Liebe Hörerinnen und Hörer, wir machen eine Sommerpause. Aber wichtige Themen bleiben aktuell und unsere Hamburger Klinik-Heldinnen und Helden natürlich auch. Im besten Falle haben Sie jetzt Urlaub oder Ferien, die Sonne scheint und es lockt uns alle nach draußen. Und ja, ich weiß, ein Creme nervt, aber es hilft. Es beugt nicht nur Hautkrebs vor, es ist auch ein guter Moment, sich selbst die Brust abzutasten. Da könnte man jetzt sagen, also Brust raus und Hand drauf. machen Sie den kurzen, aber ebenso wichtigen Gesundheitscheck zu einem Ritual wie das Eincremen vorm Sonnen. Denn laut Deutscher Krebsgesellschaft werden viele Fälle von Brustkrebs von den Frauen eben selbst entdeckt. Mehr zum Thema gibt es in dieser Highlight-Folge. Wir hören uns im September wieder, haben Sie einen schönen Sommer.
Music.
Hamburger Klinikhelden, der Podcast vom Hamburger Abendblatt und dem Verband der freigemeinnützigen Krankenhäuser in Hamburg, die Freien. Wer ins Krankenhaus muss, während draußen das Leben einfach weitergeht, braucht Hilfe und Anteilnahme. Dafür, dass dem Patienten geholfen wird, sorgen Ärzte und Pfleger. Aber es gibt noch viel mehr Klinikhelden, die alles dafür tun, dass es den Menschen schnell wieder besser geht. Jule Bleier und Elisabeth Jessen stellen Sie in diesem Podcast vor.
Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer. Schön, dass Sie uns wieder zuhören. Mein Name ist Jule Bleier und ich sitze hier im Studio mit unserem heutigen Klinikhelden. Das ist Prof. Dr. Christian Schemm vom Mama-Zentrum Hamburg im Krankenhaus Jerusalem in Eimsbüttel. Er ist dort einer der Gesellschafter und geschäftsführender Arzt, also auch jeden Tag in der Praxis unterwegs und am Patienten. Schön, dass Sie hier sind, Herr Professor Schem. Ja, vielen Dank. Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich. Wir wollen heute sprechen über das Thema Brustkrebs. Denn das ist das, was im Mama-Zentrum eben behandelt wird. Das ist der Krebs, der Frauen am häufigsten trifft. So wie bei Männern der Prostatakrebs ist es für Frauen der Brustkrebs. Und dazu gibt es natürlich sehr viele Fragen. Wir werden darüber sprechen, was man vorab tun muss. Also wie es mit der Vorsorge aussieht, ab wann man vorsorgen muss und wie. Dann natürlich, wie Brustkrebs behandelt werden kann und auch, wie es ist, wenn man vielleicht genetisch vorbelastet ist und eventuell prophylaktisch etwas tun muss.
Herr Professor Schemp, wir wollen aber erstmal kurz von Ihnen hören, oder auch lang, was es mit dem Mama-Zentrum auf sich hat. Das ist ja eine Einrichtung, die es schon seit vielen Jahren gibt, seit 1996 und die mittlerweile eine der größten in Europa ist für Behandlung von Brustkrebs. Erzählen Sie doch mal. Ja, das stimmt. Allerdings habe ich mit der Gründung selber nichts zu tun, sondern das sind unsere Behandlungen. Älteren Partner bzw. Vorgänger gewesen, die das 1996 aus der Taufe gehoben haben. Einer der Partner ist sogar selber im Jerusalem Krankenhaus geboren, hatte also immer eine enge Beziehung zu diesem Krankenhaus.
Und aufgrund des Schwerpunktes klinisch damals dieser beiden Gründer, Herr Professor Göbel und Dr. Schlotfeld, hat sich dieser Fokus auf das Mammakarzinom entwickelt. Und der Zuspruch der Patienten war von Anfang an sehr gut und das hat sich über die Jahre entwickelt. Mittlerweile sind wir jetzt die neue Generation am Ruder in Zusammenarbeit mit unseren Kollegen von damals, führen die Tradition fort und behandeln viele, viele Patienten, die ihr Vertrauen uns schenken, damit wir auf dem Weg der Besserung behilflich sein können. Also Mama-Karzinom, das ist der Brustkrebs, der Tumor und deswegen auch der Name Mama-Zentrum für alle Hörer, die sich damit noch nicht auseinandersetzen mussten. Wie ist denn Ihr Werdegang? Wie sind Sie denn hier nach Hamburg gekommen? Ja, ich bin ursprünglich Westfale, hab in Münster studiert und in Südafrika und England und bin dann aber für meine erste klinische Stelle gleich nach Kiel gegangen, weil eben auch dort ein onkologischer Schwerpunkt in der Gynäkologie damals an der Universitätsklinik war. Das hat mich von Anfang an irgendwie interessiert.
