Liebe Hörerinnen und Hörer, wir machen eine Sommerpause. Aber wichtige Themen bleiben aktuell und unsere Hamburger Klinik-Heldinnen und Helden bleiben das auch. Pause für uns könnte Action für Sie bedeuten. Sind Sie auch gern wandernd, laufend, kletternd unterwegs? In unseren Sommer-Highlights gibt es heute eine Folge, die perfekt zur Jahreszeit passt. Dort wird verraten, wie Knochen und Muskeln stark bleiben, damit Sie den Sommer auch unfallfrei genießen können. Und es auch bleiben. Wir hören uns im September wieder, haben Sie einen schönen Sommer. Hamburger Klinik-Helden, der Podcast vom Hamburger Abendblatt und dem Verband freigemeinnütziger Krankenhäuser in Hamburg. Die Freien. Wer ins Krankenhaus muss, während draußen das Leben einfach weitergeht, braucht Hilfe und Anteilnahme. Dafür, dass den Patienten geholfen wird, sorgen Ärzte und Pfleger. Aber es gibt noch viel mehr Klinik-Helden, die alles dafür tun, dass es den Menschen schnell wieder besser geht. Jule? Jule Bleier und Michaela Meng stellen Sie in diesem Podcast vor.

Hallo liebe Hörerinnen und Hörer, schön, dass Sie wieder zuhören bei unserem Hamburger Klinikhelden. Mein Name ist Jule Bleier und bei mir im Studio sitzt ein Chefarzt und zwar Dr. Daniel Seeger. Er arbeitet an der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Agaplesion Bethesda Krankenhaus in Bergedorf. Herzlich willkommen, Herr Dr. Seeger. Guten Morgen, vielen Dank für die Einladung. Als Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie vom Agraplesion Betestekann aus Bergedorf freue ich mich sehr über die Einladung hier zu diesem spannenden Podcast und über die Gelegenheit über unsere Klinik zu berichten. Das ist ja schön, dass Sie sich gleich nochmal vorgestellt haben, Herr Dr. Seeger. Dann wissen unsere Hörer auf jeden Fall Bescheid.

Und wir werden sprechen, damit Sie das auch wissen, was Sie hier erwartet heute. Wir sprechen heute natürlich über alle möglichen Brüche, die man sich zuziehen kann und wie diese behandelt werden. Wir sprechen auch über Arbeits- und Wegeunfälle. Also wenn man auf dem Weg zur Arbeit ist und vielleicht stürzt und sich da etwas tut, was man da macht. Wir sprechen aber auch über Brüche im Alter, also warum gerade ältere Menschen eine ganz besondere Behandlung brauchen und Herr Dr. Seger hat auch ein paar Tipps, wie man sich vor Unfällen so im Alltag ein bisschen schützen kann. Jetzt fangen wir aber erstmal an, Herr Dr. Seger, wie ist es denn an Ihrer Klinik? Wer sind Ihre Patienten? Mit was für Unfällen oder mit was für Brüchen, mit was für Beschwerden kommen die zu Ihnen? Also an unserer Klinik werden gesamte Verletzungen des Bewegungsapparates behandelt. Es kommen also Patienten zu uns in einem höheren Alter, es kommen junge Patienten, es kommen Patienten, die gestürzt sind mit Brüchen im Bereich der Handgelenke, im Bereich der Schultern, aber auch mit normalen Prellungen, Verstauchungen, Zerrungen. Das Bild ist hierbei ganz breit.

