Liebe Hörerinnen und Hörer, wir machen eine Sommerpause, aber wichtige Themen bleiben aktuell und unsere Hamburger Klinik-Heldinnen und Helden natürlich auch. Der Sommer ist Urlaubszeit und damit die perfekte Zeit zum Nachdenken. Wollen Sie Kinder? Und wenn ja, wann denn dann so am besten? Damit meine ich jetzt aber nicht die Jahreszeit, das lässt sich ja leider schwer planen. In dieser Highlight-Folge dreht sich alles um das Thema Kinderwunsch und um den richtigen Zeitpunkt. Mich hören Sie im September wieder. Haben Sie einen schönen Sommer. Hamburger Klinikhelden, der Podcast vom Hamburger Abendblatt und dem Verband der Freigemeinnützigen Krankenhäuser in Hamburg, die Freien. Wer ins Krankenhaus muss, während draußen das Leben einfach weitergeht, braucht Hilfe und Anteilnahme. Dafür, dass dem Patienten geholfen wird, sorgen Ärzte und Pfleger. Aber es gibt noch viel mehr Klinikhelden, die alles dafür tun, dass es den Menschen schnell wieder besser geht. Jule Bleier und Elisabeth Jessen stellen Sie in diesem Podcast vor.

Unsere Klinikheldin sitzt heute hier. Das ist Dr. Teresa Bernhard. Sie ist Gynäkologin am Agaplesion Diakonie Krankenhaus in Hamburg und arbeitet dort seit 2019 als Oberärztin. Sie hat selbst eine fünf Jahre alte Tochter und hat sich auch in der Geburtshilfe mehrfach schon in Eritrea engagiert. Schön, dass Sie heute hier sind, Frau Bernhard. Ja, hallo. Guten Tag. Es freut mich auch hier zu sein. Frau Bernhard, was macht Ihre Arbeit im Krankenhaus so besonders?

Also ich arbeite ja in einem Krankenhaus hier in der Klinik mitten in Hamburg. Und wir sind eigentlich gar nicht so ein riesengroßes Krankenhaus, sondern mittelgroß und haben ein Team aus Ärzten. Wir haben einen Chefarzt, wir sind sechs Oberärzte und zehn Assistenzärzte und ich bin, wie gesagt, eine von den Oberärzten. Und da wir ein gar nicht so ganz großes Team sind, arbeite ich eigentlich überall mal tagsüber ein bisschen. Also ich bin eigentlich überall im Einsatz, aber natürlich auch unter anderem besonders gerne in der Geburtshilfe. Und da arbeite ich, mache eine Sprechstunde, in der ich Schwangeren sehe. Ich betreue aber auch Geburten und bin auch im OP. Wie wichtig ist denn das Agapläsion im Ranking? Es gibt ja immer dieses Geburtsranking in Hamburg, wer die meisten hat und so weiter. Wie viele Geburten hat das Agapläsion pro Jahr? Wir haben so durchschnittlich 1400 Geburten und sind dadurch eher sozusagen im mittleren bis unteren Bereich, weil wir haben ja jetzt in Hamburg doch drei sehr große Geburtskliniken, die haben jetzt über 3000 Geburten. Und kommen die Frauen eher aus dem Umfeld, also aus einem Spittel oder kommen die von weit her? Nee, die kommen aus dem Umfeld, die Frauen, die bei uns entbinden.

