menschen sorgen dafür. Ja, das ist das Gute. Schön. Und Sie, Frau Gehl, ohne Superkraft? Oder darf ich Ihnen eine geben? Ich würde Ihnen eine geben, wenn ich könnte, so hypothetisch. Ja, gerne. Welche wollen Sie denn? Ich persönlich würde immer das Fliegen nehmen.
Nee, das Fliegen will ich nicht. Ich will auf dem Boden bleiben, auf dem Boden der Tatsachen. Ich weiß es nicht. Das bist du. Boah, gerade, da sind Sie doch schon empathisch, pragmatisch. Sie sind irgendwie schon ausgestattet mit einer Superkraft. Ich bin so im Reinen mit mir. Ich möchte das alles beibehalten. Die Superkraft, dass es immer so bleibt, wie es ist. Dass es läuft. Ja. Na gut, dann lassen wir das so laufen. Frau Karl, Frau Stradinger, vielen Dank für dieses offene Gespräch. Das hat einmal mehr gezeigt, wie viel Menschlichkeit in Ihrem Beruf steckt und das Pflege eben dann doch weit mehr ist als medizinische Versorgung. Vielen Dank. Ich bedanke mich auch, dass wir hier einmal darstellen durften, wie toll unser Beruf ist. Da schließe ich mich Michaela an. Ich sage auch Danke und es war toll, das eigene Berufsbild mal wieder so zu reflektieren auf einer anderen Ebene. Danke. Und Leute vielleicht zu motivieren, bei Ihnen eine Ausbildung zu machen. Das ist die große Hoffnung. Und Ihnen da draußen, danke fürs Zuhören. Wenn Sie mehr über meine Gäste und Ihre Arbeit im BG-Klinikum Hamburg erfahren möchten, schauen Sie gern ins Hamburger Abendblatt, wie immer, online oder in der Printausgabe. In zwei Wochen gibt es die nächste Folge von Hamburger Klinik Helden, dem Podcast über Berufe mit Sinn. Bis dahin, ich freue mich aufs.