Der Schwerpunkt Mammakarzinom hat sich dann auch durch meine berufliche Ausbildung verfestigt. Ich habe wissenschaftliche Arbeiten gemacht im In- und Ausland. Wir haben viele klinische Studien gemacht. Das, was wir jetzt auch am Mammazentrum eben sehr erfolgreich weitermachen, neue Medikamente zu untersuchen und Patienten zu behandeln.
Und irgendwann war die Zeit in Kiel halt vorbei. Einfach weil man sagt, wie soll es weitergehen, welche Richtung schlägt man ein. Und so ein spezialisiertes Zentrum wie das Mama-Zentrum gibt es in Deutschland nicht nochmal. Und deswegen war es im Prinzip eine einmalige Gelegenheit, hier arbeiten zu dürfen. Ich freue mich eigentlich jeden Tag in die Klinik gehen zu dürfen und hier auch selber gestalten zu können. Und diese Freiheit hat eigentlich keiner meiner Kollegen, so wenn ich rumreise und mit alten Weggefährten spreche, die sagen immer, Mensch, das ist aber eine coole Einrichtung, in der ihr da arbeitet. Das hat alles seine Vor- und Nachteile. Nichtsdestotrotz ist das, ich glaube, für die Patienten unglaublich erfüllend, weil wir uns so auf dieses Thema konzentrieren. Wie viele Patienten können Sie behandeln? Gibt es da so eine Zahl, wie viele im Jahr bei Ihnen behandelt werden? Ja, wir behandeln ungefähr von Jahr zu Jahr verschieden zwischen 1300 und 1500 Mammakarzinom-Patienten. Damit gehören wir mit Abstand zu den größten Zentren in Deutschland sowieso, aber Europa auch. Das ist ungewöhnlich, weil die meisten...
Einrichtungen behandeln, so zwischen 200 und 500 Patienten etwa. Aber das ist glaube ich auch irgendwie der Spiegel der Art und Weise, wie bei uns behandelt wird, wie die Patienten sich aufgehoben fühlen und wie die Beratungen durchgeführt werden können. Aber das bedeutet natürlich auch täglichen Einsatz und unglaublich viel Logistik und Freude an der Arbeit. Wie groß ist denn Ihr Team? Wir sind 14 Ärzte, nicht alles Gynäkologen, sondern auch zum Beispiel plastische Chirurgen. Wir arbeiten sehr eng zusammen mit internistischen Onkologen von der Praxisklinik HOPA. Wir machen aber auch die Chemotherapien im Prinzip in Eigenregie, aber ich glaube das Geheimnis des Erfolges ist auch diese Interdisziplinarität mit vielen anderen privat organisierten Partnern, also Praxen, die es hier in Hamburg in exzellenter Qualität gibt.
Sei es von der Diagnostik, also die Bilddiagnostik über die Pathologie, auch die medikamentöse Therapie, die Medikamentenherstellung, die Nachsorge. Also da greifen wirklich viele Zahnräder ineinander und das lässt sich in so einer Metropole wie Hamburg echt wirklich sehr gut umsetzen. Das ist schön zu hören für alle Betroffenen. Da fangen wir jetzt mal ganz vorne an und zwar bei den Frauen, die einfach erstmal nur vorsorgen möchten. Und das passiert ja beim Frauenarzt in regelmäßigen Abständen. Wie ist es da? Ab wann muss ich darauf achten, dass das untersucht wird? Ab wann? Ja, mit was ist es abtasten? Ist es Ultraschall?
