Die Hamburger Klinik-Helden. Der Podcast über Berufe mit Sinn. Vom Hamburger Abendblatt und dem Verband der freigemeinnützigen Krankenhäuser in Hamburg. Die Freien. Was ist der schönste Ort im Krankenhaus? Na, ne Idee? Ne, es ist nicht die Kantine, es ist definitiv der Kreißsaal. Nirgendwo ist es gemütlicher, wärmer und kuscheliger, nirgendwo werden so viele Freunden Tränen vergossen. Und wenn man einen kräftigen Schrei hört, freut man sich. Moin und herzlich willkommen zur Hamburger Klinik Helden, dem Podcast über Berufe mit Sinn. Ich habe heute Clarissa Richter zu Gast. Sie ist leitende Hebamme im Albertinen Krankenhaus, Bereichsleitung für den Kreißsaal und die Wochenbettstation und liebt ihren Job. Sie erzählt mir heute, wie ein Hebammenkreißsaal funktioniert, warum 1 zu 1 Betreuung Ruhe und Sicherheit schafft und wann sie das letzte Mal Gänsehaut bei der Arbeit hat. Frau Richter, so schön, dass Sie heute bei uns im Studio sind. Ja, danke. Ich freue mich total, hier sein zu können. Ich habe Leute hören, sie tragen sich gern freiwillig, Achtung, für den Samstag Spätdienst ein. Was stimmt denn bei Ihnen?
Ja, also ich finde, bei mir stimmt alles. Es ist einfach nur, dass ich, seitdem ich in dieser Leitungsposition bin, natürlich auch viel im Büro arbeite. Und ich mich einfach freue, den direkten Kontakt mit den Gebärden zu haben, Geburten im Kreißsaal zu betreuen. Und das klappt mit den Spätdiensten am Samstag meistens am besten. Ja, die Dienste, die ich direkt im Kreißsaal mit übernehme, die erinnern mich eigentlich daran, warum ich überhaupt Hebamme geworden bin. Und ich finde das einfach so ein großes Privileg, Geburten begleiten zu dürfen. Das ist einfach wirklich meiner Meinung nach der beste Job der Welt und deswegen macht mich das sehr gerne. Also dafür opfern Sie Ihren Samstagabend.
Ja, letztendlich ist es ja so, dass ich dafür einen anderen freien Tag unter der Woche habe und auch wenn Schichtdienst anstrengend ist, muss man ja wirklich sagen, dass er auch deutliche Vorteile hat, dass man nicht nur 9 to 5 sozusagen unterwegs ist, sondern auch einfach mal unter der Woche einen freien Tag haben kann. Und auf der anderen Seite ist es wirklich so, dass ich zum einen nochmal diesen Perspektivwechsel richtig gut und schön finde, dass man eben wirklich mit seinem Team zusammen an der Front sozusagen die Geburten betreut, die Familien begleitet und gleichzeitig auch wirklich dieses Privileg, wirklich Geburten begleiten zu dürfen, auch ausleben kann. Und ich da wirklich auch immer wieder dahin zurückkomme, warum ich mir diesen Beruf ausgesucht habe. Und das ist ja wirklich das Kernstück in der Geburtsbegleitung, unterwegs zu sein, wirklich für die Frauen, für die Familien da zu sein. Und ja, das mache ich einfach unglaublich gerne.
Dieser Moment, wenn ein Baby geboren wird, was ist das für ein Gefühl? Ja, ich habe es ja gerade schon gesagt, dass ich finde, dass es einfach ein ganz großes Privileg ist, in dem Moment dabei sein zu dürfen. Natürlich ist es ein Beruf und natürlich entwickelt man mit den Jahren eine gewisse Routine. Also ich habe inzwischen auch schon wirklich Geburten im vierstelligen Bereich betreut. Oh, wie viele? Haben Sie eine Ahnung? Es sind deutlich über tausend Geburten, die ich in meinem Hibam-Leben schon begleitet habe. Ja, und das ist einfach so ein intimer Moment, wenn eine Familie entsteht, man da wirklich dabei sein zu können.
Und ja, da freue ich mich einfach jedes Mal wieder. Und deswegen ist es auch nicht nur so dahingesagt, wenn ich sage, ich finde, das ist wirklich der schönste Beruf, den es gibt. Ein schöner Satz, wenn eine Familie entsteht. Wenn es das erste Kind ist, ist das ja auch so und dann wird das ein Paar, wird eine Familie. Genau und selbst wenn weitere Kinder dazukommen, dann verändert sich trotzdem die Familienkonstellation. Das macht ja mit der ganzen Familie. Was ist ein Veränderungsprozess, den wir als Hebammen begleiten? Sie waren ja früher Grafikerin, haben Sie mir im Vorfeld erzählt. Auch ein wahnsinnig schöner Beruf. Aber wie kam es zu diesem beruflichen Wechsel? Das möchte ich einmal kurz wissen, auch wenn ich eigentlich am liebsten nur über Babys sprechen möchte mit Ihnen. Aber das ist schon ungewöhnlich. nochmal so einen Switch zu machen. Ja, also ich wollte eigentlich schon ganz früh Hebamme werden, wirklich schon so mit 14, 15. Das fanden irgendwie alle um mich rum eher ein bisschen komisch, wie man in so einem Alter auf die Idee kommt, dass ich Hebamme mit dem Beruf ist, den man machen möchte, weil ich eigentlich auch gar nicht viele Berührungspunkte mit dem Beruf hatte. Es war wirklich, dass ich das im Berufsinformationszentrum gelesen habe. Ach, dann hilft das also doch, Berufsinformationszentrum. Ja, also damals, ich war ganz, interessiert und habe dann wirklich auch ein Praktikum schon auf einer Wochenbettstation gemacht damals als Schülerin und dann hat sich das aber so im Laufe des Abiturs sozusagen so ein bisschen verselbstständigt, dass ich eher doch andere Interessen hatte und dann erst Mediengestalterin geworden bin und auch noch ein Kommunikationsdesignstudium dran gehängt habe.