Können Sie uns nochmal so ein bisschen erklären, also Sie haben ja gesagt, Sie machen alles da in der Klinik, also was halt gerade anfällt, die Frau für alles. Wie sieht denn so ein Arbeitstag bei Ihnen aus? Also wir fangen morgens natürlich mit einer Frühbesprechung und einer Übergabe an. Und dann sind wir schon, teilen wir uns ein. Also ich mache dann zum Beispiel die Geburtshilfe und bin die ganze Zeit im Backup oder für Gespräche oder mache Ausbildung, mache die Visite. Dann habe ich einmal die Woche einen festen Tag, an dem ich Sprechstunde habe. Da bin ich sozusagen in der Ambulanz zu finden und sehe, mache Indikationssprechstunde, sehe zum Beispiel Frauen und da wird beraten, muss ein Kaiserschnitt gemacht werden oder nicht? Oder es sind nochmal Fragen, die speziell an einen Oberarzt gestellt werden sollen oder die speziellere Fragen, die ich beantworte. Oder ich sehe natürlich auch Patientinnen mit Krebserkrankungen, wo wir dann die Indikationen und die Behandlung planen und stellen und Operationen planen. Und dann gibt es andere Tage, da bin ich sozusagen den ganzen Tag im OP. Sie haben eben schon das Thema Kaiserschnitt angesprochen. Das ist wahrscheinlich ein großes Thema, beziehungsweise war es mal eine Zeit lang. Gibt es mehr Frauen, die sich einen geplanten Kaiserschnitt wünschen oder ist genau das Gegenteil der Fall? Wollen die Frauen heutzutage unbedingt eine natürliche Geburt?

Also der Geburtsmodus, wie wir das ja dann immer so nennen, ist schon auf jeden Fall ein ganz, ganz großes Thema und bewegt jede Frau.

Ich würde mal sagen, eigentlich die meisten Frauen möchten gerne spontan auf dem natürlichen Weg sozusagen entbinden. Aber es gibt natürlich auch viele Indikationen, wo man sagt, wir empfehlen, dass ein Kaiserschnitt geplant durchgeführt wird. Sei es zum Beispiel, dass Frauen voroperiert worden sind, dass Kinder in Beckenendlage liegen, das heißt, dass der Kopf sozusagen nach oben zeigt. Dann besprechen wir in der Sprechstunde erstmal, ob eine äußere Wendung möglich ist. Das heißt, man kann Kinder von außen mit den Händen mit einem Handgriff drehen und in die richtige Position bringen.

Zwillingsschwangerschaften, wie wird geboren? Jedenfalls sozusagen wird das immer individuell entschieden und besprochen. Wir haben natürlich aber auch, ich sehe natürlich auch Frauen, die ganz bewusst zu uns kommen und sagen, ich möchte mein Kind mit einem Kaiserschnitt entbinden. Und wird das auch einfach gemacht, wird diesem Wunsch nachgegangen oder empfiehlt man den Frauen trotzdem eine natürliche Geburt? Dem Wunsch wird nachgegangen. Ich würde natürlich immer auch genau nachfragen, warum sie das wünscht, was ihre Sorgen sind. Also vielleicht kann man auch bestimmte Ängste vor einer natürlichen Geburt auch nehmen und das besprechen.

Tendenziell würde ich immer sagen, wenn eine Frau kommt und einen Kaiserschnitt möchte, nachdem wir sie aufgeklärt haben und eben Fragen besprochen haben und machen wir, führen wir für ich geplante Kaiserschnitte durch. Was sagen die Frauen denn, wenn die kommen und sagen, ich möchte jetzt gerne einen Kaiserschnitt, wie begründen die das? Das ist natürlich total unterschiedlich. Sei es, man hat jahrelang versucht schwanger zu werden und jetzt ist endlich nach vielen Jahren oder nach Kinderwunschbehandlungen eine Schwangerschaft eingetreten und man möchte das kleinste Risiko eingehen sozusagen bei der Geburt. Sei es, die Vorgeburten waren traumatisch, sie hat schlimme Erfahrungen gemacht bei vorangegangenen Geburten. Sei es, es gab schlimme Geburtsverletzungen, wo auch manchmal dann wir, nachdem wir aufgeklärt haben und besprochen haben, dann sagen, okay, jetzt machen wir doch lieber einen Kaiserschnitt, um nicht nochmal eine Geburtsverletzung zu verstärken.

Dann gibt es natürlich auch Frauen, die sagen, die Sorge haben vor Verletzungen des Beckenbodens und Inkontinenzen im Alter oder die später auftreten. Das sind natürlich auch Dinge, die wir ernst nehmen müssen und die wir besprechen müssen. Und sowas passiert nicht beim Kaiserschnitt? Also es gibt viele Studien, die zeigen, dass die Inkontinenzrat oder wir nennen das ja dann Beckenbodeninsuffizienz, die Verletzung, weniger sind nach einem geplanten Kaiserschnitt. Und Sie haben jetzt gerade noch erwähnt, dass es weniger Geburtsrisiken gibt beim Kaiserschnitt. Ja, genau, habe ich auch überlegt, als ich das ausgesprochen habe. Ich denke schon, dass das medizinische System ja schon so ist. Bei einem geplanten Kaiserschnitt ist das Risiko, dass wir ein gesundes Kind auf die Welt bringen. Also es ist ein sehr sicheres Verfahren. Okay.