Erzähl mal, wie geht das? Vielleicht darf ich nur einen Satz vorher sagen, Frau Bleier. Ja, weil ich sitze hier natürlich nur stellvertretend, weil Sie sagten eben, wie groß ist unser Team. Deswegen habe ich nach Ihrem Team gefragt. Wie groß ist unser Team? Hinter jedem Klinikhelden steckt ein Team. Ich glaube, wir sind alles Helden auf Augenhöhe und das ist, glaube ich, auch wichtig, weil wir haben hier nicht diese klassische hierarchische Ordnung wie in einer Klinik, wo ein Ansager ist und dann viele Soldaten, die das ausführen müssen und jeder versteckt sich dann hinter der Verantwortung. Also das ist mir, glaube ich, nochmal ganz wichtig zu sagen. Ich sitze hier stellvertretend für ein Team, sei es die Schwester, die MFA bis zum Arzt, der Gärtner, Hausmeister, alle die spielen eine extrem wichtige Rolle, damit das alles zusammenpasst. Aber nun zu Ihrer Frage.
Ja, wann soll man eigentlich Brustkrebsvorsorge betreiben? Es gibt natürlich Leitlinien von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe beispielsweise. Da sagt man, dass man im Prinzip ab einem Brustwachstum diese Brust auch ständig in Selbstkontrolle und Untersuchung halten soll. Wenn man dann seinen ersten Besuch beim Frauenarzt macht, gehört ja die körperliche Untersuchung beim Frauenarzt im Prinzip mit dazu, der auch eben die Brustdrüsen mit abtasten und untersuchen sollte. Und das zieht sich eigentlich erstmal so durch.
Der Vorschlag ist ja, dass man einmal pro Jahr zum Gynäkologen geht und dann diese Untersuchung durchführt. Wenn es jetzt um die Frage der apparativen Diagnostik geht, also Sono, also Ultraschalluntersuchung der Brust oder Mammografie, Ist das noch nicht sofort nötig, sondern man sagt so, ab dem 30., 35. Lebensjahr sollte man das zumindest von Gynäkologenseite mal anbieten, dass man mal eine Ultraschalluntersuchung macht oder immer dann, wenn die Patientin sagt, sie tastet da was, was sich eben vorher nicht tasten ließe und da gibt es dann eben auch den Punkt der Selbstuntersuchung, da kommen wir vielleicht gleich nochmal drauf, aber ja. Das wäre dann eine Ultraschalluntersuchung. Die Basismammographie, weil das ja, das hat was mit Strahlen zu tun, macht man so nach den Leitlinien der Fachgesellschaften so ab dem 40. Lebensjahr, dass man eine Basismammographie macht. Das kann aber sich durchaus unterscheiden, wenn man in einer Familie lebt, wo man vielleicht mehrere Mammakarzinom-Fälle in der Umgebung hat, also Mutter, Tanten.
Großeltern, wie auch immer. Dann sollte man das den Gynäkologen wissen lassen und der fängt dann vielleicht auch schon früher an, aberativ die Brust zu untersuchen. Wenn es jetzt so eine Vorbelastung noch nicht gibt, dann Mammografie eben ab dem 40. Jahr empfohlen und dann in welchen Abständen? Eigentlich zweijährlich, dass man alle zwei Jahre sowas macht. Das ist eigentlich der Rhythmus. Und irgendwann greift ja auch bei uns in Deutschland das Screening, dann spätestens ab dem 50. Lebensjahr, dass man dann eingeladen wird von den Krankenkassen zu der sogenannten Screening-Untersuchung. Wir diskutieren momentan, dass das Screening auch ausgeweitet wird auf die Patientengruppe bis runter, ab 45 sozusagen. Das läuft dann bis 70 und jetzt ganz neu auch bis 75. Das heißt also eine lange, lange Screeningperiode, wo man dann in regelmäßigen Abständen eingeladen wird und die Einladung sollte man annehmen.