Und da kam das aber immer wieder hoch, dass ich mich gerade in diesem Studium mit allen Aufgaben, die man da so bekommen hat, immer irgendwelche Schwangerschaftsthemen behandelt habe, die verschiedenen Stadien einer befruchteten Eizelle gezeichnet und so. Als Thema hat sie nie losgelassen. Nee, und dass ich da einfach gemerkt habe, so nee, da muss ich nochmal genauer hingucken und habe damals dann ein Praktikum in einem Kreißsaal gemacht und habe dann sehr schnell gemerkt, nee, das ist wirklich das, was ich möchte, noch näher an den Menschen sein, wirklich mit Menschen arbeiten und eben, ja, wirklich Frauen und Familien in dieser ganz besonderen Zeit begleiten, in der Schwangerschaft, durch die Geburt und dann auch im Wochenbett. Also war das schon Ihr Teenager-Herzenswunsch? Sie haben ihn dann kurz mal vergessen. Oder was heißt vergessen, haben Sie ihn ja offensichtlich nicht, aber der hat sich ja durchgesetzt am Ende. Ja, und ich freue mich auch sehr, dass ich das durchgezogen habe. Also oft wird ja wirklich gesagt, oh Mensch, so ein Wandel und so spät in Anführungszeichen. Also ich bin mit 27 habe ich die Hebammausbildung gestartet und ich fand das aber gar nie wirklich so mutig, wie das von anderen bezeichnet wurde, weil ich so dachte, so nee, eigentlich mache ich doch nur das, wo ich gewerkt habe, das dafür mein Herz schlägt, dass ich das wirklich machen möchte. Und das hat sich jetzt in den Jahren auch nicht geändert. Also ich muss wirklich sagen, auch wenn die Zeit davor natürlich auch schön war, ich habe in einer wirklich sehr netten Agentur damals in Berlin gearbeitet mit einem ganz tollen Team.
Dass wirklich dieses direkt an den Menschen sein und wirklich an so einer rohen Stelle auf eine Art, wo man wirklich sagt, es ist wirklich ein ganz echter roher Moment, so eine Geburt zu begleiten und wo es nicht irgendwie darum geht, dass irgendwas schön aussieht oder dass irgendwas, perfekt gestaltet ist, sondern wo wirklich Leben passiert, dass das einfach so eine ganz große Faszination auf mich auswirkt und dass selbst jetzt in der Zeit, wo sich das verändert hat und ich in die Leitungsposition gewechselt bin, ich sagen muss, dass, ja, ich sage gerne, ich mache Geburtshilfe für die Geburtshilfe. Ich gestalte sozusagen Rahmenbedingungen, damit Hebammen gut arbeiten können, dass dieses Kreißsaal-Team mit den Ärztinnen und Ärzten zusammen gut funktionieren kann. Natürlich nicht alleine, sondern auch mit unserem Chefarzt zusammen, Professor Klappdor. Ich bin auch sehr froh, dass wir da wirklich wunderbar auf Augenhöhe zusammenarbeiten können.
In dem Bereich trotzdem ganz, ganz viel gestalten kann, was dann jetzt halt nicht Farben und Muster sind und Visitenkarten und Webseiten, sondern wirklich Betreuungsarbeit und Arbeitsbedingungen. Und so ein bisschen nehme ich mir aber das alte Leben trotzdem mit. Wir haben jetzt seit einer Weile einen Instagram-Kanal für das Geburtszentrum am Albertin. Albertin Geburtszentrum. In einem weg. Genau. Einfach ohne Punkt und Komma durch. Da kann ich jetzt nochmal wieder das Grafikerinnen sein. Wieder ein bisschen auslebens irgendwie auch schön, aber zurücktauschen möchte ich nicht. Nee, das klingt auch gar nicht so. Sie haben einen Begriff benutzt, ein roher Moment. Ja. Aber wenn ich auf Instagram mal Geburt eingebe, dann sind das manchmal ganz schön gestylte Mütter. Also ich habe ja auch dergleichen schon zweimal gemacht und...