Und kommen auch Menschen, die jetzt nicht akut was haben, sondern schon länger irgendwie Beschwerden haben? Oder sind es bei Ihnen wirklich immer die ganz akuten Fälle? Also kommen die alle über die Notaufnahme zu Ihnen? Also die Patienten kommen meistens bei uns über die Notaufnahme, wobei es natürlich so ist, heutzutage bei uns wie auch bestimmt in verschiedenen anderen oder in vielen, wahrscheinlich allen anderen Kliniken und Notaufnahmen, dass auch Patienten kommen, die schon seit längerer Zeit Beschwerden haben. Das liegt in der Natur der Sache. Manchmal auch vielleicht an Wartezeiten von den niedergelassenen Ärzten, dass Patienten kommen, die dann irgendwann auch tatsächlich mürbel sind und seit Wochen und Monaten Rückenschmerzen haben, aber dann irgendwann aus irgendeinem Grund nicht mehr können und dann doch zu uns in die Gutaufnahme kommen. Was ja eigentlich nicht der Fall sein sollte, möglichst, oder? Das sollte nicht der Fall sein, aber man muss trotzdem jeden Patienten, der kommt, immer ernst nehmen und immer als Individuum betrachten, weil auch hinter den seit längerer Zeit bestehenden Beschwerden kann natürlich im Sonderfall auch irgendeine schwere Erkrankung stecken. Wie sieht denn Ihr Tag aus? Jeder Tag ist anders, selbstverständlich, aber wann fangen Sie an? Wie sieht es dann aus?

Wie oft stehen Sie im OP? Jeden Tag wahrscheinlich, könnte ich mir vorstellen. Erzählen Sie mal. Mein Tag fängt insgesamt um sieben Uhr morgens in der Klinik an mit einer Frühbesprechung, bei der die Patienten besprochen werden, die in der Nacht neu über die Notaufnahme aufgenommen worden sind. Und dann weitern die Patienten, die auf Stationen schon sind und eventuell besondere Probleme haben, um die man sich akut kümmern muss. Danach beginnen bei uns die Visiten auf den verschiedenen Stationen und danach treffen wir uns nochmal, um dann die akuten Situationen nach den, vollzogene Visiten zu besprechen, die Patienten hierüber zu besprechen. Danach geht es dann in den OP. Eigentlich jeden Tag. Eigentlich jeden Tag. Wie viele OP sind das so im Schnitt pro Tag?

Von zwei, drei bis fünf, sechs. Also gestern, als es glatt wurde, haben wir direkt nach dem Tag drei gebrochene Oberschenkel operieren müssen. Drei Patienten, die gebrochene Oberschenkel haben. Nicht einer mit rein, aber das können wir uns, glaube ich, vorstellen. Das ist Wahnsinn. Das ist natürlich ein ganz schönes Pensum an so einem Tag. Wie lange ist so eine Oberschenkel-OP dann nach so einem Bruch? Das hängt davon ab, die ganz einfachen gebrochenen Oberschenkel, die im Hüftbereich sind, die kann man meistens sehr einfach mit einem sogenannten Markennagel versorgen. Der andere Patient, der gestern zu uns kam, der hat allerdings einen zertrümmerten Oberschenkelschaft gehabt, der eine sehr komplexe OP bedurfte und die hat dann über vier Stunden gedauert gestern.

Die haben gesagt, es wurde glatt und dann haben sie natürlich die ersten Stürze, da geht es dann natürlich los. Was sind so sonst die häufigsten Brüche, die bei Ihnen auftauchen? Sie hatten es vorhin schon mal gesagt, Handgelenke, Schulter, ist das so das häufigste? Da gibt es in der Literatur viel Untersuchung zu und insgesamt ist es so, dass die häufigste von allen Frakturen, also der häufigste von allen Brüchen ist mit Abstand das gebrochene Handgelenk. Danach kommt dann die gebrochene Hüfte, was so in der Bevölkerung unter der sogenannten Oberschenkelhalsfraktur bekannt ist, aber auch natürlich die umgebenden Anteile des Oberschenkels können dazugebrochen sein. Das sind die zweithäufigsten und die dritthäufigsten Brüche sind die gebrochenen Oberarme. Das ist dann natürlich so etwas, wenn man fällt und sich abstützt, die Handgelenke, das ist dann irgendwie so das Erste, was dann kaputt geht.

Sie behandeln ja auch Menschen, die Arbeits- und Wegeunfälle hatten. Also das heißt alles, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit eben jetzt stürzen würde und mir da etwas tue oder wenn ich bei der Arbeit irgendwie etwas habe. Wie muss man da vorgehen? Also da muss ich ja Sachen beachten, damit auch die ganzen Versicherungen greifen. Wie läuft das ab?