Unbedingt. Abtasten, haben Sie eben schon gesagt. Das ist so etwas, was ja auch jeder zu Hause machen könnte und auch sollte. Aber ich glaube, das fällt vielen Frauen schwer oder die wissen nicht, wie mache ich das, was fühle ich denn da. Gibt es da auch jetzt so ganz trocken und theoretisch, ohne es zeigen zu können, Hinweise? Ja, ganz eindeutig. Also natürlich ist der Gynäkologe eigentlich der erste Ansprechpartner oder die Gynäkologin, die Technik im Prinzip zu beschreiben. Ich weiß aber auch, dass im Alltag einer Praxis manchmal wenig Zeit bleibt, das sozusagen zu demonstrieren. Es gibt aber sowohl von der Deutschen Krebsgesellschaft als auch von anderen gute Videos, die sehr gut im Internet verfügbar sind. Wir selber haben über die Stiftung Mama Zentrum ein Video zur Verfügung gestellt, also wenn man auf die Website geht von der Stiftung Mama Zentrum Hamburg, gibt es da auch ein sehr schönes Erklärvideo, wie man die Technik durchführt und man kann sich das in Ruhe angucken und dann erlernen, denke ich. Das ist ja heutzutage, glaube ich, eine super Sache, dass man diese Medien zur Verfügung hat und so eben auch wertvolles Wissen transportieren kann. Ja, sehr guter Hinweis. Wenn denn jetzt in dem schlimmeren Fall, im schlimmsten Fall man was findet?
Wird dann der Patient, der wird dann zu Ihnen überwiesen und wie geht es dann weiter? Ja genau, also die Patienten kommen entweder von sich aus, wenn sie irgendwo was getastet haben oder sie sind schon diagnostiziert, entweder im Screening oder beim niederglassenen Frauenarzt und kommen dann zu uns ins Mama-Zentrum.
Und der erste Blick bei mir, was die Unterlagen angeht, die die Patientin dann mitbringt, ist auf den pathologischen Befund. Und der Pathologe kann heutzutage sehr schön die Art und Weise oder den Tumortyp beschreiben, der sich gefunden hat in der Brust. Und natürlich die Bildgebung wird angeguckt. Das heißt also, wo liegt der Tumor, wie ausgedehnt ist das Ganze? Gibt es vielleicht noch weitere Hinweiszeichen für die Behandlung? Ich sage mal so Mikroverkalkung innerhalb der Brust etc., die für die Planung der Behandlung und der Operation dann nachher wichtig sind. Und dann wird für die Patientin im Prinzip ein Behandlungsplan gemacht in Abhängigkeit des Tumortyps. Der kann sowohl darin enden, dass man zuerst operiert und vielleicht dann medikamentös behandelt oder nur operiert oder vielleicht erst medikamentös behandelt und dann operiert. Und das ist eben heutzutage sehr volatil, weil es ändert sich viel. Wir kriegen neue Medikamente. Wir finden immer mehr raus über die Tumortypen. Deswegen ist es so wichtig, dass man individualisiert behandelt. Wie oft ist denn so etwas gutartig?
Sie meinen, wenn man etwas tastet und etwas findet und man vorher noch nicht weiß eben, was verbirgt sich dahinter, muss man ja nicht gleich das Schlimmste mit dem Schlimmsten rechnen. Absolut. Also der erste Schritt sollte immer eine histologische Sicherung sein, also eine sogenannte Stanzbiopsie, das wird unter lokaler Betäubung an der Brust gemacht, tut nicht weh, geht ganz schnell.
Wie häufig ist sowas gutartig? Ich denke mal, je jünger man ist, desto häufiger ist es gutartig. Das heißt aber nicht, dass man ganz sorglos sein kann, weil wir sehen leider eben auch viele jüngere Patienten eben auch weit vor dem Screeningalter, die an Brustkrebs erkranken können. Ist das auch mehr geworden, also dass man das beobachtet, dass es häufiger auch jüngere Frauen betrifft oder war das schon immer so? Ich glaube es gab immer jüngere Patientinnen auch, die erkrankt sind. Wir leben natürlich jetzt in so einer Zeit, wo sich Zentren bilden und deswegen sehen wir in unserem Zentrum natürlich auch einen großen Teil an jüngeren Patienten.
Es kann aber auch sein, und da gibt es Hinweise aus der Wissenschaft, dass unser westlicher Lebensstil eben auch dafür sorgt, dass Krebserkrankungen insgesamt ja ein bisschen mehr werden und sich auch im Altersgipfel ein wenig verlagern. Aber die allermeisten Patienten werden eben in der Postmenopause, also jenseits der 55-60 diagnostiziert. Also es ist keine typische Erkrankung für die junge Frau. Brustkrebs ist ja aber ein Krebs, was Sie jetzt eben auch die Lebensweise angesprochen haben. Kann ich den irgendwie durch meine Lebensweise beeinflussen? Also kann ich gesünder leben und damit eventuell Brustkrebs verhindern? Oder ist das bei Brustkrebs einfach, taucht einfach auf und man kann da gar nichts gegen machen? Entweder es trifft einen oder es trifft einen nicht. Ja, also das ist eine häufige Frage, die wir gestellt bekommen, auch wenn dann der Brustkrebs aufgetreten ist, was kann ich jetzt tun, was meinen Lifestyle angeht, um die Erkrankung günstig zu beeinflussen. Grundsätzlich muss man sagen, Krebs ist ein, wir sagen dazu, multifaktorielles Geschehen. Das heißt, es gibt nicht den einen Grund, warum Krebs entsteht, zumindest in den allermeisten Fällen.