Ich sah nicht so fancy aus. Ich weiß nicht, wie das so bei den Frauen ist, die zu Ihnen kommen, aber es ist ja ein total echter krasser Moment und roh finde ich bezeichnet es ganz gut. Naja, da muss man schon sagen, dass Instagram natürlich nicht ein 1 zu 1 Abbild der echten Welt ist, sondern dass da natürlich wirklich viel geschönt wird und man muss ja auch eingestehen, dass das für die jeweilige Person auch total okay ist zu entscheiden, wie Rosi sich jetzt wirklich der ganzen Welt in so einem Social Media Medium präsentieren möchte. Und es gibt natürlich, kommt ein bisschen darauf an, in welchen Bubbeln man dann am Ende unterwegs ist, gibt es da schon auch echte Ruhegeburten sozusagen, die man dort auch sehen kann. Aber das ist natürlich jeweils geprägt davon, wie die jeweilige Person sich auch präsentieren möchte und was sie bereit ist zu zeigen. Und das ist... Wichtig ist ja auch, dass man nicht so tun darf, als wäre es alles fancy und schön und es hätte keinen Tropfen Blut gegeben und das war alles, man das Make-up sitzt. Also man muss sich nicht in diesem Moment vielleicht zeigen, aber man darf vielleicht auch nicht so tun, also um den jungen Müttern da draußen oder auch den älteren Müttern mal Mut zu machen. Also das sieht nicht wirklich immer so aus. Ja, das ist auf jeden Fall total wichtig.
Ja, also das muss man wirklich betonen. Und das finde ich auch schön, dass das eben, wenn man in der entsprechenden Bubble unterwegs ist, Und man das eben auch sieht, dass wirklich da mit vielen Tabus gebrochen wird, dass Frauen sich zeigen, in ihr Netz schlüppern und wirklich verwuschelten Haaren und wirklich großen Augen ringen und sagen so, ey, ich habe das Ding gerockt, war anstrengend, aber ich habe das geschafft.
Und das finde ich wiederum total toll, dass sich da eben dann auch Communities bilden, wo man eben zeigt, dass Geburt eben auch so roh ist und auch sein darf und dass sozusagen Frauen stark sind und stark sein dürfen und dass es nicht nur darum geht, irgendwie gut auszusehen. Einmal zu diesem Begriff, für alle, die den Begriff noch nicht kennen, also Hebammenkreißsaal. Was bedeutet das? Ich habe immer eine Hebamme mit im Kreißsaal, aber was ist der Hebammenkreißsaal? Genau, das stimmt. Also in Deutschland ist das ja wirklich auch gesetzlich geregelt, dass bei jeder Geburt eine Hebamme anwesend ist. Von daher auf jeden Fall bei jeder Geburt ist eine Hebamme dabei und auch im ganz normalen, in Anführungsstrichen, Kreißsaal, der interdisziplinär von Hebammen und Ärztinnen betreut wird, haben die Hebammen natürlich, ja, sind direkt an den Gebärenden und arbeiten ganz intensiv mit denen zusammen. Der Hebammenkreißsaal oder wird häufig auch HKS abgekürzt, ist ein Betreuungskonzept innerhalb der Klinik, wo Hebammen wirklich ganz eigenverantwortlich Geburten betreuen von Frauen.
Und gebärenden Personen, die eine unauffällige Schwangerschaft haben, eine unauffällige Anamnese, also jetzt keine Risikofaktoren mitbringen und dann ähnlich wie in einem Geburtshaus wirklich ganz eigenverantwortlich in Hebammenbegleitung diese Familien betreuen. Alle Menschen, die schwanger sind, können diesen Raum bei Ihnen benutzen. Muss ich mich dafür extra anmelden oder komme ich da automatisch hin? Nein, prinzipiell ist das bei uns jetzt so geregelt, dass es dafür wirklich eigene Anmeldekapazitäten gibt, weil es wirklich ein etwas anderes Betreuungskonzept ist. Das ist jetzt auch nichts, was wir im Albertinkrankenhaus selber erfunden haben, sondern das ist ein Konzept, das es schon auch in Deutschland länger gibt, wo es auch Strukturmerkmale gibt, die vom Deutschen Hebammenverband entsprechend vorgegeben oder empfohlen werden. Also das ist eine Entwicklung.
In die Richtung geht es schon länger. Also es gibt Bundesländer, in denen sich das schon schneller entwickelt hat. Also in Nordrhein-Westfalen beispielsweise gibt es schon länger mehrere Hebammenkreissäle, einfach weil das dort auch von den Ländern entsprechend gefördert wurde. Und es gibt jetzt eben auch insgesamt bundesweit die Bestrebung, mehr Hebammenkreissäle zu eröffnen, um einfach da nochmal eine zusätzliche Wahlmöglichkeit den Familien eben auch zu bieten. Gibt es dann Voraussetzungen? Die ich mitbringen muss, wenn ich da hin möchte? Genau, also man muss eine unauffällige Anamnese haben. Also das heißt, dass in der medizinischen Vorgeschichte es jetzt keine größeren Erkrankungen oder Besonderheiten gibt und dass auch die Schwangerschaft soweit erst mal ganz normal verlaufen ist. Es gibt da wirklich einen Katalog von Ein- und Ausschlusskriterien und dann muss das sozusagen entsprechend passen. Wichtig ist dabei eben auch nochmal zu schauen, Und dass das an mehreren Stellen auch in der Schwangerschaft sich nochmal angeguckt wird. Also es bedeutet nicht nur, dass die Geburt im Hebammenkreis stattfindet, sondern zu diesem Konzept gehören auch zwei Hebammengespräche, die in der Schwangerschaft stattfinden. Das erste sollte so zwischen der 28. und 30.