Das hängt insgesamt ein bisschen ab von der Art der Verletzung. Also bei vielen Unfallverletzten, wie diese in Anführungszeichen Patienten heißen, weil die heißen in dem Wording der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung, die die Behandlung von Arbeitsunfällen regelt, Unfallverletzte oder Versicherte. Und bei einfachen Bagatelltraumen, zum Beispiel bei Verstauchen von einem Finger, bei einer kleinen Schnittverletzung am Finger, ist natürlich möglich, direkt selber danach den sogenannten D-Arzt, also sozusagen mich oder unsere Klinik, die zentrale Notaufnahme aufzusuchen, damit hier die Behandlung erfolgt. Sollte es aber eine schwere Verletzung sein, Verkehrsunfallen, Wegeunfall oder eine schwere Verletzung bei der Arbeit, dann besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass die Patienten mit dem Rettungswagen zum Siegklinik kommen, um den Weg zu gewährleisten. Und eine Aufgabe, die Patienten oder vielmehr die Unfallverletzten dann noch haben, ist, dass sie zu jedem Unfall eine sogenannte Unfallanzeige aufgeben müssen, die sie auch unterschreiben müssen.

Weil es dabei darum geht, sicherzustellen, dass es sich auch wirklich um einen zum Beispiel Wegeunfall handelt. Denn es ist so, dass wenn ich mich auf den Weg zur Arbeit mache, morgens und von mir zu Hause zur Arbeit fahre und direkt fahre und es passiert etwas, dann ist das in dem Fall ein Wegeunfall. Wenn ich aber zum Beispiel auf dem Weg nach Hause, nach der Arbeit abbiege von meinem direkten Weg nach Hause und dann zum Beispiel einkaufen gehe und mir im Einkauf was passiert, dann zählt das nach den Regeln und Gesetzen eigentlich nicht mehr als Wegeunfall. Das macht ja auch Sinn, genau. Wenn ich privat nochmal schnell unterwegs bin, zum Supermarkt muss ich ja auf meinem Arbeitsweg eigentlich nicht. Also das heißt, ich komme entweder, wenn es noch geht, selber bei Ihnen in die Notaufnahme oder ich wäre im schlimmeren Fall, wäre ich mit einem Krankenwagen eingeliefert. Auf jeden Fall muss ich dann an irgendeinem Punkt kommuniziert werden, dass es sich um einen Arbeits- oder Wegeunfall handelt, sodass das entsprechend aufgenommen werden und an die Versicherung weitergegeben werden kann.

Könnte ich mich an jedes Krankenhaus in so einem Fall wenden oder muss man schon wissen, welche Krankenhäuser speziell auch Arbeits- und Wegeunfälle aufnehmen dürfen? Also insgesamt, Sie können natürlich immer zu mir kommen und bei uns sich behandeln lassen. Es sind in Hamburg einige Kliniken, die natürlich auch Arbeitsunfälle behandeln dürfen. Wobei es aber so geregelt ist, wenn es zu speziellen, schweren oder komplexen Verletzungen kommt, da gibt es einige Kliniken, die diese speziellen Arbeitsunfälle behandeln müssen. Wie zum Beispiel bei uns in der Nähe in Bergdorf, das Unfallkrankenhaus Boberg. Die sind dafür dann ausgewählt worden. Genau, da kommen dann wirklich die ganz, ganz, ganz harten Arbeitsunfälle hin.