Das heißt, da müssen viele Dinge passieren in so einer Zelle, dass aus einer normalen Brustzelle eine Krebszelle wird. Also Fehler passieren sozusagen. Und Krebs ist eigentlich immer ein Fehler, der bei der Zellteilung passiert. Und das ist ein hochkomplexer Prozess, der schon seit Jahren untersucht wird und wir haben immer neue Erkenntnisse zu diesen Zellteilungsprozessen, aber es sind auch tausende von Faktoren involviert, die einen Fehler machen können und wenn der Fehler durch den Körper nicht korrigiert wird oder nicht korrigiert werden kann, das wäre zum Beispiel der Teil der erblichen Brustkrebserkrankung, dann entsteht Krebs. Das heißt also im Umkehrschluss, sie können jetzt durch ihren eigenen Lifestyle eigentlich nicht verhindern, dass Krebs entsteht. Gesundes Leben ist sowieso gut, weil sie betreiben Vorsorge auch für andere Erkrankungen, ich sag mal Herz-Kreislauf-Erkrankungen und so weiter. Das ist sicherlich sowieso erstrebenswert. Auch einen gewissen Teil von Umwelteinflüssen kann eine Krebserkrankung beeinflussen oder dahingehend auslösen. Ich sage mal Toxine, Gifte und so weiter, die der Körper ja auch irgendwie entsorgen muss. Und wenn er das nicht schafft, entsteht halt eben dieser Fehler und Krebs kann entstehen. Aber es gibt kein Patentrezept zu sagen, du lebst jetzt so und Krebs wird dir niemals passieren.
Hilft Stillen gegen oder kann Stillen es günstig beeinflussen, dass man nicht an Krebs erkrankt? Es gibt so ein paar Risikofaktoren, klassische Risikofaktoren, dass man sagt zum Beispiel frühe erste Regelblutung, späte Menopause, also ein langer Einfluss der Hormone auf die Brustdrüse. Wir wissen ja, dass während des weiblichen Zyklus die Brustdrüse auch eine Veränderung durchmacht. Die Brustfestigkeit ändert sich. Das spielt übrigens auch für die Selbstuntersuchung und Selbstertastung eine Rolle. Man sollte das nicht in der Phase machen, wo die Brustdrüse besonders fest ist, sondern eher in der frühen Phase des Zyklus. Aber das nur so nebenbei.
Die Krebsentstehung als solches, Scheint hormonell mit beeinflusst zu sein. Das heißt also, wenn sie hormonelle Einflussfaktoren in irgendeiner Form ausschließen können, dann ist weniger Bewegung im Brustdrüsengewebe, weniger Fehler können entstehen, weniger Krebs kann entstehen. Und während der Stillphase ist es so, dass das Drüsengewebe ja quasi ist, man hat keinen Zyklus oder nur selten einen Zyklus oder der ist unregelmäßig. Und deswegen geht davon ein protektiver Effekt aus. Man hat das beobachtet in großen Kohortenstudien und deswegen empfiehlt man den Frauen auch zu stillen, weil das eben statistisch auch die Brustkrebshäufigkeit verringern kann. Und weil sie gerade hormonelle Veränderungen, die Antibabypille ist dann eher etwas, was in die andere Richtung zieht oder kann man das so nicht sagen? Das ist schwierig, weil da gibt es ja auch verschiedene Präparate. Man kann die Babypille als nur Gestagenpräparat nehmen und dann durchgehend nehmen, sodass man keinen Zyklus hat. Man kann aber auch die Babypille so nehmen, dass man einen Zyklus hat, ganz normal mit Blutung. Die Babypille ist auch die Antibabypille. Aber wir brauchen doch Babys.