Wie häufig kommt es denn vor, dass eine natürliche, also natürlich angegangene und geplante Geburt dann doch in einem Kaiserschnitt endet, weil vielleicht es dem Kind nicht gut geht, die Herztöne nicht in Ordnung sind, es zu lange dauert? Genau, die Rate, dass ungeplante Kaiserschnitte durchgeführt werden, das liegt bei uns etwa bei 13 Prozent. Also 13 Prozent, also wir haben eine Kaiserschnittrate, wie ja jedes Krankenhaus sozusagen führt, die ist bei uns knapp unter 30 Prozent. Also letztes Jahr war sie bei 28 Prozent. Und von diesen 28 Prozent der durchgeführten Kaiserschnitte waren 13, 14 Prozent ungeplante Kaiserschnitte. Die anderen Kaiserschnitte waren geplant, sozusagen.

Wie geht es denn den Frauen, die eigentlich natürlich ihr Kind bekommen wollten und dann aber einen Kaiserschnitt machen mussten? Ist das oft belastend für die Frauen, weil sie denken, ich habe es jetzt nicht geschafft, mein Körper hat es nicht geleistet, ich wollte das eigentlich unbedingt? Also diese Gedanken, die erlebe ich natürlich auch. Das ist ganz individuell. Also manche Frauen sind einfach nur erleichtert, dass das gesund ist und gut auf die Welt gekommen sind und sind mit dem im Frieden. Aber es gibt natürlich auch Frauen, wo die hadern, weil sie sich die Geburt komplett anders vorgestellt hatten und dann natürlich dann eventuell alles anders gekommen ist, als sie geplant oder gedacht hatten und dann die Geburt sozusagen im Einkaiserschnitt geendet hat. Ich kann mich noch gut erinnern, ich habe mir die Geburten auch anders vorgestellt, jedenfalls deutlich weniger schmerzhaft und ich erinnere mich an Schwangerschafts-Yoga, wo man dann so Schmerzübungen gemacht hat und immer die Arme so kreisen ließ, da habe ich gedacht, also das ist so eine blöde Übung und die ist so schmerzhaft und anstrengend, so schlimm wird die Geburt nie. Ja, man kann sich irren im Leben, aber da sind wir schon beim Stichwort Schmerzen. Wie ist es denn mit Schmerzmitteln?

Werden Schmerzmittel oft gegeben unter der Geburt? Sagen Frauen auch, ich möchte das gar nicht oder möchten sie es unbedingt? Und wenn ja, was für Möglichkeiten hat man denn eigentlich? Also ganz viele Frauen kommen, wir machen ja auch Geburtsanmeldung. Wir führen normalerweise ein Gespräch so in der 30. Schwangerschaftswoche und sprechen über spezielle Wünsche, aber auch Risiken. Und also jede Frau bekommt eigentlich ein Anmeldegespräch. Und ich würde schon sagen, die meisten Frauen sagen, sie wünschen sich eine Geburt, die so natürlich wie möglich sein soll. Und würden sagen auch, also viele Frauen sagen auch, sie möchten versuchen, ohne Schmerzmittel auszukommen.