Welche ungewöhnlichen Verletzungen haben Sie denn schon behandelt? Also wir haben jetzt von den Standardsachen haben wir schon so ein bisschen gesprochen. Aber gibt es irgendwie so ganz ungewöhnliche Sachen, vielleicht auch durch ungewöhnliche Erlebnisse hervorgerufen, die Ihnen noch so in Erinnerung sind? In meiner Karriere als Unfallchirurg habe ich schon viele ungewöhnliche Verletzungen behandelt. Die rührten meistens her von entweder ungewöhnlichen und exotischen Sportarten oder aber auch speziellen Unfallmechanismen. Zum Beispiel zu nennen wäre da einer meiner besondersten Fälle sicherlich der überlebende, schwerverletzte Pilot, der mit einer Cessna abgestürzt ist und den ich dann operieren durfte. Ist das ein Fall, den man jetzt so kennt? Das passiert jetzt wahrscheinlich nicht alle Tage.

Insgesamt gibt es bestimmt einige, vor allem auch von meinen Kollegen, die sich an diesen Fall erinnern. Es ist ein paar Jahre her und es war ein Flugzeugabsturz hier in Nordland. Ich weiß aber nicht, wie weit ich genau darauf eingehen kann, weil es ja auch nachher… Sie müssen auch natürlich die Daten schützen, genau. Okay, also das ist ein Flugzeugabsturz, das ist natürlich… Und was hatte der, was war bei dem Pilot alles zu tun? Also abgesehen von dem, also ich schicke mir voraus, dass zum Glück der Patient überlebt hat und auch dann nachher gut und stabil weiter behandelt worden ist. Das vorweg, das einzige Organ, weitestgehend, was zum Glück nicht verletzt war, war der Kopf, der war komplett heil. Ansonsten hat er eine gebrochene Wirbelsäule gehabt und ein gebrochenes Becken und komplexe Verletzungen auch an mehreren Gelenken und Körperteilen aller vier Extremitäten. Oh mein Gott.

Das ist wirklich, das klingt schrecklich. Das klingt schrecklich. Bei der Gelegenheit habe ich auch kennengelernt, eine Verletzungsart, die man eigentlich in der heutigen Zeit nicht mehr kannte, sondern die Veröffentlichung, die war viele, viele Jahre alt. Aus Zeiten, wo es vor allen Dingen noch Kleinflugzeuge mit Propeller gab und noch mehr Leute solche Verletzungsmechanismen überlebt haben. Da gibt es den sogenannten Aviators Feed, eine spezielle komplexe Verletzung der Fußwurzel. Weil das ganz speziell eingequetscht wird in so einem Flugzeug oder warum? Genau, weil man in einem Flugzeug sitzt und natürlich mit sehr viel Schwung dann irgendwo Not landet und dann Sachen passieren, die Patienten überleben zum Glück, aber sind dann eben schwer verletzt im Bereich zum Beispiel oder auch der Ex-Methen. Da weiß man ja wahrscheinlich gar nicht, wo man anfangen soll, weil das muss man ja auch erstmal alles sehen, was alles verletzt ist.

Das klingt nach einem wirklich sehr, sehr schlimmen Fall, den Sie da behandelt haben. Was sind das noch für ungewöhnliche Fälle? Sie sprachen noch von ungewöhnlichen Sportarten, die Ihnen auch untergekommen sind. Was kann da passieren? Welche Sportarten sind das zum Beispiel gewesen? Sportarten, die sind auch, ich glaube, das kommt einem auch damit im gesunden Menschenverstand. Also es sind natürlich oft die Reitunfälle. Und ein anderer Fall, den ich behandelt habe, war ein Kitesurfer, der beim Kitesurfen in eine Böe gekommen ist und dann von dem Strand abgehoben wurde und gegen.

Ein großes, daneben im Strand stehendes Haus geprallt ist mit einem Stock. Das sind natürlich sehr reißerische Geschichten, aber sie haben ja gefragt.