Schwangerschaftswoche stattfinden, wo man dann eben mit einer Hebamme sowohl die Anamnese, die Krankengeschichte durchgeht, die Akte anlegt und aber auch wirklich alles so ein bisschen absteckt. Was bedeutet der HKS? Wie bereite ich mich darauf vor? Und dass wir dann im Verlauf eben auch nochmal ein weiteres Gespräch haben, um zu schauen, hat sich irgendwas verändert? Gibt es inzwischen Gründe, warum eine Geburt im Hebammenkreis vielleicht nicht möglich ist? Oder läuft alles genauso wie geplant, sodass wir uns darauf freuen, dann die Familie im Hebammenkreis begrüßen zu können?
Kann ich dann Wünsche mitbringen? Also Wünsche kann man immer mitbringen. Gleichzeitig möchte ich einmal auch sagen, dass auch insgesamt bei unseren Anmeldegesprächen sich auch was verändert hat, sodass die jetzt auch nicht mehr rein ärztlich durchgeführt werden, sondern dass das immer ein Teamgedanke ist. Also es gibt sowohl ärztliche Anmeldegespräche als auch Anmeldegespräche mit Hebammen oder die Möglichkeit eben mit beiden Berufsgruppen bei einem Gespräch zu sprechen. Und da muss man wirklich sagen, dass das so ein bisschen auch dem Fachkräftemangel geschuldet war. Also in Zeiten, wo wir weniger Hebammen hatten als jetzt, war natürlich wichtig, dass die Hebammen vor allem für die Begleitung von den Geburten zur Verfügung standen. Und jetzt schauen wir eben auch, dass wir wirklich allen Frauen auch ermöglichen können oder allen Personen, die bei uns gebären möchten, das ermöglichen können, beide Berufsgruppen auch kennenzulernen. Ich darf also Wünsche mitbringen. Also ich muss nochmal auf meine Wünsche kommen.
Also nicht, dass jetzt jemand da draußen denkt, ich sei schwanger. Nein, das ist es nicht. Aber ich stelle mir das gerade vor, ich wäre es nochmal. Es ist so schön, wenn man vielleicht sagen kann, ich möchte das so oder ich stelle mir das so vor, ist das möglich, also dass darauf eingegangen wird. Das habe ich da jetzt rausgehört, dass das sowohl als auch, also nicht nur beim Hebammenkreis, sondern generell möglich ist. Genau, also das ist mir oder auch eben uns als Team total wichtig, dass wir wirklich die Familien ganz individuell begleiten wollen bei den Geburten und natürlich entsprechend auf Wünsche eingehen möchten. Und es ist wirklich auch absolut von Vorteil, sich im Vorfeld auch schon mit Geburt und Optionen zu beschäftigen und wirklich für sich persönlich auch zu gucken, was ist mir wichtig, was für ein Typ bin ich, bin ich jemand, der möglichst schnell Schmerzmittel auch beispielsweise in Anspruch nehmen möchte oder bin ich jemand, der sagt so, nee, ich möchte das alles möglichst natürlich machen. Da sind wir Menschen einfach ja so unterschiedlich und es gibt nicht den einen Weg, der perfekt ist und so müssen es alle machen, sondern wir begleiten jeden oder jede auf ihrem Weg und deswegen gerne Wünsche mitbringen. Also das finden wir sogar richtig gut.
Viele da draußen fragen sich vielleicht gerade, was passiert, wenn ich mich für den HKS anmelde? Alles ist soweit geritzt, aber während der Geburt dann doch eine PDA benötige oder Komplikationen auftauchen, weil der Vergleich mit dem Geburtshaus, der war ja sehr sinnvoll, das kann man durchaus nachvollziehen. Da ist es ja aber so, wenn dann sowas auftritt, dann geht es ab ins Krankenhaus. Ja, genau das stimmt und wir arbeiten ja auch eng mit den Geburtshäusern zusammen und wir betreuen ja Frauen auch weiter, die aus dem Geburtshaus in die Klinik verlegt werden.
Natürlich kann man da Parallelen sehen und das ist der gleiche Anspruch, den wir da haben. Also wir haben ja alle das gleiche Ziel und wollen Frauen oder Familien während der Geburt ganz kompetent und sicher betreuen. Und der HKS ist letztendlich ein zusätzliches Angebot für wirklich eine breite Wahlmöglichkeit der Frauen und bietet wirklich die Möglichkeit.
Dass in dem Moment, wo eine gebärende Person sich dann doch für eine PDA entscheidet oder aus dem Geburtsverlauf heraus doch weitere Interventionen nötig werden, dass wir dann wirklich ohne den Raum zu wechseln und ohne das Personal zu wechseln, einfach in die interdisziplinäre Betreuung überleiten. Also die ÄrztInnen sind letztendlich ja nur einen Anruf entfernt. Mit denen arbeiten wir ja total vertrauensvoll zusammen. Die vertrauen uns, wir vertrauen denen und das ist kein Gegeneinander, sondern wirklich ein Miteinander für die Familien. Und genau, das macht das letztendlich auch alles so sicher und bietet diese Möglichkeit für die Familien, eben eine Geburt zu erleben. Wir sind jetzt im Oktober gestartet und uns war wirklich ganz wichtig, das Fundament vorher zu bilden. Also dass wir so aufgestellt sind, dass wir die allermeisten Geburten in 1 zu 1 Betreuung begleiten können. Das ist ein Strukturmerkmal, das für den HKS vorgegeben ist und eben wirklich zu dem Moment der Geburt ist auch eine zweite Hebamme dann mit dabei und da braucht man natürlich das entsprechende Personal.
Das ist dann ja schon während, also unter der Geburt eine 2 zu 1.