Also als Gynäkologen muss ich immer sagen, wir brauchen Babys, das ist so. Wir freuen uns auch über jedes Kind, was bei uns, bei den Mitarbeiterinnen neu dazukommt. Wenn nicht wir, wer dann? Auf jeden Fall. Herr Professor Schemm, dann kommen wir jetzt nochmal zu den Krebsarten. Sie haben es ja vorhin schon kurz angesprochen, wie man dann behandelt. Das ist natürlich absolut individuell und da muss man sich jede Patientin und jeden Tumor eben vorher angucken. Wie viele verschiedene Brustkrebsarten gibt es denn? Also wir teilen eigentlich grob die Karzinome in vier Gruppen ein jetzt. Das sind erstens so hormonabhängig wachsende Tumore. Da gibt es eher aggressivere Formen und mildere Formen. Das wären die luminalen Tumore. Dann gibt es die sogenannten triple negative Mammakarzinome. Das sind die Karzinome, die irgendwie unabhängig von klassischen Prognoseparametern wachsen. Also hormonunabhängig und auch unabhängig von dem sogenannten HER2-Rezeptor. Das ist ein weiterer Rezeptor, der routinemäßig vom Pathologen gemessen wird auf der Oberfläche der Tumorzellen. Und früher war das ein sogenanntes schlechtes prognostisches Kriterium. Das heißt, wenn man den auf der Oberfläche des Tumors hatte.
Waren das besonders aggressiv wachsende Tumoren, die schnell metastasieren. Mittlerweile haben wir seit 20 Jahren Antikörper gegen diese Zelloberfläche. Sodass im Prinzip in den Überlebenskurven der Trend umgekehrt wurde. Wir haben mittlerweile so gute Behandlungsmöglichkeiten, dass das absolut kein schlechter prognostischer Faktor ist, sondern eher ein günstiger. Es ist dieser Wahnsinn, was sich da getan hat. Also das sind die vier Gruppen und anhand dieser groben Orientierung, da gibt es natürlich noch ein paar feine Abstimmungen, Wachstumsgeschwindigkeiten und so weiter, wird dann die Therapie geplant. Weil es ist eben schon Überlieberliebenschancen. Kann man das sagen, kann man das aber auch pauschal sagen, wenn ich an Brustkrebs erkranke, habe ich eine Überlebenschance von so und so viel Prozent? Ja, Gott sei Dank ist die super, super gut. Also wir können die aller, aller, aller, allermeisten Patienten von der Erkrankung so befreien, dass da nie wieder was nachkommt. Das sind weit über 80 Prozent der Patienten, die dauerhaft und permanent geheilt werden können. Und der Trend geht nach oben, weil die Medikamente werden besser, Brustkrebs-Awareness durch so eine Veranstaltung wie dieser hier wird besser, die Patienten kümmern sich darum, sie wissen, was es heißt, betroffen zu sein und auch wie wichtig es ist, die Medikamente einzunehmen und wir können das messen, ja.
Brustkrebs Awareness, haben Sie gerade gesagt, der Oktober ist ja auch der Brustkrebs Monat. Da wird darauf aufmerksam gemacht.
Wie macht man darauf aufmerksam? Gibt es in Hamburg da spezielle Veranstaltungen oder machen Sie vom Mama Zentrum da etwas? Ja, wir sind eigentlich schon immer sehr aktiv gewesen in dieser Hinsicht. Der eine oder andere hat vielleicht schon mal dieses Logo gesehen, Hamburg wird pink und auch die Stiftung Mama Zentrum ist sehr aktiv. Wir haben Patientenaktionen, wir machen Vorträge, wir haben aber auch interne Weiterbildungen, die wir machen.