Und bei vielen Frauen ist das auch so. Aber ich würde sagen, unsere PDA-Rate, also wir haben ja die Möglichkeit, eine PDA unter der Geburt zu legen. Die ist bei 40 Prozent. Also 35 bis 40 Prozent der Frauen bekommen eine PDA, wenn sie möchten. Aber da muss man rechtzeitig Bescheid sagen, habe ich gelernt. Sonst ist es irgendwann zu spät. Das kommt überhaupt nicht. Das Einzige ist, dass eine PDA natürlich so, bis sie ganz wirkt, 20 Minuten braucht. Und wenn wir denken, das Kind kommt, aber ja in 20 Minuten, dann wird es sich natürlich nicht lohnen. Und was gibt es noch für Schmerzmittel? Gibt es bei Ihnen zum Beispiel auch Lachgas? Nein, das haben wir nicht bei uns in der Klinik. Das haben wir nicht. Aber wir geben Schmerzen als Infusion. Wir haben die Möglichkeit auch Akupunktur zu machen oder Akupressur oder viele Frauen nutzen auch am Anfang die Phase, dass sie einfach eine Weile baden. Wir haben ja Badewannen bei uns im Kreißsaal und eben als letztes die PDA. Und ich selbst finde zum Beispiel, dass die PDA eine ganz hervorragende Möglichkeit ist, einer Schwangeren die Schmerzen zu nehmen, weil ja alle Medikamente, die wir spritzen oder ins Blut geben oder die gehen ja sozusagen ins System und kommen auch irgendwie beim Baby an und sozusagen das Kind bekommt die Medikamente auch.

Aber bei der PDA ist es ja so, das ist eine lokale Nervenbetäubung. Das heißt, das Kind bekommt davon überhaupt nichts mit. Also wenn es darum geht, jetzt so schonend wie möglich oder dem Kind gar nichts davon zu geben, dann würde ich immer sagen, ja, dann nehmen Sie eine PDA, weil da bekommt das Kind nichts von mit. Aber so ein Geburtsschmerz ist doch ein Schmerz, den der Kopf auch wieder vergisst. Sonst wird doch keine Frau ein zweites Kind kriegen. Ja, erstaunlicherweise in den meisten Fällen ist es ja wirklich so, dass schon einige Tage später das vergessen ist. Sie haben ja schon gesagt, Sie sind kein sehr großes Krankenhaus. Gibt es bei Ihnen, kann jede Schwangere, die zu Ihnen kommt und bei Ihnen Ihr Kind kriegen will, wird die auch aufgenommen? Oder müssen Sie manchmal sogar sagen, nee, oh Gott, jetzt sind wir zu voll oder müssen auch Schwangere, die vielleicht kommen, mal weggeschickt werden, weil Sie sagen, alle Kreissäle sind dicht, wir können hier gerade gar nichts machen? Wir haben zum Glück, sind wir doch so gut aufgestellt. Also wir haben dadurch, dass wir 1400 Geburten etwa haben mit vier Kreißsälen, sind wir eigentlich von der Anzahl der Kreißsäle fast so aufgestellt wie die großen Krankenhäuser. Wir haben, sodass wir eigentlich Schwangere nicht wegschicken müssen. Also ich habe das noch nie gemacht, deswegen, weil wir überfüllt waren sozusagen. Wir haben ja im Schnitt etwa drei, vier Geburten am Tag und das ist dadurch, das ist sozusagen, sind wir gut aufgestellt.

Wir haben aber keine Kinderklinik, also man teilt in Deutschland ja die Geburtshilfe ein in Level, also es gibt Level 1 2, 3 und 4 und Level 1 sind zum Beispiel die Kliniken, die eine, Kinderklinik angeschlossen haben bei denen alle Maßnahmen gemacht werden also Frühchen geboren werden können ab der 24. Schwangerschaftswoche oder dann gleich im Anschluss Herzfehler operiert werden können, Das ist dann sozusagen das Level 1. Unser Krankenhaus ist ein Level 4. Das bedeutet, dass wir keine Kinderklinik vor Ort haben, sondern Kinderärzte bei uns im Rufdienst sind. Und wenn man eine Level-4-Klinik hat, dann darf man nur Kinder entbinden ab der 37. Schwangerschaftswoche. Und gewisse Risikoschwangerschaften sollten auch nicht bei uns entbinden, sondern dann in einem Perinatalzentrum. Aber das erfahren die Frauen dann vorher und gehen dann in eine andere Klinik. Genau.