Mit viel Glück. Das klingt ja einfach, ich finde 1 zu 1 klingt schon hervorragend. 2 zu 1 würde ich mich sehr entspannt fühlen. Also gut, entspannt ist vielleicht in dem Kontext auch nicht richtig, ist man unter der Geburt nicht. Bei uns als Team eben total wichtig, erst diese Voraussetzungen zu schaffen und wirklich genügend Hebammen zu haben, die wirklich immer zur Verfügung stehen und das jetzt nicht ein Alleinstellungsmerkmal nur für den HKS darstellt, sondern wir sind inzwischen wirklich in der Lage, gut 80 Prozent der Geburten eins zu eins zu betreuen. Also dass wirklich eine Hebamme nur dann diese eine Geburt begleitet. Und das war uns einfach wirklich wichtig, dass das nicht so ein kleines Extra ist und alle anderen Familien müssen sich dann eine Hebamme teilen, sondern dass das wirklich nicht einfach nur was auf dem Papier ist, sondern dass das insgesamt allen Frauen und allen Familien auch wirklich zugutekommt. Die 1 zu 1 Betreuung, wie ist das für Sie als Hebamme? Richtig schön.
Also 1 zu 1 Betreuung bei der Geburt ist ja nicht irgendwie ein moderner Luxus, sondern das ist ein wirkliches Qualitätsmerkmal. Und da gibt es inzwischen auch eine ziemlich solide Studienlage zu, dass die 1 zu 1 Betreuung während der Geburt wirklich große Vorteile mitbringt. Dass durchschnittlich gesehen Geburten schneller verlaufen, dass weniger Schmerzmittel gebraucht wird, dass weniger instrumentelle Geburten, also Kaiserschnitt- oder Saugglockengeburten, nötig werden. Das ist einfach so ein wichtiges Tool und ich bin so froh, dass wir das jetzt in einem ganz anderen Maße umsetzen können als noch vor ein paar Jahren. Und dass einfach je mehr Hebammen sozusagen zur Verfügung stehen, wir eben einfach auch merken, dass dann Geburtshilfe entspannter abläuft. Das ist ja nicht, dass wir nur körpermedizinisch durch einen Prozess begleiten, sondern eigentlich ist das zu einem ganz großen Teil auch Beziehungsarbeit. Und Beziehungsarbeit funktioniert ja nur, wenn ich Zeit habe, wenn ich mich wirklich auf die andere Person einlassen kann, ja wirklich präsent sein kann und nicht zwischen mehreren Geburten hin und her springen muss, sondern wirklich ganz und gar an Ort und Stelle bin, um mich dann wirklich ganz auf diese Frau und diese Familie einlassen zu können, um genau diese Geburt zu begleiten.
1 zu 1 jetzt wieder, en vogue hätte ich jetzt fast gesagt, aber es ist schön, dass es wieder so weit gekommen ist. Da kommt es doch aber ursprünglich mal her. Also nicht, dass ich mich jetzt historisch damit wahnsinnig gut auskennen würde, aber ich sage mal, vor 100 Jahren gab es eine Hebamme, die ein Kind mit zur Welt gebracht hat und das war auch eine 1 zu 1 Betreuung. Was ist denn da auf dem Weg bis heute schief gegangen, dass es mal anders war? Wenn wir dahin zurückdenken, müssen wir ja sagen, dass fast alle Geburten zu dieser Zeit ja Hausgeburten waren und das geht ja gar nicht anders, weil dann kommt die Hebamme zu einem nach Hause und dann kann die ja gar nicht zwei Frauen gleichzeitig betreuen, weil die sind ja in unterschiedlichen Gebäuden. Also klar, Hausgeburt, vor vielen, vielen Jahrzehnten ging es gar nicht anders, eins zu eins und jetzt geht es ja wieder. Genau und das liegt daran, dass wir inzwischen Stück für Stück immer mehr Hebammen werden. Also die Ausbildung zur Hebamme ist ja akademisiert worden.
Hatte das Auswirkungen? Auf jeden Fall. Also es sind im Moment ungefähr doppelt so viele Studienplätze für Hebammenwissenschaft in Deutschland verfügbar, als es vorher Ausbildungsplätze zur Hebamme gab. Und dadurch gibt es immer mehr frisch ausgebildete und motivierte Hebammen. Für die jeweilige Frau oder Familie ist das natürlich auch ein großer Benefit. Auf jeden Fall, also wenn die sich darauf verlassen können, es gibt eine Hebamme, die für mich zuständig ist und selbst wenn die vielleicht jetzt nicht jede Sekunde neben mir steht, weil ich das vielleicht auch gar nicht möchte und gerade nicht brauche, aber dass sie für mich da ist und immer erreichbar für mich ist und ich genau die Betreuung dadurch haben kann, die ich mir wünsche, was Besseres kann man sich ja eigentlich nicht vorstellen. Also 1 zu 1 Betreuung im HKS ist vorgegeben, strukturell in ganz Deutschland.
Machen das andere Länder genauso wie wir? Also es ist auf jeden Fall so, dass es natürlich in verschiedenen Ländern verschiedene Konzepte gibt. Aber in den anderen europäischen Ländern ist die Hebammenausbildung schon viel länger akademisiert. Und man sieht daran, dass sich dadurch auch andere Konzepte schon entwickelt haben. Und es gerade in Großbritannien oder in den skandinavischen Ländern wirklich auch ganz normal ist, dass es so Hebammen-geleitete Einrichtungen gibt, Midwife-led-Units beispielsweise. Mit was? Midwife-led-Units, das ist Hebammen-geleitete Abteilung, auf Englisch. Jetzt habe ich es auch.