Das gehört schon dazu. Auch dieser Patient hat zum Glück überlebt, aber es war schon sehr aufsehenerregend. Ja, das ist, manche Sportarten bergen so ein Risiko. Man kann sich eben nicht, man kann sich nicht vor allem schützen, aber ich hatte es ja vorhin auch schon angedeutet, was kann man sich denn im Alltag tun, um mich zu schützen, damit ich mir nicht permanent irgendwie was breche. Vielleicht kann ich auf irgendwas achten. Was sollte ich vermeiden? Also die normalen Alltagstipps, die ich zunächst dafür sagen würde, für alle Menschen, sowohl die Alten wie auch die Jungen, ist eigentlich die Empfehlung, dass die regelmäßige körperliche Aktivität, zur Training der Muskulatur und zur Training des Leichtgewichts sind, eine große Hilfe sind, auch im Alter nachher. Stürze zu verhindern und wenn es mal zu Stürzen kommen sollte, dann auch diese vielleicht abzuschwächen. Dabei mag auch genannt sein, dass natürlich nicht nur das reine Ausdauertraining wie Joggen, Laufen, also eine gleichförmige Bewegung gut ist, sondern dass auch vielleicht regelmäßige Start- und Stoppsportarten wie zum Beispiel Tennis einen unheimlich großen Nutzen haben, um die Beweglichkeit hochzuhalten und auch im Alter beweglich zu bleiben, um Stürz zu verhindern.

Weil man sich dann schneller, wenn man jetzt droht zu fallen, sich gut abfangen kann, schnell reagieren kann? Auf jeden Fall. Und weil Sportarten dieser Art natürlich auch die Knochenqualität verbessern Und die Knochen dann eher elastischer sind und eine Osteoporose vorbeugen, wie natürlich auch die Osteoporosetherapie, gerade hier in unserer Stadt, wo wir im Winter zu wenig Sonne bekommen, sodass der Vitamin-D-Spiegel bestimmt nicht gut ist. Und wir ja bei vielen Menschen, die sich hier in Hamburg finden, einen Vitamin-D-Mangel haben. Ist das auch noch gleich ein kleiner Einschub, dass man da auch drauf achten sollte? Auf jeden Fall. Also beim Hausarzt mal vorstellig werden und mal gucken, was der Vitamin-D-Spiegel so sagt. Auf jeden Fall. Okay, also auch das vom Unfallchirurgen zum Vitamin-D, die Kurve muss man erstmal kriegen. Aber es ist ja nachvollziehbar und ein sehr guter Hinweis. Ich wollte ganz kurz, Sie haben gesagt, Tennis ist ein guter Sport. Welche, gibt es da vielleicht noch ein, zwei andere Sportarten, wer jetzt vielleicht mit Tennis irgendwie nichts anfangen kann? Die aber auch, bei denen man sagt, die sind auch jetzt wirklich sehr, sehr empfehlenswert in dieser Richtung.

Da ist, glaube ich, der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Da kann Tennis spielen, Squash spielen, aber auch schon das Golfen ist natürlich eine Sache, die durch regelmäßige Aktivität, glaube ich, bei Leuten, die vielleicht stattdessen eher nichts tun, dann bestimmt schon einen Vorteil hat. Und ansonsten, wo Sie vorhin noch fragen nach Sportarten, die vielleicht zu vermeiden seien, oder nach Prophylaxe für Verletzungen. Ich persönlich achte darauf, dass meine Kinder zum Beispiel beim Fahrradfahren immer einen Helm tragen. Ich selber habe jetzt auch einen Helm gekauft und setze ihn mal auf, wenn ich zur Arbeit fahre.

Ganz wichtig. Das ist extrem wichtig. Ich muss auch bei meinen Kindern immer kämpfen, aber ich beharte darauf und ich werde auch nicht davon abweichen. Und ansonsten ich muss leider sagen, dass ich meinen Kindern gesagt habe, dass ich zum Beispiel mit zwei Mädchen das Reiten ist bei uns nicht erlaubt. Weil es zu gefährlich, weil es so viele Gefahren wird? Weil es mir zu gefährlich ist. Wir waren neulich mal bei so einem kleinen Reiterhof und haben den Kindern eine Stunde dann geschenkt und prompt ist passiert, dass ein Pferd da ausgeschlagen ist und meine Tochter im Matsch lag und Und da haben wir uns alle ein bisschen erschreckt. Zum Glück nichts passiert, aber es war ein bisschen Wasser auf die Mühlen. Da wussten Sie wieder genau, warum Reiten nicht in Frage kommt.