Jetzt haben Sie gerade schon von schwierigen Schwangerschaften erzählt. Wie ist denn der Anteil älterer Schwangerer? Weil das ist ja auch so ein, also man ist ja ganz schnell Risikoschwangere. Ab welchem Alter eigentlich? Ab 35, glaube ich, oder? Ja, genau. Ab 35 geht die Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft. Und jetzt, ich habe das nämlich extra nochmal nachgelesen, sind ja die Rate oder das Durchschnittsalter der Frau in Deutschland ist ja bei 30,5. Das heißt also, der Großteil unserer Schwangeren ist natürlich eigentlich, würde ich mal sagen, über 35. Weil in der Großstadt einfach die Erstgebärenden so alt sind? Ist es ein Stadt-Land-Gefälle sozusagen?

Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht so genau. Aber es hat natürlich, glaube ich, schon was damit zu tun, dass wir Frauen jetzt ja doch sehr oft oder die berufliche Karriere oft im Vordergrund steht und wir uns sehr spät entschließen, Kinder zu bekommen. Was ja auch so ein bisschen gefördert wird in den Medien, finde ich. Irgendwie sieht man ja immer wieder auch Bilder von irgendwelchen Promis, die sehr spät noch ihre Kinder bekommen haben. Sodass viele Frauen sozusagen denken, sie haben viel Zeit, Kinder zu bekommen. Und ich würde auch behaupten, bei uns in der Klinik, die meisten Frauen sind auf jeden Fall so über 30. Waren Sie denn schon Oberärztin, als Sie Ihre Tochter gekriegt haben? Nein, noch nicht. Sie haben also Karriere trotz Kind gemacht. Ja, genau. Das ist beruhigend. Was bringt das aber mit sich, also jetzt für Ihre Arbeit, wenn die Frauen älter sind und damit eher auch öfter eine Risikoschwangerschaft? Das heißt ja nicht, dass unbedingt was passiert oder etwas ist. Man guckt dann eben genauer drauf. Aber verändert das auch Ihre Arbeit, Ihre Vorbereitung?

Müssen Frauen anders behandelt werden, weil sie älter sind? Ja, also je älter eine Entbindende ist, zählt man ja, dann sagt man ja Risikoschwangerschaft. Und das bedeutet, es gibt Studien, die zeigen, dass jedenfalls ab einem Alter ab 40 das Risiko, die man, wir nennen das dann die kindliche Morbidität und Mortalitätsrate höher ist. Das heißt also, es wird empfohlen, Schwangerschaften nicht ewig lange zu übertragen. Das heißt, wir leiten eher mal Schwangerschaften ein. Dann ist es auch so, bei älteren Schwangeren ist ja oft auch.

Irgendwie Voroperation gemacht worden, also dass sie Myome innukleiert bekommen haben, also die Gebärmutter schon operiert worden ist, damit sie überhaupt schwanger werden kann oder Kinderwunschbehandlungen wurden vorher durchgeführt, weil man ja einfach im höheren Alter nicht mehr so einfach schwanger wird. Und diese Fakten sozusagen führen dazu, dass man ein besonderes Auge auf die Schwangere hat und eben schon auch eher mal einen Kaiserschnitt indiziert oder eben eine Geburt eher beendet, indem man sie einleitet und sagt so, jetzt scheint doch die Plazenta, der Mutterkuchen nicht mehr ganz so effektiv zu sein. Wir müssen jetzt das gut im Auge behalten und eine Geburt eben herbeiholen. Sie haben jetzt gerade unerfüllten Kinderwunsch angesprochen. Ist das etwas, was zunimmt? Frauen, die gerne Kinder hätten, aber keine kriegen können? Also werden die Frauen unfruchtbarer? Gibt es dazu Zahlen? Da kann ich jetzt ganz konkret keine Zahl nennen. Ich glaube aber, dass eben dadurch, dass wir oft sozusagen das Kinderkriegen ins höhere Alter schieben, es ist auf jeden Fall Fakt, dass die Kinderwunschbehandlungen zunehmen. Es ist aber, finde ich, auch ein Zeichen dafür ja, dass das kein Tabuthema mehr ist und damit offenbar umgegangen werden kann.