Also die sind in Großbritannien beispielsweise schon viel länger in das Gesundheitssystem mit integriert. Und dort ist es auch wirklich so, dass das ganz andere Abteilungen innerhalb einer Klinik sind, wo man dann wirklich auch physisch in einen anderen Bereich verlegt, wobei das ja beim HKS wirklich jetzt so ist, dass es in den gleichen Räumlichkeiten stattfindet, ohne dass man da jetzt einen physischen Wechsel hat in eine andere Abteilung. Ja, das möchte auch keiner mit Press wehen. Jetzt schnell nochmal den Raum wechseln, das wäre ja nicht schön. Das stimmt. Also man kann natürlich Systeme nicht eins zu eins übernehmen oder exakt vergleichen, aber der Blick in die anderen Länder lohnt sich auf jeden Fall, um da so ein bisschen zu schauen, an welcher Stelle die Hebammen dort als Primärversorgerinnen im Gesundheitssystem agieren. Das ist bei uns in Deutschland vor allem im Wochenbett schon der Fall. So lohnt sich für die auch ein Blick zu uns. Natürlich. Das ist dort zwar ähnlich, aber so ausgeprägt wie in Deutschland, den Umfang an Hebammenbegleitung, die möglich ist im Wochenbett, das gibt es meines Wissens in den anderen Ländern in diesem Umfang nicht.
Wir als Hebammen ja wirklich für diesen ganzen Betreuungsbogen, also wirklich von Beginn der Schwangerschaft über die Geburt bis zum Ende des Wochenbett und auch darüber noch hinaus eigentlich für die Stillzeit ausgebildet werden. Dann gibt es noch nicht so viele etablierte Strukturen, wo Hebammen außer eben in der freiberuflichen Begleitung in diesen Bereichen agieren. Und ich glaube, da lohnt sich wirklich der Blick zu schauen, wie sich da was entwickeln kann. Und ich glaube, dass das auch durch die Akademisierung am Ende kommen wird.
Weil wir einfach jetzt sehr wissenschaftlich ausgebildete Hebammen haben, die mit ihrem Hebammenexamen direkt auch einen Bachelorabschluss haben. Und in den anderen Ländern gibt es jetzt natürlich schon viel mehr Hebammen, die beispielsweise auch einen Masterabschluss haben. Und dadurch haben sich wirklich auch so Konzepte beispielsweise ergeben, dass es dann ganz spezialisierte Hebammen gibt, die beispielsweise sich auch auf die Begleitung von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes spezialisiert haben. Natürlich im interdisziplinären Team dann mit Ärztinnen und Ärzten zusammen oder die dann Hebammen sind und gleichzeitig Trauerbegleiterinnen oder aber auch, dass die Struktur in so einem Hebammen-Team anders gestaltet wird, dass es wirklich feste Schichtleitungen gibt, die dann in diesem Dienst nicht unbedingt eine Geburt betreuen, sondern wirklich dafür zuständig sind, die Organisation, das Drumherum, das Bettenmanagement zu organisieren. Dass es da wirklich nochmal ganz eine Möglichkeit gibt, das insgesamt nochmal neu zu denken, neue Konzepte zu entwickeln, in denen Hebammen als Primärversorgerin auch unterwegs sind. Der Master, heißt der dann Master of Birth?
Nee, das heißt Master, also das ist ein Master of Science und der Studien, also in Deutsch heißt das dann meistens Hebammenwissenschaft und auf Englisch mit Referee. Also ehrlich, aber so kriegt man direkt Lust, das nochmal zu machen. Wann ist man zu alt, um nochmal umzulernen?
Man ist natürlich nie zu alt. Ich habe ja auch nochmal einen neuen Beruf erlernt. Aber man muss wirklich sagen, das ist nicht nur jetzt in der Akademisierung, sondern war auch vorher schon, dass wir immer einen relativ großen Anteil im Vergleich zu anderen Berufen haben von Menschen, die erst im Laufe ihres Lebens entscheiden, Hebamme zu werden. Vielleicht, weil sie auch eigene Kinder geboren haben und deswegen gibt es dort immer so Ältere wie mich, wollen Sie sagen. Ja, so wollte ich es jetzt natürlich nicht sagen, dass das sozusagen ein bisschen heterogener ist als manch anderer Studiengang. Das ist da wirklich von den motiviert frischen Abiturienten bis hin eben zu Kolleginnen, die wirklich in ihren 40ern sind und eben dann wirklich nochmal sagen, jetzt werde ich Hebamme. Gut, es ist natürlich auch ein wahnsinnig schöner Beruf. Ich glaube, Sie erleben so Momente... Also ich freue mich, dass ich da jetzt partizipieren kann, dass ich jetzt das eben auch hören darf und das ist schön an meinem Beruf, aber es ist nicht das gleiche, wie Babys auf die Welt bringen. Naja, wir bringen die ja nicht auf die Welt. Nee, das macht die Nörte oder die Person. Das ist mir auch immer ganz wichtig. Ja, sagen Sie mal. Ist das so eine Floskel? Genau, also ich bringe keine Kinder auf die Welt, wenn mich jemand fragt, wie viele Kinder es schon auf die Welt gebracht, sage ich keins, weil ich kein eigenes Kind habe. Okay, dann sagen wir nicht auf die Welt bringen, sondern wie viele Kinder, also Kinder entbunden.