Wir hatten letztes Jahr eine Plakataktion auch an den Litfaßsäulen und Bushaltestellen. Der eine oder andere hat da vielleicht auch den Hashtag für diese Brustselbstuntersuchung entdeckt an der Bushaltestelle. Das Video habe ich ja eben schon erwähnt. Also da gibt es verschiedene Aktionen und auch das Screening in Hamburg, also das Mama Screening hier in der Mönkebergstraße, auch die machen regelmäßig Aktionen, um die Patienten zu motivieren, komm nimm das wahr, ist nicht so schlimm, ist einmal eine kurze Untersuchung und es ist wichtig den Krebs früh zu erkennen, weil je früher erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen, je kleiner der Tumor ist, desto weniger Therapie brauchst du. Und das ist, glaube ich, die Kernmessage, die im Oktober rüberkommen soll. Wie oft muss denn, also operieren und den Tumor entfernen, ja, wie oft muss bei so etwas auch eine Brust entfernt werden? Ja, Gott sei Dank deutlich weniger als noch früher, weil wir die Tumore eben früh entdecken, klein und in den allermeisten Fällen können wir brusterhaltend operieren. Das betrifft so summa summarum vielleicht ungefähr 20 Prozent der Betroffenen, wo eine größere Operation notwendig ist, aus verschiedensten Gründen leider, ja.
Wird dann die Brust auch bei Ihnen am Mama-Zentrum wieder rekonstruiert oder muss man so etwas woanders machen? Ja, wir können heutzutage die Brust sofort bei der Entfernung des Tumors rekonstruieren. Das heißt, es werden Implantate beispielsweise eingelegt. Wenn die Patientin jetzt aber wünscht, dass lieber eine Eigengewebsrekonstruktion durchgeführt werden soll, dann wird das Implantat quasi erstmal als Platzhalter eingelegt, bis dann die endgültige Therapie vorbei ist. Weil es kann ja nach der Operation noch zu Strahlentherapien oder medikamentösen Therapien kommen. Da möchte man nicht gleich das frisch transplantierte Gewebe in der Brust mit belasten. Das heißt, das folgt dann in einem zweiten Schritt. Und das ist dann heutzutage mikrochirurgische Arbeit, die die Kollegen aus der plastischen Chirurgie machen.
Wo dann aus Geweberegionen am Körper mit Gefäßanschluss Gewebe gewonnen wird und dann plastisch an die Stelle verpflanzt wird mit Gefäßanschluss. Das ist ein kompliziertes Verfahren, aber dadurch, dass wir in Hamburg sehr viele Patienten behandeln, sind die Plastiker hier in Hamburg eben auch sehr geschult, was diese Dinge angeht, sodass wir den Patienten immer beides gut anbieten können. Ja, wir hatten das ganz am Anfang schon angesprochen, dass es eben die genetische Vorbelastung gibt. Also eben Frauen, die Brustkrebs in der Familie haben, die Mutter hatte es vielleicht oder eben die Tanten oder Großmutter, dass man dann eben genauer hinguckt, ist klar.
Wann muss man sagen, man sollte nicht nur engmaschig kontrollieren, sondern eben auch prophylaktisch die Brust entfernen? Ja, das ist ein weites Feld. Also was Sie ansprechen, sind so die typischen Risikogene, die man vielleicht von Generation zu Generation weitergibt in mutierter Form. Also das heißt, in dem Gen liegt dann irgendwo ein kleiner Fehler vor und es wird dann von Generation zu Generation vererbt. Und wenn man so einen genetischen Fehler oder eine Veränderung hat in dem sogenannten BRCA1 oder 2-Gen, dann kann das Lebenszeitrisiko für eine Brustkrebserkrankung auf 40 bis 60 Prozent steigen. Und das ist schon sehr bedrohlich, weil für die Patienten, die das vielleicht schon in jüngerem Alter erfahren oder eine Ahnung davon haben, weil viele Familienmitglieder eben an Brustkrebs erkrankt und vielleicht auch verstorben sind, gibt es die Möglichkeit, eben diese Krebsentstehung gar nicht erst wahr werden zu lassen, indem man prophylaktisch die Brustdrüse entfernt. Das berühmtestes Beispiel ist hier Angelina Jolie. Das ist die Story, die im Prinzip immer genannt wird. Aber bei der war es so, dass die Mutter, glaube ich, eine Brustkrebserkrankung hatte und früh daran verstorben ist.
Und im Übrigen sind das nicht nur Brustkrebserkrankungen, sondern auch Eierstockkrebserkrankungen, die durch dieses Gen oder den Gendefekt mit begünstigt werden können. Und sie hat sich dann entschieden, prophylaktisch die Brustdrüsen zu entfernen, um eben gar keine Brusterkrankung zu bekommen. Und wir sehen das häufig, also das ist nicht so selten. Und als Tipp vielleicht, wenn jemand den Podcast hört, wenn man also in der Familie viele Brust- und Eierstockskrebserkrankungen hat, sollte man das mal mit seiner Gynäkologin besprechen und sagen, ey, das ist irgendwie komisch.