Frau Dr. Bernhard, Sie haben noch eine Zusatzweiterbildung und zwar in der medikamentösen Tumortherapie. Erzählen Sie uns mal ein bisschen davon. Genau, die medikamentöse Tumortherapie ist eine Bezeichnung, die man tragen kann, dass man die Weiterbildung gemacht hat. Das geht eigentlich darum, dass ja heute nicht jede Krebserkrankung mit Chemotherapien behandelt wird, sondern die Medikamente werden immer spezialisierter und spezieller. Wir haben Immuntherapien, wir haben Antihormontherapien, wir haben Antikörpertherapien und da kann man eine spezielle Weiterbildung machen und das ist eine Prüfung bei der Ärztekammer, die man dann ablegt sozusagen und das beinhaltet, dass man einfach schon viele... Therapien begleitet hat, durchgeführt hat und sozusagen in dem Fachgebiet spezialisiert ist. Was sind das denn für Frauen, die Sie da behandeln? Welche Erkrankungen haben die? Wir sind ja ein gynäkologisches Tumorzentrum und ein Brustzentrum. Das heißt, es sind viele Brustkrebspatientinnen, Eierstockkrebspatientinnen, Gebärmutterhalskrebs oder Gebärmutterschleimhautpatientinnen, Krebspatientinnen, die dann bei uns behandelt werden. Nehmen diese Krebsfälle auch zu?

Man sagt ja, in Deutschland ist es so, dass jede achte Frau an Brustkrebs erkrankt. Und das ist ja schon in den letzten Jahren zunehmend gewesen. Auf jeden Fall. Also ich würde sagen, ja. Und wie gut kann man diese Erkrankung mittlerweile behandeln? Zum Glück ist sie ja in 95 Prozent der Fälle heilbar. Gerade die Brustkrebserkrankung. Und die anderen Tumorerkrankungen, von denen Sie gesprochen haben? Sind auch heilbar, aber gerade jetzt beim Eierstockkrebs kommt es sehr darauf an, in welchem Stadium man es erkennt. Wie können Frauen denn erkennen, wenn sie an Krebs erkrankt sind?

Also zum Glück haben wir jetzt auch in Hamburg ja das Mammographie-Screening. Das heißt, jede Frau zwischen 50 bis 70 wird ja eingeladen, alle zwei Jahre eine Mammographie durchführen zu lassen. Das kann ich sehr empfehlen, weil wir schon, ich sehe viele Frauen, bei denen das im Rahmen des Screenings erkannt worden ist. Dann gibt es natürlich die Möglichkeit, die Brust selbst zu tasten und auch Tumore selbst tasten zu lassen. Dann empfehle ich natürlich auch einmal im Jahr zum Frauenarzt zu gehen, weil das beinhaltet ja dann auch mit die Untersuchung. Und gerade im gynäko-onkologischen Bereich, also gynäkologische Tumoren wie jetzt Eierstockskrebs oder Gebärmutterkrebs, die äußern sich zum Beispiel, wenn man eigentlich keine Periode mehr bekommt, also postmenopausal ist und dann wieder Blutungen bekommt. Das wären so Alarmzeichen. Oder wenn man das Gefühl hat, oh, mein Bauch wird plötzlich dick, eine Bauchumfangszunahme. Das wären so Alarmzeichen oder Zeichen, wo man sagt, okay, jetzt sollten wir mal nachschauen. Ich habe gehört, dass viele Frauen nicht regelmäßig zur gynäkologischen Vorsorge gehen. Wie sind da Ihre Erkenntnisse? Ja, ich sehe doch viele Patientinnen, die gesagt haben, ja, ich war das letzte Mal beim Frauenarzt, als ich schwanger war oder nach der Geburt. Also schon, da ist ein großer Anteil an Frauen, die nicht gehen. Was würden Sie denen raten? Einmal im Jahr zum Frauenarzt zu gehen. Zahlt ja auch die Krankenkasse. Ja, absolut. Genau.