Ja, das sage ich auch nicht. Okay, jetzt wird es dir zu raten. Nein, letztendlich ist es ja so, dass die gebärende Person das Kind auf die Welt bringt und dass die Frau gebärt. Und ich begleite diesen Prozess. Also ich begleite Familien während der Geburt. Und manchmal kann ich auch sagen, ich fange ein Baby auf. Das ist ja auch Hebamme. Also ich halte es fest, damit es nicht hinfällt. Aber ja, letztendlich bin ich da nicht die Hauptperson. Natürlich mache ich eine ganz wichtige Arbeit als Hebamme, aber ich kriege nicht die Kinder. Ich begleite Familien in diesem besonderen Moment. Das ist ganz schön, habe ich so noch nie gehört. Aber ich bringe keine Kinder auf die Welt. Ja, in dem Fall ist es richtig. Die Frau gebärt und sie fangen auf.
Ist das so, dass Sie die Babys oft auffangen? Das ist ja der erste Außerbauchkontakt meistens. Ja, also das ist in der Betreuung wirklich häufig so, dass wir als Hebammen sozusagen den ersten direkten Kontakt zu dem neuen Menschen haben. Also beispielsweise bei einer Untersuchung, dass wir da das Köpfchen schon fühlen. Das ist aber auch ein ganz toller Moment, den wir gerne den Gebärenden die Möglichkeit geben, das auch mit zu übernehmen. Also wenn das Köpfchen schon so ein bisschen rausguckt, ist das wirklich was, was die Gebärende total motivieren kann. Wenn man sagt, willst du das Köpfchen mal anfassen, dass sie dann merken, oh mein Gott, es ist mein Baby, es kommt jetzt, dass das einem dann wirklich nochmal einen ganz großen Motivationsschub gibt. Also muss man auch nicht machen, gibt auch Personen, die das nicht wollen. Auch dieses Auffangen in Anführungsstrichen ist auch was, was nicht zwingend die Hebamme machen muss, sondern auch das unterstützen wir gerne, dass die Gebärende das Baby auch selber zu sich hochnimmt. Gibt es da eine Geburt oder ein Erlebnis während einer Geburt? Gibt es irgendwas, woran Sie sich besonders gerne ändern?
Ich habe ja schon erwähnt, dass ich wirklich schon viele Geburten begleitet habe und natürlich in all den Jahren entwickelt man eine gewisse Routine und es ist auch ein Stück weit Alltag, Geburten zu betreuen, aber es bleibt einfach immer was ganz Besonderes. Und natürlich kann man sich an manche Geburten ein bisschen mehr erinnern als an andere, aber es gibt wirklich so viele, dass ich da gar nicht sozusagen jetzt wirklich werten möchte, was war das Besonderste, sondern ja, ich glaube, es sind einfach immer diese Momente, die so besonders werden und die wirklich eben in diesem engen Kontakt auch entstehen, wenn man wirklich diese Beziehungsarbeit leisten kann. Und man in eine echte Beziehung zu der Familie tritt, die man betreut, dass einem das dann sehr auch im Kopf hängen bleibt oder auch im Herzen. Also irgendwie habe ich schon das Gefühl, dass man eben dadurch, dass man in diesem ganz intimen Moment dabei sein darf, dass man schon eben eine wirkliche Verbindung aufbaut.
Viel näher kann man sich fast nicht kommen. Das ist doch ein Moment, der so pur ist. Und kraftvoll und schmerzvoll ist. Da muss doch dann so eine Bindung sein. Wenn das nicht so ist, glaube ich auch, dass das eine Geburt verzögert. Also ich finde, das macht schon Sinn, was Sie sagen. Auf jeden Fall und also zumindest nicht näher in einem professionellen Kontext. Also natürlich muss man sagen, wir sind medizinische Fachpersonen als Hebammen. Wir begleiten ganz professionell die Geburten, aber diese Beziehungsarbeit ist eben genauso wichtig wie die medizinische Arbeit, die wir da leisten. Und die beiden Blickwinkel zu vereinen, wirklich das ganz ausschlaggebende in diesem Beruf ist. Und natürlich sind wir am Ende nicht Teil der Familie, aber man muss schon sagen, dass die Familien sich natürlich an uns nochmal ganz anders wiederum erinnern können als andersrum. Weil wie viele Kinder bekommt eine Familie heutzutage? Ein, zwei, also vielleicht auch mal fünf oder sechs. Aber eben an diese sechs Hebammen kann sich dann die Gebärende wahrscheinlich ganz anders erinnern als eben die Hebamme, die hunderte Geburten dann auch schon begleitet haben. Hat schon mal jemand das Kind noch ihm benannt?