Gibt es da was, kann ich da was tun? Und wir arbeiten sehr eng zusammen mit dem Konsortium für erblichen Brust- und Eierstockskrebs am UKE. Das ist eine humangenetische Beratungsstelle, wo diese Analysen gemacht werden. Also wir können selber beraten, die Blutentnahmen machen, die Analysen laufen dann in der Humangenetik im UKE und dann wissen wir innerhalb von drei Wochen eigentlich sehr genau, ob eines dieser beiden Gene befallen ist oder vielleicht auch andere, weil es werden mittlerweile bis zu 15 weitere Gene untersucht, ein sogenanntes Risikopanel, die eben auch eine erhöhte Karzinomentstehung begünstigen können, wenn da Mutationen vorliegen. Das ist eine hochkomplexe Untersuchung. Die Beratung ist ausführlich, aber das lohnt sich, insbesondere auch dann, wenn man selber Kinder hat und dann die Weichen entsprechend stellen kann, um Krebsvermeidung zu gestalten. Also dass man dann eben auch weiß, ob man was an seine Kinder, an seine Tochter weitergibt eventuell. Sie hatten jetzt gesagt, wenn viele Fälle sind in der Familie, wenn jetzt beispielsweise nur in Anführungsstrichen die Mutter betroffen war und das vielleicht auch in einem hohen Alter.
Dann ist dann auch schon, sollte dann auch schon die Alarmglocken klingeln oder ist es wirklich in der Regel, wenn es mehrere Frauen in der Familie betroffen hat schon? Das ist gut, dass Sie das ansprechen, weil es gibt Testkriterien vom Konsortium für erblichen Brust- und Eierstockskrebs mit so einem Punktesystem und wir arbeiten das dann immer ab. Und im Prinzip würde es nicht ausreichen, wenn die Mutter beispielsweise jenseits der 50 erkrankt ist und sie selber auch erst im hohen Alter erkrankt ist. Dann ist es eigentlich eher unwahrscheinlicher, sprich unter 10 Prozent, dass sie so eine genetische Veränderung haben für die Brustkrebserkrankung. Die Wahrscheinlichkeit für sowas steigt immer, je mehr jüngere Patienten betroffen sind. Und jünger meint dann vor dem Alter von 51 oder sogar unter 35. Und dafür gibt es dann mehr Punkte in diesem System. Und wenn man drei Punkte erreicht hat, dann kann man eine Testung innerhalb des Konsortiums machen.
Und das macht dann auch medizinisch Sinn, das so zu machen. Aber das ist ja eben nur ein Aspekt der humangenetischen Beratung. Es gibt natürlich auch andere Krebserkrankungen, die da eine Rolle spielen, andere Gene. Es ist ein sehr weites Feld, was sich immer weiterentwickelt. Gott sei Dank tut es das und die Heilungschancen, wie wir gehört haben, sind wirklich hoch. Das macht ganz großen Mut und eben auch, dass es so ein großes Zentrum mit so viel Expertise hier in Hamburg, mitten in Hamburg gibt. Ich danke Ihnen sehr, Herr Prof. Dr. Schemm, dass Sie uns so viel erzählt haben darüber. Und liebe Hörerinnen, denken Sie dran, betreiben Sie Vorsorge, gucken sich diese Videos an, wenn Sie das Abtasten noch nicht so verinnerlicht haben. Probieren Sie es aus und liebe Männer, die zuhören, ermuntern Sie Ihre Frauen und erinnern Sie sie dran. Vielleicht noch ein Satz, auch Männer können Brustkrebs bekommen. Ist zwar super selten, aber wird eben aufgrund der Seltenheit sehr selten entdeckt. Also auch der Appell an die Männer, wenn sie was tasten, was da nicht hingehört, lassen sie es untersuchen. Es lässt sich behandeln und wenn man es zu spät entdeckt, ist es keine gute Nachricht. Ganz, ganz, nein, um Gottes Willen, ganz, ganz wichtiger Appell. Ganz, ganz herzlichen Dank, dass Sie das noch eingeschoben haben. Schön, dass Sie hier gewesen sind. Ich bedanke mich, vielen Dank. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de.
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