Sie müssten uns aber auch noch ein bisschen aus Eritrea erzählen von Ihrem Engagement dort. Das haben Sie gemacht mit einem Team, was von Ärzten aus der ganzen Bundesrepublik sich dort zusammengefunden hat. Erzählen Sie mal ein bisschen. Genau, also gegründet hat vor Eritrea den Verein, ein Handschirurg, Ulf Bauer, der mehrmals mit einer Organisation in Eritrea war und Kinder operiert hat an den Händen und dann hat er eigentlich festgestellt, dass ja doch… sehr, sehr viele, also die Frau an sich sehr viele Kinder bekommt, also etwa ca. Neun Kinder bekommen eine eritreische Frau. Und wenn einer Mutter irgendwas passiert, dann sind einfach gleich auf einem Schlag neun Kinder ohne verantwortliche Personen. Und dann hat er eigentlich festgestellt, wir müssen irgendwas für die Mütter tun in Eritrea. Und daraufhin ist meine Kollegin sozusagen mit ins Boot geholt worden und darüber ich. Und wir sind nach Eritrea gefahren und haben halt, gerade weil meine Kollegin eine hervorragende Operateurin ist, wurden angefangen halt onkologische Operationen durchzuführen. Und ich bin auch natürlich gerade mit geburtshilflichen Schwerpunkt sozusagen hingefahren.

Und wir haben festgestellt, dass natürlich in Eritrea ist es so, dass drei von 100 Kindern unter der Geburt oder nach der Geburt versterben. Und es gibt einfach viele Möglichkeiten, die wir hier in Deutschland haben, um Schwangere oder Entbindende zu überwachen, wie zum Beispiel die Herztöne abzuschreiben oder eben Kaiserschnitte im Notfall zu machen. Und diese Möglichkeiten gibt es halt in Eritrea nicht immer oder nur in der Hauptstadt sozusagen. Und da haben Sie bei der Ausbildung auch geholfen? Genau. Und wir haben dann Ultraschallgeräte auch mitgebracht und auch die CTG-Geräte und erklärt, wie es funktioniert und mit ausgebildet.

Jetzt kann ich mir Eritrea so schlecht vorstellen. Sind Sie da in Städten unterwegs oder auf dem Land? Wir waren oder wir sind immer in Asmara, immer in der Hauptstadt. Und da ist die große Uniklinik, wo auch sozusagen Medizinstudenten unterrichtet werden. In Eritrea selbst gibt es nur acht Fachärzte für Gynäkologie bei ja etwa vier Millionen Einwohnern. Und viele Frauen, die gebären, machen das natürlich auf dem Land. Da gibt es auch kleine Gesundheitszentren. Aber sobald etwas kompliziert wird oder ein Kaiserschnitt gemacht werden muss, sind sie dann zum Teil zehn Stunden, zwei Tage unterwegs, um dann in die Universitätsklinik zu kommen und dort dann Kaiserschnitt zu bekommen. Wahnsinn, das kann man sich hier als Schwangere überhaupt nicht vorstellen. Was haben wir für ein Luxus hier in Deutschland, in Hamburg überhaupt? Also einfach mit dieser großartigen medizinischen Versorgung. Genau. Und auch dieses Notkaiserschnitt gibt es gar nicht, dass man halt innerhalb von wenigen Minuten ein Kind auf die Welt holen kann, sondern das bedeutet dort immer eine Stunde.

Oder ich, gerade Vorsorgen werden nicht gemacht. Ich habe eine Frau mit entbunden in Eritrea, die war tagelang unter der Geburt. Das Kind konnte nicht geboren werden, weil es einen Wasserkopf hatte und das war vorher mit Ultraschall halt nicht diagnostiziert worden. Und natürlich kann ein Kind mit Wasserkopf nicht auf natürlichem Wege geboren werden. Und diese Frau kam dann in die Uniklinik und da war dann die Gebärmutter auch schon gerissen, sozusagen. Also so Fälle, wo man denkt, wenn wir einfach Ultraschall vorher gemacht hätten oder gehabt hätten, dann wäre sie rechtzeitig einfach in die Uniklinik gefahren und man hätte einen Kaiserschnitt gemacht. Wie oft waren Sie dort? Sechsmal. Und werden auch weiter hinfahren? Genau, also im Moment ist es so, dass Eritrea ganz streng ist mit den Corona-Richtlinien. Das heißt, sie haben keine NGOs, also nicht Regierungsorganisationen ins Land gelassen. Deswegen mal sehen, wie sich das entwickelt jetzt in Zukunft. Ich würde gerne noch mal auf Ihre Klinik zurückkommen und Ihre Arbeit in der Klinik. Ist das eigentlich ein eher weibliches Team, in dem Sie arbeiten oder sind da auch viele Männer dabei? Also hauptsächlich ist es weiblich. Es gibt fünf Männer in meinem Team. Also unseren Chefarzt, drei Oberärzte und einen Assistenzarzt. Wie viele Oberärzte waren Sie insgesamt?