Wer weiß, vielleicht kam da ja doch nochmal was. Naja, also man muss ja sagen, ich habe einen nicht sehr häufigen Namen und ich muss wirklich sagen, dass in meinem ganzen Leben alle anderen Clarissas, die ich kennengelernt habe, immer im Hebammenkontext waren. Wirklich? Also ich habe nie privat eine andere Clarissas getroffen. Und folgt seinem Namen. Und ich erinnere mich noch an eine Situation, wo ich mich einem Paar vorgestellt habe und die haben gesagt, hallo, ich bin Hebamme Clarissa, ich betreue euch hier heute. Und die mich dann so ganz erschrocken angeguckt haben. Und ich dachte so, was ist jetzt los? Und dann haben sie sich angeguckt und ein bisschen geflüstert, so wollen wir es ihr sagen? Ich dachte, Gott, Gott, was kommt jetzt? Ich habe schon Gänsehaut. Was kommt jetzt? Und dann haben sie eben gesagt, ja, das Baby soll Clarissa heißen und wir haben den Namen sonst noch nie gehört. Und ja, das war auf jeden Fall ein sehr mäßiger Moment dann. Aber es ist eben nicht nach mir benannt worden, sondern es war eben Zufall, dass der Name schon feststand. Aber wie schön. Dann haben Sie Ihrer Namensvetterin auf die Welt geholfen. Darf ich das? Darf man das? Auf jeden Fall. Auf das darf man doch sagen. Also dürfen darf man sowieso. Aber ich finde einfach so wichtig, dass dieser aktive Prozess, dass die gebärende Person ein Kind auf die Welt bringt. Dass man ihr das nicht abspricht. Genau. Ja, das finde ich gut. Die große Clarissa hat der kleinen Clarissa auf die Welt geholfen. Genau. Alleine sollen wir es ihr sagen? Man denkt schon das Allerschlimmste. Wenn Sie einer Schwangeren nur einen Tipp, nur einen, für die Geburt mitgeben könnten, welcher wäre das?
Hm, nur einer. Und nur einer heißt jetzt auch nicht, zehn Minuten am Stück ohne Punkt reden. Ich glaube, der Tipp wäre, hab Vertrauen in dich, in deinen Körper und such dir Menschen, die das auch tun. Was ist denn Ihr Ausgleich? Sie haben ja einen sehr intensiven Beruf. Ja, als Ausgleich mag ich zwei verschiedene Dinge. Das eine ist die Natur. Also ich bin gerne draußen, weil letztens Pilze sammeln. Und auf der anderen Seite liebe ich es total, kreativ zu sein. Also da kommt mein altes Leben wieder ein bisschen mit rein. Also ich mache gerne Handarbeit, nicht Stricke, so ein kleines bisschen hier.
Wann war denn Ihr letzter Gänsehaut-Moment bei der Arbeit? Also ich kann das, ich nehme das mal bei mir kurz vorweg, ich hatte während des Gesprächs mindestens zweimal Gänsehaut. Wann war es bei Ihnen das letzte Mal? Das eine ist ja, das zu haben, das andere ist sich zu erinnern Dann in so einer Situation jetzt hier. Ich würde sagen, der richtige Gänsehautmoment war vor einiger Zeit, als ich eine Zwillingsgeburt mit betreut habe mit einer anderen Hebammenkollegin zusammen, wo die Frau ganz kraftvoll im Stehen ihre beiden Kinder geboren hat. Dann ist es aber auch eins zu eins nicht auf die Mutter, sondern auf die Kinder. Jedes Kind hat eine eins zu eins Betreuung. Genau, bei den Zwillingsgeburten ist das so. Und da natürlich noch viel größer, weil bei Zwillingen ist das natürlich nicht im HKS, sondern in der Betreuung mit unseren ärztlichen KollegInnen zusammen. Und da sind auf jeden Fall auch noch zwei Ärzte oder Ärztinnen mit dabei. Wenn Sie an die Zukunft der Geburtshilfe denken, auch in Hamburg, was wünschen Sie sich für die nächsten fünf Jahre?
Ich wünsche mir, dass wir weiter solche tollen Konzepte ausbauen können. Also dass wir wirklich weiterhin oder noch mehr Wahlfreiheit für die Familien haben, damit sie wirklich nach ihren eigenen Wünschen ihre Kinder gebären können. Und ich glaube, dass das auch gesellschaftlich total wertvoll ist, den Blick dahin zu wenden. Es hängt natürlich ganz viel daran, Kinder zu gebären, aber wirklich an den Anfang auch zu gucken und zu schauen, wie können wir gute Strukturen schaffen, um Familien zu ermöglichen, Familien zu werden, dass es da wirklich eine gute Betreuung gibt. Dass es eigentlich am besten flächendeckende 1 zu 1 Betreuung während der Geburt gibt und andere spannende Versorgungskonzepte in der Schwangerschaft während der Geburt und dann auch im Wochenbett. Ja, das würde ich mir wirklich für alle wünschen, dass sie sich gut aufgehoben fühlen und gerne Kinder bekommen in Hamburg. Frau Richter, das war mit Ihnen eine für mich sehr leichte Geburt hier mit Ihnen. Vielen Dank für dieses schöne Gespräch, das hat echt Spaß gemacht. Vielen Dank, dass ich hier sein durfte. Mir hat es auch wirklich sehr viel Spaß gemacht.
Auch Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, danke fürs Zuhören. Wenn Sie mehr über Clarissa Richter und ihre Arbeit im Albertinen Krankenhaus erfahren möchten, schauen Sie ins Hamburger Abendblatt, online oder in der Printausgabe oder auf Instagram unter albertinengeburtszentrum. Da kann man ganz viel gucken. In zwei Wochen gibt es die nächste Folge von Hamburger Klinikhelden, dem Podcast über Berufe mit Zen. Ich freue mich auf Sie.
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