Sonst noch etwas, was Sie noch sagen können, was Sie im Alltag vielleicht noch beachten können, wo ich mich fernhalte oder wo ich mich festhalte? Es ist zum Glück meistens der gesunde Menschenverstand, also die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr, um nicht abgelenkt zu sein. Die Einhaltung von gewissen Sicherheitsstandards natürlich bei der Arbeit, wenn man eine Arbeit hat, die dann mal... Auch verletzungstätig sein kann. Das sind eigentlich meine Haupttipps dabei. Also nicht mit Kopfhörern durch den Straßenverkehr oder aufs Handy gucken und immer konzentriert sein. Nicht mal sagen, jetzt ziehe ich mal kurz die Schutzkleidung nicht an, sondern da immer schön drauf achten. Es gibt ja bei Ihnen am Hause mittlerweile auch ein alterstraumatologisches Zentrum. Das wurde gerade zertifiziert, dass dort werden ganz speziell ältere Menschen behandelt, oft nach Stürzen.

Erzählen Sie mal ganz kurz, wie ist dieses Zentrum aufgebaut, was steckt dahinter und warum ist das so wichtig, dass gerade ältere Menschen da speziell behandelt werden? Die älteren Menschen, die bei uns behandelt werden, haben Stürze oder Unfälle erlitten und sich dabei etwas gebrochen, aber eventuell auch nur geprellt und haben Sehnenverletzungen erlitten. Das Problem ist, dass ältere Menschen eine erhöhte Verletzungsanfälligkeit haben und das einfache, mutmaßlich einfache Verletzungen wie ein gebrochenes Handgelenk bei den älteren Menschen, die vielleicht schon gewisse Vorerkrankungen haben, zum Beispiel neurologische Erkrankungen, die Mobilität vielleicht schon etwas reduziert ist, Herzerkrankungen haben, Lungenerkrankungen, eventuell für schlechtere Wundheilung als junge Patienten durch schlechte Durchblutung. Zuckerkrankheit, da ist viel zu nennen, dass diese Patienten durchaus doll gefährdet sind.

Nicht wieder die vorherige Automieunabhängigkeit und die Möglichkeit zur Selbstversorgung und die Mobilität zu erreichen.

Wie es denn bei uns so bei jungen Leuten ist? Auch ein bisschen aus Angst dann auch so ein bisschen, dass man sagt, ich habe mich jetzt verletzt, ich mag mich auch gar nicht mehr jetzt irgendwie weiter viel bewegen oder ich schränke mich irgendwie selber ein aus Angst vor dem nächsten Sturz. Das ist schön, dass Sie es fragen, weil es gibt tatsächlich genau hierfür einen festen Satz der Begründung. Heißt auf Englisch Fear of Falling, also die Angst davor, erneu zu stürzen. Die kann bei Patienten, die auch mit zum Beispiel 80 Jahren in Anführungszeichen nur ein gebrochenes Handgelenk haben, danach dann große Auswirkungen haben. Die bewegen sich reduziert, sicher haben Angst, erneu zu stürzen. Das kann ein großes Problem für die Patienten sein. Und daher haben wir unser Alters-Traumatologisches Zentrum dort gegründet, wo wir in einem großen Team für diese älteren Patienten da sind, um die wieder perfekt zu mobilisieren, um ihnen die Angst zu nehmen, damit sie auf jeden Fall wieder ihre vorherige Mobilität und ihre Selbstversorgung erreichen können und natürlich bestenfalls dann wieder in ihr Zuhause zu kehren und sich selber versorgen. Das heißt, wer ist dann mit da noch in Ihrem Team? Was sind das noch für Fachkräfte, die man sonst jetzt auf so einer normalen chirurgischen Station jetzt nicht hätte?

Tatsächlich ist es so, dass wir in einem großen Team zusammen mit den Geriatern, das ist der Fachausdruck für die Altersmediziner.