Wir sind sechs Oberärzte, wobei eine der Kolleginnen nur für das Beckenbodenzentrum zuständig ist, also sozusagen fünf Oberärzte. Okay, aber da ist es ausgeglichen in der Oberarztleitungsebene. Ist denn die Gynäkologie insgesamt noch eher eine weibliche Domäne? Ja, also erstmal ist ja die Medizin an sich ja immer weiblicher oder femininer. In der Gynäkologie ist es natürlich auch so, aber es gibt vereinzelt doch auch immer wieder Männer, die sich für das Fach entscheiden. Gibt es denn überhaupt männliche Hebammen in Hamburg? Ist Ihnen schon mal jemand begegnet? Nein, in Hamburg nicht. In Eritrea ist es ein ganz männliches Fach. Das ist wohl, weil Eritrea ja lange italienisch war und in Italien wurde mir gesagt, gang und gäbe, dass es männliche Hebammen gibt. Aber nein, hier in Hamburg wüsste ich nicht, dass es eine männliche Hebamme gibt. Interessant. Können Sie Frauen, die jetzt schwanger sind und das hören und sich auf die Geburt vorbereiten und wenn es die erste Geburt ist, dann macht man sich ja wahrscheinlich sehr, oder man macht sich sehr viele Gedanken, wie es alles sein könnte. Was können Sie denen für Tipps mit auf den Weg geben?

Also ich glaube, ich würde immer sagen, dass man offen sein muss und nicht zu dolle sich Vorstellungen machen, wie etwas ablaufen soll. Also, dass man versuchen soll, sich gar nicht so groß den Druck zu setzen im Sinne von, ich muss jetzt die perfekte Geburt hinlegen, weil meine Erfahrung ist, wenn man es so ein bisschen drauf ankommen lässt und sich auch beraten lässt und gerne auch immer sagt sozusagen, was man mag und was einem passt und was nicht und wir versuchen, eine gute Kommunikation zu machen, dann steht einer natürlichen oder einer gut gelaufenen Geburt überhaupt nichts im Wege.

Auch wenn sie mit Kaiserschnitt enden sollte. Aber die Hebamme hat ja auch immer einen ganz wesentlichen Part bei der ganzen Sache. Also Sie als Ärztin sollen ja eigentlich nur eingreifen, wenn es ein Problem ist. Ja, genau. Aber die Hebamme, das sind einfach so die größten Motivaturen, finde ich. Also vielleicht gibt es auch noch Fußballtrainer, die das können. Aber wenn so eine Hebamme einem sagt, du machst das so toll und man denkt, okay, man ist die beste Gebärende, die diese Welt jemals gesehen hat. Das motiviert einen sehr. Absolut, total. Und es ist ja auch alles immer eine Teamarbeit. Also die Entbindende, der Partner oder die Partnerin und die Hebamme und wir Ärzte. Also absolut, das sehe ich absolut als Teamarbeit. Aber Sie haben ja eigentlich Frauen immer nur in Ausnahmesituationen. Ist das nicht auch belastend? Also die haben Schmerzen, die müssen Kinder auf die Welt kriegen oder sie haben Krebs und müssen getröstet werden und sie müssen eine medizinische Behandlung für die finden. Ist das nicht auch belastend? Nee, ich finde es sehr, also es gibt ja ganz viele, gerade unter der Geburtshilfe, dadurch, dass man ja viel Erfahrung hat, weiß man, wie schön es enden wird, egal auf welchem Weg und wie froh wir sind. Und ich empfinde es als sehr intensive Arbeit und jemanden begleiten zu können und irgendwie es zu schaffen, das einen Ticken besser zu machen, das finde ich wahnsinnig befriedigend und schön an dem Beruf.

Frau Dr. Bernhard, ganz herzlichen Dank, dass Sie uns diesen Einblick gegeben haben. Ja, danke auch, dass ich das machen durfte.

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