Dreimal in der Woche am Montag, Mittwoch und Freitag große gemeinsame Visiten machen und dort alle Patienten extra nach der normalen morgendlichen Visite nochmal durchsprechen. Dort sind dann die Schwestern dabei, die Schwestern, die auch speziell für die Geriatrische oder für die Gerontoanästhesie zuständig sind. Weiterhin die Logopäden und auch die Pflegekräfte natürlich und die Physiotherapeuten. Also da geht dann alles so Hand in Hand und dann bekommen eben auch gerade ältere Patienten genau die Nachsorge, die sie eben brauchen, um sich wieder zu mobilisieren. Dort geht alles Hand in Hand und wir wollen ja, unsere Hauptpersonen sind immer unsere Patienten und dafür arbeiten wir im großen Team zusammen, um das bestmögliche Ergebnis für unsere Patienten zu erzielen. Wie sind Sie denn überhaupt ans Agaplesium Bethesda Krankenhaus in Bergedorf gekommen, Herr Dr. Seeger?

Chirurgie ist ja auch so ein ganz spezielles Fach, da muss man ja auch, ja muss man ja wahrscheinlich auch eine Leidenschaft für haben, einen Knochenbruch nach dem nächsten wieder zusammen zu flicken. Dazu muss ich etwas ausholen. Nach meinem Abitur habe ich zunächst Zivildienst gemacht und dann eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Das ist natürlich eine kleine Extrarunde, aber dadurch habe ich den Beruf eigentlich von allen Seiten kennengelernt, sozusagen von der Pike auf gelernt und konnte auch während des Studiums mein Studium zum großen Teil selber finanzieren, da ich am Wochenende, alle zwei Wochen, alle drei Nächte Nachtdienste auf einer Intensivstation gemacht habe, um mir Geld zu verdienen. Das war natürlich manchmal etwas mühsam, vor allen Dingen, wenn die Kommilitonen am Freitag nachmittag fragen, ob man denn auch zu einer Studentenparty kommen würde und ich dann leider absagen musste. Aber auf der anderen Seite hat mir das viel beruflich an Erfahrung gebracht, dass ich schon in jüngerem Alter viele schwerkranke Patienten mitbehandeln durfte, um so Erfahrungen auch in diesem Bereich zu sammeln.

Als ich dann während meiner Facharztausbildung Notarzt gefahren bin, dazu was zu dem Job und in der Klinik damals dazugehörte, habe ich ein Erlebnis gehabt, als ich einen schwer verletzten Patienten als Notarzt in ein Hamburger Krankenhaus brachte, damals das Asclepius Klinik St. Georg, war das dort so eine tolle Versorgung, dass ich mir danach gesagt habe, okay, am liebsten würde ich in dieser Klinik später die Unfallchirurgie dann weiter bei mir für mich vervollständigen. Das hat auch glücklicherweise geklappt. Ich war da auf einen Tag genau neun Jahre und siebeneinhalb Jahre als Oberarzt tätig. Und wie ist dann von dort der Weg nach Bergedorf gewesen? Ich bin schon gegen Ende der Zeit mehrmals aus verschiedenen Richtungen gefragt worden, ob ich nicht im Bethesda Krankenhaus Bergedorf die Unfallstudie ausbauen möchte. Und da ich aus der Region komme und weiß, dass die Klinik bekannt ist für seine Werte wie Ganzheitlichkeit, Empathie, Menschlichkeit, war es für mich dann nachher nur eigentlich logisch, dass ich meine Expertise erinnere. In dieses Krankenhaus einbringe, um die Klinik und die Region diesbezüglich zu stärken.

Herr Dr. Seeger, ganz herzlichen Dank, dass Sie hier gewesen sind, dass Sie uns diese Einblicke gegeben haben, dass Sie auch uns vielleicht ein paar Tipps mit auf den Weg gegeben haben, wie wir uns selber ein bisschen schützen können, aufmerksam sein können. Und ja, hoffen wir, dass wir alle ohne Brüche und Stürze durch die Zeit kommen. Schön, dass Sie hier gewesen sind. Vielen Dank. Das habe ich auch. Vielen Dank.

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